—:. 8 1 0 1955 Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗ 10 8 Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Deut und 150 5 9 8 e am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., dib Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. dn 19 5 1 5 51 1555 be. 9 Ade 1 Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen 10 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) CVVVVVVVVVCCCC Vergünstigung. es einer 7 5 1——.————. 1 2. 7 5 % 2. Jahrgang. Sonnabend, den 10. Juli 1926. Nummer 28. ö. ͤ ͤ v.—— 11221 F n e b nur N Fur 400 jährigen Eri den Reick Speier. Zur jährigen Erinnerung an den Reichstag zu Speier. N 0 1 tell. 25. Juni bis 26. August 1526. 0 51 15 5 Die kaiserlichen Kommissare bezeichneten als wich- bräuche. Man sieht, wie die Mehrheit der deutschen 0 9575 Am 25. Juni 1926 waren genau 400 Jahre ver- tigsten Punkt der Verhandlungen die Frage, wie der[Nation von der Notwendigkeit einer Kirchenreform 1 E Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. vangelische Warte drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., flossen, seitdem der in der Geschichte der deutschen Refor— mation ewig denkwürdige Reichstag zu Speyer durch den Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, dem Bruder Kaiser Karls V., eröffnet wurde; denkwürdig vor allem deshalb, weil der Beschluß dieses Reichstages die Grund— lage zur Bildung evangelischer Landeskirchen geworden ist. Auch die hessische Landeskirche, deren Organisation in den Jahren 1526—28 erfolgte, verdankt jenem Speyerer Reichstagsabschied ihre Entstehung. Es verlohnt sich deshalb der Mühe, den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen zu Speyer einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Mit der Bannbulle und dem Wormser Edikt, das über Luther und seine Anhänger die furchtbare Strafe der Reichsacht verhängte, glaubten die päpstliche Partei und der Kaiser das Todesurteil über die lutherische Bewegung gesprochen zu haben. Doch die ihr inne— wohnende göttliche Kraft ließ sich so wenig durch Men⸗ schensatzungen vernichten, wie einst 1400 Jahre früher das aufkeimende Christentum durch Edikte der römi⸗ schen Cäsaren. Kaiser Karl, infolge eines langwierigen Krieges mit Franz J. von Frankreich jahrelang von Deutschland abwesend, bemühte sich vergebens um die Durchführung des Wormser Ediktes. Zwei in seiner Abwesenheit zu Nürnberg abgehaltene Reichstage faß— ten Beschlüsse von lediglich aufschiebender Bedeutung. Da kam die Kunde von der glücklichen Beendigung des Krieges durch den glänzenden Sieg der Kaiserlichen bei Pavia. Nachdem der französische König zu dem durch einen Eid bekräftigten, demütigenden Frieden von Madrid gezwungen worden war, dachte der sieg— reiche Kaiser nunmehr daran, nach Deutschland zurück— zukehren und die Ketzerer auszurotten. In einem Schreiben an die katholischen Stände kündigte er diese Absicht an. Unter diesen, für die neue Lehre gefahr⸗ vollen Umständen fand die Eröffnung des Reichstags zu Speyer am 25. Juni 1526 statt.(Die Reichstage im alten„heiligen römischen Reich deutscher Nation“ setzten sich aus 3 Kollegien zusammen: dem kurfürst⸗ lichen, dem fürstlichen und dem städtischen. Gerechligkeit. Matthäus 5,20. Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Von der Gerechtigkeit wird eben viel geredet. Jeder Mensch christliche Glaube und„die wohlhergebrachten guten christlichen Uebungen und Ordnungen“ der Kirche von allen Ständen gehandhabt, Uebertreter jedoch gestraft und zum Gehorsam gebracht werden könnten, um die Durchführung des Wormser Ediktes zu erzwingen. Zu⸗ erst berieten nun die fürstlichen Kollegien über die kaiserlichen Vorschläge. Man einigte sich schließlich da— hin, daß man zwar die„wohl hergebrachten“ christlichen Gebräuche beibehalten wolle, verlangte aber gleich— zeitig, daß auch die Abstellung der kirchlichen Miß⸗ bräuche zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht werden sollten. Noch weit günstiger für die Sache der Kirchenreform war die Antwort der Städtekurie; hier merkte man deutlich den Einfluß der Gesandten von Nürnberg, Straßburg und Ulm, wo Luthers Lehre festen Fuß gefaßt hatte. Die Städte erklärten die Durch— führung des Wormser Ediktes, das, wie oben erwähnt, die Vernichtung der Reformation forderte, für unmög⸗ lich, traten also damit in direkten Gegensatz zu der kaiserlichen Proposition“. Bezüglich der„wohlherge— brachten christlichen Uebungen“ vertraten sie den Standpunkt, daß sie allerdings in Kraft bleiben müß⸗ ten, soweit sie sich auf Christus und sein Wort gründe⸗ ten; solche Gebräuche jedoch, die dem Glauben an Christus und seinem heiligen Worte zuwider seien und durch die die Christen von Gott weg und auf mensch⸗ lichen Witz geführt würden“, könne man nicht als „wohlhergebracht“ bezeichnen und deshalb nicht bei⸗ behalten, sondern man müsse über ihre Abstellung be— raten. Diese deutliche Sprache verfehlte ihre Wirkung nicht: trotz des Protestes der Geistlichen traten die bei⸗ den fürstlichen Kollegien dem Beschluß der Städtekurie bei. Darauf wurden drei Kommissionen gewählt, eine kurfürstliche, eine fürstliche und eine städtische, die über die abzustellenden Mißbräuche beraten sollten: die Ab⸗ sicht des Kaisers bei der Einberufung des Reichstags schien durch den Widerspruch der Stände den entgegen⸗ gesetzten Erfolg zu haben, anstatt die Vernichtung der „Ketzerei“ einzuleiten, verwandelte sich der Reichstag gewissermaßen in einen Gerichtshof über kirchliche Miß⸗ Was für e tions-, der Inflations- und der Deflationszeit begangen worden. Wir sehen so wenig guten Willen, auch diese Ungerechtigkeit Unrecht zu nennen. Das liegt an einem einzigen. Wer die Ge⸗ walt hat, der bildet sich ein, ungerecht sein zu dürfen. Niemals ist Gewalt gerecht. Wie schwer ist es darum, gerecht sein! 7 der Nevolu⸗ 5 überzeugt war, nachdem Martin Luther das deutsche Gewissen geweckt hatte. Die reformfreundliche Richtung des Reichstags wurde natürlich noch erheblich gestärkt, als die beiden Häupter der Evangelischen, Landgraf Philipp von Hes—⸗ sen und Kurfürst Johann von Sachsen in Speyer ein— trafen(am 12. bezw. 20. Juli). Beide waren entschlos— sen, dem Kaiser und Papst zum Trotz für das Evange— lium durch Wort und Tat einzutreten. Ueber ihren Wappen, die an den Toren ihrer Quartiere in Speyer angebracht waren, las man die Worte: Verbum dei manet in geternum(Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Da man ihren Predigern Spalatin, Agrirola und Adam Kraft den Zutritt zu den Kirchen der Stadt verbot, predigten sie unter großem Zulauf des Volkes täglich unter freiem Himmel. Fürsten, Adelige und zahlreiche Geistliche nahmen an diesen Gottesdiensten teil. II. Daß unter dem Einfluß der beiden genannten Für⸗ sten die Gutachten der drei Ausschüsse nicht im Sinne der kaiserlich-päpstlichen Richtung abgefaßt wurden, liegt auf der Hand. Die Vorschläge der fürstlichen Kommission, der u. a. die Bischöfe von Straßburg und Freising, sowie Landgraf Philipp und der Markgraf von Baden angehörten, waren in vermittelndem Sinne gehalten; Priesterehe und Laienkelch erklärte man für empfehlenswert;„man wollte es frei stellen, das Abend— mahl unter einer oder beiden Gestalten zu empfangen; man wollte dem Kaiser vorstellen, daß es für die Prie⸗ ster besser wäre, in ehelichem Stande zu leben, als mit übel berüchtigten Personen Haus zu halten.“ Fasten und Beichtzwang wollte man ermäßigen, die 7 Sakra⸗ mente und die lateinische Messe beibehalten, während die Schriftverlesung in deutscher Sprache für wünschens⸗ wert erklärt wurde. Gottes Wort solle„nach rechtem, wahren Verstand, nach Auslegung der von der christ⸗ lichen Kirche angenommenen Lehrer gepredigt werden“; dabei machte man den echt evangelischen Zusatz, daß eine Schrift immer durch Vergleich mit anderen Schriftstellen zu erklären sei! Man sieht, wie selbst der hohe katho⸗ gesammelt haben unter der Losung des Christentums, unter der Liebe, dann wird es anders werden in unserem Volke. Dem Gerechten verheißt Jesus das Himmelreich. Je mehr wir auf Erden Gerechte haben, umso mehr werden wir ein Stück Himmelreich schon auf Erden erleben. Wer wollte nicht helfen, daß bald in unserem deutschen Volke das Verderben aufhört und igle 1 will Gerechtigkeit haben. Aber das, was die Menschen darunter Es gibt nur ein Weg, der uns gerecht sein läßt. Das ist die die Erhöhung beginnt! 0 0 bverstehen, das ist nicht immer dasselbe. Hier macht Jesus einen Niels die Fesus Christns un⸗ e r Diese Nächsten⸗ Ist jemand ernstlich und bereit, aer i, AUnterschied zwischen der Gerechtigkeit der Pharisäer und der der liebe zwingt uns, mit der Lage unserer Mitmenschen zu fühlen. Das Böse abzuwenden, wirklichen Christen. Wer unter Gerechtigkeit das versteht, was Diese Nächstenliebe läßt uns einfühlen in den Kreis der Men⸗ e heil!“ die Pharisäer meinen, der hat keine Aussicht, von Gott belohnt schen, mit denen wir zusammenleben. Sie läßt uns nicht Sein eigen Herz in Händen. le 5 zu werden. Die Pharisäer hielten den für gerecht, welcher zu[nur an uns selbst denken, sondern auch an die anderen. Sie 0 nal 9 ihnen gehörte. Sie waren eine Partei. Zuerst eine politische[fragt nicht, was nützt mir, sondern, was ist recht? So schwer es 5 e e ee eee Partei. Damals, als die Juden um ihre Selbständigkeit kämpf für Weltmenschen ist, gerecht zu sein, so leicht ist es denen, die Aid niit gesalbten Trieben uhu, ten, waren sie entstanden. Als diese Selbständigkeit aufgehört 791 55 1 95 10 5 Denn. achten alle Menschen als Nach deiner wahren Jünger Pflicht 1 gen hatte und ihre Wiedergewinnung aussichtslos war, wandelten solche, die zu Ewigem erufen sind. f Einander herzlich lieben! Amen. Hr. band le sie sich um in eine religiöse Partei. Wer nun die Religion so Wieviel Anstrengungen sind schon gemacht worden, um die Bello auffaßte, wie sie es taten, den hielten sie für gerecht. Ihre Gerechtigkeit auf Erden zu verwirklichen. Man bildete sich ein, 5 2 5 n Frömmigleit bestand nun in der Hauptsache im Halten von einer] wenn wir anstelle der Monarchie eine Republik erhielten, dann Zum besseren Verstehen der in letzter Nummer auf der ersten Anmenge von Werken. Wer diese Werke tat, der war in ihren wäre die Gerechtigkeit da. Aber sie kam nicht. Wer wollte be-] Seite unterm Strich veröffentlichten Predigt ist nachstehend ab⸗ önnen, E. 0 Augen gerecht. Diese Pharisäerwerke aber haben niemand etwas haupten, daß es bei uns im Staate gerecht zuginge? Nirgends gedruckter Eingangstext notwendig, den dem Ganzen vorzu⸗ bun genützt. Dadurch unterscheiden sie sich von der Gerechtigkeit, die gilt ja mehr die Gewalt als im Staatsleben. Wir werden heute stellen der Setzer übersehen hatte. Jesus allein schätzt. Der Pharisäer Gerechtigkeit können die Menschen mit ihren auf allen Seiten unserer Parlamente solche haben, die in Ab— rede stellen, daß das„was die Mehrheit will, immer gerecht sei, Glaube und Hofsen. Psalm 37,5:„Befiel dem Herrn deine Wege und lüge, Augen sehen. Aber niemand weiß, wie es im Herzen eines selbst überzeugte Demokraten. Dabei hat man etwas in unserem hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.“ deten solchen Gerechten aussieht. Jesus will eine Gerechtigkeit, die bei Staatsleben viel zu gering eingeschätzt. Glaube— was kann er nicht alles schaffen und wirken, wo Gott gilt. Gott aber„sieht das Herz an“. Bei Jesus kommt es also darauf an, wie der Mensch in seinem Inneren gesinnt ist. Ein Werkgerechter nach Art der Pharisäer kann alle Satzungen halten, daneben aber seine Mitmenschen übervorteilen, betrügen, verhungern und verkommen lassen. Für Jesus ist nur der ge— recht, der sich für seine Mitmenschen verantwortlich fühlt. Gerecht sein ist nicht leicht, sondern sehr schwer. Wir haben es ja erlebt in diesen Tagen. Man rechnete neulich den Fürsten alle nur mögliche u. unmögliche Ungerechtigkeiten nach, um Grund zu haben, gegen sie auch ungerecht verfahren zu können. Mögen früher manche Ungerechtigkeiten von den Fürsten begangen wor⸗ den sein. Haben aber solche Leute, die doch nach ihren Worten nach der Gerechtigkeit streben, ein Recht darauf, ungerecht zu sein? Damit schlagen sie ja ihrem eignen Streben in das Gesicht Wird man denn noch ihren Worten glauben, wenn sie anderes erstreben, als was sie reden? Gerechtigkeit erwarten kann nur der, der selber gerecht ist.„Was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“. Die Religion ist es allein, die Menschen gerecht werden läßt. Das lesen wir schon im Alten Testament in dem Worte:„Ge— rechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Ver⸗ derben.“ Unter Sünde verstehen wir ein Vergehen gegen Gottes Gebote, Wer aber die Gebote Gottes achtet, der ist gerecht. Von da aus wird uns der Wag zur Gerechtigkeit offen. Solange Menschen nach der Gerechtigkeit suchen unter Mißachtung der Religion, die werden nicht an ihr Ziel kommen. Deswegen hat auch die Sozialdemokratie der Arbeiterschaft nicht zu der er— sehnten Gerechtigkeit verhelfen können. Sie hat die Religion zur Privatsache gemacht, d. h. sie hat sie verachtet. Gerade die christliche Religion hat sie hauptsächlich verfolgt. Ohne Jesus Christus werden wir nie zur Gerechtigkeit in unserem Volksleben kommen. Vielmehr werden wir von einer Ungerechtigkeit zur anderen tappen. Das aber ist das Verderben unseres Volkes Denn alle Ungerechtigkeit verbittert. In der Verbitterung tut man leicht wieder eine Ungerechtigkeit. So pflanzt sich das An⸗ recht fort. Erst dann, wenn wir alle unsere Bevölkerungsschichten er recht ist und ernst genommen wird, wo er die Liebe im Ge— folge hat. Nichts anderes als der Glaube war es, der Jesus die Kraft zu seinen Wundertaten gab. Sein Glaube an seinen Gott und der Glaube der Menschen an ihn, den Gottessohn, die waren es, die Wunder wirkten an den Menschenherzen, die Tote wieder auferweckten und Kranke gesund machten. Dieser Glaube ist es, der uns auch heute immer wieder aufrichtet und uns stärkt. Ich glaube an Gott, d. h. ich gebe mich ganz ihm hin, ich vertraue ihm all meinen Kummer und Leid an— alle meine Sorgen werfe ich auf ihn, er wird es wohl machen— er führt mich durch alle Fährnisse und Drangsale hindurch und läßt sein Kind nicht verderben, zu ihm blicke ich auf, bei ihm finde ich immer Rat und Hilfe. Es ist ein köstlich Ding um den Glauben. bei ihm um das, was kein Auge sieht und keine Hand greifen kann. Der Oberflächliche kann sprechen: Wo ist Dein Gott, zeig! ihn mir doch, der Leichtsinnige kann fragen: Warum soll ich denn das Gute tun, wo doch das andere um so viel leichter zu tun ist Es handelt sich 0 1 N Gottes Wort zu lesen. Sonnabend, den 10. Juli 1926. lische Klerus von reformatorischen Gedanken erfüllt war; die Glaubensspaltung schien damals, 9 Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, noch nicht un⸗ überbrückbar zu sein.„Es ließ sich denken, daß ein glücklich getroffenes nationales Verständnis die Anfänge Der Zwietracht vielleicht doch wieder beseitigen würde.“(Ranke.) Die Forderungen des städtischen Ausschusses gingen noch weiter: Aufhebung der Bettelorden, freie Predigt des Evangeliums u. a. Am 1. August trat ein aus allen 3 Kollegien ge— bildeter„großer Ausschuß“ zusammen, der auf der Grundlage des fürstlichen Gutachtens die Beratungen zu Ende führen sollte. Da legten die kaiserlichen Kom⸗ missare dem erstaunten Reichstag plötzlich eine bisher zurückgehaltene Instruktion vor, die ihnen verbot, irgend einen Beschluß gutzuheißen, der„dem alten Herkommen in Lehre oder Gebräuchen“ zuwider sei, und die das Wormser Edikt aufs neue einschärfte. Diese Erklärung rief unter den versammelten Ständen große Erregung hervor; der Hauptzweck des Reichstags schien in Frage gestellt, viele entschlossen sich zur Abreise, die Erzherzog Ferdinand mit Mühe ver— hinderte. Man beriet hin und her, ohne einen befriedigenden Ausweg zu finden. Da fiel zuerst den städtischen Ge— sandten auf, wie weit das Datum der kaiserlichen In— struktion zurückliege: es war am 23. März ausgefertigt, zu einem Zeitpunkt, wo Kaiser und Papst noch einig waren; jetzt, mehr als 4 Monate später, befanden sich beide im Kriegszustand, und man war überzeugt, daß der Kaiser nunmehr schon aus taktischen Gründen einer übertriebenen Strenge gegenüber den Evangelischen abgeneigt sein müsse. In der außenpolitischen Lage hatte sich nämlich im Frühjahr 1526 ein völliger Umschwung vollzogen. Der Papst Clemens VII., ein gewandter Politiker, hatte mit wachsender Besorgnis den Machtaufschwung des Hauses Habsburg beobachtet; am 22. Mai 1526 schloß er mit Franz J. von Frankreich, den er von seinem Eid ent— band, und mehreren italienischen Fürsten die gegen Karl V. gerichtete„heilige Liga“ von Cognar(in Süd— frankreich). Kaiser Karls Stellung in Italien, die er soeben erst in einem vierjährigen Krieg siegreich be— hauptet hatte, war ernstlich bedroht; um sich seiner zahl— reichen Gegner zu erwehren, bedurfte er der Hilfe der evangelischen Stände; diese konnte er jedoch nur ge— winnen, wenn er seine kirchenpolitischen Pläne aufgab und Zugeständnisse machte. In der Tat teilte der Kai⸗ ser in einem Mitte August in Speyer eintreffenden Briefe an seinen Bruder einen Entwurf seines Staats- rats zur Aufhebung der Strafbestimmungen des Worm⸗ ser Ediktes und zur Beilegung der religiösen Streitig— keiten auf einem Konzil mit. Die Instruktion vom 23. März war somit völlig bedeutungslos geworden, wie die städtischen Gesandten schon vor dem Eintreffen des kaiserlichen Schreibens angesichts der Veränderung der politischen Lage richtig vermutet hatten. Die gänzliche Aufhebung der Strafbestimmungen gegen die Anhänger der Reformation erschien dem Erzherzog Ferdinand mit Rücksicht auf die katholischen Stände nicht ratsam. So einigte man sich schließlich auf einer mittleren Linie. Auf den Antrag der Städte beschloß der Reichstag, an den Kaiser eine Gesandtschaft zu schicken, die ihm über die Lage der Dinge im Reich Be⸗ richt erstatten und ihn bitten sollte, zur Beilegung der religiösen Streitigkeiten spätestens nach 1½ Jahren ein Konzil oder wenigstens eine Nationalversammlung zu berufen. In dem Reichstagsabschied vom 27. August 1526 wurde diese Forderung ausdrücklich wiederholt und bestimmt, bis zu dem Konzil oder der Nationalver⸗ sammlung solle jeder Stand„in Sachen, die das Worm⸗ Wor mith belennel. Von Erwin Gros. „Also habe ich doch recht,“ rief die Frau Amtmännin triumphierend,„und es kommt nur darauf an, ob Hans Heeger hier wirklich die Sybille haben und für sie ein kleines Opfer bringen will. Und da er ja fern von der Heimat ist, auch weder Vater noch Mutter hat, so hat er nur selbst zu entscheiden, und niemand kann ihm dreinreden.“ Also ging die Rede zwischen den beiden Eheleuten noch eine Zeit lang weiter. Hans Heeger aber war ganz sonderbar zumute. Da sprach man von seiner Herzensliebe als der großen Hauptsache,— und es klang immer so etwas wie Zweifel durch, ob es ihm damit wirklich ernst sei! Und von dem Glauben redete man als von einer Angelegenheit, die wohl auch etwas bedeute, die aber gar nicht so wichtig sei, um deswegen sich zu trennen und zu streiten und zu meiden. Hans Heeger war wohl in einem frommen Hause aufge— wachsen, er hatte auch von Vater und Mutter her die Gewohn— heit überkommen und bisher treulich gehalten, jeden Tag in Und der kleine Katechismus Doktor Mar⸗ tin Luthers war ihm ein Heiligtum. Ihn und das neue Testa— ment hatte er mit auf die Wanderschaft genommen als einen köstlichen Besitz. Aber ein wacher Christenmensch war er noch nicht. Was ihm das Erbe der Väter wirklich bedeutete, das wußte er noch nicht recht. Gepackt und gefesselt hörte er der merkwürdigen Zwie— sprache zu, sie drehte sich ja um ihn und sei Lebensglück; aber da war etwas, das stimmte nicht, das war nicht richtig. Was es aber war, das konnte er nicht herauskriegen. Er fuhr einmal, eigentlich halb unbewußt, dazwischen und murmelte:„Aber das neue Testament lese ich jeden Tag.“ Das hatte die Frau Amtmännin nur natürlich gefunden, und der Amtmann hatte angefügt, dazu könne man leicht die Erlaubnis kriegen. „Die Erlaubnis?“ grübelte Hans Heeger.„Wer kann mir ser Edikt betreffe, so leben, regieren und es halten, wie „Evangelische Warte“ er es gegen Gott und Kaiserliche Majestät hoffe und ver⸗ traue zu verantworten.“ Diese Wendung war schon am 9. Januar 1525, also 1½ Jahre vor Beginn des Speyerer Reichstages, von dem Landgrafen von Hessen gelegentlich gebraucht worden, wurde dann von dem Kurfürstenkollegium übernommen und ging schließlich in den Reichstagsabschied über. Das Ergebnis des Speyerer Reichstags ist von der Geschichtsforschung verschieden beurteilt worden. Die einen sehen darin die gesetzliche Grundlage der Ausbil- dung der deutschen Landeskirchen, die anderen einen Verlegenheitsausweg, der über die Schwierigkeiten der augenblicklichen Lage hinweghelfen sollte. Gewiß wurde durch den Reichstag die Entscheidung einstweilen nur vertagt; da aber weder die Gesandtschaft an den Kaiser, noch das Konzil, noch die Nationalversammlung in den folgenden Jahren zustande kamen, so wurde aus der provisorischen Lösung eine endgültige, und die evan— gelischen Fürsten hatten ein Recht, sich auf den Reichs— tagsabschied zu berufen, wenn sie nunmehr weitere Neuerungen vornahmen, die zur Gründung und Orga— nisation der Landeskirchen führten. Sie taten es in der Ueberzeugung, ihre Pflicht zu erfüllen und damit jeder— zeit Gott und dem Kaiser gegenüber zur Verantwortung bereit zu sein. Und wem verdanken, menschlich gesprochen, die Evangelischen diesen Erfolg? Dem Papst Clemens VII., dem Oberhaupt der katholischen Kirche, der durch seine feindselige Haltung gegenüber dem Kaiser diesen zur Zurücknahme des Wormser Ediktes veranlaßt hatte. Parität. Schon oft haben wir kleine Artikel gebracht, welche von der in Deutschland gegenwärtig bestehenden Pari— tät handelten. Wir verstehen darunter die gleiche Be— handlung der beiden Konfessionen im staatlichen Leben. Alt ist der Jammer im Zentrumslager darüber, daß die römische Kirche zurückgesetzt werde von der evange— lischen. Wer hat wohl nicht angenommen, daß das Zentrum, wenn es einmal zur Macht kommen werde, uns ein schönes Bild von Parität geben werde? Wir haben in dem zum überwiegenden Teile evangelischen Hessenland gesehen, wie unter einer vom Zentrum beherrschten Negierung die evangelischen Beamten und Lehrer eine bodenlose Zurücksetzung erfahren haben und heute noch erfahren. Man hört auch in Hessen von Zentrumsseite nichts von Parität. Dort, wo eben das Zentrum in der Macht sitzt, da wird nicht von Gleich— heit gesprochen. Dort wird mit aller Kraft gerade die Ungleichheit zu Gunsten des Zentrums durchgedrückt. Wo wir hinschauen im Reiche, finden wir dasselbe Bild. Ueberall, wo die römische Kirche in der Mehr- heit ist, dort sucht sie die Evangelischen an die Wand zu drücken und vollständig machtlos zu machen. Sie allein will den ganzen Einfluß haben. Ein Beispiel dafür ist die Universität Freiburg im Breisgau. Dort ist mit der Zeit alles römisch geworden. Mit Hilfe der Sozial⸗ demokratie erreicht Rom immer größeren Einfluß in Deutschland. Wie steht es nun aber an solchen Uni— versitäten und Hochschulen, die wie unsere beiden hes— sischen Hochschulen in vorwiegend evangelischen Gegen— den liegen? Dort ist das Zentrum durchgedrungen, daß ihm auf Staatskosten Weltanschauungsprofessoren bewilligt wurden. Allerdings darf man, wie man hört, in Hessen nicht sagen, daß dies von einer anderen Re— gierung nicht auch bewilligt worden wäre. Die Rechts⸗ koalition, welche beim vorigen Regierungswechsel bei— nahe zustande gekommen wäre, soll dem Zentrum, wenn es mitmacht, auch diese Professorenstellen versprochen haben. In Rheinland und in Westfalen haben wir das das verbieten oder erlauben, das Evangelium Jesu Christi zu lesen?“— — Wiederum wurde ihm tiefstes Stillschweigen auferlegt. In drei Tagen, am Samstag abend, sollte er wiederkommen; da sollte auch der Schultheiß selbst zugegen sein. Da könnte unter Umständen schon die Hochzeit festgesetzt werden. Wie einer, der zwischen Traum und Wirklichkeit ist, ging Hans Heeger von dannen. Er versuchte, Sybille zu sehen und zu sprechen, fand aber keine Gelegenheit; denn ihr gegeüber dünkte ihm das Gebot des Schweigens als ungültig. Meister Vogelsberger aber wußte in diesen Tagen nicht, was er von seinem Gesellen halten sollte. Sonst ertönte dessen Gesang von Morgen bis Abend, jetzt aber saß er da, wie ein Vogel in der Mauser. Peter Kitz kam am Samstag Morgen einmal in die Werk— statt. Es geisterte die Kunde, wie eine graue Nebelwolke durch das Dorf, der Amtmann und Hans Heeger hätten eine ganz frische Freundschaft. Das machte dem guten Nachbar schwere Sorge; er hatte den Gesellen von Herzen liebgewonnen. Er wußte, wie Hans an Sybille hing. Wenn aber der Amtmann die Sache in die Hand nahm, so konnte sein junger Freund nur Schaden an seiner Seele leiden. Er gedachte all der Verwirrung und Verstörung, des Strei— tes und Leides, die von Stubenrauch während der Jahre Ingel— heimscher Herrschaft im Dorfe hergekommen waren. Peter Kitz setzte sich neben Hans auf den Stuhl, sah ihm bei seiner Arbeit zu und schwieg ihn eine Viertelstunde lang an. Dann stand er auf, ging bis in die Mitte der Stube, räus— perte sich und nickte Hanns zu. Das hagere Gesicht war voller Kummer. Dann schritt er weiter zur Tür, blieb wieder stehen und sprach im Hinausgehen,„Hans, was ich noch sagen wollte, du kennst doch den Spruch:„Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen, vor meinem himmlischen Vater.“ Ehe Hans etwas erwidern konnte, war der Bauer draußen. Hans Heeger fuhr auf. Er hatte eben gerade in seinen Ge— Zwiesprache mit seinem Vater gehalten. Ihm war es auf einmal, als ob sein Vater leibhaftig an der Stubentür gewesen sei und ihm zugerufen habe:„Wer mich bekennet—!“ danken Zentrum und die che Kirche in der Mehrheit. Dort herrscht in den Reihen der evangelischen Studienräte eine große Erbitterung über ihre Zurücksetzung gegen über ihren römischen Kollegen. Auf eine deutsch⸗ nationale Anfrage hin hat nun der preußische Kultus. minister Dr. Becker, welcher evangelische Kreise schon in der unerhörtesten Weise behandelte, lakonisch erklärt, die Evangelischen hätten keinen Grund, sich zu beschwe⸗ ren, sie hätten sogar noch etliche Studienräte zu viel! Wenn dem so wäre, dann würde sicherlich nicht solche Erbitterung unter den Zurückgesetzten herrschen. 14 Darum fordert man auf Seiten des Zentrums Gleichheit der Behandlung nur dort, wo es in der Min⸗ derheit ist. Wo es aber in der Mehrheit ist, da sorgt es schon dafür, daß der evangelische Bevölkerungsteil an die Wand gedrückt wird. Kirche hat ein Anrecht auf Parität, nicht die evan⸗ gelische. So ist der Zustand heute. Wenn die evange⸗ lischen Kreise in unserem Volke das nicht endlich ein⸗ sehen und sich um die Fahne der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft scharen, werden sie eines Tages mit Schrecken erwachen. Dann aber wird es zu spät sein. Herr Becker als Minisler zur Wahrung der römijch⸗katholssthen Interesjen“. 9 Aus Universitätskreisen schreibt man der„Deutsch⸗ Evangelischen Korrespondenz“: 0 1 — „Es gibt wohl wenige Minister, die sich das Ver⸗ trauen der ihnen ausgelieferten Objekte so gründlich verscherzt haben, wie der preußische Minister für Wissen⸗ schaft, Kunst und Volksbildung, Herr Becker. Nach dem seine von vielen hohlen und tönenden Phrasen be— gleitete Hochschuls, reform“ viel Unheil über die be— dauernswerten Hochschulen gebracht hat, ist seine Re— formwut zwar abgekühlt, hat aber einer nicht weniger schädlichen Tätigkeit Platz gemacht, aus der sich unauf- hörlich Konflikte mit den seiner Obhut ausgelieferten Hochschulen(Hannover), Kunstinstituten(Schillings), Mittel- und Volksschulen ergeben. Noch kein Kultus⸗ minister hat es verstanden, das Kulturniveau der ihm unterstellten Anstalten so gründlich zu drücken, wie Herr Becker. Daß dabei seine offenbare Unfähigkeit eine erhebliche Rolle spielt, ist allen Kennern und Könnera seit geraumer Zeit klar geworden. Weit schlimmer ist es aber, daß seine ministerielle Unfähigkeit immer mehr in eine unwürdige Abhängigkeit von politischen Parteien übergeht. Unabhängigkeit und Festigkeit des Charak⸗ ters sind ja schon seit Platons Zeiten niemals das Symbol der Demokratie und ihrer Anhänger gewesen. Aber kaum jemals dürfte sich ein demokratischer Mini⸗ stex so willenlos der Zentrumspartei ausgeliefert haben, wie der„objektive“ Herr Becker. Zu den vielen Klagen und Beschwerden über die Willfährigkeit gegenüber den Zentrum sei ein neuer Beitrag geliefert, der in den Geschichte der preußischen Hochschulen wohl kaum seines⸗ gleichen finden wird. Professor Joseph Wittig ist ein beliebter Lehrer der Universität Breslau, ist aber dem 1 ein Kle⸗ rus und dem Zentrum seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Auf Grund von Denunzationen sind seine Werke auf den päpstlichen Index gesetzt und Joseph Wittig mit dem Kirchenbann belegt, exkommuniziert worden. Als charaktervolle Persönlichkeit hat aber J. Wittig trotzdem einen wachsenden Anhängerkreis bis weit über Schlesien hinaus gefunden, was den zentrümlichen Machthabern im Kultusministerium ein großes Aerger⸗ nis ist. Um den klerikalen Schikanen aus dem Wege zu gehen, beantragte daher Prof. Wittig vor einiger Zeit die Entpflichtung von seinem Amte. Und nun ge⸗ schieht das in der Geschichte der preußischen Universi-⸗ „Verleugne ich den Heiland, wenn ich katholisch werde?“ frug er sich.. Und indem er sich weiter den Kopf zersann, erschien ihm mit einem Male vor dem geistigen Auge ein Bild; in lebhaften Far⸗ ben war es vor ihm: Da war Christus,— ein ferner König, im Himmelssaal saß er, hoch auf dem Throne. Aber man konnte nicht zu ihm kom⸗ men; da stand vor ihm Maria in all ihrer Glorie und Joseph und die Schar der Heiligen, und der Papst und die Bischöfe und die Priester; das war wie ein vielfacher Zaun. Den mußte man durchbrechen, an alle diese Mittler mußte man sich wenden, sie mußten erst die Audienz bei Christus erbitten, sie mußten ihn günstig zu stimmen suchen. Hans Heeger schüttelte den Kopf. nicht aus dem neuen Testament. So konnte er Christus Zu dem hatten Zöllner und Sünder kommen, Kinder hatte man nicht wehren dürfen: Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid!“— Das Wort schlug sich Hans Heeger auf und las es mehrere Male laut, während er dabei den Absatz der Frau Amtmännin Stu⸗ benrauch mit dem Hammer bearbeitete, daß es schallte, Die vornehme Dame hätte an dem Absatze mehr Freude gehabt, als an dem Begleitspruch und den daran angeknüpften 0 Gedanken „Soll ich an diesem Abend zu dem Amtmann gehen?- Nein! Aber wenn ich nicht hingehe, so breche ich alle Brücken 1 ab. Denn der Vater Sybillens kommt hin. Vielleicht, daß den Amtmann und seine Frau ein gutes Wort für mich einlegen, auch wenn ich erkläre, daß ich schwerlich katholisch werden kann!“— 5 So wie einst Petrus am Wachtfeuer der Kriegsknechte im Hofe des Hohenpriesters weilte, mit demselben beschwerten Mute saß Hans Heeger in der Wohnstube des Herrn Amtmanns. 1 Zu dem Amtmann und seiner Ehefrau hatte sich diesesmal noch der Schultheiß gesellk. Alle drei begrüßten den Ankömm⸗ ling mit großer Herzlichkeit. Das Ehepaar stieg etliche Stufen von der amtlichen Höhe herab, redete Hans nicht mehr in der dritten Person mit„er“ an, sondern in der ehrenden Form der zweiten Person Mehrzahl, mit„ihr“. Denn nur die römische 1 0 0 iten, sünne nd pister! llebig ehen ett gunst gapit als er leit eg — Di Beleu alder Dozen 1 De suchten chen berurt, person in Be daß er Verha Franz Mit Freili schrei 2955 abscht sich ff politi wurde gehe n deugit einem angt nut. nuch er Dachel Lundn bei def fh, — In lung 6 hätte n Villen Rude Da auf, w. vetde. Da Mau Glaube 10—1 De erlich Jau denn u Ital. aus der anz ne fen, wg der Gerit en Je Rahnes ig von eiche Er kanen geplant ag * ieder De gͤßten feige holten gegen de 0 falseh Il Nor Ver. dllt ssey, lach he be N lige f ett 9 lis ih ein iet el i eh leit I 50 ede Nai abe lag 1 1 int hlt A 1 Wel itt td bitte ib liche erg Ng; ini in g. ivel — perde hm n ge aal n ls Josh fe. maß wesde ten f hut jet. düfse edle ...... ß c 1 9 9. 1 1 Lü 1 täten bisher Unerhörte und Unglaubliche! Der Herr Kultusminister schreibt kurzerhand, daß Herr Wittig seines Amtes entsetzt und daraus entlassen sei. Das bereits empfangene Aprilgehalt habe er sofort wieder zurüclzuzaß en! Ein glatter und brutaler Hinauswurf! Wahrlich, ein Stück moderner Kulturgeschichte aus dem freisten Staat der Welt! Niemals bisher hatte man es erlebt, daß ein unbescholtener, ein hervorragen— der ordentlicher Universitätsprofessor, ein ungewöhn— licher Gelehrter ohne jeden Grund, ohne Disziplinar— verfahren von seinem Minister aus eigener angemaßter Machtvollkommenheit in so roher Weise auf die Straße geworfen worden ist. Aber erfreulicherweise und zum großen Leidwesen des Herrn Staatssekretär Lammers und der anderen zentrümlich treibenden Kräfte im Kultusministerium konnte der demokratische Herr Becker diese gesetzwidrige, fristlose Entlassung nicht aufrecht erhalten, da sie den bestehenden Gesetzen in geradezu skandalöser Weise ins Gesicht schlug. Herr Kultusminister Becker sah sich ge⸗ zwungen, die gesetzwidrige Entlassung Wittigs nach 14 Tagen wieder zurückzunehmen und den gehaßten Professor inseinem Amte zu belassen. Wohl ist dieser empörende Streich des Herrn Becker zurückgeschlagen! Wohl stehen die preußischen Hochschulen aufs neue bereit, weitere Angriffe Beckers und seiner Staatssekretäre auf ihre Rechte abzuwehren. Aber es erhebt sich die ernste Frage, ob die Universi- täten, die Hochschulen, die Kunstinstitute usw. gedeihen können, wenn ein jeder noch so hervorragende Lehrer und Gelehrte, der sich bei den derzeitig regierenden Mi— nistern, Staatssekretären, Parlamentariern usw. miß— liebig macht, kurzerhand unter Nichtachtung der be— stehenden Gesetze aus seinem Amte gejagt werden kann. Herr Professor Becker als Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist ein außerordentlich trübes Kapitel der preußischen Kulturgeschichte, umso mehr, als er gar kein Empfinden für seine grenzenlose Hörig— keit gegenüber klerikalen Einflüssen zu haben scheint.“ — Dieser„Fall Wittig“ rückt erst dann in die richtige Beleuchtung, wenn man sich vergegenwärtigt, wie ganz anders derselbe Minister Becker den Fall des jüdischen Dozenten Theodor Lessing in Hannover behandelte! Was heute in Deuljchland möglith it! Das Schwurgericht in Halberstadt hat soeben wegen ver⸗ suchten Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes einen polni— schen Landarbeiter zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Anlaß der Tat war Eifersucht auf eine Frauens⸗ person, von der der Angeklagte, was als mildernder Umstand in Betracht kam, von seinem Standpunkt aus glauben konnte, daß er mit ihr verheiratet sei. Es stellte sich nämlich bei der Verhandlung heraus, daß der Pole in Halberstadt von einem Franziskanermönch kirchlich getraut worden war, ohne vorherige Mitwirkung des Standesamtes. Seine Angetraute hatte ihn freilich längst wieder verlassen. Zu dieser Trauung des Mönchs schreibt die„Halberstädter Zeitung und Intelligenzblatt“ vom 23. Juni 1926:„Dieser letzte Prozeß des jetzigen Schwurgerichts— abschnittes hatte nicht nur kriminelle Bedeutung, sondern er hob sich für den aufmerksamen Zuhörer deutlich von einem staats⸗ politischen und moraltheologischen Hintergrund ab. Durch ihn wurde offenkundig, daß anscheinend katholische Mönche die Ge⸗ setze mißachten. Nach der Aussage des Angeklagten und der Zeugin K. waren sie in der Andreaskirche in Halberstadt von einem Franziskaner kirchlich getraut worden, ohne daß die unbe— dingt erforderliche standesamtliche Trauung vorausgegangen war. Ein Zeuge erzählte außerhalb des Gerichtssaales, daß auch er ebenfalls nur kirchlich und zwar in Egeln, getraut war Diese Eheschließung hätte 15 Mark gekostet, Bei den polnischen Landarbeitern soll bekannt sein, daß derartige Eheschließungen bei den Franziskanern in Halberstadt und Egeln gang und gäbe find. Die Pfarrer selbst wüßten von nichts(2). Leider scheinen auch die ländlichen Ortsbehörden nichts zu merken. Wer das Zusammenleben der polnischen Landarbeiter in den Arbeiter— kasernen überschaut, kommt zu dem Ergebnis, daß durch derartige nicht erlaubten, dem Anschein nach aber frommen Handlungen die Sittlichkeit nicht gehoben wird. Die Polen verschwinden häufig und lassen die Mädchen sitzen. Infolge der gewissenlosen ungültigen Eheschließungen sind sie in der Lage, an anderen Orten von neuem zu„heiraten“ und, wie glaubhaft erzählt wurde, machen sie davon Gebrauch. Die für diese gesetzwidrigen Fälle in Frage kommenden Vertreter der katholischen Kirche, die doch stets die Heiligkeit und nach ihrer Auffassung Unlösbarkeit der Ehe betonen, ermöglichen durch den Wegfall staatlicher Kontrolle Ehen auf Zeit und fördern in Wirklichkeit das, was das Gesetz und der Protestant, der das Gesetz achtet, mit Ehe— bruch oder Doppelehe bezeichnet.“ g Vom Kampf um die Weltanschauung. Konkordatsgewißheit. Das„Braunschweiger Wochenblatt“ vom 13. Juni 1926, Organ der Katholiken in Stadt und Land Braunschweig, befaßt sich mit einem in Leipzig erschienenen Flugblatt einer„Deutschen Erneuerungsgemeinde“, das, garnicht unrichtig, im bayerischen Konkordat Knechtung des Schulwesens durch die Kirche, Kultur— rückschritt, Aufhebung der Geistes- und Gewissensfreiheit, Hem⸗ mung der freien Forschung und ihrer Verbreitung, Rückgang des Bildungswesens usw. findet und in genanntem Konkordat ein geistiges Versailles und eine nationale Gefahr erblickt. Ver⸗ antwortlich dafür wird natürlich„kein anderer als der Evange— lische Bund und der Evangelische Schulverein“ gemacht.„Diese sind es, die behaupten, daß durch die diplomatische Kunst der klerikalen Partei und deren geschichtsunkundige Bundesgenossen: Bayerische Volkspartei, Bauernbund, Deutschnationale das Kon⸗ kordat angenommen sei.“(Ist das etwa nicht geschichtliche Tat sache??) Dann fährt die Zeitung selbstsicher und bezeichnend fort::„Aus diesem Blatte spricht nur die Angst vor der konfes— sionellen Schule, die durch das bayerische Konkordat fest ver⸗ ankert ist. Da können auch wir die Versicherung geben, daß im Reichskonkordat dies der Hauptpunkt sein wird, weshalb die Kirche mit dem deutschen Reiche ein Konkordat abschließen wird (möglichst vor Erlaß des berühmten Reichsschulgesetzes natür⸗ lich.) Das Konkordat kommt, ob noch so viele schreiend ihre Stimme dagegen erheben. Und jeder gerecht und billig denkende Mensch wird darin nicht Machtgelüste der Kirche sehen, sondern die Wahrung ihrer berechtigten Interessen.“ * St. Canasius⸗Bund zur Bekehrung der niederländischen Protestanten. Die„Schönere Zukunft“ vom 6. Juni 1926 weiß zu berich— ten, daß in Holland unter Gutheißung des Bischofs von Haar— lem, ein Bund zur Bekehrung der niederländischen Protestanten unter dem Namen„St. Canisius-Bund“ geschaffen werden soll. Nach derselben Quelle können Mitglieder dieses Bundes nur Konvertiten aus dem Protestantismus werden. * Wie sich die römische Kirche ausbreitet. Am 12. Mai brachte der„Reichsbote“ die Nachricht, daß einige höhere Beamte der Eisenbahndirektion Altona, die katholisch sind, bei der Eisenbahndirektion um die kostenlose Ueberlassung eines Bauplatzes für eine katholische Kirche in der Siedlung Eidelstedt bei Hamburg nachgesucht hätten. Der Prä⸗ sident der Direktion, ein früherer Jude, solle das Gesuch befür— wortet haben. Nach den angestellten Nachforschungen stimmt die Nachricht. In Eidelstedt baut die Reichseisenbahn Siedlungen für Eisenbahnbeamte. Selbstverständlich müssen nach dem ganz evangelischen Orte katholische Beamte versetzt werden, die ebenso selbstverständlich eine katholische Kirche haben müssen, die am billigsten natürlich auf kostenlosem Baugrunde zustande kommt, den die Reichseisenbahn liefert.— Das entwickelt sich alles ganz zwangsläufig! 5 Die Groß⸗Berliner Bei Elternbeiratswahlen. den Groß-Berliner Elternbeiratswahlen erhielt die christlich-unpolitische Liste 3919 Sitze, die sozialistische Liste „Schulaufbau“ 1145 Sitze, die kommunistische Liste„Kind in Not“ 355 Sitze, die unter verschiedenen Namen auftretenden Listen, hinter denen linksgerichtete Berliner Lehrerkreise standen, 16 Sitze. Zu den Sitzen der Linken sind noch rund 350 Sitze an den weltlichen Schulen zuzurechnen, die also zusammen etwa 1866 Sitze erlangten. Vor 2 Jahren war das Wahlergebnis: 197 christlich-unpolitische Sitze gegen 1050 Sitze der Linken und zwar 884 sozialistische und 166 kommunistische.— Trotz ihrer Majorität hat die christliche Elternschaft Grund zum Nachdenken. Allerlei. Leider nicht bei uns! Ein Hauseigentümer Zacharias Huntley hat an seinem Hause folgende Bekanntmachung angebracht:„Mein Haus um⸗ faßt zehn Wohnungen, die ich 10 Familien zur Verfügung stelle Ich nehme aber nur Familien mit mindestens fünf Kindern auf. Manche Hausbesitzer ziehen Hunde den Kindern vor. Ich dulde keinen Hund in meinem Hause, dagegen macht es mir nur Freude, Kinder darin zu sehen. Mit jedem weiteren Kinde setze ich die Miete herab.“ Leider nicht irgendwo in Berlin oder Hamburg oder Frankfurt, sondern in New-Vork. Solche unbe— grenzte Möglichkeiten kann man auch einmal mit Genugtuung und Neid zur Kenntnis nehmen. * 5 Vom Bühnenvolksbund. Im Bühnenvolksbund, dieser angeblich interkonfessionellen Vereinigung zur Verbreitung christlicher Theaterinteressenten, die wie die Erfahrung und ihre Veröffentlichungen zeigen, in Belange vertritt, sind schwere Unstimmigkeiten ausgebrochen. Aus der Leitung sind zwei Mitglieder ausgetreten. Der Stein des Anstoßes ist der Generalsekretär des Bundes, Gerst, der ur⸗ sprünglich Bauführer, später Redakteur, schließlich— nachdem aus einer von ihm geplanten Friedhofsunternehmung nichts wurde,— über den Theaterkulturverband hinweg im Bühnen— volksbund landete. Sehr eigenwillige Geschäftsführung trug schwere Beunruhigung in die Reihen des Bühnenvolksbundes. Vor kurzem beschäftigte sich der Ausschuß des Bühnenvolksbundes in Köln in langer Sitzung mit den unerfreulichen Zuständen Herausgekommen scheint nicht allzuviel zu sein. Im Wesentlichen vertagte man offenbar die letzten Entscheidungen auf die kom⸗ mende Mitgliederversammlung, die im Herbste des Jahres in Mainz statfinden soll, und schränkte die Betätigungsmöglichleiten für Herrn Gerst ein, indem man ihm zwei Mitarbeiter an die Seit stellte. Wie es heißt, sind auch Statutenänderungen beab⸗ sichtigt. Man wird auf evangelischer Seite gut tun, wenn mon sich der nötigen Vorsicht befleißigt, um nicht unversehens Zwek— ken zum Vorspann zu dienen, die keinem Evangelischen erfreu— lich sein können. * „Die Quellen deutscher Bildung.“ Der bekannte Jenenser Philosoph Max Wundt(in einem Aufsatz der„Neuen Pädagogik“) über wahre Bildung: „Das tiefste Unglück der Deutschen ist der Verlust ihrer Bil⸗ dung. Denn nie hätten sie so tief sinken können, wenn sie noch wirklich einen Besitz ihr eigen genannt hätten, der ihnen inner⸗ lich und im Geiste einen unverlierbaren Halt gegeben hätte. Die furchtbare innere Leere, über die man sich durch den Lärm des äußeren Getriebes hinwegzutäuschen sucht, dieses Hauptkenn⸗ zeichen unserer Zeit, wie wäre sie möglich, wenn die Deutschen noch über eine wirkliche Bildung verfügten? Die Religion, die sicherste Grundlage jeder echten und tieferen Bildung, ist einem großen Teil unserer Volksgenossen geraubt, und die sonstigen Bildungsgüter, deutsche Dichtung und deutsche Lebensdeutung, deutsche Kunst und deutsche Musik— wie viele unter unseren Zeitgenossen gibt es denn, die wirklich von und an diesen Geistes⸗ mächten gebildet sind?“ r rr re.. Y r—— p—————ĩ—— j er Im Biedermannston sprach der Schultheiß seine Genug— tuung aus, daß Hans Heeger gekommen sei; er, der Schultheiß, hätte nicht so recht daran geglaubt. Wenn Hans aber ihnen zu Willen wäre, so wäre alles in Ordnung, und man hieße ihn mit Freuden willkommen. Da stieg zum ersten Male der Gedanke in Hansens Seele auf, welche Stellung Sybill wohl in dieser Sache einnehmen werde. Darum fragte er den Schultheiß:„Was werden denn eure Frau und eure Tochter sagen? Sie sind doch im lutherischen Glauben geblieben. Werden sie nicht dagegen stemmen, wenn ich— wirklich— werden würde wie ihr?“ Der Schultheiß Peter Michel brach in ein Lachen aus, das herzlich klingen sollte, leider aber nicht recht geriet:„Was meine Frau Margarete angeht, so ist das ja einerlei, was sie meint. Denn warum? Ihr wollt die Sybille heiraten und nicht meine Frau. Die Sybille aber,— die Augen hat sie sich all die Tage aus dem Kopf gegreint; ei, das Mädchen wird mir vor Freude ganz närrisch, wenn ich ihr sage, du kannst deinen Schatz heira— ten, wann du willst.“ Der Amtmann und seine Frau beteiligten sich nur wenig am Gespräch, sie waren etwas zerstreut und horchten zuweilen nach dem Nebenzimmer. Plötzlich tat sich dessen Türe auf, und im Rahmen erschien seine Exzellenz, der Freiherr Franz Adolf Diet— rich von Ingelheim, Präsident vom Kammergericht des heiligen römischen Reiches deutscher Nation. ße Er war, von einem Reitknecht begleitet, von Wetzlar ge— e kommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie man die von ihm l geplante Kirche zerstört habe. Er weilte also gewissermaßen 1 f„incognito“ im Amtshause, wollte noch am Sonntagsnachmittage 10 wieder zurückkehren. gege Der Amtmann und seine Frau samt dem Schultheißen be— grüßten Seine Exzellenz mit großer Demut. Auch Hans ver⸗ neigte sich tief; ihm wurde immer beklommener zumute. Nun holte man noch den hohen Herrn zu Hilfe; was konnte er da— n machen! Der Freiherr nickte nach auen Seiten, nahm in einem be⸗ reitstehenden Prunksessel Platz und wandte sich alsdann an Hans Heeger:„Er ist wohl der Schuhmachergeselle, der der Eidam des Schultheißen werden will?“ Hans Heeger bejahte durch eine stumme Verneigung. „Habe von seinen Meriten(Verdiensten) gehört, bin mit ihm wohlzufrieden. Nun,— was sagt er denn dazu, daß man mich hindern will, hier in Holzhausen ein katholisches Gottes⸗ haus zu errichten?“ Hans Heeger riß sich innerlich empor und antwortete mit fester Stimme:„Da Exzellenz mich um meine geringe Meinung befragen, so bin ich der Ansicht, in Religionssachen soll man nicht Gewalt anwenden, auch keine weltlichen Machtmittel gebrauchen, weil es sich um das Herz und das Gewissen handelt.“ Dem Freiherrn von Ingelheim gefiel die Antwort, weil sie sich auf seine Seite stellte, und sie gefiel ihm wieder nicht, weil sie zu protestantisch war. Nun fragte er den Gesellen ganz geradeaus:„Also— er will, wie ich mit großer Pläsir vernommen habe, zur römisch— katholischen Kirche konvertieren und die lutherische Ketzerei ab— schwören?“ Jetzt, wo die entscheidende Antwort fallen mußte, gewann Herr Hans Heeger seine ganze Fassung wieder. Eine Weile überlegte er, dann gab er die Antwort:„Ew. Exzellenz wollen gütigst verzeihen, so weit bin ich noch nicht; der Sprung ist zu groß und zu schwer, da heißt es sich vorsehen, daß man nicht nach— her zerbrochen am Boden liegt. Darum will ich mich noch drei Tage bedenken. Ich möchte auch den Herrn Schultheißen ge— ziemend bitten, daß ich morgen mit seiner Tochter Sybille nicht einmal bereden darf.“ Der Freiherr warf dem Amtmann einen befremdeten, fra— genden Blick zu, worauf dieser bedauernd mit den Achseln zuckte. Dann aber erwiderte jener mit vollendeter Höflichkeit:„Das gefällt mir von ihm extra ordinairement, daß er mit Vorbedacht diesen Schritt unternehmen will. Denn, daß er ihn wirklich tut, dessen bin ich gewiß. War er schon einmal in einem katholischen Gottesdienst? Nein? Nun,— so ersuche ich ihn, morgen um zehn Uhr der heiligen Messe im Rathaus beizuwohnen. Ob es auch nur ein ärmlicher Raum ist, so wird er doch merken, daß Gott gegenwärtig ist. Was will da das Geplärre eines prote— stantischen Prädikanten besagen! Also, er wird kommen!“ Hans verneigte sich zustimmend, ärgerte sich aber sofort über sich selbst, daß er hier nachgegeben. Zugleich auch verabschiedete sich der Schultheiß mit vielen unterwürfigen Kratzfüßen Als sie durch die abendstille Dorfstraße gingen raunte der Schultheiß dem Gesellen zu:„Daß du kein Einzugsgeld zu be— zahlen brauchst, das ist selbstverständlich. Aber ich will dir noch etwas anderes anvertrauen: Wenn du mein Eidam witst, rücke ich in die Stelle des Stubenrauch, der nach Franken geht, und werde Amtmann. Du aber wirst Schultheiß. Darauf hat mir der Amtmann Stubenrauch Wort und Handschlag gegeben. Also besinne dich nicht lange! Was sollen da allerhand dumme Be— denken, da greift man zu!“ Das Fuchsgesicht Peter Michels war dicht neben dem Ant- litz Hans Heegers. Anwillkürlich dachte dieser:„Man begreift es nicht, daß Sybille von diesem Schleier abstammen soll. Es ist gut, daß sie nur ihrer Mutter ähnlich sieht!“— In der Nacht aber träumte ihm ein merkwürdiger Traum Es klopfte an seiner Kammer an, und der Schultheiß kam herein. Aber welch merkwürdige Gewandung und Vermummung hatte er angelegt! Auf dem Haupt hatte er ein spitzes, schwarzes Hütchen mit einer roten Hahnenfeder. Das spöttische Angesicht grinste über einer großen weißen Halskrause. Was er weiter anhatte, das war nicht zu erkennen. Nur das Haupt war von grellem Schein umleuchtet, sonst alles von cabenschwarzer Nacht umhüllt. Und das unheimliche Haupt öffnete den Mund und sprach:„Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest!“ Und auf einmal war es nicht mehr das Gesicht des Schultheißen, sondern das hämische Antlitz des Satans. Da wurde Hans von einem tödlichen Schrecken befallen. Er wollte fliehen, er konnte kein Glied regen, er wollte eine Abwehrformel sprechen, doch die Stimme versagte. Endlich brachte er mit letzter Anstrengung hervor:„Weiche von mir, Satan, in Jesu Namen weiche!“ Da gab es einen gewaltigen Donnerschlag. Der Satan verschwand. Hans aber saß im Bett aufrecht; und auf der Schwelle zwischen Traum und Wachen hörte er noch ganz nahe ein höhnisches Gelächter, dem aus weiter Ferne eine feierliche Stimme antwortete:„Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ (Fortsetzung folgt.) 7 Sonnabend, den 10. Juli 1926. „Alle e Bildung muß auf Den Grunde der Religion befestigt werden, weil nur die Religion einen wirklich unbe— dingten Wert bietet. Und nur an festen, unbedingt gültigen Werten kann das heranwachsende Geschlecht herangebildet wer— den. Sie weisen immer wieder zurück auf den allein unbedingten Grund in der Religion. Religion aber bedeutet für uns Christentum. Das sollte jedem geschichtlich Denkenden selbstver⸗ ständlich sein. Die tiefe Wahrheit und den reichen Gehalt des Christentums wollen wir nicht rauben lassen durch die ver⸗ schwommenen Begriffe einer angeblich allgemeinen Religion Der deutsche Geist ist mit dem Christentum eine so innige Ver⸗ bindung eingegangen, daß beide nicht mehr voneinander loszu— lösen sind. Verlieren wir das Christentum, so versinken wir, wie die Lage bei uns einmal ist, hoffnungslos in die westeuropäische Aufklärung. Eine andere Wahl gibt es für uns nicht. Wir sinken denn auf eine Bildungsstufe herab und zu einer Denk— weise, an der manchmal kaum noch die Sprache deutsch ist.“ ** * In der schönen alten Marienkirche der Reforma— tionsstadt Homberg fand Freitag morgen die Trauung des wohl den meisten Deutschen bekannten Schyiftstel— „Evangelische Warte“ lers Rudolf Herzog statt. Bei dieser Gelegenheit möch—⸗ ten wir darauf hinweisen, daß in dieser denkwürdigen Kirche die Homberger Synode abgehalten wurde, durch die vor 400 Jahren die Reformation im Hessenlande eingeführt wurde. Am 21. und 22. Oktober ds. Is. wird aus diesem Anlaß die hessische Landeskirche ihr Reformationsjubiläum in Homberg, Bez. Cassel, feiern. Alls Nah und Fern. Aus dem Vogelsberg. Die Heuernte ist im südlichen Vogels—⸗ berg in der Hauptsache beendet. Bei dem prächtigen Wetter ging sie schnell von statten. Güte und Menge des Heus lassen nichts zu wünschen übrig. Wunderbar ist auch der Stand des Getreides Wenn die Witterung günstig bleibt, ist mit einer sehr guten Ernte zu rechnen. Auch im oberen Vogelsberg ist in der ersten Juliwoche viel gutes Heu eingebracht worden. Zur Zeit ist die Ernte in vollem Gang Oberlais. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten hier kürzlich die Eheleute Erhard Schauermann und Katharine Schauermann geb. Becht sowie Heinrich König und Emilie König geb Bechthold. Beide Jubelpaare sind geistig und körperlich noch wohlauf. Nr. 28. Oppenheim. Die 83. Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins der Gustav Adolf⸗Stiftung findet vom 18.—20, Juli hier statt. Im Festgottesdienst am Sonntag predigt Senior D. Spannuth aus Leoben in Steiermark. In der Volksver⸗ sammlung am Nachmittag auf der Landskrone sprechen u. a. Vertreter aus Polen, Siebenbürgen, Rußland und Brasilien. Für Montag ist ein Ausflug nach der Schwedensäule bei Erfelden vorgesehen. ——..————— ü———— Neue Bücher. Christian Boeck. Kritische Selbsthilfe. Ein Wegweiser zur Bildung des literarischen Urteils. Heft 5 der Sammlung:„Zeit⸗ und Streitfragen“, herausgegeben von Dr. Hans Geber.) Preis RM. 1.—. 1925. Hanseatische Ver⸗ Hamburg 36. Auf 64 Seiten wird an Beispielen Dichtkunst festgestellt und dabei versucht, zu eigenem Urteil in lisserarschen Dingen anzuleiten. Hierbei er⸗ weist sich Volkstums als besonders fruchtbar und ergiebig Das Schriftchen dürfte ein wertvolles Hilfs— mittel bilden, das in dieser Art bis heute noch nicht geschrieben war. 12 64 Seiten brosch. langsanstalt, das Wesen der der Gedanke des dere Geschäftsverlegung! Meinen Metzgerei- und Wirtschaftsbetrieb habe ich heute nach Steinstraße 74 verlegt. Es wird auch fernerhin mein Bestreben sein, meine werte Kundschaft und Gäste durch aufmerksame und reelle Bedienung in jeder Weise zufrieden zu stellen. Um weiter geneigten Zuspruch bittet Gustav Stephan Metzgermeister. Meine Ranelei befindet sich vom J. Juli db n Hause So hαννẽEiůrusse Mr. 6, I. Stoch ( Buchliumdlung Neissner) Milhelm Lulen, Hechtsantbult. Jelenhon 1409 Telephon 1409 Frivat wohnung: Friedrichstrasse I2, Teleph. 792. E Geschäfts empfehlung. Der verehrlichen Einwohnerschaft von Gießen und Umgebung zur gefl. Kenntnis, daß ich seit dem 5. d. M. im Hause Schillerstr. 14(Ecke Nordanlage) die Mehgerei u. Wirtschaft des herrn Metzgermeisters Georg Ruthsatz übernommen habe. Ich sichere der verehrten Kund⸗ schaft ihre gewohnt beste Bedienung zu und bitte um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll Karl Born, Metzgermstr. A Aaddeammanmmanamammne nnn pmnhnnnnnnomma nnen aua fe ssssaagssaan mg f Aa Tsang nil Reise ohne Bargeld mit dem ISE TRT DITT BRIEF 1 r der Bezirkssparkasse Giessen Leser der Warte! Verlangt die„vangensche Warle“ in den Ga in der Sommerfrische. Sorgt für Bestellung, wo sie nicht sthäusern insbeson- zu haben ist. Bekanntmachung. Nachdem der Hess. Sparkassen- u. Giroverband den Bei⸗ tritt als Gründungskörperschaft zur Hessen-Nass. Lebens⸗ versicherungsanstalt in Wiesbaden beschlossen hat, können alle Arten von Lebensversicherungen zu günftigsten Bedingungen und niedrigjten Veitragsjätzen durch Vermittlung unserer Kasse oder durch die Vertreter bei unserer vorgenannten Lebens⸗ versicherungsanstalt abgeschlossen werden. Auskünfte bereitwillligst Vozirksjparkasje Gießen. Muleschene Eisenhandlung! sucht für ihre Spezialartikel Sensen, Sicheln etc. bestens eingeführten U IAIAETEI Ofk. unt. 1131 an die Exped, des Blattes. 1 nur 1 noch ge Garantiert reiner Bienenhonig auger Salson-Ausverkäul! Zum Teil bis 50 Prozent Rabatt! . im Hause. Neuanfertigung nachleig. u. gegebl Entwürfen 7 Es ist höchste Zeit die Offenbacher Lederwaren Fabrikniederlage in Giessen, nur Bahnhofstrasse Nr. 49 zu besuchen nur Ta- noch ge! J. Rö DER digene Ernte, kein Auslandshonig(Bremen!) 9 Pfd.⸗Dose fr. 15.— Mark(Nachnahme). Pfarrer Jäger, Glauberg, Oberhessen. CC Horoskone aller Art liefert für die Lebensfahrt der Neukultur-Verlag, Berlin, Schicke flugs dein Geburtsdatum hin! Probe Schicksalsdeutung Halls! Schliessfach 25 9, Berlin W 9. Unkostenbeitrag nach Belieben. Or. Nel duch Or. Usottitz Herlinu5 geisbergsbr. 24. Holst. Tilsiter, speckig und schnittig. 9 Pfd. Broden 5,50 Mk. 9 Pfd. Holst. Kugelk. 4,05 Mk. 9 Pfd. 20% dänischer Edamerkäse 7,95 Mk. Bismarckh., Rollmops, od. Bratheringe à Post- dose 4,10 Mk. Nur Ia Ware liefere ab hier. Nachn. freibleib. Bitte ausschneiden. Weite 1 9 5 Chr. Mehrens Nortorf(Holst.) 34. Frankfurt a. Main Neckarstraße Nr. 9 Telef. Erhältl. in all. gröss. Kohlenhandlg. Hansa 1778. Nebenverdienst für jedermann, keine Heimarbeit. Auskunft kostenlos. Ollo Allgeier Staßfurt Bezirk Magdeburg. Magdeburg. Wiege 8e zl See lohnende Stellung erhalten Kohlenzieher Heizer, Schiffsjungen, Schmierer, ungelernte und fast alle Berufe Auskunft erteilt Achtung! Alle vorkommenden Dach decker arbeiten sowie Neubauten aller Art werden prompt und billig ausgeführt. Gehöre keiner Vereinigung an. Heinrich Meier, Dachueckergeschal Walltorstraße 46. Telephon 622. eh. Weben, liegen, Johaunssslz. 3 empfiehlt sich für sämtliche auspenolerel- und Insfaauonsarbeilen. e berede 68 Reelle Bedienung wird zugesichert. Postfach. Feft- Hase! E Verlangen Sie 9 neu, eigenes 8 Pianos abr 1075. 8 Ruhr- Brechkoks 2 M. in Termin,, Holpiano- — 8 labrik W.Müller, Mainz E 3 9 1 Heizkräftigster, sparsamster 8 Hypotheken 4 0 werden bet bedeutend 2 Brennsto 11 8 ermäßigsten Zinsen E für 2 sofort gewährt. 2] Zentralheizungen F. W. Weber, — 1 S f Cusfige Bläffer Das führende Witsblaft Deutschlands, Jede Woche ein prachtvoll ausgestattetes Heft mit zahl- reichen bunten und schwarzen Bildern nach Original- zeichnungen erster Künstler wie Wennerberg Ehrenberger/ Simmel/ Zille/ Trier. Ein getreues Spiegelbild aller politischen und gesellschaft- lichen Ereignisse im Lichte besten deutschen Humors! Abonnemente bel allen Buchhandlungen! Derlag: Dr. Eysler& Co. A.. In Berlin S 6S DRUCR SACHEN ö aller Art liefert die Verlagsdruckerei Albin Rlein, Gießen Zur Hochzeit, allen Festen und ee fertigt Reden, Gedichte, Prologe, Tafellieder usw. schnellstens an Heim⸗Verlag, Radolfzell a. Bodensee. Wahrend der Reisezeit empfiehlt sich die Nulbewanrung: Wertpakelen in unserem feuersicheren PANZER-RA UM Bez irkssparkasse Giessen auch Jes. für der und igt Die d mal hert wir auf sind Vol der daß wir 0 U J deiß Leu übe nic har mat gar Bi