1 Evangelische drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft arte Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) Haben wir auf Grund des biblischen Wortes das Recht, von den Christen zu fordern, daß sie sich im öffent— lichen Leben betätigen? Nach meiner Auffassung kann es sich hier nicht um Rechte handeln, welche wir etwa aus der Bibel abzu⸗ leiten hätten. Es handelt sich vielmehr um Pflichten, die das Wort Gottes uns auferlegt. Mir ist das begreiflich geworden nicht nach theoreti— schen Erwägungen und Studien über Sittlichkeit, christ⸗ liches Leben und derartiges, sondern auf viel elemen⸗ sarer Weise! Die Frage ist: Was verlangt Dein Herr von Dir im Gericht? Wenn es eine Antwort auf diese Frage gibt, so ist es eine brennende Antwort, um die wir in keinem Fall und durch keinerlei Mittel, und wären es die schönsten christlichen Systeme, Formulierungen und Erwägungen, herumkommen werden. Die Antwort ist uns gegeben im Ev. Matth. 25 in der Rede vom jüngsten Gericht: „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das Euch bereitet ist, vom Anbeginn der Welt,— denn ihr habt— nun was?— merken wir doch 5 auf— euer inneres Leben gepflegt?, ihr habt Er⸗ bauungsstunden gehalten, Reichsgottesarbeit getan und ihr seid fromme Leute gewesen? Nein und nochmals nein!— Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich ge⸗ sränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich be— herbergt. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich be⸗ leidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir ge⸗ kommen.“ Das ist also die Frage im jüngsten Gericht, ob ihr einen unter diesen geringsten Brüdern gespeist, getränkt, beherbergt, bekleidet, besucht habt! In Holland gibt es ein Haus, das mir sehr wert geworden ist. Links der Haustüre steht eine Inschrift: „Alles mit Gott“. Das sagt sicher sehr viel. Aber die Inschrift rechts der Tür ist noch vielsagender:„Nichts ohne ihn!“ Also auch nicht in der Politik ohne ihn. Und wenn nun Matth. 25, 41 das furchtbare Wort, es ist das furchtbarste der Bibel, steht:„Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“,— so trifft das nicht etwa Tatsünder, sondern die Unterlassung ünder!!: „Ich bin hungrig gewesen und du hast mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen und du hast mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und du hast mich ghicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen und du hast mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen ge— wesen und du hast mich nicht Na! 1 Nur Versäumnisse sind es, die hier aufgezählt wer⸗ den. Wir können uns schlechterdings nicht um die Tat⸗ fache drücken, daß uns der Staat durch seine Verfassung das Recht der Mitausübung der Staatsgewalt zuschiebt. Der Herr wird uns einst fragen am jüngsten Tage: „Wie hast du dieses Recht gebraucht? Was habt ihr zur Behebung der Wohnungsnot, der Steuerung der Not von Waisen, Witwen, Erwerbslosen, Kriegsbeschädigten und sonstigen Notleidenden getan? Was für die Ent⸗ rechteten der heutigen Wirtschaftsordnung? Wenn unser Herr durch die Reihen der gläubigen EChristen Deutschlands ginge, wer würde bestehen können? Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Von D. Jäger-⸗Bethel. Wollen wir erkennen, was der Herr von uns heischt? Der alte Bodelschwingh sagte einmal: Ich muß immer bitten, Herr vergib, was ich heute versäumt habe. Nein, es ist nicht zu verstehen, wie man überhaupt noch fragen kann, ob wir das Recht haben, uns um das öffentliche Leben zu bekümmern! Was sagt uns das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus? War der reiche Mann nicht tadellos? Hat er denn irgend etwas Schlechtes getan? Er war sicher ein rechtschaffener Mann, der etwas auf seine gute Manieren und seinen guten Ruf hielt. And doch Hölle und Qual? Nein, meine Freunde und Brüder, wenn man dieses Kapitel einmal begriffen hat im innersten Herzen, dann hört man nicht auf, sich zu schümen. Man disputiert gar nicht mehr. Es gibt dann nur noch zwei Bitten: Herr vergib— und Herr hilf!— Wenn es nun solche Pflichten gibt, lassen sich dann die christlichen Grundsätze nur auf das soziale Leben oder auch auf die Gestaltung des gesamten öffentlichen Lebens überhaupt anwenden? Ich würde lieber den Ausdruck christliche Grundsätze nicht gebrauchen. Das sagt nicht alles, worum es sich handelt. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger als um die Gebote Gottes. Um die Gebote, die er denen gegeben hat, die seine Stimme hören. Und nun ist die Frage, ob dieses Gebot, dieses Wort Gottes etwa irgend wann und auf irgend einem Gebiet einmal aufhört, seine Geltung zu haben? Lassen Sie mich ein Beispiel gebrauchen. Als der Papst in Rom sich für unfehlbar erklärte, beanspruchte er das Recht,„nur! in allen Fragen des religiösen und sittlichen Lebens ex cathedra ein unfehl⸗ bares, für jedermann verbindliches Urteil abzugeben. Die meisten europäischen Staatsmänner zogen die Folgerung daraus, daß das soziale und politische Leben hiernach den Papst nichts angehe. Allein der große englische Staatsmann Gladstone erklärte:„Was gibt es eigentlich dann noch, was nicht unter das Arteil des Papstes fällt? Ueberhaupt nichts mehr!“ Er hatte selbstverständlich recht. Wir haben es nicht mit dem heiligen Vater zu tun, sondern mit dem lebendigen Gotte. Seine Gebote erstrecken sich auf das ganze Leben! Ob es sich nun um persönliche, sittliche, soziale oder po⸗ litische Fragen handelt, wir haben uns immer und über⸗ all nach seinen Geboten zu verhalten. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Ob wir die Gebote Gottes für durchführbar halten, das ist gar nicht die Frage. Wenn Er sie für durch⸗ führbar hält, dann sind sie auch durchführbar. Die Geschichte des Reiches Gottes und auch die Weltgeschichte zeigt es uns sehr deutlich: Sobald ge⸗ wagt, gehorcht und geglaubt wurde, wurden Dinge möglich, die niemand vorher für möglich gehalten hatte. Es handelt sich nicht ums Debattieren, sondern ums Glauben! Was ist doch das Gleichnis vom Senfkorn für eine äußerst unglaubwürdige Sache. Und wie völlig hoff⸗ nungslos war die Lage des Christentums am Karfrei⸗ tag. Und doch ist alles so gekommen, wie der Herr es Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 27. Glauben und Gehorchen. Aber wir, wir glauben nicht mehr an die Oster⸗ tatsache. Wir rechnen nicht mehr mit dem Lebendigen! Wir glauben nicht mehr daran, daß er lebt und wirkt und in unser Leben hineingreift! Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn! Nicht Berechnung der wahrscheinlichen Entwicklung brauchen wir. Kein Fragen nach Zahlen, nach Macht, nach Einfluß, nach Erfolg steht uns zu. Die Frage ist nur, haben wir den Glauben an den lebendigen Gott? Haben wir ihn, dann müssen wir ge⸗ horchen. Gehorchen auch auf die Gefahr hin, daß wir säen und andere ernten. Wir haben nie und nirgends den Anspruch darauf, ernten zu dürfen. Selbstlosigkeit gehört zu jeder Arbeit im Reiche Gottes. Wer irgendwie und auf irgend einem Gebiete einen Nutzen oder einen Vorteil, und sei er von seinster, geheimster Art, auch nur in seinen innersten Ge⸗ danken sucht oder erwartet, den kann Gott nicht ge⸗ brauchen. Der Herr gebietet und der Knecht gehorcht! So liegen die Dinge. Wie war es denn mit dem Paulus von Tarsus? Wie stand er einsam in der Welt? Wie war damals die Chance für das Christentum, für das Reich Gottes? Nichts vom Christentum existierte bei uns in Deutsch⸗ land, wenn Paulus nicht geglaubt und gehorcht hätte. Wie kann man überhaupt noch debattieren über solche Fragen? Die Flammenschrift der Geschichte weist uns den Weg: Glauben und gehorchen! Und nun die Frage der Anwendung auf die ein⸗ zelnen Gebiete des öffentlichen Lebens. Im großen Ganzen werden uns die meisten Fragen sofort klar, wenn wir sie unter dem Gesichtspunkt prüfen. Wie würde Jesus gehandelt haben an unserer Stelle? Und wenn diese Frage noch keine Antwort gibt, so wer⸗ den wir sofort Licht bekommen, wenn wir prüfen: Wie würde Jesus nicht gehandelt haben? 6 Zunächst ist festzustellen, daß das soziale Gebiet durchaus kein kleines und engumrissenes ist, sondern sehr weit reicht. Wie haben wir uns im Innern zu verhalten? Zuerst fragen wir: Was ist der Wille Gottes? Er zeigt uns das letzte Ziel,— aber nur den näch⸗ sten Schritt. Wir haben keinen Anspruch darauf, den übernächsten zu sehen. Tuend und gehorchend erkennen wir, welches der Weg ist. Reiches Leben erst erzeugt christliche Erkennt⸗ nis. Christliche Erkenntnis auf Vorrat gibt es nicht, so sehr man auch versucht, etwa auf Universitäten den jungen Leuten solche beizubringen. Also tun wir immer den nächsten einfachen Schritt. Aber tun wir ihn auch wirklich ohne den Zweifel, daß dieser Weg weiter führt. In dieser Linie liegt er⸗ fahrungsgemäß alles, was praktischen Wert haben soll und zum Ziele führt. Dazu brauchen wir Männer aller Berufe und aus allen Ständen. Suchen wir kein System, das alle Bedenken vorher theoretisch beseitigt, ehe der erste Schritt getan wird. Bodelschwingh sagte:„Ueberzeugen kann man nur mit Wie können wir nun Gott gehorchen, z. B. in unse⸗ rem Verhalten in der Außenpolitik? gesagt hatte. r Glauben und gojsen. Psalm 37,5:„Besfiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen.“ Glaube— was kann er nicht alles schaffen.... Aber der Gläubige fühlte die Nähe seines Gottes, weiß, daß er das Gute um des Guten willen tut— wenn es auch noch so schwer ist, er läßt nicht davon ab und ringt sich durch zum Ziel auch durch Dunkelheit und Finsternisse— die Hoffnung beseelt ihn, es muß auch wieder Tag werden, es muß einmal die Stunde kommen, wo Gott mir rettend die Hand darbietet und mich lie⸗ bend in seine Vaterarme schließt. Dieser Glaube ist ein Trost für uns, er ist ein Wanderstab, an dem wir uns in bösen und ge⸗ fahrvollen Tagen stützen können und der uns in guten Tagen den rechten Weg zeigt. Doch Glaube verpflichtet auch. Wer ihn hat, der muß vieles meiden, was andere lachend tun. Der Glaube bringt Verant⸗ wortung, Verantwortung vor Gott und Verantwortung vor den Menschen— das mag manchem unbequem sein; die aber, die mit Ernst Christen sein wollen, die wissen, daß der Wert des Lebens davon abhängt, wie groß die Verantwortung ist die wir haben und haben wollen, wie groß die Lasten und Aufgaben sind, die wir aus freiem Entschluß auf uns nehmen. Wer nur klein und gering denkt, der wird ewig klein und gering bleiben in allem, was er tut, wer aber aufschauet nach den Sternen, dem weitet sich der Blick, der fühlt, Gott wacht über ihm, er ist gewiß, hinter allem, was der Mensch erduldet, steht Gott. Mit allem Unheil verfolgt er seinen bestimmten Zweck, und alles Unglück führt er doch zum Guten. Dieser Glaube allein gibt ein helles Licht im Leben— er klärt manches Dunkel auf: Woher kommen wir, wozu leben wir, wohin wandern wir, die drei großen Lebensfragen aller Zeiten und nur der Glaube gibt die rechte Antwort darauf: Von Gott, mit Gott, zu Gott— Von Gott her kommen wir, mit Gott wandern wir, zu ihm wollen wir. Wer diesen Glauben hat, der ist gefeit gegen alle Zweifel. Stunden gibt es, in eines jeden Leben, da versagt alles menschliche Selbstbewußtsein, da verkümmert alle Klugheit, da hilft nur der Glaube, der spricht: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen.“ Wenn wir schier verzweifeln wollen an allem Hohen und Heiligen, an allem Großen und Guten, dann möge uns die Hoff⸗ nung auf den allgegenwärtigen und allgütigen Gott schützend uns zur Seite stehen und uns zurückführen zum Glauben. Wenn hier in diesem beschwerlichen Erdenleben Stunden kommen, in denen es uns erscheint, als ob die Lasten, die wir zu tragen haben, uns fast erdrücken wollten, in denen wir den Tod herbei⸗ sehnen, nur um endlich frei zu sein von dieser ewigen Pein 2 r—— —————— des Lebens, das ja doch keine Freude mehr uns gibt, dann soll die Hoffnung auf jenes andere Leben, wo alle irdischen Beschwer⸗ den und Hemmnisse fern von uns sein werden, wo alle irdischen Hüllen von unserer Seele abfallen werden und sie verklärt in ihrer göttlichen Reinheit vereint sein wird mit ihrem Schöpfer, uns Mut geben, immer wieder aufrecht zu stehen in den Stürmen des Lebens. Gott hat uns die Hoffnung auf sein Reich gegeben — wir glauben an ihn; er läßt uns hoffen auf die Vereinigung unserer Seele mit ihm, läßt unsere Seele hoffen auf eine Be⸗ freiung von ihren Nöten und unser Glaube gibt uns die Gewiß⸗ heit: diese Hoffnung trügt nicht— Gott unser Vater wird unsere Seelen stillen, er wird uns befreien und erlösen, die Stunde wird kommen, wo er uns auftun wird die himmlischen Pforten, wo er uns wird eingehen lassen in sein ewiges Reich. Laßt Glaube und Hoffnung in uns wach sein, laßt beides sich ergänzen und wir werden fühlen, wie gute Waffen uns der Vater mitgegeben hat, um im Kampf des Lebens bestehen zu können. Glaubend hofft und hoffend glaube! Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.— Amen. 5 Taten, ich habe es längst aufgegeben, zu theoretisieren“. — —— — — „ 3 2 — — ͤ— e 1 — 1 S —— Sonnabend, den 3. Juli 1926. „Evangelische Warte“ Gehorsam gegen den Willen Gottes bringt Ge⸗ deihen— Ungehorsam Verderben. Kein Satz wurde durch die letzten Jahre mehr be⸗ stätigt als dieser Das haben unsere Feinde erfahren. Ein Engländer sagte vor dem Kriege es werde jeder Engländer doppelt so reich sein, wenn man Deutschland niederwerfe. Heute wird das kein Engländer mehr sagen. Sie sind eher ärmer geworden und haben 2 Mil- lionen Arbeitslose.— Und, davon sind wir überzeugt, Gott hat hier die Rechnung noch nicht ausgeglichen. Aber auch wir haben es erfahren müssen, nicht nur unsere Feinde. Wir haben seinerzeit Ostafrika in Besitz genommen, um die Eingeborenen von den Sklavenjägern zu befreien. Diese Eingeborenen haben uns während des ganzen Krieges bis heute die Treue gehalten und werden das auch in Zukunft tun. Südwestafrika aber haben wir erobert, um die Dia— mantenfelder in Besitz zu nehmen. Wir haben die Ein— geborenen in die Wüste getrieben und verdursten lassen. Sie sind schon nach den ersten 6 Wochen des Krieges ab— gefallen. Saat und Ernte! Was der Mensch säet, das wird er ernten. Man tritt nie ungestraft Gottes Willen mit Füßen. Man kann nicht genug hervorheben, was Bismarck einst sagte:„Man darf niemals die Lebensgrundlagen eines Volkes schädigen! Das wird stets nicht nur ein Fehler, sondern ein Unrecht sein.“ Rußland verlangte von jeher freien Ausgang durch die Dardanellen zur Ausfuhr seines Getreides. Bis— marck sagte, es sei ein schweres Unrecht, wenn wir da— gegen seien. Die Dardanellen seien die Lebensadern, die Schlagadern des russischen Volkes. Wir aber, wir Deutsche, haben Schuld auf uns ge— nommen durch unser Bündnis mit der Türkei. Als der Defensivvertrag mit Rußland 1890 nicht mehr erneuert wurde, haben wir den Zaren dazu getrie— ben, stehend die Marseillaise anzuhören. Wir haben die Freundschaft des russischen 180-Millionenvolkes ein— getauscht gegen diejenige des türkischen 10-Millionen— volkes. Und warum? Um der Interessen der Deutschen Bank willen, welche die Bagdadbahn bauen und sich dort bereichern wollte. Darum hat der deutsche Kaiser dem Armeniermörder Abdul Hamid den Bruderkuß gegeben. Ganz richtig sagte ein russischer Staatsmann, der Weltkrieg habe 1890 begonnen. Jenes begangene Unrecht hat sich fürchterlich gerächt. Wir sind schuldig! Und es war nicht nur ein Fehler — Bismarcks Abschiedsgesuch ist der dokumentarische Beweis dafür— es war ein Unrecht. Und so kommen wir nicht weiter, ehe wir bereit sind, das zu bekennen, was Schuld ist.— Erst die eigene Sünde erkennen und bekennen, ehe man fremde Sünde aufdecken will!— Wir sind gute Deutsche. Wir sind aber zuerst Christen! Und wir können als solche nur da auftreten, wo wir zu unserer eigenen Sünde nein sagen. Schuld abzuleugnen ist verächtlich. Unsere heid⸗ nischen Vorfahren hatten mehr Mannesmut als wir.— Wir müssen die Verantwortung auf uns nehmen, für das, was geschehen ist. Ein Beispiel: Graf Brockdorff-Rantzau stand in Versailles vor den Vertretern von 27 feindlichen Staa⸗ ten. Er sagte dort folgendes: Keiner der versammelten Staaten ist am Ausbruch des Krieges unschuldig. Auch Deutschland hat Schuld. Ich bitte aber, mir auf die Frage zu antworten: Wer von Ihnen, meinen Herren, glaubt, daß sein Land völlig unschuldig ist? Die Herren schwiegen. Sie mußten schweigen, weil dort einer stand, der den Mut hatte, zu sagen: Wir haben auch Schuld. — Der Erfolg jenes Auftretens war, daß wir den uns verbliebenen Teil Oberschlesiens und Schleswig⸗-Hol⸗ steins behalten durften.— Wer mith bekenne. Von Erwin Gros. 15. Fortsetzung. „Sm, hm, das ist noch nicht ausgemacht, aber eins hättet ihr hier doch besser im Auge haben müssen, was doch allem andern vorangeht, der Nutzen und Fortschritt der allerheiligsten Kirche. Deshalb hat Seine Exzellenz euch doch zum Schultheißen gemacht, nachdem ihr konvertiert wart.“ Mit offenem Mund höchstes, befremdetes Erstaunen im Fuchsgesicht, saß Peter Michel da.„Ja, aber, Herr Amtmann, darum soll doch mein Mädchen den jungen Feuerbach heiraten.“ „Nein, Schultheiß, das soll sie eben nicht. Der Feuerbach soll eine andre protestantische Jungfer freien. Da aber eure Tochter zu dem Heeger inklinieret(hinneigt), so hätte er dem Burschen sagen sollen, erst werde katholisch, dann kannst du mein Schwiegersohn werden.“ Der Schultheiß saß stocksteif da. Ohne daß er ein Wort sprach, konnte man deutlich erkennen, daß er sich diese Ein— mischung in seine häuslichen Verhältnisse als höchst ungehörig verbat. Der Amtmann Stubenxauch ließ sich durch die eisige Haltung des Mannes nicht anfechten.„Seine Exzellenz haben schon recht übel vermerkt und sich recht indigniert darüber ausgesprochen, daß ihr in eurem Hause nicht der Herr seid und eure Frauens—⸗ leute nicht mantenieren könnt, daß sie eurem Glauben folgen. Wenn aber der Liebhaber eurer Tochter konvertiert und dann als Schwiegersohn arreptieret wird, wird die Tochter nachfolgen, vielleicht sogar die Mutter.“ „Da kennt ihr meine Weibsleute schlecht; die haben jede einen Schädel wie von Eisen“, brummte der Schultheiß. Meinetwegen, aber wenn der Eidam katholisch ist, werden auch die Kinder katholisch; und das ist die Hauptsache und das Ziel,— ein Geschlecht nach dem andern muß gewonnen werden. In zwei Menschenaltern kann, wenn man es klug und nachhaltig Brockdorff-Rantzau sagte weiter: Grausamkeiten in der Kriegführung sind auf allen Seiten vorgekommen. Auch wir haben solche begangen. Ich bekenne dies als Schuld meines Landes.— Aber, meine Herren, eines haben wir vor Ihnen voraus. Als der Waffenstillstand geschlossen war, hatte es damit ein Ende. Sie aber hal⸗ ten heute noch die mörderische Blockade aufrecht. Heute noch sterben täglich in Deutschland Tausende von Frauen, Kindern und Greisen Hungers. Und das ist Ihre Schuld, die werden Sie zu verantworten haben. And dieses mannhafte Wort beginnt nunmehr heute in Amerika zu wirken und führt dort zu einem vollstän— digen Umschwung der öffentlichen Meinung. Liebe Brüder! Der Mut zur Wahrheit ist etwas Großes auch in der Außenpolitik. Nur wer ehrlich und redlich das Recht des andern anerkennt, kann mit Erfolg eigenes Recht fordern. Nur dann können wir wieder aufsteigen, wenn wir auch dem andern seine Lebensbelange gönnen. Nur dann können wir die unsrigen verfechten. Gott lebt und regiert! Er braucht aber Werkzeuge! Lassen wir uns dazu ausrüsten. Wagen wir es mit der Gerechtigkeit Gottes! Auch in der Außenpolitik heißt es: Glauben und gehorchen! Offener Brief des Sparerbundes. An die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei Berlin-Reichstag. In der Flugschrift Nr. 249 der Deutschnationalen Volkspartei befindet sich ein Beitrag„Für Wahrheit und Recht“, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Das Recht schlechthin ist es allein, das die Grund— lage jeden Staatswesens und Bürgschaft für die Sicher— heit seiner Bürger ist. Dieses Recht ist verwurzelt in dem feinen Rechtsgefühl, das ein gesundes Volk als un— schätzbares Erbgut durch Pflege von sittlicher Selbst— zucht, Anstandsgefühl, Dankbarkeit und Treue hüten und stärken muß, nicht nur durch Entfesselung hem— mungsloser Begehrlichkeit anstecken lassen darf.“ Es ist aufrichtig zu begrüßen, daß in diesen Aus⸗ führungen das Bekenntnis zum Recht als Grundlage jeden Staatswesens in so trefflichen Worten betont wird. Leider aber muß festgestellt werden, daß die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei sich etwas reichlich spät darauf besinnt, daß diese Grund- wahrheiten von allgemeiner Gültigkeit sind. Es wäre erwünscht und der Sache dienlich gewesen, wenn man sich von Anbeginn an die Wahrheit der Ovidschen Worte vor Augen gehalten hätte: principiis obsta(den Anfängen widerstehe!) und sich bereits bei den Verhand— lungen über die Aufwertungsgesetze vom 15. Juli 1925 im Reichstage, bei denen die Gläubiger- und Sparer— Interessen auf dem Spiele standen, ebenfalls in erster Reihe auf den Rechtsstandpunkt gestellt hätte. Leider hat man sich aber seinerzeit so weit davon entfernt, daß das„feine Rechtsgefühl“ des Volkes dessen Verletzung bis heute noch nicht vergessen hat. Sollte die Deutschnationale Volkspartei, wie aus ihren eigenen obigen Ausführungen hervorgeht, gewillt sein, Rechtsforderungen lediglich auf der Basis des Rechts und in Wahrung von„Treu und Glauben“ zu regeln, so ist es auch heute noch nicht zu spät, das an den Gläubigern und Sparern begangene Unrecht wieder gut zu machen. Wir fordern daher auch die Reichstagsfrak— tion der Deutschnationalen Volkspartei auf, die Be⸗ strebungen des Sparerbundes zur Erlangung einer ge— rechten Aufwertung bei dem bevorstehenden Volksbe— gehren zu unterstützen. Von diesem Schreiben geben wir der Oeffentlichkeit Kenntnis. 5 anfaßt, Holzhausen von der protestantischen Pest befreit sein.“ Peter Michel saß in verbissenem Schweigen da, so daß der Amtmann nach einer Weile voll Nachdruck sagte:„Mann, tut doch einmal das Maul auf, daß man erkennt, was ihr meint!“ Da erwiderte der Schultheiß: Ich sehe wirklich nicht ein, daß meine Tochter einen hergelaufenen Schuster heiraten soll, von dem ihr obendrein noch gar nicht wißt, ob er nicht bleibt, wie er ist.“ „Habt ihr vergessen, was der Pfarrer Heß von Seulberg öffent⸗ lich bemeldet hat, daß man hier in Holzhausen allerlei Leute von auswärts aufgenommen haben, ohne Unterscheidung, ob sie ordentliche oder unordentliche Subjekte seien, nur müßten sie katholisch sein! Hier ist aber ein junger Mann, der sich um die Gemeinde Meriten(Verdienste) erworben hat, von wegen der Zigeuner, der ein rechter Meister in seinem Handwerk ist und aus allen, sotanen Gründen allgemein hoch ästimieret wird. Wenn dieser zu uns traversieret, so ist das ein Exempel von gro— ßer Kraft. Und daß er nicht widersteht, sondern willfährig ist, wenn er nur seinen Schatz erlangt, das ist doch ganz klar. Er stammt ja aus der Pfalz, und dort ist man das Konvertieren gewöhnt.“ Der Schultheiß gab trotz alledem nicht nach; der Amtmann Stuben rauch verlor fast die Geduld. Doch, da er wußte, daß dann der Bauer ganz unzugänglich sein werde, so hielt er sich fest im Zaum. Wie aber sollte er diesen renitenten Bock in den Stall kriegen? Plötzlich blitzte in ihm ein neuer Gedanke auf. „Was ich euch jetzt sage, das geschieht sub sigille silentii (unter dem Siegel der Verschwiegenheit); daß müßt ihr um euer selbst willen ganz für euch behalten. Seine Exzellenz hat mich für einen höheren Posten in Franken allergnädigst auser⸗ sehen. Wer wird dann hier in das Amtshaus einziehen? Ihr habt einen anschlägigen Kopf; wenn ihr das beweiset und den Heeger einfangt, so wird es eine Bagatelle(Kleinigkeit) sein, seine Exzellenz auf euch hinzulenken. Er wird wahrscheinlich ohne äußeren Hinweis daran denken, euch zu belohnen. Der hochfreiherliche Amtmann Peter Michel— wäre das nicht ein 1 1 Vollhufiges Ergebnis des Volk sentscheids. Amtliche Feststellung. 5 Die große Schlacht des ersten Volksentscheids fü ganz Deutschland hat mit der Ablehnung der geforder⸗ ten Fürstenenteignung ohne Entschädigung geendet das Begehren ist gescheitert, da sich nicht die Mehrheit der Stimmberechtigten dafür aussprach. Stimmberech⸗ tigte waren nach der amtlichen Angabe 39 690 559 vor⸗ handen. Es hätten sich also mindestens 19 845 270 Stim⸗ men auf den dem Entscheid zugrunde liegenden Antrag vereinigen müssen, sollte er Erfolg haben. In Wirklich keit wurden aber nur 14 441 590 Jastimmen gezähl Damit ist die Ablehnung entschieden. Ueber die Einzel⸗ heiten der Abstimmung geben die folgenden amtlichen Zahlen Aufschluß: Gesamtergebnis. Stimmberechtigten Zahl der abgegebenen ungültigen Stimmen Zahl der gültigen Stimmen Gültige Ja-Stimmen 14 441 590 Gültige Nein-Stimmen 584 7 Die Wahlbeteiligung betrug im allgemeinen etw 38 Prozent, mit Ja haben im ganzen etwas über 36 Pr zent gestimmt. In drei Wahlkreisen, Berlin, Hambur Leipzig, stimmten über 50 Prozent der Wahlberechtigte mit Ja. Beide Wahlkreise Potsdam, Chemnitz, Dres⸗ den, Westfalen-Süd, Hannover, Magdeburg, Düsseldorf⸗ Ost, Erfurt, Hessen-Nassau und Darmstadt brachten bis 50 Prozent der Wahlberechtigten an Jastimmen a die Urne, der 25. Wahlkreis, Niederbayern, hatte d gegen nur 12½ Prozent Jasager unter der Gesamtza der Wahlberechtigten. In der Presse sowohl von rech wie von links, wird der Ausgang des Volksentschei mit ziemlicher Ruhe aufgenommen. Eifrig beschäftige sich die Blätter jedoch bereits mit der nun folgende Entwicklung. Durchweg wird angenommen, daß di Reichsregierurung in allerkürzester Zeit nunmehr die Initiative ergreifen wird, um in der Fürstenfrage eine Kompromißlösung zu ermöglichen. 1 hessische evangelische Geistliche zur Fürstenabfindung. Zahlreiche hessische evangelische Geistliche haben die nachstehende, von den Pfarrern Marx und Goethe- Darmstadt verfaßte Erklärung unterzeichnet: 4 „Der„Deutsche Evangelische Kirchen-Ausschuß“ hat in Eisenach folgende Kundgebung beschlossen:„Angesichts des bevorstehenden Volksentscheids erklärt der D.E. K. A, ohne zu den politischen und juristischen Fragen Stellung zu nehmen, vor der Oeffentlichkeit:„Die geplante ent⸗ schädigungslose Enteignung bedeutet die Entrechtung deutscher Volksgenossen und widerspricht klaren und un⸗ zweideutigen Grundsätzen des Evangeliums.“ Gegen diesen Beschluß ihrer obersten kirchlichen Be⸗ hörde halten sich die unterzeichneten ev. Pfarrer Hessens um ihres Gewissens und des Evangeliums willen füt verpflichtet, öffentlich Einspruch zu erheben. Jahl der 39 690 559 559 400 15 026 315 o ih auf wol ur gel d . Ste ele 0 ae hest of das fach I fen halt graf und J erf dg del gage gebe alt — N if w Sta len roh gent che Auf Si 9 Fre Rei Inf Lan Folgendes sind die Gründe dafür: 1 1. Wenn wir auch der Meinung sind, daß eine so entscheidende Maßnahme, wie die Vermögens⸗Enteig nung deutscher Fürsten niemals auf dem Wege des Volksentscheids in gerechter Weise entschieden werden kann, so sehest wir doch in der obigen Entschließung eine bedauerliche einseitige politische Kundgebung zu Gun sten deutscher Volksgenossen, deren Reichtum doch viel fach in keinem Verhältnis steht zu der großen Armut von Millionen deutscher Volksgenossen, die durch die Folgen des Krieges und Maßnahmen der Regierung in bitterstes Elend geraten sind, ohne daß die Kirche zu und wenn dann sein Eidam Heeger in die Stelle als Schultheiß surredieret,— nun,— wollt ihr jetzt immet noch auf eurem Kopf bestehen, oder meint ihr nicht, daß es nüt licher ist, sich umzudrehen und mit ganzer Intention dieses Sache nachzutrachten?“ ö Des Amtmanns Gesicht glänzte von lauter treuherzigem Wohlwollen. Er hatte zwar dem Freiherrn von Ingelheim einen Freund namens Kreß als Nachfolger in der Amtmannswürde empfohlen und seine Exzellenz hatte diesem den in Holzhausen freiwerdenden Posten huldvollst zugesagt, das wußte der dumme Bauer nicht und würde es auch nie erfahren. Die Hauptsache war, daß man ihn auf die Leimrute lockte. Und der Vogel flog geradenwegs darauf zu. Dem Schultheiß Peter Michel benahm die neue Kunde fast den Atem. Ex, der von kleinen Bauersleuten stammte, der dann ein Ingelheimscher Bedienter gewesen war,— am Ende gar Amtmann! 8 Doch immerhin war er ein Bauersmann, und das bäuerliche Mißtrauen gegen den Vertreter des Beamtenstandes, 4 Aufgabe es war, den Bauern zu ducken und zu scheren, schlief selbst in diesem Augenblick nicht, ja, es wurde um so wacher, je unerhörter die Sache war. 1 Mit vor Erregung bebender Stimme sagte Peter Michel; „Will der Herr Amtmann Stubenrauch mir das, was er eben gesagt hat, durch Handschlag bekräftigen und geloben, so will ich mit ihm von der Partei sein!“ And der Herr Amtmann Johann Nikolaus Stubenrauch reichte— lauter deutsche Biederkeit— dem Schultheißen Peter Michel die Hand. And nun hielten sie in guter Eintracht einen Rat, auf welchem Wege weitergegangen werden sollte.— — Hans Heeger verwunderte sich sehr, daß die Frau Amt⸗ mann Stubenrauch in jenen Tagen schon wieder ein Paar neue Schuhe begehrte und ihn zum Empfang des Leders in das Amts⸗ haus bestellte. Und noch mehr verwunderte er sich über ih verändertes Wesen. Das erstemal war sie die fürnehme Dan ae lug . ae du eie 0 . bit du e an! . ö än 6 dich ade N 0 0 n — Sonnabend, den 3. Juli 1926. — ihrem Schutze die Stimme erhoben hat. Eine Berufung auf das Evangelium halten wir für bedenklich, da sich wohl heute schwer feststellen ließe, ob beim Erwerb all der fürstlichen Besitzungen stets die Grundsätze des Evan— 105 geliums voll und ganz zur Anwendung gebracht worden os fi t ü 2. Wir bestreiten der Kirche das Recht zu solcher ö et Stellungnahme, nachdem sie zu manchen viel brennen— ehre deren Fragen von hoher sittlicher Bedeutung, wie zur ben. rücksichtslosen Ausnützung der Inflation durch gewosse De Kreise unserer Industrie und Bankwelt, zum Gemeinde— Sil, bestimmungsrecht, zur fortschreitenden Abbröckelung der Une Sonntagsruhe u. a. m. geschwiegen hat. ii 3. Wir bedauern, daß die Kirche versäumt hat, wie gesüh das in England beim Bergarbeiterstreik geschehen ist, ige rechtzeitig ihre Stimme zu erheben, um beide Parteien tlic zu brüderlichem Entgegenkommen zu ermahnen: die— jenigen Fürsten, die übertriebene Ansprüche aufrecht er— halten, daß sie aus freien Stücken sich eines Teiles ihres 000 30% großen Besitzes zu Gunsten der Allgemeinheit entäußern, 550 4% und die Führer des Volkes, daß sie nicht die niedersten 020% Instinkte der Habgier und Mißgunst aufwühlen, son— ali dern mit ehrlichem Willen sich zu einer billigen Verstän— 5847 digung bereit finden ließen. 5 5 en ein 4. Wir haben mit Befriedigung vernommen, daß 0 Ju der Prälat unserer Hessischen Landeskirche im D. E. K. A. ambun gegen eine einseitige Kundgebung seine Stimme abge— tigt geben hat, und sprechen ihm für sein mannhaftes Ver⸗ 55 Du halten unsere volle Zustimmung und unseren Dank aus. sseldoß 7 , Aus Polifik und Parlament. 1. Staat und Kirche. ama Am 18. Mai wurde vor dem Reichsgericht verhandelt über n fech die Besoldungsprozesse der braunschweigischen Landeskirche gegen schal den Staat. Wie früher mitgeteilt, handelt es sich darum, daß heftig, nach Landesgesetzen von 1902 und. 191¹ der Staat verpflichtet gend, ist, den Geistlichen diejenigen Beträge zu zahlen, um die ihr daß 10 Pfarreinkommen hinter dem Einkommen, das ihnen gesetzlich zu⸗ geht F. steht, zurückbleibt. Der Anlaß zu diesen Gesetzen war der, daß age en der Staat das kirchliche Vermögen der Klostergüter, aus dem in erster Linie kirchliche Zwecke zu befriedigen sind, in Besitz und — Nutzung hat. Obwohl die Reichsverfassung ausdrücklich derartige gesetzliche Verpflichtungen der Staaten aufrecht erhält, hatte der braunschweigische Staat mit der Inflation sämtliche Zahlungen eingestellt und behauptet, zu nichts mehr verpflichtet zu sein. Daher muß die Kirche zum Prozeß schreiten. Das Landgericht entschied zugunsten der Kirche. Das Oberlandesgericht Braun— schweig änderte die Urteile des Landgerichts dahin ab, daß der Staat nur noch 25 Prozent der Beträge der Vorkriegszeit zu zah⸗ len habe. Gegen die Urteile des Oberlandsgerichts legten so— wohl die Landeskirche, als auch der Staat, dem selbst die 25 Pro— zent noch zuviel waren, Revision ein. Das Reichsgericht ent⸗ schied für die Zeit seit der Stabilisierung der Währung unter Aufhebung des Urteils des Oberlandesgerichts dahin, daß der Staat die Besoldungszuschüsse an die Geistlichen in der gleichen Höhe weiterzuzahlen hat, wie in der Vorkriegszeit. Der diese Frage betreffende Versuchsprozeß der Kirche ist sofort vom Reichsgericht in diesem Sinne endgültig entschieden. Der die Inflation betreffende Versuchsprozeß ist auf die Revision der Landeskirche an das Oberlandesgericht zurückverwiesen, Alls unserer Bewegung. Weisenau. Am Freitag, den 18. Juni, fand hier im dicht— besetzten Saal des Gasthauses„Zum schwarzen Bären“ ein Vor⸗ „trag von Pfarrer Weidner-Ober⸗Lais über das Thema„Brau- chen wir eine evangelische Partei?“ statt. Der Redner legte in überzeugenden Worten dar, daß die evangelische Partei ein Be— dürfnis geworden sei. Er zeigte, daß keine der bestehenden Par— teien die evangelischen Belange vertrete. Reicher Beifall wurde seinem Vortrag zuteil. In der anschließenden Aussprache er⸗ erung griffen von den anwesenden Parteien nur die Vertreter der dirche„ sozialdemotratischen Partei das Wort, die mit starker Anhänger⸗ — öé meren— 2— e die Sul gewesen, die mit dem fremden Schustergesellen nur so viel Worte uuechselte, wie unumgänglich nötig waren. aß es U Jetzt aber fragte sie ihn nach Herkunft und Heimat, nach ion dN Schicksal und Leben, nach Weg und Ziel. Ob er sich in Holz- ghausen ansässig machen wolle? n e habe Goeth⸗ Stellan N inte/ herzige⸗„Nun ja“, fügte sie mit liebenswürdigem Lächeln hinzu, heim ein man hört ja, daß er hier ein Schätzlein gewonnen hat. Das nswün bird ihn wohl in Holzhausen festhalten.“ 1 1 Hola Hans Heeger gab auf alle Fragen offenen Bescheid. Ja, et duft die Freundlichkeit der Frau gewann ihm das Herz ab. Hupf 1 An irgend eine hinterhältige Absicht dachte er als grund— 1 ehrlicher Mensch nicht. Darum kam ihm bei den letzten Worten der— wie er meinte— glückliche Gedanke, die Frau Amtmännin unde 0 a Beistand zu bitten. Er erzählte also, wie seine Werbung mme, W bgelehnt worden sei und bat in wohlgesetzten Worten, ob die am b hochwohlgeborene Frau Amtmännin nicht ihren Gemahl be⸗ timmen könne, beim Schultheißen ein gutes Wort einzulegen. aß„O, nehme er eine Weile Platz, ich will den Herrn Amtmann „„ dee herüberrufen, das wird er gerne tun!“ 8 1 Sie ging und kam nach einer Weile mit ihrem Gatten 0 g N. Hans Heeger erhob sich und grüßte bescheiden den Perücken— Mig räger. 5 25 ebe„Behalte er nur Platz“, sagte der Amtmann leutselig,„was 15 1 0 nir meine Frau erzählt hat, das läßt sich nicht so rasch im so. Stehen abmachen.“ 18 I Und der Herr Amtmann Stubenrauch begann nun seiner⸗ ug eits zu fragen. Er erkundigte sich vor allem nach dem Ver— en nögensstand des jungen Mannes; das war ihm besonders 1 vissenswert. Da konnte ihm Hans Heeger nun klaren Bescheid Na, eben. Der Oheim in der Heimat habe das ganze Besitztum an inen Mann verkauft, der an das niederländische Heer Schlacht— 45 5 bieh geliefert habe. Der lege nun das Himmelgeldspiel, das Pas er verdient habe, in Land an und habe ihm zweitausendsieben— du hundert Gulden bezahlt. Die wären in Frankfurt bei dem 600 Kaufmann Porsch jeden Tag greifbar. 6 ö „Evangelische Warte“ * ͤͥͤĩ²?¹4ęũ 0 A 0 schaft vertreten waren. Ein plumper Angriff auf den anwesen— den Ortspfarrer wurde von diesem mit Leichtigkeit zurückgewie⸗ sen. Auch die gegen die Ausführungen des Referenten gemachten Einwände konnten von diesem mit Leichtigkeit wiederlegt wer— den. Die Schärfe der Diskussion trug wesentlich zur Klarstellung der gegenteiligen Ansichten bei. Um Mitternacht konnte die Versammlung von Studienrat Pröscher-Maing, der die Leitung übernommen hatte, geschlossen werden. In den nächsten Tagen ist mit der Bildung einer starken Ortsgruppe zu rechnen. Alls Hossen. Friedberg. Am Sonntag. den 13. Juni, fand dahier das 42. Landeskirchengesangsfest statt. 11 Kirchengesangvereine aus Oberhessen nahmen daran teil. Es wurde um 2% Uhr einge⸗ leitet durch einen Festgottesdienst. Mächtig erschallten in den hohen Gewölben unserer alten Stadtkirche die von ungefähr 500 Sängern gesungenen Massenchöre. Unter ihnen sprach am schönsten an„Die Welt singt Gottes Preis“ von J. W. Franck in der Bearbeitung von Arnold Mendelsohn. Die Festpredigt hielt Herr Dekan Schäfer- Büdingen über 2. Kor. 6, 4. 9. 10. Er erinnerte an die Wiederkehr des 250. Todestages Paul Ger— hardts, schilderte sein Leben und das, was uns dieser gottvolle Sänger in seinen Liedern geschenkt hat. Die Liturgie versah Herr Stadtpfarrer Gängnagel. um 4 Uhr begann dann die Nachfeier. Jeder der erschienenen Vereine kam nun beson— ders zu Wort. Ein Wettsingen sollte diese Nachfeier gewiß nicht sein. Aber jeder Verein wollte doch zeigen, mit welchem Ernst bei ihm der mehrstimmige Gesang gepflegt wird. Die Leistungen waren denn auch durchgängig recht gut. Besonders erstaunte es, was die vier anwesenden Landchöre Altenstadt, Höchst, Oberau und Stammheim leisteten. Die Leitung dieser Nachfeier lag in den Händen des Herrn Pfarrer Gängnagel, welcher mit herzlichen Worten die Erschienenen begrüßte. Herr Prälat D. Dr. Diehl überbrachte die Grüße der Kirchenregierung und des Landeskirchenamtes. Er erinnerte an die Förderer des Gesanges in Friedberg und der Wetterau und bedauerte, daß gerade in den Landorten der Wetterau so wenig Kirchengesang⸗ vereine zu finden seien. Für den Landeskirchengesangverein überbrachte deren Vorsitzender Herr Superintendent Geheimer Oberkonsistorialrat D. Flöring Grüße. Er stellte die Frage: Warum singen wir? Darauf gab er drei Antworten: Wir sin⸗ gen, weil es uns gefällt, weil es uns erhebt, weil es Gott ge— fällt. Mit herzlichen Dankworten des Herrn Pfarrer Gäng— nagel schloß dann die wohlgelungene und erhebende Veranstal— tung. Möge sich der Wunsch des Herrn Prälaten D. Dr. Diehl erfüllen, daß durch dieses Fest in recht vielen Gemeinden der Umgegend von Friedberg die Anregung geweckt worden ist, auch einen Kirchengesangverein zu gründen, der dann am nächsten Weihnachtsfest die Gemeinde zum ersten Male mit seinen Lie— dern erhebt. Die Ziele der EV. Von Werkmeister Mensinger-Mainz. Was will die evangelische Partei, Die heute noch für viele neu? Zusammenschluß ist erstes Ziel Denn treu vereint vermag man viel. Zusammenschluß bringt Einigkeit, Die bitter not ist unserer Zeit. N Drum säumt nicht lang und tretet bei Der deutsch-evangelischen Volkspartei! Viel' alte Uebel will sie ersticken, Wo immer nur wir sie erblicken. Sei's in der Kirche, sei's im Staat: Die EV. ihre Berechtigung hat. Politik vereint mit frommen Streben Ergibt erst ein gesundes Leben. Drum säumt nicht lang und tretet bei Der deutsch-evangelischen Volkspartei! Der Amtmann nickte jetzt doppelt so wohlwollend; der Ge— selle stieg in seiner Achtung. „Ich habe“, begann er und sah Hans Heeger bedeutsam an, „mit dem Schultheißen Peter Michel schon einmal von ihm ge— sprochen, es schien mir aber, als ob die Abweisung der Bewer— bung einen andern Grund hätte als den, daß er hier in Holz— hausen heimatfremd ist. Doch habe ich natürlich damals nicht näher nachgeforscht. Ich werde ihn heute oder morgen zu mir citieren'und für seine Sache ein gutes Wort einlegen. Dessen kann er gewiß sein. gegenüber ein Wort davon redet, daß ich meinen Einfluß als Amtsperson für seine Privataffäre einsetze. Das ist ansonsten nichts usus,(Gebrauch), und nur weil er in seinem Handwerk so tüchtig ist und wider die Zigeuner tapfer gestritten und hin— lerher so jämmerlich gelitten hat, will ich eine Ausnahme von der Regel machen. Komme er also morgen, wenn die Abend⸗ glocke geläutet hat, wieder!“ Mit herzlichen Dankesworten entfernte sich Hans Heeger; natürlich saß er am folgenden Tage zur angegebenen Zeit wieder auf dem nämlichen Stuhle. Herr Stubenrauch empfing ihn mit großem Ernst, das Ant⸗ litz seiner Frau war lauter Traurigkeit. Nachdem der Amt⸗ mann mehrere Male voll Nachdruck und Bedenklichkeit mit dem Kopf genickt hatte, gleichsam um seine Rede im Voraus mit etlichen Ausrufezeichen zu versehen, sagte er mit dumpfer Stimme und schwerer Betonung:„Seine Sache ist leider aus— sichtslos, lieber junger Mann. Et weiß wohl, daß der Schult— heiß in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückgekehrt ist. Darum ist er voll Eifers für die heilige Mutter Kirche, die ihn, den verirrten Sohn, gnädig wieder aufgenommen hat. Es ist ihm ein hartes Herzeleid, nach der Konfession getrennt zu sein von Frau und Tochter. Das ist seine Hoffnung und seine Bitte zu Gott bei Tag und Nacht, daß doch die beiden endlich werden, wie er selbst. Darum ist es für ihn ganz unmöglich, einen Eidam zu nehmen, der ein Protestant ist. Er will seine Tochter mit dem Sohne des Gerichtsschöffen Feuerbach verehe⸗ Doch muß ich ihn bitten, daß er niemandem 0 Nr. 27. e eee eee eee eee, Allerlei. Neue Wege im Strafvollzug. Seit längerer Zeit ist in den preußischen Gefange— nenanstalten allgemein das sogenannte Progressiv— system eingeführt, das den Gefangenen die Möglichkeit gibt, durch gute Führung allmählich eine beschränkte Milderung des Strafzwangs zu erreichen. Zu diesem Zweck sind drei Stufen eingerichtet worden. Durch eine Verfügung des Preußischen Justizministeriums ist nun weiterhin, zunächst versuchsweise für einzelne Gefäng— nisse den Gefangenen der obersten Stufe ein gewisses Selbstverwaltungsrecht eingeräumt worden. Sie sol— len z. B. während der Bewegung im Freien und in der arbeitsfreien Zeit, insbesondere Sonntags, eine größere Bewegungsfreiheit im Verkehr miteinander unter ein— geschränkter Aussicht genießen. Die Bewegung im Freien findet in zwangloserer Form als bei den übrigen Ge— fangenen statt; für die Sonntage wird ein gemeinsamer Zusammenkunftsraum zur Verfügung gestellt, in dem Bücher und Zeitungen ausliegen und geeignete Unter— haltungsspiele, wie Schach, Halma und dergl. vorhanden sind. Selbstgewählte Obmänner haben für die Auf— rechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Die Einrichtung soll dazu dienen, die Gefangenen zur Selbstverantwor— tung zu erziehen und sie für den Uebergang in die Frei⸗ heit vorzubereiten. 5 Eine kirchliche Geldvermittlungsstelle. Um den dringenden Baubedürfnissen der Kirchengemeinden entgegenzukommen, hat der Württembergische Landeskirchentag eine Geldvermittlungsstelle beim dortigen Oberkirchenrat ins Leben gerufen. In diese Geldvermittlungsstelle zahlen die Kirchenpflegen ihre überflüssigen Gelder auf mindestens Monate ein. Gegen einen mäßigen Zinsfuß können von dort aus Darlehen gewährt werden. Außerdem ist der Oberkirchen rat ermächtigt worden, eine Anleihe von 1—2 Millionen Mark aufzunehmen. * „Liga für den christlichen Sonntag“. Die zunehmende Sonntagsentheiligung, die sich in fast allen Ländern, selbst in dem bisher durch seine streng-puritanische Sonntagsruhe bekannten England bemerkbar macht(s.„E. D.“ 1926, 19), ruft jetzt auch die Schweizer Christenheit zu einer Gegenbewegung auf den Plan. Auf Anregung von Pfr. Samuel Bourquin-Porrentruy tritt jetzt im Berner Jura eine„Liga für den christlichen Sonntag“ ins Leben, die sich die Erhaltung der christlichen Sonntagssitte zur Aufgabe macht. Die Mitgliedschaft wird abhängig gemacht von der Uebernahme gewisser Verpflich⸗ tungen, die in jedem Jahre neu gufgestellt werden sollen. Für das erste Jahr ist folgendes Gelöbnis in Vorschlag gebracht: Ich verpflichte mich, J. den Sonntag zu heiligen und ihn zu einem Tag der Ruhe und des Glücks zu machen, Gott und meiner Familie ge— widmet; 2. regelmäßig teilzunehmen am öffentlichen Gottesdienst und den Eifer und die Gemeinschaft in meiner Gemeinde und Kirche zu fördern; zuhalten von Kundgebungen, die ihn ausfüllen, und der Liga überzeugte Anhänger zuzuführen.“ Die„Semeur Vaudois“ macht soeben den Vorschlag, einen ähnlichen Versuch auch in ihrem Kanton vorzunehmen. * „Sorgsam verkappte Klöster“. In der„Märkischen Volkszeitung“ vom 3. Juni 1926 findet sich ein längerer Aufsatz, über die katholische Kirche in Frank⸗ reich. Dieser Aufsatz wirft ein sehr bezeichnendes Licht auf die römisch⸗katholische Moralität und Mentalität nicht nur in Frankreich, sondern vor allem bei der„Märkischen Volkszeitung“, die die geschilderten Vorgänge anscheinend durchaus billigt und ihren Lesern als völlig einwandfrei weitergibt. Es erhellt mit Deutlichkeit, wessen sich der moderne Staat gegbenenfalls von lichen. Wider seine Person hat der Schultheiß nichts einzu⸗ wenden, vielmehr wäre ihm aus manchen Gründen er, Hans Heeger, lieber, weil er vermöglich ist, und weil die Sybille ihn gern hat,— na ja, und einem einzigen Kinde tut man gerne den Willen.— Aber weil er Protestant ist, darum ist die Affäre sine spe(ohne Hoffnung), ganz aussichtslos.“ Ein schweres Schweigen folgte dieser Rede. In der Seele von Hans Heeger klang es wie eine Grabesglocke:„Vorbei, vor⸗ bei!“ Mit keinem Gedanken kam er darauf zu, wohin man ihn haben wollte. Schon will er sich erheben und dem Amtmann Dank für seine Bemühung sagen, da mischt sich die Amtmännin ein. Mit dem harmlosesten Lächeln in dem rundlichen, rosigen Angesicht, fragt sie ganz verwundert:„Ja, aber warum soll denn diese Heirat unmöglich sein? Wenn doch der junge Geselle hier seine Herzallerliebste wirklich von Herzen lieb hat, so braucht er ö ö doch nur dem Vater den Willen zu tun, dann kann er sofort mit ihr nach Obererlenbach gehen und sich kopulieren lassen.“ Ihre Stimme klang so kindlich zuversichtlich, als handelte es sich um den einfachsten und selbstverständlichsten Spaziergang von der Welt. Der Amtmann aber wehrte ernsthaft ab:„Liebe Frau, ich glaube doch, daß du die Affäre etwas zu leicht nimmst. Und es muß mit ernstem Mut geprüft werden, von einer Kirche in die andre überzutreten.“ Aber, lieber Mann, unsre Kirche ist doch viel ehrwürdiger. Sie ist nahezu siebzehnhundert Jahre alt, die neue noch keine zwei Jahrhunderte.“ „Nun ja, das ist ja wahr, und der Unterschied zwischen beiden ist nicht allzu groß. Wir haben einen Gott, einen Heiland, eine Taufe, einen Himml; der Hauptunterschied aber ist der, wir haben einen Papst den heiligen Vater, die Protestanten haben viele Päpste. Jeder Prediger ist ein Päpstlein. Darum ist bei ihnen immer Streit, denn die vielen Päpste sind immer wider einander; bei uns aber ist Friede, weil der eine Papst, der Nach⸗ folger Petri, der Stellvertreter des Heilandes, alles anordnet, und die andern ihm gerne untertan sind.(JFortsetzung folgt.) meinen ganzen Einfluß auszuüben, um den Sonntag frei⸗ ö — ä——ñ—H Sonnabend, den 3. Juli 1926. der römischs⸗katholischen Kirche zu versehen hat, In Frankreich besteht, wie man weil, Trennung von Kirche und Staat. Die Orden sind zum Teil verboten. Praktisch beachtete man die Ge setze gegen die Orden aber wenig. Ja man geht welter„Nicht alle verbotenen Orden wagen sich so fres hervor, dafür gibt mes aber auch sorgsam verkappte Klöster In einem Stadtwohnhaus mit u einem Pförtner wie in einem jeden anderen, wohnen eine Angahl Frauen, die nur in bürgerlicher Kleidung ausgehen. Kein Mensch kann sie dort hindern, daß sie zusammen Vesper und Complet halten. In manchen Mädchenpenstonaten sehen die Lehrertiunen etwas fromm drein, aber offiziell weiß es nie mand, sogar die Schülerinnen wissen es nicht, daß sie morgens in aller Frühe in der Kapelle mit der Matutin ihre religiösen Andachtsübungen beginnen. Viele katholische Lehranstalten sind in den Händen der Orden, besonders der Jesuiten. Der nomi nelle Besitzer oder Leiter der Anstalt ist ein Laie oder auch ein Weltpriester, aber die ganze innere Leitung und der Studien gang der Zöglinge liegt in den Händen der Paters, die als Prie ster lehren dürfen, nicht einmal einer Staatsprüfung dazu be dürfen und denen man es nur schwierig nachweisen kann, daß sie einem verbotenen Orden angehören * Das buddhistische Haus. Mach der moslemischen Moschee das buddhistische Haus. Ein Arzt, vor einem Jahrzehnt aus Indien heimgekehrt, will dem Buddhismus in Deutschland eine Stätte bereiten. Zehn „Evangelische Warte“ Jahre hindurch hat er seine ganze medizinische Tätigkeit er ist Somöopath sein gesamtes schriftstellerssches Wirken in den Dienst einer Weltanschauung gestellt, von der er, der zipilisterte Europäer, durchdrungen, und ergrissen ist. Und nun ist es ihm“ gelungen, sich und seiner winzigen Gemeinde ein Heim, ein „Tempelwohnhaus“ in Frohnau, in der Nähe von Berlin, zu schafsen. Hier geht er an pier Tagen der Woche Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch seiner Arbeit als Arzt nach, um, die drei restlichen Tage seinem Glauben zu widmen. In Voll mondnächten werben Distussionsagbende über die Lehre Gotama Buddhas abgehalten; und eine kleine Pagode an der Rückseite des Hauses dient der Gemeinde zu frommen Gebetübungen * Zunahme der Meineide. Die Meineide bei Gerichtsverhandlungen haben in letzter Zeit nicht unbedenklich zugenommen, ohne daß der Abstellung dieses Schadens durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen die genügende Aufmerksamkeit zugewandt wird. Da zweifellos ein beträchtlicher Teil der falschen Aussagen nicht in strafwür diger Absicht, sondern aus Unüberlegtheit gemacht wird, andere wiederum aus Sorge vor persönlichen Bloßstellungen, wie z. B. Aussagen Über frühere Bestrafungen, so schlägt die„Frankf. Ztg.“ (4924, Nr. gag) Abhilfe nach zwei Richtungen vor: einmal Ver meidung unnötiger Fragen und möglichste Schonung der Privat verhältnisse der Zeugen bei der Fragestellung, zum zweiten aber WVerefdigung erst nach der Vernehmung. Die allgemeine Durch Ne führung des Nacheldes sei eine dringende Forderung des Rechts,. Dann u ist es möglich, die Zeugen vor der Eidesleistung auf Jlversprüche hinzuweisen und sie so vor falschen Aussagen und hamit vor schwerer Strafe zu bewahren. —ͤ— Neue Bücher. Die neue Mengebibel. Die Priviligierte Württembergischen, Bibelanstalt in Stuttgart hat soeben eine vollständige Ausgabe der Bibel in der Uebersetzung von Menge herausgebracht. Damit hat die altbewährte Bibelanstalt wieder ein Meisterwerk geleistet, auf das nicht blos sie, sondern unsere ganze evangelische Kirche stolz sein darf. Die Eigenart der Menge'schen Ueber— setzung scheint darin zu liegen, daß sie wie keine andere Bibel— übersetzung der neuesten Zeit zugleich auch eine Exläuterung des Textes darstellt. Wir haben es hier also nicht nur mit einer Uebersetzung, sondern auch in startem Maße mit einer Exegese zu tun. Diese aber ist mit soviel Treue und biblischer Klarheit und auch kluger Vorsicht gegeben, daß man den Verfasser nur immer bewundern kann. Auch das beigefügte neue Karten— material, sowie die sehr übersichtlichgestalteten Zeittaffeln sind vorzüglich. Endlich sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß auch die äußere Gestalt dieses Buches Mustergültiges darstellt. Man kann der Bibelanstalt zu diesem Werke, das sich außerdem urch sehr billigen Preis empfiehlt, nur Glück wünschen und die Hoffnung aussprechen, daß die evangelische Christenheit von die— sem trefflichen Werk reichlichsten Gebrauch macht. 90 10 N U 93 J 7 97 7 0 1. 05 Fin Tridbläckender Cesrhäktenaun Aaat ide. e augsasgigg Lal sg dzäcden! 5 Das Publikum merkt rasch einen solchen Rückgang und schliesst daraus auf einen Rückgang der Firmal uus ist auch wichtig, dass die Reklamen u. Anzeigen nicht immer in ein u, derselben Zeitung veröffentlicht werden; allen Bevölkerungskreisen die Anzeigen zu lesen geben, das gibt dem Geschäftsmann die Möglichkeit, neue Kunden au werben. „Gieszener Zeitung“— Bekanntmachung. Nachdem der Hess. Sparkassen u. Giroverband den Bel tritt als Gründungskörperschaft zur Hessen Nass. Lebens versicherungsanstalt in Wlesbaden beschlossen hat, können alle Arten von Lebensversicherungen zu günstigsten Bedingungen und niedrigsten Vestragssätzen durch Vermittlung unserer Kasse oder durch die Vertreter bei unserer vorgenannten Lebens versicherungsanstalt abgeschlossen werden. Auskünfte bereltwllllkgst Bozirkssparkasse Gießen. Achtung! Alle vorkommenden Sport- FIguren, Plaketten, Me- dalllen, für Damen u. prima Faaneef Sie können es glauben! Die Zeitungs-Anzeige ist die beste und billigste Reklameart und als Werbemittel nicht zu übertreffen. deshalb in den Zeitungen Verlangen Sie Ruhr- Brechkons Heszkräftigstet, sparsamster Brennstoff fur 9 pfund- M. G.-franko Dampfküsefabrik Rendsburg Nebenverdienst für sedermann, leine Heimarbelt, Auskunft Günstigste Eindeckung sda mos e Zentralheizungen dllo Allgeier g Slaßfurt Erhälts. in alf gröss, Kohlenhandlig. Bezirk Magdeburg. 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