Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. K Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. h Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. n Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) „ ot um 1 5 1 eig. 2 Jahrgang. ö l Helen N 0 Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt-M. Sonnabend, den 3. April 1920. ide; W 8 b— ee 0 Auf zur Werbearbeit in der Osterwothe! 8. Der schöne Wahlerfolg in Oberhessen und unsere erste Werbearbeit in Hessen-Nassau, Rheinhessen 1 und vielen anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes zeigen, daß das Evangelische Deutschland die a Evangelische Volksgemeinschaft will. Dringend nötig ist natürlich die Stärkung der E. V. durch Gründung n lase von Ortsgruppen und durch Gewinnung neuer Abonnenten für die„Evangelische Warte“. Wir lten, bitten deshalb alle unsere Mitglieder und Freunde, in der Osterwoche für die E. V. überall tatkräftig zu n zue werben und uns neue Mitglieder und Leser der„Evangelischen Warte“ zuzuführen. Bei jeder sich bietenden 0 Jahn Gelegenheit müssen wir für unsere gute Sache tätig sein. 1 But Die Gründung der E. V. wird eine evangelische Tat, wenn jeder bewußt evangelische Christ der 1 neuen Bewegung beitritt, für sie wirbt, sie eifrigst fördert. Tua res agitur— um Deine Sache handelt ! Nees sich ja, lieber evangelischer Glaubensgenosse! Redner aus allen Berufsständen für Versammlungen lch werden zur Verfügung gestellt durch die Reichsgeschäftsstelle in Oberlais! 0 Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft. 10 Professor Niemann⸗Gelsenkirchen, Bürgermeister Völker⸗Lich, Pfarrer Weidner⸗Oberlais. 9 an le n n e!!! p ̃7˙‚ de sch 2 4 0 je der Wille eines fre 2 S eräns 8 an, Das romisch⸗bayerische Konkordat. daes ale bestnmende mache in Leben de bee r Leilg Es kann heute nicht mehr der geringste Zweifel rischen Staats verankert und dem kirchlichen Gesetzbuche, rann, bestehen, welches die Ziele des Ultramontanismus in das mit den Gesetzen jedes Staats in mehr oder weni u, Deutschland sind: Gegenreformation und Wiederherstel-⸗ taugen, lung der päpstlichen Herrschaft! Die deutschen Katho⸗ 9 bu, likentage, die Aussprüche ultramontaner Größen und iner. Zeitungen, die päpstlichen Rundschreiben und bischöflichen e Anga, Hirtenbriefe, das alles läßt deutlich erkennen,„den trau— Die, ligen Abfall von der römischen Kirche, der vor 400 Jah⸗ eto ken stattfand, wieder wettzumachen“.(Papst Pius XI. n ba, am 23. Mai 1923.) Einer der entscheidendsten Schläge hee Roms gegen Deutschland ist nun das sogenannte Kon— Alm kordat mit dem bayerischen Staate, das im folgenden Altun einer kurzen Betrachtung unterzogen werden soll. mögt Mit diesem Konkordat, das das Vorbild für ein sung de Reichskonkordat sein soll, bekam Rom einen Freibrief genehm für alle Maßnahmen, die ihm zu einer wirksamen . W Gegenreformation notwendig erscheinen. Von größter eden! Bedenklichkeit ist§ 2 des Artikels 1 in Verbindung eber. mit§ 2 des Artikels 15. Ersterer lautet;„Der bayerische Staat anerkennt das Recht der Kirche, im Rahmen ihrer Zuständigkeit Gesetze zu erlassen und Anordnungen zu treffen, die ihre Mitglieder binden. Er wird die Ausübung dieses Rechts weder hindern noch erschweren.“ Dazu der§ 2 des Artikels 15:„Mit Inkrafttreten des gegenwärtigen Konkordats wird das Konkordat vom Jahre 1817 als nicht mehr geltend er⸗ klärt. Insoweit bisher erlassene und noch in Kraft be⸗ findliche Landesgesetze, Verordnungen, Verfügungen mit den Bestimmungen dieses Vertrages in Widerspruch stehen, werden sie aufgehoben.“ Diese beiden Bestim⸗ mungen zusammen sind in der Tat und Wahrheit eine Blankovollmacht für die Kirche gegenüber dem Staate, Mk. 6— f C f Osterglaube. in Halt N Lukas 24,34. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Ich sitze in meiner Studierstube und bin im Begriff, die Osterandacht für unsere„Evangelische Warte“ zu schreiben. Ein 350. Freund tritt zu mir, liest, was ich als Ueberschrift gerade ge⸗ a schrieben habe. Dann fragt er mich:„Warum schreibst Du denn keine Karfreitagsandacht, sondern eine Osterandacht?“ So denken leider heute sehr viele. An Karfreitag halten sie fest, aber ein 5 Ostern wollen sie nicht anerkennen. An den Tod des Heilands 900. am Kreuze wollen sie glauben, aber an den Auferstandenen glau— ben sie nicht. Der Opfertod ist ihnen noch etwas Großes, aber die Auferstehung etwas Unbegreifliches. Sind das nicht schlimme Pessimisten, die hoffnungslos beim Tode stehen bleiben und vom 1* 3 250. Leben nichts wissen wollen? Ist denn überhaupt bei dem größ⸗ b ten Optimisten, der je über die Erde gegangen ist, es möglich, von bilden seinem Karfreitag zu reden, wenn nicht zugleich die Ostersonne 1 350 Hell über seinen Tod scheint? Nein Karfreitag hat keinen Sinn N ohne Ostern! Darum will ich heute von der Hauptsache reden, von der diese Festtage handeln und berichten von der Auf⸗ erstehung Jesu. Wenn wir jetzt in die erwachende Natur hinausgehen, dann atmet um uns alles Leben, Leben, Leben. Wer will sich beim Tod aufhalten? Wir wollen vom Leben reden!„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“, sa verkünden uns die Jünger am 0 Gul Ostermorgen. Jesus lebt, so jubelt die ganze Christenheit heute . guelt noch über das Geschehen von damals. Was haben die Feinde aha des Christentums nicht alles getan, um diesen Jesus tot zu 1 ge, nachen]! Aber kein Todesurteil, kein Kreuz, kein Stein, kein pn Grabsiegel reichten aus, ihn wirklich tot zu machen. Anstatt 0 Untergang verkündet uns der Ostertag den Sieg des Lebens über lten, den Tod. Dieser Sieg hat die ersten Christen begeistert, für ihren Glauben zu leiden und zu sterben. Wahrhaftig, wenn sie o die 0 ger schroffem Widerspruche steht, als alleiniger Rechts quelle Geltung verschafft wurde. Nach diesen beiden Paragraphen hätte man sich alle anderen ersparen können, denn aus ihnen ist alles andere abzuleiten. Auf die Frage, welche Gesetze usw. durch den§ 2 des Artikels 15 außer Kraft gesetzt würden, ist die baye rische Regierung auch während der Konkordatsver handlungen bis heute die Antwort schuldig geblieben. Wie bedenklich diese beiden Artikel sind, erhellt schon aus der sehr vom Staat abweichenden Anschauung der Kirche über die Ehe. Die Zivilehe kennt die Kirche nicht und verfolgt sie, wo sie kann. Die nicht katholisch ein— gesegnete Mischehe ist aber nach den neuesten Bestim— mungen des kirchlichen Gesetzbuches nichts anderes wie Konkubinat und die daraus entsprungenen Kinder un— eheliche Kinder! Eine nichtkatholisch eingesegnete Mischehe ist also nach der Meinung der Kirche jederzeit ebenso böslich wie ein Verhältnis! Und nun stelle man sich vor, daß solche Anschauungen noch mehr als bisher von der Kirche in ihrer Ehenpraxis zur Gel— tung gebracht werden, welche Verwirrung das im Volksleben anrichten muß! Da, wo der Staat höchstes Interesse haben müßte, einzuschreiten und für Ord— nung zu sorgen, ist ihm dieses Recht genommen! Die Ordenstätigkeit der Kirche ist ebenfalls ganz der staatlichen Aufsicht entzogen. Es können beliebig viele Klöster gegründet und der Privatbesitz der Orden beliebig vermehrt werden. Die Ernennung der Theo— logieprofessoren und Religionslehrer an höheren Lehr⸗ anstalten bedarf der Genehmigung der bischöflichen Be— nur Karfreitag gehabt hätten, dann wäre niemand für den Christenglauben gestorben! So aber war es ein fester Glaube daß Jesus lebt. Da konnten sie sieghaft für ihren lebendigen Christenglauben kämpfen, bis sie das morsche Heidentum unter— graben hatten. Der Auferstehungsglaube hat ihnen Furchtlosig⸗ keit und Kraft verliehen, wie wir beides nicht mehr in der Ge⸗ schichte sehen. Auch wir müssen wieder einen lebendigen Osterglauben haben. Was haben die Menschen davon, die lange Ueberlegun gen anstellen über die verstandesmäßige Erklärung der Auf erstehungsgeschichte? Unser menschlicher Verstand hat sich mit der Zeit als so unzulänglich erwiesen, daß wir uns bei jeder Neuerfindung wundern, weil unser Verstand es vorher für un möglich erklärt hatte. Also gibt es ja genug in der Welt, was der menschliche Verstand einfach nicht zu fassen vermag. Lassen wir demnach unseren Verstand in Ruhe, sondern glauben schlicht, wo wir zu verstehen aufhören. Denn der Auferstehungsglaube ist das wichtigere. Mit dem Osterglaube gewinnen auch wir die Weltüberwindung, die wir an den Urchristen bewundern. Je schwerer wir es im Leben haben, je mehr wir kämpfen müssen, um so mehr sehnen wir uns nach einem weltüberwindenden Osterglauben. Christ sein, muß demnach schwer sein! Alle die Christen, denen die Glaubenstreue zur Prüfung und Verfolgung geworden ist, haben fest an den geglaubt, der von den Toten auf erstanden ist. Ostern war ihnen die Gewißheit, daß das Leben über den Tod gesiegt hat. Ostern strahlte zu allen Zeiten seine besondere Kraft aus im Christentum. Ostern war Grund zu der felsenfesten Ueber zeugung, daß das Christentum unüberwindlich ist in der Welt. Ostern ist uns in Zeiten, da man unseren Heiland aufs neue an das Kreuz schlagen will, die Quelle der Hoffnung und Zu versicht. Wenn man in unseren Zeiten Jesus als tot erklären will, Ostern verkündet dann immer wieder hell und deutlich: „Jesus lebt, der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ Er ist arte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Wiederholungen Vergünstigung. Bei Nummer 14. „Das Christentum muß als übereinstimmend mit der Vernunft und als reiner und vollendeter Ausdruck dieser Vernunft, außer welcher es keine Wahrheit gibt, sich selbst beweisen, wenn es auf irgendeine Gültigkeit Anspruch machen will.“ Johann Gottlieb Fichte. hörde. Beanstandungen seitens derselben müssen vom Staat unverzüglich beachtet werden. Am schwersten und härtesten jedoch wird die Volks— schule betroffen. In Artikel 5 fordert die Kirche solche Lehrkräfte,„die geeignet und bereit sind, in verlässiger Weise in der katholischen Religionslehre zu unterrichten und im Geiste des katholischen Glaubens zu erziehen.“ Diese Eignung ist vor der Anstellung nachzuweisen und muß sich„sowohl auf den Religionsunterricht wie auch auf jene Fächer, die für den Glauben und die Sitten bedeutungsvoll sind“, beziehen. Wird nun gegen irgend einen Lehrer, der z. B. Geschichte nicht im Sinne der kirchlichen Anschauung, sondern auf Grund der geschicht— lichen Forschungsergebnisse erteilt, eine Anzeige er— stattet, so ist die Regierung verpflichtet, für Abhilfe zus sorgen. Dem Spitzeltum ist damit Tür und Tor ge— öffnet. Ein Lehrer, der die Erteilung des Religions- unterrichts aus Gewissensgründen ablehnt, darf auch in weltlichen Fächern an einer Konfessionsschule nicht mehr unterrichten. Damit ist der Grundsatz der Gewis— sensfreiheit vollständig preisgegeben. Artikel 5 des Konkordats ist unvereinbar mit Artikel 149, Absatz 2, der Reichsverfassung, der ausdrücklich bestimmt: „Die Erteilung religiösen Unterrichts und die Vornahme kirchlicher Verrichtungen bleibt der Willens— erklärung der Lehrer überlassen.“ Und das Zentrum war es, das in den Beratungen über die Verfassungs— urkunde in Weimar den Antrag über die Gewissens— freiheit dellte, ohne dabei auf den Widerstand der „Bayerischen Volkspartei“ zu stoßen.— Dazu ver— gleiche die Bayerische Verfassung von 1919, die„den Beamten die Freiheit der religibsen und politischen Ge— sinnung gewährleistet“. Das bayerische Konkordat von 1924 widerspricht nicht nur dem Wortlaut und Sinn der Reichs- und Landesverfassung, sondern auch dem neuen katholischen Kirchenrecht von 1918, wonach den Pfarrern die sorg⸗ fältige Ueberwachung nur des Religionsunterrichtes geboten ist. Das stellt klar die Doppelzügigkeit der ultramontanen Moral heraus. Evangelische und ihr nach Freiheit und Wahrheit dürstenden Katholiken lest „Das Papsttum in seiner sozial⸗kulturellen Wirksam⸗ keit“ von Graf von Hoensbroech, 2. Teil:„Die ultra⸗ montane Moral“! stärker als alle seine Mörder, er siegt zuletzt über alle seine Feinde. Er ist ja stärker als der Tod. Vor ungefähr 50 Jahren, da wollte man diesen Jesus in ein sicheres Grab legen. Es war das Grab der neuesten Wissenschaft. Diese Verstandeswissen— schaft sollte den„Aberglauben“ des Christentums beseitigen. Es war für mich eine erhebende Stunde, als ich einem neu— zeitlichen Biologen zuhören konnte, wie er aus der Naturwissen schaft heraus bewies, daß es ein Zeichen von wissenschaftlicher Rückständigleit sei, wer das Christentum verstandesmäßig für überwunden erkläre Da sind also auch diese wissenschaftlichen Steine mit ihrem Verstandessiegel gesprungen. Jesus ist aufer— standen!„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ So ist uns Ostern ein frohes Freudenfest. Leben atmet alles draußen in der Natur. Vom Leben singen unsere Osterweisen. Wie der Frühling gesiegt hat über den rauhen Winter, so singen und sagen wir Christen vom Sieg unseres Herrn und Heilandes über den Tod, und stimmen ein in das Jubellied des großen Apostels Paulus:„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der üns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum.“ Ostern, Ostern, Frühlingswehen, Ostern, Ostern, Auferstehen Aus der tiefen Grabesnacht! Blumen sollen fröhlich blühen, Herzen sollen heimlich glühen, Denn der Heiland ist erwacht! Der im Grabe lag gebunden, Hat den Satan überwunden, Und der lange Kerker bricht; Frühling spielet auf der Erden, Frühling solls im Herzen werden, Herrschen soll das ewige Licht. Amen Hr. * 15 Sonnabend, den 3. April 1926. „Evangelische Warte“ Nr. 14. Von schwerwiegendster Bedeutung ist auch Artikel katholischen Katechismus so gut wie nicht zu finden. 14 des Konkordats. mische Stuhl in der Ernennung der Bischöfe völlig freie Hand hat. Der Staat wird zwar formell gefragt, ob er Bedenken„politischer Natur“ gegen einen Kan⸗ didaten hat, sollten aber solche vorliegen, so ist der römische Stuhl nicht verpflichtet, die Kandidatur zurück— zuziehen! Selbstverständlich kann es weder dem Volke noch dem Staate gleichgültig sein, wer jeweils zum Bischof ernannt wird. Wie berechtigt aber Bedenken gegen den Artikel 14 sind, beweist allein der Amtseid der Bischöfe, in dem heute noch u. a. folgende Stelle vor⸗ kommt?„Die Irrlehrer, die vom apostolischen Stuhle Getrennten(d. h. also alle Nichtkatholiken), die Em⸗ pörer wider unsere Herrn und seine Nachfolger werde ich nach Kräften verfolgen und bekämpfen.“ In Rom wird man nun selbstverständlich das größte Interesse daran haben, nur solche Kandidaten zu Bischöfen zu ernennen, die die Gewähr bieten, daß sie obiger Ver— pflichtung weitgehend auch durch die Tat nachkommen. Man braucht kein Wort darüber zu verlieren, was das etwa für den konfessionellen Frieden bedeutet. Darum ißt es geradezu ein Frevel, daß in dem bayerischen Konkordat der römische Stuhl überhaupt zu nichts verpflichtet wurde. Der Staat ist hier lediglich zum Büttel der Kirche erniedrigt, der all den Winken und Weisungen derselben nachzukommen hat. Das ganze Konkordat enthält nur Pflichten des Staates, und das soll ein gegenseitiges Uebereinkommen sein! In Wirk- lichkeit ist es ein Diktat, unter das sich die hörige baye— risch-ultramontane Regierung willig und gern unter— worfen hat!— Schlimm sind auch die finanziellen Leistungspflichten, auf die ich aber nicht näher eingehen will. Uns Evangelischen ist die mit dem Konkordat Hier wird bestimmt, daß der rö⸗ Losung gegeben: Ablehnung und Bekämpfung jedes ultramontanen Einflusses, wo wir ihm begegnen! Diese Losung gilt besonders uns evangelischen Laien, den evangelischen Brüdern und Schwestern in Bayern, die die evangelische Führung so schmählich im Stich ließ, indem sie mit ihren Verträgen auch dem Kon— lordat zur Annahme verhalf. Führung?! Ich frage mich allen Ernstes: können wir in der lutherischen Kirche überhaupt gegenwärtig von Führung sprechen? Dem Ultramontanismus gegenüber gewiß nicht! Warum schweigen unsere Kanzeln? Glauben unsere Pfarrer zu hetzen, wenn sie uns Laien über das wahre Wesen des Ultramontanismus aufklären? Aufklären, ohne Haß zu säen, aufklären in heißer Liebe zur christ— lichen Wahrheit! So nur vermag sich die Lutherkirche im Zerfall unserer Kultur zu erhalten, so nur der Aus- trittsbewegung und Sektenbildung entgegenzuwirken! Dabei muß aber noch eine andere unerläßliche Be— dingung von ihr erfüllt werden: der Wille zur Läute— rung an sich selbst! Kampf! Geistiger Kampf! Roms Leben steht still, Rom kommt vom Mittelalter nicht los, wir aber müssen vorwärtsschreiten mit dem Blick auf Christus! Dann mag kommen, was will! Auch noch ein Reichskonkordat? Meinetwegen! Roms Er— oberungen im Europa des 20. Jahrhunderts werden dann nicht groß, noch viel weniger von langer Dauer sein! Den nordischen Protestanten krempelt Rom nicht um. Was heute, immer und überall nur überzeugen kann, das sind Vernunftgründe! Vernunft aber ist im Osterlied. 1. Auf, auf, mein Herz mit Freuden, Nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großem Leiden Nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereist. 2. Er war ins Grab gesenket, Der Feind trieb groß Geschrei; Eh' ers vermeint und denket, Ist Christus wieder frei Und ruft: Viktoria! Schwingt fröhlich hie und da Sein Fähnlein als ein Held, Der Feld und Mut behält. 3. Das ist mir anzuschauen Ein rechtes Freudenspiel. Nun soll mir nicht mehr grauen Vor allem, was mir will Entnehmen meinen Mut Zusamt dem edlen Gut, So mir durch Jesum Christ Aus Lieb' erworben ist. 4. Die Höll' und ihre Rotten, Die krümmen mir kein Haar; Der Sünden kann ich spotten, Bleib allzeit ohn Gefahr. Der Tod mit seiner Macht Wird nichts bei mir geacht; Er bleibt ein totes Bild, Und wär er noch so wild. 5. Die Welt ist mir ein Lachen Mit ihrem großen Zorn; Sie zürnt und kann nichts machen, All' Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht Mein Herz und Angesicht; Das Unglück ist mein Glück, Die Nacht mein Sonnenblick. Was Christus von sich sagte: meine Worte werden nicht vergehen, das kann das in Wort und Tat sich widersprechende Rom nicht von sich behaupten! H. K. Reichsbote und Evangelüche Lolls⸗ gemeinschaft. Der„Reichsbote“(Berlin), begründet 1873 von unserem hessischen Landsmann Heinrich Engel, bringt in seiner Nr. 64 vom 17. März 1926 folgende Notiz: „Evangelische Volksgemeinschaft. Unter dieser Bezeichnung ist in Hessen eine neue politische Be— wegung, eine Art evangelische Volkspartei, ent⸗ standen. Ihr Organ ist das Wochenblatt„Evan— gelische Warte“. Bei den letzten hessischen Wah⸗ len im November 1925 hat die E. V. ein Mandat für den Provinziallandtag(Bürgermeister Völker— Lich) und 5 Kreistagsmandate errungen. Eine besonders scharfe Stellung nimmt sie dem Ultra— montanismus gegenüber ein. Die Reichsgeschäfts⸗ stelle der E. V. befindet sich in Oberlais, Post Nidda(Oberhessen).“ Diesem sachlichen Bericht fügt die Schriftleitung des„Rb.“ folgende Bemerkung an: „Mit Rücksicht darauf, daß jede Absplitterung die Bedeutung der nationalen Rechten schwächt, halten wir diese Erscheinung einer itio in partes (Sonderbildung) für bedenklich. Heute, wo es auf möglichste Zusammenfassung der nationalen Kräfte ankommt, won in den Wahlkämpfen un— geheure Geldmittel für die Agitation entscheidend sind)— man mag es beklagen, aber bei jedem demokratischen Wahlrechte ist es nun einmal so— können die kleinen Gruppen und Grüppchen keine starke Stoßkraft entfalten. Sie schwächen die große Rechte, ohne durch ihren Zuwachs den Verlust wieder wettmachen zu können.“ Hierzu möchten wir folgendes sagen: Der„Reichsbote“, der sich neuerdings„Tages— zeitung für das evangelische Deutschland“ nennt(als solche will übrigens auch die volksparteiliche„Tägliche Rundschau“ gelten!), ist in seiner Art zweifellos ein charaktervoller Vertreter der evangelischen Sache. Aber es schadet seiner Wirkung und Ausbreitung ebenso zweifellos, daß er diese Sache mit der Flagge einer be— stimmten politischen Partei(der deutschnationalen) deckt. Und nicht bloß ihm, sondern vor allem der evan— gelischen Sache selbst!(Das gleiche gilt natürlich für die volksparteiliche Einstellung der„Tägl. Rund- schau“.) Dabei hat der„Rb.“ von der Deutschnatio— nalen Volkspartei selbst bisher herzlich wenig Dank für sein Bekenntnis zu ihr geerntet. Wiederholt hat diese Partei den„Rb.“ da, wo er sich nicht ganz den Auflassungen ihrer Parteiinstanzen anpaßte, des— avouiert und als Außenseiter hingestellt. Aber das ist schließlich seine Sache, und wir achten und ehren die Treue, die dennoch bei der Stange bleibt. Hingegen *) Ist dann die Stärke der deutschnationalen Reichstags⸗ fraktion auch nur auf die hinter ihr 1 Ane Geldmittel“ zurückzuführen? Hat der„Rb.“ so wenig Glauben an die Kraft einer großen, leuchtenden Idee? Die Erfolge unserer E. V. könnten ihn eines Besseren belehren! 6. Ich hang und bleib auch hängen An Christo als ein Glied; Wo mein Haupt durch ist gangen, Da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sünd', durch Not; Er reißet durch die Höll, Ich bin stets sein Gesell. 7. Er dringt zum Saal der Ehren, Ich folg ihm immer nach Und darf mich gar nicht kehren An einzig Ungemach. Es tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an; Mein Heiland ist mein Schild, Der alles Toben stillt. 8. Er bringt mich an die Pforten, Die in den Himmel führt, Daran mit güldnen Worten Der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, Wird hier auch mit gekrönt; Wer dort mit sterben geht, Wird hier auch mit erhöht. Paul Wer mith bokennet. Von Erwin Gros. 2. Fortsetzung. Hans umfaßt ihre ebenmäßige Gestalt und ihr jugendfrisches Gesicht mit einem prüfenden Blick und derlich sie dann mit den Frauen, die dem Alter nach wohl die Mutter von Mariuschka oder der Braut sein konnten. Da war nichts mehr von Schönheit und Ebenmaß des Wuchses. Ihm fiel plötzlich ein Wort seines Lehrmeisters in Zweibrücken ein:„Zigeunermänner und Juden— weiber haben das beste Leben, beide tun ihr Lebtag gar nichts.“ Jetzt begriff er, daß die Zigeunerinnen frühzeitig altern müssen, weil ihnen, den Sklavinnen ihrer Männer, alle Lasten aufge— Gerhardt. 0 1 ö 1 0 —.— scheint uns dies der springende Punkt und die Frage, auf die es ankommt: 5 Was ist wichtiger: die Herstellung einer„großen nationalen Rechten“ oder die Schaffung einer evange⸗ lischen Volksgemeinschaft, die alle bewußt Evangeli⸗ schen sammelt und durch ihre Arbeit die sittlichen Grundsätze des Evangeliums im politischen, wirtschaft⸗ lichen, sozialen und kulturellen Leben unseres Volkes zur Geltung bringt? Ans deucht, die Antwort hierauf kann nicht zweifel⸗ haft sein. Wem die mannigfachen äußeren und inne⸗ ren Nöten unseres Volkes auf der Seele brennen, der erhofft ihre wirksame Behebung von keiner„nationalen Rechten“. Sondern er wird sich nach Menschen um⸗ schauen, die mit ihm zur Hülfeleistung Hand anlegen wollen im Geiste dessen, der einst gesagt hat:„Mich jammert des Volkes!“ Im Geiste Christi d. h.: in eng⸗ ster, innigster Gebundenheit an Gott und seine ewig⸗ gültigen sittlichen Normen, im starken Gefühl heiliger Verantwortlichkeit ihm gegenüber, in unbeirrbarer Entschlossenheit, nur ihn zu fürchten und sonst nichts in der Welt! Im Geiste des Evangeliums d. h. in Wahr⸗ haftigkeit, Treue und Gerechtigkeit, in Bruderliebe und Uneigennützigkeit, in Redlichkeit und Reinheit! Wir sind gewiß, daß es besser um uns stünde und besser bei uns würde, wenn Menschen, von solchem Geist er⸗ füllt, auf unser öffentliches Leben Einfluß gewönnen und immer zahlreicher hineinkämen auch in unsere Re⸗ gierungen und Parlamente! Muß uns nicht ein ein⸗ ziger Abgeordneter, dem es für sein Reden, Raten und Handeln oberste Norm ist, daß überall und in allem Gottes Wille geschehe, und höchstes Ziel, daß Gottes Herrschaft nicht bloß im Einzel-, sondern auch im Volksleben sich durchsetze— muß uns nicht ein und solcher Abgeordneter mehr wert sein als eine große Fraktion, die sich von ganz andern und oft genug über⸗ aus erbärmlich anmutenden Gesichtspunkten leiten läßt? Der„Reichsbote“ weiß es ebenso gut wie wir, wie einst der ganze Reichstag, ja das ganze Volk auf⸗ horchte, wenn der eine Adolf Stöcker im Parlamente das Wort nahm. Da war es, als wenn das christliche Gewissen seine Stimme erhob! Nicht Parteischablonen, die immer bloß ängstlich auf die Sätze ihres Partei— programms starren, nicht Schwächlinge, die immer nur, um die Erhaltung ihres Sitzes und den Verlust der Volksgunst besorgt, ausspähen nach den Mienen und Wünschen des„Herrn Omnes“ und der Massen, sofort bereit, sich diesen Wünschen zu fügen, auch, wenn das eigene Gewissen mahnt: tu es nicht!; nicht parteipoli⸗ tische Marionetten, sondern feste Charaktere, und zwar christliche, evangelische Charaktere, christliche Persönlichkeiten braucht unser öffentliches, auch unser politisches Leben, Auch der „Reichsbote“ wird nicht meinen, daß unsere Parlamente daran Ueberfluß hätten! Weil aber in den alten Par⸗ teien die christliche Einstellung nur eine untergeordnete Rolle spielt(vom Zentrum abgesehen, das für Evan⸗ gelische nicht in Frage kommt), darum fehlte uns bisher eine Organisation, die von ihren Wählern und Ab⸗ geordneten dies als das Erste und Wichtigste und Un⸗ erläßliche fordert, daß sie sich bewußt auf den Boden der evangelisch-christlichen Weltanschauung stellen. Jetzt haben wir diese Organisation in der Evange⸗ lischen Volksgemeinschaft! Denn das wird auch der„Reichsbote“ nicht be— Mit großer Wichtigkeit erwiderte das Mädchen:„O, Hans, ich bin mehr getauft wie du, zuerst lutherisch, dann reformiert zuletzt katholisch; katholischer Pfarrer hat geschenkt am meisten.“ Der Geselle lachte laut auf und fragte dann:„Ja, was bist du aber nun?“ mehr.“ diese Nacht bei uns. „O, ich bin die Mariuschka!“ „Willst du nicht einmal mir Bescheid tun, Mariuschka?“ Sie sah ihn lange an, dann erwiderte sie leise:„Du gefällst mir beter, als all die betrunkenen Schweine. Aber aus einem Becher darf ich nur trinken mit einem, der mein Mann werden will. Willst du das?“ Dann müßte ich ja mit euch wandern und hätte keine Heimat „O, Hans, wandern ist schöner als immer still sitzen. Wer wandert, ist frei wie der Vogel in der Luft, wer ein festes Haus hat, ist wie ein Vogel, der im Käfig hockt.“ Der Geselle schwieg. Nach einer Weile flüsterte das Mädchen:„Bleibe doch Noch ein paar Stunden, dann sind wir alle gänzlich vom Wein bezungen und liegen wie die Toten da. Dann will ich mit dir aus einem Becher trinken, dann schneit es rote Rosen und's regnet kühlen Wein.“ Mit verhaltener Stimme Knie und sah ihn mit heißeen und verheißenden Augen an, Ehe aber Hans Heeger antworten konnte, erscholl aus dem Ring der Feiernden ein scharfer Ruf:„Mariuschka!“ Ein junger Zigeuner hatte ihn ausgestoßen. Kaum konnte er noch auf den Beinen stehen, aber in der Rechten hatte er ein Messer, grauen⸗ haft verzerrt war sein Angesicht. Mariuschka griff rasch ver⸗ stohlen nach der Hand des Gesellen und drückte sie, und Hans Kreis und setzte sich neben den Häutling, ihren Vater. bürdet werden, damit ihre Herren sich der Faulheit hingeben können.— Und dann kam ihm in den Sinn, daß man in seiner Heimat die Zigeunr„die Heiden“ nannte; darum fragte er Mariuschka:„Bist du eigentlich getauft?“ erwidert den Druck. Dann erhob sie sich langsam, trat in den Dieser rief dem Wütenden ein kurzes Wort zu, worauf er sich duckte wie ein Hund, den in Stein getroffen hat. Hans Heeger aber saß mit zwiespältigen Gefühlen da; ein Feuerabend war in sein Blut gefallen und ließ es aufwallen. Wiederum aber war etwas in ihm, das ihn warnte.„Willst du dich selbst verspielen, ggen so niederen Einsatz dein ganzes Leben verspielen?“ sprach die Stimme in ihm.— In dem einen Augenblick waren die schöne Gestalt und die lockenden Augen vor ihm, im nächsten erschien Mariuschka ihm fremd und weltenfern:„Du gehörst nicht zu ihr.“ Die Sage von dem Ritter Tannhäuser kam ihm in den — ————— sang sie es, lehnte sich an seine 9 Sonnabend, den 3. April 1926. „Evangelische Warte“ streiten wollen, daß das bisherige Parteilun)wesen abgewirtschaftet hat und seiner langsamen, aber siche— ken Auflösung entgegengeht. Und zwar vor allem des— 11 weil seine Fundamente nicht tief und deshalb 1 chen ge. eli. icht mehr tragfähig genug sind. Die Evangelische 0 Volkspartei ist die Morgenröte einer Zeit, wo man 5 sich auch politisch nicht mehr nach„rechts“ oder„links“, ach„bürgerlich“ oder„proletarisch“, nach„mon⸗ Ãtchistisch“ oder republikanisch“, nach„national“ oder fel, international“ oder ähnlichen Losungen, sondern nach une. Weltanschauungen orientieren und umorgani— stieren wird! Die Alternative der Zukunft wird sein: hristliche oder nichtchristliche Politik(d. h. Gestaltung der äußeren und inneren Verhältnisse in Volk und egen Staat). Die alten Parteien werden zerbröckeln und hre Angehörigen demjenigen Weltanschauungsblock sich anschließen, zu dem ihre innere Ueberzeugung sie hin— sieht. Ist es nicht z. B. heute schon sinnlos geworden, bon einer„nationalen Rechten“ zu reden? Gewiß laren meint der„Reichsbote“ nicht, daß es eine„nationale in Linke“ gibt. Aber das ist's ja gerade, was wir bei die⸗ ahr ser Einrubrizierung als irreführend und verhänanis— und voll bezeichnen müssen: daß man so tut(auch auf Sei— Wil een des„Rb.“), als sei nur der„national“, der sich zur bel ßolitischen„Rechten“(dazu gehören nach der Ansicht ker, des„Rb.“ zuerst die Deutschnationalen, dann die Völ⸗ inen sischen und, wenn man ein Auge zudrückt, allenfalls e. goch die Volksparteiler, die indessen schon recht„un— chere Kantonisten“ sind) bekennt! Wir fragen den Reichsboten“: Was scheint Dir für unser Volksleben len 9 wichtiger: daß einer ein ganzer Christ oder ein ganzer daß Nationaler“ ist? Und wir fragen ihn weiter: willst dern zu denen, denen Gottes Wille und Sache nicht nur ei seben, sondern über dem eigenen Volke steht, die aber goße gerade von solcher höheren Warte aus unserm Volke über- am besten dienen zu können glauben, das nationale Ge— en fühl, die warme Liebe zu Volk und Vaterland ab— wit, prechen? Ist's nicht vielmehr so, daß mit der Gottes— auf, siebe auch immer die rechte Vaterlandsliebe(auch lente genn sie sich nicht immer im Sinne der„großen Rech— tlie en“ betätigt) verbunden ist? Wir fragen ferner: onen, glaubst du, daß der Deutschnationalen oder sonst einer ate, hartei der„Rechten“ die christ lichen und christlich— nut, zialen Gesichtspunkte obenan(also vor den„na⸗ den sonalen“) stehen? And dann: die„Rechte“ fordert und ans Bekenntnis zur Monarchie; aber muß man, sosot im national zu sein, denn auch unbedingt sich zum b das gonarchistischen Prinzip bekennen?(Der Evangelischen ipl' ßolksgemeinschaft können überzeugte Monarchisten ere, und überzeugte Republikaner gleicherweise angehören.) lter, dder soll der monarchistische Gedanke etwa gar zum unser dusen des Christentums gehören?(Wozu in Klam⸗ der ern bemerkt sei, daß der Schreiber dieser Zeilen selber nente der monarchischen Regierungsform den Vorzug gibt; Par, lehnt es aber mit der E. V. ab, daraus für Anders⸗ duete senkende einen Gewissenszwang zu konstruieren!) Wei⸗ van, er fragen wir: hält der„Reichsbote“ es nicht für be⸗ nicht seine parteipolitische Ueberzeugung— niedergelegt hat, nimmt der Kirche in den Augen der Sozialdemo— lraten und Kommunisten ihr deutschnationales Odium doch nicht ab!) gewählt worden ist. Dieser Kirchen— senat scheint in seinen Laienmitgliedern überhaupt nur Angehörige der politischen Rechten zu haben. Ist dem „Rb.“ klar, was für eine schwere Belastung für die evangelische Kirche Preußens das— und nicht nur bei den Linksparteien— bedeutet? Und wäre es nicht Aufgabe gerade einer„Tageszeitung für das evange— lische Deutschland“, statt für eine bestimmte Partei sich einzusetzen, immer wieder zu betonen: der„Rb.“ will für alle Evangelischen(und nicht bloß oder doch vor— nehmlich für die Deutschnationalen da sein! Und end⸗ lich fragen wir den„Rb.“ glaubst du im Ernst, daß die evangelisch-kirchlichen Interessen, besonders auch Rom und seiner stattlichen Meistbegünstigung gegenüber, bei der Deutschnationalen Volkspartei in treuen Händen liegen, bei der Partei, bei der jeder zehnte Abgeord— nete ein Katholik ist, deren Reichstagsfraktion sogar ein römisch-katholischer Geistlicher angehört, bei der Partei, die einst Ludendorff abschüttelte, weil dessen freimütige Worte über die dem evangelischen Deutsch— land drohende römische Gefahr den deutschnationalen Katholiken mißliebig waren? Ist es einer solchen Partei noch zuzutrauen, daß sie den Willen und die Kraft hat, dem weiteren Vordringen des römischen Sauerteigs in Reich und Volk(und Regierungsstellen!) mit freiem Wort und entschiedenem Handeln wirksam zu wehren? Wir fürchten, der„Reichsbote“ wird uns auf all diese Fragen die Antwort schuldig bleiben müssen. Er wird nun aber vielleicht auch erkennen, warum uns die Gründung einer Evangelischen Volksgemein— schaft unabweisbares Bedürfnis und heilige Gewissens— pflicht gewesen ist und warum wir uns nicht mehr länger mit den unzulänglichen Surrogaten der alten(das Evangelisch-Christliche nur noch als Dekoration, nicht mehr als Kraft gelten lassenden) Parteien begnügen konnten. Unserer persönlichen Wertschätzung für den „Reichsboten“ wird auch diese Auseinandersetzung keinen Eintrag tun, ja wir hoffen, noch die Zeit zu er— leben, wo der„Reichsbote“ sich als Tageszeitung nicht nur des deutschnationalen, sondern des ganzen evan— gelischen Deutschland fühlen und geben wird. Dann wird er auch auf den Leserkreis der Evangelischen Volksgemeinschaft rechnen können! Christian Deutschmann. Wothensthau. Im Deutschen Reichstag erstatteten der Reichs— lanzler Dr. Luther und der Reichsaußenminister Dr. Stresemann Bericht über Genf. Zum Schlusse wurden nach erfolgter Aussprache alle Mißtrauensanträge ab— gelehnt und Billigungsantrag der Regierungsparteien mit den Stimmen der Regierungsparteien, der Sozial— demokraten und des Bayerischen Bauernbundes ange— nommen. Die Wirtschaftspartei enthielt sich der Stimme. Die Billigungsformel hat folgenden Wortlaut: „Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichs⸗ regierung und die Haltung der deutschen Abordnung in Genf. ish zenklich, wenn in weiten Volksschichten sich die Ueber⸗ 0 Ab zugung verstärkt, daß das Bekenntnis zur evangeli— d Un, hen Sache gleichbedeutend mit der Zugehörigkeit zur Boden qlitischen Rechten sei? Es sei nur erinnert an die ellen. Pahl der obersten Instanz der preußischen Landeskirche, nge es Kirchensenates, zu dessen Vorsitzenden der Vor⸗ hende der Deutschnationalen Volkspartei, Winkler t be. aß er jetzt taktvoller Weise dies Amt— aber gewiß — Hals, z inn, der in das Reich der Teufelin, der Frau Venus, geriet nie nd aus ihren Armen nicht mehr loskam. ntan Und er summte die Weise eines alten Volksliedes, das man i seiner Heimat davon sang. Plötzlich aber verstummte er. as bit Zwei Zigeuner standen auf der andern Seite des Apfel⸗ daumes und sprachen mit einander. „Du hast es gut“, sagt der eine,„du kannst mit den “ heibern und Kindern übr die Höhe vorausfahren, ich aber gefällt muß meine Haut zu Markt tragen.“ einen„Ach was“, verwiderte der andere,„du Hasenherz, die Sache welden t doch nicht gefährlich. Wenn morgen früh das ganze Dorf au dem Feld ist nach Seulberg zu, und nur ein paar alte Heinnt Ränner und Weiber noch im Dorfe sind, dann ist's doch gar ihts für euch, die ihr bald vierzig Leute seid.“ „ Pe Zauerst hatte Hans Heeger in dem allgemeinen Jubel und b Haus Iubel der Worte nicht acht. Nun aber begann er zu lauschen und erfuhr, daß ein Ueberfall auf ein ihm unbekanntes Dorf Lolzhausen geplant sei, das aber seinr Meinung nach in der he dah Jähe liegen mußte. Dort sollte ein Wagen und allerlei Haus— ind wit u für das junge Paar, dazu zwei Pferde aus einem bestimmten aten du. use gestohlen werden. schneit Nach einer Weile ging der ein Zigeuner auf die Wagen zu, d andere aber schritt am Baum vorbei. Plötzlich wurde er des in deine emden Gesellen gewahr, den er noch nicht gesehen hatte, denn er an. nir bei den Pferden gewesen. Er warf Hans einen mißtraui— sten Blick zu; der aber reichte ihm mit harmloser Miene den jus dess junger et des Weines dar:„Zur Gesundheit!“ 5 auf den Der Zigeuner nahm den Becher, trank ihn leer und fragte: gtnuel⸗„Jo bist du her?“ sch ven Hans Heeger wies mit der Hand westwärts, wo die Sonne d Hanz on niederging:„Aus der Pfalz, das ist sehr weit von hier.“ in ben„Ich kenne die Pfalz“, erwiderte der Zigeuner,„der Wein dieset Int ist besser als hier.“ 9 duct Dann entfernte er sich und setzte sich zu den Zechern, um szuholen, was er versäumt.(Fortsetzung folgt.) da; ein a— n Neues aus dem japanischen Leben . 5= 28er 11% und der Japan⸗Mission. Je Von Missionsdirettor D. Dr. Witte 10 4. Fortsetzung. Das große Volk, bis in die höchsten Kreise, hinein, hat an deem Phantheismus kein Genüge, und da die eine Gottheit — ist er die Idee Geburt. Nr. 14. . ere Er bedauert den den berechtigten deutschen Er— wartungen nicht entsprechenden Ausgang der Genfer Verhandlungen. Der Neichstag erwartet von der Reichsregierung die alsbaldige Erwirkung von Garantien dafür, daß die Rückwirkungen des Vertragswerks von Locarno, insbesondere im besetzten Gebiete, mit größter Be— schleunigung einer den berechtigten deutschen Forde— rungen Rechnung tragenden Lösung zugeführt und so bereits vor dem Eintritt Deutschlands in den Völker— bund die Erklärungen wirksam werden, die zwischen den am Vertrag von Locarno beteiligten Mächten in Genf über Aufrechterhaltung und Fortführung der Locarno— politik vereinbart worden sind. v. Guérrard und Fraktion, Dr. Scholz und Fraktion, Koch⸗Weser und Fraktion, Leicht und Fraktion.“ In London tagt die Arbeitszeitkonferenz, von der berichtet wird, daß die klaren Darlegungen des Herrn Ministers Braun über die tatsächkich geltenden Ar— beitsstunden in der deutschen Industrie tiefen Eindruck gemacht haben. Er trat erfolgreich auf Grund un— widerleglichen statistischen Materials der hier so viel verbreiteten falschen Ansicht entgegen, daß in Deutsch— land von einem neun- oder gar zehnstündigen Arbeits— tage gar nicht die Rede sei. Es dürfte das auch seine nachhaltige Wirkung auf die Politiker und Industriel— len ausüben, die stets geneigt sind, von einem unfairen Wettbewerb Deutschlands wegen seiner so viel längeren Arbeitszeiten'zu reden. Das neue deutsch-portugiesische Handelsabkommen ist am 20. März in Lissabon unterzeichnet worden. Das Abkommen enthält im wesentlichen die Vereinbarungen des bisherigen vorläufigen Handelsabkommens. In China hat General Feng eine Niederlage erlitten. Die Kuominschun-Truppen haben Tientsin geräumt und ziehen sich nach Peking zurück. Partei- gänger des Generals Litschinglin, die sich in der Fremdenniederlassung verborgen gehalten hatten, nah— men die Stadt in Besitz. Unser Reichspräsident von Hindenburg hat am 21. und 22. März die Hauptstädte des befreiten Rhein— landes besucht. In Köln und Bonn fanden begeisterte Empfangsfeierlichkeiten statt. Die philosophische Fa⸗ kultät der Universität Bonn hat im Einverständnis mit der juristischen Fakultät dem Reichspräsidenten den Doktor der Staatswissenschaft ehrenhalber verliehen. Gleichzeitig hat v. Hindenburg die Ehrenmitgliedschaft der Bonner Studentenschaft angenommen. Im Steuerausschuß des Reichstags teilte Reichs finanzminister Dr. Reinhold mit, daß als Ergebnis von Verhandlungen, die am Sonnabend und Sonntag mit den Regierungsparteien stattgefunden haben, die Re— gierung ihre Steuervorlage in der Weise geändert hat, daß die Umsatzsteuer nicht auf 0,6, sondern auf nur 0,7½ v. H. ermäßigt, die Weinsteuer— ebenso wie die Schaumweinsteuer— vollständig aufgehoben und die Erhöhung der Biersteuer bis zum 1. Januar 1927 ver⸗ schoben werden soll. Außerdem soll bei der Vermögens⸗ steuer eine Erleichterung für die kleinen Vermögen ein— treten. An der vollständigen Aufhebung der Luxus⸗ steuer zum 1. April wird festgehalten. * *— ihnen keine persönliche Gemeinschaft und keine Hilfe geben kann, weil sie ja unpersönlich und unberührt über allem thront, so suchen sie Halt, Hilfe und Frieden bei den vielen Göttern, in denen von ihnen das Ewige als wirklich und lebendig geglaubt Das mutet nun ganz eigenartig an, wenn man das sieht, wie jetzt im 20. Jahrhundert dies kluge Volk zu den vielen, wird. in Wirklichkeit toten Göttern betet. Im Inland, am Meer, da, wo die Sonnengöttin ihren großen Tempel hat, stehen sie ganz früh in der Dämmerung. Wenn dann der Sonnenball dem Ozean entsteigt, legen sie die Hände flach aneinander, neigen das Tausende stehen da, oft dicht Haupt und beten die Sonne an. gedrängt, Kopf an Kopf, eine große, andächtige Menge. In wundervoll verzierten, vergoldeten Altarschreinen stehen die Buddhafiguren im Hintergrund der stillen, weihevollen Tempel— hallen. Da liegen sie auf ihren Knien, werfen ein Geldstück in den Altarraum, beugen das Haupt bis zur Erde und murmeln vielfacher Wiederholung das ihre Gebete oder sprechen in heilige Wort ihrer religibsen Sehnsucht:„Namu Amida butsu“, „Amida Buddha, du unsere Zuflucht“. Und dieser Amida ist doch nur eine Phantasiegestalt, die nicht gelebt hat. Der Lehre nach ein Gott, zu dem man betet. In beiden Religionen gibt es ungezählte Götter. der Binzuru, ein Heilgott, der gegen Krankheiten hilft. Man streichelt der Götterfigur das Glied, das einem selbst Schmerzen macht, und dann schnell den eigenen Körper, opfert Geld und betet, so sucht man Hilfe. In Liebessorgen, bei Kinderlosigkeit oder anderem häuslichen Leid geht man zum Fuchsgott. bindet ihm ein Stück roten Unterrockstoff um den Hals,— das tut man sogar auch bei den Buddhas— darauf muß er helfen. Man schreibt die Wünsche auf ein Stück Papier, faltet es schmal zusammen u. bindet es dem Fuchsgott um die Beine oder knotet es in die Gitter vor den Altären anderer Götter oder bindet es um einen Zweig eines heiligen Baumes oder befestigt es an einem Holzstäbchen und steckt dies kleine Fähnchen in den Boden des Tempelparks. Viele Tausende solcher Zettel findet man längst der Wege. Da ist der Djisso, der Gott der Wanderer, der Mütter und der Kinder, dargestellt als eine Mannesfigur mit einem langen Stabe. Auch ihm bindet man weiße und rote Lätzchen um, steckt Visitenkarten an seinen Altar. Eine hoffende Mutter bringt einen durchlochten Stein, sie wünscht eine leichte Eine andere wünscht reichlichere Mutternahrung für ihr Kind, sie bringt zwei Frauenbrüste, aus Stoff geformt. Man stellt als Gaben kleine Fuchsfiguren hin, auch kleine Rinder aus der erbarmenden Buddhaliebe, dem Volke ist er opfern und finden doch keinen Frieden. Da ist Man in einen Fuchsgott-Tempel— * Papiermasse oder Porzellan, oder opfert Hölzfafelft, auf denen sind Pferde, Rinder, Schlangen und Fische bunt aufgemalt. Man fühlt auch die Unreinheit des Menschen dem Göttlichen gegen— über. So spült man den Mund aus, reinigt die Hände und voll— zieht Heiligungsbäder. Man nimmt ein Stück Papier, wie eine Menschenfigur geschnitten, der muß der Priester alle Sünden zusprechen, die den Beter bedrückt. Dann wirft man die Papier⸗ figur in einen Bach, so geht die Schuld hinweg. Aber es gibt unzählige Götter. Nie weiß man, ob man beim rechten Gott war, ob man si nicht noch die Gunst anderer sichern muß; und es gibt auch böse und neidische Götter, Unholde, die Freude daran haben, die Menschen zu quälen. So fürchtet man selbst die Seelen der eigenen Verwandten, die im Jenseits ein ödes, trauriges, freud⸗ loses Schicksal haben, wenn sie nicht von den Hinterbliebenen mit Opfern an„Totengeld“ und Gaben aller Art versorgt wer— den. Im Falle der Vernachlässigung senden sie den eigenen Kindern Krankheit und Unglück, ins Haus. So ist es der Glau⸗ ben des Volkes. Daher liegt eine dauernde religiöse Unrast über ihrem Leben. Sie laufen von einem Gott zum andern, von einem Tempel zum andern und opfern und beten, beten und Da merkt man dann, wie wunderbar erhaben, einzigartig und wirklich erlösend der christliche Glaube an den einen, alleinigen Gott und Vater ist, in dessen Liebe wir uns geborgen wissen, der uns die Sünde ver—⸗ gibt, der ganz allein unser Schicksal in der Hand hat und der nur Heil für uns will. In Tokyo ging ich im Mai 1924 im Dämmern des Abends In der Haupthalle brannten schon viele Lichter. Im schattigen Hof war es bereits dunkel. Da trht vor eine der Seitenbauten, in dem hinter einer Zaunwand der heilige Schrein des Gottes stht, eine alte Frau. Sie hing als Opfer für den Gott vor dem Heiligtum ihre Haare auf, die sie sich abgeschnitten hatte, ein dickes Bündel langer, schwarzer Haare. Tief bekümmert war ihr Gesicht. Sie läutete an dem Glöckchen, das vor der Zaunwand hing, u. murmelte lange, lange ihr Gebet. Plötzlich überkam es die Frau, ich weiß nicht, wie Wut oder wie Verzweiflung: sie hob ihre zu Fäusten geballten Hände und schlug wieder und immer wieder gegen die Bretter— wand, Ist das nicht wie ein unbewußtes Ahnen, daß ihnen von jenseits der Wand, aus dem Götterschrein, doch keine Antwort kommt, daß ihr Beten doch nur ein Rufen ist in das Leere hinein? Mit müdem Blick und Schritt ging sie davon. (Fortsetzung folgt.) Sonnabend, den 3. April 1926. „Evangelische Warte“ Reuerlither Kirthenraub in Polen. Aus Bromberg wird der„Täglichen Rundschau““ geschrieben: Der Kirchenraub in Netzthal, der weit über die Grenzen Polens in der ganzen protestantischen Welt Aufsehen und Empörung erregte, scheint Schule zu machen. In Krojanten im Kreise Konitz haben die polnisch⸗katholischen Einwohner unter Führung ihres eifrigen Propstes alle Hebel in Bewegung ge⸗ setzt, um die evangelische Kirche des Ortes in ihren Be⸗ sitz zu bekommen und haben jetzt den Erfolg zu verzeich⸗ nen, daß nicht etwa bloß untergeordnete Dienststellen, sondern die verantwortliche Regierungsbehörde den Evangelischen ihre Kirche weggenommen und den katho⸗ lischen Bewohnern zugesprochen hat. Die evangelische Kirche in Krojanten ist im Jahre 1893 von dem evan⸗ gelischen Rittergutsbesitzer, Freiherrn von Eckardt⸗ stein für seine evangelischen Glaubensgenossen erbaut worden und befand sich seitdem, also seit 33 Jahren, im unangefochtenen Besitz der evangelischen Gemeinde. Freiherr von Eckardtstein verkaufte im Jahre 1910 sein Gut an die Ansiedlungskommission, die der zuständigen evangelischen Kirchengemeinde Konitz die Kirche in Krojanten nebst 300 Morgen Wald als Eigentum auf— ließ. Die 300 Morgen Wald wurden der Gemeinde bereits im Jahre 1921 vom polnischen Staate wegge— nommen, indem man die Kirchengemeinde ebenso wie die annullierten Ansiedler behandelte. Die Kirche war dagegen nach wie vor im rechtmäßigen Besitz der evan— gelischen Gemeinde geblieben und wurde von den evan— gelischen Einwohnern von Krojanten und 12 anderen Gemeinden eifrig besucht. Es wurden in der Kirche regelmäßig evangelische Gottesdienste abgehalten. Die Evangelischen dieser Orte werden durch die Wegnahme ihrer Kirche genötigt, zu ihrer kirchlichen Versorgung den weiten Weg bis nach Konitz zu machen, der für die ein⸗ zelnen Orte verschieden ist und 6 bis 12 Kilometer be— trägt. f Es handelt sich nicht wie in Netzthal um das auf— geregte Vorgehen einer unüberlegten Volksmasse, son— dern um eine planmäßige Entscheidung der Behörden: Am 3. März d. J. hat der Wojewode im Auftrage des Landwirtschaftsministeriums und im Einverständnis mit dem Kultusministerium die evangelische Kirchen— gemeinde aufgefordert, ihr Gotteshaus am 16. März der polnisch⸗katholischen Gemeinde zu übergeben. Die Kirchengemeinde, ebenso wie das evangelische Konsisto— rium haben gegen diese Verfügung Widerspruch er— hoben. Der Erfolg bleibt abzuwarten. Die„Tägliche Rundschau“ bemerkt dazu: Dieser Kirchenraub ist abermals ein Beweis für die„traditionelle Duldsamkeit“ der edlen Polen. Die Verbindung Rom und Polen hat viele schauerliche und gemeine Taten gezeitigt. Die Gegenreformation in Polen ist eine Kette blutiger Schandtaten. Sie ist— wie man sieht— auch heute noch im Schwange, freilich in Form von kaltem Terror. bund zu tun? Was jeder Evangelijche wijsen muß. Der Elternbeirat des Leibniz⸗Gymnasiums in Berlin. Wie wir in voriger Nummer berichteten, hat der Leiter des Leibniz-Gymnasiums, ein Dissident, bei der Reifeprüfung am 8. März zwei evangelische Abiturien— ten in Religion geprüft. Der Elternbeirat am Leibniz⸗Gymnasium hat sich mit dieser Angelegenheit alsbald befaßt. Nach den bisherigen Erfahrungen war eine wirksame Unterstützung seiner diesbezüglichen Be⸗ schwerde beim Provinzial-Schulkollegium nicht zu er— warten. Der Elternbeirat sah sich deshalb außerstande, die Elternschaft weiter zu vertreten und hat einstimmig sein Amt niedergelegt. Aus Nollist und Parlamen. Forderungen der Gewerkschaften zur Arbeitslosen⸗ versicherung. Wie der„Gewerkschaftliche Nachrichtendienst“ mel— det, sind die drei Spitzenorganisationen beim Reichs— arbeitsminister vorstellig geworden und haben zum Ausdruck gebracht, daß sie die sofortige Beratung, Ver abschiedung und Durchführung des Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung für dringend geboten halten. Da aber mit einer raschen Erledigung nicht gerechnet werden kann, zumal die Begründung zum Gesetzent— wurf noch nicht vorliegt, müsse nach Ansicht der Spitzen— gewerkschaften eine Zwischenlösung gefunden werden. Diese sei um so notwendiger, als die jetzige Regelung der Höchstsätze ausdrücklich als vorübergehend bezeich— net, die Kurzarbeiterunterstützung befristet und das ganze Unterstützungssystem so kompliziert wurde, daß eine bis zum Inkrafttreten des Gesetzes gültige Rege— lung mit gleichzeitiger Vereinfachung des gesamten Verfahrens durchgeführt werden müsse. Eine gerechte Bemessung der Unterstützungssätze erblicken die Gewerkschaften einzig und allein in der Abschaffung der Einteilung nach Wirtschaftsgebieten und Ortsklassen und der Einführung von nach Lohn— klassen gestaffelten Unterstützungssätzen. Gleichzeitig müßten die Bestimmungen über Kriegsfolge und Be— dürftigkeit aus der Verordnung über Erwerbslosen— fürsorge, weil mit der Beitragspflicht unvereinbar, ausgemerzt werden. Da eine erneute Regelung der Unterstützungssätze ohnehin zum 1. Mai erfolgen muß und dieser Termin infolge der stärkeren Beschäftigung in der Landwirt- schaft für eine Aenderung des Berechnungssystems be— sonders günstig ist, hätte die Einführung der Staffel⸗ unterstützung am 1. Mai zu erfolgen. Was gedenkt der Völker— Allerlei. Kirchliche Bautätigkeit. Die Not der Kriegs- und Inflationszeit hat sich im kirchlichen Bauwesen lähmend ausgewirkt. Wäh— rend z. B. im Bereich der evang. Kirche der altpreußi— schen Union im Zeitraum 1909 bis 1913 jährlich 31 Kirchen und 17 Kapellen neu gebaut wurden, entfallen im Durchschnitt der 1917 bis 1924 auf ein Gebiet von nahezu 18 Millionen Evangelischer je 2 bis 3 solcher Neubauten. Keinerlei kirchliche Bautätigkeit wiesen in dem ganzen Zeitraum vielsagenderweise die Abtre— tungsgebiete Posen, Westpreußen und Memelland auf. Die deutschen Jugendverbände. Interessante Wandlungen innerhalb der deutschen Jugend zeigt das zahlenmäßige Bild der in Bünden or— ganisierten deutschen Jugendverbände, deren Gesamt— zahl bekanntlich 3 Millionen Mitglieder übersteigt. Im ganzen ist dabei ein Zug der Verinnerlichung un— verkennbar. Während beispielsweise die beiden großen evangelischen Jugendverbände(Reichsverband der ev. Jungmännerbünde Deutschlands und verwandter Be— strebungen und Evang. Verband für die weibliche Ju— gend Deutschlands) in stetig ansteigendem Wachstum jetzt eine Mitgliedschaft von 400 000 überschritten ha— ben, klagt die sozialistische Arbeiterjugend, die nach der Vereinigung mit den Unabhängigen reichlich 100 000 Mitglieder zählte, in der Dezembernummer ihrer Zeit⸗ schrift über Mitgliederrückgang. Dabei wird mit Recht hervorgehoben, daß politische und wirtschaftliche Nöte nicht allein den Grund für solchen Rückgang bilden können, treffen sie doch die werktätige Jugend in glei⸗ cher Weise hier wie dort. Wie weit der Hinweis auf die Konkurrenz anderer politischer Jugendorganisa⸗ tionen zutreffend ist, entzieht sich der Beurteilung. Zweifellos richtig ist es aber, wenn auf„eine gewisse Müdigkeit und Nachlässigkeit“ hingewiesen wird, die ein Anzeichen dafür sein dürfte, daß die Politisierung der Jugend doch nur ein vorübergehendes Treibhaus⸗ gewächs war. Aus unjerer Bewegung. f Ein verheißungsvoller Anfang in Rheinhessen. (Vorläufiger Bericht.) 1 Am 18. und 19. März hielten wir die ersten öf⸗ fentlichen Versammlungen in Rheinhessen. In Wen⸗ delsheim und Mainz. Am Ende der Versammlungen wurden starke Ortsgruppen gegründet. Eine Versamm⸗ lung im Taunus-Hotel in Mainz am Freitag Nachmit⸗ tag, zu der Einladungen ergangen waren, wies auch einen recht guten Besuch auf. Es ist kein Zweifel: Auch Rheinhessen wartet auf die Evangelische Volks. kllnässen Ich bin befreit vom 1. Tage an, wo ich von Ihrer Methode Ge- brauch machte, bin ich das Uebel los. So schr. Landw. O Brambacher im Hof. Alt. u. Geschl. angeb. Ausk., kostenl. fs Finkier München M. 256-257 Nymphenburgerstr. 168 Station Nähe Limburg a. L. ssssaaaaaguggaandaagagchaaagghgngggndggghgdddgghggghggg ffn muss jeder zeit auf eindrucksvolle Werbe- Drucksachen Fortlaufend Eithenstammholz von 28 em Mitten aufwärts 25 em Mindestzopf, hauptsächlich von 30—39 em Mitten astrein u. wenig Splint frei Waggon zu kaufen gesucht. Gefl. Offerten unter Angabe der Qualitätsbeschreibungen und Mengen sowie der äußersten Preise erbeten an Carl hombach, Holzaroßhandlg., Wissen⸗Sieg gemeinschaft! Gul 0 Esderselstade 5 9 pfüng-M. G.-franke zu pachten gesucht oe np Mäser Große 60 150 Morg. Rend n gute Geb, Bedingung.!. Inv. wird übernomm. f f 1 Off. unt. G. 1081 an die eee Exped dieser Zeitung. 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