Jider lauf auf Credit 1 fret chäfte⸗ geheim. Gießen, Sonntag, den 26. Mai 1901. 8. Jahrg. Medaktiousschluß Mbounementspreis: Die Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Erpedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) D Jnuserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal, Bestellung 33/9% ͤ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens — .— ——.—— Zum Pfingstfeste. Pfingsten, das liebliche Fest, wie Goethe es nennt, ist wiederum gekommen. Sonnig liegt im schmucken Grün, im herrlichen Blüten⸗ kleide die Erde vor uns, jeden zum Genusse ihrer Pracht einladend. Leider köunen nur wenige dieser Einladung Folge leisten. Den größten Teile der Menschheit ist es versagt, sich an der Blütenpracht der wiedererwachten Natur zu erfreuen, in der würzigen Früh⸗ lingsluft sich zu erholen, das Wachsen, Blühen und Gedeihen zu verfolgen, im Buche der Natur zu lesen. Für viele existiert die bunte Wiese, der grüne Wald nicht, weil sie in hartem Daseinskampfe das Interesse daran verloren haben. Wer in immerwährender Sorge um die notwendigsten Lebensbedürfnisse für sich und die Seinen sich aufreiben und verzehren muß, bei dem wird die Lebensfreude, auf den Nullpunkt herabgedrückt sein, das blühende, lachende, sonnige Gefilde wird auf ihn wenig oder gar keinen Eindruck machen. Er ist niedergedrückt, verstimmt! Kaum vermag er an dem lieblichen Feste des Sommers, das schon lange vor Christus die Völker feierten, sein Herz zu erfreuen. Das soll aber jeder Mensch! Lebens⸗ freude soll jeder empfinden; jeder soll sein Leben genieen! Genießen im guten Sinne gemeint. Höheren, reinen Lebensgeuuß allen zu ermöglichen, muß das Ziel des Vorwärts⸗ strebenden sein. Das war schließlich auch das Ziel des Christentums, das im Pfingstfeste die Ausgießung des heiligen Geistes auf die ersten Verkünder der christlichen Lehre feiert. Und unsere auf die Wohlfahrt Aller gerichtete soztaliftische Bewegung hat vieles Gemeinsame mit dem Christentum, wie es im Anfang war. Auch Christus stellte die Solidarität der Menschen als Hauptgrundsatz seiner Lehre auf und seine Jünger handelten in seinem Sinne, wenn ste furchtlos gegen Unterdrückung und Knechtschaft aukämpften, den herrschenden Klassen eutgegen⸗ traten und für den christlichen Zukunftsstaat agitierten. Keine Drohung schreckte sie zurück, sie achteten nicht der Gefahren, das Gespötte und der Hohn der Gegner konnte sie nicht irre machen. Es war etwas Großes, was diese wenigen Proletarier unternahmen. Und mit welchem Opfermute griffen sie das Werk an, das ihnen doch nur Verfolgung, Leiden, Tod einbringen sollte! Sie gaben ihre Existenz, ihren bürger⸗ lichen Erwerb preis, um sich ganz der Agitatton fuͤr ihre große Sache hinzugeben. Die christlichen Priester von heute machen es sich viel bequemer. Es ist etwas ganz Anderes, den herrschenden Klassen seiner Zeit den Krieg zu erklären, als im behäbigen Be⸗ fitze befindlich, von den Mächtigen gefördert, dem gedrückten Volke Gehorsam, Entfagung, Zufriedenheit zu predigen. Kein Prediger der christlichen Nächstenliebe von heute wird sich in die Lage der ersten christlichen Agitation hinein⸗ fühlen können; ebenso wenig wie er sich in die Lage des für sein Recht, seine Existenz, seine Freiheit kämpfenden besitzlosen Arbeiters hinein⸗ denken kann. Wir machen ihnen daraus keinen Vorwurf. Wir wissen, daß jeder Mensch bis zu einem gewissen Grade ein Produkt der ihn umgebender Verhältnisse ist. Diejenigen Priester aber, die es ernst nehmen mit der Lehre Christi, sehen wir auch als Kämpfer für den Sozialis⸗ mus in unsere Reihe treten. Die Pfingstreden der meisten Priester sind deshalb nur schöne Worte, nichts als Worte. Wir Sozialdemokraten aber begreifen die Pfingst⸗ stimmung der ersten Christen. Wir verstehen die Kampfesfreude, und dite begeisterte Sieges⸗ hoffnung so recht von innen heraus. Auch wir vertreten eine neue Idee, streben einem Ziele zu, dessen Erreichung Herrschsucht und Unver⸗ stand mit allen Mitteln der Gewalt und des Hasses zu vereiteln bestrebt ist. Wir kennen die Schwierigkeiten des Kampfes um Freiheit und Gerechtigkeit aus eigener Erfahrung. Mögen Einzelne der gegnerischen Uebermacht auch weichen, den Verlockungen oder Drohungen der Gegner unterliegen, wie es auch bet den ersten Christen der Fall gewesen sein mag, das Ganze schreitet immer vorwärts, getragen von der inneren Macht, die auch Kleinmütige wieder aufzurichten im Stande ist, von der Kraft der Ueberzeugung, der Macht des heiligen Geistes! Auch unsere Bewegung ist entstanden und wird getragen von der Macht dieses heiligen Geistes, der das Menschengeschlecht vor Still⸗ stand und Untergang bewahrt. Feiern wir darum Pfingsten dieser Kraft zu Ehren! Und nicht nur in den Festesstunden im Kreise der Kampfgenossen sollen wir uns in diesem Sinne bethätigen; nein, tagtäglich im Daseinskampfe! Wenn verblendeter 10 und freche Willkür eines Bedrückers dem Einzelnen bittere Stunden der Sorge bereitet, dann den Blick empor und vorwärts, wenn auch durch Leiden dem großen Ziele zu, der wirtschaftlichen und menschlichen Befreiung. Ohne Kampf, ohne Opfer kein Erfolg. Was immer bisher erreicht wurde für die Besitzlosen, die wirtschaftlich Schwachen und Unterdrückten, — leider wenig— es ist das Resultat unab⸗ lässiger Arbeit mehrerer Generationen Wer einem großen Ziele zustrebt, weiß, das es nicht im Handumdrehen erreicht werden kann, fragt auch nicht danach, ob die gebrachten Opfer ihm selbst, oder erst späteren Geschlechtern zu Gute kommen. Nur vorwärts ist die Losung! In diesem Sinne feiern wir Pfingsten! Gießen, den 23. Mai. Die letzte Reichstags session. Bis zum 26. November ist der Reichstag vertagt worden und damit die Session geschlossen, die mitten in den Stürmen des chinesischen Abenteuers begann. Mit der Diskussion über diesen Geniestreich der Bülow'schen Re⸗ gierung, über das verfassungswidrige Vorgehen derselben und die erbetene Indemnität, über den großen Pump und den Anfang des finan⸗ ziellen Reichselends begannen die Sitzungen. Daran reihte sich dann in würdiger Weise die Interpellation betreffend die 12000 Mark⸗ Affäre, in der die Regierung eine schwere moralische Niederlage erlitt, wenn auch der schuldige Graf Posadowsky an seinem Amte kleben blieb. Von weiteren Interpellationen seien gleich die wichtigeren genannt: die vom Zentrum ausgehenden Aufragen betreffend die Kohlenteuerung und betreffend die Duelle im Heere, die Postinterpellation der Polen über die Nichtbeförderung von Briefen und Sendungen wegen polnischer Adressen und schließlich die Interpellation unserer Fraktion über das Griesheimer Bran dunglück. Bei den Etatslesyngen, die stets einen erheblichen Teil der Tagung in Anspruch nehmen, sind die brennendsten politischen Fragen zur Besprechung gelangt. Beim Auswärtigen Amt die Engländerei, die Besuchsabweisung des Präsidenten Krüger; in der zwölftägigen Etats⸗ beratung des Reichsamts des Innern alle soztalpolitischen Fragen; beim Justizetat der Stillstand der Gesetzgebung, die gegen die Sozialdemokratie gerichtete Rechtsprechung, das Fehlen eines einheitlichen Arbeitsrechts, eines Reichsberggesetzes, die Rechtlosigkeit des Ge⸗ sindes usw.; beim Postetat die Lage der Unter⸗ beamten, die Maßnahmen gegen die Polen; beim Militäretat das Duellunwesen und Fälle von Soldatenmißhandlung. Die geringste Zeit nahmen in dieser Session die Marine⸗ und Kolonialetats in Anspruch. Eine Reihe von Initiativanträgen der Parteien erstrebten die Ausdehnung der Gesetz⸗ gebung: der Toleranzantrag des Zentrums die Regelung der Reli gionsverhältnisse, die Abänderung des Gesetzes über den Reichs⸗ in balidenfonds ein Antrag des konservativen Nißler, ein solcher unserer Fraktion die Ab⸗ änderung des Gewerbegerichtsgesetzes. Von größerer Bedeutung waren ferner noch Lie Anträge betreffend die Wohnungsfrage, die Aufhebung der Theaterzensur und die Zahlung von Diäten. Von den von der Regierung eingebrachten wichtigeren Gesetzentwürfen wurden erledigt: die Gesetze über das Urheberrecht und das Verlagsrecht, das Gesetz betreffend die Un⸗ fallfürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes, das Gesetz betreffend die VBersorgung der Kriegs in validen und Hinterbliebenen, das Gesetz betreffend die privaten Versicherungsunter⸗ nehmungen. Das sozialpolitische Ergebnis des bisherigen Teils der Sesston war ein äußerst dürftiges. Dafür hat aber die Reichstags⸗ mehrheit einen nie erlahmenden Bewilligungs⸗ eifer gezeigt, wenn es sich um die Förderung „patriotischer“ Zwecke, zum Beispiel der Hoh⸗ königsburgrenovation, handelte, und ihre Haltung war gegenüber den Bestrebungen der Arbeiter klasse so reaktionär wie nur irgend möglich. Die Niederlage der Schuapsjunker. Wir haben schon in der letzten Numuter die unerwartete und beschämende Niederlage, welche der letzte Verhandlungstag des Reichs⸗ tags den Ostelbiern brachte, mitgeteilt. Doch haben wir den Verlauf der Verhandlung noch nachzutragen. Seit Jahren heimsen die Agrarier durch die raffiniert ausgetüftelte Branntwieru⸗ steuer eine Liebesgabe von jährlich über 48 Rillionen Mark eis. Die von ber Regierung eingebrachte neue Brauntweinsteuervorlage, die Sette 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. N 9 Nr. 21. am 1. Oktober in Kraft treten sollte, wollten nun die Junker so ausgestalten— in ihrem Sinne nämlich— daß ein noch höherer Betrag aus den Taschen der armen Teufel, die hier und da ein Schnäpschen trinken, in die Börsen der meist adligen Schnapsbrenner geleitet werde. Sie hatten deshalb in der Kommission ent⸗ sprechende Vorschläge gemacht. Die Herstellung von Spiritus sollte beschränkt werden, damtt die Begünstigung der Gutsbrennereien noch weiter aufrecht erhalten bliebe. Deshalb wurde das Kontingent“) für neue Brennereien von 800 auf 500 Hektoliter herabgesetzt und die Brenn⸗ steuer um 50 Prozent er höht. Diese Brennsteuer, ein besonderer Zuschlag, der nach der Höhe der Produktion bemessen wird, beginnt jetzt bei einer Produktion von 300 Hektoliter mit 0,50 Mk. und steigt bis 6 Mk. Künftig sollte sie mit 0,75 Mk. beginnen und bis 9 Mk. steigen. Sie sollte die kleinere und mittlere Gutsbrennerei gegen die Konkurrenz der großen, besonders der gewerblichen Brennereien schützen. Aus der Brennsteuer werden wieder Prämien be⸗ willigt, die den Export und die Verwendung von Spiritus zu technischen Zwecken begünstigen sollen. Das„Notgesetz“, wie man die Vor⸗ lage bezeichnete, würde in der gegebenen Fassung ausschließlich den großen Brennereien des Ostens zu Gute gekommen sein. Die Interessen der kleinen Brennereien wären so wenig wie die der süddeutschen dabei berücksichtigt worden. Für das Volt, und zwar gerade die ärmsten auf Schnaps angewiesenen Teile desselben, hätte es eine weitere Verteuerung des Trink⸗ branntweins bedeutet. Glücklicherweise ist dies neue Attentat auf den Geldbeutel des Volkes an der Unfähigkeit der Agrarier, ihre Raubzugs⸗ genossen im Reichstag in genügender Zahl zu⸗ sammenzuhalten, gescheitert. Ob ein so günstiger Moment für sie wiederkehren wird, ist höchst zweifelhaft. Am Verhandlungstage(15. Mai) war der Reichstag zunächst beschlußfähig; doch zeigte schon die erste namentliche Abstimmung, daß nicht viel Muglieder über die Beschluß⸗ fähigkeitsziffer anwesend waren. Man hoffte auf der Linken, die Mittagszüge nach dem Süden und dem Westen pürften noch eine An⸗ zahl Zentrumsleute entführen. Deshalb galt es, die Sitzung in die Länge zu ziehen, damit das für das Volk schädliche Gesetz verhindert werde. Darum hielten die Genossen Wurm und Stadthagen lange Reden, welche von der Rechten und dem Zentrum mit starkem Lärm begleitet wurden, der indeß unsere Redner nicht hinderte, ihte Ausführungen zu Ende zu bringen. Sehr ergötzlich war es, daß auch ein Mitglied der Mehrheit, der sreikonservatiwe Abgeordnete Holz, durch eine lange Rede wider Willen die Geschäfte der„Obstruktion“ besorgte. Nachdem Stadthagen gesprochen, kam es wieder zur Abstimmung. Freilich nicht ohne weiteres. Vizepräsident v. Frege fühlte noch einmal das Bedürfnis, Haus und Tribünen durch seine Geschäftsleitung zu erheitern. Er brauchte über/ Stunde, um über den Abstimmungs⸗ modus ins Klare zu kommen. Die Abstimmung ergab die Anwesenheit von 198 Mitgliedern. Das Haus war also beschlußunfähig. Wie es sich nachträglich herausstellte, war der Schuldige Hofprediger a. D. Stöcker. Er hatte einige Minuten noch der ersten Ab⸗ stimmung den Saal verlassen und erschien eintge Minuten nach Beendigung der zweiten Abstimmung wieder im Saal. Mit Bestürzung sah der fromme Gottesmaun, was er mit seinem Saäumen angerichtet. Darauf verlas der Reichs- kanzler Graf v. Bülow eine kaiserliche Bot⸗ schaft, die den Reichstag bis zum 25. November vertagte. Dann folgte das übliche Kaiserhoch, bei dem von der Linken nur noch Herr Richter anwesend war. Das Resultat des Kampfes war also eine lächerliche Niederlage der Schnaps⸗ junker; sie wollten höhere Liebesgaben, statt dessen fällt ab 1. Oktober die Brennsteuer vor⸗ läufig weg, wodurch der Raub etwas magerer wird. ) Das ist die gesetzlich festgelegte, auf den Kopf del Bevölkerung berechnete, nur mit 50 Mk. pro Hekto⸗ liter besteuerte Spiritusmenge, was darüber hinaus proonztert wird, kostet 70 Mk. Steuer. Kürzere Reichstags ⸗Legislatur⸗ perioden? Ziemliches Aufsehen erregt ein Artikel, der den scharfmacherischen„Berliner Neuesten Nach⸗ richten“ von hochgeschätzter Seite zugegangen ist. Er fordert eine Abkürzung der Legis⸗ laturperioden des Reichstages auf drei Jahre. Die Scharfmacher, denen gerade die Verlängerung auf fünf Jahre zu verdanken ist, glauben jetzt, durch die Abkürzung der Lässigkeit der Volksvertreter vorzubeugen. Nan meint, sie würden weniger die Sitzungen schwänzen, wenn sie die Wahlen mehr in der Nähe wüßten. Die Sozialdemokratie hat immer— so auch 1888— im Reichstage für kürzere Wahlperioden gestimmt und ist für die Anregung ihrer Wiedereinführung, mag sie auch von scharfmacherischer Seite kommen, auf alle Fälle dankbar.— Andere reaktionäre Blätter wenden sich natürlich gegen kürzere Wahlperioden, sie müssen dafür sorgen, daß von Volksvertretern ihrer Sorte so wenig wie möglich Rechenschaft verlangt werde. Wackere Ordnungsleute. Die vielstellige Zahl der geborstenen Ord⸗ nungssäulen, der braven Leute, die im Kampfe für Religion, Gottesfurcht und fromme Sitte kläglich Schiffbruch litten, ist wiederum um etliche Einheiten vergrößert worden. Wie nämlich aus Berlin berichtet wird, zieht der Krach der Sandenbanken weitere Kreise und es sind die beiden Direktoren der„Pommerschen Hypo⸗ theken⸗Aktienbank“ Fritz Roneick und Wilhelm Schultz verhaftet und in das Untersuchunzs Gefängnis überführt worden. Dort mögen sie nun den gottes fürchtigen Sanden und seinen frömmelnden Kumpanen Gesellschaft leisten. Der Grund für die Verhaftung der beiden Direktoren dürfte darin zu finden sein, daß mehrfach Grundstücke übermäßig hoch be⸗ liehen worden sind, sodaß die Unterlagen dem Werte der ausgegebenen Pfandbriefe nicht mehr entsprechen. Der„Vorwärts“ bemerkt dazu: „Moabit wird nachgeradezu zur Ferienkolonie für Hypothekenbank⸗Direktoren.“ Vom Duellblödsiun. Vorige Woche hat zwei Offizieren, dem Oberleutnant Richter und dem Husarenleutnant Vogt ein Duell unter außerordentlich scharfen Bedingungen stattgerunden. Nach dem„Mainzer Journal“ soll ein 13maliger Kugelwechsel stattgefunden haben! Beide Duellanten hatten sich auf den Tod vorbereitet. Auf dem Kampfplatz waren nicht weniger als vier Aerzte thätig. Ober⸗ leutnant Richter hat einen Schuß in die Achsel erhalten, während Vogt nur eine leichte Ver⸗ letzung erlitten haben soll. Der Husarenleut⸗ nant Vogt hat öfters mit der Gattin Rich⸗ ters Spazierritte unternommen, dies sollte den Grund zum Duell abgeben. Das Gerücht, daß ein Duellant tötlich in den Kopf getroffen sei, ist unbegründet.— Das„Gottes- gericht“ hat hier wieder einmal mit tötlicher Sicherheit den Beleidigten getroffen, der „Satisfaktion“ haben mußte, und dessen„Ehre“ durch die zerschossene Schulter nur wieder hergestellt ist.— Gesetze, Armeebefehle, kaiserliche Verordnungen scheinen für die Herren nicht zu existieren. Staats auwalts Kritik der Politik des Kaisers. Das niederbayerische Schwurgericht in Straubing sprach den Redakteur eines Lokal⸗ blättchens von der Anklage der Majestäts⸗ beleidigung, begangen durch eine Krikik des bekannten, vom Kaiser an Lord Roberts ge⸗ richteten Telegramms frei. Die Donau⸗Zeitung schreibt in ihrem Bericht: Der Herr Staats⸗ anwalt führte u. a. aus:„Wohl dürfe man die politischen Akte eines Fürsten einer abfälligen Kritik unterziehen. Es sei ja bekannt, daß der Deutsche Kaiser mit seiner Politik mit dem größten Teile des Volkes nicht in Einklang stehe, nachdem er eine englandfreundliche Haltung einnehme, während das deutsche Volk dem tapferen Burenvolke in Mainz zwischen seine Sympathieen entgegenbringt. Die Kritik wenn auch noch so scharf, müßte sich aber in den Grenzen des Anstandes bewegen und nicht beleidigend werden.“ Ein bemerkenswerter Prozeß. Gegen den früheren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten für Dortmund, Dr. Lütgenau, verhandelte dieser Tage das Dortmunder Schöffengericht wegen Betrug und Unterschlagung. Der Prozeß ist nach mehreren Seiten hin bemerkenswert. Erstens im Hinblick auf den Angeklagten, dann auf die mehr als eigentümliche Stellung, die der Amtsanwalt einnahm.— Lütgenau, ein sehr begabter Mann, ließ sich schon früher Dinge zu schulden kommen, die, ohne gerade strafbar zu sein, doch sein Ansehen als Abge⸗ ordneter und auch das der Partei schädigen mußten. Dieserhalb kam er in Differenzen mit den Genossen. Schließlich wurden ihm noch Verfehlungen in Geldsachen nachgewiesen, wodurch er natürlich in der Partei unmöglich wurde. Strafanzeige ist trotzdem gegen ihn von der Partei aus nicht erstattet worden; er hat sich durch ewige Stänkereien den Prozeß selbst zugezogen. In der Verhandlung wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß Lütgenau im Jahre 1896 für Zeugen in dem bekannten Hofrichterprozeß in Köln 93 Mk. in Empfang genommen hat, ohne das Geld an die Zeugen abzuliefern. Ferner ließ er sich anläßlich des erwähnten Prozesses 10 Mk. als Zeugengebühren für den Genossen Ostkamp in Essen auszahlen, die er ebenfalls in der Tasche behielt. Die Erhebung der 93 Mk. charakte- ristert sich als Betrug, die Nichtzahlung der 10 Mk. an Ostkamp als Unterschlagung. Be⸗ züglich des ersten Punktes machte L. geltend, er habe das Geld ausgezahlt, er wisse nur nicht mehr, an wen. An Ostkamp habe er nicht die 10 Mk. abgegeben, weil er ihn zu⸗ nächst noch nicht gekannt und die Angelegenheit nachher im Drange der Geschäfte wohl vergessen habe. Im übrigen sei die Strafanzeige nur ein Racheakt, man wolle ihn vernichten. Außer dem Verteidiger des Dr. Lütgenau plädierte auch der— Amtsanwalt auf Freisprechung, was den Prozeß nach der andern Seite hin interessant macht. Dieser Amtsau⸗ walt, ein Herr v. Dewitz⸗Drehs, hielt eine Vernichtungsrede wider die Sozialdemokratie, Lütgenau sei das Opfer der Sozialdemokratte. die ihn zu vernichten suche, weil er nicht mehr zu ihr gehöre. Den Zeugen sei keine Glauk⸗ würdigkeit beizumessen. Nach halbstündiger Beratung verkündete das Gericht folgendes Ur⸗ teil: Lütgenau ist des Betrugs schuldig und wird mit zwei Wochen Gefängnis bestraft. Betreffs der Unterschlagung erkennt das Gericht auf Freisprechung. Wahrschein⸗ lich sei L. auch dieses Vergehens schul⸗ dig, jedoch die Möglichkeit set nicht ausge⸗ schlossen, daß er den Zeugen, mit dem er sich allerdings im Gerichtsgebäude unterhalten habe, damals noch nicht kannte und nachher die Zahlung vergessen habe. In der Urteilsbe⸗ gründung hob der Vorsitzende in scharfem Gegensatz zu den Meinungsäußerungen des Verteidigers und Amtsanwalts hervor, daß das Vergehen Lütgenaus sich als ein sehr raffiniertes charaktertsiere, gerade so, wie seine Behauptung, er werde aus Rache ver⸗ folgt, und die Behauptung, er habe das Geld anderweitig bezahlt, ein raffiniertes Leug⸗ nen sei. Die Zeugen darum, weil sie einer bestimmten Partei angehörteu, als unglaub⸗ würdig hinzustellen, gehe nicht an. Dem Angeklagten seien keine mildernden Umstände zugebilligt, weil er nicht aus Not gehandelt und weil er in so raffinierter Weise seine Schuld geleugnet. Ausland. Zur Naturgeschichte gekrönter Häupter. Alexander der Kleine,„König“ von Serbien, heiratete im vorigen Sommer bekanntlich eine frühere Hofdame seiner Murter, die Witwe eines Ingenieurs, Draga Maschin. Diese ndert. 1 een ohn Praga, we Gründen 5 deutlich bez schlichen. die heften Wie das J Weile. ball neuen Err kündigte f fsummtel Monat berg erbe will fi die Serben von der Wi Erfahrung Spröbling schenen ma berständige Suche forse Foönigin sic der Schwa meine Verl Alepander herzichten, Sprüchlein Schanden. Maschin Vorgeben, Joch der licht gerin offenbar w geblich in soll beabsich die in diese sah, unterz sei jedoch diesen Ges bleiben, ne daß die Allgemein, schichten. die Fabe Nit, wer an gige Kronprinz war ehen und von ost Ali Nuit der 5 2 aben dies bone 184 Liber und eine; sowie aud harakte⸗ ing der geltend, isse nur habe er ihn zu⸗ egenhelt ergessen ige nur üitgenau lt auf andern Imtsan⸗ elt eine nokratl, nokralle. ht neh Glaul⸗ ündiget des ll huldig ing erkenn 0 cheit⸗ schu jupe Salle am un c Diel Nr. 21. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. 7 schon der erlauchte Vater Alexanderchens, er ehrenwerte, vor noch nicht langer Zeit zu seinen Vätern versammelte dicke Milan, der sich bei Wiener und Karlsbader Geschäftsleuten dauerndes Andenken gesichert hat, genauer ge⸗ kannt haben. Der Herr Vater wollte in die Verbindung seiner ehemaligen Maitresse mit seinem Sohne nicht einwilligen, konnte sie aber nicht hindern. Vergeblich war auch der Einspruch der Mutter Alexanders; dieser heiratete seine Draga, weil er, wie er bekannt gab, aus Gründen dazu verpflichtet wäre, die ziemlich deutlich bezeichnet wurden und aus denen man schließen mußte, daß Alexander und Draga die Ehefreuden schon vor der Hochzeit genossen, wie das ja in Serbien und anderwärts zu⸗ weilen vorkommen soll.— Nun warteten die treuen Serben seit Monaten auf das ange— kündigte„freudige Ereignis“ in ihrem„ange⸗ stammten“ Herrscherhause. Aber Monat auf Monat verging, der sehnlichst erwartete Throu⸗ erbe will sich nicht einstellen. Geduldig warten die Serben und ihr König. Endlich ist die von der Wissenschaft und durch tausendjährige Erfahrung festgestellte Zeit um, da aber der Sprößling noch immer keine Anstalt zum Er⸗ scheinen macht, läßt der König berühmte Sach⸗ verständige kommen und nach dem Stande der Sache forschen. Und diese stellten fest, daß die Königin sich überhaupt nicht im Zustande der Schwangerschaft befinde! Darob allge- meine Verblüffung, Enttäuschung, Bestürzung. Alexander muß auf die erhofften Vaterfreuden verzichten, an ihm wird Busch's ewig wahres Sprüchlein„Vater werden ist nicht schwer“ zu Schanden.— Gerüchtweise verlautet, Draga Maschin hätte den jungen König durch das Vorgeben, daß sie sich Mutter fühle, unter das Joch der Ehe gezwungen. Nun war sie in nicht geringer Verlegenheit, als der Schwindel offenbar werden mußte. Man erzählt sich an⸗ eblich in eingeweihten Kreisen, Frau Draga fol beabsichtigt haben, das Kind ihrer Schwester, die in diesen Tagen ihrer Niederkunft entgegen⸗ sah, unterzuschieben. Infolge einer Totgeburt sei jedoch dieser Plan gescheitert. Was an diesen Geschichten Wahres ist, mag dahingestellt bleiben, nach ärztlichem Gutachten steht nur fest, daß die Königin nicht schwanger ist. Im Allgemeinen könnten uns ja die netten Ge⸗ schichten wenig kümmern. Sie erschüttern aber die Fabel vom Gottesgnadentum gründlich. Wie, wenn es Draga geglückt wäre, irgend ein Zigeunerkind zu unterschieben und als Kronprinz von Serbien auszugeben? Dann war eben besagtes Zigeunerkind durchlauchtigst und von Gottes Gnaden! Und wer weiß, wie oft ähnliches in den fürstlichen Familien im Laufe der Jahrhunderte passterte! Die Wahlen in Spanien haben diese Woche stattgefunden. Das genaue Ergebnis ist noch nicht bekannt; bisher werden 184 Liberale, 70 Konservative, 14 Republikaner und eine Anzahl Angehörige kleinerer Gruppen, sowie auch ein Sozialist als gewählt be⸗ zeichnet, Bestätigung bleibt indessen abzuwarten. Vielfache Ruhestörungen kamen während der Wahlen vor; die am Ruder befindlichen Liberalen suchten, wie das im„schönen Land des Weins und der Gesänge“ üblich ist, mit allen Mitteln der Fälschung und Vergewaltig⸗ und die Wahlen in ihrem Sinne zu beeiuflussen. Krieg in Südafrika. Kürzlich veröffentlichten englische Blätter Auszüge aus Privatbriefen, welche von eng⸗ lischen Offizieren aus Südafrika in die Heimat gesandt worden sind und aus denen hervorgeht, daß das gesamte Offizierkorps mehr och als die Truppen kriegsmüde ist. Während bei den Soldaten die Ueberanstrengungen und bie Entbehrungen jeglicher Art für ihren Ge⸗ nütszustand entscheidend waren, ist dies bei ven Offizieren durch allzu rücksichtslos betriebene Begünstigungen und durch die Anmaßung einer Anzahl aristokratischer Offiziere, welche gestützt auf ihre Londoner Beziehungen, „ie Kolonial-⸗Offiziere von oben herab an⸗ sehen, entscheidend gewesen. Es sind infolge dieses Zustandes schon öfter Reibereien entstanden und es ist sogar zu blutigen Kämpfen zwischen den regulären und Kolonial⸗Truppen gekommen, wobei es immer Tote gab. Die Nachrichten über diese Zwischenfälle wurden von der Zensur nicht durchgelassen. Die Offi⸗ ziere dringen auf eine möglichst schnelle Be⸗ endigung des Krieges hin, da sonst sehr wohl Komplikationen entstehen dürften, welche eine Fortsetzung der Krieges unmöglich machen dürften. Das ist für die Zustände im englischen Heere auch bezeichnend. Größere Trupps Buren zeigen sich unterdeß wieder an verschiedenen Stellen des Landes und bedrängen die Engländer. Kit⸗ chen er habe erklärt, er werde das Kommando niederlegen, wenn die Regiernug nicht größere Verstärkungen schicke. Krieg mit China. Die Entschädigungsfrage bildet noch immer den Gegenstand der nicht endenwollenden diplomatischen Verhandlungen. In der letzten Zeit waren die Vertreter der Mächte mit der Beratung des englischen Vorschlags den Zahlungsmodus betreffend, beschäftigt. Der englische Gesandte Satow erkennt in einem Rund⸗ schreiben an, daß diese Forderung über⸗ trieben sei und ihre sofortige Zahlung seitens Chinas mittels einer Anleihe dieses zum Bankrott treiben würde. England sei bereit, sich einer Herabsetzung der Entschädigung anzuschließen. Betreffs Zahlung der festgesetzten Summe von 450 Millionen Taels schlägt Satow vor, China zu erlauben, Schuldscheine auszugeben und mit diesen jede der Mächte auszuzahlen. Die Tilgung der Schuldschein müßte in 5—6 Jahren erfolgen. Was nun bet der Verhandlung herausgekommen, ist noch nicht bekannt geworden. Festivitäten. Zu Ehren des französischen Gesandten Pichou fand am 12. Mai anläßlich seiner Abreise ein glanzvolles Festmahl statt. Wie berichtet wird, waren alle Diplomaten und hohen Militärs zugegen, ebenso Li⸗Hung⸗ Tschang und Prinz Tschiug. Das Fest wurde im Zentralpalast abgehalten und schloß auch ein Bankett ein, bei dem Graf Waldersee den Ehrensitz einnahm. Der Ball, die Musik, die Kanonenschüsse, das Feuerwerk und die 1 1 27 1 1 eee e Mitgliederzahl von 70,630 in 576 Zahlstellen auf. Gesamtwirkung hervor, die unübertroffen von allen vorangegangenen Festlichkeiten war. Die Kosten des Festes werden auf 80,000 Taels(240,000 Mark) veranschlagt.— Eine Viertelmillion Mark für eine Fest⸗ 1 Da mag es wohl an nichts gefehlt aben. die Kosten dieser Schlemmerei zu tragen haben, werden den Bericht darüber mit der gleichen Befriedigung lesen, mit der die Chinesen ihr zugeschaut haben mögen. Durch das Feuer⸗ werk sind sie sicher mit den Hunnenthaten aus⸗ gesöhnt worden! Die baldige Zurückziehung der deut⸗ schen Truppen wurde an verschiedenen Stellen angedeutet. Wie es heißt, sollen etwa 7— 8000 Mann in China verbleiben.— Ein Bremer Dampfer brachte 322 Mann zum Teil kranke Chinakrieger zurück. Darunter befanden sich einige, die zur Verbüßung längerer Freiheits⸗ strasen in die Heimat zurückgeschickt wurden. Hessischer Landtag. Zweite Kammer. Am Dienstag, den 21. Mai, beschäftigte sich die Kammer mit dem Antrag auf An⸗ stellung eines zweiten Feldbereinigungskommissars für Oberhessen. In der Diskusston erklärte Abg. Köhler- Langsdors(Antis.), daß ihm die möglichst baldige Durchführung der Feldbereinigung im Interesse der Landwirtschaft wertvoller erscheine als die Erhöhung der Getreidezölle. Wenn ihm zwischen beiden Ver⸗ günstigungen die Wahl gelassen würde, so würde er unbedingt die Feldbereinigung vorziehen. Das Geset über das Faselwesen wird nach langer Debatte im Wesentlichen nach der Regierungsvorlage angenommen Nur sollen entgegen dem ursprünglichen Regierungsvor⸗ schlag Faseltiere zweier Zuchtrichtungen gehalten werden dürfen, wenn der Kreisausschuß seine Zustimmung er⸗ teilt. Anläßlich der Vorstellung des Landes gewerbe— Die europäischen Völker, die schließlich vereins über die genossenschaftliche Organisation des Handwerkerstandes wird der Regierung möglichste Förderung und Unterstützung der Sache empfohlen.— Mittwoch gelangte der Antrag des Genossen Ullrich betreffend die Entschädigung unschuldig Verhafteter zur Beratung, Abg. Ulrich erklärt sich mit dem Be⸗ schlusse des Ausschusses einverstanden, die Regierung um baldmöglichste Einbringung einer Gesetzesvorlage zu er⸗ suchen, die eine feste Entschädigung von zu Unrecht ver⸗ hafteten Personen vorsieht. Justizminister v. Dittmar erklärt, daß er mit den Absichten des Antrages und des Ausschusses ganz einverstanden sei. Auch er betrachte es als erwünscht, daß gesetzlich diese Frage geregelt werden soll. Er könne aber nicht versprechen, bald⸗ möglichst, wie der Ausschußantrag wolle, ein Problem zu lösen, an dem bedeutende gesetzgeberische Talente bis⸗ her gescheitert seien: Ueber die Entschädigung unschuldig Verhafteter schweben augenblicklich in Reichsinstanzen Erwägungen und Feststellungen, die zu einem gesetz⸗ geberischen Vorgehen führen werden, wenn auch nicht in der allernächsten Zeit. Man müsse deshalb abwarten. — Abg. Dr. Gutfleisch(freis.) kann keine Veran⸗ lassung erkennen, von dem Beschluß eine möglichst baldige landesgesetzliche Regelung von der Regierung zu fordern, abzugehen. Die Schwierigkeiten seien allerdings nicht gering, aber auch nicht unüberwindlich. Es sei richtig, daß die Reichsinstanzen sich mit der Materie beschäftigen. Das sei aber bereits seit Jahrzehnten der Fall, ohne daß ein befriedigendes Resultat erzielt worden oder zu erwarten sei. Da nun die Reichsgesetzgebung ihrer Aufgabe in dieser Hinsicht nicht entspreche, so habe die Landesgesetzgebung die Pflicht und das Recht einzutreten. Es sei allerdings nicht angenehm, wenn die Entschädigungs⸗ frage teils durch das Reich, teils durch die Einzelstaaten geregelt set. Aber wenn es nicht anders gehe, müsse man sich damit abfinden und man werde das auch können, Redner führt einige krasse hessische Fälle an. Er wolle keinen Vorwurf gegen Staatsanwälte und Untersuchungsrichter erheben, aber es würde doch mit⸗ unter recht leichtherzig vorgegangen. Er verlange Entschädigung nicht nur in solchen Fällen, in denen ein schuldhaftes Verfahren eines Beamten vorliege, sondern auch in solchen, in denen Freisprechung wegen erwiesener Unschuld erfolge. Seinen sittlichen und recht⸗ lichen Verpflichtungen müsse der Staat unter allen Um⸗ ständen nachkommen.— Gutfleischs Rede wird sehr bei⸗ fällig aufgenommen. Abg. Ulrich stimmt dem Vor⸗ redner zu, worauf der Antrag einstimmig ange⸗ nommen wird. Arbeiterbewegung. Der deutsche Holzarbeiterverband weist in seinem Jahresbericht für 1900 eine Gegen 1899 ist eine Zunahme von 2974 Mit⸗ gliedern zu verzeichnen. Nach der Jahres⸗ rechnung betrugen die Einnahmen 1,108,945 Mk., die Ausgaben jedoch 1,230,739 Mk.; die Mehr⸗ ausgabe von 121,784 Mk. mußte vom Ver⸗ bandsvermögen gedeckt werden, das sich auf 322,781 Mk. beläuft. Die hauptsächlichsten Ausgaben sind: Reiseunterstützung 35,885 Mk., Gemaßregelten Unterstützung 7580 Mk., Unter⸗ stützung bei Not⸗ und Sterbefällen 10,400 Mk., Umzugs ⸗Unterstützung 4944 Mk., Streik⸗ Unterstützung 653,017 Mk., Rechtsschutz 8105 Mark ꝛc. Der Vorstand sagt über die Mehr⸗ ausgabe:„Die Verminderung des Kassenver⸗ mögens ist, wenn auch an sich bedauerlich, so doch keineswegs geeignet, mutlos zu machen. Im Gegenteil darf es alle Mitglieder mit Be⸗ friedigung erfüllen, daß es dem Verband mög⸗ lich war, die horrenden Kosten der vorjährigen Lohnbewegung mit ihrem gewaltigen Umfang in geschehener Weise ohne größere Schwierig⸗ keiten zu decken.— Es war eine Kraftprobe, welche der Verband im Jahre 1900 zu bestehen hatte. Und so wie er diese Probe bestanden hat, wird er zweifellos auch in Zukunft seine Auf⸗ gaben erfüllen, zum Wohle aller Verbands⸗ mitglieder.“ Der Verband der Tapezierer und verwandten Berufsgenossen weist in seinem jetzt veröffentlichten Kassenbericht für das 1900 eine Mitgliederzahl von 4012 auf. Die Ge⸗ samteinnahme betrug 28 878,23 Mk., für Streiks im Berufe wurden 4 145,24 Mk., ausgegeben, in anderen Berufen 300 Mk., die auf Sammel⸗ listen aufgebracht wurden. Im Allgemeinen nahm der Verband eine recht erfreuliche Ent⸗ wickelung, war es ihm doch möglich, aus eigener Kraft die für die diesjährige Lohnbewegung liefen ergebnißlos. Seite 4 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 21. nötigen Gelder aufzubringen. Neunzehn neue Zahlstellen wurden im Jahre 1900 ge⸗ gründet; eingegangen sind acht. T Der Schneider verband hatte Ende des vorigen Jahres 15,320 Mitglieder. An Einnahmen des Verbandes im ganzen Jahre waren zu verzeichnen 210,222„24 Mk.(ein⸗ gerechnet 71,912,91 Mk. Saldovortrag aus dem Jahre 1899), die Ausgaben betrugen 118,976,69 Mk., sodaß ein Kassenbestand übrig blieb von 87,456 Ml. in der Hauptkasse und von 3789,45 Mk. in den Filialen. Unter den Ausgaben befinden sich 5 Hauptposten: Fachzeitung 16,853 Mk., Ret eunterstützung 6550 Mk., Krankenunterstützung 7755 Mk., Streik⸗ unterstützung 40,153 Mk., Prozente(an die Filialen) 29,369 Mk., Verbandstage und Kon⸗ gresse 4/07 Mk., Gehälter de. 4240 Mk. dc. Die Schneider in Bremen, die sich seit mehreren Wochen in Streik befanden, nahmen die Arbeit wieder auf. Sie erreichten eine Lohnerhöhung von 10 Prozent. Tabakarbeiterstreik in Nord⸗ hausen. Um das Koalltionsrecht in Nordhausen kämpfen seit voriger Woche über 1000 Kau⸗ tabakarbeiter und Arbeiterinnen in Nordhausen. Sämtlichen Arbeitern wurde ein Revers vor⸗ gelegt, laut welchem die Tabakarbeiter aus dem Deutschen Tabakarbeiterverband austreten und an die Arbeiter Berlin u. Ko. keine Streikunter⸗ stützung zahlen sollen. Die Unterschrift wurde fast ausnahmslos verweigert. Eine stark besuchte Versammlung nahm folgende Resolution an: „1. das an die Tabakarbeiter gerichtete Ver⸗ langen, auf das gesetzlich gewährleistete Koali⸗ tionsrecht Verzicht zu leisten, wird mit aller Entschiedenheit verurteilt. 2. spricht die Ver⸗ sammlung das Gelübde aus, dem Deutschen Tabakarbeiterverbande in unerschütterlicher Treue auch fernerhin angehören zu wollen. 3. ist an der Regelung des Lehrlingswesens auf Grund der gemachten Vorschläge und an der Errich⸗ tung eines Arbeitsnachweises festzuhalten.“— Streik in der Waggonfabrik in Kelsterbach. Seit voriger Woche befinden stch etwa 150 Holzarbeiter, 90 Schmiede und 25 Lackierer der Kelsterbacher Waggonfabrik im Ausstande. Die bisherigen Verhandlungen ver⸗ Auf Vorschlag der Direk⸗ tion, dem die Ausstäudigen zustimmten, soll der Kreisrat die Vermittelung übernehmen. Von Kah und Fern. Mitteilungen aus unserem Zeserkreise find uns jederzeit will⸗ kommen. Die Shre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett dei Uebermittelung von Nachrichten.— tr bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Angelegenheiten. Zum Monatswechsel bitten wir unsere Leser, sosort das Abonne⸗ ment zu erneuern. Ferner ersuchen wir unsere Genossen, fortgesetzt neue Abonnenten anzuwerben. — Packeteinsammlung. Das Postamt schreibt: Im Publikum ist noch immer wenig bekannt, daß die Post auf Bestellung, wie jeder Spediteur, Packete aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: „Bitte Paket abholen bei(Name und Wohnung)“ unfrankirt in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Bestellfahrt gegen eine geringe Gebühr vom Hause abgeholt. Das Verfahren ist also einfach und bequem. Man kann dabei die sehr viel größere Ausgabe für einen Gepäckträger ersparen. Alleiunstehenden Personen ist es deshalb besonders zu empfehlen. — Das Bureau der Gewerbe⸗In⸗ spektion befindet sich vorläufig Frankfurter⸗ straße 31. . Bäckerversammlung. Mittwoch 15. Mai tagte im Wiener Hof eine gut besuchte ackerversammlung, in der Koll. Hegemann Bericht über den Verbandstag in Mainz er⸗ tate. Hierbei beschäftigte sich der Referent ciaghend mit den sog. Bäckerschutzbestimmungen, ein Axe Durchführung er tadelte. Er forderte die Versammelten zum Beitritt in die Orga⸗ nisation auf, weil nur durch festen Zusammen⸗ schluß die vielen Mißstände, unter denen die Bäckergesellen zu leiden haben, beseitigt werden können. Eine in diesem Sinne gehaltene Re⸗ solution fand einstimmige Annahme. Der Ver⸗ band zählt gegenwärtig 28 Mitglieder. — Als eine feige Auskneiferei charakterisiert sich die Art, wie die„unparteii⸗ schen„Gießener Neueste Nachrichten“ ihre von uns in der letzten Nummer gekennzeichnete scharfmacherische Hetznotiz zu„rechtfertigen“ suchen. Sie verkriechen sich hinter die Frankfurter Zeitung, der sie den unhöf⸗ lichen Satz aus dem Briefe der Kupferschmiede an ihre Arbeitgeber entnommen hatten und die den darin von den Arbeitern angeschlagenen Ton ebenso getadelt hätte. Das ist eine ganz dreiste Flunkerei. Die Frkftr. Ztg. ent⸗ schuldigte sogar die Schreibweise der Kupfer⸗ schmiede mit der mangelnden Schreibgewandheit der Arbeiter; es ist ihr aber nicht eingefallen, die Fassung jenes Schreibens auf„gewerbs⸗ mäßige Hetzer“ zurückzuführen. Solcher gemeinen Verdächtigungen der Arbeiterbewegung hat sich die„Frkf. Ztg.“ noch immer enthalten. Die G. N. N. ja früher auch, als das große Licht aus Aae Gießen noch nicht mit seiner Anwesenheit beglückte und das Blatt vorwiegend mit dem Inhalte der Berliner Volkszeitung gefüllt wurde, die sich nie derartige Schweinburgiaden leistete.] So lange die G. N. N. nicht den Beweis erbringen für das, was sie behaupteten, nämlich, daß die Arbeiterorgani⸗ sationen und in diesem Falle die Hamburger Kupferschmiede von„gewerbsmäßigen Hetzern“ in ren Entschließungen beeinflußt wurden, so lange erklären wir ihre Notiz für eine in⸗ fame Lüge. Das wäre allerdings nicht die erste und nicht die einzige. Ganz albern und sehr durchsichtig zugleich ist das Manöver des in allen Wassern gewaschenen„Unparteiischen“, für unsere letzte Notiz den Genossen Kru m m verantwortlich zu machen. Man höre: „Wir sind erbötig, dem Herrn Großkaufmann Krumm, der sich nicht schämt, in dieser Weise einen politischen Gegner zu verdächtigen, unter vier Augen zu beweisen, daß der Redakteur unserer Zeitung für die Arbeitersache mehr Mark geopfert hat, als er Nickel und daß Redakteur H. dor nicht langer Zeit die schwersten Ver⸗ luste zu ertragen hatte, weil er nicht für die Zucht⸗ hausvorlage schreiben wollte.“ Zunächst ist an dem Erguß interessant, daß Herr H. von Krumm als politischen Gegner spricht. Also hat ein Unparteiischer auch Gegner?! Das sollte er doch nach unserer unmaßgeblichen Meinung nicht. Herr H. ge⸗ steht also damit selbst zu, daß sein Gerede von „absoluter Unparteilichkeit“ purer Schwindel ist. Mit den Opfern für die Arbeitersache wirds wohl ähnlich aussehen. Wir wüßten nicht, wie ein nationalliberaler Redakteur dazu kommen sollte, etwas für die Arbeitersache zu opfern. Brüstet er sich damit, nicht für die Zuchthaus⸗ vorlage geschrieben zu haben— Hundert andere bürgerliche Redakteure von der Zentrums⸗ und nationalliberalen Partei thaten es auch nicht— und zählt uns das an den Fingern als Verdienst vor, so können wir ihm deswegen für seine jetzigen Verdächtigungen der Arbeiter und seine Scharfmachereien keine Absolution erteilen. Jedenfalls sind seine bisherigen Leistungen in den G. N. N. durchaus im Stile Schseinburgs und der Zuchthausvorlage ge⸗ halten. Schließlich ruft Herr Hoppstädter aus: „Niemals hat eine Heligtonssekte soviel Glauben verlangt, wie die Sozialdemokratie. ... Ihre Apostel leben vom Glauben, die andern sind dafür gestorben.“ Wenn das wahr wäre, würden Leute vom Schlage des Herrn Hoppstädter sich auch der Sozialdemo⸗ kratie zur Verfügung stellen. Sie halten es aber einstweilen noch für einträglicher, die Sozialdemokratie mit Schmutz zu bewerfen. Bei diesem unreinlichen Geschäft springt allerdings mehr heraus; wenigstens so lange die Arbeiter so dumm sind, auf Blätter, wie die G. N. N., zu abonnieren.— Genosse Krumm, dem wir das Hoppstädter'sche Machwerk zuschickten, schreibt uns:„Für die Uebersendung der Nr. 116 der G. N. N. danke ich verbindlichst. Obgleich ich, wie Sie ja wissen, an Ihrem Artikel in Nr. 20 ganz unschuldig bin, erkläre ich mich mit ihm durchaus einverstanden. Ich würde vielleicht auf die Schimpfereien dieses Schmierblättchens noch drastischer geantwortet haben. Auf die mich persönlich betreffenden, ebenso thörichten als gehässigen Angriffe einzugehen, habe ich keine Veranlassung. Glaube kaum, daß mir der Anwurf bei meinen Mitbürgern schadet! Nur ein paar Worte gestatten Sie mir: Ich bin nicht neugierig, die Opferfreudig⸗ keit des Herrn H. kennen zu lernen; ist sie so groß wie sein„Taktgefühl“, sich selbst zu beweihräuchern, dann steckt nicht viel dahinter; ich lehne es ab, für meine Person über ge⸗ brachte Opfer auch nur ein Wort zu verlieren. Daß ich„Oel ins Feuer gieße“ beim wirt⸗ schaftlichen Kampfe ist eine Erfindung des Gießener Schweinburg; ich kann es jedem ruhig überlassen, zu beurteilen, ob meine Thätigkeit auch nur halb so„verhetzend“ ist, wie die geflissentlichen Verbrehungen, Verdächtig⸗ ungen, Aufbauschungen und die sonstigen mannigfaltigen Schwein burgereien des Herrn H. Zum Schluß bemerke noch: Ich habe für meine Person dem kleinen Schwein⸗ burg auch nicht die geringste Veranlassung gegeben zu seiner Schimpferei, aber ich will offen gestehen, daß mir sein Schimpfen immer noch besser gefällt, als seine Lobhudeleien. Ohne dringenden Grund werde ich Herru Schweinburg nicht mehr antworten. Bei Angriffen von fager Seite tröste ich mich mit dem Heine'schen Verse: „Ja, das Schrecklichste auf Erden Ist der Kampf mit Ungeziefer, Dem Gestank als Waffe dient, Das Duell mit einer Wanze.“ Aus Friedberg. -d. Unentgeltliche Totenbestattung ist eine von uns schon immer vertretene Forde⸗ rung. Wie notwendig ihre Verwirklichung wäre, bewetst ein Vorkommnis vom vorigen Sonntag hier in Friedberg. Eine arme Frau von aus⸗ wästs, die zu Besuch bei eier Arbeiterfamilie weilie, verstarb plötzlich. Da der betr. Arbeiter die Kosten für den Leichenwagen nicht aufbringen konnte, nahm er kurz entschlossen ein Hand⸗ wägelchen und fuhr zamit selbst den Sarg zum Friedhof. Dieses Vorgehen erregte allgemein Aergernis; man kann aber schließlich dem armen Teufel, der durch seine Verhältnisse dazu gezwungen war, keine Vorwürfe machen. Wir wissen allerdings nicht, ob der Betreffende alle Schritte gethan hatte, um die Ueberführung der Leiche durch die Behörden zu veranlassen. d. Einem interessanten Gespräch zuzuhören, hatte Einsender dieses Gelegenheit und die„Mitteldeutsche“ würde sicher vielen ihren hiestgen Lesern und wohl auch andern ein Vergnügen machen, wenn sie es veröffent- lichte. Mehrere Arbeiter saßen zusammen in der Wirtschaft und unterhielten sich.„No, Ferduand“ begann einer, indem er die Zeitung weglegte,„gihste aach bis Sonntoag 25 Ver⸗ gal 22“„Hei woas für e Vergnüge?“„Bein Katholische Männer⸗ un Arweiter⸗Verein.“„Bei dät mit dem Helligescheih um die Köpp, do gih eich nätt hih.“ Da mischt sich ein anderer, der bis dahin zugehört hatte, in das Gespräch. „Waßte Jakob, däi Ar weiter, möcht ich äwer⸗ haupt e mol seh, däi do hih gih. Dai blamirn ich jo schon vorne e weck.“„Woarim 2“ meint erdinand.„Weil in dem Verein en Unnerschied gemoacht werd zwische Nänner un Arweiter; demnoach sein de Parrer un die Lehrer un des Schäfche un de M—— el un de D Peter un däi Kerle die Männer, un däi annern die Arweiter.“„Bei dene fehlt nur noch de Bindewald.“„Ich möcht nur wisse, woarim se in die Zeitung gerückt howwe: Um Zahreiche Besuch werd dringend gebete. Däi hunns doch sonst net so dringend; wohrscheinlich will de Thedor emol met de Weiwer von seine Arweiter danze“.„No ich glawwe, wann kan anner met em danzt, bleibt er de ganze Owend sezze un wann se noch so dringend enloare.“ „No wäist ihr, däi sein schlau“, fängt wieder au Nen g l 1 c fe e schueblen Fttedberg, im Umhban licherweise geifen bel loch rechtz allgemeine lich darauf scher einge zeitig Vor Renovirun alle außer strichen, volles A. diese Wal denen, d dürfen, m laufen. etwas wa was war erfahren. rot ang auf dem Aublit de jedem tre Haare stt die Dacht sie ihr! Turm, a. Die Fah längere! Derpell sblgter u. der Sptz Jrage ke Mläzlich wieder zu die Luft. , nun schlafen, Gutgeftan ung geit lens mit Te lungen 0 dffertlich 0 0 ee ol ichen gericht U 0 0 l. Na 0 angelegt Otra dae bagzleis nr i i an brigt 1 dune 0 fel Un daz in nlassung aber ic n immer eltien Hertn 1. Be nich nt 1 attung ie Fordt⸗ ig wit, Sonnig on aus- rsamilt Arbeitet bringen 1 Hand arg zun illgemel ic del chäͤltuist michel, treffealt führ anlassel. espräh legentel r bielel ande fe 0 Amen 4 UO, 4 eine Poltzeistrafe von 6 Mk. eingelegte Berufung gelangte die tragsleistung aufgefordert hade. Urteil legte der Staatsanwalt Rep ision ein, die am Montag(20. Mai) vom Kammer⸗ gericht in Berlin verworfen wurde. Faumergeriezt hält an seiner neueren Judikatur 1 7 41, 3 1 Nr. 21. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. einer an,„däi glawwe wer de letzt kimmt, dem werd om merschte geglaabt un wann er noch so en große Kohl verzappt, un weil mir so e schih Maiftier hatte, so mane se, kennte se uns e poar obnehme.“„Woas wäre däi sich en Hals schneire,“ meint wieder Ferdinand.„No vielleiht bezohlt aach emol ganer von dene e „Fässt“, deß könne se aach selwer saufe. Wann se aach weiter nichs mehr wisse, doh sein se blamirt. Mir wärrn sen schon weise, woas mer von en se hale hot un woas se für Kerle seih. De Alphons de Ligouri gebt jo schihne Beispiele.“ Nach diesen Worten holte ich mir den Oberhessischen Anzeiger und richtig! da stand eine Einladung zum Vergnügen des Kath. Männer⸗ und Arbeiter⸗Vereins und unten fett gedruckt: Um zahlreichen Besuch wird drisgend gebeten! Demuach ist es bei ihnen doch nicht so rosig, wie sie es der Welt glauben machen möchten. l. Vor dem Umsturz bewahrt. In einer großen Gefahr, ohne daß sie es wußten, schwebten die guten Bürger des friedlichen Friedberg, besonders aber die Anwohner unserer im Umbau begriffenen Stadtkirche. Glück⸗ licherweise wurde durch das rechtzeitige Ein⸗ greifen bewährter Ordnungs wächter die Gefahr noch rechtzeitig abgewendet. Die Gefahr des allgemeinen Aufruhrs und des selbstverständ⸗ lich darauf folgenden totalen Umsturzes, der sicher eingetreten wäre, wenn man nicht recht⸗ zeitig Vorkehrungen getroffen hätte. Bei den Renovirungsarbeiten der Stadtkirche wurden alle äußeren Holz und Eisenteile rot ange⸗ strichen, was der Kirche ein recht geschmack⸗ volles Aeußere verleiht. Jedermann lobte diese Wahl. Eines Tages sah man einige von denen, die da glaubten etwas mitreden zu dürfen, mit bestürzten Gesichtern hin und her laufen. Jeder schaute nach dem Turmz irgend etwas war also da oben nicht in Ordnung; was war es aber? Endlich hatten wir es auch erfahren. Die Wetterfahne war auch rot angestrichen. Die Umsturzfarbe auf dem Kirchturme! Das ging nicht an, beim Anblick der roteu Wetterfahne mußten sich ja jedem treuen, ordnungsliebenden Bürger die Haare sträuben! Schnell wurden noch einmal die Dachdecker gerufen. Noch einmal wagten sie ihr Leben und stiegen hinauf auf den Turm, ausgerüstet mit Farbtopf und Pinsel. Die Fahne wurde umgelegt und dann war längere Zeit nichts von den Beiden zu sehen. Derweil standen unten eine Anzahl allzu Be⸗ sorgter und schauten klopfenden Herzens nach der Spitze. Wird das Werk gelingen? Diese Frage konnte man aus allen Zügen lesen. Plötzlich waren die Beiden Beherzten oben wieder zu sehen. Ein Frendenschrei durchzitterte die Luft. Die Wetterfahne war schwarz. So, nun konnte Friedberg wieder ruhig schlafen, Dank der Wachsamkeit der beiden Gutgesinnten, die hoffentlich bei der Einweih⸗ ung gebührende Anerkennung finden und wenig⸗ stens mit einem Orden belohnt werden. Wetzlar. * Tellersammlungen in Versamm; lungen sind erlaubt! Wegen Vornahme einer Tellersammlung in einer im September vorigen Jahres in Gleiberg stattgefundenen öffentlichen Versammlung erhielt Genosse Vetters, der den Vorsitz in jener Versammlung führte, Anf den dagegen erhobenen Einspruch bestätigte das Schöffen⸗ gericht Wetzlar das Strafmandat unter Hin- weis auf die Regierungsverordnung vom 11. Nai 1866. Auf die vom 1 zetzlarer Strafkammer zur Freisprechung, besonders deshalb, weil B. mit keinem Worte zur Bei⸗ Gegen dieses Das fest und erfordert zum Begriff der Kollekte das unmittelbare Angehen von Person zu Persor; es debnziert dieses Erfordernis aus dem Allg. Landrecht, auf das in den be⸗ züglichen Instruktionen an die Oberprästdenten Bezug genommen ist und das die Haus⸗ kollekte im Sinne hat. Tellersammlungen in Bersammlungen sind, wie ausdrücklich publi⸗ ziert wurde, stets gestattet! f Wir teilen das Urteil ausführlich mit, sobald es uns zugegangen ist.— Die Verteidigung lag in den Händen der Herren Rechtsanwälte Th. und Dr. K. Liebknecht. Die Kaserneuseuche. Der Typhus greift in der letzten Zeit in bedenklicher Weise um sich. Nach der Augs⸗ burger Abendzeitung sind in den letzten Mo⸗ naten im 8. Infanterieregiment in Metz 26 Todesfälle zu verzeichnen, während sich am 30. April noch 291 Kranke in ärztlicher Be⸗ handlung befanden. Auch die Garnison Neu⸗ ulm verlor erst vor Kurzem 4 Mann durch den Typhus und jetzt einen durch Genick⸗ starre.— Auch in Ehrenbreitenstein herrscht eine Typhusepidemie, was die Bürger- schaft in große Erregung versetzt hat, da be⸗ reits mehrere Fälle tötlich verlaufen sind. Unter der militärischen Besatzung wurden dieser Tage dreißig Erkrankungen gezählt. Auch da find Toded fälle vorgekommen. Es wird vermutet, daß die Epidemie auf die vorjährige Kasernenepidemie zurückzuführen ist. Die wie⸗ derholte Untersuchung des Trinkwassers soll nichts Nachteiliges ergeben haben.— Das Wasser wird auch weniger daran schuld sein, sonst müßten die übrigen Einwohner ebenfalls von der Krankheit ergriffen sein. Wir geben vielmehr der schlechten gesundheitlichen Fürsorge 55 115 Unreinlichkeit in den Kasernen die Verworsene Revisionen. Das Reichsgericht verwarf die Revision Sternbergs.— Ebenso wurde die Revision des zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilten Moritz Lewy aus Konitz verworfen. Ans dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 23. Mai 1901. Genosse Bader, der früher als Verleger der„Hess. Landeszeitung“ hier in Marburg ansässig war, später Chef.⸗Redakteur der Magde⸗ burger„Volksstimme“ wird demnächst seinen Wohnsitz nach München verlegen, um dort als freier Schriftsteller für die Sache des Vol⸗ kes zu wirken. — Städtische Arbeiterfürsorge. Im vergangenen Herbst wurde seitens der Stadt eine größere Menge Holz gelagert, um während der Wintermonate die städtischen Arbeiter mit der Zerkleinerung desselben zu beschäftigen, wie biesen mitgeteilt worden war. Als jedoch der Winter eintrat, und man die Arbeiter zum größten Teile nicht mehr brauchte, wurden die⸗ selben meistens entlassen. Das Holz blieb je⸗ doch ruhig liegen und wird nunmehr durch Sefangene zerkleinert. Die städt. Arbeiter beziehen ja auch einen so horrenden Lohn, (2,20 Mk. pro Tag), daß fie sich im Sommer so viel erübrigen können, um während des Winters gemütlich hinterm warmen Ofen zu sitzen. —„Eintracht.“ Unser Gesangverein unternahm am Himmelfahrtsmorgen unter starker Beteiligung eine Frühtour über die Kirchspitze, Teufelsgraben, Sellhof nach Dreyers Quelle; an letzteren beiden Orten murden mehrere Lieder gesungen und nach eingenommener Stärkung der Rückmarsch nach der Stadt an⸗ getreten, woselbst im Veretuslokal noch ein ge⸗ meinsamer Frühschoppen getruaken wurde.— Von jetzt ab finden die Gesangsstanden wieder regelmäßig jeden Donnerstag, abends ½9 Uhr, im Vereinslokal, D. Jesberg, statt und werden die Mitglieder ersucht, sich möglichst präzis dort einzufinden. — Selbstmord. Am vergangenen Frei⸗ tag hat sich hier der Dozent an unserer Uni⸗ versität, Prof. Dr. Joseph, in einem Anfalle Seite 5. von Geistesstörung in seiner Wohnung er⸗ chossen. —, Brand in Kirchhain. Dienstag früh ging die große, im vorigen Jahre für die landwirtschaftliche Ausstellung benutzte Fest⸗ halle in Flammen auf. Das leicht aufge⸗ führte Gebäude lag in ganz kurzer Zeit in Asche, dem verheerenden Element konnte kein Einhalt gethan werden. Die Halle soll genü⸗ 195 versichert sein. Brandstiftung soll vorlie⸗ Partei-Hachrichten. Gießen. Sozfaldemokratischer Wahl⸗ verein und Gesanaverein„Eintracht am 1. Pfingstfeiertage Familien⸗Ausflug nach Hausen. Abmarsch 2 Uhr nachmittags vom Ludwigsplatz aus. Lauterbach. Sozialdemokratischer Wahlverein. Am 2. Pfingstfeiertage — Ausflug.— Zusammenkunft morgens ½ 5 Uhr an der Hainingstraße. Arbeiter⸗Sän ger! Wir werden um Aufnahme des Folgenden ersucht: An die Arbeitergesangvereine im Kreise Gießen und den angrenzenden Bezirken! Vom Gesangverein„Germania“ in Alten⸗ Buseck wurden vor einiger Zeit befreundete Ver⸗ eine aufgefordert, an einer Besprechung teilzu⸗ nehmen, die die Gründung eines Arbeiter- Sängerbunndes für oben genannten Be⸗ zirk zum Zwecke haben sollte. Eine Anzahl Vereine stimmte dem Vorschlage zu. Wir be⸗ rufen deshalb hier mit eine Delegirten⸗Ver⸗ sammlung auf Sonntag, den 2. Juni nach Alten⸗Buseck ein. Dieselbe beginnt nachmittags 1 Uhr im Lokale von Gastwirt Becker. Alle Arbeitergesangvereine der Um⸗ gebung werden freundlichst ersucht, sich durch je 2—3 Delegirte beteiligen zu wollen.— Mit Sängergruß! Der Vorstand des Arbeiterge⸗ sangvereins„Germania“ in Altenbuseck. Versammlungskalegder. Samstag, den 25. Mai. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 29. Mai. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig mit den Vertretern der Hand⸗ werkerkammer. ———— Aus dem Gießener Standesamts register. Aufgebotene. 14. Mai: Balthaser Becker, Schmiedgefelle ku Kesselbach mit Katharine Conrad in Londorf. 17. Karl Reiber, Schlosser hierselbst mit Margarethe Waguer dahier, 20. Heinrich Merzweiler, Kaufmann in Basel mit Sophi⸗ Willmanu in Erbach. 21. Albert Wallenfels, Kaufm aun hierselbst mit Marie Berg dahier. Eheschließungen. 18. Mai: Carl Herr, Schneider und Appreteur hierselbst mit Katharine Vell⸗ mete dahier. 22. Otto Wagner, Kaufmann hierselbst mit Mathilde Bergen dahtier. Heinrich Wölfing, Sattler und Tapezier hierselbst mit Katharine Wildner dahter. 23. Ludwig Arnold, Bäcker hierselbtt mit Elisabeth Michel dahier. Bruno Traugott von Bursztini, Haupt⸗ mann und Kompagniechef hierselbst mit Amalie Haller dahier. Geborene. 12. Mai: Dem Schlosser Joseph Pöllenhofer eine Tochter. 13. Dem Fuhrmann Heinrich Luh eine Tochter, 14. Dem Wagenmeister Heinrich Keil eine Tochter. 16. Dem Sattler Peter Borschbach ein Sohn. 17. Dem Lokomotivpheizer Wilhelm Weimar eine Tochter. 18. Deu Friseur Maximilian Wißner ein Sohn. Dem Bäcker Ludwig Müller eine Tochter. Dem Weißbinder Karl Käs ein Sohn. 19. Dem Telegraphenarbeiter Adolf Bender eine Tochter. 20. Dem Bierbrauer Andreas Weber ein Sohn. 21. Dem Buch⸗ bindermeister Paul Richter ein Sohn. Gestorbene. 16. Mai: Karl Hillgärtner, 9 Mo uate alt. Friedrich Diehlmann, 22 Jahre alt, Musketie 20. Heinrich Thöt, 16 Jahre ale, Handlungslehrlin. 22. Pgilippine Förster, geb. Schmidt, 55 Jahre a. Privatin. Erna Hartmann, 6 Monate alt. ft Mitteldeutsche Sonntagb⸗Zeitung. Nr. 21. b Unterhaltungs-Cril. 1 Das Meisterstück. Erzählung von Robert Sch weichel. 6 a(Fortsetzung.) „Thut's nicht die christ liche Lieb', so muß es der Verstand thun,“ sagte Berthold, der im Nachdenken die letzten Aeußerungen des Meisters überhört zu haben schien.„Der Ver⸗ stand muß die Leute zur Gem einsamkeit bringen. Es mag auch vordem in der Sach' manches Versehen gemacht sein. Man muß das Ding gescheidter anfangen. Ich meint' eben, wenn die Sach', wie Sie sagen, seit den ersten Christen immer wieder und wieder versucht wurde, nach⸗ ger steckt was d'rein, was gar nicht umzubringen t und darum muß sie am End' gelingen. Seim rechten End' angefaßt muß sie werden, s ist's. Wir haben doch in der Zeit recht⸗ gaffen dazu gelernt.“ Der Färber schüttelte ungläubig den Kopf. Zeude, welche aufmerksam zuhörend die volle me auf dem Tisch versch ränkt und sich vor⸗ „eugt hatte, richtete sich mit einem tiesen aiemzug auf und sagte:„Vater, ich glaub', aß der Helder Recht hat.“ „Freilich, wenn Du es glaubst,“ scherzte der Alte. „Es muß nur mit dem richtigen Verstand der rechte Mann kommen,“ rief Trude und zichtete, indem sie dunkelrot wurde, ihre glän⸗ enden Augen auf den jung eu Gesellen. Dieser mimmte ihr lebhaft zu, aber an sich selbst dachte IV. Berthold stand in der Werkstatt a m Schraub⸗ stock und feilte eifrig an einem Schlüssel. Seine Augen strahlten von einer in neren Freudigkeit. Er hatte den triftigsten Grund dazu; denn er gatte ein großes Geheimnis erfahren. Seit zestern wußte er nämlich, daß Trude einen gewissen Berthold Helder in ihr Herz geschlossen hatte, wie er sie. Wenn er so plötzlich in kaum einem Viertel⸗ stündchen, das sie zufällig allein geweser, da⸗ hintergekommen war, wie er sie in seinem Arm gehalten, ihren schwellenden Mund, der so rot und so süß wie eine Kirsche, geküßt, er hätte es nicht sagen können. Der glückselige Rausch hatte ihn die ganze Nacht nicht schlasen lassen und er war noch trunken. Beim Frühmahl war ihm die rote Gundel fast hübsch vorge⸗ zommen, und er hatte traulich mit ihr gesch watzt; Anton, der Lehrling, kriegte einen freundschaft⸗ lichen Klapps von ihm und er hätte beinahe den Veit Eitelhans umarmt, der ihm bei jeder Gelegenheit ein Bein zu stellen suchte. Dem sonst so ernsten Menschen schwirrten lauter fröhliche Gedanken durch den Sinn. Der Schllässel, an dem er schaffte, war für den Stadtrat von Bodungen, der für schwer reich galt.„So deich der sein mag,“ dachte er,„in dem Herzers⸗ schrein, zu dem ich den Schlüssel hab', da sind noch viel größere Schätze verwahrt.“ Wie reich die Liebe seines Mädchens war, das ging ihm aber erst allmählig auf. Allerdings that er die seinige dazu und so mehrte sich der Schatz und es gab ein Blühen und Dusten mit dem Frühling um die Wette, der fich draußen mit jedem Tage reicher und entzü ckender entfaltete. Und daß die Tage jetzt llän ger wurden, das war ein neuer Zuwachs des Glückes. Laut Zunft⸗ und Polizeigesetz mußten die Gesellen Winters schon um neun Uhr, Sommers späte⸗ stens um zehn Uhr zu Hause sein, und die Frau Meisterin Schönhauer war eine unerbttt⸗ lich strenge Schließerin, und wer nicht pünktlich daheim war, der mußte die Nacht über draußen bleiben. Der Preuß' hatte es erfahren. Jetzt lohnte es schon, auch des abends nach St. Nikolaus zu wandern. Und wie köstlich war (8, beim Sternenschein in der blühenden Geis⸗ er dabei nicht. blattlaube des Färbers am leise rauschenden Flusse mit der Geliebten zu sitzen! Der Frühling lockte ihn nicht anders aus den alten Stadtmauern als zu einem Sonn⸗ tags⸗Spaziergang mit Trude und den ihrigen zwischen den grünen Feldern und in den raunenden Wald von Vogelsang. Sein Fell⸗ eisen wieder auf den Rücken zu nehmen, daran dachte er nicht mehr. Nein, er wollte ganz dableiben und sich als Meister setzen, sobald das vorgeschriebene Jahr um war. Er sann und machte Entwürse, und sobald er mit sich im Reinen war, ging er an die Ausführung seines Meisterwerkes. Es sollte den„Krautern“, den Meistern beweisen, daß er in der Fremde etwas Tüchtiges in seiner Kunst gelernt hätte. Der Preuß', der einige Jahr älter als er war, sah scheel dazu. Er stichelte gelegentlich auf die Psuscher und Bönhasen und Meister Schönhauer pflichtete ihm bei, daß es ein Elend mit ihnen sei. Sie verdürben das Handwerk und seien schuld, daß das Stück Brot, das ein gelernter Meister mit seinem sauren Schweiß verdiene, in immer mehr Teile gehe.„Ja, der Teufel soll sie holen,“ fluchte Veit Eitelhans. „Es giebt schon so wie so in jedem Gewerk zu viel Meister.„Es müßt' Einem schwerer gemacht werden, das Meisterrecht zu erwerben. Die dreißig Thaler, so Einer dafür zahlen muß, oder ist's mehr? und die Tonne Bier, die zwei Schinken und der Braten, die er zum Meister⸗ schmaus geben muß, wollen just nicht viel sagen.“ Ueber das gutmütige Gesicht des Meisters ging ein Schmunzeln.„Dir wird's freilich zu leicht und das Geld hast Du wohl schon im Sack,“ rief er und lachte. Veit, der ein glühend Stück Eisen in einer Zange über den Amboß hielt, machte seinem inneren Aerger durch Schimpfworte gegen Anton Luft, daß er den Blasebalg nicht ordentlich zöge. Berthold wandtez den Krauskopf von feinem Werktisch über die Schulter zurück, um auf die Aeußerungen Veit's etwas zu erwidern; er verschob es jedoch, weil eben die Thür zur Werlstatt sich aufthat. Wer hereinkam, konnte er von seiner Stelle aus nicht sehen und er kümmerte sich auch nicht darum, sondern wendete sich wieder zu seiner Arbeit. Es war die Meisterstochter. Veit ließ den schon erhobenen Hamm er sinken und fragte mit plumper Dienst⸗ sertigkeit?„Wünschet die Jungfer was?“ Gundel schien ihn gar nicht zu sehen; ihre blauen Augen richteten sich über ihn weg auf Berthold während sie antwortete:„Der Anton so runterkommen.“ „Aber Du siehst doch, daß er jetzt kein“ Zeit hat,“ rief der Vater. Gundel hielt es jedoch sür überflüssig, sich davon zu überzeugen. Mit der des Gehorsams sich eren Nachlässigkeit ließ sie von ihren schmalen Lippen die Worte fallen:„Die Mutter braucht ihn in der Küche,“ und begab sich an den Werttisch Berthold's, während der Vater verdrießlich dem Jungen winkte, daß er gehen sollte. Berthold ließ sich nicht stören. Gundel sah ihm eine kleine Weile schweigend zu; dann fragte sie, was er denn gar so fleißig schaffe 2„An meinem Meisterstück,“ antwortete er.„O, wirklich?“ rief sie wie erstaunt. Und als er darauf nickte, fügte sie auffallend leise hinzu:„Hat's damit solche Eile?“—„Ja, freilich!“ Es huschte wie ein Lächeln über ihr schmales sommersprossiges Gesicht und ein langer Blick senkte sich in seine dunk⸗ len Augen. In den Hüften sich wiegend, ging sie davon. Berthold starrte bestürzt vor sich hin. Eine unheimlche Ahnung überkam ihn. „Aber das ist ja Unsinn,“ wehrte er sie ab und arbeitete um so eifriger. Bald darauf ging der Meister zum Frühstück. „Na, was wollte sie deun von Dir?“ fragte Eitelhans lauernd. Berthold fuhr herum und rief:„Du bist mir ein sauberer Kerl!“ Es kam ihm gelegen, jetzt seinen Unwillen von vorhin auszuschütten.„Was, sind wir Gesellen nicht durch die Zunftordnung an Händen und Füßen geknebelt? Kein Elied können wir rühren. Nur lauter Pflichten haben wir und kein Recht. Und Du red'st dem Meister noch zum Maul, daß es uns noch schwerer gemacht werden soll, aus dem Clend herauszukommen; daß wir für den Jammerlohn, den wir kriegen, für die Meister schuften sollen bis an unser Ende, bis wir verrecken auf der Landstraß' oder im Spital!“ „Na, na, was zerhabst Du Dich denn,“ versetzte der Preuß' gelassen.„Dich können doch die Gesellen nicht kümmern, machst ja schon Dein Meisterstück. Aber dumm bist Du, daß Du es machst. Du könntest es ja viel einfacher und leichter haben; brauchst ja blos die Gundel zu heiraten und Dich in's fertige Netz zu setzen. Sie guckt sich ja nach Dir die Augen aus.“ Berthold versagte die Sprache. Der Andere lachte laut und höhnisch auf. Darüber raffte Berthold sich zusammen und rief nachdrücklich: „Such' Dir für Deine Späß' einen Narren aus! Ich die Gundel heiraten? Niemals!“ „Na, meinetwegen,“ zuckte Veit mit schein⸗ barem Gleichmut die Achseln.„Du wirst wohl eine an der Hand haben, die schöner ist, als die Gundel, was?“ Mit pfiffig zusammenge⸗ kniffenen Augen sah er Berthold an und ging, in sich hineinlachend, wieder an seine Arbeit, da jener ihm keine Antwort gab. Wie jeder ehrlichen und gesunden Natur, war es Berthold peinlich, eine Neigung erweckt zu haben, die er nicht erwidern konnte. Um so größer war sein Mitleid mit der armen Gundel, und er schaffte mit verdoppeltem Fleiß an seinem Meisterstück, um sich ihr nur so bald als möglich aus den Augen zu bringen. Ganz von seiner Arbeit und seiner Liebe erfüllt, be⸗ merkte er nicht, daß in dem Hause seines Meisters das Wetter umschlug. Denn auch Veit Eitelhans war nicht müsstg. Er wartete seine Gelegenheit ab. Eines Sonnabends saß er nach dem Nachtessen auf der Bank vor dem Hause und blies aus einer Thonpfeife Rauch; wolken in die Luft. Der Meister war zu Bier gegangen. Seine Frau trat nach einer Weile unter die offene Hausthür; es war ein heißer Tag gewesen. Veit rückte bei Seite, um ihr auf der Bank Platz zu machen. Sie folgte jedoch der Einladung uicht.„Na, das Meister⸗ stück ist bald fertig,“ begann er, nach der Frau schielend. Als sie die Worte unbeachtet Iteß, fügte er hinzu:„Dann wird er ja wohl auch bald heiraten.“ Die Frau sah scharf nach ihm. „Unsereins mach es noch so treu und ehrlich meinen,“ fuhr er fort,„kommt Einer mit einer glatten Fratz, wie der Blitz find die Weiber in ihn verschossen.“ f 14 8(Fortsetzung folgt.) eee Humoristisches. Der gefoppte Alkoholfeind. Ein ergötzliches Geschichtchen erzählt der Theaterplauderer des Lumpaci Vagabundus im Wiener Burgtheater. Lewinsky, der berühmte Darsteller aller großen„Bösewichte“, hatte die Rolle des schnapsseligen Schusters Knierim übernommen. Nun ift der Künstler auch in weiteren Kreisen als völlig enthaltsam und überdies als Gemüse⸗Esser bekannt, was ihn nicht an der Durchführung der Rolle hinderte, nur im dritten Akt wäre er fast gescheitert, und zwar an der Bosheit eines Kollegen. In der Scene im Hause des Schreiners Hobelmann tritt Knie⸗ riem bekanntlich schon stark angesäuselt auf und verlangt dort noch ein Glas Schnaps. So that auch Lewinsky, der das ziemlich umfangreiche Gefäß rasch an die Lippen setzte und den Inhalt ebenso rasch hinter die Binde goß. Kaum war dies geschehen, als der Künstler in helle Wut geriet, denn— er hatte in dem Elas reines Wasser vermutet, statt dessen aber reinen Ro soglio(spr. Rosoljo— Rosenliqueur) gewöhnlichster Sorte hinunter⸗ gestürzt, genau nach Vorschrift Nestroys. Nach der Scene eilte Lewinsky hinter die Coulissen, um seinem Groll Luft zu machen, doch war der Uebelthäter, der die Sache angestiftet hatte, nicht zu entdecken. Damit aber zum Schaden der Spott nicht fehle, erklärten einige boshafte lachend dem Künstler, sie wollten nicht mit ihm sprechen — er röche zu stark nach Schnaps!— Gerechte Entrüstung. Mutter:„Na, hier sieht's ja wieder nett aus, und außerdem hast Du schon wieder ein großes Loch im Strumpf, so daß sogar die große Zehe herausschaut!“— Der kleine Karl: „Du raisonnierst aber auch über alles! Die anderen Buben laufen barfuß und ich darf noch nicht eiumal mit einer nackten Zehe rumlaufen!“ PAE —— P K 1 2 9 armen m Fleiß so hald Ganz llt, he⸗ seilez n auh wartete ads suß or den Rauch⸗ zu Bit T Weile heißer um ihr e folgte Meister⸗ er Frau tet ließ, l aug ich ih. ehrlich lt einer Weiber Nr. 21. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite. 7. FFC Wer ist Bergmann? 80 ist das erste und einzige Waren⸗ und Möbel⸗Kredithaus in Gießen Bergmann u Hgegend.. ist ein Unternehmen, welches bei spielend leichten Zahlungsbedingungen Bergmann billiger verkauft, als andere Geschäfte gegen baar. ist Bergmann? 257 5 hat in Gießen, Seltersweg 22, ein Waren⸗ und Möbel⸗Kreditgeschäft 2 erg mann eröffnet, um einem allgemeinem Bedürfnis abzuhelfen. 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P singsten 5 0 Und in 0 Mischt f Es ist d — Seht Der, wi Als wel Wenn Den leb E wird Von eine Von eine Der sich Der une Das gro Der heil Der Gel Der in Die Frei Die Nac Seht, w Die Fla Der bis Der Bi Er bric Ja, er Gleich N Hörtler Schon Die D Seht, Bald Das 2 Wenn Den G Wenn Dann r Der un Zu wil Ir ool Erfüllt Herstt Und s Dann Denn Mag ö Das 0 der aue 5 rat in hüllte in fäulnt uu el err N in feiner 12 11211. liess se BSSOnIt 21 rr Jobauues Hecker renne Beilage zur Ilittelcleutschen Sonntags-Teitung. Nr. 21. Gießen, Honntag, den 26. Mai 1901. 8. Jahrg. 8 Wechsel in Wien, Prag und anderen Städten splitters in die im Gefängnis in Gebrauch ge⸗ Pfingsten. 5 einem höheren Satz eskompti e i üss ptiert werden] wesenen zinnernen Wasch⸗ und Eßschüsseln Pfingsten! Herab vom Virchenturme als andere Wechsel. In den Krisenjahren Ertönt der Glocke heller Klang, Und in den Jubelton der Vögel Mischt sich der Gläubigen Gesang. Es ist das Fest des„heiligen Geistes,“ — Seht ihr die Prozessionen ziehnd— Der, wie die Bibel uns berichtet, Als weiße Taube einst erschien. Wenn man auch heute solchen Wundern Den rechten Glauben nicht mehr schenkt, So wird doch unser Thun und Randeln Von einem heiligen Geist gelenkt, Von einem Geist, der uns regieret, Der sich in jedem Menschen regt, Der unser ganzes Wollen leitet, Das große Rad der Seit bewegt, Der heil'ge Geist, der Geist des Lichtes, Der Geist des Fortschritts ist erwacht, Der in den Herzen aller Völker Die Freiheitsflamme angefacht. Die Nacht entflieht, bald wird es tagen, Seht, wie sich ringsum alles regt, Die Flamme wird zum Feuerbrande, Der bis hinauf zum Himmel schlägt. Der Riesenbrand wird täglich größer, Er bricht mit Schnelligkeit sich Bahn, Ja, er durcheilt die ganze Erde Gleich einem wütenden Orkan. Hört! wie es kracht und zischt und prasselt, Schon sinkt des Aberglaubens Macht; Die Dummheit stürzt von ihrem Throne, Seht, wie die Freiheitssonne lacht. Bald wird's für alle besser werden, Das Nachtgewölk, es wird verwehn, Wenn alle Armen, Unterdrückten Den Geist der Wahrheit recht verstehn. Wenn wir nach Recht und Freiheit streben, Dann wird der Seind zu Fall gebracht, Der uns durch tausendjähr'ge Herrschaft Su willenlosen Sklaven macht. Ihr sollt euch stets als Menschen fühlen! Erfüllt als solche eure Pflicht! Serstört den Wahn des Aberglaubens Und strebt nach Wissen, Recht und Licht. Dann wird euch einst die Nachwelt ehren, Denn was ihr schafft, das wird bestehn; Mag auch die Mitwelt euch verspotten, Das Gute kann nicht untergehn! N Die„Edelsten“ der Nation. der pol nischen nämlich, hat jüngst unser Genosse Daszynski im österreichischen Reichs⸗ rat in ihrer wahren Gestalt Meat bie Er ent⸗ hüllte in der Sitzung vom 13. Mai die Sitten⸗ fäulnts der polnischen Schlachta. Darunter versteht man den polnischen Adel, die herrschende Klassen, die„Besten der Nation“. Daszynski sprach über das Elend in Galizien in seiner gewohnten Beredsamkeit und schilderte die Gaunereien namhafter„Edelleute“, daß dem Polenklub die Knie schlotterten, wie der Kor⸗ respondent der„Frkftr. Ztg.“ sich ausdrückt. Als Daszynskt noch allgemeine Ausführungen machte von der Ausbeutung, deren sich die Mitglieder des Polenklubs schuldig machen, rief ihm einer von diesen„Edeln“, v. Abra⸗ hamovicz zu:„Namen nennen!“ Und da löste sich die Zunge des Sprechers und das ver⸗ blüffte Haus bekam merkwürdige Dinge zu hören. Von den Diebstählen der Fürsten und Grafen und Priester, von Defraudationen, Er⸗ Nac und dergl. sprach Daszynski. achdem Daszynski darauf hingewiesen hatte, daß in Folge ungeheuerlicher Diebstähle, die von Mitgliedern der Aristokratie und des Geld⸗ besttzes verübt wurden, der Kredit ganz dar⸗ niederliege, fuhr der Redner fort, wie die „Wiener Arbeiterzeitung“ berichtet:„... Denn wo alles gestohlen werden konnte, wo die riester genau 5 stehlen, wie die ürsten und Grafen, so wie ganz ge⸗ meine Diebe, dort hat sich das Mißtrauen aller derer bemächtigt, die über Geld verfügten. Es ist eine traurige Wahrheit, daß galizische wurden galizische Wechsel sogar überhaupt nicht eskomptiert. Ganze Arbeits zweige liegen brach; es bemächtigt sich des Landes ein Auflösungsprozeß, welchem man Einhalt 1 muß. Da Herr v. Abrahamovicz eweise verlangt, so will ich mir erlauben, Ihnen die verübten Schurkereien bloßzu⸗ legen. Ich werde da Ihnen ganz nahestehende Persönlichkeiten nennen. Der ehemalige gali⸗ zische Landes⸗Ausschuß Jendrzejowicz, ein 1655 naher Verwandter des ehemaligen inisters, hat hat sich erschossen, nachdem er Schulden kontrahiert hatte, die er zu be⸗ zahlen nicht im Stande war. Das Mitglied des Polenklubs Wiktor hat sich in Berlin er⸗ schossen, nachdem er Wechsel auf beträchtliche Summen gefälscht hatte. Marchwiczki, der Vertraute und Majordomus der beiden Grafen Badeni, welchen Badeni zum Herren⸗ hausmitglied beförderte, hat zusammen mit dem Fürsten Sapieha und dem Dr. Kry— zanowski, dem natürlichen Bruder des Grafen Badeni, so schmutzige Dinge gemacht, daß eine Bank darüber krachen mußte, daß ein Fürst Sapieha im Verdacht stand, sein fürst⸗ liches Wort wie einen Fetzen beschmutzt zu haben. (Lebhafte 9 75 Hört l⸗Rufe links.) Dr. Kry⸗ zanowski, der vielleicht noch anständiger war als seine beiden Brüder, hat sich erschossen. Vom Grafen Mix und dem Grafen Potocki wurden Depositen gestohlen. 925 Ritter v. Gniewosz: Das ist nicht wahr. Abg. Daszynski: Sie wurden nur dann zurückbezahlt. So ging es noch eine geraume Zeit fort. Eine lange Reihe polnischer Adliger entlarvte unser Genosse als gemeine Gauner und Betrüger. Verschiedener dieser Hallunken, darunter auch Mitglieder des Reichsrats, be⸗ trügen als Gutsbesttzer ihre Arbeiter noch obendrein dadurch, daß sie ihnen den Arbeits— lohn statt in Geld in Pappmarken geben, auf denen eine gewisse Summe geschrieben steht und die nur an bestimmten Stellen und Tagen als Zahlungsmittel angenommen werden, wo⸗ bei selbstverständlich die Arbeiter Verluste haben. Vergeblich suchte der Mnznisterpräsident v. Körber den Statthalter von Galizien zu decken, vergeblich der persönlich ehrenhafte Herr v. Gniewosz den Polkenklub zu verteidigen. Dieser Herr, der zu ehrlich zu sein scheint, um zu solcher Mohrenwäsche geschickt zu sein, mußte so ziemlich alles zugeben und bat schließlich nur um das Zugeständnis, daß es nicht aus⸗ geschlossen sei, daß ein Stanczyke auch ein au⸗ ständiger Mensch sein könne. So nagelte Daszynskt die Schlachta als die Verderber des galizischen Volkes an den Schandpfahl der Oeffentlichkeit.„Entweder ein Volk krepiert einfach vor Hunger oder es muß eine andere Regierung kommen“— ein Drittes giebt es für Galizien nicht.— Das anmutige Bild zeigt, wohin ein Land unter der Herrschaft der Junker gerät. „Wegen Bethätigung sozialdemo⸗ kratischer Anschauungen als Soldat“ hatte sich am 15. Mat vor dem Kriegsge⸗ richt Magdeburg der Arbeitssoldat zweiter Klafse, Paris, zu verantworten. P., der schon ein langes Strafregister hinter sich hat, erklärt auf Befragen des Verhandlungsleiters, am 9. März d. J. eine Instruktion dahingehend erhalten zu haben, daß ein Soldat sozialdemo⸗ kratische Ansichten weder äußern, noch zur Schau tragen darf. Bekannt sei ihm, dem Angeklagten, diese Verhaltungsmaßregel schon 1 5 gewesen, und zwar durch die abgehaltenen Appelle. Paris, der zur Zeit eine längere Gefängnisstrafe verbüßt, wird beschuldigt, mittelst eines in seiner Zelle gefundenen Glas⸗ sozialdemokratische Sprüche, wie:„Hoch lebe der Arbeiterstand!“—„Hoch lebe die Sozial⸗ demokratie!“—„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!“ u. s. w. eingekratzt zu haben. Der Angeklagte bestreitet, die That begangen zu haben. Der im Garnisongefängnis als Aufseher fungierende Sergeant Heinicke giebt an, schon seit Januar bemerkt zu haben, daß die Waschschüsseln mit derartigen Sprüchen bekritzelt gewesen seien; später habe Zeuge auch dasselbe an den Eßnäpfen bemerkt. Um heraus zu be⸗ kommen, wer von den Inhaftierten eine der⸗ artige Gesinnung bethätige, habe er am 11. März d. J. lauter unbeschädigte Wasch⸗ schüsseln in die Zellen gegeben. Er habe dann die Schüsseln der Reihe nach wieder einsammeln und nach seiner Wohnung bringen lassen. Hier wurden dieselben einer Revision unterzogen, wobei diejenige Schüssel, die nach Meinung des Zeugen aus der Zelle des Angeklagten Paris gekommen sei, wieder mit derartigen Sprüchen bekritzelt war. Eine Verwechselung der Schüsseln sei als ausgeschlossen zu betrachten. Der An⸗ geklagte muß hierauf eine Schriftprobe machen, die zu beschretbende Schüssel abet auf den Knieen halten. Nachdem das Kriegsgericht die Prüfung der Schriftzüge vorgenommen, werden die Zeugen vereidigt. Der Vertreter der An⸗ klage, Kriegsgerichtsrat Dr. Müller, hält die Anklage in vollem Umfange aufrecht. In Anu⸗ betracht der vielen Vorstrafen beantragt er eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hält sich für nichtschuldig und giebt an, daß er am 12. Mai ebenfalls eine bekritzelte Schüssel in seine Zelle bekommen habe, worüber er dem wachthabenden Sergeanten Meldung gemacht habe. Sergeant Heinicke bestätigte dies. Nach längerer Beratung geht das Urteil dahin: Der Angeklagte, Arbeitssoldat Paris, wird nach der stattgehabten Beweisaufnahme für schuldig erachtet, die Kritzeleien verübt zu haben (Vergehen gegen§ 92 des Militärstrafgesetz⸗ buches). Mit Rücksicht darauf, daß durch die vom Angeklagten geübte Bethätigung eine große Gefahr für noch nicht sozialistisch ge⸗ siunte Soldaten bestanden hat, wird der Angeklagte wegen Ungehorsamkeit gegen einen Dienstbefehl und Sachbeschädigung mit sechs Monaten Gefängniß bestraft.— Wäre der Mann wirklich Sozialdemokrat, so hätte er die thörigten Streiche, die nichts nützen und ihm nur schaden können, hübsch unterwegs gelassen. Quittungen. Stck.⸗G. Mt. 3.80. Gge.⸗Hdbgu. Mk. 7.40, The. Mk. 1.60. Leh.⸗Fllgh. Mk. 1.40. Mk. 2.—. Ccht.⸗Gbg. Mk. 5.80. Wt..⸗Obch. Mk. 7.40. Kbch.⸗Wek. Mk. 26.—. Kch.⸗Kfd. Mk. 7.—. R.⸗Hchhm⸗ Mk. 26.60. Kch.⸗Noͤfl. Mk. 9.20. Vpl.⸗Ollr. Mk. 22.—. Bsr.⸗Rdgn. Mk. 2.20. Hdch.⸗Kzbch. Mk. 8.80. Ly.⸗G. Mk. 20.50. Fhbch.⸗Otbg. Mk. 4.80. Ggr.⸗Mbg⸗ Mk. 27.80. Dthfr.⸗LIgstr. Mk. 3.60. St.⸗Mkftz. Mk. 2.25. Mths.⸗Gbch. Mk. 4.50. B.⸗Wbch. Mk. 1.—. Mhl.⸗G. Mk. 24.—. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Dsch.⸗Bgs. Mk. 7.60. Sgfr.⸗Abck. Mk. 8.20. Bsr.⸗Rdgn. Mk. 2.—. Fth.⸗ Wtzlr. Mk. 25.—. Sch.⸗Wdkp. Mk. 1.—. Ly.⸗G. Mk. 5.—. Wllr.⸗Rdhm. Mk. 13.—. Fz.⸗Lch. Mk. 1.48. Lehr Bsr.⸗Rdgn⸗ Ly.⸗G. Mk. 13.—. Wtr.⸗Wwe.⸗Lbch. Mk. 2.—. Kl.⸗ Rogn. Mk. 8.20. Gst.⸗Bss. Mk. 8.95. Efflr.⸗Iobg. Mk. 20.—. C.⸗Dhm. Mk. 4.40. Stck.⸗G. Mk. 3.60. Z.⸗Noh. Mk. 5.—. Wbr.⸗Fllgh. Mk. 1.60. Gge.⸗Hobgn. Mk. 7.20. Wzl.⸗Lgdf. Mk. 5.—. Pf.⸗G. 1.80. Ggr.. Mbg. Mk 27.20. R.⸗Hchm. Mk. 26.80. R.⸗G. Mk. 2.40⸗ Eth.⸗The. Mk. 1.80. Lcht.⸗Gbg. Mk. 5.60. Rg.⸗Ltbch. Mk. 24 60. Pf.⸗Odh. Mk. 5.—. Ly ⸗G. Mk. 14—. Dthfr.⸗Lgstrn. Mk. 3.40. Mllr.⸗Mbg. Mk. 100.—. Mhl.⸗G. Mk. 25.40. Sch.⸗Stbg. Mk. 14.60. By.⸗Dbg. Mk. 3.60. Hp.⸗Bdhm. Mk. 4.80. Kpfr.⸗Roͤbg. Mk. 5.—. Kbch.⸗Wsck. Mk 25.80. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 25.—. Schfr. Gbch. Mk. 4.20. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Schb.⸗Hsn⸗ Mk. 7.40. Z.⸗Noh. Mk. 2.—. Sgf.⸗Abck. Mk. 8.20. Br.⸗Roͤgn, Mk. 2.20. Bch.⸗Vtbg. Mk. 2.40. Mhl.⸗Bu. Mk. 3.—. Ly.⸗G. Mk. 7.—, Fbch.⸗Otbg. Mk. 3.60. Wtr.⸗Obch. Mk. 6.80. Wlr.⸗Wwe.⸗Ebch. Mk. 2.35. Bsr.⸗Rdogn. Mk. 2.—. Ly.⸗G. Mk. 2.50. Kch.⸗Kdf. Mk. 37.—. Klge.⸗Alsf. Mk. 24.50. Gge.⸗Hdbgn. Mk. 7.40. Seite 10 Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Nr. 21. —— 2 2 5 3— 3 22 2 2——— n——.————— S= D D.=— 2 2. 2 22——= 3 2— 2— A———— S—.—— 2— E 2— 35 SSS r S o c 3 FF e SS S S S S S S S„ S S TTT — 3= S== S 5.= 2—=— 2 A 2— 5—= A 2 S 5 2—— 2 SS— 2 e 2.= r= 3 S SA— S S= 2— S —— S== N= AS S—.—. 2— SS SZS A 2 2 1== 8 2 1— 2 S 2— A 2= 2 22 2 2 2 2 S S r——— A S e 5 S e e r e *——.— 5—— 2 ——— Erstes 5 litäten auf. Oder übertragen Sie vielleicht Vorgängern entgegengebrachte oder Vorurteil? Ersteres ist uicht richtig! 2 2. alle anderen Artikel im Großen. rum Bahnhofstrasse 27 und größtes Konsumgeschäft. Weil Sie glauben, unsere wirklich billigen Preise bauten sich auf minderwertige Qua⸗ Letzteres geschieht zu Unrecht. 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