2 1 5 Nr. 25. Gießen, Sonntag, den 23. Juni 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Nedaktionsschluf: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 33 ¼%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens —.————v—— — Pflicht für jeden Denkenden, besonders aber für jeden Angehörigen der Arbeiterschaft ist es, sich den öffentlichen und politischen Angelegenheiten nicht gleichgültig gegenüberzustellen, sondern unab⸗ lässig mitzuarbeiten, damit die großartigen J werden. Wer an diesem hohen Ziele mitarbeiten will, muß in erster Linie den Einfluß der Arbeiterklasse zu vermehren trachten. Das geschieht, indem er für größte Ver⸗ breitung der sozialdemokratischen Presse sorgt. Je mehr diese verbreitet ist, um so größer ist ihre Wirkung und um so mehr können die Interessen der Minderbemittelten und Besttz⸗ losen zur Geltung in der Oeffentlichkeit und der Gesetzgebung gelangen. Für die Volksinteressen stets redlich einge⸗ treten zu sein, darf die „Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“, das einzige sozialdemokratische Organ Ober⸗ hessens, von sich behaupten. Ein jeder Freund unserer Sache muß des⸗ halb ein Agitator für die Mitteldeutsche Sonn⸗ tags⸗Zeitung sein. Kein Arbeiter darf ein Blatt durch Abonnement unterstützen, das seine Interessen mit Füßen tritt, seine Partei ver⸗ leumdet und verhöhnt! Die Mitteldenische Sonntags⸗Zeitung kostet nur 75 Pfennige das Vierteljahr, monatlich 25 Pfennig bei allen Postan⸗ stalten und Spediteuren. Kulturverbreiter inChina. Der französische Oberleutnant der Marine und Schriftsteller Pierre Loti wurde in einer militärischen Misfion von Taku nach Peking gesandt. Was er auf dieser Fahrt sah, schildert er anschaulich. Die Welt am Montag schickt dem Ab⸗ druck von Pierre Lotis Schilderung die viel⸗ sagende Bemerkung voran:„Es wird frag⸗ lich bleiben, ob wir jemals die volle Wahrheit über die Führung der europäischen Truppen in dem okkupierten Lande erfahren werden.“ Darum sei, so sagt das Blatt weiter, der Bericht Pierre Lotis von„doppeltem Ju⸗ teresse“. Das Blatt bezweifelt also nicht, daß Pierre Loti die Wahrheit schreibt. Wir entnehmen der von ihm gebrachten Uebersetzung das Folgende: Von Taku sagt Pierre Loti, nachdem er die zerschossenen Forts geschildert hat: „Wir fahren weiter den Fluß hinauf, der ein schlammiges und verpestetes Wasser führt, in welchem Leichname von Menschen und Kadaver von Tieren, beide mit kolossal aufgetriebenen Bäuchen, schwimmen. Und die beiden entsetzlichen Ufer zeigen uns im Scheine der Abendsonne ein schauerliches Bild der Verwüstung; nichts als Ruinen, Einstürze, halbverkohltes Trümmerwer k. Eine kleine Gasse im Zentrum, die in der Eile mit Kotziegeln, mit Fachwerk und Blech wieder aufgebaut wurde, ist fast ganz von unheimlichen Wirtslokalen ein⸗ genommen. Mischlinge aller Rassen, die der Himmel weiß, woher gekommen sind, verkaufen den Soldaten hier Absynth, gesalzene Fische und tötliche Liqueure. Man betäubt sich hier, und dann pflegt das Messer zu spielen. Außer diesem improvisierten Teil existiert von Taku nichts mehr. Nichts als Trümmerwerk von Mauern, verkohlte Dächer, Aschenhaufen und daun Kloaken gräß⸗ licher Art, in welchen in entsetzlicher Gemeinschaft Lumpen, verendete Hunde und menschliche Schädel mit den Haaren liegen.“ Von der e die er zwischen Taku und Tientsin sah, sagt der Offizier: „Eine zweistündige Fahrt durch ein Feld, in welchem man nichts als Trümmer und Leichen sah. Die überall zerstörten Bahnhöfe wurden von Kosaken bewacht. Man begegnet Waggons, die durch das Feuer verbrannt und verbogen sind. Man hält nirgends an, denn alle Dörfer und Städte auf dem Wege sind nur noch Trümmerhaufen.“ Weiter kommt der Schriftsteller nach Tong⸗ Tschan und beschreibt den Anblick der unge⸗ heuren Stadt, die größer und bevölkerter als die meisten Hauptstädte gewesen sei. „Zur Stunde nichts als Ruinen und Trümmer. Was ich in dieser Stadt an Grauen vollem sah, übersteigt alle menschlichen Begriffe. Zuerst waren die Boxer hier, und dann hatte sie den ersten Stoß der Rache der verbündeten Truppen zu erdulden. In der Wut der ersten Rache über die chinesischen Grausamkeiten war kein Stein mehr auf dem anderen geblieben als die übrigen Truppen inkamen! die Ita⸗ liener, die Deutschen, die Truppen aus Oesterreich⸗Un⸗ garn, die Franzosen. Begleitet von meiner Eskorte verließ ich das Sol⸗ datenquartier, um die Stadt zu besichtigen. Es war entsetzlich. Ich betrat eine Gasse, die sehr schön gewesen sein muß, nach den mit Bildhauerarbeit ge⸗ schmückten und vergoldeten Fassaden zu schließen. Hier befanden sich die Magazine der Porzellanfabriken von Kanton. Alles gähnend offen. Alles zertrümmert. Man wandelt auf kostbarem, in kleine Scher⸗ ben zerschlagenen Email, und unwillkürlich fragt man sich, wer sich die stundenlange Mühe genommen haben mag, all diese rei⸗ zenden Dinge mit Beil und Kolben zu zer⸗ trümmern. In einem Hofe, wo wir eindrangen, sah ich etwas Entsetzliches. Ein räudiger Hund zog etwas hinter einem Haufen zerbrochener Teller hervor; es war die Leiche eines kleinen Kindes mit geöffnetem Schädel, und der Hund ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und fraß von dem verwesten Fleische der kleinen Beine. In diesen Häusern und Gärtchen, wo sich die rei⸗ zende Intimität des chinesischen Lebens noch in dem Arrangement der Blumenvasen, der Beete, der kleinen Lauben erkennen läßt, sieht man Dinge, die einem das Herz zerreißen. Hier liegt eine arme, kleine Puppe, die offenbar jenem Kinde dort gehörte, das mit gespaltenem Kopfe an der kleinen Treppe liegt. Es ist Alles zerrissen, zerbrochen, umhergestreut. Der Inhalt der Kästen und Schubladen liegt auf dem Boden umher, Papiere, Kleider mit großen, roten Blut⸗ flecken, kleine chinefische Damenschuhe mit Blut besudelt; dann Hände, Arme, abgeschnittene Köpfe, Haufen von Menschenhaaren. In einer Laube, die ganz von herrlich blühendem Volubilis eingesponnen war, lag der Leich⸗ nam einer Frau mit einem Bajonettstich in der Brust: in einem Hause, das offenbar einer sehr reichen Familie gehörte und wo die kostbaren Möbel fast unbeschädigt waren, stieß Osman auf etwas, das ihn mit einem Schrei des Entsetzens zurückschrecken mochte. Aus einem großen Schaffe ragten zwei Beine einer Frau heraus, an welchen sich der Unterkörper befand. Der Leib war spurlos ver⸗ schwunden; in unmittelbarer Nähe aber lag unter einem Fauteuil, neben einer verendeten Katze, ein schwar zer Klumpen, der Kopf der Getöteten, mit offenem Munde, schauerlich weißen Zähnen und langen Haaren. In einem andern sehr eleganten Hause fand der Offizier zwei chinesische Frauen, die dem Gemetzel entgangen waren und sich ver⸗ borgen hielten. Sie warfen sich ihm wahnsinnig vor Schrecken, weinend und schreiend zu Füßen, indem sie ihn angstvoll anflehten:„Verzeihung, meine Herren, thun Sie uns nichts zu leide; wir sind unschuldig.“ Er gab ihnen einige Geldstücke. Ferner berichtet Loti, daß ihm von einem Kameraden erzählt wurde, wie in Tientsin die Soldaten einer andern europäischen Nation, die er nicht nennen wolle, auf einem in der Nähe ihres Lagers befindlichen chinesi⸗ schen Friedhofe die Gräber öffneten, um nach dem Gelde zu suchen, das die Chinesen ihren Toten mit ins Grab geben! Auf diese Art wurde Zivilisation in China verhreitet! Schlimmer als die Söldner und Marodeure, die im dreißigjährigen Kriege Deutschland verwüsteten, haben die Kulturver⸗ breiter in China gehaust. Den Horden Wallen⸗ steins, Tilly's und Gustav Adolfs steht aber vor dem Urteil der Geschichte als mildernd zur Seite, daß sie in einer ganz barbarischen Zeit lebten und daß der Krieg eben ein Menschenalter hindurch währte. Was aber soll man von der modernen Zivilisation halten, die dem verrohenden Einflusse des Krieges schon im Zeitraum von noch nicht einem Jahre voll⸗ ständig unterliegen konnte! Eine solche Zivili⸗ sation verdient ihren Namen nicht, und daß das uralte Kulturvolk der Chinesen jemals einer solchen Zivilisation sich beugen werde, das ist ganz ausgeschlossen. Viele in der letzten Zeit veröffentlichte Hunnenbriefe werden von der„patriotischen“ Presse als Uebertreibungen, als Schwindel be⸗ zeichnet. Wir hielten es für angebracht, die Aeußerungen eines Mannes, dessen Objektivität von niemand angezweifelt wird, wiederzugeben. Sollten aber nur die andern Nationen diese Hunnenthaten vollbracht haben und die Deut⸗ schen so ganz unschuldig sein? Wir glauben es nicht. Krankenkassen⸗Hetze. Seitdem die Arbeiter in vielen Orten die Leitung der Ortskrankeukassen in die Hände genommen haben, find diese fortgesetzt Gegen⸗ stand der Angriffe von Seiten der Reaktionäre aller Schattierungen gewesen. In letzter Zeit bietet wieder der gerechtfertigte Kampf der Berliner Krankenkassen gegen den Arzeneiwucher den Scharfmachern erwünschte Gelegenheit, eine ganz infame Hetze gegen die Selbstverwal⸗ kung derselben zu eröffnen. Wurde früher den„sozialdemokratisch geleiteten“ Kassen vor⸗ geworfen, daß sie zu wenig für ihre Mitglieder leisteten, so sagt man ihnen jetzt nach, daß sie zu viel leisten! Man höre nur, was die „Berl. Pol. Nachr.“— das Organ des Herrn Schweinburg— den Leuten einreden wollen: „Wer die Entwickelung der Berufsgenossenschaften und der Invalidenversicherungsanstalten verfolgt hat, wird mit Freude wahrgenommen haben, daß diese Ver⸗ sicherungsträger ihre Hauptaufgabe nicht in der Zahlung von Renten und Unterstützungen, sondern, abgesehen von der auf Verhütung der Unfälle und Invalidität gerichteten Thätigkeit, in der möglichst intensiven Wiederherstellung 1 tung ermöglicht, vielmehr gedient. Dabei haben Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. der Gesundheit der Versicherten sehen. Nur dann ist den letzteren und ihren Familien am besten geholfen, wenn die größtmögliche Erwerbsfähigkeit schnellstens wiedergewonnen wird. Deshalb geben auch Berufs⸗ genossenschaften wie Versicherungsanstalten verhältnis⸗ mäßig bedeutende Summen für Aerzte und Arzneien aus. Sie nützen damit der Arbeiterschaft und ersparen durch Verringerung der Renten- und Unterstützungsbeträge den Arbeitgebern allzugroße Kosten. Das Vorgehen ist also vom humanen wie vom volkswirtschaftlichen, wie schlteßlich vom finanziellen Standpunkt aus zu billigen. Die Krankenkassen, soweit sie von der Sozialdemokratie geleitet werden, verfahren umgekehrt. Sie suchen möglichst viel bei den Kosten für Aerzte und Arzneien zu sparen und versprechen dafür den Arbeitern möglichst hohes Krankengeld. Sie legen demgemäß auf die baldigste und umfassendste Herstellung der Kranken weniger Wert, was ja auch schon daraus hervorgeht, daß die Berufs⸗ genossenschaften vielfach die Unfallverletzten, die noch in der Behandlung der Kassen sind, in eigene Behandlung nehmen,— wollen aber, wenigstens vorgeblich, die Unterstützungen möglichst hoch bemessen. Es kommen also innerhalb der Arbeiterversicherung zwei Bestrebungen tzt sind. Es zur Erscheinung, die diametral entgegeng ist keine Frage, daß das Prinzip der Berufsge und Versicherungsanstalten den Vorzug h ethischen wie kulturellen Gesichtspunkte aus ver ent, und es wird wohl an der Zeit sein, zu erwägen, ob diesem Prinzip nicht auch in der Krankenversicherung, etwa durch eine Aenderung des Kranken versicherungs⸗ gesetzes Geltung zu verschaffen wäre. Das ist in jeder Beziehung dreist geschwindelt. Wenn die Berufsgenossenschaften an ihrer Ge⸗ sundheit geschädigte Arbeiter in Rentenquet⸗ schen unterbringen, so geschieht das im In⸗ teresse der Ersparuis, durchaus n in Rücksicht auf den Arbeiter.— Die K a kassen handeln auch nur im Interesse der Ar⸗ beiter, wenn sie an Arzueikosten zu sparen suchen. Durch Massenverbrauch teurer Arze⸗ neien werden die Krauken nicht wieder herge⸗ stellt, nur die Apotheker bereichern sich dabei. Das Bestreben der Kassen, diese riesigen Wucher⸗ prozente herabzumindern und dafür mehr für die Kranken aufzuwenden, wird jeder billig denkende Mensch unterstützen müssen. Der Wiederherstellung des Kranken wird in vielen Fällen burch eine bessere Unterstützung, die eine einigermaßen menschenwürdige Lebens 1 die angegriffenen Krankenkassen stets ihr Augen⸗ merk auf die baldige Gesundung der Kranken gerichtet. Nein, es handelt sich bei dieser Hetze nur um die Beseitigung der Selbstständigkeit der Arbeiter und die Aufrichtung der unbedingten Herrschaft des Unternehmertums. Aufgabe der Arbeiter muß es sein, angesichts der auch in andere Blätter übergegangenen Verdächtigungen des Kaptitalistensöldlings, auf die Wahrung ihrer Rechte bedacht zu sein. Aus dem Berichte der hessischen Gewerbeinspektion. 1 (Siehe Nr. 23 der„M. S. ⸗Ztg.) Bezüglich der Verwendung weiblicher Beamten im Auffsichtsdienste sind die Mei⸗ nungen der Inspektoren geteilt. Die Herren Baensch⸗Mainz und Engel n⸗Gießen meinen, daß die Assistentin nur wenig Sympathien be⸗ gegnet, und ihre Stellung zu den Arbeitgebern sich recht unangenehm gestaltet habe, da die Thätigkeit der Beamtin nur in der Ermittelung von llebertretungen der Schutzgesetze für die Arbeiterinnen bestehe und in Folge des Mangels technischer Kenntnisse und Erfahrungen eine beratende Thätigkeit nicht ausgeübt werden könne. Die meisten Arbeitgeber erach⸗ teten die Einführung weiblicher Be— amten für völlig überflüssig. Das glauben wir gern. Wenn die Meinung der Arbeitgeber über den Wert oder Unwert der Gewerkeinspektion zu entscheiden hätte, dann beständen derartige Organisationen in Deutsch⸗ land überhaupt nicht. Die sogenannten Ar⸗ beiterschutzgesetze wurden aber gegen den Willen einer übergroßen Mehrheit der Arbeitgeber ge⸗ schaffen und so wie letztere heute die noch etwas neue Einrichtung der Assistentinnen für über⸗ ——ä—̃— flüssig erachten, ebenso dachten die Herren früher über die Fabrkt⸗, jetzt Gewerbeinspektoren; auch der Verkehr dieser Beamten mit den Arbeit⸗ gebern gestaltete sich oft„recht unangenehm“. Darauf kommt es aber nicht an, und der Mangel an technischen Kenntnissen war sogar auch schon bei männlichen Inspektionsbeamten zu konsta⸗ tieren. Diese Gründe gegen die Asststentinnen können wir nicht als durchschlagend ansehen. Dazu kommt, daß die Beamten in Offenbach und Darmstadt berichten, die Thätigkeit der Beamtin habe sich auch im verflossenen Jahre als nützlich erwiesen. Die verschiedene Beur⸗ teilung dieser Einrichtung seitens der hessischen Inspektoren gründet sich vielleicht mehr auf die verschiedene persönliche Befähigung der weib⸗ lichen Beamten. Den Arbeitgeberwünschen auf ihre Beseitigung muß jedenfalls schärffter Wi⸗ derstand entgegengesetzt werden. Jugendliche Arbeiter beiderlei Ge⸗ schlechts wurden im Berichtsjahre in 1633 Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen 7035, das sind 8,2 Prozent aller Arbeiter, be⸗ sch Davon entfallen auf die Aufsichts⸗ be Darmstadt 2016, Offenbach 1596, Gießen 1 d Mainz 2091. Von diesen 7035 be⸗ schäftigten jugendlichen Personen sind 4568 männlichen und 2467 weiblichen Geschlechts. Kinder unter 14 Jahren, die zum Schulbesuch nicht mehr verpflichtet waren, wurden zusammen 90 beschäftigt, davon 25 Knaben und 35 Mäd⸗ chen. In einer Schachtelfabrik waren 12 schul⸗ pflichtige Kinder ihren Müttern, die in derselben Fabrik arbeiteten, behilflich. Die Mütter zeigten sich, heißt es in dem Jahresbericht, sehr auf⸗ geregt und entrüstet über das Verbot der Kinderbeschäftigung in der Fabrik und nunmehr machen diese Kinder zu Hause die Schachteldeckel, die Mütter und erwachsenen Geschwister machen die Schachteln in der Fabrik fertig. Für jeden Kenner der Arbeiterverhält⸗ nisse wird das auf den ersten Zlick unbegreif⸗ liche Verhalten der Mütter sofort verständlich, wenn er erfährt, daß die Frauen sich mit einem Tagesverdienst von einer ganzen Mark begnügen müssen, also den Ausfall des Kin der⸗ arbeitsverdienstes sehr schwer empfinden. (Fortsetzung folgt.) Politische Rundschau. Gießen, den 20. Juni. Agrarische Unverschämtheit. Kürzlich brachte eine Zeitung die Nachricht, daß die Regierungen voraussichtlich von der Einführung eines Doppeltarifs Abstand nehmen und für Roggen einen Zollsatz von 5 Mk., für Weizen einen solchen von 6 Mk. dem Reichs⸗ tage vorschlagen würden. Dazu bemerkte das Organ der„Edelsten und Besten der Nation“, die fromme„Kreuzzeitung“:„Wenn es wirklich dahin kommen sollte, daß wir einen Einheits⸗ tarif mit 5 Mk. Roggenzoll erhalten, so hat das für die Landwirtschaft so ziemlich die nämliche Wirkung, wie wenn der alte Zolltarif aufrecht erhalten würde.“ Dabei würde eine Festsetzung des Roggenzolls auf 5 Mk. eine Erhöhung des gegenwärtigen Zolls von 3,50 um nicht weniger als 48 Prozent bedeuten. — Bescheidenheit ist eben nicht gerade eine spezifische Eigenschaft der Agrarier. Die gehen auf's Ganze. Sie wollen ein Schlemmerleben führen und fragen den Teufel danach, ob das Volk dabei am Hungertuche nagen muß. Eine seltene Erscheinung. Anständige Agrarier finden sich so vereinzelt, daß man nötig hat, extra auf sie hinzuweisen. So ist es angesichts der immer unverhüllter zu Tage tretenden Raubgelüste der Junker an⸗ gebracht, an eine Aeußerung des jüngst ver⸗ storbenen ehemaligen liberalen Abgeordneten Frhr. v. Staufenberg zu errinnern, der zwar auch ein Großgrundbesitzer, aber trotzdem ein anständiger Mensch war. Als im Reichstage am 15. Dezember 1891 bei Beratung des öster⸗ reichischen Handelsvertrages über Herabsetzung des Getreidezolles von 5 auf 3,50 M. verhandelt zugesandt wurde. wurde, besprach Frhr. v. Staufenberg die damals herrschende Getreideteuerung und das Elend der ärmeren Klassen, von dem er Kenut⸗ nis genommen habe. Er fuhr fort:„Meine Herren, ich weiß sehr wohl, daß man dadurch, daß man einen Gegenstand bespricht, ihn an und für sich nicht besser macht; und ich wesß sehr wohl, daß durch eine Herabsetzung des Getreidezolles um 1,50 M, das menschliche Elend auch nicht aus der Welt geschafft wird. Ich gebe sogar zu, daß Umstände eintreten können, welche im Preise diese 1,50 M. nicht derart erscheinen lassen, daß eine Erniedrigung um diesen Preis kommt. Aber sehr wahrscheinlit ist doch, daß eine Erhöhung des Preises bis zu einem gewissen Grad abgewendet wird. Dann bitte ich doch auch etwas zu bedenken; es ist nicht das Brot allein, um das es sit handelt, sondern es sind alle Gegenstände des Verzehrs, welche mit einem ziemlich hohen Zoll und dodurch mit einer Erhöhung betroffen find, von dem Ei an bis zum Fleisch, Meine Herren, wenn Sie all' diese Dinge zusammensummieren, dann giebt es doch fin die kleinen Budgets einen so starken Posten, daß wir mit einer gewissen Reserve über diese Dinge— und das ist das Wenigste, was ich vei⸗ langen darf— reden sollen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, daß ich als Groß⸗ grund besitzernichtdas Rechthabe üben einen mir entgehenden Profit zu klagen, wenn so und so viel Leute in Deutschland wegen eben diesem Prot zum Teil hungern müssen“. Derartige Einsicht und menschliches Mil, gefühl wird man bei den Angehörigen dis Bundes der Landwirte und den Leuten da Kreuzzeitung vergeblich suchen. Im Solde der Agrarier. Vor Kurzem teilte der„Vorwärts“ mi, — wir erwähnten die Sache schon in der vor⸗ letzten Nummer— daß der Bund der Lau wirte Agenten im Zentrum unterhalte u) besolde, es erhalte z. B. ein Herr Bauer n Bonn jährlich 2000 Mk. Dieser Herr Baus bestritt zwar, daß er dem Bunde verpflichtet sei, der Bund selber aber schwieg. Je kommt der Vorwärts auf die Sache zurül, indem er meint, es liege im Interesse des Herr Bauer, wenn er den Bundesvorstand veranlasee öffentlich zu erklären, daß er keine Subvention bezogen habe. Eine solche Erklärung dürft. aber der Bundesvorstand nicht abgeben, de jenem Herrn auf dringendes Ersuchen sein Gel) von der Bundeszentrale unter einer Deckadress Diese Geheimnisthuerei das Juteressanteste an der Sache, denn Hirt Bauer ist ja nicht allein subventioniert; det Hund besoldet außer seinen Angestelllt! andere, auf der rechten Seite des Reichstag! sitzende Abgeordnete. Gräflicher Antisemitenhäuptling als Arbeitgeber. Der durch seine antisemitischen Hetzredel bekannt gewordene Dreschgraf Pückler in K.. Tschirne muß ein wahrer Engel von einen Arbeitgeber sein. Die Bresl. Ztg. bericht!“ über ihn: Ende Mai hatte der Graf von seinel Arbeitern und Arbeiterinnen, welche um 5 früh die Arbeit beginnen, verlangt, daß bis ½9 Uhr Abends arbeiten sollten. Da die Leute aber etwas früher Feierabend machte. entließ der Graf am 1. Juni ohne Rücksill und Erbarmen seine sämtlichen Arbeiter un Arbeiterinnen, die sich seinem Befehle widerse hatten und selbst einige arme Witwen mit zah⸗ reicher Kinderschar, welche sich ihm zu Füße! warfen und um weitere Beschäftigung baten weil sie sonst nicht wüßten, wie sie ihre Familie“ ernähren sollten, fanden keine Gnade in dei! Augen des gestrengen Richters. An Stelle de alten hat der deutsche Graf nun neue pol. nische Arbeiter eingestellt. Ob diese mit ein!“ — ů ——̃ Ä— ——ͤ— — Graf verlangt, einverstanden sind, wird nie Elan— Gewiß ein edler teutscher Patin I r und sein Freund Hans Pinsel, der A so unmenschlichen Arbeitszeit, wie ste der ede geordnete für Alsfeld⸗Lauterbach, Ah“ An D stalt 140 m m Auw Gründer. Haraktel! Togesort N05 legt, al krieit. Licht-. ür de! etabliert tralel, fleinere Det dustrie die einer schüttern“ 11 f ternch der find Angriff Kleineren die Mitt Opfer Dresd! Viͤblings Kumm. Alles Krachna Aarken schleicher sellschaf die Ob. belomn e ö D am 138. schon m Prietz erhielt! Fuchs mann dem Dr Wird, im Neu machur jedem er hei ersatzwe Wähler „ation dettelah zu hers klzählte b. Sth könnten sofort b welcher heit 1 Nlump bon Ne feiner) Stumm zum 9 Zentren 2 kreten eusch bal wegen amn, schon um enn 95 U ib Gef Jude aun — Preisez bendet c zu bedess das cz egenstih lem dien I 1 n zum Fe 3 f diese Di e doch J boch arkor 9 6 arten Po Tbe über! N 0 rwärts“! n in del! ind der nterhalte Ir Baut Herr N de berhsl vieg. Sache iu resse des he and vera ine Subbell flärung“ algebel, nchen seil! er Decal mnisthuen he, dell! entionlet., 1 Alge dez Rüihe⸗ häuptlit f 2 scen Hel, Pücler e P Nr. 25. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. wardt, Hirschel, Böckel, sie alle sind einander wert. Ein neuer Bankkrach. In Dresden ist dieser Tage die Kredit⸗ anstalt für Handel und Industrie zusammengebrochen. Damit hat, wie der Vorwärts schreibt, die große Liquidation der Gründer⸗Aera 18951900 ein für diese Aera charakteristisches Gebiet der Industrie auf die Tagesordnung der Krachereignisse gesetzt. Das für den Aufschwung, der hinter uns liegt, charakteristische Gebiet ist das der Elek⸗ tricität. Kabelwerke, Telephon⸗Anlagen, Licht⸗ und Bahnanlagen eröffneten ein Feld für den industriellen Wetteifer. Von vornherein etablierten sich auf diesem Gebiete große Cen⸗ tralen, Riesenunternehmungen, denen gegenüber kleinere Betriebe einen schweren Stand hatten. Die tropische Entwicklung der Elektricitäts⸗ industrie zeitigte bedenkliche Ueberspannungen, die einen heftigen und den Kapitalmarkt er⸗ schütternden Rückschlag erwarten lassen. Zu⸗ nächst find zahlreiche unwirtschaftliche kleinere Unternehmungen ins Leben gerufen. Dann aber sind gerade auf diesem Gebiet Anlagen in Angriff genommen, zu deren Durchführung den kleineren Gesellschaften und ihren Bankhelfern die Mittel, die Kapitalien fehlen. Das erste Opfer dieser beiden kritischen Umstände ist die Dresdener Elektricitätsbank, und ihr Lieblingskind, die Aktiengesellschaft vormals Kummer. Alles in allem muß man sich auf weitere Krachnachrichten gefaßt machen und auch an starken Skandalen dürfte es nicht fehlen. Die schleichende Krankheit der kapitalistischen Ge⸗ sellschaft tritt mit eklen Aussatzerscheinungen an die Oberfläche. Die Gerichte werden zu thun bekommen.— „Freie“ Wahl. Stumms Reichstagswahlkreis hat am 13. Junt, wie wir in der letzten Nummer schon mitteilten, den nationalliberalen Bergrat Prietze zu seinem Vertreter„gewählt“. Er erhielt 15618 Stimmen, der Zentrumskandidat Fuchs 14909, während unser Genosse Leh⸗ mann nur 106 Stimmen, bekam, was bei dem Druck, der dort auf die Arbeiter ausgeübt ö wird, nicht weiter verwunderlich ist. So war im Neunkirchener Hüttenwerk folgende Bekannt⸗ machung angeschlagen:„Wir erwarten von jedem unserer wahlberechtigten Arbeiter, daß er bei der am 12. ds. stattfindenden Reichstags⸗ ersatzwahl seine nationale Pflicht als Wähler erfüllt. Gebrüder Stumm.“ Unter „nationaler Pflicht“ war natürlich die Stimm⸗ zettelabgabe für den Scharfmacherkandidaten zu verstehen.— Als eine katholische Zeitung erzählte, daß der Bruder des verstorbenen Abg. v. Stumms geäußert habe, seine Arbeiter könnten wählen, wen sie wollten, war dieser sofort mit einer Erwiderung bei der Hand, in welcher er dies„als grobe, tendenziöse Unwahr⸗ heit und plumpes Wahlmanöver“ erklärte. Plump und tendenziös ist es also, wenn man von Jemandem behauptet, daß er die Rechte seiner Arbeiter achte! Da kommt ganz die alte Stumm'sche Anmaßung und Willkürherrschaft zum Ausdruck. Uebrigens kündigen die Zentrumsblätter den Protest gegen die Wahl an. Majestätsbeleidigungsprozesse treten in letzter Zeit wieder so zahlreich wie Heuschrecken auf. Daß überhaupt der Maje⸗ stätsbeleidigungsparagraph existiert, daß Jemand wegen Beleidigung eines Andern bestraft werden kann, ohne daß dieser Strafantrag stellt, ist schon schlimm genug. Noch schlimmer ist aber die traurige Erscheinung, daß ein ehrlicher Mann von irgend einen denunziatorischen Lumpen wegen einer Bagatelle in's Gefängnis gebracht werden kann. So berichtet die Chem⸗ nitzer„Volksstimme“, daß vom dortigen Land⸗ gericht der 71 Jahre alte, bisher noch unbestrafte Weber Dienelt zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ein alter, am Rande des Grabes stehender, unbescholtener Mann muß drei Monate ins Gefängnis wegen einer vielleicht ganz harmlosen Aeußerung! Empörend! Monarchische Gesinnung und Königs⸗ treue werden dadurch aber sicher nicht gefördert. Oeffentlichkeit auf unserem Parteitage. Das Parteisekretariat veröffentlichte vorige Woche folgende Notiz:„Der sozialdemo⸗ kratische Parteitag findet in diesem Jahre in Lübeck statt. Für die Verhandlungen ist die dritte Septemberwoche in Aussicht genom⸗ men. Wie in Mainz beschlossen worden ist, soll auf dem diesjährigen Parteitag außer den üb⸗ lichen Partei⸗Angelegenheiten die Wohnungs⸗ frage auf die Tagesordnung gestellt werden. Als Referent ist der Genosse Dr. A. Südekum, Vertreter für Nürnberg im Reichstag, in Aussicht genommen. Der Parteitag wird wie gewöhn⸗ lich öffentlich tagen, doch ist auch die Abhaltung geschlossener Sitzungen in Aussicht ge⸗ nommen, da durch die Beseitigung des Koali⸗ tionsverbots für politische Vereine der Abhal⸗ tung solcher Sitzungen kein Hindernis mehr im Wege steht.“— Zunächst beschließt natürlich der Parteitag darüber, ob er öffentlich oder nicht öffentlich tagen will und wir sind. nicht im Geringsten im Zweifel, wie der Beschluß ausfallen wird. Wir meinen, es liegt gar kein Grund vor, von unserer bisherigen Gepflogenheit, alle Tagesordnungs⸗Gegenstände des Parteitags in voller Oeffentichkeit zu ver⸗ handeln, abzugehen. Es hat uns noch nie eniert, wenn bürgerliche Berichterstatter ver⸗ ogene Berichte über die Verhandlungen brachten. Dies aber giebt der Parteivorstand in einer längeren im„Vorwärts“ veröffentlichten Er⸗ klärung als Grund dafür an, gewisse Partei⸗ angelegenheiten in geschlossenen Sitzungen zu behandeln. Gewiß mag es Dinge geben, die man nicht gerne den sensationslüsternen, ver⸗ leumderischen Schmocks der bürgerlichen Presse auf die Nase bindet, wir können uns aber trotzdem nicht für geschlossene Sitzungen er⸗ wärmen. Wir glauben nicht, das der Parteitag dem Vorschlage des Vorstandes beitritt. Natürlich bot diese Angelegenheit dem bür⸗ gerlichen Zeitungsgeschwister willkommenen An⸗ laß, über Prinzipienverrat, Geheimniskrämereiꝛc. der Sozialdemokratie zu orakeln. Selbstver⸗ ständlich schnappte auch der Gießener„Uupar⸗ teiische“ diesen Brocken begierig auf. Die Ge⸗ sellschaft hätte erst abwarten sollen, was hier⸗ über beschlossen wird. Uebrigens dürfte unsere Partei wenig nach dem Urteile anderer Parteien fragen, die, wenn sie überhaupt Parteitage zu⸗ sammenbringen, das Licht der Oeffentlichkeit sehr ängstlich meiden. Wahlen in Holland. Am 14. Juni fanden in Holland die Wahlen statt. Sie bedeuten die völlige Niederlage der Liberalen, die bisher in der Kammer die heit bildeten. Von unsern Genossen ist im ersten Wahlgang keiner gewählt, doch ist die Sozialdemokratie an zehn Stichwahlen beteiligt Die Hauptsache aber ist, daß unsere Stimmen⸗ zahl glänzend gewachsen ist. Im Jahre 1897 bekamen alle unsere Kandidaten insgesamt 13366 Stimmen; jetzt vereinigten wir 38279 Stimmen. Unsere Stimmenzahl hat sich also verdrei⸗ facht.— Die Wahl von fünf unserer Ge⸗ nossen wird als sicher gemeldet; im vorigen Parlament waren nur drei Sozialdemokraten. Gewählt wurden im ersten Wahlgang: 23 Ka⸗ tholiken, 23 Anti⸗ Revolutionäre(evangelische), 9 Liberale, 2 freisinnige Demokraten und 1 Christlich⸗Historischer. Das sind 47 Klerikale und nur 11 der Linken. Die Kammer besteht aus 100 Mitgliedern, es müssen also 42 Stich⸗ wahlen stattfinden und darunter sind 5 Wahlen, in denen zwei Klerikale einander gegenübherstehen. Das macht also 52 Mandate für die Klerikalen, die damit schon die Mehrheit haben. In zwei anderen Stichwahlen ist der Vorsprung der Klerikalen so groß, daß ihre Wahl sicher ist, wodurch die Mehrheit auf 54 gebracht erscheint. Von den übrigen Sitzen, in denen es zur Stichwahl kommt, werden die Klerikalen nichts abkriegen.— Infolge dieses Ergebnisses muß die bisherige liberale Regierung abdanken. eee ohr Meh [Engländer verloren Krieg in Südafrika. Friedensverhandlungen. Daß nach den empfindlichen Niederlagen, welche die Eng⸗ länder in der letzten Zeit erlitten und angesichts der ungeheuren lawinenartig anschwellenden Opfer, die der Burenkrieg erfordert, die Frie⸗ denssehnsucht auf englischer Seite bedeutend stärker ist, als bei den Buren, läßt sich leicht denken. Lord Kitchener stellte deshalb auch den Telegraph zur Verfügung, um Verhand⸗ lungen zwischen Präsident Krüger und der Transvaalregierung in Standerton zu ermög⸗ lichen. Es verlautet, daß die Burenführer dem Präsidenten die militärische Lage objektiv dargelegt und betont hätten, nach ihrer Meinung wäre es unmöglich die Engländer zu hesiegen, es wäre ihre Pflicht, dem Blutvergießen Einhalt zu thun und den Friedensschluß unter ehren⸗ vollen Bedingungen zu beschleunigen. Krüger hingegen zeigt sich weniger zum Frieden geneigt. Es heißt, er werde einen Erlaß veröffentlichen, in dem er die Verantwortung für einen Frie⸗ densschluß ohne Sicherung der völligen Unabhängigkeit der Republiken ablehnt. Doch haben die Burenführer die Hoffnung auf eine absolute Unabhängigkeit aufgegeben; sie sind nach neueren Meldungen bereit, in Frie⸗ densverhandlungen auf Grund der Angebote Lord Küthheners einzutreten und folgende For⸗ derungen hinzufügen: 1. Eine angemessene, wenn auch nicht voll⸗ ständige Amnestie für die Natal⸗ und Kap⸗ kolonierebellen holländischen Stammes. 2. Eine Kompensation für die Ver⸗ brennung von Farmen, die Hinwegführung des Viehes usw. 3. Die Beteiligung der alteingesessenen Bevölkerung an der konstitutionellen Ver⸗ tretung der neuen Kolonien. 4. Eine angemessene Begleichung der Verpflichtungen, die das Burenregiment während des Krieges hat eingehen müssen. er Einfluß Krügers und Leyds auf die Verhandlungen soll sehr gering sein. Heftige Kämpfe haben in der letzten Zeit wieder stattgefunden. Kitchener berichtet, daß am 6. Juni eine englische Kolonne unter Ellirt mit Dewets Truppen zusammenstieß. Die dabei 20 Mann. Darunter drei Offiziere. Die Buren ließen 17 Tote und drei Verwundete zurück. Den Eng⸗ ländern sollen mehrere Wagen, darunter ein mit Munition beladener, in die Hände gefallen sein.— Eine schwere Schlacht erlitten die Engländer ferner in der Nähe von Wil⸗ mansrut, 20 Meilen südlich von Mieddel⸗ berg in Trans vaal, dort wurden 250 berittene Viktoriaschützen, welche getrennt von Beatsons Abteilung marschirten, in ihrem Lager bei Steenkopspruit von einer überlegenen Sreit⸗ macht der Buren überrascht. Diese Feinde krochen bis auf kurze Schußweite heran und überraschten das Lager mit einem mörderischen Feuer. Auf englischer Seite wurden zwei Offiziere, 16 Mann getötet, vier Offi⸗ ziere, 38 Mann verwundet; zwei Offiziere und 50 Mann entkamen nach Beatsons Lager, die übrigen wurden gefangen, später jedoch wieder freigelassen. Zweit Maxim geschütze fielen in die Hände der Buren. Weiter wird aus London berichtet, daß nach dort eingegangenen Privatnachrichten die Engländer in dem Gefecht bei Hartebeestfontein 15 Geschütze verloren haben. Der Sieg der Buren bedeutet für die Engländer den Verlust des ganzen südwestlichen Ge⸗ biets von Trans vaal. Nur die Stadt Zeerust ist in den Händen der Engländer geblieben. Kitchener hatte bekanntlich diesen Sieg den Buren zugestanden. Die Streitkräfte der Buren betragen nach zuverlässigen Mitteilungen noch immer 18000 Mann, von denen 6000 Rebellen in der Kapkolonie stehen, die täglichen Ausfälle werden durch Fremdenzuzug besonders von fran⸗ zösischer Seite gedeckt. Ebenso ist nochfür 18 Monate Kriegsmaterial vorhanden. 1 14 5 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntaas⸗Zeitung. Nr. 25. von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf otner Seite zu beschreiben. Besserungen im hessischen Gefängniswesen. Eine vom hessischen Justiz⸗Ministerium er⸗ lassene neue Dienstordnung für die Pro⸗ vinzialarresthäuser bringt in Bezug auf die Behandlungen der Gefangenen bemerkenswerte, den modernen Anschauungen mehr als seither entsprechende Bestimmungen. Danach darf bei⸗ spielsweise politischen Gefangenen und solchen, die wegen Preßvergehen zur Ver⸗ urteilung gelangten, stets Selbstverkösti⸗ gung gewährt werden. Der 8 73 besagt u. A. „Gefängnissträflingen, die stch im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und nicht wegen einer mit Zuchthaus oder den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedrohten straf⸗ baren Handlung verurteilt sind, kann von dem Vorsteher der Anstalt ausnahmsweise die Selbst⸗ verköstigung gestattet werden, wenn nach der bisherigen Lebensführung des Gefangenen die Verpflegung mit Anstaltskost eine besondere Härte in sich schließen würde. Auf Anordnung des Arztes können denselben auch geistige Ge⸗ tränke verabreicht werdeu. Auch bezüglich der Beschäftigung solcher Gefangenen besagen die allgemeinen Bestimmungen des§ 78 Folgendes: „Bei der Zuweisung von Arbeit an die Ge⸗ fangenen ist auf ihren Gesundheitszustand, ihre Fähigkeiten, ihren Bildungsgrad, ihre Berufs⸗ verhältnisse und ihr Fortkommen Rücksicht zu nehmen. Ferner heißt es in 883:„Ausnahms⸗ weise wird den zu Gefängnisstrafe Verurteilten, namentlich solchen, welche in ihrem bürger⸗ lichen Berufe geistig beschäftigt sind, sofern sie sich im Besitz der bürgerlichen Ehren⸗ rechte befinden und Zuchthausstrafe noch nicht verbüßt haben, mit Genehmigung des General⸗ staarsanwalts gestattet, sich selbst zu be⸗ schäftigen.“ Solche Gefangenen brauchen auch keine Anstaltskleider zu tragen. Gießener Angelegenheiten. — Das Sommerfest der Gewerk⸗ schaften Gießens findet, wie schon durch die Annonce in der vorigen Nummer bekannt gegeben, diesen Sonntag, den 23. Juni im Walde an der Licherstraße statt. Für Unter⸗ haltung hat das Gewerkschaftskartell in ge⸗ nügender Weise gesorgt, so daß hoffentlich kein Besucher das Fest unbefriedigt verlassen wird. Selbstverständlich gelangen für unsere Kleinen wieder ein paar ansehnliche Körbe voll Bretzeln zur Verteilung. Unsere Freunde und Genossen in Gießen und Umgebung werden ersucht, das Fest nicht nur selbst zu besuchen, sondern auch in ihrem Bekanntenkreise für zahlreiche Betei⸗ ligung zu wirken. — Der„Wahre Jakob“ hat soeben die Nummer 13 seines 18. Jahrganges erscheinen lassen. Wir machen unsere Leser auf die reich⸗ haltige, 12 Seiten starke Nummer empfehlend aufmerksam. Das Blatt kostet 10 Pfennige und ist in unserer Expedition zu haben. —r. Buchdruckerversammlung. Die gutbesuchte Versammlung der Buchdrucker, die am vorigen Samstag im Vereinslokale statt⸗ fand, beschloß zunächst, das Johannisfest am 0. Juni auf der Liebigshöhe abzuhalten. Ferner bewilligte man für die streikenden Weber in Cunewalde aus der Ortskasse 10 Mk., welche Summe vom Bezirksvorstande auf 25 Mk. erhöht wurde. Der Vorsitzende gab eine inte⸗ ressante Statistik über die Verbandszugehörigkeit der hiesigen Verbandsmitglieder bekannt. Da⸗ nach steuerte das älteste Mitglied 1486 Wochen, gehört also dem Verbande beinahe 29 Jahre an. Das jüngste steuerte 6Wochen; im Ganzen leisteten die 43 Mitglieder 22686 Wochenbei⸗ träge, so daß durchschnittlich auf jedes 527 entfallen. 9 Mitglieder steuerten mehr als 1000 Wochen. Da die Zeit der Krankheit, Arbeitslofigkeit ꝛc. dabei nicht inbegriffen ist, ergiebt sich aus diesen Zahlen, daß die Kollegen mit Zähigkeit an ihrer Organisation festhalten. Nicht zu ihrem Schaden! — Gebildete Jugend. Ein Anwohner der „Neuen Bäue“ schreibt uns:„Heillosen Spektakel verursachten am vorigen Sonntag früh einige von einem Fest heimkehrende Studenten. Sie stritten sich mit Schutzleuten herum, wobei man die unflätigsten Worte hören konnte. Einen Schutzmann schrie so ein Herrchen an: Sie Rind vieh! Ich bin Student! Bitte keine Beleidigung, entgegnete dieser sehr höflich, geben Sie mir Ihre Legitimationskarte!„Die konnten sie gleich verlangen“ war die Antwort und schimpfend zogen sie ab, gefolgt von den Schutzleuten. Von dem Bildungsgrad dieser Leute, die doch später als Staatsbeamte, Richter, Lehrer des Volkes ꝛc. fungieren sollen, bekam man einen recht eigentümlichen Begriff.“ Gewiß, die„Bildung“ jener Herren besteht nur in ihrer Einbildung; das hält sie aber nicht ab, lch Vorrechte anzumaßen und spaͤter als „Ordnungsstützen“ manchmal auch als un⸗ parteitsche Redakteure— über Verrohung der Arbeiter zu jammern.— Uebrigens tritt ja so ein kleiner Straßenkrakehl noch zurück hinter dem„feinen Scherz“ den sich neulich ein Studtosus in Erlangen erlaubte. Dieser be⸗ nutzte wiederholt die Postbriefkästen als Pissoir! Dafür wurde ihm nur die lächerlich geringfügige Strafe von 20 Mk. zudiktiert. — Berunglückt. In den Gail'schen Thongruben ereignete sich am vorigen Donners⸗ tag ein schweres Unglück. Mehrere Arbeiter waren mit Graben beschäftigt und arbeiteten in einer Tiefe von etwa 5 Meter, als eine Wand einstürzte und Erdmassen die Arbeiter verschütteten. Während drei noch rechtzeitig bei Seite springen konnten, blieb ein anderer, etwa 38 Jahre alter verheirateter Arbeiter aus Hachenborn sofort tot. Eine eingeleitete Unter⸗ suchung wird ergeben, ob die vorgeschriebenen Schutzmaßregeln von den Betriebsleitern beob⸗ achtet wurden. — Das Oberersatzgeschäft(General⸗ musterung) findet für den Kreis Gießen an folgenden Tagen statt: Montag, 24. Juni, vormittags 8 Uhr im Rathause zu Lich; Dienstag, den 25., Mittwoch, den 26. und Donnerstag, den 27. Juni im Saale„Lonys Bierkeller“ in Gießen; Freitag, 28. Juni im Gasthaus„Zum Rappen“ in Grünberg. — Anarchistisches. Nach Blätter meld⸗ ungen soll sich der in Gießen höchst unrühm⸗ lich bekannte„Anarchist“ Bürstenmacher Klink jetzt in Bietigheim in Württemberg mehrere Anklagen elch Beleidigung und Verbreitung 905 anarchistischen Blattes„Freiheit“ zugezogen aben. — Im Gießener Stadttheater finden gegenwärtig Vorstellungen des Wiesbadener Operetten⸗Ensembles statt. Es wird nur noch diese Woche und zwar am 24., 26. u. 28, Junt gespielt. Zur Aufführung gelangen beliebte Operetten, wie„Bettelstudent“,„Fledermaus“, „die Geisha“. Wir können den Besuch der Vorstellungen nur empfehlen. — Der Sozialistentöter in den„Gieß.⸗ Neuest. Nachr.“ schreibt bei Besprechung der Nachricht von den geschlossenen Parteitagsitzungen: „Nun, die Partei, die bloß weiß, was sie nicht will, aber selbst unter Anwendung von Daumschrauben nicht sagen kann, was sie will, wird derartige Mark⸗ steine zukünftig in Hülle und Fülle an ihre Heerstraße setzen. Ein treugläubiger Genosse stolpert nicht darüber.“ Es gehört eine reichliche Portion Anmaßung dazu, wenn ein Mensch, der seine politischen Lehr⸗ und Wanderfahre bei der Truppe„Dreh⸗ scheibe“ durchmachte dann agrarische und schweinburgische Politik unterstützt, bei alledem aber sich für unparteiisch ausgiebt, über die einzige Partei, die ein klares, auf wissen⸗ schaftlichen Grundlagen beruhendes Programm hat, derartiges schreibt. Wenn die„G. N. N.“ nichts dagegen haben, gestatten wir uns zu be⸗ merken, daß unsere Partei nicht blos sehr genau weiß, was sie will, sondern auch was andere wollen. Zum Beispiel, daß gewisse„unpar⸗ teiische Politiker“, die mit ihrer Ueberzeugung wie mit Gletscher⸗-Wachs handeln, durch Täuschung des Publikums nur ihre Geschäftsinteressen zu fördern suchen. Heuchelheim. „Zu unserm Festbericht in voriger Nummer müssen wir noch hinzufügen, daß nicht blos aus den dort angeführten Orten Gen. erschienen waren, sondern auch Watzenborn⸗Stein⸗ berg, Alten-Buseck, Wieseck und noch andere Orte, erstere sehr stark, vertreten waren. Die Nichtanführung dieser Orte geschah natür⸗ lich ganz ohne Absicht, die beschwerdeführen den Genossen wollen das also entschuldigen. In Lich fand am Sonntag eine gut besuchte Volks ver⸗ sammlung im„Holländischen Hof“ statt, in der Genosse Vetters referierte. Er wies be⸗ sonders darauf hin, daß heute die Minder⸗ bemittelten und Besitzlosen, welche die große Masse des Volkes bilden, keineswegs den ihnen ihrer Zahl nach gebührenden Einfluß auf die Regierung ausüben könnten. Darum würden ihnen auch der größte Teil der Staatslasten von der besitzenden und hereschenden Klasse in Form von Zöllen und indirekten Steuern auf⸗ erlegt. Um dagegen anzukämpfen, sei fester Zusammenschluß des werkthätigen Volkes nötig. Es wurde beschlossen, einen Wahlverein zu gründen, zahlreiche Anwesende erklärten ihren Bettritt. Aus Vilbel. Das am Sonntag abgehaltene Fest der Fahnenwethe des sozialdem. Arbeiter⸗ gesangvereins„Bruderkette“ in Vilbel nahm einen großartigen Verlauf. An dem Festzuge nahmen viele Gesang⸗ und andere Vereine aus der nahen und ferneren Umgebung, besonders aus Hessen im Ganzen ca. 2000 Personen teil. Der Friedberger Sozial⸗ demokratische Verein hatte sogar ein besonderes Musikkorps mitgebracht. Das Originellste aber im Zuge, was zur Zeit wohl nur in Hessen möglichst ist, war die Thatsache, daß sich der Gemeinde⸗ Ausschuß, laut Aufschrift eines Schildes, mit dem Bürgermeister daran be⸗ teiligte. Das Fest selbst wurde auf den Wiesen, wo sich alljährlich der Vilbeler Markt befindet, abgehalten. Die höchst wirkungsvolle Festrede des Genossen Dr. David wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Wetzlar. th. Die Bäckergehilfen in Wetzlar scheinen nun endlich auch einzusehen, daß sie ihre Lage nur verbessern können, wenn sie sich ihrer Organisation, dem deutschen Bäckerver⸗ bande, anschließen, wozu sie als vernünftige Arbeiter verpflichtet sind. Während die von Gießen aus betriebene Agitation zunächst wenig Erfolg hatte, sind jetzt schon die Mehrheit der Gehilfen Verbandsmitglieder geworden, so daß die Gründung einer Zahlstelle des Verbandes in Bälde bevorsteht. Bei einer am Sonntag stattgefundenen Besprechung wurde mehrfach betont, daß die Arbeitsverhältnisse im Bäcker⸗ gewerbe besonders in Wetzlar dringend einer Besserung bedürften. Namentlich müsse die Arbeitszeit geregelt werden, in allen Bäckereien mit ace wenigen Ausnahmen würde die Mapi⸗ malarbeitszeit überschritten, weder Gewerbe ⸗ inspektor noch Polizei kümmert sich darum. Ein Kollege erzählte auch, daß ein Meister seinen Gesellen mit dem Hundefuhrwerk auf das Land schicke; ein anderer, daß er mit seinem Nebenkollegen ein und dasselbe Bett abwechselnd beuutzen müsse und noch andere schöne Sachen kamen zum Vorschein. Die Gehilfen haben also allen Grund, sich eine Organisation zu schaffen, der wir herzlich Blühen und Gedeihen wünschen. n. Ueber den vor etwa 14 Tagen erfolgten Tod des 84 jährigen früheren Spenglers Lehr sind Gerüchte im Umlauf, die der Aufklärung von zuständiger Seite bedürften. Der Ver⸗ storbene hatte sich in das Kranulenhaus ein⸗ gekauft, um dort seinen Lebensabend zu per⸗ bringen. In der letzten Zeit soll er Geistes⸗ schwäche gezeigt haben und vielleicht in einem Anfalle stürzte er sich zum Fenster hinaus. Man spricht im Publikum die Neinung aus, daß die Verwaltung verpflichtet gewesen wäre U 8b doch l Verbrechen Vor 1 hänlein 10 berbre L219 des! und die d ehe solch aufgedec Entsetzen schluß det! Fat tägli bon Frau Frau Ha! sett sich! troffenen habenden wegen de Kindern! auch är! * Frauen Als e die Frau Pastor, Lundgeric licht 16 Zeulenrod tiert und blößte! dicken E geschla Entztel Tagen be verboten, das Mäd im Kray Behandl die Spur I ihre Diktat de ihr Dien weibliche Gesängn An; 3 berein de geht 0 garten“ hann ungen, Ai. 9 m einten Hoffen licherez 3 In letzt 3 In eint verein 10 ten ihren Fest der kbeiter in Vilbel An den id andere imgebung, ca. 2000 Sozial: besondercz ellste abe in Hessen ß sich dei ift eines daran be⸗ n Wiesen, t befindet, e Festred. it große 1 Welt , daß f n sie sih Bäckerbel⸗ sernünftit 0 die bo chst wenig heit di Sonntag nehrfol m Böll, gend el, nüsse 1. Bäckerei die Man 9 darul. 1 Nise Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. hurch geeignete Sicherheitsmaßregeln sol chem Falle vorzubeugen. Böse Geschichten. Die Bevölkerung der Residenzstadt Weimar vird seit Wochen, wie von dort geschrieben bird, durch eine gerichtliche Untersuchung in Uuẽfregung gehalten, wie sie in solchem Umfang ind in solcher Tragweite noch nicht dagewesen st. Schon seit Jahr und Tag wurde viel von Todesfällen junger Frauen gesprochen, die an⸗ scheinend von blühender Gesundheit gewesen varen und deren Ableben man sich daher hin⸗ schtlich der Ursachen nicht erklären konnte. Durch die gegenwärtige Untersuchung fällt nun ötzlich ein grelles Licht auf diese Fälle; wenn s auch noch nicht unumstößlich feststeht, so ist S doch hochwahrscheinlich, daß es sich um erbrechen wider das keimende Leben handelt. Sor drei Wochen wurde eine Frau Namens pänlein verhaftet unter der Beschuldigung, mn verbrecherisches Geschäft im Sinne des 219 des Strafgesetzbuches betrieben zu haben, umd die damit eingeleitete Untersuchung hat l ine solche Zahl derartiger Verbrechen“ tufgedeckt, daß allgemein Staunen und Entfetzen herrscht. Und dabei steht der Ab⸗ schluß der Untersuchung noch längst nicht bevor. Fast täglich sind bisher neue Vernehmungen yon Frauen erfolgt, welche die„Kur“ der Frau Hänlein gebraucht haben, und die Kette etzt sich täglich weiter fort. Die bisher be⸗ troffenen Frauen gehören meistens den wohl⸗ habenden Geschäftskreisen an, in denen man wegen der Ernährung und Erziehung von sindern nicht in Sorge zu sein braucht. Doch nuch ärmere Frauen sind darunter. Viele Frauen sind verhaftet worden. Dienstboten⸗Los. Als eine„humane“ Dienstherrin stand die Frau des Privatgelehrten und früheren Pastors Dr. Wille in Leipzig vor dem dortigen Landgericht. Die Angeklagte hatte ihr noch micht 16 Jahre altes Dienstmädchen aus Zeulenroda beinahe täglich mit Ohrfeigen trak⸗ tert und mit einem Rohrstock auf das ent⸗ blößte Gesäß gezüchtigt, ebenso mit einem dicken Spazierstock und einer Reitpeitsche geschlagen, u. a. auch das Mädchen mit Entziehung der Nahrung bis zu drei Tagen bestraft und dem Mädchen in zwei Fällen verboten, des nachts im Bette zu schlafen. Als duns Mädchen eines Fußleidens wegen Aufnahme irn Krankenhause fand, war es durch diese Behandlung vollständig entkräftet und wurden de Spuren der Mißhandlungen dort entdeckt. In ihre Heimat hatte das Mädchen, nach dem Diktat der Frau Doktor, günstige Berichte über ihr Dienstverhältnis schreiben müssen. Das weibliche Scheusal wurde nur zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 19. Juni 1901. — Johannisfest. Der hiesige Bezirks⸗ herein des Verbands Deutscher Buchdrucker be— geht am Samstag, den 22. ds. im„Schloß⸗ harten“ dahter die Feier des diesjährigen Jo⸗ khannnis festes durch Konzert, Kinderbelusti⸗ gungen, Preisspiele für Damen und Herren 1.. m. sowie Tanz. Auch der Gesangverein „Eintracht“ hat seine Mitwirkung frdl. zugesagt. Hoffentlich steckt der Himmel ein etwas freund⸗ ücheres Gesicht auf als in den letzten Tagen. — Unsere gebildete Jugend hat sich in letzter Zeit wieder in hellstem Lichte gezeigt. zu einem„Eingesandt“ in Str. 138 der„Hess. Landeszeitung“ beklagt sich Jemand in recht bitterer Weise darüber, daß bei einer kürzlich sgattgehabten Faßpartie einer Studenten⸗ brporation einige„angebeiterte“ Mitglieder gerselben die anwesende Schuljugend über⸗ zedeten, für Geld Handlungen vorzunehmen, velche in gröbster Weise gegen die Sittlich⸗ heit verstoßen. Eben diese Leute fühlen sich gerufen, dereinst ein leuchtendes Vorbild unserer zugend zu werden, und können den Mund nicht voll genug nehmen, wenn sie davon sprechen. Eine Entgegnung auf dieses„Eingesandt“ ist bis heute noch nicht erfolgt. Die armen Schul⸗ jungens erhielten natürlich andern Tags in der Schule und wohl auch zu Hause eine gehörige Tracht Prügel, welche aber von rechts⸗ wegen an erster Stelle jenen„gebildeten Herren“ gehört hätte.— In der Nacht von Dienstag zum Mittwoch trieb sich ein Student im Hemd, schwer bezecht, in der Kasernen— straße umher. — Ertrunken. Samstag Mittag stürzte der frühere Pächter des Restaurants„zum Wallfisch“, Hörle, der mitten in der Lahn von einem Boot aus angelte, infolge eines Fehl⸗ trittes ins Wasser. Sofort eilten einige Leute ihm mit Kähnen zu Hülfe. Es gelang aber nicht, den Verunglückten rechtzeitig zu erfassen. Er sank unter und obgleich er sofort heraus⸗ gezogen wurde, Aerzte auch alle Wiederlebungs⸗ versuche anstellten, gelang es nicht, ihn ius Leben zurück zu rufen. Kleine Mitteilungen. * Ein schreckliches Unglück betraf eine Arbeiterfamilie in Alten-Buseck. Das zwölfjährige Töchterchen war allein zu Hause und verrichtete häusliche Arbeiten. Wahrschein⸗ lich kam es dem Heerde zu nahe, seine Kleider fingen Feuer und ehe noch Hilfe kommen konnte, war es fürchterlich verbrannt. In die Gießener Klinik überführt, starb es schon in der folgenden Nacht.— In einer anderen Familie trank das kleine Söhnchen ein ihm in die Hände gefallenes Arzneimittel aus. Nur durch sofortiges Ein⸗ greifen des Arztes konnte es gerettet werden. ** Schlimmer Jugenderzieher. Der Lehrer an der Aschaffenburger prote⸗ stantischen Volksschule Ernst Krämer wurde in voriger Woche auf Anordnung des Staatsanwalts wegen Sittlichkeits verbrechen, begangen an kleinen Mädchen, verhaftet. * Prediger Hülle, der Leiter des Christ⸗ lichen Zeitschriftenvereins, ist am Donnerstag Abend an einem Schlaganfall gestorben. Hülle war der Herausgeber der verleumderischsten Flugschriften, die je gegen die Arbeiterbewegung geschrieben worden sind. Friede seiner Asche! * Ehescheidung Stern hergs. Vor dem Berliner Landgericht ist vorige Woche der Ehescheidungsprozeß, den Frau Sternberg gegen ihren Gatten(den bekannten Sittlichkeits⸗ verbrecher) angestrengt hat, zu Ende geführt worden. Der Gerichtshof gab dem Klage⸗ begehren statt und erklärte die Ehe Sternbergs für geschieden. ** Bei der Gewerbegerichtswahl in Kammer B des Aachener Gewerbegerichts, die alle Berufe außer der Textilindustrie umfaßt, siegten die freien Gewerkschaften wie in früheren Jahren, und zwar mit 610 gegen 476„christliche“ Stimmen. In der Kammer A siegten die Christ⸗ lichen wie früher. ** Ingenieur Carpenter, der Erfinder der nach ihm benannten Luftdruckbremse, die noch fast bei allen deutschen Eisenbahnen ange⸗ wendet wird, ist in Nauheim, wo er, seit Jahren herzkrank, Genesung suchte, fern von den Seinen im Alter von 49 Jahren gestorben. Mit ihm ist ein genialer Erfinder dahinge— schieden. Arbeiterbewegung. Die Brauer in Mainz haben eine Lohnerhöhung erreicht. Zuerst stellten nur die Arbeiter der Schöfferhofbrauerei die Forderung auf 23 Mk. wöchentlichen Mindest⸗ lohn. Bei den Verhandlungen, die hierüber zwischen dem Vorstand des Gewerkschaftskartells und dem Syndikus der„Vereinigten Mainzer Brauereien“ stattfanden, wurde seitens der Letzteren obiger Lohnsatz als Mindestlohn allen Brauern zugestanden, mit der Einschränkung, daß ihn Neueintretende erst nach halbjähriger Probezeit erhalten. Eine Brauerversammlung erklärte sich damit einverstanden. r πνπ n. Partei Nachrichten. An die Parteigenossen! Wir machen an dieser Stelle nochmals auf die am 7. Juli in Offe n⸗ bach stattfindende Konferenz der sozialdemokra⸗ tischen Gemeinderäte in Hessen aufmerksam. Es muß dafür gesorgt werden, daß alle Orte, wo wir Genossen in der Gemeindevertretung haben, auf der Konferenz vertreten sind. Unsere Parteiorganisationen müssen eine Delegation ermöglichen helfen, indem sie unter Umständen eine finanzielle Beihilfe gewähren.— Ferner ersuchen wir die Genossen, den in der vorigen Nummer der„M. S.⸗Ztg.“ veröffentlichten Statuten⸗ Entwurf für die Landesorganisation zu beachten und dazu in den Vereinen Stellung zu nehmen. Anträge dazu können entweder direkt an das Landeskomitee ein⸗ gesandt oder auch vorher der Kreiskonferenz unterbreitet werden. Wir bitten die Genossen, sich die Nr. 24 der „M. S.⸗Ztg.“ aufzubewahren, weil wir angesichts unseres knappen Raumes kaum in der Lage sein werden, den Entwurf nochmals abzudrucken. Vom Liebknecht⸗Denkmal. Die Sammlungen zum Denkmal⸗Fonds sind nun⸗ mehr abgeschlossen. Die Anfertigung des Denk⸗ mals ist dem Bildhauer May in Dresden— Blasewitz übertragen worden, dessen Entwurf mit dem Motto„Wissenschaft und Arbeit“ aus einer Konkurrenz von 23 eingegangenen Skizzen und Modellen als der geeignetste ausgewählt wurde. — P—— Versammlungskalender. Samstag, den 22. Juni. Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Tagesordnung: 1. Die Stadtverordnetenwahl. 2. Verschiedenes. Wieseck. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Abends 9 Uhr Generalversammlung bei Heinrich Keller. Gesangsstunde fällt aus. Montag, den 24. Juni. Gießen. Glaserverband. Abends ½¼9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Mittwoch, den 26. Juni. Gießen. Bäckerverband. Nachmittags 5 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Sonntag, den 30. Juni. Gießen. Fabrik- und Hilfsarbeiter. nach Marburg. Abfahrt 8.14 Morgens. Wahlkreis Friedberg. Quittung. Weil der Köwes üwer den Artikel sich so uffgeregt un der Ferdinand haimlich so geschmunzelt 1 Mk. Der Vertrauensmann. Ausflug Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebote. 7. Juni: Georg Zeschki, Sergeant hierselbst mit Marie Stoffel in Oberrad. Eugen Amend, Gerichtsaccessist in Darmstadt mit Hedwig Schmidt da⸗ hier. 8. Hermann Schreiner. Großh. Regierungsassessor hierselbst mit Katharina Köhler in Osthofen. Karl Pfeiffer, Steinhauer hierselbst mit Hermine Wipper da⸗ hier. Karl Beil, Schreiner hierselbst mit Margarethe Rinn in Heuchelheim. 13. Heinrich Frebel, Schreiner dahier mit Marie Birkenstock in Arnshain. Anton Heiler, Tüncher in Braubach mit Karoline Saint⸗Denis, geb. Hübinger dahier. 15. Heinrich Kraft II., Stein⸗ brecher in Bleichenbach mit Christiane Müller dahter. 18. Anton Schiele, Chemiker in Freienorla mit Anna Buderus dahier. Eheschließungen. 8. Juni: Jacob Schupp, Gießereiarbeiter hierselbst mit Margarethe Wagenbach dahier. Rudolf Hahn, Kaufmann hierselbst mit Luise Merten in Münster. 12. August Hirsch, Großh. Amts⸗ richter in Höchst i. O. mit Elise Ploch dahier. 13. Christian Stöckert, Schneider hierselbst mit Helene Benk dahier. 15. Karl Reiber, Schlosser hierselbst mit Margarethe Wagner dahier. Wilhelm Rühl, Kaufmann hierselbst mit Elisabethe Keßler dahier. Richard Felber, Schlosser hierselbst mit Bertha Denz dahier. Albert Wallenfels, Kaufmann hierselbst mit Marie Berg dahier. 17. Reinhold Rehme, Handschuhmacher hierselbst mit Emilie Semmler dahier. Geborene. 9. Juni: Dem Müller Heinrich Hammel ein S. 11. Dem Mechaniker Heinrich Fltzler ein S. Dem Fabrikarbeiter Peter Kuhn eine T. 12. Dem Privatdozent Dr. Bruno Henneberg eine T. 13. Dem Vicefeldwebel Heinrich Kohlenberg ein S. Dem Fuhrmann Heinrich Häuser eine T. 14k. Dem Eisendreher Wilhelm Gemmecker eine T. 15. Dem Kaufmann Georg Schmidt ein S. Gestorbene. 14. Juni: Ernst Koch, 47 Jahre alt, Feldschütz dahier. 17. Bernhard Schmidt, 61 Jahre alt, Fischhändler dahier. 18. Sophie Wallenfels, geb. Wortmann, 59 Jahre alt. 19. Elise Reinhadt, 3 Mo⸗ nate alt. 20. Minna Schütz, geb. Stein, 43 Jahre alt, Rentnerin dahier. 8 11 5 1 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeilung. Nr. 25. „ Unterhaltungs-Ceil. 7 —— A Eine Lahrt durch Estelbien. Von Hans Ostwald. Nachdruck verboten. II. Bei den Sachsengängern. Ein eindringliches Beispiel, wie die Herren Landwirte für ihre Arbeiter sorgen, welches Glück den Arbeiter unter agrarischer Obhut erwartet, drängte sich mir in Thorn auf: Die Sachsengänger, die in größeren und kleineren Trupps die Stadt durchstreifen, an den Ecken beisammenstehen und eine Semmel oder ein Stück Brot zerpflückend, auf der Bord⸗ schwelle der Bürgersteige sitzen. Wenn gerade schöne Tage sind, wenn die Sonne vom hellen Maihimmel Frühlingswärme herabstrahlt, legen sie sich wohl auch quer über die Straße und sonnen sich, wie die Hauskatzen. Sie sind da⸗ bei von einer rührenden Einfalt. Sie glauben, so eine schmale deutsche Stadtstraße sei nichts anderes als eine russische Dorfgasse— ein weiter Dorfplatz. Gleich am ersten Nachmittag sah ich, wie sich vier der Mädchen mit den sackartigen Jacken und den grellbunten Kopftüchern auf die Bord⸗ schwelle einer der belebtesten Straßen setzten, die barfüßigen Beine von sich streckten und dann so stumpf und müde vor sich hinstarrten, daß sie nicht die geringste Aufmerksamkeit für das Leben um sich herum übrig hatten. So hätte nicht viel gefehlt, daß die elektrische Straßen⸗ bahn ihnen die kräftigen Füße abgefahren— sie hatten nicht gewußt, wozu die eisernen Stangen, die Schienen, da im Pflaster lagen. Früher sah man hier nicht so viele dieser Zugvögel. Da fingen die Agenten und die Unternehmer, die Inspektoren und Aufseher die aus Kujavien Kommenden schon am Bahnhofe ab. Zu jedem Zuge eilten sie. Und es kam nicht selten vor, daß die Agenten oder Unter⸗ nehmer sich irgend eines Trupps wegen schlugen. Jetzt ereignet sich das nicht mehr. Wenig⸗ stens nicht in diesem Jahre. Da liegen die Sachsengänger ein, zwei, drei und auch vier Tage, ja oft länger als eine Woche beschäfti⸗ gungslos in Thorn und warten vergeblich auf einen Agenten. Aber die Agrarier schreien über Leuteno tn! Ja, was seit Jahren unerhört ist: viele der Sachsengänger gehen diesmal wieder zurück. Unter diesen Umständen ist es natürlich, daß sich in Thorn immer größere Gruppen bilden, daß es in diesem Jahre ein richtiges Sammel⸗ becken russisch-polnischer Landarbeiter ist. In einem dunklen Drange haben sie bald herausgefunden, wo sie während der Wartezeit wohl gelitten sind. Am Weichselufer hat die städtische Verwal⸗ tung ein Holzhaus errichtet; mehrere luftige Schankräume im unteren Stock, daneben Küche und Wohnräume des Wirtes; ein großer Boden zieht sich über die Zimmer hin. Sonderbare Geigenklänge und leiser rhyth⸗ mischer Gesang, der wie aus Gefängnismauern zu kommen schien, so schwermütig, so verstohlen klang er, lockte mich in das Haus. Ich über⸗ schritt den Hof. Dann kam ich in die Küche. Da saß am Herd eine alte Frau. In Lumpen und Flicken. Bleich, verfallen, stierte sie düster vor sich hin. Ab und zu schüttelte sie sich wie im Fieberschauer. In dem Raume neben der Küche saßen und lagen etwa zwanzig Mädchen und Burschen auf den Brettern des Fußbodens. Sie sprachen laut und lachten. — Aber die Geigenklänge und den Gesang fand ich nicht bei ihnen. Ich stieg die Treppe hinauf, die bei der nächsten Thür mündete. Hier oben, im Zwie⸗ licht des Bodens saßen sie bei einander, wie ein Volk Hühner. An der einen geöffneten Lucke drängten sich etwa dreißig Menschen zu⸗ sammen. Und an einem Balken lehnte ein stämmiger, junger Mensch und strich mit lä⸗ chelndem Gesicht über seine Fiedel. Dabei be⸗ wegte er im lebhaftesten Takt eines slavischen Tanzes seinen Kopf. Und alle, die um ihn sich gelagert, sangen gedämpft die Weise mit. In mehreren Ecken saßen junge Mütter, blaß und verhungert. Familien mit Kindern im vierten, sechsten, neunten Lebensjahre hatten sich mit einer Kiste oder einem Packen einen Mittelpunkt geschaffen, der gewissermaßen ihr Heim bildete. Im Ganzen mochten etwa fünfzig Menschen hier oben hausen. Trotz der geöffneten Luken füllte ein dumpfer Geruch den Giebel⸗ boden. Aber das schien die Wenigsten zu stören; fie stopften sich gleichmütig ihr trockenes Brot in den Mund. Ja, kaum der Zwanzigste, den ich essen sah, hatte zu seinem Brot ein Stück Wurst oder Speck. Sie waren sehr genügsam. So genüg⸗ sam, daß es dem gutmütigen Wirt zu viel wurde. Ich sprach nachher unten mit ihm. Er war ganz erregt. So etwas sei noch nicht dagewesen. Ueber Hundertundfünfzig nächtigten bei ihm. Sie kämen einfach— und ohne ein Wort blieben sie oben auf seinem Boden. Ja, wenn sie noch was verzehrten! Aber sie lebten von Brot und Kaffee. Der Zehnte trinke erst mal einen Schnaps. Das sei das Einzige: eine Tasse Kaffe für fünf Pfennige.„Ja, wenn ich nicht darauf rechnete, daß sie bei mir einkehren, wenn sie mit dem vollen Beutel zurückkommen, dann hätte ich ste schon längst zum Teufel gejagt. Keiner zahlt einen Pfennig für das Quartier. Was habe ich denn davon?“ Ein Gast fragte, ob er nicht Angst habe, daß sie ihm das Holzhaus in Brand stecken könnten.„Ih“, meinte er,„wo so viel Menschen zusammen sind, da geschieht nichts. Wenn da einer ein brennendes Streichholz fortwirft, tritt es der andere aus. Und wo so viele schlafen, sind immer einige wach, die es sofort sehen, wenn es brennt.“ Aber einige Gäste hielten es doch für be⸗ denklich, die vielen Menschen zusammenzupferchen auf einem Holzboden, von dem nur eine schmale Stiege herableitet. „Ach“, antwortete der Gastwirt,„denken Sie— hundertundfünfzig Menschen!“— Ich wollte sehen, wie diese Menschenmasse sich in der Nacht da oben zurechtfand, was dann für eine Atn osphäre herrschte. Inzwischen beobachtete ich sie draußen. Ich bemerkte, daß die Kinder lebhaft und geweckt waren. Ein Mädchen ging in einen Bäcker⸗ laden und kaufte Semmeln. Mit wie scharfen Augen sie die größten heraussuchte. Manch deutsches Kind hätte das nicht gewagt. Das hätte blöde dagestanden und sich das in die Hand stecken lassen, was ihm die Bäckerfrau ausgesucht. Sogar bei anderen Einkäufen traten die Kinder selbständig hervor. Auf dem Markt stand vor einer Bude eine Mutter mit ihrem Jungen und verhandelte wegen eines Paares alter Stiefel mit dem Budenbesttzer. Wie der etwa zwölfjährige Junge die Stiesel untersuchte, hin⸗ und herdrehte! Wie er dem Verkäufer alle Mängel, alle Schwächen der beiden Fußbekleidungen nach⸗ wies! Und dann um den Preis feilschte. Die Mutter war still und schweigsam dabei. So abgestumpft und resigniert, wie nur Polen, Slaven sein kö Mit gewissen Jahren, in einem bestimmten Alter kommt nach nutzlosem Kampf das Phlegma über ste. Wie groß das ist, sah ich gleich vor dem Rathause. Da erhebt sich das Kopernikus⸗ Denkmal mit dem globusartigen Attribut des Himmelsenträtselers. Zu beiden Seiten des Denkmals sind ein paar Steinbänke. Auf ihnen lagen mehrere Gruppen der Sachsengänger. Ein Straßenfeger spreugte den Marktplatz und bespritzte sie dabei gehörig, sie rührten sich nicht vom Fleck. Und welche Kraft im Ertragen, welche Gleich⸗ gültigkeit gegen Unbequemlichkeiten und Wider⸗ liches fand ich abends bei ihnen. Es hatten sich weit über hundert Menschen auf dem Boden zusammengedrängt. Ein unbeschreiblicher Dunst — entströmte diesen halbwachen oder schnarchenden Menschen. Dazu stinkende Säuglingswäsche an den Wänden. Aber sie lagen ganz zufrieden in dieser Stickluft. Es ist wirklich sonderbar, daß die Regierung das duldet, daß sie nicht ebenso wie von den Auswanderungsgesellschaften von den Agrariern fordert, daß sie für ihre Leute Stationen er⸗ richten, wo sie wenigstens ein einigermaßen menschliches Unterkommen finden. Denn wenn die Sachsengänger auch alles in Geduld ertragen — das ist eben nur eine Gewohnheit, die das Muß erzeugt hat. Sah ich doch neben allen Zurückgebliebenen auch manch Fortgeschrittenen: ein Zeichen, daß dies Volk auch entwickelungs⸗ fähig ist. So manchen, dem man ansah, daß er bereits einmal in Deutschland gewesen, trug einen deutschen Hut und gewichste Stiefeletten. Auch weiße Plättwäsche und kleine schwarze Schleifenschlipse bemerkte ich an mehreren. Einige Frauen trugen nicht mehr die plumpe Sackjacke. Sie hatten sich dafür, allerdings in die unbequemere, ungesundere, enganschließende Taille, gezwängt. Aber zugleich hatten sie auch die Ordnungsliebe und Sauberkeit ihrer Vor⸗ bilder angenommen. Ihre Kleinen waren in gefällige Waschkleidchen gesteckt. Die Haare der Kinder waren glatt gekämmt und hingen ihnen nicht so zerzaust und verfilzt um die Köpfe wie den andern Kleinen. Das waren nur die äußeren Zeichen der Entwickelungsfähigkeit. Aber ich sah auch manches, das von einem nicht unbedeutenden, achtunggebietenden Innen⸗ leben erzählte. Dem einen der Kinder, das mir in seiner Wohlgepflegtheit und Drolligkeit so gut gefiel, wollte ich ein Zehnpfennigstück in die Hand drücken. Es schloß krampfhaft die kleine Faust und zog sie ängstlich zurück vor dem Nickel. Eine Alte sagte: „Nimm, nimm! Geld! Ist Geld!“ Doch die Mutter sagte: „Ach— soll sich nichts schenken lassen!“— Ein Bursche schob seinem Mädchen eine Decke zu. Sie wies sie zurück und breitete sie über ihn aus. Da warf er sie ihr unwirsch hin. Sie sollte nicht frieren. Sie aber ließ sich nicht irre machen und legte die Decke wieder über ihn. So ging der Streit um die Decke eine ganze Weile. Trotzdem es nun hier oben so voll war, daß man stets gegen einen Körper stieß, wenn man vorwärts ging, kamen immer noch neue Gruppen die Treppen herauf. Ich fragte sie, was sie denn hier nur wollten, wenn niemand sie in Arbeit nähme. „Ach— blos noch bis morgen, Herr— dann weg— zurück— blos bis morgen....“ Damit drängten sie sich zwischen die Schläfer. Und die rückten zusammen, so weit es nur gehen wollte. Rückten immer wieder zusammen.—— Rechtssprechung. § 616 des Bürgerl. Gesetz⸗Buches. Kürzlich verhandelte das Gewerbegericht in Wiesbaden einen prinzipiell wichtigen Fall. Ein Stuhlmachergehilfe hatte vom 10.— 23. Mai eine militärische Uebung absolviert. Weder vor noch nach derselben erfolgte von Seiten des Arbeitgebers oder von Seiten des Arbeit⸗ nehmers eine Kündigung und der Gehilfe trat nach beendigter Uebung sofort wieder in das Arbeitsverhältnis. Der Meister verweigerte aber die Zahlung von 36 Mk. für die Zeit der militärischen Uebung. Das Gewerbegericht ging jedoch von der Ansicht aus, daß nach § 616 des B. G.⸗B. der Arbeitgeber ver⸗ pflichtet sei, dem Arbeitnehmer während einer militärischen Uebungszeit den Lohn weiterzuzahlen, wenn vorher von keiner Seite eine Kündigung erfolgte. Der Beklagte wurde verurteilt, den Lohn von 36 Mk. aus⸗ zuzahlen. Davon gehen die Beträge für Ver⸗ pflegung und Sold im Betrage von Mk. 17,08 ab.— Vor nicht langer Zeit entschted das Gießener Gewerbegericht in einem ähnlichen Falle anders. Damals verlangte ein Arbeiter chole male stark Weiß Schl. grün Bode Und Kall. hbiblet Zuck. Vorb Verb! Eutfe Wies wasse 6 0 a N 5 a — 1 2 0 Nr. 25. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Soite 7. end f f N sche 1 die Weiterzahlung des Lohnes für eine Woche, Versuchsweise drei⸗ bis viermal täglich einen Auflösung des Zahlenrätsels in Nr. 23: frieden während der er krank gewesen war. Diesen Kaffeelöffel voll von Eisenvitriollösung, doch ist Hering Anspruch erklärte das Gericht für unbegründet, der Erfolg sehr zweifelhaft. Aar fern indem es eine Woche als eine erhebliche Richtiges Wasser für trächtige Kühe. Nase n 10 Zeit(im Sinne des§ 616) bezeichnete. Das Tränkwasser kann den trächtigen Thieren Staub uren nachteilig werden. Wenn unreines, mit Jauche Schlesien 1 fn Gemeinnütziges. oder faulenden Stoffen versetztes Wasser meist 6 muß ˖ Geflügel⸗ jedem Tiere mehr oder minder schädlich wird, e * An 8 e 1 t Appettt⸗ wie viel mehr wird dieses bei trächtigen Tieren Sachse 1907 cholera? Anfangs Traurigkei petit⸗ der Fall sein. Und thatsächlich sind Fälle vor⸗ Haus Sachs Nücub gen mangel, Hinfälligkett, 915 1 0 dar auffolgendem gekommen, wo ein vorzeitiges Abgehen der 0 erg. de dasz starken Durchfall; der Kot ist anfangs breiig, Frucht auf unreines Tränkwasser zurückgeführt 10„ allen weißgelb, später wässerig, grünlich und mit werden konnte. Ebenso hat zu kaltes Tränk⸗ Quadraträtsel. tenen: Sch Aus 5 Erbrech* e 1 1 9 00 Schleim gemischt. Ausnahmsweise. wasser fast regelmäßig den bezeichneten Nachteil 7 lungs⸗ grünlicher Massen, heftig er Durst, Hocken am im Gefolge.„ h daß Boden mit stark nach rewe is gezogenem Hals 2 2 8 n n 1 trug und Kopf, Zittern, stark gesträubtes 1 der, Kumorist isches. N stet lotto, 7 1 7 en 3 um 11——— wee Ren udlich seaunlavper all 1175 at 1 9 0 Schlagfe rtig. L Lehrer(zum Oberförster)::„Was 1 en 5 1 75 ind ftr 4 bis 3 Tagen ein werden Sie aber sagen, Herr Oberförster, wenn Sie eines Obenstehende Buchstaben sind so in die 16 Felder ein⸗ a ein 1 51 Tak nac 15 am besten Tages in der Hölle aufwachen 2“— Oberförster: zutragen, daß senkrechte und wagrechte Reihe je dasselbe blu Unlhe Vorbeuge: Sofortiges 15 ren 17 77 0 1155 bellen„Na— guten Morgen, Herr Lehrer! werd ich halt ergeben und zwar: 1. Haustier, 2. Teil einer Oper, gs Vert rennen der 0 en 19 70 hef 1 nen Siere. f 3. Braucht der Landmann, 4. Weiblicher Vorname. jeßende Entfernung des eflügels aul elne ete Furcht. Ste: Warum wollen(Auflösung in nächster Nr.) ste auc Wiese oder sonst 1 hi zen des Trink⸗ 1 Truppen nicht au ah wie die unsrigen—————.— r Vor⸗ wassers durch zwei⸗ dre ochen mit etwas aus Petf li heraus? Er:— wahrscheinlich Schluß der Erzählung: Aren in Eisenpitriol. Energische D der fürchten sie sich, 10 0 ie nach Südafrita müßten.„Ein Tropfen Haare Stallungen und Hofre äume.(„Südd. Postill.) folgt in nächster Nummer. hingen E eee um die e eee gen der So untag, 0 23. dan einem 2 7 Innen- 55 i T 55 im Siet ener Stadtwalde, erste Schneise rechts. 0 1 8 Hand NU 3 D e 2 65 Ge. e erkug, Vreiss- Schiessen, Tune 5 e Faust e A olonaise mit 10 ilung, Volksbelustigung, Kinderspiele mit ickel.. 5 7 70 Preisverteilung. Abmarsch 2 Uhr, Licherstraße. U I. 94. 50 Befreundete auswärtige Vereine und Gewerkschaften sind freundlichst eingeladen. Hin 5 1 n 5 5 f 1 ö 5 2 Eintritt 20 Pfennig. Das Gewerkschaftskartell. sen!“ 00 ee S e Na 1 8655 95 7 een ene e ang 0 98 n eit.. ᷣͤ K 8 itete ste We 5 505 20 ö dul 5 Ee hen und ing der 5 2 0 e 2 e I wal, 8, well 4 5 plamsgasse CISE 7 Hapla; 88 gasse 1 START f Ein großer Posten Sgftteltaschendivans mit Pl sscheinfassung herr 1 2. und 3⸗ sitzig unter Garantie, von 80 Mark 2 Außbaumpoliert bett mit Ruschelaussak, Lackierte 1-lhür. Kleiderschränke von 20 Mk. an 10 n e e von 140 Mark an.„ 24hür.„ wmmabschlagen„ 36„„ —— Rußbaumpoliert Waschkommode mit Marmorplalte von 50 97 an.“„ 1 1 9 0 5 0 22 9 Nachtschränkchen„ 1„ 1 aschkonsols 7„„ Aleiderschräuke, poliert, mit Aufsatz„88 0 Sophas„ 30„ Buche Ver dihurs, Nische. Stiihile uαν, ulle gonsligen Möbel ict 0 zu den billigsten Preisen reichhaltig am Lager, auch auf Abzahlung nach Vereinbarung. „ Größte Aus 10 in Gardinen und Vorhängen. H. C. Werner. Scheller's preisgekrönter Uonae mi Kalbleisch. Bildhauer Grüunbergerstr. 1338 Grüuber gerstr. 168erstr. Miessen 5 Tuche und Buxkin Anfertigung nach Mass Markus Bauer, Giessen empfiehlt sich zum Ankertigen von ärztlich empfohlen. ele. gegenüb. d.— 8 5 8 1 Fl. 3290 400 10 0 grahdenkmälern, Monumenten, 8 8 celgt dad ee Krabkreuzen, Schrift-Tafeln 3 Alleinige Niederlage:[ und Grabeinfassungen 9 Ungesunde und Leidende! 5 Cousum- Halle in MHeuchel.] 2 sopwie zu allen in dieses Fach einschlagenden 4 heim i Die Heilkraft der Flektrizität ist wunderbar! Ueber die glän⸗ 5 Arbeiten, in allen Steinarten. 4550 Erfolge der Selbstkur mit der preisgekrönten elektrischen Uch. Censnagel in Giessen 0 Neue Bäue. 50 Reparaturen werden schnell und billig besorgt. ( Jxduktionsmaschine(Preis 24½ u. 28½ Mi versendet gratis u. 5 N g 5 C konte 48seitig. Brosch. B. Freygang, Nachf. Dres den 4 118 155 17 05 1 8 8 1 0.* SLrNrrereereeeeeerreeereee 1 1 8 5 Seite 8. Alles rennt zum Bergmann! Beim Bergmann tant nan Kragen Bergmann tanft nan Capes Bergmann tanft nan Jaquets Bergmann raaft nan Anzüge Bergmann tante aan Ueberzieher Bergmann bauft wan Hosen Bergmann ranft man Kleiderstoffe Bergmann kauft mau Teppiche, Bergmann rage man Portièren Bergmann tante man Tischdecken Bergmann tauft man Steppdecken Bergmann taft ma Barchente Bergmann raf nan Weiß⸗ und Bergmann tauft nan Bettwaren Bergmann tante nan Taschenuhren Bergmann kauft man Möbel aller Art Bergmann rant man Betten Bergmann tanft nan Polsterwaren Bergmann rant nan Kinderwagen Bergmann tant nan Regulateure Bergmann tante nan Ausstattungen CFF d„— ι ⏑⁰ Und warum rennt alles zum Bergmann: Weil seine Preise verblüffend billig sind u. man alles gegen baar und auf bequemste Teilzahlung erhalten kann. H. Bergmann Waren⸗ und Möbel- Credit-Haus Giessen, Seltersweg 22. Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung. Konsumverein diessen Der Kassier, Mich. Keßler Kirchenplatz 11, 2. Gtg. ist jeden Abend von 7—8 Uhr zur Entgegennahme von Ein⸗ zahlungen der Geschäfts⸗An⸗ teile in seiner Wohnung auwesend. Auch ist er zur Erteilung von Auskünften bereit und nimmt Neu⸗An⸗ meldungen entgegen. brtskrankenkasse Eiessen General- Versammlung Mittwoch, den 3. Juli l. Js., abends 9 Uhr im Lonyp'schen Bierkeller. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Rechnungsablage. 2. Berichterstattung über die General⸗Versammlung der freien Vereinigung hessischer Krankenkassen. 3. Antrag des Vorstandes auf Aufhebung des gemäß 5 57, Abs. 5 des Statuts gefaßten Beschlusses 686462240 er General⸗Versammlung vom 19. Juni 1900. Der Vorstand. Achtung. J. A. Gg. Dahmer, Vorsitzender. Meine Wohnung besindet sich] vom 1. Juli d. J. ab Ritterstrasse 10, II. Aufge paßt! und empfehle mich zum Abschluß— ebrauchte zu jedem an⸗ von Feuer⸗Bersicherungen aller Fahrräder, sebmbaren Gebot, neue Art. Achtungsvoll schon von Mark 125.— an u. Garantie. Marburg. H. Stumpf, Agent. Nähmaschinen 909 allerbilligst. 0 gat. 8 5 Lat„Glocken ete. in größter Ausw.( Knei lokal 1 6 r. Schaaf, Wetzsteinfli 44. h. 5 (seitheriges des Rauchelub„Ger⸗ Re rortestes Geschäft d. Br. a. Platze.“ mania“) tst anderweitig zu ver⸗ geben. H. Pries, Ebelstraße 2. + 72 2— D 72* E 2 Cöthener beld-Loose. E S F II. Serie. 75 1 5 5 2. 2— 1 Baare Geldgewinne 125000 I.— 8 2 8— als 5 Haupttreffer*— f je 10,000 Mal 50000,.. 8 2 5 Gewinne 5000 2 2 28 2 je 1 95 Mark— 92 8. 2— ewinne— je 500 Mark— 3000„5 i—— 2c. 2c. insgesamt aber 10,876] 8 E& 2 2 Geldgewinne, welche in zwei 8= Ziehungen zur Entscheidung ge⸗—* 2 D langen. Erste Ziehung vom N 29. Juni bis 1. Julz., Loose, 8 8 C 2 für beide Ziehungen gültig,] 2.* à Mk. 3.30(inkl. Porto und Liste) versendet L. F. Ohnacker in Darmstadt. Loose sind in allen durch Plakate kenntl. Verkaufsstellen zu haben. Merkbüchlein über„Das Recht im gewerb⸗ Dre Für Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren-Lager in jeder Preislage und reicher Auswahl. lichen Arbeitsvertrag.“ Be⸗ iter⸗S Sti tagsstiefe lh et auch d e Arbeiter⸗Schuhe und Stiefel, Sonntagsstiefel, f sowie alle sonstigen Schuhwaren in den besten Quali⸗ elch 15 deb de täten zu den billigsten Preisen. Anfertigung nach Maass ordnung. sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte raseh, gut Preis 10 Pfg. und billig ausgeführt. 9. Schneider, Zuchhandil! Justus Benner Marktstr. 34. Gießen, Sonnenstr. 52. 1 blessens giösstes und bilgstes Schuflager e Reichhaltigste Auswahl braunen Herren-, Damen⸗, Mädchen- und Kinderschuhen und Stiefeln zu allerbilli gsten aber festen Preisen. Reparaturen 3 pilligst u. Schnell. 1 Verlag der Mitt eld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Dunk von G. O ˙ͥͤh eee Glahn. Nummer scher Zu Hans O salben b gaht ae kleb se des Gen esanten Nich als wer höhten beßga gut geb keigeno in Ost e gebe sondern Veg le Agkeite Das f. ud 8 Galt fe Aber Tlänken eitzoge aasgel ber Le ihr Vue Anämt Chart Ab. sazüg i Gegner Hatt; Aach doch k. 1 10 U Eb 0 Ehhar fesch ue an J