r. 30 — 6 Unsere de belt wusch i hut nung lutsputh gepries 0 der el 5 abe Lunge Mang mer Bl Heilmitt franco 00 ig diese nöglichen inn d Ju en Buch „Weh Wertlose Weise de und dy m Publ. sich aut mann sch u(0 10 öͤterich f Nr. 37. Gießen, Sonntag, den 15. September 1901. 8. Jahrg Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. D Mitteldeutsche 8 N 2 8 Nedaktionsschluß a Donnerstag Nachmittag 4 Uhr f Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche — Parteigenossen! Unterschreibt die Petition gegen den Brotwucher! Wieder ein Attentat. Vorigen Freitag trug der Telegraph die unde von einer wahnwitzigen That in alle ihm zugänglichen Erdenwinkel. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Mac Kinley war bei einem Empfange, den er in kinem Pavillon der Ausstellung zu Buffalo abhielt, von einem Fremden durch zwei Revolver⸗ schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Sofort nachdem die Schüsse gefallen waren, stürzten sich Polizisten auf den Mörder, entrissen ihm bee 1 n und fesselten ihn. Die Menge ver⸗ suchte ihn zu lynchen, die Polizei schützte ihn sedoch, konnte aber nicht verhüten, daß er halb lot geschlagen wurde. Aerzte stellten fest, daß der Präsident von beiden Kugeln getroffen war. Während aber die eine von Mac Kinley selbst utferut werden konnte und nur eine leichtere Verletzung herbeigeführt hatte, war die zweite i den Unterleib gedrungen, hatte beide Magen⸗ wände durchschlagen und so eine lebensgefähr⸗ liche Verwundung hervorgebracht. Doch geben die behandelnden Aerzte der Hoffnung Ausdruck, daß der Prästident wieder genesen werde. Man hatte nach genauer Untersuchung die durch⸗ schossenen Magenwände zugenäht und die Ope⸗ lation ist glücklich verlaufen.— Trotzdem der Patient sich verhältnismäßig wohl befindet, warnen die Aerzte davor, ihn als völlig außer Gefahr anzusehen, erst in einer Woche sei voll⸗ ständige Genesung er Verhe Der Attentäter fannte sich bei seiner Verhaftung Niemann, heißt aber in Wirklichkeit Czolgosz, ist in Detroit geboren und soll deutsch⸗polnischer Ab⸗ lunft sein. Bei der Vernehmung habe er sich als Anarchist bezeichnet und erklärt, er set zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Regie⸗ jung der Vereinigten Staaten durch und durch 1 0. sei, und er habe gedacht, der beste Weg, es zu ändern, sei, den Präsidenten zu töten. Die frühere Meldung, daß der Attentäter geistes⸗ hank sei, wurde als unrichtig bezeichnet. Wenn i sich aber in obigem Sinne geäußert hat, bun ist an seiner Verrücktheit nicht zu zweifeln. denn wer da glaubt, durch Beseitigung eines Menschen die Verhältnisse zu ändern, mit hissen geistigen Kräften sieht es äußerst bedenk⸗ lich aus. Ganz richtig sagt der„Vorwärts“ hu rüber: f „Die Vereinigten Staaten galten einst 3 des belobte Land der Arbeitskraft. tber ist das duft Gemeinwesen das kl bend der kapftalistischen Gelddemok worden. Gewaltig ist die Reichtun seut⸗ Uckelung der Vereintgten Staaten. Doch es der Reichtum der Millionäre und Milliardäre. De arbeitenden Klassen sind ihres Anteils an br Reichtumsentwicklung enterbt und müssen aum mächtigen und brutalen Uuternehmerorga⸗ sationen in schwerem Ringen die geringste hebung ihrer Lebenshaltung erzwingen. Und bele Millionen leben in furchtbarster Not, ver⸗ Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestelluugen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) Inserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 331½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens gehen in Hunger und Elend. Gerade unter der Präsidentschaft Me Kinleys ist in den Ver⸗ einigten Staaten die Politik der Berei⸗ cherung der Reichen auf jede Art vollends herrschend geworden. Durch tolle Hochschutz⸗ zöllnerei wurde der Konsum der Massen beschwert und wurden jene Unternehmertrusts gezüchtet, die gleich Riesenpolypen sich über das Land ausrecken, und seine Bevölkerung aussaugen. Und zur wirtschaftlichen Gewaltpolitik wurde die Gewaltpolitik des Imperialismus gefügt, die ferne Inseln annektirt, um aus ihrer Be⸗ völkerung Profite zu pressen. Gewaltpolitik nach innen und Gewaltpolitik nach außen! Diese kapitalistische Raub⸗ und Ge⸗ waltpolitik ist anzuklagen, wenn alle diejenigen ezeichnet werden sollen, die verantwortlich sind für eine Unthat, wie sie jetzt wieder geschah. Die Gewalt, die aus der Ttefe sich emporreckt und die Mächtigsten bedroht, sie ist die Ant⸗ wort auf die Gewalt, welche die Massen dem een. und der geistigen Verkommniß über⸗ tefert. Wenn es richtig ist, daß der Thäter sich als Anarchist bekannte und erklärt hat, er habe nur seine Pflicht gethan, so stehen wir vor einer Unthat, die nur übertroffen wird durch ihre Sinnlosigkeit. Nur ein völlig Unzurechnungsfähiger kann dem Wahn verfallen, daß der Tod des Präsidenten Me Kinley irgendwelche Wendungen in der politischen und sozialen Entwicklung des amerikanischen Staatswesens herbeiführen könnte.“ Natürlich giebt das Attentat in Buffalo der reaktionären Kapitaltistenpresse in allen Ländern willkommene Veranlassung, ge⸗ setzgeberische Maßnahmen gegen die Anarchisten zu fordern. Am lautesten ertönt, wie immer, das Wut⸗ und Rachegeheul in den deutschen„Ord⸗ nungsblättern“, denen es weniger auf die Bekämpf⸗ ung des ihnen geistig verwandten Anarchismus an⸗ kommt, als vielmehr auf Unterdrückung der vorwärtsstrebenden Arbeiterklasse. Kaum war die erste Nachricht über das Attentat herüber gelangt, so stand es für einen Teil der Rep⸗ tilien⸗ und Sensattonspresse schon fest, daß der Mörder ein„Anarchist“ set und im Auftrage einer„Verschwörung“ gehandelt habe. Das geht immer nach dem Ben Schema. Mit fast denselben Worten wie bei früheren ähnlichen Vorkommnissen werden Unterdrückungs⸗ und Gewaltmaßregeln gegen die Sozialdemo⸗ kratie und damit gegen die organisierte Arbeiter⸗ schaft empfohlen. Darin zeichnen sich das Organ der Kraut⸗ und der Schlotjunker, die„Kreuzztg.“ und die„Post“, besonders aus. Zwar haben die Vorfahren der Gesellschaftskreise, die in der „Kreuzztg.“ ihr Organ erblicken, niemals an einen Königs⸗ oder Fürstenmord Anstoß ge⸗ nommen, wenn er ihren Zwecken diente; wir haben auch nicht gehört, daß das Junkerorgan gegen Leute wie Stietencron, Brüsewitz und die Duellmörder gesetzgeberische Maßregeln ver⸗ langt hätte. Und deren Mordthaten sind kaum anders zu bewerten, als die der Bresci, Czol⸗ gosz ꝛc. Im Uebrigen gab sich ja die preußische Polizei in früheren Jahren redliche Mühe, den Anarchismus großzupäppeln. a Ehe es Anarchisten gab, sind mehrere Prä⸗ sidenten Amerikas durch Mörderhand gefallen. Prästdent Lincoln fiel der Kugel eines poli⸗ tischen Fanatikers, der nicht Anarchist war, zum ——— Opfer— Garfield wurde von einem unzu⸗ friedenen Stellenjäger ermordet. Aehnliche Motive können auch jetzt wieder vorliegen. Unsere Stellung zur That wird nicht beruͤhrt durch den Umstand, ob Czolgosz Anarchist oder Irrsinniger, oder beides zusammen oder ob er ein gemeiner Mörder ist. Wir verurteilen die Tötung eines Menschen prinzipiell, wir verwerfen ferner den Meuchelmord als politisches Mittel ganz entschieden. Das ergiebt sich schon aus unserer ganzen Weltanschauung, aus unserer Erkenntnis, daß die gesellschaftlichen Zustände und die politischen Geschehnisse nicht das Werk einzelner, an hervorragender Stelle stehender Menschen sind, sondern im letzten Grunde das streng gesetzmäßige Ergebnis des Wirkens der ökonomischen Kräfte und Verhält⸗ nisse. Und deshalb erscheint es uns als Wahn⸗ sinn, durch die Vernichtung einer einzigen Person, die nichts weiter als Werkzeug dieser Entwicke⸗ lung ist, die Gesellschaft umgestalten zu wollen. — Wir hoffen und wünschen, daß Mac. Kinley wieder genesen möge. Aber auf alle Fälle wird die Sozialdemokratie ruhig Blut bewahren. Zum Kampfe gegen den Brotwucher. Evangelische Arbeiter gegen den Zolltarif. Wir haben schon mehrfach Pro⸗ testerklärungen katholischer Arbeiterversammlun⸗ gen gegen die Zollerhöhung erwähnt. Aber auch die evangelischen Arbeitervereine lassen sich nicht ohne Weiteres vor den Wagen der Junker spannen. So nahm eine am Samstag in Eisenach stattgefundene Versammlung evan⸗ gelischer Arbeiter nach einem Vortrage über den Zolltarif folgende Resolution an: Die heute Abend durch den evangelischen Arbeiter⸗ verein einberufene öffentliche Versamm⸗ lung protestiert energisch gegen jede Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel und ersucht im Interesse der überwiegenden Mehrheit des deut⸗ schen Volkes um Fortführung der bewährten Caprivi'schen Handelsvertragspolitik. Diese Resolution soll dem Bundesrat, Reichstag, Reichskanzler und der weimarischen Regierung übermittelt werden. 4 * Sieben Protestversammlungen gegen den Lebensmittelwucher fanden am Dienstag Abend in Frankfurt statt. Als Referenten traten auf die Gen. Abg. Cramer⸗ Darmstadt, Dr. David, Hoch-Hanau, Schmidt- Frankfurt, Stadtverordneter Dr. Quarck, Brühne und Göller. Alle Ver⸗ sammlungen waren stark besucht; im Ganzen wurden nach der„Volksstimme“ über 4000 Teilnehmer, darunter 200 Frauen gezählt. Das ist ein bedeutender Erfolg, er übertrifft selbst die Sturmbewegung gegen die Zuchthaus vorlage. olitische Rundschan. Gießen, den 12. September. Johannes v. Miquel ber⸗Bürgermeister von Frankfurt, ist in der Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nacht von Samstag auf Sonntag in seinem Hause in Frankfurt plötzlich verstorben. Nachdem er noch am Nachmittage einen Spazier⸗ gang unternommen und sich bis spät Abends mit Lesen beschäftigt hatte, machte Nachts ein Herzschlag seinem bewegten Leben ein Ende. Man fand ihn Sonntag früh tot im Bette. Sein Tod war rasch und schmerzlos, ähnlich wie der unseres alten Liebknecht im vorigen Jahre. Miquel stand auch ziemlich im gleichen Alter mit unserm Genossen, er war am 21. Febr. 1828 im Hannöverschen geboren, ist also 73 Jahre alt geworden. Sein Lebenslauf ist ein recht interessanter. Schon als junger Student zeigte er hervorragende Geistes gaben und bedeutendes Talent, er war Revolutionär und Demokrat und hielt mit den Gründern des Sozialismus Freundschaft. Er selbst sagte in einem Briefe an Karl Marx im Jahre 1850, den Bebel auf dem Kölner Parteitag verlas, unter Anderem über seine Vergangenheit: „Es wäre nun freilich eine Dummheit, wollte ich verlangen, daß Sie mir gleich alles Vertrauen schenken. Damit Sie aber doch etwas von meiner Vergangenheit wissen, bemerke ich, daß ich mit Blind in H.(soll heißen Heidelberg) studierte, dort vor der Revolution zu der„radikalen Partei“ gehörte, als solcher in der Revolution, wie alle anderen„Ideen“ verfocht, nach Hannover geschickt wurde, um Bauernaufstände zu organisieren, von da in Göttingen anfangs in klein⸗ bürgerlichem Sinne die gelehrte, büreaukratische und Phllisterpartei aus dem Felde schlagen half und endlich eine Arbeiterpartei zu organisieren suchte. Sie sehen, meine Vergangenheit bietet wenig Garantien. Es ist wahr, ich für mein Teil kann nichts weiter thun, als Sie versichern, daß Ihre Zwecke die meinigen sind. Kommunist— und— Atheist— will ich, wie Sie, die Diktatur der Arbeiterklasse! Meine Mittel wähle ich einzig und allein nach der Zweckmäßigkeit. Dadurch aber trenne ich mich von Ihnen, daß ich fest überzeugt bin: die nächste Revolution bringt das Kleinbürgertum ans Ruder, die Arbeiterpartei wird den Sieg er⸗ fechten der hohen Bourgeoisie und den feuda⸗ len Resten gegenüber, dann aber von den Demo⸗ kraten bei Seite geschoben werden.“ Bald schwor er aber seinen Kommunismus ab, um wie viele dieser begeisterten Bourgeois⸗ junglinge„sein Huhn in den Topf zu bekommen“ wie sich einmal einer derselben, der„rote Becker“ als Oberbürgermeister von Köln ausgedrückt haben soll. Er gründete mit Bennigsen und Anderen den Nationalverein und spielte dort eine große Rolle. Dann schloß er sich der nationalliberalen Partei an, die ihn bald in den Reichstag und den preußischen Landtag entsandte. Von 1867 bis 1882 war er Mitglied des letzteren, seitdem(als Bürgermeister von Frankfurt) des Herrenhauses, seit 1884 des preußischen Staatsrats, 1867—1876 und seit 1887 des Reichstags. Er wurde zunächst Bürgermeister von Osnabrück; mit dem Beginn der Gründerjahre war er Mitdirektor der Ber— liner Diskontobank, als welcher er bis 1873 seine Schäflein ins Trockene brachte. Dann wurde er Bürgermeister von Frankfurt, von wo er im Jahre 1890 ins preußische Ministerium als Finanzminister und stellvertretender Präsi⸗ dent berufen wurde. In dieser Thätigkeit war sein Name mit fast allen reaktionären Maß⸗ nahmen verbunden; wenn irgend eine Intrigue, irgend eine Zweideutigkeit aufgedeckt wurde, durfte man sicher sein, Miquel als den Draht- zieher nennen zu hören. Anerkannt muß werden, daß er in Bezug auf die Steuerreform Bedeutendes geleistet hat. Seine zweideutige Haltung der Kanalvorlage gegenüber, die er als Minister zu vertreten hatte, gegen die er aber hinterrücks intrigierte, kostete ihm seine Stellung. Er mußte gehen, trotzdem er sich gut Freund mit der Junkersippe gehalten hatte, deren Interessen er nach jeder Richtung hin zu fördern suchte. So hat er seinen Ruhestand nicht lange genießen können. Die Vermutung ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, daß seine plötz⸗ liche Entlassung, durch die sein Ehrgeiz auf's Empfiadlichste getroffen wurde, den Tod mit beschleunigen half. Mit der Möglichkeit einer Reichstags⸗ auflösung rechnet ziemlich sicher die„Deutsche Tagesztg.“ und giebt ihren Freunden im Lande den Rat, zsich für alle Fälle so gerüstet zu halten, daß sie durch nichts überrascht werden“. Auch die „Freis. Ztg.“ möchte ihren Freunden diesen Rat geben. Nach ihrer Ansicht liegt in der bevorstehenden parlamentarischen Session eine Auflösung des Reichstages oder auch des Ab⸗ geordnetenhauses keineswegs außer dem Bereich der Möglichkeit. Unseren Parteigenossen wird weder die eine noch die andere Auflösung über⸗ raschend kommen; sie sind auf alle Fälle vor⸗ bereitet. Unsere Organisation zu vervollständigen und zu kräftigen, muß trotzdem stets unsere vornehmste Aufgabe sein. Der Zar auf Reisen. Große Paraden zu Wasser und zu Lande fanden vergangene Woche in der Nähe von Danzig und Königsberg statt.„Väterchen“ Nikolaus von Rußland war bei Wilhelm II. zu Gaste. Den geduldigen Lesern der„gutge⸗ sinnten“ Blätter wurden in spaltenlangen Aus⸗ führungen die Tischreden, Trinksprüche, die Uniformen und der Inhalt der Speisekarten eingehend beschrieben.— Von Danzig aus wird der Herrscher des Knutenreiches nach Frankreich reisen, wo die Republikaner vor ihm katzbuckeln werden. Wie verlautet, wird auch der sozia⸗ listische Handelsminister an dem Empfange teil⸗ nehmen, wodurch er natürlich die Kluft zwischen sich und der Partei noch erweitert. Er ist demnach kaum noch als zur Sozialdemokratie gehörig zu bezeichnen. Zum China⸗Rummel. Das berühmte Frieden sprotokoll, an dem die Diplomaten nun so ungefähr/ Jahre herumdokterierten, ist jetzt endlich am vorigen Samstag unterzeichnet worden. Unter Anderem ist darin Folgendes festgesetzt: Die Truppen müssen alle öffentlichen Orte, darunter die ver⸗ botene Stadt und den Sommerpalast vor dem 17. September räumen, und alle Expeditions⸗ truppen, mit Ausnahme der permanenten Be⸗ satzungen, müssen bis 22. September zurückge⸗ zogen sein. Den Engländern und Amertkanern ist erlaubt, die Tempel besetzt zu halten, bis ihre Baracken fertig sind.— Die Deutschen bauen ein Wachtgebäude auf der Mauer, was ihrem Abkommen mit den Chinesen entgegen ist. Die Belgier bleiben außerhalb der Ver⸗ teidigungswerke, bis ihre Gesandtschaft aufgebaut ist.— Chinesische Truppen haben bereits den Polizeidienst übernommen und zahlreiche Arbeiter setzen die zerstörten Häuser und Straßen in den Stand. Die Zwecklosigkeit des chinesischen Kreuzzuges und die Verkehrtheit der bisher verfolgten Chinapolitik kommt jetzt auch den tollsten Weltmachtsphantasten und Khakipatrioten zum Bewußtsein. Einem Teil derselben lag allerdings die für Deutschland so wenig rühmliche, aber desto kostspieligere China⸗ Affäre schon längst recht schwer im Magen. Jetzt äußern sich unzwelfelhafte„Patrioten“⸗ Blätter in ganz demselben Sinne, wie es die sozialdemokratische Presse von Anfang an gethan, wofür sie aber in der unflätigsten Weise be⸗ schimpft wurde, nämlich, daß man hätte die Finger von der Geschichte weglassen sollen. Vom nationalliberalen„Hann. Kourier“ führt zum Beispiel das„Hamb. Echo“ folgende Aeußerung an: „Mit Gewalt können die Zivilisation und ihre Begleiter, Handel und Verkehr, nicht in das Riesenreich hineingetragen werden. Das Heil für China muß aus China selbst kommen. Die europäischen Mächte werden daher gut thun, zwar alle Reformbestrebungen in China nach Möglichkeit, offen und heimlich, zu unterstützen, im Uebrigen aber die Chi⸗ nesen sich selbst zu überlassen Eine Reaktion gegen die unter der Mandschu⸗ Dynastie eingerissene Mißwirtschaft ist unaus⸗ bleiblich. Die Revolution wird eines Tages ausbrechen und das Signal zu einem Bruder⸗ krieg geben, der viele Jahre hindurch dauern kann. Dann kommt Alles darauf an, daß die europäischen Mächte, wie auch die Ameri⸗ kaner und Japaner, frei von falscher Gefühls⸗ duselei, die Dinge in China geh lassen, wie sie wollen, ohne sich se in diefelden einzum ichen 0 Na, also! Nur kommt die Einsicht zu spät von Millionen auf dem Buckel. Schicksal der Chinabeute. Wie unser Parteiorgan in Wilhelmshaven mitteilt, sind die Instrumente der Pekinger Sternwarte, die der Dampfer„Palakia“ aus China mitbrachte und dort ausschiffte, nach Potsdam transportiert worden. Hoffentlich hat man die widerrechtlich annektierten Gegen. stände nur deshalb nach Potsdam geschafft, meint unser Zentralorgan, um sie dem Sühne⸗ prinzen wieder mit nach China zu geben. Frei lich wird man sowohl für die entstehenden Fracht⸗ kosten als auch für die Wiederaufstellung an dem früheren Platze aufzukommen haben. Für diese Kosten wird natürlich der Offizier ersatz⸗ pflichtig gemacht werden müssen, auf dessen gehe die Mitnahme der Gegenstände geschah. Graf Posadowsky, Staatssekretär im Reichsamt des Innern, be⸗ rühmt durch den 12000 Mark-Bettel bei den Industriellen, soll sich mit Rücktrittsge⸗ danken tragen. Als sein Nachfolger wird der jetzige Finanzminister Rheinbaben genannt. Die Agrarier werden seinen Abgang sicher bedauern. Vergeltung. Vorige Woche hat der Tod die Zahl jener dunklen Ehrenmänner, die der Volksmund unter der Bezeichnung Lockspitzel zusammenfaßt, um einen vermindert. Aus Danzig kam die Nachricht, daß in der Irrenanstalt zu Neustadt, wohin er vor etwa einem Jahre wegen Gehirn⸗ erweichung verbracht werden mußte, der frühere Kriminal⸗Polizist Naporra verstorben ist. Mit ihm ist ein Mensch ins Grab gesunken, der das Unglück vieler braven Arbeiter und ihrer Familien auf dem Gewissen hat. Er war es, der sich während der sozialistengesetz⸗ lichen Zeit als Spitzel in die Kreise unserer Berliner Genossen einschlich, revolutionäre Re⸗ densarten führte, sich auch an der Verbreitung verbotener Flugblätter beteiligte, um dann unsere Genossen ans Messer zu liefern. Solche Krea⸗ turen züchtete das System des verflossenen Polizeiministers Puttkamer zu Dutzenden; man brauchte diese moralisch verkommenen Subjekte zur Rettung des Staates, zum Schutze der heiligen„Ordnung“. Burschen dieser Art kam es nicht darauf an, vor Gericht einen Meineid zu schwören, dadurch einen Arbeiter ins Gefängnis zu bringen und sich damit nach obenhin als unentbehrliche Staatsstützen zu empfehlen. Als bei den Beratungen über die Verlängerung des Schandgesetzes im Reichstage unsere Genossen das Treiben dieses lichtscheuen Gesindels brandmarkten, bezeichnete Puttkamer diese seine getreuen Knechte zwar als„Nicht- Gentlemen“, nahm ste aber trotzdem in Schutz und erklärte, ihnen eine„eklatante Genugthuung“ verschaffen zu wollen, die sie dann in Gestalt des„allgemeinen Ehrenzeichens“ erhielten. Naporra hat nun, wie schon mancher andere dieser Nicht⸗Gentlemen seinen Lohn dafür. In gleich kläglicher Weise endeten gerade unsere wütendsten Verfolger während und nach dem Sozialistengesetze, Polizisten, Polizeträte, Staats⸗ anwälte, Richter. Sollte das Zufall sein oder können wir darin die rächende Nemesis erblicken? Kapitalisten⸗Prosite. Welch' riesige Verdienste die Glasfabr kanten aus ihren Arbeitern herausschinden, darüber gewährte eine Verhandlung vor dem Gewerbegericht Kreuznach Einblick. Acht Glasmacher, die vor Ausbruch des Streiks einen halbjährigen Arbeitsvertrag unterschrieben hatten, das Arbeitsverhältnis aber nicht an⸗ traten, wurden von der Direktion der Kreuz: nacher Glashütte jeder zu einem Schadenersatz von Mk. 2000 verklagt. Das Gericht verur- teilte jeden der acht Arbeiter für vierzehn Tage zu einer vorläufigen teilweisen Entschädigung „ 1 jetzt hat der deutsche Michel schon die hunderte 2 . — — 2= —— — — — — — — — Au 0 0 ful Sltaße uf de füße Vurdet wernün 9 kau te felt al liche ihre A M die an wurde Wacht Schne Vom! mit i Durch fers ;berluf n die Muff, Schäd Ait de Halt uffor fleche osfzie the leb, Horsch nac na ute. dhelmghaß, deln Palatg hüte un Hoffen cen Gig u geschaf eln Sih ehen. 0 den Fat gaben. zi stzier erst, auf dese Gegenstin Innern,! Bettel! Rücttittg Jer wird nannt. 9 er hedaueh Zahl jun mund un sammensth ig kam! zu Neufah egen Gehl „der frühe rstorben ab gesunth irbeiter y u hat. jalistenget eise ue itionäre Verbreüih dann une Solche fe erflosse Dußelbe erkommee zum Sh b dieser l erich nen Muhel dal estläel en übel, lich e du 15 9 1 11 60 euugthlal 1 in Geh „ elhsal uche d dafl. 0 de. ade Nr. 37. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. von Mk. 96. Dabei machte der Direktor An⸗ gaben über den Schaden, den die Glashütte durch die Arbeitsniederlegung der Arbeiter er⸗ litten hat, wonach sich der Verdienst an einem Arbeiter mindestens auf 2496 Mark im Jahre beläuft, die dort beschäftigten 200 Arbeiter den Aktionären also jährlich 499200 Mark, beinahe eine halbe Million einbringen. Und was verdient der Flaschenmacher, der sich tag⸗ täglich in einer Hitze von 50—60 Grad ab⸗ rackern muß? Wenn's gut geht, Mk. 3.50 den Tag, 42 Mark in vierzehn Tagen. Die Fabrik aber verdient in der nämlichen Zeit fast zweieinhalb Mal soviel als Reingewinn an dem einen Arbeiter, als dessen Lohn ausmacht. So wird die Arbeit ausgebeutet. Sittlichkeit in der Armee. Aus Mainz wird berichtet, daß es auf Anordnung des Korpskommandeurs von Linde⸗ quist den Soldaten verboten wurde, auf den Straßen, in der Kaserne, in den Wirtschaften, auf dem Marsche ꝛc. unsittliche oder an⸗ stößige Lieder zu singen. Zuwiderhandelnde würden mit Arrest bestraft. Gewiß eine ganz vernünftige Verfügung. Aber schade nur, daß es kaum Soldatenlieder geben dürfte, die nicht zanstößig“ sind! Und dann dürfte es notwendig sein, auch gewisse, auf den Kasernenhof gebräuch⸗ liche Ausdrücke Vorgesetzter einer Prüfung auf ihre Anstößigkeit zu unterwerfen. Zum Krosigk⸗Prozeß. Mehrere Zeugen in dem Prozesse gegen die angeblichen Mörder des Rittmeisters Krosigk wurden gemaßregelt. Es betrifft dies den Vachtmeister Buppersch, den Vicewachtmeister Schneider und den Unteroffizier Domnig, welchen vom Generalkommando erklärt wurde, daß es mit ihnen nicht mehr kapitulieren wolle. Durch die Maßregelung gehen sie der Unteroffi⸗ ziersprämie u. ihres Zivilversorgungsanspruches berlustig. Für die drei erläßt der Verteidiger in diesem Prozesse, Rechtsanwalt Horn, einen Aufruf, in dem er auf die wirtschaftliche Schädigung der Uuteroffiziere hinweist, welche mit dem 1. Oktober aus ihrem Militärver⸗ hältnis ausscheiden und zu Geldsammlungen auffordert. Es ist eine eigene Ironie, daß zu gleicher Zeit, da diese Maßregelung von Unter⸗ offizieren, welche ihre Zeugenpflicht erfüllt haben, eine Veranlassung zu öffentlichen Sammlungen giebt, in der bürgerlichen Presse wieder einmal Vorschläge zur Hebung des Unteroffizierstandes gemacht werden.— Der Verurteilte Marten ist nach Danzig überführt worden, man weiß nicht, aus welchem Grunde. Bei der Verab⸗ schiedung von seinem Vater beteuerte er unter Thränen seine Unschuld. Beteiligung der Sozialdemokraten an den preußischen Landtagswahlen. Letzten Sonntag tagte im Berliner Gewerk⸗ schaftshause die sozialdemokratische Parteikonfe⸗ jenz für Berlin und die Provinz Branden⸗ hur g. Sie beschäftigte sich auch mit der Frage der Beteiligung an den preußischen Land⸗ tagswahlen, und trotzdem eine ziemliche Anzahl Gegner der Wahlbeteiligung vertreten waren, kam man allgemein zu der Ansicht, daß man sich der obersten Parteiinstanz, dem Pärtei⸗ tcge, der Wahlbeteiligung beschlossen habe, fügen müsse. In diesem Sinne bewegten sich denn auch Referat und Diskusston. Eine einstimmig arigenommene Resolution empfiehlt den Partet⸗ t im Interesse eines möglichst guten usfalls der Landtagswahlen schon jetzt die Feinarbeit zu beginnen. Es sollen Vorträge und Diskusstonen stattfinden, die Listen aufge⸗ stellt und nach geeigneten Wahlmännern Um⸗ sthau gehalten werden. Verkrachtes Antisemitenblatt. Das Dresdener antisemitische Organ, „Deutsche Wacht“, befand sich bis vor eigen Monaten im Besitze einer Aktiengesell⸗ shaft, deren Direktor der frühere Reichstags⸗ geordnete Zimmermann war. Als sich hrausstellte, daß das Unternehmen vor dem Lunkrott stand, löste sich die Gesellschaft auf und verkaufte Blatt und Druckerei an einen gewissen Faber aus Wien. Wie in dem Aktien⸗ unternehmen gewirtschaftet wurde, geht aus einem Zirkular hervor, daß ein Beteiligter an die Aktionäre der„Deutschen Wacht“ versandt hat. Darin wird ausgeführt, daß das Unter⸗ nehmen mit einem Aktienkapital von 250000 Mk. gegründet, jetzt bei der Liquidation aber an den Herrn Faber für 58731 Mark verkauft wurde. Fast das ganze Gründungskapital wurde in 7¼ Jahren verwirtschaftet und die Aktionäre bekommen nicht einen Pfennig auf ihre Aktien. In dem Schreiben wird der Aufsichtsrat für die empfindlichen Verluste ver⸗ antwortlich gemacht, weil von ihm das Geschäft nicht richtig beaufsichtigt worden sein soll. Ja, ja, es sind Hauptkerle, diese Urteutschen. fein sollten auch hier wieder die Juden schuld ein? Es leben unsere Freunde, die Feinde! „Kann es etwas Aufreizendes geben,“ so schreibt die linksliberale„Weserzeitung“, zals durch einen neuen Zolltarif mit erhöhten Lebensmittelzöllen die Massen zur Ader zu lassen, damit die bevorzugten Klassen zu besserer Lebenslage gelangen? Wahrhaftig, die Soztal⸗ demokratte sollte den Herren Graf Posa⸗ dowsky, Bueck, Wangenheim und Herold Denkmäler setzen! Die Sozialdemokratie ist die radikalste, fanatischste und rücksichts⸗ loseste Partei, sie wird am besten verstehen, in die schon hochflammende Esse zu blasen. Ihr werden die Wähler in den größten Scharen zufallen. Und so etwas thun die Parteien, die sich in ganz besonderer Weise die staatserhaltenden zu nennen belieben! Sie legen ein Feuer an, das eine Ausdehnung nehmen wird, die sie selbst in Staunen setzen wird.“— Für die Sozial⸗ demokratie wird dieser Angstschrei nur eine erneute Ermunterung zum rücksichtslosen und erfolgreichen Angriff bedeuten. Krieg in Südafrika. Eine eigenartige Maßregel, um sich gegen die Anschläge der Buren zu sichern, haben die Engländer erfunden. Aus Pretoria wird gemeldet: Hervorragende Bürgerder Stadt sind dazu bestimmt worden, abwechselnd die Züge nach Pietersburg zu begleiten. Diese Maßregel ist dadurch veranlaßt worden, daß neuerdings wiederholt Züge durch Burenab⸗ teilungen in die Luft gesprengt worden sind. Wenn die Engländer so weiter machen, werden sie bald die Weiber und Kinder der Buren vor sich hertreiben, wenn sie eine Stellung der Buren angreifen. Fraglich ist nur, ob sich dieses Mittel als zweckmäßig erweist. Niederlagen der Buren werden aus Kapstadt gemeldet. Danach habe die Kolonne Campbell ein Burenlager bei Surisburg über⸗ rascht. Im Gefecht wurden 50 Pferde, viel Patronen, Getreide ꝛc. erbeutet. General Collin hat bet Wiskop ebenfalls ein Burenlager über⸗ rascht. Die Buren flohen, man fand im Lager eine Proklamation des Vicepräsidenten Schalk Burgher vom 20. Juni, die damit schließt, die Buren würden uur unter der Bedingung den Frieden annehmen, wenn ihnen vollständige Selbständigkeit gewährt würde.— Sehr schlimm scheinen diese Niederlagen für die Buren doch nicht ausgefallen zu sein, denn die Engländer wissen nichts von Todten und Verwundeten zu berichten. Bedenkliche Lage in der Kapkolonie. Kitchener meldet unter anderem: Die anderen Befehlshaber, welche nach Norden ziehen, fanden nicht Gelegenheit, sich mit den Buren zu schlagen. Die Burenkommandos unter Delarey und Kemp, westlich von Rostenberg, zerstreuten sich beim Herannahen der Engländer. Die Kolonne Methuens und andere zogen nordwärts weiter. Außerdem wird die Lage in der Kapkolo⸗ nie, wo sich die Holländer zahlreich den 1 5 anschließen, immer bedenk⸗ ich er. rn Die deutschen Gewerkschaften im Jahre 1900. II. Wir haben am Schlusse des Artikels in der vorigen Nummer die gegenwärtigen Mitglie⸗ derzahlen der meisten bedeutenderen Verbände nach den Feststellungen der Generalkommission angegeben. Wie schon bemerkt, zeigen sie eine erfreuliche Steigerung, bei einzelnen Organisa⸗ tionen ist sogar die Zunahme sehr bedeutend. Vergleicht man aber die Zahl der Organisation mit der der Berufs angehörigen, so zeigt sich, daß noch tüchtig gearbeitet werden muß, bis wenigstens der größte Teil der Berufs⸗ angehörigen organistert ist. Den höchsten Pro⸗ zentsatz weisen die Buchdrucker auf, von ihnen werden 90 Prozent als der Organisation angehörig bezeichnet. Dann folgen die Bildhauer mit 75,71, Handschuhmacher 57,73, Kupfer⸗ schmiede 56,92, Glaser 47,87, Tapezierer 40,38, Maurer 36,57, Hafenarbeiter 36,50, Schiffs⸗ zimmerer und Werftarbeiter 36,41, Lithographen und Steindrucker 36,34, Porzellanarbeiter 31,57, Stukkateure 31,14, Töpfer 31,10, Metallarbeiter 30,97, Brauer 28,70, Buchbinder 28,64, Holz⸗ arbeiter 27,34, Vergolder 27,21, Böttcher 26,73, Zimmerer 24,93, Formstecher u. Graveure 24,08, Dachdecker 23,92, Glasarbeiter 23,23, Gemeinde⸗ betriebsarbeiter 23,12, Hutmacher 21,18, Tabak⸗ arbeiter und Zigarrensortierer 19,09, Schuh⸗ macher 18,28, Maler 18,25, Former 18,05, Sattler 16,08, Steinarbeiter 11,01, Schneider 10,80, Bergarbeiter 10,01, Fabrikarbeiter 8,93, Bäcker 6,70, Textilarbeiter 6,32, Schmiede 6,25, Bauarbeiter 5,46 Prozent ꝛc. Dabei sei bemerkt, daß dieser Berechnung die Zahlen der Gewerbezählung von 1895 zu Grunde gelegt sind, der angegebene Prozentsatz in Wirklichkeit noch um ein Weniges niedriger ist. Nach dieser Zählung sind in den 58 Be⸗ rufen, für die Zentralverbände bestehen, 4503356 Arbeiter beschäftigt, es gehören davon also 15,1 Prozent den Zentralverbänden an. Ebenso erfreulich, wie die Mitgliederzunahme, gestaltete sich auch die finanzielle Ent⸗ wickelung und Leistungsfähigkeit der Gewerk⸗ schaften. Während die Mitgliederzahl um 17,23 Prozent zunahm, steigerte sich die Ge⸗ samteinnahme um 22,98 Prozent. Die Ein⸗ nahmen der Zentralisationen betrugen im Berichtsjahre 9454075 Mark, erhöhten sich gegen das Vorjahr um fast zwei Millionen. Verhältnismäßig noch mehr stiegen aber die Ausgaben, welche mit 8088 021 Mark gegen das Vorjahr um 1⅜ Millionen stiegen. Die gesamten Kassenbestände beliefen sich auf Mk. 7745 901,87, wovon freilich nahezu die Hälfte, nämlich Mk. 3 792 497,67 auf den Ver⸗ band der Buchdrucker entfallen. Der Fonds, über welchen die Gewerkschaften pro Kopf der Mitglieder verfügen, ist zwar nicht ein sicherer Beweis für die Finanzkraft einer Organisation, immerhin ist es interessant, zu sehen, wie hoch sich in einzelnen Orgauisationen der vorhandene Fonds auf den Kopf der Mitglieder beläuft. Zum Beispiel hatten an Kassenbestand pro Kopf der Mitglieder: Buchdrucker Mk. 131,51; Hut⸗ macher 51,61; Zigarrensortierer 29,65; Hand⸗ schuhmacher 28,86; Kupferschmiede 28,28; Zim⸗ merer 14,29; Bildhauer 12,43; Buchdruckerei⸗ hülfsarbeiter 10,34; Maurer 10,23; Form⸗ stecher 10,16; Maler 8,73; Glaser 7,45; Dach⸗ decker 6,37; Schneider 5,83; Metallarbeiter 5,67; Brauer 5,46; Steinarbeiter 4,28; Fabrikarbeiter 3,82; Glasarbeiter 3,78; Schmiede 3,48; Schuhmacher 3,15; Tabakarbeiter 2,03; Tape⸗ zierer 1,79; Holzarbeiter 1,76; Bergarbeiter 1,75; Bäcker 1,58 ꝛc. Die Einnahmen der Gewerkschaften weisen noch immer weit größere Unterschiede auf, als sie in der Höhe der Einkommen der Arbeiter begründet sind. Es liegt also weniger an der Unmöglichkeit, höhere Beiträge aufzubringen, wenn einzelne Organisationen zurückbleiben, sondern daran, daß der Wille, für die Organt⸗ sationen, die dem Arbeiter doch alles sein sollten, Opfer zu bringen, in den verschiedenen Berufen nicht gleich stark entwickelt ist. Es sollte sich ein Wetteifer unter den Migliedern Seit, 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 37. 0 der Organisationen geltend machen, in der Statistik bezüglich Leistung für den Verband in den vordersten Reihen zu stehen. Freilich muß anerkannt werden, daß auch in dieser Hinsicht schon Vieles seit Anfang der statistischen Erhebungen sich gebessert hat. Auch im ber⸗ flossenen Jahre haben 13 Gewerkschaften ihre Mitgliedsbeiträge erhöht. Vielfach macht sich gegen Beitragserhöhung noch ein starker Wider⸗ stand bemerkbar, 5 9 70 19 len ürchtet. Thatsächlte 0 59515 ee chaften mit höheren Beiträgen die stärksten Mitgliederzunahmen zu verzeichnen. Wie die Beiträge, so die Felstunger, und wie die gesigeelt der 1 so die wirtschaftliche Sicherhel da db niemals vergessen werden. aß dahohten Einnahmen g e lehrt 0 italiedern wieder zu Gute„1 eiche das 19 0 1 e en auf allen Gebieten, 5 uch iber die Zunahme der Einnahmen 1 1 Diese auf alle Unterstützungszweige, 11 9 155 nahme der Krankenunterstützung, sich ver eilen Steigerung zeigt aber auch bereits die Wirkung des wirtschaftlichen Niederganges. Pon Nah und Fern. eserkreise sind uns jederzeit will⸗ ietet natürlich strengste kommen. Die Ehre unserer Sache on e igkeit bei Uebermittelung Sete ate dunn rue bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Angelegenheiten. — Sozialdemokratischer Wahl⸗ verein. 235 der an diesem Samstag, (14. Sept.) stattfindenden Versammlung wird zunächst über die Landeskonferenz von Seiten des Delegirten Gen. Holtberg Bericht erstattet werden. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung gelangen die eingelaufenen An⸗ träge zum Parteitag zur Beratung und drittens soll die Stadtverordneten⸗ wahl Gegenstand der Erörterung sein. Außerdem soll über die Aufstellung eines Winterprogramms(Vorträge Ac.) sowie die Agitation gegen den Lebensmittelwucher ver⸗ handelt werden. Die reichhaltige und wichtige Tagesordnung muß die Mitglieder veranlassen, recht zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. — Zu m Gewerbegerichtstag in Lübeck, der vergangene Woche stattfand, war bon Gießen kein Vertreter der Beisitzer delegiert. Der Magistrat lehnte den Antrag der Arbeit⸗ nehmerbeisitzer, für eine Delegation die Kosten zu übernehmen, wegen zu später Einreichung ab, stellte jedoch den Antragstellern anheim, zur nächstjährigen Konferenz frühzeitiger einen Antrag einzubringen. 1 — Das städtische Elektrizitäts⸗ werk ist nunmehr dem Betriebe übergeben worden. Freitag vorige Woche erstrahlte der Bahnhof zum ersten Male in elektrischer Be⸗ leuchtung, auch viele Läden haben sie sich bereits zugelegt und ebenso kommt in verschiedenen Geschäften die Elektrizität zum Betriebe der Maschinen nach und nach zur Anwendung. Lange genug hats allerdings gedauert; schon am 1. April sollte das Werk in Betrieb sein, also beinahe ein halbes Jahr Verspätung! Heuchelheim. h. Die Gemeinderatswahl findet nach einer Bekanntmachung des Bürgermeisters Donnerstag den 19. September statt. Die Wahlzeit ist auf 10—1 Uhr festgesetzt, eine für die zahlreichen außerhalb beschäftigten Arbeiter äußerst ungünstige Zeit. Man hat dabei die Verhältnisse der Arbeiter⸗Wähler in keiner Weise berücksichtigt, fast gewinnt es den Anschein, als wollte man i die Teilnahme an der Wahl verekeln. Solche edle Absichte! müssen die Arbeiter vereiteln, dürfen deshall unter keinen Umständen de 1 fern bl Unsere Genossen müssen möglich daß sie Vormittags früher aufhören, ihr Wahlrecht in Uhr resp 22 wieder bei der Arbeit sein können, damit der; ist nicht zu groß ist. Wir hegen die Hoffnung, d aß uns Nacht wird um acht weitere vermehrt. die Bedeutung der Gemeinderatswahl nicht unterschätzen, das kleine Opfer nicht scheuen, sondern sich zahlreich an der Wahl beteiligen. Aus dem Nreise Sriedherg⸗Püdingen. Rasch tritt der Tod den Menschen an! Der Kreisrat Herr Dr. Braden ist am Samstag Nachmittag, nachdem in Friedberg er den neugewählten Gemeinderat eben vereidigt hatte, plötzlich in Folge eines Schlaganfalles gestorben. Der Verstorbene, der mit Eifer für die Einführung der Städteordnung gearbeitet hatte, erklärte nach stattgefundener Vereidigung, daß, da er bald in den Ruhestand treten wollte, dieses seine letzte bedeutendere Amtshandlung sei. Wir Sozialdemokraten werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren, da er immer die Interessen Aller im Auge hatte, sodaß wir uns nicht zu beklagen brauchen. Möge sein Nachfolger, Kreisrat Fey von Erbach ver⸗ suchen, es ihm in dieser Beziehung gleichzuthun. Aus dem Rreise Wetzlar. Auf die Parteiversammlung für den Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen, die diesen Sonntag, den 15. September, im Lokale von Orbig in Gießen stattfindet, sei nochmals hingewiesen. Es muß unbedingt dafür gesorgt werden, daß alle Parteiorte vertreten sind. Wie schon bekannt gegeben, handelt es sich da⸗ bei um Entfaltung einer wirksameren Agitation gegen die Brotzölle, Aufstellung einer Reichs⸗ tagskandidatur sowie um Erledigung verschie⸗ dener anderer wichtiger Parteiangelegenheiten. th. Das Bürgerrechtsgeld wird jetzt von Seiten des Magistrats verschiedenen Ein⸗ wohnern abgefordert. Es beträgt dret Mark und es heißt in der Anforderung, daß das Bürgerrecht nur ausgeübt werden könne, wenn das Geld bezahlt ist. Ueber diese Frage herr⸗ schen aber noch Meinungsverschiedenheiten. Mehrfach ist schon die Ansicht geäußert worden, daß Niemandem, der sonst die gesetzlichen Be⸗ stimmungen erfüllt hat, das Wahlrecht vorent⸗ halten werden kann, auch wenn er das Bürger⸗ rechtsgeld nicht bezahlt hat. Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain. — Buchdrucker⸗Ausflug. Die Bezirks⸗ vereine Gießen und Marburg des Verbandes der Deulschen Buchdrucker veranstalten am nächsten Sonntag, den 15. d. Mts., einen gemeinschaftlichen Ausflug nach dem Frauen⸗ berg. Die beiden Vereine treffen sich mittags in Niederweimar und marschieren von da nach dem Frauenberg. Nach Besichtigung der Burg⸗ ruine, von der man eine prächtige Aussicht hat, geht es nach eingenommener Stärkung wahr⸗ scheinlich nach Hansenhaus links; hoffentlich wird der Ausflug von günstigem Wetter begleitet ein. g— Die Petitionslisten gegen den Brod⸗ wucher sind in Umlauf, und werden die Genossen aufgefordert, sich recht fleißig an der Sammlung von Unterschriften zu beteiligen und es nicht nur einigen wenigen Personen zu überlassen, die Arbeit allein zu bewältigen; ebenso müssen sich die Genossen mehr an der Verbreitung der Flugblätter beteiligen. Da uns, trotz aller Bemühungen, kein Saal zur Abhaltung einer öffentlichen Volksversammlung behufs Stellung⸗ nahme gegen die beabsichtigte Getreidezoller⸗ höhung zur Verfügung steht, so müssen wir eben auf andere Weise versuchen, das Volk aufzuklären. Deshalb„frisch auf, Genossen zur Verbreitung der Flugblätter und Sammlung von Unterschriften!“ ö. — Kommunales. Die Beseitigung unserer Nachtwächter wird nun doch vor sich gehen. Laut einer neuerlichen Anregung des Regierungspräsdeuten zu Kassel sollen die kachtwäck beseitigt und durch Poltzisten twächter 5 zt werden. Die Zahl der Polizeisergeanten Vorlage wird baldigst den Stadtverordneten zu⸗ gehen.— Die Anlage einer Straßenbahn von Nord⸗ nach dem Südbahnhof und von der Schwanallee nach dem Marktplatz dürfte auch bald Thatsache werden. Obgleich wir dies ere Genossen Projekt im Interesse der Hebung des Verkehrs Eine bezügliche gutheißen, so halten wir doch die Erbauung einer neuen Volksschule im Norden der Stadt für notwendiger. Auch die Instandsetzung des Eingangs der Universttätsstraße am Frohnhof wäre sehr notwendig, da man bei Regenwetter befürchten muß, im Dreck stecken zu bleiben. Wahrlich ein trauriger Zustand für eine Universttätsstadt, in welcher man für sonstige Zwecke, wie Bismarcksäule und dgl., Geld übrig hat, während die Instandhaltung der Straßen viel zu wünschen übrig läßt. Gemeinderatswahlen in Hessen. In Bersrod unterlagen die von den An⸗ tisemiten aufgestellten Kandidaten. Es wurden die Landwirte Debus, Gerha und Scheld 1 Die Wahlbeteiligung war eine sehr tarke. Die Stadtverordnetenwahlen in Offen⸗ bach sollen im November stattfinden. Es sind 15 Stadtverordnete zu wählen; von der 17 Mit⸗ scheide starken sozialdemokratischen Fraktion cheiden zwei aus. Das Kollegium besteht aus 36 Stadtverordneten. Der Wahlkampf wird vorausstchtlich ein sehr heftiger werden, man ist auf den Ausfall sehr gespannt. Wahl⸗ berechtigt sind etwa 7500 Steuerzahler, was einen beträchtlichen Zuwachs namentlich aus Arbeiterkreisen bedeutet. Die Beerdigung Miquels 55 am Mittwoch unter großer Beteiligung in rankfurt stattgefunden. Im Leichenzuge be⸗ fanden sich mehrere Minister, Vertreter der Staats⸗ und Kommunal⸗Behörden, Stadtver⸗ ordnete und zahlreiche Private. Am Grabe sprachen u. A. Konsistorialrat Dr. Ehlers, die Bürgermeister von Frankfurt und Osnabrück, Justizrat Benkard und zuletzt der Oberpräsident und frühere Reichstagsabg. Bennigsen. — Grabreden rühmen in der Regel die aus⸗ Wan Eigenschaften des Verstorbenen. enn aber ein Geistlicher von Miquel sagte: „Dabei war er im tiefsten Herzen fromm, Gottes gewärtig, voll Gehorsam gegen Gott, und dann pflegte er wohl mit einem Worte, das er von der Mutter Lippen oft gehört hatte, zu sagen: Wer nur den lieben Gott läßt walten!“ so hat Miquel selbst vor Jahren einen derartigen Nachruf eigentlich durch den weiter oben ab⸗ gedruckten Brief an Marx unmöglich gemacht, worin er erklärt:„ich bin Kommunist und Atheist“— also ungefähr das Gegenteil von fromm. Untergang eines deutschen Kriegs⸗ schiffes. Bei einem Manöver stießen in der Nähe von Arkona(Fügen) am vorigen Mittwoch der Kreutzer„Wacht“ und der Panzer„Sachsen“ usammen. Erstes Schiff sank in 20 Minuten. enschen sind dabei, wie verlautet, nicht um⸗ gekommen. Der in den Grund ebohrte Kreuzer liegt in einer Tiefe von 48 Metern, Hebung ist nicht 1 1 Damit liegen wieder ein paar Millionen Mark auf dem eme der Reichstag wird wieder Ersatz bewilligen müssen. Wir habens ja dazu! Der Pastor in der Mädchenkammer. Der als streitbarer Antisemit bekannte Pastor Krösell zu Kloxin in Pommern hatte die Kaisergeburtstagsfeier des Krieger ver⸗ eins in Woltersdorf besucht und beabsichtigte, da es schon spät geworden war, in dem Hause eines ihm befreundeten Gutsbesitzers zu über⸗ nachten. Er begab sich in das Zimmer der Wirtschafterin, um dieser hiervon Mitteilung zu machen. Nach der Aussage der Wirtschafterin, die bei seinem Eintreffen schon entkleide im Bette lag, hat Herr Pastor Krösell trotz mehrmaliger Aufforderung das Zimmer nicht verlassen, sondern ein Gespräch mit ihr anzu⸗ knüpfen gesucht. Die Wirtschafterin hat unter ihrem Eide ausgesagt, daß sie den Herrn Pastor viermal aufgefordert habe, das Zimmer zu verlassen, das letzte Mal mit der Erklärung, daß sie um Hülfe rufen werde, falls er sie nicht — U Na! Deeste mt, val di fehlen. ** ö ruft Hontat ct. en o. ar W. lich lie ele beldäch * Macht lot, bol de krank Meder! Dab in M. 17 lacht z Negim llankt. schpete zum O ute D ehe ele sch n in sind 55 17 M. Ftaktin m beseh Bahlkang r werde . Wall hler, z klich au ls ligung enzuge h treter dy Stadtte Im Glah lers, Dnabric rpräsden nigsel⸗ die dul toren nel sack. mm, Gilt und dun er bol de, : Wer in derart oben db an nit Gegeste Trieh⸗ Mio a Ne, iht i Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. schleunigst verlasse. Das Gericht, dem diese pikante Sache unterbreitet wurde, verurteilte den frommen Herrn, der in Rücksicht auf seine gefährdete Karriere um Freisprechung flehte, wegen Hausfriedensbruchs zu 30 Mk. Geldstrafe. e eee Kleine Mitteilungen. Selbst mord. Dienstag erhängte sich die Ehefrau Kuhl in Wieseck. Die unglück⸗ liche Frau soll schon längere Zeit Zeichen von Gemütskrankheit gezeigt haben. Liebestragödie. Im großen Teiche in Nauheim ertränkte sich in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch ein Liebespaar. Man nimmt an, daß die Beiden in den Tod gingen, weil die Eltern sich ihrer Verheiratung wider⸗ etzten. a* Von einer verheerenden Feuers⸗ hrunst wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag der Ort Hörbach bei Herborn heimge⸗ sucht. 17 mit Erntevorräten gefüllte Scheu⸗ nen wurden ein Raub der Flammen, Rettung war wegen Wassermangel unmöglich. Vermut⸗ lich liegt Brandstiftung vor; ein Schuhmacher⸗ geselle namens Kaiser wurde als derselben berdächtig verhaftet. ** Aus der Ferienkolonie. Montag Nachmittag sprang in Koblenz ein Arbeits⸗ soldat, der zum Arrest gebracht werden sollte, von der Schiffbrücke in den Rhein und er— trank. ** Typhus⸗Erkrankungen werden wiederum aus Elsaß⸗Lothringen gemeldet. Das in St. Avold liegende Infanterie-Regiment Nr. 173 kann wegen des hohen Krankenstandes nicht zu den Herbstübungen ausrücken, und vom Regiment 174 in Metz sind 50 Soldaten er⸗ krankt. Erst vor wenigen Monaten fielen der schweren Typhus⸗ Epidemie in Metz 35 Soldaten zum Opfer. Diese öfteren Massenerkrankungen zeigen, daß die gesundheitlichen Zustände in den Kasernen viel zu wünschen übrig lassen; die Militärverwaltung sollte eingehende Unter⸗ suchungen veranlassen. * Ein scharfer Schuß fiel am Montag bei dem in der Gegend von Weißenburg abgehaltenen Manöver, wodurch zwei Soldaten, die in der Nähe eines Majors standen, ver⸗ wundet wurden. An der Uebung beteiligten sich zum 15. Armeekorps gehörige Ulanen, Jäger und das Infanterie⸗Regiment Nr. 105. Der Thäter wurde nicht ermittelt, obwohl so⸗ sort sämtliche Gewehre untersucht wurden. i„Geheimbündler“. In Thorn wurden eine Anzahl polnischer Gymnasiasten bis zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. ** Ruhrkrankheit tritt in der Gegend don Witten(Westfalen) epidemisch auf. Die Einschleppung der Krankheit durch italienische Arbeiter wurde ärztlich festgestellt. * Zwei Bergleute stürzten in den Schacht Bramei⸗Bönen bei Essen und waren sofort tot. Als antisemitischer Agitator that sch der Stadtrat und Architekt Ludwig Krafft t Müllheim i. B. rühmlichst hervor. Leider am er wegen Verleitung zum Meineide in Untersuchungshaft, und er muß deshalb den Kampf für die Befreiung des Vaterlandes von zer Judenherrschaft vorläufig Andern, vielleicht zen Herren Hirschel und Böckel überlassen. Arbeiterbewegung. J Zur Tarifrevision im Buchdrucker⸗ gewerbe. Die Verhandlungen des Tarifaus⸗ „ shusses der Deutschen Buchdrucker finden vom aschinentarif, außerdem je ein Ver IJ rinzipalsorganisation, Nontag, den 23. September an in Berlin satt. Zur Teilnahme berechtigt an diesen Be⸗ tungen send die Prinzipals⸗ und Gehülfen⸗ ertreter der neun Tarifkreise, f Frinzipals⸗ und Gehülfenmitglieder! aeeints, ändigen für Beratung der Anträge z die orden die Prinzipals⸗ und Gehülfer f des Perband Kuchdruckergehülfen und des Gutenbergbun 1 9 70 1 1 8 Andes, ener Sonderorganisation der Gehülfen; außer⸗ dem die Redakteure des Prinzipalsorgans und des„Correspondent“. T Lohnzulagen. Der„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker“ schreibt aus Frankfurt a. M.:„In Anerkennung der berechtigten Forderung nach höheren Löhnen hat die hiesige Union⸗Druckerei, G. m. b. H., ihrem Setzer⸗ und Druckerpersonale ab 1. Sept. Lohnzulagen in der Höhe von 2 Mk. pro Mann gewährt; den Hilfsarbeitern wurde je 1 Mk. bewilligt. Das Personal genannter Firma hat bereits seit beinahe 2 Jahren den achtstündigen Arbeitstag, alljährlich pro Mann acht Tage Ferien unter Fortzahlung des Lohnes und außerdem werden die Beiträge zur Kranken⸗ Alters⸗ und Invalidenversicherung von der Firma allein getragen.“ Diese Mitteilung be⸗ gleitet das Blatt mit einem„Bravo!“ Wir fügen hinzu, daß die„Union“⸗Druckerei der Frankfurter sozialdemokratischen Par- tei gehört. Der Metallarbeiter⸗Verband steht vor einer weiteren bedeutenden Erhöhung seiner schon über die Hunderttausend betragen⸗ den Mitgliederzahl. Der Formerverband hat nämlich durch Urabstimmung beschlossen, in den Metallarbeiter⸗Verband überzutreten. Gegenwärtig zählt der Formerverband rund 6700 Mitglieder. F. Im Glasarbeiter⸗General⸗ streik ist noch keine Wendung eingetreten. Die Fabrikanten suchen nach Kräften aus⸗ ländische Arbeiter, besonders Russen heranzu⸗ ziehen, was aher auch seine Schwierigkeiten hat.— Ein jüngst veröffentlichter gegen den Generalstreik gerichteter Artikel der„Holzar⸗ beiterzeitung“ hat in Arbeiterkreisen unlieb⸗ sames Aufsehen erregt; wir müssen ebenfalls gestehen, daß wir diesen Artikel, während sich die Glasarbetter im Kampfe befinden, für un⸗ angebracht halten. Eine Generalaussperrung aller Flaschenmacher in Dänemark haben die dänischen Glasbarone beschlossen, weil die Ar⸗ beiter sich weigerten, Streikarbeit nach Deutschland zu liefern. Die Kupferschmiede in Hamburg haben ihren nunmehr schon 18 Wochen an— dauernden Streik für beendet erklärt. Er ist für die Arbeiter resultatlos verlaufen. F Der Kampf der Tabakarbeiter in Nordhausen dauert noch fort. Zu empfehlen ist der Kousum von Kautabak von folgenden Firmen: Grimm und Triepel, Hendeß und Schumann, Walther und Sevin, Athenstädt und Bachrodt, Steinert und Hellmund, Paul Kuntze, Nottrodt und Comp. Die übrigen acht Firmen: C. A. Kneiff, G. A. Hanewacker, Berlin u. Bona, F. C. Lerche, H. u. R. Wittig, Rothhardt u. Co., G. Red⸗ derseo, Salfeldt u. Stein(Firma Gail⸗ Gießen) haben den Schiedsspruch noch nicht anerkannt. e Partei-Nachrichten. Für den Wahlkreis Höchst⸗usingen(erster nassauischer) fand am Sonntag eine Kreiskonferenz in Griesheim statt, unter Anwesenheit von 32 Dele⸗ gierten. Unter anderem wurde auch die Kandidatenfrage erörtert, wobei Brühne ⸗Frankfurt erklärte, die Kandidatur wieder annehmen zu wollen. Dafür sprach ihm die Konferenz ihren Dank aus. Uns war Brühnes Vorhaben, den Kreis, den er schon einmal im Reichstage vertrat, abzulehnen, von vornherein unverständlich, wir begrüßen es deshalb mit um so größerer Freude, daß er sich eines Besseren besonnen hat. Genosse Bernstein wurde von einer Konferenz des 10. badischen Wahlkreises als Delegierter für den Parteitag in Lübeck gewählt. Samstag, den Gießen. So Verf nutag, den 15 5 Gießen. Glaserverband. O liche Versamm⸗ lung Vormittags 10 Uhr bei Orbig, Rittergasse. r Vorstand. Montag, den 16. September. Gießen. Tapezierer⸗LVerband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Freitag, den 20. September. Gießen. Preßkommission(Gießener Mitglieder) Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 21. September. Friedberg. Wahlverein. Abends Versammlung bei Ihl, Stadt New⸗York. Briefkasten. Anonymus⸗Leihgestern. Wir kennen die Angelegenheiten nicht genauer; sprechen Sie deshalb gelegentlich bei uns vor. M.⸗Lauterbach. Auf solche Anpreisungen wunderthätiger Heilmittel darf man nie etwas geben. Wenn man krank ist, wendet man sich an einen vernünftigen Arzt. Auch auf„briefliche“ Kur darf man sich nicht einlassen. J. B. ⸗Frisch⸗ born. Die Forstwarte sind nur auf ihrem Jagd⸗ gebiete berechtigt, Legitimation zu verlangen. Im Wie⸗ derholungsfalle verweigern Sie einfach die Vorzeigung einer solchen. 1/9 Uhr Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebote. 5. September: Wilhelm Benner, Schuhmacher dahier mit Anna Hahn in Gundersheim. 6. Wilhelm Gotzen, Kaufmann in Wiekrath mit Emma Schul dahier. Karl Roth, Schneider dahier mit Elise Schmidt in Butzbach. 8. Julius Rosenbaum, Kaufmann dahier mit Rosa Löwenstein in Wieseck. 9. Otto Step⸗ mann, Eisenbahnbauunternehmer dahier mit Hermine Eberhardt in Hannover. Konrad Bellersheim, Kaufmann in Siegen mit Antonie Schad dahier. 10. Albrecht Schafft, Kaufmann in Genua mit Wilhelmine Windhaus dahier. Heinrich Löchel, Briefträger dahler mit Lina Rohn in Ruppertenrod. 11. August Fourier, Bahn⸗ arbeiter mit Marie Göbel dahier. 12. Christian Franz, Schutzmann in Darmstadt mit Elisabeth Bellof dahier. Heinrich Albach, Stationsassistent mit Eva Schmidt dahier. Eheschließ ungen. 7. September: Franz Seidel, Sattler mit Christine Noll dahier. August Rühl, Bureauvorsteher mit Margarethe Arnold dahier. Jacob Dany, Friseur mit Ottilie Lindenstruth dahier. Geborene. 3. September: Dem Universitätspro⸗ fessor Dr. Paul Drews e. S. 4. Dem Geschäftsführer Peter Kronenberg e. T. 5. Dem Dachdecker Friedrich Jörg e. S. 6. Dem Fuhrmann Karl Wolf e. T. 7. Dem Kaufmann Albert Scheel e. S. 8. Dem Feld⸗ webel Christoph Banse e. T. 9. Dem Dachdeckermeister Heinrich Schmall e. T. Gestorbene. 6. September: Stephanie Heintz e, geb. Pfaff, 83 Jahre alt, Witwe. 7. Kaspar Hoßfeld. 3 Monate alt. Rosa Langzettel, 11 Monate alt. Marie Kraft, geb. Schrimpf, 27 Jahre alt, Ehefrau 8. Christian Grünewald, 35 Jahre alt, Arbeiter. 9. Dorothea Kör⸗ bächer, geb. Nuhn, 52 Jahre alt, Ehefrau. 10. Wil⸗ helm Graf, 52 Jahre alt, Mechaniker. 12. Ludwig Mandler, 46 Jahre alt, Taglöhner. Sophie Balser, geb. Geismar, 46 Jahre alt, Ehefrau. FFFCCCC———T—T—T—T—T—T—T—T——... Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 10. September: Butter per Pfd. Mk. 1.20— 1.30, Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg. Gänsecier per St. 00—00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—8 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00—8.00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 7.00— 8.00. Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.75 bis 0.90, Hühner per St. Mk. 1.00— 1.50 Hahnen per Stück Mk. 0.70— 1.20, Enten per St. Mk. 2.00 bis 2.20. Gänse per Pfd. Mk. 00.0 0.00. Auf dem Fruchtmarkte in Limburg kosteten am 4. Sept. durchschnittlich 100 Kilo Weizen 13.91 Mk., Korn 10.21 Mk., Gerste 00.00 Mk,, Hafer 7.00 Mk., Erbsen 00,00 Mk, Letzte Nachrichten. Zum Attentat auf Mae Kinley erklärte nach der Frkftr. Ztg. Fürst Krapotkin in London, einer der bedeutendsten Anarchisten, die That Czolgosz sei ein gemeines Verbrechen und werde als solches behandelt werden; Czolgosz sei ein aufgeblasener sch, der bon der Natur und den Wirkungen seiner ine Ahnung habe Stadtrat Ka Wahl zum ht bestätigt roneten mit rgermeister. ken haben offtziell den ionalen Haager Schlichtung ihres beantragt. 1 0 nat Schiedsgerichts zur Konflikts mit England En e eee eee e ———————— ů ů S Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 37. 7 1 Turnerlied. Turner auf zum Streite[Wie zum Turnerspiele Tretet in die Bahn! Kraft und Mut geleite Uns zum Sieg hinan; Ja zu hehrem Siel Führet unser Spiel. Sieh'n wir in die Welt; Der gelangt zum Siele, Der sich tapfer hält. Männern, stark und wahr, Strahlt der Himmel klar. Nicht in fremden Waffen Auf denn, Turner, ringet, Schaffen wir uns Schutz; Prüft der Sehnen Kraft! Was uns anerschaffen[Doch zuvor umschlinget Ist uns Schutz und Trutz. Euch aus Brüderschaft. Bleibt Natur uns treu,[Großes Werk gedeiht Stehn wir stark und frei.[ Nur durch Einigkeit. Kriegerische Abenteuer eines Kriedfertigen. Erzählung von Hein rich Zschokke. 4(Fortsetzung) Ein siegreiches Treffen. „In der That,“ sagte der Lieutenant zum Kaiser Chaumigrem und mir, als wir am e Abend nach dem Abmarsch von der Berliner Landstraße unser Hauptquartier in einem elenden Dorfe genommen und die Posten ringsum aufgestellt hatten:„in der That operiere ich dem Kaiser Napoleon schon im Rücken.“ Er lächelte dabet mit wohlgefälliger Miene, die zu verstehen gab, er denke sich noch weit mehr dazu, als er sage. „Mag sein,“ sagte Chaumigrem:„wenn er uns morgen nur nicht auf unserm Rücken operiert!“— Es überlief mich eiskalt, denn ich dachte ganz natürlich auch an den lieben meinigen. Chaumigrems barbarischer Einfall gab uns Stoff zum Nachdenken. Wir schwiegen alle drei still. Plötzlich fuhren wir von unsern Sitzen auf, und standen steif und gerade, wie die Kerzen— denn im Dorfe fiel ein Gewehr⸗ schrie um den andern, und unsere Soldaten chrieen draußen:„Franzosen! Feinde! Alles heraus!“ Die Trommel wirbelte; die vier Trompeten schmetterten um die Wette. Chaumigrem war totenblaß. Ich, um mein höllisches Entsetzen zu verbergen, wütete in der Wirtsstube herum und rief:„Halloh! drauf los! brave Preußen, drauf los!“ und suchte die Thür— war aber, der Himmel weiß es, wie mit Blindheit geschlagen. Ich fand keine Thür; ich sprengte in der Angst der alten Wirtin die Schränke auf, und rief dabei mit immer höher steigender Stimme:„Preußen heraus! brave Preußen, verlaßt mich nicht!“— Die Wirtin lamentierte kläglich; die Kinder schrieen Zeter; Hund und Katzen sprangen flüchtend über Tisch und Stühle bis zum heißen Kachelofen hinauf. Die Verwirrung, dies Geschrei um mich her, vermehrte mein Grausen, denn ich glaubte nicht anders, als die Franzosen seien schon im Zimmer und spießten unbarmherziger Weise die Kinder. Wenn sich der Himmel nur dies einzige Mal meiner erbarmt, dachte ich, so will ich in meinem Leben nie wieder Generaladju— tant sein. Mein Toben und Lärmen, welches Karl der Große und sein versteinerter Chaumigrem, zum Glück für mich, ganz anders und sehr ehrenvoll für mich auslegten, flößte anch ihnen neuen Mut ein. Sie zogen die Degen, gingen zu den vor dem Hause versammelten Truppen hinaus, und ich folgte ihnen.— Ach wie wohl that mir's, da ich draußen in der Dunkel⸗ heit stand! nun sah mich niemand.— Ich konnte jetzt, wenn die Not am größten werden sollte, ungestört einen Moreau'schen oder Kenophontischen Rückzug machen. Ich bin nicht furchtsam, aber diesmal hatte mich doch ein panischer Schrecken unterjocht. Ohnehin bin ich von Natur des Abends etwas ängstlicher, als am Tage. „Adjutant vor, mit zwanzig Mann sogleich zum Kirchhof; dort ist unser Posten angegriffen! Wenn's nötig ist, schicken Sie her; und wir rücken mit Sukkurs nach. Bis jetzt ist's nur Postengefecht.“ So befahl mir der Lieutenant; zwanzig Mann setzten sich gegen den aus der grauen Dämmerung hervorschwebenden Kirchturm in Bewegung, und ich unglückseliger Magister bonarum artium mußte mit dem bloßen Degen voran. Plagt denn diesen Lieutenant da der Teufel? dachte sch: weiß er denn nicht mehr, daß ich zu Berlin im Dachstübchen wohnte? Allein es war genug, mir Mut zuzutrauen, und das Ehrgefühl gab mir ihn. Als wir den Kirchhof erreicht hatten, ward mir's plötzlich schwarz vor den Augen, denn wir rückten geradezu gegen eine alte Mauer, auf welcher dürres Gesträuch wehete. Ich aber hielt die Mauern für französische Truppen, die Strauchäste für Bajonette, sprang auf die Seite, und schrie mit Grausen, als sähe ich Gespenster:„Feuer! gebt Feuer!“ Erst beim Pulverblitz erkannten wir, daß wir einer ehrwürdigen Mauer das Treffen lieferten. „Pardon! Pardon!“ riefen aber im gleichen Moment mehrere Stimmen. Und sieben Mann leichter französischer Infanterie krochen unter der Mauer, wo sie sich verborgen hatten, hervor, und streckten vor dem Magister bonarum artium das Gewehr. Hätten die Narren geschwiegen, wir würden sie nicht bemerkt haben. Die Gefangenen wurden entwaffnet, gezählt, und ins Hauptquartier gebracht. Daß ich mit einigem Stolz vor Karl dem Großen beim Schimmer der Stalllaternen, Lampen und Kienspäne aufzog, läßt sich denken. Er umarmte mich vor der ganzen Armee, und sagte:„Herr Adjutant, Ihr Mut, Ihre Klugheit macht Ihnen Ehre. Ich werde Ihr Betragen bei dieser Affatre Sr. Majestät dem König aufs vor⸗ teilhafteste darzustellen wissen.“ Von unsern Gefangenen erfuhren wir nun, was ich aber auch schon auf dem Kirchhof wußte, daß eine Compagnie französischer leichter Infanterie bestimmt war, in das abgelegene Dorf einquartiert zu werden; daß sie sich jedoch auf der Stelle nach einigem Geplänkel zurück⸗ gezogen habe, da sie überrascht war, Preußen zu finden, und(wie die Feinde glaubten) in so großer Anzahl(vermutlich wegen der Menge unserer ausgestellten Wachen, und des Lärmens unserer Trommeln und vier braven Trompeter). Die sieben Gefangenen hatten sich zufällig zu weit vorgewagt. Ich ließ vor Freuden meine Weltüberwinder aufs beste bewirten, mit allem, was man hatte. Die Kerls freuten sich dankbar meines Schutzes, und es war mir dabei zu Mut, als müßte ich mich um den ihrigen bewerben. Denn als ich sie fragte, ob viel Franzosen in der Gegend herum wären? vernahm ich mit Schaudern, es sei ein ganzes Armeecorps unter Marschall Davoust von Sachsen aus im Zuge nach Berlin. Ichübersetzte diese Aussage meinen anwesenden Generalen. Karl der Große, entzückt über den Erstlings⸗ sieg seines Heeres, rieb sich beständig die Hände, und sagte:„Wetter! also operiere ich doch wirklich der französischen Armee im Rücken!“ Chaumigrem hingegen ward wieder bleich, und seine Augen wurden stier und kalt, wie Glasaugen. Zweites Treffen und dessen Folgen. Was mich bei meiner denkwürdigen Waffen⸗ that am meisten erquickte, war die Ueberzeugung, daß durch dieselbe keiner meiner Nächsten das Leben, nicht einmal einen Tropfen Bluts ver⸗ loren hatte. Freilich war dies nicht mein Verdienst. Das Verdienst aber der Feldherren in den Schlachten, wie in kleinen Treffen, scheint mir überhaupt zweideutig zu sein. Gering⸗ scheinende, oft 10 übersehene Ereignisse, der glückliche Einfall eines Korporals, das Bonmot eines Trommelschlägers, die zufällige Stimmung des gemeinen Mannes, wirkt gewiß oft mehr, als das Genie des Befehlshabers im großen Getümmel zum guten Ausgang. Ueberhaupft sind die Regimenter, Bataillons und Compagnien auf dem Schlachtfelde bei weitem nicht so ganz Maschine, wie man gewöhnlich zu glauben be⸗ Ich wünschte die Schlachten bei Mara. liebt. ton, Pharsalia, Marengo und Jena einmal 1 0 12 55 Allwissenden psychologisch beschrieben zu lesen. Als der Morgen graute, standen wir schon zum Aufbruch fertig. Es war sehr kalt; aber unser Imperator meinte, wir würden einen heißen Tag erleben. Die Bauern erzählten, daß ringsum alle Dörfer von feindlichen Truppen wimmelten. Im Kriegsrat war beschlossen, auf Holzwegen durch die Wälder zu defilieren. An Wegweisern fehlte es uns nicht. Kaum aber hatten wir das Dorf verlassen, so sahen wir vor uns in der Ebene von ver⸗ schiedenen Seiten her französische Truppen in schnurgerader Richtung gegen uns anrücken, selbst vom Walde, der uns aufnehmen sollte. Der Lieutenant⸗General ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Mit stoischer Ruhe stellte er sein Heer in Schlachtordnung. Der linke Flügel lehnte sich an eine Pfütze, der rechte an einen alten Nußbaum. „Kameraden,“ sprach er,„vergeßt heute nicht, daß ihr Preußen seid. Wir haben keine Fahne, aber seht auf den weißen Federbusch meines Hutes, er wird euch überall auf dem Weg des Ruhms vorschweben.“ Dieser Gedanke mahnte mich an Heinrich VI., der einmal unter minder mißlichen Umständen ein Aehnliches sagte. 5 „Können wir gegen die Uebermacht nicht, stegen, so können wir Preußen doch auch nie besiegt werden!“ fuhr er fort:„Das Schlimmste, was uns begegnen kann, ist, daß wir heute mit Zieten, Schwerin, Winterfeld und Friedrich dem Großen zu Nacht essen, statt in einem elenden märkischen Dorf.“ Kräftiger hätte Leonidas nicht zu seinen dem Tode fürs Vaterland geweihten Spartanern bei den Thermopylen gesprochen, als hier mein Karl der Große, welcher den lacedämonischen König, vielleicht ohne es zu wissen, sehr glücklich parodierte. Unsere Truppen schienen inzwischen den irdischen Speck, die Klöße und Rüben der Mark den Gastmählern im Elystum bescheiden vorzu⸗ ziehen. Ach, eine Brotrinde aus Friederikens Hand wäre mir auch köstlicher gewesen, als Ambrosia in Gesellschaft aller Helden der Vor⸗ welt. Es war ein schauerliches a die einzelnen französischen Kolonnen langsam über die Stoppelfelder heranrücken zu sehen. Von Zeit zu Zeit hörte man das Getöse ihrer Trommeln von fern. Ich saß sehr verlegen auf meinem Rosse unweit des Nußbaums, am rechten Flügel der Armee; alle Glieder bebten mir vor Frost. Dem guten Chaumigrem, der auf dem linken Flügel an der Pfütze, oder einem Weiher postiert war, wo seine vier Trompeter einen wahren Teufelslärm machten, mag auch nicht viel wärmer gewesen sein. Zum letztenmale vor Eröffnung des Blut⸗ bades kam Karl der Große zu mir hergesprengt. „Herr General-Adjutant, heute ist der 1 wo sich Ihr Genie auszeichnen wird!“ sagte er:„Aber ich bitte Sie um Gottes willen, überlassen Sie sich nicht dem Ungestüm Ihres Mutes allzusehr. Bleiben Sie immer besonnen. Falle ich im Treffen, so übernehmen Sie das Kommando. Der Feind ist zu stark. Werden wir geworfen, so ziehen wir ins Dorf hinter uns, und dem Nicht uns bis auf den letzten Mann auf dem Kirchhof.“ Damit sprengte er davon und ütkerließ mich Unglückseligen dem Ungestüm meines Mutes. Die Königin Elisabeth hatte unterdessen mit ihrem Wagen eine kühne Bewegung um die Pfütze gemacht, vermutlich einen dortigen Feldweg zu erreichen. Dies hinderte aber wahrscheinlich den grausamen Chaumigrem an allfaͤlligen Kavallerie⸗Evolutionen; denn er — ̃ ́ÜÄ————— in Sl e al die La lg tige f f le ge llc lng alauf duß zl Jeugu Walen, Aahal en M 0 andeke d S Selbstl Neat sisen Alshentl. gellärt fallen. flhert eb wi 0 er ihte Suite ic fin klärlid A i ein — —. macht nit sch auch l Schlimm wir heal id Friehrt ill eilen zu selt Spartasch 5 hier 1 dämonich chr glüch vischn f der Ad den bol Ftiederlt ewesel en der du auspiel, ngsan 1 cher, auen f Flüge bor Ju em Mi, ter il. af 0 Nr. 37. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. fluchte mörderlich, und zwang die weinende Marketenderin, mit ihrem Fuhrwerk vor der Fronte des ersten Treffens hinweg ihre Richtung gegen meinen Nußbaum zu nehmen. Dies zufällige Manöver entschied den be⸗ trübten Ausgang der Schlacht, noch ehe sie angefangen hatte. (Fortsetzung folgt.) Die Erziehung der Jugend im Interesse der Arbeiterklassr. Sehr oft wird in unseren Gewerkschafts⸗ wie auch in unseren politischen Zeitungen über die Lauheit, die Gleichgültigkeit der Mitglieder geklagt und jeder in der Arbeiterbewegung thätige und erfahrene Kollege weiß, wie schwer es hält, diesen gleichgültigen Vereinsmitgliedern auch nur einiges Interesse für ihre eigene Sache, ihre Lebensfragen beizubringen. Gar mancher wirtschaftliche Kampf oder Streik zur Verbesse⸗ rung der Lebenshaltung würde weit günstiger verlaufen, wenn die Kämpfenden sämtlich oder doch zum größten Teil gut geschulte und über⸗ zeugungstreue Mitglieder ihrer Gewerkschaft wären, die fest und unerschütterlich im Kampfe aushalten und auch dann, wenn sie nicht siegen, den Mut nicht verlieren. Da nun die Arbeiter, wie bei so vielen anderen Dingen, auch betreffs besserer Erziehung und Schulung ihrer Vereinsmitglieder auf die Selbsthilfe angewiesen sind, so möge es mir gestattet sein, meine Erfahrungen, meine An⸗ sichten über die so wichtige Frage:„Wann eigentlich diese Erziehung zu thatkräftigen, auf⸗ geklärten Arbeitern beginnen soll,“ hier mitzu⸗ teilen. Ich muß gestehen, es hat mich in früheren Jahren auch oft gewundert, daß selbst bei wichtigen Verhandlungen unseres Vereins so wenig Mitglieder es für nötig fanden, durch ihre Anwesenheit ihre Interesse zu bekunden. Seitdem habe ich andere Auschauungen gewonnen, ich finde die Interesselosigkeit der Arbeiter er⸗ klärlicher, wenn auch nicht entschuldbarer. Ausgehend von dem Grundsatze, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist und eine gesunde Seele wohnen kann, komme ich sofort zu der Frage:„Wieviel gesunde Menschen, beziehungsweise wieviel gesunde Kinder giebt es denn in der heutigen Zeit?“ Leider sehr wenige, es sind weit mehr Kinder, auch Erwachsene skrophulös und damit krankhaft veranlagt, als man für gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Die ärztliche Wissenschaft liefert uns den Beweis, daß nach Ausheilung mancher chronischer Leiden der Geheilte ein ganz anderer Mensch wird, namentlich bezüglich der Geistes⸗ und Seelenthätigkeiten. Eigenschaften wie Jäh⸗ zorn, Unverträglichkeit, Bosheit ꝛc. verschwinden oft mit der Krankheit, ebenso wird meistens das Temperament zum Vorteil geändert. Bei einem vollständig gesunden Menschen gehen alle Verrichtungen, auch jede Arbeit, mit Leichtigkeit ton statten, er hat keinerlei Schmerzen, keine Verdaunngsbeschwerden, Nervosität kennt er nicht und deshalb ist auch die Geistes⸗ und Seelenstimmung eine ganz andere als bei einem krankhaft veranlagten Menschen. Aus dem eben Gesagten ist die Lehre zu ehen, daß die Eltern weit mehr als bisher auf das körperliche Befinden, auf den Ge⸗ sundheitszustand ihrer Kinder Obacht geben müssen, und wenn sich bei dem einen oder dem anderen Kinde Krankheitszeichen einstellen, so muß frühzeitig der Rat und die Hilfe des Arztes eingeholt werden, man bedenke, daß der Organismus eines Kindes viel leichter in Ord⸗ rung zu bringen ist als der eines Erwachsenen. Die Eltern mögen nie vergessen, daß ein ge⸗ sunder Körper die Vorbedingung ist für ein gesundes und kräftiges Geistes⸗ und Seelenleben, die Vorbedingung zur Erreichung von Willenskraft, Energie, Ausdauer, cher auch der Selbstbeherrschung. Aufmerksame Eltern werden schon oft beob⸗ achtet haben, wie ihre Kinder bet ganz gleicher Jflege, bei gleicher Ernährungsweise doch ver⸗ shiedenartig gedeihen, geistig verschieden veran⸗ lugt sind. Während das eine Kind z. B. folg⸗ sem, freundlich, mitleidig verträglich ist, den Eltern gerne eine Freude macht, ist ein anderes Kind ungebärdig, streitsüchtig, eigennützig, es gönnt seinen Geschwistern nichts, es ist boshaft und schadenfroh und alle Ermahnungen der Eltern, auch Züchtigungen helfen nur sehr wenig. Man wird mir ja nun entgegenhalten, daß diese verschiedenartige Veranlagung der Kinder zum Teil die Folge der vererbten Eigen⸗ schaften der Eltern, des weiteren die Folge der Erziehung sei. Ich gebe dies zu, aber ist denn damit eine genügende Erklärung über die Ent⸗ stehungsursachen der guten und auch der ver⸗ werflichen Eigenschaften des Menschen gegeben? Durchaus nicht, selbst die beste Erziehung, das beste Beispiel sind nicht im Stande, alle Kinder zu brauchbaren Menschen heranzuziehen, wenn nicht zugleich auch auf den Körperzustand die nötige Rücksicht genommen wird. Ein großer Teil unserer Aerzte vertritt offen diese Ansicht; die Anstellung von Schul⸗ ärzten zur Ueberwachung des Gesundheitszu⸗ standes der Schulkinder ist eine unbedingte Notwendigkeit, damit der thatsächlichen Ueber⸗ bürdung der Schulkinder mit oft recht über⸗ flüssigen Aufgaben ein Ziel gesetzt wird, denn diese geistige Ueberanstrengung der Kinder er⸗ zeugt oft genug einen krankhaften Zustand des ganzen Körpers; Blutarmut, nervöses Wesen, unbeständiger Charakter sind die Folgen, die sich meistens fürs ganze Leben geltend machen. Es wird doch gewiß niemand im Ernst bestreiten wollen, daß eine tägliche Arbeitszeit der Volks⸗ schulkinder von sechs Stunden zu lang sei, da⸗ mit ist es aber noch nicht gethan, die Kinder bekommen noch so viel Aufgaben mit nach Hause, daß sie nochmals mindestens eine Stunde darauf verwenden müssen, um auch diese zu erledigen. Wenn für Erwachsene eine acht⸗ stündige Arbeitszeit genügend sein soll, wie kann man denn von Kindern sechs bis sieben Stunden anstrengende geistige Thätigkeit ver⸗ langen? Daß es unseren Gegnern, dem Unternehmer⸗ tum, sehr lieb wäre, wenn sie es mit lauter energie- und willenlosen Arbeitern zu thun hätten, das wissen wir; die Arbeiterklasse be⸗ darf aber zur Ausführung ihrer Kämpfe, wie ich anführte, tüchtig geschulter Kräfte, um eine Verbesserung ihrer Lebenslage zu erringen. Sie hat leider bis jetzt noch keinen Einfluß auf die Zusammenstellung des Lehrplanes, des Lehrstoffes in den Volksschulen, desto mehr ist es aber Pflicht der Arbeiter, durch die Gesetz⸗ gebung, durch ihre Thätigkeit in den Ge⸗ meinde⸗ und Schulverwaltungen, dahin zu wirken, daß die Schule nicht zur Schädigerin der Gesundheit ihrer Kinder werde. Der Ein⸗ fluß der Volksschule auf unsere Jugend ist gar zu oft nicht von guten Folgen begleitet, weil so vieles, was in der Schule gelehrt wird, im Widerspruch mit der Wissenschaft steht und auch vor der historischen Geschichtsforschung nicht bestehen kann. Die Folgen dieser Lehren kom⸗ men erst nach der Schulentlassung zum Aus⸗ druck und zwar meistens so, daß die Entlassenen mit sich selber in geistige und seelische Wider⸗ sprüche geraten, weil sie gar bald einsehen müssen, daß es im wirklichen, im öffentlichen Leben denn doch ganz anders aussteht und zu⸗ geht, als es in der Volksschule gelehrt wurde. Diese jungen Menschen im Alter von 14 bis 15 Jahren stehen nach meinen Erfahrungen auf einem sehr schwierigen und gefahrvollen Wendepunkt ihres Lebens, die Lebensbahn führt auf gute und auf schlechte Wege und nunmehr kommt es ganz besonders darauf an, welcher Umgebung, welcher Gesellschaft diese jungen Leute anvertraut werden. Jetzt ist aber auch der Zeitpunkt gekommen, wo die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen durch vernünftige Belehrung der mit ihnen in Gemeinschaft ar⸗ beitenden jungen Männer und jungen Mädchen deren ganzes Wesen vorteilhaft beeinflussen, ihr Geistes⸗ und Seelenleben so bilden können, daß es sich später zum Besten der Allgemeinheit bethätigen wird. Gutes Beispiel geben und Bethätigung echter Moral sind aber die Vor⸗ bedingungen zur Erziehung unseres Nachwuchses zu tüchtigen, entschlossenen, willensstarken Mit⸗ menschen. Wenn z. B. in einer Werkstatt während der Essenspausen nur davon gesprochen wird, wie man sich gut amüsiert hat und wieder 15 amüsteren will, so werden sicher die Lehr⸗ inge, die diese Gespräche mit anhören, niemals gute, tüchtige Gewerkschaftsmitglieder werden, denn der Sinn, der Hang zum Schwärmerischen, zum frühzeitigen Lebensgenuß wird in ihnen großgezogen. Die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen werden also genötigt sein, ihre Worte wohl zu überlegen, ihr ganzes Wesen, ihre Handlungs⸗ weise gegenüber den Lehrlingen so einzurichten, daß der Geist dieser befähigt wird, das wirk⸗ liche Leben mit seinen Kämpfen und Leiden, aber auch seinen Freuden kennen zu lernen. Allmähliche Weckung des Solidari⸗ tätsgedankens, des Zusammengehö⸗ rigkeitsgefühls, des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse zu gemeinsamem Handeln, all die Anregungen werden gute Früchte tragen und der junge Mann sowie das junge Mädchen wird mit der Zeit begreifen, daß es ein Leben ohne Kampf nicht giebt und die wahren Helfer in der Not wir selber sein müssen. Somit ist zugleich der spätere Eintritt in die Gewerkschaft in den meisten Fällen gesichert, wir werden aber auch auf die von mir gekenn⸗ zeichnete Weise mit der Zeit mehr tüchtige Partei⸗ und Gewerkschaftsmitglieder erhalten als wir sie jetzt haben. H. in dem„Tabak⸗Arbeiter.“ Ein FKresser. Ungeheuerliche Mengen Speisen vertilgte der kürzlich verstorbene ehemalige ungarische Minister Szilagy t. Man sagt, daß er im Durchschnitt täglich 30 Gulden verspeiste, denn er war im Stande, ein Menu von zehn Gängen zu sich zu nehmen, diese solide Unterlage mit ein, zwet Flaschen Champagner zu begießen und dann immer noch mächtige Portionen von Schinken und Aufgeschnittenem gleichsam zum Nachtisch aufzuessen. Der Schreiber dieser Zeilen, sagt das„Budapester Volksblatt“, hatte vor ungefähr fünf Wochen Gelegenheit, Szilagyt auf der Margareteninsel speisen zu sehen. Das Menu begann mit drei Portionen Krebssuppe, einem Riesenfisch und einem mächtigen Stück Beef mit allerlet Gemüse und Zuthaten. Dann kamen eine Schüssel mit Bairisch Kraut, zwei Torten und eine förmliche Waggonladung Obst. Hterzu trank er zwei Glas Bier, eine Flasche Weißwein, eine Flasche Pommery und zum Kaffee zwei oder drei Gläschen Pfefferminz⸗ Uiqueur. Den Schluß macht eine gigantische Zigarre. Szilagyi saß lange bei Tisch und machte dann einen Verdauungsspaziergang. Mit Vorliebe speiste er im öffentlichen Restaurant des Nationalkasinos. Was gut und teuer war, ließ er sich auftragen, obwohl er eigentlich auf Fleischspeisen das Hauptgewicht legte. So ließ er einmal drei Rostbraten nacheinander bereiten und verspeiste dieselben mit viel Grazie und Zuthaten. Dann machte er mit seinem alten Freunde Dr. Neuhoffer einen Spaziergang längs der Donau und wendete sich mit einem Male an denselben:„Höre, Alter, ich verspüre einigen Appetit. Ich möchte noch was essen.“ Das war gegen Mitternacht, darum bemerkte Neu⸗ hoffer, daß jedes Restaurant schon geschlossen wäre. Szilagyi besann sich da, daß in der Kecskemetergasse ein gutes bürgerliches Restau⸗ rant bis Mitternacht geöffnet zu sein pflegte. Sie begaben sich also dorthin, da aber nichts Warmes mehr vorhanden war, nahm Szilagyi mit„etwas“ Schinken und Salami vorlieb. Er zahlte für die Kleinigkeit sechs Gulden— das entspricht fünfzehn Portionen Schinken. Lesefrüchte. Wer zu den wahrhaft Bevorzugten gehört, erhält seine Präpotenz über die Menge nur dadurch, daß er dieser Menge gegenüber eine noch größere Menge vertritt: die Menschheit. Mb. Hamerling. * Wir müssen den Mut haben, alles in Frage zu stellen, an allem zu zweifeln, wenn wir zur Gewißheit der Wahrheit kommen wollen. Milton. Seite 3. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 37. Gr SSer AUSVUERR AUT wegen Verkauf eines Hauses. and, Möbel, Zerten, Spiogel, Dvans, Sophas u. Polsterwaxen verkaufe von hente ab zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. 15 0 1 Möbelgeschäft, Raplansgasse. H. CU. Werner. Sonntag, den 15. u. Montag, den 16. September Kirchweihfest Steinberg wozu ergebenst einladet Schmandt Wwe.,„Zum grünen Baum“ Für gute Speisen und Getränke sowie gutbesetzte 1 Taunzmufik ist bestens gesorgt. Frisch geschlachtet. Fi A 150 5 A 5 1.— 1. Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung L 98 des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulfcher, zu heißer oder* kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebensweise ein 7 8 5. 8 Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ Keiner tag uns beehrenden Käufer ver- schmerzen, schwere„ 6558 Ver⸗ * Was 2 re,„ wer macht agenleiden, wie: äßt unbefriedigt unsere Geschäfts⸗ 5 schleimung ö 90 räume. Es findet Jeder bei der gebotenen 5 zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen * großartigen Auswahl alles nur Wünschens⸗. bessen vorzügliche beilsame Wirkungen schon sett vielen Jahren werte. Auch haben wir, um Jedermann auf oecrprobt sind. Es ist dies das bekannte. N 0 Wenn den 1 N 08 die Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der zinrichtung getroffen, die Zahlungsweise 8 Irieh's 4 1 leg, Gerten, erfüllbar zu stellen. n i Hubert UIrich'che Kräuter-Wein. Eleg. Herreu⸗ und Kuaben⸗ Garderobe... bDieser Kräuter- Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig Damen ⸗Confection, wie: Kragen,; befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet. und Capes usw.— Gr. Lager in Möbeln, f kdlcärtt und belebt den ganzen Verdaunngsorganismus Betten, Polsterwaren, Manufactur⸗ 5 des Menschen, ohne ein Jchführungsmittel zu sein. waren, Uhren, Kinderwagen, 55 Kruräuferwein beseitigt alle Störungen in den Bluk⸗ Spiegelu usw.. befäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, 5 kraußmachenden Htoffen und wirkt fördernd auf die Neu- bildung gesunden Blutes. 25 Durch rechtzeitigen Gebrauch des räuter⸗Weines werden Magenübel metst schon im Keime erstickt. Man sollte also a nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzen⸗ den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp⸗ S N e e— tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen, Bläh- 5 8 F 5 ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft Tüchtiges 5 nach einigen Mal Trinken beseitigt. 0 und deren unangenehme Folgen F 1 E D 25 E. 15 8 20 5 Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Koliksehmer- a e I 8 zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Mämorrheidalleiden) 4 55 werden durch Kräuter-Wein rasch und gelind beseitigt. . en u k ania vom Lande gegen guten Lohn Kräuter⸗Wein dehebt sedwede Unverdaulichkeit, verleiht * aufs Land gesucht. 5 dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch . 5 Von we agt die Exp. d. Blattes.! einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen Sonntag, den 22. September, findet unser diesjähriges e 5 ue edermen. Hau tagentur ageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, . 22 5 5 Eniträftung ae eee — N 1 U HN 98 F einer eingeführten Feuerver⸗ ö 8 haften Zustandes ber Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, l, att. Anfan achmittags r. 7 e Gr 5 0 echen oft solche Kranke langsam dahin. äuter⸗Wein . e e 5. Incasso wird überwiesen. Ge⸗ C 1 bah e e 8 räuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verda f Zu zahlreichem Besuche ladet ein eignete Bewerber, welche das Ge⸗ und Ernäbrung, regt den Stoffwechfel kräftig an, peschleunigt D Vorstaud schäft erfolgreich ausdehnen und und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven er orstand. ev. Kaution stellen können, wollen Innd schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Off. sub. B. W. 241 an! 3 2. 5 dees sesese sees es steln 8 Vogler, A. G., Fel Kräuter Wein ist zu haben in laschen furt a. M. einreichen. Mek. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ 2„ G3 ie sie von der N den, Butz⸗ 2 Wegen Umzugs S ee e e e ela, eil, 1.50 p. Pfund, aussort. nur kl. Fed. u. 2 22 8 75 2 von Grünbergerstraße nach meinem Neubau Daunen 2.00, etwas kl. u bunte 11 Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, d 8 3e nach meinem gceubar(zwisch. dies. 3 Sort. ist hin u. wied. eine 0* 5 0 5 Rz. 1 25 drauß, Berben N g Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. g 2 4 b A 8 anz kl. weiße, vollda erchen 1 3 Au Ar UF 2 8— aS Se Ae ee eee 5 Auch versendet die Firma„Hubert Ulrich, Leigzig j 2.. fast Daune, 3.50. Gerissene Fed., grau, Weststrasse 82“, 3 u. U. mehr Flaschen Kräuterwein zu Ori- 2 verkaufe, um mit meinem Lager zu räumen, 68 1415 balbweiß 2.50, weiß 2.18, 8.60. 3.50, 8 gtnalpretsen nach allen Orten Deutschlands porto- u. kistefrei. 2 5 schneew. 4.00, schneew., sehr daunig, 4.50. 1— 8 8 wird w t. zu jedem annehmbaren Preise e dee, e eee eee 2 2 s 8 prima 5.50. Ehines. Entenfed. 0,75, 85 5 el 2 1.00, Halbdaune 1.50, 1.75. Daune 2.50. Hubert Ullrieh'senen Kräuter- Wein. 988 Achtungsvoll Jede Waare wird in mein. Fabrik saub. 25 Mein Kräuter⸗Weln ist kein Geheimmittel; seine Bestandteile 7 0 2 2 gereinigt, daher vollkommtrock. klaru.“ sind Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glpcrin 100,0, Roth 0 Emil Kalb e 1 stanbfrei. Unbedingt reell u preisw. wein 240,0. Ebereschensaft 150,0, Kirfchsaft 320,0, Fenchel 8 05 Jährl. Umsatz ca. 3000 Etr. Garantie: Ants, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, 2 g 2 Zurücknahme. Für Bettstosse n. fertige almuswurzel Aa 10,0. Bildhauer. Betten Preisliste extra. Krohn, B N . Lehrer Alt-Reetz(Oderbruch). 8 2E 1 5 Segel οοοο 8 1 N Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießer Verantt. Redakteur: F. N. Vetters, Gießeu. Druck von E. Oitmanus Druckerei. Gießen. d. Austt Huch e Ech