N N 9 ö N g N. 17. Gießen, Sonntag, den 28. April 1901. 8. Jahrg. e Mitteld eutsche elne e 4 Uhr. 8 4 Abonunementspreis: Bestellungen r Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814)[33½/% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. ———— — Sum J. Mai! ie Bäume sprießen, und Vogelsang 3 Gleich Frühlingsweh'n und gleich Frühlingskraft Ertönt durch die Wälder und Auen, Erfaßt es die Völker auf Erden, Die Menschheit durchzittert ein heiliger Drang, Kein Lavastrom ist es der Leidenschaft, Das Werk der Erlösung zu schauen. Es ist ein gewaltiges Werden, Sie hat gehofft und geduldet, geharrt, Ein Wachsen hinein in eine Welt, Sie wurde vertröstet, man hat sie genarrt, Die nicht mehr die Habsucht zusammenhält, Doch nunmehr stürmt sie erkenntnisklar Wo Bruderliebe das höchste Gebot Dem Lichte entgegen als kühne Schaar. Und Sünde geboren wird nicht durch Not. Es hat sich entwunden Mutter Natur Du herrliche Feier, o erster Mai, Den eisigen Fesseln des Frostes. Geburtstag der Völkerversöhnung, Die ehernen Seiger der Weltenuhr Du erster gewaltiger Jubelschrei, Serfrißt nicht der Zahn des Rostes, Nach endloser Knechtschaftsgewöhnung; Auch hält sie ein Sterblicher niemals auf, O Cag der Erkenntnis, daß unentwegt Sie rücken stets fort im gemess'nem Lauf Der Heiland Geist unser Banner trägt Und zeigen beharrlich dem Menschengeschlecht Im Rampfe gegen die Lohnsklaverei, In göttlicher Hoheit den Weg zum Recht. Gepriesen seist du, o Festtag im Mai! Joseph Hannich. Arbeiter aller Länder vereinigt Euch! 69.— Die Maifeier fußt auf folgenden Beschlüssen der drei ersten Internationalen Arbeiter⸗Rongvesse: Paris 1889.„Es ist für einen bestimmten Seitpunkt eine große internationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen uud die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongresses von Paris zur Ausführung zu bringen.“ Brüssel 1891.„Der J. Mai ist ein gemeinsamer Feiertag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen. Dieser Festtag soll ein Ruhetag sein, soweit dies durch die Zustände in den einzelnen Cändern nicht unmöglich gemacht wird.“ Zürich 1893.„Der Kongreß beschließt ferner: Die Kundgebung des J. Mai für den Achtstundentag soll zugleich eine Kundgebung des festen Willens der Arbeiterklasse sein, durch die soziale Umgestaltung die Klassenunterschiede zu beseitigen, und so den einzigen Weg zu betreten, der zum Frieden innerhalb jedes Volkes wie zum internationalen Frieden führt.“ Wir wollen Friede, Freiheit, Recht, Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Es giebt hienieden Brot genug, Daß Keiner sei des Andern Anecht, Das ist der Weisheit letzter Schluß: Für alle Menschenkinder, Daß Arbeit aller Menschen Pflicht, Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust, Daß Keinem es an Brot gebricht! Der täglich sie erobern muß.(Goethe.) Und Suckererbsen nicht minder!(rte Seite 2. Mitteldentsche Sonntag⸗Zeitungs. Nr. 17. Zum Maifest der Arbeit! Mit dem Eintritt des Lenzes naht wiederum auch das Friedens- und Frühlingsfest der Arheit, die internattonale Maifeler. Zum zwölften Male begehen die Arbeiter aller Länder ihren selbstgeschaffenen Feiertag. Ist es auch vielen Arbeitern noch nicht möglich, sich durch Arbeits⸗ ruhe an dem Wettfeste beteiligen zu können, so stieg trotzdem von Jahr zu Jahr die Zahl Derjenigen, die am 1. Mai die proletarischen Forderungen erheben. Jeder denkende Arbeiter erkennt bie Notwendigkeit der Organi⸗ sation und der internationalen Ver⸗ brüderung. Und jeder Arbeiter nicht blos, sondern jeder vernünftige Meusch sieht die gemeinschädliche Wirkung des Kapitalismus ein. Deshalb erblicken auch zahlreiche Auge⸗ gehörige der besitzenden Klasseu— soweit sie einsichtig und gebildet genug sind— im Sozialismus das Heil der Gesellschaft und stoßen zu unserer Partei. Und sicher wäre der Zuzug aus diesen Kreisen noch stärker, wenn der Einzelne die Stellungnahme für den Sozialismus nicht mit der gesellschaftlichen Aechtung seiner Klassengenossen büßen müßte. Die Sozialdemokratie hat nicht ein Titelchen ihrer Kritik an der heutigen Gesellschastsordnung zurückzunehmen. An Versuchen, die von uns vertretenen politischen und wirtschaftlichen An⸗ schaͤuungen zu widerlegen, hat es wahrlich nicht gefehlt. alle berartige Versuche find aber kläglich gescheitert, so daß unsere Gegner zu dem Mittel der Gewalt, Lüge und Verleumdung greifen mußten. Aber solche Kampfmittel kann man nicht lange benützen, sie stumpfen sehr schnell ab; ihre Wirkungslosigkeit zeigt sich am besten an der Erstarkung der sozialistischen Arbeiterbewegung in allen Ländern. Wir haben kaum nötig, die Berechtigung unserer Mai⸗ forderungen auseinanderzusetzen. Sie sind selbst⸗ verständlich für jeden, der die heutige Wirt⸗ schaftsweise und die durch den Kapitalismus gezeitigten Zustände mit klaren Augen betrachtet. Unrecht, Gewalt und Ausbeutung mit ihrem Gefolge von Uebermut, Schwelgerei, Entsitt⸗ lichung und Elend herrschen heute. Dagegen empört sich jeder, der die Vergewaltigung am eigenen Leibe spürt, aber auch jeder, dessen Augen noch ungetrübt sind, dessen Herz noch für Wahrheit und Recht schlägt. Was wir wollen ist Liebe und Wohlstand, was wir er⸗ streben ist Freiheit, Gerechtigkeit und Brüder⸗ lichkeit. Für diese Ideale kämpfen wir, kämpft die klassenbewußte Arbeiterschaft der ganzen Erde. In unablässiger Arbeit diesen Zielen . geloben wir durch unsere Maifeier. nsere Loosung ist: Für den Achtstundentag! Für internationale Verbrüderung und den Weltfrieden! Nieder mit der Herrschaft Geldsacks! Hoch der erste Mai! Für den Weltfrieden. Zu den Forderungen, für welche die Arbeiter⸗ schaft aller Länder mit ihrer Maidemonstration eintritt, gehört diejenige der internationalen Verbrüderung und des Weltfriedens. Das Spteßbürger⸗ und Philistertum erklärt natürlich bis heute den Weltfrieden ebenso wie den Achtstundentag und die übrigen Mai⸗ forderungen für unmöglich, wenn nicht gar für hirnverbrannt und verhöhnt und ver⸗ spottet sie. Doch dürften sich zahlreiche Ele⸗ mente au in bürgerlichen Kreisen finden, welche die Notwendigkeit der Forderung aner⸗ kennen. Denn was ellein in den zwei letzten Jahren der Kriegsfurie zum Opfer fiel, muß schließlich den ärgsten Reaktionär mit Entsetzen erfüllen. Welche ungeheuere Summe an Menschenleben forderte allein der südafri⸗ kanische Krieg, welches Elend hat er über zahllose Familien heraufbeschworen, welche Massen von Kulturgütern vernichtet! Tausende fleißiger Menschen verfielen dem Tode, des viele Quadratmeilen fruchtbaren Bodeus, kulti⸗ vierter Länderstrecken sind zur Wüste gemacht! Sieger und Besiegte— soweit von solchen überhaupt geredet werden kann— bluten aus tausend Wunden. Gleich furchtbar wie für die Buren machen sich die wirtschaftlichen Folgen des Krieges auch für die Engländer geltend. Dieser Tage legte der englische Schatzkanzler dem Parlamente den neuen Staatshaushaltsplan vor. Er schließt infolge des südafrikanischen Kriegs mit einem Defizit von einer Milliarde und hundert Millionen Mark ab! Mehr als drei Milliarden Mark kostete der Krieg bereits, bis er erledigt ist, wird er sicher vier Milliarden verschlingen. Viertausend Millionen Mark! Genau soviel als vor dreißig Jahren Frankreich Kriegsentschädigung au Deutschland zahlen mußie; eine Summe, von deren Unermeßlichkeit sich der besitzlose Arbeiter kaum einen Begriff machen kann. Und vielleicht noch mehr als den Eugländern Südafrika, dürfte den Großmächten zusam men das Chinaabenteuer kosten. Welcher kolossale Aufwand von Menschenleben, Arbeit und Gütern! Und für was? Kein vernünftiger Mensch wird für den, chinesischen Kreuzzug einen vernünftigen Grund finden können. Mit dem zehnten Teile der in den zwei letzten Jahren für Zerstörung und Vernichtung aufge⸗ wandten wirtschaftlichen Kraft könnten zum Segen der gesamten Menschheit, im Interesse der Kultur und des Fortschritts unge⸗ ahnte Leistungen vollbracht werden. Führt man sich die Opfer vor Augen, welche die durch Nationalitätenhaß oder richtiger durch kapi⸗ talistische Eifersucht hervorgerufenen Völkerkriege erforderten, so sollte man es nicht für möglich halten, daß es noch Leute giebt, die dem volksverderblichen Militarismus irgendwie Sympathieen entgegen bringen und mit Be⸗ dauern sieht man sogar besitzlose Arbeiter, die doch seine Last am meisten empfinden müssen, an Bestrebungen zur Förderung der Mordkultur sich beteiligen. Eine betrübende Erscheinung! Fast müßte sich angesichts dessen eine gewisse Hoffnungslosigkeit auf Erreichung eines höheren Kulturzustandes des Fortschrittsfreundes be⸗ mächtigen. Allein, wie der Kapitalismus selbst den Keim seines Unterganges in sich trägt, so geht auch der Militarismus an seinen eigenen Uebertreibungen zu Grunde. Diese Ueberzeugung sprach auch neulich in einer in der„Neuen Zeit“ erschienenen Abhandlung über„Zukunftskrieg“ der Militärschriftsteller Rudolf Kraft aus. Er weist darin nach, daß bei einem kriegerischen Zusammenstoße zweier Militärmächte nicht nur die Verpflegung, sondern auch die planmäßige Direktion der ungeheuren Truppenmassen fast unmöglich sei. Außerdem dürfte der wirt⸗ schaftliche Zusammenbruch der beteiligten Staaten— des Siegers wie des Besiegten— unausbleiblich sein. Das wissen auch die Re⸗ gierungen und hüten sich daher, einen Krieg zu provozieren. Unterdeß seufzen aber die Völker unter den unerträglichen, durch den Militärismus hervorgerufenen Lasten! Darum dürfen wir nicht ruhen, sondern immer wieder unsere Maiforderung erheben; Nieder mit dem Militarismus! Es lebe der Welt friede! politis che nundschau. Gießen, den 25. April. Reichs⸗Schulden und Steuern. Die Schulden des deutschen Reiches beliefen sich nach dem Berichte, den die Reichsschulden⸗ kommission dem Reichstage zugehen ließ, am Schlusse des Rechnungsjahres 1899 auf nicht weniger als 2 Milliarden 478 Millionen 517,700 Mk. An Zinsen mußten im gleichen Jahre 75,235,402 Mk. aufgebracht werden. Seitdem erhöhte sich natürlich die Schulden⸗ und mit ihnen die Zinsenlast noch weiter ganz bedeutend. Für den cqhinesischen Rachezug dürften allein etwa 500 Millionen draufgehen, für die vorläufig noch kein Pfennig Ersatz in Aussicht steht.— Die Regierung sieht sich des⸗ halb nach neuen Reichssteuern um. Welcher Art dieselben sein werden, weiß man noch nicht; verschiedene Anzeigen deuten darauf hin, daß mau eine Erhöhung der Biersteuer plant.— Für die Arbeiter ist das eine recht„erfreuliche“ Aussicht. Der Bissen Brot und der Schluck Bier im Interesse des Hunnenkurses und des Junkerregiments sündhaft verteuert, dabei Lohnabzüge und Arbeitslosigkeit infolge der Weltmachtspolitik. Zu der Getreidezollerhöhung erklärte die bayrische Regierung nach dem Berl. Tageblatt, daß sie den neuen Zolltarif einer längeren Prüfung mit Sachverständigen unter⸗ ziehen müsse und sich deshalb nicht vor Ende des Jahres darüber äußern könne. Also ge⸗ denken in diesem Falle die Bayern nicht so schnell zu schietzen. Auch katholische Arbeiter erwachen! Bergmann Brust dürfte wohl der einzige, nach Ansicht der Agrarier„einsichtige und ver⸗ ständige“ Arbeiter bleiben, der für die Erhöhung der Getreidezölle eintritt. Mehr und mehr schließen sich auch katholische Arbeiter dem Proteste gegen den Brotwucher an. So fand kürzlich in dem katholischen Orte Eilendorf bei Aachen eine von dem christlichen Metall- arbeiter⸗Verband veranstaltete stark besuchte Protestversammlung gegen die Getreide⸗ zollerhöhung statt. Der Versammlung wohnte auch der Pfarrer des Ortes bei, um sich für den Kornzoll ins Zeug zu legen. Der Herr erlitt aber einen schweren Reinfall und war außer sich, daß ihm das in seinem eigenen frommen Eilendorf widerfuhr. Das war dem überwachenden Bürgermeister zu bunt, er löste die Versammlung auf, weil der Herr Pastor persönlich angegriffen worden sei. Trotz dieser ungesetzlichen Auflösung und dem Widerspruch des Seelenhirten wollen die Arbeiter ihre Protestversammlung in Kürze fortsetzen. Antisemiten und Bund der Landwirte. Nicht alle Antisemiten spielen gegenüber dem Bunde der Landwirte die Rolle der stummen Hunde, die zum Apportieren agrarischer Beute abgerichtet sind. Die antisemitische„Staats⸗ bürgerztg.“ erklärt, daß es ihr nicht einfalle, die Forderungen des„Bundes der Landwirte“ bezüglich der Getreidezölle anzuerken⸗ nen oder zu unterstützen. Die„Deutsche Tagesztg.“ antwortet darauf mit der Frage: Wie sich die Abgeordneten der deutschsozialen Reformpartei im Reichstage, als deren Organ die„Staatsbürgerztg.“ immer noch gilt, zu diesen Darlegungen der Zeitung stellen werden. Von diesen Abgeordneten seien Gräfe, Lotze und Werner„mit Unterstützung des Bundes, ja als seine anerkannten Kandidaten gewählt worden“. Sie fordert die Abgeordneten auf, öffentlich zu erklären, daß sie die Meinung der„Staats⸗ bürgerztg.“ nicht teilen. Darauf sagt die auf dem letzten Loche pfeifende„Deutsche Wacht“ in Dresden dem Bündlerorgan, daß sich die antisemitischen Abgeordneten nicht in die Rolle von Hörigen gegenüber den Machern des Bundes herabdrücken ließen, zumal„der auch⸗antisemitische Bund der Landwirte meint, mit jüdischem Geld seine Ziele fördern zu können.“— Also auch die„rassenreinen“ Agrarier sind verjudet!— Wir sind übrigens neu⸗ gierig, wie sich die hessischen Antisemiteriche zu der Stellungnahme ihrer Berliner und Dresdener Parteigenossen verhalten werden. Bestrafte Hunnen. Aus Lüneburg kam Ende voriger Woche die Nachricht, daß vier wegen Mordes und Totschlags von den Kriegsgerichten in Tientsin und Shanghat zu Zuchthaus⸗ strafen bis zu fünf zehn Jahren verurteilte Chinakrieger durch acht Mann vom zweiten Seebataillon aus Wilhelmshaven zur Verbüßung findung de 2 Bei der 5 10 u Nauenf fand, f 0 eie det 716 el Hauptwahl nige N. 9 angesochtel ltigkeitze dige 71 olle Kell Die Ersab der Wähle und die K den gewol Domsche nur 7 Sti soiiale sc Nationalso wollen, Ui so vielen „Sofi Anläß Wird in z unpartei zusammer von Ge Theorie des Orts des Pro! sel von Demgegel in dem V Bourge demokrate nehmerben der Gene mit ihren Herren K rat Blüt theker Streufra Schleck daß sie Werden gelen, w. rattiken, Zustium einmal ar bemerkt, imuung haben. Den dürste Leipziger Vol stand Lage it Schwabe J„In die Nagl nnen als das. bollser z gesagt 10 Irgend we räumt Auscnen R 0 Anteus degimentz 1 Je und ptapolitt. ing den Bl, arif einer bor Ende nicht f dachen! er einzige, und per⸗ Erhöhung ind neht eiter dem So fand ilendorf Metall k hesuchte Getreide⸗ ig wohnte im sich für Der Hert und wat m eigenen ar den t, er löste err Pastor kotz dieser 1 derspruch eiter ihte ndwirte. über den stum mei scher Beule „Staats- einfalle, andwirte“ zuerken⸗ „Deutsch er Frage schsozialen en Orgal t, zu diesen den. Bor Lahe u des in l t worden fntlic 1 „Staatz, 1 dee an e Wah r .. . „ f die 9 1 Nr. 17. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. ihrer Strafe in die dortige Strafanstalt am Kalkberge eingeliefert wurden. Das läßt tief blicken. Angesichts solcher Thatsachen wirkt es geradezu komisch, wenn die„patriotische“ Presse die Hunnenbriefe als böswillige Er— findung der Sozialdemokraten bezeichnet. Sozialistischer Wahlsieg. Bei der Landtagsersatzwahl in Schal⸗ kau⸗Rauenstein(Weiningen), die am 18. April stattfand, siegte Genosse Hof mann⸗Saalfeld mit 962 Stimmen über Kommerzienrat Craemer, der 716 erhielt. Hofmann war schon bei der Hauptwahl gewählt worden und hatte, da wegen einiger Formfehler die Giltigkeit der Wahl ungesochten wurde, das Mandat vor der Un⸗ giltigkeitserklarung niedergelegt, nachdem er in einigen Sitzungen des Landtages iemperament⸗ volle Kritit an dem Ministerium geübt hatte. Die Ersatzwahl hat gezeigt, daß die Mehrheit der Wähler in Hofmann ihren Vertreter erblickt, und die Hoffnungen der Gegner sind zu Schan⸗ den geworden.— Dagegen unterlag Genosse Domscheit bei einer Nachwahl in Lippe mit nur 7 Stimmen Minorität einem in's National- soziale schillernden Gegner. Das macht den Nationalsozialen, die uns bekanntlich„ablösen“ wollen, viel Vergnügen, was wir ihnen nach so vielen Mißer folgen von Herzen gönnen! „Sozialdemokratische Theorie und Praxis.“ Anläßlich des Aerztestreiks in Leipzig wird in zahlreichen Scharsmacher⸗, Mucker⸗ und „unpartelischen“ Orgauen unglaubliches Zeug zusammengeschwindelt und gefälscht. Sie fabeln von Gegensatz zwischen soztaldemokratischer Theorie und Praxis, bezeichnen das Vorgehen des Ortskranken⸗Kässenvorstandes als„Diktatur des Proletariats“ und behaupten, der Streik set von der Sozialdemokratie provoziert worden. Demgegenüber sei festgestellt, daß bie Führer in dem Vorgehen gegen die Aerzte waschechte Bourgeois und nichts weniger als Sbzial⸗ demokraten sind und daß samtliche Unter⸗ nehmervertreter sowohl im Vorstande wie in der Generalversanmlung der Kasse durchaus mit ihrem Vorgehen einverstanden sind. Den Herren Kommerzienrat Schwabe, Kommerzien⸗ rat Blüthner, Direkror Uhlemann, Apo⸗ theker Steinmetz und anderen, die in der Stleufrage die Führung haben, werd ein schöner Schreck in die Glieder fahren, wenn sie hören, daß sie zu den Sozialbemokraten geworfen werden und proletarische Dikratoren seien, weil sie zu den üblichen Unternehmer⸗ prattiken, die sonst immer ausnahmslos die Zustimmung der Scharfmacherblätter finden, einmal ausnahme weise und, wie der„Vorwärts“ bemerkt, bedauerlicherweise die Zu⸗ 1 0 8 sozialbemotratischer Arbeiter gefunden haben. Den berufsmäßigen Sozialistenverleumdern dürfte übrigens die weitere Ausnützung der Leipziger Differenzen durch eine vom Kassen⸗ vorstand erlassene Ertlärung vereitelt sein. Diese ist von dem Vorsitzenden Dr. Willmar Schwabe unterzeichnet und lautet: „In einem Teil der Presse ist es versucht worden, die Maßnahmen des Vorstandes als Auefluß einer be⸗ stimmten Parteipolitik hinzustellen. Nichts ist unrichtiger als das. Alle Beschlüsse des Vorstandes sind mit vollster Einmütigkeit und aus rein sachlichen Gründen gefaßt worden; niemals ist politischen Erwägungen irgend welcher Art der geringste Einfluß darauf einge⸗ räumt worden. Weder die abweichenden politischen Anschauungen der Vorstandsmitglieder unter einander, noch die Verschiedenartigteit ihrer bürgerlichen Berufe haben sich jemals irgendwie geltend gemacht; stets ist das Wohl der Kasse und ihrer Mitglieder der allein aausschlaggebende Gesichtspunkt gewesen. Es ist deshalb auch ganz verkehrt, einzelne Vorstands⸗ mitglieder für gefaßte Beschlüsse veranwortlich zu machen und der Vorstaud kann es nur bedauern, wenn in der Presse einzelne Namen genannt worden. Der Vor⸗ stand betrachtet sich als vollständig solidarisch und jedes seiner Mitgliede. fleht für alle gefaßten Be⸗ schlüsse mit seiner Person ein.“ Das mögen sich die bürgerlichen Preßkulis, über soztaldemokratischen Terrorismus schreien, hinter die Ohren schreiben. Von unseren Parteiorganen ist oft genug betont worden, daß der Kassenvorstand in dieser An⸗ gelegenheit durchaus einmütig handelte und daß bei der verschiedenertigen Zusammensetzung desselben es lächerlich ist, von sozialdemokratischer Taktik zu reden. Schließlich muß doch noch hervorgehoben werden, daß die bürgerliche Presse so verdächti „warm“ für die Angestellten eintritt. Das il doch sonst ihre Sache nie. Abgesehen davon, daß das Verhältnis der Aerzte zur Kranken⸗ kasse denn doch ein etwas anderes ist, als das der Lohnarbeiter zu ihren kapitalistischen Ausbeutern, muß doch die Thatsache festgestellt werden, daß auch die Verhältnisse der Aerzte sich entschieden gebessert haben, seitdem die Arbeiter sich um die Ortskrankenkassen kümmerten und in verschiedenen Orten Einfluß auf die Verwaltung ausüben konnten. Auf dem fächsischen Parteitag, der in den Osterfeiertagen in Leipzig stattfand, hat sich eine regelrechte Debatte über die Akade⸗ miker in der Partet entwickelt. Anlaß gab die Aufstellung des Genossen Göhre im Mittweidaer Kreis zum Reichstags⸗Kandidaten. Genosse Geyer schnitt die Frage an, nicht, wie er ver⸗ sicherte, aus Voreingenommenheit gegen Göhre, den er gar nicht kenne, von dem er aber wisse, daß er erst vor kurzer Zeit zur Sozialdemo⸗ kratie übergetreten sei. Wenn die Genossen im 15. Reichstags⸗Wahlkreise unter Beiseitestellung alter erprobter Genossen, die sehr viele Opfer für die Partei gebracht hätten, auf Göhre zu⸗ rückgekommen wären, so nur aus falscher Rück⸗ sichtnahme auf die Vorurteile der rückständigen Wähler gegen die Sozialdemokratie. Das sei ein schlimmes Zeichen.— Die Genossen Dr. Gradnauer und Dr. Südekum traten Geyer entgegen.— Bürgerliche Preßorgane benutzen diese Auseinandersetzung zu hämtschen Angriffen auf unsere Partei und ergehen sich in überflüs⸗ sigen und thörichten Faseleien. Gelegentlich kommen wir darauf zurück. Der Urteutsche Köhler, Abgeordneter zum Reichs⸗ und Landtage, Bür⸗ germeister von Langsdorf ꝛc., hat in der hesst⸗ schen Zweiten Kammer einen Antrag auf Ab⸗ änderung der hessischen Verfassung eingebracht, der die Erbfolge in Hessen anderweitig regeln soll. Danach soll die Erbfolge der Hessen⸗ Kasseler Linie ausgeschlossen, die Erbverbrüde⸗ rungs⸗Verträge zwischen Hessen, Sachsen und Brandenburg aufgehoben und die Tochter des Großherzogs, Prinzessin Elisabeth von Hessen, als Thronfolgerin proklamiert werden. Außerdeutsche Geburt und Herkunft schließen von der Thronfolge aus. Köhler giebt seinem Antrage eine längere Begründung, in der er die Genealogie der großherzoglichen Familie gehörig auseinanderpolkt und Erbverträge von anno tohak zitiert. Uns verstockten Republikanern ist ja die Erbfolge in den verschiedenen Mo⸗ narchien fürchterlich gleichgiltig; der neue An⸗ trag des Abgeordneten Köhler beweist aber wieder, mit welchem Fleiß und mit welcher Gründlichkeit er sich den parlamentarischen Ar⸗ beiten widmet und wie ungerecht der Vorwurf seiner Gemeindemitglieder war, daß er die Zeit mit„konfusen Anträgen“ vertrödele! Deutscher Reichstag. Am Mittwoch und die folgenden Tage stand die Novelle zum Verlag s⸗ und Urheberrecht zur Be⸗ ratung. Der Reichstag ist fortdauernd sch wach besetzt. Auf die Verhandlungen über diese Materie, bei welchen oft genug alle bürgerlichen Parteien gespalten waren, können wir nicht näher eingehen. Die Beratung des Gesetzes wurde am Samstag beendigt; es gelangte nach den Beschlüssen der Kommission zur Annahme.— Am Montag hatte man sich mit einem neuen Liebes⸗ gaben⸗Gesetz zu beschäftigen, das unsere wie immer mutig zurückweichende Regierung nach anfänglichem Wi⸗ derstreben auf agrarische Ordre vorgelegt hat: mit dem Süßstoffgesetz, das gemeinhin als das Saccharin⸗ gesetz bezeichnet wird. Es handelt sich darum, zu Gunsten des Zuckerringes die Saccharinproduktion wenn nicht gerade totzuschlagen, so doch mindestens den ein⸗ engendsten Bestimmungen und der denkbar höchsten Be⸗ lastung zu unterwerfen. Der Erfolg der Vorlage wird der sein, daß der Preis des Saccharin, das der armen Bevölkerung bisher ein willkommener Ersatz für den Zucker gewesen ist, außerordentlich in die Höhe ge⸗ schraubt werden wird. Eben das wollen ja aber auch die Agrarier, deren extremste Vertreter, wie Dr. Rösicke⸗ Kaiserslautern und Dr. Oertel, sogar bedauerten, daß die Regierung nicht kurzer Hand zum Verbot der Saccharinproduktion geschritten ist. Die anderen Agrarier, wie raf Kanitz und Paasche, wollen sich vorab gütigst mit der jetzigen Vorlage begnügen, ohne indessen die Hoffnung aufzugeben, bei der Kommissionsberatung weitere„Verbesserungen“, d. h. Verschlechterungen für die Konsumenten einfügen zu können. Das Zentrum verhielt sich viel reservierter. In einer sachlichen Rede wies Wurm treffend nach, daß es sich hier wieder nur um eine Reichs unterstützung für die notleidenden Zuckerbarone handele. Wohl erklären wir uns gegen eine betrügerische Verwendung des Saccharins in der Nahrungsmittel- Fabrikation, aber hierzu würde ein scharf durchgeführter Deklarationszwang vollauf genügen. Aehnlich äußerten sich die Freisinnigen. Schließlich wurde die Vorlage an eine vom Zentrum beantragte Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.— Am Dienstag hatte sich der Reichstag mit einer neuen Liebesgabe an die Agrarier zu befassen. Cs handelt sich um die Novelle zum Branntweinsteuer⸗ gesetz. Montag die Zuckerbarone, Dienstag die Groß⸗ schnapsbrenner. Man sieht, die Sache hat Methode. — Man muß sagen, die Agrarier haben es verstanden, den Reichsschatzsekretär v. Thielmann, der früher als ihr Gegner galt, gründlich mürbe zu schlagen. Er sprach am Dienstag beinahe noch mehr als am Montag wie ein in der Wolle gefär's ter Agrarier. Während es sich in der That bei dem neuen Gesetzentwurf darum handelt, die Produktion künstlich einzuschränken um die Branntweinpreise in die Höhe zu treiben, wußte Herr v. Thielmann ein Langes und Breites von der Notwendigkeit, den Branntweinkonsum herabzumindern, die Erzeugung des Brennspiritus auf Kosten der Schnaps⸗ fabrikation zu begünstigen und von anderen derartigen schönen Dingen und Vorsätzen zu erzählen. Natürlich fehlte nicht die„Not der Landwirtschaft“ und die Be⸗ hauptung, daß die Konsumenten keinen Schaden haben würden, iu der Rede des Regierungsvertreters. Die Agrarier stimmten ihm natürlich zu. Die Redner der Linken wandten sich natürlich entschieden gegen die Vorlage. Von unserer Partei sprach Wurm, der das heuchlerische Gethue der Liebesgabenpolitiker gebührend geißelte. Auch diese Vorlage ging an eine Kommission. Krieg mit China. Der Brand des Walbdersee'schen Quartiers und des berühmten Asbesthauses soll nach weiteren Nachrichten nicht durch Brandstiftung hervorgerufen sein; wie er jedoch eutstanden, bleibt noch einigermaßen dunkel. Der verkohlte Leichnam des bei der Katastrophe umgekommenen Generals Schwarzhoff wurde gefunden und bereits beerdigt. Mau vermutet, daß Schwarz⸗ hoff in der Absicht seinen Hund zu retten in das brennende Gebäude zurückkehrte und durch niederstürzende Balten erschlagen wurde.— Daß auch das angeblich„unverbrennliche“ Asbesthaus ein Raub der Flammen geworden ist, findet man allgemein höchst merkwürdig. Man müßte darüber lachen, wäre nicht auch ein Menschenleben zu beklagen. — Auf eine etwas unverständliche Stelle in dem Telegramm Waldersees kommt der „Vorwärts“ zurück. Es hieß darin zum Schluß:„General von Gayl, Oberstleutnant von Boehn, Major Lauenstein, Hauptmann Wilberg, Leutnant von Rauch und uch haben fast ganze Habe verloren.“— Wie kam es, fragt unser Zentralorgan, daß dem Grafen dieser Verlust der„Habe“ so zu Herzen geht? Es kann sich doch höchstens nur um ein paar Habseligkeiten handeln, wie sie der preußische Soldat im Felde mit sich führt. Daß Heer⸗ führer„Habe“ mit sich führen, ist allerdings im 18. Jahrhundert bei den französischen Heeren, die Friedrich II. schlug, Sitte gewesen und unsere Schulbücher wissen sich nicht genug zu thun im Hohn über die kostbare„Habe“ der Wälschen. Aber heutzutage nehme doch ein Heerführer in preußischer Einfachheit nur das mit, was unbedingt notwendig sei. Freilich ist Graf Waldersee ein steinreicher Mann, ein vielfacher Millionär— aver es ist doch wohl nicht anzunehmen, daß ihn sein Vermögen nach China begleitet hat. Was ist das also für eine„Habe“, über deren Verlust er klagt? Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Auskunft darüber giebt eine andere Meldung, in der es heißt: „Feldmarschall Graf Waldersee ist in Folge der Erregung bei der Brandkatastrophe sehr ange⸗ griffen. Außer ihm sind auch mehrere Mitglieder des Hauptquartiers mit knapper Not dem Tod in den Flammen entgangen. Die verbrannten Baulich⸗ keiten bedecken zusammen mehr als einen Morgen Lands. Mit ihnen wurden einzigartige Kunstschätze, darunter auch kostbare, für den deutschen Kaiser bestimmte Geschenke, ein Raub der Flammen. Die Feuerschutzvorrichtungen waren im Palast unzureichend. Der Brand wütete bis 2 Uhr morgens, ohne daß ihm Einhalt gethan werden konnte. Außer General v. Schwarzhoff soll, wie es heißt, auch eine deutsche Feldwache in den Flammen umgekommen sein. Graf Waldersee verlor Alles, sogar sein Papiere und Kleidungsstücke.. Danach ist die Sache verständlich. Man hatte offenbar wertvolle Kunstschätze, die dem chinesischen Kaiser gehören, als Geschenke des letzteren mit Beschlag belegt, um sie bei der Rückkehr mit nach Deutschland überzuführen. Nun, vielleicht sorgt der chinesische Kaiser für Ersatz, damit der Weltgeneral nicht mit leeren Händen nach der Heimat zurückkommt. Krieg in Südafrika. In voriger Woche nahmen wir Notiz von einer Nachricht, nach der der General French, der zweifellos erfolgreichste euglische Heerführer im südafrikanischen Kriege mit 500 Mann von den Buren gefangen sei. Die Nachricht wurde in England bisher amtlich entschieden bestritten. Es scheint aber, als sei doch etwas an ihr. Die Gefangen zahme scheint in der That erfolgt zu sein und die Buren haben den General, nachdem er Urfehde geschworen hat, wieder laufen lassen. — Euglische Blätter melden seine Rückkehr aus dem Osten Transvaals nach Johannesburg mit dem Hinzufügen, er sei krank und müsse der Ruhe pflegen. Möglicherweise leidet er an der⸗ selben Kraukheit als Buller. Erfolge der Engländer. Es wird berichtet, daß die Engländer in den letzten Tagen 242 Gefangene gemacht und 248 Ge⸗ wehre, sowie Munition und Wagen erbeutet hätten.— Eine andere Meldung besagt da⸗ gegen: Die Buren erscheinen überall in kleinen Abteilungen. An mehreren Orten fanden Zu⸗ sammenstöße statt. Von den Höhen bei Middel⸗ burg geben die Vuren Feuersignale, auch haben sie einen heliographischen Apparat aufgestellt. Die Buren überschreiten oft die Eisenbahn. Der häufige Verkehr gepanzerter Züge ver⸗ hindert aber, daß sie die Bahnlinie zerstören.— Wo Dewet gegenwärtig steckt, ist unbekannt. Schließlich heißt es, General Botha habe wieder Friedensverhandlungen angeknüpft. Von nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. Zur Maifeier! Die Gießener Genossen begehen die Mai⸗ feier wie alljährlich. Am 1. Mai abends findet eine Versammlung für Männer und Frauen im Lokale Orbig statt, in der Genosse Vetters über die Bedeutung der Maifeier sprechen wird. Das Maifest findet wie gewöhnlich im Walde an der Licherstraße statt. Die Fest⸗ rede hält hier Genosse Stadtverordneter Krumm. Durch Konzert, Preisschießen, Kinder⸗ spiele, Tanz ꝛc. wird im weiteren den Festteilnehmern reichliche Unterhaltung geboten werden. Genossen! agitiert nachhaltig für die Maifeier, damit Gießen anderen Orten nicht nachsteht, sondern eine Massenbeteiligung an dem internationalen Feste der Arbeit aufweist! Zum 1. Mai ersuchen wir unsere Freunde und Genossen sich die Verbreitung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung“ recht angelegen sein zu lassen.— Ferner sei darauf hingewiesen, daß die hiesigen angeblich unparteiischen„Neuesten Nachrichten“ sich fortgesetzt bemühen, unsere Partei, die ein⸗ zige politische Vertretung der Arbeiter, herunter⸗ zureißen und zu beschimpfen. Kein denkender Arbeiter unterstützt ein derartig arbeiterfeind⸗ liches Blatt durch Abonnement. — Auf die Mainummer des„Wahren Jakob“, die sehr reichhaltig ausgestattet ist, machen wir hiermit aufmerksam. Preis 10 Pf. (Bei H. Schneider, Sonnenstr.) — Bericht über die Kreiskonferenz befindet sich auf der 7. Seite. — Folgenschwere Schlägerei. Unter dieser Ueberschrift berichtete voriger Woche der „Gieß. Anz.“ über einen zwischen zwei Speng⸗ lern in der Werkstelle stattgefundenen Streit, im Verlauf dessen der eine seinen Kollegen mit einem Hammer auf den Kopf schlug, so daß dieser bewußtlos zusammenbrach. Der Schläger — er heißt Lopata— wurde natürlich ver⸗ haftet. Er hatte erst eine Woche bei dem be⸗ treffenden Meister in Arbeit gestanden. Das Blatt fügte seinem Berichte noch hinzu:„Man nimmt an, daß den eifrigen Verfechter sozial⸗ demokratischer Ideen Keips(seines Kollegen) Arbeiten über Feierabend hinaus in maßlose Wut versetzt hat.“ Von sozialdemokratischen Ideen war der Mann sicher nicht erfüllt, sonst hätte er sich nicht zu solchen Hunnenthaten hinreißen lassen, die von uns unter allen Umständen und schärfer, wie von vielen „Gutgesinnten“ verurteilt werden. Ob er wirklich Sozialdemokrat ist oder sein wollte, wissen wir nicht; beim Wahlverein war er nicht angemeldet. Bürgermeister Köhler und seine Gemeinde. Wir konnten in der letzten Nummer nur ganz kurz auf den Streit, den der Bürgermeister Köhler— selbstverständlich der von Langs⸗ dorf— mit seiner Gemeinde führt, eingehen und das Urteil des Provinzialausschusses mit⸗ teilen. Es dürfte jedoch unsere Leser interessieren, über die netten Verhältnisse in der antisemitisch verwalteten Gemeinde Näheres zu erfahren. Der Kreisausschuß hatte nämlich die Bureau⸗ kosten⸗Entschädigung des Bürgermeisters auf jährlich 752 Mk. erhöht. Bürgermeister Köhler ist nämlich nicht nur Reichs⸗ und Land⸗ tagsabgeordneter, er ist außerdem noch Post⸗ agent, Vorsitzender des Ziegenzuchtvereins, Vorsitzender der Kreiskonferenz der Bürger⸗ meister, Vorsitzender des Zuchtvereins für Simmenthaler Vieh und Vorsitzender der Spar⸗ und Darlehenskasse. Wie die„Frkf. Ztg.“ berichtet, weiß die Gemeinde die Veelseitigkeit nicht recht zu schätzen, denn der Gemeinderat verwahrte sich einmütig gegen die Erhöhung der Vergütung und bezeichnete in seiner Rekurs⸗ schrift die Dtenstführung des Bürger⸗ meisters als leichtfertig, pflichtwidrig und die Gemeinde schädigend; einem tüchtigen Bürgermeister werde die Gemeinde ohne ein Wort des Widerspruchs erhöhte Bureau⸗ kosten vergüten, der Bürgermeister Köhler verdiene sie nicht. In der betreffenden Ver⸗ handlung erschienen für das Kreisamt Gießen Kreisamtmann Böckmann, für die Gemeinde Rechtsanwalt Grünewald. Dieser führte aus, er erkenne die Grundsätze an, nach denen die Behörde die Bureaukosten von dem Gesichts⸗ punkt aus ansetze, daß nicht nur die wirklichen Auslagen zu ersetzen seien, sondern auch eine Vergütung für Arbeitsleistung und Zeitverlust gewährt werde, obwohl das Amt eines Land⸗ bürgermeisters ein Ehrenamt sei. Aber die Frage, ob ein Bürgermeister fleißig, gewissen⸗ haft und tüchtig sei, dem Gemeindewohl förder⸗ lich wirke, müsse geprüft werden. Wenn diese Voraussetzungen nicht zuträfen, so müsse von Erhöhung einer Vergütung abgesehen werden. Die Thätigkeit des Herrn Köhler in der Presse, seine Beleidigungsprozesse, die Arbeit, die er sich mit konfusen Anträgen in der Kammer mache, nehmen ihn derartig in An⸗ spruch, daß er für die Gemeinde nichts thun könne, und deshalb wolle ihn die Gemeinde nicht noch länger als Bürgermeister. Der Vertreter des Kreisamtes erwiderte, er wolle Köhlers Lob nicht reden; er verkenne nicht, daß Köhler eine eigenartige Erscheinung und schwer zu behandeln sei, und daß eine tiefe Kluft zwischen ihm und der Gemeinde bestehe, wesentlich deshalb, weil Köhler seine Befugnisse bei der Finanzgebahrung der Gemeinde 0 zu überschreiten trachte. Aber das Kreisamt werde die erhobenen Beschuldigungen auf dem Disziplinarwege prüfen, und wenn sie sich als begründet erweisen, Ahndung eintreten lassen. Vorerst müsse erwartet werden, daß eine Besserung des Bürgermeisters nicht ausgeschlossen sei, und man verspreche sich, daß auch die Erhöhung für seineAmtsentschädigung mit dazu beitrage, ihn arbeitsfreudiger zu machen. Nachdem der Vertreter der Gemeinde noch er⸗ widert hatte, die letztere halte Köhler für unverbesserlich, und gerade aus päda⸗ gogischen Gründen sei es bedenklich, durch höhere Amtsvergütung ihn in dem Wahn seiner Bedeutung zu stärken, erging das Urteil des Provinzialausschusses dahin, daß der Rekurs abzuweisen sei. Die Gründe sind noch nicht bekannt gegeben. Herr Hirschel bestreitet in einer an das„Offenbacher Abend⸗ blatt“ gesandten Berichtigung, daß er in Hungen den Ausdruck„Abschaumder Bevölkerung mit Bezug auf die Arbeiter gebraucht habe, ebenso will er mit der Wendung„Lumpen⸗ zeug, das nach Hessen zuzöge und dem man das Wahlrecht geben wolle“, nicht die Arbeiter gemeint haben. Also hat er damit vielleicht die Beamten gemeint.— Wir halten das in unserem Bericht in voriger Nummer Gesagte vollkommen aufrecht. Heuchelheim. Vorige Woche wurde eine hiesige Arbeiter⸗ familie von einem schweren Uuglücksfalle be⸗ troffen. Der in der Brauerei Bichler als Fuhrknecht beschäftigte 32jährige Arbeiter H. Kröck verunglückte am Mittwoch voriger Woche bei seinem Fuhrwerk so schwer, daß er bereits am anderen Tage starb. Er hinterläßt eine Witwe nebst 2 Kindern. K. galt als tüchtiger Arbeiter und erfreute sich bei seinen Mitarbeitern sowie im hiesigen Orte allgemeiner Beliebtheit. So waren denn auch seine Mitarbeiter, Freunde und Bekannte zu Hunderten erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Von Seiten des Arbeiterbildungsvereins Heuchelheim, dessen langjähriges Mitglied der Verstorbene war, wurde ein Kranz an seinem Grabe nieder⸗ gelegt. Ehre seinem Andenken! Aus dem Kreise Friedberg. J. Zur Maifeier halten die Friedberger Genossen am 1. Mai abends 8 Uhr eine Ver⸗ sammlung bei Jönson„Zum alten Schweden“ ab. Genosse Repp wird über die Bedeutung des 1. Mai sprechen. Für zahlreiche Beteiligung an der Kundgebung für den Achtstundentag und den Völkerfrieden muß jeder Arbeiter Sorge tragen.— Das Maifest findet Sonntag den 5. Mai von 3 Uhr ab in Steinhäusers Garten statt. Alle Arbeiter mit ihren Familien sind eingeladen. Aus Wetzlar. — Ueber das falsche Hunnenbild im„Vorwärts“ entrüstet sich selbstverständlich auch der„Wetzlarer Anzeiger“ pflichtschuldigst. Er meinte, der Wahlspruch unseres Zentral⸗ organs scheine zu sein:„Verleumde getrost, es bleibt doch etwas hängen.“ Auch viele Be⸗ hauptungen Bebels über Soldatenmißhandlungen hätten sich nicht bewahrheitet. Ach, du lieber Gott! Wenn Bebel alle Soldatenmißhandlungen vorbringen könnte, die gar nicht an das Tageslicht kommen, könnte er zwei Tage ununterbrochen reden. Fast jeder, der Soldat war, hat vielleicht von strafbaren Dingen Kenntnis, Mißhandlungen nicht ausge⸗ schlossen, die nie herausgekommen sind. Und wollten wir alle bewußten Lügen, die von der bürgerlichen und Reptilien-Presse über die Sozialdemokratie verbreitet werden, registrieren, so kämen Dutzende von dickleibigen Bänden zusammen. Der„Anzeiger“ mag sich nur nicht so überaus brav und tugendhaft hinstellen. Er hat dazu am allerwenigsten Ursache, gewährte er doch schon so manchem, benuntlic TLongewelt auf sich.! 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Mit einem gewissen Be⸗ dauern meinte er weiter, es sei ein Wunder, daß in dieser langen Zeit noch kein Krieg aus⸗ gebrochen sei.— Manche Offtzierskreise empfinden bekanntlich die lange Friedenszeit unangenehm; Langeweile greift Platz, Beförderungen lassen auf sich warten, Pensionierungen treten zahl⸗ N reicher ein, jeden Monat erhalten Dutzende von Offizieren den„blauen Brief“ und die Offiziers⸗ Peusionen machen einen ganz leidlichen Bruch⸗ teil der Riesensummen aus, die das Volk für den Militarismus aufbringen muß. Aber trotz⸗ dem wird kein verständiger Mensch Krieg herbei⸗ wünschen. Lieber mögen ein paar Offiziere bon tötlicher Langeweile geplagt sein oder aus Plaisier sich über den Haufen schießen! Hoffent⸗ lich hält der Friede so lange an, daß jeder Mensch von der Ueberflüssigkeit des Militarismus Überzeugt wird. Darum: Es lebe der Weltfriede! * Die Hebung ihres Handwerks wollen die Schmiede im Kreise Wetzlar ver⸗ mittels einer Zwangsinnung bewerkstelligen. Diese tritt laut amtlicher Bekanntmachung am 1. August dieses Jahres in Kraft. Von diesem Zeitpunkte an gehört jeder, der in diesem Be⸗ zirke das Schmiedehandwerk betreibt, zur Zwangsinnuug. Ob's ihm etwas nützt, das sst nach den bisherigen Erfahrungen höchst zweifelhaft. Furchtbare Explosion in Gries⸗ heim am Main. Von einer eutsetzlichen atastrophe wurde der Ort Griesheim bei Fraukfurt heimgesucht. Ein Fraulfurter Extrablatt meldet: In der Chemischen⸗Elektroufabrik platzte um 3 Uhr nachmittags ein Kessel mit Nitroglycerin; dem 5 Miunten später ein zweiter Kessel mit Benzin folgte. Der Druck der Exploston war so stark, daß hier au der Zalluswarte noch die Feuster spraugen. Auf der Mainzer Landstraße wankten die Häuser.— Die beiden Explosionen wurden bis in die Mitte unserer Stadt gehört. Die Explosion erfolgte in dem Raume, in dem Pikrin zur Füllung der Granaten hergestellt wird. Dort war vorher Feuer ausgebrochen, das sich mit rasender Eile verbreitete. Kaum war die Fabrikfeuer⸗ wehr und die Grlesheimer Feuerwehr zur Rettung her⸗ beigeeilt, als die Sprengstoffe explodierten. Eine Wolke von schwarzem Rauch, aufgewirbelter Erde, Steine, Holz flogen in der Luft herum. Die Zahl der Ge⸗ töteten, die vorher auf 40 50 angegeben wurde, soll nicht mehr als 15 betragen; man zählt jedoch 150 200 teils sehr schwer Verletzte. Der Brand ergriff das ganze Werk sowie die Dittlersche Fabrik. Durch den scharfen Ostwind wurde das Feuer auf das über dem Main gelegene Schwanheim übertragen. Die Frankfurter Feuerwehr war bald zur Stelle, ebenso Aerzte und Sanitätskolonnen, die jedoch wegen der sich entwickelnden scharsen Dämpfe der giftigen Säuren nur schwer an die Unglücksstätte heraukonnten. Ganz Griesheim wurde geräumt; die Bewohner flüchteten teils nach Frankfurt, teils wurden sie auf dem nahen Exerzierplatze untergebracht, da man die Explosion großer Benzinkessel fürchtete, doch konnte die Gefahr von denselben abgewandt werden. Zum Leipziger Aerzte⸗Streik. Am Mittwoch haben Verhandlungen zwischen den Vetretern der Aerzte und der Ortskasse stattgefunden, in denen eine Einigung auf Grund der Vergleichsvorschläge der Kreishaupt⸗ maunschaft erzielt wurde. Die Aerzte nehmen chre Thätigkeit an der Kasse wieder auf. Eine Hur aus Kassenärzten bestehende Vertrauens⸗ kommission tritt an Stelle der seitherigen. Ferner wird ein aus drei Aerzten, drei Vor⸗ standsmitgliedern und drei Vertretern der Be⸗ 12 80 bestehendes Schiedsgericht eingesetzt, das er Differenzen zu eutscheiden hat. Die An⸗ KAahme der Bedingungen sind von beiden Seiten mit Sicherheit zu erwarten. (Weiteres über Konflikt siehe Pol. Rundschau.) A. den Kleine Mitteilungen. * Plötzlicher Tod. Der 74jährige Polizeidiener Wick aus Freienfels bei Weilburg wurde tot im Walde aufgefunden. Man vermutete, daß er erschlagen worden sei, doch stellte sich bei der Untersuchung heraus, daß er einem Herzschlage erlegen ist. Unerhört ist, daß ein Mann in diesem hohen Alter noch Dienst thun muß. ** Bootsunglück. Auf dem Rhein bei Mannheim in der Nähe der Neckarspitze schlug am Montag früh ein Boot mit 9 Insassen um. Vier Personen ertranken. ** Wieder Einer. Direktor Thoeren von der Gewerbebank in Kempen(Rheinland) wurde wegen Unterschlagung verhaftet. Die von ihm geleitete Gewerbebank ist verkracht; viele kleine Leute haben dadurch ihr gesamtes Vermögen, sauer ersparte Einlagen, verloren. Der verhaftete Direktor genoß allseitiges Ver⸗ trauen; er spielte im Stadtrate und in den größeren Vereinen eine führende Rolle; auch fehlte er nie bet kirchlichen Feierlichkeiten. Als Sozialistenfresser ersten Ranges sorgte er dafür, daß unsere dortigen Genossen kein Lokal zu Versammlungen erhielten. * Gegen den Dreschgrafen Pückler erließ die Strafkammer in Dresden einen Haftbefehl. Der Herr Graf hatte seinerzeit auch dort eine seiner verrückten Reden losge⸗ lassen und war wegen Aufreizung angeklagt worden. Er erschien aber nicht zum Termin, darum orduete das Gericht seine Vorführung an. » Schlimmer Jugenderzieher. In Meißen(Sachsen) wurde der Oberlehrer Herberger verhaftet, weil er sich an 7 bis 9jährigen Mädchen sittlich vergangen hat. Aus dem Wahlkreise Marburg ⸗ Kirchhain. St. Marburg, 25. April 1901. — Fahnenweihe. Vergangenen Sonntag Abends fand im Restaurant Schloßgarten da⸗ hier das 10 jährige Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe der hiesigen Filiale des deut⸗ schen Holzarbeiter⸗Verbandes statt. Lei⸗ der hatte das Fest wohl des prächtigen Früh⸗ jahrswetters wegen, nur einen mäßigen Besuch aufzuweisen; trotzdem hätten aber wenigstens diejenigen, die es zunächst anging, nämlich die organisierten Holzarbeiter, zur Stelle sein müssen, es fehlte aber mindestens die Hälfte von ihnen. Dahingegen waren die Mitglieder des A.⸗G.⸗V. „Eintracht“ fast vollzählig erschienen und trugen neben den vorzüglichen Musikvorträgen der Kapelle Pauli, durch den Vortrag einer Anzahl sorgfältig einstudierter und recht gut zu Gehör gebrachter Lieder unter Leitung des Dirigenten, Herrn Pauli jr., nicht wenig dazu bei, das Fest zu verschönern. Die Festrede hielt Redakteur Vetters⸗Gießen. Was die Fahne selbst betrifft, so ist diese von einem hiesigen Tischlergehilfen aus Hobelspähnen recht kunst⸗ voll geflochten. Auf der Vorderseite trägt sie die Aufschrift„Deutscher Holzarbeiter-Ver band, Filiale Marburg“ und ist mit den Emblemen des Tischlerhandwerks versehen, umrahmt von einem Lorbeerkranze. Auf der Rückseite befindet sich die Aufschrift„Elnigkeit macht stark.“ Möchten die Holzarbeiter und alle anderen dieses schönen Spruches stets eingedenk sein. — Gewerkschaftliches. Um der in letzter Zeit sehr unangenehm bemerkbar ge⸗ wordenen Bummelei der Mitglieder der Ge⸗ werkschaftskommission zu steuern, hat dieselbe den Beschluß gefaßt, daß diejenigen Mitglieder, welche ohne genügende Entschuldigung in drei Sitzungen nacheinander fehlen, von der Kommis⸗ sion ausgeschlossen sind und hat alsdann die betr. Gewerkschaft einen nenen Delegierten zu wählen.— Das Sommerfest der hiesigen Gewerkschaften findet Ende Jult oder Anfang August statt. — Richtigstellung. Da vielerseits an⸗ genon men wird, der Vericht über die Fahnen⸗ weihe der Holzarbeiter in der Dienstag⸗Nummer der„Hess. Landesztg.“ rühre von mir her, so erkläre ich hiermit, daß ich denselben nicht geschrieben habe und ihm gänzlich fernstehe. H. Stumpf. — Böckel⸗Versammlung. Unser Reichs⸗ tagsabgeordneter Böckel hielt am Sonntag unter Assisteuz seines treuen Freundes Hirschel in Allendorf(M.⸗W.⸗B.) eine Versammlung ab, welche recht schwach besucht war. Er sprach über„seine Thätigkeit im Reichstag.“ Zu⸗ nächst behandelte er die Frage der Zollerhöhüng für Getreide, welche er als sehr notwendig be⸗ zeichnete. Dann sprach er in agrarischem Sinne über das deutsche Fleischbeschaugesetz. Sodann lobte sich Böckel, daß er im Reichstag gegen den Kohlenwucher gesprochen habe.„Uns“ (den Antisemiten?) sei es auch gelungen, die für die Flotte erforderlichen neuen Steuern der Börse und dem Großhandel aufzuhalsen ꝛc. Dann hielt Herr Hirschel uoch eine lange Pauke. Schließlich verteidigte sich Herr Böckel gegen den Vorwurf, daß er für jüdische Journalisten Berichte liefere, damit, daß er arbeiten und verdienen müsse; er könne nicht danach fragen, wer seine Arbeiten kaufe, eben⸗ so wie ein Wirt sein Bier an jedermann ver⸗ kaufe. Demnach betrachtet Herr Böckel die Politik als Geschäft. Arbeiterbewegung. — Die Maler und Weißbinder in Frankfurt erzielten eine kleine Lohnauf⸗ besserung. Die Mehrzahl der Firmen bewilligte die Forderungen; nur in einzelnen unbedeutenden Geschäften kam es zum Ausstand. F In Butzbach brach vorige Woche ein Maurerstreik aus, der durch Bewilligung der geforderten Verkürzung der Arbeits zeit um eine Stunde bei dem bisherigen Lohn wieder beigelegt wurde. k— Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 27. April. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag über die Handelspolitik. Sonntag, den 28. April. Gießen. Versammlung der Konsumvereins⸗ Interessenten. Morgens 10 Uhr bei Arnold im Schipkapaß. Wieseck. Maifeier⸗Versammlung.“ Montag, den 29. April. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag von Vetters. — Tapezierer. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Samstag, den 4. Mai. Marburg. Metallarbeiter. Oeffentliche Ver⸗ sammlung.(Siehe Inserat.) — Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. 17. April: August Paasch, Ziegelmeister auf Guts⸗ bezirk Ramsin mit Rosa Klara Koppelt in Schwepnitz. 19. Hugo Steffens, Klempnermeister in Burscheid mit Hulda Hannes in Barmen. 21. Karl Henkel, Bahn⸗ arbeiter in Großen⸗Buseck mit Luise Weber dahier. 23. Albert Stoll, Kaufmann hierselbst mit Johanna Noll dahier. Emil Heppert, Fabrikarbeiter hterselbst mit Marie Diemer in Nieder⸗Florstadt. 24. Karl Leschhorn, Fuhrmann hierselbst mit Marie Keßler in Rödgen. Jakob Stecker, Fabrikarbeiter hierselbst mit Elisabethe Leismann dahier. Gheschließungen. 20. April: Bernhard Heußler, Rechtsanwalt in Pirmasens mit Paula Müller dahier. Adam Dürr, Lackirer hierselbst mit Luise Kluge dahier. Theodor Hartmann, Lokomotiphilfsheizer hierselbst mit Christiane Döll dahier. Kaspar Volland, Schneider hierselbst mit Elisabethe Schäfer dahier. 25. Leonhard Ludäscher, Bildhauer hierselbst mit Marie Frick dahier. Geborene 14. April: Dem Schachtmeister Heinrich Weimer ein Sohn. 15. Dem Fuhrmann Friedrich Weber eine Tochter. 16. Dem Milchkutscher Kaspar Vogel ein Sohn. 19. Dem prakt. Arzt Dr. Albert Vogler eine Tochter. 20. Dem Hilfstelegraphisten Paul Kretschmann ein Sohn. 21. Dem Gärtner Viktor Pechtold eine Tochter. Dem Fnhrmann Heinrich Balßer eine Tochter. Gestorbene. 18. April: Jakob Rühl, 50 Jahre alt, Taglöhner dahier. 19. Wilhelm Wildhack, 4 Monate alt. Antonie Leo, 4 Jahre alt. Wernhard Dietz, 75 Jahre alt, Reutner dahier. Lina Laub, 3 Jahre alt. 24. Marie Holtmann, 9 Monate alt. Hermann Valentin, 7 Mo⸗ nate alt. 25. Adolf Roth, 16 Jahre alt, Tapezier da⸗ hier. Marie Müller, 19 Jahre alt, dahier. Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. 25 Nr. 17. eee Sweierlei Lumpen. Freund, bist du reich, so glaube mir: Viel Anerkennung zollt man dir. Du bist ja ein gemachter Mann, Vor dem ein Jeder dienern kann, Und hast du auch durch Tug und Trug Erworben dir dein Geld und Gut, Und bist du auch ein großer Lump, Man lüftet vor dir doch den Nut. Doch bist du arm und nur gering, So ändert plötzlich sich das Ding. Man kennt dich nicht und geht vorbei, Denn Mensch und Mensch ist zweierlei. Und mühst du dich auch redlich ab, Und bist du auch ein Ehrenmann, Den armen Schlucker ohne Geld, Den sieht man doch als Lump nur an. Schelm von Bremen. ——— .—— . Das Meisterstück. Erzählung von Robert Schweichel. (Fortsetzung.) Da blitzte es in ihren braunen Augen, die gespannt auf ihn gerichtet waren, lustig auf und sie trat in einer Weise von der Thür zu⸗ rück, die ihn zu folgen einlud. Er that es mit den Worten:„Ich bin nämlich der Berthold Helder.“—„Was ich bezeugen kann,“ ergänzte sie munter.„Ich hab' ihn gleich wieder er⸗ kannt.“ Er hatte sie nicht wieder erkannt, nur vermutet, daß sie Leo's Schwester war, das kleine Mädchen, an dem der Riese mit einer ihm fast komischen Zärtlichkeit gehangen hatte. Und jetzt stand das kleine Mädchen als blühende Jungfrau vor ihm. Ein Wunder, dachte er, uber nur seine Augen konnten es aussprechen. Denn Meister Weigand, der in der Stube mit einer älteren Frau bei der Paufe saß, erhob sich vom Tische und rief, Berthold die bläu⸗ liche Hand reichend:„Der Helder? Na, grüß' Dich Gott daheim! Leg' den Ranzen ab und setz' Dich daher und iß und trink'. Müde wirst ja sein, und hungrig und durstig auch.“ Berthold ließ sich nicht nötigen. Es herrschte damals ein weitläufiges, schwülstige Redensarten orechselndes Wesen in allen Ständen. Berthold beschränkte sich auf ein kurzes:„Mit Verlaub“ gegen die ältere Frau am Tische, die er an⸗ fangs für die Mutter seines Freundes gehalten hatte. Es war aber nicht deren gutes Gesicht, das aus dem Rahmen des altmodischen weißen Kopf⸗ und Busentuchs schaute. Das Mädchen hatte unerdessen Teller, Messer und Gabel für ihn gebracht. Mit vollem Munde erklärte er, warum er so ohne alle Umstände vorgesprochen sei.„Iß erst; Sattsein macht stark,“ versetzte der Färber fast rauh. Die Frau seufzie. Thräuen verdunkelten die Augen des Mädchens. Sie senkte den Kopf, um sie dem Gaste zu verbergen.„Ueber die Frauensleut',“ murrte der Vater. Trude sprang auf und lief aus der Stube.„Es ist dem Leo doch kein Unglück zeschehen?“ fragte Berthold beklommen. Der Alte strich sich mit der Hand über den nackten, massigen Schädel, den nur ein Kranz von grauen Haaren umgab, und über das sokratische Gesicht. Darauf sprach er:„Wenn's Dir nachher nicht mehr schmeckt, ist's Deine Schuld. Du hättest's noch früh genug erfahren.“ Er nahm sein Messer vom Tisch auf, betrachtete prüfend dessen Schneide und fuhr, es wieder hinlegend, fort:„Die Sach' ist, daß der Leo nimmer wieder aus der Fremd' heim⸗ kommt. Preußische Werber haben ihn auf der Wanderschaft aufgegriffen, weil er ein so großer Bursch war, und in Ketten wie einen Verbrecher nach Potsdam geschleppt, wo sie ihn unter des Königs Leibgarde gesteckt haben.“ „Aber er ist doch kein Preuß' und sie hätten ihn wieder loslassen müssen,“ rief Bertholb aufgeregt.„Wozu haben wir denn Gerichte und Obrigkeit?“ „Mein Schwager hat sich auch an die Re⸗ gierung gewandt, auch bei unserem Herzog ist er gewesen in Weimar,“ seufzte die Frau. „Es war aber alles umsonst.“ „Die Gewalt pfeift auf's Recht,“ fügte Weigand bitter hinzn. „Aber er muß doch eines Tages wieder loskommen; sie können ihn doch nicht bis an sein Lebensend' beim Militär behalten,“ ver⸗ suchte Berthold zu trösten. „Na, darauf hat er's auch nicht wollen an⸗ kommen lassen,“ stieß der Vater rauh heraus. „Nichtswürdig, zu nichtswürdig haben sie ihn behandelt. Da hat er sich denn ohne Abschied davongemacht. Aber sie haben ihn wieder ge⸗ kriegt und er hat Spießruten laufen müssen. Dreimal hat es sein sollen. Beim zweiten Mal blieb er den Schinderknechten unter den Händen.“ „Und seiner Mutter ist darüber das Herz gebrochen,“ setzte deren Schwester weinend hinzu. „Herr Gott!“ rief Berthold erschüttert. „Ich glaub' bald an keinen mehr,“ murrte der Färber und sah duͤster vor sich hin. Seine Schwägerin, die ihm seit dem Tode seiner Frau das Hauswesen führte, sah kummervoll auf ihre im Schooße gefalteten Hände. Niemand sprach mehr. Berthold war Hunger und Durst völlig vergangen. Schon wollte er vom Tische aufstehen, als Trude wieder in die Stube kam. Das rosige Blut war aus ihren Wangen ent⸗ wichen. Sie hatte sich wohl draußen ausge⸗ weint. Der Vater strich sich über die Augen und sagte mit einem erzwungenen Lachen:„Ich hab' Dir das Vesperbrot übel gesegnet. Na, lassen wir die Toten! Die Lebenden haben es auch schlecht genug hier, und wenn es Dir draußen gut gegangen ist, dann hast übel gethan, heimzukommen.“ Berthold fragte nach der Ursache und jener versetzte:„Weil Mühlhausen kein Glück hat. Es ist lang' her, seitdem es nicht mehr vorwärts will; schon seit dem Bauernkrieg, in dem die Stadt ihre Reichsfreiheit verloren hat. Nach⸗ her hat's der dreißigjährige Krieg gar arg ver⸗ wüstet und just wie es aufzuschnaufen beginnt, da packt's der siebenjährige Krieg am Kragen. Es liegt halt alles darnieder.“ „Ich bin eigentlich auch nicht gekommen, um hier zu bleiben,“ warf Berthold ein, und als das Mädchen ihn darauf mit ihren braunen Augen verwundert anschaute, setzte er hastig hinzu:„Das heißt, ich will mich erst umsehen.“ „Ist gescheidt,“ nickte Meister Weigand ihm zu.„Du wirst wissen, wie's anderwärts ist. Hier ist alles wie vertrocknet und verknöchert, als wie in spanische Stiefeln eingeschnürt. Wenn ich daran denke, wie es dazumalen war, als der Pfeifer und besonders der Doktor Thomas Münzer die Reformation hier predigten—“. Er verstummte sinnend. Berthold, der von der Zeit nie etwas gehört hatte, machte ein verwundertes Gesicht und Trude sagte mit einem leisen Lächeln um den roten Mund;„Dem Vater ist's in jener Zeit am wohlsten.“ Dieser hob den Kopf und rief, die Rechte zur Faust zusammenkrampfend: „Ja, wo lebt denn heute Einer, wie der Doktor Thomas, der den Mut hatte, vor den Fürsten von der evangelischen Freiheit zu predigen und ihnen ins Angesicht zu sagen, daß sie die Schuld trügen an dem Elend des gemeinen Mannes und den Aufruhr groß zögen durch ihren unchristlichen Sinn, indem daß sie nur mit der Schärfe gegen ihn handelten, austatt Gerechtigkeit gegen ihn zu üben? Und er hat nicht bloß gered't, sondern das tausendjährige Reich auch verwirklichen wollen, hier in Mühl⸗ hausen.— Na, wir sprechen schon noch ein andermal weiter darüber. Ich hab' noch zu schafen, ehe daß es dunkel wird. Komm' bald wieder.“ Er reichte Berthold die Hand, langte seine Kappe vom Wandriegel und ging nach seiner Färberei auf dem Hofe. Berthold, der auch vom Tisch aufgestanden war, hatte die Augen immer weiter aufgethan und dabei das Mädchen an gesehen, als wollte er sich versichern, daß er Ihr Kopfschütteln sagte ihm, nicht träume. daß er wache. Das hübsche Gesicht mit dem zierlichen Stumpfnäschen hatte seine blühende Farbe zurückgewonnen und es schien, als ob in ihm wieder die Sonne wie nach einem Gewitter⸗ regen hervorbrechen wollte. Erhing sein Felleisen über die Schulter und reichte ihr zum Abschied die Hand mit stummer Frage. Und Trudens Augen antworteten munter in derselben Weise: „Komm' nur wieder!“ Dann nickte sie mit dem Kopfe und er ging. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Zehn Gebote der Geflügelzucht ver⸗ öffentlicht Herr Direktor Dr. Blanke im„Prak⸗ tischen Ratgeber“: 1) Stehe früh auf und ver⸗ sorge dein Geflügel selbst, damit du nicht durch Nachlässigkeit der Dienstboten Schaden erleidest. 2) Führe genau Buch über alle Ausgaben und Einnahmen vom Geflügelhofe. 3) Züchte deinen Bedarf an Geflügel selbst, um gesundes und ertragreiches Geflügel zu haben, oder kaufe von einem zuverlässigen Züchter. 4) Züchte dir gute Winterleger heran, indem du früh im Jahre brüten läßt; denn Wintereier bringen am meisten ein. 5) Füttere regelmäßig zu bestimmten Zeiten, und gieb niemals verdorbenes Futter; im Winter reiche morgens warmes Weichfutter, abends Körner. 6) Sorge für größte Reinlichkeit im Stalle, und laß kein Ungeziefer aufkommen; im Winter halte den Stall warm und gieb Gelegenheit zum Scharren. 7) Sorge alle zwei Jahre für neue, kräftige Zuchthähne, und halte nicht mehr als 10 Hennen auf einen Hahn, wenn du kräftige Nachzucht haben willst. 8) Lege deinem Geflu⸗ gel Fußringe au, um das Alter zu kennzeichnen, und schlachte alle Hühner, die drei Jahre gelegt haben. 9) Nimm die Eier täglich ans den Nestern, und bewahre sie in kühlem, luftigem Raume auf. 10) Füttere die Küchlein recht oft und recht kräftig, damit sie schnell wachsen. Gegen das Eierfressen der Hühner 1 4 wird folgendes Verfahren empfoh en: Mansperrt die Henne morgens in den Stall, dessen Boden stark mit Stroh belegt ist und über welchem sich in einer Höhe von 40—50 Zentimeter ein Lattenrost befindet, mit einer Entfernung von 6—8 Zentimeter. Das gelegte Ei fällt zwischen den Latten durch in das Stroh hinunter und kann von der Henne nicht erreicht werden. Nach etwa 14 Tagen kann man den Rost— entfernen, indem die Henne das Cierfressen vergessen haben wird. Wenn alle Mittel nicht helfen, dann muß die Henne geschlachtet werden. Was ist Autorität? Ueber den Begriff der Autorität hat die„Münchener Jugend“ ihre eigenen Ansichten. Sie läßt diese von einem Mitarbeiter wie folgt auseinandersetzen: Antorität— Ein seltsam Wort, Man falsch versteht! Die Welt vergißt: Autorität, beim Licht betrachtet, Wird nur daun vom Volk mißachtet. Wenn's leine ist! Autorität muß sich selber wahren, Dann gelaugt sie zu hohen Jahren! Autorität muß vor allen Dingen Selbst sich in ihre Schranken zwingen Immer auf ihrem Rechte steh'n! Dann kann ihr Uebles nie gescheh'n, Wie stumpfe Pfeile vom Eisenkleid, Prallen von ihr dann Haß und Neid! Will sie über ihr Recht hinaus, Ist es schleunig mit ihr aus— Nach urewigen Gesetzen— Heißt Autorität allein: Nicht sich mehr denn Andere schätzen, Sondern mehr als Andere sein! Vor dem Einnehmen. Seid ihr wirklich arme Schlucker, Nun so muckt nicht, sondern munter Schluckt mir den Kanal hinunter! Wenn er glatt hinunterlief, Giebt es für die Art'gen Zucker. Giebt es für die braven Schlucker Den ersehnten Zolltarif. Kladderadatsch⸗ 1 aher hne m rich sich fi fat zu Dech leine Mit Rudolf Da 1 2 2— ——.— — 0 D—— 3 2 S 2 3 D — — 8 2 2 5 * icht bels b m Prak U Und her⸗ licht dur en erleidet, Sdaben und üchte denen undes Und r laufe un te dir gute im Jahr am meisten nten Zeiten, im Winter er, abends lichkeit in kommen, in Gelegenheit Jahre fir nicht mehr du kräftige nem Geflä, zeichnen, Jahre gelegt h ans den m, luftigen clein recht ell wachsen, r Hühnet Manspertt essen Bode er welchen timeter ei ernung bon llt zwische nuuter und cht werden, del Nut C erfressen e Mitt 1 lich ist morden htet Cel del. 1 Me 1 Vel Nr 17. Mitteldentsche Gountags⸗Zeitung. Seite 7. Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen⸗ Grünberg Nidda. Zu der außerordentlichen Konferenz, die für den Wahlkreis Gießen am Sonntag stattfand, waren aus 10 Orten 22 Delegierte erschienen. Einzigen Verhand⸗ lungsgegenstand bildete die Einführung einer Unter⸗ stützungskasse, aus welcher den Mitgliedern bei Sterbe⸗ und besonderen Notfällen eine pekuniäre Beihilfe gewährt werden soll. Genosse Beckmann als Vorsitzender eröffnete/ 2 Uhr die Konferenz. Nach der Bureauwahl und Verlesung des Protokolls trat man in die Tagesordnung ein. Beckmann gab eine kurze Uebersicht über die Hisberigen Erörterungen, die über diese Frage stattgefunden Haben und verliest den in der Daubringer Konferenz eingebrachten Antrag. In der sehr lebhaften Diskussion begründet Häuser Steinberg den Standpunkt seiner Mandatgeber. Diese wünschen Einführung einer Kranken⸗ Zuschußkasse, lehnen aber Sterbeunterstützung ab. Nibch⸗ Heuchelheim hält eine Krankenunterstützung für unmöglich. Er spricht sich im weiteren nur für Sterbe⸗ unterstützung aus; Notfallunterstützung dürfte zu weit fübren. Dech⸗Wieseck meint, man set im Irrtum, penn man glaube, durch derartige Unterstützungen den Krieger⸗ und sonstigen Klimbim⸗Vereinen Abbruch zu thun. Ju Wieseck zahle man seit Langem eine Unterstützung, daher könne man dort aus Erfahrung reden. Bartel⸗Lollar kpricht sich für den Entwurf aus. Nibch ist im Gegen⸗ fatz zu Dech der Meinung, daß eine Beitragserhöhung keine Mitgliederabnahme zur Folge haben werde. Nudolf⸗Daubringen spricht sich gegen die Einführung eee ARE Mittwoch, den 1. Mai abends 9 Uhr, im Lokale von D. Jesberg, Wehrdaerweg 2. Festredner Gen. Stadtv. Krumm⸗Gießen. e 833 2 amlen-Feier 7 8 8 2 8 2 des Unterstützungswesens überhaupt aus. Bock⸗Gießen tritt für Sterbe⸗ und Notfallunterstützung ein. Er führt Beispiele an, wie nützlich derartige Unterstützungen wirken. Man möge die Vorschläge des Vorstandes an⸗ nehmen. Vetters: Daß wir damit große Eroberungen machen, wollen wir uns nicht einreden. Nur Zweck⸗ mäßigkeit kaun uns zur Einführung einer Unterstützung veranlassen. Petersen⸗Gießen stellt fest, daß die Gießener bei dieser Frage nicht viel interessiert sind; sie glauben nur, den Genossen auf dem Lande etwas bieten zu sollen. Rudolf und Dech sprechen sich nochmals gegen Unterstützung aus; letzterer sagt, daß man es auf dem Lande nicht durchweg mit überzeugten Genossen zu thun habe. Keßler ⸗Gießen tritt lebhaft für die Vorschläge des Vorstandes ein. Der minimale Beitrag, der hier gefordert werde, könne wahrhaftig nicht ins Gewicht fallen. Er selbst sei hinreichend ver⸗ sichert, reflektire nicht auf diese Unterstützung, er halte aber deren Einführung für sehr nützlich für die Mit⸗ glieder. Schienbein-Hausen spricht sich für die Vor⸗ schläge des Vorstandes aus. Lin denstruth- Wieseck meint, daß man den Beitritt zu der Unterstützungskasse in das Belieben der Mitglieder stellen solle. Dem wird jedoch von Petersen, Keßler und Nibch entgegen⸗ getreten. Die Kasse müsse unbedingt obligatorisch(ver⸗ pflichtend) sein. Orbig bemerkt, daß natürlich nur die Zweckmäßigkeit für den Vorstand ausschlaggebend war, als er jene Vorschläge machte. Im übrigen müsse man sich wundern über die wegen Erhöhung des Beitrags geäußerten Befürchtungen. Kein Sozialdemokrat nehme Sonntag, den 8. Mai, von nachmittags 4 Uhr ab: bestohend in Concert, Gesangsvorträgen usw. im Lokale von D. Jesberg, Wehrsaerweg 2. Genossen Marburgs und der Umgegend freund⸗ lichst ein geladen. an einer monatlichen Ausgabe von fünf Pfennigen 18 Zu diesen Veranstaltungen sind sämtliche Der Vertrauensmaun. das Frankfurter Schuhlager sehr preiswerte Stiefel für Knaben und Mädchen. empfiehlt zur — bamen-Lederspangenschuhe von 2.50 Mk. Herren-Lederhalbschuhe Aae Die Bedeutung des 1. Mai. 1 lchtungl Für Ateter b, Landed Schhwarenlager. Konfirmandenstiefel, owie alle sonstigen Schuhwaren in nur gediegenen Omalitäten zu billigsten Preisen. 2 4 D. Schmal ANA Dee Anstoß; soviel gebe doch jeder Mensch dem Bettler auf der Straße ohne darüber ein Wort zu verlieren. Nach einigen Bemerkungen Lindenstruths und Keßlers wird in die Einzelberatung des Vorstandsantrages ein⸗ getreten. Nach eingehender Erörterung gelangt derselbe im Wesentlichen zur Annahme. Demnach ist Folgen des beschlossen: 1. Vom 1. Mai ab wird der Beitrag um 5 Pfg. erhöht. 2. Bei Sterbefällen erhalten die Hinterbliebenen des Mitgliedes, oder im Falle des Todes der Ehefrau das Mitglied selbst 20 Mk. Unter⸗ stützung. 3. Für die jetzigen Mitglieder tritt die letztere Bestimmung am 1. Sept. d. Js. in Kraft; Neueintretende haben erst nach 6 monatlicher Mit⸗ glied schaft Anspruch auf Unterstützung. 4. In außer⸗ gewöhnlichen Notfällen kann der Vorstand auf An⸗ trag des Mitgliedes eine Unterstützung bis zu 10 Mk. gewähren. 5. Ansprüche können nur Mitglieder erheben. die mit ihren Beiträgen nicht länger als 3 Monate im Rückstande sind.— Nachdem dieser Gegenstand er⸗ ledigt, wurde noch auf die Maifeter aufmerksam gemacht, sowie die Delegierten aufgefordert, eifrig für die Ver⸗ breitung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung“ thätig zu sein. Darauf schloß Gen. Beckmann die Konferenz kurz vor 5 Uhr. Humoristisches. Unerhört. v. Krachwitz: Schon jehört, Knall⸗ witz,„Vorwärts“-Auflage nach Alexandriner-Rede um 13 000 gestiegen!— v. Knall witz: Unjlaublich... Das ist staatliche Subventionierung der roten Kanaille! („Der Wahre Jacob.“) MAIFEIER HEUCHELHEIN Sonntag, 28. April, nachm. 3 Uhr Oeffentliche Volksversammlung bei Wirt F. Kröck. Tagesordnung: Referent Genosse Orbig. Hierauf Gesellige Unterhaltung. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen sind freundlichst ein⸗ geladen. empfehle mein reichhaltiges Aare Schlossgasse 2. 2 von 3.50 Mk. an, so lange der Vorrat reicht, in anerkannt guten Qualitäten. 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Mai Mittwoch den 1. wen FRIEDBERG abends 8 Uhr FRIEDBER Versammlung bei Jöns Jönson„Zum alten Schweden.“ Tagesordnung: Die Bedeutung des 1. Mai. Referent: Genosse Repp. Sonntag, 5. Mai, nachm. 3 Uhr in Steinhäußers Garten — Urosse Maifeier 2— bestehend aus Konzert, Festrede, Volks⸗ und Kinderbelustigung, Bretzelverteilung, Tombola, Scheib enstechen, lebenden Bildern u. s. w., sowie Tus. Alle Arbeiter von Friedberg und Umgegend mit ihren Familien sind eingeladen. 1 J 2 ũ Sonntag, den 28. April, nachmittags 3½ Uhr GROSSE MAlFEIER bei Gastwirt Adam Ziegler. Programm. Konzert, Festrede(Genosse Krumm), Gesangsvor⸗ träge. Abends lebende Bilder, theatralische Auf⸗ führungen, wozu ergebenst einladet Das Fest⸗-Comitee. Eintritt für männl. Personen 20 Pfennig, 8 weibl. 10 Pfennig. eee „eee f 2 2.• Maifeier in Trohe u. Rödgen. Sonntag, den 5. Mai, nachm. ½4 Uhr Volks- Versammlung im Lokale von Frau Schwarz Wwe. Tag esordnung: Bedeutung des 1. Mai. Referent G. Beckmann⸗Gießen. 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