ing mit U nteresen) allsehen Schlebe Fordetun ordnetet. das Gen stärken b. ichlein t im gen ertrag“ dem Bin das Delle telchsgeun 0 Pfg. Buchhan — I. bei Ab ul, 8. ergie i reicht, 6. Marbu. straße. — StadtLer ordneten wahlen. Sri und Kreutmun Tages⸗Orduung bwesorstenen den Sc oed οον οανẽ, eu SSN Nes De NN INN NSN W Nr. 46. Gießen, Sonntag, den 17. November 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. e Mitteldeutsche Nedalttoneschluß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uh Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Erpeditionin Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 2 Jnserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens Langsamer Hungertod. Daß ein großer Teil der Arbeiterbevölkerung sich nicht soviel Nahrung bieten kann, als der Körper zum normalen Ersatze der verausgabten Kräfte nötig hat, ist eine von ärztlichen Sach⸗ verständigen nachgewiesene Thatsache. Inner⸗ halb der Arbeiter ist diese Thatsache ebenfalls längst bekannt, dagegen wird sie in den Kreisen des satten Bürgertums und seiner Presse fast stets bestritten. „Es verhungert niemand!“ Mit dieser billigen Weisheit pflegt sich der satte Besitz zu trösten, wenn ihm der Anblick des Elends einmal un⸗ angenehm wird, wenn der schneidende Kontrast, der sich zwischen Bourgeoisie und Proletariat aufthut, ihn im Genuß stört, und ein leises, anklagendes Etwas in seinem Innern peinliche Gedankengänge auslöst.„Es verhungert nie⸗ mand!“ Diese und die andere schöne Talmi⸗ wahrheit:„Wer arbeiten will, findet Arbeit!“ sind die bequemen Faulkissen, auf denen sich so gemütlich über die Unzufriedenheit und die Begehrlichkeit des Plebs philosophieren läßt. Was bedarf es mehr, um die„göttliche Welt⸗ ordnung“ zu rechtfertigen? Wenn der Prole⸗ larier nur stets seine Notdurftsration hat, was hat er dann noch zu raisonnteren! Wir haben ja nun gar nichts dagegen ein⸗ zuwenden, sagt mit Recht die„Sächs. Arbeiter⸗ zeitung“, der wir diese Ausführungen ent⸗ nehmen, daß die Bourgeois ihre„göttliche Weltordnung“ also niedrig einschätzen, daß sie meinen, die große Mehrheit der Bevölkerung könne von ihr nicht mehr als die magere Garantie gegen den brutalen Hungertod ver⸗ langen. Aber wir haben allerlei einzuwenden gegen diese bequeme, mit so zuverlässiger Sicherheit alltäglich an so und so vielen Stammtischen verkündete Behauptung:„Es verhungert nie⸗ mand!“ 0 Wir müssen allerdings zugestehen, es gehört wirklich zu den Seltenheiten im 20. Jahrhundert, daß in den Ländern Westeuropas in normalen Zeiten eine Person verhungert, verhungert in des Wörtes groben Sinn, stirbt, alldieweil sie absolut nichts zu beißen und zu brechen hat. Nein, so verhungert allerdings fast niemand das lassen wir nicht zu! Bewahre! Wir leben nicht umsonst im Zeitalter der Humanität und Sozialreform. Wir lassen niemanden verhun⸗ gern, dazu sind wir viel zu zivilisiert! Wenn wirklich ein armer Teufel zu stolz oder zu schamhaft, oder zu energielos wäre, um das Mitleid der Nachbarn oder die Hülfe der Armenpflege anzurufen, wenn er durch eigenes Verschulden am absoluten Mangel an Nahrungs⸗ mitteln zu Grunde zu gehen drohte, so würde unverlangt selbst die Hülfe geleistet und das Entsetzliche verhütet werden, vorausgesetzt, daß wir nur rechtzeitig von dem traurigen Fall erführen und der Amtsschimmel nicht gar zu langsam trottete. Dieser Hungertod, der Tod durch absolute Nahrungsentziehung ist in dem zivilisterten Staate bei einiger Vorsicht ganz unmöglich. 1455 Soweit haben die Verteidiger der göttlichen Weltordnung recht. f Aber buch sterben alljährlich Tausende von Menschen in den Kulturländern des Westens den Hungertod. Nur ist es ein indirekter, verdeckter, verschleierter Hungertod. Der Hunger tritt nicht in all seiner furchtbaren Brutalität als der Würger auf, die Opfer erliegen nicht jenen entsetzlichen Qualen, die wir in mittelalterlichen Chroniken vom Hunger⸗ turm erzählt finden. Der Prozeß ist ein lang⸗ samerer— die Qual ist anf eine größere Zeit⸗ spanne verteilt uud das Amt des Würgers versieht irgend eine unschuldige Krankheit, der man nicht direkt ansieht, daß sie nichts weiter als eine Vollstreckerin der Urteile ist, die König Hunger gesprochen. Die Unterernährung, die mangel⸗ hafte, unzureichende Ernährung des Körpers, zu der leider weite Arbeiterkreise ge⸗ zwungen sind, vernichtet die Widerstandskraft wider gesundheitsschädliche Einflüsse, die der gesunde Körper besitzt. Was der gut genährte Bourgeois meist übersteht, das wird dem Pro⸗ letarier zum Verderben. Ein großer Teil des Ueberschusses der Sterbeziffer des Proletariats über die der Bourgeoisie entfällt auf das Konto der Unterernährung, des Hungers. Jeder Armenarzt, der mit offenen Augen seine Kunst übt, kann davon erzählen, weiß zu berichten, daß ihm alle Jahre so und soviele Patienten sterben, die zweifellos durchzubringen gewesen wären, wenn ihr Körper nicht durch lange Jahre fortgesetzter Unterernährung zu sehr geschwächt worden wäre. Dieselbe Krank⸗ heit zeigt im Hause des Bourgeois ein ganz anderes Gesicht, als in der Wohnung des Arbeiters. Welchen gewaltigen Einfluß die Unterer⸗ nährung auf die Sterblichkeit der Arbeiter⸗ bevölkerung ausübt, schildert ein Arzt, der lange in der Fabrikbevölkerung großer Städte thätig war, in seinem Buche„Die Not des vierten Standes“ an zahlreichen Beispielen. „Es ist eine Erscheinung, die überall in unseren Frauenkliniken in Industriegegenden beobachtet werden kann, sagt der Verfasser an einer Stelle, daß die Weiber aus den Kreisen des Proletariats den Fettansatz und die Zunahme der Körperfülle, wie sie physiologisch nor⸗ mal während der Schwangerschaft auftreten soll und bei Angehörigen der besseren Klassen auch auftritt, ver⸗ missen lassen; sie bleiben auch während dieser Umstände mager, schwach und hohl, ja viele magern dabei noch mehr ab, und dies sind die Folgen der unzureichenden Ernährung und der mangelnden Schonung.“ Von einer anderen Patientin erzählt er: „Ich mußte mir damals sagen, daß die Frau wohl nicht gestorben wäre, wenn sie besser genährt gewesen, wenn sie nicht durch Entbehrung so stark an Körper⸗ kräften heruntergekommen wäre, aber sie war sehr abge⸗ magert und am Leibe geschwächt, und so konnte sie sich nach dem starken Blutverluste nicht wieder erholen und erlag der allgemeinen Erschöpfung.“ Gräßlich ist folgendes zu lesen: „Eine Arbeiterfrau, die in anderen Umständen war, war so nervenschwach und krank, daß sie glaubte, sterben zu müssen. Sie wohnte mit ihrem Manne und zwei Kindern in einem Kellerraume. Als ich ihr tröstend sagte, daß sie durch kräftige Ernährung wieder gesund werden würde, lächelte sie ungläubig und bitter, ebenso der Mann, sie wußten seit langer Zeit nicht mehr, was kräftige Kost bedeutet. Dieses bittere Lachen hört man oft, wenn man den Armen gegenüber von guter Nahrung spricht.“ An einer anderen Stelle setzt er auseinander, daß infolge mangelhafter Entwickelung in der Jugend viele Personen später die leichte Beute von Krankheiten werden, denen die Besser⸗ entwickelten mühelos widerstehen. Die Ent⸗ wickelung wird aber gehemmt, weil den Kindern unzureichende und ungeeignete Nahrung gereicht wird, weil zur passenden das Geld nicht reicht. Und diese Unterernährung ist die Ur⸗ sache der ungeheuren Sterblichkeit der Kinder der besitzlosen Bevölkerung. Vollkommen richtig ist es, wenn der Ver⸗ fasser des Buches sagt: „Wenn unser Industriestaat der arbeitenden Be⸗ völkerung bessere Lebensverhältnisse gewährt, dann wird er unglaubliches Elend verhindern, staunenerregende Summen an Nationalvermögen ersparen und die Ursachen zahlloser Krankheiten aus der Welt schaffen.“ Thut aber der Staat das, versucht er das? Nein und abermals nein! Was will die Flickerei der Arbeiterversicherung und des Arbeiterschutzes gegen die Thatsache besagen, daß die Reichsregierung eine erhebliche, teilweise geradezu eine riesige künstliche Verteuerung fast aller Lebensmittel, namentlich aber der wichtigsten, des Brotes und des Fleisches, im Entwurf des neuen Zolltarifs vorschlägt, daß Brot⸗ und Fleisch⸗ wucher, den schon jetzt die Junker unter dem Schutze des sogenannten„Schutz“ zolles treiben, noch verstärkt werden soll! In vielen Bezirken besteht die schlimmfste Unterernährung jahraus, jahrein! Soll sie noch weiter gesteigert werden? Das darf nicht sein! Mit aller Kraft muß das Volk gegen den geplanten Lebens⸗ mittelwucher protestieren! Nieder mit dem Brotwucher, nieder mit dem ganzen Zollwucher! muß der tägliche Schlachtruf der Proletarier sein, bis die Gefahr beseitigt ist. Und darüber hinaus muß für bessere Ar⸗ beitsbedingungen, muß für bessere Gesetze, muß für eine bessere Ordnung gekämpft werden, in der das Wort zur ganzen Wahrheit wird: Es verhungert niemand! Zur Eisenbahnreform. Die sozialdemokratischen Abge⸗ ordneten der süddeutschen Landtage hielten am letzten Sonntag in Stuttgart im Gewerkschaftshaus eine Konferenz ab, an welcher 8 Mitglieder der bayerischen, 5 der württem⸗ bergischen, 4 der badischen und z der hessischen Fraktion theilnahmen. Den wichtigsten Gegen⸗ stand der Beratung bildeten die gegenwärtig schwebenden Fragen der Eisenbahnreform. Nach eingehender Erörterung stimmte die Konferenz folgenden Leitsätzen zu: Das Eisenbahn⸗ und Trausportwesen ist von entscheidendem Einfluß auf den Stand von Produktion und Austausch und seine rationelle Gestaltung bildet eine der wichtigsten Aufgaben der Wirtschafts⸗ und Finanzpolitik der nächsten Zeit. Das Eisenbahnwesen darf nicht zum Mittel einer indirekten Besteuerung gemacht werden, sondern ist ausschließlich im Sinne der Förderung des Verkehrs und des Erwerbslebens zu leiten. Die einheitliche Gestaltung des Eisenbahn⸗ wesens innerhalb des deutschen Wirtschafts⸗ gebietes wird durch die Entwicklung des Ver⸗ kehrs bedingt und muß das zu erstrebende Ziel bilden. Diese Einheitlichkeit kann jedoch erst dann, von allseitigem Vorteil und annehmbar sein 8 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 5 U wenn den Landesnetzen— unbeschadet der notwendigen Zusammenfassung und im Rahmen allgemeiner Normen— eine bestimmte Selbständigteit und den Landtagen die Erhaltung ihres Kontrollrechtes gesichert wird. Nur dadurch wird eine wirksame Verantwortung geschaffen, das örtliche Interesse gewahrt und dem Au⸗ trieb zu Fortschritten der erforderliche Spiel⸗ raum gegeben. Des Weiteren muß das Tarif- wesen, das heute thatsächlich in den Händen der Regierungen liegt, dem parlamentarischen Bestimmungsrecht unterstellt werden. Ohne diese Voraussetzungen würde eine Ver⸗ einheitlichung— gleichviel unter welchen Formen, — die Herrschaft der preußischen Eisenbahn⸗ verwaltung mit ihrer rein fiskalischen Wirt⸗ schaft, ihrer Feindschaft gegen jede einschnei bende Verkehrsreform, ihrer Unterdrückung des Perso⸗ nals und ihren politischen Sonderzwecken, nur noch weiter ausdehnen und ihre verderblichen Folgen noch verschärfen. 0 Deshalb ist jede Anbahnung von Eisenbahn⸗ gemeinschaften mit Preußen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen mit allen Mitteln entschieden zu bekämpfen. Aber auch die Ueber⸗ tragung der Eisenbahnen auf das Reich— die ohnehin in Folge der Weigerung Preußens aus⸗ sichtslos ist— würde zur Zeit und unter den gegebenen Umständen mehr Nachteile als Vor— teile bieten. Als Vorstufe zu einer späteren Vereinheit⸗ lichung und zur Aubahnung einer entschiedenen Tarifreform soll in allen Landtagen nachdrück⸗ lichst auf ein möglichst weitgehendes Zusammen⸗ wirken der süddeutschen Länder, vor Allem auf die Herstellung einer Tarifgemeinschaft zum Zwecke einer einschneidenden Vereinfachung und Verbilligung der Personen- und Gütertarife hingewirkt werden, durch die zugleich auch ein Euifluß auf die Tarifpolitik der preußischen Verwaltung geübt und so dem Interesse des gesammten deutschen Volkes an einer fortschritt⸗ lichen Entwicklung des Verkehrsweseus gedient würde. Selbstverständlich ist in jedem Lande für sich auch fernerhin auf jede erreichbare Verbesserung der Verhältnisse des Verkehrs wie des Beamten— und Arbeiterpersonals hinzuwirken. politische Rundschau. ———— Gießen, den 14. November. Es desizittert. Das Defizit im Reichsetat, das bis⸗ her auf 100 Millionen geschätzt wurde, beläuft sich nach der„Nat.⸗Ztg.“ auf 140 Millionen Mark, zu deren Deckung die Matrikular⸗ beiträge zu erhöhen seien, falls nicht andere Mittel herangezogen werden. Auch in Preußen wird, wie es heißt, mit einer sich ungefähr ebenso hoch belaufenden Verschlechterung des Etats für 1902 im Vergleich mit dem des Jahres 1901 gerechnet, da zu der Steigerung der preußischen Matrikularbeiträge eine beträcht- lich geringere Veranschlagung der direkten Steuern und der Eisenbahnüberschüsse hinzu— kommt.— Das sind die Folgen der weltpoli— tischen Experimente des vorigen Jahres! Trotz— dem werden noch neue Ausgaben für den Militarismus und Marinismus verlangt! Unsere Vertreter im Reichstage finden tüchtige Arbeit vor, wenn sie in einigen Wochen zusammentreten. Der Zolltarif im Bundesrat. Der Bundesrat erteilte in seiner Sitzung vom Dienstag dem Ausschußantrag zur Vor— lage betr. den Entwurf des Zolltarlfgesetzes nebst dem Zolltarif seine Zusttemmung. Die Meldung, daß die Bundesratsverhandlungen nicht so glatt verlaufen seien, daß es zu recht lebhaften und stellenweise pikanten Erörterungen gekommen sei, weil es sich herausgestellt habe, daß die Stellung der Vertreter mancher Reichs— ämter und preußischer Ministerien zu einzelnen Fragen keine einheitliche gewesen sei, wird von der 1555 Dementirmaschine, der„Nordd. Allg. Ztg.“, bestritten. Siegeszug der Sozialdemokratie. Als vorige Woche die Kunde von der Nieder— lage unserer Genossen bei der Gemeindewahl in Offenbach kam, durchtoste heller Jubel die bürgerliche Presse. Es fehlte auch nicht an dummdreisten Lügen und Gemeinheiten, die gegen unsere Partei geschleudert wurden. Das Organ des Lederkönigs Heyl in Worms sprach blöͤdsinnigerweise von„Zerstörung der sozial⸗ demokratischen Paschawirtschaft“! Pascha Heyl will von Paschawirtschaft reden! Natürlich stimmte auch der Arizonakiker, das Offenbacher antisemitische Sudelblatt ein wahres Jubelgeheul an. Dieses saubere Organ erfrechte sich, unserer Partei„hundsgemeine Kampfesweise“ vorzu⸗ werfen! Wenn die Pap tei der Gaukler und Schaumschläger, zu deren Hauptführer der Dreschgraf Pückler gehört, solche Vorwürfe erhebt, reizt das jeden verstäudigen Menschen zum Lachen.— Aber der einen Niederlage in Offenbach folgten zahlreiche Siege! Nach dem glänzenden Siege bei den Ber— liner Stadtverorduetenwahlen, wo in der dritten Wählerklasse der Freisinn fast ganz verdrängt und unsere Kandidaten mit erdrück. ender Mehrheit gewählt wurden, kamen aus einer ganzen Reihe norddeutscher Städte Sieges nachrichten für uns. In Charlottenburg, Halle, Spandau, Schöneberg, besonders aber in Wiesbaden haben wir glänzende Erfolge zu verzeichnen; in ersteren Orten er⸗ oberten wir mehrere Mandate, in Wiesbaden erreichte unsere Liste beinahe die absolute Mehr⸗ heit. Fast 1700 Sti men wurden abgegeben, dreimal mehr als bei der letzten Wahl. Nir⸗ gends Rückgang, stetiger Vormarsch! Hunnenprozesse. Dem Prozesse gegen den demokratischen Beobachter in Stuttgart sind vorige Woche zwei weitere gefolgt: Ebenfalls in Stuttgart wurde der Redakteur unseres Witzblattes„Der Wahre Jakob“, Gen. Heymann zu einer Geld⸗ strafe von 200 Mk. verurteilt. Er hatte ein Gedicht mit der Aufschrift„Heimkehr“ veröffent— licht, dessen letzter Vers lautete:„Unsere Hunnen kehren wieder, Schlapp vom Sengen, Brennen, Morden, Und'ne Viertelmilliarde sind wir dabei losgeworden.“ Der Verfasser des Gedichts wurde nicht genannt.— Wegen Veröffentlichung eines„Hunnenbriefes“ unter der Spitzmarke „Deutsche Bestien“ wurde gegen die„Frankf. Volksstimme“ verhandelt. Redakteur Genosse Dr. Quarckerklärte, er habe den Brief mit Kouvert und abgestempelter chinesischer Marke selbst gesehen und von Bebel erhalten. Bebel hat sich bei seiner kommissarischen Vernehmung geweigert, den Namen des Briefschreibers zu nennen, er wisse ihn gar nicht mehr, es sei jedoch ein häufig vorkommender Name gewesen. Der Staatsanwalt hat wegen dieser Weigerung gegen Bebel das Zeugniszwangsver⸗ fahren eingeleitet und 200 Mk. Geldstrafe beantragt. Dieser Antrag wurde in der Frauk⸗ furter Verhandlung am Freitag wiederholt. Gegen Dr. Quarck beantragte der Staatsan⸗ walt 3 Wochen Gefängnis.— Das am Mitt— woch gefällte Urteil lautete bezüglich Quarcks gemäß dem staatsanwaltschaftlichen Antrage auf drei Wochen Gefängnis. Die Bestrafuug Bebels wegen Zeugnisverweigerung wurde ab— gelehnt. In dem Urteil wird gesagt, es bleibe dahingestellt, ob der Brief echt oder unecht sei; allein der Titel„Deutsche Bestien“ enthalte eine Beleidigung des Expeditionskorps. Patriotischer Eutrüstungsrummel. Alldeutsche, Studenten, Kriegervereinler und sonstige Hurrapatrioten halten in der letzten Zeit Protest⸗Versammlungen ab und entrüsten sich über eine Rede des englischen Kolontal⸗ ministers Chamberlain“) in heftigen Resolu⸗ tionen. Gegen den König Eduard werden von den treumonarchisch gesinnten Patrioten Aus⸗ drücke gebraucht, wie man sie sonst nur von Anarchtsten gegen gekrönte Häupter vernommen hat. In Jena machte eine Studentenverbindung sogar einen Umzug, in welchem ein Wagen ) Spr.: Tschämberlehn. — mitgeführt wurde, auf dem König 7 l nard im Krönungsmantel unter inen Galgen saß, an dem ein vollständ Anzug mit dem Plakat„Chamberlain“ hir Die Demonstrattonen richten sich gegen die Behauptung Chamberlains, daß die englische Kriegführung in Südafrika die anderer Nationen in Polen, im Kaukasus, in Algerien, in Tong⸗ king, in Bosnien und im deutsch⸗französischen habe niemals auch nur annähernd erreicht abe. Das war nun allerdings eine arge Unver⸗ schämtheit des englischen Kolonialministers, die nur noch durch ihre Unwahrheit übertroffen wurde. Denn wenn wir auch weit entfernt sind, 1 behaupten, daß der deutsch-französische Krieg keine Ausschreitungen und keine unnötigen Härten auf deutscher Seite gezeigt habe— die offizielle Kriegführung hat jedenfalls nicht Krieg gegen Frauen und Kinder geführt. Wenn aber Herr Chamberlain lügt, was er sicher schon mehr gethan hat, so ist noch lange nicht ein so großer Entrüstungsrummel nötig. Vor allem sind die Studenten und Kriegervereinler am aller wenigsten berufen, Herrn Chamberlain den Text zu lesen. Denn was Herr Chamberlain zur höheren Ehre seines Vaterlandes thut und geschehen läßt, das wären sie gerade bereit, alle Tage für Deutschland zu thun.— Es ist eine elende, jämmerliche Heuchelei, wenn dieselben Leute sich über die Kriegsgreuel anderer Nationen entrüsten wollen, während sie für die von ihren Landsleuten verübten Kolonialbestialitäten, sowie für das hunnische Vorgehen in China kein Wort der Mißbilligung hatten. Die Gesellschaft, welche den Krieg und die Mordkultur verherrlicht, den organisierten Massenmord für einen Bestandtesl der„göttlichen“ Weltordnung erklärt, hat kein Recht, sich über Grausamkeiten zu entrüsten, welche die notwendigen Folgen des Krieges sind. Die Protestler spielen gar zu sehr die Rolle des Pharisäers in der Bibel: ich danke Dir Gott, daß ich vicht bin wie andere Leute!— Erst mit dem Kriege selbst werden die Kriegs⸗ greuel und Grausamkeiten verschwinden, was durchzusetzen nur die Sozialdemokratie in der! Lage ist. Vom Duell⸗Wahnsinn. „Heute 3¼ Uhr Nachmittags verschted schmerzlos der Leutnant und Adjutant im Infanterie-Reg. Nr. 147 Herr Kurt Blaskowitz. Das Regiment verliert in dem so plötzlich Dahingeschiedenen einen vorzüglichen, höchst befähigten Offizier, das Offizierkorps einen hoch⸗ geachteten, treuen und geliebten Kameraden. Ehre selnem Andenken. Insterburg, den 4. Nov. 1901.“ a Diese Todesanzeige erließ das Offtzierkorps des Infanterie⸗Regts. Nr. 147 im Militär- fte dig G Allien lich Mol Haben fe Abel, ö d r d bro cel shlleß Fluch Duell lea 9 fp Neno fu fle f aß ler iel In Auge ich Wochenblatt. Der„geliebte Kamerad“, um den es sich handelt, ist das Opfer eines„Ehren⸗ handels“, den er mit einem seiner Kameraden ausfechten mußte. Der furchtbare Blödsinn der Duellfexerel tritt in diesem Falle in seiner ganzen Nacktheit zu Tage. Nach der„Nat.⸗Ztg.“ war die Ur- sache zu dem Zweikampfe folgender Vorfall: Die Leutnants Hildebrand und Raßmussen hatten den Leutnant Blaskowitz in der Nacht nach dem Liebesmahle, das er am 31. Oktober anläßlich seiner 2 Tage später festgesetzten Hochzeit dem Offtzierkorps gegeben hatte, au einer Mauer hockend, schlafend angetroffen. Sie faßten ihn unter die Arme und suchten dabei schlug der ihn empor zu heben; Trunkene mit den Armen um sich, ohne im Schlafe zu wissen, wer ihn angefaßt hatte, und gegen wen er sich Am andern Tage reiste der Leutnant. der von den Vorgängen des letzten Abende nichts mehr wußte, unbesorgt nach Hause, dort wehrte. erreichte ihn ein Telegramm aus Insterburg. das ihn nach dort zurückrief, da er von zwe Offizieren gefordert sei. Leutnant Blaskowitz wollte, als er von dem Vorfalle nach seiner Rückkehr nähere Kenntnis exhalten, die Ange. legenheit durch eine Ehrenerklärung beilegen und die Beleivisten wollten sich auch damit begnügen! Der Ehren- rat entschied jedoch, daß der Zwei kampf unvermeidlich wäre! Der Bri⸗ furl ehr Merk f Did fei 2 —————— SD S — urge Un ines überhafe det entf ran e unnöghe habe— g ficht rh b lig, 1. Jo it un tungsrum udenten 1 ten beruf lesen. Je n Ehre seh , das Wah Deutschl jämmeist sich über rüsten wolh Landsle wie für h n Wolt h chaft, bil herrlicht, en Bestauhh lärt, hat! zu entrist Krieges fl hr die 9 danke 2 re Nulel n die lig winden, le Fratie i un. schied schu Neg.. 1 ment vellich en both orhs einen le f. Ehre ale 01 Offen im Mlle mad“, ln eines e 0 er Kamel r Duelfs zen al, ö wur 0 2 — ———— Nr. 46. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. gade⸗ und der Divisionskommandeur hatten von der Entscheidung Kenntnis erhalten. Am Abend vor dem Duell soll in der herbei⸗ geeilten Familie des Blaskowitz eine erschütternde Abschiedsszene erfolgt sein. Der Vater des Gefallenen versuchte noch am Sonntag Abend vergeblich durch persönliche Rücksprache eine andere Entscheidung herbeizuführen. Nun kam das Duell. Wie es heißt, wäre nur ein einmaliger Kugelwechsel vorgesehen gewesen. Blaskowitz erhielt einen Schuß in den Unterleib. Die Verletzung war tötlich, wenige Stunden später war der eben noch glückliche Bräutigam eine Leiche. Der „Standesehre“ war Genüge geleistet. Was hier unter dem Banne der Wahnidee eines Standes geschah, wird kein vernünftiger Mensch anders, als ganz gewöhnlichen Mord bezeichnen können. Was immer gegen die aus mittelalterlicher Barbarei stammende, greuliche Unsitte des Zweikampfes geschrieben und ge⸗ predigt worden ist, es hat keine Wirkung gehabt. Es wird lustig weiter geknallt, fromme Christen halten es zur Reparatur ihrer Ehre für uner⸗ läßlich, wegen einer lächerlichen Bagatelle zur Pistole zu greifen. Uns könnte es ja einiger⸗ maßen gleichgültig sein, wenn sich die Ange⸗ hörigen der„besseren Stände“ gegenseitig vom Leben zum Tode befördern; aber wir müssen uns dagegen wenden, daß hier Verbrechen, für die das Strafgesetz die schwersten Strafen androht, kalt berechnet, vorbereitet und mit dem Schein des„Rechtes“ ausgeführt werden und schließlich fast straflos bleiben. Will man die Seuche nachdrücklich bekämpfen, so müssen die Duellmörder wie alle andern mit Zuchthaus bestraft werden. Unzüchtige Ordnungspresse! Zu den„geistigen“ Waffen, mit welchen die kapitalistische und Ordnungspresse die Sozial⸗ demokratie bekämpft, gehört neben vielen andern auch der Vorwurf, daß wir die Ehe aufheben, freie Liebe einführen wollten ꝛc. Stets wird auf die Sittenlosigkeit der Arbeiter geschimpft, daß es nur so eine Art hat. Dabet ist aber anerkanntermaßen die sozialdemokratische Presse viel sittlicher, als die für„Sitte, Religion und Ordnung“ schwärmenden bürgerlichen Zeit⸗ ungen; beispielsweise weisen die sozialdemokra⸗ tischen Blätter Heirats⸗ und ähnliche Inserate zurück, was jene nicht thun. Im Gegenteil, sehr zweideutige, sogar direkt unsittliche Inserate werden um den Profit zu erhöhen, anstandslos aufgenommen.— Daß aber ein Amts⸗ und Ordnungsblatt als eine unzüchtige Schrift gerichtlich verurteilt wird, dürfte selten da- gewesen sein. Solches passierte aber kürzlich dem Amtsblatt in Großschönau in Sachsen, der„Oberlausitzer Presse.“ Diese hatte ge⸗ legentlich eines dortigen Bundesgesangsfestes in einer einzigen Nummer nicht weniger als neun Inserate zweideutigen Inhalts gebracht, in denen der Besuch von Gasthäusern mit „fescher“,„schneidigster“ oder„hochfeiner Damen⸗ bedienung“,„schueidigster Bedienung aus dem Zirkus Busch“ oder mit„separaten Weinzim⸗ mern“ empfohlen waren. Die unter Aus⸗ schluß der Oeffentlichkeit geführte Ver⸗ handlung endete mit der Verurteilung des angeklagten Redakteurs zu 50 Mk. Geldstrafe. Ei herrjeses! Der Mann hätte etwas mehr Sitte heucheln sollen! Ueber Diäten für Reichstagsabgeordnete heißt es, daß die Frage im Bundesrat als eine offene gelte,„ob sie im Laufe der Tagung ihrer Lösung entgegengeführt werden dürfte, steht dahin und hängt möglicherweise von der Art der Entwicklung der Dinge ab“.— Das heißt also mit anderen Worten, so meint dazu die„Freisinnige Zeitung“, man will erst zur Gewährung von Diäten schreiten, wenn die Zolltarifvorlage sich infolge chronischer Beschluß⸗ unfähigkeit im Plenum festgefahren hat. Bebel in Wien. Zum österreichischen Parteitage war bekannt⸗ lich Bebel von der deutschen Partei als Ver⸗ treter entsendet. Er sprach dort auch in einer Volksversammlung unter riesigem Jubel der Wiener Arbeiterschaft. Das Lokal war über⸗ füllt; Hunderte mußten umkehren. Unser Wiener Parteiorgan schildert Bebel als Redner in folgenden Worten:„Es ist etwas Urkräftiges in der Beredsamkeit Bebels, die nicht nur das treffende Wort, sondern auch das zwingende Argument in jedem Augenblick so sicher zur Verfügung hat, daß jeder Satz sich tief in das Bewußtsein des proletarischen Zuhörers einprägt. Was Bebel spricht, ist Sozialismus und nichts als Sozialismus. Er preist die praktische Arbeit, den Kampf und die Erfolge der Gegen— wart, aber in keinem Augenblick seiner Rede läßt er den Zuhörer vergessen, daß über all dem das erhabene Endziel steht und daß Alles nur geschieht, um des großen sozialistischen Gedankens willen, der die Arbeiterklasse beseelt und ihrem weltgeschichtlichen Ringen jenen großen heroischen Zug giebt. Und die Wiener Arbeiter verstanden, was Bebel ihnen zu sagen hatte, und jauchzten ihm Beifall. Als er ge⸗ endet hatte, schien es, als ob sie die unermeßliche Liebe zur sozialistischen Sache, die in ihren Herzen wohnt, auf die Person ihres Verkünders übertragen wollten. Ob er wollte oder nicht, mußte Bebel eine Ausnahme machen und sich ein bischen Personenkultus gefallen lassen. Besonders die Frauen hatten es auf ihn abge⸗ sehen. Eine Genossin überreichte einen prächtigen, mit roter Schleife und Goldinschrift geschmückten Blumenstrauß. Die Versammlung war schon lange geschlossen, aber Bebel konnte nicht weg⸗ gehen. Nur langsam leerte sich der Saal, es war den Wiener Arbeitern sichtlich schwer, von Bebel Abschied zu nehmen.„Auf Wiedersehen!“ tönte es ihm aus Hunderten von Kehlen ent⸗ gegen, als er sich endlich entschloß, aufzubrechen, und mitten durch das Gedränge hindurch den Saal verließ. Frankreich und die Türkei sind wieder einig. Der Sultan hat sämtliche Forderungen Frankreichs anerkannt. Letzteres erklärte sich befriedigt, berief das Geschwader von Mytilene zurück und stellte die diploma⸗ tischen Beziehungen mit der Türkei wieder her. — Viele französische Blätter erklären die große Aktion der Republik wegen der Schuldforderung eines Spekulanten als lächerlich und Frankreichs 1 So ganz unrecht haben sie damit nicht. Sozialistische Wahlstege in Spanien. Am letzten Sonntag fanden im Pfaffenlande Spanien die Gemeindewahlen statt, nicht ohne daß es dabei in einer Reihe von Orten zu blutigen Krawallen gekommen wäre, wie man es dort bei fast allen Wahlen gewohnt ist. Nach den bisher bekannten Resultaten wurde in Madrid zum ersten Male ein Sozialist in den Munizipalrat gewählt. Fast überall unterlagen die Regierungskandidaten und siegten Republikaner, Sozialisten und Nationalisten. Krieg in Südafrika. Kriegführung der Buren. Der„Berl. Volksztg.“ wurde geschrieben: Seit den letzten Monaten verfolgen die Buren den Zweck, die einfachen Söldner und kolonialen Soldaten zu schonen, dagegen die Offiziere und Unter⸗ offiziere wegzuschießen und gefangen zu nehmen. Das geschah z. B. bei Bethel so gründlich, daß den Engländern von drei Regi⸗ mentern auch nicht ein einziger Chargierter übrig blieb. Präfident Paul Krüger bildete bisher mit seinem Stabe von Getreuen und Ratgebern das Hindernis, daß dem Generalis⸗ simus Louis Botha trotz der entsetzlichen Gräuel auf englischer Seite humane und noble Krieg⸗ führung anbefahl. Botha hat am 2. November sich von diesen Ratschlägen befreit. Er hat seinen von allen Unterbefehlshabern einstimmig gebilligten Entschluß, alle in Gefangenschaft befindlichen englischen Offiziere erschießen zu lassen, den in Holland weilenden Präsidenten Krüger und Steijn mitgeteilt. So oft ein Bur erschossen wird, fällt ein englischer Offizier. pon Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen aftigkett bet Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessisches. Die Sitzungen der zweiten Kammer beginnen mit nächsten Dienstag den 19. Nov. wieder. Eine reichhaltige Tagesordnung, die nicht weniger als 23 Punkte umfaßt, ist vor⸗ gesehen. Darunter befinden sich ein von den Abg. Leun und Wolf gestellter Antrag betr. Portofreiheit der Militärpakete; ferner ein solcher der Abg. Ulrich und Genossen, die Milderung der Arbeitslosigkeit be⸗ treffend. Weitere Verhandlungsgegenstände sind noch: ein Antrag des Abg. Köhler(Langsdorf), welcher die Schächtfrage, ferner ein solcher der die Umgestaltung der ländlichen Fortbildungs- schulen betrifft. Weiter steht ein Antrag des Abg. Ulrich, der die Herausgabe einer Samm⸗ lung aller in Hessen geltenden Ver⸗ fassungs⸗ und Verwaltungsgesetze zum Zwecke hat, sowie die Rückäußerungen der ersten Kammer bezüglich des Antrags Ulrich, die Ent⸗ schädigung unschuldig Verhafteter betreffend, mit auf der Liste der zu verhandelnden Gegenstände. Familienzwist bei Großherzogs. Nach verschiedenen übereinstimmenden Zeitungs⸗ nachrichten bestehen zwischen dem Großherzog von Hessen und seiner Gemahlin ernste Differenzen, die voraussichtlich zur Trennung der Ehe führen. Als Gründe werden angegeben: Unüberwind⸗ liche Abneigung, indem die Interessen der beiden Ehegatten gänzlich auseinandergehen sollen, sowie der Mangel männlicher Nachkommenschaft. Gießener Angelegenheiten. — Stadtverordnetenwahl. In den letzten Tagen vor der Wahl der Stadtvertretung hatte sich eine lebhafte Agitation entwickelt. Von unserer Seite waren eine Reihe von Be⸗ zirksversammlungen einberufen worden, die alle ganz gut besucht waren und recht anregend verliefen. Samstag fand für den Bezirk rechts der Lahn eine Versammlung bei Dörff⸗ lein in der Rodheimerstraße statt, die sogar sehr stark besucht war. Die Ausführungen Krumms, der dort referierte, wurden sehr beifällig aufgenommen. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich, wobei sich alle Redner im Sinne des Referenten aussprachen.— Weiter tagte Dienstag Abend eine Bezirksversammlung in der„Stadt Marburg“. Dort war der Besuch naturgemäß nicht so stark, aber auch da fand eine anregende Diskussion statt.— Die Ver⸗ sammlung in„Lonys Bierkeller“ war ebenfalls gut besucht. Orbig sprach zunächst. Er wies es zurück, wenn von der bürgerlichen Seite davon geredet werde, daß Parteipolitik im Gemeindeparlament nicht getrieben werden dürfe. Dabei stellten die nationalliberale und freisinnige Partei ihre Kandidaten auf! Bei jeder Frage komme„Patriotismus“,„Monarchische Gesin⸗ nung“ ꝛc. aufs Tapet; sei das keine Partei⸗ politik? Notwendig und nützlich für die Ge⸗ samtheit sei es, wenn man wisse, welcher An⸗ schauung die zu Wählenden seien, nach welchem Programm sie zu arbeiten gedenken. Die Bürgerlichen haben kein Programm; es fällt ihnen nicht ein, in der Oeffentlichkeit Bericht zu erstatten oder ihr Programm zu entwickeln. Das zu fordern haben die Wähler ein Recht! Schließlich fordert Orbig auf, für die Liste unserer Partei einzutreten. Seinen Worten folgts lebhafter Beifall. Krumm ging darauf auf die einzelnen, von uns schon wiederholt angeführten Kritiken ein, zu welchen verschiedene Beschlüsse der Stadtverordneten⸗Versammlung Beranlassung gaben. Seine Ausführungen be⸗ gleiteten vielfach die Beifallsäußerungen der Ver⸗ sammlung. Darauf ergriff ein Nationalsozialer das Wort, der sich im Allgemeinen mit den Ausführungen Orbigs und Krumms einver⸗ Seite 4. U Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. standen erklärte. Nur meinte er, wenn das alte Schloß für Museumszwecke des Hess. Ge⸗ schichtsvereins verwendet werde, könne man wohl die Kosten der Wiederherstellung bewilligen. Dann bemerkte er noch, Segitz habe im bay⸗ rischen Landtage erklärt, aus Rücksicht auf die Bäcker und Metzger nicht für die Aufhebung des Oktrois in Fürth eintreten zu können, er freue sich, daß die hiesigen sozialdemokratischen Kandidaten rückhaltslos für die Beseitigung desselben sind. Genosse Krumm antwortete dem nationalsozialen Redner, der sich befriedigt erklärte und für unsere Liste einzutreten ver⸗ sprach. 1. Die Bürgerlichen führten den Kampf fast nur durch Zeitungsinserate und mau muß sagen, sie haben es sich etwas kosten lassen. Fast jeden Tag erschienen im„Anzeiger“ neue Riesenannoncen mit anderen Wahlvorschlägen, wobei immer nur einzelne Leute als Macher auftraten. Keiner der bürgerlichen Stadtväter hat daran gedacht, in öffentlicher Versammlung Bericht über seine Thätigkeit zu erstatten, das halten die Herren nicht für notwendig. Man fand sich nur in kleinen Konventikeln zusammen, um Kandidaten aufzustellen. Da war die Wahl allerdings schwer; sehr viele geizten nach der Stadtratswürde. Das Wahlresultat. Während des Tages zeigte es sich schon, daß die Wahlbeteiligung eine ziemlich starke war. Trotzdem die Frei⸗ sinnigen und Nationalliberalen eine gemeinsame Liste aufstellteu, waren doch drei bürgerliche Listen, die sich allerdings nur durch wenige Namen von einander unterschieden, vorhanden. Daher gab es denn auch lebhaften Kampf. Im Jahre 1898 wurden etwa 450 reine sozial⸗ demokratische Zettel abgegeben. Krumm erhielt damals 807, die niedrigste auf unsere Kandi⸗ daten abgegebene Stimmenzahl betrug 430. Diesmal stiegen unsere Stimmen auf ca. 500. Ein für uns befriedigendes Ergebnis, wenn man bedenkt, daß gerade die Bedingung der vier⸗ jährigen Ortsansässigkeit unsere Wählerschaft herabmindert. Gewählt sind für 9 Jahre: „Prof. Dr. Gaffky, Stadtv. mit 1793 St., Carl Jann, Realgymnastall.„ 1616 Louis Flett, Stadtverordneter„ 1532 Carl Orbig, 1 132 Emil Schmall 15„ 1436 Carl Brück, 5„ 1347 Ludwig Huhn 1„1299 8. Friedrich Helfrich„„ 1263 9. Louis Emmelius„„ 1082 10. Ludwig Pirr, Metzgermeister„ 905 auf 6 Jahre: 11. Heinrich Schaffstaedt, Fabrikant 818„ Unsere weiteren Kandidaten erhielten Stimmen: Heinrich Fourier 516, Michael Keßler 506, Georg Beckmann 496, Chr. Petersen 487, Baum 484, Adam Volz 476. Ferner erhielten noch Stimmen: H. Elle 500, Justizrat Metz 472, Helm 439, Müller 314, Balser 304, Dörr 289, Steinberger 230 Stimmen. Wir kommen in nächster Nummer auf das Wahlergebnis zurück. — Fest der Holzarbeiter. Im Leib⸗ schen Saale feiert diesen Samstag die hiesige Zahlstelle des Holzarbeiter⸗Verbandes ihr Stif⸗ tungsfest zur Feier ihres 10 jährigen Bestehens. Das Komitee hat sich redliche Mühe gegeben, um den Besuchern einen recht genußreichen Abend zu bieten und es ist ein zahlreicher Besuch auch um deßwillen zu erwarten, da die Holz— arbeiter seit langer Zeit kein Fest abgehalten haben. — Ueber:„Der Kampf ums Da sein während der Krise“ spricht nächsten Montag Abend Frau Louise Zietz⸗ Hamburg in einer im Lokale Orbig stattfindenden Volks ver⸗ sammlung. Frau Zietz ist eine sehr gewandte und eindrucksvolle Rednerin; wir empfehlen den Besuch der Versammlung namentlich auch den Frauen. — Der Brief des Metzger burschen. Vorige Woche druckte der„Gieß. Anz.“, um seinen Lesern einen Spaß zu machen, den Brief eines in Friedberg beschäftigten Metzgerjungen an seinen Vater ab, der folgendermaßen lautete: Mein liber Fater, Ich benuze mit vielem eifer die Gelegenheid der Post; um euch zu melden, daß ich jetzt 1 AO S in einem anderen Stande bin. Vor 8 Tagen hat mich mein Meister zum Schlächterjungen erhoben, was mich sehr lieb ist. Er ist vollkommen mit mir zufrieden und ich begreife das Handwerg sehr gut. Er hat mich schon dreymal todtstechen lasseu und wenn ich ferner das Alles so gut bekreife wird er mich auch nächstens schlachten lassen. Eingesperrt sind jetzt bey uns 3 Ochsen, wovon einer eine Ku ist und ich bin euer getreuer Sohn. Nicht wahr, wie hübsch ihr guten Leute! Wie amüsant! Zum Totlachen!— Ist es aber nicht ein tieftrauriges Zeichen für unsere Volks⸗ schulverhältnisse? Wir sind doch eine„Kultur⸗ nation“! Muß sich eine solche nicht schämen, wenn ein junger Mensch nach achtjähriger Schulzeit noch nicht im Stande ist, seinen Ge⸗ danken in verständlicher Form Ausdruck zu geben? Aus dem Rreise gießen. n. In Heuchelheim fand am Sonntag Abend eine sehr gut besuchte Parteiver⸗ sammlung statt, in der Genosse Beck⸗ mann über die Verhandlungen des Partei⸗ tages in Lübeck Bericht erstattete. Eingehend schilderte er den Verlauf der sozialdemokratischen Woche und erläuterte die einzelnen Beschlüsse des Arbeiterparlamentes. Seine Ausführungen wurden von der Versammlung aufmerksam ver⸗ folgt und beifällig aufgenommen. In der Diskussion ergriff Genosse Nibch das Wort, um die Genossen zu lebhafter Parteithätigkeit und festem Zusammenhalt aufzufordern. Mit den Beschlüssen des Parteitages erklärte man sich einverstanden. — Die Bürger meisterwahl in Watzen⸗ born-⸗Steinberg, hat mit dem Siege des B. Hirz 6. von Watzenborn geendet. Bei der am Samstag vorgenommenen Stichwahl erhielt der Genannte 191 Stimmen, während es sein Gegenkandidat, J. Hirz 9 von Steinberg nur auf 160 Stimmen brachte. aus dem Areise Friedherg-Püdingen. — Büdingen. Aus dem Fenster gestürzt ist am Sonntag Nacht der Ober⸗ primaner Hermann Mudra aus Wächtersbach. Er lehnte sich unvorsichtigerweise zu weit aus am Fenster seines im dritten Stockwerk gelegenen Zimmers und stürzte in den Garten herab. Schwer verletzt wurde er in die Gießener Klinik verbracht. ARreis Alsfeld⸗Cauterbach. r. Kreiskonferenz. Auf der Pfeffer⸗ höhe in Alsfeld tagte am Sonntag die trotz des schlechten Wetters recht gut besuchte Kreis⸗ konferenz für unsern Wahlkreis. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Genossen Schönlank, zu dessen Ehren sich die Versammelten von ihrem Sitze erhoben. Aus dem darauf erstatteten Bericht über die Thätigkeit des Kreiswahlvereins im verflossenen Jahre ist hervorzuheben, daß in Bezug auf Agitation gethan wurde, was mög⸗ lich war. Zwei größere Versammlungen fanden statt; 6000 Kalender wurden verteilt. Der Kassterer legte über eine Einnahme von Mk. 169.50 und eine Ausgabe von Mk. 107.79 Rechnung ab, was also einen Kassenbestand von Mk. 61.79 ergiebt. Der Kassierer wurde entlastet. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen, der aus dem Ge⸗ nossen Reining als Vorsitzender, Wahl als Kassierer, Linn als Schriftführer— sämtlich aus Lauterbach— besteht. Nachdem der Kreis⸗ vertrauensmann, Genosse Dechert einen Be⸗ richt gegeben hatte, wurde auch er einstimmig wiedergewählt. Beschlossen wurde noch, die Agitation in nächster Zeit energischer als seit⸗ her zu betreiben und die Genossen aufgefordert hierbei tüchtig mitzuhelfen. Aus dem Rreise Wetzlar. h.„Das Darwin'sche Entwickelungs⸗ gesetz im sozialen und Geistesleben“ lautete das Thema, über welches am Montag Abend Schriftsteller Zilowsky aus Frankfurt im Schützengarten vor einem zahlreichen Publi⸗ kum, worunter sich eine Anzahl Frauen befand, * sprach. Uns fehlt der Raum, den Inhalt des interessanten Vortrags auch nur a bentungs⸗ weise wiederzugeben, weshalb wir us mit der Feststellung begnügen müssen, daß die schienenen dem Vortrage sehr aufmerksam folgte und am Schlusse mit lebhaftem Beifalle belohnten. h. Arbeitslosigkeit! Das Gespenst der Arbeits⸗ und Verdienstlosigkeit kehrt bei immer zahlreicheren Familien ein. Nach der Woll⸗ spinnerei, die wir in der vorigen Nummer er⸗ wähnten, hat nun auch das Walzwerk eine bedeutende Lohnkürzung angekündigt. Ferner hat die Marmorschleifer ei einigen Arbeitern gekündigt; in Villmar, wo das Werk ebenfalls eine Niederlassung hat, wurden 16 Mann ent⸗ lassen. Mit Bangen sehen viele Arbeiter- Familien der Zukunft, dem Winter entgegen. — Ein Hunne. Vor einiger Zeit begin ein Handelsmann namens A. Seligmann 99 dem Weilmünsterer Markt eine grobe Ausschrei⸗ tung. Er hatte ein Stück Vieh von einen Bauer gekauft, kümmerte sich aber dann nicht mehr darum, bis der Verkäufer sein Geld verlangte Darauf stieß dieser Mensch den Bauern mit einem Stock dermaßen vor die Brust, daß Letzterer nach einigen Minuten starb. Seligmann floh, wurde aber bald darauf verhaftet. Kurzem aus China zurückgekehrt, scheint alse hier die hunnischen Praktiken fortsetzen zu wollen. — Ein Messerheld aus Haiger⸗Seel⸗ bach erhielt von der Strafkammer am Mittwoch 1 Jahr Gefängnis zudiktiert. Es schadet unseres Erachtens gar nicht, wenn diesen Duel; lanten empfindliche Strafen auferlegt werden. Die Messerstecherei wird aber nicht aufhören, wenn mit den schweren Bestrafungen nicht zu⸗ gleich eine Vertiefung der allgemeinen Bildung, Hand in Hand geht. So lange man von obe herab die Mordkultur feiert, Beispiele à. Insterburg gegeben werden, der traurigen Messerhelden nicht vermindern. Aus dem Nreifse Marburg⸗Rirchhain. * Der entrüstete Nationalsozlale. Wir haben uns mit einer Bemerkung in unseren letzten Nr. den ganz besondern Zorn der national⸗ sozialen Marburger„Hess. Landesztg.“ zugezogen. der soweit geht, daß uns der Redakteur des Pastor Wenck, ein „Pfui“ zuruft. Warum das? Kriegervereine und Studenten,— natürlich sind auch dieNational⸗ sozialen dabei— haben bekanntlich einen Protest⸗ und Entrüstungsrummel in Scene gesetzt, gegenß die Aeußerung des engl. Ministers Chamberlain. Kriegführung dern nicht besser als die Engländer in Südafrika gewesen sel. Unsere Meinung darüber haben wir schon au anderer Stelle(Pol. Rundschau) gesagt. Auch genannten Blattes, der die dahin ging, daß die 59 in Frankreich er in Marburg entrüsteten sich die Kriegervereine in einer Protestversammlung und beschlossen eine Resolution, welche die Greuelthaten dee Dem Berichte darüber fügten wir die Frage hinzu: Unx die Hunnen in China? Damit war ge? Engländer in Afrika verurteilt. meint, was sicher für jeden unserer Leser so⸗ fort klar war, man von den europäischen Truppen, die deutschel eingeschlossen, in China verübten— N l thaten protestieren. Die Landesztg.“ unterschiebt uns aber, Wu Chamberlains Beschuldigungel hätten die Kreuz, zügler kein Wässerchen getrübt, redet außerdem von der Züricher„Hunnenbrieffabrik“ die, wen! von einem preußischen Polizeispitzel eröffnet wurde Vielleicht bezeichnen demnächst die National, hätten damit wiederholt. Sie thut, als sie jemals existierte, jedenfalls sozialen die Wegnahme des astronomischen Ju. strumente in Peking als christlichen Tausch und die Kolonialbestialttäten der Peters, Leit ꝛc. als Kulturthaten ersten Ranges. finden es pharisäisch, erbärmlich, 7 1 rüstet für Thaten verurteilen wolsch welche die notwendigen Folgen dieser Po 10 sind und die sie, wenn sie von deutscher 1 begangen werden, nur recht milde oder 100 nicht tadeln. Das„Pfui“ paßt weit eh 1 Nr 46. a Er ist erst vor dürfte sich die Zahl. solle nur auch gegen die wenn die Nationalsozialen als eifrige Befürworng 1 der Eroberungspolitik andere Nationen en 1 1 1 sese. ue Aabunge achat. alte füt hun de ell Velt siduen. . Hal e Flug aha licht ge feht l Jahrh An Ge Hatzuta Hebblke flerdin eatiel dice ü altei, Die wil porta linen drei eprü del. Vettt Andb mitgl Vet abe Aber, laufe i. N feld ecfol Ang Geh erg dine al fel Der pie — Nr. 46. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. u auf das Verhalten der Anhänger des Hunnen⸗ uz pastors, als auf das unsere, die wir nicht nur ut 0 jede Gewaltthat, von wem sie immer ausgehen ne mag, verurteilen, sondern auch den Mord in ena jeder 1 0 besonders den Masseumord des Jene Krieges. agent N 15 Ueber unsere Flugblattverteiler 10 inn hat sich neulich die„Oberh. Zeitung“, ein konser⸗ der Ai batives Ordnungsblatt, wie es sein muß, riesig Anme g geärgert. Es schimpfte über unsere Genossen werk a wie ein Rohrspatz. Von dem Flugblatt selbst . den, sagte das ehrenwerte Organ für Ordnung und ue Sitte, daß es(das Flugblalt, in lächerlicher 5 chen Weise das Volk über die Besteuerung des Mann eh Hungers belehren wolle, ungeheuerliche Ueber⸗ Abit. treibungen, unglaublich phantastischen Unsinn b entge enthalte.„Die Sozialdemokratie muß die Land⸗ Zeit bah leute für sehr dumm halten, wenn sie es wage, imad ihnen derartige Erzeugnisse zu bieten.“ Von eus den Verteilern sagt das Reptil, zwei„Indi⸗ don i, bpiduen“ hätten ganze Stöße Flugblätter in dann gg. die Häuser„geworfen“. Nein, liebes Reptil, loberlaß, die Flugblätter sind recht anständig und ge⸗ u mite, wissenhaft in genau 720 Häuser Derkeikt, iter„nicht geworfen worden und die Bauern wissen oh un recht gut, daß alles, was darin steht, auf it eit Wahrheit beruht. Rüdiges Geschimpfe ist scheint kein Gegenbeweis. Damit macht man auch n zu wol heutzutage nur noch in ganz rückständigen Haiger, Bevölkerungskreisen Eindruck, aus denen sich in Mü allerdings die Anhängerschaft der Konservativen Cs sch rekrutiert. Wie froh wären diese, hätten sie diesen A. solche überzeugungstreue„Individuen“ in ihrer egt ua, Partei, welche sich für ihre Sache so hergeben ht gusthn wie wir für die unsere! en nich St.— Parteiversammlung. Die am nen Bl vergangenen Samstag abend im Lokale von an bond, D. Jesberg hier stattgefundene Versammlung eispiele! war leider sehr schwach besucht, trotzdem auf sich die der Tagesordnung des Referat des Gen. Beck⸗ erminden mann⸗Gießen über den Parteitag in Lübeck stand. Der Referent gab in ungefähr einstün⸗ ich hal diger Rede ein recht anschauliches Bild von den f Verhandlungen und Beschlüssen des Parteitages Talsozhh und erntete am Schlusse seiner Ausführungen ng in uf reichen Beifall.— Die Abrechnung desVertrauens⸗ der Mah mannes ergab bei einer Einnahme von 111. 15 Mk. Zuge und einer Ausgabe von 96. 94 Mk., einen Be⸗ kedakteu stand(am 1. Nov.) von 14.81 Mk., die Kol⸗ Wen, portagekommission hatte am 1. Okt. d. Js. Friegerbel einen Kassenbestand von 258.79 Mk.„Die biegt drei Revisoren haben beide Kassen und Bücher einen fich geprüft und alles in Ordnung befunden. Bei gesetz der nunmehr vorgenommenen Neuwahl des Chantal Vertrauensmannes wurden Gen. Härtling führung und bei der Neuwahl des hiesigen Preßkommissions⸗ ssser dl mitgliedes Gen. Stumpf wiedergewählt. Der welt Vertrauensmann teilte mit, daß er den Glas⸗ wir schl arbeitern in Nienburg 30 Mk. aus Parteimitteln gdogt. übersandt habe, welches gutgeheißen wurde; 1 außerdem wurde beschlossen den Tabakarbeitern 0 bechl in Nordhausen sofort 20 Mk. Unterstützung zu hal senden. Nach Erledigung einiger Interna 1 e erfolgte dann Schluß der Versammlung. 1— Rezitation Walkotte. Trotz des it Ui. ungünstigen Tages hatte sich der von der hiesigen er dl Gewerkschaftskommission am Freitag v. Woche 10 gal veranstaltete Rezitationsabend im Casé Quentin 10 daa eines äußerst starken Besuches zu erfreuen. Es G0 war aber auch wirklich ein Genuß, der Dar⸗ . 0 stellungen des beliebten Rezitators zu folgen. 4 0b Derselbe führte uns in Ludwig Fulda's Schau⸗ 15 100 spiel„Das verlorene Paradies“ in trefflicher gh Weise ein Lebensbild der Arbeiterschaft aus dem n modernen Wirtschaftsleben vor und wollte denn , auch am Schlusse der nahezu dreistündigen b Rezitation der Beifall kein Eude nehmen. Möchte es unsrer Gewerkschaftskommission gelingen, Herrn Walkotte bald wieder für einen Abend zu gewinnen und verfehlen wir auch nicht, allen auswärtigen Parteigenossen denselben bestens zu empfehlen. 8 — Arbeitslosigkeit. Nicht allein in fast allen andern Gewerben, sondern auch im Buchdruckergewerbe herrscht große Arbeits⸗ losigkeit; dies beweist auch die Vierteljahres⸗ Abrechnung pro 3. Quartal 1901 des hiesigen Bezirksvereins des Buchdrucker verbandes. Es wurden in dieser Zeit an Arbeitslose(und Kranke) am Orte 345.80 Mk. Unterstützung gezahlt. Die hiesige Zahlstelle der Reisekasse weist für denselben Zeitraum eine Frequenz 264 bezugsberechtigten Mitgliedern auf, welche 1725.50 Mk. Reiseunterstützung erhielten. Außerdem wurden noch an 10 ansgesteuerte oder nichtbezugsberechtigte Mitglieder 11.25 Mk. aus der Bezirkskasse gezahlt. Das sind zu⸗ sammen 274 Arbeitslose auf der Reise, die nichtorganisterten Durchreisenden nicht mit⸗ gerechnet, in einem Quartal, die höchste Ziffer, welche je hier erreicht worden ist. Gewiß ein erschreckendes Zeichen der Zeit. Amtliche Wahlbeeinflussungen. Die Gemeinderatswahl in Urberach ist auf den Protest unserer Genossen hin vom Dieburger Kreisausschusse für ungültig er⸗ klärt worden. Wie aus dem Urteil hervor⸗ geht, wurde durch die Aussage des Polizei⸗ dieners Sulzmann und des Bürgermeisters Lotz erwiesen, daß den beiden Forstwarten geschriebene, auf die Zentrumspartei lautende Stimmzettel im Auftrage des Bürgermeisters zuge⸗ stellt wurden. Acht Stimmzettel waren derart mit Kennzeichen versehen, daß sich acht ver⸗ schiedene Personen unter Kontrolle bezüglich ihrer Abstimmung gestellt sahen. Bürger⸗ meister Lotz habe das Wahlresultat in unzu⸗ lässiger Weise beeinflußt. Zu Gunsten des Zentrums natürlich. Hoffentlich wird diese christliche Mogelei bei der Neuwahl zu dem Siege unserer Genossen mit beitragen helfen. Ein schreckliches Grubenunglück. ereignete sich am Dienstag auf dem Salzberg⸗ werk„Ludwig II“ bei Staßfurt. Es stürzten zwei Abbausohlen— zwei Etagen im Berg⸗ werksbau— auf eine Länge von etwa 200 Metern zusammen, 80 Bergleute, die im Begriff waren, den Schacht zu verlassen, wurden verschüttet. Durch sofort angestellte Rettungsarbeiten gelang es, etwa 60˙ Personen lebend zu Tage zu bringen, wenn auch eine große Zahl von ihnen teils schwer, teils leicht verletzt war. Bisher sind 3 Tote geborgen worden, während die übrigen Bergleute noch vermißt werden. In Staßfurt herrscht außerordentlich große Aufregung und Trauer. Die Zahl der Toten beträgt 16. Kleine Mitteilungen. * Die Stadtverordnetenwahlen in Darmstadt finden am 23. November, die— jenigen in Mainz den 9. Dezember statt. In letzterer Stadt treten die nationalliberale, frei⸗ sinnige, demokratische und sozialdemokratische Partei gemeinschaftlich in den Wahlkampf. * Böse Geschichten. Große Aufregung herrschte vorige Woche in Kiel über das Ver⸗ brechen eines Fähnrichs zur See, Namens Osterburg, eines Schülers der Marineschule. Derselbe beging ein grobes Sittlichkeitsverbrechen an einem J jährigen Mädchen. Der Verbrecher wurde verhaftet. An demselben Tage feierte die Marineschule das Fest ihres 50 jährigen Bestehens. Auf diesem Feste wurde auch ein Telegramm des Kaisers verlesen, in dem dieser besonders den ritterlichen Geist lobte, der von der Marineschule ausgeht. Um so peinlicher berührt allgemein die noch an demselben Tage verübte verbrecherische That des Marineschülers. Uebrigens sollen am Jubiläumslage noch andere Fähnriche Aulaß zu Bestrafungen gegeben haben. ** Landtagsabgeordneter Sänger, Vertreter Frankfurts im preußischen Land⸗ tage und Stadtverordneter in Frankfurt, ist am Mittwoch infolge eines Gehirnschlages plötzlich verstorben. Der Verstorbene war ein ehrlicher, überzeugungstreuer Demokrat, der stets für den soztalen Fortschritt eintrat. Bei der letzten Landtagswahl stimmten alle damals in ziem⸗ licher Anzahl gewählten sozialdemokratischen Wahlmänner für ihn, wodurch auch seine Wahl ermöglicht wurde. Als einziger Demokrat im preuß. Landtage hat er tapfer seinen Mann gestellt. * Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kassel unterlag die sozialdemokratische Liste der bürgerlichen. * Betrügerischer Polizeisekretär. Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte am Montag den früheren Polizeisekretär Hofmann zu 2¼ Jahren Gefängniß. * Mattias Kneißl, der neue„bay⸗ rische Hiesel“ zu dessen Gefangennahme im Frühjahr eine ganze Kompagnie Gens darmen aufgeboten wurde, hat sich eben vor dem Schwurgericht in Augsburg für seine Thaten zu verantworten. Nicht weniger als 120 Zeugen sind zu vernehmen. Die Verhandlung wird mehrere Tage dauern. ** Dreschgraf Pückler wurde in Berlin zu 200 Mk. Geldstrafe wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten, die er in einer seiner berühmten Reden begangen hat, verurteilt. Man billigte ihm mildernde Umstände zu, weil ihm ehrliche Ueberzeugung“ geleitet habe.— Merkwürdig; wenn je ein Sozialdemokrat vor Gericht stand, hat man niemals dessen ehrliche Ueberzeugung als Milderungsgrund angesehen. Arbeiterbewegung. 15 Arbeitslosen-Unterstützung im Bäcker verband. Wegen Einführung der Arbeitslosen⸗Unterstützung fand im Bäckerverband eine Urabstimmung statt. Diese ergab 1623 Stimmen für, 801 gegen Einführung der⸗ selben. Neben der Arbeitslosen-Unterstützung wird noch Kranken- und Sterbegeld ausgezahlt. 7 Glasarbeiter sind noch immer eine Anzahl ausgesperrt. Unterstützung ist notwendig, da der Verband nicht in der Lage ist, die Opfer des Kampfes so, wie es notwendig wäre, zu unterstützen. Die Rache der Glasbarone trifft besonders diejenigen Flaschenmacher, welche die Sache ihrer Kollegen im Lohnkampfe führten. Bis zum 1. Januar wollen die im Ring befind⸗ lichen Flaschenfabrikanten die Aussperrung auf⸗ recht erhalten. Die organisterte Arbeiterschaft wird die Gemaßregelten nicht sinken lassen. Versammlungskalender. Montag, den 18. November. Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Orbig. Marburg. Versammlung der Schneider Abends 9 Uhr bei C. Müller, Hirschberg 12. Samstag, den 23. November. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitgliedersammlung im Lokale Orbig. T.⸗O.!: Die letzten Stadtverordnetenwahlen. Briefkasten. V.⸗Büdingen. Der Besuch der Fortbildungs⸗ schule ist von Staatswegen vorgeschrieben und das ist recht gur. Daß Sie durch den Schulbesuch Ihres Bruders Schaden erleiden, ist allerdings bedauerlich; aber Sie werden seine Befreiung von dem Schulbesuch nicht erwirken können. Das werden Sie auch nicht wollen, sondern wünschen, daß der junge Mensch etwas lernt. Der Arbeitgeber soll Ihnen doch während der vom Lehrling versäumten Zeit eine Hilfskraft stellen! Auf Genossen zwerbt Abonnenten für die „Mitteldeutsehe Sonntagszeitung“ Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 12. November: Butter per Pfd. Mk. 1,10— 1,30, Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., Enteneter 1 St. O—0 Pfg., Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 0—0 Pfg., Erbsen per Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 3,00—3,30 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50— 5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,7 0 bis 1,20, Hühner per St. Mk. 1,00 1,20, Hahn en per St. Mk. 0,70— 1,20, Enten per St. Mk. 1,2 0 bis 2,50, Gänse per Pfd. 54—62 Pfg. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 64 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 60— 66 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg. Auf dem Fruchtmarkt in Limburg kostete durch⸗ schnittlich pr. Malter: Roter Weizen 13.80— 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00- 00.00 Mk., Korn 10.19 Mk., Gerste 9.01 Mk., Hafer 8.15 Mk. Seite 6. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. 4 5 3 * * 1 1 Nr. 46. „ Unterhaltungs-Ceil. 1 — . —— 2 Zuruf. Wisse, wenn du sargumschlossen Ruhest in der finstern Erde: Was du einst an Glück genossen, Was du trugst auch an Beschwerde— Aufgelöst wie Rauch im Winde Ist dein Glück, dein Ceid und Kampf, Aufgesaugt... wie von der Sonne Nebelqualm und Blütendampf! Cerne diesen Ernst ertragen, Da du nicht im Lichte wandelst, Denk in froh' und trüben Tagen, Was du dir im Tod erhandelst. Wie dir zugemessen werde Auch der Lust und Sorge Soll: Immer bleibe deine Seele Jede Stunde ruhevoll. Franz Orthner. Aus der Art geschlagen. Humoreske von Max Wundtke. In Ottomar Botho von Freilichhausen war die Energie von achtundvierzig Ahnen aufge⸗ speichert. Vor einigen Jahrhunderten wäre er ganz gewiß der Schrecken aller Bürger und Kaufleute geworden; da er aber das Unglück hatte, in einer recht nüchternen Zeit zu leben, hatte er es nur bis zum Polizeiinspektor der guten Stadt Schlauwitz gebracht. Das war ja immerhin etwas und als Polizeigewaltiger darf man schon seinen Kopf für sich haben. Aber wenn Schlauwitz vom gestrengen Herrn Polizeiinspektor regiert wurde, so stand der Poltzeigewaltige wieder unter strenger Bot⸗ mäßigkeit der Frau Polizeiinspektor. Das mochte noch hingehen; aber daß sein eigenes Eheweib absolut keinen Respekt vor den achtundvierzig Ahnen hatte, die er gern und bei jeder Gelegenheit zu seiner Unterstützung ins Feld führte, war oft Gegenstand bittern Kummers für ihn. War es da zu verwundern, daß sein einziges Töchterchen so ganz aus der Art schlug? Damals, gleich nach der Geburt, hatte es schon angefangen. Das Mädel, dem nun, dank seiner Bemühungen, bereits neunund⸗ vierzig Ahnen zur Verfügung stehen würden, hieß nämlich gar nicht Adelgunde oder Hermione oder so ähnlich, obwohl er sein eigen Fleisch und Blut gern auf diese Weise benannt hätte; denn er wußte, was er seinen Vorfahren schuldig war. Aber seine Frau hatte mit einer unnah⸗ baren Würde, die noch weniger Widerspruch ertrug als die des Schlauwitzer Polizeipräfekten, dekretirt:„Deine Namen sind ja alle Quatsch, Otto.“— Sie verstand sich so wenig auf den Adel, daß sie den schönen Namen Ottomar Botho konsequent auf das bürgerliche Otto reduzirte.—„Das Mädel heißt Lischen und damit basta.“ Nun haben ja die Frauen im Allgemeinen immer recht, im Besondern aber die Frau Polizei⸗ inspektor. Man sagt, das selbst die Götter ver⸗ geblich gegen eine gewisse Tugend der Menschen kämpfen, von der man nie genug besitzen kann, wenn man die Absicht hat, sein Glück zu machen; aber mindestens ebenso vergeblich ist der Kampf selbst eines adeligen Polizeiinspektors gegen die Meinung einer Frau, besonders wenn diese Frau seine Frau ist. So lief denn die kleine Geborene von Freilichhausen mit dem skandalös bürger⸗ lichen Namen Lischen herum, was sie selbst aber nicht im Geringsten anzufechten schien, denn sie war bis in ihr zwanzigstes Jahr so fidel, als trüge sie den feudalsten Namen der Welt. Um diese Zeit war's, da Schön⸗Lischen anfing, ihre bisherige Lustigkeit abzustreifen und eine sanfte Melancholie an deren Stelle zu setzen. „Daß etwas Mäunliches dahinter steckte, ist nicht übermäßig schwer einzusehen. Dieses Männliche hieß Fritz und war ein echt Schlau⸗ witzer Kind, gleich Lischen. Ihre Kinder⸗ und Schuljahre hatten sie zusammen vertollt. Dann waren sie getrennt worden. Der Kindertraum war aber damit nicht aus; er spann sich fort und die Trennung öffnete ihnen erst recht die Augen über das Ziel ihres Hoffens und Wünschens. Fritz befand sich jetzt in einem zwei Meilen entfernten Landstädtchen, wo er seinem alten Vater fleißig zur Hand ging. Der hatte ein Gewürz⸗ und Kramgeschäft, verkaufte Heringe, Briefpapier, Bänder, Geschirr, Honig, Seife, Kleiderstoffe, Messer, Hühner, Obst, Bücher, be⸗ saß nebenbei eine Leihbibliothek, eine Aus⸗ spannung, war Hotelbesitzer, Gastwirt und Advokat des Nestes in einer Person. Für diese vielseitige Thätigkeit war Fritz wie geschaffen, und er fühlte sich recht wohl in seinem Königreich, wenn er nur auch sein Lischen hätte haben dürfen! Aber da war er schön angekommen. Ein Dorfkrüger, Ellenreiter, Heringsbändiger und Pfeffermüller wagte es, seine Blicke zu erheben zu ihm, dessen wohl⸗ gezählte achtundvierzig Ahnen— es können auf dem langen Wege auch noch ein paar verloren gegangen sein, es war ja Alles da!— bis auf die Hunnenschlacht zurückwiesen, zu ihm, dem Herrn Ottomar Botho von Freilichhausen! Kurz und gut, Lischens Papa sprach ein Machtwort fehr das Unerwartete geschah... Lischen fügte sich! Aber wer kapituliert, kann seine Beding⸗ ungen stellen, und das that Schön⸗Lischen denn auch. Persönlich wollte sie ihrem Fritz sagen, daß aus ihnen niemals ein Paar werden dürfe, daß sich der eiserne Wille Derer von Freilichhausen zwischen sie stelle, daß acht⸗ undvierzig Generationen auf sie hernieder⸗ blickten und außer Rand und Band geraten würden, wenn das reine Schild des Freilich⸗ hausischen Geschlechts durch Schmalzflecke und Heringsgeruch entweiht werden sollte. Der Herr Polizeiinspektor war damit ein⸗ verstanden, nachdem Lischen hoch und heilig versprochen hatte, ihrem Fritz absolut reinen Wein über die Sachlage einzuschenken und Abschied für immer von ihm zu nehmen. Sie ließ sich auch durchaus nichts zu Schulden kommen; sie erfüllte ihr Wort auf wahrhaft edelfräuliche Weise. Fritz erhielt einen Brief, der ihm jegliche Hoffnung raubte und der ihm zu einer letzten Zusammenkunft draußen in den Anlagen am Flusse bat, damit sie einander das letzte Lebe⸗ wohl sagen könnten. Zu gleicher Zeit flogen aber Briefe hin und her zwischen ihr und einem Herrn Willy Schönchen, der, ein ehemaliger Intimus Fritzens und beider Jugendgenosse, seit seinem vierzehnten Jahre nicht mehr in Schlauwitz gewesen war.——— Der Tag des Abschiedsnehmens kam. Ein Sonntag Nachmittag war's mit wunderschönem Wetter. Im Grün der Anlagen versteckt, auf der verabredeten Bank saß Lischen und erwartete ihren Fritz. Vor sich hatte sie den freien Augenblick auf den breiten Strom, der gerade jetzt ein ungemein anziehendes Bild bot; denn die sportfreudige Männerwelt von Schlauwitz und Umgebung feierte heute ein Fest und hatte bei dieser Gelegenheit eine Ruderregatta ver⸗ anstaltet. Hier fand die rührende„Abschieds⸗ szene für immer“ statt. Aber was es mit dieser von ihm allerhöchst bewilligten Abschiedsszene auf sich hatte, sollte er bald zum Leidwesen seines hochadeligen Geblüts und Gemüts er⸗ fahren.——— Es ist einige Monate später. Der Herr Polizeiisspektor saß in seinem Büreau und * an einer heute erst empfangenen Ein⸗ gabe. Ein Herr Willy Schönchen, Maler und Photograph seines Zeichens, bat um die polizei⸗ liche Erlaubnis, dem hohen Adel und der kunst⸗ sinnigen Bürgerschaft von Schlauwitz seine selbst hergestellte Serie von lebenden Photographien, Mutoskope genannt, vorzuführen. Eine Stunde darauf stand Herr Willy Schöͤnchen mit obligatem Schlapphut, braunem Sammtjaket und blauer, wehender Kragenschleife, wie sich's für einen Künstler schickt, persönlich vor dem Gewaltigen. Er wurde gnädig empfangen, und Herr don Freilichhausen erklärte, nachdem er vernommen, daß Schönchen Schlauwitzer Kind sei, seine Bereitwilligkeit, die heimische Kunst zu unter⸗ stützen. Allerdings habe die Behörde darüber, zu wachen, daß nichts Ungebührliches den Frieden der guten Schlauwitzer störe; so eine Art Zensur, eine behördliche Kontrolle sei geboten. Gut, darauf war Herr Schönchen vorbereitet. Auf dem großen Lichtflur des Rathauses hatte er seine Mutoskope aufgestellt. Der Herr Polizei⸗ inspektor brauche nur die Güte zu haben, die Objekte zu besichtigen. Das geschah auch. Die Bilder erregten in höchstem Grade das Interesse und den Beifall des Gestrengen. 5 „Ueberall, wohin ich kam,“ erklärte der Künstler,„war man entzückt von diesen lebenden Bildern. Aber hier hab' ich noch eine Serie, die ganz neu ist. Sie wird den hohen Adel“ — Herr Ottomar Botho von Freilichhausen machte eine ganz leichte gnädige Verbeugung— „und die Bürgerschaft von Schlauwitz ganz besonders interessieren. Es sind Momentauf⸗ nahmen von der letzten hiesigen Ruderregatta.“ „Ah, das ist hübsch, das ist interessant! Lassen Sie sehen.“ Und die Obrigkeit sah, und je länger sie sah, desto länger wurde ihr Gesicht, bis es so lang war wie der Tag vor Johanni und gelb und grün obendrein. Dann sah sie den Künstler mit durchdringenden Polizeiaugen an und sagte mit schrecklicher Stimme:„Diese Serie werden Sie nicht ausstellen. Ich verbiete das.“ „Aber, Herr Polizeiinspektor...“ „Nichts da! Ich verbiete das! Punktum.“ „Es ist mein Geschäft, Herr Polizeinspektor, und gerade von diesem Bilde habe ich regen Zuspruch erwartet.“ „Das ist mir gleich. Sie bekommen die Erlaubnis nicht.“ Und die Augen des Gewaltigen schleuderten Blitze des Zornes. (Schluß folgt.) Ein kleines Dörschen. Aus dem Riesengebirge, wo füngst gewählt wurde, schreibt der Wiener Arbeiter⸗ meinem kleinen Dörfchen gedacht! Eher hätt' ich mir den Tod eingebildet, als daß so etwas einmal sein könnte. In meinem Dörfchen hausen seit jeher fünfzehn„Große“. Die haben dank ihrer ausgebreiteten Felder und ihres bedeutenden Viehstandes— bitte zu beachten: Viehstandes, nicht Ver standes— das schöne Recht, bei den Landtagswahlen„mitthun“ zu dürfen. Und sie haben von diesem Rechte stets Gebrauch gemacht. Nie sind sie an solchen Tagen zu Hause geblieben. Die Wahltage waren ihnen hohe Feiertage, an welchen sie zeigen konnten, daß sie etwas sind, daß sie etwas gelten im Staate. Wenn sie, angethan mit den langen, blauen Flügelröcken und dem Quastenhute auf auf dem Kopf, dem Wahllokal— der Wohnung des Vorstehers— zuschritten, da blickten die Kleinhäusler mit unsäglicher Hochachtung zu ihren„Großen“ auf und ein geheimnisvolles Flüstern ging durch's Dorf:„Se gehn zur Wohl!“ So oft ich das Wort„Wohl“(Wahl) hörte, rieselte mir ein ehrfurchtsvoller Schauer den Rücken hinunter. Damals kannte ich nut den einen Wunsch: Ein Bauer zu sein, Flügel⸗ rock und Quastenhut zu besitzen, womöglich jeden Tag zur Wahl gehen zu durfen. Später, als ich dahinter kam, was das ist, eine„Wohl“, nahm meine Bewunderung etwas ab, ja, es kam sogar einmal eine Zeit, in der mir die fünfzehn würdevollen Gestalten lächerlich vor⸗ kamen. Dann verließ ich mein Dörfchen und dachte nicht mehr an seine Großen, bis ich 10 9 Woche an sie erinnert wurde. Da las ich in der Zeitung, daß in L. von fünfzehn abgegebenen Stimmen zwölf auf densozialdemokratischen Kandidaten entfallen sind. Zwölf sozialistische Stimmen! Das ist es, was ich nie und nimmer für möglich gehalten hätte. Man muß nur wissen, was das heißen will: In meinem Dörfchen ist sozialdemokratisch gewählt worden! 1 1 Werel Ir ah in der it dul ir. Nane 6 Keule, al Acsager ius gar Auf.— r das 5 Il hunger Et, La sch jen mnchme betrog abel blen Zeitung ein Freund: Wer hätte denn das von 1 iberhar lange! di„G. 0 etwe Uulschla us 2 J 30 N di dehmü Mel. ud bend! ——— 2 N lt dla lie, Ab f schon Uir 5 „ Shen nme 9 Lr f h i fate Ne 0 bt: N Es sind zehn Jahre her, da war ich einmal zu den 0 lier ie fn gte Naß eit Kut Nr. 60 eruom ei, se „0 0 1 darth en di at Jan borberth err pat haben, 10 krregen fl den Lee klärte g n leben eine S hen Nl, ilichhah zeugung 1 witz gz Lomentag erregatg Ateressah ger fies es so li ) gelb in u Küns Und sag rie well 8* f8. Punktun elinspeto e ich ni men Hewalthh . wo fia r Arbe u das l her gil so klo n Oorcche Die haba und i beach das sch itthun, echte N an. solchl Wohl n fit vb fal den lll but l Wohl lictel“ tung, u ch. l 1 Nr. 46. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Besuch dort. Kopf Herz voll neuer Ideen, die Rocktaschen voll sozialistischer Zeitschriften. Damit, dachte ich, werde ich mir in meinem Dörfchen viel Ehre einlegen. Zu Hause, bei den Eltern machte ich den Anfang. Ich zog einen Freigeist aus der Tasche und las daraus vor. Noch nicht zwanzig Zeilen hatte ich gelesen, da sah mich meine Mutter ganz entsetzt an und sagte:„Jesus Maria, Junge, wo haste denn das Blaatl her.“ Ich wollte erklären, aber da wurde der Vater bös und meinte, er habe es sich gleich gedacht, daß ich in der Welt ver⸗ derben werde.. Das war nun ein sehr schlimmer Anfang. Aber ich ließ mich nicht abschrecken und ging in die Schenke. Dort saßen einige Bauern beisammen. Sie waren recht freundlich zu mir, gaben mir die Hand und frugen, wie es mir gehe in der Welt. Ich packte das Wort Welt sozusagen bei den Hörnern und fing an zu erzählen, was vorgehe da draußen und sie bewege, diese weite, große und schöne Welt. Ich hatte noch nicht fünf Minuten gesprochen, war die Freundschaft zu Ende. Die einen sahen mich drohend an, die anderen mit unsagbarer Verachtung. Zwei Alte nahmen ihre Mützen und liefen fort. Nun kam der Wirt zu mir und sagte, das könne er nicht dulden, daß ich so„lästerliche“ Reden führe. Die Anwesenden stimmten ihm bei. Meine Eltern, meinten sie, seien so ordentliche Leute, auch meinen Geschwistern ließe sich nichts nachsagen, nur ich sei so verdorben. Eine Schande fürs ganze Dorf.— Das brachte mich auch auf.—„Sie Kammel“, fuhr ich den an, der das böse Wort gesprochen,„daß Sie aus Geiz Ihren alten Vater haben fast ver⸗ hungern lassen, das ist auch keine Ehre. Und Sie, Lahmer, Sie säßen im Kriminal, wenn sich jemand Ihres schwachsinnigen Bruders annehmen wollte, den Sie um sein Erbteil betrogen haben. Und Sie, Flögel, Sie haben ihr Weib so arg mißhandelt, daß es sich aufgehenkt hat. Und Sie, Herbe, Sie haben monatelang in Untersuchung gesessen wegen Brandstiftung. Man hat Ihnen nichts beweisen können, aber...“ Ja, ja, ich kann es nicht verhehlen, in meinem kleinen Dörfchen sind schon recht schlimme Sachen vor⸗ gekommen.— Die Männer, denen ich diese Sünden vorhielt, schimpften natürlich. Es könne ihnen nichts bewiesen werden, sagten sie. Und überhanpt... all das zusammen sei noch lange nicht so schlecht als die„Rebellerei“ und die„Gotteslästerei“; einen Menschen, der sich in so etwas einlasse, den solle man auf der Stelle totschlagen, damit er nicht Unheil anstiften könne. Aufs Totgeschlagenwerden wollte ich nicht warten. Ich zog mich davon, ich, die Dorfschande. In dieses Dorf, dachte ich, halb zornig, halb wehmütig, wird nie ein Lichtstrahl dringen. Nie!... Und nun, zehn Jahre später, wird gerade in meinem Dörfchen sozial⸗ demokratisch gewählt! Ich hielt es nicht aus, ich mußte es wieder einmal aufsuchen. Daß sich meine Eltern mit der Rebellerei längst schon etwas vertraut gemacht haben, das war mir bekannt. Aber die anderen? Ich konnte den Abend kaum erwarten, mich zog's in die Schenke... Dort saßen sie nun wieder bei⸗ sammen, die Alten und auch einige Jüngere. Der Kammel war nicht dort, auch Flögel, Lahmer und Herbe nicht. Ich wurde noch herzlicher begrüßt als vor zehn Jahren. Und wieder fragten sie mich, wie es mir gehe in der Welt. Diese Frage zu beantworten, darauf ging ich nicht ein.„Wie geht's im Dorfe?“ fragte ich dagegen.„Schlecht wie immer und schlecht wie allen armen Leuten,“ war die Antwort.„Und jetzt wird's wohl noch schlechter werden, da ihr den Sozialdemokraten gewählt habt,“ sagte ich lauernd.„Das wird man Euch schon gedenken. Wie ist es denn eigentlich gekommen?“ Die Männer sahen einander an, und der Buschbauer sagte:„J Jesses, das wissen m'r selber nicht. Da is vielerlei zusammengekommen. M'r haben Zeitungen gelesen, Redner gehört, unsere jungen Leute waren beim Militär, dort sind ihnen die Augen auch aufgegangen, und alles in allem .. liegt halt so was Neues in der Luft . so was ganz Neues.“— Es liegt etwas Neues in der Luft!— Das ist das Richtige. Der Sozialismus hat einige seiner leuchtenden Strahlen auch in dieses einsame Nestchen gesendet, und da sind auch ihnen die Augen aufgegangen, den Leuten in meinem kleinen Dörfchen! Weiblicher Rechtsanwalt. Es ist noch nicht lange her, da wurde der Gedanke, daß Frauen den Advokaten- und Aerzte⸗Beruf ausüben könnten, als lächerlich und unsinnig von den Philistern verspottet, wie überhaupt auch heute noch der Emanzipation der Frauen gegenüber die rückständigsten An⸗ sichten hervortreten. Da ist folgender Bericht nicht uninteressant, den ein amerikanisches Blatt bringt: Zum erstenmal in der Kriminaljustiz unseres Staates, und vielleicht des ganzen Landes, verteidigt eine Dame einen Mörder. Es ist Fräulein Mary Colemann, und ihr Klient der hünenhafte Neger John Davis. Der Angeklagte ist beschuldigt, während der Rassen-Riots, welche sich am 25. August v. J. auf der Westseite abspielten, den achtzehnjährigen Telegraphen⸗ boten John Brennan erschossen zu haben. Einen merkwürdigeren Kontrast, als derjenige zwischen der reizenden Verteidigerin und dem Menschen, um dessen Leben sie kämpft, kann man sich schwer denken. Die zierliche, blond⸗ gelockte, blauäugige junge Dame nimmt sich neben dem riesigen, abstoßend häßlichen Schwarzen aus, wie eine Elfe neben einem Ungeheuer. Daß die graziöse Anwältin mehr„Schneid“ hat, als mancher ihrer männlichen Kollegen, haben die Polizisten Deering und Trainor und Antonio Denger auf dem Zeugenstande zu ihrem Leidwesen erfahren. Sie trieb alle drei im Kreuzverhöre bös in die Enge, am ärgsten aber Deering. Derselbe behauptete anfangs, der Neger habe sich gegen seine Verhaftung wütend gesträubt, mußte jedoch, ehe Frl. Coleman mit ihm fertig war, zugeben, daß der Mörder sich nur in dem Luftschacht eines Hauses versteckte, weil er gelyncht zu werden befürchtete und die vor dem Gebäude stehenden Blauröcke ihm keinen Schutz zusichern wollten. Die Dame ist seit mehreren Jahren als Kriminalanwältin thätig und hat sich bei ver— schiedenen Gelegenheiten einen Namen gemacht. Sie fungierte als Vertreter ihres Vaters in diesem Prozesse. Lesefrüchte. Die Kunst reich zu werden, ist im Grunde nicht eigentlich die, viel Geld für sich aufzu⸗ häufen, sondern zugleich diejenige, es zu Wege zu bringen, daß unsere Nachbarn weniger haben als wir. Es ist die Kunst, die größtmögliche Ungleichheit zu unseren Gunsten herzustellen. Ruskin. * 5* Der ist der beste Prediger, der seine eigenen Ermahnungen befolgt. Shakespeare. Humoristisches. Das Jubiläum. Festredner: Wir feiern eigentlich ein doppeltes Jubiläum, verehrte Sangesbrüder. Zehn Jahre gehört unser Freund dem Verein an und gerade fünf Jahre ist er heute seine Beiträge schuldig.. Rache des Setzers. In einem sächsischen Amts⸗ blatte waren unter der beliebten Rubrik„Lokales und Sächsisches“ folgende interessanten Mitteilungen zu lesen: Unser Herr Bürgermeister begeht morgen ein schönes Fest, sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Die aufhetzerische Art, in welcher er seit Jahren in unserer Stadt thätig war, Haß und Unfrieden unter der Be⸗ völkerung zu verbreiten sich bemühte, ist leider viel zu spät bekannt geworden. Es ist notwendig, solche Ele⸗ mente aus der Mitte unserer wackern Stadtbewohnerschaft zu entfernen, sobald man sich über ihren wahren Charakter klar geworden ist. Andere lassen sich das dann zur Warnung dienen. Aus unserer Druckerei entfernt wurde ein im Verdacht umstürzlerischer Gefinnung stehender Setzer. Seine langjährige treue Pflichterfüllung, seine Gewissen⸗ l haftigreit, seine gewinnende Liebenswürdigkeit im persön⸗ lichen Verkehr haben ihn der Bürgerschaft unseres Städtchens in jeder Beziehung sympathisch gemacht. Von dem Vertrauen Aller getragen, wird er seine Laufbahn segensreich zurücklegen. Dies ist unser aufrichtiger Wunsch. Am folgenden Tage hatte der Amtsblattverleger mit dem Bürgermeister eine Besprechung. Ueber deren Inhalt konnte man nichts erfahren, Herr Helferich aber soll sich geschworen haben, nie wieder einen sozialdemo⸗ kratischen Setzer zu maßregeln. Böse Beispiele verderben gute Sitten. Konservativer: Aber Sie werden doch nicht im Ernste Diäten für die Reichstagsabgeordneten ver⸗ langen? Dadurch wird ja die Würde des Parlaments und der Abgeordneten untergraben, wenn diese gegen Bezahlung arbeiten! Sozialist: Sie— das lassen Sie mal unsere Fürsten nicht hören! Die regieren ja auch nur gegen Bezahlung. (Südd. Postill.) Litterarisches. Von Dr. Arnold Dodel in Zürich ist be J. H. W. Dietz Nachfg. in Stuttgart eine neu Schrift erschienen. Sie betitelt sich̃„Entweder— Oder? Eine Abrechnung in der Frage Moses oder Darwin?“ Preis Mk. 1.50. Der Verfasser von „Moses oder Darwin“ erfüllt jetzt sein seit Jahren ge⸗ gebenes Versprechen, eine Abrechnung zu halten mit jenen finstern Geistern, die heute noch die Schule mit ehernen Banden umklammert halten, ja am liebsten die Fenster der Schulhäuser mit Brettern vernageln möchten, damit ja kein Sonnenstrahl wirklicher Aufklärung in die dumpfen Schulstuben fällt, der die Köpfe der Lehrer und Kinder erleuchten könnte. Allen Freunden der Volksschule, Eltern, Lehrern, Geistlichen wird die neueste Schrift des tapferen Vor⸗ kämpfers der vorgeschrittensten naturwissenschaftlichen Lehren— die dem Volke nicht vorenthalten werden sollen— aufs Höchste willkommen sein. Die Schrift „Entweder— Oder?“ muß im Interesse der Wahrheit die weiteste Verbreitung finden. — p—— ———— Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebote. 11. November: Johann Trageser, Kaufmann dahier mit Frida Tute in Moringen. Lud⸗ wig Schneider, Kaufmann mit Katharine Döpfer dahier. 12. Julius Sack, Schreiner mit Karoline Nord dahier. Johann Adami, Kaufmann mit Johannette Schmall dahier. Siegmund Herzberger, Kaufmann in Krefeld mit Toni Meyerhoff dahier. Eheschließ ungen. 9. November: Wilhelm Becker, Schreiner mit Elisabethe Müller dahier. Dr. Georg Schwarz, Chemiker in Berlin mit Louise Schwarz da⸗ hier. Christian Arnold, Tapezier mit Lina Schmitt dahter. Salomon Eichenwald, Kaufmann in Koesfeld mit Sara Grünebaum dahier. 11. David Löwenstein Kaufmann in Fritzlar mit Pauline Reis dahier. Geborene. 3. November: Dem Kürschner August Kretzschmar e. T. Dem Former Adam Weber e. S. 5. Dem Buchhändler Georg Martini e. T. Dem Bahn⸗ wärter Heinrich Heß e. T. 6. Dem Tapezier Daniel Linker e. T. Dem Straßenkehrer Karl Albert e. S. Dem Metzgermeister Heinrich Henkel e. T. 7. Dem Geschäftsreisenden August Bender e. T. 8. Dem Sattler Franz Seidel e. T. Dem Hülfsbremser Georg Vesper e. S. 11. Dem Taglöhner Heinrich Braun e. T. Gestorbene. 10. November: Marie Wagner, geb. Bauernfeind, 75 Jahre alt, Witwe. 11. Lina Steih, 3 Jahre alt. Friedrich Weeg, 52 Jahre alt, Kreisamtsgehülfe. 12. Karl Loos, 24 Jahre alt, Kauf⸗ mann. An unsere Leser! ö Die Kolporteure sind gehalten, bis zum 15. jeden Monats abzurechnen; wir bitten die Abon⸗ nenten, dies zu beachten. Die Expedition. . Sr e ee 5 Beschwerden über den Inhalt der„Mitteldentschen Sonntagszeitung“ ersuchen wir unsere Ge⸗ S nossen direkt an die Redaktion, Kirchen⸗ platz 11 zu richten; wegen mangelhafter Zustellung wende man sich an die Expedition, Sonnenstraße 25. 81% EDR Seite 8. —.— Gobr der Berdun, Consumgeschäft Oberhessens 8 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Erstes und grösstes 8 Nr. 46. —— Bahnhofstr. 27. Lindenplatz 12. 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Samstag, den 16, November, im Saale des Café Leib: 10. Stiftungsfest bestehend in Musik- u. Gesangsvorträgen, Deklamationen, Theater und ꝙ9aLL unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Eintracht“. Gewerkschaftsmitglieder, Freunde und Genossen sind zu zahlreichem Besuche freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Bier im Glas. Anfang 8 Uhr. Karten à 75 Pfg. sind zu haben in den Wirtschaften Orbig, Rittergasse; Löb(Wiener Hof) und bei den Friseuren Rottmaun, Kaplansgasse und Müller, Sonnenstraße. BND e ene del ANV pur Arbeiter und Landleute empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren-Lager in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Arbeiterschuhe u.⸗Sliesel, sowie samtl. Minlerschuhwaren in jeder Preislage und reicher Auswahl. Anfertigung nach Maass sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte rasch, gut und billig ausgeführt. Justus Benner, Marktstraße 34. 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D., Al- Reetz (Oderbruch. ie gegen die Kathar un D Böhmer ausgesprochene Beleidigung nehme hiermit al unwahr zurück. Gießen. Heuchelheim bei Katharina Steinmüller. —ð5—3w— Unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt des Waren hauch, Adolf Baer, Gießen, be. worauf wir uufere Leser au merksam machen. Verlag der Mitteld. Sonntags- Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. 6 — de Nit usträt dug die emed — Dur gende Ie gal Ich bl ml Uden u bet d 8 Sontag Aabettel Igerla amm Hewerk I 6 hel bete 1 3 fg Aabe ih sch ld in N 6 b balgträ Die Auarta es Charta aß d sunzen Icganif lufe z Mglie bon U lac dit fükung ler b. ö f dt derli 4 b. Alt f fer lc de bie bei 5 ch 105 1