r. 6. e Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaf dagen ibden. Ahe chem, gehen. gerade en in igt sie Lieh⸗ Un⸗ N Ex⸗ 0 Gi ihlung 0 das entge⸗ e viel n Al⸗ mehr le von, ct— ia in er als he Ge— e liegt lose in h mehr Ales, dskrast uf und könnte. husten er auf⸗ 0 nigten tieren) er Ge⸗ einen tieger⸗ Kranl⸗ e Zahl ch nicht hwäche⸗ gebib⸗ d nicht ahligen drängt Lauft n durch len, den, ill, wit ich vol, ermang in und Kenn f gal 1 ö b 8 Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in 2. Jahrgang. Der Satz:„Religion und Politik haben nichts mit⸗ einander zu tun“ ist die schlaueste Erfindung des Sa⸗ tans. Ch. H. Spurgeon. Eine bemerkenswerte Rode des Visthofs Dr. Schreiber. Von Th. Baare, Freital. Kürzlich hat in Dresden auf Veranlassung des katholischen Preßvereins eine große Katholikenkund— gebung stattgefunden, und der Bischof von Meißen, wie sein Bistum genannt wird, Dr. Christian Schreiber, hat eine in mehr als einer Hinsicht sehr bemerkens- und beachtenswerte Rede gehalten. Der eigentliche Zweck des Abends war augenscheinlich, die Katholiken in der Diaspora Sachsen, wie Rom sich ausdrückt, zu neuem Kampfeifer zu entflammen, zu neuer Tat zu begeistern, vor allem, um die katholische Presse im Bistum kräftig zu fördern und zu unterstützen. Im sogenannten Bis⸗ tum Meißen erscheint nun nur eine katholische Zeitung, die Dresdener„Sächsische Volkszeitung“, die stramm Wirthscher Observanz und auf den Anschluß nach links eingestellt ist. Bezeichnenderweise ist ein großer Teil der sächsischen Katholiken mit dieser radikalen Haltung ihrer Zeikung keineswegs einverstanden. Darum sah sich wohl Bischof Dr. Schreiber unlängst genötigt, in einem Hirtenbrief seine Gläubigen sanft zu ermahnen und ihnen das Geschick der katholischen Presse warm ans Herz zu legen. Daß der Bischof am Schluß seiner etwa einstündigen, sehr ruhig und sachverständig gehaltenen Ausführungen auf diesen Hirtenbrief zu sprechen kam, läßt darauf schließen, daß er entweder ein⸗ sieht, zu weit in der Unterstützung der„Sächsischen Volkszeitung“ gegangen zu sein, und nicht gewillt ist, eine starke Mehrheit seiner Diözesanen vor den Kopf zu stoßen, oder aber, daß er tatsächlich nicht so radikalen Anschauungen huldigt. Er sagte ganz jesuitisch-dialek— tisch, daß er sich nicht verteidigen, sondern nur zur Steuer der Wahrheit erklären wolle, daß man ihm u Unrecht einen Vorwurf gemacht habe, denn sein Hirten⸗ brief habe der katholischen Presse im Bistum Meißen gegolten, nicht aber der„Sächsischen Volkszeitung“. Dabei weiß jeder, daß es eben nur die eine Zeitung hier gibt! Und warm trat der Bischof für die Diasporapresse ein, denn diese müsse die Minderheit, die besonderen Schutzes bedürfe, schützen und stützen, sie sei einem Leuchtturm gleich, der dem katholischen Schifflein auf Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M. brandendem Meer seine warnenden Strahlen zusende. Die katholische Minderheit sei von einer starken Mehr⸗ heit umgeben. Demgegenüber darf man wohl ange— sichts der in Sachsen obwaltenden Verhältnisse darauf hinweisen, daß man fast ebensogut von einer evangeli— schen Diaspora in Sachsen sprechen könnte, denn wenn auch die politischen Verhältnisse in bezug auf die evan⸗ gelische Kirche sich in den letzten Jahren gebessert haben, so weht doch immer noch scharfer Kampfwind von seiten der Sozialisten und Atheisten, und auch von der Seite Roms, und die Evangelischen, namentlich in Industrie⸗ teilen des Landes, wie in der Umgebung Dresdens, haben wahrlich hart zu kämpfen, um ihr Schifflein flott zu halten. Eine starke Anmaßung Roms bedeutet es schon, daß Rom vor einigen Jahren feierlich das Bistum Meißen wieder eingerichtet und eigens einen Bischof von Meißen mit dem Sitz in Bautzen ernannt hat, obwohl gerade Meißen mit seiner Albrechtsburg und seinem herrlichen Dom geradezu die Hochburg des Luthertums darstellt. Mit überlegener Dialektik sprach Dr. Schreiber u. a. von der ungeheuren Arbeit des Zentrums für die Kirche und ihre Gläubigen, ober ohne es zu nennen(0, stellte jedoch ausdrücklich fest, daß er nur Grundsätze auf⸗ stellen und den Katholiken raten wolle, sich vorzusehen und ja sorgfältig zu prüfen, wem sie die Vertretung und Wahrung ihrer Belange anvertrauen wollten. Er be⸗ zeichnete es gleichsam als Zufall, daß es eine Partei gäbe, die sich Zentrum nenne! Viele schöne, ja herrliche Worte fand der Bischof für die große Duldsamkeit der katholischen Kirche gegenüber Andersgläubigen, und er stellte sein Tun und Reden ganz auf den Boden der Wahrheit, Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Menschenliebe, Duldsamkeit und Achtung vor jeder ehrlichen Ueber— zeugung, solange dadurch nicht das Gemeinwohl ge— schädigt würde. Und, wenn er diese hehren Tugenden als Richtschnur für die Arbeit der Presse überhaupt, insonderheit aber der christlichen und katholischen vor⸗ schrieb und den Katholiken aufgab, stets darnach zu handeln und nur die Presse zu unterstützen und zu för⸗ dern, die darnach handelte, die er die gute und ehren⸗ hafte nannte, während er es als Pflicht vorschrieb, die der Lüge, Unwahrhaftigkeit, Skrupellosigkeit und Ent⸗ fesselung menschlicher Leidenschaften dienende Presse scharf zu bekämpfen, da diese eine furchtbare Gefahr darstelle, so kann man dem Bischof wohl zustimmen. Ob es aber bei den schönen Worten bleibt, ob diesen auch entsprechende Taten folgen werden, muß man abwarten. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 7. Einstweilen wissen wir Sachsen in der Diaspora, daß von Rom uns schärfster Kampf angesagt ist, und daß das Zentrum, immer noch einer der Hauptexponenten der politischen römischen Kirche, gegenwärtig mal wieder sozusagen Trumpf im Reich ist und daß es tatkräftig am Bündnis bezw. seiner Aufrechterhaltung mit den Feinden der christlichen Religion arbeitet. Diese Ar- beit aber spüren wir Evangelischen Sachsens in erster Stelle am eigenen Leibe. Nach Duldsamkeit klingt es auch nicht gerade, wenn der Bsichof im Verlauf seiner Rede darauf hinwies, daß auch die anderen Konfessio— nen sehr wertvolle Geistesgüter und reiche ideelle Schätze besäßen, aber hinzufügte, daß sie diese erst bei ihrer unseligen(sie!) Trennung von der großen Mutter- kirche von dieser mitgenommen hätten. Sehr bemerkenswert war weiter, daß Bischof Dr. Schreiber den oft der römischen Kirche gemachten Vor— wurf, sie erhebe darauf den Anspruch, die alleinselig— machende Kirche zu sein, mit der eigenartigen Argu— mentierung zurückwies, daß die katholische Kirche lehre, daß jeder, ob Heide oder Jude oder Christ, selig werden könne, wenn er nach seinem Gewissen handele. Von dieser Lehre ist uns bisher nichts bekannt geworden, und damit stimmt es doch sicher nicht überein, daß Ehen zwi—⸗ schen Protestanten und Katholiken von Rom für ungül⸗ tig und als Konkubinat erklärt werden und daß es als Todsünde betrachtet wird, wenn die aus solchen Ehen hervorgegangenen Kinder nicht katholisch getauft und in der römischen Lehre erzogen werden, womit zugleich die vom Bischof vielgerühmte Toloranz der katholischen Kirche in recht eigenartigem Licht erscheint. Mit dem Marxismus setzte sich der Bischof nur vom Standpunkt der Weltanschauung aus auseinander, von Politik wolle er dabei nicht reden, es gebe auch ganz rechts Leute, die rein materialistisch handelten und dächten. Betrachtet man diese Aeußerung im Lichte der gekennzeichneten Haltung des Bischofs gegenüber dem Zentrum und seines Eintretens für die„Sächsische Volkszeitung“, die doch recht radikal gesinnt und von jener Duldsamkeit und Fernhaltung von jeder Polemik weit entfernt ist, die Dr. Schreiber der Presse so warm anempfahl, dann wirken solche Worte doch recht bezeich— nend, und man denkt unwillkürlich, daß dadurch eine Brücke nach links geschlagen werden soll, zumal der Bischof es auch ablehnte, sich für die von Katholiken angeregte Gründung einer zweiten Zeitung einzusetzen. Daß das heutige Leben nichts von der Religion wissen will, erklärte der Bischof für eine der verhäng⸗ r——— der Barmherzige. Matthäus 5,7. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Von den Feinden des Christentums wird immer behauptet, die Kirche vertröste die Not und die Armut auf den Himmel und lasse die Menschen verhungern und umkommen. Das ist mit anderen Wort gesagt: Die christliche Kirche ist unbarmherzig. 0 dem widerspricht obiges Jesuwort. Jesus war auf alle Fälle 0 barmherzig und zeigt uns, wie wir auch barmherzig sein sollen. Wir bewundern gerade unseren Heiland, wie der den einzelnen Menschen für wertvoll gehalten und sich seiner erbarmt hat. Er schätzte an jedem Menschen die ewige Seele. Selbst Menschen, die von den anderen gesellschaftlich geächtet wurden, waren ihn noch des Erbarmens wert. Ein Schwächer am Kreuze war m noch würdig, das Evangelium zu hören von der Ewigkeit. Da könnte nun schon wieder ein Zweifler sagen:„Da haben ir es ja. Auch Jesus hat nur auf die Ewigkeit vertröstet. Vas hilft uns dies in unserer Erdennot?“ Das ist nicht richtig. dem Schwächer war nicht mehr auf Erden zu helfen. Wo aber Jesus noch helfen konnte, da half er. Jesus war wirklich barm⸗ herzig gegenüber dem verschiedenen Leide. So vertröstete er die blinden nicht auf den Himmel, sondern er heilte sie. Die Lichtkranken vertröstet er nicht auf eine Ewigkeit, sondern er hilft ihnen. Die Aussätzigen läßt er nicht in ihrem Elend. Er beilt sie und gibt sie ihren Angehörigen zurück. Nein, Jesus hat beinen Elenden seinem Leide überlassen und ihm gesagt, er könne m nicht helfen. Mit der ganzen Kraft, die ihm sein Vater in Himmel gegeben hatte, stellte Jesus sich in den Dienst der a Not. Er vergaß sich selbst über dem Helfen. 5 Gewiß hat Jesus über dem äußeren Helfen auch nicht die liel wichtigere Hilfe für die Seele, vergessen. Dadurch trat er ja jedem Kranken erst wirklich nahe. Sein Helfen war nicht in äußeres Geschäft, sondern ein brüderlicher Dienst am Bruder. esus wußte, daß kein Mensch gesund ist, wenn er nur einen lein Gotteswort findet? Wir haben das ja erlebt an unserem Folt in der Zeit nach dem Kriege. Da suchten alle Kreise ja sesunden Körper hat. Viel wichtiger ist eine gesunde Seele. Jas hat ein Armer davon, wenn er sich satt essen kann, aber auch nur äußeres Wohlergehen und Sättigung mit allem Ent⸗ behrten. Was ist da aus unserem Volke geworden! Jetzt sehnt sich unser Volk wieder immer mehr nach Ewigem, Erhebendem, Göttlichem. Deshalb hat Jesus immer gleich auch auf die Seele der Einzelnen eingewirkt. Damit hat doch Jesus alles getan, womit er einem Menschen helfen konnte. Aber nun kann jemand sagen:„Jesus war barmherzig, aber die Kirche ist es nicht!“ Wir wollen bei diesem Einwand ganz offen sein. Es steckt eine gewisse Berechtigung in diesem Vor⸗ wurf. Lange Zeit hat sich die Kirche nicht barmherzig gezeigt. Gewiß wollen wir die von der Kirche unterstützte Arbeit der Inneren Mission mit ihrer Diakonie, den Fallsüchtigen-Anstal⸗ ten, den Krüppelheimen, den Trinkerheilstätten, den Herbergen u. a. m. nicht gering schätzen. Das war ein großes Zeichen, daß die Kirche auch weiter die Barmherzigkeit pflegen will, wie es der große Meister gelehrt und vorgemacht hat. Aber wie ver⸗ hielt man sich denen gegenüber, von denen ich am vergangenen Sonntag sprach, den Mühseligen und Beladenen? Was hat die Kirche in den sozialen Nöten unseres Volkes getan? Hat sich nicht Jesus scharf über die Führer des Volkes, die Pharisäer, ausgesprochen, weil sie dulden und helfen, die Not der armen Witwen auszubeuten? Was würde Jesus sagen, wenn er in den bei uns vorhandenen sozialen Verhältnissen leben würde? Nun ist ja manches in letzter Zeit anders gewor⸗ den. Die große soziale Kundgebung des Betheler Kirchentages ist erschienen. Warum hat sie aber nicht den durchschlagenden Eindruck gemacht, den man ihr wohl gewünscht hätte? Ich glaube es liegt darin, daß man der richtigen Auffassung ist, Worte helsen nichts, erst müssen Taten gesehen werden. Noch bedeutender als der Betheler Kirchentag war ja das große Kirchenkonzil für praktische Christentum in Stockholm. Da wurde der ganzen Welt gesagt, daß es den Kirchen ernst ist um die Not. Nun kam neulich ein Mann zu einem Frankfurter Pfarrer und fragte ihn, was die Kirche gegenüber den Arbeiter⸗ entlassungen getan habe? Der Pfarrer konnte sich auf seine Predigten berufen, in denen er die Gewissen zu wecken versucht Ob aber diejenigen, die es angeht, auch in den evange— hatte. lischen Kirchen zu finden sein werden? Das ist mir eine große Frage. Gibt es heute nicht sehr viele in unserem Volke, denen man eben nur mit der Macht des Gesetzes beikommen kann? Da kann gewiß die Kirche nicht helfen. Denn sie soll ja vom Staate, der die Gesetze macht, getrennt sein. Aber das Kirchen⸗ voll kann helfen! Es kann sich zusammenschließen, damit Barm⸗ herzigkeit geschehe. Es verändert sich ja so vieles auf diesem Gebiete. Früher kannte man ja nur die Barmherzigkeitsübung von Hand zu Hand. Dann traten Vereine auf, die weit mehr in Liebestätigkeit ausüben konnten als der Einzelne. Heute müssen wir einen Schritt noch weiter gehen. Wir müssen dafür sorgen, daß auch vom Staate aus im öffentlichen Leben Barm⸗ herzigkeit ausgeübt wird! War nicht Dr. M. Luther ein guter Schüler seines Heilan⸗ des. Hat Luther nicht auch öffentlich aufgefordert, daß den schwer bedrückten Bauern, dem damals sozial tiefststehenden Volksteil, ihr Recht geschehe! Jesus verurteilt scharf das Ver⸗ halten der Pharisäer seiner Zeit. Leider haben wir heute auch noch solche Pharisäer, welche dagegen sein können, daß das evangelische Kirchenvolk will Barmherzigkeit geübt sehen auch im öffentlichen Leben! Liebe Leser, lassen wir uns durch diese nicht irre machen. Wir müssen unserem Herren folgen, indem wir uns der Zeit anpassen. Mögen sie nach alter Mode barmherzig sein! Das Evangelium unseres Heilandes ist aber für alle Zeit da. Der Zeit müssen wir uns anpassen. Darum laßt uns barmherzig sein, damit auch wir Barmherzigkeit erlangen. Amen. Hr. Wilhelm Buth, Blicke in die Hessen⸗Darmstädtischen Lande. Aus den hessischen Volksbüchern. 3. Abschnitt. der Wellerauer. (Schluß.) Das gewöhnliche Los der Weiber in der Wetterau ist kein anderes, als despotisiert zu werden. Gibt es für dieses Geschlecht irgendwo ein irdisches Paradies, so führt der Weg dahin sicher nicht durch die Wetterau. Die Natur ist es, welche die Wet⸗ terauerin so stiefmütterlich behandelte. Der Hauptzug des weib— 1 4 Sonnabend, den 13. Februar 1926. nisvollsten Irrlehren. Damit hat er recht. Die Maxime der Marxisten, daß Religion Privatsache ist, ist zum Unheil für unser Volk geworden. Darum aber sollte sich die Führung der römischen Kirche, wie sie ein deut— scher Bischof darstellt, ganz unzweideutig von einer Partei, wie das Zentrum, abwenden, das doch unver⸗ kennbar gemeinsame Sache mit diesen Religionsveräch⸗ tern macht. Daß im übrigen eine christliche Presse eine Lebensnotwendigkeit für unser Volk ist, wie der Bischof überzeugend nachwies, ist eine unbestreitbare Tatsache. Umso bedauerlicher ist es, daß es dem evangelischen Volk an wirklich christlichen Tageszeitungen, die seine Sache kräftig wahrnehmen, mangelt. Die Katholiken haben es verstanden, sich solche festen Stützpunkte zu schaffen. In Sachsen z. B., das, wie ausgeführt wurde, sozusagen zur Diaspora zu zählen ist, besitzen die Evan⸗ gelischen keine ausgesprochen christlich-evangelische Zei— tung. Das sollte zu denken geben, und in dieser Be⸗ ziehung sollte die sehr beachtenswerte Rede des Bautze⸗ ner Bischofs uns Evangelischen als Weckruf dienen. Grundsteinlegung der Evangelischen Volksgemeinschaft in göthst a. M. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich eine Werbeversammlung für die E. V. in Höchst a. M. am 28. Januar. Pfarrer Ide hatte die Mitglieder der kirchlichen Vereine in den Saal des evangelischen Vereinshauses eingeladen, um sie mit der E. V. bekannt zu machen, und der Besuch war für Höchster Verhältnisse sehr gut; ca. 300 Personen waren anwesend aus allen Schichten den Bevölkerung. Den beiden Vorträgen, die über die heutige„Gegenreformation“(Pfr. Ide) und über die„Evangelische Volksgemeinschaft“(Pfr. Weid⸗ ner, Ober⸗Lais) gehalten wurden, folgten die Anwesen⸗ den in gefesselter Aufmerksamkeit und mit wiederholt stürmischem Beifall. Die Ausführungen von Pfarrer Ide über die Gegenreformation öffneten vielen zum ersten⸗ mal die Augen für die bedrohte Lage, in der das evangelische Deutschland heute infolge der zielbewußten Arbeit der römisch-katholischen Kirche, das ganze deutsche Volk, das zu zwei Drittel evangelische deutsche Volk, unter die Herrschaft des Papstes zu bringen, und an Stelle evangelischer Freiheit wieder die vorreforma⸗ torische Geistesknechtung zu setzen. Seine Ausführungen von teilweise erschütternder Wirkung, hatten dem Vor⸗ trag von Pfarrer Weidner den Boden bereitet. Mit unwiderleglicher Klarheit führte er aus, wie der Schutz der evangelischen Interessen in Deutschland bisher von keiner der bestehenden politischen Parteien übernommen sei. Von der Sozialdemokratie, deren Reichstagsabge⸗ ordnete zu 75 Prozent Juden und Religionslose oder Freidenker sind, ist es nicht zu erwarten. Und die bür⸗ gerlichen Parteien haben trotz aller Versprechungen vor den Wahlen hinterher die evangelischen Belange garnicht oder ganz ungenügend vertreten; auch lassen diese Parteien den ernsten Willen vermissen, an Stelle der Macht des Geldes die Macht christlichen Geistes zu setzen, sodaß gar keine Aussicht besteht, daß durch sie etwa die christliche Moral zur Richtschnur in unserem wirtschaftlichen, öffentlichen und politischen Leben wer— den kann. Mit zahlreichen Beispielen aus dem politi⸗ schen Leben belegte der in der Politik bewanderte Red⸗ ner seine Ausführungen. Die Hörer, welche zunächst aus dem Staunen über die nie gehörten Tatsachen nicht herauskamen, zollten dem Redner zum Schluß stürmi⸗ schen Beifall. Die lebhafte Aussprache, welche zwei lichen Charakters in der Wetterau ist zudem der Eigensinn. Er zeigt sich in einer solchen Allgemeinheit und Stärke, daß man kaum weiß, wie es möglich ist, wenn so Mancher, der unter ihm seufzt, nicht lieber alle Bande mit Gewalt zerreißen als ihn er⸗ tragen mag. Durch Beispiele seine Allgemeinheit beweisen zu wollen, würde ein unausführbares Unternehmen sein. Im Aeußeren der Wetterauerin fehlt es zwar nicht gerade an erträglichen, auch wohl schönen Formen und nicht an regel— mäßigen Gesichtern, wohl aber an allen, was Grazie heißt. Der liebenswürdigen Häßlichen habe ich wenigstens hier auch noch nicht eine entdecken können. An einer großen Menge häuslichen Zwistes ist der leidige Kaffee schuld, dem namentlich die Weiber in der Wetterau auf eine Art ergeben sind, die nirgends weiter getrieben werden kann. Man kennt die Allgemeinheit der Klage über ihn. Mögen unsere Urenkel es nicht in schnöder Sklaverei zu beweinen haben, daß ihre Väter der Klage so wenig achteten. Nun auch des Guten, welches ich von denen weiß, unter denen ich lebe. Scheitert er nicht an einer der obgedachten Klippen, so wird der Wetterauer gewöhnlich ein Muster der Regelmäßigkeit, dessen gleichen man viel Mühe haben wird, sonst irgendwo im Bauernstande zu finden. Aus seinem Munde geht kein unanständiges Wort, geschweige daß er sich eine solche Handlung erlauben sollte. Er hält sein Versprechen mit größter Strenge, greift, um Kredit zu halten, auch den Sparpfennig an, der sonst vergraben liegt und zu dessen Vergeudung ihn, diesen Fall ausgenommen, fast nichts bewegen kann. Er ist ein glück⸗ licher Arbeiter, denn er geht mit Zuversicht ans Werk, welche eine natürliche Folge der vorhergegangenen Ueberlegung ist. Er setzt das Werk ausdauernd fort, weil vorzügliche Stärke ihm auch das Schwere leicht macht, um so mehr, da er überall sich zu schonen weiß, ehe es der Entscheidung gilt. Auf diese Art wird nichts von seinen Kräften unnütz verschwendet. Wer einmal sein Vertrauen hat, verliert es nur durch eigne Schuld; denn er glaubt nicht jedem Geschwätz und verzeiht dem Freunde mehrmals ebenso aufrichtig, als er den Feind von ganzer Seele haßt. Sein reifes Urteil fordert nirgends übermenschliche Tugend, und er entschuldigt und übersieht den Fehler, wenn er nur von überwiegendem Guten begleitet ist. Dem geachteten und beliebten Prediger folgt er nicht selten weit eher wie dem Amtmann, der ihn strafen kann, und gibt dadurch einen schönen „Evangelische Warte“ volle Stunden dauerte, drehte sich vor allem um die Frage: Sollen wir auf dem Wege einer neuen politischen Partei unser gewünschtes Ziel zu erreichen suchen? Da zeigte sich eine erfreuliche Einmütigkeit. Durch die Worte der Diskussionsredner klangen immer die glei⸗ chen Töne hindurch:„Davon hatten wir keine Ahnung.“ „Warum hat man uns nicht eher aufgeklärt?“„Jetzt wissen wir, was wir zu tun haben.“ Nur ein Redner der Deutschen Volkspartei, der die angeführten Tat⸗ sachen beider Vortragenden zwar vollständig aner⸗ kannte, glaubte der Gründung einer E. V. doch nicht das Wort reden zu können und befürwortete, es noch⸗ einmal mit den bürgerlichen Parteien zu versuchen. Je doch konnten seine Ausführungen nicht standhalten, gegenüber den bitteren Tatsachen, die Pfarrer Weidner dem entgegenstellte, und die Versammlung stimmte den Worten von Pfarrer Weidner lebhaft zu, daß es ein be⸗ wußt evangelischer Mensch nicht mehr mit seinem Ge⸗ wissen vereinbaren könne, den Schutz der evangelischen Belange noch weiter einer anderen Partei anzuver⸗ trauen. Der Evangelische Bund behält seine Aufgabe, das Gewissen der evangelischen Kreise wachzuhalten. Den öffentlichen und einzig wirksamen Schutz kann nur eine Partei im Parlament ausüben, und diese soll die E. V. sein.— Zahlreiche Anwesende gaben den offenen Ausdruck, daß diese Versammlung für sie ein Erlebnis gewesen sei. Mancher machte sofort an dem Abend einen Strich unter seine bisherige Parteizugehörigkeit und trat der E. V. bei. Die Zahl der Freunde der E. V., die zugleich Abonnenten der„Evangelischen Warte“ wurden, ist an diesem Abend an die 100 gestiegen, und sie wird weiter steigen. Mögen manche sich noch nicht so schnell von ihrer bisherigen Partei loslößen können, weil langjährige Zugehörigkeit, persönliche Beziehungen oder wirtschaftliche Abhängigkeit(Leider auch das. Im Demokratischen Zeitalter! Herrschaft des Kapitals über das Gewissen!) sie zunächst noch bindet, die Wahrheit aber ist stärker als alles; der Wahrheit kann keiner sich auf die Dauer widersetzen! Darauf kann die E. V. bauen. Auch in Höchst wird sich die Wahrheit weiter Bahn brechen. Die Freunde der E. V. in Höchst wer⸗ den in kürzester Zeit sich wieder versammeln, um das be⸗ gonnene Werk, zu dem am 28. Januar der Grundstein gelegt ist, weiter auszubauen. * Der vorstehende Bericht zeigt uns deutlich, wie die neulich in Ober-Lais begonnene Werbearbeit erfolgreich sich fortsetzt. Zu der Tagung in Ober⸗Lais haben wir übrigens noch folgenden Nachtrag zu bringen: „Zu der Rede des Bürgermeisters Hensel in Ober— Lais fügen wir noch folgendes zu, das wir, um einen kürzeren Bericht zu fassen, wegließen: Er führte aus, daß Deutschland aus einem Agrarstaat ein Industrie⸗ staat geworden, daß der größte Teil der Steuern seither von Arbeitern, Beamten und Industrie aufgebracht wurden. Nicht mehr gelte wie früher der alte Bauern— spruch:„Ich laß den lieben Gott nur walten, ich muß euch alle doch erhalten. Er erwähnte, welcher Segen die Industrie in Hirzenhain für die ganze Gegend sei. Des⸗ halb sollen wir: Arbeiter, Bürger, Beamte und Bauern uns zusammenschließen, treu zu einander halten, nicht im Parteihader zerfleischen, denn sei ein Glied des Vol— kes krank, so leide alles darunter, und in einem Zusam⸗ menschluß Aller in der Evangelischen Volksgemeinschaft sei die Gewähr gegeben zum Wiederaufbau unseres lieben Vaterlandes. Wink über die edlere Behandlungsart, deren er fähig ist. Bei vorkommendem gerichtlichen Streit weiß er, mehr als andere seines Standes, die strittige Sache von der unbestrittenen und von der Person zu unterscheiden. Man überrumpelt ihn nicht. Regierung und Religion haben hier weniger von dem gefähr— lichen oder unbedachtsamen Neuerer zu fürchten. Der Lügner ist ihm verächtlich, der bald entdeckte Prahler lächerlich und un⸗ ter allen am wenigsten ihn zu täuschen fähig. Dem Ueber⸗ mütigen leistet er offenbar, nachdrücklichen Widerstand, und keine Art sonstiger Vorteile, welche ihm dieser zufließen lassen möchte, bringen ihn dahin, daß er die Kränkung seiner Ehre geduldig ertrage. Mit einem Wort: der Wetterauer ist ein fester und zu⸗ verlässiger Mann, wie es schon sein nerviger Körperbau erwar⸗ ten läßt. Nichts gewährt ein größeres Vergnügen, als seinen Anstand in den Verhältnissen zu sehen, wo er öffentlich auf⸗ tretend sich von einem Vorgesetzten beobachtet glaubt. Die hiesige Kirchenweihtänze beschämen in der Tat die Bälle der besseren Zirkel mancher Städte. Die wahrhaft ehrbare Wetterauerin hat auch ohne Reich⸗ tum eine solche Fülle und Reinlichkeit in ihrem Hauswesen, daß manche nicht sehr verlegen sein würde, wenn selbst ihr Landesfürst einmal in demselben bewirtet sein wollte. Es ist eine Freude, zu sehen, wie sauber ihre Kinder zur Schule kom— men, und die Wäsche ihres Mannes ist von einer solchen Be—⸗ schaffenheit, zeugt für eine solche Pflege, daß mancher wohl— habende Bürger darinnen nachstehen muß. In die Zahl der häuslichen Verdienste der Wetterauerin gehört auch dieses, daß sie eine bessere Köchin ist, als die meisten Bäuerinnen zu sein pflegen. Man braucht eben keinen zu gro⸗ ßen Wert auf die Kochkunst zu legen, um dennoch diese Seite an ihr zu schätzen, besonders wenn man sieht, wie der Mangel der⸗ selben an vielen Orten Ursache wird, daß so manches Genießbare ganz ungenutzt bleibt, daß die Gesundheit der Hausgenossen leidet und der Kranke keine Diät beobachten kann. Wird die Wetterauerin Witwe, so entehrt sie fast niemals diesen schweren Stand durch ein Betragen, welches der geliebte Tote mißbilligen würde. Selten schreitet sie zu einer zweiten Ehe, und geschieht es, so müssen Verhältnisse da sein, die mit dem Wohl ihrer ersten Kinder zusammenhängen. Sie weiß ferner in dieser Lage ihren Leuten zu gebieten, und deswegen hat auch der Sterbfall des Mannes hier oft bei weitem nicht die traurigen Folgen, die man ihm auf den ersten Blick zuschreiben zu müssen glaubt. Die 8s im deulschen Reichslag evangelische Parteien? Die Frage muß verneint werden. Man sehe sich die untenstehende Tabelle an. Von den 494 Reichs⸗ tagsabgeordneten sind 207 evangelisch, 119 katholisch, 4 jüdisch und 160 religionslos. Auf 100 Abgeordnete kommen 42 evangelische, 24 katholische, 32 religionslose, 1 jüdischer und 1 andersgläubiger Abgeordneter. Dabei ist Peuischland zu zwei Dritteln evangelisch. Er⸗ schreckend ist die Zahl der religionslosen Abgeordneten. — Wann wird endlich der deutsche evangelische Wähler zur Besinnung kommen? Warum haben wir nur 427% evangelische Abgeordnete im Reichstag und nicht 67%, wie es eigentlich sein müßte? Die Schuld daran tragen die ungezählten Wähler, die unbekümmert um die Fol⸗ gen ihre Stimmen für religionslose, religionsfeindliche und andersgläubige Kandidaten abgeben. Rein evan⸗ gelische Parteien sind bis jetzt im deutschen Reichstag überhaupt nicht vertreten. Selbst die Parteien, die von sich sagen, daß sie für evangelische Interessen ein⸗ treten wollen, haben 10 und mehr Prozent Katholiken oder Andersgläubige in ihren Reihen. Parteien gibt die nachfolgende Tabelle: Evan⸗] Ka- Alt⸗ Isra⸗ Religi- Son⸗ gelisch tholicc rathol. elitischs onslos] stige Nationalsozialisten 11 1—— 2— Deutschn. Volkspartei 100 10 1——— Deutsche Volkspartei 42 6—— 2 1 Wirtschaftl. Vereinigung 11 9—— 1— Bayrische Volkspartei 1 18—— 1— Zentrum 1 68———— Deutsch-Demokr. Partei 27 2— 1 1 1 Sozialdemokr. Partei 14 5 1 3 108— Kommunisten———. 45— Insgesamt: 207 119 2 4 160 2 Wothensthau. Die Befürchtung, die in voriger Nummer ausge⸗ sprochen wurde, daß der neuen Regierung die nötige Stimmenzahl fehlen könnte, ist durch ein geschicktes Ma⸗ növer der Sozialdemokratie nicht eingetroffen. Reichs⸗ kanzler Dr. Luther forderte eine positive Vertrauens⸗ Darauf haben die Regierungsparteien folgendes Vertrauensvotum eingebracht:„Die Reichs⸗ regierung besitzt das Vertrauen des Reichstags.“ Für diesen Antrag stimmten 160 Abgeordnete der Regie- kundgebung. rungsparteien, dagegen 150 Stimmen der Deutschnatfo⸗ nalen, Völkischen und Kommunisten. Dieses Stimmen⸗ verhältnis war nur dadurch möglich, daß die Sozial⸗ demokraten und die Wirtschaftliche Vereinigung sich mit 130 Stimmen enthielten. Somit hat die Sozialdemo⸗ kratie inderekt dieser Regierung in den Sattel geholfen. Allerdings ist auch so nur eine knappe Mehrheit von 10 Zufallsstimmen erreicht worden. Schade ist nur, daß im deutschen Reichsparlament so etwas wie die Aus⸗ sprache über die neue Regierung nicht im Rahmen des Anstandes vor sich gehen kann. Wenn im deutschen Volk viele anständige Menschen sich vom Parlamentaxis⸗ mus abgestoßen fühlen, so tragen die üblen Zwischen⸗ fälle in unserem Reichsparlament viel dazu bei. Daß auf Seiten der Kommunisten die Grenze anständigen Auftretens überschritten wird, wollen wir uns nicht, wundern. Sie haben es nicht gelernt. Daß aber ein völkischer Abgeordneter die neue Regierung„eine Re⸗ Wahl, welche eines ihrer erwachsenen Kinder zu seiner Ver— heiratung wider ihren Willen trifft, verzeiht sie zwar ungern und selten, ohne daß Amtmann und Prediger sich ins Mittel legen müssen. Hat sie aber einmal ihre Verzeihung angedeihen lassen, so sind auch alle weiteren Vorwürfe auf immer unter⸗ drückt. Der der Ehe vorausgehende vieljährige Verspruch ist auch außergerichtlich beiden Geschlechtern heilig wie die Ehe selbst.“ Der Wetterauer ist kein Freund von Spielereien und erlaubt sie sich am wenigsten mit einem Gefühl von dieser Art. Welcher Vernünftige wird wohl mit Feuer spielen mögen? Der Sthüfer und der Böse. Von Dr. J. von Uexküll, Professor an der Universität in Hamburg. (Nachdruck verboten.) Hellrosa im Licht und hellblau im Schatten lagen die ge⸗ zackten Bergrücken vor ihm, die den See Genezareth umgeben — nach der Tiefe in sanftes Grün übergehend, in dem weiß leuchtend die Häuser von Tiberias lagen. Der See selbst strahlte im reinsten Blau. Der junge Hirt schaute träumerisch hinab in die wunder volle Landschaft, während seine Schafe emsig den Graswuchs abweideten, der sich überall zwischen Klippen und Geröll hervor drängte. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu dem Einen zurück, von dessen schrecklichem Tode auch er in seiner Einsamkeit Kunde erhalten. 0 Er gedachte seiner ersten Begegnung mit ihm, die so stark in ihm lebte, als sei sie heute gewesen. Damals war er noch ein Knabe und saß ermüdet auf dem Wagen, der mit grünen Was⸗ sermelonen vollbeladen war und sich nur langsam holpernd über das schlechte Pflaster fortbewegte, obgleich die Mutter nebenher schreitend die grauen Büffel mit dem spitzen Stock zur Eile ne Da an der Ecke des kleinen Marktes, dessen weiße Häuser antrieb. ihm blendend in die Augen stachen, während die unreifen, Melonen seinen müden Körper mit rohen Püffen bearbeiteten 585 da sah er Ihn. Es war nichts besonderes an ihm gewesen, ein hochgewachsener junger, Mann in weißem Gewande, wie viele andere. Aber er hatte ihm, dem Knaben zugelächel! Eine genaue Uebersicht über den Bekenntnisstand in den einzelnen —— S—— ff en Le le fill 2 gr Ait ch fies el ue dl die! U dur Self eder las gen gen n Bln u ine f a die dtz in 1 2 uV len dez ulscher ntaris vischen . Daf indiges 5 nich ber ei ine Ne r ner Ve ungen 5 Mitt gedeihi er unte nennt, sollte in diesen gierung der Henkersknechte“ Kreisen nicht vorkommen. 5 Im Untersuchungsausschuß des Reichstags wurde die Dittmannbroschüre weiter verhandelt. Nach erreg⸗ ten Debatten wurde schließlich der Antrag Joos(Ztr.) angenommen: i „1. Die Veröffentlichung der Rede des Abg. Dittmann als Broschüre unter dem Titel„Die Marinejustiz⸗ morde und die Admiralsrebellion 1918, dargestellt nach den amtlichen Geheimakten im Auftrage des parlamentarischen Untersuchungsausschusses(4. Unter⸗ ausschuß), ist ohne Vorwissen des 20.(Anter⸗ suchungs⸗) Ausschusses und des 4. Unterausschusses er— olgt. 2 Der Ausschuß spricht zum Schutze seiner Autori⸗ tät und des Wertes seiner der Deutschen Verlagsge⸗ sellschaft für Politik und Geschichte in Verlag gegebe⸗ nen Veröffentlichungen die bestimmte Erwartung aus, daß in Zukunft Son derveröffentlichungen ohne Beschluß des Ausschusses unterbleiben.“ Ziffer 2 dieses Beschlusses wurde mit 18 gegen 10 Stimmen angenommen. Die Vertreter der sozialdemo— kratischen und kommunistischen Partei gaben sofort die Erklärung ab, daß sie sich trotz dieses Beschlusses alle Rechte, die ihnen nach dem Urheberrecht für Ver— öffentlichungen zustehen, vorbehalten. Abg. Brüninghaus(D. Vp.) und Gen. hatten zu dem Antrag Joos den Zusatz beantragt:„Die Art und Weise, wie der Abg. Dittmann sein Referat in Form einer Broschüre in die Oeffentlichkeit gebracht hat, miß⸗ billigt der Ausschuß.“ Dieser Zusatz wurde mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Einer Erklärung des Abg. Brüninghaus, daß er dem Antrage Joos deshalb bei⸗ gestimmt habe, weil daraus die Mißbilligung des Vor⸗ gehens des Abg. Dittmann hervorgehe, auch ohne daß dies ausdrücklich erwähnt sei, wurde von den Vertretern der Demokraten auf das bestimmteste widersprochen. Eine große Freude hat die sogenannte 1. Be⸗ satzungszone erfahren. In der Nacht vom Sonntag, den 31. Januar, auf Montag, den 1. Februar, fand auf dem Domplatz in Köln eine große öffentliche Befreiungs⸗ feier statt. Um 12 Uhr mitternachts hörte die Besetzung auf. Die Deutsche Glocke am Rhein, die Petrus-Glocke des Domes, begann zu läuten, die übrigen Kirchen⸗ glocken in der ganzen Stadt folgten nach. Dann hielt Oberbürgermeister Dr. Adenauer eine Ansprache an die Bevölkerung. Mit einem Hoch auf das deutsche Vater— land und dem Deutschlandlied schloß die eindrucksvolle Feier. Interessant ist daran, daß sich die Engländer zu Hause diese Feier auch anhören konnten. Durch den deutschen Rundfunksender in Königswusterhausen wurde die Feier aufgenommen und weitergeleitet. Ja, auch der Dampfer„Köln“ auf hoher See konnte seine Mit⸗ reisenden an der Feier durch den Rundfunk teilnehmen lassen. Diese Befreiung bedeutet aber keine Rückwirkung des Locarnovertrages, sondern nur eine endliche Wieder⸗ gutmachung eines uns im vorigen Jahre zugefügten Unrechts. Im Rheinland herrscht eine tiefe Ent⸗ läuschung über Locarno. Der rheinische Provinzial⸗ landtag in Düsseldorf hat anläßlich der Räumung der 1. Zone in einer Entschließung seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht. In dieser heißt es u. a.: „Als ein umso größeres Unrecht muß es der Pro⸗ vinziallandtag bezeichnen, daß für die zweite und dritte Zone nicht nur die nach den Verhandlungen von Locarno und der Note vom 14. November 1925 mit Recht erwarteten Erleichterungen der Besatzung rr.— „Evangelische Warte“ nicht eingetreten sind, daß vielmehr viele Orte eine erhebliche Erschwerung zu beklagen haben. Der Pro⸗ vinziallandtag erwartet, daß die Rückwirkungen von Locarno in viel höherem Maße als bisher auch bei den Besatzungstruppen einschließlich der Gendarmerie sichtbar werden. Insbesondere wird das Gefühl der Enttäuschung und Unsicherheit durch die Tatsache ver— stärkt, daß eine befriedigende Festsetzung über die Ver⸗ kürzung der Räumungsfristen für die zweite und dritte Zone sowie über die alsbaldige Regelung des Verhältnisses des Saargebietes noch nicht erfolgt ist. Es widerspricht ferner völlig den von der rheinischen Bevölkerung an die Verhandlungen von Locarno ge— knüpften Erwartungen, daß die Besatzungstruppen von neuem Gelände in erheblichem Umfange für Uebungs⸗, Schieß⸗ und Flugplätze in Anspruch neh— men, und daß von neuem Mobilmachungsvorberei⸗ tungen vorgenommen werden.“ Nun sollte man meinen, solches könne nur daran liegen, daß vielleicht von deutscher Seite aus immer noch nicht genug der gute Wille gezeigt werde. Wie darüber von unseren früheren Feinden gedacht wird, zeigt folgende Meldung: Während des Empfanges englischer Pressevertreter in Paris durch Chamberlain wurde an den Staatssekre— tär u. a. die Frage gerichtet, ob Deutschland alles tue, was möglich sei, um seine Abrüstungsverpflichtungen 5 8 Darauf erwiderte Chamberlain:„Ja, alles.“ Es ist ja schön, daß Herr Chamberlain so mit uns zufrieden ist. Aber wir, und besonders die Rhein- und Saarländer, wollen Taten sehen. Inzwischen müssen unsere Stammesbrüder in Süd⸗ tirol weiter leiden. Wie die„Neue Freie Presse“ aus Innsbruck berichtet, wird die„Meraner Zeitung“ am 14. Februar nach 58jährigem Bestehen ihr Erscheinen ein— stellen. An ihre Stelle tritt das in deutscher Sprache gedruckte faschistische Blatt„Alpenzeitung“, das die Räume und die Druckerei der„Meraner Zeitung“ über⸗ nimmt. Der Besitzer der Druckerei, Ellmenreich, wurde zur Ueberlassung seines Betriebes gezwungen. Im Interesse seiner 50 Angestellten übernahm er den Druck der„Alpenzeitung“ vorläufig auf ein Jahr. Der leitende Direktor der„Alpenzeitung“, die von der Re— gierung subventioniert wird, ist Neri Lionardi. Es kann jeden Deutschen nur freuen, wenn die bei— den Universitätsprofessoren Eucken und Kerschensteiner durch die Zeitungen mitteilen, daß sie in Anbetracht der Vorgänge in Südtirol den Internationalen Kongreß für moralische Erziehung, der im April in Rom statt— finden soll, nicht besuchen werden. Den Italienern ist es natürlich peinlich, daß diese beiden weltberühmten Volkserzieher ablehnen, und sie beklagen sich darüber. Scheinbar ist es im Ausland etwas ganz ungewöhnliches, daß ein Deutscher auch Ehre hat. Hat nicht ein Deut⸗ scher sich alles gefallen zu lassen? Soweit ist die Ach⸗ tung vor uns bereits gesunken. Es ist Zeit, daß von uns ein anderer Kurs gefahren wird. Deshalb sind auch die in Oesterreich und Deutschland geplanten Gegen— maßnahmen, die das Reisen nach Italien verhindern wollen, nur zu begrüßen. Aber das darf doch der Deutsche nicht! Da machen in Rom italienische Studen⸗ ten vor der deutschen Botschaft Lärm, da wird in Mai⸗ land und Neapel vor den deutschen Konsulaten demon⸗ striert. Daß zwei Herren des Außenministeriums auf der deutschen Botschaft in Rom erschienen und ihr Bedauern über die jugendlichen Flegeleien aussprachen, wollen wir als eine selbstverständliche Anstandsform buchen. Sonntagsgeoͤanken. Wieder ist die tolle Zeit im Jahre. Schreiende Plakate rufen zu Spiel und Tanz, Masken huschen im Lampenschein über die Straße, getrieben von Vergnügungslust, und kümmern sich wenig um die, die ihre Sorgenlast am Feierabend nach Hause schleppen. Und von der Straße aus schaut mancher mit ge— ballter Faust in der Tasche nach den hell erleuchteten Fenster der Ballsäle und ein anderer wieder blickt sehnsüchtig hinauf, der sich auch mitfreuen wollte, aber den die bittere Not auf die Straße zum Betteln zwingt. Mögen die Geigen und Trompeten noch so laute Musik machen— der Notschrei von Millionen übertönt sie und sollte die tanzenden Paare auch mitten in Freude und Lust an jene Mitmenschen erinnern, die an leeren Tischen sitzen müssen, die keine Freude kennen, weil sie der Hunger plagt. Hört den Not⸗ schrei, die ihr noch an vollen Tischen sitzet, ihr Fröhlichen bei Spiel und Tanz! Eure Lust soll nicht genommen sein, tanzt weiter und singet,— aber hört zwischen euren Liedern auch das Klagelied eurer Mitmenschen! Dort oben im festlichen Ballsaale tanzt mancher mit und läßt die Flaschen knallen, der aus der Not und dem Elend seiner Nächsten reich geworden ist. Manche dort oben waren auch einst arm und haben aber vergessen, was Not heißt und Sorge. Sie hören nicht mehr, wie der Hungernde an ihre Türe klopft, sie sehen nicht das alte Mütterlein und den gebeugten Greis, die am Feierabend ihres Lebens darben müssen, und sie fühlen nicht mehr, wie weh es tut, ohne Schuld arm zu sein. Ihnen wollen wir heute nach durchschwelgter Nacht zum Sonntag die bittende leere Hand hinstrecken, daß sie noch etwas übrig haben für ihre Mitmenschen, die in bitterer Not und Ar⸗ mut leben müssen. Ladet die Hungernden am Sonntag zu euch zu Gast und dann erst könnt ihr euch ehrlich freuen und niemand wird euch dann mißgönnen— euer Singen, eure Lust und euren Tanz! Waldfried. ehristenlum und Strafrecht. Aus dem Vortrag des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz. Da es Aufgabe der christlichen Kirche ist, alle Ver⸗ hältnisse des öffentlichen Lebens mit dem Geiste Christi zu durchdringen, so darf sie auch die Probleme des Ver⸗ brechens und der Strafe nicht außer acht lassen. Den wirksamsten Einfluß wird sie zweifellos dadurch aus⸗ üben, daß sie Verbrechen und damit auch deren Bestra⸗ fung zu verhüten sucht. Zur Vermeidung von Ver⸗ brechen an Mitmenschen und der damit verbundenen Strafe der Wiedervergeltung von seiten des Staates bringt sie am besten das Gebot Jesu zur Geltung:„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Den Kampf gegen Rechtsverletzung durch Ungehorsam führt sie am wirk⸗ samsten durch Einprägung der Worte:„Gebt dem Kai⸗ ser, was des Kaisers ist!“ und„Ein jedermann sei unter⸗ tan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat!“ Daneben hat die Kirche aber auch die Pflicht, sich für eine bessere und gerechtere Verteilung der irdischen Güter einzusetzen und den Geist der Bruderschaft auch in der Gesetzgebung in beherrschender Weise zum Ausdruck zu bringen. Andererseits sollte sie es nicht versäumen, den Staat zu warnen vor rücksichtsloser Ausnutzung seiner Macht, da dieser Mißbrauch der Gewalt notwendig zu Gesetzlosig— keit und Anarchie führen würde. Es ist ein Irrtum, wenn christliche Kreise sich für verpflichtet halten, für milde Bestrafung und weitgehenden Straferlaß einzu— treten. Der Christ bedarf eines gnädigen Gottes, aber auch eines gerechten Staates. Handelt es sich Kein Wort hatte Er gesagt und doch war ein Wunder geschehen. Im selben Augenblick hatte sich das laute Klappern des Wagens zu einem fernen Rauschen gedämpft. Die Melonen waren zu sunften Kissen geworden. Die Blendung, die unerträgliche Hitze waren verschwunden. Ein unsagbares unbekanntes Wohlbe⸗ hagen hatten seinen Körper durchdrungen, und sein Herz hatte angefangen zu läuten wie eine ferne himmlische Glocke. So war es immer gewesen, wenn er dem Wundermanne später begegnete. Sobald er Seiner ansichtig wurde, war die Na⸗ tur wie verzaubert. Die Nosen dufteten Ihm zu, die Bäume streckten nach Ihm die Zweige aus, um Ihm Schatten zu spen⸗ den, der Bach rauschte Ihm entgegen und die Sonne malte nur noch Ihm zuliebe die Zitronen goldig, das Laub der Olive sil⸗ bern, das Gras sattgrün und die Lilien in Weiß und Purpur. Auch die Menschen waren so ganz anders geworden, ein stiller Glanz lag auf ihnen, der aus ihren Herzen zu kommen schien, die Augen leuchteten, und die Lippen lachten vor Wonne. Was Er gesagt hatte? Vieles und Schönes. Aber an eines mußte er immer wieder denken:„Das Himmelreich ist in euch!“ Daß das Himmelreich in Ihm war— ja das sah man— wurde doch der steinige Acker zum herrlichsten Teppich, wenn Sein Fuß ihn betrat. Aber sollte das Himmelreich auch in jedem anderen Menschen sein können? Gar zu gerne hätte er das Paradies geschaut, das auch er in seinem Herzen trug, nach den Worten des Wundermannes— nur eine einzige Blume aus dem Garten Gottes so lieblich vor sich zu sehen, wie die Land⸗ schaft, die vor ihm lag.——— Die Sonne senkte sich, die Farben wandelten sich langsam in Blau und Purpur.— die Berge erhoben sich, schoben sich näher zusammen und umgaben das Tal wie mächtige Blätter den Kelch 0 einer Lilie. Der Glanz der Häuser in der Tiefe erhob sich zu 0 lichten Staubfäden, und der See lag zitternd, einschimmernder Tautropfen, im Kelche der alles umfassenden Gottesblume. Mit atemloser Spannung schaute der Hirt in dies Wunder hinab, das sich langsam vor ihm entfaltete. Da lag sie vor ihm, die Blume des Paradieses, die lang ersehnte.— Wie ein Gruß des fernen Freundes wehte der himmlische Duft der Blume an pm vorüber. Die Sonne versank, die Farben der Lilie vertieften sich und mählich versank die Tiefe des Kelches in ein geheimnisvolles Da schreckte den Schäfer eine plötzlich auftauchende Be— sorgnis auf. Auf einer steil aufragenden Klippe stand der schönste Bock seiner Herde und begann sich langsam im Kreise zu drehen. Der Bock hatte dem Hirten schon häufig Sorgen be⸗ reitet, denn es mehrten sich seit einiger Zeit die Anzeichen einer schweren Gehirn-Erkrankung. Nun drehte er sich dicht am Ab— grund in immer schnelleren und schnelleren Kreisen um sich selbst— und da stürzte das sinnlos gewordene Tier kopfüber in den Abgrund. Schnell machte der Schäfer sich auf und kletterte vorsichtig im unsicheren Dämmerlicht über Felszacken und Geröll hin— ab, um nach dem Verunglückten zu suchen. Als er zur Stelle kam, wo der Bock liegen mußte, sah er neben dem verendeten Tier einen langen hageren Mann in dunklem Talare, wie ihn die Aerzte zu tragen pflegten. Er hatte sich über das Tier gebeugt, das mit zerschmettertem Schädel dalag, und hob aus der Hirnmasse eine schimmernde Blase hoch in die Luft. Triumphierend rief er:„Sei gegrüßt Bruder, Du hast Deine Sache gut gemacht. Bist Du auch nur ein Anfänger in unserer Bruderschaft— Du bist doch Sieger geblieben im Kampf gegen unser aller Feind. Das sei mir ein Wahrzeichen für meinen Erfolg.“ „Wer seid Ihr? und was treibt Ihr?“ fragte der Hirt, den beim Anblick des Fremden ein seltsames Grausen beschlich. „Komm her und sieh: den Sieg der Unseren“, lachte der Fremde.„Doch ihr Menschen seid blind. Ich muß Dich erst sehend machen. Was ganz klein und was ganz groß ist, begreift ihr nicht ohne fremde Hilfe. Du glaubst, das sei bloß ein verendetes Schaf, das nach dem Preise zu bemessen sei, den man auf dem Markt von Magdala zahlt. Ich sage Dir aber, das war ein Wunderwerk des„Leben⸗ digen“, das er aber vor uns nicht zu retten vermocht hat. Erst mußt Du wissen, daß das Maß von groß und klein, an das ihr Menschen gebunden seid, im Reiche des Lebendigen nicht gilt. Hier in diesem Schädel, der zertrümmert vor Dir liegt, lebte eine große Stadt mit vielen Tausenden von Bewoh⸗ nern. Ein Wunderwerk, sage ich Dir. Im Tale lag die Stadt der Arbeiter mit all ihren betrieb⸗ samen Werkstätten. Die Arbeiter lebten mit ihren Familien in schmucken Einzelhäusern, die alle von Gärten umfriedet, einen lieblichen Anblick darboten. Friedlich und glücklich gingen die Arbeiter ihrer Arbeit nach. Jeder kannte, was ihm oblag. Zufrieden in seinem kleinen Kreise waltete ein jeder neidlos und fleißig. Oben auf der Höhe lagen die Paläste der fürstlichen Be⸗ amten. Wie eine Sonne strahlte der Palast des Fürsten des Lichtes und der Farben. Neben ihm erhob sich in Springbrun⸗ nen⸗durchrauschtem Garten der Palast des Fürsten der Töne. In blumiger Wiese lag das Haus des Fürsten des Duftes und an einem tiefen See das Haus des Fürsten des Geschmackes. Die Diener all dieser Fürsten ein lichtes Elfengeschlecht, dienten als flinke Boten, die allezeit sichere Kundes brachten von dem, was außerhalb des Staates geschah. Alle Paläste überragend lag das Schloß des Königs. In ihm versammelten sich täglich die höchsten Würdenträger, um Rat zu pflegen für das Wohl des Landes Der milde, liebevolle König entschied in stiller Weisheit und der Fürst des Willens zugleich Kanzler des Reiches, der in einer trotzigen Burg hauste, war der strenge aber gerechte Herr über all die aber tausend Arbeiter, die die Dienste des Staates versahen. Zu hohen Festen versammelten sich alle Einwohner im säulenumkränzten Tempel, in dem der Hohepriester die Herzen und Hände segnete. So stand alles in herrlicher Blüte, als einer der Unseren, verkappt als harmloser Fremdling, die Stadt betrat. Vielleicht war es der Hauch seines Wesens, der sich alsogleich kundtat. Denn damals kam es zum ersten Streit zwischen dem König und dem Fürsten des Willens. Im Schloß des Königs standen sie sich gegenüber, der jugendlich eifrige Herrscher und der ernste strenge Kanzler. „Nein, rief der junge König, ich will diese Mauern durchbrechen, die mich von meinem Volke trennen. Fort mit dem Gottesgnadentum, das mich eine Lästerung dünkt. Weg mit all dem unnützen Prunk und den weitläufigen, alber⸗ nen Zeremonien, die den Untertanen den Weg zum Herzen des Herrschers versperren. Ich fühle mich als der brüderliche Be— rater auch der Aermsten unter meinem Volke. Mensch zu Mensch sollen alle Bürger und Arbeiter mir gegenübertreten. Den Mühseligen u. Beladenen will ich ihre Last erleichtern. Vertrauen weckt Vertrauen. Vertraue ich meinem Volke, so wird mein Volk mir vertrauen. Und wo Vertrauen herrscht, ist die Liebe nicht fern.“ (Schluß folgt.) ! 7 2 g ö a eee Sonnabend, den 13. Februar 1926. um Verstöße gegen amtliche Verordnungen, so mag der Staat die Strafe mildern oder erlassen, je nach dem Interesse, das er an der Aufrechterhaltung der betreffen— den Rechtsordnung hat. Bei der Strafe der Wieder— vergeltung hat dagegen der Staat die Pflicht, sich für das Recht des Geschädigten einzusetzen. Die brennendste Aufgabe der Kirche und der christ— lichen Gemeinde setzt aber erst dann ein, wenn das Ver⸗ brechen begangen, das Arteil gefällt ist und die Sühne begonnen hat. Während es in der Tat nicht zu den Befugnissen der Kirche gehört, sich mit den tech— nischen Einzelheiten der Strafausführung und der Ge⸗ fängnisorganisation zu befassen, möchte ich vielmehr die Forderung unterstreichen, daß den Dienern unsexer Kirche niemals und unter keinen Umständen die Ge⸗ legenheit genommen werden darf, dem Verurteilten Rat und Trost zu spenden, seine Seele— womöglich gar noch selbst auf dem Wege zum Orte der Hinrichtung— für Gefühle der Reue und des Heilsverlangens empfäng— lich zu machen und ihn als lebendiges Glied der christ⸗ lichen Gemeinde wieder aufzunehmen. Dieselbe Pflicht hat die Kirche gegenüber den Angeklagten, die ihre Ge— fängnisstrafe antreten, und vollends dann, wenn sie wieder entlassen werden und zurückkehren in ihre alte Umgebung, wo sie gewöhnlich mit Argwohn und Miß— trauen aufgenommen werden. Die Kirche und die l christ⸗ liche Gemeinde finden in der Fürsorge für diese Mit⸗ menschen ein weites Feld der Betätigung in der Nach— folge Christi. Aber wir sollten niemals vergessen, daß jedes Ver— brechen zwei Opfer hat: den Schuldigen selbst und den, der durch dessen Tat in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bis heute haben wir uns lediglich gekümmert um den Schuldigen. Aber das zweite Opfer, seine Familie, bedarf nicht weniger der christlichen Liebe. Ganz ab— gesehen von der materiellen Not, in die die Angehörigen des Schuldigen infolge des Verbrechens oft geraten, leiden sie seelisch unter Haß- und Rachegefühlen— und zwar umso stärker und bitterer, je weniger sich die Außenwelt ihrer hilfsbereit annimmt. Ihnen wirtschaft⸗ lich und seelisch zu helfen, ist christliche Pflicht. In einer Hinsicht sollte übrigens die christliche Kirche auch Einfluß auf die Strafordnung selbst zu»e— winnen suchen, nämlich in der Wahl des Straf- ö 1000000000 f 10 10 1 000—ů—— 0 1 ff 1 0% aaa M „Evangelische Warte“ mittels, durch das die verletzte Rechtsordnung wie⸗ der hergestellt werden soll. Die beste Wiederherstellung scheint mir die zu sein, daß der Schuldige das Unrecht, das er begangen hat, soweit wie irgend möglich wieder gutmacht. Ein menschliches Wesen, dessen Seele noch nicht ganz verdorben ist, fühlt selbst ein tiefes Verlangen nach Sühne, wenn es ein Verbrechen begangen hat: es ist sich bewußt, daß es nicht eine Kette von Umständen, sondern es selbst war, das die Tat begangen hat, und daß die Verantwortung dafür auf ihm lastet. Wie kann es von dieser Verantwortung befreit werden, solange sein Opfer leidet? Auf diese Seite des Problems legt der Staat zu wenig Gewicht. Er beschränkt sich darauf, die Bestrafung durchzuführen und überläßt das Opfer sich selböst. Statt dessen sollte der Staat vor allen Dingen dafür Sorge tragen, daß der Schuldige sein Ver⸗ brechen ernsthaft sühnt durch eine Arbeit für sein Opfer. Das geschähe am besten durch eine freiwillige Arbeits⸗ leistung, die nur nötigenfalls durch eine Leistung im „Arbeitshaus“ zu ersetzen ist. Ich bin überzeugt, daß die Kirche in solchen Bestrebungen sowohl von den Psychologen, als auch den Soziologen unterstützt werden wird. Es wird freilich nicht leicht sein, diese Idee zu verwirklichen. Wenn wir aber von ihrer inneren Wahr⸗ heit durchdrungen sind, so wird die Durchführung doch nicht unmöglich sein. Alle Dinge sind möglich dem, wel— che glaubt. Der erste Arbeiterführer im Kirthenamt. Dem„Evangelischen Volksboten“ entnehmen wir folgenden Bericht: Die erste Generalsynode der preußischen Landes— kirche auf Grund der neuen kirchlichen Verfassung hat im Dezember in Berlin getagt und sich neben andern sehr wichtigen Fragen mit den sozialen Notständen unserer Zeit beschäftigt. Die Generalsynode hat einen ständigen sozialen Ausschuß eingesetzt(Vorsitzender: Pfarrer D. Mumm), dessen Aufgabe es ist, das ganze weite soziale Gebiet sorgfältig zu bearbeiten. Die Generalsynode hat einstimmig eine Resolution des sozialen Ausschusses angenommen, in welcher die Bestrebungen der Wirt⸗ schaftsverbände auf Beseitigung der Sonntagsruhe ent— schieden abgelehnt und die Heilighaltung des Sonntags gefordert wurde. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: 10 0 aaa 0 1 eee 0 0 0 Fernruf 1362 Mehr als 1200 verschiedene Formulare für Behörden, andere Amtsstellen, für Vereine und Körperschaften, Sowie auch für die Geschäfte ständig am Cager in der geschaftsbücher-, Formular., Nkzidenz- und Teikungsdruckerei ylbin Klein, giessen vormals Wilh. Keller, gegr. 1783 aaa fauna U ac 0 Südanlage 21 aaa uu l . Auen aaa I 0 Fl Sammlung sein und müßte für unser unter schwerer entartet durch Nichtachtung Nötigung zur Sonntagsarbeit, durch öffentlichen Zunahme des lu i i anderen Gruppen, des Sport- und Spielbetriebes und der öffentlichen und privaten Lustbarkeiten. äußeren und inneren Gesundung willen: tagsarbeit mit dem Ziel äußerster Beschränkung auf das unvermeidlichste Maß; tatkräftigen Schutz der Sonntagsruhe durch wirk⸗ liche Anwendung der vorhandenen Schutzbestim⸗ 1 bau. Von großer Bedeutung war die Wahl des Kirchen⸗ senates. Der Kirchensenat ist die oberste Kirchenbehörde der preußischen Landeskirche. Auf ihn sind alle Rechte des vormaligen obersten Landesbischofs, des Königs von Preußen, übergegangen. wig gewählt. Die Generalsynode hat Punkte eine soziale Gesinnung und einen Weitblick be⸗ wiesen, der volle Anerkennung verdient. Für die ver⸗ die evangelische Arbeitervereinsbewegung ist diese Wahl außerordentlich bedeutungsvoll. Hier eröffnen sich große Zukunftsaussichten für die Kirche und die evan⸗ gelische Arbeiterbewegung. Wir freuen uns von gan⸗ zem Herzen dieser bedeutungsvollen Wahl, die einen Mann, der 30 Jahre hindurch für die evangelische Ar- beitervereinsbewegung gekämpft, geopfert und sich rest⸗ los für sie eingesetzt hat, in die Kirchenleitung berufen hat. Der Generalsynode danken wir, daß sie durch die Wahl eines evangelischen Arbeiterführers den Gesichts⸗ punkt der Gleichberechtigung des Arbeiterstandes und den Gesichtspunkt, daß die neue Kirche eine Volkskirche sein soll, aufs neue und durch die Tat betont hat.“ Id Eiderlelkäse 9 Pfund= Mark 6.— Rein Aluminium franko Ausserst billig! 1 Satz Kochtöpfe mi Dampfkäsefabelk, Deckel, ers'klassige, saubere Ware. Rendsbu- g. 6 Stek. ¾—4 J. 12,40 Mk, 4 Stck. 3—6. ½ J. 14.00 Mk. Versand nach Auswärts Herbert Kostorz, Giessen, Bahnhofstr. 33 J (kein Laden) Postsch.-Kto. Ffm. 60381 Sthriftliche Heimarbeit nur für Damen bzw. Hausfrauen. Hoher Verdienst. Rückporto: Carl Bierwirth, Cabi⸗ Versaud, Hannover, Isernhagenerstraße 10 An bessere 650 Damen u. Herren vergebe Strumpfwaren muf Commission gegen Sicherheit. P. Vogel Strumpffabr. Tahlheim i. Erzgeb. 1 Soeben erschien: Musikalische„ Band 10 45 ausgewählte und moderne Werke Band 10 Elegant gebunden! Preis Mk. 7.50 Ueber 200 Seit. stark! 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M., Schrift⸗ leiter Hamburger, Bürgermeister Völker und Reichs⸗ geschäftsführer Weidner über Wesen und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft und über den Stand der Bewegung im Reich. * — Weitere Versammlungen finden statt: „Der Sonntag soll ein Tag der Ruhe und inneren 0 es in doppeltem Ausmaß äußerer und innerer Last da⸗ hingehendes Volk sein. Anser Sonntag aber ist weithin 0 der Feiertagsruhe und ungenügenden Schutz der Sonntagsruhe und durch den Mangel an innerer Sammlung infolge übergebührlicher 1 0 Versammlungswesens bei politischen und Die Generalsynode fordert deshalb von den staat⸗ lichen Behörden um unseres Volkes und seiner 1. Verbot oder mindestens eine Regelung der Sonn⸗ mungen und nötigenfalls durch ihren weiteren Aus⸗ In diese aus sieben Personen bestehende oberste Kirchenbehörde hat die General⸗ synode den evangelischen Arbeitersekretär Emil Hart⸗ in diesem trauensvolle Stellung der Arbeiterschaft zur Kirche, für Am Donnerstag, den 18. Februar, nachmittags 2 Uhr, N Sonntag, den 14. Februar, nachmittags 4 Uhr, in Lollar im„Gasthaus zur Traube“, Mittwoch, den 17. Februar, abends 89/% Uhr, 0 in Lich im Gasthaus„Holländischer Hof“. lungen ein; wir hoffen auf sehr zahlreiches Erscheinen. Jeder werbe für die Versammlungen. 0 Wir laden unsere Mitglieder und Freunde zu diesen Versamm⸗ 5