4 20 g asse besohlt gut Wolteu Seeker 2 20 N hannes — ts — Ssoblt viillig, —— Gießen, Sonntag, den 24. März 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Abounemeutspreis: Bestellungen 9 Jnserate Die Mitteldeutsche SonntagsZeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum bostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und[4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 331½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Stumm Nr. II. Nach dem Eisenkönig der Glaskönig! Kaum hat der unumschränkte Herrscher von Saarabien, der Allgewaltige von Neunkirchen, für immer die Augen geschlossen, so ist ihm auch schon ein würdiger Nachfolger erstanden, der sich bemüht, in seine Fußtapfen zu treten, den Spuren des Reichs⸗Oberscharfmachers getreulich zu folgen, die bekanntermaßen zur Aufrichtung einer Will⸗ kürherrschaft des Unternehmertums über die Arbeiter führen. Mit Stumm starb das Scharfmachertum nicht aus. Gleich ihm lechzen viele andere profitgierige Industriekönige nach Zuchthausgesetz, nach Knebelung und Rechtlos⸗ machung der Arbeiter. Das beweist ein ver⸗ trauliches Schriftstück, welches der milli⸗ onenreiche Glasfabrikant F. C. Th. Heye in Nienburg an der Weser an seine Kollegen und jedenfalls auch an die Regierungen ver⸗ schickt hat. Es ist ein„Bericht“ über den Streik der Glasmacher in den Werken des Genannten in Nienburg a. d. W. und Schauen⸗ stein. Dort befinden sich schon seit vielen Wochen die Glasmacher im opfermütigen Kampfe für ihre Organisation und ihr gutes Recht. Das vertrauliche Schreiben wurde gleichzeitig im„Hamburger Echo“ und in der„Fränkischen Tagespost“ veröffentlicht. Wes' Geistes Kind dieser Herr Heye ist und welche Wünsche er hegt, geht aus folgenden Stellen seines„Be⸗ richtes“ hervor: „Die Vorgänge bis zum Ausbruch des hiesigen Streikes haben sich in ganz ähnlicher Weise wie im Sommer 1900 vollzogen, als es zum Streik auf meiner Fabrik Schauen⸗ stein kam. Aufgehetzt durch den Gastwirt Henkel in Nienburg als sog. Vertrauensmann und durch den Zigarrenmacher Wilhelm aus Hannover als geschäftsmäßigen Agi⸗ tator fanatisiert, wurde es bei den hiesigen Glasmachern zur fixen Idee, daß sie Herren auf der Fabrik werden müßten... Zum Beispiel der Wunsch des Arbeiterausschusses, nur in solchen Fällen von Entlassungen, welche die Arbeiter besonders interessteren, gehört zu werden und auch dann nicht mal Einspruch erheben zu wollen, sieht so harmlos aus, daß vielleicht ein Unbeteiligter die Not⸗ wendigkeit der Zurückweisung dieser Forde⸗ rung nicht sofort einsehen kann. Dieser sog. Wunsch birgt aber außer einer direkten Unter⸗ grabung der notwendigen Autorität der Vorgesetzten die leicht ersichtliche ständige Gefahr von Differenzen zwischen den Ar⸗ beitern und der Betriebsleitung in sich, wenn die Letztere trotz Anhörung des Ausschusses die Entlassung eines Glasmachers nicht zu⸗ rücknehmen kann. An einer Unterbreitung seiner Ansichten über eine Entlassung bei der Direktion liegt dem Arbeiterausschuß im Grunde genommen gar nichts, er muß Er⸗ folge haben mit seinen Unterbreitungen, sonst steht er in den Augen seiner Auftraggeber doch nur auf Seiten der Fabrik und gilt als Verräter. Darin liegt eben die große Gefahr aller ähnlichen Zugeständnisse, es soll und muß etwas erreicht werden, das die großen Massen befriedigt und zugleich kitzelt.“ 1 Nachdem so vor den Arbeiterausschüssen graulich gemacht ist, wird die Regierung fol⸗ gendermaßen in Angst gejagt: „Aber die Regierung muß sich sagen, daß die private Industrie den Kampf gegen die Herrschaft der Sozialdemokratie nicht allein für sich, sondern auch für die Regierung führt. Ist die Industrie unter die Botmäßigkeit der Sozialdemokraten gebracht, dann werden die Betriebe der Re⸗ gierung sich einer Selbständigkeit auch nicht mehr lange zu erfreuen haben; die staat⸗ lichen Uͤènternehmungen, wie der Ei⸗ senbahn⸗ und Postbetrieb, werden von den sozialdemokratischen Führern unbedingt abhängig() werden, wenn erst mal die jetzige Vorkämpferin, die Industrie, gefallen ist.“ Natürlich greifen die Arbeiter aus lauter Frivolität zum Streik, der doch für sie und ihre Angehörigen die schlimmsten Entbehrungen im Gefolge hat! Und zu welchem Zweck der „gute“ Kapitalist Wohnungen für die„undank⸗ baren“ Arbeiter errichtet, plaudert er naiver Weise aus: „Arbeiter werden durch Streik und Sauferei zu Nichtsthun erzogen und nur, um den sozialdemokratischen Führern das gute Leben durch die Groschen der Arbeiter möglich zu machen. Ich habe hier die besten Ar beiter wohnungen gebaut und eingerichtet, glaubte dadurch Einfluß auf die Bewohner zu ge⸗ winnen, gute luftige Schule ist von mir hier ebenso wie in Schauenstein und Anna⸗ hütte gebaut und eingerichtet, Badehäuser zur unentgeltlichen Benützung wurden von mir geschaffen, Pflegerinnen für Kranke an⸗ gestellt und von mir bezahlt, eine Sterbe— kasse mit großem Kapital dotiert, um bei Todesfall der Frau oder des Mannes der Familie mit Geldunterstützung von 50 Mk. zu helfen. Jedem Arbeiter ist eine anständige und gerechte Behandlung zu Teil geworden und das Ende einer 28 jährigen Thätigkeit hier ist der Streik und der Untergang des schönen Werkes, weil die Arbeiter eine un⸗ endlich weitgehende Freiheit fordern. Die Ruin für dieselben sind die an jedem Sonntag stattfindenden Versammlungen, in welchen dieselben, durch Bier und Schnaps erhitzt, mit sozialdemokratischen Reden von gewerbsmäßigen Hetzern in ihrer ganzen Denkungsart vergiftet werden. Für diese Menschen sind und werden alle Wohl- thätigkeits⸗Institute, als Unfall⸗Berufsge⸗ nossenschaft, Invaliden-⸗Versicherung, erdacht und eingeführt und der Dank für die großen Leistungen besteht im frivolstem Streik.“ Darum das Zuchthaus gesetz her, da⸗ mit der vielfache Millionär bei dem Ausbeu⸗ tungsgeschäft durch nichts gestört wird, damit die Arbeiter willenlos der kapitalistischen Will⸗ kür preisgegeben sind! Und so stöhnt der kgl. Preußische Geheime Kommerzienrat am Ende seines Klageliedes: Ein Unglück ist es; daß das Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen von der Regierung nicht durch gedrückt worden ist, dann könnten solche Flausen, wie diese nicht vorgeschützt werden. Wenn nicht mehr gegen das Vorgehen der soztaldemokratischen Hetzer gethan wird, dann geht die Deutsche Industrie ihrem Untergang entgegen, denn wo Arbeiter die Verwaltung der Werke beherrschen, kann keine Industrie prosperieren.“ Welch ein Gemütsmensch, dieser 70 fache Millionär! Wie eindringlich weiß er der Re⸗ gierung die furchtbare Not der Großindustriellen vorzuführen. Und wie beweglich weiß er von den hohen Löhnen, die er angeblich zahlt, den Wohnungen, die er gebaut hat, zu erzählen! Und welche Scheusale sind diese in einem der ungesündesten Berufe aus gemergelten Glasarbeiter! Von den Agitatoren, die sich von den Arbeitergroschen mästen, mit Schnaps und Hetzreden verführt,— wollen sie—— ja was wollen sie denn?— wollen sie sich das ihnen gesetzlich garantierte Koalitionsrecht nicht rauben lassen! Seit 10 Jahren kämpfen die armen Glas⸗ arbeiter um ihre Organisation. Seit 10 Jahren wehren sie sich gegen die brutalsten Maßrege⸗ lungen, gegen das erbärmlich feige System der schwarzen Listen, durch das Herr Heye und seine Kollegen erreichen wollen, daß kein Glasarbeiter in Deutschland je wieder Arbeit bekommt, also mitsamt Frau und Kindern dem Hungertode über⸗ liefert wird, der es wagt, die Anordnungen des Nienburger Scharfmachers nicht für den Inbegriff aller Gerechtigkeit und Weisheit an⸗ zusehen. Notgedrungen mußten die Glasarbeiter zum Streik greifen, wenn ihre Organisation nicht dem Untergang geweiht sein sollte. Wie bescheiden waren ihre Forderungen: 1) Wiedereinstellung der gemaßregelten Kollegen. 2) Beilegung des Streiks in Schauen⸗ stein unter Gewährung der Nienburger Ver⸗ hältunisse. 3) Anerkennung der Organisation. 4) 60 Mk. Miethsentschädigung jährlich an die Glaspfleger. Und wie brutal war die Antwort! Dem Arbeiterausschuß, der sich auf das Ernstlichste num eine friedliche Lösung bemühte, wurden folgende Forderungen unterbreitet: Ein jeder Glasarbeiter hat zu unterschreiben, 1) innerhalb eines Jahres an keinem Streik theilzunehmen; 2) sich dafür zu verpflichten, daß auf der Glasfabrik Himly, Holscher u. Co., Nienburg, nicht gestreikt wird; 3) keine Unter⸗ stützung an Streikende zu zahlen. Falls die Arbeiter diese Bedingungen nicht annehmen, würden bei Himly, Holscher u. Co., Nien⸗ burg, und der Glasfabrik in Gerresheim Maßregel ungenstattfinden, dieande⸗ ren Glasfabriken würden Lohnre⸗ reduktionen von 10 bis 13 Prozent vornehmen. Und weil die Arbeiter diese ungeheuerlichen Zumuthungen ablehnten, schreit der Sechs⸗ Dutzend⸗Millionär an der Weser und Elbe nach dem Zuchthausgesetz!! a Sache der deutschen Arbeiterschaft ist es jetzt, den Glasarbeiter treu zur Seite zu stehen. Aus den Wohnungen, die der Herr Kom- merzienrat für seine Arbeiter gebaut hat, weil er„glaubte, dadurch Einfluß auf die Bewohner zu gewinnen,“ das heißt: sie an die Scholle zu fesseln, werden jetzt die Arbeiter vertrieben, mit Frau und Kind auf die Straße gesetzt! Und in der Seite 2. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 12. Dresdener Glasfabrik ist durch Anschlag be— kundet, daß alle diejenigen, die zu einem Streik Unterstützung sammeln und Unterstützung geben, sofort entlassen werden. Herr Heye ist ein mächtiger Mann und seine Kollegen stehen ihm treu zur Seite. Aber die deut sche Arbeiterschaft hat die Zucht⸗ hausvorlage, hinter der weit Mächtigere als Herr Heye standen, zu Falle gebracht, sie wird auch dafür sorgen, daß dem Nienburger Scharfmacher die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Deshalb, Genossen, verhelfen wir durch reichliche Unterstützung den kämpfenden Glas⸗ arbeitern zum Siege! politische Rundschau. Gießen, den 21. März. Agrarische Unverschämtheit. Von einem Agrarier, der in der Gießener Protestversammlung gegen den Brotwucher das Wort ergriff, wurde bestritten, daß von agra⸗ rischer Seite ein höherer Zoll als Mk. 7.50 gefordert würde. Dem muß ein Beschluß des rheinischen Bauernbundes entgegenge⸗ halten werden. In der Bundes⸗Versammlung zu Geldern nahm man eine Resolution an, welche„entsprechende“ Zölle auf Milch, Käse und„andere“ Produkte verlangt, insbesondere aber Getreidezölle in folgender Höhe for⸗ dert: Weizen von 20, Roggen 16, Gerste und Hafer 15 Mk. per Doppelzentner. „Das Ausland trägt den Zoll“ wollen die Agrarier dem Volke weis machen. Gegenüber diesem Schwindel sei au eine Aeuße⸗ rung der amtlichen und natürlich konser⸗ vativen„Leipziger Zeitung“ aus dem Jahre 1890 erinnert. Damals schrieb diese gewiß unverdächtige Zeugin:„Tagtäglich können wir in der konservativen Presse, und zwar nicht blos in den untergeordneten Blättern der Partei, jetzt lesen, daß lediglich das Ausland den Zoll trage. Ein Blick auf die Marktberichte zeigt, da ß das Umgekehrte der Fall ist. Die Ge⸗ treidepreise in den Welthandelsplätzen London, Amsterdam u. s. w. siad augenblicklich ziemlich um den deutschen Zollbetrag niedriger als bei uns.. Jetzt tragen wir den Zoll, und zwar nach seinem pollen Betrage. Daß dem so ist, steht für Jeden, der des Lesens kundig ist, so zweifellos fest, daß konservative Blätter etwas Besseres thun sollten, als solcher⸗ gestalt die liberalen Waschzettel in Seichtheit und Räsonnements und Unwissenheit über that⸗ sächliche Vorgänge noch zu überbieten. That⸗ sache bleibt unter allen Umständen Thatsache und Wahrheit Wahrheit. Sich der letzteren absichtlich oder aus Obe flachlichleit verschließen, könnte der konservanven Presse leicht so ver⸗ hängnisvoll w den, wie es vormals dem libe⸗ ralen Doku mismus seine Farbenblindheit ge⸗ genüber thatsächlichen Verhältnissen gewesen ist.“ Ein einträgliches Geschäft hat doch Herr Krupp, der Kanonenkö nig. Nach Mitteilung mehrerer Blätter soll er sich in diesem Jahre mit 21 Millionen Nark Einkommen eingeschätzt haben, gegen 16 Mill. im Vorjahre. Jeder gute Deutsche wird den steigenden Wohlstand dieses wackeren Patrioten, der dem deutschen Reiche das Doppelte für die Panzerplatten abnimmt als dem Aus⸗ lande, mit Vergnügen wahrnehmen. Dies Vergnügen darf sich der ächte Deutsche auch nicht durch die Erwägung verkümmern lassen, daß ein guter Teil jener 21 Millionen den Armen und Aermsten durch indirekte Steuern abgepreßt werden. Was kostet ein Kaiserbesuch? Ueber diese Frage giebt der Haushaltsetat der Stadt Elberfeld nähere Auskunft. Er weist nach, daß der Kaiserbesuch der Stadt⸗ kasse„etwa“ 280000 Mark, also über eine Viertelmillion, gekostet hat. Und das noch„etwa“; wahrscheinlich werden es demnach auch etwa 300 000 Mark sein. Das aber ist erst die Hälfte der offiziellen Kosten, denn die Stadt Barmen hat natürlich auch ihre Kosten gehabt. Und zu alledem kommen noch die Gelder, die die einzelnen Patrioten privatim ansgegeben haben. Man darf daher die Gesamtausgaben, ohne sich der Uebertreibung schuldig zu machen, auf über eine Million schätzen. Für die 50 00 der Elberfelder Stadt⸗ väter, die hier 280 000 Mark für Straßenputz usw. leichthin ausgaben, dürfte sicher nicht in allen Kreisen der Bevölkerung Verständnis vor⸗ handen sein. Ebensowenig für ihr Verhalten in anderen Dingen. So lassen sie sich von der soztaldemokratischen Partei 2000 M. für eine Stadthalle zahlen und verwei⸗ gern nachher der Partei diese Halle; ferner fühlen sie sich so wohl und satt, daß sie über einen freisinnigen Antrag auf eine Erklärung gegen die Erhöhung der Get reidezölle nicht einmal debattieren, sondern einfach zur Tagesordnung übergehen! Lübeckischer Senat auf dem Nückzuge. Das vielerörterte Verbot des Streik⸗ postenstehens, das der Senat in Lübeck erlassen hatte, ist von diesem wieder aufgehoben worden. Jedenfalls infolge der Reichsgerichts⸗ 0 die das Verbot für ungültig er⸗ ärte. Beraubung der Konsumverelne. Seit einigen Jahren besteht in Sachsen die Umsatzsteuer. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen haben die Ortsgemeinden das Recht, festzusetzen, wieviel Prozent des Umsatzes an Steuern erhoben werden sollen. Natürlich nur von solchen Geschäften, deren Jahresumsatz eine gewisse Höhe— irren wir nicht, 200000 Mk. — erreicht. In Löbtau bei Dresden beträgt die Steuer 2 Prozent. Der dortige Arbeiter⸗ Konsumvereiu, der in noch zwei andern Orten Verkaufsstellen hat, muß bis Ende 1901, also in 3½ Jahren, die ungeheure Summe von 90367 Mark an Steuern bezahlen. Man kann mit Recht behaupten, das diese Zehn⸗ tausende sich direkt aus den Spargroschen der Arbeiter, der Mitglieder des Konsumvereins, zusammensetzen. Die Ungerechtigkeit dieser Be⸗ steuerung hat man im Löbtauer Gemeinderat endlich eingesehen. Wie wir in letzter Nummer schon erwähnten, wurde die Steuer auf 1 Proz. herabgesetzt. Knuten⸗Oertel trauert, weil die Petitionskommission des Reichs⸗ tags beschlossen hat, über alle Petitionen, die die Einführung der Prügelstrafe bezwecken, zur Tagesordnung überzugehen. Diese Petitio⸗ nen wollten in Fällen sittlicher Rohheit„bis zu je 25 Hiebe mit einer Lederpeitsche“ verab⸗ folgt wissen. Betrübt ist der begeisterte Prügel⸗ freund besonders über die Erklärung des Regierungskom missars, der sagte, es sei eine Ergänzung des Strafensystems des Reichs⸗ strafgesetzbuches durch Einführung der Prügel⸗ strafe bislang weder vom Herrn Reichskanzler ins Auge gefaßt, noch im Schoße des Bundes⸗ rats von einer der Bundesregierungen in An⸗ regung gebracht. Nun will der dicke Oertel seinen Herzenswunsch im Plenum des Reichstags durchzusetzen versuchen.— Wären wir nicht aus Gründen der Kultur Gegner der Prügelstrafe, so, würden wir solche für die Brotwucherer empfehlen. „Fallen seh ich Blatt um Blatt.“ Die an tisemitische„Deutsche Wacht“ in Dresden, das Blatt des vielfach durchge— fallenen Reichstagskandidaten Zimmermann und Hauptorgan der sächsischen Antisemiten wird ihr Erscheinen einstellen. Aus der Einladung zur Generalversammlung der Akti⸗ onäre geht hervor, daß die Gesellschast mehr als die Hälfte des Aktienkapitals eingebüßt hat. Der Vorstand beantragt deshalb, die Gesell⸗ schaft aufzulösen, trotzdem die Druckerei für jüdische Ramschbazare flott Drucksachen ange⸗ fertigt hat und sich mit„jüdischem Geld“ über Wasser zu halten versuchte. Für die deutsche Kultur bedeutet das Verschwinden des Blattes keinen Nachteil. Genosse Paul Göhre, der frühere Pastor und Nationalsoziale, wurde von einer Vertrauensmännerversammlung des 15. sächsiscen Reichstagswahlkreises(Franken⸗ berg⸗Mittweida) als Reichstagskandidat für diesen Kreis proklamiert. Sozialdemokratischer Landtags⸗ präsident. Im Gothaischen Landtage wurde bei der Konstitution Genosse Bock als Vicepräsident gewählt. Darüber werden allen Ordnungs⸗ stützen die Haare zu Berge stehen. Attentat gegen einen Miuister. Der russische Unterrichtsminister Bogol⸗ jepow wurde am 27. Februar von einem Studenten gelegentlich eines Empfangs von Bittstellern schwer verletzt. Dieser Ver⸗ letzung ist nun Bogoljepow erlegen, als Opfer eines politischen Attentats; denn nicht Privatrache war es, die jenen Studenten zu einem Schritte bestimmte, wie ihn am 5. Feb⸗ ruar 1878 die Wjera Sassulitsch that, sondern es handelte sich auch bei diesem Attentat um einen politischen Akt. Unter den Studenten macht sich übrigens in der letzten Zeit eine lebhafte Bewegung bemerkbar. Straßenkund⸗ gebungen fanden wiederholt in Petersburg und Moskau statt, an denen sich Studenten und Studentinnen in großer Zahl beteiligten. Da⸗ bei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei und den Kosaken, wobei es zahl⸗ reiche Verwundete auf beideu Seiten gab. 750 Personen, fast sämtlich Studierende, darunter über die Hälfte Frauen, wurden verhaftet. —— Deuts. cher Reichstag. In der Donnerst age sitzung erledigte der Reichs⸗ tag den Etat des Reichsversicherungsamtes in zweiter Beratung. Hierbei unterzog unser Genosse Stadt⸗ hagen das ganze Versicherungswesen, besonders die Unfallversicherung einer scharfen Kritik. Es giebt auf diesem Gebiete sehr viel zu rügen. An⸗ stalten, die ursprünglich rein human gedacht und als solche von den Arbeitern freudig begrüßt wurden, wer⸗ den zu gesinnungsterroristischen Zwecken mißbraucht. Die von den Berufsgenossenschaften errichteteu Sana⸗ torien schließen sozialdemokratische, freisinnige und ultra⸗ montane Zeitungen rundweg von dem Auslegen aus. Den angeblich ehrenamtlichen Vorsitzenden der Berufs⸗ genossenschaften werden unter der Form von Diäten im direkten Widerspruch zum[Gesetz Bezüge zugebilligt, deren außerordentliche Höhe mit den niedrig bemessenen Arbeiterrenten im grellsten Widerspruch stehen. der Versicherungsgesetze trug Genosse Sach se vor. Mit Recht verlangte er, daß die Unfallverhütungsvorschriften auch in polnischer Sprache in denjenigen Bergbau⸗ distrikten erlassen würden, in denen polnische Arbeiter in großer Zahl beschäftigt werden. Endlich verlangte er, daß man der Frage der Anstellung von Arbeiter⸗ inspektoren in gesundheitsgefährlichen Betrieben näher trete. Der konservative Abg. Pauli-Potsdam sang wieder das alte Unternehmerlied, daß der Leichtsinn und die Bequemlichkeit der Arbeiter an den meisten Unfällen schuld sei. Genosse Dr. Herzfeld gab ihm die gebührende Antwort und beleuchtete die Schädigung der landwirt⸗ schaftlichen Arbeiter Mecklenburgs durch das dort er⸗ lassene Ausführungsgesetz zur Invalidenversicherung. Die„zweite Chinavorlage“, das ist die Nachtrags⸗ forderung für die Kosten des Chinakreuzzuges stand am Freitag auf der Tagesordnung. Dabei hielt der Herr Reichskanzler eine große Rede in der er über den Stand der chinesischen Angelegenheit Auf⸗ klärung geben wollte. Die Reichsboten und das Volk sind aber nach der Rede im ganzen so klug wie vorher. Graf Bülow weiß sich recht wohl der Beantwortung knifflicher Fragen zu entziehen. Er sieht im übrigen alles im rosigsten Lichte; ihm hängt der chinesische Himmel voller Geigen. Mit Rußland wie mit Eng⸗ land stehen wir gleich gut und mit China im grunde auch: wenn nur erst die böswilligen und fahrlässigen — — ———— —— — hilt der? stteitbar eint nung der ant der Redner“ England de Chiua seine keine Hände obenteuer il Bebel. W scharser und hege, daß Englands m führungen de als wenn je in leddlicher lungen einge Felndseligkei sich nicht m guläre chine von Trupp zu halten. nur den e Möglichkeit und gegen unsere Rüc unserem ei englischen Thalsache 0 it, irgend große Zahl Ste wird n Mächte sich begonnen i gefochten we Weltpolitik neuen versp Es har den China heraf der Nation die neue schen Ching wurde der? Die dritte Jah dieset sch das ha wichtigeren Au 1 lahr Bear „Di hierfür 1 beschedener Beschwerden der Bergarbeiter gegen die Handhabung bewiligt U rwortun ausspricht, bher sen und Amort im Wohnn lunzlerz ligen bad Jan bah, r. 12. N über kutsche Vlattez wurde ing des franken. did at 95. bei der rästdent duungs⸗ er. Bogol⸗ einem g bon er Ver⸗ en, als un nicht enten zu 9. Feb⸗ sondern tat um tüdenten eit eine ßenkund⸗ urg und sten und en. Da⸗ oßen mit es zahl⸗ gab. 750 darunter aftet. er Reichs⸗ in zweiter 0 Stadt⸗ fen Krill igen. Au⸗ t und als rden, wer⸗ nißbraucht. en Sand- und ultra⸗ legen aus, er Berufz⸗ von Diäten zugeblliat, ö benessenen n 5 0 dhabun e bor, M. svorschtitel b Babel, he Arbeitet verlangt 1 Arbeit 25 nähe Adam ig iu, u, ten Unfall gebühr t bn ö 5 dot 1 erung. hun, 50 Dobl 1 del 1 t f gell z Jol * pothtl bunt 1 im üb 600 1 14 15 b fahl Nr. 12. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Mandarinen genügend bestraft sind. Auf diese Herren ist Graf Bülow überhaupt sehr schlecht zu sprechen; er redete so despektirlich von seinen chinesischen Bureaukratenkollegen mit den Knöpfen und Pfauenfedern auf den Mützen und den Zöpfen im Nacken, daß es fraglich ist, ob oppositionelle Redner sich ungestraft ähn⸗ licher Ausdrücke auf hiesige Mandarinen bedienen dürften. Sonst war der langen Rede kurzer Sinn, daß Graf Bülow in den chinesischen Verwicklungen ein Haar und nicht bloß eines gefunden hat, und deshalb den innigen Wunsch hegt: wär' ich mit guter Art davon! Alle die schönen Dinge, die er vom chinesischen Sühne⸗ gesandtschaften, Errichtung eines Sühnedenkmals ꝛc., vorbrachte, waren nicht im Stande, diesen Eindruck zu verwischen. Es war eine Rückzugsrede!— Eine vortreffliche Rede, die eine durch Bündigkeit, Knappheit und Klarheit ausgezeichnete Kritik der ganzen Welt⸗ politik und speziell des Chinaabenteuers bot, hielt der Abgeordnete Eugen Richter, der unbe⸗ streitbar einen guten Tag hatte. Unter scharfer Ableh⸗ nung der antisemitisch⸗agrarischen Englandhatz erklärte der Redner es mit Recht für unzulässig, daß wir für England die Kastanien aus dem Feuer holen und in China seine Geschäfte besorgen, damit es in Südafrika seine Hände frei behalte. Eine ätzende Kritik am China⸗ abenteuer übte in glänzenden Ausführungen Genosse Bebel. Wie Richter forderte auch er, ebenfalls unter scharfer und prinzipieller Ablehnung der tollen England⸗ hetze, daß sich die deutsche Politik nicht zur Dienerin Englands macht. Er sagte unter anderem:„Die Aus⸗ führungen des Herrn Reichskanzlers machten den Eindruck, als wenn jetzt im Großen und Ganzen in China Alles in leidlicher Ordnung sei. Wenn die Friedensverhand⸗ lungen eingeleitet sind, weshalb werden dann nicht die Feindseligkeiten eingestellt? Diese Expeditionen richten sich nicht nur gegen die Boxer, sondern auch gegen re⸗ guläre chinesische Truppen. Eine ungleich geringere Zahl von Truppen würde genügen, die Chinesen im Zaum zu halten. Mit unserer hohen Truppenzahl dienen wir nur den englischen Interessen, indem wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre eigenen Streitkräfte zu schonen und gegen die Buren zu verwenden. So weit gehen unsere Rücksichten auf England doch nicht, daß wir mit unserem eigenen Gelde und unseren Mannschaften die englischen Interessen in China vertreten sollten. Der Thatsache gegenüber, daß China vollständig außer Stande ist, irgend wie ernstlichen Widerstand zu leisten, hat die große Zahl unserer Truppen dort gar keinen Sinn. Ste wird wohl nur dortgehalten, weil die rivalisierenden Mächte sich vor einander fürchten. Was dort im Osten begonnen ist, wird wohl eines Tages im Westen aus⸗ gefochten werden.... Der erste Akt unserer deutschen Weltpolitik ist zu ihren Ungunsten ausgefallen, nach neuen verspürt das deutsche Volk keine Gelüste mehr. Es har den dringenden Wunsch, sobald als möglich aus China herauszukommen.“ Bachem vom Zentrum und der Nationalliberale Bassermann treten natürlich für die neue Forderung unter Zustimmung zu der Bülow⸗ schen China⸗Politik ein. Nach einer Erwiderung Bülows wurde der Antrag auf Kommissionsberatung abgelehnt. Die dritte Beratung findet also im Plennm statt.— Nach dieser Erörterung„hochpolitischer“ Fragen wandte sich das Haus einem in kultureller Beziehung entschieden wichtigeren Gegenstande, nämlich der Aufbesserung der Wohnungen kleiner Beamten und Arbeiter, die im Reichsdienst stehen. Die hierfür geforderten 2 Millionen Mark— ein recht bescheidener Anfang einer Wohnungsreform— wurde bewilligt und eine Resolution nach Singer's Be⸗ fürwortung einstimmig angenommen, welche sich dahin ausspricht, daß die Mietspreise solcher Wohnungen nicht höher sein dürfen, als es zur landesüblichen Verzinsung und Amortisation des Kapitals erforderlich ist.— Auch um Wohnungen und zwar um diejenigen des Reichs⸗ kanzlers und des Staatssekretärs des Auswär⸗ tigen handelte es sich am Samstag. Die beiden Herren haben in Bezug auf ihre Dienstwohnungen allerlei Wünsche; für den Garten des Reichskanzleramts wird sogar der Bau einer Orangerie verlangt. Die Erfüllung dieser Wünsche kostet dem Reiche das nette Sümmchen von rund 320000 Mark, das die liebenswürdige Mehrheit gegen die Stimmen der Linken auch bewilligte.— Nun wurde die zweite Beratung der Chin avorlage fortgesetzt, bei welcher Gelegenheit Kriegsminister v. Goßler auch auf die Hunnenbriefe zu sprechen kam. Er erklärte, er habe Erkundigungen eingezogen und vom Weltmarschall Waldersee telegraphisch die feierliche Versicherung erhalten, daß die Hunnenbriefe Phantasiegemälde seien. Aus seinen Worten leuchtetn die unglaubliche Ansicht hervor, daß sich Sozialdemo⸗ kraten unter die Chinakrieger geschlichen hätten uud nun die Hunnenbriefe fabrizierten. Nun soll es allen Zei⸗ tungen an den Kragen gehen, die Hunnenbriefe ver⸗ öffentlicht haben. Bebel erwiderte dem Kriegsminister, bei den Strafanträgen nur die antisemitischen und konservativen Zeitungen und die Amtsblätter. nicht zu vergessen, die Hunnenbriefe veröffentlicht haben. Die Chinakredite wurden bewilligt.— Dann wurde die Debatte über die Forderung für den Ausbau der Hohkönigsburg fortgesetzt, die am Tage vorher begonnen hatte. Bei diesem Gegenstande zeigte sich die Liebedienerei der Mehrheit im schönsten Lichte. Während sich am Freitag der Antisemit Bindewald und unser Genosse Blos entschieden gegen die Bewilligung der Forderung aus⸗ sprachen, erklärte der Nationalliberale Bassermann, die Ablehnung würde an„hoher Stelle verstimmen.“ Am Samstag wandte sich Genssse Vollmar in einer ansgezeichneten Rede gegen die geplante Restauration der alten Ruine, die lediglich auf Grund von Ent⸗ schließungen einer einzelnen Person erfolgen soll. Diese hohe Stelle, führte Vollmar weiter aus, ist aber auch zu gleicher Zeit Besitzer der Burg. In jedem anderen Lande würde es vollkommen unverständlich sein, wenn man, um im fremden, d. h. nicht öffentlichen Besitz befindliche Gebäude zu restau⸗ rieren, sich deshalb an die Volksvertretung und an die Steuerzahler wendet. König Ludwig II. hat auch zu den Fürsten gehört, die sich Phantasteschlösser gebaut haben; aber trotz der merkwürdigen Gedanken, die im Hirn des damals bereits erkrankten Königs aufkamen, auf den Gedanken ist er nie gekommen, sich seine Schlösser von Anderen bezahlen zu lassen. Unsere finanzielle Lage ist gerade jetzt sehr schlecht. Wunderbar, daß das Zentrum den Effekt seiner Sparsamkeit in der Budgetkommission vor dem Volke vollkommen verscherzt, indem es einen großen Teil seiner Anhänger für eine Sache stimmen läßt, bei der es sich lediglich um eine fürstliche Liebhaberei handelt. Trotz dieser Darlegungen sprang die Mehrheit über den Stock. Die Forderung wurde mit knapper Mehrheit bewilligt. In der Montags sitzung wurden Petitionen beraten. Darunter befand sich ein alter, freilich nicht ehrwürdiger Bekannter, der mit jedem Jahre wieder⸗ kehrt: Die Petition einer Schaar Bäckermeister um Aufhebung der Bäckereiverordnung. Genosse Nolkenbuhr verlangte Uebergang zur Tages⸗ ordnung; aber nicht einmal die Freisinnigen hatten den Mut, für diesen Antrag zu stimmen, sondern schlossen sich den übrigen bürgerlichen Parteien an und votierten für Ueberweisung der Petition als Material an den Reichs⸗ kanzler.— Dann erschien ein anderer alter Ladenhüter auf der Bildfläche: die Petition um Einführung der Prügelstrafe. In seiner gewohnten breitspurigen Weise trat Knuten⸗ Oertel für sein Lieblingskind, die Prügelstrafe, ein; er sandte zärtliche Liebesblicke zu dem Zentrum und den Nationalliberalen herüber, um ihnen seine Vorliebe für ungebrannte Holzasche mitzuteilen, mußte aber den Schmerz erleben, daß sowohl Herr Gröber als Herr Bassermann ihm in nicht mißzuverstehender Weise abwinkten. Nur bei seinem Parteigenossen, dem frommen Schere mpf, fand er volles Verständnis für seine Prügel⸗ wut; machte doch selbst der Antisemit Werner einige Vorbehalte. Gründlich leuchtete Genosse Bebel, der zweimal das Wort ergriff, den prügelwütigen Volks⸗ verdummern heim, denen auch der Freisinnige Müller⸗ Meiningen einige derbe Wahrheiten sagte. Schließlich wurde beschlossen, über die Petition der Prügelenthustasten zur Tagesordnung überzugehen. Aus dem hessischen Landtag. In der letzten Woche wurde die Beratung der einzelnen Kapitel des Etats fortgesetzt. Der Etat der Justiz verwaltung fand am 15. März seine Erledigung. Bei diesem Gegen⸗ stande will Abg. Cramer die Aufmerksamkeit des Justizministers auf 3 in Hessen im Zucht⸗ haus itzende Leute lenken, die 1896 vom Kriegs- gericht im Ganzen zu 16 Jahren Zuchthans verurteilt wurden, weil sie sich gelegentlich einer Kontrollversammlung in der Trunkenheit einem Gendarmen widersetzt und ihn durchgeprügelt haben. Wenn irgendwo eine Verwendung seitens der höchsten Justizbehörde für unglück— liche Menschen um Platze sei, so sei dies hier der Fall. Fernerhin erklärt der Justizminister Ditt⸗ mar, mit der Verstaatlichung des Notariats— instituts müsse noch gewartet werden, bis es sich in der Bevölkerung mehr eingeführt habe. Bezüglich der Verstaatlichung des Gerichtsvoll⸗ zieherinstituts habe er, den immer wieder kommende Klagen nachgebend, seinen früheren Standpunkt verlassen und werde einen Entwurf vorlegen.— Der Arbeitsüberbürdung einzelner Gerichte sei ja durch Einstellung 6 neuer Amts⸗ richter abzuhelfen versucht. Für Abschaffung der Stempel spricht sich der Minister ebenfalls aus. Samstag wird meist debattelos das Kapitel des Finanzministeriums erledigt. Abg. Molthan(Ctr.) regt nochmals die Aufhebung des Brückengeldes an und bespricht ein⸗ gehend die dieser Beziehung herrschenden Miß stände im Trajektverkehr zwischen Mainz und Kastel. Finanzminister Gnauth ist bereit, auf das Brückengeld zu verzichten, wenn die Ge⸗ meinden Kastel und Kostheim der Regierung eine Pauschalsumme überweisen. Genosse Haas⸗Mainz glaubt, daß dies die Gemeinden zu schwer belasten würde. Uebrigens sei diese Frage noch nicht spruchreif, da sie erst jetzt in deu Vordergrund getreten sei. Am Dienstag wurden die für Neu— banten und Geländeerwerb der Uni⸗— versität Gießen geforderten 383,300 Mk. genehmigt, ebenso 9,300 Mark für den Aufbau eines dritten Stockes auf die Diener— wohnung der pspchiatrischen Klinik, ferner 6,800 Mk. für das physikalisch⸗chemische Institut der Landesuniversität und 43,000 Mk. für Ge⸗ ländeerwerb, Projektirung und Fundirungs— arbeiten des im Ganzen ungefähr 526,000 Mk. kostenden Neubaues einer Universitätsbibliothek in Gießen. Für Erweiterungsbauten an der Technischen Hochsschule zu Darmstadt werden 856,940 Mk. gefordert. Hierüber entspinnt sich eine ausge⸗ dehnte Debatte. Staatsminister Rothe tritt sehr warm für die Forderung ein. Mehrere Abgeordnete sprechen sich gegen die Bewilligung aus und verlangen, daß die Stadt Darmstadt einen Beitrag leisten solle. Schließlich wird der Titel gegen wenige Stimmen bewilligt. Krieg mit China. Mit der Einigkeit der Mächte siehts jetzt trauriger als je aus. Viel hätte vor einigen Tagen nicht gefeh t, daß es zwischen England und Rußland zum blutigen Kampfe gekommen wäre. Der Streit drehte sich um ein Nebengeleise der Bahn Tientsin⸗Peking, das die Engländer für den Betrieb herstellen wollten. Die Russen erklärten es für einen Eingriff in die russische Niederlassung und verlangten die Einstellung der Arbeit. Als die Engländer dies verweigerten, gruben die Russen Laufgräben und stellten bewaffnete Posten auf. Die Eng⸗ länder thaten dasselbe. Die Russen besetzten schließlich das Geleis. Sonntag abend traf ein russischer General aus Peking ein. Die Russen fahren fort, in der neuen Niederlassung Land zu kaufen. Von den Friedens verhandlungen ist in letzter Zeit fast nichts von Bedeutung berichtet worden. Ein Ende des kostspieligen und für uns verderblichen Chinaabenteuers ist noch nicht abzusehen. Die Verderblichkeit des Kreuzzuges wird nach und nach allen Kreisen klar. Heute herrscht fast in ganz Deutschland die Ueber⸗ zeugung, daß es das Beste wäre, mit Anstand von China los zu kommen. So schreibt sogar die konservative„Schlesische Zeitung“: „Wir sind mit unserer Chinapolitik in ein Räderwerk geraten, bei dem es ohne Quet⸗ schung nicht mehr abgeht. Jede neue Drehung der Maschine macht uns schmerzlich klar, daß wir besser gethan hätten, die Finger davon zu lassen. Jede neue Wendung der Weltpolitik beweist, wie Recht Diejenigen hatten, welche von Anbeginn vor dem ost⸗ asiatischen Abenteuer warnten und fortwährend zur Besonnenheit mahnten, auch als bei der Ernennung des deutschen Oberst— kommandierenden der Jubel aus amtlichen Kreisen befohlen wurde.“ Also hatte die Sozialdemokratie doch recht! Krieg in Südafrika. „Die Verhandlungen Lord Kitcheners mit dem Burengeneral Botha wegen Ueber— gabe des Letzteren sind, wie vorauszusehen war, Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 12. gescheitert. Botha hat es in einem Briefe an Kitchener abgelehnt, die englischen Be⸗ dingungen seiner Regierung zur Erwägung zu empfehlen. f Kämpfe. Bei Sommerstedt hatten die Engländer ein Vorpostengefecht mit dem Kom⸗ mandanten Krutzinger gehabt, wobei sie 3 Tote, darunter 1 Offizier, und 1 Verwundeten hatten.— Ferner haben die Buren drei Eisenbahnzüge auf der Delagoabahnlinie in die Luft gesprengt und nahmen 2 Offiziere und 7 Mann gefangen, die jedoch nach kurzer Zeit wieder freigelassen wurden. Doch sind ihre Versuche, die Eisen⸗ bahulinie bei Kafirspruit zu sprengen, gescheitert. Die Pest wütet noch immer in Kapstadt und fordert zahlreiche Opfer. Die Verhältnisse dort sollen äußerst trüb sein. Zum Onartalswechsel ersuchen wir unsere Leser um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements. Die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ kostet bei der Post nur 75 Pfg. den Monat. von Nah und gern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Angelegenheiten. M. K. Zur Genossenschaftsbe we⸗ gung. Ueber diesen Gegenstand hielt am vorigen Samstag der Leiter der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft, Genosse Kaufmann, in dem ziemlich gut besetzten Orbigschen Lokale einen Vortrag. Während die Gewerkschafts⸗ bewegung— führte Redner aus— den Arbei⸗ tern Vorteile bringe durch Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit, wirken die Konsumvereine bessernd auf die Lage der Arbeiter ein, indem sie ihnen Lebensmittel und Konsumartikel gut, billig und in richtigem Gewicht liefern. Der Vortragende schildert die Entwickelung der Konsumvereine, die aus kleinen Anfängen entstanden, heute schon eine Macht im wirtschaftlichen Leben darstellen. Die Ursache der billigen Lieferung der Waren ist die teilweise Ausschaltung des Zwischen handels, der infolge seiner großen Zersplitterung Arbeits⸗ kräfte verschwende, einer viel zu großen Zahl Personen benötige, die alle daran verdienen müßten, weil sie von dem Verdienste leben wollten. Die von Arbeitern gegründeten Kon⸗ sumvereine sind in der Lage billiger zu liefern, da die Spesen für Reklame, sowie der Unter⸗ gewinn wegfalle und sie mit einem festen Stamm zahlungsfähiger Käufer rechnen können. Sie sind auch eine echt demokratische Einrichtung, denn es gilt nicht die Zahl der Anteilscheine, sondern nur die Person: der Gewinn wird nach dem Verbrauch berechnet. Konsumvereine för⸗ dern also das Gesamtinteresse, während die von Kapitalisten ins Leben gerufenen Waren⸗ häuser doch nur ihren Besitzern Vorteil bringen sollen. Durch diese werden aber die kleinen Händler immer mehr zurückgedrängt; diesen Entwickelungsgang kann nichts hemmen, auch wenn wir keine Konsumvereine schaffen, können wir die allmähliche Aufsaugung des Klein⸗ handels durch den Kapitalismus nicht aufhalten. Der Einwand von der Vernichtung des Mittel⸗ standes durch die Konsumvereine sei also hin⸗ fällig und darf uns von der Gründung solcher nicht abhalten. Die Frage, ob in Gießen ein Konsumverein zu gründen sei, glaubt Redner bejahen zu können, wenn nur Mut und fester Wille vorhanden sei.— Hieran schloß sich eine äußerst rege Diskussion. Verschiedene Redner mahnten zur Vorsicht, die bei derartigen Unternehmungen mehr als irgendwo geboten sei. Doch war die Versammlung durch den Vortrag des Referenten, dessen Schlußwort sehr beifällig aufgenommen wurde, der Gründung eines Konsumvereins günstig gestimmt. — Märzfeier. Im Orbigsschen Lokale fanden sich am Sonntag die Gelossen zu einer Gedächtnisfeier für die Märzgefallenen zusammen. Genosse Vetters schilderte den Heldenkampf der Pariser Kommune, der sich vor 30 Jahren abgespielt habe; wies ferner hin auf die Ge⸗ schichtslügen, die von gewissen Seiten zu dem Zwecke verbreitet werden, die revolutionären Erhebungen früherer Tage ins Unrecht zu setzen, ste zu diskretitieren. Unser jetziger Kampf werde nicht mit Gewaltmitteln geführt, sei aber drum nicht weniger opferreich. Die besitzlosen, unter⸗ drückten Klassen müßten mit gleichem Mute und gleicher Ausdauer für die Wohlfahrt der Gesamtheit eintreten, wie es unsere Vorfahren mit den, Waffen in der Hand für die bürger⸗ liche Freiheit gethan haben. Verschiedene Ge⸗ nossen brachten noch beifällig aufgenommene ernste und heitere Orklamationen zum Vortrag. — Der Besuch der Veranstaltung hätte ent⸗ schieden besser sein können; besonders wurde bedauert, daß der Gesangverein„Eintracht“ zum größten Teile durch Abwesenheit glänzte. — Ueber die Gewerbeinspektion im Kreise Gießen wird Herr Gewerbeinspektor Engeln, einer Einladung der Metallarbeiter folgend, Sonntag, 24. März vormittags ½11 Uhr, im Saale„Lonys Bierkeller“ einen Vortrag halten. Für Arbeiter aller Berufe dürfte dieser Vortrag viel Wissenswertes bieten, weshalb wir den Besuch desselben an⸗ gelegentlichst empfehlen. —„Die Kommune.“ Das von unserer Partei zum 18. März herausgegebene Erinne⸗ rungsblatt erlaubt sich der„Gieß. Anzeiger“ in seiner Dienstagsnummer in einer— wie es scheint, einem Berliner Blatte entnommenen— Notiz herunterzureißen und als„inhaltloses Machwerk“ zu bezeichnen. Wir bezweifeln, daß jenes Erinnerungsblatt dem Anzeiger, der sich in der letzten Zeit des in der reaktionären Sudelpresse üblichen Geschimpfes auf die Sozialdemokratie enthielt, vorgelegen hat; sonst wäre er sicher zu einem anderen Urteil gelangt.— Auch diese Märznummer steht in⸗ haltlich himmelhoch über den litterarischen Er⸗ zeugnissen, die bei„patriotischen“ Festen und Gedenktagen zu erscheinen pflegen. In derselben Notiz wird gesagt, die Polizei habe anläßlich der Märzfeier„alle Hände voll zu thun, um eventuell Tumulte im Keime zu ersticken“. Wo Sozialdemokraten zusammenkommen, g iebt es keine Tumulte, höchstens, wenn die Polizei solche veranlaßt. Das giebt auch der„Anzeiger“ selber in der nächsten Zeile zu. * eber Handwerks⸗Genossen⸗ schaften hielt am Donnerstag Abend im Hotel „Einhorn“ Herr Direktor Paech aus Frank⸗ furt einen Vortrag, in dem er die Gründung von Kredit⸗ und Einkaufsgenossenschaften für die Handwerker als Mittel zur Hebung ihrer Lage empfahl. Dem Vortrage folgte eine leb⸗ hafte Diskussion. Schließlich wurde eine Kom⸗ mission gewählt, die sich mit den nötigen Vorarbeiten befassen soll. Einst und Jetzt. Aus Leihgestern schreibt man uns: Die in den Zeitungen viel besprochene Unterredung unseres Genossen Ulrich mit dem Großherzog riefen die Erinnerung an ein Vorkommuis wäh⸗ rend der sozialistengesetzlichen Zeit wach. An einem schönen Oktoberabend im Jahre 1884 rückte zum großen Erstaunen unserer Einwoh⸗ nerschaft ein zahlreicher Trupp Gendarmerie zu Pferd und zu Fuß in unser sonst so friedliches Dorf ein. Von kriegerischen Verwickelungen war nicht das Mindeste bekannt, man konnte sich also die militärische Besetzung in keiner Weise erklären, bis die aufgeregten Gemeinde⸗ mitglieder schließlich erfuhren, daß der sozial⸗ demokratische Reichstagskandidat Ulrich in einer Versammlung sein Programm entwickeln wolle. Die Versammlung begann. Kaum hatte der Vorsitzende dem Genossen Ulrich das Wort er⸗ tilt, löste der Bürgermeister die Versammlung auf Befehl des Kreisamts auf und zur Durch⸗ führung dieser Maßregel stellte sich das ganze Gendarmerieaufgebot hinter ihm auf. Ruhig erklärte Ulrich, daß er sich als gehorsamer Unterthan der Obrigkeit füge. Ein kräftiges Hoch auf die Sozialdemokratie erscholl und am Wahltag vereinigte er eine große Anzahl Stim⸗ men auf sich. Mit der Zeit wurde dieser ge⸗ fährliche Mann Stadtverordneter, Reichs⸗ und Landtagsabgeordneter und— der Großherzog begrüßt ihn freundlich. Trotzdem ist die Welt nicht eingefallen! Aus dem Kreise Friedberg. In Harheim fand am vorigen Sonntag eine gut besuchte Versammlung statt, in welcher Genosse Busolt aus Friedberg über die von den Junkern geplanten Getreidezölle sprach. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Genosse Philipp Schmidt, in kurzen Worten der Berliner Märzgefallenen, sowie der Pariser Kommunekämpfer, die die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Nach dem Referat des Genossen Busolt wurde eine Resolution beschlossen, in der auf das Entschiedenste gegen die Getreidezölle pro⸗ testiert wird und in der die Versammelten ver⸗ sprechen, bis zur nächsten Wahl gehörig zu agitieren, damit die Wahl des Grafen Oriola verhindert werde. Abonnement auf die Parteipresse schloß die Versammlung. Bad Nauheim. * Von der Villa„Rheingold“, einem Neubau in Nauheim, war in unserer letzten Nummer gesagt, daß er bedenkliche Risse zeige und die Gefahr des Einsturzes bestehe. Hierzu wird uns von dem Besitzer mitgeteilt, daß dies durchaus unrichtig sei. Allerdings sind durch den starken Frost und äußere Gewalt einzelne Fensterbänke gesprungen. Im Uebrigen sei aber der Bau durchaus solid ausgeführt, sei bau⸗ polizeilich abgenommen und es könne von der Gefahr des Einsturzes gar keine Rede sein. Aus Wetzlar. — Eine erfolgreiche Lohnbewegung haben die hiesigen Schneider hinter sich. Ihre Forderungen, die sie an die Arbeitgeber gestellt hatten, wurden von letzteren als berechtigt an⸗ erkannt und bewilligt. Das ist einmal ein erfreuliches Zeichen von Einsicht bei den Arbeit⸗ gebern, dann aber dürfen die Arbeiter nie ver⸗ gessen, daß nur eine gute Organisation das Errungene zu erhalten im Stande ist und sollten alle dem Verbande beitreten, soweit sie ihm noch nicht angehören. n. Der Eier⸗Tribut. Man schreibt uns: In den Dörfern unserer Umgebung herrscht eine in den Augen der Herren Pfarrer recht löbliche Sitte, die man aber vom allgemeinen Standpunkte aus und wenn man sie in der Praxis näher kennt, getrost als Unsitte bezeichnen darf. Zu Ostern nämlich pflegt jedes zur Konfirmation gelangende Schulkind dem Pfarrer und 15 auch dem Lehrer eine Anzahl Eier zum Geschenk zu machen. Beispielsweise muß in Aßlar der Pfarrer 12 und der Lehrer 6 Stück bekommen, in Werdorf muß sogar jedes Kind 24 Stück opfern. Daß dabei den Pfarrern unheimliche Mengen Eier ins Haus getragen werden, ist klar und da die Herren sie beim besten Willen nicht alle essen können, selbst wenn sie einen Magen hätten wie die Kirche selber, so müssen sie den Ueberschuß eben ver⸗ kaufen. Wir wollten nun darüber keine Silbe sagen, wenn sämtliche Konfirmanden Kinder von solchen Bauersleuten wären, denen es auf zwei Dutzend Eier nicht anzukommen braucht. Das trifft aber nicht zu. Die meisten sind Arbeiterkinder, die zu Hause keinen Hühnerstall haben, dem sie ein paar Dutzend Eier entnehmen könnten. Diese armen Teufel fechten sich dann die nöthige Anzahl Eier bei den Bauersleuten zusammen und bringen sie ihren geistlichen und ihre schöne, die Herren doch darauf verzichten. h. Schlimmer Jugenderzieher. rige Woche verurteilte die Wetzlarer Straf⸗ sondern eine recht drückende Sitte und kammer den 25 Jahre alten Volksschullehrer Mit der Aufforderung zm Hirten. Für die armen Kinder Eltern ist also das Eier⸗Opfer keine Pastoren sollten ihnen gegenüber U Vo⸗ 3 * * Sel Zuchthaus Butzbac beschäftig Leben dal S chuster Leiche w. ** 5 in Mai schaften „Christl ö dieser St nur 400 ** 0 liche hom Vik Staates erbaut! wird de stein und Die Arbe Eröffnun Leitung in Bram gut und errichtet die Lu besser dies Vo dem Vo Brücke! ——h— enau brarbe Projekt . N 1 ergab d Von 6 fehlte ee ** S Strafta l —— 0 1 — —— — — — — 8 Nr. 12. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Sl 5 i905 c g und H. aus Vetzberg wegen Sittlichkeitsver⸗ Murman wegen Sittlichkeitsverbr 1 1 liert die hiest ö e Sin. brechen zu 3 Jahren Zuchthaus und die er an Kindern verübt 15 zu 18 Monaten e die 4 eee einen tüchtigen ger g. 5 Jahren Ehrverlust. Dieser Mensch, der ver⸗ Gefängnis verurteilt. Pr. fef und Forscher. Er war der letzte der 985 und 1 5 atet und Vater dreier Kinder ist, unter⸗ ach ken versch 0 die— Am 19 8 jelt im vorigen Jahre mit Schülerinnen un⸗ 2 is 8 f 155 Y rangem qual botlen deen dichegen Vetter, der bei der 18 jährige I Leiden der Assistent am hiesigen hygienischen le Welt Züchtig Y, jährigen Kirchhain. Instit 7 sig 0 Tochter eines jüdischen Einwohners in Vetzberg a Institut, Dr. Th. Wynen, infolge einer Ver⸗ nicht ohne Folgen blieb.— Seit den 0 1 0 St. Marburg, 21. März 1901. guftenng, die 1 sich in Ausübung seines Berufes fünf Jahren, seit Vetzberg seine eigene Schule* Par⸗ eiversammlung. Im Lokale zugezogen hatte. hat, ist dies schon der zweite derartige Fall. von D. Jesberg dahier fand am Samstag, Sonntag Da sollte doch von den zuständigen Stellen den 16. ds., eine gut besuchte öffentliche Partei⸗ Versammlungs⸗Kalender. Welcher die Frage erwo 11 3 versammlung als edächtnisfeier der Mär 1 Samstag, den 23. Mär. 5 gen werden, ob sich für ältere Maärztage 3. die von Mädchenklassen nicht die Anstellung von von 1848 statt. Gen. Redatterr Vetters⸗ n Arbeiterbildungsverein. Abends g Leh 8 eri e 10 15 Sade empfiehlt. Mute uwe gulf bie repplnte t 120 fegen Gießen 0 eiter. Abend A r Versen chte der— Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, uttb rare Bewegung lung bei E65„Wiener Hof“.— 5 dt, in daß, als das Verbrechen dieses sauberen Pa⸗ 10 1 1 9 5 und frühere Erhebungen 29158 0 c e 9 rb sllnen, trons ruchbar wurde, das Offenbacher Anti⸗ egen eie die doch so geringen Sonntag, den 24. März. die die semitenblatt ihn als unschuldig hinzustellen 3 195 Freiheiten, die wir heute haben, Marburg. Buchdrucker verein. Nachmittags 2 Uhr 9 Gi made und auf das in's Unglück gestürzte 5 25 c e afp Kämpfe Versammlung bet D. Jes berg. der i aue cewisfenhaftigk 1795 15 auch ein Beitrag und Opfer; freiwillig verzichten nie die Gewell⸗ 1 il 0 zur Gewissenhaftigkeit der antisemitischen Presse. haber auf ihre Macht. Die in den Märzkämpfen Holzversteigerungen. len bur 15 7 6 5 e 19 wir ehren, müßten 7 4 7 9 ½ Uhr, Gießener jörig z f 1111 uns a eispie in unserem Kampfe für poli⸗ a ald, rüubergerstr., 8. Schneise, Eichen⸗ 100 Kleine Mitteilungen. tische und wirihschaftliche Freiheit blinken ere und Fichtenstämme, Scheitholz, Reisig. Wüall„ Selbstmord eines Sträflings. Ein Verfolgen wir unentwegt unser Ziel, kämpfen Donnerstag, 26. März, Vorm. 9(Uhr, Gießener fh di Zuchthausgefangener des Zellengefängnisses in wir opfermuthig— schloß Redner unter Bei⸗ eee Zusammenkunft auf der Licherstraße Butz ba ch, der in seiner Zelle als Schuhmacher fall— werden wir zum Siege gelangen!—. beschäftigt war, machte in voriger Woche seinem Nach einer kurzen Pause erstattete der Vor⸗ Marktberichte Leben dadurch ein Ende, daß er sich mit dem sitzende der Kolportagekommission den Rechen⸗ Auf dem Fruchtmarkte 1 1 1 f„Schusterkneip“ den Hals durchschnitt. Die schaftsbericht, welcher zur allgemeinen Zufrieden⸗ 20 Nn dunn 758 Malt 1 1. W 5 er Leden Leiche wurde nach Gießen verbracht. heit ausfiel.— Für zwei abgehende Mitglieder Ni. 13,71, weißer Weizen M. 00, 0, t 10 f sse zi Bei den Gewerbegerichtswahlen derselben wurden die Gen. Seelmeyer und Gerste Mk. 8,80, Hafer Mk. 6,72. 1 910 in Mainz siegte die Liste der freien Gewerk. Bauer neugewählt.— Bei der Besprechung 3. suß de 1 1 1 8 9 Die 1 V beschlossen, Briefkasten. ristlichen“ erhielten trotz lebhafter und von ie diesjährige Maifeier durch eine Versamm⸗. ö 171 dieser Seite ziemlich gehässig geführter Agitation lung am 1. Mat mit Vortrag und am Dara, 75 wen ee 10 nur 400 Stimmen. 5 folgenden Sonntag durch einen Familienabend A. G. Heldenbergen. Nächste Nummer. g 1 0 N* Lungenheilanstalten. Für weib. mit Musik im Jesberg'schen Lokale zu begehen. A.⸗Wtzlr. Etwas zu viel auf einmal. Das . 0 liche Personen soll eine Lungenheilanstalt Hierauf wurde eine aus drei Genossen bestehende Uebrige wird besorgt. f fen l 815 e e bor 1 5 Beihilfe des Kommission gewählt, welche dem Vertrauens⸗ PPP ĩ AA( g gates in der Nähe von Winterkasten mann bei dem Arrangement der Malffeier be⸗ J erbaut werden.— Zu einer gleichen Anstalt hilflich sein soll. Der Vorsitzende des Mbelter Auf Genossen 1 51 e 2 55 0 12 0 e„Eintracht“ sicherte in bereit⸗ werbt Abonnenten für die wegung ein und Greifenthal bei Herborn umge aut. willigster Weise die Mitwirkung des Vereins; 9. Ihle Die Arbeiten sind soweit vorgeschritten, daß die zu.— Unter Verschiedenem a noch eine„Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ T gestel Seen 15 Ae 1 08 12 85 ue 11 5 über„die Agitation auf dem- tagt al⸗ eitung dieser Anstalt wird Herr Dr. Liehr Lan e“ statt und wurde schließlich ein Antrag Gi b 9 0 Amal ein in Braunfels übernehmen.— Es ist wohl ganz, angenommen, nach welchem bei jeder sich leS Selle! la lthenter. en Arbeit gut und lobenswert, wenn solche Heilanstalten bietenden Gelegenheit Agitationstouren auf das Sonntag, den 24. März 1901 r nie bel errichtet werden. Wirksamer würde aber Land unternommen werden sollen. Auch über(Letzte Sh bobs 5 nn dab die Lungenschwindsucht bekämpft, wenn für die Veranstaltung einer Protestversammlung Zum Benefiz für e 1 5 J 9 8 11 5 5 16 yer: und alte e e e 05 egen 5105 A des Getreidezolles resp. Zaza se ihn olkes gesorgt würde. Statt dessen soll über die eventl. eteiligung an einer solchen itwi 0 1 dem Volke das Brot verteuert werden! mit eineu Referenten ee 5 a 15.„ nuibt uu Neue Lahnbrücke. Eine weitere feste längere Debatte gepflogen; doch waren die Gastspiel des Herrn Willy 9 Darmstadt he Brücke über die Lahn soll bei dem Orte Dau⸗ Meinungen hierüber so geteilt, daß man zu Nosenmontag g rer re 99 0(bei Ems) aufgeführt werden. Die keinem Beschluß kam. Da es mittlerweile sehr] Eine Offtieretragößse b 5 Atten von Hartleb gent orarbeiten sind soweit vorgeschritten, daß das spät geworden war, auch schon viele Genossen Donnerstag, den 28. März 5 se in de Projekt gesichert ist. b sich entfernt hatten, so überließ man die weiteren Zum Benefiz für Lucie Kugler bezeichne* Ungünstige Prüfungsresultate Schritte in dieser Angelegenheit dem Vertrauens- und Heronymus Liebscher: dns zl ergab die Maturitäts⸗Prüfung in Hadamar. mann. Erst gegen 1 Uhr nachts fand die Der Königsleutnant 1 Porn Von 6 Oberprimanern bestanden nur 2. Wo Versammlung ihr Ende. ö Lustspiel in 4 Akten von Gu tz ko w. 60 Ciel fehlte es denn da?— Todesfälle. Am vergangenen Sonn- Samstag, den 30. März 1901 115 115 n Schutz vor Schutzleuten. Von der tag starb hier der Geh. Regierungsrat Prof. Schluß der Saison! 65 a Strafkammer in Elberfeld wurde der Polizist! Dr. Franz Melde im 70. Lebensjahre. An Nochmalige letzte Volksvorstel lung. me— des Frankfurter Schuhlager ö fe empfiehlt zur II 1 g 0 0 0 28 den, fal 0 1 t Samstag, 24. Mürz, die 115 0 II 1 6 In 21 10 II vormittags 11 Uhr im Saale„Louy's Bierkeller“ ehen ell(Schanzenstraße) 5 11 sehr preiswerte Stiefel J e be austen am Ng beffentlicher oftrag nzukote. 5 See mei 5 des Herrn Gewerbeinspektors Engeln über: a0 1 bamen-Lederspangenschuhe f e Dubel 2. 8 9 1 bn 2450 an. bie Cewerbeinspektion g 11 d Herren-Lederbalbschuhe ec von 3.50 Mk. an, im Kreise Giessen. 15 70—„„ Alle Arbeiter, besonders die Gewerkschafts⸗ P7777 reicht in mitglieder werden zu zahlreichem Besuche eingeladen. Hille l. anerkannt guten 8 i geg Qualitäten. er Metall-Arbelter-Verband. Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 12. 3 b Unterhaltungs-Cril. — 1848. Märztage in Wien. (Aus dem„Wahren Jacob“.) (Fortsetzung statt Schluß.) Die Wiener waren nervös; die Leidenschaft mußte ihnen eingeflößt werden und das geschah von Ungarn aus, von Preßburg, wo die ma⸗ gyarischen Deputierten weilten.„Wir wälzen den Stein des Sisyphus,“ rief dort am 3. März Kossuth, der glänzendste Rhetor der achtundvier⸗ ziger Bewegung;„wir martern uns auf der Tretmühle ab mit nutzlosem Thun und aus der Beinkammer des Wiener Regierungssystems qualmt eine erstickende Luft, welche die Nerven austrocknet...“ Nur die Vereinigung der österreichischen Nationalitäten auf dem Boden einer Verfassung schütze vor dem Niedergang der Monarchie; Bureau und Bajonett vermögen ihn nicht zu hindern. Das hieß, trivial ausgedrückt, der Katze die Schelle anhängen. In unzähligen Abschriften zirkulierend, ward diese sublime Brandrede ge⸗ lesen und wieder gelesen; sie hatte ein Echo, welches die Schläfer aufjagte und in den Cafes und Kneipen Wiens sprach man so laut und ungemert davon, als seien die„Naderer“, wie die Spitzel damals hießen, alle schon drauf⸗ gegangen. Hatte die liberale Schweiz gesiegt und Frankreich einen König abgeschüttelt, galt es, sich zu sputen. Mit Adressen, die weder Hörner noch Zähne hatten, fing das an. Das war so deuisch-loyal; man„nahte“ der Krone in De⸗ mut. Der niederösterreichische Gewerbeverein schritt voraus, der politisch⸗juridische Leseverein, das Zentrum der„Intelligenz“ folgte nach, bie atademische Jugend stieß hinzu; zweitausend Hörer der Uuiversimät unterzeichneten ein Ge⸗ such um Rede⸗ und Preß⸗, um Lehr⸗ und Lern⸗ sreiheit, um gleiches Recht der Konsessionen und verwandte Dinge. Die frechen Jungen der Aula sollten ausgepeischt werden, war die An⸗ sicht einer Hofwanze und eine Flut von billigem, ulbernem Spott ergoß sich nachmals über die Knaben, die statt kommentmäßig zu saufen und und zu randalieren, die revolutionäre Vorhut wurden. Grüne Politiker in der That, naiv auffassend und drollig eifernd, und doch ein braves Korps, von dem ein poetischer Schimmer auf die Rebellion hin leuchtete. Wo die Konfusion am größten, ist die Krisis am nächsten; am 13. Marz war sie daa. In der katserlichen Burg erwogen Staats⸗ und Fumilienrat im Schweiße ihres Angesichts, wie wohl die Aufregung zu dämpfen sei; die „schlimme Sophie“ bohrte wie besessen gegen Metternich. Man kam zu keinem Schluß. Die Wiener Bürger aber, die wohlgebürsteten und mit Cylinderhut versehenen, promenerten vor das Landständelokal, dieser unschuldigen Ge⸗ nossenschaft zu eröffnen, man stehe„hinter ihr“, wenn sie die Wünsche des Volkes beim Herr⸗ scher aus richte. Auch die Studenten erschienen in stattlicher Kolonne, so sehr Prosessor Hye im Leichenbitterton sie davor warnte. Doch Niemand, der die Formel faud, bis plötzlich ein helles Lebehoch auf die Freiheit schallt und herunter vom Dache des Brunnens ein junger Tiroler die Kossuthrede deklamiert; das Signal zum brausenden Chor. Was ängstlich bisher verschwiegen worden, es barst jetzt nur so aus der Kehle. Abdanken sollte Metternich, zum Teufel sollte die jesuitische Blase gehen, man sprach von Waffen, forderte ein konstitutionelles Oberhaupt und stürmte, da oben die Herren im Stäudesaal staatsmännisch schlotterten, zu ihnen hinauf— so ungestüm, daß Wände krachten und Scheiben klirrten und der Landes⸗ marschall zum sauren Gange sich herbeiließ. Mit einem Rudel Kollegen, geschoben, geschleppt von den Studenten, ging er nach der Burg, ward nicht vorgelassen und vertröstet, daß man das„zum allgemeinen Wohle Dienende“ schleu⸗ nigst anzuordnen gedenke; das amtliche Gauner⸗ Deutsch. 5 Weithin kreiste indessen schon das Gerücht von Exzessen, die beim Ständehause stattge⸗ funden hätten. Dorthin geschickte Patrouillen vermochten sich nicht durchzuquetschen und eine Kompagnie böhmischer Grenadiere richtete eben⸗ so wenig aus; man lachte vergnügt, als sie in eine Seitengasse schwenkte, hob aber, zumal sie wieder kommen konnte, Steine und Bretter⸗ trümmer auf. Da tauchte die Gestalt des Stadtkommandanten, des Erzherzogs Albrecht auf. Unter ihm hatten die Wachen zum öfteren Personen niedergeknallt, nur weil sie nicht eilig genug Zigarre oder Pfeife aus dem Munde ge⸗ nommen; er war deshalb sehr unbeliebt. Sie möchten die Vivats sparen und sich trollen, schnarrte er die Hüte und Kappen Schwenkenden an, salutierte ironisch, als gezischt ward,— und jetzt traf ihn ein Holzspluter. Der Erz⸗ herzog ritt ab und gleich darauf kamen im Laufschritt Pioniere, auf den Knäuel Wehrloser feuernd und mit dem Kolben dreinschlagend. „Kanaillen, Lumpen, da habt ihrs!“ kreischte ihr Hauptmann, wie toll mit seinem Säbel um sich metzgernd. Einzelne Gruppen zersprengte die Reiterei. Die Soldateska hatte es gut. Es gab in Wien noch keine Barrikaden⸗Wissen⸗ schaft. Ward das heiße Eisen nicht geschmiedet, gings den Studenten an den Kragen; sie, die „Anstifter“, wußten, was ihrer wartete, wenn es nicht gelang, die Gewalthaber wuchtig an die Wand zu drücken. Auf die ehrsamen, wohl⸗ situierlen Biedermänner, die momentan schnau⸗ bend mit Flinte und Hirschfänger auf den plätzen erschienen, war wenig Verlaß; gar zu leicht kippten die um. Boten rannten deshalb nach den ärmeren Quartieren, die proletarische Bevölterung aufzubieten, und die untere Schich⸗ ten griffen auch munter ein nach ihrer Weise. Sie nahmen Wachtlotale und össentliche Gebäude aufs Korn, schuussen die Fenster eines Flügels der Hofburg ein, rumterten die Villa Metter⸗ nichs so grundlich, daß nur die nackten Mauern noch landen, und auf dem Glacis wurden weithin die Gasrohren bloßgelegt; gespenstisch flackerie das brennende Gas zum Nachthimmel auf. Der Toten und Verwundeten waren fünf⸗ zig an diesem 13. März.„Freilich, es fehlte furchtbar wenig, daß vor den Thoren der Burg elbst ein Blutbad angerichtet wurde. Die Menge stand dort so dicht, daß ihre Vorder⸗ reihe hart an die Bajonette der absperrenden Postentette und an die Mündungen der daselbst aufgefahrenen Kanonen geschoben war. Einer der vielen Erzherzoge, die sich unnütz machten, befahl zu kartätschen; allein ein verständiger Feuerwerker nahm den Artilleristen die bren⸗ nenden Lunten weg und trat sie aus. Feuer⸗ werker müssen Verstand besitzen, Erzherzöge müssen geboren werden.“(Schluß folgt) Bauernehre. Von Georges de Lys. Autorisierte Uebersetzung von Wilhelm Thal. (Fortsetzung statt Schluß.) 1 Am nächsten Morgen saß in einem kleinen Pachthaus ein Bauer an einem Tische, dessen düsteres Gesicht eine schwere moralische wie physische Müdigkeit verriet. Sein Weib beugte sich über den gußeisernen Kessel, der über dem Herde hing und dessen rötliche Strahlen die Runzeln, die sein Gesicht durchfurchten, noch schärfer hervortreten ließ. Seine Haare fielen in struppigen Strähnen aus der zerknitter ten und schiefsitzenden Mütze. Der Tisch und die Bänke wackelten, während das Büffet, der Stolz der Pächterinnen der Bresse, auf seinen schmutz⸗ igen Fächern nur zerbrochene Teller und un⸗ gleiche Schüsseln aufwies. Rostige, längst nicht mehr gebrauchte landwirtschaftliche Gegenstände lagen in den Winkeln herum. Menschen und Geräte verrieten das Elend, jenes Elend, das der Zusammenbruch und die Verzweiflung nach sich zieht. Jean Drevon erschien auf der Schwelle, 5 erkannte mit einem Blicke die herrschende Not, und das Herz schnürte sich ihm zusammen. „Gott zum Gruß, Vater Brichet!“ rief er und faßte mit einer Bewegung, die an den mili⸗ tärischen Gruß erinnerte, an den Rand des „Ihr erkennt mich nicht? ich bin der Hutes. Sohn von Drevon, Eurem alten Freunde.“ „Fühle mich sehr geschmeichelt über Ihren Besuch... ich wollte eben essen... wollen Sie mithalten?“ fügte Brichet hinzu und warf seiner Frau einen unruhigen Blick zu. del Mag uu 1 Lebenbw . 17 schme pen essen I gelt „Das schlage ich Euch nicht ab,“ sagte 1 75 Jean, einen fröhlichen Ton annehmend.„Ich habe einen guten Marsch zurückgelegt, und die Heimatluft hat mich hungrig gemacht. Ich bin hergekommen, um mit Euch zu sprechen, und es plaudert sich vor einem Glase Wein besser.“ Die Mutter Brichet hatte ihre Schürze über den Tisch gebreitet und zwei noch annehm⸗ bare Teller und Gläser gefunden; sie brachte jetzt die Kohlsuppe herbei, fügte etwas gelben Speck und auch Schinken hinzu und legte neben jeden Teller einen hölzernen Löffel. Die Männer zogen das Messer, von dem sich der Bauer nie trennt, aus der Tasche und schnitten sich ein langes Stück aus dem Laib Schwarzbrot, das, wie üblich, in einen Lappen gewickelt war. Die Frau ging hinaus und kam mit einem Steinkrug wieder, den sie den Speisenden hin⸗ 135 stellte. „Wir haben gestern unsern ganzen guten Wein ausgetrunken, Herr Drevon,“ entschuldigte sie sich,„und können ihnen deshalb nur Krätzer aubieten.“ b „Das erfrischt noch mehr und ich habe gerade großen Durst,“ versetzte Jean.„Nun,“ fügte er hinzu, sich wieder an Brichet wendend, 0 „wie gehts denn bei Euch? Ist Euer Pachthof eben so gut wie Sangris?“ „Ach, Herr Drevon, ein Unglück führt immer noch andere mit sich. Das Unglück mit unserer Tochter, von dem Ihnen Ihr Vater wohl er⸗ zählt hat, hat mir allen Mut genommen. Das Pech ist mit Katherines Fehltritt bei uns ein⸗ getreten und es ist dageblieben, selbst als sie von uns fortgezogen ist.“ „Katherine ist nicht hier?“ rief Jean,„Sie haben sie fortgejagt?“ „Nein, Herr Drevon, obwohl sie's verdient hatte, aber wir haben kein so hartes Herz. 1 Aber hier ging es nicht mehr. Da merkte sie denn, daß sie uns Unglück brachte und hat in Lyon eine Stelle angenommen, jetzt ist sie dort 9 5 bei reichen Leuten in Dienst.“ „Und ihr Kind?“ 8 „Das haben wir hier behalten; den Jungen haben wir hier behalten; da sehen Sie, er er⸗ wacht gerade!“ Jean sprang auf das Bett zu, nahm das Kind auf den Arm, betrachtete es mit tiefer Bewegung und murmelte dann schluchzend: „Mein Sohn!“ Die Alten rissen verdutzt die Augen auf 9 und sahen ihn verwundert an. 5 „Verzeihung“, sagte er ernst und würdig, „ich bitte Euch um die Hand Eurer Tochter Katherine.“ (Schluß folgt.) — ͥ— —ů— W%% . Beschwerden über den Inhalt der„Mitteldeutschen Sonntagszeitung“ ersuchen wir unsere Ge⸗ 125 direkt an die Redaktion, Kirchen platz 11 zu richten; wegen mangelhafter Zustellung wende man sich an die Expedition, Sonnenstraße 25. ...... 0 Die 9 zenden Ef Induktior 1 franlo 48 — — 1 empfehlt f 1 Bei 5 0 1 10 meinem 4 1 1 10 * Iren wollen 1 sa . 0 und die N N preteen, lse Wein Schürze annehm⸗ e brachte i gelben gte neben von dem che und hem Laib 1 Lappen it einem den hin⸗ en guten schuldigte r Krätze ich habe „Nun,“ wendend, Padhthaf rt immer t Unserer berdient es Herz. gerkte se d hat il sie dort n Jungel ie, er el ahm da nit tieel uch end: 9 würdig . Tochlkl 1 uche ert Gr Kühl gelhaftt —— 1 Nr. 12. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. l ungenleiden wenn nicht zu weit vorge⸗ 1 schrüten, ist 2 5 heilbar nach meiner seit Jahren be⸗ währten Methode. 95 Kennzeichen von beginnen⸗ g 1* Tür Arbeiter und Landleute Für Magenleidende empfehle mein reichhaltiges Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung 8 Schmhwaren-Lager des Magenz, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, 5 Honfirmandenstiefel! zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebensweise ein Magenleiden, wie: in jeder Preislage und reicher Auswahl. . mageskatarrh, WMadenframpf, Magen: den Lungenleiden sind: Husten] rbeiter⸗Schuhe und Stiefel, S f . schmerzen,, e oder Ver⸗ mit Auswurf, Bluthusten, leichte— 8 alle 11 15 n 1 e Schmerzen auf der Brust oder täten zu den billigsten Preisen. Aukertisung nach Maass, zugezogen haben, set hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen 5 5. 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