Nr. 93 — ing, A ich h 20 gert urch zugt nur gum Kunden 1 fehle, bit voll dannn — 1 fl. Auguf 8 5ll reichhaltig 1 orten 1 führt. feste Pre — 7 Naleloß in borzlk l ie te tzel 5 0 ö 0 4 ———— Nr. 34. Eießen, Sonntag, den 25. August 1901. 8. Jahrg. Redaktion: 2 2 Medaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutf che Donnerstag Nachaitng 4 Uhr. Jonnt ⸗Jeitung. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Eppedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 1 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 1 Bei mindestens 3 % und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt — Parteigenossen! Sorgt für zahlreiche Unter⸗ schriften der Petition gegen den Brotwucher! Bedenkt ferner, daß die beste Waffe im Kampfe gegen Volksaussaugung und Unterdrückung unsere Parteipresse ist, sorgt deshalb für deren weiteste Ver⸗ breitung und werbt eifrig Abonnenten für die „Mitteldeulsche Sonntags⸗Zeitung“ des einzigen in Qberhessen erscheinenden Arbeiterblattes! Der Antisemitismus im Sumpfe. Von jeher hat der Antisemitismus allen wichtigen politischen Fragen gegenüber eine derartige Zerfahrenheit gezeigt, daß er bei allen ernsthaften Leuten längst jeden Kredit als politische Partei eingebüßt hat und als solche auch nicht mehr in Rechnung gestellt wird. Mit wieviel„Richtungen“ man bei diesem reaktionären Gebilde eigentlich zu rechnen hat, ist schwer festzustellen, ebensowenig kommt man sich über ihre Programme ins Klare. Es ist die vor gar nicht so langer Zeit mit so riesigem Getöse in Szene gesetzte Bewegung total ver⸗ flacht und versandet; die rückständigen Bevölke⸗ rungsschichten, auf welche die antisemitische Mittelstandsretterei spekuliert, werden immer zurückhaltender, die antisemitische Pauke hat ein gehöriges Loch bekommen. Die Rolle des Antisemitismus ist ausgespielt, daran ändert auch das markschreierische und großmäulige Auftreten seiner Häuptlinge nichts, die von Zeit zu Zeit einander das Zeugnis absoluter Unfähigkeit ausstellen. Nur dann macht der Antisemitismus von sich reden; wenn einer der Führer wieder mal eine ganz besondere— Klugheit zum Besten gegeben hat. Und das passtert allerdings nicht selten. a So hielt kürzlich die ritual mordgläubige „Staatsbürger⸗Ztg.“ eine Umfrage über den „jüdischen Ritualmord“ und die Mittel zu seiner Bekämpfung. Sie forderte auch den Abgeord⸗ neten für Alsfeld⸗Lauterbach, Kunstmaler Bindewald auf, seine Ansicht über das be⸗ liebte Thema zu äußern. Hören wir, was der Geistesheld antwortet: N „Um eine Ansicht kann es sich bei dieser Sache nur insofern handeln, als die Frage in Betracht kommt, wozu verwenden die Juden das abgezapfte Menschenblut? Diese Frage ist offen, wenigstens nicht so geklärt, daß eine vollkommen ausreichende Antwort gegeben werden kann. Was den Blutmord (Ritualmord) anlangt, so ist derselbe in zirka 200 Fällen geschichtlich nachgewiesen und in der jüngsten Zeit erst wieder neu beglaubigt 1. durch Geständnisse schuldiger Juden; 2. durch unanfechtbare Zeugenaussagen und sonstige Beweise; 3. durch gerichtliche Er—⸗ kenntnisse. Die erwiesenen Thatsachen be⸗ rechtigen vollkommen, die Blutbeschuldigung gegen die Juden zu erheben. Unsere Kinder müssen vor diesen Mördern geschützt werden. Es geht nicht an, daß Juden Mordfreiheit genießen. Mörder müssen unschädlich gemacht werden. Da das geeignetste Radikalmittel bei unserer heutigen Verziehung zur Mensch— lichkeit nicht gutgeheißen würde, so ist auf Grund der erwiesenen Verbrechen von Juden und ihrer überall bethätigten Solidarität nach dem Sprichwort„Mitgegangen mitgehangen“ die Landes verweisung aller Juden auf ewige Zeiten zu erstreben, damit wir wenigstens in unserem Deutschland vor dieser Mörderbande sicher sind. Bis aber das richtige Verständnis für die unbedingte Notwendigkeit mindestens dieser Maßregel der Landesverweisung alle Schichten der Bevölkerung erfaßt hat, muß erstrebt bezw. durchgeführt werden: 1. Polizei⸗ aufsicht in der allerschärfsten Form für die unter uns lebenden Juden; 2. Duldung der⸗ selben nur in ganz kleiner kontrollierbarer Anzahl(kein Anhäufen von Juden in den Großstädten); 3. Schächt⸗ und Schlachtverbot für Juden überhaupt; 4. Isolierung in Schule und Gesellschaft, Entfernung aus Staats⸗ ämtern; 5. bei Vorkommen eines Mordes, wo, wie in Konitz und Xanten, alle Spuren auf Juden weisen, wird die Hälfte des Ver⸗ mögens aller Juden Staatseigentum, ent⸗ sprechend der Verbrechersolidarität der Juden; 6. hohe Kopfsteuer.“ Sollte man es im 20. Jahrhundert für möglich halten, daß ein Volksvertreter derartigen, an das schwärzeste Mittelalter ge⸗ mahnenden Blödsinn zu Tage fördern könnte? Wäre es nicht besser, diesen Mann sorgsamer ärztlicher Pflege zu überweisen, als ihn in den Reichstag zu fenden? Daß solche, von keinem Menschen ernst genommene Leistungen mit dazu beitragen, die„Bewegung“ zu ruinieren, soweit überhaupt noch etwas zu ruinieren ist, leuchtet ohne Weiteres ein. Wir finden deshalb auch begreiflich, wenn ein fähigerer Antisemit, der Schriftsteller Wil⸗ berg in Berlin, angesichts des Krebsganges 5 Partei, folgenden Stoßseufzer von sich giebt: „Seit 16 Jahren stehe ich in der Berliner antifemitischen Bewegung und bin als Redner unserer Sache in Berlin wohl der einzige, der die Zeit von Henrici bis heute nicht nur mit gesehen, sondern auch mit durchlebt hat. Von Henrici bis heute! Jeden ehrlichen An⸗ tisemiten packt ein ingrimmiger Zorn, wenn er diese Zeit zurückdenkt, und wer nun gar 16 Jahre hindurch seine Lunge, seine Ge⸗ sundheit, seine Existenz und einen nicht un⸗ beträchtlichen Teil seines Geldes geopfert hat, der möchte verzweifeln, wenn er sieht, wie bisher alles umsonst war und wie wenig wir in so langer Zeit erreicht haben.. Hätten wir nur stets eine Sache im Auge gehabt, so wären wir heute wohl die mächtigste und einflußreichste Partei im ganzen Lande.(2) Aber leider haben wir gar zu oft die Per⸗ sonenfrage statt der Sache in den Vorder⸗ grund gestellt. Und gerade daran mußten wir immer und immer wieder scheitern. Keine einzige Partei hat so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt, wie die unse⸗ rige, und keine Partei hat sich von Phra⸗ senhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen, wie die antisemitische.“ Den letzten Satz können sich die Herren Hirschel, Reuther ꝛc. ganz besonders hinter die Ohren schreiben, auch Herrn Köhler ist er zur geneigten Beachtung zu empfehlen. Um den Zolltarif. Obstruktion und Aenderung der Reichstags-Geschäftsordnung. Unsere Partei hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie bei der Beratung des Wuchertarifs etwaigen Vergewaltigungsversuchen der agrari⸗ schen Mehrheit mit allen geschäftsordnungs⸗ mäßigen Mitteln entgegen treten wird. Sie wird nicht dulden, daß es den im Ueberfluß lebenden Junkern so leicht gemacht wird, sich auf's neue durch unerhörte Belastung des Volkes die Taschen zu füllen. Zum gleichen Wider⸗ stande werden unsere Genossen die übrige Linke aufzumuntern suchen. Das fürchten natürlich die Brotwucherer, deshalb wird von konserva⸗ tiven und Zentrumsblättern eine„Revision der Geschäftsordnung des Reichstags“— natürlich in reaktionärem Sinne verlangt. Nun, die Durchführung dieser sauberen Pläne wird ihnen nicht so leicht werden. * * „Fürsorge für den Arbeiter und Handwerker“ tritt in drastischer Weise auch in den Industriezöllen zu Tage. Die Zeitung„Schuhmarkt“ hebt folgende Zollsätze für Schuhe und Stiefel hervor: 1 Paar ordinäre rindlederne Arbeiter- schuhe GBergmannsschuhe) Detailpreis za./ 7,50, Paargewicht 1450 Gramm kosten Zoll: 1 Paar roß⸗ oder rindlederne holzgenagelte Arbeiter⸗Sonntagsstiefel Detailpreis za.„ 8.50, Paargewicht 1200 Gramm kosten Zoll: 1 Paar feinste Damen⸗Knopfstiefel aus Chevreauxleder Detailpreis za./ 22—, Paargewicht 500 Gramm kosten Zoll: 1 Paar feinste Damen⸗Ballschuhe aus feinstem Ziegenleder Detailpreis za.„ 10— 15 und mehr, Paargewicht 350 Gr. kosten Zoll: A 0,421! Also: der arme Teufel muß für seine Schuhe beinahe einen Tagelohn Zoll bezahlen, den sechsten Teil des Kaufpreises. Die„gnädige Frau“ aber und die„gnädigen“ F 4 1,23 1! , 1,021 . 0,60 N Fräulein Töchter, auch die Mätresse des schmarotzenden Agrariers, die ihre Ballschuhe aus Paris be⸗ ziehen, zahlen für ein Paar, das Mk. 15 kostet, 42 Pfg. Zoll, das macht den sechsund⸗ dreißigsten Teil des Kaufpreises und einen verschwindenden Bruchteil dessen, was ein Agra— rier zum standesgemäßen Leben haben„muß“. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit! * Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Mittelstand und Brotwucher. Gegen die agrarischen Wohlstandsvernichter, so schreibt die„Frkftr. Volksst.“, die Brot⸗ und Fleisch⸗ wucherer, machen jetzt auch die deutschen Gast⸗ wirte mobil. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Gastwirteverbandes fordert in einem Aufruf die Gastwirte zu einem ener⸗ gischen Protest gegen die Erhöhung der Lebens⸗ mittelzölle auf,„von der in erster Linie der Gastwirtestand betroffen würde. Bei der be⸗ kannten Schwierigkeit, eine Preiserhöhung für Speisen und Getränke in den Restaurants durchzuführen, würde der Gastwirt selbst die Mehrbelastung zu tragen haben und sie nur zu einem geringen Teile auf die Gäste abwälzen können. Andererseits sei auch von dem Rück⸗ gang der Kaufkraft der städtischen Bevölkerung in Folge der Zollerhöhungen eine wesentliche Verminderung des Konsums zu befürchten. Die Gastwirte werden aufgefordert, den bekannten, gegen den Zolltarif⸗Entwurf gerichteten„Aufruf des Handelsvertragsvereins“ in ihren Lokalen an auffallender Stelle anzubringen und dabei von der in verschiedenen Gastwirtsvereinen ein⸗ geführten Plakatsteuer Abstand zu nehmen.“ Der Gastwirtstand hat thatsächlich von der Reaktion in doppelter Beziehung zu leiden: Die von den Agrariern stets unterschätzten muckerischen Verfrommungsbestrebungen im Bunde mit der Bevormundung durch die Polizei schädigten die Gastwirte bereits enorm, und nun sollen sie auch noch ihr Gewerbe auf dem Altar des Brotwuchers opfern. Es wäre erfreulich, wenn die Herren ihre Oppositionsstimmung auch dadurch bethätigen wollten, daß sie uns bei der Verbreitung und Unterschriftensammlung für unsere Massenpetition gegen den Brodwucher behilflich wären. Politische Rundschau. Gießen, den 22. August. Bettel für die Chinakrieger. Der„Vorwärts“ war in der Lage, ein an verschtedene Firmen gerichtetes Schreiben des „Hilfskomitees für Ostasten“, das unter dem Protektorat der Kaiserin steht, zu ver⸗ öffentlichen. Da heißt es: „Es sind für die aus Ostasien zurückkehrenden Verwundeten und kranken Kämpfer bei der Ent⸗ lassung in größerer Anzahl Hemden ꝛc. erforderlich, um die Bedürftigen hiermit zu versehen. Da Ihr patriotischer Sinn bekannt ist, gestattet sich das Deutsche Hilfskomitee für Ostasien die Anfrage, ob Sie die Güte haben wollen, hierzu durch Ueberweisung einer Anzahl solcher Gegenstände als Liebesgabe beizu— tragen. Ihrer diesbezüglichen Antwort mit aufrichtigstem Dank entgegensehend, zeichnet hochachtungsvoll das Deutsche Hilfskomitee für Ost Als Präsident unterzeichnet der Herzog von Ratibor. Da werden großartige und kost⸗ spielige Empfänge des Weltmarschalls inszeniert, man sorgt aber noch nicht für das Notwendigste, wenn es sich um erkrankte Soldaten handelt. Da muß erst der Bettelsack geschwungen werden. Chinesische Beute. Mit Entrüstung treten die offiziösen und wasserpatriotischen Blätter denjenigen entgegen, die da behaupteten, daß auch die Deutschen in China Kriegsbeute gemacht hätten. Daß ein⸗ zelne deutsche Kreuzzügler ihren Angehörigen Chinesenzöpfe, außerdem aber auch wertvolle Stickereien und andere Kunstgegenstände zu— schickten, ist bekannt. Das sind lauter„An⸗ denken“, die dankbare Chinesen den braven Hunnenkriegern verehrten. Es giebt aber auch noch andere Kriegsbeute. Ueber merkwürdige, von den zurückgekehrten Chinadampfern in Wilhelmshaven ausgeladene Frachtstücke berichtet die„Norddeutsche Volksstimme“: „Auf der Kaje vor dem Schiffe, das im Kaiserhafen am Barbarossaplatz liegt, lagert eine große Anzahl teils in Stroh, Roßhaar, Wolle und Segeltuch eingeschnürter, teils in Holzkisten gut verpackter Messinggegenstände asien. 2 572 die ihrer Form nach Kunstwerke und astro⸗ nomische Instrumente sein müssen. Eine gewaltige, zwei Meter im Durchmesser große massive Messingkugel, in Leinen einge⸗ hüllt und von starkem Tauwerk umsponnen, scheint das Hauptstück der in China aufgekauften, — denn geplündert wird nicht— Kunstschätze zu sein. Durch ein Loch in der Hülle sieht man auf der Oberfläche der Kugel eine Gradeintei⸗ lung, chinesische Schriftzeichen und kleine auf⸗ gesetzte Sterne, die teilweise durch Linien mit⸗ einander verbunden sind, so daß man wohl nicht fehl geht, wenn man in der Kugel eine Welt⸗ oder Himmelskugel der Pekinger Sternwarte vermutet. Nicht weniger als 31 aus starken Brettern hergestellte Kisten von zwei bis drei Meter Länge und entsprechender Breite und Höhe enthalten weitere Schätze ähnlicher Art. Die ganzen Gegenstände, die alle einer Gruppe anzugehören scheinen, reprä⸗ sentieren sicher schon an Metallwert Hun⸗ derttausende, ganz abgesehen von ihrem kulturgeschichtlichen und ihrem Kunstwert; ihr Gewicht beträgt Tausende von Zentnern. Auch verschiedene Geschützwagen, Lafetten ꝛc., die ihrem verwahrlosten Zustande nach Kriegs⸗ beute sind, hat die„Palatia“ mitgebracht.“ Als vor längerer Zeit französische Dampfer mehrere Kisten derartiger Sachen mitgebracht und in Marseille ausgeladen hatten, ordnete die französische Regierung deren sofortigen Rücktransport an. Der betreffende Kommandeur bekam sogar einen Rüffel. Die Franzosen wollten sich Plünderei eben nicht nachsagen lassen. Man darf gespannt darauf sein, wie sich die deutsche Regierung zu den oben mitge⸗ teilten Thatsachen verhalten wird. Oder sollte man den Kreuzzug nicht blos zum Zwecke des Christenschutzes und zur Ausbreitung des Handels unternommen haben? Noch andere schöne Sachen haben unsere Chinakrieger mitgebracht. Wie das oben zitierte Blatt weiter mitteilt, sind unter den heimge⸗ kehrten Chinatruppen eine große Anzahl Geschlechtskranker gewesen. Auf der „Palatia“, welche 1300 Mann des 3. ostasia⸗ tischen Infaͤnterieregimentes in Bremerhaven landete, sind nicht weniger als 147 Geschlechts⸗ kranke an Bord in besonderen Räumen unter⸗ gebracht gewesen. Das sind mehr als 11 Pro⸗ zent des Transports! Wohin wir auch blicken, wenn wir uns nach den Ergebnissen umsehen, die der Hunnenzug für das deutsche Volk gehabt hat, so stoßen wir überall auf Unerfreuliches. Wir dürfen es uns nicht verdrießen lassen, diese Thatsachen den chinatollen Politikern immer wieder vorzuhalten. Immer neue Mordwaffen! Aus Stockholm kommt die Nachricht, daß ein schwedischer Offizier eine Art Lufttorpedo erfunden hat, welches im Stande ist, mit größter Präziston große Sprengladungen in sehr be⸗ deutende Entfernungen zu tragen, wo dann die Explosion stattfindet. Die Kraft der Lufttor⸗ pedos sei so groß, daß eine Exploston selbst in einer Entfernung von 30 Metern von einem Panzerschiffe dieses außer Kampf setzt.— Da können wir alsbd die herrliche Milltardenflotte getrost ins alte Eisen werfen und müssen daran denken, widerstandsfähigere Kähne herzustellen, wenn das überhaupt möglich ist.— So ists aber ganz recht! Der Krieg muß durch die Vervollkommnung der Kriegstechnik und der Mordwerkzeuge unmöglich gemacht werden. Abermals neue Militärlasten sollen dem deutschen Michel aufgehalst werden. Wie ein Berliner Blatt mitteilt, ist man in den maßgebenden Kreisen überzeugt, daß uns eine Kolonialarmee„bitter notwendig“ sei und die Schaffung einer solchen habe bereits greifbare Formen angenommen. Blos die Geldfrage macht noch Schwierigkeiten, was wir gerne glauben. Für das Volk aber eröffnen sich nette Aussichten. Verteuerung aller Lebens⸗ mittel durch die Zölle und indirekte Steuern, dabei immerwährend neue Militärforderungen! Das zeigt, wie rücksichtslos der Militärstaat die Volksinteressen mit Füßen tritt. Von neuen Kanonen ist auch schon wieder die Rede. Verschiedene neu eingereichte Geschützmodelle sind der Militärverwaltung ein⸗ gereicht und werden von dieser„gewissenhaft geprüft. Das heißt ungefähr, die Anschaffung neuer Geschütze ist so gut wie sicher. Dafür sind 200 Millionen Mark erforderlich, die jeder 85 Patriot hoffentlich mit Vergnügen zur erfügung stellen und sich nicht daran stoßen wird, daß die jetzigen Kanonen erst vier Jahre im Gebrauch sind. Mörder Stietenecron bleibt straflos. Wie berichtet wird, ist von der Anklagebehörde eine Reviston gegen das den Baron Stietencron wegen Erschießung des Italieners freisprechende Urteil des Oberkriegsgerichts nicht eingelegt worden.— Man will es also, wie es scheint, bei dem Freispruch bewenden lassen. Die bür⸗ gerlichen Blätter regen sich auch über das Ur⸗ teil nicht besonders auf, nur wenige kritisieren es. Dagegen ist man begreiflicherweise in Italien darüber empört. Das italienische Gene⸗ ralkonsulat in Mannheim soll denn auch als Vertreter der Erben des erschossenen Fazzi eine Beschwerde gegen das Urteil bei dem Ge⸗ neralkommando des XV. Armeekorps eingereicht haben, in der es sich vor allem auf das Zeugnis der neun Arbeitsgenossen des Getöteten beruft, die von einer aggressiven Haltung Fazzis gegenüber dem Angeklagten von Stietencron nichts bemerkt haben wollen und die auf diese Aussage hin sämtlich vereidigt worden sind. Das Konsulat fühlt sich ebensowohl durch die Nichtachtung dieser beschworenen Aussagen der italienischen Zeugen, als auch durch die That⸗ sache beschwert, daß man ihren Aussagen die⸗ jenigen der Gutsarbeiter und sonstigen Ange⸗ stellten des Angeklagten bei der Findung des Urteils vorgezogen hat. Ob auf diese Beschwerde hin die Reviston angeordnet wird, ist allerdings sehr fraglich. Der Erschossene ist ja nur ein lumpiger Erdarbeiter, kein Baron. Sollte man dem tollen Baron unterdessen nicht wenigstens den Jagdschein entziehen und ihm verbieten Waffen zu tragen? Oder will man warten, bis seiner Doppelflinte noch mehr Menschenleben zum Opfer gefallen sind? Ver Mord in der Kaserne. Das Ober⸗Kriegsgericht in Gumbinnen, das in der Berusungsinstanz gegen die Unter⸗ offiziere Marten und Hickel wegen Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk verhandelte, hat am Dienstag nach fünftägiger, eingehender Ver⸗ handlung das Urteil gefällt. Marten wurde wegen Wordes zum Tode verurteilt, Hickel freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte selbst die Todesstrafe gegen Marten nicht beantragt, er verlangte für ihn 12½ Jahre Zuchthaus, für den der Beihilfe angeklagten Hickel auf 5 Jahre Zuchthaus und Ehrenstrafen. Das Urteil des Beiufungsgerichtes wird in ganz Deutschland und darüber hinaus mit größten Befremden aufgenommen werden. Ebensowenig wie in der ersten ist in der zweiten Verhandlung auch nur ein Schimmer von Beweis dafür erbracht worden, daß die beiden Ange⸗ klagten die Mörder sind. Keinerlei neue, für ihre Schuld sprechende Momente sind hervor⸗ getreten. Auch die Anklagebehörde war nicht fest von der Schuld der Beiden überzeugt, sonst hätte sie die Todesstrafe beantragt und nicht blos Zuchthaus. Umso unverständlicher ist das Urteil, das weit über den staatsanwaltlichen Antrag hinausging. Der Verurteilte hat natürlich die ihm noch offenstehende Re vision eingelegt, durch welche es ihm hoffentlich gelingt, ein neues Verfahren herbeizuführen. Trotzdem gegen früher in dem Militärgerichtsverfahren manche Verbesserung eingetreten ist, krankt doch die neue Strafgerichtsordnung noch an so schweren Mängeln, daß eine durchgreifende Aenderung unabweisbar erscheint. Das hat der Prozeß mit aller Deutlichkeit gezeigt. Männerstolz vor Königsthronen! Zur Berliner Bürgermeisterwahl wird berichtet, daß man in den Kreisen der eilen, leh fit 1 he 0 Mit! Liel heul. at 10 fehl anz Gott die org Dad fig fesch pp Mit wied ö ü stat did Ge. ber der St ral S PPC TTTTVTTCTVTCTCTTT trafloz Agebehith fete prend N eingllg t. chen Die hl, 1 das l. ilteren z Italien“ he Gene. denn gut enen Fan i dem eingereigh 5 Zeugns Getötenn ung Fa tietencun e auf diet rden sill 8 durch d sagen du die Thi agen hee igen Ang, dung del Beschwerl allerding ja nur ai Sollte naß wenigen J berbietg an Walteh, uschenlehe 3 ne. zumbinneh, die luz Frmorducg lte, hat ds der M.“ en wut! eruttell aatsauil ten Ui, 2½ Jah angeklagt hrenstras tes ud, binauß un 1 wald — — — * Nr. 34. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Stadtverordneten die Wiederwahl des freisinnigen Stadtrats Kauffmann, dessen Wahl bekannt⸗ lich trotz der Fürsprache des Reichskanzlers vom Kaiser wegen seiner militärischen Maßregelung nicht bestätigt wurde, für sehr wahrscheinlich halte. Doch frage es sich, ob Kauffmann die Wahl annehmen werde. Die Geschichte läuft also auf eine Komödie hinaus; man wählt einen Mann, von dem man im voraus die Ablehnung der Wahl verlangt, um nur ja nicht oben anzustoßen, keinen Konflikt herauf zu beschwören! Das sind Freisinnshelden! Ein Schwindelpfaffe. „Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden!“ Mit diesem Bibelspruche war der Pfarrer von Lisberg in Bayern sicher micht einverstanden, denn er nahm, was er kriegen konnte. Als Kassierer des dortigen Sparkassenvereins ist er mit sämtlichem ihm anvertrauten Gelde flüchtig gegangen. Viele Bauern haben dadurch ihre ganzen Ersparnisse verloren. Die christliche Gottesfürchtigkeit, meint die„Fränk. Tagespost“, die von dieser Seite stets dem dummen Volke vorgepredigt wird, hat der„Seelenhirte“ noch dadurch bekundet, daß, ehe er im Schiff einge⸗ stiegen ist, er noch eine Karte an seine Gemeinde geschrieben hat, worin er seine betrogenen Bauern foppt, indem er schreibt:„Ich schwimme bereits, mit dem Gelde müßt Ihr halt warten, bis ich wieder komme.“ Ein spaßhafter Pfarrherr! Sozialistische Wahlerfolge. Bei den Ergänzungswahlen, die in Holland stattfinden mußten, weil die betreffenden Kan⸗ didaten doppelt gewählt waren, haben unsere Genossen wiederum recht erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Für den„wilden“ Sozialist von der Zwaag, der bei den letzten Wahlen 1795 Stimmen erhielt, wurde jetzt der Sozialdemo⸗ krat Hugenholtz mit 1975 Stimmen gewählt. In dem Kreise Lochem kommt Genosse Hels⸗ dingen mit 1650 Stimmen in die Stichwahl, während im Juni in diesem Kreise nur 821 Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben wurden. Auch aus Frankreich wird ein sozialisti⸗ scher Wahlsieg gemeldet. In Chalon⸗sur⸗Saöne siegte der Sozialist Bonveri mit 11,815 über 20 Gemäßigten Pinette, der nur 9180 Stimmen erhielt. Unternehmer⸗Verständnis für den Achtstundentag. Wir haben früher schon mehrfach die Firma Carl Zeiß in Jena erwähnt, die seit 1. April vorigen Jahres den Achtstundentag in ihren Betrieben(Werkstätten für Feinmechanik) ein⸗ geführt hat. Der Leiter der Fabrik, Professor Dr. Abbe, hat gefunden, daß seitdem weder eine Verringerung der Arbeitsleistung und des Verdienstes der einzelnen Arbeiter eingetreten, noch dies Arbeitsresultat unter übermäßiger körperlicher Anstrengung der Arbeiter herbei⸗ geführt worden ist. Für den deutschen Mecha⸗ nikertag in Dresden hatte deshalb Prof. Abbe den Antrag gestellt, daß die deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik ihre Mitglieder auf⸗ fordern solle, die regelmäßige tägliche Arbeits⸗ zeit in ihren Betrieben nicht auf mehr als neun Stunden festzusetzen. Zur Begründung des Antrages diente eine systematische Zusammen⸗ stellung der Ergebnisse der Einführung des achtstündigen Arbeitstages bei der Firma, aus der hervorgeht, daß die Verkürzung der Arbeits⸗ zeit nur Vorteile für den Betrieb brachte. Ferner verlangte der Antrag: 2.„für alle Ueber⸗ stunden an Werktagen einen Zuschlag in Höhe don 25 Proz., für alle Feiertagsarbeit einen solchen in Höhe von 50 Proz. des regelmäßigen Zestlohnes zu gewähren; 3. bei aller Akkord⸗ und Tücklohnarbeit den der aufgewandten Arbeits⸗ zeit entsprechenden Zeitlohn als Mindestverdienst zu gewährleisten; 4. allen Gehilfen, die eine vier⸗ hrige ordnungsmäßige Lehrzeit unter Lehr⸗ trag in einer Werkstätte für Präzistons⸗ mechanik oder Optik absol viert haben und schon ein Jahr oder länger als Gehilfe thätig ge⸗ größeren Städte zuzugestehen.“ Diese Anträge erfuhren eine eingehende und sachverständige Begründung. Eine heftige Debatte folgte dem Referat, worauf der Mechanikertag mit 32 gegen 11 Stimmen die Anträge ablehnte. Der Vorsitzende schloß die Sitzung mit den Worten: „Noch nie hat nach einem so hoch stehenden Referat eine auf so niederem Niveau sich be⸗ wegende Diskussion stattgefunden. Ich schließe den 12. deutschen Mechanikertag!“— Herr Prof. Abbe schätzte seine Unternehmerkollegen etwas zu hoch ein; es sind nur ganz Vereinzelte, die Verständnis und den guten Willen besitzen, etwas zur Besserung der Arbetterverhältnisse zu thun. Die meisten kennen eben blos das Profit machen. Erwischter Bankgauner. Am Samstag voriger Woche ist der durch⸗ gebrannte Bankschwindler Gerhard Terxlin⸗ den aus Oberhausen in Milwaukee verhaftet worden. Er hat eingestanden, deutsche Banken um anderthalb Millionen Mark be⸗ trogen zu haben. Terlinden wird nach Deutschland ausgeliefert und wegen Betrugs, Urkundenfälschung ꝛc. vor Gericht gestellt werden. Dieser Gauner hatte bekanntlich ein Schild mit dem Spruch:„Ehrlich im Haudel, Christlich im Wandel“ in seinem Privatkomptor aufge⸗ hängt. Krieg in Südafrika. Englisches Pech. Vorige Woche wurden Aufklärungsmannschaften des Generals French in den Bergen bei Bethesda von einer über⸗ legenen Burenmacht unter Theron umzingelt und waren gezwungen, sich zu ergeben. Ein Mann fiel, drei wurden verwundet, unter diesen befindet sich der Führer Kapitän Bettel⸗ heim. Die Gefangenen wurden von den Buren wieder freigelassen.— Danach kann der Kampf, der der Kapitulation voranging, nicht sehr heftig gewesen sein. Gegen Lord Kitcheners Prokla⸗ mation hat das Exekutivkomitee der„Sozial⸗ demokratischen Föderation“ Englands eine Protestresolution beschlossen. Sie fordert die sofortige Zurückziehung der Klausel, welche die Verbannung der Burenführer aus, Südafrika vorsieht.„Die Versammlung erklärt eine solche Androhung für un würdig einer großen Nation, die sich durch den schwierigen und schimpflichen Versuch, zwei kleine Staaten im Interesse einiger Millionäre zu unterdrücken, so schon entehrt hat; sie klagt die schändliche Politik der Regierung an, welche die Vereinigten König⸗ reiche in den Augen aller ehrlich Denkenden herabgewürdigt, welche den Krieg in Südafrika auf das Niveau eines räuberischen Beute⸗ zuges heruntergebracht, und welche jeden Sinn für Schicklichkeit, Ehre und Ehrlichkeit gegen⸗ über unseren Gegnern verloren hat.“ Das Gewerkschaftshaus in Frankfurt. Das neue Heim der Frankfurter organisierten Arbeiterschaft ist am vorigen S g d Betriebe übergeben worden. Freude e Angehörigen der Arbeiterbewegung, das stolze und in jeder Hinsicht zweckentspreche amstaa modern eingerichtete Gebäude betrit ssen Errichtung durch jahrelange vereinte Anstrengung isierten Arbeiter mögli 5 aller organ ist im Zent er Stadt, un stablerwache“ am städtischen S legen und umfaßt im Ganzen ein von 12,456 Quadratfuß, dessen Erwerbung 227,000 Mk. kostete. Der Bau beanspruchte di Zeit vom 1. August 1900 bis August 1901 und kostete insgesamt rund 375,000 Mk., so daß die Gesamtkosten sich auf über 600,000 Mk. belaufen. Das imposante Gebäude enthält im Keller Zentralheizung, Kühlanlage, große en 0 114 7 Kellereien für Haushalt und Restauration, zwei Kegel⸗ bahnen und Kellerräume zum Vermieten. Im wesen sind, überall einen Mindestlohn von 21 Mk. pro Woche, mit Onszuschlag flir die Erdgeschoß, nach der Seite Am Schwimmhad“, befindet sich die geräumige Tageswirtschaft für den Stadtverkehr. Nach der Stoltzestraße zu liegt das Verkehrslokal für die zureisenden Fremden, denen wohl nirgends in Deutschland ein so angenehmer Aufenthalt geboten werden dürfte. Die zwischen beiden Wirtschaften liegende, auf das Beste für großen Betrieb eingerichtete Küche dürfte sicher auch ganz außergewöhnlichen Anforderungen genügen. Der im ersten Stock⸗ werk befindliche große Saal umfaßt 300 Quadrat- meter. Er steht mit dem nach der Stoltzestraße zu liegenden kleineren, etwa 125 Quadratmeter großen Saal mit einem durch Rolljalousie ab⸗ schließbaren, vier Meter breiten Durchgang in Verbindung. Auch der kleinere Saal kann durch Rollläden wieder in zwei Räume abge⸗ teilt werden und die Abschließung ist so dicht, daß kein Laut durchdringen kann, zwei zugleich in diesen Räumen stattfindende Versammlungen sich also nicht stören. Eine große Anzahl Kollegzimmer befinden sich im zweiten Stock. Diese beherbergen Bureaus der Gewerkschaften, das Arbeitersekretariat, Bureau des Gewerk- schaftshauses selbst. Einfach aber sauber aus⸗ gestattete Fremdenzimmer zu niederen und höheren Preisen, die etwa 100 Fremde aufnehmen können, sind im dritten Stock untergebracht. Der Dachstock enthält dann noch Wohnung für den Verwalter, Wohn- und Schlafräume für das Personal, außerdem Waschküche, Bügelzim mer, Wasch⸗ und Bodenräume für die Reisenden, sowie Desinfektionsraum. Letzterer ist gewiß nötig. Wer je als Handwerksbursche seine Straße zog, weiß, wie einer manchmal trotz aller Vorsicht die kleinen höchst lästigen Mit⸗ bewohner nicht aus seinen Kleidern fern halten kann. Hier kann er ohne Kosten davon befreit werden, d. h., wenn er seiner Gewerkschaft an⸗ gehört, andernfalls muß er dafür bezahlen. Das finden wir ganz in Ordnung.— Besondere Erwähnung verdient noch die praktische und sauber ausgeführte KRühlkammer. Diese von Carl Kisch in Berlin ausgeführte Trocken⸗ luft⸗Kühlaulage ist derart konstruiert, daß die in derselben aufbewahrten Fleisch⸗ ꝛc. Waren immerwährend von kalter, aber trockener Luft bestrichen werden, wodurch sie sich lange Zeit tadellos frisch erhalten. Verluste durch Ver⸗ derben von Eßwaren sind dadurch fast ganz ausgeschlossen und die Gäste erhalten stets aus frischem Material zubereitete Speisen. Eigentlich sollfe sich jedes größere Restaurant schon in seinem eigenen Interesse eine derartige Einrich⸗ tung anlegen.— So hat sich die Frankfurter Arbeiterschaft ein Heim geschaffen, daß vorläufig allen An⸗ forderungen in jeder Beziehung genügt; ein praktisch angelegtes, hervorragendes Bauwerk! Möge die Arbeiterbewegung so wachsen, daß sich jene Räume bald als ungenügend erweisen! Allen Arbeitern und Genossen, die Frankfurt besuchen, ob als Ausflügler oder als Wandernde, — wir können ihnen das Gewerkschaftshaus nur empfehlen, sie finden dort angenehmen Aufenthalt und beste Verpflegung!. Die am Samstag stattgefundene Einweih⸗ stattgef weih ume Durch alle R A 7 massen; hi ungsfeier war r ibergab herberge“ et osse Abg. Schmidt einen selbst⸗ f og sprach, in dem die letzten Jahren ge⸗ eignete sich zum „ind oben genannter einen von der Gallerie eim Aufräumen ungeschickt schwer am Kopfe verletzt e 3 7 1220 ee 7** Von Aah und Fern. Eine staatliche Betriebskrankenkasse in Hessen. Das hessische Ministerium des Innern hat ein Musschreiben erlassen, worin es verfügt, daß auf Grund des§ 2 des Krankenverstche⸗ — —— Seit. 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 34. rungsgesetzes vom 1. August 1901 an die Krankenversicherungspflicht auf die bei Behörden und Staatsbetrieben beschäftigten, nicht fest angestellten Personen ausgedehnt werde, welche bisher der Krankenversicherungspflicht nicht unterlagen, aber invalidenversicherungs⸗ pflichtig sind. Weiter wird bestimmt, daß alle diese Personen der staatlichen Betriebskranken⸗ habe für das Großherzogtum Hessen anzugehören aben. Sießener Angelegenheiten. — Arbeiter, Achtung! Zu den Firmen, welche in Nordhausen den Arbeitern der Tabak⸗ branche das Koalationsrecht rauben wollen, gehört auch die Firma Saalfeld und Stein. Inhaber dieser Firma ist die Firma Georg Philipp Gail in Gießen. Wir richten an alle Arbeiter und Partei⸗ genossen die dringende Bitte, keine Fabri⸗ kate der Firma Georg Philipp Gail in Gießen zu konsumieren, so lange der Inhaber derselben den Nordhäuser⸗Koalationsrechtbe⸗ kämpfern zur Seite steht. Also nochmals: Meidet die Gail'schen Rauch⸗ und Kautabake. Der Streik dauert noch unverändert fort. — Gegen die Lebens mittelverteue⸗ rung! Wir machen unsere Genossen nochmals auf die Montag Abend 1/9 Uhr in„Lonys Bierkeller“ stattfindende Volksversammlung aufmerksam. Genosse Dr. David wird über: „Die Schädigung des Volkes durch die Zoll⸗ politik“ sprechen. Sorge Jeder für zahlreichen Besuch. Selbstverständlich haben auch Frauen Zutritt, deren zahlreiche Anwesenheit ist so⸗ gar sehr erwünscht, haben sie doch mit am meisten unter der Lebensmittelteuerung zu leiden! Ferner machen wir noch auf die Petitionslisten aufmerksam und bitten die Genossen für zahl⸗ reiche Unterschriften sorgen zu wollen. Es muß aber bei der Zirkulation in den Werkstellen darauf gesehen werden, daß die Listen einiger⸗ maßen sauber bleiben. Wir wissen wohl, daß das seine Schwierigkeiten hat, aber es kann sich wohl jeder etwas in Acht nehmen. Besser ist es auch, die Unterschrift mit Tinte zu be⸗ wirken, wo es irgend angängig ist. Genosse Scheidemann⸗Nürnberg wird ebenfalls in der Versammlung anwesend sein. — Im sozialdemokratischen Wahl⸗ verein wurden in der letzten Versammlung die auf der Landeskonferenz zu verhan⸗ delnden Gegenstände erörtert.— Als Delegierter wurde Genosse Holtberg gewählt. — Der Konsum⸗Verein Gießen hielt am letzten Sonntag seine Generalversammlung in Lonys Bierkeller ab. Der provisorische Vorstand legte über seine bisherige Thätigkeit Rechenschaft ab, worauf die Wahl des Vor⸗ standes und Aufsichtsrates erfolgte. Die Mit⸗ gliederzahl ist im steten Wachsen begriffen, und man hofft in kurzer Zeit mit dem Warenverkauf beginnen zu können. 2 — Krankenhaus-Kalamität. Kaum in einer Stadt von der Größe Gießens dürfte so schlecht für die erwerbsunfähigen Kranken gesorgt sein als hier. Zwar sind Kliniken, die allen Anforderungen entsprechen, mit tüchtigen Aerzten am Orte, die Stadt subventioniert diese Institute auch mit einem erheblichen Betrage — aber sie hat nicht das Recht, irgend einen Einfluß auf die Leitung der Kliniken auszuüben. Wollen diese einen Kranken nicht aufnehmen, kann sie Niemand dazu zwingen, und der Kranke bleibt seinem Schicksal überlassen. Das giebt schon bei solchen mit ansteckender Krankheit Behafteten, die über einen eigenen Haushalt verfügen und sich deshalb zu Hause verpflegen können, aus allgemein hygienischen Gründen zu den schwersten Bedenken Anlaß, wieviel mehr noch bei ledigen Leuten, die sich überall herum⸗ drücken müssen. Schon mehrfach hatte die Orts⸗ krankenkasse Mühe, solche Kranke unterzubringen, sie mußten auswärts, in Marburg ꝛc. einquar⸗ tiert werden, sogar kam es vor, daß die Kasse in Wirtshäusern, Herbergen, kürzlich sogar in einer— Roßschlächterei um Aufnahme der Kranken bitten mußte! Ob sich die Universitäts⸗ und Provinzialhauptstadt Gießen nicht bald zur Errichtung eines Krankenhauses aufschwingen wird? Dafür scheint aber kein Geld vorhanden zu sein; für Kriegerdenkmäler und Renovationen alter Ruinen werden aber Hunderttausende verplempert. Aus Friedberg. Aus Niedermockstadt schreibt man uns: Die bevorstehenden Gemeindewahlen dürften in unserer Gemeinde zu lebhaften Kämpfen Veran⸗ lassung geben. Es sind vier Mandate zu erneuern, die die„maßgebenden Kreise“ schon unter sich verteilt haben. Dabei sind Kopf⸗ nicker herausgesucht, die hübsch zu den übrigen Gemeinderäten passen, damit es ja bei den Sitzungen zu keinen Differenzen kommt. Wohl haben wir eine starke Arbeiterzahl am Ort, die in der Lage sein würde, einige Mandate zu gewinnen, aber sie sind zu gleichgültig, von politischer oder gewerkschaftlicher Organisation keine Ahnung. Einige sind wahre Muster von Zufriedenheit und Bedürfnißlosigkeit, äußerten ste doch, ein Lohn von 2.20 Mk. genüge zum Lebensunterhalt! Denen kann man also gewiß keine Genußsucht und Begehrlichkeit vorwerfen! Uebrigens dürfte die Frage der Errichtung einer Wasserleitung bei den Wahlen eine Rolle spielen. Wir haben hier genügend gute Brunnen, brauchen also eigentlich keine Wasser⸗ leitung, nur einige schreiende„Wasserpolitiker“ haben diese Frage in Fluß gebracht. Es wäre wahrhaftig sehr nötig, daß ein sozialdemokrati⸗ scher Hecht in den gemeinderätlichen Karpfen⸗ teich käme.(Na, die Anlage einer Wasser⸗ leitung ist doch das dümmste nicht, was eine Gemeinde thun kann, jedenfalls besser, als wenn sie Kriegerdenkmäler errichtet. D. R.) Kreis⸗Konferenz für den Wahlkreis Friedberg⸗Bũüdingen. Die am 11. August in Vilbel stattgefundene Kreis⸗Konferenz hatte einen starken Besuch aufzu⸗ weisen. Bei der Eröffnung wies der Vertrauensmann Genosse Busold auf diese Thatsache hin und erinnert an die Zeit, wo die Kreiskonferenzen mit 4 bis 5 Teil⸗ nehmern abgehalten wurden. Hierauf gab er den Bericht über die Thätigkeit des Vertrauensmannes sowie des Vorstandes des Kreiswahlvereins. Für den Kreiswahl⸗ verein wurde energisch agitiert; der Vorstand hat viele Versammlungen zu diesem Zwecke abgehalten, an manchen Orten mit gutem Erfolg. Im Ganzen hat der Kreis⸗ wahlverein 500 Mitglieder; es sind dies 12 Prozent der bei der letzten Reichstagswahl abgegebenen sozial⸗ demokratischen Stimmen. Die Verbreitung der Kalender ging glatt von statten. Er wurde von der bäuerlichen Bevölkerung gut aufgenommen, da er billig war resp. nichts kostete. Dieser Kalender bildet oft die einzige Lektüre des Bauern. Schwere Agitationsarbeit stehe uns, bevor. Die drohende Erhöhung der Getreidezölle ruft uns auf die Schanzen, und wir müssen sehen, daß wir mit unserer Agitation in die entferntesten Orte dringen. Dazu ist die Mitarbeit der Genossen an den einzelnen Orten von Wichtigkeit. Sie müssen mehr selbst mit⸗ arbeiten und den Vorstand recht oft zur Agitation ein⸗ laden, damit auch dieser Kreis endlich in die Reihe der Wahlkreise eintritt, welche Abgeordnete unserer Partei in den Reichstag schicken. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme für die Kreiskasse von 729.35 Mk., eine Ausgabe von 506.09 Mk., sodaß ein Kassenbestand von 223.26 Mk. zu verzeichnen ist. Die Kolportage ergab inkl. der Ausstände eine Einnahme von 1048.78 Mk., eine Aus⸗ gabe von 966.59 Mk., sodaß ein Reingewinn von 82.19 Mk. zu verzeichnen ist. Dem Kassierer und Vorstande wurde einstimmig Decharge erteilt und bei der nachfolgenden Wahl der seitherige Vorstand wieder einstimmig gewählt. Ueber„Agitation und Presse“ referierte Gen. Repp⸗Friedberg in längeren Ausführungen. Zunächst konstatiert er, daß die Herausgabe eines Kalenders allgemein befriedigt habe. Ferner beklagt er die Haltung der„Volksstimme“ in verschiedenen Punkten. Ihm antwortet Maier⸗Frankfurt, der die Haltung der „Volksstimme“ rechtfertigt.— Ueber die Landes kon⸗ ferenz referierte Busold, der den Wunsch aussprach, daß jeder Parteiort einen Delegierten entsenden solle.— Zu dem Parteitag in Lübeck referierte Gen. Kühn. Als Delegierter wurde Busold gewählt. Wahlkreis Alsfeld Lauterbach. — t. Diesen Sonntag(25. August) findet im Lokale Kaut in Lauterbach eine Partei⸗ versammlung statt, in der zur Landeskonferenz und auch zur Aufstellung einer Reichstags⸗ Kanditatur Stellung genommen werden soll. (Siehe Inserat.) Aus dem Kreise Wetzlar. th. Hunnenthaten. Ueber eine in der Nacht vom Montag zum Dienstag in Werdorf vor⸗ gekommene Messerstecherei berichtet der „Wetzl. Anz.“:„Vor der Wirtschaft Gombel wurde der Bahnarbeiter Fr. Lenz von dem Arbeiter einrich Meister durch einen Messerstich in den eib derart verletzt, daß der sofort hinzu⸗ gezogene Arzt die augenblickliche Ueberführung des Verletzten nach der Klinik zu Gießen an⸗ ordnete. Lenz liegt dortselbst hoffnungslos darnieder, während der Messerheld verhaftet und 2 Stunden nach der That schon dem Amtsgerichtsgefängnis in Ehringshausen einge⸗ liefert wurde. Ueber den Anlaß zu der be⸗ stialischen That konnte bislang nichts Näheres ermittelt werden.“ Daß doch solche Rohheiten vorwiegend in Gegenden passieren, wo Gottes⸗ furcht und fromme Sitte herrscht und die Leute patriotisch bis auf die Knochen sind. Gemein deratswahlen in Hessen. In Klein⸗Steinheim wurden unsere Genossen Häuser und Braun mit 184 und 174 Stimmen gewählt, ein dritter sozialdemo⸗ kratischer Kandidat unterlag mit einer Stimme Minderheit. Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Offenbach fand am Sonntag in Dreieichenhain statt. Anwesend waren außer dem Kreisvorstand 52 Delegierte aus 26 Orten. Scharfe Kritik erfuhren bei Besprechung der Tagesordnung zum Lübecker Parteitag die Beschlüsse des Schiedsgerichts und der Parteikontrolleure in Sachen der Hamburger Akkordmaurer, auch der Leipziger Buchdruckerkonflikt wurde in einer der dortigen Geschäftsleitung nicht günstigen Weise besprochen. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Orb⸗ Offenbach und Amendt⸗Neu⸗Isenburg gewählt und beauftragt, in Lübeck für den Ausschluß der Hamburger Akkordmaurer einzutreten. Dann wurde noch das Kommunalprogramm be⸗ sprochen.— Delegierten zum Parteitage ein gebundenes Mandat mitzugeben, halten wir nicht für richtig und wir müssen unsere Verwunderung darüber aussprechen, daß sich die Delegierten damit einverstanden erklärten. Zur Gewerbegerichtsbeisitzer⸗Konferenz. Verschiedene Städte haben den an sie von den Arbeitnehmer⸗Beisitzern gerichteten Ersuchen, Delegationen zur Konferenz in Lübeck auf städtische Kosten zu entsenden, stattge⸗ geben. Offenbach schickt einen Arbeitgeber und Arbeitnehmer; Frankfurt zwei Delegierte. Von Gießen haben wir noch nicht gehört, daß Arbeitnehmerbeisitzer einen diesbezüglichen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt hätten. Dazu ist es aber jetzt die höchste Zeit, wenn man in Gießen nicht etwa abseits stehen will. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 22. August 1901. — Partei⸗Versammlung. Ver⸗ gangenen Samstag Abend fand hier im Lokale von D. Jesberg eine gut besuchte Partei⸗ versammlung statt. Nach der Rechnungsab⸗ lage der Kolportagekom mission und Wahl dreier Revisoren, sowie der Annahme eines Antrags, wonach künftig die übrig gebliebenen Exemplare der Zeitschriften aus der Kolportagekasse bezahlt und zur Agitation verwandt werden sollen, erhielt Gen. Abel das Wort zu seinem Referate über kommunale Angelegenheiten. Derselbe entledigte sich seiner Aufgabe in vorzüglicher Weise; er schilderte die Schwierigkeiten, mit denen wir hier zu kämpfen haben und erklärte sich für Aufstellung eines sog. Kommunal⸗ Programms. Vor allem aber müßte für eine bessere Disziplin in unseren Reihen gesorgt werden. Unser Hauptaugenmerk sei auf die Wohnungs⸗ und Schulfrage zu richten. Schließ⸗ lich empfahl er die Wiederaufnahme der Thätig⸗ keit seitens der in einer früheren Versammlung gewählten Kommission, welche unter Mitwir⸗ geri fiezen qr ung „ berha;, b usen ding 1 der e ee, Rohe 50 Gottez! b die Nel essen. en une b 184 U ozialdem er Stimm. Jahlkrel ain stat, orstand rse Krit esordnum chlüsse de rolleure h D maures, konflihl üftsleitug „Delegiett sen Orth rg gewähl 15schluf nzutreten amm i. nage el den, halle sen ue „daß sh erklärten. onferen n sie de n Ersucel in Lübel en, stal⸗ itgcher 10 Delegsell, chärt,, 15 1 fen. D an man 1 S — — — — 2 * Nr. 34. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. kung des Vertrauensmannes, die vorbereitenden a 5 Mittei. 3 1 Arbeiten zur Teilnahme an der im November U Kleine e g Partei-Nachrichten. slattfindenden Stadtverordnetenwahl zu über⸗]„' Ju Leihgestern brannte am Mittwoch Der Rechenschaftsbericht des Partei⸗ nehmen und demnächst Bericht abzustatten habe. Vormittag der zu dem Anwesen des Landwirts vorstandes Nach längerer Diskussion wurde dieser Vorschlag von der Versammlung acceptirt. Von der Entsendung eines eigenen Vertreters zum Partei— tag in Lübeck wurde, des Kostenpunktes wegen, Abstand genommen, der Vertrauensmann jedoch beauftragt, einen der süddeutschen Delegirten bei ihrer Rückreise zur Berichterstattung zu ewinnen. Unter Verschiedenes entspann sich loch eine lebhafte Debatte über die Abhaltung einer Volksversammlung, betr. Stellungnahme egen Brotwucher. Die Versammlung erklärte sich schließlich für Veranstaltung einer solchen, mit Hinzuziehung eines namhaften auswärtigen Referenten. Weiter wurde die Beschaffung einer größeren Anzahl der„Petitionslisten gegen den Brotwucher“ zur Verbreitung im Wahlkreise beschlossen. Nachdem noch der Vorsitzende des A.⸗G.⸗V.„Eintracht“ die Genossen zur Teil⸗ nahme an dem, am 31. d. M. stattfindenden 1. Stiftungsfeste des Gesangvereins eingeladen hatte, fand die sehr anregend verlaufene Ver— sammlung ihren Schluß. — Stiftungsfest. Am Samstag, den 31. August, feiert unser Arbeiter-Gesang⸗ verein„Eintracht“ in den Räumen des Schloßgartens sein erstes Stiftungsfest durch eine Abendunterhaltung und Tanz. Der Verein, welcher sich in der kurzen Zeit seines Bestehens unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Herrn Pauli jun., durch seine Bereitwilligkeit, bei allen Arbeiterfestlichkeiten mitzuwirken, die Sympathien aller Arbeiter erworben hat, dürfte wohl einem zahlreichen Besuche an seinem Stif— tungsfeste entgegensehen, zumal auch der Ein— trittspreis(50 Pfg. inkl. einer Dame frei) ein sehr mäßiger ist. Das Programm ist ein reich— haltiges und verspricht die Feier ein echtes Arbeiterfest zu werden. — Die Räuber, welche seit einiger Zeit die Umgebung unsicher machten, hat man trotz eifriger Bemühungen der Gendarmerie noch nicht erwischt. Dieselben scheinen sich, seitdem so eifrig nach ihnen gefahndet wird, in eine andere Gegend verzogen zu haben. Ein großer Teil des Publikums aber von einer wahrhaft lächerlichen Furcht befallen, die Wälder zu betreten und ist es daher jetzt ziemlich einsam in denselben.— Uebrigens wird von einem neuen Ueberfall berichtet, den zwei Strolche gegen einen Schüler am Montag im Brückerwalde zwischen Amöneburg und Niederklein ausführten. Sie nahmen dem Schüler sein Taschengeld und ein Messer weg. Einer der Strolche wurde ermittelt und verhaftet. O. In Biedenkopf fand am letzten Sonntag eine gut besuchte öffentliche Stein— arbeiterversammlung im Restaurant „Frauenthal“ statt, in welcher Genosse Haber— land⸗Marburg in einstündiger Rede einen lehrreichen Vortrag über das Thema„Warum organisieren wir uns?“ hielt. In leicht ver⸗ ständlicher, ruhiger und sachlicher Weise setzte Redner den Anwesenden Zweck und Ziele der Organisation auseinander und forderte zum Schluß zu treuem Zusammenhalt in derselben auf. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen gediegenen Vortrag. Nachdem der Ver— trauensmann namens der Versammlung dem Referenten seinen Dank ausgesprochen und die Kollegen ebenfalls zum Festhalten an der Or— . aufgefordert hatte, schloß er, nach rledigung einiger Internas, die schön ver— laufene Versammlung mit einem kräftig aufge⸗ nommenen Hoch auf die Organisation.— Der Nachmittag vereinigte dann noch die Genossen mit ihren Gästen, nach Besichtigung der Sehens— würdigkeiten, bei einigen Glas guten Bieres bis zum Abgang der Abendzüge. Möge die Versammlung gute Früchte tragen. „CCC CCC UA CCCCCCCTCTCCTCCCCC Marburg. Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15. jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗ nenten, dies zu beachten. ö Die Kolportage⸗Kommission. ö Jung gehörige Stall total nieder. Hilfe war rasch zur Stelle, sodaß weiteres Unglück ver⸗ hütet wurde. Mit Streichhölzern spielende Kinder sollen das Feuer veeursacht haben. ** Messerstecherei. In Rudlos bei Lauterbach gerieten am Montag auf einem dortigen Gutshofe zwei Arbeiter in Streit. Im Verlauf desselben durchstach der eine, Möller, seinem Gegner namens Ritt die Brust, so daß dieser tötlich verletzt vom Platze getragen werden mußte. * Wieder ein antisemitischer Schwindler. Der Angestellte des hessischen Bauernbundes Bonkattz verkaufte für diesen vorigen Herbst in Frankfurt Kartoffeln, verjubelte aber einen Teil des dafür empfangenen Geldes. Mehrere Bauern sind dabei um erhebliche Beträge geprellt worden. * Ein großes Schadenfeuer ver— nichtete in Biedenkopf am Mittwoch elf mitten in der Stadt gelegene, gefüllte Scheuern. Der Einwohnerschaft bemächtigte sich große Aufregung, da man bei dem Wassermangel weitere Ausbreitung des Feuers fürchtete. Ein hiesiger Feuerwehrmann und ein älterer Land⸗ wirt erlitten durch stürzende Balken schwere Verletzungen. Die Ursache des Feuers ist un— bekannt. * Mehr Bauarbeiterschutz! Am Dienstag stürzte an einem Neubau in Frankfurt ein zentnerschwerer Stein aus der Höhe des dritten Stockes vom Gerüst herab und spaltete einem unten beschäftigten Arbeiter den Hinter— kopf. Die Verletzungen des Unglücklichen sind absolut tötlich. * Brand eines Regierungs⸗ gebäudes. Vorigen Freitag Abend gegen 9 Uhr brach in dem Regierungsgebäude in Coblenz Großfeuer aus, das die ganze Nacht wütete und erst am folgenden Tage bewältigt werden konnte. Das Gebäude ist total aus— gebrannt, viel Mobiliar ꝛc. vernichtet, doch sollen die wichtigsten Akten gerettet sein. ** Also doch! Der bekannte freisinnige Reichstagsabgeordnete Eugen Richter) ein alter Junggeselle, wird sich demnächst mit der Witwe des Abg. Parisius vermählen. Richter ist bereits 63 Jahr alt. * Ein Zuhälter-Verein existiert nach Angabe eines Polizeikommissärs in München. Der unter harmlosen Namen bei der Polizei angemeldete Verein bezwecke, Geldmittel zusam— menzubringen, um verfolgten Angehörigen der sauberen Zunft die Flucht nach der Schweiz zu ermöglichen. Arbeiterbewegung. Die Hamburger Kupferschmiede haben in geheimer Abstimmung einstimmig beschlossen, den Ausstand fortzusetzen. Vergleichs— verhandlungen, die vom Verbandsvorsitzenden angebahnt wurden, wurden von den Unter— nehmern schroff abgewiesen. Die Unterstützungs— gelder gehen so reichlich ein, daß die Streik⸗ unterstütßung um 3 M. pro Woche erhöht werden konnte. T Generalstreik der Flaschen⸗ macher. Am Dienstag haben Verhand— lungen zwischen den Direktionen der Glas— hütten in Bergedorf, Brunshausen und Flens— burg und der Verbandsleitung der Glasarbeiter stattgefunden. Die Sachlage ist derartig, daß von Verhandlungen mit einzelnen Fabriken kaum etwas zu erwarten ist.— Der Flaschen⸗ mangel wird schon sehr fühlbar. Verschiedene Brauereien wollten große Quantitäten Flaschen iim Auslande bestellen, doch wurden die Auf— träge abgelehnt, weil die Firmen erklärten, im Einvernehmen mit ihren Arbeitern handeln zu wollen.— Die Kreishauptmannschaft Dresden zog das von ihr erlassene Streikposten- verbot zurück.— Unterstützung der Glasar— beiter ist dringend nötig. 8 e + Stahlarbeiterstreik in Amerika. Der Ausstand dauert noch fort und hat an Ausdehnung zugenommen. an den Parteitag ist erschienen. Er bespricht nach Erwähnung des schmerzlichen Verlustes, den die Partei durch den Tod Liebknechts erlitten, zunächst die Differenzen in der„Leip⸗ ziger Volkszeitung.“ Die Thätigkeit des Partei⸗ vorstandes in dieser unliebsamen Angelegenheit und der Verlauf derselben wird eingehend geschildert. Bezüglich der Agitation wird be— merkt, daß der Parteivorstand nicht alle Wünsche betreffend die Entsendung von Rednern befriedigen konnte. Das Flugblatt„Was kosten die Junker?“ wurde in fast 2 Millionen Exemplaren verteilt. —. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Einnahmen in dem am 1. August ab⸗ geschlossenen Rechnungsjahr 322,497.14 Mk. und die Ausgaben 314,370 Mk. betragen, sodaß sich ein Kassenbestand von 8117.14 Mk. ergiebt. Unter den Einnahmen befindet sich ein Ueber— schuß des„Vorwärts“ in Höhe von 80,446 Mk. Von den Ausgaben entfallen 71,929 Mk. auf die allgemeine und 35,921 Mk. auf die Wahl⸗ agitation, darunter 20,000 Mk. für die öster— reichischen Genossen, ferner 67,377 Mk. auf Preßunterstützungen. Versammlungskalender. Samstag, den 24. August. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Rödgen und Trohe. Abends 9 Uhr Volksver⸗ sammlung bei Schneider in Rödgen. Tages— ordnung: Die Zollpolitik. Ref. Vetters. Wieseck. Arbeiter-Bildungsverein. 9 Uhr Versammlung bei G. Schneider. Sonntag, den 25. August. Volksversammlung in Leihgestern 8 Uhr Abends, Referent Vetters, Steinberg 8 Uhr Abends, Referent Ocbig. Tagesordnung: Wem nützen die Zölle? Montag, den 26. August. Gießen. Volksversammlung. Abends ½9 Uhr in„Lonys Bierkeller“. Brlefkasten. S.⸗Marbg. Briesbestellung findet hier 4 Mal täglich statt und zwar um 8, 10, 2 und 6 Uhr. Der dort früh morgens aufgegebene Brief wird bestenfalls 3 Uhr nachmittags in unseren Händen sein.— Das Protzenstückchen vom Bahnhofswirt besprechen wir in nächster Nummer. Abends Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebote. 14. August: Philipp Lenz, Pfarr⸗ assistent in Wackernheim mit Anna von Düring dahier. Justus Horn, Kaufmann mit Mathilde Herbert dahier. Paul Wittko, Redakteur dahler mit Marla Herzberg in Frankfurt a. M. 15. Adolph Dinges, Kaufmann mit Ernstine Krailing dahler. 17. Dr. Karl Kratz, Chemiker in Mainkur bei Fechenheim mit Emma Stade dahier. 20. Franz Seidel, Sattler mit Christine Noll dahter. Theodor Köhler, Glasermelster in Alsfeld mit Marie Scherff dahier. Adam Lecke, Fabrikarbeiter dahier mit Margarethe Weigel in Friedberg. 21. Dr. Karl Engel⸗ hard, prakt. Arzt in Neustadt bei Kirchhain mit Agnes Zwirner dahler. 22. Carl Bogler, Zementeur mit Lina Hauffmann dahier. Carl Vogel, Restaurateur in Kleln— schmalkalden mit Eba Dreher dahlier. Eheschließungen. 17. August: Johann Löber, Taglöhner mit Katharine Schneider dahler. Jacob Jakob, Omnibuskutscher mit Marie Burk, geb. Staffel dahier. Friedrich Immig, Eisenbahnarbelter in Frank⸗ furt a. M. mit Marie Laval in Offenbach a. M. Heinrich Frebel, Schreiner dahter mit Marie Blirkenstock in Arnshain. 21. Dr. Georg Gleim, prakt. Arzt in Alsfeld mit Karoline Weigand dahler. Geborene. 11. August: Dem Glaser Heinrich Baum e. T. 12. Dem Heizer Johann Barthen e. T. 13. Dem Schneidermeister Heinrich Siever e. S. Dem Wirt Heinrich Nau e. T. 14. Dem Musiklehrer Hermann Weller e. S. 16. Dem Gastwirt Franz Renk e. T. Gestorbene. 15. August: Margarethe Lony, geb, Dörr, 77 Jahre alt, Privatin. Eltsabethe Dechert, geb. Tag, 44 Jahre alt, Fabrikarbeiterin. 17. Magdalene Schweitzer, geb. Müller, 56 Jahre alt, Witwe. Johannes Pfeiffer, 67 Jahre alt, Privatmann. Fritz Dörflein, Wochen alt. 19. Karl Schmall, 1 Monat alt. 21. Dr. Johann Steinbrügge, 70 Jahre alt, Universitäts⸗ professor. g — c— Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 34. Seite 6. 17 65 7 Anterhaltungs-Ceil. 2 Siedesfreiheit. Frei, wie des Adlers mächtiges Gefieder, Erhebe sich zur Sonne der Gesang Und ungehindert, wie des Sturmes Drang, Ergieße sich der Strom der Lieder! Denn in der Freiheit nur gedeiht das Schöne, Nur fessellos ergreift es das Gemüt. Wie uns das Reich des Lenzes frei umblüht, Umwog' uns auch das Reich der Töne! Dann ruht der Himmel auf der Cieder Schwingen, Das Höchste, was die freie Seele kennt, Die freudig sich vom Druck des Staubes trennt, Sum Aetherzelt empor zu dringen. Schnabel. Kriegerische Abenteuer eines Lriedfextigen. Erzählung von Heinrich Zschokke. 1(Fortsetzung) „Wissen Sie noch,“ rief ich,„als wir uns im Garten von Sanssouci zum erstenmal gestanden, wie lieb wir uns waren? Es sind nun neun Jahre. O Friederike! und den Schwur der Tugend und Liebe, den wir damals unter dem steruenvollen Himmel vor dem Allgegenwärtigen schworen, haben wir, wenn gleich hoffnungslos, doch treu gehalten, bis heute.“ „Willst du mir nun folgen, Friederike?“— setzte ich leise hinzu und schüchtern; zum erstenmal nannte ich sie du—„dich erwartet eine länd⸗ liche Wohnung, ein freundlicher Garten, ein— willst du mein Glück mit mir teilen?— sieh her, da ist die Vokation, ich bin Pfarrer geworden.“ Sie las die Briefe. Freude umstrahlte ihr schönes Antlitz immer heller, je weiter sie las. So reizend war sie mir nie erschienen. Dann ließ sie die Hände sinken mit den Briefen, und sah stumm und errötend zu mir empor, und über ihre Wangen perlten einige Thränen nieder.„Ich gehe mit dir, wohin du willst, Ferdinand!“ stammelte sie, und sank schluch⸗ zend an meine Brust. O das erste„du“ von ihren Lippen und meinen Taufnamen, den ich für mich seit dem Tode meiner geliebten Mutter von keinem Menschen mehr gehört hatte! Wir waren seliger, als die Engel im höchsten aller Freudenhimmel. Nach einer Weile riß sich die Liebliche von mir los, streckte die gefalteten Hände weinend empor, sank dann auf die Knie, und lag mit dem Gesicht auf dem Stuhl in der Stellung einer Betenden. Endlich richtete sie sich wieder auf, und indem sie mich mit unbeschreiblich schönem Lächeln ansah, war ihre erste Frage:„Ist denn das alles wahr? Es ist mir wie Traum. Zeigen Sie mir doch die Briefe. Ich weiß kein Wort mehr von allem, was darin steht.“ Verlobung und Abschied. „Es versteht sich von sel t,“ sagte ich,„den Boden meiner Pfarrei betrete ich nicht, ohne vermählt zu sein. Wie könnte ich auch in den ersten Tagen meines Berufs die weltliche Sorge um Anordnung unserer kleinen Wirtschaft übernehmen? Wo ist meine Studierstube? wo unser Wohnzimmer? Du, Friederike, mußt mir doch des alles zeigen. Du mußt mir das freude Haus zur freundlichen Heimat machen. Nur vergiß mir nicht, ein Arbeitsstü ein Fenste in deinen Blumengarter hjahr zuweilen sehen 1 0 damit ich i l ann, wenn ich studiere, und du draußen pflanzest.“ Sie errötete, lächelte verschämt und wollte davon nichts hören. Aber doch sprach sie von neuen Fensterumhängen, und wie der Garten eingerichtet werden müsse, und ob es nicht besser und wohlfeiler sei, alles, was man gebrauche, in Frankfurt einzukaufen? Dann auch von —— der alten Mama, die wir zu uns nehmen wollten, und von Küche und Keller. Unter solchen Umständen blieb nun wohl nichts anderes übrig, als ernst ans Werk zu schreiten, die gnädige Herrschaft um Friederikens Entlassung anzugehen, mein Kandidatenstübchen und meine Lektionen aufzukündigen, uns als Brautleute von der Kanzel proklamieren zu lassen usw. Alles ging in löblicher Ordnung von Statten. Glückwünsche und kleine Geschenke träufelten mir von allen Seiten zu. Ich war bald reicher, als ich seit vielen Jahren gewesen. Einer meiner Berliner Freunde, dessen Kinder ich unterrichtet hatte, bot mir zu der bevorstehenden Reise nach Magdeburg seinen leichten Reise⸗ wagen an, den ich nicht ausschlug. 125 Ich versah mich mit den nötigen Pässen. Es war stürmische Zeit; Krieg und Kriegsge⸗ schrei rings umher. Unser König stand mit seinem Heer schon in Thüringen dem bisher unbezwungenen Napoleon gegenüber. Doch blieben wir ziemlich unbesorgt. Es war gar nicht daran zu zweifeln, daß die Franzosen gleich in den ersten vierzehn Tagen über den Rhein zurückgejagt sein würden. Aus Spekulation hatte ich wirklich in meinem Dach⸗ stübchen schon fünfundzwanzig preußische Krieg⸗ und Siegeslieder gemacht, worin ich alle künftig zu liefernden Schlachten so genau beschrieben, daß nur der Name des Schlachtfeldes hinzuzusetzen übrig blieb. Ich hoffte damit von Buchhändlern in Berlin einen schönen Thaler Geld zu gewinnen. Aus Vorsicht steckte ich das Manuskript der Siegeslieder gleich zu mir, um nötigenfalls schon in Magdeburg die ersten drucken zu lassen. i Am 14. Oktober, am Tage des Untergangs der alten preußischen Herrlichkeit bei Jena und Auerstädt, nahm ich von Friederiken Abschied. Seit neun Jahren die erste Trennung! Gleich nach meiner Rückkehr von Magdeburg sollte unsere Hochzeit in Berlin und die Abreise zum Pfarrhause sein. So reizend auch die Fernsicht schimmerte, konnten wir uns doch beim Abschiede damit nicht trösten. Uns war, als würden wir auf ewig voneinander gerissen. Ich leugnete zwar als Doktor der Philosophie herzhaft alles Ahnungsvermögen des Menscheu hinweg; aber als Bräutigam glaubte ich mit frommer Ein⸗ falt daran.—„Ferdinand! Ferdinand! Gott sei mit dir! sei glücklich! aber wir sehen uns nie wieder!“ rief Friederike schluchzend. Reise nach Magdeburg. Am 15. Oktober fuhr ich vergnügt, wie ein Gott, zum Brandenburger Thor hinaus; meine Vokation und die Siegeslieder in der Tasche. In Potsdam mußte ich einiger Geschäfte willen übernachten. Sanssouck.— Im Garten und auf der klassischen Stelle, wo einst die siebenzehnjährige Friederike mir ewige Liebe schwor, erneuerte ich nach neun Jahren mein treues Gelübde. Dann schrieb ich der Teuren bis tief in die Nacht eine Iliade von meinen Hoffnungen und Träumen; schilderte die Seligkeit unseres künf⸗ tigen häuslichen Lebens in der Pfarrwohnung, fern vom Getümmel der großen Welt. „Du und ich, Friederike, was bedürfen wir mehr, um den ganzen Himmel auf die Erde niederzuziehen? Unsere Hütte, unser Gärtchen wird für uns der schönste Teil von Gottes Schöpfungen heißen. Unbeneidet von andern, werden wir selbst Engel nicht beneiden.“ Unter den Melodien des letzten Wunsches waren nur buntere, gl des Wachens. Früh ging auf den Weg. Ich war me und das Roß gar fromm wegs pflog ich vorübergehen die ich in Magdeburg mi wollte, um mich ihm von der glänze zu zeigen, oder mi im Pfarrhause 5 ade en 2. mit Friederiken, wenn ich sie herumführen würde, und sagen könnte: sieh, Engel, dies ist dein Königreich. Zur Abwechselung hielt ich im Geist auch wohl meine Antrittspredigt in der Kirche, vor allem versammelten Volk, das in mir seiten Seelen⸗ Abends ging ich hinaus nach der Welt giebt, die das Leben nicht verkürzt von Salis entschlummerte ich— meine Träume mit e hirten ehrte, und vor der anwesenden hohen Herrschaft. Ich sprach sehr rührend; kein Auge in der Gemeinde blieb trocken. Man betete mich fast an. Meine Friederike fiel mir um den Hals und gab mir den süßesten allen Lohnes, einen Kuß. Zu Brandenburg war im Wirtshaus alles sehr lebendig. Man sprach von großen Schlachten, die zwischen Napoleon und dem geliebten König vorgefallen sein sollten; Prinz Louis Ferdinands Heldentod bei Saalfeld sei furchtbar gerächt worden; in den Thüringer Wäldern hemmen die Leichname der erschlagenen Weltüberwinder den Lauf der Ströme.—„Und wie ist's dem Kaiser Napoleon ergangen?“ fragte ich da⸗ zwischen.— Man vermißt ihn—„Und der Marschall Lannes?“— Tot.—„Und Davoust?“ — Tot!—„Und Ney?“— Tot! alles tot!— 10 1 Funde d ö Da konnte ich mich nicht länger halten— ich griff nach meiner Tasche, um die Sieges⸗ hymnen herauszuziehen. Ein alter Mann hinter mir setzte seine Pfeife ab, und bückte sich, wie von ungefähr, und murmelte mir mit der tiefsten Baßstimme ins Ohr:„Wollte Gott, es wäre an dem! aber ich weiß, alles ist falsch. Es ist gewiß großes Unglück begegnet.“ Die Hand ward mir bei diesen Worten in der Tasche lahm. Ich ließ die tyrtäischen Gesänge einstweilen an Ort und Stelle.„Großes Unglück? Und ich in Magdeburg? Konnte sich Napoleon mit seiner Armee nicht zwischen mich und Friederiken drängen?“ Es ergriff mich, wie Fieberfrost. Aber außer dem alten, unheilweissagenden Manne jubelte das Volk im Wirtszimmer so laut, so überzeugend; jeder beschrieb die Schlachten und Siege des Königs so umständlich mit allen Nebenereignissen, daß man dergleichen schlechter⸗ dings nur mit eigenen Augen gesehen oder nur von Augenzeugen erfahren haben konnte. Ich pflichtete, wie billig, der Stimmenmehrheit bei und ging ruhig schlafen. (Fortsetzung folgt.) Die Schädlichkeit der Arbeit. Ueber dieses Thema veröffentlichte in einer der letzten Nummern der Wiener Zeit der Leipziger Schriftsteller Rudolf Kleinpaul einen interessanten, trotz des spröden Stoffes im an⸗ genehmsten Plauderton gehaltenen Artikel. Es wird unsere Leser interessieren, die geistvollen Ausführungen kennen zu lernen. Kleinpaul schreibt: „Is nix ungesunner als dat Kranksin“, sagt der alte Mecklenburger. Aber ich weiß, was noch ungesunder ist und das Kranksein erst erzeugt: das ist das Arbeiten! Was hat man nicht alles zum Lobe des fleißigen Arbeiters gesagt? Wie viele Sprüch⸗ wörter giebt es, die den Segen der Arbeit rühmen!— Arbeit macht das Leben süß, lindert jede Last, der nur hat Bekümmernis, der die Arbeit haßt. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Arbeit pflanzt Rosen auf die Wangen. Arbeit ist des Blutes Balsam und der beste Schlaftrunk. Dergleichen paßt gar nicht mehr in unsere Verhältnisse. Die Zeit ist lange vorüber, wo die Arbeit eine Lust und eine Wohlthat war, vorüber wie der goldene Boden des Hand⸗ werks. Wenn man einmal das furchtbare Heer der Berufs⸗ und Gewerbekrankheiten, der Staub⸗ einatmungskrankheiten, der Gaseinatmungs⸗ krankheiten, der Elsenbahnkrankheiten erblickt so findet man, daß es fast keine Arbeit auf und nicht über kurz oder lang zu Krankheit und Siechtum führte. Die Arbeit hat einen Krüppel aus der hheit gemacht, einen Krüppel mit einem bein und einer Schusterbrust, mit einer zauerlunge und einem Waschfrauenherzen, em Exerzierknochen und einem Eisenbahn⸗ rückgrat— das ist die Zierde des Bürgers und die Arbeit, die das Leben süß macht! 5 0 Arbeit ist gut, Arbeit ist notwendig um das Leben zu erhalten, das heißt un Brot zu haben und reich zu werden(H. Aber einseitig und mechanisch, wie ste na chgerade geworden ist, gewährt sie doch nur Brot, indem 9 1 Brod! lun falten lun Mann Falz Möcht elles 1 ben Der drei! das! lang das gnäd die Schr Hon! Hhgr Tugez Man Mann sche sch fel Ji fim cbm r geit n km fübernih, ie ists y te ich d „und h/ Dabu les tütl. T halten. die Siege Nann hit t der tiest t, es ul falsch. Wotten tyrtiisch le.„Guß, 2 Kum iht zwi Cs ergi pelssagen zimmer ie Schlacht ich mit al. u schlechte en oder l onnte. mehrheit! Arbeit chte in elt T Zeit! inpaul eil ankin“ 0 weiß, I ranken Nr. 34. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. sie die Gesundheit untergräbt. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!— sagt Gott der Herr zu Adam. Der Schweiß ist eine sehr wohlthätige Einrichtung der Natur, zu schwitzen schadet Niemand. Würde der Sündenfall heute wieder beschrieben, so sagte der Herr vielleicht:„Hinstechend sollst du dein Brod essen, das du mit deinem Leben erkauft haft, und dein Vergnügen soll selbst eine Arbeit in!“ Schädlichkeit der Arbeit! Ich rede hier keineswegs blos von den notorisch giftigen Gewerben, von der Bleiindustrie und der Zünd⸗ warenfabrikation, von dem Arbeiten in den Arsenwerken, in den Zinkhütten, in den Queck⸗ silberbergwerken, in den Bergwerken und in den Gruben überhaupt. Ich rede auch nicht blos von der Fabrikarbeit und der Industrie im engeren Sinne. Alles Arbeiten ist schädlich; man kann sagen, daß jedem Berufe und jedem Gewerbe eine eigentümliche Krankheit wie ein Dämon zur Seite geht, und daß nicht einmal der Lumpensammler ohne Hadernkrankheit und nicht einmal der Schornsteinfeger ohne Schorn⸗ steinfegerkrebs ist. Wenn man sich die Krank⸗ heit als den bösen Feind des Menschengeschlechts denkt, so nimmt der Teufel je nach der Lebens⸗ stellung des Individuums verschiedene Ge⸗ stalten an. Man könnte eine ganz neue Ein⸗ teilung der Krankheiten darauf basieren. Jeder⸗ mann hat die Fehler seiner Vorzüge, sagt ein Franzose. Jeder hat auch die Gebrechen, ich möchte sagen: den Wurm seiner Profession und seines Standes. Wir mögen blicken, wohin wir wollen, uach oben oder nach unten, überall sitzt der Wurm. Der Diplomat, der mitunter gezwungen ist, drei Diners nach einander zu absolvieren, hat das Podagra; der Bediente, der halbe Tage lang hinten auf seiner Karosse steht, bekommt das Aneurysma der Kniekehlenarterie. Die gnädige Frau hat die Gicht, ihr Dienstmädchen die Fingerentzündung und ihr Sekretär den Schreibkrampf, während sich die Scheuerfrau von dem vielen Knieen an der Kniescheibe ein Hygrom, das Housemaid'sknee der Engländer, zugezogen hat. Der Proletarier hat das, was man die Proletarierkrankheit nennt, der Kauf⸗ mann die Gewürzkrämerkrätze. (Schluß folgt.) Lesefrüchte. Mit wahrhaft Gleichgesinnten kann man sich auf die Länge nicht entzweien, man findet sich immer wieder einmal zusammen; mit eigentlich Widergesinnten versucht man umsonst Einigkeit zu halten, es bricht immer wieder einmal auseinander. Goethe. ** 8 Du hast einen viel zu geschmeidigen Rücken, Mein Freund, um die Menschheit zu beglücken; Die Zeit will Männer, die sich erheben, Nicht solche, die sich mit Anstand bücken. Heinrich Leuthold. Wer uns Gewalt anthut, macht uns nichts Geringeres als die Menschheit streitig; wer ste feigerweise erleidet, wirft seine Menschheit weg. Schiller. ** * Man wählt zum Lenker eines Schiffes nicht denjenigen von den Reisenden, der von der besten Herkunft ist. . Pascal. ** * „Ist das Buch auch fromm und stttlich?“ Fragt ihr ewig unerbittlich. Hättet ihr Ermächtigung Zur Zensur, wär nächst der Bibel Höchstens noch die Kinderfibel Sicher vor Verdächtigung. Bleibt doch heim, langweilige Wunderliche Heilige! Paul Schönfeld. Humoristisches. Individuelle Auffassung. Bürgermeister: „Es wird beabsichtigt, hier im Orte eine freiwillige Feuerwehr zu bilden!“— Bauer:„Ja, aber für was hamm' ma uns nacha versichern lassen?“ Kindermund.„Mama, wird in Rußland der Storch auch nach Sibirien verbannt?“—„Aber warum denn, mein Kind?“—„Weil er immer blos Mädchen bringt.“ à la Stieteneron. Richter:„Wie konnten Sie großer starker Kerl sich nur an der alten schwachen Frau vergreifen?“— Angeklagter:„Herr Richter, det jeschah blos in die Notwehr!“— Richter:„Ach Unsinn! Sie sind doch kein Baron!“— Augeklagter: „Weeß ick! Dafor werde ick ja boch nich freijesprochen!“ (Südd. Postill.) Litterarisches. Die Rechte des Angeklagten. Unter diesem Titel ist bei Richard Lipinski in Leipzig ein Buch von Fr. Hartwig in Neuauflage erschienen, das weiteste Verbreitung verdient, und das niemand ohne Nutzen lesen wird. Bekanntlich kann es jeden Menschen passieren, daß er als Angeklagter vor Gericht erscheinen muß, und wenn er sich noch so ängstlich hütete, mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu kommen. Wer aber jemals einer Gerichtsverhandlung beiwohnte, konnte sich oft der Wahrnehmung nicht verschließen, daß der Angeklagte einer völlig fremden Ideenwelt gegenüber⸗ steht und der Situation selbst dann nicht gewachsen ist, wenn es sich um eine Polizeibagatelle oder eine Privat⸗ klage handelt. Mag er draußen noch so großsprecherisch sein, hier weiß er nicht das rechte Wort zur Verteidigung zu finden, sondern begreift viel zu spät, daß er den rechten Augenblick verpaßt hat, um seine Freisprechung zu erzielen oder die Strafe herabzumindern. Schuld an dieser Gesetzesunkenntnis mit ist der mangelhafte Schul⸗ unterricht auf dem Gebiete des Rechts und die Fülle von Gesetzesbestimmungen, mit denen wir beglückt sind. Zu begrüßen ist es deshalb, daß eine berufene Feder sich gefunden hat, die aus dem reichen Erfahrungsschatze in praktischer Anordnung des Stoffes und in gemein⸗ verständlicher Weise das richterliche Verfahren im Straf⸗ prozeß geschildert und durch Beispiele aus dem Leben rläutert hat. Die Broschüre kostet 50 Pfg. In demselben Verlage erschien:„Die Kunst der Rede“ von unsern als tüchtigen Schriftsteller und bis 0.90, Hühner per St. Mk. 1.00— 1.50 Redner bekannten Genossen Manfred Wittich. Das Werkchen ist besonders für agitatorisch thätige Genossen sehr empfehlenswert. Preis 1 Mk. Ferner erschien wie immer mit einer Fülle belehrenden und unterhaltenden Inhalts: Der Neue⸗Welt⸗ Kalender für 1902. Aufsätze wissenschaftlichen und parteipolitischen Inhalts von Braun, Bernstein, Grohtewitz, Schippel, Singer, Perners⸗ dorfer ꝛc., sowie Erzählungen ernsten und heiteren Inhalts von Schweichel, Rosenow ꝛc. rechtfertigen die Erwartungen, die wir bei Erscheinen des Kalenders hegen, vollkommen. Weiter machen wir unsere Freunde wiederholt auf die Broschüren: Führer durch die Unfallver⸗ sicherungsgesetze und das Invalidenversiche⸗ rungsgesetz; Merkbüchlein über den Arbeit s⸗ vertrag(10 Pfg.);„Achtstundentag“ von A. Braun empfehlend aufmerksam.— Alle Schriften sind in unserer Expedition erhältlich. Parteigenossen allerorts! Um den Protest gegen den Brot- und Fleischwucher wirksam zu gestalten, ist es notwendig, daß die Petitionsbogen mit Tausenden von Unterschriften be⸗ deckt an den Reichstag eingesandt werden. Jeder Varteigenosse hat deshalb die Pflicht, soviel als möglich Unterschriften zu sammeln. Die Vertrauensleute müssen sich die Erfüllung dieser Aufgabe ganz besonders angelegen sein lassen und dafür sorgen, daß in ihrem Orte oder Bezirke jeder Gegner der Lebensmittelzölle unterschreibt. Alle großjährigen Personen, selbstverständlich auch Frauen können unterzeichnen.— Petitionslisten sind bei dem Kreisvertrauens⸗ mann A. Bock, Gießen, Dammstraße 22 erhältlich. In Gießen liegt die Petition zur Unterzeichnung auf bei C. Orbig, Wirt⸗ schaft(Rittergasse), L. Löb(Wiener Hofß, sowie Redaktion und Expedition unseres Blattes, Kirchenplatz 11 u. Sonnenstr. 25 Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 20. August: Butter per Pfd. Mk. 1.10— 1.20, Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., Enteneier 1 St. 7—8 Pfg. Gänseeier per St. 11— 12 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—8 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00— 9.00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.00— 10.00. Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.75 Hahnen per Stück Mk. 0.70— 1.20, Enten per St Mk. 2.00 bis 2.20. Gänse per Pfd. Mk. 00.0— 0.00 Fleischpreise. Oßhsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 64 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ lleisch 60 66 Pfg., Hammelfleisch 50— 70 Pfg. im, Giessen Marktstrasse No. 4 empfehlen ihr Großes Lager in Glas- Porze llan⸗ und Steingutwaren Gebrauchsgeschirre weiß, wie Kaffee- und Milchkan nen, Teller, Tassen, Salatschüsseln, Suppen- terrin m u. s. w. in allen Größen und Fagons. Hafee-, Bler-, Wein Blumenvasen. Tassen, Tellern mit Namen; Grabplatten u. Wassergläser Bieraläser Für Kirchweihen und Feste erhalten Ausspieler Ausnahmepreise. Anfertigung von Wasserflaschen& Lager in Wirtschaftsgläsern. und Likör-Service in allen Zuckerschalen, Goldtassen, s. w. Lieferzeit 8 bis Milchflaschen Gum misauger. Desgleichen empfehlen den Herrn Wirten unser 3 10 Tage. 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Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Outmanns Druckerei, Gießen 0