er U. Preise Uigeführt. keise. fed 0 ö 0 „ 0 ll diegenen ö 0 0 f Nr. 20. Gießen, Sonntag, den 19. Mai 1901. 8. Jahrg. Ne daktion: Wabaftton schluß Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 U 8 Mitte E E utsche 778 9 — Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 5 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 2.——+CLÆX-XFd.—— Eine gesunde Lehre. Ueber die gegenwärtige politische und wirt⸗ schaftliche Lage schreibt unser Genosse Kraft — ein fruͤherer Ofsftzier— in der 0 Post“: Die Aussichten im deutschen Reich werden immer lleblicher: Brotwucher, in⸗ dustrielle Krisis, Arbeitslosigkeit sind in Sicht und nun drohen auch noch neue Steuern hinzuzukommen. Aber dielleicht werden alle diese Nöten doch auch ihr Gutes mit fich bringen. Vielleicht verursachen sie, daß das deutsche Volk endlich einmal gegen den Milliarden verschlingenden Militarismus, egen den nicht minder kostspieligen Wasser⸗ port und die ebenfalls nicht billige Welt⸗ politik Front macht. Der Dentsche braucht entschieden ein paar magere Jahre, damit er die Gemeingefährlichkeit der vorgenannten Er⸗ scheinungen endlich einsteht und jenen Abge⸗ ordneten, die solche Erscheinungen ermöglichen, von ihren Sitzen herunterhilft. Die jetzt drohende Lektion wird wahrscheinlich gerade so, wie sie in Aussicht steht, besonders 8 werden, weil durch den Militarismus, die Ma mehrungen und die Weltpolitik verursachten neuen Steuern just in dem Moment herein⸗ platzen, wo die Lebensmittelpreise steigen und die Einnahme finken. Ein solches„Zusammen⸗ wirken der Kräfte“ wird dem deutschen Volke wohl doch einmal gründlich zu denken geben; vielleicht wird sogar den„christlichen“ Arbeitern ein Licht darüber aufgehen, wie sie vom Zen⸗ trum, das die Militär⸗ und Marinevorlagen mit Hurra bewilligt und der Weltpolitik Bei⸗ fall klascht, am Narrenseil herumgeführt werden. Aufgabe der Sozialdemokratie wird es dann sein, die Stimmung im Volke auszunützen und den Kampf 1 Militarismus, Wassersport und Weltpolitik mit vollster Wucht aufzunehmen. Man müßte ja wirklich an der menschlichen Vernunft 1 0 wenn es den Leuten, die nicht Minister oder Geheimräte sind, die weder zu den Militär⸗ und Marinelieferanten, noch zu den Kolonial, Orden⸗ und Aemterspekulanten gehören, nicht endlich zum Bewußtsein käme, daß der Militarismus, der Wassersport und die Weltpolitik nur sehr wenigen Leuten zum Vorteile gereichen. Man bedenke nur, daß z. B. das deutsche Reich, trotzdem es alljährlich für die Armee, die Marine und die Kolonien nahezu eine Milliarde aufwendet, jetzt dennoch fast drei Milliarden Schulden hat, die für die näm⸗ lichen 5 aufgenommen wurden. Macht man sich klar, was dies bedeutet, so liegt die Ja nahe, ob man denn auch wirklich einen zivilisterten Staat vor sich hat. Man stelle sich vor, daß Milliarden, also ganze Berge von Gold ausgegeben wurden, um Werkzeuge zu kaufen, die zu nichts zu gebrauchen sind, als zum Zerstören von Häusern, zum Töten und Verstümmeln von Menschen. Und damit das Maß voll werde, sind diese feinen Instrumente, trotzdem ihre Anschaffung Unsummen verschlingt, gar nicht von Dauer, sondern werden jedesmal nach wenigen Jahren für veraltet erklärt und durch neue, die noch mehr kosten und noch mehr Zerstörungskraft besitzen, ersetzt. Weiter wurden schwimmende Festungen gebaut, reich ausgerüstet rinever⸗ ———— mit allerlet Mord⸗ und Demoliermaschinen, um mit ihrer Hilfe jenseits der Meere anderen Leuten, die uns gar nichts angehen und die uns nicht das geringste zu Leide gethan haben, ihr Land wegzunehmen. Brächten diese Er⸗ oberungen dem Staatssäckel wenigstens einen Profit, so könnte man sich am Ende eher da⸗ mit abfinden, denn es läge dann eben wieder einmal ein Stück kapitalistischer Praxis vor. Aber die Kolonieen tragen, abgesehen von Fieber, Malarta, Typhus und Ruhr, nicht nur nichts ein, sondern verschlingen all⸗ jährlich mehrere Dutzend Millionen. Doch es 1 ja heute zum guten Ton, daß ein Groß⸗ aat Kolonien besitzt, just so wie eine richtige Dame eine laugstielige Lergnette am schlanken Leibe baumeln hat. Und Deutschland, man bedenke Deutschland, das dank seiner genialen Politik sich demnächst zu einem modernen Rom, das alle Völker unterjocht, auswachsen wird, muß doch so herrliche imponierende Kolonien wie die Karolinen, Samoa, Kamerun, Kiaut⸗ schou usw. sein eigen nennen. Derweilen solchermaßen die in erster Linie dem Proletariat abgenommenen Milliarden für Zwecke der Barbarei, der Unkultur und der Großmaunssucht hinausfliegen, stehen in Veutsch⸗ land baufällige Schulhäuser, miserabel eingerichtete Krankenhäuser, sterben Hundert⸗ tausende von Menschen an der Tuberkulose dahin, sind die unteren Klassen in enge, unge⸗ sunde Mietkasernen gepfercht, wandern viele Tausende arbeitslos in bitterster Not herum, müssen blinde und lahme Krüppel ihr Brot vor den Hausthüren erbetteln. Und so etwas nennt fich dann ein gut regierter Staat! Ja, es wird sogar von jenen, die das zweifelhafte Vergnügen haben, in dieser Weise regiert zu werden, verlangt, daß sie zufrieden sein, keine Opposttion machen und der Regierung Liebe, Vertrauen und tiefe Ehrfurcht entgegenbringen sollen. Wäre die Geschichte nicht 0 traurig, so möchte mau sich bei diesem Gedanken platt auf den Boden legen und wälzen vor Lachen. Natürlich wird uns von„nationalgesiunten“ Menschenkindern geantwortet werden, daß Deutschland eine Armee und eine Flotte haben müsse, um sich Aller feindliche Angriffe wehren zu können. llerdings sind die glücklichen Zeiten noch nicht gekommen, wo die Völker einsehen werden, daß sie etwas Gescheiteres thun können, als sich für Dinge, die ihnen im Grunde „ganz wurscht“ sein köunen, für die ihnen 5 65 im entscheidenden Moment von trunkeuen Schwätzern und bezahlten Agenten ein Interesse suggeriert wird, gegenseitig totzuschießen. Aber trotzdem könnte Deutschland seine Landes ver⸗ teidigung um ein paar hundert Millionen billiger machen, wenn es sich gütigst auf die Verteidi⸗ gung beschränken und vor allem dem Kolonial⸗ humbug sowie dem Flottenkoller Valet sagen und von dem auch das reichste Volk zum Ruin treibenden System des stehenden Heeres zur Miliz übergehen wollte. Würde das deutsche Reich endlich einmal seine fast alljährlich wieber⸗ kehrenden Vermehrungen der Armee und Marine einstellen, dann würden auch die anderen euro⸗ päischen Großmächte nicht von Rüstung zu Rüstung gepeitscht werden. Ungeachtet aller seiner Friedensversicherungen ist Deutschland infolge seines auf die Spitze getriebenen Mili⸗ tarismuß und Marinismus eben doch der Hauptstörenfried von Europa. Ihm dtese ebeuso kostsplelige wie gefährliche Rolle auszutreiben, ist Sache des deutschen Volkes selbst. Wenn es in zwei Jahren vor leeren Schüsseln sitzt, wird es dies vielleicht begreifen. ——— Gießen, den 15. Mai. Gegen den Brstwucher. Beim Reichstage find nach dem letzten Ver⸗ zeichnis wieder 171 Petitionen gegen die Er⸗ höhung der Getreidezölle eingegangen, hingegen nur 10 dafür. Eine der ersteren trägt nicht weniger als 33036 Unterschriften.— Ferner erklärten fich eine große Anzahl städtischer Kollegien gegen die Zollerhöͤhung. Für eine diesbezügliche Petition stimmte der Magistrat in Kiel geschlossen; und das Stadtverord⸗ netenkollegium mit 27 gegen 2 Stimmen.— Auch der gothaische Landtag dürfte einem von unsern Geuossen gestellten, gegen den Brot⸗ wucher gerichteten Antrag zustimmen.— Schließlich sei noch eine in München⸗Gladbach stattgefundene, stark von christlichen Arbeitern besuchte Versammlung erwähnt, die in eutschiedenster Weise gegen jede Erhöhung der Getreidezölle protestierte. Kein Junkerparlament. Im Landtage für Koburg⸗Gotha wurde der Autrag 5 Einführung des geheimen, direkten Wahlrechts zum Landtag unter Benutzung von Isolirräumen und amtlicher Kouverts mit großer Mehrheit angenommen. Weiter ersuchte der Landtag die Regierung, den koburgischen Bundesratsbevollmäch⸗ tigten anzuweisen, im Bundesrate für die Annahme des Diätenbeschlusses des Reichs⸗ tages zu stimmen. Bekanntlich stellen unsere Genossen im Gothaischen Landtage beinahe die Hälfte der Abgeordneten; ihr Einfluß zeigt sich in vernünftigen Beschlüssen dieser Körperschaft. Gegen die Warenhaussteuer sprach sich eine große Versammlung in Dresden aus, die von Angehörigen aller Parteien besucht war. Ein Kaufmann bezeichnete die Umsatz⸗ steuer als Vermögenskonfiskation; Genosse Fleißner stellte fest, daß der Konsumverein in Löbtau in einem Jahre bei Mark 61000 Reingewinn 14708 Mk. Umsatzsteuer, also 31,5 Prozent zahlte. „Ehrenrettung“ des Hängepeters. Den höchst uurühmlich bekannten Kolonial⸗ helden Dr. Karl Peters, den„Hängekarl“, bemühen sich bürgerliche Blätter als Unschulds⸗ engel hinzustellen. Sie fallen über den Ge— nossen Bebel her und werfen ihm Verleum⸗ dung und Aehnliches vor, weil er im Reichs⸗ tage, als er die Schandthaten dieses famosen Kulturpionirs zur Sprache brachte, sich unter Anderem auch auf einen Brief des eugltschen Bischofs Tucker stützte, der sich später indeß als unecht erwies. ürzlich 8 Bebel erklärte auch kürzlich 9 Seite 2. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. im Reick stage, daß er mit diesem Briefe getäuscht worden sei. Damit fallen aber keineswegs die gegen Peters erhobenen Anklagen. Vielmehr sind seine von ihm selbst eingestandenen Ver⸗ brechen so schwer und zahlreich, daß sie, wären sie in Deutschlaud begangen worden, zur Ver⸗ urtellung zum Tode hingereicht hätten. Es ist deshalb eine faule Komödie, wenn jetzt die deutsche Kolonialgesellschaft einen Brief an Peters richtet, worin sie ihm Glück dazu wünscht, daß die Nichtigkeit des Tucker⸗ briefes und damit auch die Nichtigkeit der daraus gezogenen Schlußfolgerungen von Bebel vor der Oeffentlichkeit zugegeben worden sei. Ob die Leute auf die Gedächtnis⸗ schwäche des Publikums spekulieren? Denn daß Peters auch ohne den Tuckerbrief gerichtet ist, muß ihnen doch noch in Erinnerung sein. Das ging ja auch aus dem Urteil hervor, das in dem Petersprozesse erging. Vielleicht glauben die Ehrenuretter, in der Zeit des Hun⸗ nenkurses werde man dergleichen, wie die wie⸗ derholte Auspeitschung von Weivern, ihre durch keinen Rechtstitel begründete Hinrichtung, nun⸗ mehr als„berechtigte Eigentümlichkeit“ eines Kulturpioniers im Lande der Schwarzen ansehen. Nun, lassen wir der Kolonialgesellschaft und den Blättern, die sich zu Verteidigern der Kolonialbestie aufwerfen— wozu auch das Gießener„Unparteiische⸗ gehört— ihren Peters. Unwahre Angaben sollte nach bürgerlichen Blättern der Genosse Hoch gelegentlich seiner Rede im Reichstage zu dem Griesheimer Unglück über die Ver⸗ hältnisse in den Höchster Farbwerken ge⸗ macht haben. Die„Frkftr. Ztg.“ schrieb: „Im Abendblatt vom 8. d. M. erwähnten wir in einer Besprechung der Reichstagsverhandlung über die Griesheimer Explosion die Angabe des Abg. Hoch, daß auf den Höchster Farbwerken für 6000 Arbeiter nur ein Fabrikarzt vorhanden sei. Dem gegenüber teilt uns die Werksleitung mit, daß die ärztliche Behandlung ihrer 4000(nicht 6000) Arbeiter durch 18 Aerzte erfolgt; es wird hinzugefügt, daß die Aerztehonorare nicht von der Betriebskrankenkasse, sondern von den Werken selbst getragen werden.“ Natürlich griff die„Ordnungspresse“ sofort diese Ueberführung unseres Genossen auf. So sagte die„Tägliche Rundschau“— ein Ber⸗ liner Sensationsblatt— dazu: „Die Kampfmittel der Sozialdemokratie erweisen sich so oft als unlautere, daß man mit Auswahl darauf hinweisen kann. Hier ein neues kleines Beispiel...“ Und die„unpartelischen“ Gießener Neuesten Nachrichten, die immer dabei sind, wenn es gilt, unserer Partei ein's anzuhängen, erzählen mit heuchlerischer Pharisäermiene: „Wie leichtfertig die Herren Sozialdemokraten mit der Wahrheit umgehen, beweist ꝛc. Wie liegt nun die Sache? Thatsächlich hat der Abgeordnete Hoch etwas ganz anderes gesagt, als ihm zum Vorwurf gemacht wird. Nach dem amtlichen Stenogramm sagte er, wie der„Vorw.“ feststellt: „Aus einer anderen Fabrik, ganz nahe bei Gries⸗ heim, den berühmten Höchster Farbwerken von Meister, Lucius u. Co., in der 6000 Arbeiter beschäftigt sind, kommen ebenfalls schwere Klagen. Auch dort ist das Benzinlager in nächster Nähe der anderen Anlagen und der Arbeiterwohnungen, und thätig ist dort als Fabrik⸗ arzt der königlich preußische Kreisphysikus und Sanitäts⸗ rat Dr. Grandhomme, der die traurigen Zustände mit seinem amtlichen Charakter deckt; ebenso beherrschen die Farbwerke in Höchst die erste und zweite Wählerklasse und damit die ganze Gemeindevertretung.“ Wer hat nun die Unwahrheit gesagt? Ob aber die Blätter, deren Spezialität es ist, Lügen über unsere Partei zu verbreiten, die Sache richtig stellen werden, ist sehr fraglich. Nadelstiche. Genosse Paul Hug wurde in Bant, seinem Wohnorte, zum Beigeordueten gewählt. Das ol denburgische Staatsministerium hat die Wahl aber micht bestätigt. Die Berichte der hessischen Fabrik⸗ inspektoren für das Jahr 1900 siud kürzlich erschienen. Sie sind diesmal viel kürzer gefaßt als es sonst der Fall war. Während im Vorjahre die Vroschüre mit den Berichten der vier Inspektionen 384 Seiten stark war, sind es jetzt nur reichlich hundert. Daß sie durch die Kürzung, die jedenfalls im Ministerium des Innern vorge⸗ nommen wurde, etwa besser geworden wären, wird niemand behaupten können.— Wir kommen in nächster Nummer ausführlicher darauf zurück. Ausland. Antisemitischer Wahlschwindel in Oesterreich. Mit welchen Mitteln die Anhänger Luegers, die Christlich⸗Sozialen(Autisemiten), das Wahl⸗ glück in ihrem Interesse korrigierten, hat der Wiener Verwaltungsgerichtshof bei der Unter⸗ suchung über die Wahl des Christlich⸗Sozialen Weber im Wiener Bezirk Simmering festge⸗ stellt, die er für ungültig erklärte. Der Ge⸗ nosse Franz Meizr hatte die Beschwerde bis vor den höchsten Gerichtshof in Verwaltungs⸗ angelegenheiten gebracht und der hat ihm Recht gegeben. Der Gerichtshof sah als erwiesen an, daß die Wählerlisten äußerst unvollständig ge⸗ wesen seien und selbst Wähler, die gegen die Nichteintragung protestiert und die magistrat⸗ liche Versicherung erhalten hatten, daß sie nach⸗ getragen würden, nicht in die Listen anfge⸗ nommen worden seien. Die Beschwerde wies nach, daß 67 Wähler zweimal und zwei sogar dreimal eingetragen waren. Außerdem standen in der Wählerliste von Simmering hunderte von Toten und solche Wähler, die schon lange nicht mehr im Bezirke wohnten. Ein Toter war sogar zweimal! auferstanden — wenn schon, denn schon! Der Vertreter des Magistrats glaubte das alles als kleine Schönheitsfehler hinstellen zu können, die überall vorkämen. Das Gericht hat ihm aber nicht zugestimmt und den Luegerianern nun einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht.— Bekanntlich haben in der Wiener Gemeinde⸗ verwaltung die Antisemiten das Heft in den Händen. Neue Enthüllungen zur Dreyfuß⸗ Affaire. Der aus der Dreyfuß-Angelegenheit bekannte, später aus Frankreich entflohene Mafor Ester⸗ hazy hat, wie berichtet wird, vor dem fran⸗ zösischen Consul in London weitere Geständ⸗ nisse gemacht. Er bestätigt, selbst das Boderau (das Hauptbeweisstück gegen Dreyfuß) ge⸗ schrieben zu haben. General Billot, hätte aus dem Geheimfond Summen zu persönlicher Ver⸗ wendung entnommen. Weiter beschuldigt er die Generale du Paty, Boisdeffre und Gonse sowie den damaligen Kriegsminister Cavaignac der Mitwissenschaft an den Fälschungen, auf Grund deren Dreyfuß ver⸗ urteilt wurde. Deutscher Reichstag. In der Mittwochssitzung kam Gröbers wegen der Diäten für Reichs tagsabgeordnete zur Beratung. Die Kommission schlägt vor, freie Eisenbahnfahrt während und nach der Session und Anwesenheits gelder in der Höhe von 20 Mk. pro Kopf den Reichstagsmitgliedern zu gewähren. Von diesen„Anwesenheitsgeldern“ sollen indessen die etwaigen Landtagsdiäten in Abzug gebracht werden. Der Antrag Gröber und der Kommistsonsberichterstatter Bassermann befürworteten den Antrag. Nach dem Beginn der Debatte glaubte man erwarten zu dürfen, daß die längst spruchreife Sache schnell und mit kurzen Erklärungen abgethan sein werde, da fühlte sich der greise und, wie es scheint, durch seine Krankheit arg mitgenommene Expräfident v. Levetzow als Fraktions⸗ sprecher der Konservativen veranlaßt, durch heraus⸗ fordernde oder vielmehr direkt beleidigende Redewendungen der Linken den Fehdehandschuh ins Gesicht zu schleudern. Unfähig, sachliche Gründe gegen den Diätenantrag an⸗ zuführen, erlaubte er sich, von dem„Herabdrücken des Reichstags auf die Stufe einer demokratischen Volksvertretung“ zu sprechen, die durch die Diäten herbeigeführt werde. Die Konservativen, selbst ihre „gemäßigten“ Mitglieder, können doch keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne ihrem wilden Hasse gegen das der Antrag allgemeine Wahlrecht Ausdruck zu geben! In vor⸗ trefflicher, kraftvoller und außerordentlich wirksamer Rede leuchtete Genosse Singer dem junkerlichen Sprecher heim. Die Notwendigkeit der Diäten zu begründen, was unnütze Zeitverschwendung gewesen wäre, unterließ Singer selbstredend; dafür setzte er die Bemerkungen von Levetzow's und die bekannte Aeußerung über die „Kerls“ in das rechte Licht. Als er den preußischen Landtag ebenso kurz und richtig charakterisierte, fühlte sich der gerade den Vorfitz führende Vizepräsident Büsing zu einem Ordnungsruf bewogen. Die Ausführungen Singers über die—„Kerls“ gaben dem Grafen Posadowsky Veranlassung, sich über„Zwischen⸗ trägereien“ und der Himmel weiß, was sonst noch, zu äußern; von den Diäten sagte er bezeichneterweise kein Sterbenswörtchen. Dafür hielt der Reichstagsparteiler Graf Arnim eine von Trivialitäten nur so triefende Rede gegen die Diäten. Unver—frorener Junkergeist hat sich wohl selten so offen im Reichstage hervorgewagt. Eine scharfe und würdige Zurückweisung erfuhren die diversen krautjunkerlichen Tiraden von dem Nationalliberalen Büsing und dem Freisiunigen Dr. Müller ⸗ Sagan, welcher in Hinblick auf gewisse Wendungen des Grafen Arnim— der u. A. von Diätenjagd gesprochen— sehr richtig bemerkte: dann seien gewiß die preußischen Landräte und Abgeordneten die größten Jäger im Lande! — Die Kommissionsanträge wurde mit 185 gegen 40 Stimmen angenommen. Am Donnerstag versuchte man sich in der „Reform des Gewerbegerichtsgesetzes. Hierzu liegen Anträge von sozialdemokratischer und ultramontaner Seite vor. Lange genug hat die Kom⸗ mission an diesen Auträgen beraten; trotzdem hat sie nur Stückwerk geliefert. Immerhin sind einige kleine Fortschritte gegenüber dem bestehenden Zustande zu ver⸗ zeichnen. Unsere Fraktion hat in der Kommission nach Kräften versucht, etwas Tüchtiges aus dem Gesetze zu schaffen. Sie setzte diese ihre Bemühungen auch bei dieser Beratung im Pleuum fort. Aber die konservativ⸗liberal⸗ klerikale Kompromißmehrheit stellte eine geschlossene Phalanx dar, au der alle Verbesserungsanträge ab⸗ prallten. Nach rechts zu splitterte sich von dem bürger⸗ lichen Gewalthaufen ein verlorener Posten ganz unver⸗ besserlicher Industriefeudaler ab, der unter Herrn v. Kardorffs bewährter Führung das ganze Gesetz als lediglich der Sozialdemokratie zu Gute kommend ab⸗ lehnte. Die beinahe drollige Art und Weise, in der Herr v. Kardorff die bescheidensten Reförmchen als ettel Revolutionswerk denunzierte, bewies klärlich, daß der Geist Stumms noch umgeht. Die Mehrheit machte es sich sehr bequem. Sie ließ unser Genossen Molkenbuhr, Stadthagen, Zubeil, Tutzauer, Hoch die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion begründen und lehnte dann diese Anträge ab, zum Teil ohne auch nur den Versuch einer Erörterung oder Widerlegung zu machen. Ueberall siegte die Kommissions⸗ oder, was so ziemlich dasselbe ist, die Zentrumsfassung. Freitag wurde der Diäten⸗Antrag ohne Debatte in dritter Lesung angenommen. Dann wurde die zweite Beratung des Gewerbegerichtsgesetzes fort⸗ gesetzt. Alle Verbesserungsanträge unserer Genossen lehnte die Mehrheit ab. Vergebens traten unsere Ge⸗ nossen Segitz, Stolle, Zubeil, Dreesbach für eine wirklich durchgreifende Ausgestaltung der Gewerbe⸗ gerichte zu Einigungsämtern und Abschaffung oder doch Einschräukung der ebenso schädlichen wie überflüssigen Innungsschiedsgerichte ein: vergebens traten zu ver⸗ schiedenen Malen freisinnige Redner ihnen zur Seite; das Centrum ließ nur ein paar unwesentliche Verbesserungen der Kommissionsfassung zu. Samstag fand nur eine ganz kurze Sitzung statt, die sich unter Anderem mit den Handelsbeziehungen zu England und dem Zollkkrieg mit Haiti beschäftigte.— Am Montag handelte es sich um Liebesgaben für die junkerlichen Schnapsbreuner und da waren diese, sowie die sie unterstützenden Zen⸗ trumspfaffen in großer Anzahl herbeigeeilt. Kopf an Kopf saßen wie in den Heinzetagen die Volksvertreter aus Ostelbien und den bayrischen Bergen. Es soll wieder eln neuer Raubzug auf die Tascheu der Kon⸗ sumenten ins Werk gesetzt werden, indem die Brannt⸗ weinbrennsteuer um 50 Prozent erhöht wird. Die Branntweinsteuervorlage der Regierung ist nämlich in der Kommission gefallen; dafür haben die Konservativen und ihre diversen Mitmanscher in aller Eile ein sogenanntes Notgesetz zurecht gemanscht, das sie unter Aufdietung aller ihrer Kräfte wie aller ihrer Mannschaften und unter Mißachtung der Beschlüsse des Seniorenkonvents in Windeseile und in zwölfter Stunde durchzupeitschen suchen. Ohne Weiteres soll deshalb eine Erhöhung der Steuer und zugleich eine Beschränkung der Produktion eintreten. Unsere Genossen, sowie die freisinnige Linke widersetzten sich dem Vorgehen der Spiritusinteressenten nach Kräften. Genosse Wurm und die Freisinnigen Fischbeck, Richter, Pachnicke rissen den Branntwein⸗Ethikern die hygienische Maske vom Gesicht und enthüllten die brutale Interessengeseß schränkung göheug der augenommie weite der Jurde die 1 Eng wachsel, feli laufen Ad Mn. Kranken blicklich t licht, Eil 95,000 K 0 daß del uf egli losttt hal Die fe zur Mann a Mrluste schlleßt bon w numentli Trausbe Buren Munitis dungen englisch Dutzend Buren die Zal den Bi Ziffer d der Reg wieder Munitio Au. wieder Wieder Mann We Bureng Lord g denten im Int — Auc Uel Uerhand ein hal uf di selte d digt Verwur nd f lin in bersetzt Jahlun sch per werden 10 G0 el N iat lauft Zu kle, fühl KR ent Nisrg 9 ünee em Grin „wich t noch, i rweise lein Aspattellg dende Rehe Jalliberalen r- Sagin, des Grafen prochen— reuzische im Lande! gegen 40 der esetzes. scher und t die Kom. em hat sie iuige kleine ide zu ber⸗ nisson nach 1 Gesetze zu ich bei dieser atib⸗liberal⸗ geschlossene uträze ab⸗ dem bürger⸗ ganz unber⸗ nter Herrn e Gesetz als mend ab else, in der en als eil „ daß da it wachte es Molkenbuhr, Anträge der lehnte dann den Versul n. Lebaal lich dasselbe ohne Dehal. wurde d setze fon der Oenossn mere Ge zes bach fit er Gewerbe⸗ i dber de überflüssthel ten zu bel . Seit; da erbestrunge Sund che? ff. chen erer . Nr. 20. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. gebung in ihrer ganzen Nacktheit. Was die Bündler⸗ Redner dagegen vorbrachten, war mehr als schwach, nichts als Wiederholung von Redensarten. Aber im Grunde waren die Reden der Wangenheim, v. Kardorff, Lucke usw. höchst überflüssig; die Agrarier hatten die Mehrheit und machten Gebrauch von ihr. Die Ein⸗ schränkung der Produktion wurde mit großer, die Er⸗ höhung der Brennsteuer mit etwas geringerer Mehrheit angenommen; für die erstere war der größere, für die weite der kleinere Teil der Nationalliberalen. Nachdem wurde die Novelle zum Gewerbegerichtsgesetz erledigt. Krieg in Südafrika. Englands Blutopfer in Südafrika wachsen ins Riesenhafte. Das Kriegsamt ver⸗ öffentlicht die Verluste bis 1. Mai. Diese be⸗ laufen sich insgesammt auf 63,498 Offiziere und Mannschaften. In dieser Zahl sind die Kranken und Verwundeten, welche sich augen⸗ blicklich in südafrikanischen Hospitälern befinden, nicht einbegriffen. Es kommen also noch 35,000 Kranke und 10,000 Verwundete hinzu, so daß der Krieg bis jetzt rund 110,000 Menschen auf englischer Seite Leben oder Gesundheit ge⸗ kostet hat. Die Streitmacht der Buren, foweit sie zur Zeit im Felde steht wird auf 165,000 Mann angegeben, trotz aller Niederlagen und Verluste in der letzten Zeit.„Der Feind schließt sich auf's Neue zu Kommandos von wesentlicher Stärke zusammen, namentlich in dem Dreieck, das der Osten Trausvaals bildet, und im Westen. Die Buren haben auch noch einige Geschütze und Munitiousvorräte.“— So heißt es in Mel⸗ dungen aus Pretoria. Damit ist wieder der englische Schwindel aufgedeckt. Wohl schon ein Dutzend Mal ist„das letzte Geschütz“ der Buren in die Hände der Engländer gefallen; die Zahl der gefangenen oder sich unterwerfen⸗ den Buren überschritt bereits bedeutend die Ziffer der gesammten männlichen Bevölkerung der Republiken. Nun auf einmal giebt es wieder starke Kommandos mit Geschützen und Munitionsvorräten. Auch Dewet hat seine Operationen wieder aufgenommen. Er soll den Vaal wieder überschritten haben und mit über 2000 Mann in Transvaal eingedrungen sein. Weiter wird berichtet, daß die Frau des Burengeuerals Botha sich mit Zustimmung Lord Kitcheners nach Europa zu dem Präsi⸗ denten Krüger begeben werde, um auf diesen im Interesse des Friedensschlusses einzuwirken. — Auch das zeigt die schlimme Lage Englands. Krieg mit China. Ueber die Entschädigungsfrage verhandeln die„Diplomaten“ schon langer als ein halbes Jahr ohne zu Ende zu kommen. Auf die zuletzt von den Mächten an China ge⸗ stellte Forderung von 450 Millionen Taels Ent- schädigung drückten die Vertreter Chinas ihre Verwunderung über die Höhe der Summe aus und wiesen auf die finanzielle Schwierigkeit hin, in welche das Land durch die Forderung versetzt wird. Wenn jedoch die Mächte auf Zahlung der Summe bestehen, so will China sich verpflichten, sie in 30 Jahresraten zu je 15 000 000 Taels zu tilgen. Die Summen werdeu teilweise durch die Steuer auf Salz und Getreide gedeckt werden. In Erwartung der Revision des Zolltarifs fordert China die Mächte auf, zu gestatten, daß der Zoll vor⸗ läufig auf ein Drittel erhöht wird. Zur Griesheimer Katastrophe. leber die Ursache der Explosion wird unseru Frankfurter Parteiorgan von fachmän⸗ nischer Seite geschrieben:„Es hat in den Ver⸗ handlungen im Reichstag eine merkwürdige Meinungsverschiedenheit geherrscht über die Explosipität der Pikrinfäure(deren wissenschaft— licher Ausdruck Trinitrophenol ist; der Name Pikrinsäure leitet sich ab von pikros griech.= bitter, da sie von sehr bitterem Ge⸗ schmack ist). Um die Frage zu entscheiden, wenden wir uns an die wissenschaftlichen Werke. Danach explodiert Pikrinsäure, wenn sie rasch auf höhere Temperaturen erhitzt wird. Durch Schlag ist sie nicht zur Explosion zu bringen. Die pikrinsauren Salze hingegen exblo⸗ dieren sehr leicht durch Schlag. Herr v. Po- sadowsky meinte, man müßte— wenn man alle bei einem Brande explosiven Körper in Betracht zöge— alle Spiritus- und Petroleum⸗ lager unter die strengen Bestimmungen, die für Sprengstofffabriken gelten, bringen. Die Sache liegt doch etwas anders. Der Herr Graf ist kein Chemiker, da kann man ihm den Irrtum nicht übel nehmen. Spirituslager explodieren nur, wenn sie fest verschlossen sind und in Folge Erhitzung die Spannung in dem Behälter eine so große wird, daß er gesprengt wird. Es findet dabei aber keinerlei Zersetzung des Spiritus statt, die erst eintritt, wenn der Spiritus mit dem Sauerstoff der Luft verbrennt. Au⸗ ders ist es mit der Pikrinsäure, die sich hierin genau wie alle anderen Explosipstoffe verhält; sie zersetzt sich in sich selbst, d. h. sie zerfällt plötzlich unter großer Wärmeentwickelung in ihrr meist gasförmigen Bestandteile, die beson⸗ ders unter dem Einfluß der hohen Temperatur einen außerordentlich großen Raum einzunehmen bestrebt sind. Die Explosion scheint also nicht anders er⸗ klärt werden zu können, als daß in Folge des eutstandenen Brandes die feuchte Pikrinsäure getrocknet und auf eine Temperatur erhitzt worden ist, bei der eine Explosion eintreten mußte, die um so heftiger war, als sich den sich bildenden Gasen kein genügender Abzug bot. Wie entstand nun aber der Brand? Es wird vermutet, durch elektrischen Kurzschluß sei eine Welle in Brand geraten und durch die Welle geriet das Dach in Brand. Hier liegt meiner Anficht nach der Schwerpunkt. Wenn das Dach anbrannte, so muß es ein Holzdach gewesen sein! Wie ist es nun möglich, daß ein Raum, in dem sich Stoffe befinden, die bei einem Brande explosionsfähig sind, mit einem Holzdach gedeckt war? Werden denn Gebäude, in denen große Meugen Spiritus aufbewahrt werden, mit Holzdächern gedeckt? Wäre diese Vorsicht nicht außer Acht gelassen worden, vielleicht wäre daun das Unglück ver⸗ mieden worden, wenn nicht die Sache doch noch etwas anders gelegen hat. Die Frage, ob nicht doch schon versuchsweise nach dem Benzolver⸗ fahren, bei dem der Weg zur Pikrinsäure über das sehr explosive Trinitrobenzol führt, gearbeitet worden ist, scheint mir noch keines⸗ wegs erledigt zu sein. In einer andern Zuschrift eines Prakttkers an dasselbe Blatt wird behauptet, daß die Explosion nicht durch die durch den Brand getrocknete Pikriasäure erfolgte, sondern daß— Pulverfässer, die in diesem Raume lagerten, in die Luft geflogen sind, wodurch denn auch die Pikrinsäure zur Explosion gebracht wurde. Eine Erklärung des Bürgermeisters von Griesheim giebt die Gesamtzahl der Getöteten ebenfalls auf 24 an. Auf der Fabrik Beschäf⸗ tigte halten trotzdem die angegebene Zahl nicht für richtig. Es sollen noch eine Anzahl nicht abgeholter„Lohndüten“ sich auf dem Bureau befinden, woraus man schließen müsse, daß noch mehr Personen fehlen. Arbeiterbewegung. T Die Darmstädter Bäckergehilfen sind gestern in den Streik eingetreten, nachdem Verhandlungen zwischen Meistern und Gehilfen⸗ organisation ergebnislos blieben. Höhere Lohn⸗ forderungen der Gesellen sind Gegenstand des Streites. Nach wenigen Tagen konnte der Ausst erfreulicherweise beigelegt werden; die Arbe geber verstanden sich zu einer kleinen Lohn⸗ erhöhung. + In der Waggonfabrik zu Kelsterbach entstanden Di tzen, die zur Verhängung Sperre von Seiten der Arbeiter führten. Der Glasarbeiter⸗Streik in Nien⸗ burg dauert noch fort. Der Millionär Heye will unter folgenden Bedingungen die Leute — wieder arbeiten lassen: 1) Aus dem Glasar⸗ beiter⸗ʃerband auszutreten, 2) das Verbands⸗ buch im Komptoir abgeben, 3) die Gastwirt⸗ schaft Friedrich Henkel innerhalb zweier Jahre nicht mehr betreten. Diesen Unternehmerüber⸗ mut müssen die Arbeiter zurückweisen; sie be⸗ dürfen aber dazu der Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft.— Die aufgelöste Zahlstelle des Glasarbeiterverbandes wurde auf Gerichtsbe⸗ schluß wieder freigegeben. Gummiarbeiterstreik in Harburg. Sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Ver⸗ einigten Gummifabriken Harburgs, etwa 1200, legten in Folge fortwährender Maßregelungen die Arbeit nieder. Der Betrieb ruht, 370 Ar⸗ beiterinnen befinden sich seit 7 Wochen im Ausstande. —— ä— Von Kah und Fern. Nttteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Sießener Angelegenheiten. Geradezu skandalös ist die Art, wie das Gießener„unparteiische“ Organ die Ar⸗ beiterbewegung herunterreißt. In Hamburg wurden anläßlich der Maifeier etwa 90 Kupfer⸗ schmiebe gemaßregelt. Es legten deshalb ca. 200 Mann die Arbeit nieder. Von Seiten der Unternehmer— es kommen hierbei meist die Schiff⸗werfte in Betracht— wurde den übrigen Metallarbeitern Aussperrung angedroht, wenn die Kupferschmiede nicht die Arbeit wieder aufnehmen würden. Es fanden zwischen den Parteien Verhandlungen statt und im Laufe derselben sollen die Arbeiter ein Schreiben an die Arbeitgeber gerichtet haben, in dem ein Satz, wie die G. N. N. wissen wollen, folgender⸗ maßen gelautet habe: „Vorstehende Forderungen sind bis Dienstag, den 7. Mai, Abends 8 Uhr, zu beantworten, widrigenfalls am Mittwoch, Morgen, den 8. Mai, die Arbeit nieder⸗ gelegt wird.“ Und daran kgüpft das saubere Blatt folgendes Gesudel, bei dem seine„Unparteilichkeit“ augen⸗ füllig zutage tritt: „Man mag der beste Arbeiterfreund der Welt sein und kann es doch den Arbeitgebern nicht verübeln, wenn sie auf die se Zuschrift genau so aus dem Walde zurückrufen, wie es hineingeschallt hat. Nur rüde Gesellen, die von der Verhetzung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern leben, können Arbeitern, die um die Verbesserung ihrer Lage bemüht sind, raten, einen solchen Ton anzuschlagen. Zu der Frechheit kommt auch noch Dum m⸗ heit hinzu, wenn derartige Rempeleien zu einer Zeit erfolgen, wo Tausende von Ar⸗ beitskräften zu feiern gezwungen sind, die Arbeitgeber durch den Streik also gar nicht in Verlegenheit kommen können. Wer be⸗ zahlt die Zeche? die Arbeiter. Und wer ist schuld? die gewerbsmäßigen Hetzer.“ Wir bezweifeln zunächst, daß die oben zitierte Briefstelle wirklich so gelautet hat. Nach unserer Erfahrung pflegen die Arbeiter solche Schriftstücke viel höflicher abzufassen als es die Arbeitgeber thun. Wenn die Arbeiter sich so ausdrückten, billigen wir das gewiß auch nicht, aber die von den G. N. N. daran ge⸗ knüpften Bemerkungen stellen sich doch als eine Scharfmacherei niederträchtigster Art dar. — Entweder der geschäftskundige nationallibe⸗ rale Deserteur war nie in einer Arbeiterver⸗ sammlung und hat keine Ahnung, wie die Or— ganisationen ihre Angelegenheiten erledigen, oder er fälschte bewußtermaßen. Denn das weiß heute jedes Kind, daß sich die Gewerkschaften von Niemandem, auch nicht von gewerbsmäßigen Hetzern“— wer sollen die überhaupt sein? in ihre Angelegenheiten hineinreden lassen. Sle brauchen auch Niemanden. Meint man mit „gewerbsmäßigen die Beamten der Arbeiterverbände? diese bemühen sich, bel jedem Gewer pfe um gütliche Beilegu in f nur einigermaßen mög⸗ lich ist ese vodurch sie sich schon Seite 4 Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Nr. 20. oft Anfeindungen von Seiten ihrer Mitglieder zugezogen haben, wird auch von den Gewerbe⸗ inspektoren anerkannt.— Umso niedriger ist obige schofle, im Unternehmerinteresse geschriebene Hetznotiz; die nicht besser ausfallen konnte, wenn der„unparteiische“ Redakteur für seine Verdächtigungen der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie vom Unternehmertum bezahlt würde, wie der berühmte Viktor Schweinburg, den er sich wie es scheint zum Vorbild genommen hat. Wir würden diese Gemeinheiten einfach zu den Uebrigen legen, was unserer Partei von reaktionärer Seite schon alles nachgesagt worden ist, hätte dieser Mensch nicht noch die Unverfrorenheit, sich als„arbeiterfreundlich“ aufzuspielen. Wirk⸗ lich eine feine Sorte Arbeiterfrenndlichkeit! Damit kann er doch nur ganz und gar rück⸗ ständige Arbeiter täuschen; schließlich findet doch jeder halbwegs 1 heraus, daß das Blatt nur kapitalistische und arbetter⸗ feindliche Tendenzen vertritt. Heute weiß auch jeder einigermaßen verständige Arbeiter, daß seine Interessen auf politischem Gebiete einzig und allein von der So zialdemo⸗ kratie ehrlich vertreten werden; an dieser Thatsache werden alle„unparteiischen“ Ver⸗ dächtigungsversuche sche tern. Diese Sorte Presse wird also mit ihrem Bestreben, jedes unbedeutende Vorkommnis innerhalb unserer Partei in einseitiger und gehässigster Weise aufzubauschen und zu entstellen, nur vorüber⸗ gehende Erfolge erzielen. Wir müssen aber die unehrliche und niederträchtige Kam⸗ pfesweise kennzeichnen, die von derartigen Blättern geübt wird. Anständigen Gegnern zollen wir stets Achtung; die unter falscher Flagge segeluden„Unparteiischen“ vom Schlage der G. N. N. vermögen wir dazu nicht zu rechnen. — Aufseher⸗Rücksichtslosigkeit. Vor einiger Zeit wollten einige Arbeiter in dem Gail'schen Thonwerke der Beerdigung eines ihrer Bekannten in einem nahen Orte beiwohnen. Auf ihr Ansuchen verweigerte jedoch der ihnen überstellte Aufseher den dazu nötigen Urlaub, den drei Mann erst auf wiederholtes Grsuchen erhielten, während drei andere der Beerdigung ferubleiben mußten. Dem betreffenden Auf⸗ seher wäre doch zu 8 etwas mehr Menschlichkeit walten zu lassen. — Die nächste Schwurgerichtsperiode beginnt Anfang Juni. Unter anderem kommt auch der Kloppenheimer Raubmord zur Verhandlung, die mehrere Tage dauern dürfte. Angeklagt ist der 22 jährige Schlosser Emser von Schirmitz in Bayern. — 1 15 die Wiederherstellung der alten Burg am Brandplatz bewilligten die Stadtverordneten 80000 Mk. Vom Staat werden außerdem 10000 Mk. zur Verfügung gestellt. Das Gebände soll später für Museums⸗ zwecke und zur Wohnung des Großherzogs verwendet werden. Nach unserer unmaßge⸗ blichen Meinung wäre es besser gewesen, diesen alten baufälligen Kasten ganz niederzureißen, anstatt so große Summen e — Feuer entstand am Mittwoch früh im Schuhladen von Debus in der Wallthorstraße, doch wurde der Brand bald bewältigt. Eut⸗ stehungsursache solle eine vorhergegangene Ex⸗ plosion sein. Der Ladeninhaber wurde verhaftet. Aus Alsfeld. -t. Vergangenen Sonntag hielten die Als⸗ felder Genossen auf der„Pfefferhöhe“ noch nachträglich ihre Maifeter die sich natür⸗ lich angesichts der hiesigen Verhältnisse nur in bescheidenen Formen bewegen konnte. Vor zahl⸗ reich besuchter Versammlung setzte Gen. Vetters⸗ Gießen die Bedeutung, der Maifeier, die Not⸗ wendigkeit des Achtstundentages, sowie die übrigen Hanptforderungen der internationalen Arbeiter⸗ bewegung auseinander, dabei die südafrikanische und chinesische Massenmörderet verurteilend und für den Weltfrieden eintretend.— Auch aus auterbach waren Genossen zuzder Versamm⸗ Ilg erschtenen.— Einem Werkführer der bbelfabrik schien die Veranstaltung dieser sammlung zu ärgern; er fragte am Samstag einen Arbeiter,„ob er auch in die Versammlung inge, sich den Kopf verdrehen zu lassen.“ Der ann hätte klüger gethan, sich um etwas An⸗ deres zu bekümmern, als um das, was der Arbeiter am Sonntage thut, denn das geht ihm nichts an. Viel besser für ihn und andere wäre es, wenn er die jämmerlichen Arbeits⸗ verhältnisse in dieser Fabrik zu verbessern suchte. Darauf werden allerdings die Arbeiter lange warten können; deshalb müssen ste ihre Lage selbst besser gestalten, für Aufklärung ihrer Mitarbeiter und für ihre Organisation sorgen. — Am Ende könnte auch besagten Werlführer einige Aufklärung nichts schaden. Wetzlar. -th. Der. der sich voriges Jahr auf der auborner Straße abspielte und die nervöse Erkrankung des Herrn Fabrikanten Ohlen burger zur Folge hatte, beschäftigte neulich wieder das Gericht. Die Strafkammer verwarf die eingelegte Berufung des Herrn Michel, der Ohlenburger wegen Beleidigung verklagt hatte. Herr M. muß nun die Kosten bezahlen und in dem Hundeprozeß bleiben also Herr Ohlenburger und seine Nervosität so⸗ wie— die beiderseitigen Anwälte die Sieger. Ueber das Bürgerrechtsgeld ver⸗ handelte die Stadtverordnetenversammlung am Montag. Dieser Gegenstand beschäftigte die Stadtväter schon mehrfach. Früher mußte jeder, der„Bürger“ werden, also an den Stadtverordneten Wahlen sich beteiligen und 1 8 öffentliche Rechte ausüben wollte, 15 Mk. ürgerrechtsgeld entrichten. Wlederholt gestellte Anträge auf Beseitigung dieses Tributs, wo⸗ durch dem Armen, selbst wenn er ein geborener Wetzlarer ist, jeder Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten genommen und die ganze Ge⸗ meindevertretung den Besitzenden ausgeliefert wird, erfuhren Ablehnung. Schließlich erklärte der Regierungspräsident, daß eigentlich die Er⸗ hebung des Bürgerrechtsgeld ungesetzlich sei. Daraufhin wurde die Sache weitert erörtert und die dafür eingesetzte Kommission schlug die Herabsetzung des Bürgerrechtsgeldes auf 3 Mk. vor. Dem stimmte die Ver sammlung zu, nur sechs Stadtverordnete erklärten sich für gänzliche Aufhebung, aus welchen Gründen man diese rückständige und ganz unberechtigte Ein⸗ richtung nicht beseitigte, ist nicht recht ersichtlich. Wir sind der Meinung, daß bei Stadtverord⸗ netenwahlen auch Leute, die das Geld nicht bezahlten, zugelassen werden müssen. Die Wetzlarer Arbeiter thun jedenfalls gut, sich hierüber Klarheit zu verschaffen, damit sie ihre guten Rechte wahrnehmen können. Der Elberfelder Nilitärbefreiungsprozeß ist nach wochenlangen Verhandlungen vorige Woche zu Ende gegangen. Das Urteil lautete egen den Hauptangeklagten Baumann auf steben Jahre Gefaͤngntis, fünf Jahre Ehrverlust; Witwe Dieckhoff erhielt 2 Jahre Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust; Bender sen. und jun. und Stadthagen sen. und jun. je 3 Monate Ge⸗ fängnis; Schmidt 5 Monate 7 0 1 55 Zim⸗ mermann 5 Monate Gefängnis, Ehlers sen. und jun. je 5 Monate Gefängnis; Stern sen. und jun. je 4 Monate Gefängnis; Hufschmidt sen. und jun. je 3 Monate ee Die übrigen wurden freigesprochen.— Gegen den Oberstabsarzt Dr. Schimmel war die Anklage wegen Bestechung 12 68 worden, doch nahm das Gericht eine Bestechung von Militärärzten und Unterbeamten nicht als erwiesen an. — Baumann und Witwe Dickhoff legten Re⸗ viston gegen das Urteil ein.— Mit Beendigung dieses 1 1 ist der Vorhang über eine Er⸗ scheinung unseres öffentlichen Lebens gefallen, an der man die moralische und stttliche Brüchig⸗ keit unserer Bourgeosie zu erkennen vermag. Ob dies der letzte Prozeß dieser Art ist, dürfte mehr als fraglich sein, solange die Segnungen usseres Militarismus vorhanden sind, werden wohl auch die Freimacher ihre Rechnung finden. Schlußakt zum Meincidsprozeß Levy. Das Reichsgericht verwarf die Reviston des Fleischergesellen Moritz Levy aus Konitz, der am 16. Februar 1901 vom Konitzer Schwur⸗ gericht wegen Meineids in drei Fällen zu 4 Jahren Zuchthaus, 4 Jahren Ehrverlust und dauernder Eidesunfähigkeit verurteilt wurde. Kleine Mitteilungen. * Verschwundener Beamter. Seit einigen Tagen wird der Stadtrentmeister in Schlüchtern vermißt. 40.000 Mk. sollen in der von ihm verwalteten Kasse fehlen. * Einbruchdiebstahl. Vorige Woche wurde in die Geschäftsräume unseres Mann⸗ heimer Partetorgans, der„Volksstimme“, eingebrochen. Sämtliche Kassen waren er⸗ brochen und bis auf den letzten Pfennig ihres Inhalts beraubt. Die gestohlene Summe be⸗ läuft, sich auf ungefähr 200 Mk. Einige Spuren an dem eisernen Geldschrank zeigen, daß dort ebenfalls, doch vergeblich, versucht worden, auf⸗ 1 Vom Thäter hat man bis jetzt keine ur. * Schwerer Bauunfall. In Münchener Vorstadt Neuhausen stürzte in einem Neubau die schwere Betondecke nach Ab⸗ nahme der Verschalung herab und durchschlug die ganze Bautreppe. Ein Maurer wurde ge⸗ tötet; drei Tagelöhnerinnen()) zog man zwar lebend, aber schwer verletzt aus den Trümmern. * Doppel⸗ Hinrichtung. Am 8. Mai wurden in Nürnberg der Schreiner Höfling und der Taglöhner Schaller, Beide aus Fürth, die Höflings Schwiegermutter, die Witwe Schelter, um deren Sterbekassengeld zu erlangen, gemeinschaftlich ermordeten, durch den Scharfrichter Reichhart mit dem Fallbeil hingerichtet.— Derselbe Scharfrichter ent⸗ hauptete wenige Tage später den Vatermörder Bauer in Augsburg. Also drei Hin⸗ richtungen in einer Woche in ein und dem⸗ selben Lande, das auch noch für besonders fromm gilt! Das ist etwas viel und hoffent⸗ lich kann sich jetzt der Henker recht lange von seiner Blutarbeit ausruhen. — In Mannheim feuerte am Sonntag der 22 jährige Tapezierer Weber drei Schüsse auf seine Geliebte, der Kellnerin Wölln ann ab, worauf er sich selbst in den Kopf schoß. Weber starb ba. darauf, das Mädchen liegt lebens⸗ e verletzt darnieder.— Wegen Tot⸗ chlags der Prostituierten Nerger wurde der Arbeiter Müller vom Berliner Schwur⸗ Fare zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 jährigem hrverluste verurteilt.— Vor dem Hauptbahn⸗ hofe in Frankfurt sprang ein Auslaufer von einem 5 5 der elektrischen Bahn ab, kam unter die Räder des Anhängewagens und wurde arb so schwer verletzt, daß er bald darauf arb. Ans dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 9. Mai 1901. „ Buchdrucker⸗Versammlung. Be⸗ günstigt vom herrlichsten Frühjahrswetter unter⸗ nahmen am Sonntag die hiefigen Jünger der schwarzen Kunst einen Ausflug durch die prächtigen Wälder des sogenannten Hinterlandes nach demischön gelegenen Bergstädtchen Bie den⸗ kopf. Dortselbst fand im Nörperschen Saale von 4 Uhr nachmittags ab die zweite diesjährige Bezirksversammlung unter zahlreicher Betei⸗ ligung, auch der Biedenköpfer Buchdrucker, statt. Die Versammlung nahm einen sehr guten Ver⸗ lauf und hatte den Erfolg, daß sich zwei Biedenköpfer Kollegen zur Aufnahme in den Verband meldeten, sodaß also sämtliche dortigen Buchdrucker der Verbands⸗Organisation ange⸗ hören. Nach Schluß der Versam mila fand im Garten eine photographische Aufnahme sämtlicher Teilnehmer, auch der Damen, statt. Hierauf wurde das alte Schloß besucht, das eine herrliche Aussicht bietet. Schade nur, daß dasselbe, obwohl gut im Stande erhalten, leer steht, es würde für viele Familien gesunde Wohnungen abgeben! Nachdem auch noch ver⸗ schiedenen Wirtshäusern Besuche abgestattet waren, u. a. auch dem Herbergsvater Branden⸗ stein, trat man mit dem letzten Abendzuge die Rückfahrt in die Heimat an. — krollkom 9. Weier — lleber wird mitg fktion unseres vorhanden Meldung sozialdemt Reichstag det Gent Frage l Instanz datenfras Gießen lung Aben! Gießen lung Lauter Mit Weg bel die werden; Happen Die mangel — Auß; Auf darm hi big de daselbst, 15 Ke Haus Anden. charlne Ehe Shri Veber, f Jutz un Dan dun, daher, Gel tine T, schaffter ermg chain rden, auf letzt keine In der stürzte ij nach Ab. urchschlug wurde ge⸗ Man zwar rümmern, m 8. Mai Höfling eide auß itter, die ekassengel) ten, durch u Fallbel ichter ent atermörder drei Hin und den⸗ besondelz nb hoffen lange bon 1 Sonntag rei Schüft I ann ab, 8. Webel igt lebens gegen To wurde del r Schwul 10 jährigen Hauptbah, aufer bol n ab, an und wurd. ald darauf — rburg⸗ 10 1901. fung,. etter unte Jünger d. durch d. interlande n Viedel fen Gall 0 er B. ruceel, fl fun h ich 1. 50 me il, iche nul, atio 10 lung ig ufa fal Nr. 20. Mitteldeutsche Sountags⸗ Zeitung. Seite 5. W. Eine Bauarbeiterversammlung, die am Samstag im Lokale des Herrn Geißler tagte, nahm einen Vortrag des Genossen Diehl⸗ 1 über den Bauarbeiterschutz entgegen. er Referent wies darauf hin, daß die Orga⸗ nisationen der Unternehmer nicht etwa, wie es zu wünschen wäre, den Zweck hätten, die Unter⸗ bietungen bei Submissionen zu verhüten, son⸗ dern vielmehr den, die Arbeiter an der Er⸗ reichung günstigerer Arbeitsbedingungen zu hindern. Höhere Ziele verfolgten dagegen die Arbeiterorganisationen. Bei dem Kampfe um bessere Löhne, um mehr Schutz gegen Un⸗ fälle, um Verkürzung der Arbeitszeit, handele es sich um Dinge, die für die Gesamtheit des Volkes von großer Bedeutung sind. Weil ge⸗ setzliche Bestimmungen für den Bauarbeiterschutz noch nicht vorhanden sind, muß der Erlaß und die Durchführung geeigneter Schutzvorschriften mittels guter Organisation zu erreichen gesucht werden. Es müßten deshalb, wie die Junker nach höheren Zöllen, so die Bauarbeiter immer wieder schreien nach besseren Schutzvorschriften. Nach längerer Diskussion wurde eine Baukon⸗ trollkommission gewählt, deren Vorsitzender H. Weiershäuser, Wettergasse 37 ist. 2——— Partei Nachrichten. Ueber die Krankheit des Genossen Schönlank wird mitgeteilt, daß es sich um eine schwere Gehirn⸗ affektion handelt und auf vollkommene Wiederstellung unseres unglücklichen Genossen leider wenig Aussicht vorhanden ist.— Auf Erfindung beruht aber die Meldung der freisinnigen Breslauer Zeitung, daß man soztaldemokratischerseits bereits an einen Nachfolger im Reichstags⸗Mandat gedacht habe und die Personen der Genossen Bernstein und Th. Metz ner⸗Berlin in Frage kämen. Bis jetzt hat sich noch keine Partei⸗ Instanz mit dieser Frage, viel weniger mit einer Kandi⸗ datenfrage, beschäftige. Versammlungskalender. Samstag, den 18. Mai. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 22. Mai. Gießen. Bäcker. Nachmittags 4½ Uhr Versamm⸗ lung bei Löb. e Samstag, den 25. Mai. Lauterbach. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Mitgliederversammlung bei Gastwirt Kaut. Briefkasten. Wegen der Verlegung der Druckerei konnte bei dieser Nummer eine Beilage nicht mehr hergestellt werden; wir bitten also unsere Leser wegen des etwas knappen Textes um Nachsicht. Die Quittungen mußten wiederholt wegen Raum⸗ mangel zurückgestellt werden. Bestimmt in Nr. 21. 2 Aus dem Gießener Standesamts register. Aufgebotene. 9. Mat: Franz Jahnsohn, Gen⸗ darm hierselbst mit Frieda Seum in Nidda. 10. Lud⸗ wig Dern, Metzger in Watzenborn mit Maria Faber daselbst. 13. Wilhelm Rühl, Kaufmann hierselbst mit Luise Keßler dahier. 14. Heinrich Opper, Fabrikarbeiter in Hausen mit Marie Bellof, Fabrikarbeiterin in Großen⸗ Linden. 15. Friedrich Schieß, Wirt hierselbst mit Ka⸗ tharine Wiegel dahier. Eheschließ ungen. 11. Mai: Paul Niewisch, Schriftsetzer hierselbst mit Wilhelmine Reh dahier. Adam Weber, Former hierselbst mit Marie Schneider dahier. Justus Krafthöfer, Maschinenschlosser in Höchst a. M. mit Ernstine Erb dahier. Nicolaus Kratz, Finanzaspirant in Darmstadt mit Friederike Keller dahier. Ludwig Jung, Postbote hierselbst mit Elisabeth Wiederhöfer dahier. Geborene. 4. Mai: Dem Maurer Ludwig Frey eine Tochter. 5. Demselben ein Sohn. Dem Post⸗ schaffner Karl Hofmann eine Tochter. Dem Oeconomen Hermann Haubach eine Tochter. 7. Dem Kaufmann Theodor Vaubel ein Sohn. 8. Dem Spenglermeister Emil Dörr eine Tochter. 9. Dem Oberpostassistenten Heinrich Pitzer ein Sohn. Dem Schlosser Franz Bepler eine Tochter. 13. Dem Schutzmann Georg Stock ein Sohn. Dem Bäckermeister Ernst Muth eine Tochter. Gestorbene. 9. Mai: Christine Zinßer, geb. Ohr, 77 Jahre alt, Privatin dahier. 11. Konrad Kaus, 22 Jahre alt, Musketier dahier. 12. Philipp Brand, 58 Jahre alt, Briefträger i. P. dahier. 13. Theodor Zinßer, 76 Jahre alt, Kreisarzt i. P. dahier. 14. August Tischer, 70 Jahre alt, Privatmann dahier. Hessischer Landtag. Am Montag den 13. Mai begannen wieder die Verhandlungen der Zweiten Kammer. Auf der Tagesordnung steht zuerst der fürsorg⸗ liche 1 des Abg. Köhler⸗Langsdorf wegen der Erbfolge in Hessen, über den die Kammer zur Tagesordnung übergeht.— Zu dem zweiten Gegenstande: Aufbesserung der Pensionsverhältnisse verschiedener Beamtenkategorien, erklärt der Finanzminister, daß, wenn man die Wünsche der Petenten be⸗ rücksichtigen wolle, belaste man das Budget mit 300,000 Mk., wofür neue Steuern gesucht werden müßten. Abg. Morneweg und Dr. David traten für diese Forderung ein, Weid⸗ ner und Jöckel sprachen sich dagegen aus. Mit 18 gegen 17 Stimmen wird schließlich der Antrag der in Frage kommenden Beamten für er⸗ ledigt erklärt.— Auch die vom Abg. Mol- than gestellten Antrag betreffend Errichtung einer Handelshochschule in Hessenhat der Ausschuß beantragt, für erledigt zu erklären. In diesem Sinne beschließt die Kammer mit großer Mehrheit. Die Abgg. Molthan und David befürworteten die Errichtung einer derartigen Schule in Mainz sehr lebhaft.— Am Dienstag, den 14. Mai, wird ein Antrag Ulrich's betreffend die Neuregelung der Dienstverhältnisseder Staatsbeamten nach einer Erklärung des Staatsministers Rothe, daß bereits ein Entwurf eines neuen Beamten⸗ gesetzes in Arbeit sei und dem Haus demnächst zur Beratung unterbreitet werde, vorerst für erledigt erklärt.— Ebenso beschließt das Haus über den Antrag des Abg. Ulrich auf Er⸗ richtung einer technischen Mittelschule in Offenbach. Zu dem Autrag Frenay und Ulrich, die Gewerbeaufsicht betreffend, bemerkt Abg. Dr. David, daß noch zahlreiche Mißstände in einzelnen Fabriken bestehen. Im letzten Jahre seien 334 Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen zum Schutz der jugend— lichen Arbeiter festgestellt und auch die Be— stimmungen für die Arbeiterinnen würden viel⸗ fach durchlöchert. Die Regierung hat die Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen, um alle Garantie zu bieten, daß das Schlachtfeld der Arbeit nach und nach weniger gefährlich werde. Es empfehle sich daher, Hilfsarbeiter aus den Kreisen der Arbeiter zu entnehmen, denn wer nicht im Betrieb gestanden, könne auch nicht darüber reden. Er hoffe, daß die Vermehrung der Aufsichtsbeamten im nächsten Budget vorgesehen werde. Ministerialrat Braun bemerkt, die Regierung spare nicht an Fabrikaufsichtsbeamten. In das diesjährige Budget seien drei neue Stellen eingestellt und würden nach Bedürfnis vermehrt werden. Er stellt noch fest, daß der Verkehr der Regierung mit den or gani⸗ sierten Arbeitern ein ersprießlicher und die Sache förderlicher gewesen sei, während er dies von den nichtorganisierten nicht behaupten könne. Nach weiterer Debatte wird der Antrag vorläufig für erledigt erklärt.— Mittwoch stand zunächft der Antrag Haas⸗Mainz(Soz.) und Dr. David auf Errichtung eines eines neuen Justizgebäudes in Mainz. Abg. Haas schildert die Mißstände bei dem jetzigen Gebäude, das heute in keiner Weise mehr ge— eignet sei. Justizminister Dittmar versichert, daß die großherzogliche Regierung gerne eine baldige Henderung herbeiführen wolle. Er hoffe, daß diese Angelegenheit zufriedeustellend gelöst würde. Der Gesetzeutwurf der Dis— ziplinarverhältnisse der nichtrichterlichen Beamten wird ohne Debatte angenommen, desgleichen die Regierungsvorlage wegen Er⸗ weiterung und Neueiarichtung des Betriebes der Grube„Ludwigshoffnung“, wofür der Be— trag von 93,000 Mk. bewilligt wird. Der Reichstag ist vertagt worden. Es gelang den Agrariern nicht, die Branntweinsteuervorlage durchzudrücken Bei der namentlichen Abstimmung fehlt eine Stimme zur Beschlußfähigkeit, weshalb die Beratung abgebrochen werden mußte. Darauf verlas der Reichskanzler die Vertagungs verordnung. Das Meisterstück. Erzählung von Robert Schweichel. 5(Fortsetzung.) Meister Weigand blätterte ein wenig in dem Hefte und sagte dann:„Wie hier kurz vermerkt steht, war der Doktor derweilen im Reiche um⸗ hergeschweift vom Böhmerland bis Basel am Rhein, ohne eine Heimstatt zu finden. Denn der Luther, der sich gegen Diejenigen, so nicht mit ihm in das nämliche Horn stießen, Alles für erlaubt hielt, schrie und schrieb lästerlich wider ihn, und wo der Münzer sich verteidigen wollte, in solcher Stadt wurden die Drucker mit schwerer Strafe bedroht, auch in's Gefäng⸗ niß geworfen und er sebst fortgewiesen. Na konnte er keine Schrift ausgehen lassen, um so gewaltiger hat er auf allen Wegen gepredigt vom christlichen Leben und von der gemein⸗ samen Werkthätigkeit wie bei den ersten christ⸗ lichen Gemeinden. Und so hat er hier gepredigt in der Marienkirche und in der ganzen Umgegend in allen Dörfern. Er und der Pfeifer gingen fleißig in die Rathssitzungen, und wenn Recht gesprochen wurde, so geschah es nach dem, was die heilige Schrift für Christen als recht und billig anführt. Alle geistlichen Häuser wurden gesäubert, und die Weiber und Mädchen waren fleißig, sich aus den Meßgewändern und Caselen schöne Kleider zu schneidern; Münzer selbst ließ seiner Frau daraus Gewand und Koller machen Die Beute aus den katholischen Kirchen, Klöstern und Schlössern wurde zusammengethan und Alles, was Bauern und Bürger dazu gaben was just nicht wenig war. Dean die Begeis⸗ terung, so er entzündete, war ein gewaltig Feuer. Hatte Münzer früher gelehrt, daß man in den ursprünglichen Stand der Gleichheit zurückkehren müsse, so wollte er jetzt die Ge⸗ meinschaft der Güter, wie sie unter den ersten Christen geherrscht hatte. Und er teilte aus dem Gemeinsamen Vorrat den Bedürftigen das Notwendige mit au Korn, Lebensmitteln ein Stück Zeug zur Kleidung. Er selbst ging in einem einfachen, pelzverbrämten Rock oder in einem weiten Propheten mautel, und seinem jungen Gesicht gab er durch einen starken Bart ein Aussehen wie ein Erzvater. Und es war auch in ihm ein mächtiger Geist wie in den Propheten, und gewaltig wie in Moses, und es war nichts Uareines in ihm. Nach jeder seiner Predigten ließ der Pfeifer durch Chöre von Jünglingen und Mädchen die Verheißungen Jehova s an die Söhne Juda's absingen: „Morgen werdet Ihr auszieheu, und der Herr wird mit Euch sein.“ Er bereitete alles auf den Auszug vor; zer ließ in dem ehemaligen Barfüßerkloster Geschütz gießen und schickte Leute mit Geld nach Nürnberg, damit ste Pulver kauften. Aber er wollte den richtigen Augen- blick abwarten; denn er wußte gar wohl daß wir Thüringer nicht in den Waffen geübt waren wie die Franken und Schwaben. Allerwärts wollten die armen Leute schon zum Schwert reifen, und er selbst mahnte mündlich und in riefen, die so schneldig waren wie das Schwert Gideon's, die Bauern und Bergleute in Thüringen und auf dem Harz zum Zuzug auf, und die Schwaben und Franken um Hülfe. Aber schon waren die vielen Fürsten und Herren auf mit Mann und Roß. Die sächsischen Herzöge, die Grafen von Maasfeld und allen doraus der Landgraf Philipp von Hessen kamen daher ge⸗ zogen, und ihren Weg färbte das Blut der N. heb e l und Prädikanten a he unzer sich ihnen entgegen, so geri ö 005 Macht war, und sollen au Fratenhunse 1 er auf die Herren stieß, nicht mehr als g um ihn gewesen sein, darunter viel Weiber und selbst Kinder. Der Landgraf von Hessen ließ ihnen sagen, so sie ihre Hauptleute ads Seite 6. . Mitteldentsche Sonntags⸗ Zeitung. * Nr. 20— ihnen Gnade bei ihren Herren verschaffen. Drei Stunden Bedenkzeit sollten sie haben. Es gab aber manche Zage unter ihnen, und Münzer konnte es nicht hindern, daß etliche Ritter und Edelleute, die Pfeifer auf einem Auszug gefangen genommen hatten, als Unterhändler zu den Herren geschickt wurden. Die Fürsten aber brachen ihr Wort; denn kaum waren die Edelleute in ihrem Lager, so ließen sie all ihr Geschütz auf einmal in die Bauern gehen. In wildem Schrecken stoben sie aus⸗ einander und jetzt die Reiter und Lauzknechte auf die Fliehenden. 3000 wurden erschlagen und 300 Gefangene sogleick enthauptet. Gräuel geschahen, die Euch von Entsetzen das Haar sträuben würden.— Der Doktor Thomas hatte sich nach Frankenhausen geflüchtet, allwo er in seinem Versteck aufgefunden und gräßlich gefoltert wurde. Die Herren erfuhren aber nichts von ihm, als was sie schon aus seinen Schriften wußten, von seinen Genossen nannte er nur solche, die bereits erschlagen waren, widerrufen und bereuen that er nicht. Als ein furchtloser Mann, den er immer gewesen, wurde er hier in Mühlhausen gerichtet. Kaum 32 Jahre war er alt geworden. Dem Heinrich Pfeifer, erging es ebenso. Unsere reichsfreie Stadt fiel an die sächsischen Herzöge. An dem Tag von Frankenhausen stand ein Regenbogen am Himmel. Aber es ist kein neuer Bund aufgericht't worden. Das Joch harter Knechtschaft liegt noch auf unserem Nacken; die Herren aber vergeuden unseren Schweiß in allen Ueppigkeiten und Wollüsten als wie der Nebukadnezar.“ ö Meister Weigand verstummte bewegten Sinnes. Trude blickte mit nassen Augen auf Berthold, der mit finsteren Brauen dasaß; seine Wangen glühten. Jetzt rief er mit blitzenden Augen:„Aber Thomas Münzer hat uns den Weg gezeigt, auf dem wir aus der Knechtschaft gelangen können, ohne Gewalt zu brauchen. Es ist gemeinsame Arbeit und ge⸗ meinsamer Genuß an ihren Früchten. Dann braucht's keine Meister, Gesellen und Lehrlinge mehr. Keiner hat mehr Ursach', den Anderen zu beneiden, weil Keiner reich ist, und Keiner lieferten, wollte er die Wolle liefern und zahlen. hat mehr die Mittel, die Anderen zu unter⸗ drücken.“ Trude reichte ihm lebhaft die Hand, die er mit festem, warmem Druck festhielt, während der Alte kopfschüttelnd versetzte:„Der Münzer war nicht der Erste, der es versuchte, das Bei⸗ spiel der ersten Christen nachzuahmen. Er kam freilich gar nicht dazu, seine Absicht auszuführen. Aber er war auch nicht der Letzte, und immer ist es gescheitert. Die christliche Nächstenliebe ist tot in den Menschen. Und wie willst Du das Geld überwinden, was die allergrößte Gewalt in der Welt hat? Da hilft kein Mittel gegen, auch keine Zunftgesetze. Schau, wir Tucher, da hat's Wollkrempler, Spinner, Weber, Scheerer, Färber. Wir sind alle zünftige Meister, aber wir schaffen blos für Rechnung der reichen Hansen und Kaufleute, welche uns Lohnarbeiter sind wir, wie ihr Gesellen. So ist's auch mit den Bergleuten, und dahin wird es mit allen Handwerkern kommen.“ 5 (Fortsetzung folgt.) Lesefrüchte. Nein, Kriege zwischen zioilisierten Völkern sind keine Naturnotwendigkeit, sie werden heute nur mehr künstlich gemacht. Den verhängnis⸗ vollen Aberglauben, daß sie notwendig wären auszurotten, heißt die Kriegsgefahr vermindern; die Zuversicht, daß beständiger waffenloser Weltfrieden möglich ist, trägt mächtig bei zur endlichen Erreichung dieses Friedens. Solche Zuversicht zu stärken, zu verbreiten, ist unsere Pflicht, ist des Pocten göttlicher Beruf. P. K. Rossegger. * * aK Auf einen Pharisäer. Er hat keinen silbernen Löffel gestohlen, Er stand noch niemals vor Gericht, Und dennoch sag ich uuverholeu: Er ist ein ganz gemeiner Wicht. C. Bleibtreu. * 5* Vergebens predigt ihr den Wilden, Es gilt erst die Gebildeten zu bilden. ** Elende Minister widersetzen sich den Preß⸗ freiheit aus dem nämlichen Grunde, aus welchem die Freudenmädchen die Straßenbeleuchtung hassen. Humoristisches. Unterschied. Köchin(zur jungen Frau, welche ihr die orthographischen Fehler im Küchenbuch ver⸗ bessert):„Sehen Sie, gnä' Frau, das ist der Un ter⸗ schied zwischen uns beiden: Sie wsssen, wie's ge⸗ schrieben wird, und ich weiß, wie's gekocht wird!“ Der vorsichtige Ninister. A.. Es wäre doch fatal, wenn Sozialdemokraten in den preußischen Landtag kämen.— B.: Warum?— A.: Dann könnte der arme Schönstedt sich nur noch im Herrenhaus sehen lassen.(Der wahre Jacob.“) Von der Kontrollversammlung. Bezirks⸗ hauptmann(zu den Soldaten des Beurlaubten⸗ standes);„... Und zum Schluß möchte ich allen denen, die noch keinem Soldatenverein angehören, dringend an's Herz lezen, einem Kriezer⸗ oder Ländwehrverein beizu⸗ treten; denn diese Vereine befestigen das Band der Kameradschaft und bilden das festeste Bollwerk gegen alle Umsturzbestrebungen(einen gähnenden Reservisten bemerkend) Sie da, der dritte Mann im zweiten Gliede! Was bilden die Soldaten vereine?“ Reservist: Spalier! Litterarisches. Auf die illustrierte Rom anbibliothek: „In Freien Stunden“ machen wir unsere Leser wiederholt aufmerksam. Die Lieferungen 15 bis 19 enthalten die Fortsetzung des figuren⸗ und handlungs⸗ reichen und von dem Münchener Maler Damberger in Auffassung und Charakteristerung meisterhaft illu⸗ strierten Romans„Dom bey und Sohn“ von Charles Dickens und den Anfang der Jekai'schen Nevelle For⸗ tunatus, einer spannenden Geschichte aus der Zeit der ungarischen Juden verfolgungen. Wir köanen unseren Lesern diese Romanbibliothek immer wieder em⸗ pfehlen und ihnen nur auraten, in Bekanntenkreisen für weitere Verbreitung zu azitieren. Das Heft kostet nur 10 Pfennig. Zu bezieben fiud die Hefte durch unsere Expedition(O. Schneider, Gießen, Sonnenstr 25) sowie auch durch die Post zum Bierteljahrespreis von 1,20, Postzeitangskatals z Nr. 8623). 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V Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. frende Lehen e gemein zu erm 15 fel d. Auggie Verkün unsere sozialis Alt den