en. ele 5. deider, g orstand. r. 43. Gießen, Sonntag, den 27. Oktober 1901. 8. Jahrg. 1 Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. ö 0 Sonnt nnen. kur, Kaplan 49 At. 1. Igasse, Mitteldeutsche Redaktions schinß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr ug s⸗ Zeitung. Abounementspreis: e Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere usträger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. urch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Oberhascne Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. ess n Ort eine zuverlcß acht, welche sich! it an leichter Ueber das„Hetzen“, N Stunde bei 50 0s namentlich gegen unsere Partei sehr oft Verdient bescaßnd mit besonderer Vorliebe auch von gebildeten ele de Aufegegnern angewendete Wörtlein, stellt ein Mit⸗ Went postle gan heiter* Münchener Parteiorgans fol⸗ ide Betrachtungen an. 0 Wann hetzt man denn eigentlich? Antwort: ahh UHE hetzt, wenn man z. B. sagt, es sei ein uhrmacher kandal, dem Prolelariat während einer wirt⸗ chaftlichen Depression auch noch die Lebens⸗ , Marttila 18 Uittel künstlich zu verteuern; man hetzt, fir egipzquele nenn man meint, die Aktionäre, die 25 Proz. en, Golbbdwidende einsacken, könnten doch die kärglichen 0% K um. herceg! — wie sie bon 1 Gans lone ort. nur ll. 5e 18 Hl. u. danger t. ist hin u. wieh a lden), Halbdaung olldaunige Jebatt niger 300 hochine gerissene p, gn „weiß 25,00 ew. sehr daun“ 350, weiß 400 f nei. Eutensch. 50, 1.5, Taufe“ in mein 8 f lähne ihrer Arbeiter aufbessern. Ebenso hetzt er, der es nicht in der Ordnung findet, daß Causende von fleißigen Menschen, die sehr gerne lrbeiten würden, hungern, während reiche Faulenzer, trotzdem sie jeder ernsten Be⸗ schäftigung aus dem Wege gehen wie der Hase em Jagdhund, in Ueppigkeit leben. Auch hetzt Jeder, der sagt, es sei unqualifizierbare Klassen⸗ ustiz, wenn ein Arbeiter, der gegen die Gewerbe⸗ rdnung verstößt, Wochen lang eingesperrt wird, am Unternehmer aber bei solchen Verstößen mit im paar Mark Geldstrafe davonkommt usw. Ein Mensch, der nicht ganz reichspreußisch hesstert ist, wird hier allerdings sagen, daß Ulche Ausstellungen vollauf am Platze und durch sie traurige Wirklichkeit nur zu sehr ge⸗ lechtfertigt seien. Aber die Patentstützen e Thrones und Altares sind der Ansicht, daß krartige Mängel des teueren Vaterlandes mit ben Schleier der christlichen Nachsicht überdeckt Ichören, dieweilen den Leuten nur jene Dinge „ opfzerbrechen machen, die ihnen bewußt sind. ew lange ein armer Teufel glaubt, Hunger, brost und Eingesperrtwerden seien nun einmal lt sein em Dasein unvermeidlich verbunden nnd nlüßten als Kismet(Schicksal) betrachtet werden, „ leibt er für die an den übervollen Schüsseln Sitzen⸗ e gänzlich ungefährlich. Erwacht in ihm aber er Gedanke, daß es eigentlich doch gar nicht „utig sei, daß er hungere und friere und wegen en Plunders hinter die schwedischen Gardinen 900 50 kiteckt werde, kurz dämmert ihm die Erkenntnis uf, daß er gerade so gut ein Mensch ist, wie 0 Prinz oder ein Kommerzienrat, dann ist 8 14 t verwandelt“. hm schon eine gehörige Portion seiner„Milch . frommen Denkungsart in gährend' Drachen- Solch einen Umwandlungs⸗ „ kezeß zu verhindern ist natürlich die heiligste 15 4 Nicht jedes loyalen Unterthanen, denn es ist uch von höchster Wichtigkeit, daß es auch Leute ane cht, die ihr ganzes Leben hindurch nichts de übeiten, sondern nur auf die Jagd gehen, eee, sanen und Austern schnabulieren, Champagner 11 5 mee olhanden kinken und Maitressen halten; ebenso müssen einem„geordneten“ Staatswesen auch Leute an, die glatt und ohne Unfall durch Maschen des Gesetzes schlüpfen, wo Andere hängen bleiben. Und darum wird ein wer Staatsbürger den„aufreizenden“ Unter⸗ hhed zwischen Reich und Arm, die Parteilichkeit hohen Justiz, der Privilegien der Geburt, U zweifellos zu den größten Errungenschaften menschlichen Geistes gehören, niemals be⸗ Umen. Wer es doch thut, ist ein Hetzer, den e, an nach ameritanischer Lynchmanier mit Pe⸗ eum abgießen und dann anzünden sollte. Die Nationalliberalen, Konservativen und Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) Zentrumsmänner hetzen natürlich nicht. Wir müssen es ihnen neidlos zugestehen, daß sie es wirklich nicht thun, denn hetzen bedeutet, wie im Anfange unserer Ausführungen gezeigt, nichts als die unverblümte Darstellung der Wahrheit, auch wenn sie den tonan⸗ gebenden Klassen nicht angenehm ist. Die Herrschaften haben vielmehr ein anderes Mittel, mit dem sie ihre Wähler, wenn es das eigene Geschäft gerade verlangt, aufrütteln: Sie kon⸗ struieren dann, ohne sich um die Wahrheit viel zu kümmern, selbst allerlei Spukge⸗ stalten, mit denen sie ihren Schäflein graulich machen. Will z. B. das Zentrum mehr Leben in die Bude bringen, dann marschiert es mit der„Knechtung“ der katholischen Kirche in Deutschland an; die verbannten Jesuiten, die das Zentrum schon längst in Deutschland haben könnte, wenn es ernstlich wollte, müssen her⸗ halten, die verletzte Parität, von der sonst Niemand etwas bemerkt, wird ebenfalls aus dem Kasten ezogen. Und mit diesen künstlich fabrizierten Entrüstungsobjekten wird die Masse scharf gemacht. Aehnlich arbeiten die Konser⸗ vativen und Nationalliberalen mit dem U m⸗ sturz, der Revolution, den Exoberungs⸗ gelüsten der Franzosen und Russen usw. Ob nun das„Hetzen“ der Sozialdemokraten oder die mit Erfindungen operierende Taktik der gutgesinnten Parteien die ehrlichere Kampfesweise 15 mag der Leser entscheiden. Zum Kampfe gegen den Brotwucher. Christliche Arbeiter gegen die Zoll⸗ erhöhung. In Köln⸗Deutz nahm eine Volksversammlung, die auch von katholischen Arbeitern stark besucht war, 7 eiue Resolution an, die sich gegen die Zoll- erhöhungen ausspricht. Der christliche Gewerkschaftler Müller führte in der Diskussion aus: mit den Ausführungen des Hauptredners, des nationalsozialen Pfarrers a. D. Kötzschke, könne sich jeder christliche Arbeiter einverstanden erklären. Die Zoll⸗ erhöhung sei eine große Gefahr für die gesamte Arbetterschaft; hier dürfe es keine verschiedenen Richtungen geben, sondern der ganze Arbeiter⸗ stand müsse geschlossen dastehen. Wenn das Zentrum sich als Volks⸗ und Arbeiterpartei bewähren wolle, so müsse es sich unbedingt gegen den Zolltarif erklären; er erkenne die Notwendigkeit der Einwirkung der katholischen Arbeiter auf das Zentrum im Sinne des Referenten durchaus an.— Auch die Ortsgruppe Köln⸗Ehrenfeld des christl. Metallarbeiter⸗ Verbandes nahm nach einem Referat des Ver⸗ bandsvorsitzenden Wieber in einer Resolution scharf gegen den Brotwucher Stellung. ** * Sogar die Zünftler wehren sich gegen die Fleischzölle. In der Berliner Metzger⸗Innung sprach Obermeister Burg gegen die Einführung des Rindviehzolles von 12 Mark pro Doppelzentner. Damit werde das bessere auswärtige Schlachtvieh— das österreichische Rindvieh z. B. sei erste Qualität und mindestens um 25 Prozent tuberkelfreier 2 Inserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33 ¼%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens als das deutsche— dem deutschen Konsum ent⸗ als der zogen und die deutsche Bevölkerung auf den Genuß minderwertigen Fleisches bei hohen Preisen angewiesen. Wenn die Agrarier glaubten, damit die Freundschaft der Fleischer gewinnen zu können, dann befänden sie sich in einem starken Irrtum. Die Folge einer solchen Verteuerung des Fleisches sei doch ein Rückgang im Konsum, unter welchem auch die Fleischer schwer zu leiden hätten. Einstimmig wurde eine Resolution an den Bundesrat angenommen, welche die in Aussicht genommene Erhöhung der Zölle auf lebendes Schlachtvieh als geeignet bezeichnet, eine Fleischverteuerung in ganz Deutschland herbeizuführen. Wenn zur Zeit auch nur eine beschränkte Einfuhr lebenden Schlachtviehs in Frage kommt, so würden die betreffenden Landesteile dennoch unter der be— absichtigten Zollerhöhung schwer zu leiden haben. Es müsse aber mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß die Reichsregierung, wenn nicht elne allgemeine Verteuerung des Fleisches in Per; Deutschland eintreten soll, endlich in eine lane der Grenzen behufs Einfuhr lebender Schlachtlere willigen muß. Diese Einfuhr werde aber für die Verbilligung des Fleisches völlig illusorisch, wenn die Schlachttiere mit einem so hohen Zoll belegt werden, welcher nicht mehr als Ausgleich gegen das deutsche Schlachtvieh zu betrachten ist, sondern überhaupt als eine Verhinderung der Einfuhr ausländischen 7 nach Deutschland bezeichnet werden muß. ** Gedanken über die Getreidezölle. „Hilf mir nur hinauf auf Deinen Rücken, reiten werde ich schon auf Dir!“ sagte der Agrarier zum Zentrumsmann. Wenn man sieht, wie er auf manchem Nationalliberalen reitet, kann man dem Mann nicht ganz Unrecht geben. ** * Der Bund der Landwirte ist nur der Hänge⸗ gendarm des Junkerthums und der Patriotismus des Junkerthums— nicht der des einzelnen Junkers— bethätigt sich heute im Wesentlichen durch das eifrige Wahren seines Einflusses und durch den Haß gegen das konkurrirende Bürger⸗ thum. **ñ * Jemand, der nur 10 Scheffel verkaufen kann, erhält— falls der Preis durch den Zoll um 2 Mk. gesteigert wird— 20 Mk. Jemand, der 1000 Scheffel verkaufen kann— 2000 Mk.— Es ist in der That leicht, für 20 Mark bauernfreundlich zu sein— wenn man 2000 Mark dabei verdient!! — Politische Rundschau. Gießen, den 24. Oktober. Eine Verschlechterung des Reichstags⸗ wahlrechts wünschen die Rückwärtser aller Schattierungen schon beinahe, solange es besteht. Sowohl die Kraut⸗ wie die Schlotjunker empfinden ein heimliches Grauen, wenn sie daran denken, daß der Lohnarbeiter das gleiche Stimmrecht habe, Millionär und sehnsüchtig hoffen sie Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung.. Nr. 43. auf eine„Verbesserung“ nach sächsischem Muster. Sie fürchten weitere Erfolge der Sozialde⸗ mokratie, wie aus folgenden Sätzen hervorgeht, die sich dieser Tage in dem Scharfmacherorgan „Berl. Neueste Nachr.“ fanden: r „Für den Reichstag liegt, obwohl jetzt schon die zweitstärkste sozialdemokratische Fraktion dort dem ganzen Geschäftsgang viel zu sehr ihren Stempel aufzudrücken vermag, allerdings die Gefahr einer sozialdemo⸗ kratischen Mehrheit und Herrschaft noch nicht vor. Wenn aber einmal wirklich eine solche in absehbarer Zeit drohen soll— was immerhin nach der Entwickelung der Dinge nicht unmöglich ist— dann würden gewiß selbst Freisinn und Zentrum die Hand zu einer Abänderung des Wahl⸗ rechts bieten, mögen sie das jetzt noch so sehr grundsätzlich perhorreszieren und fürchterlich verschreien! Für die Standhaftigkeit des Zentrums und der Freisinnigen in Sachen des allgemeinen Wahlrechts il allerdings keine Garantie zu übernehmen, denn wir haben ja in Sachsen die nötigen Erfahrungen gesammelt. Wenn aber die sozialdemokratische Fraktion die Mehrheit besitzt, dann steht hinter ihr die große Masse des Volkes und dann muß jeder Versuch der Schmälerung der Volksrechte scheitern. Zentrums ⸗ Schwindel. Schon in diesem Frühjahr brachte der Zentrumsabgeordnete Kienle im württem⸗ dergischen Landtage eine angebliche Aeußerung Bebels zur Sprache, die dieser in der Bud⸗ getkommission des Reichstags vor Jahren gethan und die gelautet habe solle: „Wenn Sie mir sagen, in zwei Jahren werde die ganze Landwirtschaft kaput sein, so würde das für mich die erfreulichste Aus- sicht sein.“ Bebel brandmarkte es als Schwindel, erklärte, er habe nie eine solche oder ähnliche Aeußerung gethan. Als er von Kienle und dem Zentrums⸗ abgeordneten Pichler, auf den sich der erstere berief, den Beweis für jene Behauptung ver⸗ langte, waren die Herren nicht im Stande ihn zu erbringen. Trotzdem brachte vor einigen Tagen im bayrischen Landtage der ultramontane Abg. Steininger den Schwindel wiederum vor, was den Genossen Bebel zu einer scharfen Abwehr in der„Münchener Post“ veranlaßt. Bebel sagt da: „Ich konstatiere zunächst und wiederhole, daß in dem offiziellen Bericht der 14. Kommission des Reichs⸗ tags, die über den Antrag Kanitz beriet, kein Wort enthalten ist, das auf eine Aeußerung von mir, wie die mir unterstellte, schließen läßt. Ich konstariere aber auch insbesondere und damit dürfte der Beweis erbracht sein, daß der Abg. Steininger seine tendenziösr Behauptung in der leicht⸗ fertigsten Weise aufstellt, daß unmittelbar nach jener meiner Rede in der Sitzung der Kommission vom 27. April 1895, der Abg. Franke Baden, ein Agra⸗ rier, und unmittelbar nach jenem der Abg. Steininger selbst zum Wort kamen(siehe S. 5 und 6 des offiziellen Berichts), aber keiner von diesen Beiden mit einem Wort auf jene an⸗ geblich von mir gemachte Aeußerung reagierte. Erst jetzt, nach länger als sechsundeinhalb Jahren, glaubt der Abg. Steininger es wagen zu dürfen, mir eine solche tendenziöse und wahrheitswidrige Unterstellung zu machen. Das charakterisiert den Abg. Steininger. Ich er⸗ kläre, daß ich den Abg. Steininger so lange für einen Ehrabschneider halte, bis er den Beweis führt, daß ich die mir unterstellte tendenziöse Aeußerung machte.“ Ob das die Herren abhalten wird, weiter ihre Unwahrheiten zu verbreiten, muß man nach den gemachten Erfahrungen bezweifeln. Uns sollte es gar nicht wundern, wenn dieser oder jener Antisemiterich in den Bauernversammlungen ebenfalls damit krebsen ginge. Zu Kreuze gekrochen. In dem Konflikte zwischen dem Kaiser und der Berliner Stadtvertretung hat sich letztere den„höheren Wünschen“ gefügt. Das haben wir übrigens in vorletzter Nummer schon vor⸗ ausgesagt. Wie dort schon mitgeteilt, handelt es sich um den„Märchenbrunnen“ im Fried⸗ richshain, den der Kaiser wesentlich anders ausgeführt zu sehen wünscht, als die in jahre⸗ langer Arbeit hergestellten Entwürfe tüchtiger Künstler vorsehen. Ueber diese Angelegenheit hatte nun der Oberbürgermeister eine Audienz bei dem Kaiser in Hubertusstock, bei welcher Gelegenheit auch über die Stadtbahnfrage ver⸗ handelt wurde. Ueber diese Audienz verlangte Singer in der Stadtverordneten⸗Versammlung Auskunft vom Oberbürgermeister. Singer meinte, der König habe kein Genehmigungsrecht in Betreff des Brunnens. Die Versammlung müsse mit aller Schärfe feststellen, daß die An⸗ nahme eines solchen Genehmigungsrechts ein Irrtum sei. Die Rechtslage sei hier selbst für ängstliche Gemüter klar. Das war sie nun allerdings, aber die ängstlichen Gemüter haben nicht die Kourage, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Eine Anzahl Freisinniger trat mit den Sozialdemokraten für den Autrag Preuß ein, der in scharfer Form die Wahrung des Rechtsstandpunktes und die etwaige Einleitung des Verwal tungsstreit verfahrens for⸗ derte. Der Majorität ging dieser Antrag aber zu weit, sie lehnte denselen mit 67 gegen 45 Stimmen ab und nahm nur eine Erklärung an, die den Rechtsstandspunkt betonte. Ein Wollen, hinter dem keine That steht, ist für die Katz. Mit dem Beschlusse der Stadtverordneten ist die Sache versumpft und der Berliner Kommu⸗ nalfreisinn ist um eine Blamage reicher. Patriotische Freigebigkeit. Es ist schon eine alte Erfahrung, daß beim Geldbeutel nicht blos die Gemütlichkeit, sondern auch der Patriotismus aufhört. Das mußte auch der Kassierer des deutschen Patrioten⸗ bun des erfahren. Diese Vereinigung hat sich nämlich die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht zur Aufgabe gesetzt, an deren Erfüllung sie schon mehr als zehn Jahre arbeitet. Als der Kassierer am 18. Oktober seinen Jahresbericht erstattete, klagte er beweglich über das schlechte Ergebnis der Geldsammlungen. Durch eine Lotterie sollten Mittel beschafft werden, aber eine Reihe Bundes⸗ staaten versagten die Erlaubnis zum Verkauf der Lose, weshalb der Lotterieplan vorläufig aufgegeben werden mußte. Weiter hatten 2000 Schreiben an hervorragende Millionäre Deutschlands nicht einmal so viel Er⸗ folg, daß die dabei entstandenen U n⸗ kosten gedeckt wurden.— Das ist bitter. Wir beklagen diese Erscheinung ja durchaus nicht; wir sind der Meinung, daß es notwen⸗ digere Aufgaben zu lösen gilt, als Denkmäler zu bauen, aber die Opferwilligkeit der„Patri⸗ oten“ zeigt sich dabei im schönsten Lichte.„Für Vaterland, Kaiser und Reich“ tönt stets das Geschrei, kosten darf's aber nichts. Wird nicht viel helfen. Um den Duellunfug entgegenzuwirken, trat eine Versammlung von Zweikampfgegnern am Samstag in Leipzig zusammen. Die Teil⸗ nehmer der Versammlung gehörten meist dem katholischen Adel an. Es wurde gegen den Zweikampf als unreligiöse und unsittliche Handlung gesprochen und man wählte ein Komitee, das die Propaganda für die Beseitigung des Duells betreiben solle. Oberbürger⸗ meister Dr. Antoni⸗Fulda forderte, der Kaiser möge ein„Machtwort“ sprechen, dann werde der Zweikampf wie eine Seifenblase verschwinden. — Da täuscht sich der Bürgermeister. Erstens würde sich der Kaiser dazu nicht verstehen und zweitens dürfte auch ein„Machtwort“ die Duell⸗ fexen nicht von ihrer Verbohrtheit kurieren. Auch die gewählte Kommission wird wenig ausrichten, so lange erklärte Duellgegner„oben“ gesellschaft⸗ lich geächtet werden. „Selig sind die Armen!“ Das werden die Diener Christi nicht müde allen Denen zuzurufen, welche, wie Christus selbst, nicht wissen, wo sie ihr Haupt hinlegen sollen. Manche jener Herren treten sogar den Bestrebungen der Arbeiter, ihre Lage zu ver⸗ bessern, feindselig entgegen, weil der Arme sein Schicksal geduldig tragen, nicht murren und sich ruhig von den Kapitalisten ausbeuten lassen soll. Sie selber verstehen sich aber in dem lich einzurichten. Das zeigen folgende Zahlen über die finanzielle Lage der Geistlichkeit in Sachsen. Dort gab es am 1. Januar 1901: 314 Stellen mit einem Einkommen von 24003000 Mk., 414 bis 4000 Mk., 329 bis 5000 Mk., 137 bis 6000 Mk., 67 bis 7000 Mk., 31 bis 8000 Mk., 15 bis 9000 Mk. und 18 über 9000 Mk., wobei der Wohnungswert nicht gerechnet ist.— Auch in England nährt das Pfaffenhandwerk seinen Mann. Ein englisches Blatt bringt eine Liste von 130„Dienern des ranks hinterließen, ohne von den Bischöfen zu reden, wie z. B. der von Gloucester und Bristol, der 4 Millionen Franks hinter⸗ ließ.— Man sieht, diese frommen Priester stören sich nicht an das Wort vom Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen. Unter solchen Verhältnissen ist es auch begreiflich, wenn sie die jetzige Weltordnung für eine„gött⸗ liche“ erklären. Wahrheitsliebe der Urteutschen. Zwei Prozesse, an denen Antisemiten be⸗ „Staatsbürgerzeitung“, der zu 6 Monaten vorgeworfen, daß er mit Mündelgelderg unredlich verfahren sei. Er habe auf diese Weise und durch geschäftliche Manipulationen mit Mündelgeldern mindestens Mk. 100000 „hinter sich gebracht“. Von den vorgesetzten Behörden wurde sofort eine genaue Untersuchung der in der„Staatsbürgerzeitung“ angeführten Fälle angeordnet, die die vollkommene Halt⸗ losigkeit der gegen den Justizrat erhobenen Anwürfe ergab, worauf gegen Böckler Anklage erhoben wurde. Die Beweisaufnahme ergab, daß, wie der Gerichtshof konstatierte, auf den Justizrat auch nicht der Schatten eines Vor⸗ wurfs falle, deshalb erfolgte die Verurteilung zu obiger Strafe.— Im zweiten Falle handelt es sich um den von dem Nationalsozialen Erd⸗ mannsdörfer gegen den Abg. Werner er hobenen Vorwurf, daß W. für jüdische Jour- nalisten Berichte gegen Bezahlung liefere. Des⸗ wegen strengte Werner Beleidigungsklage an, die am Dienstag in vurde Das Schöffengericht sah den Beweis für die Behauptungen gegen Werner betreffend dessen Verbindung mit dem Journalisten Hamburger, und daß eine bewußte Unwahrheit Werners bei Ableugnung dieser Thatsache vorläge als erbracht an und sprach Erd⸗ mannsdörffer wegen dieser Behauptungen frei. Es verurteilte ihn nur wegen einer Briefkasten⸗ notiz von nebensächlicher Bedeutung aus formalen Rücksichten zu einer Geldstrafe von 50 Mark. Antisemitische„Einigkeit“. Auf dem antisemitischen Parteitag in Leipzig wurde u. a. der„Deutsche Volls. bund“, der unter der Leitung Dr. Böckels und von Mosch's steht, lebhaft 1 Ein Redner führte an, daß v. Mosch„den Antisemitismus nur dazu benütze, um Geschäfte zu machen, und daß dabei in Breslau, Berlin, 9 0 worden seien, die höchst bedenklicher Natur seien.“ Herrn v. Mosch die Anrufung des pleibt aber die Antwort nicht schuldig. seinem Organ„Deutsche Hochwacht“ dem Abgeordneten von folgende Schmeicheleien: f 0 0 e e e 3 10 einem„Täuschungsversuche“ spricht, so f in fam! Wenn. weiter sagt, daß der Deutsche Volle zu machen, so ist das gemein! Und wenn der Begründung unserer Ortsgruppen in Berlin und Magdeburg sagt,„daß dabei Anwendung gebracht worden seien, teiligt waren, haben sich dieser Tage abgespielt und beide verliefen für die Antisemiten höchst unglücklich, dabei liefern sie für die politische Moral und die Kampfesweise dieser Herren neue, charakteristische Beiträge.— Der erste Fall betrifft den Redakteur Böckler von der Gefängnis verurkeilt wurde. Er hatte dem Berliner Stadtverordneten Justizrat Cassel Kassel verhandelt wurde. Stettin und Magdeburg Mittel zur Anwendung jelich wurde sogar gegen Schließlich wur 1 5 backen walts empfohlen. Der solcherart Angegriffene“ sagt er f Alsfeld⸗Lauterbach ö 1 4 bund den Antisemitismus„nur“ benutze, um„Ge An Stettin, Breslau“ Mittel zul! die höchst bedenklichet irdischen Jammerthale in der Regel recht leid⸗ 1 Frau die zusammen über 500 Millionen 5 Bjähris des A sagte du hies“ ole da Volden Zeit au Dagleu billig lagesich ewe. — bon hat die bon de d zi Gaint⸗ len. sch de kute die ger dz 0 S feilen ern Fllen lache Volke 05 chte uf de 11 g fi schen erde lassen nährt hu zenglichg dern de ks hun eser fü summe enn. Uh begresst eine„gh tschen, emiten e abgeht ten it 8 199 er Hel Der g 1 bon! Monat hatte hy t Caßs gelben auf 9. pulati k. 1000 vorgesch itersuchg agefih mene Hi erhoben ler Ante ihme ke te, a eines M. Beru ale hal, alen b. Verlel! fs fat geklagt t lu, iz fü. fend 00 Hanbl wohl Tach ug ape Gale 115 5 0 J eil erteilt garten e M. i 10 A 0 und zieht Truppen Nr. 43. Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Seite 3. Natur seien“, so ist das eine infame und gemeine Verleumdung des Bundes, seiner ehrenwerten Leitung durch den„Rat der 23“ und meiner Person! Wenn dann— ohne vom Vorsitzenden zur Ordnung gerufen zu werden— ein Teilnehmer des Parteitages ruft, daß ich reif für den Staatsanwalt sei, so ist das eine so perfide elende Verleumdung, daß dieser Lum p wohl die Verachtung jedes anständigen Antisemiten aller Richtungen verdient.“ Das ist ja eine herzerfrischende Deutlichkeit und Höflichkeit! Und diese Gesellschaft will über den Ton auf dem sozialdemokratischen Partei⸗ tage reden! Die Reichstagsersatzwahl in Wiesbaden für den verstorbenen Abg. Wintermeyer findet am 30. November statt. Als Kandidat der Freisinnigen wird der Anwalt des deutschen Genossenschafts⸗Verbandes Dr. Crüger be⸗ zeichnet. Konservative und Zentrum wollten erst den Wiesbadener Polizei⸗Prästdenten Prinzen b. Ratibor aufstellen, das Zentrum hat jedoch den Theologen Wedewer als seinen Kandi⸗ daten bezeichnet. Für unsere Partei kandidiert wiederum, wie schon bekannt ist, Genosse Dr. Quarck⸗Frankfurt. Bergarbeiterbewegung in Frankreich. Seit einiger Zeit wird die öffentliche Auf⸗ merksamkeit in Frankreich durch die große Bergarbeiter⸗Bewegung rege erhalten, welche sogar die politische Lage merklich beein⸗ flußt. Die Bergleute stellten voriges Jahr die Forderungen f 1. gesetzliche Festlegung eines Lohnmintmums; 2. Einführung einer Rente von 2 Franks täglich bei 25 jähriger Grubenthätigkeit; 3. Einführung des Achtstundentages. Die Regierung sagte durch den Ministerpräsidenten am 8. März dieses Jahres Prüfung dieser Forderungen zu, ohne daß bisher etwas in dieser Richtung gethan worden wäre, was ja schließlich in so kurzer Zeit auch nicht möglich ist. Nun haben die Bergleute den Generalstreik bei Nichtbe⸗ willigung ihrer Forderungen angedroht und angesichts dessen, sowie des Umstandes, daß Gewehre unter den Bergleuten verteilt wurden — von wem das ausgeht, weiß man nicht recht— hat die Regierung ihre Ruhe verloren, läßt sich von der nationalistischen Presse scharfmachen in dem Bergrevier von Saint-Etienne und Montceau les Mines zusam⸗ men. Die Nationalisten und Reaktionäre geben sich den Anschein, als ob sie glaubten, die Berg⸗ leute von Montceau les Mines beabsichtigten die gewaltsame Revolution. Demgegenüber ist b daß während der ganzen Dauer es Streiks im vorigen Winter von seiten der streirfenden Bergleute keinerlei Gewaltthaten unternommen worden sind, wohingegen in zwei Fällen Streikende der Mordwaffe eines Streik⸗ brechers erlegen sind.— Der Präfekt von den Loire⸗Departements hat provisorischer Weise das Tragen und den Verkauf von Schießge⸗ wehren untersagt.— Nenere Nachrichten besagen, daß der Ausschuß der Bergarbeiter den General⸗ streik abgelehnt habe. Sicher wissen auch die französischen Bergarbeiter, daß sie mit Put⸗ schen ihrer Sache nur schaden können und sie lassen die Provokationen der Gegner unbeachtet assen. Antimilitärische Demonstration in elgien. Eine neue Militärvorlage hat die belgische Regierung eingebracht. Dagegen demonstrierte am Sonntag in Brüssel ein Straßenumzug, der sich zu einer imposanten antimilitärischen Kundgebung gestaltete. Mehrere Tausend Per⸗ sonen nahmen daran teil. An der Spitze des uges, der sich durch die Hauptstraßen der tadt bewegte, befanden sich die bekanntesten sozialistischen Führer. Mehrere Musikkapellen spielten revolutionäre Lieder: Aufrufe gegen das Ersatzsystem und gegen die allgemeine Wehr⸗ pflicht wurden dem Zuge vorangekragen. Zwi⸗ schenfälle kamen nicht vor. Militärische Revolte. Kürzlich verweigerten auf dem Uebungs⸗ platze der Warschauer Garnison die Soldaten eines ganzen 1 1 den Gehorsam, weil sie zu schlecht beköstigt würden. Der Oberst, bei dem Beschwerde erhoben worden war, schob alle Schuld den Unteroffizieren zu, die sich an der Menagelieferung bereicherten, doch scheint es, daß der Kommandeur seinerseits sich auch unrechtmäßige Vorteile verschaffte und nur einen Teil des Bedarfs liefern ließ. Die Offiziere gingen gegen die meuternden Soldaten vor, Mußten sich aber zurückziehen, da sie be⸗ schossen wurden. Ein schwer verletzter Offi⸗ zier ist bereits gestorben. Es verlautet nichts davon, daß die Beschwerden der Soldaten ab⸗ gestellt worden wären, wohl aber sollen 300 bor ein Kriegsgericht gestellt werden. Wie scheußlich müssen die Leute gequält worden sein, wenn sogar ihnen die sprüchwörtliche russische Hunde⸗Demut zu Ende ging! Hunnisches. Von einer von den Kreuzzüglern heimge⸗ brachten China⸗Trophäe eigener Art konnte man kürzlich in den Zeitungen lesen. Da wurde berichtet, daß der Kopf des chinesischen Unteroffiziers En⸗Hai, des Mörders des Gesandten Ketteler mit als Siegestrophäe nach Deutschland gebracht worden sei. Von halb⸗ amtlicher Seite wurde dagegen erklärt, daß von dieser Angelegenheit an den amtlichen Stellen nichts bekannt und auch kein Auftrag in dieser Richtung erteilt worden sei. Höchstens könne ein Arzt den Schädel zu wissenschaftlichen wecken mitgeführt haben.— Daß also der opf überhaupt mitgebracht wurde, scheint da⸗ nach festzustehen; das Verschleppen der Körper⸗ teile des Gerichteten ist aber alles andere eher, denn eine Kulturthat.— Arbeitslose Huunen hielten in Nürnberg eine Versammlung ab, in der etwa 40 Mann Teilnehmer am heiligen Rachezug erschienen waren. Sie beklagten ihre mißliche Lage, erinnerten an die großen, vor der Expedition gemachten Versprechungen und beschlossen, sich wegen Unterstützung an die Regierung zu wenden. Zu guter Letzt wurde noch eine„gesellige Vereinigung“ gegründet. Nürnberg hat also jetzt auch seinen Verein ehe⸗ maliger„Chineser“.— Letzteres zeigt, daß die Leute auch durch Schaden noch nicht klug ge⸗ worden sind. Krieg in Südafrika. Botha ist wieder glücklich entkommen, obwohl er nach englischen Berichten vollständig umzingelt war. Er hat dies dadurch bewerk⸗ stelligt, daß er sein Kommando in kleine Abteilungen auflöste, die dann so gut sie können zu entkommen trachten. Botha befand sich in der gebirgigen und bewaldeten Gegend am Pongola(im Südosten Transvaals), von wo aus er durch eine Lücke in den englischen Linien bei Pietretief sich den Weg nach Norden ge— bahut hat. a Greuelszenen schildert ein Privatbrief aus Südafrika. Darin heißt es:„Ein Irländer, der mit General Bindon-Blood das Hochfeld zwischen Amsterdam, Bethel und Middelburg gesäubert hatte, erzählte mir:„Der ganze Landstrich ist verwüstet. Zwischen Klippen fanden wir vor Hunger und Kälte sterbende Frauen und Kinder. Eine Frau war durch eine Kugel etötet. Ein geladenes Gewehr lag neben ihr. ei Middelburg waren wir von den Buren eingeschlossen. Unser Zustand war gefährlich. Da kamen unsere Offiziere auf die Idee, Frauen und Kinder zwischen uns und neben die Kanonen zu stellen. Das Geschrei der Armen war, um wahnsinnig zu werden. Sie kreischten wie Irrsinnige, als eine Granate eine von ihnen tötete und zwei verwundete. Gott sei Dank erkannten die Buren bald die Sachlage und stellten das Schießen ein. Unsere Offiziere gaben Befehl, zu retirieren, und wir kamen mit heiler Haut davon. Doch ließen wir 57 Tote liegen. Davon hört man zu Hause für gewöhnlich nicht viel, denn es werden nur die Namen der Gefallenen aus„festen Truppen⸗ verbänden“ aufgezeichnet.— Auch sind viele Kaffern als Rekruten eingestellt worden. Diese Banditen bekommen denselben Sold wie Euro⸗ päer und dann noch Extraprämien; für einen gefangenen Buren 3 Fstrl., für einen toten 5 Lstrl. Die Schufte liefern begreiflicherweise keinen gefangenen Buren ein.“ Ein anderer Privatbrief beschreibt das Elend im Frauenlager zu Johannes burg. Nah⸗ rungsmittel wären beinahe aufgebraucht, das Fleisch ungenießbar. Krankheit dort zunehmend; in einer Woche(21. August) 26 Tote. Kinder leiden an krebs ähnlicher Mundkrankheit, Lippen, Gaumen und Kinnbacken werden weggefressen. Krank⸗ heit entstanden durch Fleisch von milz⸗ brandkranken Schafen. Vom 20. Juli bis mit 20. August 78 Frauen und Kinder gestorben. Die Not unter den armen Frauen in der Stadt entsetzlich.“ General Buller, der neuernannte Kom⸗ mandeur des ersten Armeekorps, dem noch weitere„Ehrungen“ zugedacht waren, ist nach neuester Meldung seines Postens enthoben und zur Disposition gestellt worden. Er hat auf die Angriffe der Presse hin zuge 5 1 daß er seinerzeit dem Befehlshaber in zadysmith Ratschläge zur Uebergabe gab. Zu seinem Nachfolger wurde General French ernannt. Erfolge der Buren. In Swaziland (Südost⸗Transvaal) haben die Buren verschiedene englische Posten überrumpelt und einige hundert Kriegsgefangene dabei ge⸗ macht, Von Nah und Lern. Hessisches. Aus dem Landtag. Um der drohenden Arbeitslosigkeit zu begegnen, haben unsere Parteigenossen in der zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Die Kammer wolle beschließen, die großherzogliche Regierung zu ersuchen, behufs Milderung der überall sich fühlbar machenden Arbeitslosigkeit alle irgendwie in Frage kommenden Staatsarbeiten in beschleunigter Weise in Angriff nehmen zu lassen und eventuell der Kammer eine Vorlage über Notstandsarbeiten zugehen zu lassen.— Der Abg. Köhler-Langs dorf hat eine Anfrage eingereicht des Inhalts, ob die Regierung den Ortsgerichtsdienern eine Vergütung für ihre Mühewaltung gewähren wolle. Diese erhielten jetzt für ihre Dienstleistungen keinerlei Entschädigung.— Ferner ist eine Petition für Einführung staatlicher Hagel versicherung eingelaufen.— Die Wagen wärter bei der Main⸗Neckar-⸗Bahn sind vorstellig geworden behufs Verbesserung ihrer Einkommens⸗ verhältnisse.— Der Verband deutscher Musikwerke⸗ und Automaten⸗Händler und⸗Fabrikanten in Leipzig ist vorstellig geworden zwecks Revision des Gesetzes vom 12. August 1899 über den Urkundenstempel und Aufhebung der Besteuerung der mechanischen Musikwerke. Auch sollen Vorkehrungen getroffen werden, daß die Spiel⸗ zeit für dieselben einheitlich geregelt und nur insoweit beschränkt wird, als es mit den Vor⸗ schriften über Schonung der Sonntagsruhe in Einklang zu bringen ist. K. Unabhängigkeit der Richter. Eine wohlverdiente Niederlage hat die hessische Re⸗ gierung in ihrem Kampfe gegen die Unabhängig⸗ keit der Richter erlitten. Der Amtsrichter Eckstein war auf Grund der hessischen Landes⸗ bestimmungen als Hilfs⸗Gerichtsschreiber nach Darmstadt versetzt worden. Dem steht das Gerichtsverfassungsgesetz(Reichsgesetz), nach welchem die Anstellung der Richter auf Lebens⸗ zeit erfolgt, entgegen. Herr E. verklagte die Regierung auf die Differenz zwischen seinem jetzigen und früheren Gehalt von monatlich Mk. 148.50. Land⸗ und Oberlandes⸗ gericht wiesen seine Klage ab. Das Reichs⸗ gericht entschied jedoch zu Gunsten Ecksteins. Es ist im höchsten Grade erfreulich, daß die partikularen Bestimmungen Hessens und Badens, welche eine Gefahr für die Unab⸗ hängigkeit der Richter bedeuten, aus der Welt geschafft werden. Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 43. Gießener Angelegenheiten. m. Sozialdemokratischer Wahlver⸗ ein. In der Mitglieder-Versammlung am Samstag Abend erstattete Genosse Beckmann in ausführlicher Weise Bericht über den Lübecker Parteitag. Ohne Diskussion fand eine Reso⸗ lution Annahme, die sich mit den Beschlüssen des Parteitags und der Thätigkeit der Dele⸗ gierten einverstanden erklärt und ihrer Freude über die Beilegung der verschiedenen Differenzen Ausdruck giebt. Ueber die bevorstehende Stadtverordnetenwahl referierte Krumm an der Hand des hess. Kommunalprogramms. Man habe sich früher, so führte er etwa aus, in erster Linie gegen„Professoren“ und „Advokaten“ gewandt; es giebt aber ein Element in der Stadtverwaltung, das man unter dem Namen„Zünftlertum“ zusam⸗ menfassen könne; das viel gefährlicher für jede Entwickelung der Stadt sei. Wenn man diesen Leuten einige patriotische Floskeln hinwerfe, bewilligten sie die unnötigsten und nutzlosesten Sachen, während sie anderseits jederzeit bereit sind, Einnahmequellen der Stadt zu verstopfen, wie das beabsichtigte Geschenk an einige Instal⸗ lateure beweise. 16000 Mark wolle man dem Stadtsäckel entziehen, trotzdem bei Erwerb des Gaswerks eine nicht unbedeutende Summe für die Installationseinrichtung bezahlt wurde. Gegen dieses, den gesunden Fortschritt hemmende Spießertum müsse der Kampf geführt werden. — Es wäre uns lieber gewesen, mit einer reinen Liste in den Kampf einzutreten; es fehlen uns aber geeignete unabhängige Leute, deswegen wären wir gezwungen, einige Männer aus dem gegnerischen Lager zu wählen. Wir müssen eine Zersplitterung der Arbeiter⸗ stimmen, die nur den Gegnern Nutzen bringt, vermeiden; kein Name dürfe auf unserer Liste gestrichen werden! Selbst wenn einem hier und da einer unserer Kandidaten nicht so angenehm sei; man müsse ihn doch im Interesse der Gesamtheit wählen. Redner erstattete zugleich Bericht für die s. Zt. gewählte Kommission und brachte fol⸗ gende Kandidatenliste in Vorschlag: Heinrich Baum, Glaser; Georg Beckmann, Kontroleur; Heinrich Fourier, Geschäftsführer; Michael Keßler, Buchdrucker; Carl Orbig, Stadtverordneter; Chr. Petersen, Schneider; . Adam Volz, Schneider; als sozialdemokratische Kandidaten, die unser Kommunalprogramm vettreten. Ferner aus den bürgerlichen Kreisen: 1. Hermann Elle, Werkmeister; 2. Louis Flett, Stadtverordneter; 3. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Gaffky, Stadtverordneter; 4. Karl Jann, Reallehrer. Herr Jann werde vorgeschlagen, um einen in Schulfragen sachverständigen Mann in den Stadtrat zu bringen. Herr Gaffky habe zu jeder Zeit die für die Arbeiterschaft nützlichen hygienischen Einrichtungen(Schulärzte, Kanali⸗ sation usw.) befürwortet, überhaupt in her vor⸗ ragender Weise die Interessen der Stadt vertreten; er gehöre in die Stadtverwaltung. Die Herren Flett und Elle seien als Männer bekannt, von denen man wenigstens gerechte, vorurteilsfreie Aufnahme unserer Wünsche und For derungen erwarten dürfe und die sicher nicht die städtischen Interessen auf dem Altar des Zünftlertums abmurksen lassen. Nach un⸗ erheblicher Debatte nahm die außerordentlich stark besuchte Versammlung die von der Kom⸗ mission vorgeschlagene Liste an. Der Vorsitzende schloß mit der Aufforderung, nunmehr frisch ans Werk zu gehen und kräftig für unsere Liste zu agitieren. — Vom Konsumverein für Gießen und Umgebung wird uns mitgeteilt, daß der Waarenabsatz in der ersten Woche, seitdem der Laden eröffnet ist, ein recht befriedigender zu nennen war. Alle Mitglieder äußerten sich mit Anerkennung über die Qualität der Waaren; Beschwerden, die ja in der ersten Zeit unver⸗ meidlich sind, wurden nur ganz vereinzelt laut und wo sich solche begründet erweisen, wird e sofort Abhilfe zu schaffen gesucht.— In Beant⸗ wortung verschiedener Anfragen sei darauf hingewiesen, daß Mitglieder jederzeit bei⸗ treten können, auch kann der Geschäftsanteil in kleinen Raten bezahlt werden. Ferner wird noch bemerkt, daß dem Vereine Jeder beitreten kann und derselbe nicht etwa, wie mehrfach angenommen wird, irgendwelchen politischen oder religiösen Bestrebungen dient. Sein Zweck ist einzig: gemeinsamer Einkauf guter Waaren für seine Mitglieder. — Antisemitisches. Aus unserem Leser⸗ kreise wird uns geschrieben: Sie hatten in letzter Zeit mehrmals Veranlassung, sich mit Herrn Thomas Reuther, Redakteur der„Volks⸗ wacht“(Arizonakiker) in Offenbach, ausein⸗ anderzusetzen. Es ist erfreulich, daß Sie diesem, wohl die Wahrheit am bittersten has—⸗ senden Phrasendrescher gehörig heim⸗ leuchten. Daß Ihre Charakterisierung dieses „treuteutschen“ Jünglings richtig ist, hat Herr Reuther schon früher gerichtlich be⸗ stätigt erhalten. Er verklagte s. Zt. den Pfarrer Volk in Heddersbach, welcher ihm Unwahr⸗ haftigkeit vorgeworfen hatte. R. wurde jedoch mit seiner Klage abgewiesen, weil erwiesen sei, daß er keinen Glauben verdiene. Für die Leitung der„Volkswacht“ dürfte dieses richterliche Urteil wohl die beste Empfeh⸗ lung gewesen sein, sich diese Kraft zu sichern. Der Arbeitergesang verein Ein⸗ tracht hält Samstag 26. Oktober im Café Leib sein Winterfest ab. Der Verein wird, wie immer, alles aufbieten, um den Fest⸗ teilnehmern einen genußreichen Abend zu ver⸗ schaffen, weshalb zahlreicher Besuch zu erwarten steht. Aus dem Rreise gießen. — r. Als Nachträgliches zur Gemeinde⸗ ratswahl in Watzenborn⸗Steinberg sei noch erwähnt, daß in der von den Antisemiten und Liberalen einberufenen Wählerversammlung sich ein Herr Müller, der auch aufgestellt war, besonders in die Brust warf und die Interessen der ganzen Gemeinde energisch zu vertreten schwor. Sein Verhalten steht aber mit diesen Gelübden in direktem Wiederspruch. Daß er die Unterzeichnung der Petitionsliste gegen den Brotwucher schroff ablehnte, darüber wollen wir mit ihm weiter nicht rechten, vielleicht hat er ein Interesse an der Erhöhung der Zölle. Soll ihn aber deswegen unser Gemeinde als Vertreter wählen, von deren Einwohnern reichlich neun Zehntel Schaden durch die Zölle haben? Wenn er aber dann weiter uns vor⸗ warf, wir wollten die Revolution her auf⸗ beschwören, weil wir unsere beschlossene Kandidatenliste nicht änder wollten und daun auf einmal wieder pathetisch rief„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern“ so ist das schon weniger schön. Daß er damit keinen Ein⸗ druck gemacht, bewies ihm ja der Wahlausfall. Der hat überhaupt unsere Gegner in einige Aufregung versetzt. Beispielsweise bezeichnete ein Metzgermeister S. in der Erregung darüber unsern gewählten Genossen als Anarchist! Nun, wir kennen ja die Kampfesweise der antise⸗ mitischen Schaumschläger zur Genüge, lassen wir deshalb auch den Wurstmacher toben und empfehlen ihm der allseitigen gütigen Nachsicht. — Die Bürgermeisterwahl hat zu keinem endgültigen Resultat geführt. Es erhielten Stimmen: Der frühere Bürgermeister Heß II. 88: J. Hirz IX. 101; B. Hirz VI. 163 Stimmen. Eine so lebhafte Wahlbeteiligung wie diesmal war noch nicht zu ver⸗ zeichnen. Fast alle Wahlberechtigten stimmten ab. Unsere Genossen hatten sich für keinen der aufgestellten Kandidaten entschieden, stimmten aber vielfach für den alten Bürgermeister Heß.— Der Antisemitismus zeigte sich im schönsten Lichte. Zwei antisemitische Kandidaten standen sich gegenüber, keiner wollte dem andern weichen, auf beiden Seiten, der Watzenbörner und der Steinberger, wurde mil Hochdruck gearbeitet. Das Watzenbörner Komitee unter Führung des Metzgers Sommer suchte mit Essen und Trinken die Wähler zu erobern. Der Eifer der Kirchtums politiker ging soweit, daß in der Versammlung am Dienstag der Antisemit Sommer und der Jude Nunenthal sich gegenseitig hochleben ließen, worüber die Steinberger Größen ganz aus dem Häuschen waren. So entbehren ernste Wahlkämpfe nicht heiterer Episoden. Rreis Alsfelsd-Cauterbach. Freisinnige Versammlungen gegen 1 die Zollvorlage finden diesen Samstag und Sonntag in Lauterbach und Alsfeld statt. Als Referent wird der Reichstagsabgeordnete Kopsch. Berlin auftreten. g. Volksversammlung in Lauter⸗ bach. Vergangenen Samstag sprach in einer im Saale des Herrn Keutzer in Lauterbach stattgefundenen Volks versammlung Genosse Vetters⸗Gießen über die drohende Erhöhung der Lebensmittelzölle. Bedauerlicherweise war die Versammlung nur mäßig besucht, wodurch sich die hier zahlreich beschäftigten Arbeiter kein schönes Zeugnis ausstellen. Ihre Verhältnisse sind doch nicht so, daß ihnen eine Berteuerung der notwendigsten Lebensmittel gleichgültig sein könnte. Referent beleuchtete die Schädlichkeit der Getreide⸗ und Fleischzollerhöhung, welche übrigens niemals den wirklich notleidenden Kleinbauern etwas nützen könnte, nach allen Seiten hin, betonte dabei, daß vor etwas mehr als 20 Jahren die jetzigen Schutzzöllner, die Junker, für den Freihandel eingetreten seien, weil dies damals ihr Interesse erforderte. Entschiedensten Protest gegen den neuen Raub⸗ zug auf die Taschen des Volkes zu erheben, sei Pflicht eines jeden Arbeiters und Bürgers. In der Diskussion ergriff der Herr Pfarrer Licht von Angersbach das Wort, der sich im Laufe seiner ziemlich verworrenen Ausführungen als Nationalsozialer bekannte. Während er erst meinte, Genosse Vetters habe sich nicht an das Thema gehalten, nichts Neues und von Handelspolitik überhaupt nichts vorgebracht, erklärte er gleich darauf die Ausführungen des Referenten als eine bedeutende Leistung. Schließlich kam er ganz aus dem Konzept, sprͤch vom Lübecker Parteitag, wo die nationalsoziale Politik gezeigt habe, wie sehr sie die Sozialdemokratie beeinflusse(Il).„Ihr müßt thun, was wir wollen!“ rief er. Vetters wies die Ungereimtheiten des Pfarrers schlagend nach. Die Sozialdemokratie brauche bezüglich ihrer Taktik die nationalsozialen Rat⸗ schläge nicht, sie lasse sich von den paar Leuten, die für wenig Geld viel Lärm machten, nicht von ihrem als richtig erkannten Wege abbringen. Mit der„Ablösung“ müßten sich die Nationalsozialen noch etwas gedulden; Einfichtige unter ihnen hätten die Verkehrtheit ihrer Politik längst eingesehen.— Durch die Ausführungen und die Zwischenrufe des Pastors, die den Widerspruch anderer Versammlungsteilnehmer hervorriefen, wurde die Versammlung am Schlusse unruhig.— Die für Angers⸗ bach am Sonntag geplante Versammlung konnte nicht stattfinden, weil das Lokal nicht zu haben war. Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen. l. Bei der Bürgermeisterwahl in Friedberg wurde Kreisamtmann Sand⸗ mann einstimmig gewählt. Wie wir hören, sollen verschiedene Stadtväter nicht die Absicht gehabt haben, Genannten zu wählen, es erst gethan haben, als sie merkten, daß er doch eine Mehrheit bekomme, um sich dadurch von vornherein seine Gunst zu erwerben oder besser nicht zu verscherzen.— Interessant ist mit anzusehen, wie man hier so allmählich den früheren 1. Beigeordneten Hyroniemus aus allen seinen Aemtern hinausdrängelt. Er, der frühere Kreisfeuerwehrinspektor, der Ordengeschmückte, der bei allen Großherzogbesuchen und Geburtstagen so schöne Reden schwang, der sich fur seine Parteigenossen fast geopfert und jederzeit rastlos für sie arbeitete, er ist bei der Stadtverordnetenwahl mit ihrer Schuld durchgefallen. Aber a der Gewerbe⸗ verein, den sich die Friedberger fast nicht mehr ohne Herrn H. denken konnten, hat ihm vorige Woche den Vorsitz abgenon men. Und bei der Beigeordnetenwahl soll er erst recht keine Aussicht haben gewählt zu werden. So wird er trotz Orden und trotz seiner Rede⸗ gewandtheit dem Laufe der Dinge in unserer Stadt schweigend zusehen, ohne darauf irgend einen Einfluß ausüben zu können. Tröste er sich mit anderen! n. In Büdingen ist der Wahl⸗ verein jetzt gegründet worden. Neue Mit⸗ glieder werden aufgenommen am Sonntag, 5 755 nachm. von 3 Uhr an in der„grünen aube“. Aus dem Rreise Wetzlar. — Die Petitionslisten gegen den Lebensmittel wucher wollen die mit der Sammlung von Unterschriften Uher teil shabl: D. , iich ekt 185 Hic en lee be lolche eig, Los cht I fen erkbe att 115 u. er fi b und N Ubri 5 U I We 1 Husen een e Ae, he In Sar ich her Aacheckg me at 10 00 agg bet halten, Aw Matei fg bol 05 U 0 hen! f Aal 100 f f Jacheier 0 ö c a At katze — S S —— 2— Nr. 8 . N gen md lag un fat.. far fi Lauter Nan eile Vuuterhag 0. 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Der brutale Junker, dessen Unterdrückungswut gegen die der Arbeiter kleire Geenzen kannte, wurde den Wetzlarer Spießern als Halbgott vorgeführt. Schließlich brannte man noch ein „Freudenfeuer“ ab. Die Einwohnerschaft hatte man zur Beflaggung der Häuser aufgefordert, dem auch ver⸗ schiedene nachgekommen waren. Ein Wirt in der Sophienstraße zeichnete sich dabei besonders aus, indem er sogar seinen Neubau mit einer ziemlich defekten Flagge dekorierte. Er hat auch allen Anlaß dazu, seine Gäste sind zu neun Zehnteln— Arbeiter. — h. Agitation für die Krieger⸗ Vereine betreibt der„Wetzl. Anz“, indem er schreibt: „Den vor Kurzem in ihr Civil- Verhältnis zurückgekehrten Reservisten sei der Eintritt in die Krieger vereine wiederholt recht dringend an's Herz gelegt. Haben sie doch jetzt die Pflicht, das hoch zu halten, was die Armee ihnen anerzogen hat. Und dazu bietet sich die beste Gelegenheit in den Kriegervereinen, welche die Liebe und Treu für Kaiser und Reich, König ꝛc. ꝛc. Was die Armee den Leuten anerzogen hat, ist nicht weit her und macht sich oft genug in der menschlichen Gesellschaft recht unangenehm bemerkbar, zum Nachteile der„Erzogenen“ selbst. Anstatt in den Kriegervereinen Mordspatriotis⸗ mus und Servilität zu pflegen, ist es viel besser für die Reservisten soweit sie Arbeiter ind und für die Gesammtheit, wenn sie mit der übrigen Arbeiterschaft an der Hebung ihrer Lage mitarbeiten und so dem Kulturfortschritt die 757 ebnen helfen. a. Ueber ein Chinafest das in Oden⸗ hausen gefeiert wurde, schreibt man uns: Zu Ehren eines Chinakriegers, der hierher zurück⸗ kehrte, veranstalte der Krieger ⸗ und Gesangverein am Samstag vor 8 Tagen eine Feier. Dessen, daß der Mann mit heiler Haut in seine Heimat wiederkam und er nicht, wie mancher seiner Kameraden als Kranker oder als Verurteilter sein Vaterland wiedersah, freuen wir uns auch. Doch haben wir zu der übrigens program⸗ mäßig verlaufenen Feier einiges zu sagen. Be⸗ sonders können wir die bei dieser Gelegenheit gehaltene Rede des Vorstehers Euler nicht Mitteilung, unerwähnt lassen. Neu war jedenfalls die daß der Kreuzzug schon Jahre lang vorbereitet gewesen sei, nicht die Ermordung des Gesanden Ketteler habe ihn veranlaßt. Woher dem Herren Vorsteher diese Wissenschaft lommt, verriet er allerdings nicht. Dieser a 6g sei notwendig gewesen im Interesse der ökonomischen Entwickelung Deutschlands erklärte der Redner gewichtig, in Einzelheiten wolle er sich nicht einlassen, denn die Anwesenden berständen sie ja doch nicht. Das war aller⸗ dings eine recht bequeme Beweisführung, aber seinen Mitbürgern stellte er damit zweifellos ein geistiges Armutszeugnis aus. Vielleicht sind die Einwohner Odenhausens hoch nicht alle so ganz beschränkt, denn mehr als die Hälfte derselben gehen auswärts arbeiten und wissen aus Erfahrung, daß der Chinazug die ökonomische Entwickelung licht gefördert hat, im Gegenteil macht sich Arbeitslosigkeit und Verschlechterung der Ar⸗ leitsverhälknisse überall bemerkbar. Die Oden⸗ lauser Arbeiter brauchten sich derartiges nicht lügen zu lassen, wenn sie sich mehr Aufklärung iber politische und wirtschaftliche Fragen zu berschaffen suchten. Die finden sie allerdings licht im Kriecherverein, auch nicht in irgend enem Pfaffenblaite, daß sie auf Drängen ihrer aufgeklärten Frau im Hause behalten, sondern in Anschluß an die einzige Arbeiterpartei die e völkerbefreiende Sozialdemokratie! Und deren Organ, die Mitteldeutsche Sonn⸗ tags⸗Zeitung müssen sie lesen, wenn sie zur Erkenntnis ihrer Lage kommen wollen! Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain. dt. Ein interessanter Prozeß um am Dienstag vor hiesigem Amtsgericht zur Verhandlung. Es handelte sich um eine Klage anwalts-Firma Handschuh und A uth dahier um einen Ersatz⸗Anspruch, den die Kreiskraukenkasse(vertreten durch Gutsbesitzer Grebe⸗Niederweimar) auf dem Rechtswege gegen den Bauunternehmer Bieker in Cölbe geltend machte, die aber abgewiesen wurde, weil er nach den Vorschriften des Kranken- Ver⸗ sicherungsgesetzes binnen vier Wochen nach Aus⸗ stellung einer beizubringenden Bescheinigung hätte angestrengt werden müssen. Der Kläger berief sich darauf, daß die Rechtsanwaltsfirma jedenfalls nicht mit der nötigen Sorgfalt verfahren sei und ihre Pflicht als Anwalt nicht erfüllt habe. Er beantragte, die Firma zum Kostenersatz von 54.90 Mk. zu verurteilen.— Das am 22. ver⸗ kündete Urteil lautete dem Antrage der Klage gemäß auf Ersatz der eingeklagten Summe und Tragung sämtlicher durch den Prozeß ent⸗ standenen Kosten seitens der verklagten Firma. — Innungsfreuden. Ein der hiesigen Zwangsinnung angehörender Meister, welcher (entgegen dem Statut) einen ihm von einem auswärtigen Arbeitsvermittlungs⸗Bureau em⸗ pfohlenen Gehilfen eingestellt hatte, der schon bei einem anderen hiesigen Innungsmeister ge⸗ arbeitet hatte, wurde, da seit seiner letzten hie⸗ sigen Beschäftigung noch kein halbes Jahr ver⸗ strichen war, wegen dieses fürchterlichen Ver⸗ gehens mit einer Geldstrafe von 10 Mark bedacht. Der Mann wandte sich beschwerde⸗ führend an den Bezirksausschuß, da er nicht gewußt habe, daß der Gehilfe innerhalb des letzten halben Jahres hier beschäftigt gewesen ist. Wo bleibt da die gesetzlich gewährleistete Gewerbefreiheit? — Explosion. Am Mittwoch nachmittag erfolgte in den unter der Aula im hiesigen Universitätsgebäude liegenden Räumen, wahr⸗ scheinlich durch angesammelte Gase in der neuen Dampfheizungsanlage, eine äußerst heftige Ex⸗ plosion, durch welche eine große Verwüstung angerichtet wurde. Der Luftdruck war so stark, daß sämtliche Fenstersche iben und auch Möbel⸗ stücke zertrümmert wurden; sogar ein Teil des großen, starken, eichenen Eingangsthores wurde weggerissen. Leider erlitten auch zwei von den dort beschäftigten Arbeitern ziemlich starke Brand⸗ wunden im Gesicht und an den Händen, sodaß deren sofortige Ueberführung nach der chirur— gischen Klinik angeordnet werden mußte. Die 101 kamen glücklicherweise mit dem Schrecken avon. Gemeindewahlen in Hessen. Erfreulichen Zuwachs unserer Stimmenzahl zeigte die Gemeinderatswahl in Kostheim bei Mainz. Zwar wurden wiederum, was dort von vornherein als sicher anzunehmen war, Zentrunsleute gewählt, nur ein einziger Sozial⸗ demokrat befindet sich unter den sieben neuge⸗ wählten Gemeinderäten— doch sind gegen die letzte Wahl 70 reine Zettel für unsere Partei mehr abgegeben worden.— Für ungültig erklärt wurde die Gemeinderatswahl in Mombach bei Mainz, weil irrthümlich zehn statt nur neun Gemeinderatsmitglieder gewählt worden waren.— Für unsere Partei recht erfolgreich waren die Wahlen in Undenheim und Flonheim(Kreis Alzey). In ersterem Orte brachten unsere Genossen vier, in letzterem zwei ihrer Kandidaten durch. Die Ausstellung für Unfallverhütung in Frankfurt bleibt noch bis Sonntag den 27. Oktober Abends geöffnet. Vielfach geäußerten Wünschen entsprechend, wurde der vorher auf den 21. Oktober festgesetzte Schluß noch soweit hinausgeschoben. Ihre Besichtigung ist auch für jeden Arbeiter empfehlenswert. Kleine Mitteilungen. Von der Eisenbahn überfahren wurde am Dienstag ein Heufuhrwerk in Orten⸗ berg. Der Fuhrmann konnte trotz aller An⸗ strengung das Unglück nicht verhüten. Ein Pferd wurde vom Zuge zermalmt. * Leichenfund. Im Walde bei Dietz (Lahn) fand man an einer einsamen Stelle die Leiche eines Lehrers aus der Breslauer Gegend, der Anfang August aus Ems, wo er sich zur Kur aufhielt, verschwunden war. Alle Wert⸗ sachen fand man noch bei ihm; er hat offenbar Selbstmord verübt. Neue Hochschule. Die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften il Frankfurt wurde am Montag eröffnet. Dabei waren u. a. auch die Minister Möller und Studt anwesend. e Partei- Nachrichten. Karl Bürkli. Im Alter von 78 Jahren starb am Sonntag Abend iu Roßau bei Zürich der Veteran der schweizerischen Sozialdemokratie Karl Bürkli. Schon als sehr junger Mann nahm er die Lehren des Sozialismus in sich auf, mit denen er durch Anhänger Fouriers bekaunt geworden war, als er sich in Paris aufhielt. Er diente der Sozialdemokratie bis an sein Lebensende; war ihr erster Vertreter im Züricher Kau⸗ tonsrat, dem er fast ein halbes Jahrhundert angehörte. Versammlungs kalender. Samstag, den 26. Oktober. Gießen. Sozialdem. Wahl vereln. Versammlung fällt aus. Sonntag, den 27. Oktober. Friedberg. Nachmittags 3 Uhr: Oeffentliche Ver⸗ sammlung der Nicht gewerblichen Arbeiter. T.-O.:„Gelernte und ungelernte Arbeiter“. Ref.: Gen. Letsch⸗Vilbel. Montag, den 28. Oktober. Gießen. Glaserverband. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig.— Tapeziererbverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Lö b(Wiener, Hof). Briefkasten. F. ⸗Wetzlar. Die antimonarchische Rede des Antisemiten stand bereits in voriger Nummer.— K.⸗ W. 100. In J. sind etwa 20 Stimmen abgegeben worden.— Mehrere Einsendungen mußten zu⸗ rückgestellt werden. — *. 5 Gießener Stadttheater. Sonntag, den 27. Oktober 1901 4 Uhr nachmittags: Die Dame von Maxim. 8 Uhr abends: a Letztes Gastspiel von Carl Schönfeld: „Kenn“ oder Genie und Leidenschaft. Dienstag, den 29. Oktober 1901 Johannisfeuer von Hermann Sudermann. Mittwoch, den 30. Oktober 1901 “Volks⸗Vorstellung! Die Anna-Lise. Donnerstag, den 31. Oktober 1901 Die Hoffnung Seestück in 4 Akten von Hayermanns. Freitag den 1. November 1901 Haus Lonei. Lustspiel in 4 Akten von L Arronge. J Ugem befläge 75 HKanarien-Konkurrenzsänger. Eiutrittspreise: Donnerstag nach der Eröffnung und Sonntag bis 1 Uhr Mittags 50 Pfg. à Person, während der übrigen Zeit 30 Pfg. à Person.— Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. — Klassen der Volksschulen in Begleitung der Lehrer am Samstag Vormittag bis 11 Uhr Mk. 3.— pro Klasse.— Es wird gebeten, ev. Besuch von Schulen vorher schriftlich anzumelden. II. Proy.-Verbands-Ausstellung oberhess. Geflüigelzüchter-Vereine in den großen Räumen des Etablissements„Philosophen wald“ zu Giessen. SO Stämme Rasse-, Nutz- und Zler geflügel. Abteil, für Vögel-Geräte u.-Gebauer ete. Eröffunng der Ausstellung Donnerstag, 31. Oktober, Nachm. 3 Uhr, sowie Freitag, 1., S Samstag, 2. und Sonntag, 3. November, Vorm. von 8½ bis Abends 71 Uhr. verbunden mit der l. Hage-Ausstengz Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 43. Ueber die Rettung des verschütteten Brunnenbauers Thiele in Grimma, die wir in voriger Nummer mitteilten, wird noch berichtet: Schon in der zweiten Morgenstunde des 17. Oktober wurde der Versuch gemacht, Thiele durch den engen Röhrenschacht herauszubringen. Schon hatte man ihn mit dem 5 5 in der Röhre, da rieselte von innen so vie Sand nach, daß ein weiteres Herausbringen nicht möglich wurde und er zurückging. Von dieser Zeit bis zum Morgengrauen hat der Eingeschlossene mittels eines zugereichten Feldkessels Sand herausge- geben. Das schwierige Rettungswerk ist mittags durch den engen Essenrohrstollen gelungen. Häuer Grimm aus Kaditzsch hatte besonders die Arbeit in den Rohrstollen übernommen. Es mußten Löcher in die Schalung gebohrt werden, von ihnen aus mußten mit einer Stich⸗ säge Einschnitte gemacht werden. Dann galt (8, das Holz zentimeterweise abzustemmen. Dann wurde versucht, ihn in die Oeffnung zu ziehen, so erzählte Grimm, es ging nicht, Thiele vermochte die linke Schulter nicht mit herein⸗ zubringen, ein Pfahl war im Wege. Grimm mußte mit demselben Feldkessel, mit dem Thiele, als er in der Nacht halb verschüttet war, 4% Stunden lang gearbeitet hatte, noch mehr Sand herausschaffen. Je fünfmal mußte er, um einen Eimer zu füllen, durch die engen Rohre hin⸗ durchkriechen. Dann war noch das Loch in der Schalung zu erweitern, und nun gelang das schwere Werk. Thiele, der an einem Gurt befestigt war, wurde durch die engen Rohre gezogen. Wohl rissen ihm die Hosen vom Leibe ab, aber, gehe es, wie es wolle. Nur durch! Und es ging. In peinlicher Spannung harrten die den Brunnen Umstehenden imwischen auf jedes Zeichen aus der Tiefe, bis endlich der Gerettete mit seinen Rettern an der Oberfläche erschien. Allgemeine Freude. Sein jugend⸗ liches bartloses Gesicht war leicht gerötet, er sah nicht aus, wie ein Mensch, der 118 Stunden 16 Meter tief in Todes angst unter der Erde gelebt hat und davon 94 Stunden ohne Nahrung. Er war in fröhlicher Stimmung. Sein auf's Höchste aufgeregter Vater eau ihn herzlich. Trotz⸗ dem sein Befinden ein verhältnißmäßig gutes war, wurde er sofort in ärztliche Behandlung genommen. Treten nicht noch nachteilige Folgen für Thiele ein, so hat das unglückliche Erreignis einen nicht gehofften glücklichen Ausgang genommen. FTT—T—T—T—T—r ppc Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebote. 17. Oktober: Matthias Riedinger, Schriftsetzer in Fechenheim mit Katharine Berger dahier. 19. Heinrich Herchenröder, Vizefeldwebel dahier mit Katharine Schade in Schlüchtern. 20. Gottfried Pfeiffer, Dekorationsmaler in Frankfurt a. M. mit Minna Kreyer dahier. 21. Wendel Uttrich, Taglöhner in Ostheim mit Helene Schneider dahier. 22. Christian Arnold, Tapezier mit Lina Schmitt dahier. Eheschließun gen. 18. Oktober: Philipp Eisen⸗ huth, Hausbursche mit Margarethe Artzt dahier. 19. Konrad Jendt, Glaser mit Katharine Poths dahier. Geborene. 15. Oktober: Dem prakt. Arzt Dr. Georg Kipper e. T. 17. Dem Bibliotheksdiener Gottlieb Braun e. S. 18. Dem Metzger Samuel Rothschild e. T. 19. Dem Bierbrauer und Wirt Friedrich Faatz e. S. 20. Dem Lokomotivheizer Georg Leicht e. T. Gestorbene. 18. Oktober: Anna Kutscher, geb. Scheidler, 68 Jahre alt, Witwe. 19. Ottilie Heß, 2 Jahre alt. 20. Christian Weeg, 54 Jahre alt, Schuh⸗ machermeister. August Hotz, 2 Monate alt. . c pc—j—p—jꝙꝓ—— Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 24. Oktober: Butter per Pfd. Mk. 1.30— 1.40, Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Enteneier 1 St. 0— 0 Pfg. Gänseeier per St. 00—00 Pfg., Käse 1 St. 5—9 Pfg., Käsematte 2 St. 0— 0 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 3.20— 3.50, Zwiebeln per Ctr. Mk. 5.00— 5.50. Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.70 bis 1.—, Hühner per St. Mk. 1.00— 1.20 Hahnen per Stück Mk. 0.65- 1.00, Enten per St. Mk. 0.00 bis 0.00. Gänse per Pfd. 54— 60 Pfg. Auf dem Fruchtmarkte in Grünberg kosteten am 19. Okt. durchschnittlich 100 Kilo Weizen 16.50 Mk., Korn 10.00 Mk., Gerste 12.24 Mk,, Hafer 13.16 Mk., Erbsen 16.00 Mk, A CS 55 „ AUnterhaltungs-Ceil. —————ů— 2 Christlieh⸗sozial. Eine wahre Begebenheit aus Basel. Von reichem Tische abgetragen, Steh'n in der Küche Beste ohne Sahl, Die Herrschaft hat gefüllt den Magen. Es war ein opulentes Mahl. Da horch'! Elektrisch tönt die Schelle Am Haus. Es ist ein Bettelkind, Das schüchtern, zitternd auf der Schwelle Im Regen steht, zerzaust vom Wind. „Ein Tröpfchen Suppe, darf ich bitten,“ Es fleht die Arme leichenblaß.— „Der Bettel wird hier nicht gelitten!“ So schreit der Hausherr,„merk' Dir das!“ Drauf naht die Eh'frau. Aufgeblasen Spricht sie:„Wenn unser Philax satt, Der Kleinen gebt, was er gelassen; Denn wohlzuthun der Herr' befohlen hat!“ Kriegerische Abenteuer eines Kriedsertigen. Erzählung von Heinrich Zschokke. 10(Schluß) Es wird Tag. Unterwegs— auch Liebende wollen gefrüh⸗ stückt haben und zum Wohnort von Friederikens Mutter waren es noch einige Meilen— ver⸗ schwand im ersten Wirtshaus unter scharfem Scheermesser der letzte Rest meiner General- adjutantur von der Oberlippe. Friederike kaufte mir für ihr Geld— ich weiß nicht, wie sie den Trödel auskundschaftete— bei dem Amtmann oder Schreiber einen ehrbaren Ueberrock und Hut, so daß ich doch, ohne Aufsehen zu erregen, bei einem hübschen, wohlgekleideten Mädchen im Wagen sitzen konnte. So fuhren wir weiter. Es war Tag geworden; auch in unserm Gemüt ward es sonnenheller Tag. Verkündet waren wir von der Kanzel, also Hochzeit mußte gemacht werden. Darüber waren wir einig. Ich sollte unterdessen nach Frankfurt am Main schreihen, um meinen Gönner wegen des Ex⸗Reichsgrafen und der Pfarre zu befragen. Erwählter Pfarrer war ich doch einmal, trotzdem, daß ich im fran⸗ 1 0 Bivouac nebst den Siegesliedern die Vokation verbrannt hatte.— Friederike hatte beinahe hundert Thaler erspart; davon ließ sich anfangs das Leben fristen. Und wenn alles Unglück zusammenschlug, konnte ich ja irgendwo noch eine Winkelschule anlegen. Mit Brot und Wasser, das fühlten wir, konnten wir glücklich sein; nur nicht voneinander getrennt, auch bei allem Ueberfluß nicht. Indem wir uns in unserer bittern Armut selig priesen, sie von wohlfeilen Suppen, ich von der Einnahme eines fleißigen Schulmeisters sprach, ging's kling! kling! auf den Fußboden des Wagens.— Wir sahen hinab. Es war ein blanker Louisd'or. „Hast du ihn verloren?“ fragte ich Friederiken. „Ich habe kein Gold!“ sagte sie. Wir nahmen die milde Gabe, als Nachlaß meines seligen Herrn Employé, für meinen Kutscherlohn. Nach einer Weile abermals kling! kling!— wieder ein Louisd'or.—„Wahrhaftig,“ sagte ich,„wir haben einen guten Schutzgeist, oder eine gütige Fee, die unser frommes Gespräch gehört hat. Ich hob auch diesen auf, und sah fleißig umher, ob er noch Brüder habe. Alles war leer. Es that mir leid. Bald darauf erneuerte sich das Hexenspiel zum drittenmale. „Hier ist's nicht richtig in der Chaise!“ sagte ich, und hielt die Pferde an. Es blitzte mir aus dem Spalt des Kastens von unserm Wagensitz ein viertes Goldstück entgegen. Da war die Goldquelle entdeckt. ch erbrach Paradies. 8 den verschlossenen Sitz mit Gewalt, und fand, was ich immer für das Geräusch und Klirren einer Kette gehalten, einen durchgeriebenen Geld. sack. Andere Geldsäckchen lagen, fester gebunden, vertraulich neben einander. Wie mein Employ zu diesem Schatz gekommen, wußte ich nicht;, ob er ihm oder andern gehörte, galt mir glesch. Aber Friederike und ich erkannten einhellig diese Summe sei für unsere bescheidenen Wünsche zu groß— wir könnten sie nicht behalten, Wir legten auch die drei Louisd'or zu den andern, verwahrten das Geld besser, und fuhren gelassen davon, als hätten wir nichts gefunden, ie alte Mutter Friederikens, entzückt unz zu umarmen, empfing uns segnend. Unses Schatz ward ihr in Verwahrung gegeben; abe ungeachtet aller Nachfragen, die ich wegen Wagen, Pferd, verlornem Geld in die öffentlichen Blätter einrücken ließ, mel dete sich nach mehren Monaten kein Mensch dazu. So endeten meine Abenteuer. Ich wan reicher, als ich es je zu werden Hoffnung—9 konnte, und die schöne Friederike mein Weibchen. Dem Berliner Freund sandte ich Entschädigung für sein Fuhrwerk, um welches mich der Hen Oberstwachtmeister geprellt hatte; der Pfarre entsagte ich, und ein erträgliches Landgut, in einer der reizendsten Gegenden, eine von junge Linden und Kastanienbäumen, umschattet Wohnung, die Raum genug für Friederiler, ihre Mutter und mich hat, umschließt mei 3— von der Menschlichkeit. Oft genug hört man ganz kluge und auc wohlwollende Leute sagen: a „Ihr Arbeiter rühmt euch, eine bessere Orb, nung der menschlichen Dinge zu begründen, Ist das nicht eine Einbildung und Anmaßung! Seid ihr denn besser als die Herrschenden pon heute? Es ist wahr, die Reichen sind oft geiz ig und habgierig, und die Mächtigen treten daß Recht des Armen zu Boden. Aber sehet nut euch selbst an! Thut ihr euresgleichen ung anderen minder Uebles? Leset ihr nicht all Tage von Proletariern, die einander mit esseun stechen, Mädchen zwingen oder verführen, dar benden Mietsfrauen die Koffer leeren? Verfallel von euch etwa wenige dem Trinkrausch, habt ihr keine Kameraden, die am Sonnabend ihren Wochenlohn im Kartenspiel vergeuden und sich von Frau und Kind ernähren lassen als 1 0. unter den Ausbeutern? Und wenn die Late der Regierenden auch eure Laster sind, u wollt ihr eine Welt aufbauen, die vom Lasten frei ist?“ Sie wiegt nicht leicht, diese Rede, und el giebt auch keinen sozialistischen Proletarier, del nicht redlich an sich arbeitete, wilde Triebe seineh Inneren zu bezwingen und sich des hohen Ideals das er hegt, in seinem täglichen Verhalten würdig zu machen. Aber auch die Wahrheit der Rede zugegeben, kann sie etwas ändern an dem Ven hältnis der Wagschalen, auf denen die bürgen liche und die proletarische Welt aneinander g“ messen werden? Gutes kann nicht vom Schlechte geschaffen werden, sagt ihr, wir aber sagen so“ und selbstbewußt: Das Proletariat in ein starke Quelle der Sittlichkeit, die z“ nimmt, während die alten Quellen bes siegen; es ist der Acker eines neuen Gewissen der der Reife entgegengeht. N Nehmt die Laster der Proletarier her! Wen klagen sie an? Ist die Meinung des Mes helden, daß dem anderen Gewalt authun 1 und rühmlich sei, im Gedankenkreise der 1 beiter entstanden oder nicht vielmehr in* gesellschaftlichen Ordnung, die das Recht 1. Stärkeren heiligte im Kriege, Zweikampfe 91 im staatlichen und wirtschaftlichen Streit? 1 der Verführer nicht der nur übereifrige o f strecker einer Lehre, die das Weib zur 1 erniedrigte und die Liebe den Interessen privaten Eigentums unterwarf? Und der 10 kommene unter uns, der die arme Witte. stiehlt oder sich von der Arbeit der 5 ö aushalten läßt, hat er seine Seele nicht an Gifte angesteckt, das diese Gesellschaft 1 rechts und der Ausbeutung täglich erzeug un fr oser en fl fache lll. Wollth un get d in. sutzt Ib gerg ha he Nen A sahtten Hand! f d N Aicän n Abet Lale blu, barf fuden, Mitt fit ebm Harm Du weh! „ 5 fs fee nen n che 5 letg Nit Glen kehe lau 0 Jie 0 i i e den Weh bit We 2 1 Freche schließt. keit. ge und ie besert U u behrlk. D Amma schenden! sind oft g en felel! ber seht“ gleichen ihr Ac kl nit h erfühlen, en? Mal kraus, nabend h euden ll, als Nec enn de ter uh.“ i dan Rebe,. olklall, e Trihe höhen haltet 10 rhei 1 1 en 15 f eile n 60 a fl, rial 1 fell,, Juellig, 101 Gan fin Kg 10 d 5 01 fest f 1 ahl 0 1 Ausbeuter zu den ihrigen gemacht. gebracht, Nr. 43. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Gewiß, manche von uns haben die Laster der 2 Aber dürfen wir Proletarier nicht kühn vortreten und sagen: Wir haben Tugenden und Ideale in die Welt wie sie nie zuvor gesehen? Tugen⸗ den und Ideale, die unser eigen sind, die aus unserem Dasein, unserem sozialen Wesen entsprungen sind, wie Blüte und Frucht dem Baume? Seitdem das Proletariat auf die Bühne der Weltgeschichte getreten ist, ist ein neuer Geist menschlicher Zusammengehörigkeit, ein neues soziales Empfinden erwacht. Die Soli⸗ darität ist aus der engen Werkstatt hinaus⸗ geschritten und wird, allmählich sich verbreitend, das Gesetz des menschlichen Verkehrs. Das Leben des Menschen kommt jetzt erst zur gerechten Schätzung als kostbarstes, unverletzliches Gut. Und aus diesem die Menschheit umfassen⸗ den Gemeinsamkeitsgefühl sprießt als schönste Blüte eine Idee sozialer Hülfe hervor, die der alten Moral der Gnade und Wohlthat unend⸗ lich überlegen ist. Der Unterschied der beiden Sittlichkeiten wird auch im täglichen Leben offenbar. Man vergleiche nur den bürgerlichen Wohlthäter mit dem Proletarier, der dem notleidenden Klassen⸗ genossen 5 90 Der Wohlthäter giebt sich einen förmlichen Ruck zur guten That, er steigt gleichsam aus seiner Welt in eine andere hin⸗ unter. Wir meinen da den ehrlichen, gutmütigen Wohlthäter, nicht etwa den Heuchler. Folgt zum Beispiel dem„armen Reisenden“, der hungernd durch die Straßen der Stadt irrt. Da und dort bleibt ein eleganter Herr, da eine geputzte Dame stehen, zieht die Börse und sucht, ob gerade kleine Münze vorhanden. Dann spitzt der Herr oder die Dame die Finger und reicht dem Armen vorsichtig das Geldstück hin, am liebsten so, daß die Berührung von Hand zu Hand vermieden wird, wie in der Voraussetzung, daß die Hand des Armen unrein sein müsse. Der Beschenkte selbst aber wird verlegen, wie beschämt ein paar Dankesworte murmelnd. Und nun seht dafür an, in welcher Art der Arbeiter dem„Reisenden“ seine Gabe reicht. Seine Hülfe ist wie etwas Selbstverständliches, etwas, was garnicht einer besonderen Stimmung bedarf. Die eine Hand sucht die andere; sie finden sich in diesem Augenblick, als ob sie einen natürlichen Bund besiegelten. Der Beschenkte fühlt das sehr wohl. Offen und herzlich ist diesmal sein Dank. Er empfindet es klar und warm. Du und ich, wir gehören zueinander. Du hilfst mir, wie ich dir helfen werde, wenn du morgen Not leidest. Das Mitleid des Proletariers ist ein Ausfluß seines machtvoll ausgreifenden Selbstbewußtseins, seiner unmittelbaren lebendigen Empfindung der menschlichen Solidarität. Wie niedrig erscheint ihm gegenüber die Lehre eines modischen Philo- sophen, daß die Furcht die eigentliche Quelle des Mitleids sei. Was hat denn der Pro⸗ letarier zu fürchten, daß er darum mitleidig sein sollte? Die Armut, das Elend, das an ihn bittend herantritt, ist ihm keine unbekannte, drohende Macht. Seine Ver⸗ trautheit mit dem Unglück macht ihn mit den Unglücklichen vertraut. Aber seine Kraft und Siegesgewißheit überwindet die Erschütterung, die der Anblick des Jammers in der Seele des Fühlenden erregt.„Siehe, das bist du 4 puüft die weltflüchtige, am Glück des Lebendigen ver⸗ zweifelnde indische Weisheit angesichts des Elends dem Menschen zu. Auch der Sozialist sagt sich, wenn er einen Unglücklichen gewahr wird:„Das bist du selbst, eine Möglichkeit deines eigenen Wesens steht vor dir verwirklicht.“ Aber weil er auf sich und seine Zukunft vertraut, giebt ihm der Anblick neue Stärke.„Du bist ein Leidender wie ich und wirst auch ein Mit⸗ kämpfer sein. Dein Leid ist bitter wie Thränen, und der bitteren Thränen ist ein Meer. Wir aber haben starke Arme und werden unser Schiff hindurchsteuern zur Insel der Glückseligen.“ i 5 wir stolz auf unsere Menschlichkeit, auf die hohe Lehre, die wir der Welt geben! Seien wir ihrer immer eingedenk, im innersten Sinnen und Fühlen, in der Rede, die des Kurzsichtigen Blick hell macht, und in der That unserer Arme! Mit dieser Lehre ward eine neue Weltansicht, ein neues Ge⸗ nießen des Lebens geboren. In der kleinsten Handlung der gewöhnlichen Tage fasse sie ebenso Raum wie im großen Geschehen, das die Gebilde der Staaten verändert. Wie es das Mitleid des Arbeiters ist, das Hand ansetzt, wenn auf der Straße ein Wagen im Schlamme festgefahren ist, der Kutscher fluchend auf die Pferde einhaut und müßige Gaffer Scheltworte loslassen, so wird es auch in der Entsagung offenbar, die dem streikenden Kameraden zu einem Stück Brot hilft, und in dem heißem Ringen um die öffentliche Macht, die die Gesetze der menschlichen Gemeinschaften, Gesetze des Zwanges oder der Freiheit, der Ausbeutung oder die Gerechtigkeit begründet. Werden wir unseres Wesens bewußt, wir Besitzlosen, und wir werden die Welt erobern! Mit der Stärke unserer Arme und mit der Stärke unserer Menschlichkeit. Wir werden die Welt besser und schöner machen, als sie war und ist. Ihr Zweifler und Ueberklugen, nennt nur immerzu eitle Einbildung, was stärkstes Gefühl unserer Art und Kraft ist! Die Zukunft wird über der Gegenwart sein. Auch der Baum wurzelt in schwarzer Erde und unreinen Stoffen, und doch treibt seine Kraft Blüte und Frucht.„W. Arb.⸗Ztg.“ Denkmal für Herwegh. Für Errichtung eines Herwegh⸗ Denkmals in Liestal in der Schweiz erläßt ein aus namhaften Schriftstellern zusammen⸗ gesetzter Ausschuß einen Aufruf. Darin heißt es u. a.:„Wir wenden uns an alle Freunde und Streiter der Menschlichkeit und Freiheit mit der Bitte um Beiträge für ein Herwegh⸗ Denkmal in Liestal im Schweizerland. Als über Europa eine finstere Reaktion brütete, da erhob sich am Fuße des ewigen Schnees die „eiserne Lerche“ und verkündete den Morgen der Freiheit. Wie ein Lenzsturm fuhren Her⸗ weghs„Gedichte eines Lebendigen“ 1841 über die Welt und rissen nicht nur die deutsche Jugend mit sich fort, sondern auch alle Frauen und Männer, die sich aus der dumpfen Kranken⸗ stube des Deutschen Bundes hinaussehnten nach freier Luft, gleichem Licht und liebem Sonnen⸗ schein.... Nun soll ihm in Liestal, dem Hauptorte des Kantons, auf dem schönsten Platze in der Nähe des Bahnhofs und eines Volks⸗ bildungstempels ein einfaches, würdiges Denk⸗ mal errichtet werden. Das hat Georg Herwegh wohl verdient, denn er hat für das Volk und die Freiheit nicht nur gesungen, sondern auch gestritten, und ist ihnen unwandelbar treu ge⸗ blieben bis ans Ende, trotz Haß, Verfolgung und Zurücksetzung. Ehren wir den toten Sänger und seine Liebe und Treue für die höchsten Güter des Volkes und der Menschheit durch ein prunkloses würdiges emal!!! Wir sind überzeugt, daß dieser Aufruf auch in Gießen und Umgegend nicht ungehört ver⸗ hallen wird. Besonders die Arbeitergesangver⸗ eine, die Herwegh manches prächtige Lied ver⸗ danken, werden es sich nicht nehmen lassen, für diesen Zweck einen kleinen Beitrag zu stiften. — Kalssterer des Komitees ist Levi Isliker, Kaufmann in Basel; dieser ist zur Annahme von Beiträgen bereit. ——— Lesefrüchte. O glücklich, wer noch Vettern hat, Dem glänzet noch ein Morgenrot; Er wird, wenn nicht Geheimerat, Doch etwas noch vor seinem Tod. Wohl thats dem armen Adam weh, Daß Gott ihm nicht sein Eden ließ; Er hatte keine Vettern je, Sonst säß er noch im Paradies! Hoffmann von Fallersleben. ** Ketzerei eines modernen Bureaukraten. Der echte„strebsame“ Beamte gleicht einem Radfahrer, der vor dem Fenster sei nes Lieb- chens vorbeifährt: Der Blick ist nach oben gerichtet, nach unten tritt er. Bei manchem hohem Staatsbeamten ist ein gewisser unedler Teil derjenige, welcher Ehre und Würde gebracht hat. Erste Voraus⸗ setzung einer guten Karriere ist sohin stets ein guter— Stuhlgang. * „Reißt den Menschen aus seinen Verhält⸗ nissen, und was er dann ist, nur das ist er,“ sagt Seume. Um des Himmels willen! Neun⸗ zehntel unserer modernen Bureaukraten wären dann trotz ihres Selbstbewußtseins gar nichts. (Jugend). Humoristisches. Entgegenkommend. Kommerzienrat:„Ich habe gegen Die persönlich gar nichts einzuwenden, nur sind Sie mir noch ein wenig zu jung für meine Tochter; wenn Sie wenigstens etwas älter wären.— Freier: „Wohl, da komme ich morgen wieder.“ Unverbesserlich. O Männerfreisinn von Berlin,— Du bist ja doch nicht abzuschrecken! Und freudig wirst Du weiterhin Den allerhöchsten Speichel lecken Wirst selig sein, fällt Dir vom Hof⸗ Gedeck mal ab ein schmaler Bissen; Wirst will'ger als Lakai und Zof' Den Boden rein vom Staube— küssen! (W. Jakob.) 955 Nr bedarf neben an⸗ Eine glückliche Ehe deren Bedingungen auch eines Hauptfaktors, einer guten Gesund⸗ heit beider Gatten. Wenn der Vater und Er⸗ nährer durch langwierige Krankheit verhindert ist, für seine Familie den nötigen Unterhalt zu erwerben, wenn die hohläugige Sorge ihren Einzug hält, dann ist das vollkommene Glück der Ehe bald dahin. Das Gleiche ist der Fall, wenn die treusorgende Mutter aufs Krankenbett gestreckt, der Pflege ihrer Kinder, der Haushaltungsfürsorge entrissen wird. Aber auch bei den mit Glücksgütern gesegneten Menschen zerstören unheilbare Krankheiten nur zu leicht das eheliche Glück. Gerade Gatten sollten daher für ihr gegenseitiges Wohlbefinden ganz besonders besorgt sein. Wie leicht ent⸗ steht aus einer leichten Erkältung ein ernstes Hals⸗ oder Lungenleiden, weil man unachtsam über die erste Unpäßlichkeit hinwegging. Luft⸗ röhrenkatarrh, Kehlkopfleiden, Lungenspitzen⸗ affektionen, Bluthusten, Asthma, Brustbeklem⸗ mungen, Lurgenkatarrhen, Influenza, selbst Husten und Heiserkeit verlangen immer sofortige Behandlung. Zudem ist es einem ja jetzt so leicht gemacht, sich bequem selbst zu helfen und zwar mit einem Thee, dessen Vortrefflichkeit in allen Bevölkerungsschichten von Tag zu Tag mehr anerkannt wird. Ein Versuch mit dem von Herrn Ernst Weidemann in Liebenburg a. H. eingeführten russischen Knöterich⸗Brustthee, über dessen Anwendung eine gratis und franco zur Versendung ge⸗ langenden Broschüre eingehende Auskunft giebt, wird jedem mit dem genannten Leiden Be⸗ hafteten zum Segen gereichen. Um den Patienten den Bezug dieser Pflanze in wirklich echter Form zu ermöglichen, versendet Herr Ernst Weidemann den Knöterichthee in Packeten à 1 Mark. Jedes Packet trägt eine Schutzmarke mit den Buchstaben C. W. und sind diese, sowie„Weidemanns russischer Knö⸗ terich“ patentamtlich geschützt worden, so daß sich Jeder vor wertlosen Nachahmungen schützen kann. Man weise daher jedes Packet ohne Schutzmarke und den Namen E. Weidemann zurück. Um im Publikum Vertrauen zu er⸗ wecken, haben sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weidemann'sche Broschüre teilweise abgedruckt haben() und damit ihren angeblich wollen Knöterich in den Handel bringen wollen. r Auf Genossen werbt Abonnenten für die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ Seite 8. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 43. e Richard Loewenthal& Co. Bahnhofstr. 1 empfehlen zur Herbst- und Winter-Saison grossartige Auswahl in Damen⸗ und Mädehen⸗Hüten, garniert und ungarniert, sowie sämtliche Zuthaten, wie Federn, Fantasien, Reiher, Seidenstoffe, Bänder, Auch machen wir auf unser grosses Lager in modernen Mützen, Capotts, Tüchern, Handschuhen, Normal⸗Wäsche, Strümpfen, Corsetts, Schürzen, Röcken, vorgezeichneten Handarbeiten ꝛc. aufmerksam. Bahnhofstr. 1 Sammete, Schnallen, Aegrettes ꝛc. Gießen e 0 Donnerstag den 7. November, abends/ 9 Uhr auf Lonys Bierkeller: fertilen m Bartel Turaser. Rezitator: Herr Emil Walkotte, Berlin. Eintritt 20 Pfg. Eintritt 20 Pfg. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Das Gewerkschafts⸗Kartell. Karten sind zu haben bei den Herren H. Schneider, Sonnen⸗ straße 25, Karl Orbig, Rittergasse 17, L. Löb, Wiener Hof, sowie bei sämtlichen Kartel.⸗Mitgliedern. S Strickwolle k in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen, —Rockwolle von 90 Pfg. per Pfund an und höher. J. H. Fuhr, Sonnenstrasse 25. NB. Stricken von Strümpfen, Röcken ꝛc. wird billigst 1 5 Auch stehen Musterröcke zum Anstricken gratis zur Verfügung. 2 LLL LXIXIXX Bekanntmachung. In das Genossenschaftsregister des unterzeich⸗ neten Gerichts wurde heute eingetragen:„Konsum⸗ verein Gießen und Umgegend, e. G. m. b. H.“ mit dem Sitz zu Gießen. Das Statut ist errichtet am 18. August 1901. Gegenstand des Unternehmens: a) Ge⸗ meinsamer Einkauf von Lebens⸗ und Genußmitteln, Be⸗ kleidungsgegenständen, Materialien und Artikeln für Haus⸗ wirtschaft, Wohnungszwecke und persönlichen Bedarf, und, mit oder ohne vorherige Bearbeitung, Ablassung derselben an die Mitglieder oder deren Vertreter sowie Erwerb oder Bau der für die Produktion oder Betrieb erforderlichen Gebäude; b) Abschluß von Verträgen mit Gewerbe⸗ treibenden und Kaufleuten, wodurch diese sich verpflichten, bei Lieferung guter und unverfälschter Waren gegen so⸗ fortige Baarzahlung einen vereinbarten Rabatt an den Verein zu gewähren; zulässig ist ferner Abgabe von in eigener Produktion hergestellter oder veränderter Waren an Nichtmitglieder. Die Bekanntmachungen erfolgen im Gießener Anzeiger und in der Mitteldeutschen Sonntags⸗ Aae unter der Firma und von 2 1 bezw. Aufsichtsratsmitgliedern unterzeichnet. Außerdem steht dem Vorstand das Recht zu, in weiterer genügender Weise die Bekanntmachungen ergehen zu lassen. Das erste Geschäfts⸗ Baum, Glaser, sämtlich zu Gießen. Die Willenserklär⸗ ungen des Vorstandes erfolgen durch mindestens 2 Mit⸗ lieder; die Zeichnung geschieht, indem 2 Mitglieder der irma ihre Namensunterschrift beifügen. Die Haftsumme beträgt 30 Mark; die höchste Zahl der Geschäftsanteile beträgt 50. Die Einsicht der Liste der Genossen ist während der Dienststunden des Gerichts Jedem gestattet. Gießen, am 18. Oktober 1901. Großherzogliches Amtsgericht. Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhuuaren- Lager in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeiterschuhe u.⸗Stiefel, sowie sämtl Winterschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. Anfertigung nach Maass sowie Reparataren werden in eigener Werkstätte rasch, gul und billig ausgeführt. Justus Benner, Marktstr. 34. Circa Io 00 Lodenoppen von Mk. 3,60 bis Mk. 9,75. 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Mit⸗ glieder des Vorstandes sind: brauer; Michael Keßler, Buchdrucker; Hein rich Gustav Holtberg, Bier⸗ Bahnhofstr. Giessen Nedstadt Für 1902 Nelle Welt-Kalender zu haben bei 2 5 Schneider, Buchhandl. Gießen, Sonnenstr. 25. Verlag der Mitteld. Sonntag szeiteng(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. —œ—... sj—— de 1 Aust durch die Er wu Jof Ind!