Leih igen eben und S 2 rr Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Mezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garanttert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) 2. Jahrgang. Organ der Ebangelischen Volksgemeinschaft Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1302 und 1145, Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 11. September 1026. Anzeigenprelse: die go mm breite Klelngelle auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pig, bie 90 mum breite Kleinzeile im Text 00 Pfg., Wiederholungen Verbindlichlelt. Bel Vergünstigung— Plathvorschriften ohne eee eee Nulnmer 37. ieee An unsere Mitglieder und Freunde! Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 92 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die 2. Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchen stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in Hessen und Hessen-Nassau, sondern auch in fast allen Gegenden des Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab änderung des obigen Beschlusses für Sonntag, den 3. und Montag, den 4. Oktober 1020 die 2. Reithskagung nach Frankfurt a. M. Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später. Mit evangelischem Gruß, 2. Reichstagung zu werben. Der engere Vorstand der Evangelischen Vollsgemeinschaft: Professor Niemann-⸗Gelsenkirchen, ——.—— Bürgermeister Wölker, Lich, Pfarrer Weidner Ober-Lais. Die Wirtichaflskrise, eine Krise des Gystems. Fast klingt es paradox, angesichts all der Plan. losigkeit unseres Wirtschaftslebens von einem„Sy steme“ sprechen zu wollen. Aber trotz allem— in dieser Planlosigteit, in dieser Verwirrung und Zusam menhanglosigkeit tritt uns das Wesen, tritt uns das „System“ der herrschenden Wirtschaftsordnung am un verhülltesten entgegen. ö Ganz gewiß, auch innerhalb der idealsten Wirt schaftsordnung werden gewisse akute Spannungen nicht gänzlich auszuschalten sein, aber Krisen von einer sol chen Häufigkeit und einem solch unerhörten Ausmaße, wie sie die moderne Wirtschaftsgeschichte füllen, bedeu ten nichts anderes als das typische Kennzeichen des besser: herrschenden lapitalistischen oder sagen wir privat kapitalistischen Systems. Und das ist die Tragik alles modernen Wirtschafts— geschehens, daß es Hand in Hand ging mit den Irr⸗ lehren der sogenannten Aufklärung, die das nackte Ich in den Brennpunkt aller Betrachtung stellte, die in dem rein individuellen materiellen Glücke und Pro⸗ fite des Einzelnen das Höchste und Vollkommenste sah und die jeglichen Lebenszusammenhang über das punktuelle, selbstsüchtige Ich, über den gewinn⸗ strebenden Einzelnen hinaus leugnete. Gott schied völlig aus. Und das Glück aller sollte sich ergeben aus der Summierung der Glückszustände der Einzelnen. Jeder halbwegs mit dem Leben der Wirklichkeit Ver⸗ traute wird zugeben, daß ein solch schrankenloser Indi⸗ vldualismus, der selbst den Staat zu einem bloßen „Nachtwächter“ degradierte, der Leben und Eigentum zu schützen, sich aber um sonst nichts zu bekümmern hätte, niemals das„Glück aller“ verwirklichen kann, daß eine solche Weltanschauung vielmehr lediglich einigen rück sichtslosen und brutalen Profitjägern das Gewissen 3— Mammonsdienst. Matthäus 6,24. Niemand kann dienen. Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben; oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr lönnt nicht Gott dienen und dem Mammon. In unserer Zeit wird von allen einsichtigen Leuten Über den weitverbreiteten Mammonsdienst geklagt. Es ist eine Tat⸗ sache der Nachkriegszeit, daß die Menschen sich auf den Mammon gestürzt haben. Kann man es denn menschlich nicht auch ver stehen? Die Leute haben während der schweren Zeit so viel ent behren müssen. Denken wir nur an die Unterkohlrabizeit der Städter. Kommt ihnen nicht heute noch ein Schütteln an, wenn sie daran denken. Was haben wir für ein Brot gegessen! Wie hatten die Männer, welche Arbeit für drei und vier zu leisten hatten, Hunger durchmachen müssen! Wiepsele sind heute noch trant, weil die Unterernährung ihren Körper zermürbte. Als dann die langvermißten und entbehrten Speisen wieder zu haben waren, dann stürzte man sich allenthalben darauf. Ist dies aber eigentlich gleichbedeutend mit dem, das wir Mammonsdienst nennen? Hat dieser Mammonsdienst nicht ein ganz anderes Gesicht? Da sind Leute reich geworden im Kriege, also in der Zeit, in der Menschen nicht nur ihr Vermögen für das Vaterland hingaben, sondern ihr höchstes irdisches Gut, ihr Leben. Dann kam die Nevolution. Wieder gab es Raffer, welche die günstige Gelegenheit ausnutzten, um Mammon anzu⸗ sammeln. Dann kam die Zeit der Inflation. Wieder wurden Volksgenossen arm, verloren noch alles, was ie aus dem Krieg gerettet hatten. Gleichzeitig wurden aber andere furchtbar reich zweien Herren leicht macht, wenn ihrem Geldsack zuliebe auf der ande. ren Sekte die Massen der Betrogenen und Ausgebeuteten in Not und Elend verkommen. Das Adam Smith'sche Werl„Vom Reichlum der Nationen“(1776), das als die systematische Uebertragung der aufklärerischen Ich Idee auf das Gebiet des Wirtschaftslebens aufzufassen ist, hat leider bis heute die Köpfe und Gemüter voll ständig in seinen Bann geschlagen. Nur so ist es zu erklären, daß von einer Wollhs wirtschaft bis auf den heutigen Tag nicht die Spur zu entdecken ist. Nur so ist es zu erklären, daß die Privat wirtschaft(privare rauben) mit all ihren verheerenden Begleiterschel nungen und Folgen das geltende System geblieben ist. Der Kern dieses Systems aber ist das Ich, ist die Selbstsucht, die alle höheren, alle Gemeinschaftswerte ignoriert, leugnet. Nicht das Volk, nicht das Gemein wohl ist ihm Maß und Motor aller Dinge, sondern die beschränkte Welt des armseligen Ich, der schnöde Pri vatgewinn, der Profit in des Wortes häßlichster Be deutung. Ohne jegliche ethische Prüfung und Begrün dung ist unser gesamtes Wirtschaftsgeschehen lediglich auf die in Geld ausgedrückte, handgreifliche Rentabi lität eingestellt— unbekümmert darum, ob das Polk als Ganzes diese Rentabilität mit seinem Niedergang bezahlen muß. Wir sind weit davon entfernt, das wahre Wesen des Kapitals und die Bedeutung der Rente zu verkennen, aber die Art, wie die uneinge schränkte Verfügungsmacht souveräner Einzelner Über die Produktionsmittel zur Befriedigung ihrer persön lichen Profitgier mißbraucht wird, lann nicht scharf ge nug gegeißelt werden. In diesem persönlichen Proflt streben, dem das Allgemeinwohl nichts, die rücksichts lose Sättigung des materialistischen Ich alles bedeutet, findet das planlose Durcheinander des herrschenden kommen Leute daher und geben sich die größte Mühe nachzu weisen, daß sich Gottesdienst und Mammonsbienst vereinsgen lasse. Diese erklären, der Gottesbienst gehöre in die Kirche, auf die Kanzel, der Mammonsdienst gehöre in das Leben, in die Politit, in die Wirtschaft. Man erklärt dann den Glauben als ein Gebiet für sich; das Wirtschaftsleben ist dann auch ein Ge biet für sich. Man fragt sich aber dann, welchen Wert für unser Leben der Glaube haben soll? Man will eben den Glauben fernhalten von dem öffentlichen Leben. Man will die Leute weis machen, sie könnten die besten Christen sein, im öffentlichen Leben aber auf das rlücksichtsloseste den wirtschaftlichen Kampf führen. Diese Leute behaupten deshalb auch, daß Religion und Politit nichts mit einander zu tun hätten. Sie sind auch da gegen, daß ein Pfarrer sich mit seinem christlichen ewissen in das öfentliche Leben begibt. Das sind aber alles nichts anderes als Schliche der Mammonsdiener. Sie fürchten, daß mit dem Lichte des Evangeliums hineingeleuchtet wird in ihre bunklen Machenschaften. Wer ein Christ ist aus echtem Schrot und Korn, der läßt sich durch solche Worte und Reden nicht irte machen Wollen wir bessernd auf unsere im Mammonsdienst versunkene Menschheit wirken, dann ist das nur möglich, wenn wir das Evangelium Jesu Christi hinein in das öffentliche Leben stellen „Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist tot an sich selbst!“ Der Glaube muß sich beweisen im Leben mit den Mitmenschen, Mammonsbienst lann nur vertrieben werden durch Gottes dienst. Was heißt aber Gott dienen? Es heißt, daß jemand nicht bloß in die Kirche läuft, fromme Worte macht, süße Gefühle hat, den Beichtgroschen zahlt, sondern daß er bereit ist, mit der Tat sich dem Reich Gottes zur Verfügung zu stellen. Gottes dienst ist Erfüllung des größten und höchsten Gebotes: Gott lieben und die Brüder lieben. Gottesdienst tut der, der das Statt Dienst an ihrem Volte lannten sie nur Mammonsdienst. Diesem Mammonsdienst steht schroff gegenüber der Gottes dienst. Gott und Mammon sind zwei feindliche Mächte, Nun Wohl der ganzen Gemeinschaft sucht, der nicht genießen will, son dern dienen, der nicht herrschen will, sondern helsen. —,——·- ˙²ĩ—O«⅛7¼Ä. ⅛—rt.r1. A,! Wirtschaftssystems seine eigentliche Wurzel. Alle Wirt schaftskrisen auch die gegenwärtige inden hier ihre letzte Erklärung, 5 Frellich, unter der Geißel der eisernen Notwendig lelt ist man auch innerhalb der pripatwirtschaftlichen Kreise immer mehr zu der Ueherzeugung gekommen, daß es ganz ohne einen gewissen Zusammenhang, ganz ohne ein gewisses Zusammenarbekten schlechterdings ncht geht. Und gerabe bie pulsende Gegenwart st entsprechend der Ungeheuerlichleit, ber herrschenden Krise fieberhaft an der Arbeit, lartellmäßige Bin, dungen über die Köpfe der Einzelnen hinweg zustande zu bringen. Piese Bindungen beschränken sich schon nicht mehr allein auf die Flächen der elnzelnen Natlo— nen, sondern ste greifen herüber und hinüber in die grenzenlose, unstchere Spähre der Internattonalltät. Es sei zum Belege erinnert an das am 11. März begrün⸗ dete internationale Schienenkartell, in welchem eng— lische, amerkkanische, deutsche, französtsche, belglsche und luxemburgische Interessen zusammengefaßt sind, es sel erinnert an das Abkommen zwischen dem Deutsch⸗ Ischechischen Röhrenkartell auf der einen und den fran— zösischen und belgischen Röhrenfabriken auf der andern Seite über gemeinsame Regelung von WPexkaufs— preisen und Absatzgebieten; es sel erinnert an t bie inter nattonalen Kartellzusammenschlüsse in der chemischen, der Textil- und Glasindustrie. Ferner setien heraus— gestellt unsere hortzontalen Konzentrationen, die elne Zusammenfassung aller Betriebe eines bestimmten In— dustriezweiges bedeuten und den einzelnen Betrieben Einkauf, Produktion und Absatz, ja in gewissen Fällen sogar Stillegung vorschrelben. Daß hiermit die ind olduelle Selbständigkeit der einzelnen beteiligten Unternehmen in weftestem Maße ausgeschaltet wird, er 2250 D Bruder daneben stirbt und zu Grunde geht, wenn er selbst nur Genuß und Besitz hat; daß das Volt verdirbt, wenn er nur Ge winn hat. Dleses Dienen und Helfen kann es nicht ertragen, daß bie Gesetze darauf hin gemacht werben, daß es dem Einzelnen möglich wird, möglichst plel Geld zu erwerben. Der Staat soll keine Einrichtung sein zum Schutze der Schleber und Ausbeuter, Sehen wir aber darauf das öffentliche Leben an, dann stelgen Der Mammon erschelnt heute noch plel gefährlicher und schäblicher als zur Zeit Jesu. Aus was wird heute nicht alles ein Geschäft gemacht! Selbst das Leben und Wohlergehen des Poltes wird nicht mehr aus selbstlosen Gründen geregelt, sondern nur aus Geschäft und nach geschäft lichen Grundsätzen und für geschäftliche Interessen, Gerabe in unserer Zeit klafft der Spalt zwischen Christentum und Mam einem die Haare zu Berge, monsbpienst so weit wie nie Heute müssen wir unsere Zelt genossen baran erinnern, daß Jesus gesagt hat;„Ihr könnt nicht Gott bienen und dem Mammon!“ Es gibt kein Frtebe zwischen beben. Hier scheiden sich die Geister, Ein Mammonsblener lann kein guter Christ sein. Sollen wir uns da groß wundern, daß bie l chrlstlichen Interessen von den bem Gelbe bienenbden Voltsführern mißachtet werben? Neln, bas ist ja ganz begreiflich. Vielleicht wirft da jemand ein, daß ole christliche Kirche abet auch manchmal dies Jesuwort vergessen hat. Gewiß, dag wollen wir ruhig zugeben Das ist wahr, Es steht keinem schlecht, wenn er gemachte Fehler einsteht und anerkennt. Aber innerhalb der Kirche hat sich immer wieber das Evangellum emporgerungen, Auch heute sind wieder starke Kräfte am Werle, um innerhalb ber Kirchen das reine Evangelium zum Siege zu führen. Gott möge immer mehr Augen öffnen, baß recht plele sehen, was unsetet Zeit nottut, Alle aber mögen fest zu ihrer Kirche stehen, mögen helfen, daß bort der Mammonsgeist be Jeber Kirche kämpft ist heute nötig und soll mithelfen, damit rechter Gottesbienst bie Herzen und das Land wird in seinet Dieses Dienen und Helfen kann es nicht dulden, daß der erfüllen. Amen. Or. Sonnabend, den 11. September 1926. „Evangelische Warte“ Nr. 37. leuchtet ohne weiteres ein. Das System des sich selbst vergötternden, hemmungslosen und ungebundenen In⸗ dividualismus, das System des schrankenlosen„freien Spiels der Kräfte“ hat sich also bereits selbst Lügen gestraft und ist auf dem besten Wege, seine Geschichte in dem Zwangsjackensystem internationaler Kartellie⸗ rungen ausklingen zu lassen. Ob zum Wohle der ein⸗ zelnen Völker, möchten wir zu mindest stark bezweifeln. Denn noch ist der Staats gedanke der dominie— rende in der Menschheitsgeschichte. Und doch sollte dem⸗ entsprechend die Volks wirtschaft, das ist„die durch das Zusammenleben bedingte“ planmäßige Tätigkeit der staatlich geeinten Individuen zur Beschaffung, Verwaltung und Verwendung der zur Be⸗ dürfnisbefriedigung der sozialen Gemeinschaft notwen⸗ digen Güter das leitende Prinzip alles wirtschaftlichen Geschehens sein. Alles andere ist ein Tasten ins Dunkle, ein Kitten und Leimen allenfalls, das die verhängnis⸗ vollen Beunruhigungen der Völker von der wirtschaft⸗ lichen Seite aus niemals aus der Welt zu schaffen in der Lage ist. Im Gegenteil, die oben skizzierten Bin⸗ dungen internationalen Charakters auf im übrigen rein privatwirtschaftlicher, will sagen profitwirtschaft⸗ licher Grundlage werden bei irgendwelchen Störungen und Verwicklungen internationaler Art nur umso größere Verwirrung stiften. Es gibt keinen andern Weg aus all dem wirtschaft— lichen Wirrwarr als den, daß wir uns auf unser Volk besinnen, auf unseren Staat, seine Voraussetzungen und seine Bedingtheiten; dementsprechend haben wir unsere Wirtschaft umzustellen, nicht im Sinne der Auf⸗ klärung auf der Basis des Ich und der Selbstzucht, son— dern im Sinne Christi auf dem Boden lebendigen Ge⸗ meinschaftslebens, auf dem Boden des Dienens einer am anderen und des Opferns einer für den andern. Nur im Kreuze liegt die Kraft, ein System niederzu⸗ ringen, wie es die Völker aus einer Krise in die andere wirft, ihnen alle Ruhe und Fassung raubt, sich den höheren Werten des Lebens hinzugeben. Nur im Kreuze liegt die Kraft, das System des Molochs abzu⸗ lösen durch ein System christlichen Gemeinschaftssinnes, welches das Reich vorbereitet, auf das wir warten. e e e Römisch katholijche Einflüßje im Auswürtigen Amt. Als im September 1924 der katholische Akademiker⸗ verband seine Tagung in Dresden abhalten wollte, richtete das Auswärtige Amt an die deutschen Paß⸗ stellen in Wien, Bern, Haag, Luxemburg, Rom, Kopenhagen folgenden Erlaß:„Nach einer Mitteilung des Verbandes der Vereine akademisch gebildeter Katho⸗ liken findet in der Zeit vom 5. bis 12. September d. J. in Dresden eine Tagung des Verbandes der Vereine akademisch gebildeter Katholiken statt. Dem Verband ist diesseits zugesagt worden, daß solchen ausländischen Akademikern aus Oesterreich, der Schweiz, den Nieder⸗ landen, der Tschechoslowakei, Luxemburg, Italien und Dänemark, die sich einwandfrei als Teilnehmer an der Verbandstagung ausweisen, der deutsche Einreisesicht⸗ vermerk kostenlos erteilt wird. Zugleich ist mit dem Verband verabredet worden, daß die Anträge nur bei denjenigen Paßstellen gestellt werden, an die dieser Er⸗ laß gerichtet ist. Es wird ergebenst gebeten, dem An⸗ trag, falls keine besonderen Bedenken entgegenstehen, zu entsprechen.“ Ermutigt, durch dies Liebenswürdige Entgegenkommen den katholischen Akademikern gegen— Über, stellte der Evangelische Bund, der zusammen mit dem Internationalen Verband zur Verteidigung des Protestantismus vom 9. bis 13. September 1926 in Dresden seine Generalversammlung abhält und aus den gleichen Ländern auf Besuch zu rechnen hat, beim Aus wärtigen Amt den Antrag, ihm dieselbe Vergünstigung zu gewähren, wie seinerzeit den katholischen Akademi⸗ kern. Das Auswärtige Amt aber wollte sich nur dazu verstehen, den evangelischen Teilnehmern die Hälfte der Gebühren zu erlassen. Der Evangelische Bund be— ruhigte sich mit dem Bescheid nicht, sondern wies aus⸗ drücklich noch einmal auf das andersartige Verhalten Der Tod. Von Ilse Reinöhl. Der Tod war an ihr Bett getreten. Ach, es ist etwas an— deres, vom Tod und der Ewigkeit zu philosophieren, als ihm ins Auge zu sehen, wennn schon die Auflösung des Körpers begonnen hat, wenn kein Fleckchen mehr da ist, das nicht schmerzt, der arme, wunde Rücken nicht weiß, wohin legen, der Atem nur noch keuchend geht und die„Lebensuhr“, das Herz, immer wieder den Dienst zu versagen droht. Dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen von dieser Erde. Abschied für immer! Und der Abschied fällt schwer, bitter schwer, auch wem das Leben so wenig Freude ge— geben hat wie Elisabeth Werner, deren Kammer kaum je ein Sonnenstrahl gestreift hat. Sie schluckt die Arznei, die die blasse verhärmte Mutter ihr reicht, und dabei wissen beide, daß alles leinen Zweck mehr hat. Aber Frau Werner fällt heute vielleicht zum erstenmal mit vollem Bewußtsein auf, wie kinderzart der Körper der nun schon Achtzehnjährigen ist, wie blutleer die Hände, denen auch die schwere Fabrikarbeit nicht die edle Form nehmen konnte, geworden.„Hast du Schmerzen?“ fragt Frau Werner leise, und wie eine schwere Schuld bedrückt es sie, daß sie ihrem einzigen Kind nichts anderes hatte bieten können, als Kummer, Arbeit und Sorge. Aber Elisabeth lächelt.„Ich habe immer Schmerzen, Mutter“, sagt sie gleichgültig, denn sie hat den Kampf gegen die schwere Krankheit längst aufgegeben. Sie versucht, sich in den Kissen aufzurichten, und in ihre Augen, über denen schon der Schatten des Todes liegt, tritt ein fremdes Leuchten.„Ich möchte in die Sonne, Mutter, in die Sonne! Wir haben ja nie Sonne gehabt!“ Die Mutter weiß nicht, meint sie ihr freudloses Leben oder den goldenen Sonnenschein, den katholischen Akademikern gegenüber hin. Aus Gründen der Parität schien ihm eine gleiche Behand— lung das Gebotene zu sein. Er bekam auf sein zweites Schreiben folgende Antwort: Auswärtiges Amt. Berlin⸗W. 8, 18. August 1926. Nr. I. R. G. 1069. Auf das Schreiben vom 9. Juli. Die den ausländischen Besuchern Ihrer diesjähri⸗ gen Generalversammlung zugestandene Ermäßigung der Sichtvermerksgebühren auf die Hälfte entspricht den Vergünstigungen, die den Besuchern ähnlicher Veranstal— tungen in letzter Zeit allgemein gewährt worden sind. Unberührt hiervon bleibt die gesetzliche Bestim— mung, daß bedürftigen Personen volle Gebührenfrei— heit zu gewähren ist. Diese Bestimmung hat dazu ge— führt, den Besuchern des katholischen Akademikertages im Jahre 1924 die Sichtvermerksgebühren mit Rück⸗ sicht auf die wirtschaftliche Notlage der akademischen Kreise zu erlassen. Wenn sich unter den ausländischen Besuchern Ihrer Generalversammlung bedürftige Personen befinden, so kann auch ihnen auf Antrag Gebührenfreiheit zugestan— den werden. Im Auftrage: gez. Koch. An den Evangelischen Bund zur Wahrung der deutsch-pro⸗ testantischen Interessen Berlin W. 10 Friedrich-Wilhelmstr. 2a. Also: Den Katholiken Gebührenfreiheit allgemein und unbedingt, den Protestanten nur bedingungsweise, trotzdem,— was dem Auswärtigen Amt wohl kaum un⸗ bekannt ist,— sich die ausländischen Besucher der dies⸗ jährigen Generalversammlung genau so aus den aka⸗ demischen Kreisen zusammensetzen, wie die der Dres⸗ dener Tagung von 1924, deren Wirtschaftslage dem Auswärtigen Amt so zarte Rüchscht diktierte. Zweierlei Maß! Auf eine dritte Eingabe des Evangelischen Bun⸗ des geht nun vom Auswärtigen Amt folgendes Schrei⸗ ben ein. Auswärtiges Amt Berlin W. 8, 26. August 1926. ee ee e N Auf das Schreiben vom 21. ds. Mts. Die deutschen Auslandsvertetungen in Jugoslavien, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechoslowa⸗ kei und Ungarn sind in dem gewünschten Sinne verstän⸗ digt worden. J. A.: gez. Koch. Wir freuen uns feststellen zu können, daß sich das Auswärtige Amt nunmehr entschlossen hat, auch dem evangelischen Volksteil gegenüber volle Parität zu be⸗ obachten. Trotzdem ist diese notwendig gewordene drei— malige Eingabe, diese anhaltende Bettelei um paritä⸗ tische Behandlung, ein Zeichen, wie gering das Recht der Evangelischen geachtet wird. Sicher sind im Jahre 1924 die Verhandlungen mit dem Auswärtigen Amte glatter verlaufen. Der Breslauer Katholikentag und die be⸗ drüngten deulschen Katholiken in Polen u. Tirol. Angesichts des Generalthemas:„Das Königtum Christi auf Erden, im Leben der Völker und in Be⸗ ziehung der Staaten zueinander“ hatte es für den Bres⸗ lauer Katholikentag außerordentlich nahegelegen, sich mit der bedrängten Lage der katholischen Auslands⸗ deutschen zu befassen. Bekennt sich doch der größte Teil der Auslandsdeutschen zum Katholizismus, die Deut⸗ schen der Nachbarländer sind meist Katholiken, Polen lag in Reichweite, die oberschlesischen Katholiken sind sogar getrennte Kinder der Breslauer Diözese und die Hilferufe von dort und aus Tirol über unwürdige Be⸗ handlung von Seiten des Staates, oder wie in Ober⸗ schlesien von Seiten des Erzbischofs Dr. Hlond tönten vernehmlich genug herüber. Aber tiefes Schweigen betreffend der eigenen Volksgenossen. Statt dessen tele⸗ graphierte man voll Mitgefühl den Mexikaner an unter wehleidiger Aufwärmung abgestandener Kultur⸗ kampferinerungen. Zwar der Verband der katholischen Auslandsdeutschen unter dem Präsidium von Marx konte nicht umhin, auch eine Versammlung einzuberu⸗ fen, behandelt wurde aber hier die Lage der Handvoll deutscher Katholiken in Brasilien und Ostasien. Die Million in Polen und Tirol war für den Katholikentag, Herrn Marx und seinen Verband katholischer Auslands⸗ deutscher nicht vorhanden. Darüber wundert sich die „Frankfurter Zeitung“ vom 27. August 1926. Aber darüber kann sich nur wundern, wer die päpstliche Diplomatie nicht kennt. Diese stellt sich hinter den Ku⸗ lissen mit Mussolini und ist in ziemlicher Oeffentlichkeit polenfreundlich, damit aber notwendig und im End⸗ erfolg deutschfeindlich, in Polen sowohl als Tirol. Bei dem Gehorsam, den der römische Katholik aber dem päpstlichen Stuhl schuldet, ergab sich das Schweigen über die so eminent deutschen Fragen zwangsläufig und man blieb taub, so bitter das einzelnen gewesen sein mag, gegenüber den Notschreien der eigenen Volksge⸗ nossen. Umsomehr wollen wir Ketzer der Not unserer in Glauben und Staatsverband getrennten Brüdern ge— denken. Auf der Warte. In England scheint der große Bergarbeiterstreit immer mehr abzubröckeln. So hat der Rat der Berg⸗ arbeitervereinigung von Nothinghampshire beschlossen, den Parlamentarier Warley für den Fall, daß eine Einigung nicht erfolgt, zu bevollmächtigen, die Erlaub⸗ nis der Bergarbeitergewerkschaft zur Abschließung von örtlichen Lohnabmachungen einzuholen. Der Ras ist der Meinung, daß der Streik in den von ihm ver⸗ tretenen Gebieten nicht länger fortgesetzt werden kann. In Bern hat der Fortsetzungsausschuß der Stock⸗ holmer Weltkirchenkonferenz getagt. In einer Voll⸗ sitzung wurde als Antwort auf den Brief der deutschen Delegation vom 29. August 1925, in dem diese an die Frage der Schuld am Weltkrieg erinnerte, eine Ent⸗ schließung gefaßt, in der u. a, folgende Sätze zu lesen sind: Obwohl der Fortsetzungsausschuß davon Abstand nimmt, sich mit irgendwelchen rein politischen Gegen⸗ ständen zu befassen, bekennt er sich doch zu der Ueber⸗ zeugung, daß das Arbeitsziel der Stockholmer Welt⸗ konferenz, deren Werk er fortzusetzen hat, unlöslich ver⸗ bunden ist, mit der entschiedenen Bejahung bestimmter moralischer Prinzipien, welche unumstößliche Grund⸗ wahrheiten des Reiches Gottes darstellen. In Ueber⸗ einstimmung mit diesen Prinzipien gibt der Fort⸗ setzungsausschuß bei diesem Anlaß rückhaltlos die Er⸗ klärung ab, daß es zu allererst auf die Wahrheit an⸗ kommt und daß keinerlei Interessen, mögen sie eine Einzelperson oder eine Gemeinschaft betreffen, sich der Wahrheit widersetzen dürfen. Er erklärte weiter, daß die Achtung vor dem gegebenen Mannes⸗ wort die Regierungen wie die Einzelpersönlichkeiten zu beseelen hat; daß unmöglich durch Krieg festgesetzt werden kann, was recht ist; daß politische Urkunden durchaus nicht mit Not⸗ wendigkeit geeignet sind, ein endgültiges moralisches Urteil zu fällen, daß ein jedes erzwungene Bekenntnis, wo immer es auch abgelegt sein mag, moralisch wertlos und religiös kraftlos ist. In Genf rüstet man die zweite Völkerbundstagung für dieses Jahr. Als Auftakt haben die Vertretungen der nationalen Minderheiten getagt. Besonders ist bei dieser Tagung der Deutschbalte Dr. Schiemann⸗ Riga hervorgetreten. Spanien wollte in Genf gleichzeitig eine Tanger⸗ konferenz abgehalten wissen. Es forderte entweder die Annektion oder das Mandat. England lehnte jedoch wie Frankreich beides ab. In London rechnet man deshalb bereits mit dem Austritt Spaniens aus dem Völkerbund. In Nürnberg wurde am 29. August unter An⸗ wesenheit des Feldmarschalls Mackensen ein Ge⸗ denktag für Heer und Marine abgehalten. der nie den Weg in die düsteree Kellerwohnung gefunden. Sie kniet vor dem ärmlichen Lager und sieht angstvoll in das lieb— liche, sehnsüchtige Gesicht. Worte findet sie keine in ihrem Jam— mer; aber Elisabeth scheint auch auf keine Antwort zu warten. Sie hat die Augen geschlossen, und nur die im Schmerz ver— krampften Hände zeigen, was in ihr vorgeht. Ganz still sind nun Mutter und Kind, und in diese Stille fällt eine tiefe, warme Männerstimme. Frau Werner hat es kaum beachtet, daß sich die Tür der Kammer geöffnet und eine hohe Gestalt eingetreten war. Sie hatte sich nur unwillkürlich vom Bett aufgerichtet und still in eine Ecke der Kammer gesetzt. Und jetzt saß der Fremde an dem Sterbelager.„Du hast Schmerzen, kleine Elisabeth, ich weiß es, Alles tut dir weh. Du mußt sterben, ohne gelebt zu haben.“ Elisabeth nickt. Sie hält ihre Augen auf den Mann gerichtet und aus ihren Blicken bricht ein so ungeheurer Jammer, daß er ihr unwillkürlich über die Stirne streicht. Sanft und tröstend wird seine Stimme, als er fortfährt:„Du mußt nur tapfer durch das dunkle Tor gehen, Elisabeth. Das eigentliche Leben wartet erst auf dich. Du hast ja nie gewußt, was Leben heißt. Du hast gearbeitet und geschlafen, und soviel du auch tatest, nie hast du die Not von eurer Tür vertreiben können. Jetzt kommst du dorthin, wo keine Not mehr ist. Habe keine Angst davor; du gehst deiner Mutter nur voran. Du hast nie gewußt, wie es ist, wenn es einem frei und leicht ums Herz ist. Du hast keinen Blumenduft und keinen Vogelsang gekannt. Nie hast du spielen und mit andern Kindern vergnügt sein dürfen. Nie durftest du lernen, wonach dein Sinn ging; in gleichmäßigen Handgriffen, wie sie deine Fabrikarbeit forderte, hast du deine Kraft ver⸗ braucht. And nun mußt du nur noch eine kleine Spanne leiden, dann öffnet sich dir die Ewigkeit. Dann wirst du wissen, wie das Herz schlägt, wenn es daheim ist. Du wirst fröhlich sein; du wirst alles lernen dürfen, was dein Herz begehrt. Du wirst nie mehr auf der Schattenseite des Lebens stehen, sondern im wun⸗ dersamen Sonnenschein. Die Blumen werden dich umduften; Vogelgezwitscher wird dich umgeben. Immer hast du gespürt, daß etwas in dir war, das nach Entwicklung verlangte, und dem sie versagt war. Das alles wirst du in der Ewigkeit finden, Du wirst das werden, wozu du bestimmt bist: ein Gedanke Got⸗ tes, der nur auf Erden verbildet und verkümmert war. Traute nicht, daß dein Erdenleben so kurz bemessen war; wenn du jetzt den Schritt in die Ewigkeit getan hast, fängt dein Leben erst an. Immer hast du Angst gehabt— dein ganzes Leben lang! Zuerst vor deinem Vater, der dich und deine Mutter schlug und mißhandelte, bis er euch verließ, vor deinen Schulkameraden, die alle so laut und lärmend waren, vor deinen Meistern in der Fabrik, ob du sie würdest befriedigen können, vor den andern Arbeiterinnen, die alle so anders waren wie du. Nun wirst du nie mehr Angst haben. Wie eine große, erlösende Welle wird es dich hinübertragen in das andere Reich. Und du wirst das erfahren, was du im Konfirmandenunterricht gelernt hast;„In der Welt habt ihr Angst, ich aber habe die Welt überwunden!“ And nichts mehr wird dir weh tun. Du wirst kein Kopfweh mehr haben, keinen Husten, keine Schmerzen, keine Atemnot; du wirst leicht und fröhlich deines Weges gehen. Immer hast du gelitten unter eurer finsteren Kellerwohnung und hattest doch nie Hoffnung, eine hellere, lichtere zu bekommen. Nun sollst du „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“ Fühlst du, wie deine erleben: Sieh, wie still dein Herz schon schlägt. — ·wmwj̃.... ̃]. ̃.... U 158 en gen S E S tuell zeig. eine aub⸗ oh Nos ber; ann, to Boll schey f l die Enke lesen stand egen. eber, Welk ber. imter rund. sebet 7 lein 1 sel, 5 schaft dem Einfluß der Sozialdemokraten zu entziehen. onnabend, den 11. September 1926. „Evangelische Warte“ EFF ÄCTEÄE ü A Nr. 37. eee Die preußische Regierung hat sich aufgeschwungen, endlich scharfe Maßnahmen anzuordnen gegen die Ueberfälle einzelner radikaler Gruppen auf politisch Andersdenkende. Alle ruhig denkende Staatsbürger, welche von diesen Gewalttaten nichts wissen wollen und gegen diese politische Verrohung sind, werden ein entschlossenes Durchgreifen der Polizei freudig be— grüßen. Aus Politik und Parlament. Das Schulgesetz. Nach Mitteilungen der Presse will der Reichs⸗ innenminister die Parteiführer und die Schulspezialisten der einzelnen Fraktionen Anfang September mit dem Inhalt des von ihm ausgearbeiteten Reichsschulgesetz⸗ entwurfs bekannt machen. Dieser würde dann, sofern die Fraktionen keine entscheidenden Einwendungen er— heben, frühestens Ende September dem Kabinett zu⸗ geleitet werden könen. Ein politisches Dekret. Die österreichischen Bischöfe haben eine Instruktion des österreichischen Gesamt⸗Episkopats an den Klerus herausgegeben, in der die Beteiligung an der Wahl von sozialdemokratischen Vertretern, sei es für die Gemein⸗ den, für das Land oder für den Bund, verurteilt wird, weil das sozialdemokratische Programm im Gegensatz zum Christentum stehe.„Schwer verfehlen sich“, so heißt es weiter, jene Eltern, die ihre Kinder den sozial⸗ demokratischen Kinderfreunden zuführen, wie auch alle, welche die sozialdemokratische Hetze gegen den Reli⸗ gionsunterricht in den Schulen mitmachen. Es soll ernstlich danach getrachtet werden, die gesamte Lehrer⸗ An sozialdemokratischen Gewerkschaften sich zu beteiligen, ift wegen der damit verbundenen Gefahren uner⸗ laubt. Es muß mit allen Mitteln daran gearbeitet werden, den Terrorismus auf diesem Gebiete zu brechen.“ Schließlich wird dem Klerus aufgetragen, über die Irrtümer des Sozialismus und ihre Verwerf⸗ lichkeit immerfort Aufklärung zu geben, evtl. durch die Predigt. 1 Der unsoziale Magistrat. Der Magistrat der Stadt Berlin hat durch Ver⸗ mittlung des Oberpräsidenten für Berlin und die Pro⸗ vinz Brandenburg ein Schreiben an den Reichswirt⸗ schaftsrat gerichtet, in dem erneut für die Reichshaupt⸗ stadt Verlängerung der Polizeistunde verlangt wird. Für die Vier⸗Millionen⸗Stadt sei es notwendig, daß Einschränkungen des für unsere Handelsbilanz so über⸗ aus wichtigen ausländischen Fremdenverkehrs endlich wegfallen. Die angeblichen Interessen der Arbeitneh⸗ merschaft, die eine Verlängerung der Sperrstunde aus beruflichen Gründen bekämpfen zu müssen glaube, müß⸗ ten demgegenüber zurücktreten. Ver„Vorwärts“, dem man in diesem Falle nur zu⸗ stimmen kann, wendet sich entschieden gegen diesen An⸗ trag und weist auf die gesetzlichen Bestimmungen in Stockholm und Kopenhagen hin, wo die Polizeistunde auf 12 Uhr festgesetzt ist. London habe keine einheit⸗ liche Regelung, doch werden die Lokale jetzt schon in der Hauptsache um 12 Uhr geschlossen, und man trage sich mit dem Gedanken, sie schon um 11 Uhr zu schließen. Die Not des Volkes, die herrschende Wirtschaftskrise und das Interesse der im Schankgewerbe beschäftigten Arbeiter und Angestellten verböten einfach die Verlängerung der Polizeistunde. N 0„Aufgehobene Sichtvermerke. Die Reichsregierung hat im Wege der Verhandlungen erreicht, daß der gegenseitige Sichtvermerkszwang mit folgenden Staaten abgeschafft worden ist: mit Oesterreich am 12. August 1925, mit der Schweiz am 20. Jauuar 1926, mit Liechtenstein am 20. Januar 1926, mit den Niederlanden am 1. Februar 1926, mit Japan am 20. März 1926, mit Dänemark am 20. Mai 1926. Der Fortfall des Sicht⸗ vermerlszwang wird in Kraft treten: mit Luxemburg am 1. September 1926, mit Portugal am 1. September 1926, mit Schweden am 1. Oktober 1926. Da in der freien Staat Danzig, Island der Sichtvermerkszwang für deutsche Reichsangehörige unmittelbar aufgehoben worden ist, hat die Reichsregierung ihrerseits Angehörige dieser Länder vom Sichtvermerkszwang befreit. Kleine Nachrichten. Rückgang der Erwerbslosigkeit. Berlin, 27. August. Der Rückgang in der Zahl der Haupt⸗ unterstützungsempfänger hat auch in der ersten Augusthälfte an⸗ gehalten. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfän⸗ ger ist von 1328 000 am 1. August auf 1287 000 am 15. August zurückgegangen, die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungs⸗ empfänger von 324000 auf 317 000. Der Gesamtrückgang be— trägt 2,9 Prozent. Dr. Julius Kaftan f. Der ehemalige Vizepräsident des evangelischen Oberkirchenrates und Professor der Theologie an der Universität Berlin, D. Dr. Julius Kaftan, ist am 29. August im 77. Lebensjahre gestorben. Die deutsche theologische Wissenschaft und die evangelische Kirche verlieren mit seinem Heimgang einen hochverdienten Gelehrten und Kirchenführer. St. Ansgarfeier in Schleswig. Zu einer großen Veranstaltung wurde am 29. August in Schleswig von katholischer Seite die elfhun⸗ dertjährige Wiederkehr des Tages benutzt, an dem Bi— schof Ansgar seine Mission in nordischen Ländern be— gann. Es war für eine große Beteiligung gesorgt. Würdenträger der katholischen Kirche gaben der Feier ein besonderes Ansehen. Die von Ansgar missionier⸗ ten Länder sind heute fast rein evangelisch. Es hätte also näher gelegen, die Bedeutung dieses Gedenktages für die Verbreitung des Christentums überhaupt zu feiern. Man gab ihm aber von katholischer Seite ein streng konfessionelles Gepräge. Ein Beweis für die Rührigkeit der katholischen Propaganda, die in unserer Zeit den kleinsten Anlaß für ihre Zwecke zu benutzen weiß. —— Allerlei. Die Aerzte in Deutschland. 8 Der zum ersten Male seit dem Kriege wieder er⸗ schienene Reichsmedizinalkalender gibt folgende An⸗ gaben über die Aerzte in Deutschland. Anfang 1926 betrug ihre Zahl, mit Einschluß des Saargebietes, 44 715; bei einer Einwohnerzahl von 63 Millionen kommen also 7,10 Aerzte auf je 10 000 Einwohner, da⸗ bei sind(die rund 3000) Assistenz- und Volontärärzte mitgezählt. Ein starker Rückgang macht sich im Me⸗ dizinstudium geltend, besonders bei den weiblichen Studierenden, doch ist für Nachwuchs immer noch reich⸗ lich gesorgt. Die Zahl der weiblichen Aerzte hat sich seit 1913 von 195 auf 1627 gesteigert. Von ihnen sind 116 Kinder- und nur 43 Frauenspezialistinnen, die anderen üben allgemeine Praxis aus. * Friedrich Lienhard über das Reichsehrenmal. Friedrich Lienhard hat ein Schreiben an den Reichspräsidenten v. Hindenburg gesandt, in dem es u. a. heißt:„Eine überwältigende Mehrheit der Frontkämpfer(wo bleibt da die Ansicht der Rhein⸗ landfrontkämpfer?), die in allererster Linie gehört werden müßten, hätte sich für den Hain im Herzen Deutschlands ausgesprochen. Prof. Lienhard bezeichnet das Gebiet bei Berka als den uralten Jagdgrund der Ottonen, der als Sammel- und Aufmarschpunkt wie geschaffen sei(2). Nicht wirtschaftliche Vorteile soll⸗ ten maßgebend sein, sondern rein geistige Gesichts⸗ punkte. Hindenburg möge für den Plan von Berka ein⸗ treten. Die Schinkelsche Wache in Berlin möge man zum Fahnenheiligtum weihen, zu Lorch aber erst dann ein Befreiungsdenkmal errichten, wenn der Rhein wirk— lich frei sein werde. Förderung des Mineralstoffwechsels durch Klimakuren. A. D. B. Die wissenschaftliche Forschung hat die Kenntnis von der Bedeutung der Mineralsalze für den Aufbau des in Cuba, Haiti, Panama, der dominikanischen Republik und in 1 eine Hand dich erfaßt hat, um dich nicht mehr luszulassen? Laß andere ihr Leben leben, laß du dich nur noch führen von dieser Hand! Gräme dich nicht, daß das Leben vir versagt hat, was die Menschen unter Liebe und Freude verstehen; du wirst eine andere Liebe kennen lernen, eine an⸗ der Freude, gegen die die irdische schal und nichtig ist.“ Elisabeth hatet ihre Augen groß und strahlend aufgerichtet; mit halbgeöffnetem Mund, um den das erste leise Lächeln 1 Angst nachläßt, wie spielte, lauschte sie dem Fremden. War es ein Märchen, das er ihr erzählte? Aber wie seltsam leicht ihr zumute war; alle Bangigkeit, alles Unbehagen war wie ausgelöscht.„Erzählen Sie weiter,“ bat sie flehentlich. Der Fremde lächelte.„Ich werde dir nicht mehr viel erzählen, kleine Elisabeth. Du wirst 1 dies bald mit eigenen Augen schauen und sehen. Dann wirst ö du spüren, daß alle meine Worte zu schwach waren, um dir die Herrlichkeit zu schildern, die auf dich wartet. Und jetzt schließe 0 deine Augen; der Augenblick ist da, wo dich Jesu Arme umfassen 1 und in das andere Reich hinübertragen. Laß ihn nicht los, bis dau in dem wunderbaren Land erwachst. Schlafe, kleine Elisabeth, du konntest ja schon so lange nicht mehr schlafen.“ Es war ganz stille in dem Raum geworden. Frau Werner erhob sich schwerfällig von ihrem Stuhl und trat an das Bett der Tochter. Der Fremde war verschwunden. Elisabeth lag ausgestreckt in den Kissen; ein glückseliger Ausdruck, wie ihn die Mutter nie an ihr gesehen, verklärte ihr schmales Gesicht und verwischte die Spuren der Krankheit. Die Hände hielt sie gefaltet, als müsse sie mit aller Kraft etwas umfassen. Die Mutter griff darnach. Sie waren eiskalt. Sie strich über die Stirn, kein Lebensatem wehte ihr mehr entgegen.„Elisabeth! wollte Frau Werner schreien; aber sie brachte es nicht über die menschlichen Körpers wesentlich gefördert. Das hat zu der irrigen Lippen. Vor dem friedvollen Ausdruck ihres Kindes schwiegen alle Klagen. Wer war es gewesen, der die arme, gequälte Elisabeth durch das dunkle Tor hinweggetragen? Nie hatte sie den Fremden gesehen, nie seine Stimme gehört; aber es war ihr, als sei ein sanfter und guter Geist durch das Toten— zimmer gegangen. Absonderlichkeiten. Der Besenbinderchristian besuchte einen kranken Vetter im Nachbardorfe, den Reinerfranz. Der Reinerfranz war seines Zeichens Holzhauer und lag schwer krank darnieder an Lungen⸗ entzündung. Als der Christian ihn sah, erschrak er und rief aus: „Bist du es wirklich, Franz? Nicht zum Wiedererkennen! Du bist wohl sehr krank? Aber solch Gerede war dem Franz zu⸗ wider. So hatten schon die Vetter und Tanten gesprochen, die ihn besucht hatten, und von seiner Frau mußte er es Tag und Nacht hören. Der Franz bot also dem Vetter ein grobes Will⸗ kommen:„Red' du nicht auch wie ein greinend Weib! Ihr macht mich mit eurem Gewinsel erst krank. Bin gar nicht so krank. Will in acht Tagen wieder in den Forst“ Als der Christian vom Kranken wieder Abschied nahm, schüttelte er draußen den Kopf:„Ein absonderlicher Kerl, der Franz; er will gar nicht hören, daß er krank ist! Na, gebe Gott, daß es nicht so schlimm mit ihm ausgeht!“— Aber es ging gut aus. Sein Selbsterhaltungstrieb und sein Vertrauen auf seine baldige Ge— nesung halfen mit zum Gesundwerden. Der Besenbinderchristian war durch diesen Krankenbesuch gewitzigt worden; er nahm sich vor, zu keinem Kranken mehr von kannten Mineralsalze Auffassung geführt, daß man den Mineralstoffwechsel dadurch fördert, daß man einfach die als nützlich und wertvoll er⸗ als Heilmittel einnehmen läßt. Diese Grundlage für mitunter etwas laut angepriesene moderne Nähr⸗ salze hat sich als recht schwankend erwiesen. So einfach sind die Stoffwechselvorgänge innerhalb des Körpers nicht. Die durch den Mund eingeführten Mineralsalze werden nicht immer den Geweben und Organen des Körpers zugeleitet, sondern sie ver⸗ lassen vielfach ungenutzt den Darm. Das wäre das kleinere Uebel. Aber vielfach kammen sie auch auf dem Wege der Nieren zur Ausscheidung, wobei sie schwere Erkrankungen dieses empfind⸗ lichen Organs verursachen können. Auf diese Tatsache wurde in dem Kolberger Lehrgang über Wohlfahrtspflege von Prof. Dr. Straub ⸗Greifswald hingewiesen, zugleich aber auch festge⸗ stellt, daß eine außerordentlich günstige Verschiebung der Mineralsalze innerhalb des Organismus im Sinne einer För⸗ derung des Mineralstoffwechsels durch sorgsam ausgewählte klimatische Kuren erzielt wird. So erklärt sich auch die günstige Einwirkung klimatischer Kuren, auf die englische Krankheit durch durch eine Förderung des Kalkstoffwechsels. Keine Siedlungs möglichkeiten in Mexiko! Schon häufig sind deutsche Auswanderer der Hoffnung auf Ansiedlungsmöglichkeit in Mexiko zum Opfer gefallen. Fast das ganze Siedlungswesen in Mexiko ist in der Hand von pri— vaten Unternehmern, die sich an den Auswanderern bereichern wollen. Der Evangel. Hauptverein für deutsche Ansiedler in Witzenhausen warnt daher dringend, auf ein Angebot einzu⸗ gehen, ohne es vorher von einer Beratungsstelle prüfen zu las⸗ sen; unter einer großen Zahl deutscher Siedlungsunternehmen seien nur ganz wenige einwandfrei zu nennen. Ueberhaupt muß immer wieder vor einer nicht sorgfältig überlegten und vorbe— reiteten Auswanderung gewarnt werden. 72 000 Deutsche sind im letzten Jahre ausgewandert, über 30 000 zurückgekehrt, viel⸗ fach ganz verarmt und elend. Besonders Südamerika, Brasilien und Argentinien haben viele bitter enttäuscht. Fast überall in der Welt liegen die Verhältnisse viel ungünstiger, als die meisten Auswanderer meinen. Lohnende Arbeit und Anstellung ist sel⸗ ten zu finden. Für Landwirte, die wenigstens über 3000. Vermögen verfügen und als Kleinbauern hart arbeiten können und wollen, bietet Brasilien noch die günstigsten Niederlassungs⸗ möglichkeiten. Diese werden in dem kleinen Ratgeber P. De de— kinds„Auswanderer nach Brasilien u. Argentinien“(20.) Elberfeld, Augustastraße 151, nachgewiesen. Aus Hessen und Hessen⸗Naffau. Darmstadt. Der Mittelrheinische Verband evangelischer Arbeitervereine, der in diesem Jahre auf eine 35jährige Ge— schichte und Arbeit zurückblicken kann, hält seine diesjährige Tagung am Samstag, den 11. und Sonntag, den 12. September ds. Is. in Darmstadt ab. Namhafte Führer des Gesamtver— bandes evangelischer Arbeitervereine haben ihre Teilnahme be—⸗ reits zugesagt, so daß die Tagung, die sich mit sehr wichtigen Fragen beschäftigt, eine recht bedeutsame werden wird. Außer der Vertretertagung sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Samstag, den 11. September, abends 8½ Uhr, eine Begrüßungs⸗ feier im Vereinshaus„Feierabend“ Stiftstr. 51, Sonntag, den 12. September, vormittags 10 Uhr, Festgottesdienst in der Stadt⸗ kirche. Festprediger Herr Pfarrer Vogel-Darmstadt. Nach⸗ mittags 3 Uhr findet im großen Festsaal der Turngemeinde am Woogsplatz eine Nachfeier unter Mitwirkung der Gesangs⸗ abteilungen der Verbandsvereine statt. Alle Mitglieder und Freunde der evangelischen Arbeitervereinssache sind zur Teil⸗ nahme an allen diesen Veranstaltungen herzlichst eingeladen. Was bringt die Herbsttagung der Deutschen Landwirtschafts⸗Gesellschaft. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat es trotz der schwierigen Verhältnisse der Gegenwart auch in diesem Jahre nicht verabsäumt, ihre Herbsttagung in großzügiger Weise durch⸗ zuführen. Die Tage vom 24. bis 29. September werden in der Stadthalle von Kassel eine ungewöhnliche Fülle zeitgemäßer Fragen zur Beratung bringen und den Beweis liefern, daß die D. L. G. in ihrer führenden Stellung auf landwirtschaftlich⸗tech⸗ nischem Gebiete nach wie vor unangetastet dasteht. Sie wendet sich mit ihrer Tagung in Mitteldeutschland besonders auch an den bäuerlichen Landwirt, der bei ihren nach Besitzgröße abge⸗ stuften Jahresbeiträgen in ihrer Mitgliederschaft keineswegs eine geringe Rolle spielt. guten Aussehen usw. zu reden. Da traf sichs, daß des Christian Tante in der Stadt erkrankte, und der Christian besuchte sie eines Sonntags, als er zufällig in der Stadt zu tun hatte. Er hatte sich seine Begrüßung schon zurechtgelegt!„Aber, Tant⸗ chen, du bist ja gar nicht so krank. Du siehst so frisch aus—“ Aber da kam er schön an.„Was?“ rief sie— sie hatte tat⸗ sächlich nur eine kleine Erkältung.—„Was, ich bin nicht krank? Der Doktor hat gesagt, ich wäre sehr leidend, und die Karoline Mayer, die Anna Finke, die Ling Schulze und alle anderen sagen es auch. Aber ein so gefühlloser Mensch wie du, der fühlt das nicht.“— Abermals schüttelte der Christian den Kopf, als er wegging:„Sonderbar, die ist gar nicht so krank und will durchaus krank sein!“— Ja, es gibt solche Kranken, die man beleidigt, wenn man sie als krank anspricht, und es gibt eingebildete Kranke, die man vor den Kopf stößt, wenn man von ihrem guten Aussehen zu ihnen redet. Die einen haben den gesunden natürlichen Trieb, recht bald wieder gesund zu werden— und dieser Trieb hilft oft mehr als ein Arzt. Die anderen haben zur Zeit Langeweile und fühlen sich aus Langeweile krank. Sie wollen interessant sein, wollen um sich Klagen hören und Medizinflaschen stehen sehen. Ich möchte sagen, sie fühlen sich nicht wohl, wenn sie nicht klagen und stöhnen können. Solche Hysterie und weibische Energielosigkeit kann tatsächlich krank machen. Auch hier heißt dessen Krankheit zu sprechen, sondern zu ihm nur von seinem es: Mut verloren— alles verloren, und der Geist macht lebendig. Nur sich nicht gehen lassen, und sich nicht unterkriegen lassen, sondern allewege Kopf hoch, Hoffnung— und Gottver⸗ trauen!— G. S. 5 4 5 a 1 1 0 1 1 N J 4 1 ö 16 0 0 4 10 1 Sonnabend, den 11. September 1926. Auch in den 18 öffentlichen Versammlungen, zu denen Gäste gern Zutritt haben, steht unter den geschäftlichen Angelegen—⸗ heiten verschiedentlich die Beratung der Schauordnung für die Wanderausstellung Dortmund 1927 an erster Stelle. Im Ein— verständnis mit der Industrie ist diese Ausstellung endgültig festgesetzt und wird, sei es auch unter erheblichen Opfern, plan— mäßig durchgeführt werden. Ein großer Teil der fachlichen Vorträge dieser öffentlichen Versammlungen gilt dem Regie— „Evangelische Warte“ und treues Zusammenhalten zum gewünschten Ziel Zu dem Zweck haben wir in unserer Gruppe eine daß zähes führen muß. Einrichtung getroffen, die wohl als ein probates Mittel ange- sehen werden darf. Jeden ersten Freitag im Monat treffen wir uns abends im evangelischen Vereinshaus, Schießgartenstraße, wobei durch Vorträge über politische Tagesfragen mit an⸗ schließender Diskussion bei gemütlichem Zusammensein nicht nur das Interesse für unsere Sache wachgehalten, sondern auch der schlag eines Vereinsvorstandes eine Zeit von 115 e für einen Kirchgang angesetzt werden; auch die Losung der Kasse ler Sportvereine:„Samstag nachmittag frei für Sport, Sonn tag vormittag frei von Sport“, fand warme Fürsprache. De Vorsitzende stellte zusammenfassend fest, daß kein ernstliche möglichst frei von Veranstaltungen zu halten. Kassel. Die preußische Staatsregierung erwägt die Zu Widerspruch sich dagegen erhoben habe, den Sonntag vormittag nämlich eine Gemeinschaft zu sein, Charakter unserer Partei, . 175 19 rungsbezirk Kassel und seinen landwirtschaftlichen Verhältnissen. sammenlegung des O.-L.-G. Kassel mit dem O.⸗L.⸗G. Frankfurt, Daneben befaßt sich die Hauptversammlung mit der Grünland⸗ gewahrt werden soll. Hierbei soll besonders lobend erwähnt ein Plan, der in Ersparnisgründen seinen Ursprung hat und von bewegung. Noch mancherlei andere Fragen stehen zur Behand- werden, daß unsere auswärtigen Freunde von i Kassel natürlich scharf bekämpft wird.. 5 8— 15 18 7 B Hechtshe ine Mühe scheue so z= 155 N 3 SAE 8 8 0 8 kung auf 1— F Interessenten, 5 sich 1 die eee 9 n N 1 e 1 11 Kassel. Vor dem Großen Schöffengericht in Kassel enthüllt 5 Deutsche Landwirtschafts⸗Gesellschaft, Berlin, S. W. 11, Dessauer] reich wie nur irgend möglich zu erscheinen. Sie sind ein gutes] eine Verhandlung das furchtbare Martyrium eines armen Kin i0 Straße 14, wenden, erhalten das ausführliche Programm kosten-] Vorbild für unsere Mainzer Anhänger, die etwas rühriger en des. Angeklagt war die Ehefrau Christine Vöhling aus Welle ri los zugesandt. und mehr Teilnahme 5 1 Doch auch 15 wird sich rade wegen fortgesetzter Mißhandlusig ihres schwächlichen biab E 42 1 alles zum Guten wenden. nser nächstes derartiges Zusammen— 7 2 9 8 e.— f 26. 2 st. Mi 5 9 3 e 8 d N E rigen Stieftöchterchens. Durch Zeugenaussage wurde festgestellß n 8 1 b 5510 kommen wird am Freitag, den 1. Oktober, sein. Wir hoffen zu⸗ 905 998 Angeklagte das Kind so schlug 900 es aus 970 Mum. 0 und die Lorcher Inseln. In L de der 9 e He versichtli 10 5 5 noc Gast b e Ang gte das s schlug, 8 1 4. 5 N sichtlich, daß einmal alle kommen und noch Gäste mitbringen te Als die Miß 8 855 5 0 90 n id be Herr! 0 W'᷑̃ blutete. Als die Mißhandlungen sich wiederholten und im Dor Landrat Mülhens Rüdesheim, von Herr Professor Wach 9 95 555 1 0 f ee e 0 12 sowie Vertretern der Gemeinden Lorch und Niederheimbach be— allgemein bekannt wurden, forderte man den Landjäger zu eine grüßt. Professor Wach erläuterte an Hand der im Lorcher Rat— haus aufgestellten Modelle das Projekt. Der hessische Innen— minister sprach sich außerordentlich beifällig über den Gedanken und seine künstlerische Gestalt aus und sicherte weitestgehende Förderung zu. Mainz, 2 September. 16 Personen aus Frankfurt, Darm— stadt, Essen, Berlin, die ohne vorschriftsmäßige Personalausweise im besetzten Gebiet angetroffen wurden, erhielten vom fran— zösischen Militärpolizeigericht Geldstrafen bis 10 Mark. Das Kriegsgericht verurteilte einen Flugzeugbauer and Flieger aus Hamburg, der in Worms ohne Paß angetroffen wurde, zu drei Untersuchung auf. Dieser fand das Kind in einem bejammerns werten Zustand. Arme und Beine waren schwarz angelaufen, blutunterlaufene Striemen auf dem ganzen Körper legten Zeugnis von einer unmenschlichen Behandlung ab. Der Sachver ständige, der das Kind untersuchte, war erschüttert von dem 5 2. e. Anblick. Für ihre bestiglische Tat wurde die Angeklagte Höchst a. M. Herr Pfarrer Mayer ⸗Steinbach ladet zum[ Monaten Gefängnis. Von der gleichzeitig erhobenen Anklage neun Monaten verurteilt. a. Gustav⸗Adolf⸗Fest in Steinbach am 12. September ein. Das wegen Spionage wurde er fteigesprochen. 1 Festprogramm ist: 42 Uhr Festgottesdienst mit Festpredigt des e 5 e Für den historischen Hauptvortrag gelegentlich Herrn Pfarrer Füllkrug-Bad⸗Homburg; 4 Uhr Nachver⸗ sammlung unter Mitwirkung des Bläserchors des Wartburg— vereins Frankfurt. Ansprachen werden halten Herr Pfarrer Offenbach. In dem an den Frankfurter Stadtwald angren— zenden hessischen Waldgebiet breitet sich noch ein weites Moor— gebiet aus, das den Naturfreunden unter dem Namen„Der Henster“ bekannt ist. Dieses an Naturseltenheiten überreiche Ge— 5 Is. in Homberg(Bez. Kassel) ist der Dozent der Kirchenge schichte an der hiesigen Universität, Professor D. Hermelin! s Hessischen Reformationsjubiläums am 21. und 22. Oktobeß Erich Meyer⸗Frankfurt a. M., Herr Dekan Lehr-Gladen⸗„ gewonnen worden. S0 bach und Herr Pfarrer Weber-Dietzenbach. Die Teilnehmer Offenbacher Verein für Naturpflege dieser Moorlandschaft nicht Marburg. Der historische Forsthof in der Ritterstraße ist i von Höchst a. M. können entweder über Sulzbach nach Weiß— in e 6 185 1 Weis 0 0 c ele Er 8 0 5 die] den Besitz des hiesigen Studentenheims übergegangen, das i lirchen und Steinbach wandern, oder über Frankfurt nach Weiß⸗ hessisce Regietun 15 55 Erhallung 95 Heng bete zu inter⸗ dem Gebäude Stipendienwohnungen für Studenten einrichten kirchen fahren und von dort in einer Viertelstunde nach Stein— e 9 9 9 90 5 will. ehe Iii je 1 jeder 0 F je 01 2 e— 2* f 72 Di eee Ulrichstein. Ein schwerer Unfall stieß dem Kriegsinvaliden Wetzlar. Die Stadt Wetzlar hat das in der Nähe von Als ende FFF mee Landwirt Geiß in Kestrich zu, der beim Grasmähen in die Mese] hausen gelegene frühere Dr. Roth'sche Besitztum für 49 000 Ml 6 schönes Fest mit einer schönen Sonntagswanderung zu verbinden. 775 erworben. Mainz, 7. September. Unsere Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft, zu der auch die Vororte Kostheim, Bretzen— heim und Hechtsheim gehören, wächst langsam. Der Gedanke des Zusammenschlusses aller evangelischen Glaubensgenossen als unbedingte Forderung und Notwendigkeit in einer Zeit wie der heutigen ist wohl vorhanden. Doch fehlt es noch zu sehr an der lebendigen Kraft, die, wenn sie auch da und dort sich mäch— tig äußert, lawinenartig alles mit sich fortreißt. Das mag ser der Mähmaschine geriet und an den Beinen schwer verletzt 1 Wieder ein Beispiel. In Aalen haben sich, wie in manchen anderen Städten, kürzlich auf Einladung des Oberbürgermeisters die Vereinsvor⸗ stände, vor allem der Gesang-, Turn-, Sport- und Wanderver eine verschiedenster Richtung zu einer Aussprache über die Ver— anstaltung von Vereinsfesten zusammengefunden. Allgemein wurde der Auffassung des Berichterstatters, Stadtpfarrers Zel Zu dem Besitztum gehört außer einem sehr geräumt gen Landhaus, einem Försterhaus und verschiedenen Wirtschafts⸗ gebäuden noch eine größere Zahl Landparzellen. Das Besitztum soll nunmehr zu einem Kindererholungsheim eingerichtet werden, Neue Bücher. der Evangelischen Kirchen Ein Adreßbuch Deutschlands Durch die Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse nach den 2 vielleicht auch gut sein. Denn alles, was göttlichen Ursprungs[ler zugestimmt, daß die wirtschaftliche Not dazu zwinge, die[Kriege haben Organisation und Struktur der deutschen evange⸗ 4 ist, bedarf einer langsamen Entwicklung, damit später das ganze[ Vexeinsfeste und Veranstaltungen zu vermindern und zu ver- lischen Landeskirchen einschneidende Veränderungen erfahren Gebilde umso sicherer, schöner und formvollendeter in die Er- einfachen, und daß die Vereinsvorstände durch ein gemeinsames[Um einen Ueberblick zu erhalten, erscheint im Oktober ds. Is scheinung tritt. Sogar die Geistlichkeit, von der man nicht nur[ Vorgehen in dieser Richtung den Wunsch sehr vieler Vereins-] im Verlag des Evang. Preßverbandes für Deutschland ein weitgehendstes Verständnis, was ja selbstverständlich wäre, mitglieder erfüllen. Stiftungsfeste sollen nur noch bei 50, 75: f„Deutsches kirchliches Adreßbuch“, das in Bedürfnissen der prak⸗ sondern auch tätige Mitarbeiter erwarten sollte, verhält sich im[und 100jährigem Bestehen veranstaltet werden. Besondere Auf- tischen kirchlichen Arbeit, wie auch als Hilfsmittel dienen will großen und ganzen indifferent und passiv. Und doch sollte ge- merksamkeit wurde auch der Frage des Sonntags gewidmet,[Der Subskriptionspreis beträgt RM. 12.—(gültig bis zum rade sie es sein, bei der unsere Bewegung ein offenes Ohr fin- der nach der Neichsverfassung ein Tag innerer Erhebung sein[ 30. September 1926). Bestellungen und Anfragen an den den müßte. Trotz alledem verlieren wir nicht den Mut. Mit soll. Es wurde festgestellt, daß für örtliche Feste der Sonntag Evangelischen Preßverband für Deutschland(Berlin-Steglitz, großer Zuversicht schauen wir in die Zukunft. Wissen wir doch,] nachmittag ausreiche, bei größeren Festen kann nach dem Vor-] Beymestraße 8). e** 55 el Evangelische pallabona- Puder Leser der Warte! unterstützt uns. evang. reinigt u. entfettet das Haar au Beste hung v. Bacher 5 trockenem Wege, macht schöng A 0 0 Bestellung v. Büchern 7 Frisur, besond. 66 u. Zeitschriften. Jeste 0 1. geeignet für Bubikopf be Bestellungen von 2.ä— hei Tanz u Sport unentbehrlich 99 Mk. an werden post⸗ Zu haben in Dosen von M. I.— an in Friseur- frei ausgeführt. geschästen, Parfümerien, Drogerien u. Apo- ien e ee ene Wartburabuchholo. theken.— Nachahmung weise zurück! N 3 92 Mainz, 8 en e elslales Bauer faucht Sorꝗt für Bestellun aan 9 fur Oberhessen! Massenprodukt empfiehlt in 36er Packung zu e 90005 e 5 Mk. 3.50 franko Nachnahme. von 2 K ankwärts, 1 8„% Zinsen, günstige Molk. VJ. Keßler, Wahlen, Hess., Od, 0 2 2 Ff f ff und schnelle Auszahl. Fräulein, Asagaasaaadpadaadaaadaaqasdaaaadcaddacdadaadagaadagsaadaadadacdasacaasdasdaad? 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