pf. 5 1 57 U — hlen 2.40 0 0325 iEsmäßig klage: le in m, zel in Bält. eltersweg 1 Alicest. Tieseck nggüns issn Nr. 47. Gießen, Sonntag, den 24. November 1901. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeuts. che a 8. Jahrg Nebaktionsschluß; Donnerstag Nachmittag 4 Us Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Eppedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 331, 2 Inserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 3% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens Arbeitslosigkeit. „Durch die in fast allen Erwerbszweigen sich zeigende Stockung hat die Zahl der Arbeitslosen eine ganz gewaltige Steigerung erfahren und nicht blos in der Presse, sondern auch in Kom⸗ munalverwaltungen, Landtagen, Regierungen werden Erörterungen gepflogen, wie der Not der betroffenen Arbeiterkreise abzuhelfen sei. Der„Vorwärts“ gab in seiner Nummer vom Sonntag einen ausführlichen Bericht über die Arbeitslosigkeit in Berlin auf Grund von Material, das von den Berliner Gewerkschaften zusammengestellt und im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission bearbeitet worden ist. Die verschiedenen Angaben beweisen, daß die Arbeitslosigkeit gegen das Vorjahr außerordent⸗ lich zugenommen hat. So hat sich nach den Angaben der Arbeitsnachweise herausgestellt, daß sich in den meisten oft die 3 bis 4fache und in manchen Erwerbszweigen zeitweise sogar die 6 bis 8fache Zahl der verlangten Ar⸗ beitskräfte anbietet. Die Gewerkschaften zahlten im dritten Quartal 1901 über 38000 Mk. mehr Ar⸗ heitssosenunterstützung aus, als im gleichen Quartal des Vorjahres. Hierbei ist zu beachten, daß die Unterstützungssummen noch nicht den ganzen Umfang der Arbeitslosigkeit unter den organisierten Angehörigen der betreffenden Be⸗ rufe zum Ausdruck bringen, da sowohl die Mitglieder, welche die Karenzzeit für den Bezug von Unterstützung noch nicht zurückgelegt, als auch diejenigen, welche die statutenmäßige Unter⸗ stützungsdauer bereits überschritten haben, nicht unterstützt werden können, obwohl sie arbeitslos ind. Nach der Aufstellung der Gewerkschafts⸗ kommission zählte man Ende Oktober im Ganzen nicht weniger als 27852 Arbeitslose in Vgl gleich diese Zahl erschreckend groß ist, so stellt sie doch nur einen Teil der Arbeitslosen⸗ ziffer dar, denn uns fehlen ja noch die Angaben aus den meisten Betrieben der Metallindustrie sowie aus einer 77 Zahl ganzer Berufs⸗ zweige. Nach dem bis jetzt feststehenden Resultate kann man selbst bei der vorsichtigsten Schätzung annehmen, daß die Zahl der Arbeitslosen wenig⸗ stens doppelt so groß ist, als die oben an⸗ gegebene. 0 Bei der Statistik der Berliner Kranken⸗ zassen stellt sich dasselbe Ergebnis heraus. Danach waren in 36 Berliner Orts⸗ und Be⸗ triebskassen am 1. Oktober 1901 17306 Mit⸗ lieder weniger vorhanden als am 1. Oktober 1900. In dem für diese Klasse in Frage kommenden Berufe waren demnach am 1. Oktober dieses Jahres ebensoviele Arbeiter weniger beschäftigt, als zur gleichen Zeit im Vorjahre. Nimmt man den gleichen bei obigen 56 Kassen sich ergebenden Mitgliederverlust von 03 Prozent für sämtliche Berliner Zwangs⸗ rankenkassen an, so finden wir, daß höchst vahrscheinlich am 1. Oktober 30645 Mit⸗ flieder weniger als im Jahre vordem vor⸗ anden waren. Soviel Personen müssen also u jener Zeit arbeitslos gewesen sein. Rechnen bir hierzu die Zahl derer, die, obwohl sie Urbeitslos sind, als Selbstzahler Mitglieder der Ortskassen bleiben, und berücksichtigen wir erner, daß die freien Hilfskassen in die obige Berechnung nicht mit einbezogen sind, so gab es am 1. Oktober in Berlin wenigstens 50000 Arbeitslose! Was geschieht nun, um der durch diese furchtbaren Zahlen doku⸗ mentierten Not zu steuern? Der Oberprästdent v. Bötticher hat es ja neulich, so meint der „Vorwärts“, in Halle ausgeplaudert. Ver⸗ traulich besprach er sich vor einem solennen Notstandsmahle mit seinen Beamten und Ver⸗ tretern der Großunternehmer über die vorzu⸗ nehmenden Erhebungen. Vertraulich— damit die Arbeiter sich nicht zu gel Hoffnungen über die ihnen zu teil werdende Hilfe hingeben!“ Was haben die Arbeiter zu thun, uu ihre elende Lage zu verbessern? Von den Behörden ist wahrscheinlich nichts, sicher aber nicht viel zu erwarten. Das darf indessen die Arbeitslosen nicht abhalten, ihre Stimme zu erheben, die Machthaber in der heutigen Gesellschaft an ihre sozialen Pflichten zu erinnern und ihnen ins Gewissen zu rufen: durch die Gesellschaft, deren Stützen Ihr seid, durch das System, das Ihr schützt und ver⸗ tretet— durch den Kapitalismus sind wir ins Elend gestürzt worden. Wenn Ihr auch, so lange die heutige Wirtschaftsordnung herrscht, unsere Not nicht beseitigen könnt, so könnt Ihr sie doch lindern, indem Ihr uns Arbeit schafft. Das liegt in Eurer Macht, und das zu verlangen haben wir ein Recht! Aber darüber hinaus giebt es für jeden Arbeiter, für jeden Proletarier eine höhere Auf⸗ Hebe und die ist: Erkenne Deine Klassenlage! egreife, daß es die heutige Wirtschaftsweise, daß es der Kapitalismus ist, der das Elend verschuldet, unter dem Du jetzt leidest, und daß Du vor der Wiederkehr wirtschaftlicher Not nicht eher sicher geschützt bist, als bis die Herr⸗ schaft des Kapitalismus gestürzt und der Sozialis⸗ mus Wirklichkeit geworden ist. Um dies Ziel zu erreichen, gilt es auch auf politischem Gebiet Solidarität mit den Klassengenossen üben, um das hohe Ziel zu erkämpfen: Befreiung der Arbeit aus der Knecht⸗ schaft des Kapitalismus! Acht zahlreich besuchte Arbeitslosen⸗ e e fanden am Montag Vor⸗ mittag in Berlin statt. Die Tagesordnung lautete überall:„Die gegenwärtige Krise, die Arbeitslosigkeit und wie ist Abhilfe möglich?“ Es sprachen die sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten J. Auer, R. Fischer, W. Pfannkuch, M. Schippel, A. Stadthagen, E. Wurm, E. Zubeil und Stadtverordneter Th. Glocke. Die Gesamtzahl der Besucher wird auf rund 10000 Personen geschätzt, unter denen sich auch Frauen befanden. Die meisten Versamm⸗ lungen wurden wegen Ueberfüllung frühzeitig polizeilich abgesperrt, viele Hunderte mußten wieder umkehren. Ueberall wurde eine Reso⸗ lution angenommen, in der von der Regierung und der Stadtvertretung gefordert wird, die vorgesehenen Bauten sofort in Angriff zu nehmen. Zum Schluß fordert die Resolution, die Re⸗ gierung möge„dem Drängen einer kleinen In⸗ teressentengruppe auf Erhöhung des Zolles auf die notwendigsten Lebensmittel nicht stattgeben, sondern durch den Abschluß guter Handelsverträge mit anderen Staaten die Wohlfahrt des arbeitenden Volkes und des ge⸗ samten Staatslebens zu sichern und zu fördern.“ EN Zum Kampfe gegen die Hungerzölle. Eine sehr stark besuchte Frauenver⸗ sammlung, von bürgerlicher Seite einberufen, fand am Montag in Frankfurt statt. Nach einem Referat des Herrn Dr. Vosberg⸗ Rekow aus Berlin wurde eine Protestresolution gegen die Zollerhöhung einstimmig angenommen. * * Christliche Arbeiter zu dem Zoll⸗ wucher. Am Sonntag fand in Köln eine große christliche Gewerkschaftsversamm⸗ lung statt, in welcher die Hauptvorsitzenden des christlichen Bergarbeiter⸗, des christlichen Holzarbeiter- und des christlichen Textilarbeiter⸗ Verbandes, nämlich die Herrn Brust, Steger⸗ wald und Schiffers als Redner auftraten. Der letztere redete über die Aufgaben der christ⸗ lichen Gewerkschaften. Dabei behandelt er auch den Zollstreit. Die Frage: ob sich die christlichen Gewerkschaften mit der Stellung⸗ nahme zu den Lebensmittelzollerhöhungen be⸗ fassen dürfen, verneinte er. Im gleichen Sinne habe sich der Ausschuß des Gesamtver⸗ bandes der christlichen Gewerkschaften, der am Tage vorher in Köln zusammengetreten mar ausgesprochen. Die Resolution des Ausschusses erklärt die Zollfrage für eine allgemeine staats⸗ politische, sie falle nicht unter die besonderen Erwerbs⸗Interessen der Industriearbeiter. Da⸗ her dürften die christlichen Gewerkschaften und ihre Organe zu der Frage nicht Stellung nehmen. Diese Ausführungen Schiffers und die Reso⸗ lution stießen auf den lebhaftesten Widerspruch der Mitglieder des christlichen Metallarbeiter verbandes, deren Führer Döring und Schlack rund heraus erklärten, daß sie nach wie vor in der Agitation gegen den Brotwucher fortfahren würden und den Brust, Stegerwald ꝛc. vor⸗ warfen, daß sie zuerst die Zollfrage in die Gewerkschast hineingetragen hätten. Damals habe aber niemand erklärt, daß die Zollfrage nicht in die Gewerkschaft gehöre. Das sei allerdings auch„etwas anderes“ gewesen; denn die Genannten seien für die Getreidezölle ein⸗ getreten, wie es dem Zentrum in den Kram paßte. Als aber Wieber, der Vorsitzende des christlichen Metallarbeiterverbandes, gegen den Brotwucher Front machte, da habe es plötzlich geheißen: Die Erörterung der Zollfrage gehört nicht in die Gewerkschaften! Beide Redner sind als Centrumsleute bekannt. Trotzdem rügten sie den Einfluß der Zentrumspartei, der sich in den christlichen Gewerkschaften geltend macht. Herr Schlack, der es ja als Zentrums⸗ anhänger und Führer einer christlichen Gewerk⸗ schaft wissen muß, erklärte: daß von seiten des Zentrums ein großer Druck auf diechrist⸗ lichen Gewerkschaften ausgeübt werde, damit sie dem Zentrum dienen. Die Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf, der überwachende Kommissar drohte mit Auflösung. Zu einem definitiven Resultat kam es nicht, woraus man schließen kann, daß die Zentrumsagenten nicht die Mehrheit in den christlichen Gewerkschaften haben. d * 2 5 Für die Petitionslisten wurden in Berlin dem„Vorwärts“ zufolge bei 151 411 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 47. sozialdemokratischen Stimmen 530 625 Unter- schriften gegen den Brotwucher abgegeben. München und Umgegend gaben 70 000 Unter⸗ schriften ab. Man zählt bisher aus 118 Wahl⸗ kreisen mit rund 1 288 000 Wahlstimmen rund 2 520 000 Unterschriften. Politische Rundschau. Gießen, den 21. November. Reichstags ⸗Auflösung in Sicht? Von mehreren Zeitungen wird die Ansicht ausgesprochen, daß die Beratung der Zolltarif⸗ vorlage zur Auflösung des Reichstags führen werde. Das Organ des Bundes der Landwirte, die„Deutsche Tagesztg.“ sagt dazu, sie habe bisher bezweifelt, daß die Regierung von dem ihr zustehenden verfassungsmäßigen Rechte der Auflösung dem Reichstage gegenüber Gebrauch machen werde. Jetzt gewinne die Sache ein anderes Gesicht. Sie sagt: „Es ist nicht unmöglich, daß im nächsten Jahre dieses verfassungsmäßige Mittel sowohl im Reiche als auch in Preußen zur Anwendung gelangt. Man wird mindestens gut daran thun, wenn man stch bei Zeiten darauf einrichtet. An unsere Freunde im Lande möchten wir aber die ernste Mahnung richten, auch für diesen Kampf das Pulver trocken zu halten und alles so vorzubereiten, daß wir nicht überrascht werden.“ Diese Mahnung gilt auch den Angehörigen der soztaldemokratischen Partei. Thatsache ist, daß hier und da unsere Organisation noch sehr viel zu wünschen übrig läßt, besonders in unserer Gegend müssen die Genossen noch tüchtig arbeiten, wenn wir uns bei den Wahlen keine Mißerfolge holen wollen. Darum Ausbau der Organisation! Und vor Allem: Sorgt für die Verbreitung der Parteipresse! Werbt stets Abonnenten für die Mit⸗ teldeutsche Sonntagszeitung! Unterstützt niemals die gegnerische, noch die angeblich unparteiische, stets aber arbeiter feindliche Presse! Abgesägter Reichstagspräsident. Herr v. Frege, der Vizepräsident des Reichstags, legte sein Amt als solcher nieder. Es hat lange genug gedauert, bis er zur Ein⸗ sicht kam, daß seine erschütterte Gesundheit einen längeren Urlaub und den Verzicht auf den Präsidentenstuhl nötig machte. Sein Rücktritt wurde ihm von allen Seiten, auch von seinen Parteifreunden, seit längerer Zeit nahegelegt; man fürchtete im Hinblick auf die bevorstehende Reichstagstagung seine Amtsführung, denn er war im Stande, die einfachsten Dinge unheilvoll zu verwirren. v. Frege ist einer der rückstän⸗ digsten sächsischen Agrarier. Ersatzwahl zum Reichstage. Für den 10. sächsischen Reichstagswahlkreis muß demnächst eine Ersatzwahl für den ver⸗ storbenen alldeutschen Abg. Lehr stattfinden. In diesem Kreise haben wir gute Aussichten. Dr. Lehr siegte im Jahr 1898 erst in der Stichwahl mit 11,925 Stimmen gegen unseren Genossen Grünberg, der 10,681 Stimmen auf sich vereinigte. Bei der Hauptwahl wurden abgegeben für Grünberg 9758, für Lehr 5938 und für den konservativen Kandidaten Naumann 5406 Stimmen. Seitdem ist die Unzufrieden⸗ heit nicht nur mit der Weltmachtspolitik und ihren Folgen und mit der Brotwucherpolitik, sondern auch die Unzufriedenheit mit den säch⸗ sischen Verhältnissen so stark gestiegen, daß die Sozialdemokraten bei der Ersatzwahl im 10. Wahlkreise mit den besten Hoffnungen in den Wahlkampf gehen können. Weitere sozialistische Siege bei den Gemeindewahlen werden aus mehreren Orten gemeldet. In Königsberg wurden am vorigen Samstag bei den Wahlen von 13 Stadtverordneten zwei Sozialdemo⸗ kraten, sowie 1 gemeinsamer Kandidat der Bezirks⸗ und Bürgervereine gewählt. Erforder⸗ lich sind zehn Stichwahlen. Die Sozial⸗ demokraten sind an 6 Stichwahlen be⸗ teiligt.— Einen glänzenden Sieg errangen ferner unsere Parteigenossen in Lehe bei der Bürgervorsteherwahl in der dritten Klasse. Die sozialdemokratischen Kandidaten, Tischler Heitmann und Klempner Leers, erzielten 579 und 450 Stimmen, die Gegner 117, 35, 30 und 20 Stimmen.— In Eisenach wurden zum ersten Male zwei Sozialdemokraten mit freisinniger Unterstützung gewählt.— Auch in Rödelheim bei Frankfurt eroberten unsere Genossen sämtliche vier in der dritten Abteilung zu vergebende Sitze, trotzdem sich die Bürger⸗ lichen zusammengeschlossen und außerdem noch eine sogenannte„Arbeiterpartei“ Kandidaten aufgestellt hatten.— Hanau meldet ebenfalls bedeutende sozialdemokratische Erfolge.— In der Muckerstadt Barmen stieg unsere Stimmen⸗ zahl um 1200; unsere Kandidaten kommen mit den christl.⸗soz. in die Stichwahl. Stellvertreter Gottes. Im Frühjahr d. Is. hatte die„Berg. Arbeiterstimme“ über ganz scheußliche Sol daten⸗ mißhandlungen berichtet, die im Jahre 1898 beziehungsweise 1899 bei der 2. Kompagnie des 17. Infanterieregiments in Mörchingen vorgekommen. Als Thäter waren der ehemalige Sergeant und jetzige Schutzmann Reiners in Aachen und der jetzt in Insterburg dienende Unteroffizier Kalweit bezeichnet. Die Mißhand⸗ lungen bestanden u. A. darin, daß die beiden einem Untergebenen mit brennenden Streichhölzern die Barthaare aus dem Gesicht„rasierten“, ferner einen anderen Soldaten zwangen, einen langen Priem Kautabak, den der Sergeant sich aus dem Mund nahm, hinunter⸗ zuschlucken. Derselbe Soldat hatte zuvor beim Turnen eine Stunde auf dem Quer⸗ baum zubringen müssen. Die Untersuchung, die alsbald eingeleitet wurde, dauerte über ein halbes Jahr. Die beiden Soldatenschinder wurden vor das Kriegsgericht in Köln gestellt, wo die Beweisaufnahme ihre volle Schuld ergab. Der Vertreter der Anklage beantragte neun beziehungsweise acht Monate Gefängnis. Der Gerichtshof billigte jedoch beiden mildernde Umstände zu, weil er ihr Vergehen mehr als einen„schlechten Scherz“ ansah, und ver⸗ urteilte Kalweit zu vier Monaten Gefängnis und Degradation, Reiners zu fünf Wochen Mittelarrest. Zum Justerburger Duellmord. Die Unthat, der ein Menschenleben zum Opfer fiel, hat auch schon ihre gerichtliche „Sühne“ gefunden. Und was für eine! Das Kriegsgericht in Insterburg verhandelte den Fall am Montage unter Ausschluß der Oeffent⸗ lichkeit. Oberlieutenant Hildebrandt wurde zu zwei Jahren, Oberlieutenant Grod deck als Kartellträger zu 5 Tagen Festung ver⸗ urteilt. Den Antrag des Verteidigers, ein Gnadengesuch an den Kaiser zu richten, lehnte das Gericht ab. Die Verhandlung gegen den Lieutenant Raßmussen wegen Herausforde— rung des getöteten Lieutenants Blaskowitz wird später stattfinden.— Zwei Jahre Festung für einen Mord! Dabei ist als sicher anzunehmen, daß der Verurteilte begnadigt wird, wenn er einen kleinen Teil seiner gelinden Strafe abge⸗ büßt hat. Die Vorgänge, die zum Duell führten, stellten die Zeugen vor dem Kriegsgericht anders dar als sie vorher von den Zeitungen mitgeteilt wurden. Der erschossene Lieutenant Blasko⸗ witz habe die Offiziere, welche ihn heimbegleiten wollten, wohl erkannt, habe den Lieutenant Hildebrandt in's Gesicht geschlagen, nachdem dieser zu Blaskowitz geäußert habe:„Sie sind ja besoffen wie ein Schwein!“ Die Artillerie⸗ lieutenants gingen sodann in Hildebrandts Wohnung, dort schrieben sie die Vorgänge nieder und gaben das Protokoll an den Ehren⸗ rat weiter. Dieser erklärte, er könne einen Ausgleich uicht vorschlagen. Tags dar⸗ auf erging die Mitteilung an den Ehrenrat von der beabsichtigten Forderung. Die ursprüngliche Forderung lautete bis zur Kampfunfähigkeit, wurde aber durch Verhandlungen gemildert, erst auf dreimaligen, dann einmaligen Kugel⸗ wechsek.— Die Affaire erscheint durch diese Darstellung keineswegs in einem günstigeren Lichte und das Verhalten der Offiziere, der unmäßige Alkoholgenuß kann wohl nicht als vorbildlich für die Mannschaft angesehen werden. Soweit das Rechtsgefühl im Volke noch nicht erschüttert ist, wird ihm durch diesen Duellmord wieder ein neuer Stoß versetzt. Uebrigens kam dieser Tage noch eine Duell⸗ schießerei vor. In Hannover fand ein Zwei⸗ kampf zwischen einem ehemaligen Einjährigen des dort garnisonierenden Infanterie⸗Regiments Nr. 73 und einem Offizier desselben Regiments statt. Von den Duellanten wurde der Einjäh⸗ rige durch einen Schuß durch die Brust schwer, der Offizier durch eine Verletzung des Armes leicht verwundet. Deutsche Justiz gegen Sozialdemokraten. Vom Karlsruher Landgericht war unser Genosse, der Landtagsabgeordnete Opificius in Pforzheim, wegen angeblicher Untreue zu drei Monaten Gefängnis und Unfähigkeit der Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von 3 Jahren verurteilt worden. Seine da⸗ gegen eingelegte Revision hat das Reichsgericht am Montag verworfen. Damit ist das Mandat O.'s erloschen, das er übrigens schon vor einiger Zeit niedergelegt hatte. Der Thatbestand, der dieser Verurteilung zu Grunde liegt, ist so harmlos, daß kein vernünftiger Mensch Opificius einen Vorwurf machen kann. Aber auch bei der geringsten Verfehlung trifft einen Sozial ⸗ demokraten schwere Strafe. Zum Boykott Englands. Gegen einen Artikel des holländischen Ge⸗ nossen Vliegen, der sich im„Vorwärts“ darüber beschwerte, daß unter den deutschen Arbeitern wenig Stimmung ist, den Bogkott mitzumachen, wendet sich der Vorsitzende des deutschen Vergolderverbandes, Genosse Späthe. Derselbe schreibt im„Vorwärts“ u. A.: Wir Leiter der gewerkschaftlichen Organisationen müssen uns ganz energisch gegen dergleichen Experimente, wie den Boykott Englands, verwahren, der unter keinen Umständen zu den gewerkschaftlichen Aufgaben gerechnet werdeu kann. Ich sage das nicht aus dem Grunde, weil ich auf dem schroffen Standpunkte der gewerkschaft⸗ lichen Neutralität stehe und aus Furcht mich so dagegen sträube. Nein, ich nehme für mich das Recht in Anspruch, ein ebenso guter Sozialdemokrat zu sein, wie der Genosse Vliegen, und bin anch stets für die inter⸗ nationale Solidarität eingetreten. Aber Phantastereien mache ich nicht mit. Darüber denke ich zu nüchtern, weil ich mitten im Arbeiterleben selbst stehe und die Folgen der Krise und die Sorgen der Arbeiter am eigenen Leben verspüre. Es wäre eine große Unbe⸗ sonnenheit, wollte man die Not und das Elend seiner Berufsgenossen durch eine derartige Aktion noch ver⸗ schlimmern. Späthe legte dann klar, wie gerade der Vergolderberuf vollständig lahm gelegt werden. würde, wenn man auch die Einfuhr nach England unterbinde. Viele Vergolderfirmen produzieren ausschließlich für England. Auch das Korrespondenzblatt der General⸗ Kommission der Gewerkschaften Deutschlands hat sich in einer Notiz gegen den Boykott ausgesprochen. Die Durchführung des Planes werde Geldmittel erfordern, die in erster Linie von den Gewerkschaftsorganisationen aufzubringen sein würden. Das Blatt bezweifelt die Möglichkeit des Sieges und verwirft den Boykott als politisches Kampfmittel. Der Parteivorstand der sozialdemo⸗ kratischen Arbeiterpartei Hollands hat eine Resolution beschlossen, in der er. den Boykottplan als ein hoffnungsvolles Zeichen des Machtsgefühls und Selbstbewußtseins der Arbeiterklasse bezeichnet und seine Sympathie mit ihm ausspricht. Von dem Komitee hofft er, daß es nur dann zur Durchführung des Planes schreiten werde, wenn die Teilnahme aller in Frage kommenden Arbeiter gesichert und ein genügender Boykottfonds vor⸗ handen ist. 105000 e Fit hfüge kiten 1 heft sehen e d At! le 5 lathr brüf sstisch ler ögli, ebe Uksa 50 es roße 5 age fl undo Heiß. erg dal lien bud K Einiih t schut, J Armee ten. War une if icint treue z igkeit he ie Dae Seine y ichsgeric b Maonda or einige athestash egt, ist Opifteu auch ge n Soil . schen Ge zorwältz deulscheg 1 Bohl zende da e Spähe A.: sanlsalong rperimenle inter ke en geteche m Grunde ewerschaf so dageht 3 Recht zu sell, 1 die duch santasteret 1 nüche he und ltbeltet l voße lil Fend fell noch 0 elade l. 1 fahr mn Nr. 47. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Zur Bergarbeiterbewegung in Frankreich. Zwar wird aus den Kohlenrevieren in Frankreich ein allmähliches Wachsen des Aus⸗ standes gemeldet. Doch ist fraglich, ob die Bewegung sich je zu einem großen Ausstand entwickelt. Jedenfalls haben die nichtfranzösi⸗ schen Bergleute auf der kürzlich stattgefundenen Konferenz in Dover dringend davon abgeraten. Der französische Deputierte Basly gab in Lens die in Dover gefaßten Beschlüsse bekannt. Die englischen Vertreter erklärten, daß sich das Komitee des belgischen Bergarbeiter ⸗Ver⸗ bandes nicht an der Bewegung der französischen Bergarbeiter beteiligen wolle. Die deutschen und österreichischen Vertreter wiesen dar⸗ auf hin, daß ein allgemeiner Ausstand sowohl für die deutschen und österreichischen, wie für die französischen„Bergarbeiter ein großes Unglück sein würde. Die englischen Vertreter sprachen sich dahin aus, daß ste nicht glaubten, die Förderung in genügender Weise einschränken u können, um die Einfuhr von Kohlen nach 1 5 zu verhindern. Aus Denain(Dep. Nord) wird berichtet, daß der Ausschuß des Bergarbeitersyndikats mit 42 gegen 3 Stimmen den allgemeinen Streik beschlossen habe. Man erwartete für Mittwoch die Arbeitseinstellung. Soziales. Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Die Firma Karl Zeiß, Fabrik optischer Ap⸗ parate in Jena, zahlt für das abgelaufene Geschäftsjahr 10 Prozent Dividende glei 165000 Mk. an ihre Arbeiter. Außerdem ga die Firma bekannt, daß sie über soviel Arbeit verfüge, daß eine Verringerung von Arbeits- kräften und eine Verminderung der Arbeit nicht zu befürchten sei. Krieg in Südafrika. — Einen Protest gegen das Vor- gehen der Engländer und namentlich gegen die Flüchtlingslager versandte das inter⸗ nationale sozialistische Bureau in Brüssel. Das Manifest fordert die sozia⸗ listischen parlamentarischen Fraktionen aller Länder auf, an ihre Regierungen, wenn möglich an einem Tage, nämlich dem 26. No⸗ vember, eine Interpellation zu richten, um eine wirksame Intervention zu erlangen. In Ländern, wo es keine sozialistischen Deputirten gebe, sollen große Volksversammlungen abgehalten werden. Gerüchte über eine große Nieder— lage der Engländer an der Grenze von Natal wollen nicht verstummen, wenn auch das Londoner Kriegsamt noch immer nichts davon weiß. Privatberichte halten ihre Behauptungen energisch aufrecht, und man fügt noch aus einer Durbaner Meldung hinzu, daß Kitchener durch einen Pa rlamentär brieflich Botha neue Ver⸗ handlungen anbot. Nach einem amtlichen Be⸗ richt haben die Enzländer in dem letzten Kampf bei Brackspruit neun Tote und zehn Ver⸗ wundete verloren. Vierundsechzig Engländer wurden gefangen genommen, später jedoch bis auf einen Leutnant wieder freigegeben. Dewet läßt wieder von sich hören. Nach einer Meldung Kitcheners, die Ende voriger Woche einlief, wurde am 14. Nov. die Truppe des Obersten Bynf in der Nähe von Heilbronn von 400 Buren, deren Kommandant Dewet gewesen sein soll, angegriffen. Nach zweistündigem Kampfe wurde der Angriff ab⸗ fescklagen. Die Buren zogen sich unter Zurück⸗ assung von 8 Toten zurück. Der Verlust der Engländer W 1 Offizier und 1 Mann tot, 3 Offiziere und 9 Mann verwundet. Die Eng⸗ länder spüren also wieder die Schläge des ge⸗ fürchteten Burenführers, den sie früher schon einmal tot gesagt hatten.— Zu gleicher Zeit umzingelten 300 Buren eine starke Patrouille des Obersten Hickie, wobei die Engländer 6 Tote und 10 Verwundete verloren und mehrere Soldaten in Gefangenschaft gerieten. Ueber die Lage der Buren habe sich Louis Botha dahin geäußert, daß sie besser als je sei; sie seien 15000 Mann stark, gut bewaffnet und voller Kampfesfreude, während die kampffähigen Engländer kaum 40000 Mann zählten. Kitchener gehe äußerst grausam vor und lasse rücksichtslos alle verdächtigen Deutschen und Franzosen erschießen.— Der Transvaal—⸗ Gesandte Dr. Lyds äußerte in Berlin einen Berichterstatter gegenüber, daß der Krieg noch Jahre lang dauern könne. Hessischer Landtag. Am Dienstag Vormittag trat die Zweite Kammer zu einer kurzen Tagung zusammen. Während der Sommerferien sind die Sitzungsräume des Hauses her⸗ gerichtet worden, wofür der Präfident der Regierung überflüssigerweise dankt. Nach Uebergang zur Tagesordnung wird zunächst ein Antrag des Abg. Leun betr. die Portofreiheit der Postpackete an Militärpersonen dem Aus⸗ schusse überwiesen.— Zu dem Antrag des Abg. Ulrich und Genossen, die Milderung der Arbeitslosig⸗ keit iu Hessen erklärt Staatsminister Rothe, daß seitens der großh. Regierung alles geschehen sei, um einer event. Arbeitslosigkeit in Industrie und Gewerbe entgegentreten zu können. Die Regierung halte es im Uebrigen für ihre Pflicht, der Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ministerialrat Braun giebt dem Hause einen eingehenden Bericht über die von der großherzoglichen Regierung seit Jahren angestellten Erhebungen über die Lage des Arbeitsmarktes der In⸗ dustrie und des Handels, aus welchen hervorgeht, daß in allen drei Provinzen vorerst von einem allgemeinen Notstand nicht gesprochen werden könne.(So?) Ja, in der Forst⸗ und Landwirtschaft sei noch ein bedeuten⸗ der Mangel an Arbeitskräften vorhanden, und fremde Arbeiter müßten hier noch herangezogen werden.(Wird wohl nicht ganz stimmen!) Die Zement⸗, Leder⸗ und Eisenindustrie habe mit einer ungünstigen Konjunktur zu rechnen. Arbeiterentlassungen seien nur in Offen⸗ bach, Worms und Mainz vorgekommen, doch könne von einem eigentlichen Notstand auch hier nicht gesprochen werden. Das Material berechtige zu folgenden Schlüssen: Ein eigentlicher Notstand bestehe in Hessen zunächst nicht; durch in Aussicht genommene Staatsbauten ꝛc. werde die Regierung einer etwa eintretenden Arbeitslosigkeit nach Kräften vorzubeugen suchen. Aus diesem Grunde beantrage er, den Antrag Ulrich zur Kenntnis zu nehmen und von einer Vorlage wegen der Arbeitslosigkeit abzu⸗ sehen. Abg. Ulrich begrüßt das Vorgehen der Re⸗ gierung, glaubt aber bemerken zu sollen, daß in den Großstädten die geschilderten Zustände nicht zutreffen, sodaß dort das größte Elend vorherrsche. Eine allge⸗ meine Depression werde nicht ausbleiben und die Regie⸗ rung möge daher bei Zeiten Vorsorge treffen. Die Versuche, außerdeutsche Arbeiter als Lohndrücker zu ver⸗ wenden, müsse er entschieden zurückweisen. Redner be⸗ antragt hierauf, seinen Antrag dem Ausschuß zu über⸗ weisen. Dies geschieht. Ebenso werden noch eine Reihe weiterer Anträge dem Ausschuß überwiesen, insbesondere der Antrag Backes, die israelitischen Religtons⸗ lehrer im Großherzogtum Hessen betreffend, der An⸗ trag des Agb. Köhler⸗Langsdorf, die Schächtfrage in Hessen betreffend. Mittwoch wurde über die Eingabe einer Anzahl Israeliten verhandelt, die sich über die Zurücksetzung ihrer Glaubensgenossen bei Anstellung von Beamten im Staatsdienst beschweren. Die Antisemiten sprachen natür⸗ lich gegen die Anstellung jüdi' Richter. Schließlich fand der Ausschuß⸗Antrag, welcher die Erwartung aus⸗ spricht, daß bei der Anstellung der Beamten der prin— zipielle Standpunkt der religiösen Gleichberechtigung be⸗ wahrt werde, mit großer Mehrheit Annahme. pon Uah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches. Aus der Zweiten Kammer. Ein Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen verlangte Vor⸗ lage eines Gesetzentwurfs, betreffend Ueber- führung der Apotheken in Staats⸗ betrieb, wonach neue resp. heimgefallene Konzessionen fernerhin an Private nicht mehr erteilt und die bestehenden Apotheken auf dem Wege des allmählichen Ankaufs vom Staate erworben werden sollen. Das Ministerium des Innern, das über diese Angelegenheit um Meinungsäußerung ersucht wurde, hat ein Antwortschreiben erlassen, in dem u. A. gesagt ist:„Den Ankauf der bestehenden Apotheken durch den Staat halten wir für nicht angezeigt. Außer den neun Gemeindeapotheken und den 10 rein persönlichen Konzessionen, die unver— käuflich aber vererblich sind, bestehen im Lande 97 Apotheken, deren Besitzer das Recht haben, einen geeigneten Nachfolger für die Konzession vorzuschlagen, dem, wenn nicht ganz besondere Gründe vorliegen, die Konzession zu erteilen ist, wobei das Recht des Vorgängers zugleich mit übergeht. Der Erwerb dieser Konzessionen durch den Staat würde nach den heutigen Verhält- nissen mindestens 15 Millionen Mark be⸗ anspruchen, wozu noch eine nicht unbeträchtliche Summe als Entschädigung für das den zehn unveräußerlichen Apotheken zustehende Recht der Vererbung hinzukommen würde. Es erscheint um so weniger angezeigt, diese Summe aufzu⸗ wenden, als die reichsgesetzliche Regelung des Apothekenwesens schon seit längerer Zeit zur„Erwägung“ steht und sich gar nicht voraus⸗ sehen läßt, nach welcher Richtung Aenderungen sich vollziehen werden.“ Die Regierung spricht sich daher mit aller Entschiedenheit gegen den Ankauf der Apotheken durch den Staat aus. Der Vierte Ausschuß, der den Ulrich'schen Antrag vorberaten hat, ist zu folgendem Beschluß gekommen:„Hohe Zweite Kammer wolle an Großherzogliche Regierung das Ersuchen richten, unter Beobachtung der seitherigen Praxis bei Vergebung neuer oder Wiedervergebung heimge— fallener Apothekenkonzessionen in erster Linie Gemeinden oder Kommunalverbände zu berück— sichtigen, und damit den Antrag Ulrich und Genossen für erledigt erklären.“ Ergebnisse der Volkszählung. Nach den amtlichen Aufstellungen betrug die Bevölke⸗ rung in Hessen am 1. Dez. 1900 1,119,893 Personen inkl. 18,885 aktive Militärpersonen gegen 1,039,020 inkl. 18,167 Militär am 2. Dez. 1895. Auf die drei Provinzen verteilt, gestalten sich die Zahlen wie folgt: Starkenburg 489,512 (444,562), Oberhessen 281,047(271,524), Rhein⸗ hessen 348,334(322,934) Einwohner. Gemeinden von mehr als 10,000 Einwohner hat Hessen 5 und zwar Mainz mit 84,251(76,946), Darm⸗ stadt mit 72,381(63,745), Offenbach mit 50,468 (39,408), Worms mit 40,705(33,175), Gießen mit 25,491(22,924) Einwohner.(Die in Klammern befindlichen Ziffern bedeuten das Ergebnis der 1895er Volkszählung.) Die Finanzlage des Großherzog— tums Hessen ist in Folge des unerwarteten rapiden Rückgangs der Einnahmen der Eisen⸗ bahngemeinschaft eine recht bedenkliche, da man ca. 1 Million Mark Mindereinnahme befürchtet, und auch noch die Matrikularbeiträge die Ueber⸗ weisungen des Reichs um nahezu 2 Millionen zu übersteigen drohen. Man rechnet mit einem Defizit von nahezu 3 Millionen Mark, welches voraussichtlich durch eine Er— höhung der Vermögenssteuer um rund 60 Pro⸗ zent gedeckt werden soll, sodaß die Vermögen statt mit 55 Pfg. pro Tausend, mit ca. 85 Pfg. Steuer belegt werden dürften. Eine pro— gressive Vermögenssteuer hat keine Anssicht auf Annahme bei der Regierung, da das eine Aen— derung des Vermögenssteuergesetzes nötig machte, während eine gleichmäßige Erhöhung der Steuer durch den Wortlaut des Gesetzes gegeben ist. Gießener Angelegenheiten. — Die Volksversammlung am Mon⸗ tag, in der Frau Louise Zietz aus Hamburg über„den Kampf ums Dasein während der Krise“ sprach, war recht gut und auch von einer Anzahl Frauen besucht. Das Orbig'sche Lokal war bis auf den letzten Platz besetzt, aber bei derartigen Versammlungen sollte es viel zu klein sein. Die Rednerin entledigte sich ihrer Aufgabe in sehr eingehender und gewandter Weise; ihren Ausführungen folgte die Versamm⸗ lung mit großer Aufmerksamkeit und spendete am Schlusse reichlichen Beifall. Eingangs ihres Vortrages wies die Rednerin darauf hin, daß in der Industrie etwa 5 Millionen Frauen beschäftigt sind. Sie werden zu allen möglichen Arbeiten verwendet; man sehe sie heute in Ge⸗ werbebetrieben thätig, in dem man früher keine Frauenarbeit gekannt habe. Sogar auf den Hoch bauten werden in verschiedenen Gegenden 4 * ö 3 getroffen werden. Seite 4. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 47. Frauen beschäftigt. Der Unternehmer stellt weibliche Arbeitskräfte nicht ein aus Liebe zur Familie oder zur Frau, sondern einfach nur seinen Profit zu steigern, weil die Frau sich noch mehr und noch williger ausbeuten läßt als der Mann. Diese Anspruchslosigkeit, Be⸗ scheidenheit c. hören wir oft als weibliche „Tugenden“ rühmen; allein solche Eigenschaften werden zu Untugenden gegenüber der Arbeiter⸗ klasse. Gerade jetzt in der Periode des wirt⸗ schaftlichen Niedergangs zeige sich das. Viel⸗ fach sind die an Männer für die gleiche Arbeit bezahlten Löhne durch Arbeiterinnen herabge⸗ drückt worden. Rednerin führt hier zahlreiche Beispiele an. Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung müsse unbedingt gefordert werden.— Bei unserer verrückten Ordnung folge der ge⸗ schäftliche Niedergang dem Aufschwung mit un⸗ heimlicher Sicherheit. Beim Unternehmertum herrscht das Bestreben billig zu produzieren, um auf dem Weltmarkte die Konkurreuz aus dem Felde zu schlagen. Deshalb werden die Löhne gekürzt, man sucht möglichst viel aus dem Arbeiter herauszupressen. Dadurch schwindet die Kaufkraft der Masse, Stockung tritt ein. Jetzt befinden wir uns mitten in der Krise, die durch Kohlen- und Wohnungsnot noch verschärft wird. Besonders durch Letztere. Größere Städte weisen ungeheuere Mengen Ob⸗ dachloser auf. In allen Industrien und Berufen haben sich die Arbeitslosen vermehrt. Regie⸗ rungen, Behörden, Stadtverwaltungen wären verpflichtet einzugreifen, es geschieht aber so gut wie nichts. In Thüringen sei in vielen Orten das Almosengeben— eine Christeupflicht— bei Strafe verboten! Bestraft werde, wer aus Not 2 Pfg. bettelt, ginge ein Minister 12 000 Mk. fechten, sei das etwas anders.(Beifall.) Bei Erhebungen über Arbeitslosigkeit müßten auch Arbeiter mit zugezogen werden. Ober⸗ präsident Bötticher, der frühere Minister erklärte in Halle, ein Notstand existiere nicht. Das läßt sich denken; denn die Herren, die dort zur Er⸗ örterung der Frage zusammengekommen waren, setzten sich nach ihren tiefgründigen Beratungen zu einem opulenten„Notstandsmahl“ nieder, so daß sie von Notstand allerdings wenig ge⸗ spürt hätten.— Zu den Lohnkürzungen, gänz⸗ licher Verdienstlosigkeit vieler Arbeiter komme nun noch die künstliche Verteuerung ber Lebens⸗ mittel. Rednerin geht hier näher auf den Zoll⸗ wucher ein, den zu bekämpfen Pflicht aller Ar⸗ beiter und besonders auch der Frauen sei. Denn die Minderernährung vermehre selbstverständ⸗ lich die Sterblichkeit in der Arbeiterklasse. Zum Schluß forderte sie zum Beitritt in die Organi⸗ sation auf. Eine kurze Diskussion schloß sich an den Vortag. Auch zwei nationalsoziale Versammlungsbesucher ergriffen das Wort und erklärten sich im Allgemeinen mit den Aus⸗ führungen der Frau Zietz einverstanden. Be⸗ tont wurde noch, daß überall da wo Arbeiter⸗ entlassungen in Aussicht genommen sind, die sämtlichen im Betriebe beschäftigten lieber Ver⸗ kürzung der Arbeitszeit zu erwirken suchen sollten, damit die einzelnen Arbeiter nicht so schwer Weiter wurde zum Beitritt in den Konsumverein aufgefordert. — Das Ergebnis der Stadtverord⸗ netenwahlen nannten wir in der letzten Nr. ein für uns befriedigendes. Unsere Stimmen⸗ zahl hat eine, wenn auch nur geringe Steige⸗ rung erfahren, was angesichts des Umstandes, daß eine vierjährige Ansässigkeit von den Wahl⸗ berechtigten gefordert wird, was einen ziemlichen Teil unserer Anhänger vom Wahlrecht aus⸗ schließt, immerhin etwas besagen will. Daß auch viele wegen Steuerrückständen nicht wählen konnten, gereicht uns auch zum Schaden. Trotzdem müßte die Stimmenzunahme eine größere sein, wenn sich die Arbeiterklasse besser beteiligt hätte. So traurig es ist, muß doch gesagt werden, daß sogar Arbeiter, in thörichter Verblendung gegnerische Wahlzettel abgegeben haben. Unserseits ist deshalb für kommende Fälle eine intensivere Agitation nötig.— Zum Vergleich seien die für uns bei den früheren Wahlen abgegebenen Stimmenzahlen angeführt. 1892 wurde Orbig mit 434 Stimmen ge⸗ wählt, die andern Kandidaten erhielten 161 bis 165 Stimmen. 1895 fiel Krumm mit 603 Stimmen durch, die andern beiden Kandidaten erhielten 519 und 416 Stimmen. Die vorige Wahl brachte uns 430 bis 455 abgegebene reine Zettel, deren Zahl diesmal auf 476 bis 516 stieg. Man sieht, ein langsamer zwar, aber stetiger Fortschritt. Sonst ist noch erwähnenswert und bedauer⸗ lich, daß Herr Justizrat Metz mit einer er⸗ bärmlich niedrigen Stimmenzahl unterlag. Seine Wahl wäre jedensfalls im Gesamtinteresse weit eher zu wünschen gewesen, als die des Zünft⸗ lers Pirr. Auf die Agitation der Gegner, die Faseleien des Anzeigers, der vor dem„Hinein⸗ tragen der Politik ins kommunale Leben“ nicht genug warnen konnte und dabei von dem Zettel der„bürgerlichen Parteien“ sprach und ihr Zusammengehen befürwortete, kommen wir jedenfalls noch zurück. Die Bürgerlichen aller Schattier⸗ ungen führten vor der Wahl ihren Kampf fast nur in dem Anzeigenteil des„Gieß. Anz.“, wo sie in Rieseninseraten die Wahl ihrer Kan⸗ didaten und Geistesverwandten empfahlen. Da⸗ bei wurden nur immer die Personen der Vorgeschlagenen in den Vordergrund gestellt und über den grünen Klee gelobt, von einem Programm, grundsätzlichen Forderungen auf kommunalen Gebiete keine Spur! Wozu braucht denn so ein Spießbürger ein Programm? Ihnen kommt es doch blos darauf an, daß ihre eigen⸗ nützigen Interessen in der Stadtverordneten⸗ Versammlung vertreten werden, mag das Ge⸗ meinwesen dabei sehen, wo es bleibt!— Nach der Wahl konnte man verschiedene Herzenser⸗ güsse etlicher schöner Seelen in Einsendungen im Amtsblatte lesen. Eine solche Notiz fand sich in Nr. 272 desselben.— Ein Leser aus Lollar— schreibt das Blatt— habe sein Miß⸗ fallen über die Aufnahme eines Sozial⸗ demokraten iu die bürgerliche Liste ge⸗ äußert und als Nationalliberaler seiner außer⸗ ordentlichen Verwunderung über das Verhalten der nationalliberalen Partei Ausdruck gegeben. Ein Gießener„Bürger und Handwerksmeister“ schreibt u. a.: „Meiner Ansicht nach ist es eine Schmach, daß man Kandidaten wie sie der sozialistische Wahlzettel aufwies, für das Regiment der Stadtverwaltung vorschlägt. Noch mehr zu bedauern ist, daß die Kleinhandwerker eine der⸗ artige Wahlmache unterstützen, da jene doch klipp und klar sich als entschiedene Gegner des Kleinhandwerker⸗ standes offenbarten, indem sie selbst im jüngsten Flug⸗ blatte die Förderung des Genossenschaftswesens als einen ihrer wichtigsten Anträge stellten“. Dazu schreibt uns ein Freund: „Daß das Amtsblatt den plumpen und schofeln Angriff des Zünftlers Raum giebt, ist nicht weiter verwunderlich. Viel sozialpoli⸗ tische Kenntnis und Einsicht verrät es damit allerdings nicht. Doch darf man diesen Leuten nichts übel nehmen, sie haben keine Meinung, müssen im Sinne der herrschenden Klasse fiber. mögen sie sich auch als„Uebermenschen“ ühlen. Den Lollarer Leser geht unseres Erachtens die Gießener Stadt⸗Verordnetenwahl nichts an, insbesondere, da er in Lollar gerade genug zu thun hätte um die dortigen Verhältnisse etwas „liberaler“ gestalten zu helfen. Unsern Gießener Bürger und Handwerks⸗ meister möchten wir uns aber doch etwas näher besehen.— Also„eine Schmach“ ist es, ver— ehrter Herr Handmerksmeister, daß die soz. Partei solche Kandidaten aufstellt. Sie haben ganz recht werter Meister, wie können nur die Gießener Arbeiter verlangen, daß sie durch Arbeiter im Stadtverordneten⸗Collegium ver⸗ treten werden? Unverschämt ist so etwas! Kommerzienräte, Professoren, Rentiers und— Zunftmeister, das sind die richtigen Vertreter für einen Arbeiter. Die wissen ja ganz genau was einem Arbeiter not thut. Wir halten es eher für eine Schmach, daß der hiesige„Ord⸗ nungsbrei“ den Arbeitern nur einen Vertreter zuweisen möchte, wo doch selbst zugegeben wird, daß Arbeiter den größten Teil der Be⸗ völkerung ausmachen. Gerade der richtige soz. Arbeiter erkennt an, daß an der Spitze eines Gemeinwesens alle Stände vertreten sein müssen, er sucht sich aber die tüchtigsten aus und giebt diesen seine Stimme, dies wurde nicht blos bei der jetzigen Wahl bewiesen, daß der Arbeiter keine verzopften Zünftler im 1 Gemeinderat haben will, wird ihm kein rechtli denkender verübeln, denn diese wären vielleicht N N noch ein größeres Uebel, als wenn ein paar Kommerzienräte mehr darin säßen. Wenn der ehrsame Meister erwähnt, die soz.⸗ dem. Partei hätte das Genossenschaftswesen auf ihre Fahne geschrieben, so riecht das stark nach Neid. Von wem leben denn die meisten Kleinhandwerker und Geschäftsleute? Doch wohl vom Arbeiter. Oder ist es dem Einsender unbekannt, daß ge⸗ rade die„bessere Gesellschaft“ ihre Waren aus den großen auswärtigen Geschäftshäusern bezieht! Bald kommt wieder die alljähliche Mahnung im„Gieß. Anz.“„Kauft am Ort!“ Der Herr Meier kämpfe dagegen, und verdächtige nicht Leute, die zum mindesten ebensoviel wert sind wie er selbst.“ Soweit der Arbeiter, dessen Ausführungen man im allgemeinen zustimmen muß. Von dem Zünftler ist es wirklich eine ganz un ver⸗ schämte Anmaßung, unsere Genossen in dieser Weise zu verunglimpfen. Was bildet sich denn der aufgeblasene Frosch ein? Meint er etwa im Namen der Handwerker sprechen zu können? Da dürfte er sich gewaltig täuschen, denn ein großer Teil derselben— vielleicht der größte— huldigt keineswegs diesen rück⸗ ständigen Anschauungen, sondern neigt vielmehr sozialdemokratischen Ansichten zu. Oder glaubt er, nur ein mit der nötigen Körperfülle ausge⸗ statteter Innungsmeister sei fähig, das Stadt⸗ verordneten⸗Mandat auszufüllen, Arbeiter aber nicht? Die Erfahrungen beweisen das Gegen⸗ teil. Jedenfalls besitzen sozialdemokratische Ar⸗ beiter weit mehr allgemeine Kenntuisse und Fähigkeit zur Beurteilung dessen, was dem Gemeinwesen dient, als ein egoistischer, mit ver⸗ alteten, verbohrten Ansichten angefüllter Zünft⸗ ler. Das hat vor längeren Jahren schon ein⸗ mal Herr Miquel als Frankfurter Oberbürger⸗ meister einem anmaßenden Zunftbruder gesagt, St. Im Gießener nat.⸗soz. Verein wird Freitag, 29. Novbr. Dr. Maurenbrecher aus Berlin über die Zukunft der deutschen Land wirtschaft sprechen. Das Thema wird natürlich im Hinblick auf den Zolltarif behan⸗ delt werden und dürfte somit von aktuellem Interesse sein. — Das Stiftungsfest der Holzar⸗ beiter am Samstag war recht gut besucht und nahm einen prächtigen Verlauf. Unter den Darbietungen heben wir ein kleines Theater⸗ stück hervor, das von den Mitwirkenden recht flott gespielt wurde. Nur sollte man bei solchen Festen sich eine Musik zulegen, die auch im Stande ist, Arbeiter⸗Weisen ertönen zu lassen. — Der Henker war am Donnerstag in Gießen thätig. Früh ½8 Uhr wurde der am 11. Juni d. Is. wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Georg Ermer aus Schirmitz in Bayern mittels Fallbeils durch den Scharfrichter Brand aus Oederan in Sachsen hingerichtet. Die Exekution, der etwa 50 Herren beiwohnten, dauerte im Ganzen nur wenige Minuten. Ein katholischer Pfarrer sprach dem Delinquenten Trost zu, der ohne jedes Widerstreben sich zum Schaffot führen ließ. Sein Verbrechen, was bekanntlich in der Ermordung und Beraubung seines Wanderkollegen Möller im Wäldchen bei Kloppenheim bestand, hat der Mörder nun ge⸗ 1 1 1 1 hel del fun 1 . Nun flat hac Gele 0 Acne tt D dat fel el, 0 lit. Tuner ien Ii der ulatbe lage! u holt eiter U daß en f. dummer U. E. in Eon dahhof Abt. 5 We Sahin n W hause zl n J en ier g Ai, Ha Agtelfe Le sc Ualkere Alete Schritte Jattin aalloh, Tier shlbele litt Vet. in den i 0 mal Aufenl a0 k kulbete Art fach i gt saalgt Aalgun lum 5 sühnt.— Die Todesstrafe soll abschreckend Am wirken. Ist das der Fall? Durchaus nicht; verschiedene Gegenden weisen sogar eine Ver⸗ mehrung der Todesurteile auf. meisten Verbrechen haben schließlich traurigen wirtschaftlichen und sozialen Verhält⸗ nissen ihren Grund und nur durch Besserung 1 15 sie sich verringern — 8 wurde am Dienstag im Gießener Stadttheater Gerhard Hauptmanns:„Biberpelz“ gegeben. Das Haus war voll besetzt und spendete der Diebeskomödte und dem durchweg vorzüglichen reichen Applaus. Spiel der Mitwirkenden U Das Stück zeigt, wie der Amtsvorsteher seine Aufgabe darin erblickt, die„Umstürzler“ aus⸗ zurotten, dabei trieben aber die Spitzbuben un⸗ 85 ihr Wesen.— Die Kreise, für welche je Volksvorstellung berechnet sind, bilden noch Nein, die in den er ste Volksvorstellung 1 1 0 ü 00 führung 12 1 n unh henosen Was i n? m er sprch ig tausch — pill diesen fe igt bielge Oder glah fülle gu das Stil cbeiter, das Ge; ratische ituisse was g. er, Mit h. lter Zu, u schhn Oberbütg der ge „Vert aurenblch deutsch Them Harif doh 1 aktuell r Holze gut heal auf. l nes Thall kenden m bei sdc ir aut! f zu lle hunerslah! rde dend 4 Jul 2 Sc bügel bela eule.. deln b fachen, Berolle Wälbchel b der Hall! h Halle 0 T bil 0 h 5 0 i 10 1 0 Ve 1 Nr. 47. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. immer den kleineren Teil der Besucher. Viel⸗ leicht nehmen sich mal die Gewerkschaften der Sache etwas an.— Dabei wollen wir er— wähnen, daß die Firma Markus Bauer bei Einkäufen Gutscheine verabfolgt, die gegen Theaterbillets umgetauscht werden können. Zur Hebung des Theaterbesuchs ist das gewiß förderlich. —„Der wahre Jakob“ hat eben seine 400. Nummer erscheinen lassen. Das beliebte Witzblatt begann noch unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes seine Laufbahn und war Zeiten hindurch das einzige Blatt, das den Zusammenhang unter den Genossen herstellte. Unter Dietz' umsichtiger Leitung erfuhr das Blatt stetig inhaltliche und technische Verbesse⸗ rungen, so daß es eines der besten Blätter seiner Art ist. An der Spitze der Beilage bringt diese Nummer die Piographien der verstorbenen Ge⸗ nossen Bruno Schönlank und Karl Bürkli aus der Feder von persönlichen Freunden der Verstorbenen. Den Biographien sind wohlge— lungene Porträts beigegeben. Außerdem ist die politische Satire in Wort und Bild in der 12 Seiten starken Nummer reichhaltig vertreten, so daß wir die Anschaffung derselben unseren Lesern nur empfehlen können. Der Preis der Nummer ist 10 Pfennig. Aus dem Rreise Wetzlar. h. Eine grauenvolle Unthat wurde um Sonntag Abend in der Nähe des Wetzlarer Bahnhofes auf der Straße nach Hermannstein verübt. Der Schreinermeister Willy Haupt aus Wetzlar war im Begriff, sich mit seiner Gattin und noch zwei Begleitern aus der Heger⸗ schen Wirtschaft, die sie besucht hatten, nach Hause zu begeben. Unterwegs wurden sie von einem Menschen angerempelt, der alsbald mit einem Messer in der Hand auf einen der Be⸗ gleiter Haupts eindringt. Dieser zieht sich zu⸗ rück, Haupt bleibt jedoch stehen und fragt den Angreifer ganz ruhig, was er denn wolle? Aber schon hatte der Unmensch den Fragenden mehrere Stiche versetzt, die Herz und Lunge verletzten, so daß Haupt, nachdem er noch einige Schritte vorwärts gelaufen, vor seiner entsetzten Gattin tot zusammenstürzte. Der Mörder entfloh, wurde aber bald in der Person eines gewissen Nagel in Klein⸗Altenstädten, eines übelbeleumundeten Menschen, ermittelt und ver— haftet. Bei seiner Verhaftung soll er nach dem „Wetzl. Anz.“ eine geradezu viehische Roheit an den Tag gelegt und erklärt haben, daß er den Tod des Angegriffenen, den er gar nicht einmal kennt, gewollt habe. Solche Ver⸗ worfenheit und tierische Mordlust sollte man doch kaum für möglich halten.— Der Er⸗ mordete war ein in jeder Beziehung ehrenwerter Charakter, allgemein hochgeachtet und beliebt. Auch in Bezug auf seine Lebensanschauungen huldigte er fortgeschrittenen Ansichten. Mittwoch erfolgte seine Beerdigung unter so riesiger Be⸗ teiligung, wie sie Wetzlar bei Begräbnissen noch kaum gesehen hat. Der unglücklichen Familie wird selbstverständlich allseitige Teilnahme ent⸗ gegengebracht.. — Gnade Gottes. Wir lasen kürzlich im„Wetzl. Anz.“: Sämtlicken Arbeitern und Beamten aus Donsbach auf Grube „Gnade Gottes“, über 100 an der Zahl, ist am 16. d. M. zum 1. Dezember gekündigt worden. Eine Motivirung der Kündigung ist zicht geschehen. Sollte der Betrieb der Grube beschränkt werden? Wohl kaum, da die Gewerk⸗ schaft erst kürzlich Steiger gesucht und— an⸗ gestellt hat. Fernstehende Personen muß es schmerzlich berühren, wenn man erfährt, daß Leute, die fast ihr ganzes Leben auf der Grube gearbeitet, jetzt plötzlich außer Brot gesetzt werden.— Ja, ja, das vielgepriesene„Wohl⸗ wollen“ der Unternehmer sieht manchmal recht sonderbar aus. 3 * Na also! Wir teilten kürzlich mit, daß Senosse Bock in Gießen mit einem Strafzettel von dem Bürgermeister in Krofdorf bedacht vurde, weil er in der Versammlung in Glei⸗ berg eine Tellersammlung vorgenommen hatte. Uuf seine kei dem Amtsgericht in Wetzlar sofort rhobene Beschwerde, worin er auf die in der Sache gegen Vetters gefällte Kammergerichts— entscheidung hinwies, hat der Herr Bürgermeister den Strafbefehl zurückgezogen.— Wir be⸗ merken dabei nochmals, daß in Preußen Teller⸗ sammlungen bei Versammlungen keiner poli⸗ zeilichen Erlaubnis bedürfen. Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain. St. Kommunales. Nächsten Dienstag, den 26. d. Mts. finden hier die Stadtverordneten⸗ Ergänzungswahlen statt. Von der Aufstellung eigener Kandidaten haben wir, in anbetracht der für uns ungünstigen Verhältnisse, abgesehen, da auch nicht die geringste Aussicht vorhanden ist, einen solchen hier durchzubringen. Die Kandidatenlisten der bürgerlichen Parteien kommen für uns nicht inbetracht, da es uns ganz gleichgültig läßt, welche von diesen Leuten in Zukunft auf dem Rathause sitzen werden.— Eine Sitzung der Stadtverordneten mit einer zwanzig Punkte umfassenden Tagesordnung fand am Donnerstag, den 21. ds. Mts., auf dem Rathause statt. Dieselbe bot aber für uns nichts besonders Interessantes. — Am Elisabethmarkttag, Dienstag, den 19. ds. Mts. entstand schon morgens früh auf dem Marktplatz eine Rauferei zwischen den Budenbesitzern. Diese hatten zuerst keine Dielen zum Errichten der Buden und als endlich ein Wagen mit Brettern ankam, stürzten die Buden⸗ besitzer alle darauf los, rissen sich um die Bretter und warfen einer den andern vom Wagen herunter. Schließlich stellten zwei Schutzleute die Ruhe wieder her. Der Markt war übrigens, wohl infolge des Regenwetters, schlecht besucht. Während sonst immer an diesem Tage die Landleute der Umgend sehr stark vertreten sind. * Wer verdächtigt? Die nationalso⸗ ziale„Hess. Landesztg.“ redet unsern Ausfüh⸗ rungen in der letzten Nummer gegenüber von „Verdächtigung“ der Nationalsozialen. Dazu hat sie kein Recht. Wir haben, weil das Blatt Hunnenthaten in Abrede stellte und die höchst windige Geschichte von der Hunnenbrieffabrik ins Treffen führte, während doch der nat.⸗soz. Führer Pastor Naumann hunnisches Vorgehen als unter Umständen gerechtfertigt erklärte, es für möglich hingestellt, daß die National⸗ sozialen noch einmal Kolonialbestiatitäten in Kulturthaten umfärben. Uns unterschiebt — wir wiederholen das— aber die„Hess. Landesztg.“, wir hätten uns die Chamberlain⸗ schen Behauptungen zu eigen gemacht. Das ist unwahr, wie jeder aus unserer letzten Nummer(Pol. Rundschau) ersehen kann. Also etwas weniger Jesuitismus, Herr Pastor! Ein großes Brandunglück ereignete sich am Dienstag Nacht in Darm⸗ stad et. Die neue erst im vorigen Monat ein⸗ geweihte Turnhalle der Darmstädter Turn⸗ gemeinde wurde total eingeäschert. Leider sind dabei auch Menschenleben zu Grunde gegangen. Zwei Dienstmädchen fanden den Erstickungstod, eine Köchin wollte sich am Seile herablassen, stürzte jedoch aus beträchtlicher Höhe auf das Pflaster und zerschmetterte sich. Ebenso wollte der Kellner Patzer sich durch Herabspringen retten, wartete aber nicht ab, bis die Feuer⸗ wehr das Rettungstuch ausgespannt hatte und verletzte sich schwer. Kleine Mitteilungen. *r Vor Schreck gestorben. Die Mutter des am Sonntag vor 8 Tagen in Büdingen aus dem Fenster gestürzten und in die Gießener Klinik verbrachten Gymnasiasten Mudra begab sich an das Krankenlager ihre; Sohnes. Die Aufregung über dessen Zustand führte ihren Tod herber, sie starb in der Klinik. * Zum Tode verureilt hat das Schwurgericht in Hanau den 22 jährigen Bauernburschen Johann Gläser von Herolz bei Schlüchtern, der den mit seinen Eltern ver— feindeten 71 Jahre alten Bauer Fuchs ermordet hatte. hae, Flüchtiger unparteiischer Zeitungsunternehmer. Der Verleger des Mannheimer„General⸗ Anzeiger“, Juilleriat⸗Chasseur, ein geborener Schweizer, hat heimlich die Flucht ergriffen, weil gegen ihn ein Verfahren wegen Sittlich⸗ keit sverbrechen anhängig sein soll. Dieser Herr spielte in den Mannheimer„besseren Kreisen“ eine bedeutende Rolle. ** Wiedereiner. Wegen Sittlichkeits⸗ verbrechens, begangen an Kindern unter 14 Jahren, verurteilte die Strafkammer zu Ratibor(Schlesien? den 53jährigen Pfarrer Fürstbischöflichen Konsistorialrat Emil 157 aus Koederwitz, zu zwei Jahren Zucht— aus. Arbeiterbewegung. Metallarbeiter ⸗Ausstand in Offenbach. Seit Montag vor 8 Tagen befinden sich die Arbeiter der Alum inium⸗ Fahrradwerken von Gebr. Giese& Co. im Ausstand. Anlaß zur Arbeits⸗Einstellung gab ein am vorhergehenden Samstag seitens der Fabrikleitung erfolgter Anschlag folgenden Inhalts: Von Montag, den 11. Nov. ds. Js., werden alle Stunden-, Akkord⸗, Tage⸗, Wochen⸗, und Monatslöhne, sowie ander⸗ weitige Bezüge unserer Arbeiter, Vorarbeiter und Meister um 25 Prozent ver⸗ mindert. Nach Beendigung der allgemeinen un⸗ günstigen Geschäftslage sollen die Löhne wieder erhöht werden. Gebr. Giese& Co. Als die gemachten Versuche zur Zurück— nahme des Anschlags, wobei von Seiten der Arbeiter auch der Vorschlag einer Arbeits- zeitverkürzung gemacht wurde, scheiterten, legten am Montag sämmtliche beschäftigten Metallarbeiter, darunter auch die Vorarbeiter und Meister, die Arbeit nieder. Den ohnehin mäßigen Lohn, um ein Viertel kürzen! Ein solch unerhörtes Vorgehen muß selbst den ruhigsten und zufriedensten Arbeiter aufregen. Zuzug ist streng fern zu halten! Versammlungskalender. Samstag, den 23. November. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitgliedersammlung im Lokale Orbig. T.⸗O.!: Die letzten Stadtverordnetenwahlen. Sonntag, den 24. November. Oeffentliche Metallarbeiter-Versammlung auf (Siehe Inserat.) Gießen. Lonys Bierkeller. e*———— Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. 15. November: Andreas Rein⸗ hardt, Heizer mit Dorothea Findt dahier. 16. Heinrich Decker, Metzger mit Anna Schlapp dahier. 19. Heinrich Häuser, Schriftsetzer dahier mit Elise Bähr in Kirchhaiu. Karl Frieling, Taglöhner mit Doris Broders dahier. 20. Karl Malkomesius, Trichinenschauer mit Anna Kraus dahier. 21. Johann Kloos, Taglöhner mit Katharine Vorneschlag dahier. Eheschließ ungen. 16. November: Georg Lantelme, Fußgendarm dahier mit Katharine Magold in Elpenrod. Karl Wilke, Schutzmann in Worms mit Christine Guldan dahier. Adolf Schmall, Schlosser mit Minna Nahrgang dahier. 18, Heinrich Simmer, Friseur dahier mit Anna Mühlensiepen in Frankfurt a. M. 20. Karl Borst, Photograph mit Marie Schulze dahier. Geborene. 10. November: Dem Schutzmann Heinrich Schnabel e. T. 15, Dem Schuhmacher Wil⸗ helm Wagenbach e. T. 17. Dem Lackierer Karl Reu⸗ ling e. S. 18. Dem Kutscher Johannes Fölsing e. T. Gestorbene. 15. November: Ferdinand Par⸗ thier, 48 Jahre alt, Korbmacher. 18. Philippine Metzger, geb. Walz, 69 Jahre alt, Ehefrau. 20. Do⸗ rothea Pfeit, 1 Jahr alt. Marie Müller, geb. Weidig, 77 Jahre alt, Witwe. !!! ͤͤ ͤKdddTTTTTGTTTTTTTTTTT— National-sozialer Verein, Giessen. Freitag den 29. November Vortrag des Herrn Dr. Maurenbrecher: Die Lukunkt der deutschen Landwirtschaft. Café Ebel. Abends 9 Ahr. Gäste willkommen. reer — 8 Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Räuber Kneißl vor dem Schwurgericht. Am 13. November begannen die Verhandlungen gegen Mathias Kneißl, den„neuen bayrischen Hiesel“, wie er sich selbst genannt haben soll, vor dem Schwur⸗ gerichte in Augsburg. Der Mensch, der Monate lang Furcht und Schrecken in der weiteren Umgebung Münchens verbreitet hatte, ist klein von Statur, aber untersetzt und muskulös. Zur Verhandlung erschien er fein geputzt im modernen Anzuge. Mit ihm teilt der„Fleckelbauer“ Mathias Rieger aus Irchenbrunn die Anklagebank. Verteidiger Kneißl's ist Rechtsanwalt Dr. von Pannwitz⸗ München, für Rieger Prechl⸗Augsburg. Die Anklage gegen Kneißl lautet auf: 3 Verbrechen des versuchten Totschlags, 2 Verbrechen des Mordes, 1 Verbrechen des schweren Raubes und 1 Verbrechen der räuberischen Er⸗ pressung. Dem Mitangeklagten Mathias Rieger ist zur Last gelegt Hilfeleistung zum Verbrechen des Mordes in zwei Fällen. Bei seiner Vernehmung sagt Kneißl, daß sein Vater von 1885 an die Schachermühle betrieben habe. Im Jahre 1891 seien seine Eltern gefänglich eingezogen worden und sein Vater starb auf dem Transport. Die beiden Buben und drei Schwestern führten zusammen das Hauswesen weiter. Auf Befragen des Präsidenten, ob nicht ein Knecht einen ungünstigen Einfluß auf ihn ausgeübt habe, verneinte er. Darüber, ob seine Tante allem Gesindel Unterschlupf gegeben habe und ob auch von den Thaten seines berüchtigten Oheims Pas colini öfter in der Familie gesprochen wurde, will er nichts wissen. Vom Präsidenten darüber befragt, wie es komme, daß er schon in der Schule so oft bestraft wurde, ent⸗ gegnete er, der Lehrer und Pfarrer hätten ihn nicht leiden können, er habe genau so gelernt, wie die anderen und habe bis zum 16. Jahre keine Strafe erhalten. Geärgert habe es ihn aber und es sei sein Unglück ge⸗ wesen, daß er länger als die andern in die Sonntags⸗ schule gehen mußte. Zwölf Mal ist er vorbestraft, dar⸗ unter einmal mit fünf Jahren Gefängnis. Freitag begannen die Zeugenvernehmungen. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte Kneißl, er werde Niemand von denen verraten, die ihn, als er flüchtig war, beherbergt und beköstigt haben. Die erste Zeugin, Bäuerin Scheuerer⸗Oberbirnbach, schilderte ihre Beraubung durch Kneißl und Holzleitner übereinstimmend mit den von Kneißl zugestandenen Thatsachen und bestätigte, daß Kneißl seinen Genossen Holzleitner von der Beraubung des Hirtenbuben Scheuerers abhielt. Hierauf folgte die Vernehmung des wegen dieses Raubes und anderer Ver⸗ brechen bereits verurteilten 28 jährigen Tapezierers Holz⸗ leitner, der aus dem Zuchthause vorgeführt war. Der⸗ selbe gab an, wie er Kneißl zur Teilnahme an den Einbrüchen überredete. Kneißl habe Anfangs aus Furcht vor Strafe nicht mitmachen wollen. Den Raub in Oberbirnbach schilderte der Zeuge ähnlich wie Kneißl und suchte im übrigen Kneißl möglichst zu entlasten. Die welteren Zeugenaussagen stimmen meist mit denen Kneißls überein. Nur bestreitet er, die von ihm am 23. Januar im Hause des„Fleckelbauern“ Rieger zu Irchenbrunn erschossenen Gensdarmen a bsichtlich getötet zu haben. An diesem Tage hatte Kneißl Unter⸗ kunft bei dem„Fleckelbauern“ gefunden; dieser schickte nach den Gendarmen, um ihnen den Kneißl zu über⸗ liefern, wie er angiebt. Kneißl behauptet jedoch, der Fleckelbauer sei an Allem schuld, der hätte deshalb die Gensdarmen rufen lassen, damit er(Kn.) sie erschießen solle. Dazu hätte er ihn mit den Worten aufgefordert: Hiasl, sei g'scheit, ich hab' zu den Gensdarmen g'schickt, Du bleibst da, schießt sie nieder und dann weiß nie⸗ mand was! Dienstag hielt der Staatsanwalt eine zweistündige Rede, in der er die Thaten Kneißls in scharfen Worten verurteilte. Kneißl sei kein mutiger romantischer Räuber, sondern ein feiger Meuchelmörder. Der Staatsanwalt ging alle einzelnen Verbrechen durch, verwies insbeson⸗ dere auf die Gensdarmen⸗Ermordung in Irchenbrunn und wies auch nach, daß es sich hierbei um einen vor⸗ bereiteten Mord handele. Kneißl sei als der Mörder, Rieger als der Mithelfer beim Morde zu verurteilen. Das Land, für das Kueißl eine wahre Landplage war, müsse dauernd von ihm befreit werden.— Freiherr v. Pannwitz als Verteidiger des Kneißl plädierte für mildere Beurteilung der Persönlichkeit und für Nicht⸗ vorhandensein einer Verabredung mit dem Fleckelbauer und daher für Totschlag(statt Mordes) an dem Gen⸗ darm. Rechtsanwalt Prechtl verlangte für Rieger Freisprechung. Die Geschworenen sprachen Kneißl des Mordes, der Körperverletzung mit nachfolgendem Tod, des Raubes, der räuberischen Erpressung schuldig, verneinten aber die Teilnahme des Fleckelbauer am Morde. Der Flecklbauer wurde darauf freige⸗ sprochen und Kneißl zum Tode und 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.— Nachdem das Urteil verkündet worden war, schrie die der Verhandlung beiwohnende Mutter Kneißl's laut: Justizmörder! Sie wurde verhaftet. . ˙ b Unterhaltungs-Ceil. ————— 2 Die Bammelheerde. Ein Fuchs traf eine Hammelheerde an und schaut ihr lange zu und schüttelt dann nachdenklich seinen Kopf und spricht: „Wahrhaftig, ich begreife nicht, Wie hundert Tiere, statt allein Auf weitem Felde frei zu sein, Nun so auf magerm Stoppelgrund Von einem Schäfer und einem Hund Sich leiten lassen!“„Dummer Fuchs,“ Erwidert ihm ein Bammel flugs, „Das will ich gerne dir erklären: Der Schäfer sorgt für unsern Schmaus, Viel ist es nicht, doch reicht es aus, Wir lassen uns von ihm ernähren Und füllen friedlich unsern Bauch! Und weiterhin: Er schützt uns auch! Sein Knüttel und sein starker Hund Scheucht jeden Wolf in weiter Rund.“ „Und hast du,“ rief der Fuchs,„denn auch erwägt, Warum der Schäfer solche Sorge trägt, Su schützen euch und zu ernähren d Paß auf, das will ich dir erklären! Im Herbste geht es auf die Schur, Kitsch, ratsch, er paßt schon auf, daß nur Nicht irgendwo ein kleines Wöllchen bleibe, Und dann zur Mast, und seid ihr fett und dick, So werdet ihr geschlachtet Stück für Stück: —— Das ist des guten Schäfers große Ciebe!!“ O deutsche Arbeitshammel, sagt einmal, Wie lange schleppt ihr noch das Kapital, — Die schöne Wolle— Tag und Stund Sum klugen Schäfer Staat und seinem Rund, Der Polizei?— Gewiß, er sorgt für euch: Vor seiner Scheere seid ihr Alle gleich, Ein Schaf dem andern!— Und er nährt euch auch Mit hartem Brot für euren Hungerbrauch, Der gute Schäfer!— Schützt euch auch genung Durch Alters⸗ und Krankenversicherung! Und drum mit Recht, o deutscher Arbeitshammel, Verlangt er euer Dankgestammel. Aus der Art geschlagen. Humoreske von Max Wundtke. Schluß.) Was in aller Welt hatte den Umschwung in der Stimmung des Polizeioberhaupts zu Wege gebracht? Am Rande der Bildfläche der lebenden Photo⸗ graphien, die noch ein Stück des Ufers auf die Platte genommen hatten, spielte sich nämlich leibhaftig die ganze Abschiedsszene zwischen Fritz und Lischen mit ihren endlosen Küssen und Thränen und innigen Umarmungen und allen sonstigen rührenden und dramatischen Zuthaten ab, und dabei war Lischen sowohl wie Fritz mit einer Deutlichkeit zu erkennen, die in ganz Schlauwitz Sensation machen mußte. Das durfte nicht geduldet werden; die Ehre der achtundvierzig Ahnen war in Gefahr. „So muß ich richterliche Entscheidung an⸗ rufen,“ erklärte Schönchen. Papa von Freilichhausen schwitzte vor Angst. Was? Dann sollte diese verwünschte Bilder⸗ serie wohl gar noch vor Gericht vorgeführt werden? Die Schöffen waren ihm so wie so schon nicht besonders grün. Und dann kam die ganze Geschichte am Ende noch in die Zeitung. Das würde ja einen schönen Hallo geben! Das mußte um jeden Preis vermieden werden. „Ich begreife nicht, was Sie gegen das Bild haben,“ remonstrierte Herr Schönchen weiter.„Die Bilder sind doch ganz vorzüglich; sie sind ein Triumph meiner Kunst.“ „Mag sein; aber ste sind geeignet, öffentliches Aergernis zu erregen.“ „Aber ich bitt' Sie! Der kleinen Liebesszene wegen? Die ist so dezent und so hübsch zugleich ... Das kann ich getrost der richterlichen Ent⸗ scheidung überlassen.“ „Reden Sie nicht so viel, Herr! Sie werden die polizeiliche Senehmigung niemals bekommen! Niemals, hören Sie? So, und nun packen Sie[, Ihre Sachen und beglücken Sie Andere.“— Der Gestrenge unterbrach sich erschrocken n 10 Welche Perspektive that sich vor ihm auf Wenn hals, der Mensch gar auch in der Umgegend wohin In i seine Gewalt nicht reichte... schrecklich, schreck. el lich! Es war nicht auszudenken! 1 115 „Stellen Sie nür diese Serie in mein Zinne l. Ich will sie mir noch mal in Ruhe ansehen zn de 3 Ihnen Nachmittags endgiltigen Vescheld( de geben.“, Nu „Sehr wohl, Herr von Freilichhausen!“ 759 da Es geschah, und Herr Schönchen empfahl ben ˖ sich mit einem schmun zelnden Lächeln. E tom Kaum war er fort, als der Herr Polizei 1 Hau inspektor Frau und Tochter in sein Bürean 65 Rötl zitiren ließ. Beide kamen, hörten, sahen und n zu staunten. Dann großer Kriegsrat. um al Die Hände auf dem Rücken, rannte der Ge. U gehör waltige in höchster Erregung die Stube auf 8 ur und ab und schalt auf das Weiberpack, das zu n, nichts nütze sei, als die geheiligten Traditionen aeg von achtundvierzig Ahnen durch einen leicht 10 nan sinnigen Streich zu ruiniren.* „Aber ich kann doch wirklich nicht dafür 2 Papa! Du hast mir doch erlaubt, von Fritz Nie die Abschied zu nehmen. Wer hat denn das wissen können?“ schluchzte Lischen. 5 Dieses Schluchzen war aber ein ganz merk⸗ 00 würdiges. Zwar die Stimme klang entsprechend ach und das Taschentuch preßte sich Mampfhaft auf A ein die Augen, und doch... etwas schien an diesem debeo Schluchzen nicht ganz zu stimmen. dier ih „Hör' auf zu flennen! Jetzt ist das Malheur d da, nun ist's zu spät,“ schalt der erboste Papg; I Log dann nahm er seine Wanderungen und sein dane. Nachdenken wieder auf; aber das Eine war so n dt ergebnislos wie das Andere. Unger „Verbieten kann ich's ihm nicht; und wenn nat ich's ihm verbiete, wird der Skandal noch h lein größer... zum Kukuck, es muß doch etwas un ha gethan werden!“ Haar „Vielleicht kann Fritz helfen..“? klang hal es schüchtern, wie der erste Piepversuch eines a e Spatzenfräuleins hinter dem Taschentuch hervor, digen Der Papa wandte sich jäh um.„Fritz! chen Wie käme der dazu?“ Ae 2 „Er ist doch ein Schulkamerad von Herrn def Schönchen. Die Beiden haben immer zusammen⸗ ung gesteckt und gemeinschaftlich die andern Jungen il ft verhaun, wenn die mich nicht in Ruhe ließen. e feier Fritz hat zuletzt noch manchmal davon gesprochen, duct daß er mit Herrn Schönchen in freundschaftlichen aal Briefwechsel stünde. Wenn sie auch vier Jahre kunnen lang einander nicht mehr gesehen haben, würde 0 di er Fritzen zu Liebe doch wohl. ah ih Der Hochwohlgeborene ließ ein grimmiges Jadlic Knurren hören; dann fing er wieder an zu Shpieri wandern.„Aber wie?“ spann er den Jaden dann weiter. able „Ja, ich kann doch nicht, Papa. Das mußt en, Du doch einsehen.“ Eggen un Er sah's ein. Aber er konnte doch auch dun nicht. n Das sah sie wieder ein. Ae! Ottomar Botho Freiherr von Freilichhausen, e! Polizeichef von Schlauwitz, nahm seine Wander⸗ i ge ungen wieder auf. 1 Dann stand er still.„Hm!“ „Na ja, was soll's denn weiter werden,, 1 ergriff jezt die Mama bedeutungsvoll das Wort. date „Du meinst?“ e ch Sie schienen sich Beide verstanden zu haben, Lulk „Na, worauf wartest Du denn eigentlich! Ft Etwa, bis so'n windiger Aristokrat kommt? Sach Denn ein echter nimmt das Mädel ja doch nicht. ache, Das ist alles Quatsch, Otto. Mir ist so ein tüchtiger, braver Mensch wie der Fritz, der auch was in die Suppe zu brocken hat, zehnmal lieber als alle Vons' der Welt.“ n Mit bestürzten Blicken schaute der Freiherr dan auf seine so ganz unfreiherrliche Gattin, al? ihn befürchtete er, in der nächsten Sekunde sämt⸗ h, liche achtundvierzig Ahnen racheschnaubend üher die Respektlose herfallen zu sehen. Da das nicht geschah, hielt er es für das Klügste, nicht weiter zu opponieren.„Gut,“ erklärte er 9 schließlich knurrend;„da muß man ja doch wohl An 8 heute noch an diesen Mosje schreiben, daß er 1 sich hier einfindet“ 5 „Papa! Lieber, guter Papa! Du willst...“ n ein Bing sahen u nicht du ö bon 00 n das l ganz e entsprechn upfhafte ien an dihh das Mulhe rboste ah N und Eine war J und wn kandal it doch eilt . le bersuch ent tuch hel . I ) bon Hel 1 uam dern duch Ruhe Lehe gehe 5 ber gaben, Ui 11 n g ieder. den dl dan ite 00 1 lh ene Lt be. tiemals zurückgewiesen. asche jekommen, daß die sozialistische Jugend von Nr. 47. Milteldeutsche Sountags⸗Zeitung. — Seite 7. bischen war ihm mit einem hellen Juchzer an den Hals geflogen. „Na ja, was bleibt Einem denn da noch übrig? Soll man sich etwa von diesen hämischen Pfahlbürgern, die so wie so auf den hohen Adel licht gut zu sprechen sind, beklatschen lassen? Wenn Dein Fritz dieser verwünschten Sammt⸗ cke die Bilder abjagt— gut. Soll's drum ein! Nur kein Skandal!“ „O, das ist eine Kleinigkeit für Fritz!“ lachte bischen.„So gute Freunde, wie die sind...“ Ottomar Botho Freiherr von Freilichhausen ihne Haus sah sein Töchterchen an, als ginge ihm plötzlich ein Licht auf. Jetzt endlich fing Han zu begreifen.„So, so,“ knurrte er, darum also war das Mädel damals so gefügig und gehorsam? Eine abgekartete Sache also? Das war mir doch gleich nicht richtig vorge— sommen. Na... Mutter will's ja auch. meinetwegen! Aber ein Syrupverkäufer! Wie unn man nur so aus der Art schlagen!“ Wie die belgischen Genossenschaften für die Kinder sorgen. „Vooruit“(Vorwärts), die große Ge⸗ gossenschaft der Genter Sozialisten verfügt auch iber eine Organisation von Schulkindern. Die Genossenschaft hat sich das Ziel gesetzt, die inder ihrer Mitglieder zur wahren Menschlich⸗ leit und Brüderlichkeit, unter Beiseitelassung illen Dogmenkrams zu erziehen. Die Kinder ommen wöchentlich dreimal zusammen, um unter Aufsicht und Anleitung von Lehrern lebungen vorzunehmen im Singen, Rezitation, Gymnastik usw.; ferner werden Spiele und juch kleine Theaterstücke aufgeführt. Die Direk⸗ bren haben den Auftrag, Alles, was an Militarismus, Krieg und rohe Gewalt erinnert, fernzuhalten. Die kleinen Theaterstücke haben mmer eine die Arbeit ehrende Tendenz und hredigen die Verachtung des Müßigganges, kurz se gehen in der Richtung sozialistischer Denk⸗ beise. Der Sonntag ist Ausflügen vorbehalten. die Kinder ziehen in ihrer einfachen aber koketten fleidung durch Wald und Feld; ihre Nahrungs⸗ nittel führen sie bei sich, und verzehren sie in her freien Natur. In den Dörfern verteilen se Flugblätter und Broschüren, und diese werden Nicht selten ist es vor⸗ gent die den Sozialisten feindlichen Dörfer lurch ihre Spiele und Aufführangen diesen reundlicher gestimmt haben, so daß, wo früher echwierigkeiten bezüglich der Abhaltung von bersammlungen gemacht wurden, diese dann mterblieben. Die Kinder machen auch größere lleisen; häufig sind sie schon bis zu vierzehn Lagen unterwegs gewesen. Sogar außer Landes varen sie schon mit ihren Lehrern, so z. B. u Lille und vor Kurzem auch in Paris; die lachste Reise soll nach Deutschland gehen. Diese feisen werden teils zu Fuß, teils per Eisen⸗ hahn gemacht; sie werden benützt, um große dustrielle Betriebe, Bergwerke usw. in Augen⸗ ein zu nehmen. Die Kosten werden durch leine Beiträge von 5 oder 10 Centimes pro Woche aufgebracht; die Kosten der Reise sind lber sehr geringe, weil die Sozialisten anderer Städte sich darum reißen, die Genter Genossen⸗ gaftskinder, die sich durch ein sehr passendes benehmen und durch brüderliche Manieren aus⸗ seichnen, zu bewirten. Pfarrer und Störche. Manche Nachfolger dessen, der nicht wußte, vohin er sein Haupt legen sollte, der dem tichen Jüngling befahl, seine Habe den Armen i geben, der da sagte, eher werde ein Kameel hrrch ein Nadelöhr gehen als ein Reicher in n Himmel kommen,— die priesterlichen Nach⸗ ger des Nazareners haben inzwischen gelernt, de Dinge dieser Welt sehr wohl nach ihrem Verte einzuschätzen. Es giebt kaum eine Lek⸗ lire, die so amüͤsant ist, als die der Eingaben ud Petitionen um Gehaltserhöhungen, mit bien die geschorenen wie die gescheitelten Pfaffen hanchmal den Volksvertretungen in den Ohren ligen. Aber den Vogel schießt doch wohl der Artikel eines Interessenten ab, der im„Fränk. Kur.“ die geplante Gehaltsaufbesserung der bayerischen protestantischen Geistlichkeit behan⸗ delte. Die Regierung will den Gottesstreitern eine Alterszulage von 180 Mark geben; und was sagt darauf der geistliche Artikelschreiber? „Fünfzig Pfennig pro Tag mehr!... Nein, wir können uns nicht mehr still verhalten. Es muß einmal gesagt werden:„Wir sind keine Hausknechte!“„Was fangen“, so fragt er weiter,„Staat und Gemeinwesen mit einer Geistlichkeit an, die zum Teil verbittert, zum Teil derartig mit Sorgen gequält wird, daß von einer fruchtbaren Wirksamkeit gar keine Rede sein kann?“ Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl und soll bedeuten, daß der Artikel⸗ schreiber fürchtet, der Eifer seiner Amtsbrüder in der Verteidigung und Anpreisung der„gött⸗ lichen Weltordnung“ könne bei nur 50 Pfennig Aufbesserung pro Tag leiden; ein Staat, der sich so„schundig“ benimmt, rechtfertigt aller⸗ dings die Zweifel an seiner Existenzberechtigung. Indessen, damit sind die Gründe des beredten Fürspruchs höherer Löhne für das Pfarrgewerbe noch lange nicht erschöpft. Notwendig sei die Lohnsteigerung besonders auch wegen der„fort⸗ schreitenden Armut“ des Volks! Die absolute Verelendungstheorie! Der Gedanke kommt aller⸗ dings ihrem Neuschöpfer nicht, daß bei fort⸗ schreitender Verarmung des Volkes das Pfarr⸗ gewerbe doch um so weniger Ursache habe, für sich selbst eine höhere Entlohnung zu fordern. Die Priester sollen doch Muster der Enthaltsamkeit und Bescheidenheit sein, sollen am allerwenigsten ihr Herz an irdische Dinge hängen! i Das Beste zuletzt. Durchschlagend ist das letzte Argument des streitbaren Pfarrherrn. Er sagt und bekennt:„Nirgends pflegen sich die Störche so häufig niederzu⸗ lassen als auf den Pfarrhäusern!“ Erschüttert von dieser Klage werden Regierung und Volksvertretung von Bayern gewiß den „Notleidenden“ in den bei den Störchen so beliebten Pfarrhäusern eine höhere Zulage als die ominösen, hausknechtsmäßigen 50 Pf. pro Tag geben. Dann wird gewiß auch der Mut wieder seine Spannkraft in dem Busen der teueren Gottesstreiter üben, und mit neuem Eifer werden sie zum Schutze der„gottgewollten Weltordnung“ donnernde Predigten halten können gegen die Kinder dieser Welt, gegen das unbußfertige Geschlecht der bösen Sozial⸗ demokraten und gegen— die Begehrlichkeit der Arbeiter! Eine Höflingskritik. Der Günstling Friedrich Wilhelm I. von Preußen, General Grumbkow, war ein Fein⸗ schmecker und lebte auf großem Fuße, nament⸗ lich konnte er viel Wein vertragen. Während der König und der ganze übrige Hof die größte Sparsamkeit befolgten, unterhielt Grumbkow allein und mit Bewilligung des Königs einen glänzenden Hausstand. Der König speiste selbst oft und gern bei ihm und pflegte ausdrücklich zu sagen:„Wer besser essen will, als bei mir, der muß zu Grumbkow gehen.“ Ohne kleine Exzesse gingen diese Tafelfreuden nicht ab; unterm 4. November 1732 schrieb der splendide Wirt einmal im Vertrauen an seinen ganz guten Freund, den österreichischen Gesandten Graf Seckendorf:„Seine Majestät fraß gestern Mittag bei mir wie ein Wolf, ebenso Abends besoff sich dann und ging endlich um Mitternacht heim.“ Gemeinnütziges. Die Winterfütterung der Ziegen. Das zuträgliche Winterfutter für Ziegen ist gesundes, gut trockenes Heu, welches lang und auch kurz geschnitten gegeben werden kann. Das lange Futter muß in Raufen, unter denen Krippen angebracht sind, gegeben werden, damit die Tiere nicht zu viel verderben. Der Ver⸗ brauch an Heu wird am sparsamsten, wenn man es schneidet und mit Rüben, Kartoffeln und Spreu mischt. Das kurzgeschnittene Futter wird besser verdaut, auch wird nicht so viel in den Mist getreten als bei Rauhfütterung. Den Tauben muß viel Gelegenheit zum Baden durch Aufstellen flacher Gefäße mit Wasser auf dem Hofe gegeben werden, wenn nicht flaches, fließendes Wasser in der Nähe ist. Während der Winterszeit müssen sie auch im Schlage täglich frisches Wasser zum Trinken erhalten. Zur Vernichtung der Mäuse werden die Oleanderblätter empfohlen. Die getrockneten Oleanderblätter werden gestoßen und mit Sand vermischt in die Schlupflöcher der Mäuse gebracht. Die Mäuse können den Geruch nicht vertragen und verlassen ihre Schlupfwinkel. Frische Obstflecken lassen sich, wie der „Prakt. Wegweiser“, Würzburg, anrät, aus Weißzeug durch gründliches Waschen mit Wasser oder Milch und nachheriges Bleichen entfernen. Aeltere Flecken weichen bei Anwen⸗ dung von Zitronensäure. Dieselbe ist aber bei farbigen Waschstoffen zu vermeiden und an Stelle dieser die süße oder saure Milch zu ge⸗ brauchen. Auch das Schwefeln der befleckten Stellen, indem man den befeuchteten Stoff über Schwefeldampf hält, beseitigt die Obstflecken. D Humoristisches. Die guten Chinesen. Groß industrieller: Was soll das einfältige Schimpfen über die Chinesen? Die sind viel anständiger wie unsere Leute; der Chinese„arbeitet für 20 Pfennig den Tag.“ (Simpl.) Boshaft. Wucherer:„Ich besaß in meinem ganzen Leben noch nie einen Pelz.“ Arbeiter: „Sonderbar, wo Sie doch schon so vielen das Fell über die Ohren gezogen haben?“ (Megg. hum. Bl.) Schulhumor. Gymnasialprofessor: Schreiben Sie doch nicht Alles mit, was ich sage, es hat ja doch keinen Sinn. Aitterarisches. Das Sozialdemokratische Reichstags⸗ Handbuch von Max Schippel, das die Buchhand⸗ lung Vorwärts in Berlin in Wochenheften zu 20 Pfg. herausgiebt, liegt jetzt bereits in 6 Heften vor und ge⸗ stattet ein Urteil darüber, ob das, was das Prospekt verhieß: ein Nachschlagebuch für alle Zeit- und Streitfragen der Reichs politik, sich auch er⸗ füllen werde. Und wir glauben sagen zu dürfen, daß das Buch thatsächlich ein unentbehrliches Lehrbuch für die politische und gewerkschaftliche Agitation und Auf⸗ klärung werden wird. Das Buch behandelt die Materie in alphabetischer Reihenfolge: Beginnend mit der Frage der Abgeordneten⸗Immunität, erörtert es in den vor⸗ liegenden Heften die Agrarbewegung, Amerika's handelspolitische Beziehungen zu Deutschland, Apotheken⸗ frage— die Schädlichkeit des Apothekenmonopols, dann das weite Gebiet der Arbeiterschutz- und Arbeiter⸗ trutz⸗Gesetzgebung, Auswanderungswesen, Bäckereiver⸗ ordnung, Bau- und Bergarbeiterschutz, Begna⸗ digungswesen, Berufsvereine usw.— Wir empfehlen unsern Lesern dringend dieses Lehrbuch der politischen und gewerkschaftlichen Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse. * — Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 19. November: Butter per Pfd. Mk. 1,10— 1,20, Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 0—0 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 3,00—3,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,00— 5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,70 bis 1,20, Hühner per St. Mk. 1,00— 1,20, Hahnen per St. Mk. 0,70— 1,20, Enten per St. Mk. 1,20 bis 2,50, Gänse per Pfd. 54— 64 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 64 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 6066 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg. eee Auf Genossen werbt Abonnenten für die „Mitteldeutsehe Sonntagszeitung“ . ¾ AA N Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 47. Hetallarheiter-Versaumung J. H. Fuhr, lessen Sonntag, 24. November, nachmittags 3 Uhr im Saale„Lony's Bierkeller“, Sonnenstrasse 25 empfiehlt sein auf's Reichhaltigste ausgestattete Schanzenstrasse. Tages⸗Ordnung: Nutzen der Gewerkschuftz-Organisation wührend der Arise. Referent: E. Martersteig aus Offenbach. Jelfenssiche aue 5 8— E blosse Wespnachts-Ausstelun Puppen- und Kinder-Sportwagen. Alle Arbeiter sind freundlichst dazu eingeladen. 5 1 1— Der Eiuberuser. Kinder- pie Iwyaren 1 01 U 1 1 für Knaben und Mädchen. 1 ianige a brösste Neuheit in beweglichem e 1 bn Christbhaumschmuck,— unzerbrechlich, unverbrennbar, grossartiger Effekt. 0 Ordentl. Gen eralbersummlung W Tuppen-Ileilanstalt. I 25 und, 1 g W g Hubert Flrich'she Nräuter-Wein. Hch. Gengnagel in Giessen, Marburg I,, Ciessen Neue Bäue. . 0 10 Mittwoch den 27. Nov. 1901, abends 8 ¼ Auahr, ee 6.6.0. M6650 c. 6.6. u. be— 5 5 9 5 nt! im Lon y'schen Bierkeller Fer* f Tagesordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes und der Ersatz— 5 5 10 0 männer. Preis ge krönter i 75 5 7 0 g 9 i der 2. Wahl der Rechnungsprüfungskommission.„„ 18 77 bn 2. Antrag der Ortskrankenkasse Darmstadt—1050 22. i 1 bell betr. Petition gegen die Getreidezölle. 1 7 9 de Zu zahlreichem Besuch ladet ein 3 16 A enleidende! h Der Vorstaud: G. Dahmer, 1. Vorsitzender.“ 4 455 lane W ärztlich empfohlen. Magens, drch Genuß mangelhafter schwer verbaultcheg A / Fl. M. 1.80— 2.40 zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige chungen 1 1— 3.00 4.00 Lebens weise ein Magenleiden, wie: age fl —— Literflasche M. 1.80—2.— 5 Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ Llanne Sch 1 I fa 0 il* u. ½¼ Fl. verhältnismäßig. 5 schmerzen, eee oder Ver⸗ Wldbet r r 1504 0 2 5 imung 1 3 Alleinige Niederlage 1 anugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen i f N 1 65 N 5 Consum- Halle in 88850 erhhro vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren ie, n 1 D Budde&(Co N Heuchelheim erßrobt sind. Es ist dies das bekannte Th. 9„* 7 7* 8 9 2 2— 45 T Verdauungs- und Blutreiuigungsmittel, der 0 Seltersweg 9 Neustadt 11 M. Möser, Giessen, Seltersweg] Dieser Kräuter-Wein ist aus vorzüglichen, heilßräftig e A ed empfehlen für Geschenke: 5 Ae r r 95 fal en en mit gutem n bereitet, und Dahn 1 79 0 Seibert les är und belebt den ganzen Verdaunngsorganismus 0 NMegen schine ii Dumen A. C. Müller, Langgöns] bes, Alenschen, ohne ein Tehsührungsmiktel zn sein; d % Herren, Wilh. Brück, Wissmar. I Kränterwein beseiligt ane Hlörungen in den dalut⸗ che gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, late Akraukmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neu- Uneor! bildung gesunden Blutes. nigen Arbeitssehirme, Sehulsehirme. Nnaben- und Mädchen-Schirme. Puppenschirme. 28 Durch rechtzeittgen Gebrauch des räuter-Weines werden 1 Spazierstöcke schr billig. Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also Ahe die nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ uad den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuztehen. Alle Symp⸗ Aaheif tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- ant r ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft age. 0 Circa 1000 Lodenjoppen Von Mk. 3,60 bis Mk. 9,75. 10 Markus Bauer, Giessen nach einigen Mal Trinken beseitigt. chen und deren unangenehme Folgen 1 Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmer- Intern Nen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowte Blutanstauungen a f in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrholdalleiden) ser werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt, ache p Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaullichkelt, verleiht 1 b dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch 0 ire einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen It fl 5 und Gedärmen. ö 10 l Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, g f Herren- u. Knaben-Anz Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass Kirchenplatz II gegenũb. d, Stadtkirch 919755 5 5 3 ind meist die Folge schlechter Verd„ Oel N Entkräftung dg ten e ene 1 haften Zustandes der Leber, Bei gänzlicher Appetitlosigkeit e. unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, et dee 25 sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, 65 5 8 47 75 5 gesch 1 8 75 8 0 aachen I e giteb er ge 00 zebe rischen Impuls. ö Von Mk. 1275 bis Mk. 30,.— 585 drs ge ee sager dab e e ee hn, 7 1 5** 57 D rnähru re 0 0 0„ eun Außerdem empfehle ein hervorragend und verbefserk die Hluthlidung, belangt bie erregten Nerven inn großes Lager und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. 0 hu. 7 ahrreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. eg errenan 1 e G Kräuter ⸗Wein ist zu haben in Flaschen ca 2 a 5 a Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Te 9 57 Se Linden, Wetzlar, Fronhausen, Braunfels, Butz⸗ hae Pelerinen Müntel, bach. Pramoheindorf, Seinen 3 fe NN N Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen a 8 wie sie von der 7„ 7 7 7 W 1 ck Gänseledern Ga Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. en 0 50 p. Pfund, aussoxt. nur kl. Fed. u. 0 in den 2 eken. ve S U. 4 w. Daunen 2.00, etwas kl. u. dauniger 2.25 0 Auch versendet b n Ullrich, Leipzi ie 0 (zwisch. dies. 3 Sort. ist hin u. wied. eine V Weststrasse 82, 3 u. u. mehr Flaschen Kräuterwein zu Ork⸗ Jan g graue Fed. vorhanden). Halbdaunen,. ginalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto- u, kistefret. ganz kl. weiße, volldaunige Federchen! 2.65, zarter u. dauniger 3.00, höchprima, Vor Nachahmungnun wird gewarnt. 115 fast Daune, 3.50 Gerissene Fed., grau, Man verlange ausdrücklich 8 0 ll, 1.15, halbweiß 2.50, weiß 2.25, 3.00, 8.0, e abert Ullrich'sehen Hräuter-Wein. U 5 cbneew. 4.90, schneew, fehr daunig 4.80. bien Kräuter⸗Wein sst fein Gcheimmittef; feine Bestandtetle 2 penn e. 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