* — — — — 1 pie, 4 —— — —— — 8 — — 2 kleider schirn e erreumi Arapalh aus- un hengerit lan, G t und r Stahlwar tren und en aller pen. un eiterwage Sleh Uand⸗ un ngelamp es · und garen en allt! Holpwall misch chter elt. bis zun 0 un un, 10 suten Oil fhah 610 esse! ktstl.) geen gebe 0 1 e eller erh —— ß Nr. 52. Gießen, Sonntag, den 29. Dezember 1901. 8. Jahrg. 5 Redaktion: 0 Nedbaktioneschlußz Kirchenplatz 11, Schloßgasse. M sch Donnerstag Nachmittag 4 Uhr * Mitteldeutsche 5— 8 9* unntags⸗ Abonnuementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geltefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4940) 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Parteigenossen, Freunde! Mit der vorliegenden Nummer vollendet die „Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ ihren achten Jahrgang. Allen Genossen Dank, die bisher unermüdlich für Ausbreitung ihres Parteiorgans sorgten, indem sie ihm neue Leser zuführten. Mit dem Erreichten dürfen wir aber nicht zufrieden sein! Wir haben im Gegen⸗ teil noch viel Arbeit zu bewältigen; in Ober⸗ hessen, dem Wetzlarer und Marburger Bezirke stehen noch Tausende von Angehörigen des werkthätigen Volkes unserer Bewegung fremd und gleichgültig gegenüber. Viele unterstützen noch die gegnerischen Zeitungen, welche nie ein Wort für die Interessen der Arbeiterschaft übrig haben, die das darbende Volk womöglich ver⸗ höhnen, seine Bestrebungen zur Besserung seiner Lage und der Verhältnisse verdächtigen und verspotten. Und weil viele Arbeiter in ihrer Kurzsichtigkeit, ihrem Unverstande arbeiterfeind— liche— dazu gehören auch die sogenannten „unparteiischen— Blätter durch Abonnement unterstützen, deshalb kann die besitzende Klasse noch unbeschränkt die Herrschaft ausüben, das arbeitende Volk unterdrücken, ausbeuten und setuer Rechte berauben. Das muß endlich anders werden! Das ausgebeutete und bevormundete Volk muß zur Einsicht, zur Erkenntnis seiner Lage gebracht werden und jeder muß hieran zu seinem Teile und nach besten Kräften mitarbeiten. Und gerade jetzt, wo es sich darum handelt, das junkerliche Attentat auf die Wohlfahrt des Volkes abzuwehren, die Lebensmittel ver⸗ teuerung zu verhüten, muß jeder Minder⸗ bemittelte seinen Mann stellen! In Vertretung der Volks interessen, in Verteidigung der Volksrechte, im Kampfe für Hebung der Lage der Arbetter hat die „Mitteldeusche Sountags⸗Zeitung. in den verflossenen acht Jahren ihres Bestehens ihre Pflicht als Arbeiterblatt, als sozialdemokratisches Organ treu erfüllt. Sie wird es auch ferner thun! Um es aber wirksamer zu können, bedürfen wir der Unterstützung al ler Genossen! Unsere Postabonnenten bitten wir um so⸗ fortige Erneuerung des Abonnements. Zeitungs⸗ preisliste Nr. 4940. Unser Blatt kostet nur 78 Pfennige das Quartal, 25 Pfennige den Monat. Redaktion und Verlag der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung“. Was den deutschen Steuerzahlern die Kolonien kosten. Von unsern Kolonien haben wir Erfreuliches noch nicht gehört. Im Gegenteil. Selbst der tollste Weltmachtsschwärmer wird nicht im Stande sein, uns nur einen Pfennig Nutzen aus der Kolonialpolitik für das Volk herauszurechnen. Ganz abgesehen von Unkhaten der„Kulturver⸗ breiter“ vom Schlage der Leist, Wehlan, Peters zc. weist es alljährlich der Kolonialetat aus, wie das Geld der Steuerzahler für die afrika— nischen Sandwüsten verpulvert wird, wie sogar ganz unzulässige Ueberschreitungen der Voran⸗ schläge an der Tagesordnung sind. Dabei traten unsere„Kolonisatoren“ mit größter Schneidigkeit auf und gebärden sich, als ob sie im Handumdrehen ein Land von der Größe Deutschlands„kultivtert“ hätten. Einen Beweis für die schneidige Art der Verwaltung haben wir jetzt wieder vor uns: Dem Reichstage ist eine Uebersicht der Ein⸗ nahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1899 zugegangen, ein Schriftstück, das uns darüber belehrt, wie die Herren in Afrika mit den Groschen der Steuer— zahler wirtschaften. Da ist die Rechnung für Kamerun. Nach dem Etat balanzieren Ausgaben und Einnahmen mit 1713 400 Mark. Mehr als die Hälfte der Einnahmen, 983 400 Mark, fließen dabei aus dem Säckel der Steuerzahler, als Reichszuschuß. Nun ist mehr vereinnahmt worden, als im Etat vorgeschrieben war, nämlich rund 2147 000 Mark. Man dürfte also erwarten, daß von dem Reichszuschuß diese Mehreinnahme von 455700 Mark erspart wird. Weit gefehlt! Die schneidigen Herren bringen es fertig, statt 1713 400 Mark 2637200 Mark, nahezu eine Million mehr auszugeben, und in Folge dessen ergiebt sich trotz der Mehreinnahme ein Fehl⸗ betrag von über 490000 Mark und es wird nichts Anderes übrig bleiben, als diesen Posten auf diese oder jene Weise aus den Mitteln der Steuerzahler zu berappen. Im Einzelnen werden da geradezu beispiellose Rechnungen präsentiert: für„sächliche und vermischte Ausgaben“ sind im Etat 422 500 Mark vorgesehen, verausgabt werden 914500 Mark, also über das Doppelte! Für Bauten waren 140 000 Mark vorgesehen, verausgabt sind 350 000 Mark usw. Das wird dann einfach damit motiviert, daß die Ausgaben „dringend notwendig waren“. In Südwestafrika sollen nach dem Etat 7479000 Mark verausgabt werden, die Herren verausgaben aber in aller Gemütsruhe über 9 764000 Mark und machen trotz des Zuschusses von 6909000 Mark, den die Steuerzahler blechen mußten, noch 1575299 Mark Deftzit, das jetzt in dem Etat für 1902 zu bezahlen sein wird. Für den Platz an der Sonne, Kiautschou, hat nach dem Etat das Reich 9780000 Mark zu zahlen, weil die eigenen Einnahmen des„Dreckloches“ nur 200 000 Mark betrugen, dagegen die Ausgaben an 10000000. Das Gouvernement spart fleißig: an Löhnen und Besoldung 35700 Mark, an den Kosten der Hafenpolizei, dem Betrieb der Leuchtfeuer, der meteorologisch⸗astronomischen Station usw. 13500 Mark; dafür werden aber für Bauten statt 1 180 000 Mark 2194000 Mark ausge⸗ geben. Das ist die schneidige Wirtschaftsführung unserer genialen Kolonisatoren. Welches Parlament der Welt, außer dem deutschen, fragen wir, würde sich etwas Aehnliches bieten lassen? Da wird im Reichstage gestritten um jeden einzelnen Posten, die Regierung ver⸗ einbart mit der Volksvertretung, was sie aus— geben darf, und hinterher wird von den Herren Kolonialbeamten einfach ein Strich durch die Rechnung gemacht, werden die Etats um die Hälfte, ja sogar um das Doppelte überschritten — mit Genehmigung der Regierung natürlich. Jedes andere Parlament würde eine derartige Verhöhnung mit den schärfsten Mitteln zurück⸗ weisen, im braven deutschen Reichstag dagegen wird sich die Mehrheit selbstverständlich wieder ducken und sich von dem Helden der geölten Phrase, dem Grübchenkanzler, eine schöne Rede über das Gedeihen der Kolonien halten lassel, worauf dann die alleweil patriotisch Gesinnten über die bösen Sozialdemokraten herfallen wei⸗ den. Das Ende vom Liede wird sein, daß diese Mehrheit, inclusive des sparwütigen Zentrums, den Kolonialetat bewilligen wird samt den zur Deckung des Defizits nötigen Summen. Im nächsten Jahre werden dann die Herren in Af⸗ rika mit schnoddriger Nonchalance abermals den Etat um Millionen überschreiten und sich über das Zivilistenpack im Reichstag lustig machen. Und das Volk? Hat das Maul zu halten und Steuern zu zahlen— so lange es der arkige Parlamente wählt. Der Zolltarif im Reichs⸗ tage. 6 Aus Singers Rede zum Zolltarif. Von den trefflichen Ausführungen unseres Genossen Singer zum Zolltarif fügen dem in letzter Nummer Mitgeteilten noch folgende Aus⸗ züge hinzu. Nachdem Singer dem Reichstage vorgerechnet hatte, welche ungeheuren Summen den Besitzern großer Ländereien, den Grafen und Fürsten, durch die Wucherzölle in die Taschen gespielt werden, fuhr er fort: Die Agrarier behaupten immer, hohe Getreidezölle würden den Arbeitern besseren Lohn, verkürzte Arbeits⸗ zeit, überhaupt bessere Bedingungen ver schaffen. Nach den Aeuße rungen der hervorragend en Redner dieser Partei scheinen mir die Wünsche der Agrarier mehr auf niedrige Arbeitslöhne und lange Arbeitszeit zu gehen. Dazu kommen die mangelhaften Arbeit erwohnugen auf dem Lande; der Gutsherr von Cadinen') hat selbst gesagt, daß die Arbeiterwohnung een schlechter seien als Schwein eställe. Der Hauptgrund der Land⸗ flucht der Arbeiter ist ihre mangelhafte Epistenz auf de m Lande. Wenn Sie(nach rechts) tüchtige Arbe iter haben wollen, so benutzen Sie doch die Gesetzgebung, um die Lebenshaltung der Arbeiter zu verbessern! A ber Sie wollen un gebildete Leute haben, dle sich nicht gegen die Ausbeutung zu verteidigen wissen. Die 15. Jahresversammlung des ostpreußischen landwirt⸗ schaftlichen Zentralvereins hat den Halbtagsunterricht gefordert, dauit die Kinder mehr zum Viehhüten ver⸗ wendet werden können. Statt einer Beschränkung wird also eine Erhöhung der Ausbeutung der Kinder gefordert, Das ist das Prinzip, nach dem Sie handeln. Da dürfen Sie sich nicht wundern, daß der intelligente Ar⸗ beiter, der weiß, was Menschenwürde ist, es müde ist, sich in Ostelbien wie das liebe Vieh behandeln zu lassen; Die mecklenburgische Ritterschaft hat die Errichtung der von der Regierung geforderten Präparandenanstalt für Lehrer für überflüssig erklärt und dabei ist ausge⸗ sprochen worden, daß den Kindern uur beigebracht werden soll„die Kenntnis des göttlichen Vaters“, eine„be⸗ schränkte Kenntnis des engeren und weiteren Vaterlandes“ und soviel Schreiben, Lesen und Rechnen, wie sie es beim späteren Hofedienst verwenden können.“ So sollen *) Der Kalser. rr— 2 Fr Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗ Zeitung. Nr. 52. die Sklaven herangezogen werden, denen Sie dann noch ihr bischen Brot verteuern!“ Dann wies der Redner darauf hin, wie die Junker stets die Gesetzgebung zu ihrem Vorteil und zum Nachteil des Volkes— auch der Bauern— benutzt haben und beleuchtete die Agitation des Bundes der Landwirte. Ueber das Verhalten der Tarifgegner im Bundesrate sagt er: Die Minister aus den Bundesstaaten sind zum großen Teil wieder abgereist, hoffentlich nicht, ohne vorher ihre Tagegelder einkassiert zu haben(Lärm). Weshalb erregen sich die Herren so?/ Ich spreche doch hier nur Thatsachen aus. Die Herren vom Bundesratstisch haben das Recht, täglich 30 Mk. zu liquidieren. Das Wunderbare ist nur, daß sie uns vorenthalten, was sie selbst beanspruchen. Wo waren aber die Vertreter der Hansestädte? Haben sie ihre Kraft ganz bei der See⸗ mannsordnung verausgabt oder haben sie so etwas wie Schamgefühl? Wo ist der Vertreter von Koburg⸗Gotha k Er hat doch von seinem Landtag ausdrücklichen Auftrag, gegen den Zolltarif zu stimmen.(Unruhe am Minister⸗ tisch.) Ich höre, der Herr ist hier.(Ruf am Minister⸗ tisch: Nein!) Stehen die Vertreter der Hansestädte nicht in diametralem Gegensatz zu ihren Handelskammern? Wie beredt waren sie, wenns galt, staatliche Subventionen für hanseatische Dampfschiffahrtsgesellschaften herauszu⸗ schlagen. Wir haben ja den Herren in der Verfassung das Recht gewahrt, ihre gegensätzliche Meinung hier zum Ausdruck zu bringen. Aber die Herren schweigen. Herr v. Pischek hat gegen die Vorlage geredet, aber er kam am Schluße seiner Rede dazu, ihre Annahme zu empfehlen. Der sächsische Bundesratsvertreter hat von Wohlthätig⸗ keitsbestrebungen gesprochen, die den Arbeitern zu gute kämen. Wir fordern aber für die Arbeiter keine Wohlthaten, sondern wir wollen Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Gegen diese Vorlage richtet sich die 3½ Millionen⸗Petition, die uasere Partei dem Reichstage vorgelegt hat Wenn ein solcher Protest möglich ist im deutschen Reich unter der Heer⸗ schaft des Junkertums, so ist das gleichbedeutend mit einer öffentlichen Abstimmung bei den Reichstagswahlen! Die Regierung hätte die Pflicht, nicht die Majorität dieses Reichstags zu hören, sondern sie müßte sich beim Volke vergewissern, wie die Meinung desselben über diese Vorlage ist, Lösen Sie den Reichstag auf, appellieren Sie an die Stimmen des Volkes und Sie werden sehen, daß die Wahlen so ausfallen, daß Sie mit gutem Gewissen diese Vorlage nicht weiter ver⸗ treten können. Wir werden gegen die Vorlage stimmen, wir werden alles daran setzen, sie zu Fall zu bringen. Wir sind überzeugt, im Sinne und Auftrage der großen Majorität des Volks zu handeln, wenn wir uns leiten lassen von dem Ruf: Nieder mit dem Hungertarife, nieder mit dem Brotwucher!(Stürmischer Beifall bei ven Soz.) Politische Rundschau. Gießen, den 27. Dezember. Regierungs vertreter gegen den Zoll⸗ tarif. Im Bundesrate hätten, wie berichtet wird, die Vertreter Oldenburgs, der Hansestädte, des Herzogtums Koburg⸗Gotha und des Fürstentums Reuß a. L. gegen den Zolltarif gestimmt.— Wenn das wahr ist, so ist den Regierungen dieser Länder zum schweren Vor⸗ wurf zu machen, daß sie ihren Vertretern nicht aufgetragen haben, auch im Reichstag ihren Widerspruch gegen den Hungertarif kundzugeben. Wie man dem Volke die Fleischnahruntz entzieht. Der Mangel an Schweinen steigert sich von Woche zu Woche und kommt in ganz außer⸗ gewöhnlich hohen Fleischpreisen zum Ausdruck. Das ist eine Folge der Grenzsperre gegen ausländische Schweine, die angeblich„im In⸗ teresse der Volksgesundheit“ und weil die Agrarier erklärten, daß die deutsche Landwirtschaft den Fleischbedarf ausreichend decken könne, errichtet wurde. Jetzt ist nun, was ja vorauszusehen war, eine ganz empfindliche Fleischnot herein⸗ gebrochen, die Regierung rührt sich aber nicht, Abhülfe zu schaffen, sie ist auch der Ueberzeugung, daß Deutschland keine Fleischeinfuhr nötig habe. Was wollen aber die Beteuerungen der Agrarier und die Ueberzeugungen der Regierung bedeuten, schreibt die Allgem. Fleischerzeitung, wenn die Thatsachen ihnen widersprechen? Alle Voraus⸗ setzungen, unter denen die Regierung und die Agrarier eine reichliche und bessere Vieherzeugung in Aussicht gestellt haben, sind gegeben: Die Grenzen sind seit Jahr und Tag so gut wie ee kein noch so hoher Zoll kann ab⸗ schließender wirken als die Schweinesperre, und die Preise für Schweine sind seit geraumer Zeit auf einer solchen Höhe, daß die landwirt⸗ schaftlichen Vereine selbst offen in ihren Jahres⸗ berichten von„ungewohnt hohen Schweinepreisen“ sprechen. Trotzdem wird die Qualität der Schweine immer geringer und obgleich Alles, was nur irgend auf den Markt gebracht werden kann, losgeschlagen wird, vermindern sich die Schlachtungen zusehends. Unter den gegen⸗ wärtigen Verhältnissen muß nicht blos die wirt⸗ schaftliche Lage des Fleischergewerbes immer weiter sich verschlechtern, sondern die Ernäh⸗ rung des ganzen Volkes auf das Sch werste leiden, für dessen breite Schichten das Schweinefleisch das unentbehrlichste Nah⸗ rungsmittel ist. In wie beträchtlicher Weise die Schweineschlachtungen abgenommen haben, beweist die Thatsache, daß an 43 deutschen Schlachthöfen einer Schlachtzahl von 315,381 Schweinen im November des Jahres 1900 nur 255,110 Schweineschlachtungen im November des Jahres 1901 gegenüber stehen. Das be⸗ deutet also einen durchschnittlichen Rückgang von rund 20 Prozent. Diese Zahl spricht für sich selbst, ihr braucht nichts hinzugefügt zu werden.— Hoffentlich gehen dem Volke über die agrarischen Bestrebungen die Augen auf. Die Reichsten werden immer reicher. Nach einer von der Statistischen Korre- spondenz aufgestellten Uebersicht über die Jahres⸗ einkommen von mehr als 100000 Mk. waren zur Steuer veranlagt phystsche und juristische Personen: in Preußen in Sachsen 18988 2038 394 1900 3277 583 In A Jahren also hat die Zahl dieser Allerreichsten in Preußen um rund 60 pat. und in Sachsen um rund 50 pat. zugenommen. In ungefähr gleichem Maße hat sich auch der Anteil dieser Geldsäcke an der Gesamtzahl der Eingeschaͤtzten vermehrt; er betrug gleichmäßig in beiden Staaten 1896 6,02 auf Hundert und 1900 0,03 auf Hundert. Dies beweist, daß die riesige Vermehrung der Leute mit den größeren Einkommen nicht etwa in einer natürlichen Vermehrung der Steuer⸗ pflichtigen ihren Grund hat, sondern, die oberen Einkommen werden einfach immer größer, so daß immer mehr Leute, die mit ihrem Ein⸗ kommen in der Nähe von 100 000 Mk. sind, darüber hinausrücken. Diese Einkommen stammen ja nicht aus der 19 8 0 Arbeit der Besttzer, sondern aus Grundbesitz, Barvermögen und industriellen oder Handelsunternehmungen in der Weise, daß in den meisten Fällen alle drei genannten Einkommensquellen bet jedem einzelnen zusammenwirken dürften. Es ist also die Arbeit anderer, die diese Einkommen schafft. Abgesehen davon, daß das Steigen der Proftte in den enannten Aufschwungsjahren zur Erhöhung der 105 dieser Rieseneinkommen beigetragen hat, ist diese Erscheinung der Vermehrung des Reich⸗ tums dieser Reichsten zuzuschreiben; ihr Reich⸗ tum wächst und damit wächst ihr Einkommen. Und dieser Reichtum wächst auf Kosten der anderen. Dieser Reichtum ist entstanden durch die Arbeit. Er ist aber den Arbeitenden, die ihn schufen, vorenthalten worden und ist zu den großen Haufen gelegt worden, deren Be⸗ sitzer die Arbeitsmittel beherrschen. Es hat sich aber nicht blos die Zahl der Leute mit mehr als 100 000 Mk. Jahresein⸗ kommen vermehrt, vielmehr sind auch innerhalb dieser Gruppe die einzelnen Leute immer reicher geworden. Durchschnittlich hatte jeder der mit über 100 000 Mk. Einkommen Veranlagten in Preußen: in Sachsen: 1896 257000 Mk. 218 400 Mk. Jahres⸗ 1900 306000„ 236 600„ einkommen Jeder der 3277 preußischen Großkapitalisten hatte also im Jahre 1900 durchscnitlig 49000 Mk. mehr Einkommen, als einer der 2038 Sroßkapitalisten im Jahre 1896; die Steigerung des Durchschnittseinkommens beträgt in den vier Jahren 19 pt. Das will bei solchen Riesensummen etwas ganz anderes besagen, als wenn der Stundenlohn eines Arbeiters etwa von 30 Pfg. auf 36 Pfg. erhöht wird. Der Arbeiter muß dabei immer noch Hunger leiden, der Kapitalist aber erhöhte sein Ein⸗ löbne. wieder um 50 ganze Arbeiter⸗Jahres⸗ öhne. „Rund 150 000 Arbeiterfamilien, die nicht wissen, wo sie Brot hernehmen sollen, könnten notdürftig leben von der Summe, um die sich das Einkommen dieser 3000 ohnehin schwer⸗ reichen Leute in dem kurzen Zeitraum von 4 Jahren vermehrt hat. Eine Million Arbeiterfamilten hat nicht mehr Ein⸗ Bae als diese 3000 Großkapitalisten aben. Zehn Prozent Dividende trotz großen Brandunglücks in der Fabrik. Wer erinnert sich nicht mit Schrecken an die fürchterliche Exploston, von der am 25. April die chemische Fabrik„Elektron“ in Griesheim heimgesucht wurde? Eine große Anzahl braver Arbeiter büßten dabei ihr Leben ein, noch mehr wurden für zeitlebens Krüppel. Jetzt wird mitgeteilt, daß die Herren Aktionäre trotz der durch den großen Brand verursachten Betriebs⸗ störungen und trotz der auch in der chemischen Industrie herrschenden ungünstigen Konjunktur eine Dividende von 10 Prozent einsacken werden. Die verunglückten Lohnsklaven aber und ihre bedauernswerten Hinterbliebenen mußten mit geringfügigen Almosen fürlieb nehmen. Und als im Frühjahr angesichts des schaurigen Unglücks die Dividende für das Vorjahr auf 5 Prozent ermäßigt wurde, erhob sich auch dagegen Opposition in den Reihen der Aktionäre. Sonst gab es immer 16 Prozent! Aktionär zu sein ist doch immer ein feines Geschäft! Hungernde Kinder. Was Bebel im Reichstage von der elenden Ernährung der Schulkinder in Sachsen mit⸗ teilte, wurde von der bürgerlichen Presse viel⸗ fach angezweifelt. Bebels Schilderungen sind jedoch durchaus zutreffend, sie bleiben sogar noch hinter den Thatsachen zurück. Die natlo⸗ nalliberale„Dresdener Zeitung“, auf die sich Bebel stützte, erklärt: „Die Leute, denen unsere Notiz unbequem ist, mögen sich zufrieden geben, auch unsere Thatsachen sind zweifelsfrer und unbedingt richtig. Einmal sind die Berichte durch erprobte und erfahrene Hände gegangen und sind von dritter Seite kontrolliert worden, und sodann hat eine Rückfrage noch Folgendes ergeben: Es wurden unabhangig von ein⸗ ander je eine Klasse von drei Schulen mit vorwiegend Arbeiterbevölkerung in der Leip⸗ ziger, Chemnitzer und Dresdener Gegend untersucht. Das Ergebnis schwankte in den drei Schulen etwas, war in einer Woche noch größer, sank aber nicht unter die angegebene Ziffer. Auch die Befragungen der Kinder über die Art des warmen Mittagessens zu Hause lieferten betrübende Resultate. Die Zahlen sind von unseren Gewährsleuten nochmals geprüft und sind richtig. Wer sie bezweifelt, kann ja in Pieschen, Löbtau, Striesen, Dresden, in Punt Reudnitz, Plagwitz, Lindenau in und um Chemnitz, oder, wenn er noch lieber will, im Erzgebirge eine offizielle Untersuchung unter Zuhilfenahme der Bezirksärzte und Schulotrektoren beantragen, es werden außer den von uns genannten Dingen noch andere zu Tage kommen. Wir deuten nur noch an, daß sich auch angesehene ärztliche Kreise in mehreren Gegenden Sachsens für die Ernährung der Schulkinder zu interessieren aufanges. Die Sache ist noch nicht zu Ende.“ da 1 u Galen gol 1 Iden f K Nach i ber 10 5 udo son Juin ö fe Nr.** pt e a ries hein ahl hrabn Joch nei Jetzt wach e trotz hu 1 Bettiehz chemische Nonjunttur t einsacke saben abe liebenen en fürlic eschtz de für dal irde, erhob Reihen der Prozent! ein ftinth der klebe cen ml t l ingen fd bbc gage ie natl⸗ „ auf unbtgue 1 Inet bebt 0 mch augen N m woe Folgen n len. det bei T bel 8 S Nr. 52. Pr Mittel deutsche Sonutags⸗Zeitung. ——— Seite 3. Wenn man sich übrigens noch weiter im Reiche umsehen wollte, würde man anderwärts auf nicht minder traurige Verhältnisse stoßen. In Schlesten, Thüringen, im Rhön⸗ und Spessart⸗ gebiet wirds nicht anders sein und in den Großstädten giebts Tausende Kinder, die Hunger leiden müssen. Nachrichten über Notstand kommen aus den verschiedensten Gegenden und ste zeigen, was es damit auf sich hat, wenn Minister in Landtagen, Bürgermeister in Stadtvertretungen auf sozialdemokratische Hinweise einfach erklärten: „Notstand existiert nicht!“ Zum Beispiel sagen die Geistlichen der Himmel⸗ fahrtsgemeinde in Berlin, Heinze und Dr. Preuß, in einem Aufrufe Folgendes: „Noch nie haben wir für unsere arme Gemeinde des Berliner Nordens in den Zeitungen gebeten. Aber dieses Winters Not ist zu groß. Gesteigerte Mieten, schlechtere Ar⸗ beitsgelegenheit wirken zusammen.“ Wer hat nun recht? Wie es in unserer nächsten Nähe aussieht, 07 0 eine Korrespondenz im Gießener Amts⸗ latte aus Grünberg: „Die Zahl der sogenannten reisenden Hand⸗ werksburschen wird mit jedem Tag größer. Allenthalben begegnet man auf den Land⸗ straßen den Aermsten, die, oft nur dürftig gekleidet, in Schaaren der nächsten Verpfleg⸗ ungsstation zueilen. In Grünberg wurden seit Beginn dieses Jahres bis jetzt schon 2100 Mann verpflegt, während im vorigen Jahre, das seit Errichtung der Station den höchsten Stand aufwies, nur 899 Mann beherbergt wurden.“ * ** Wie Hunger und Not Verbrecher züchten, dafür finden wir in unserem Magdeburger Parteiorgan einen Beleg. Dort wird aus Groß ⸗Ottersleben berichtet, daß der Junge eines Arbeiters durch Hunger verleitet wurde, seinen Schulkameraden ein Butterbrod wegzu⸗ nehmen.„Vom Lehrer zur Rede gestellt,“ sagt unser Parteiblatt weiter,„teilte der hungernde Knabe demselben mit, daß sein Vater seit längerer Zeit arbeitslos sei und vor einigen Tagen das Haus verlassen habe, ohne wiedergekehrt zu sein. Vermutlich hat also Verzweiflung, sich und die Seinen durchs Leben schlagen zu können, den Familienvater hinaus⸗ ae auf die Landstraße, vielleicht hat der unglückliche gar seinem tieftraurigen Dasein ein Ende bereitet durch einen Selbstmord. Noch ist uns nichts näheres hierüber bekannt geworden; hoffen wir, daß unsere Vermutungen sich nicht die so wahrscheinlich stie immerhin find. Liest man doch tagtäglich nicht von einem, nein von Dutzenden solcher Verzweiflungsakte.“ Allerdings, bei den satten Kapitalisten„existiert Notstand nicht.“ Sozialdemokratischer Wahlsieg. Bei der am 19. Dezember in Pforzheim stattgefundenen Ergänzungswahl der Wahlmänner für den badischen 1 9 egte die von unserer Partei aufgestellte Kandi⸗ atenliste. Es stehen nunmehr bei der bevor⸗ stehenden Abgeordnetenwahl 93 sozialdemokra⸗ tische Wahlmänner 73 nationalliberalen Wahl⸗ männern gegenüber. Damit ist die Wahl des Genossen Geck gesichert. Wieder eine Reichstagsersatzwahl. Für den verstorbenen Abg. v. Siemens, welcher der 1 6 Vereinigung angehörte, mußte im Wahlkreise Wittenberg⸗Schwei⸗ nitz eine Ersatzwahl vorgenommen werden, die am Freitag stattgefunden hat. ür Dr. v. Leipziger(Konservativ) wurden 8024, für Dr. Barth(Jg.) 6640 und für unseren Genossen Rohrlack 2049 Stimmen abgegeben. Es hat eine Stich wahl zwischen Leipziger und Barth stattzufinden. Bei der Hauptwahl im Jahre 1898 erhielten Leipziger 7231, Sie- mens 5694 und Rohrlack 1736 Stimmen. ES sind alse erheblich mehr Stimmen abgegeben als 1898; unsere Partei hat den ganz erfreu⸗ wird natürlich dem Freistunigen gegen den Re⸗ aktionär zum Siege verhelfen. Kompetentes Urteil äber die Antise⸗ miten. Der ehemalige hessische„Bauernköͤnig“ Dr. Böckel, der, nachdem er von den Hirschel und Köhler„entthrout“ war, beim Bunde der Land⸗ wirte Unterkunft fand, erklärte kürzlich, die 1 antisemitischen Reichsboten seien in vier arte ien gespaltet. Keiner gönne dem andern einen Brocken. Viele seinen überhaupt keine ernsthaften Politiker. Was ein paar ver⸗ nünftige Leute gut machen, werde alsbald von ein paar anderen Leuten wieder verdorben. Was jetzt an Mißgriffen und Zwistigkeiten in der Partei“ geleistet werde, übertreffe alles bisher Hagewesene. Bruhn, der Mann, der durch das Geld seines Schwiegervaters an die Spitze der „Staatsbürger⸗Zeitung“ gelangt sei, bilde sich zum Parteipascha aus und merkwürdiger⸗ weise fügten sich die aunderen. Er habe immer noch geglaubt, es sei ein Friede möglich; noch in der großen Jubiläums versammlung habe er den Versuch gemacht, aber es sei nicht 10 08 Böckel schloß mit der Aufforderung, dieser Rich⸗ tung, welche die ganze antisemitische Bewegung „lächerlich“ mache, eine deutsche Absage zu erteilen.— Mag 1255 stimmen. Höchstens könnte man hinzufügen, daß, wenn es sich darum handelt, den Antisemitismus lächerlich zu machen, ein Führer den andern zu über⸗ bieten sucht. Soziales. Die Einführung des Proporttonal⸗ wahlrechts zu den Gewerbegerichtswahlen hatten unsere Genossen in Frankfurt bean⸗ tragt. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte jedoch dasselbe ab, trotzdem der Stadt⸗ rat Dr. Flesch entschieden dafür eintrat. Bei dem Proportional verfahren entscheidet bekannt⸗ lich nicht die einfache Mehrheit, sondern jeder Liste oder Partei gelten soviel Kandidaten als gewählt, wie ihr nach der für sie abgegebenen Stimmenzahl im Verhältnis zu der Ge⸗ samtstimmenzahl zukommen. Es ist das gerech⸗ teste Wahl system, weil bei diesem Verfahren auch die Minderheiten ihre Vertretung erhalten. Den Zünftlern paßte das aber nicht, sie hegten die Befürchtung, daß dadurch die Sozialdemo⸗ kraten die unbestrittene Mehrheit im Gewerbe⸗ gericht erhielten. Daß die Herren dadurch den christlichen Arbeitern die Möglichkeit nehmen, auch eine Vertretung im Gewerbegericht zu er⸗ halten, scheint diese Handwerksretter wenig zu genteren. Entwickelung eines Konsumvereins. Großartigen Aufschwung hat der Dres⸗ dener Konsum⸗Verein„Vorwärts“ genommen. Im Monat November hat er in seinen 30 Verkaufsstellen einen Umsatz von 500,724 M. erzielt. Die Zahl der Mitglieder ist auf 21,882 gestiegen. Der Umsatz im November des Vor⸗ jahres betrug 445,727 M., die Zunahme stellt sich demnach auf 54,998 M. Angesichts der kritischen Geschäftszeit, die gegenwärtig herrscht, muß dieses Resultat ein ganz ausgezeichnetes genannt werden. Eine sso hoch entwickelte Ge⸗ nosseuschaft kann für Tausende von Arbeitern äußerst segensreich wirken. Die Sozialdemokratie im hohen Norden. In Norwegen haben vor Kurzem die Gemeindewahlen stattgefunden. ür die Sozialdemokratie haben dieselben recht günstige Ergebnisse geliefert. Da dort auch das Frauen⸗ stimmrecht eingeführt ist, war von Seiten der Frauen eine lebhafte Wahlbeteiligung zu be⸗ merken. In der Hauptstadt Christiania er⸗ hielten unsere Geuossen 14 Sitze, ihre Stimmen⸗ ahl stieg von 1104 im Jahre 1898 auf 4485. nter den gewählten Sozialdemokraten befinden sich 2 Frauen. Die Kommunalwahlen in Hammerfest, der nördlichst gelegenen Stadt Europas, führten lichen Zuwachs von 300 Stimmen zu verzeichnen. Sie giebt in der Stichwahl den Ausschlag und zu einem vollen Sieg der sozialdemokratischen Liste. Man hatte hier von der Proportional⸗ wahl Abstand genommen, da sich die Parteien dahin geeinigt hatten, daß auf die Liste der Sozialdemokratie neben den 12 eigenen Kandi⸗ daten auch 4 Liberale und 4 Konservative auf⸗ geführt wurden. Der Hammerfester Fischer⸗ und Arbeiterverein hatte vor den Wahlen ein paar gutbesuchte Versammlungen veranstaltet, woran Leute aller Parteien teilnahmen. Die Frauen beteiligten sich sehr rege an der Wahl. Frankreich. Handels minister Millerand gab vorige Woche in einer Rede, die er gelegentlich eines Banketts hielt, seine Absicht zu erkennen, bei den nächsten Wahlen wiederum in seinem alten Bezirk zu kandidieren. Er werde sich den Wählern mit demselben Programm vorstellen; er habe nicht ein Wort zu ändern, nicht einen Artikel davon abzuschneiden, es sei denn, daß es sich um Forderungen handele, die mittler⸗ weile durch Gesetz realisiert sind.— Weiter erklärte er, das Alterspensionsgesetz werde bald vorgelegt werden. Konflikte in Süd⸗Amerika. Zwischen den beiden südamerikanischen Re⸗ publlken Chile und Argentinien droht Krieg auszubrechen. Die beiden Staaten sind wegen der Grenzregulierung in Streitigkeiten geraten, haben ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen und rüsten mit Eifer zum Kriege. — Obwohl Argentinien viel größer als Chile ist, steht es militärisch hinter seinem Gegner zurück.— Auch in der Republik Venezuela sind revolutionäre Unruhen ausgebrochen. Mit diesem Staate ist auch Deutschland in Streit geraten, weil deutsche Geldleute Schuld⸗ forderungen an Venezuela haben. *— Krieg in Südafrika. Neue Verstärkungen schickt England nach Südafrika. Außer denen von 1200 Mann für das in Südafrika stehende Gardebataillon, die Befehl erhalten haben, den Abmarsch für Monat Januar vorzubereiten, werden wahr⸗ scheinlich noch weitere 1000 Mann für einen spätern Abmarsch ausgewählt. Weitere 2000 Mann Peomanury sollen laut Befehl sofort einberufen und im Laufe der Monate Januar und Februar nach Südafrika gesandt werden. Ein Armeebefehl verfügt sodann die Aufstellung sechs weiterer Milizbataillone. In Graffreinet begann am Mtttwoch der Prozeß gegen den Burenkommandanten Scheepers, der u. A. der Ermordung des Engländers Arson, der Zugzerstörung und der Grausamkeit gegen Gefangene beschuldigt wird. Die Gesamt⸗ zahl der gegen Scheepers schwebenden Anklagen beläuft sich auf dreißig. Ueber neue Kriegs⸗Pläne der Buren wird berichtet: Die Buren im Felde veranstalteten in der letzten Zeit Zusammen⸗ künfte, um neue Feldzugspläne für den Sommer zu vereinbaren; darunter befindet sich ein Marsch nach Natal durch die Drakensberge. Der Leiter des Unternehmens soll Dewet sein und Botha soll mit ihm zusammenwirken. Der Feind ist gut beritten und mit Vorräten wohl versehen. Botha brachte den Engländern am 20. Dez. eine gehörige Schlappe bei. Er griff mit 800 Buren Oberst Damants Vorhut bei Tafelkop in der Orangekolonis an und besetzte trotz tapferen Widerstandes das Kopfe, das die Hauptmacht und die Geschütze beherrschte. Die Verluste der Engländer sind schwer. Oberst Damont ist schwer verwundet, zwei Offtziere und 20 Mann tot, drei Ofsiziere und 17 Mann verwundet.— Auch De Wet griff mit zirka 800 Buren den General Dartuell bei Land⸗ berg im Bethlehemdistrikt an. Darüber be⸗ richtet Kitchener, daß die Buren 20 Mann ver⸗ loren hätten.— Schwere Verluste erlitt eine englische Truppe berittener Infanterie, welche in Transvaal die Farmen absuchte, durch das Kommando Britz, das 200 Mann eee rere stark die Engländer überrumpelte. 1 gung fordert. Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 2 Nr. 52. Pon ah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. te Ehre unserer Sache gebietet natürlich i Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Vorwärts! sei die Losung! Ein herzliches„Prosit Neujahr!“ rufen wir zur bevorstehenden Jahreswende unsern Freunden und Genossen, allen Lesern zu! Wir wünschen das Beste jedem Einzelnen! Dem arbeitenden, besitzlosen Volke aber besonders Erleichterung seines entbehrungsreichen Da⸗ seins! Wir wünschen es, wir wissen aber mit Bestimmtheit, duß es wie im alten, so auch im neuen Jahre schwerer Kämpfe und großer Opfer bedürfen wird, um Verschlechterungen der Lage der Arbeiter zu verhüten, von einer Bessergestaltung gar nicht zu reden! Wenn aber auch mächtige Gegner die Ausbeutung, Unterdrückung und das Unrecht verewigen wollen und mit ihren großen Machtmitteln jedem zu vernichten streben, der sich in den Dienst der Sache des Volkes stellt, so dürfen sich die Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit, für Befreiung vom Joche des Kapitals niemals entmutigen lassen. Jeder Tag bringt uns neue Erfolge und jedes Jahr machen wir bedeutende Fortschritte auf dem Wege zum Sozialismus. Das mögen die Gegner zugeben oder nicht, es ist aber so! Und die Zeit ist nicht mehr fern, wo man allgemein von der Ungerechtigkeit, der Verderblichkeit des heutigen kapitalistischen Systems überzeugt sein wird und seine Beseiti⸗ Darum nicht nachlassen im Kampfe! Vorwärts sei unsere Losung auch im neuen Jahre! — 3 Hessisches. Die Ehe des Großherzogs von Hessen und der Großherzogin ist durch Spruch des Oberlandsgerichts in Darmstadt vom 21. Dezember geschieden worden. So⸗ mit ist nun die„Trennung der hohen Lebens⸗ wege“ wie sich die bürgerliche Presse zart aus⸗ drückte, endgültig erfolgt.— Das Gießener Amtsblatt meint dazu, das hessische Volk werde die Meldung von der erfolgten Scheidung„mit der schuldigen Ehrerbietung aufnehmen.“— So? Manchem im Volke wird es aber auffallen, wie schnell die Ehescheidung in diesem Falle bewerk⸗ stelligt wurde, während ein gewöhnlicher Sterb— licher bei solchen Angelegenheiten große Schwie⸗ rigkeiten zu überwinden hat. Gießener Angelegenheiten. — Unser Agitationskalender, der „Hessische Landbote“ kommt in unserm Wahl- kreise dieser Tage zur Verteilung. Dazu können sich noch Genossen bei dem Vertrauensmann Bock melden. Es werden immerhin viel Leute gebraucht und wer es irgend ermöglichen kann, helfe mit an der Parteiarbeit. Je mehr sich Genossen an der Verbreitung beteiligen, desto weniger Arbeit entfällt auf den Einzelnen. Bei der Verteilung selbst muß darauf gesehen werden, daß kein Material verschleudert wird, sondern daß die Verbreitung zweckmäßig in allen Orten des Kreises vorgenommen wird. Unsere Freunde allerorts im Kreise müssen dabei nach Kräften behülflich sein. Also tapfer an die Arbeit! — Im soz.⸗dem. Wahlverein sprach am Samstag, als der letzten diesjährigen Mitglieder⸗ versammlung, Gen. Vetters über die wichtigsten Vorkommnisse des verflossenen Jahres im poli⸗ tischen und wirtschaftlichen Leben. Er wies hin auf die Kämpfe um die Erhöhung der Zölle, die im Vordergrunde des politischen Interesses standen und wobei die Arbeiterklasse uch gegen die Verschlechterung ihrer ohnehin kärglichen Lebenshaltung mit allen Kräften zu wehren hat. Die allgemeine Krise hat für Tausende von Arbeitern Verdienstlosigkeit und Entbehrung zur Folge; die heutige Gesellschaft zeigt sich unfähig, diese Krankheitserscheinungen am sozialen Körper wirksam zu bekämpfen.— Redner erwähnte dann noch, daß die Sozial⸗ demokratie auch in diesem Jahre in allen Kul⸗ turländern, vielleicht mit Ausnahme Englands, gute Fortschritte gemacht hat. Landtags⸗ und Gemeindewahlen in den verschiedensten deutschen Staaten hätten erfreulichen Stimmenzuwachs für unsere Partei ergeben.— Der gute Verlauf des Lübecker Parteitags und das taktvolle Ver⸗ halten Berusteins hat die Hoffnung der Gegner auf Spaltung in unsern Reihen zu nichte ge⸗ macht. Trotzdem haben wir noch tüchtig zu arbeiten, wir dürften nicht in der Agitation erlahmen, damit der Sieg bei den nächsten Reichstagswahlen auch in diesem Kreise uns zufalle.— Hierauf machte der Vorsitzende auf die Kalenderverbreitung aufmerksam, an der sich die Genossen zahlreich beteiligen sollten.— Am Neujahrstage findet im Orbig'schen Lokale eine Abendunterhaltung statt, zu der alle Ge⸗ nossen willkommen sind. Zur Verlosung soll jeder, der es kann, ein kleines Geschenk stiften. — Das Café Leib übernimmt am 1. April des nächsten Jahres Herr Jakob Noll pacht⸗ weise auf fünf Jahre. Bisher betrieb der künftige Pächter des Lokals den Brauerei⸗Aus⸗ schank von Friedel und Asprion am Seltersweg. — Druckfehlerteufel. In unserer letzten Nummer wurden in der Abonnements⸗ einladung die Arbeiter aufgefordert, für die Verbreitung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung“, die keine Interessen vertrete, zu wirken. Es muß natürlich seine Interessen (des Arbeiters) heißen. Denn allerdings ver⸗ tritt unser Blatt Interessen, und zwar sehr entschieden, nämlich die des werkthätigen Volkes, der Minderbemittelten und Besitzlosen und da⸗ mit diejenigen der Gesamtheit! — Weihnachtsfeiern. Der Familien⸗ Abend der Schneider am ersten Feiertage war wie stets in andern Jahren recht zahlreich be⸗ sucht und verlief aufs Beste. Ebenso war die Feier der„Eintracht“ im Gambrinus sehr zahlreich besucht.— Sonntag halten noch die Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter und am Dienstag Abend die Bäcker im Wiener Hof gesellige Zusammenkünfte ab. Aus dem Rreise griedberg⸗Püdingen. l. Die diesjährige Weihnachtsfeier, welche unsere Genossen in Friedberg am 1. Feiertage in der Stadt New⸗Nork abhielten, hatte eine recht zahlreiche Beteiligung aufzu⸗ weisen. Trotzdem fehlte manche alte Bekannte, weil es Manchem durch die schlechten Verhält⸗ nisse nicht möglich ist, sich auch das kleinste Vergnügen zu leisten. Genosse Busold hielt die Festrede. In kurzen Zügen wies er auf den Kontrast hin, der sich in der heutigen Ge⸗ sellschaft bemerkbar mache, in der man das Christentum zur Modesache gemacht habe. So— gar Fürsten fingen an zu predigen, ließen aber dann zu, daß in einer Zeit voll Not und Elend neue Zölle auf Lebensmittel gemacht würden, wodurch sich die Notlage des arbeitenden Volkes steigere. Auch dieselben Pfarrer, die heute von den Kanzeln die Weihnachtsbotschaft verkünden, seien zum größten Teile auf Seiten der Brot⸗ verteuerer. Erst dann, wenn diese Gesellschafts— ordnung geändert sein würde in unserem Sinne, dann werde man sagen können, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Reicher Beifall wurde dem Redner zu teil, der bewies, daß er der Versammlung aus dem Herzen geredet hatte. Hoffen wir, daß die zahlreichen jüngeren Besucher unserer Veran⸗ staltung sich die Worte des Redners zu Herzen nehmen, und auch wenn es bei anderer Gelegen— heit gilt, am Platze sein werden. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Tuberkulose⸗ Bekämpfung. Um die Weiterverbreitung der Lungenschwindsuchts⸗ Bacillen nach Möglichkeit zu verhüten, erläßt der Landrat eine Bekanntmachung, in welcher zweckentsprechende Maßregeln angegeben werden. Für Fabriken wird empfohlen: 1. Aufstellung geeigneter Spucknäpfe in großer Zahl, am besten für jeden Arbeiter. 2. Verbot, ohne Benutzung des Spucknapfes auszuspucken, 3. Nasse Reinigung der Arbeitsräume, 4. Einrichtungen, die es kranken Arbeitern erleichtern auswärts Heilung zu suchen. 5. Belehrung der Arbeiter, über die Bedeutung 25 0 für die Verbreitung der Tuber⸗ ulose. Das ist alles recht gut und schön, notwen⸗ diger aber und wirksamer wäre gewesen, wenn man den Unternehmern aufgeben wollte, ordentliche Löhne zu bezahlen und die Arbeitszeit nicht übermäßig auszudehnen, da⸗ mit den Arbeitern eine menschenwürdige Lebens⸗ haltung ermöglicht wird. Das wäre zur Be⸗ kämpfung der Schwindsucht mehr wert, als die übrigen Maßregeln zusammen. Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. St. Gesangverein„Eintracht“. Die am ersten Weihnachtsfeiertag im Lokale von D. Jesberg abgehaltene Weihnachts⸗ feier reihte sich der vorjährigen würdig an. Bei Gesang, Geschenkverlosung, Kinderbescheer⸗ unng usw. verflogen die Stunden nur allzu rasch und dürften wohl sämtliche Teilnehmer — und deren waren es nicht wenige— be⸗ friedigt nach Hause gegangen sein. Die von unsrer wackeren Sängerschaar unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Pauli jun. vorge⸗ tragenen Lieder fanden allgemeinen Beifall. St. Im Lehrlingsheim fand am Sonntag Abend ebenfalls eine Weihnachtsfeier statt, bei welcher der Leiter des Vereins, Herr Beige⸗ ordneter Schimpf, sowie mehrere Vereins⸗ Freunde und ⸗Gönner, Innungsvorstände und einige Handwerksmeister zugegen waren. Man war allgemein enttäuscht, daß sich so wenig Meister an der Feier beteiligten, da diese doch eigent⸗ lich der Sache das größte Interesse entgegen⸗ bringen müßten. Durch den Lehrer Ach ler wurden ca. 90 Lichtbilder, eine Reise durch Palästina darstellend, vorgeführt, wonach die Bescheerung stattfand. — Gendarmen als Reisebegleiter. Auf der Bahnstrecke Marburg— Kreuzthal scheint es in der Weihnachtszeit recht gemütlich herzugehen, denn zum Schutze des reisenden Publikums und der Bahnbeamten ist infolge früherer ungünstiger Erfahrungen auch dieses Jahr wieder die Anordnung getroffen worden, daß in den Zügen von Kreuzthal nach Marburg resp. umgekehrt, Gendarmen mitfahren. — Die vom hiesigen Gast wirteverein in den Wirtschaften aufgestellten Sammelbüchsen zum Besten einer Weihnachtsbescheerung bedürf⸗ tiger Kinder von Witwen haben diesmal den ansehnlichen Betrag von 350 Mk. ergeben, wo⸗ von 41 Kindern eine frohe Weihnachtsfeier bereitet wurde. Dieselben erhielten außer Obst und Konfekt, Kleider, Schuhe und Strümpfe. Graf Armin bekommt Nachfolger. Im städtischen Finanzausschuß in Bamberg wurde darüber beraten, auf welche Art den Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen sei. Dabei ließ einer der hochweisen Stadtväter dem Gehege seiner Zähne das klassische Wort ent⸗ fahren:„In der guten Zeit versaufen die Arbeiter Alles und in der schlechten ist dann Not und Elend da.“ Als ob die Unter⸗ nehmer so gut bezahlten, daß die Arbeiter für die Zeit der Not sich etwas ersparen könnten! Wenn einer von den Klassengenossen der Bam⸗ berger Ratsweisen bankerott wird, so ist daran die wirtschaftliche Depression schuld bei dem Arbeiter aber heißt es:„Er hat Alles versoffen.“ Eine Frau von Schweinen an gefressen Auf einem Gehöfte bei Lüneburg erlttt vorige Woche eine hochbetagte Frau einen grausigen Unglücksfall. Die im Hause ihrer Tochter allein anwesende Wittwe B. wollte die Schweine füttern und begab sich in den Stall. Dort wurde die 82 jährige Frau von einem Schlaganfall be⸗ troffen, sie stürzte nieder und blieb ohne Hülfe liegen. Als die Tochter eine Stunde später nach Hause kam, fand sie die Mutter nicht vor und begab sich auf die Suche nach ihr. Zu ihrem Schrecken fand sie die alte Frau im Stalle liegend und mußte mit Entsetzen wahr⸗ lte ehe c lar fernt e de i As —.. — — „.. ————— ten U g! ung Ein Mate gesc 00 lle l — 77 2 . — 7*5 5 Nr. 52. N. 1 eee eee eee. 3 f men e l. f 0 ben 1 55 18 luten 10 1 Gogeseesse hate 08 1 9 8 e 1 und gegen über die Arbeitszeit in Kraft bleiben, die Aus⸗ zedeutin Die Unglückliche mußte diese Marter über sich] man unter dem 104 15 Vicherschah auch bene pere ee r dude 1 705 2151 aral 9 zu können; sie wertvolle Werke. Uebrigens win du Va pe ꝗ+6)ßji wurde sofort in ärztliche Behandlung genommen storbene Mann ei.— d ins Krankenhaus überführt ann ein Sonderling. Ver Knabe Partei-Nachrichten Vkutbeg, un. des Ehepaares wurde erst mit 9 Jahren, nach— We e dem die izei 8 a f Zu einer schw Geld i 10 Eiseubahn⸗Katastrophen. geschick, a u l b de Redakteure unseres Sr ener apa, 25 und 1 Drei Eisenbahn⸗ Unfälle ereigneten sich an] kleider getragen und nicht mit 1 Kian be eee nen 0 einem Tage, am 20. Dezember. Der Durch- verkehren dürfen. Die Frau gönnte sich kei er Poltzet, verurteilt. Jeder der Beiden erhielt 1200 cen, gangszug Köln: Berlin mußte in der Nähe richtiges Essen, noch weniger warm Schuhe deen Jeep. Ane wehe ae e zur De der Station Altenbeken bei Paderborn halten, obwohl sie eine Penston bezog und 50 000 Ml. Nane e ee mute ebe „ dlz de rz der 1 pole per Vermögen hatte. de 8 56 5 Gericht erkannte an, daß die 0„ 8 n der 5—— edakteure im guten Glaub hand 1 1 9 115 0 des Ganz von hinten Kleine Mitteil. eines— Blattes, ee Aung in. ie Druckmaschine des Schnellzuges fuhr. eilungen. chau“, der ebenfalls den Angaben der Frau Glauben Die Wirkung war furchtbar. Die Druckmaschi 1 geschenkt hatte, bekam 1000 Mk. Geld 1 f— ne* 8„. Geldstrafe. Di 1 0 brd 179 00 43 7 7 Wagen dritter Klasse, heim A 115 2 Sglossegesele 7777 N een e 0 . er zertrümmert und durch die F ö g aud chte in Brand Retent wude 12 Personen daun seloft in Nee en ene dee e 11„Fenckerei in Berlin. Mit dan 1. 1 an. wurden getötet, 20—30 meist schwer verletzt.* ee me eee When ae eee bescherr Die Einzelheiten sind gr 1 Gefährliche Heilmethode. Der gestellt werden. Zu diesem Zwecke wurde ein in der zur algu 50 5 lt ind grauenhaft und erinnern Bürgermeister Rückert in Geckenheim(Mittel-[ Lindenstraße gelegenes 4000 Quadratmeter großes lach n das schre liche Unglück von Offenbach. franken) verletzte sich unbedeutend am Daumen Terrain erworben, auf dem das Gebäude für die 9e— 19 11 1 Passsagiere, welche unter die Trümmer der linken Hend. Nach alter Sitte legte er Druckerei errichtet wird, in welchem zugleich Buchbinderei, 9 b(8 agens zu liegen kamen, verbrannten bis etwas Spinnengewebe auf die Wunde, wo⸗ Expeditions⸗ und Redaktionsräume untergebracht werden ie bon zur Unkenntlichkeit, andere zog man mit ver- durch diese wahrscheinlich verunreinigt 805 d denen sich Erholungsräume für die Arbeiter anschlleßen. Leitung hranntem Unterkörper hervor. Es dauerte ziem⸗ Alsbald stellte sich Blut ber 1 i 0 5 Abe een eee een l. borg⸗ lich lange, ehe aus dem nur wenige Kilometer ˖ Gi kehren und erbaut und elettrisch betrieben.— Auch die Harburger fl f i 9 nach wenigen Stunden verstarb Rückert G fi 9 0 1 entfernten Altenbeken Hilfe herbeikam. Dann 8 Aus Not erstickte die Ehefrau des Buch⸗ enossen beabsichtigen eine eigene Druckerei zu errichten uud. kasetngnng der aun und auch al 1 ee Versammlungskalender. „ 3 8 u Aerzten. naben im Alter von 12, 8 und 4 Jahren Samstag, den 28. Dezember. 8 05 Bei 965 Katastrophe herrschte dichter Nebel. durch ausströmendes Gas. Der Ehemann wt Gießen. Holzarbeiter. Abends uhr Versamm⸗ Vreinz⸗ erner stieß der von Osnabrück nach Bremen seit einigen Tagen verschwunden und gab brieflich lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter ünde ud gehende Personenzug bet Bassum mit einem die Absicht kund, sich zu tödten, da ihn schwere Abends 9 Uhr Versammlang bel Orb ig. Nan war Güterzuge zusammen. Eine Person wur de Sorgen drücken. l Montag, den 30. Dezember. 5 malt lagen verletzt; der Matergalschaden it be⸗ Aale en e e ch eigent⸗ ud. Versammlung bei Wirt Wilh. Becker. Pünttliches able 0 5 9707 1 poche 1 gleichen Tage Arbeiterbewegung. und vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. Ach ler sch enburg. ort fuhr ein Güter⸗ 11955 17 5 0 Briefkasten. eise durch zug infolge falscher Weichenstellung auf ein ez ee we 8 e 110 See 1 u fanden 1 5 nach die stumpfes Geleis. Einige Wagen entgleisten kürzlich in mehreren Orten statt. In Jer bit ae e ie e ee Ein Brems er bsth 5 wer 5 7 Der been il rden die Kandidaten des Gewerk⸗ ene 15, 195 1 1 1 ö 5 Skar 1: 4„ wenn sie von allgemeinem t ind. gleitet, ö wird auf etwa 10 000 Mk. liber(Sachen die Nach Genossen Aber nur beweis bare Thatsachen! aer ru geschätzt. glatt durch. Dort war von einem unter Füh⸗ wenig als zu viel behauptet! Unter allen Umständen gemütlich rung eines Werkführers stehenden„Wahlkomitee“ müssen Sie uns aber Ihren Namen nennen, Sie können resenden Arm im Reichtum. ung a henden, ahl omitee sicher sein, daß er keinem Menschen genannt wird. i eine Gegenliste aufgestellt worden, die es indessenn st infolge Vor kurzem wurde inCannstadt(Würtembg.) nur auf 58 Stimmen brachte, während die List 1 en, ach dieses eine schon länger als geistig nicht ganz gesund unserer Genossen 345 erhielt. 15 Anders fiel 6 Holzversteigerungen baden, erkannte Wittwe in eine Heilanstalt verbracht. die Wahl in Gelsenkirchen aus. Dort„Montag, 39, Dezember vorm. 9 Uhr Marburg Die Frau hatte lange Zeit ihr Zimmer nicht siegten die vereinigten christlichen und Hirsch⸗ im Gießener Stadtwal de Distrikte Neuhage . mehr verlassen, dasselbe nicht gereinigt und Duncker'schen Gewerkschasten mit 16 Stimmen und Haingesboden. Zusammegkunft Grünberger⸗ eberein gelüftet, noch viel weniger ein Bett gemacht. Mehrheit über die freien Gewerkschaften, straße am Waldeingang. Zur Versteigerung elbüchen 1 5 99 5 f 1 5 1 Arbeit ersparen, Aus sperrung. Sämtliche in den kommt Eichen- und Nadel⸗Scheit⸗ u. Knüppel holz. i bedürf⸗ u trotzdem 5 gute Betten vorhanden waren, Webereien in Meerane(Sachsen) beschäf⸗ Letzte Nachrichten. ul den schlief sie auf dem Boden. Als der Augias⸗ tigten Akkordweber wurden am Ge don Eine Schesge aus Win daß eben, wo stall gesäubert wurde, fand der Vormund des ihren Fabrikanten ausgesperrt, mit denen sie Kitchener eine neue schwere Niederlage der Jae. Kindes, eines Knaben, amerikanische wegen der Arbeitszeit in Differenzen geraten Engländer berichtete. Danach erstürmte uhn Ot ö ertpapiere in der Höhe von etwa 13 000 Mk. waren. Es wurde jedoch eine gütliche Einigung] De Wet das Lager Firmans bei Tweefontein rümpf. or, deren Zinskoupons seit 1891 unberührt erzielt, wonach die bisherigen Bestimmungen wobei die Engländer bedeutende Verluste erlitten. folge. J40yᷣw 8 22 . ü cheller's Verband der Bäck anbetg Verb abrik- Jar 4 N 1 acer 1 0 and der Fabrik- und f beige e n f g g eihnachts- und J Weihnachtsfeier ber. O J einnachtsfelerf Sylvesterfeier. ufen d bestehend in 5 ik- jesang Age, C J 1155 4 Deklamationen, Vorträgen, Christbaumverlosung ete. ärztlich empfohlen 1 3 e eee Couplets, die Unter“ am Sonntag, den 29. Dezember, abends 7 Uhr im 5 1 5 5077 stag, 31. 1 ir Sure eitel fin 4 Lokale des Herrn Löb(„Wiener Hof“) 5 Fi 1 pee ar 880(Wiener o eu ee könnten! Eintritt frei! Eintritt frei! Literfla che M. 1.80—2.— Alle Kollegen und Gewerkschaftsmitglieder haben freien Zutrit 1 gam s d ee 205 51 hältnismäßi Zu zahlreichem Besuch ladet ein V der Bal 3— A* N Huld/ u. ½ Fl. verhältnismäßig. 0 0 Der Vorstand cb, 0. 2— Alleinige Niederlage: 5 1 50 7 51* 1 H: 1 10 lle Meinen werten Gästen und A 1 O Caszler * 2 1 0 7— E „ H allen Parzegenassen von Feiade? geen eee Schirmfabrik gefte f berg U. Umgebung ein herzliches M. Möser, Giessen, Seltersweg b 5 allet H.BelloffII. Giessen, Alicestr. Th. Budde& Co 0— 1 ö A. Seibert in Wieseck N 0 10 ln I 081 950 9 I e Giessen, Marburg ¼., 0 110 1 IIh. Brück, WISSmar. Seltersweg 9, Neustadt Il, pulde d, f i es empfehlen für Geschenke: 47165 Jakob hl, zur Stadt Nen-Tork' cl 5 Latten Negenschir nee für Damen hne— 2 1 fu Friedberg. r a.% Herren, 10 1. r eitsschirme, Sehulsehirme. 1 1 empfehlen Rnaben- und Mädchen-Schirme. Puppenschirme. 6 Heppeler& Meyer. Spazierstöcke sehr billig. rere N 8— 5 2 K e- e eee ee eee eee Seite 6. MNittoldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 52. 2 5 4 AUnterhaltungs-Ceil. A——ů 2 Den Avbeiter⸗Frauen. An Euch, die sich in Sammt nicht kleiden Und schminken nicht die Wangen rot, Nicht durch Migrän' und„Nerven“ Leiden Den Männern schaffen Qual und Not, Die Ihr das Echte nur, das Wahre Vertretet in der Weiblichkeit, Euch sei zuerst im neuen Jahre Ein innig froher Gruß geweiht. Die Ihr im Ringen um das Leben Nehmt mit dem Manne redlich Teil Und fördert seines Geistes Streben Für einer bessern Zukunft Heil,— O haltet aus auf Eurem Posten, In Leid und Kampf ihm zugesellt, Denn seines Geistes Waffen rosten, Wenn sie nicht Liebe blank erhält. Wahrt Euch den Frauenfinn, den echten, Der sich in Kleinmut beuget nie! Erzieht die Kinder nicht zu Knechten, Erzieht zu freien Menschen sie. Sorgt, daß sie hoch die Wahrheit halten Und für das Recht in Mut erglüh'n, Dann wird auch Eurem stillen Walten Des Ruhmes echter Lorber blüh'n. Max Kegel. Der Fabrikant. Der letzte Tag des Jahres brach trübe und regnerisch an. Es war, als wollte der immel an diesem Tage über all die unerfüllten ünsche weinen, die das Jahr bei seinem Be⸗ ginn von den Menschen empfangen hatte. Unten auf der Gasse spielten lärmend die Kinder. In raschem Trabe kam eine Equipage die Straße entlang, plötzlich wurden die Pferde scheu: eine Knallerbse war dicht vor ihnen explodiert; aber der geübte Kutscher be⸗ ruhigte sie schnell und hieb dann kreuzweis mit der Peitsche unter die„Schulkinder“, daß da und dort eins aufschrie und blaue Striemen zurückblieben. Drinnen im Wagen sab der Großfabrikant, dessen riesige Maschinenfabrik dicht vor der Stadt lag. Er war in die Stadt gefahren, um Reujahrsgeschenke und Feuerwerkssachen zu kaufen, mit denen er in der Sylvesternacht um zwölf Uhr seine schöne Gattin und seine Gaͤste 57 wollte. Bei dem unerwarteten Rucke, den der Wagen beim Zurückscheuen der Pferde bekam, 0 der Fabrikant entsetzt aus seinen Ge⸗ anken auf, richtete sich im Wagen auf und rief dem Kutscher zu;„Fahren Sie schnell zu, damit wir noch vor völliger Dunkelheit nach Hause kommen!“ Bald waren sie außerhalb der Stadt. Bald tauchten die großen Schornsteine seiner Fabrik auf, aus denen noch dicker Rauch quoll. Der Fabrikant wußte, daß die Arbeiter eine eilige Arbeit vorhatten. Die neue Maschine sollte heute fertig werden; da es aber Sylvesterabend war, wollten die Leute eine Stunde früher aufhören. Der Wagen rollte in einen Seitenweg hinein, der an der Fabrik vorbeiführte, einen Augenblick päter fuhr der Fabrikant vor seiner eleganten illa vor, die hinter der Fabrik lag. Ein Diener eilte hinaus und öffnete den Wagen⸗ schlag, auch seine Frau kam ihm im Vestibül entgegen. „Na, Willychen, bringst Du uns Ueber⸗ raschungen mit!“ „Vielleicht, mein Schatz!“ erwiderte er ge- heimnisvol. „Ach, Alterchen, verrat' mir's doch! Nicht wahr, Du willst Dein kleines Weibchen mit dem herrlichen Zobel pelz erfreuen, den ich mir Einkommen ein Neujahrsgeschenk von fünftausend Mark für Dein Frauchen! Das verdienst Du ja in einem Monat!“ „Na, na, so leicht geht das nicht— aber laß Johann die Sachen aus dem Wagen her⸗ aufholen! Ein gutes Herz wird ja immer bestegtl Aber nun mußt Du mich für ein Weilchen entschuldigen. Ich habe noch etwas Geschaft⸗ 11 15 zu erledigen, und unsere Gäste kommen a 1* Er verließ seine Frau und betzab sich lang⸗ amen Schrittes durch seinen Park zur Fabrik. 18 er in das erste Hauptkontor hineinkam, saßen Buchhalter und Kontoristen über ihre roßen Bücher geneigt, eifrig beschäftigt, den ahresabschluß zu machen; es war bestimmt, daß Niemand Feierabend machen dürfe, bevor nicht Alles in Ordnung war. Das ganze Kontorpersonal erhob sich und machte eine tiefe l Er durchschritt aber den Raum, ohne den Gruß zu erwidern, und betrat sein Privatkontor. Hier zündete er sich eine seiner feinen Havannazigarren an, legte sich auf die Chaiselongue und versuchte, indem er mit dem Blicke die blauen Rauchringe verfolgte, selbst auszurechnen wie groß wohl der Jahresgewinn ein könnte. Es verdroß ihn sehr, daß im nfang dieses Jahres der Lohn erheblich ge⸗ stiegen war. „Wenn ich einmal einen Hauptschlag ver⸗ suchte,“ murmelte er,„und den Arbeitern er⸗ klärte, daß ich, auf Grund der großen Betriebs- unkosten, der Materialpreissteigerung und der wachsenden Konkurrenz mit ihren Schleuderan⸗ angeboten. hm... hm!“ Er lächelte behaglich vor sich hin. Dann n er aus seiner gemächlichen Stellung auf, rückte auf einen elektrischen Knopf, worauf wenige Augenblicke später der erste Buchhalter eintrat. „Sind Sie mit dem Hauptbuch fertig?“ „Jawohl, Herr Chef.“ „Na, lassen Sie sehen, wie die Sache geht. Der Gewinn ist sicher in diesem Jahre sehr un⸗ bedeutend bei all den wichtigen Umständen. Ich weiß gar nicht, wie wir alles decken sollen. Am meisten liegen mir die Arbeiter am Herzen, ich möchte ihnen gern so viel bezahlen als ich kann, aber das wird immer schwieriger!“ „Ach, das ist durchaus nicht schwierig!“ er⸗ widerte der Buchhalter. „Wie meinen Sie das?“ rief der Fabrikant in erregtem Tone. „Ich meinte nur,“ stammelte der Buchhalter, „daß die Gewinnbilanz des letzten Jahres über hunderttausend Mark beträgt!“ „Ueber Hunderttausend— so... Ja, es es ist gut! Sie können gehen! Auch das übrige Kontorpersonal!“ Eine Weile später stand der Fabrikant allein in den Kontorräumen. Er trat an eins der enster, trommelte mit den Fingern an die cheiben und sagte dabei zu sich selbst:„Es muß sich machen lassen... Wir sind mitten im Winter... Was sollen sie anfangen? Andere Arbeit giebt es ja nicht für sie.. und Essen will doch Jeder haben Ihre Einigkeit“ wird darüber wohl in Stücke gehen.. a, ich will gleich hinüber und ihnen ein frohes neues Jahr wünschen, und dann... He, he, he!“ In dem großen, hellen Maschinensaal war noch Leben uud Bewegung. Unter munterm Gesang wurde von den muskelstarken Armen der Hammer geschwungen, der Klang der schweren Hammerschläge hallte laut und das Rasseln der Eiseuplatten hallte weit über die Fabrik⸗ mauer hinaus. Noch einige rasche Schläge uud die Arbeit war fertig. Das Feuer wurde ausgelöscht und das Werkzeug auf seinen Platz gelegt. Dann ver- 5 8 sich die Arbeiter um die neugefertigten Maschinen, die mitten in der Halle standen und deren blanker Stahl im elektrischen Lichte schimmerte. Voll Stolz standen sie da und betrachteten das Werk, zu dessen Vollendung jeder das Seinige beigetragen hatte und das den Namen des machen würde. Plötzlich trat der Chef mitten unter sie und Fabrikanten gewiß bekannt Abend!“ so laut, daß es Alle hörten.„Eine feine Maschine!“ rief er.„Aber leider wird sie in einer sehr schwierigen Zeit fertig und es wird mich große Summen kosten, bis sch vollen Nutzen davon 1 1 kann. Darum bin ich— u meinem Bedauern— genötigt— es ge⸗ schieht ja nur zu Euerm Besten— damit ich mit vollem Personal weiter arbeiten kann— deu Lohn mit dem neuen Jahre herabzusetzen. Nähern Bescheid bekommt Ihr im Kontor! Ich wünsche Euch ein frohes, neues Jahr!“ Damit wandte er sich um und ging. Ein furchtbarer Grimm bemächtigte sich der Arbeiter. Ihre Hände ballten sich hinter dem Fabrikanten. Dann sprang einer der ältesten Arbeiter auf den nächsten Amboß.„Kameraden!“ rief er. Schmal haben wir es immer gehabt, und schwer ist es oft gewesen, für Weib und Kind Essen zu schaffen— an sich selbst dachte man ja nicht so— aber nun will er, der reiche Fabrikant, uns noch weiter unseres elenden Ver⸗ dienstes berauben, so daß unsere Lieben nun verhungern müßten. Das war sein Neufahrs⸗ wunsch für uns! Kameraden, ich schlage vor, daß wir uns morgen um zehn Uhr versammeln und ihm unsern Neujahrsgruß darbringen!“ Als er von dem Amboß herabsprang, ertönte lauter Beifall. 5 Dann schieden die Arbeiter und verließen schweigend die Fabrik, um ihre Wohnungen aufzusuchen, in deuen Mutter Alles so hübsch aufgeputzt hatte, um Vater zu erfreuen, wenn er am Sylvesterabend heimkehrte. Aber an diesem Abend ertönte kein Freudenlied aus den kleinen Arbeiterhäusern.. Es war lange nach Mitternacht. Die Gäste hatten die Villa verlassen. Der Fabrikant stand in seinem Privatkabinet und überdachte die Er⸗ eignisse des Tages. Aus seiner freudig erregten Stimmung konnte man entnehmen, daß er aͤußerst zufrieden mit sich selbst war. Das konnte er ja auch! Seine Gäste hatten sich in den schmeichelhaftesten Worten über seine Syl⸗ vesterarrangements ausgesprochen, und sein Freund, der Geheimrat im Kirchenministerium, hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß sein Name höheren Ortes wegen einer großen Mildthätigkeit genannt sei. Er hatte ja einen wertvollen Bauplatz zur Aufführung einer neuen Kirche geschenkt und würde wohl in Folge dessen bald den Titel Kommerzienrat erhalten. W Es ist gegen elf Uhr, der Fabritbesitzer ist noch nicht aufgestanden, aber jetzt erwacht er und hört ein seltsames Summen draußen vor dem Hause. Eilig öffnet er ein Fenster und erblickt seine eigenen Arbeiter, die unter Gesang auf die Villa zu marschieren. Noch kann er die Worte nicht unterscheiden, es muß wohl ein Neujahrslied sein. Die Arheiter kommen näher und nun vernimmt er deutlich die Worte des Liedes, deren Inhalt ihm Schrecken einflößt. Dem Fabrikanten wurde unbehaglich zu Mute. Wollten seine Arbeiter Revolution machen? Er zog in Eile seine Kleider an, jetzt hatten auch die Arbeiter die Villa erreicht und machten Halt. Drei Mann traten hervor und kamen die Treppe herauf. Da trafen ste auf einen Diener, der sie zum Chef hineinführte. „Wir kommen als Vertreter unserer Kame⸗ raden,“ nahm der eine das Wort,„um Ihnen mitzuteilen, daß unser Lohn schon jetzt so gering ist, daß wir kaum auskommen können. enn er noch weiter herabgesetzt wird, müssen unsere Frauen und Kinder Not leiden, und das wollen wir nicht! Dann stellen wir die Arbeit ein! Alle Kameraden sind mit uns darin einig! Als der Fabrikant sah, daß selbst seine alten Arbeiter, die ein ganzes Menschenalter in der Fabrik gearbeitet hatten, gemeinsame Sache machten, gab er bald nach. Als sie hinunter kamen, stand er hinter der Gardine am Fenster und hörte, wie die Arbeiter ein Hoch auf die„Einigkeit“ ausbrachten. Und dann zogen sie unter frohem Gesang von der Villa fort, um das neue Jahr zu feiern. — so gewünscht habe— und den Du mir ja auch la hrpgen hast. Was macht Dir bei Deinem sagte mit erzwungener Freundlichkeit„Guten mit ihren Kameraden tr. I. — „ein det pit und tz 0 poll in ich* * eg b damit 0 m 2 bzuse rte. Jahr! 5. e sich der iter dem beter auf rief er. abt, und und Kind achte man der reiche den Ver⸗ chen nun Neujahr; slage bot, rsammeln ingen!“ ng, ertönte berließen Bohnungen so hübsc nen, wenn Aber an d aus den Die Gäste kant stand hte die Gr ig erregten „ daß er bar. Das ten sich in seine Shl⸗ und seln ninisterium, geben, daz er großen te jn einen einer neuen Folge deen ten. 2 U estau 0 10 ang Seite 7. Mitteldeutsche Sountags⸗Keitung. Nr. 52. Das große Los. Der Maurer Konrad Baumüller hatte zwei Söhne, Hans und Fritz. Hans kam zu einem Schlosser in die Lehre und Fritz wurde Maurer. Fritz war fleißig, Hans war faul. Fritz besuchte die Volksversammlungen fast regelmäßig und wurde ein treuer Genosse der Sozialdemotie. Hans beteiligte sich nur kurze Zeit an dem politischen und gewerkschaftlichen Leben, dann wurde er ein Trunkenbold und lief von jeder Arbeit davon. Da der Alte dem mißratenen Hans nichts geben konnte, ging dieser auf die Walze und führte ein Lumpenleben, in dem er sich vom Fechten notdürftig ernährte. Er war niemals niederträchtig oder boshaft, aber in Folge seiner Trägheit war er bald ganz verkommen; er sah so schmutzig und heruntergekommen aus, daß anständige Arbeiter— auch solche, denen es sehr schlecht ging— nicht mit ihm ver⸗ kehren mochten und ihn sein eigener Bruder einen Taugenichts nannte. Da gewann der alte Baumüller plötzlich das große Loos, er hatte seine sämtlichen Er⸗ sparnisse auf die eine Karte gesetzt und hatte das unverschämte Glück, den Hauptgewinn zu ergattern. Aber er wurde seines Gewinnes nicht froh, den er starb wenige Tage darauf au einem Schlaganfall. Die beiden Söhne Viertelmillion. Fritz sagte sich, daß er das ererbte Geld niemals würde verausgeben können und begann darauf loszuleben. Deklassierte aus der Bour⸗ geoiste, verkümmerte Schauspieler, besitzlose Trinker, verkommene Dichtergenies suchten ihn auszubeuten. Die Weiber thaten das ihrige und der einst so arbeitssame Mann wurde im Reichtum ein ausschweifender Wüstling. Anders Hans! Als er sich zum ersten Mal satt gegessen hatte, sagte er zu sich selbst: „Was bist Du doch ein versumpfter Kerl?“ und sann nach, ob er nicht zu etwas uütze sein könne auf der Welt. Er war sich schon darüber klar, daß er von einem kleinen Teil der Zinsen seines Vermögens ganz gut würde leben können, und war bereit, mit dem Rest Andern zu helfen und ihnen beizustehen. Er begann, sich mit dem Lesen nicht nur von Zeitungen, sondern auch von volkswirt⸗ schaftlichen und politischen Schriften zu befassen. Er war selbst erstaunt darüber, wie schön und interessant die geistige Beschäftigung ihm vor⸗ kam. Nun hielt er sich Lehrer und eignete sich all' das an, was die Söhne der reichen Klassen in ihrer Kindheit lernen. Aber er hielt es nicht mit den Wohlhabenden, sondern schloß sich mit Begeisterung der Sozial⸗ demokratie an. In einigen Jahren war er so weit, treffliche Schriften verfassen zu können, welche nicht nur durch ihre agitatorische Wirk⸗ samkeit, sondern auch durch ihren wissenschaft⸗ lichen Ernst Aufsehen erregten. Indes verjubelte Fritz das leicht gewonnene Vermögen. Er schloß sich einem Klub an und als er dort Tausende verspielt hatte, reiste er nach Monacco, um hier den Rest seines Kapitals am Roulettetisch los zu werden. Völlig verarmt kehrte er zurück und wandte sich hilfeflehend an den„Taugenichts“, der ihm bereitwilligst aus der Not half. H. M. erbten jeder eine Kalender-Verbreitung. In aller Früh' hinaus auf's Land, Wenn Hahnenschrei durch Nebel dringt Die bunten Heftchen in der Hand— Der starke Schritt taktmäßig klingt.— So geht's zum frohen Sonntagswerk, „Freiwill'ge Arbeit!“ Hei, juchhe! So geht's durch Felder, über'n Berg, Nun winkt das Dorf in nächster Näh'. Drauf bietet„Halt“ der Kommandant, Schreibt jedem seine Route vor. Die Land⸗Kalender in der Hand, Geht's an die Arbeit mit Humor. „Das Neuste, Meister“.—„Schönen Dank. Ich kenn' Euch noch vom vor'gen Jahr'“ Und weiter geht's das Dorf entlang, In jedes Haus ein Exemplar. Und zeigt manch' treuer Händedruck, Daß gut gedeiht der Freiheit Saat. Daß in der Scheune und beim Pflug Schon steht manch wack'rer Kamerad. Und freud'ger Stolz erfüllt die Brust, Daß wir ein kleiner Teil der Kraft, Die, ihrer hehren Pflicht bewußt. Der kranken Welt Genesung schafft. Noch ist der Arbeit viel zu thun, Noch liegt im Dunkel tief die Welt, Und eher dürfen wir nicht ruh'n Bis jedes Menschenhirn erhellt! Drum frisch hinaus, hinaus aufs Land, Wenn Hahnenschrei durch Nebel dringt, Die bunten Heftchen in der Hand Dem Arbeitsvolk die Freiheit bringt!(„Tribüne“.) Ihr laßt die Armen schuldig werden. Die Kellnerin Josephine Kromer in Straßburg lernte dort den Soldaten Paul Götze aus Jaucha bei Höhenmölsen kennen. Der Verkehr war nicht ohne Folgen geblieben, so daß die Kellnerin drang, sie zu ehelichen. Er erhielt aber hierzu nicht die Erlaubnis seiner Eltern, ja, diese kamen sogar nach Straßburg und holten ihn bei seiner Ent⸗ lassung ab, weil das Mädchen ihn auf der Heimreise begleiten wollte. Bei dieser Gelegen⸗ heit kam es zu Drohungen, und sie wollte sich und ihren Liebhaber erschießen. Später suchte sie ihn auch in seinem Heimatsorte auf und verlangte fortgesetzt, er solle ihre Ehre wieder herstellen. Für die Drohungen, mit denen ste das zu erzwingen versuchte, erhielt sie am Donnerstag vom Landgericht Naumburg fünf Wochen Gefängnis. Der Geliebte der Kellnerin steht als Ehrenmann da und die ins Unglück gestürzte muß auch ins Gefängnis wandern, weil sie so dreist war, durch eine Heirat die Wiederherstellung ihrer Frauenehre zu verlangen. Das ist die Klassenmoral des bürgerlichen Rechtsstaates. Gemeinnütziges. Gegen Verbrennung und Verbrühung. Eines der besten aber wenig bekannten Mittel ist gewöhnliche Waschseife. Diese wird mit einem Messer geschabt, auf die verletzte Stelle gelegt und mit einem leinenen Tuche bedeckt. Dieses höchst einfache und billige Hausmittel bringt rasche Erleichterung und baldige Heilung ohne Zahnpflege bei Schulkindern. Die Darmstädter Bürgermeisterei hat, wie die„Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“ berichtet, auf Veranlassung der Schulärzte folgenden Hinweis jedem Kinde mit nach Hause gegeben: An die Eltern der Schüler! 1. Die Eltern werden eindringlichst gemahnt, bei ihren Kindern auf eine sorgfaltige und regelmäßige tägliche Zahnpflege zu achten. 2. Schlechte und fehlende Zähne sind häufig die Ursache von schweren Magen⸗ und Verdauungsstörungen. 3. Täglich, am besten Morgens und Abends, sollen die Kinder mit Zahnbürste und etwas Wasser die Zähne putzen. Jedes Kind muß seine eigene Bürste haben. 4. Kranke Zähue sind möglichst beim Beginn der Erkrankung von einem Zahn⸗ arzt behandeln zu lassen, da nur bei frühzeitiger Behandlung Aussicht vorhanden ist, den kranken Zahn zu erhalten. Splitter. Die letzte Nr. des Süddeutschen Postillon enthält einige ganz ausgezeichnete„Pillen zum Selbstkurtieren“, von denen wir hier einige Proben geben. Diese Nr. ist über⸗ haupt äußerst inhaltsreich, weshalb wir sie unsern Lesern zur Anschaffung empfehlen. * * Du sollst nicht mit dem Maul sozialdemokratisch reden und dann hinterher fressen und saufen und Unzucht treiben wie ein Bourgeois. Wer eine Welt reformieren will, soll zuerst bei sich selber anfangen. * * Du sollst nicht in den Versam mlungen die „Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt“, verlangen und daheim dein Weib physisch oder moralisch mißhandeln. Bedenke, daß auch dein Weib zu den Kreaturen gehört die„Menschenantlitz“ tragen. 4 * Du sollst dir nicht einbilden, Jeder sei ein Esel, der in seiner Jugend Säcke tragen mußte. Mancher solcher Sackträger ist schon zum Träger großer Ideen und Gedanken geworden und mancher, der von Kindesbeinen an mit Gelehrsamkeit gefüttert wurde, schleppt sein totes Wissen mit sich herum wie ein Esel einen Sack. Humoristisches. Die Zurückgebliebenen. Den größten Schmerz haben beim Jahreswechsel immer die Zünftler, denn sie müssen sich trauernd sagen, daß wir nun wieder um ein Jahr weiter vom Mittelalter entfernt sind. Poesielos.„Wie ist doch unsere Zeit so prosaisch geworden“, sagte der Gefangene am Sylvesterabend: „Früher rauschten die Jahre dahin ins Meer der Ewig⸗ keit— jetzt werden sie einsach abgesessen.“ Seine Auffassung. Vater(der Braut):„Sie wollen also diesen Herbst meine Tochter heiraten? Da heißt's aber jetzt sparen!“— Bewerber(gutmütig): „O, legen Sie sich wegen mir aber nur keine Beschränk⸗ ungen auf!“ Litterarisches. Von dem Sozialdemokratischen Reichs⸗ tags⸗Handbuch von Max Schippel, das die Buchhandlung Vorwärts in Berlin in Wochenheften zu 20 Pfg. herausgiebt, liegen jetzt 10 Hefte vor. In den letzten Heften wird nach den Bergarbeitern die Materie der Berufsstatistik, des Bimetallismus, des Arbeiterschutzes in der Binnenschiffahrt, der Brannt weinsteuer und besonders der Bueckbriefe ꝛe. behandelt. Wir empfehlen unsern Lesern dringend dieses Lehrbuch der politischen und gewerkschaftlichen Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Heuchelheim. Sonntag, den 29. Dezember, abends 7 Uhr General-Persammlung eim flaschen bei Th. L. Mandler. Tagesordnung:. Kassen bericht. in empfehlende Erinnerung. e Jede Lieferung frei ius Hans. Zahlreiches pünktliches Erscheinen dringend erwünscht. Heinrich Kröek V. Der Vorstand. 1 Narbe. rr... lleuchelheim. Bringe hiermit meiner wer⸗ ten Kundschaft ein aus der Brauerc! Friedel& Asprion 2 H. Schneider 25 Sonnenstr. 25. eee e ratulations karten 5 R A in größter Auswahl empfiehlt Wiederverkäufer Rabatt. — eee Seite 8. empfiehlt sein auf's Reichhaltigste au Puppen- und Kinder-Sportwagen, unzerbrechlich, unverbrennbar, grossart arosse Ausstellung Kinder- Spielwaren für K na ben und Mädchen. crösste Neuheit in beweglichem Christbhaumschmuck, Puppen- Heilanstalt. 1 eee Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. J. H. Fuhr, besser Sonnenstrasse 23 s gestattete iger Effekt. Nr. 52. AAA A AKA AAA AAA Sozialdemokratischer Wahlverein Giessen. Am Neujahrstage, abends von 8 Uhr ab im Lokale Orbig: Meujahrsfeier Gesellige Unterhaltung, Gesaugs vorträge des Gesang⸗Vereins„Eintracht“, Deklamationen, Geschenke⸗ Verlosung. Alle Genossen und Gewerkschaftsmitglieder sind freundlichst eingeladen. Der Vorstand. ie besten Wuͤnsche G zum Jahreswechsel! Alb Mater Paetots Flocone, Ratiné und Double mit Plaid- futter und Sammtkragen 8 VIX. ——F—— ———— 300 feine Kamm⸗ garn⸗Anzüge 13.50 MX. —— Einen Riesenposten JOPPEN mit Futter, Mufftaschen u. Schnallen ete. 3.50 MX. /J•Lↄùů. ĩðͤ v ĩðVu]ĩͤ. ͤÄ——— g Alles für Erwachsene. —ů— ——————-¼ —*——— Oberhess. Kleider- Bayar Marburg. Versand gegen Nachnahme Bringe mein großes Lager in ute und Mützen zu n Preisen in empfehlende Erinnerung. Rudolf Richter, Hutmacher Marktstraße 26 Gießen Marktstraße 26. 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Schneider am ersten Feier⸗ Orbig abzugeben. Beim Familien⸗Abend der tage wurde ein Schirm vertauscht. Man bittet, den⸗ selben in der Wirtschaft Allen Freunden und Gönnern zum 5 Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche! Louis Lõb und Frau „Wiener Hof“ 2 ⏑ N Unserer verehrten Kundschaft — die besten Wünsche zum Jahreswechsell Bahnhofstraße 27. Gebr. Berdux, Lindenplatz 12. 2 — Verlag der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. —— Ne e eee ee ee * * e * un.— Gießen, Sonntag, den? e 6. Januar 1901. 8. Jahrg. i. 0 1 8 0 7 9 M 60 d f. MRedaktionsschluß: rchenplatz 11, oßgasse. 1 11. D stag Nachmittag 4 Uhr. — 1 E eu E onnerstag Nachmittag 4 Uhr 10 Colour& Grey Control Chart Slue Cyan Steen Vellow- Autags Zeitun ones PiS Bed Magenta White Grey 1 Grey 2 laufene Jahr Fortschritte im Sinne unserer Bestrebungen brachte, unsere Arbeit, unsere Kämpfe von Erfolg gekrönt waren. Zwar dürfen wir uns niemals mit dem etwa Erreich⸗ tnen zufrieden geben und müßig die Hände in den Schooß legen. Im Gegentheil müssen uns Erfolge zu neuer Arbeit, größerer Kraft⸗ anstrengung anspornen, während Niederlagen uns lehren, unsere Organisation zu vervoll— kommnen, die Agitation durchgreifender zu ge— stalten. Reich an Kämpfen war auch das ver⸗ flossene Jahr.— Lassen wir die hauptsächlich⸗ sten Vorkommnisse, von denen unsere Partei be⸗ rührt wurde, an uns vorübergleiten und folgen wir dabei den Ausführungen unseres Offen- bacher Parteiorgans, so galt es nach der Zucht- hausvorlage im vorhergehenden Jahre, in dem verflossenen, die Lex Heinze, den Vorstoß des Muckerthums, abzuschlagen. Wären nicht unsere Vertreter unentwegt auf dem Posten gewesen und hätten sie nicht durch das im deutschen Reichstag so gut wie unbekannte Mittel der Obstruktion die reaktionären Par⸗ teien mürbe gemacht, wer weiß ob die so sehr nach Außen für Freiheit in Kunst und Wissen⸗ schaft schwärmenden Parteien nicht doch noch vor dem sonst allmächtigen Zentrum zusammen⸗ geknickt wären. Die nachdem in Fluß gekom⸗ mene Goethe-Bund⸗Bewegung giebt uns ja den deutlichsten Beweis, zu welchen Halbheiten das Bürgerthum fähig und wie wenig man von jenen Seiten geneigt ist, der Polizei nur irgendwie zu nahe zu treten, und wenn dieselbe sich noch so unverantwortliche Thaten mittels des Zen— surstiftes usw. leistet. Das damalige Eintreten unserer Partei für die idealen Güter unseres Volkes wird nicht nur bei den eigenen Genossen unvergessen sein. Einen weiteren heißen Tanz gab es, als eine neue vermehrte und verböserte Auflage der Flottenvorlage an den Reichstag ge— langte und mit Hilfe des„regierenden“ volks- verrätherischen Zentrums zur Annahme ge⸗ langte. Wie wenig waren es außer unseren Genossen, die dieses Werfen von Millionen ins Wasser nicht mitmachten, um dadurch zugleich einer ins Planlose gehenden Weltmachtspolitik entgegen zu treten. Die Folgen einer solchen Politil haben wir ja bald zu kosten bekommen und noch heute haben wir leinen Ueberblick, wie das chinesische Abenteuer, dem der deutsche Gesandte und nach ihm schon manches deutsche Landeskind zum Opfer fiel, ausgehen wird. Welche finanziellen Schäden uns die angeblich im Interesse des deutschen Handels und der Industrie vorgenommene„Pachtung“ im Reiche der Mitte noch bringen wird, kann noch Nie⸗ mand genau feststellen. Die moralischen Er- rungenschaften dieses Kreuzauges zur Wahrung nenen IJ! 6 8 2 e e ä Grey 4 Black Jauserate and, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 112 115 77 76 0 deren en kostet 10 Pfg. ei me alt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. 4814 a.) 33 ¼% und bei mindestens% bei Emal Hestellung 12 mal. Aufgabe 50% Rabatz deutscher tstruppen R Mündig⸗ 7 afahrt zur Evidenz gezeigt, denn wie sollte es denn sonst, vorkommen können, daß bei solch einem Unter⸗ nehmen die Auserwählten des Volkes nur gut dazu sind, die entstandenen Kosten zu bewil⸗ ligen, daß ihr Rath vorher aber für völlig über⸗ flüssig gehalten wird. Daß die Reichsregierung, die mit ihr durch Dick und Dünn gehende Mehr⸗ heit der Volksvertretung richtig abgeschätzt hat, zeigten die bisherigen Verhandlungen der Bud⸗ getkommission; die bürgerlichen Staats stützen wetteiferten ja förmlich, der Regierung für die begangenen Unterlassungssünden so schnell wie möglich das„Vergeben und Vergessen“ entgegen zu bringen. Unsere Genossen haben leinen Zweifel darüber gelassen, wie sie über den Rache⸗ feldzuc denken, und nicht nur im Reichstage, sondern auch in zahlreichen Versammlungen hat das Proletariat sein vernichtendes Urtheil über die Ausflüsse des persönlichen Regiments ausgesprochen.— Wenngleich es auch keine besondere Ueber— raschung mehr für uns Sozialdemokraten war, als durch die„Leipz. Volksztg.“ das zärtliche Techtel-Mechtel zwischen der Regierung und der Industriellen⸗Scharfmacher⸗ klique an das Tageslicht befördert wurde, so stellten sich doch noch immer an die unnahbare und völlig unparteiischen Regierung glauben— den bürgerlichen Parteien mit einigen Ausnah⸗ men sehr entrüstet, um dann, als es galt, ihrem tief beleidigten Rechtlichkeitsgefühl Genug⸗ thuung zu verschaffen, vor dem verbindlichen Sprüchlein des Grafen-Reichskanzlers ihren ergebenen Diener zu machen. Aber nicht nur im Reichstag hatten unsere Genossen ihren Mann zu stellen, ihre in den verschiedenen Landesparlamenten geleistete Ar- beit ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Be⸗ schränken wir uns nur auf unsere hessische Volksvertretung, so muß konstalirt werden, daß es auch dort für unsere Genossen keine unnützen Stunden gab. Die Debatten über die Lehrerbesoldungs vorlage. über die Gehaltsaufbesserung der Forstwarte, die überaus wichtigen Bera⸗ thungen über die Umgestaltung des Schulwesens usw. lieferten den Beweis, daß, sie auch in kleinerem Rahmen überall als Nämp⸗ fer für Fortschritt und Rechte eintreten, sodaßr auch sie mit Genugthuung auf die von ihnen geleistete Arbeit blicken können. Ein besonderes Interesse unserer Genossen im Reiche beanspruchte die auf dem diesmal im Hessenlande abgehaltenen Parteitag wieder- holt ventilirte Frage der Landtagswahl-Be⸗ theiligung, die in einem wohl für alle betheilig— ten Kreise annehmbaren Sinne gelöst wurde. Auch der im Anschluß an die Mainzer Verhand⸗ 8 9 10 11 12 13 14 15 9 8 I die auch nicht nur durch die angebliche Verrucht⸗ folgten Etablirung des internationalen Selre- heit der Chinesen entschuldigt werden kann. Der Ruhm Germanias hat bedenkliche Flecke tariats in Brüssel zu verzeichnen. Möchte diese Einrichtung auch ihr Theil mit dazu beitragen, daß die guten Beziehungen der Sozialisten aller Zungen immer mehr gefestigter werden zum weiteren Gedeihen unserer großen Bewegung. Ben all den Fortschritten, die unsere Ideen auch im letzten Jahre allüberall gemacht, haben wir doch auch eines Verlustes zu gedenken, der auf dem ganzen Erdenrund, soweit der sozialictische Same aufgegangen, schmerzlich berührt hat: Unseren großen Vorkämpfern Lassalle, Marx und Engels ist Wilhelm Liebknecht ins Schattenreich gefolgt, tief betrauert von un⸗ seren Genossen, wie nur ein liebevoller Vater von seinen Kindern betrauert werden kann. Sein Andenken, und dasjenige aller unserer großen Todten, wird durch stetes Weiterarbeiten in ihrem Geiste am besten geehrt werden. Mag nun die Zukunft bringen, was sie wolle, für das unter dem Banner des Sozia⸗ lismus marschirende Proletariat wird sie leine Ueberraschungen bieten. Getreu dem gesteckten Ziele wird es fortschreiten von Sieg zu Siege, wie es bis jetzt noch überall zu beobachten war. Haben unsere Gegner schon öfter den gewissen Höhepunkt, den wir niche überschreiten könnten, konstatirt, so hoffen wir doch, noch manchmal solche Etappen zurücklegen zu können, ehe wir selbst sagen: Jetzt ist unsere Mission erfüllt. In Sinne wollen wir nicht nur wünschen, sondern auch mit allen Kräften daran arbeiten, daß man mit Recht wird sagen können, das 20. Jahrhundert steht im Zeichen des Sozialismus. Darum alle Lässigkeit abgestreift, damit die kommende Zeit ein Geschlecht findet, das wür⸗ dig und vorbereitet ist, die Umgestaltung un⸗ serer heutigen abgelebten und der Verwesung überantworteten Gesellschaftsordnung in eine vollkommenere und existenzberechtigtere vor- zunehmen. palttisce Bundschau. Gießen, 4. Januar. Der Berliner Bankkrach. Der Kommerzienrat Eduard Schmidt, Ge⸗ neralkonsul für Schweden und Norwegen, allei⸗ niger Inhaber der nunmehr insolventen alten Bankfirma Anhalt und Wagner, Hofban⸗ kierder Kaiserin, ist am Sonnabend Nach- mittag ebenfalls verhaftet worden. Am Sonnabend haben zwei Versammlungen von Obligationären und Aktionären der Sanden⸗ schen Banken in Berlin stattgefunden. Es ging stellenweise stürmisch her und auch gegen den Abgeordneten Munckel wurden schwere Vor⸗ würfe geschleudert. Ein klares Bild über die Höhe der Verluste ist aber noch lange nicht zu gewinnen. Daß er in die vielen Millionen geht ist sicher; wie hoch aber der Verlust noch anschwellen wird, kann niemand jetzt sagen.— Viele„kleine Leute,“ Angehörige des sogenann⸗ ten Mittelstandes sind durch die raffinirten — n 1 — 16 17 18 19 20 2 22 5 2— Ocunen ten puren 1 8 n 8 loren hat, und sich deshalb jedenfalls bei Frau Sanden, die sie persönlich kennt, beklagte. In