2 2 ö 4 2 * e q 51% rden, E Nr. 28. den Völkern auferlegt. Fortwährende Rüstungen ungelöst bleiben. 0 militaristische System ganz entschieden. auch außerhalb der Sozialdemokratie fehlt es en D h A 500000 der aktiven Armee angehören, die übrigen 1 15 Kinder. An einen Ersatz durch auswärtige 0 oder zum Mindesten wäre die Situation auch 14 Staaten sich hüten würden, ihre Wehrpflichtigen jeher bekämpfte deshalb unsere Partei das das System aufzutreten— das wäre ja vater⸗ Gießen, Sonntag, den 14. Juli 1901. 8. Jahrg l Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. N Mitteldeuts che Nedaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr * Abounementspreis: Die Mitteldeutsche SonntagsZeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Diurch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 33 D Inserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespa lt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung Bet mindeste ns / und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabat. 3 70 * Der Zukunftskrieg. 1 Ungeheuerlich sind die von Jahr zu Jahr steigenden Lasten, die der Militarismus zehren beinahe die letzten Kräfte aller Nationen auf, während die notwendigsten Kulturaufgaben Naturgemäß empfindet die besitzlose Klasse diese Opfer am drückendsten; von Aber nicht an Leuten, die mit wachsendem Bedenken den immer höheren Anforderungen für die „Verteidigung des Vaterlandes“ gegenüberstehen. Sprechen doch selbst so monarchisch gesinnte und königstreue Staatsbürger wie der Teutone Köhler, Bürgermeister und antisemitischer Reichstags⸗ und Landtagsabgeordneter, von Belästigungen und Schädigung der Volksinteressen durch den Militarismus! — Wenn die„guten“ Bürger aber hier und da auch murren, so wagen sie doch nicht, gegen landslos— vielmehr zahlen sie seufzend und sagen sich: wir brauchen das Riesenheer zur Sicherheit des Reiches. 5 Diese Sicherheit ist uns jedoch trotz der Millionen⸗Armee noch lange nicht garantiert. Selbst ein siegreicher Krieg dürfte den wirt⸗ schaftlichen Ruin des Volkes zur Folge haben. Das wird in einer Abhandlung des be⸗ kannten Militärschriftstellers Rudolf Krafft, die vor einiger Zeit in der wissenschaftlichen Revne„Neue Zeit“ erschien, sehr einleuchtend dargelegt. Nachdem der Verfasser die Mann⸗ schaft der verschiedenen Aufgebote berechnet, kommt Krafft zu dem Schlusse, daß im Kriegs⸗ fall folgende Mannschaften zur Verfügung stehen: Stehendes Heer 1117970 Mann Landwehr ersten Aufgebots 663578„ Landwehr zweiten 1. 688640„ Ausgebildeter Landsturm. 562322 Summa 3027510 Mann Denken wir uns nun den höchst wahrschein⸗ lichen Fall, daß das stehende Heer und die beiden Landwehraufgebote, also rund 2500 000 Mann, unmittelbar nach der Kriegserklärung zugleich mobilisirt werden. Da hiervon nur aber dem werkthätigen Volke entnommen werden, so würden der Produktion mit einem Schlage zwei Millionen erstklassige Arbeits⸗ kräfte entzogen. Die Folgen wären un⸗ übersehbar. Namentlich für die Landwirt⸗ schaft müßte nach Umständen eine furchtbare Katastrophe hereinbrechen. Erfolgt nämlich die Kriegserklärung in den Monaten unmittelbar vor der Ernte, so würde es unmöglich werden, die letztere hereinzubringen. Die meisten der jüngeren Bauern und Bauernknechte wären beim Heere und somit blieben für den Schnitt, das Trocknen und Einfahren des Getreides nur mehr ältere Männer, kränkliche Knechte, Frauen und Arbeiter wäre nicht zu denken, denn entweder stünden unsere Nachbarstaaten selbst im Kampfe im übrigen Europa derart gespannt, daß diese über die Grenzen zu lassen. Kann aber der Landwirt die Ernte oder einen größeren Teil derselben nicht unter Dach bringen, so bedeutet das für ihn, sofern er nicht zu den relativ wenigen, die über ein großes Kapital verfügen, gehört, den Bankrott. Er ist dann nicht mehr im Stande, sein Vieh zu erhalten, er muß es daher verkaufen und damit wird es ihm auch unmöglich, im Herbst die Felder neu zu bestellen. Ein schwerer Krach wird auch im Hand⸗ werk nicht ausbleiben. Von den kleineren Handwerkern werden sehr viele ihre Geschäfte schließen müssen, weil sie entweder selbst der Einberufung zu gehorchen haben oder nicht mehr genug Gehilfen erhalten können. Dann kommen noch die Inhaber kleiner Läden ꝛc., die schon in normalen Zeiten äußerst unsichere Existenzen vorstellen und kaum das tägliche Brot finden. Dazu gesellen sich noch die Bankerotte, die auf industriellem Gebiet eintreten werden, und zwar weniger wegen Arbeiter mangels als wegen des Stillstandes des Exports. Eine weitere bedenkliche Seite einer Mobili⸗ strung bildet die Beschlagnahme der Eisenbahnen durch die Truppentransporte. Im Jahre 1870 waren zur Beförderung von 440 000 Mann 1205 Züge mit 115 000 Achsen nötig. Mögen sich inzwischen auch die Eisen⸗ bahnen, und was für die Mobilmachung noch viel mehr heißen will, auch die Geleise vermehrt haben, so hat doch die Armee in viel größerem Maße zugenommen. Auch ist der Train des Heeres durch verschiedene Neuerungen(Fessel⸗ ballon, Telephon, Maschinengewehre, Schnell⸗ feuergeschütze, Haubitzbatterien ꝛc.) gewachsen. Es wird also der Transport des mobilen Heeres die Eisenbahnen auf Wochen für sich allein beanspruchen. Nun können aber die deutschen Großstädte bekanntlich ohne Zufuhr von außen nicht leben. Da aber das haupt⸗ sächlichste Beförderungsmittel für diese Zufuhr von den Truppen mit Beschlag belegt ist, so muß in den Großstädten eine rapide Preis⸗ erhöhung gerade der unentbehrlichsten Lebens⸗ mittel die Folge sein. Diese Teuerung wird um so furchtbarer wirken, als die Ernährer sehr vieler mittelloser Familien einberufen und daher die letzten nur auf äußerst kärgliche Ein⸗ nahmen angewiesen sind. Daß diese Verhältnisse zur ausgesprochenen Hungersnot in den ärmeren Schichten führen werden, ist durchaus nicht ausgeschlossen. So wird denn die Mobilmachung allein schon unsäglichen Jammer und furchtbare Not verursachen. Wenden wir uns nun dem eigentlichen Kriege selbst zu, und zwar zunächst den Schwierigkeiten der Verpflegung moderner Heere. Um einen Maßstab zu gewinnen, müssen wir hier feststellen, welche Quantitäten für Truppenkörper von bestimmter Größe nötig sind. Die„Felddienstordnung“ für die deutsche Armee giebt uns da eingehenden Aufschluß, und zwar in der Anmerkung zu Ziffer 444, wo sie sagt:„Der Tagesbedarf wird bei wenigstens mittlerer Beschaffenheit des Viehes etwa gedeckt für das Bataillon durch zwei Ochsen oder fünf Schweine oder achtzehn Kälber. Gegend ist namentlich das Rind erheblich minder⸗ wertig, daher kann etwa die doppelte Zahl erforderlich werden.“ Da das Bataillon im Kriege ungefähr 1000 „„In schlechter Mann hat, so können die obigen Angaben für je 1000 Mann überhaupt gelten. Daraus aber kann man schließen, welche Massen von Vieh nötig wären, um ein Heer von 2500000 Mann oder gar von 3 Millionen ständig mit frischem Fleisch zu ernähren. Wollte man diese Armee zum Beispiel mit Rindfleisch verköstigen, so brauchte man an einem einzigen Tage auch bei guter Quolität des Viehes 5000 bis 6000 Ochsen! Woher sollen wir denn diese Tiere nehmen, auch wenn wir siegreich sind? Aus dem gegnerischen Lande? Hier wird nicht viel zu holen sein, weil der ebenfalls millionen⸗ starke Gegner die vorhandenen Vorräte auf seinem Rückzuge schon aufgezehrt hat. Dann aus Deutschland selbst? Da dieses nicht einmal im Frieden seinen Fleischbebarf produzieren kann, wird es im Kriege dazu noch weniger im Stande sein. Und ob der Viehimport aus unseren Nachbarstaaten während eines Krieges funktio⸗ niert, ist sehr fraglich. Aber auch wenn es gelänge, das Vieh aufzutreiben, so würde es doch unmöglich sein, die Tiere den Armeen nachzuschicken. Die Eisenbahnen hätten dann nichts mehr zu thun, als Ochsen, Schafe, Schweine ꝛc. zu befördern. Weiter fällt noch ins Gewicht, daß die Bagagen der Truppen an sich schon ungeheuer groß sind und nicht auch noch durch besondere Viehherden vergrößen: werden dürfen. Namentlich bei Heereskörpern, die sich in der Bewegung befinden, ist jede Ver⸗ mehrung der unumgänglich nötigen Bagage eine Kalamität. Ein zweiter Artikel soll die verheerenden Folgen eines modernen Krieges weiter ausein⸗ andersetzen. Das Gesetz, betreffend die Gewerbegerichte. Wie wir in der vorigen Nummer mitteilten, hat der Bundesrat die Gewerbegerichts-Novelle angenommen. Damit sind die vom Reichstage beschlossenen Abänderungen Gesetz geworden und treten am 1. Januar 1902 in Kraft, Die neueren Bestimmungen sind von Wichtig⸗ keit; die hauptsächlichsten seien in Fo lgendem angeführt.. f Zunächst wurde folgender neue§ 1a ein⸗ gefügt: Für Gemeinden, welche nach der jeweiligen letzten Volkszählung mehr als 20000 Einwohner haben, muß ein Gewerbegericht errichtet werden. Die Landes⸗Zentralbehörde hat erforderlichen⸗ falls die Errichtung nach Maßgabe des 8 1 Abs. 5 anzuordnen, ohne daß es eines Antrages beteiligter Arbeitgeber oder Arbeiter bedarf. Der Absatz 5 des§ 1 lautet: Die Errichtung kann auf Antrag beteiligter Arbeitgeber oder Arbeiter durch Anordnung der Landes⸗Zentralbehörde ersolgen, wenn un⸗ geachtet einer von ihr an die beteiligten Ge⸗ meinden oder den weiteren Kommunalverband ergangenen Aufforderung innerhalb der gesetzten Frist die Errichtung nicht erfolgt ist. Ferner erhält der§ 3 Abs. 1 folgende Fassung: a 1 Die Gewerbegerichte sind ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes zustän dig für Streitigkeiten: 1. über den Antritt, die — A 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Fortsetzung oder die Auflösung des Arbeits⸗ verhältnisses, sowie über die Aushändigung oder den Inhalt des Arbeitsbuches, Zeugnisses, Lohnbuches, Arbeitszettels oder Lohnzahlungs⸗ buches; 2. über die Leistungen aus dem Arbeits⸗ verhältnisse; 3. über die Rückgabe von Zeug⸗ nissen, Büchern, Legitimationspapieren, Urkunden, Gerätschaften, Kleidungsstücken, Kautionen und dergleichen, welche aus Anlaß des Arbeitsver⸗ hältnisses übergeben worden sind; 4. über An⸗ sprüche auf Schadenersatz oder auf Zahlung einer Vertragsstrafe wegen Nichterfüllung oder nicht gehöriger Erfüllung der Verpflichtungen, welche die unter Nr. 1 bis 3 bezeichneten Gegen⸗ stände betreffen, sowie wegen gesetzwidriger oder unrichtiger Eintragungen in Arbeitsbücher, Zeugnisse, Lohnbücher, Arbeitszettel, Lohnzah⸗ lungsbücher, Krankenkassenbücher oder Quit⸗ tungskarten der Invalidenversicherung. Außerdem wird dem 8 5 folgende Vorschrift als Absatz 2 hinzugefügt: 5 Schiedsverträge, durch welche die Zuständig⸗ keit der Gewerbegerichte für künftige Streitig⸗ keiten ausgeschlossen wird, sind nur dann rechts⸗ wirksam, wenn nach dem Schiedsvertrage bei der Entscheidung von Streitigkeiten Arbeitgeber und Arbeiter in gleicher Zahl unter einem Vorsitzenden mitzuwirken haben, welcher weder Arbeitgeber oder Angestellter eines beteiligten Arbeitgebers noch Arbeiters ist. Die Befugnisse des Gewerbegerichts als Einigungsamt sind erweitert worden. Es sind nach dieser Richtung hin folgende neue Paragraphen eingefügt worden: § 62a. Erfolgt die Anrufung(als Eini⸗ gungsamt) nur von einer Seite, so soll der Vorsitzende dem anderen Teile oder dessen Stellvertretern oder Beauftragten Kenntnis geben und zugleich nach Möglichkeit dahin wirken, daß auch dieser Teil sich zur Anrufung des Einigungsamts bereit findet. § 62 b. Auch in anderen Fällen soll der Vorsitzende bei Streitigkeiten der im§ 61 be⸗ zeichneten Art auf die Aurufung des Einigungs⸗ amtes hinzuwirken suchen und dieselbe den Beteiligten bei geeigneter Veranlassung nahe legen. § 62. Der Vorsttzende ist befugt, zur Ein⸗ leitung der Verhandlung und in deren Verlauf an den Streitigkeiten beteiligte Personen vorzuladen und zu vernehmen. Er kann hierbei, wenn das Einigungsamt gemäß§ 62 oder§ 62a angerufen worden ist, für den Fall des Nichterscheinens eine Geldstrafe bis zu ein⸗ hundert Mark androhen. Gegen die Festsetzung der Strafe findet Beschwerde nach den Bestim— mungen der Zivilprozeßordnung statt. Eine Vertretung beteiligter Personen durch deren allgemeine Stellvertreter(§ 45 der Gewerbe— ordnung), Prokuristen oder Betriebsleiter ist zulässig. § 10 bestimmt, daß als Beisitzer nur berufen werden soll, wer das 30. Lebensjahr vollendet und in dem Bezirke des Gerichts seit mindestens zwei Jahren wohnt oder beschäftigt ist. Per⸗ sonen, welche zum Amt eines Schöffen unfähig sind, können nicht berufen werden. —. V eee eee eee Politiche Rundschau. Gießen, den 11. Juli. Fürst Hohenlohe, der frühere Reichskanzler starb in der Frühe des 6. Juli in dem Schweizer Bade Ragaz, wo er zur Kur weilte. Er erreichte ein Alter von 82 Jahren. Seine diplomatische Laufbahn begann damit, daß er im Jahre 1866 nach Beendigung des deutschen„Bruderkrieges“ in seiner Eigenschaft als erbliches Mitglied der Kammer der baierischen Reichsräte den An⸗ schluß Baierns an Preußen und Stellung der süddeutschen Kontingente unter Preußens Führung forderte und auf dieses Programm hin vom Könige von Baiern zum Minister des Auswärtigen ernannt wurde. Zunächst setzte er gegen den Widerstand der Klerikalen die Zolleinigung der süddeutschen Staaten mit Preußen durch. Von Anfang an bethätigte er sich als Gegner der Bestrebungen des Klerika⸗ lismus. Er war es, der seit der sechziger Jahre die Anregung gab zum Vorgehen gegen die Jesuiten und zu dem Versuch, zunächst alle katholischen Mächte Europas zur gemeinsamen Abwehr des von Seiten des Vatikanischen Konzils drohenden Angriffs zu bestimmen. Als jedoch die Neuwahlen zur baierischen Kammer 1869 eine Majorität der Ultramontanen ergaben, gab er seine Entlassung. Im Jahre 1874 an Stelle Arnims zum deutschen Botschafter in Paris ernannt, bekleidete er diesen Posten mit kurzen Unterbrechungen bis 1885, wo er als Nachfolger Manteuffels zum Statthalter von Elsaß⸗Lothringen ernannt wurde. In dieser Stellung erwies er sich, den Ansichten und Wünschen der Reichs⸗ regierung entsprechend, als ein echter und rechter Diktator. Besonders gegen die mißliebigen Preßorgane und Vereine ging er rücksichtslos diktatorisch vor. Seine„Versöhnungs-Politik“ war im Reichstage oft Gegenstand scharfer Kritik. Nach Caprivi's Sturz im Jahre 1894 wurde der damals schon 75 jährige Mann Reichs⸗ kanzler. Als solcher war er dazu verurteilt, die berüchtigte Umsturzvorlage, die das Sozialistengesetz ersetzen sollte, einbringen zu müssen. Auch mit dem Einbringen der Zuchthausgesetzvorlage genügte er dem eisernen Muß. Er selbst hat nie einen Zweifel gelassen, daß er seine„Verantwortlichkeit“ als Reichskanzler dahin auffaßte, die ihm zuge⸗ wiesene Rolle zu„ertragen“, dem Willen höherer Macht zu gehorsamen.— Die Agrarier mochten ihn nicht leiden, weil er Neigung bekundete, die Caprivi'sche Handelsvertragspolitik innezu⸗ halten. Sein Rücktritt erfolgte, als es sich darum handelte, den verfassungswidrigen Kosten⸗ aufwand für die China⸗Aktion im Reichstage zu rechtfertigen. Junker und Kleinbauern. Welch' gutes Herz die Junker für die Kleinbesitzer auf dem Lande haben, das zeigte sich bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahre 1896, wo sie erklärten, das„gauze große patriotische Werk“ eines einheitlichen bürgerlichen Gesetz⸗ buchs für das ganze Reich scheiter n zu lassen, wenn in dasselbe die Verpflichtung aufgenommen werden würde, den Schaden, den die Hasen der Großen den Gärten und Feldern der Kleinen zufügen, zu ersetzen. Wie wenig übrigens die Interessen des Kleinbesitzes und Großbesitzes harmonieren, das zeigt die Thatsache, daß 25000 Großgrund⸗ besitzer fast den vierten Teil des deutschen Grund und Bodens in Besitz haben; daß 280,000 bäuerliche Großgrundbesitzer fast ein Drittel des gesamten Bodens besitzen, und daß diese 305,000 Grundbesitzer zusammen 54 Prozent, also 8 Prozent mehr an Grund und Boden innehaben als 5¼ Millionen Bauern. Warum haben die 300000 soviel mehr als die 5 Millionen? Haben sie etwa aus Liebe zu den„Kleinen“ den Besitz des Bodens an sich gerissen, damit sich die Bauern mit seiner Bearbeitung nicht herumzuplagen brauchen? Nein, den Acker bestellen dürfen sie, aber der Nutzen fließt zum größten Teile den Groß⸗ grundbesitzern zu. Reichskanzler Fünrst Hohen⸗ lohe rechnete am 29. März 1895 im Reichs⸗ tage vor, daß von 15 Millionen von einer Erhöhung der Getreidezölle keinen Nutzen, sondern Schaden hätten. Nur 1/ Millionen Besitzer, welche allerdings fast zwei Drittel der gesamten deutschen Anbaufläche besitzen, haben als vom Reiche unterstützte Reichsbettler großen Corteil von den Getreidezöllen, die weit über 50 Millionen anderer Menschen im gieiche, die Konsumenten, einschließlich der kleinen Landbesitzer, haben den allergrößten Schaden davon. Nur kein Arbeiterschutz! Daß die Mehrheit der Unternehmer der Fabrikinspektion durchaus nicht grün sind, ja ein guter Teil sie für eine höchst überflüssige Einrichtung hält, ist bekannt. Wo immer ge⸗ wissenhafte Gewerbeinspektoren bemüht waren, die schlimmsten Mißstände zu beseitigen und etwas im Interesse des Arbeiterschutzes zu thun, haben sie sich den Haß des Unternehmertums zugezogen, das ihnen Schwierigkeiten aller Art Dafür haben wir schon öfters Bei⸗ bpereitete. spiele angeführt. Jetzt sind unsere Schwarz⸗ wälder Genossen in der Lage, das folgende „vertrauliche“ Schreiben der Handelskammer Villingen, das gegen den verdienstvollen badischen Fabrikinspektor Dr. Wörrishoffer gerichtet ist, dem Vorwärts zuzusenden: Aus Fabrikantenkreisen unseres Bezirks sind seit längerer Zeit Klagen über das Verfahren der Beamten der Großh. Fabrikinspektion in Aus⸗ übung ihres Berufes zu unserer Kenntnis gekommen— über Auftreten derselben in Fabrikräumlichkeiten, Auf⸗ lagen bezüglich Schutzvorrichtungen, Abhaltung von Arbeiterversammlungen und geheimen Sprechstunden für die Arbeiter ꝛe. Um ein umfassendes Urteil über den Umfang und die Berechtigung solcher Klagen zu gewinnen, beschloß die Handelskammer in ihrer letzten Plenarfitzung, bei den hauptsächlich in Betracht kommenden Firmen geeignete Umfrage zu halten. 0 Wir bitten Sie, demgemäß uns innerhalb vier Wochen gefl. mitteilen zu wollen, ob Sie ebenfalls Klage zu äußern haben und bejahendenfalls uns dieselbe mög⸗ lichst ausführlich nach jeder Richtung hin mitteilen zu wollen. Wir sichern Ihnen bezüglich Namensnennung strengste Diskretion zu und bitten auch Sie, die Angelegenheit vorläufig als eine vertrauliche behan⸗ deln zu wollen.“ Aus dem von dem Präsidenten und Sekretär der Handelskammer unterzeichneten, hetzerischen Schreiben geht wenigstens mit der nötigen Deutlichkeit hervor, in welcher trefflicher Weise Herr Dr. Wörrishoffer sein schwieriges Amt ausübt. Er ist in der That ein Anwalt der Arbeiter. Darum ist freilich auch der blind⸗ wütige Haß der Arbeitgeber, dessen er sich zu erfreuen hat, zu verstehen.— Abermals ein Nichtbestätigter. Zum Bürgermeister von Berlin wählten die Berliner Stadtväter den Stadtrat Kauf⸗ mann. Ihm wurde jedoch die kaiserliche Bestätigung versagt, weil er, wie es heißt, in früheren Jahren wegen freisinniger Wahl⸗ agitation seinen Abschied als Landwehroffizier erhalten hatte. Der Fall erregt um so mehr Aufsehen, da das Ministerium die Bestäti⸗ gung Kaufmanns befürwortete, der Kaiser persönlich habe jedoch die Bestätigung abgelehnt. Das Recht der„Selbst verwaltung“ der Stadtgemeinden tritt in diesem Falle allerdings in eigentümlicher Weise zu Tage. Aber auch die Autorität des Ministeriums und besonders die des Reichskanzlers erfährt dabei eine schwere Erschütterung und bei wirklich konstitu⸗ tionellen Zuständen wäre seine Abdankung unausbleiblich. Die„Berl. Volkszeitg.“, das mutigste und fortgeschrittenste bürgerliche Blatt im Reiche fragt: Wie wird sich das Bürgertum Berlins, vor allem dessen Vertretung zu dieser neuesten Belehrung stellen? Wird sie wieder und wieder danach eifern, für höfisch⸗ militaristische Schaustellungen am Brandenburgerthor Spalier zu stehen? Die Rückkehr des Grafen Walder see bietet prächtige Gelegenheit. Wird sie fortfahren, in demütigen Huldigungsadressen zu ersterben, wenn irgend die Möglichkeit vorliegt, ihrerseits der wahren Stimmung des Bürgertums Ausdruck zu geben? Eisiges Schweigen wäre die mindeste Antwort würdiger Selbstachtung. Wird man den Mut haben, den Mann wieder zu wählen, dem diese Rückweisung zuteil geworden ist und so den Mut zu bekunden, daß man seine eigene Meinung hat und eine solche nicht nach der gleichberechtigten des Kaisers modelt?“ Das Blatt scheint das Bürgertum noch etwas höher einzuschätzen, als wir das auf Grund von Erfahrungen können. Zum Militärprozeß in Gumbinnen wird berichtet, daß den beiden Rechtsanwälten, die im ersten Prozesse die Verteidigung führten, denen sie aber dann vom Gerichtsherrn entzogen wurde, durch Beschluß des Oberkriegs⸗ gerichts wieder übertragen worden ist. Das ist als eine Richtigstellung der Maßnahmen des Gerichtsherrn anzusehen.— Ferner soll die Versetzung des Hauptzeugen für die Anklage, des Dragoners Skopek, in ein anderes Regiment Ne. 28. ä—— deirtz fh fahren der n in Aut: nnen eien, Auf Wallung 8 geheimen infang d a, beshloß szung, beg en geeignet halb bier falls gage eselbe mög⸗ nittellen zu cusnennung 9 Sie, die che behan⸗ 1 n.. 0 auf Veranlassung des kommandierenden Generals ginnen. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. kürzlich erfolgt sein.— Die Verhandlungen vor dem Berufungsgericht sollen am 18. Juli be⸗ Als den„vornehmsten Rock“ „ bezeichnete Wilhelm II. den Rock des Garde⸗ regiments zu Fuß in einer Rede, die er am . Sonntag gelegentlich des Eintritts seines zweiten Sohnes in dieses Regiment hielt. Anutisemitische Gemeinheit. Von jeher leisten die Antisemiten in nieder⸗ trächtigster Verleumdung und Beschimpfung ihrer politischen Gegner das denkbar Stärkste. Was aber die antisemitische„Wiener⸗Ztg.“ in ihrer Wut über den Wahlsieg unsers Ge⸗ nossen Adler an Gemeinheiten bietet, überragt Sekrelir ezerischen nötigen her Meise ges Amt kwalt der er blind⸗ er sich zu ter. wählten t Kauf- kaiserliche es heißt, r Wahl⸗ hroffizer so neht e Beftäl⸗ er Kaiset gelehnt. ng“ del lerdings lber auch besonders e schwele onstitl⸗ bdankung 9.“ daß he Blatt vor allen mg feilen! für höfish⸗ küurgerth Baldersez fahren, enn ige Stimmult cel achtung wieder. n in . Menu güte ds 5 c ell und lll innen wwöltl 1 alles, was man bisher selbst von dieser Sorte Meuschen gewohnt war. Dieses Schandblatt schreibt: i f „Von den einfachen Mitteln der Wahl⸗ beeinflussung bis zum offenen Stra⸗ ßenraub haben die Sozialdemokraten und ihre Helfershelfer geleistet, was nur zu leisten war. Doch damit nicht genug, setzten sie noch einen neuen Trick in Szene, der hier⸗ mit allen Geistesverwandten der Sozialdemo⸗ kraten empfohlen, für alle Zeiten aber zur Schmach und Schande dieser Partei, die Thron, Altar und Familie den Tod ge⸗ schworen hat, festgenagelt sei: Dutzende von„Priesterinnen“ der freien Liebe, von denen ein Teil als Insassinnen eines in der Novaragasse unschwer aufzufindenden Hauses festgestellt wurde, wurden mit der bekannten Talmi⸗ Eleganz aufgeputzt und in Fiaker gesetzt, um säumige Wähler für Dr. Adlers Wahl zu— interessieren. Mit was für Mitteln diese Dirnen es dahin gebracht haben, die Wahlberechtigten zu überzeugen, daß der Jude Adler der richtige Vertreter für den Bezirk Favoriten sei, das weiß außer den „Beteiligten“ nur mehr die Polizei, welche mehrere dieser Hetären abfing und ihnen ihr sauberes Handwerk zumindest für die Dauer des heutigen Tages legte. Die Arbeiter aber, welche von ihrem sauer erworbenen Verdienst zu den verschie⸗ denen sozialdemokratischen Fonds beizusteuern gezwungen sind, müssen es wissen, wohin ihre Arbeiterkreuzer gewandert sind. Billig sollen die„Pensionsvorsteherinnen“ aus der Novaragasse ihre lebende Ware nicht„außerdienstlich“ weiter geben. Einem künftigen Sueton möge es vorbehalten sein, dieses Schandkapitel aus der Geschichte sozial⸗ demokratischer Korruption festzuhalten! Für die Bundesgenossen der Sozialdemokraten muß es aber ein erhebliches Gefühl sein, Schulter an Schulter mit diesem weiblichen Abschaum der Menschheit gekämpft zu haben für den Juden Adler, in einer Reihe gestanden zu sein, mit öffentlichen Schand⸗ dirnen, als es galt, den Antisemiten ein Mandat zu entreißen.“ Andere Organe dieser sauberen Partei brachten ähnliche Schandartikel; die Rüpel der„Deut⸗ schen Zeitung“ waren aber allen ihren würdigen Kollegen„über“. Die Wiener„Arb.⸗Ztg.“ hat darauf den Burschen, der die agitierenden Ge⸗ nossinnen und die verschiedenen Damen aus der bürgerlichen Frauenbewegung, die sich ihnen angeschlossen hatten, so lausbübisch verleumdete, laut und öffentlich für einen ehrlosen Schuft, für einen niederträchtigen Lump erklärt, bedauert, daß sie seinen Namen nicht wisse, um ihn öffentlich an den Pranger zu schlagen und ihn aufgefordert, sie zu verklagen. Anderen Tags haben sich dann Frau Baronin b. Langenau und Genossin Schlesinger, die die Beteiligung der Frauen an der Wahlagitation in die Wege geleitet hatten, in die Redaktion Der„Deutschen Zeitung“ begeben, um den Schuft zu stellen. Nachdem der Chefredakteur Dr. Wähner die erste Verblüffung über den Besuch überwunden, schrie und tobte er wie besessen über den„Skandal“, daß eine Dame bon adeliger Geburt für die sozialistische Partei agitiere. Der Rest war namenlose Feig⸗ heit. Herr Wähner und seine Redakteure er⸗ klärten ein⸗ über das anderemal, es werde ja in jenem Artikel gar nicht von den agitierenden Frauen gesprochen, es seien—„andere“ ge⸗ meint gewesen. Wenigstens hatte das mutige Vorgehen der beiden Frauen den Erfolg, daß sie den Namen des Zeitungsstrolchs erfuhren, der diese Ehrlostgkeit beging: Schäffer heißt der Edle! Man kann sich denken, daß unsere Genossen in Oesterreich Manches überwinden müssen im Kampfe mit solchem ekelhaften Lumpenzeug. Zwar geben unsere„Urteutschen“ ihren öster⸗ reichischen auch nichts nach. In einer Be⸗ sprechung der Wahl Adlers giebt beispielsweise das Offenbacher Antisemitenblatt, das Organ des Herrn Hirschel— der bekanntlich so wenig wie sein wiedergewonnener Freund Böckel es als schimpflich für einen antisemitischen Agitator ansieht, wenn er für jüdische Berichterstatter Artikel gegen Bezahlung liefert— einige duf⸗ tende Schimpfblüten. Nachdem es herausge⸗ rechnet hat, daß bei der Wahl ein— Rück⸗ gang der Sozialdemokrakie zu verzeichnen ist, schmäht es die sozialdemokratischen Wähler als Lumpenproletarier und den Vorwärts als„ver⸗ worfenes Blatt.“ Man sieht, sie suchen ihre schmutzigen Vorbilder von der Donau möglichst getreulich zu kopieren. Eine andere Gemeinheit und Tölpelei des Offenbacher Antisemiterichs sei bei dieser Ge⸗ legenheit festgenagelt. Hirschel und Co. erzählen ihren rückständigen Lesern, daß unser Münchner Parteiblatt im Parteibetriebe erscheint und geifern: „Der Geschäftsführer heißt natürlich Cohn. Eine seiner ersten Thaten war, Setzmaschinen auzuschaffen, wodurch eine große Anzahl Schriftsetzer brotlos werden.“ Erstens wird in unsern Parteidruckereien An⸗ schaffung von Maschinen ꝛc. von der Vertre⸗ tung der Parteigenossen beschlossen, der Ge⸗ schäftsführer hat also dabei nichts weiter zu „thaten“; zweitens brauchte bei der erfreulichen Entwickelung des Geschäfts kein Setzer entlassen zu werden.— Gleichgültig, verbrennt den Juden, wie kann er sich erlauben Maschinen einzustellen! Etwas anderes ist's, wenn ein Großagrarier landwirtschaftliche Maschinen einstellt! Jeden⸗ falls stellen die Antisemiten ihre Blätter mit der Handpresse her und lassen ihre Typen nach alter Sitte aus Holz schneiden— aus purer Arbeiterfreundlichkeit. S Krieg in Südafrika. Buren⸗ Bosheiten. Am 4. Juli wurde ein von Pietersburg kommender Zug, fünf Meilen von Naboonsspruit, von Buren in die Luft gesprengt. Ein Offizier, elf Soldaten, ein Lokomotivführer, ein Heizer, ein Schaffner und vier Eingeborene, wurden getötet. Dies ist der erste Fall dieser Art auf der nörd⸗ lichen Linie. Pietersburg liegt ca. 300 Klm. nordwärts von Pretoria. Englische Verluste. Die amtliche Ver⸗ lustliste verzeichnet an Getöteten, Verwundeten und Vermißten für den Monat Juni 171 Offiziere, 731 Mann. Seit Beginn des Krieges sind gefallen und an Krankheiten verstorben 16717 Offiziere und Mannschaften. Also sieb⸗ zehntausend Tote kostet bis jetzt der Buren⸗ krieg auf englischer Seite. Noch größer dürfte die Zahl der völlig dem Siechtum Anheimge⸗ fallenen sein. f In einem Berichte Kitcheners über die aus⸗ geführten Operationen heißt es, daß die Buren Unterstützung von seiten der Kapholländer er⸗ hielten. Sowohl Lebensmittel als auch Re⸗ kruten erhielten die Buren von dieser Seite geliefert, ebenso würden ihnen Mitteilungen über die Bewegungen der Engländer. Konferenz sozialdemokratischer GGemeinde⸗ vertreter Hessens. Die vom Landeskomité einberufene Gemeinde⸗ vertreterkonferenz, die am Sonntag im Offen⸗ bacher Saalbau stattfand, war äußerst zahlreich besucht. Etwa 100 Vertrauensleute und Ge⸗ meindevertreter waren anwesend. Nachdem Genosse Ulrich die Erschienenen herzlichst be— grüßt hatte, gab er bekannt, daß nach den dem Landeskomité zugegangenen Mitteilungen in Hessen sozialdemokratische Gemeindevertreter vorhanden sind im Kreise Mainz 7, Gießen 20, Darmstadt 39 und im Offenbacher Kreise 66. Sodann erstattete Ulrich das Referat über „Programm und Organisation der sozialdemokratischen Gemeinderäte in Hessen.“ An der Hand des vom Landes⸗ komite veröffentlichtengommunalprogramm⸗ entwur fs besprach er eingehend die Aufgaben, die unsern Genossen in den Gemeindevertretungen zufallen. Bei dem Programm handele es sich nur darum, eine Richtschnur zu schaffen; eine Schablone könne aber nicht festgelegt werden. Anklammern an das einzelne Wort sei nicht nötig, das Programm müsse den Genossen ge⸗ nügend Bewegungsfreiheit lassen, den Verhält⸗ nissen in den Gemeinden gerecht zu werden. Eingehend erörterte Redner die Frage der Be⸗ teiligung an den Bürgermeisterwahlen. Mit Recht sage Gen. Cramer, man solle einen Versuch machen, man werde aber keine geeigneten Kandidaten finden.— Dem Referat folgte eine sehr eingehende Diskussion. Tiefel⸗ Mainz sprach sich wie später Genosse Krumm⸗ Gießen bezüglich des Oktrois dahin aus, daß man dort, wo keine andere Deckung vor⸗ handen sei, schrittweise vorgehen müsse. Cra⸗ mer⸗Darmstadt spricht für Beteiligung an den Bürgermeisterwahlen. Nach längerer Verhand⸗ lung faßt die Konferenz folgenden Beschluß: „Die sozialdemokratische Partei des Landes hat keine Ursache mehr, sich der Ausübung des Wahlrechts zu dem Bürgermeister⸗ und Beige⸗ ordnetenamt zu enthalten. Es ist deshalb im Entwurf die Beteiligung an diesen Wahlen, unter der Voraussetzung, daß nur tüchtige und prinzipienfeste Männer zu Kandidaten bestimmt werden, aus⸗ gesprochen und bei der nächsten Landeskonferenz die Aufhebung des sogenannten„Mainzer Beschlusses“ zu beantragen.“ Nach weiterer Durchberatung des Programm⸗ entwurfes schloß Genosse Ulrich gegen 3 Uhr mit Dankesworten an die Erschtenenen.— Die Beschlüsse bedürfen natürlich der Bestätigung durch die Landeskonferenz, die am 1. Sept. in Offenbach stattfindet. Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Eubmissionswesen in Hessen. Ueber diesen Gegenstand wurde neulich der „Köln. Ztg.“ geschrieben:„Das hessische Finanz⸗ ministerium beschäftigt sich mit einem Gesetz⸗ entwurf über das Submissionswesen; es will die Klagen über die Art der Vergebung, die Zuschlagserteilung und die sogenannten Mittel⸗ preisverfahren einer besonderen Prüfung unter⸗ ziehen. Dem Handwerkerstand will man dabei eine gewisse Mitwirkung sichern und besonders dahin wirken, daß bei größeren Unternehmen die selbstausführenden Handwerker und nicht die Generalunternehmer bevorzugt werden. Erklärungen nach dieser Richtung wurden in der Plenarsitzung der hessischen Handwerks⸗ kammer gemacht und mit lebhafter Freude auf⸗ genommen.“ Die Maßnahmen der hessischen Regierung bewegen sich seit einiger Zeit in einem erfreulichen Gegensatze zu der Politik der meisten deutschen Bundesstaaten. Aber ob diese hier in Aussicht gestellten, gewiß ganz gut gemeinten Bestimmungen geeignet sind, das Handwerk zu„heben“, muß bezweifelt werden. Leichenschau in Hessen. Bisher liegt die Leichenschau auf dem Lande gewöhnlich in den Händen von Handwerkern. Das Ministerium, Abteilung für Gesundheits⸗ pflege, hat nunmehr in einem Rundschreiben an die ärztlichen Kreisvereine befürwortet, daß — — Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 28. die Leichenschau nur approbierten Aerzten ge⸗ stattet sein solle, die dazu eidlich verpflichtet sein müssen. Ferner wird in dem Schreiben vorgeschlagen: Jeder approbierte Arzt kann aber auch auf seinen Antrag zur Ausstellung von amtlichen Todeszeugnissen verpflichtet werden. Ferner muß jede Gemeinde durch besonderes llebereinkommen mit einem oder mehreren Aerzten rechtzeitig die Vornahme der Leichenschau sicher⸗ stellen, es ist aber auch zulässig, daß sich mehrere Gemeinden zu einem Leichenschaubezirk vereinigen. Die Verpflichtung der approbierten Aerzte zur Leichenschau hat auf Grund einer Dienstanwei⸗ sung zu erfolgen; dieselbe wird den Aerzten hauptsächlich zur Pflicht machen, neben der Feststellung des eingetretenen Todes, solchen Befunden, welche etwa in strafrechtlicher, itäts⸗ polizeilicher und statistischer Beziehung on In⸗ teresse sind, Aufmerksamkeit zuzuwenden und das weitere Erforderliche zu veranlassen. Gießener Angelegenheiten. E. K. Berichtigung. In Nr. 26 dieses Blattes tadelten wir, daß die städtischen Be⸗ hörden dem Maurermeister Abermann die Frist für Fertigstellung städtischer Arbeiten, aus Rücksicht auf den vorjährigen Maurerstreik, verlängert hätten. Herr Bürgermeister Mecum teilt uns nun mit, daß dies nicht der Fall set; ein dahingehendes Gesuch des Herrn A. sei von Herrn Gnauth direkt abschlägig beschieden und die Einziehung der Kaution an⸗ gedroht worden. Daß diese Androhung nicht ausgeführt werden konnte, habe seinen Grund darin, daß seitens des städtischen Bauamts die benötigten Spezialpläne nicht rechtzeitig hätten geliefert werden können und Herr Aber⸗ mann also auch nicht regreßpflichtig gemacht werden konnte. Wir haben also den Herren Gnauth und Wolff Unrecht gethan und bedauern dies; hoffen und wünschen wollen wir aber, daß das Stadtbauamt nicht durch ein Krähwinkler Land⸗ sturm⸗Tempo bei Fertigstellung seiner Pläne unschuldige Leute in falschen Verdacht bringt; mißtrauischere Leute wie wir möchten solches sonst, wie in diesem Falle, als Unterstützung des Unternehmertums ansehen. — Die„Renovation“ der alten Burg am Kanzleiberg hat man schon seit einiger Zeit in Angriff genommen. Ein großer Teil des Gebäudes ist bis auf den Grund niedergelegt. Dabei zeigt sich, daß die alte Ruine total ver⸗ fallen, das Gebälk durchweg verfault ist. Der reine Schutthaufen! Anstatt die alte Bude ein⸗ fach niederzureißen und an seine Stelle ein nütz⸗ liches Gebäude hinzustellen, werden Hundert⸗ tausende in geradezu sinnloser Weise mit der Renovation“ verplempert! Wie wollen die bewilligenden Stadtverordneten eine solche Ver⸗ geudung der Steuergroschen verantworten? Die Gießener Bäckergesellen, die fast sämtlich schon seit längerer Zeit sich dem Bäckerverbande angeschlossen haben, unter⸗ breiteten ihren Arbeitgebern am Montag ver⸗ schiedene Forderungen, deren wichtigste die auf Abschaffung von Kost und Logis beim Meister darstellt. Die verlangten Lohnsätze sind fol⸗ gende: Für Schieße Mk.; Teigmacher 24 Mk.; dritte und vierte Gehilfen 21 Mk. r. Woche. Außerdem werden in Bezug auf Einhaltung einer geregelten Arbeitszeit sowie Waschgelegenheit verschiedene, sehr berechtigte Forderungen gestellt. Die bis zum Donners⸗ ag Mittag erbetene Antwort der Meister lautete schroff ablehnend, die am selben Tage stattgefundene Versammlung der Gesellen be⸗ schloß, alles zu thun, um eine gütliche Regel⸗ ung der Angelegenheit herbeizuführen und ordnete eine Kommission ab, die versuchen sollte, eine Unterredung mit der Meisterver⸗ tretung zu erlangen. Diese hat denn auch stattgefunden; die Meister verlangten, die Forderungen sollten ermäßigt und von neuem eingereicht werden. Dem sind die Gehilfen nachgekommen und es muß nunmehr das Weitere abgewartet werden. Eine Verständigung ist nicht ganz aussichtslos. Wie wir hören, haben sich die Meister bei 300 Mk. Konventional⸗ strafe verpflichtet, keine Bewilligung eintreten zu lassen. Nur ein Geschäft hat die Forder⸗ ungen anerkannt.— Bezeichnend ist, daß ein Meister(Weber) seinen beiden Gehülfen kündigte, weil sie dem Verbande angehörten. Derartiger Terrorismus erschwert natür⸗ lich eine Verständigung. — Innungsmeister Löber auf dem Kriegspfade. In einem am Montag er⸗ schienenen„Eingesandt“ im„Gieß. Anz.“ sagt Herr Löber, daß unser Bericht über die Generalversammlung der Ortskrankenkasse ihn gehässig angegriffen habe und bestreitet, gegen die Resolution betreffend das Ersuchen an. die Stadtbehörde wegen Beseitigung der Mißstände im Krankenhauswesen gesprochen zu haben. Herr Löber irrt. Wie aus dem„Eingesandt“ des Gen. Beckmann sin der heutigen Nr. d. Bl. hervorgeht und auch von anderer Seite be⸗ stätigt wurde, hat er sich allerdings gegen den Antrag gewendet, indem er erklärte, die Stadt sorge genügend für die Kranken, er giebt ja auch selbst diese Redewendung zu. Erst als der Vertreter der Aufsichtsbehörde den Antrag empfahl, hat er seine Meinung geändert und wenigstens nicht dagegen gestimmt.„Seine Darstellung ist also unrichtig, irreführend. Uebrigens wäre es seine Pflicht als Stadt⸗ verordneter und Vorstandsmitglied der Kasse gewesen, das Möglichste zur Beseitigung der thatsächlich vorhandenen Mißstände zu thun. Für die mit dem Umbau der„alten Burg“ verpulverten Summe hätte man ein Kranken⸗ haus bauen können. Und hat Herr Löber nicht auch zu dieser Forderung genickt? Sein Auftreten wegen der zwei Stunden Versäum⸗ nis eines Kassengehilfen ist gradezu kläglich. Glaubte er in dieser Beziehung etwas nicht in Ordnung, so war es seine Pflicht, die Sache im Vorstande zur Sprache zu bringen; warum denn diese Haupt⸗ und Staatsaktion wegen einer solchen Bagatelle? Warum soll ein Kassengehilfe nicht einmal eine Stunde vom Dienst wegbleiben dürfen, noch dazu wenn er das Versäumte einholt? Herr L. war bei der Geschichte eben der Gescho bene seiner Innungs⸗ kollegen, er vertrat damit deren Interessen und nicht die der Kasse. Er sollte sich weniger zum Werkzeug Anderer gebrauchen lassen! Seinen Mannesmut kann er vielleicht an anderen Stellen nötiger gebrauchen, als daß er ihn dazu verschwendet, einem armen 1 7 1 von Kassengehilfen etwas am Zeuge zu flicken. Wieseck. Unter sehr zahlreicher Beteiligung wurde am Dienstag Nachmittag der Genosse Ludwig Rohr⸗ bach, Buchdrucker, zu Grabe getragen. Er wurde am Sonntag Mittag im besten Mannes⸗ alter— 38 Jahre— von einer heimtückischen Krankheit hinweggerafft. Seiner hochbetagten Mutter, die erst vor kurzem eine verheiratete Tochter durch den Tod verlor, wird allgemeine Teilnahme entgegengebracht; außerdem betrauern die Witwe nebst zwei Kindern seinen Verlust. Am Grabe sang die Gesangsabteilung des Turnvereins, der vollzählig seinem Mitgliede die letzte Ehre erwies, ein Lied, während im Namen des Buchdruckerverbandes und des Per⸗ sonals der Brühlschen Druckerei Kränze nieder— gelegt wurden. Aus Friedberg. Zur Stadtverordnetenwahl. Alle Arbeiter und Genossen werden aufgefordert, sich innerhalb dieses Monats in die Listen zur Stadtverordnetenwahl eintragen zu lassen. Die Anmeldung hat mündlich und persönlich auf der Bürgermeisteret zu geschehen. Wer das versäumt, kann später nicht an der Wahl teil⸗ nehmen. Das gilt namentlich für alle Diejenigen, die schon früher an der Wahl teilgenommen haben und nun meinen, sie brauchten sich jetzt nicht zu melden. Nur Diejenigen, die Orts⸗ bürger sind, das heißt, die ihr Feuereimergeld an die Stadt entrichtet haben, brauchen nicht hinzugehen. Da auch hierbei leicht Mißver⸗ ständnisse vorkommen können, wird es gut sein, wenn jeder hingeht. Betreffs der Wahlbe⸗ rechtigung sei bemerkt, daß jeder, der am 1. April 1900 2 Jahre hier in Friedberg war und seit diesem Tage zur Steuer herangezogen ist, wahl⸗ berechtigt ist, es sei denn, daß er Baier oder Elsaß⸗Lothringer ist oder das genügende Alter nicht be sitzt. Im Zweifelsfalle wird von Gen. Busold Auskunft erteilt. J. Eine Blüte des Submissions⸗ wesens. Als im vorigen Jahre die Anstreiches, arbeiten in unserer renovierten Stadtkirche ver⸗ geben wurden, da fiel ganz besonders die hiesige Firma Gebr. Ferber durch ihr ungemein billiges Angebot auf, sie erhielt denn auch die Arbeit. Allgemein war man überzeugt, daß für diesen Preis die Arbeit nicht gemacht werden könnte. Trotzdem führte die genannte Firma die Arbeit aus und zwar schon vor einem Vierteljahre zur Zufriedenheit der Bauleitung. Als aber kürzlich die Einweihung war und der Gottes, dienst beendigt, da wurden viele sofort gewahr, daß die Arbeit auch nicht mehr wert sei, als sie gekostet hatte. Fast sämtliche Besucher waren mit ihren Kleidern auf den Bänken hängen geblieben und viele haben auf ihren guten Kleidern ein dauerndes Andenken zurückbehalten. Wir bemerken nur noch, daß es dieselbe Firma ist, über deren Zustände im Geschäft schon unser Frankfurter Parteiblatt berichtete und deren Inhaber, als kürzlich einem kleinen Meister mit einer unbedeutenden Arbeit ein Aehnliches passierte, allerorts ausposaunten, was dem Manne passierte und prahlten, daß sie Anderer verpfuschte Arbeit in Ordnung bringen müßten, Wetzlar. th. Am Donnerstag in den ersten Morgen⸗ stunden brach in der allgemein bekannten„Metz burg“ Feuer aus, das in kurzer Zeit das Ge⸗ bäude vollständig zerstörte. Wegen der hohen Lage des Anwesens war es fast unmöglich Wasser beizubringen, und so mußten die Lösch⸗ versuche erfolglos bleiben. Nur weniges Mobiliar konnte gerettet werden. Entstehungsursache ist unbekannt. * Die Bäckergehilfen Wetzlars he absichtigen ähnliche Forderungen, wie ihre Gießener Kollegen au ihre Arbeitgeber zu stellen“ Nach dem„Wetz.⸗Anz.“ hätte eine Versammlung der Bäckermeister in Wetzlar beschlossen, die Forderungen abzulehnen. Natürlich, die alte Geschichte! Sie lehnen auch die bescheidensten Forderungen ihrer Arbeiter ab, wenn diese nicht durch stramme Organisation und festen Zusam⸗ menschluß bessere Arbettsbedingungen erkämpfen, Ohne dies wird auch die Mahnung des„W.“ Anz.“, Entgegenkommen zu zeigen, keinen Ein⸗ druck auf die Bäckermeister machen. u. Wahrhaft„nationale“ Thätigkeit entfaltet der hiesige„Flotten verein.“ Auf der Tagesordnung seiner Generalversammlung am Donnerstag steht:„Wahl eines Vor sitzenden.“ Vorher findet aber ein„ein faches Abendessen“ zu Mk. 2.— das Ge⸗ deck statt. Jedenfalls wird der Vorsitzende der sich beim Essen am leistungsfähigsten ge zeigt hat. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. Parteiversammlung. Vor nur mäßig besuchter Versammlung sprach am Samstag Gen. Vetters über„die Sozialdemokratie und ihre Gegner.“ Seine Ausführungen wurden mit Beifall aufgenommen. In der sehr ar⸗ regenden Diskussiond rückte Gen. Haberland sein Einverständnis mit dem Referat aus und er⸗ gänzte die Ausführungen des Gen. Vetters.— Im Weiteren fand eine Neuwahl zweier Mit⸗ glieder zur Kolportagekommission statt und ferner wurde beschlossen, regelmäßig allmonatlich eine Parteiversammlung abzuhalten. St. Marburg, 10. Juli 1901. — Schwurgericht. In der am Frei tag, den 5. ds. stattgefundenen letzten Sitzung der diesjährigen Sommer⸗Schwurgerichtsperiod gelangte die von fünf Gisselberger Burschen an einem hiesigen Dienstmädchen verübte Gewalt] that zur Aburteilung. Drei von ihnen erhieltei je 1½ Jahre, einer 5 Monate Gefängnis während der fünfte(ein erst 15 Jahre alten 2——————— 2 ort gewah in f sucher wan ken häng shren gut rückbehaltg eselbe Firn t schon un und den inen Meist n Aehnlich „„ was de z sie Anden igen müßte sten Morge unten„Mit geit das G. en der hohe st unmögl, en die Löst, iges Mobllh Icsursache“ vetzlars h. „ wie ih ber zu stell gersammlun schlossen, l. ich, die al bescheidense un diese ll feen Zu en 957 0 II 1 I 1 „ en 600% . ee Thätigle rein.“ N bersanmll ines V, 10 ein 1 0 2 das F Norske, hen arburg or lr am En zaulbencte 10 1 ul Nr. 28. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. Bursche) freigesprochen wurde. Die Oeffentlich⸗ keit war während der Verhandlung ausgeschlossen. — Bündlerische Arbeiterfreundlich⸗ keit. Am vergangenen Samstag fand in Frohnhausen(M.⸗W.⸗B,) eine Versammlung des Landwirtschaftl. Kreisvereins Marburg statt, nach deren Beendigung eine Besprechung über das Unfallversicherungsgesetz herbei⸗ geführt wurde. Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Gutsbesitzer Schlabach-Stedel⸗ bach, bemerkte, daß die Beiträge der ländlichen Arbeitgeber zur Unfallversicherunskasse abermals um 10 Proz. gestiegen seien. Es würde vielfach zu leichtfertig gehandelt und von den Aerzten oft geringfügige Unfälle als erheblich hingestellt. Es dürfe bei Unfällen leichterer Art nicht so „entgegenkommend“ gegen die Arbeiter verfahren werden.(1) Rut h⸗Bellnhausen meinte, die Sache(jedenfalls die Unfallversicherung) sei für die Aerzte eine gute Milchkuh. Man könne es ihnen aber nicht sagen, daß sie zu entgegenkommend seien uw. Weiershäuser⸗ Wehrshausen meinte, der Arbeitgeber müsse selbst eine bessere Kontrolle üben. Er ist dafür, daß eine Kommission(natürlich nur aus lauter Bündlern bestehend!) eingesetzt werde, die zu prüfen habe, ob die Betroffenen die Unfallrente auch rechtmäßiger Weise bekämen.(I) Es gäbe viele Leute, die die Unfallrente dazu benutzten, um zu faulenzen.(1) Schlabach bemerkte noch, es sei ein Fehler, daß der Arheit⸗ geber nicht über den Unfall irgend einer seiner Arbeiter vernommen werde. Der Arbeitgeber müsse mehr gehört werden als seither. Diese Ausführungen genügen wohl, um auch dem rückständigsten Landarbeiter die Augen zu öffnen, was er bei einem, leider doch so leicht ein⸗ tretenden Unglücksfalle, von seinen Arbeitgebern zu erwarten hat. Scheuen sich diese Leute doch nicht, die für sie zu Krüppeln gewordenen Arbeiter noch zu verhöhnen, indem sie sagen, die(riesige!) Unfallrente würde von den Arbeitern vielfach dazu benutzt, um zu faulenzen. Und wie schwer wird es den Unglücklichen oft gemacht, bis sie die paar Groschen Unfallrente wirklich erhalten! Wahrlich, die Bündler sind doch die besten Arbeiterfreunde! — In Kirchhain hat es bei einer Kreis⸗ tagssitzung, wo es sich um Bewilligung von 1000 Mk. für die probeweise Anstellung eines Obstbautechnikers handelte, eine Anzahl„not⸗ leidender“ Bündler(unter Anführung des Mühlenbesitzers Nik. Prediger) dahin gebracht daß der betr. Antrag abgelehnt wurde. Auch ein sprechender Beweis für den Egoismus der„Notleidenden“. Durch die Förderung des Obstbaues würde auch dem kleinen Land⸗ wirt eine Einnahme zufließen, die ihm durch die Getreidezollerhöhungen nie zuteil wird. Aber freilich, was liegt den Bündlern an den kleinen Landwirten! Arbeiterbewegung. E. K. Noble Streikbrecher! Hoch⸗ erfreut melden bürgerliche Blätter, das tech⸗ nische Hochschüler aus Hannover im Streike der Hamburger Kupferschmiede als Streikbrecher auftreten. So erfreulich es ist, derartige junge Leute wirklich arbeiten zu sehen, so müssen wir doch gestehen, daß es gerade nicht rühmlich ist, daß Leute, die es, wie man sagt, haben, aus Uebermut(wenn nicht in Folge schlimmerer Charaktereigenschaften) ehrenhaften Familienvätern in einem gerechten Kampfe meuchlings in den Rücken fallen. Die Rolle eines Streikbrechers ist eine so unschöne, daß man nur bedauern kann, daß Leute, die sonst nicht genug in Idealismus schwelgen können, sich dazu hergeben. Den Arbeitern aber möge es ein neuer Ausporn sein durch Einigkeit und Brüderlichkeit den Beweis zu erbringen, daß Idealismus in ihren Kreisen besser zu Hause ist als wie in denjenigen der„Gebildeten“ und Besitzenden. Ueb⸗ rigens dauert der Streik noch fort, es gelang den Unternehmern nicht, leistungsfähige Ar- beitswillige zu bekommen. Das zähe Festhalten der Arbeiter widerlegt am Besten das alberne Gerede jener Soldschreiber, die den Streik als das Werk„gewissenloser Hetzer“ hinstellen wollten. Der Bäckerstreik in Breslau ist zu Gunsten der Gesellen beendet worden. Die von ihnen geforderte, wenn auch nur bescheidene Lohnerhöhung wurde anerkannt; Beseiti⸗ gung von Kost und Logis beim Meister für verheiratete oder überhaupt ältere Gesellen wurde von den Meistern eben falls zugestanden, ebenso Innehaltung des Maximal⸗ arbeitstages und Schaffung vorschriftsmäßiger Schlafräume. Auch über die drei freien Nächte im Jahr fand eine den Wünschen der Gesellen entsprechende Verständigung statt. D Partei Nachrichten. Gegen den Brotwucher! Zur Betreibung einer umfassenden Protest⸗ kundgebung gegen die geplante Erhöhung der Lebensmittelzölle hat der Parteivorstand Petitionsbogen zur Sammlung von Unterschriften herstellen lassen. Soweit die Bestellungen ein⸗ gegangen sind, werden die Sendungen im Laufe der Woche sämtlich an die angegebenen Adressen expediert. Etwaige Reklamationen bezw. Nach⸗ bestellungen wolle man möglichst umgehend an das Parteibureau, Berlin SW. 57, Kreuzberg⸗ straße 30, gelangen lassen. Sächsisches. Vor dem Schöffengericht in Dresden standen 29 Genossen, die am 1. Mai spazieren gegangen und deshalb angeklagt waren, einen„verbotenen Umzug“ aufgeführt zu haben. Sie wurden jeder zu 100 und 150 Mk. Strafe verurteilt. Eine neue Blüte des sächsischen Polizeigeistes. Versammlungskalender. Samstag, den 13. Juli. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Rödgen. Oeffentliche Versammlung. Abends 9 Uhr im Lokale von Balzer Wtwe. T.⸗O. Die Sozialdemokratie und ihre Gegner. Ref. F. A. Vetters. Sonntag, den 14. Juli. Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Nach⸗ mittags Ausflug mit Familie nach Kinzen bach, Wirtschaft zur Sonne(H. Pausch) am Bahnhof. Montag, den 15. Juli. Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 20. Juli. Marburg. Holzarbeiter. Abends ½9 Uhr im Lokale von Jesberg Versammlung, T.⸗O.: Die Gewerkschaften während der Krise. Ref. Vetters⸗ Gießen. Eingesaudt. Herr Bäckermelster Löber wirft mir in einem Ein⸗ gesandt im„Gießener Anzeiger“ vor, ich hätte in „schroffer Weise“ die Mißstände im hiesigen Kranken⸗ hauswesen besprochen. Ich habe in jener Versammlung nur auf die Unhaltbarkeit der derzeitigen Zustände hin⸗ gewiesen, und es als einen der Stadt unwürdigen Zu⸗ stand bezeichnet, wenn Kranke, die auf ärztliche Anord⸗ nung in das Krankenhaus aufgenommen werden sollen, in der Klinik zurückgewiesen werden, wodurch natürlich die Heilung verzögert wird. Deshalb stellte ich den Antrag, der Vorstand möge bei der Stadtbehörde auf Besserung des jetzigen Zustandes hinwirken. Herr Löber ersuchte, meine Resolution abzulehnen, weil nach seiner Ansicht die Stadt schon genügend für die Kranken sorge. Erst nachdem verschiedene Arbeitgeber und auch der Vertreter der Aufsichtsbehörde für die Resolution gesprochen hatten, stimmte auch Herr Löber dafür. Ob die Form der Begründung eine schroffe war, kann ich ruhig dem Urteil eines jeden Teilnehmers der Generalversammlung überlassen. Der ganze Akt stellt sich eben als eine jener— Unverständlichkeiten dar, die man von Herrn Löber gewohnt ist. G. Beckmann. Y77TFTTCTCTCTCTCTVTTTCTCTTTTTTTTTTTTTTT———— Aus dem Gießener Standesamts register. Aufgebotene. 4. Juli: Karl Martin, Bremser in Klein⸗Linden mit Elisabetha Graus dahier. 5. Karl Rüger, Blumenhändler dahier mit Karoline Ritze in Königsee. 6. Dr. Julius Gleim, prakt. Arzt in Alsfeld mit Auguste Weigand dahter. Gustav Güldenpfennig, Schlosser mit Elise Ruppert dahier. 8. Friedrich Winkler, Bildhauer mit Lina Wagner dahier. 9. Friedrich Binz, Bureauvorsteher dahier mit Anna Huber in Nied. 10. Johannes Martin, Taglöhner mit Elisabetha Grölz, geb. Bachmann dahier. Eheschließungen. 6. Juli: Johann Pfeiffer, Steinhauer mit Henriette Klara Wipper dahier. Friedrich 5 0 Metallgießer in Wiesbaden mit Anna Schelper ahier. Geborene. 28. Juni: Dem Dachdecker Georg Panz e. S. 29. Dem Handelsgärtner Karl Kaufmann e. T. 30. Dem Schuhmacher Theodor Judt e. T. Dem Friseur Hermann Kuhl e. T. 1. Juli: Dem Taglöhner Karl Luh e. S. 2. Dem Schlosser Paul Bell e. S. Dem Kaufmann Oskar Georg e. S. 3. Dem Taglöhner Heinrich Steinmüller e. T. Dem Kutscher August Kalbfleifch e. T. Dem Hilfsheizer Friedrich Daniel e. S. Dem Metzger Heinrich Huhn e. T. 4. Dem Glaser Karl Plattner e. T. Dem Schreiner Otto Harig e. S. 6. Dem Kaufmann Wilhelm Fischer e. T. Dem Schneider Heinrich Wagenbach e. T. Dem Asistenzarzt Dr. Franz Volhard e. S. Dem Beton⸗ meister Hans Bär e. T. Dem Lagerist Ludwig Biugel e. T. Dem Kaufmann Karl Mandler e. S. Gestorbene. 4. Juli: Albert Heisen, 8 Monate alt. 5. Wilhelm Weber, 7 Monate alt. Heinrich Gieg⸗ ling, 5 Monate alt. Karl Hein, 44 Jahre alt, Hotel⸗ besitzer. Helene Barth, geb. Claus, 65 Jahre alt, Pri⸗ vatin. 6. Johann Malzan, 43 Jahre alt, Gerichts⸗ schreiber i. P. 7. Louis Bersch, 78 Jahre alt, Rentner. 9. Karl Christoph Dieter, 12 Jahre alt. 10. Hugo Ruppel, 4 Monate alt. CFC TTT Kleine Mitteilungen. „Ein Wolkenbruch, der große Ver⸗ wüstungen anrichtete, ging am Sonntag in der Gegend von Hadamar(Westerwald) nieder.— Auch im Nidderthale ging am Samstag ein schweres Unwetter nieder, wo⸗ durch namentlich die Gemarkungen Rendel, Gronau, Niederdorfelden arg mitgenommen wurden. * Pioniere ertrunken. Bet einer Uebung der Kehler Pioniere, die am Montag auf dem Rhein stattfand, kippte ein Boot mit 16 Soldaten um. Neun Mann ertranken. r Soldaten⸗Selbstmord. Sonntag schnitt sich in Bockenheim, seinem Heimats⸗ orte, der bei dem Hauauer Infanterie⸗Regiment stehende Soldat Metzler den Hals ab. Grund ist unbekannt. Verurteilter Antisemitenführer. Vom Schwurgericht in Kottbus wurde am 18. Juni der frühere Staatsanuwaltschafts⸗ sekretär Krüdecke wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Selbstmordversuch, den er im April unternahm, mißglückte. Die Geschworenen billigten ihm mildernde Umstände zu.— Bei den Antisemiten spielte Krüdecke eine führende Rolle.— Ein anderer Antisemit stand in Hannover wegen Betrugs und Bankrotts vor der dortigen Strafkammer. Er trägt den yjüdischen“ Namen Rosenthal und war der journalistische Wortführer der hannoverschen Antisemiten in der eingegangenen„Hannover. Post.“ Eine von ihm gegründete Druckerei verkrachte, wobei R. sich durch sehr zweiselhafte Manipulationen Geld verschaffte und seine Gläubiger schädigte. Deswegen angeklagt, verurteilte ihn das Gericht unter Annahme mildernder Umstände zu 50 Mk. Geldstrafe. — Uns fällt es nicht ein, die Partei des Verurteilten für seine Handlungsweise verant⸗ wortlich zu machen; aber solche Vorkommnisse verschweigt die anttisemitische Presse ihren Lesern, während sie ein großes Geschrei erhebt, wenn mal irgendwo ein Vertrauensmann der Arbeiter oder unserer Partei pflichtvergessen war und einige Mark veruntreute. Ein„Verbrüderungsfest“ auf dem Westerwald. Aus Hachenburg(Westerwald) schresbk man uns: Wie Feste gemacht werden, für die auch nicht der geringste einleuchtende Grund vorliegt, konnte man kürzlich hier beobachten. Es wurde nämlich ein Kriegerdenkmal eingeweiht, das zum Andenken an die in den Jahren 1795-97 im Kampfe gegen die fran⸗ zösische Revolutionsarmee gefallenen und an dieser Stelle beerdigten Oesterreicher errichtet ——— ͤ— b türlich begleitet von großer Festivität. Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. wurde. Das in der Nähe der Abtei Marien⸗ statt befindliche Denkmal wurde schon im Jahre 1856 gesetzt und zwar auf Veranlassung eines gewissen Herrn Hering, der die österreichische Regierung auf die Zweckmäßigkeit eines Denk⸗ mals aufmerksam machte und dafür belohnt wurde. Inzwischen war aber das aus einem einfachen Kreuz bestehende Denkmal vom Zahn der Zeit arg benagt worden; sollte es nicht ganz verfallen, mußte etwas gethan werden. Da kamen einige Herren auf den Gedanken, dem Beispiel des oben erwähnten Mannes zu folgen und die österreichische Regierung um Bewilligung der Renovationskosten anzugehen. Nachdem auf Verlangen ein Kosten⸗Ueberschlag von dem Kriegerverein Hachenburg eingereicht worden war, erfolgte die Zusendung des Geldes und nun wurde das Kreuz etwas erhöht, mit einem Gitter umgeben, die Schrift vergoldet ꝛc. Hinter den Kulissen arbeiteten mittlerweile Landrat Buchting und der Vorsitzende des Kriegervereins Hachenburg; es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, österreichische Offi⸗ tere, womöglich eine Abordnung des Alpen⸗ Gäger⸗Regiments zur Einweihung hier her zu bekommen(Leute dieses Regimentes haben nämlich zur Zeit hier gekämpft). Dieses und was sonst noch versucht wurde, scheiterte, nur der österreichische Militärattaché war erschienen, er konnte dem Drängen keinen Widerstand entgegensetzen. Die Jagd nach Orden wurde im großen Stil betrieben. Um der Sache die Krone aufzusetzen, wurde auch des in der Nähe von Höchstenbach(1 Stunde von hier) be⸗ findlichen Marceau-Denkmals gedacht. An dieser Stelle wurde nämlich der General Marceau“) 1796 von einem Förster tötlich verwundet, nachdem er dessen Tochter verführt und diese sich in den Dreifelder Weiher gestürzt hatte. Deshalb war der frz. de de Chapelles zur Festlichkeit eingeladen, auch erschienen und legte am Grabe seines Landsmannes Kränze nieder. Alles das na⸗ Paraden der Kriegervereine, Festzug, Reden, lange Fest⸗ artikel in den Zeitungen, nachher endlose Fest⸗ berichte. Man fragt sich, warum solcher Auf⸗ wand? Etwa aus Sympathie für die große Revolution und ihre tapferen Soldaten? Gewiß nicht. Hatte Marceau irgend welche Kulturthat vollbracht, auch nur ein der Menschheit nützliches Werkzeug erfunden, wodurch er solche Ehrung verdient hätte? Auch das nicht. Man feierte wie so oft ein Fest, das nur bezweckt, gewisse Leute an bestimmten Stellen in empfehlende Erinnerung zu bringen. Für den genauer Zusehenden wirkt es deshalb komisch, wenn Blätter, wie der Frkftr. General⸗Anz., dem sonst das Wort„Internationalität“ ein Greuel ist, von dem„Verbrüderungsfest“ reden. Zwistig⸗ keitsfest wäre richtiger gewesen, denn schon lange vor dem Feste herrschte unter den Veranstaltern Streit darüber, wem ein Orden ob dieser großen Thaten gebühre. Auch brachte das Fest selbst für manchen Ordensjäger bittere Enttäuschung, indem ihm von den hohen Herschaften nicht die erhoffte Aufmerksamkeit gezollt wurde. Selbst der berühmte Freisinnsheld und Volksbeglücker Mergler erlitt eine schwere Niederlage, indem ihn sein Busenfreund und Kreistagsgenosse nicht zum Wort kommen ließ, trotzdem er zweimal dazu ansetzte. Es war dies eigentlich schade und wird allgemein bedauert, daß unserem Westerwälder Volke auf diese Art eine sicher tief durchdachte Rede vorenthalten blieb, durch welche der Westerwald gewiß sehr gehoben worden wäre. Aber derartige Behandlung geniert das Strebertum nicht, es duckt sich und muckt sich nicht. Nachdem der Festestaumel verrauscht, muß man sich wirklich freuen, noch Männer zu finden, die sich sagen, was haben wir denn nun eigentlich bezweckt? Nichts anderes als den Fremden die Taschen geleert. ) Spr. Marßoh, frz. General, geb. 1769, kämpfte unter Moreau 1796 bei der Rheinarmee. Die Richtig⸗ keit der hier gegebenen Darstellung seines Todes muß bezweifelt werden. Nach Geschichtswerken wurde M. in der Schlacht bei Altenkirchen verwundet. j ne „ An altungs-Cril. ————— 0 A Robert Sehweiechel. Am 12. Juli vollendete in völliger körperlicher und geistiger Frische Robert Schweichel, der unsern Lesern sehr vorteilhaft bekannte greise Dichter und Romanschriftsteller sein acht zigstes Lebensjahr. Achtzig Jahre! Wer dieses hohe Alter erreicht, in Gesundheit und Frische erreicht, kann wohl von Glück sagen. Voch mehr aber derjenige, der wie unser Dichter auf ein so reiches Leben zurückblicken, befriedigt die Fülle seiner wert— vollen Werke überschauen kann, die ihn über— dauern und seinen Namen späteren Geschlechtern verkünden werden. Robert Schweichel wurde am 12. Juli 1821 in Königsberg i. Pr. geboren. Als Sohn eines Kaufmanns war er ebenfalls für diesen Beruf bestimmt, er neigte jedoch den Wissenschaften zu und bezog die Universität seiner Vaterstadt, um Rechtswissenschaft zu studieren. Die Bewegung des Jahres 1848 zog ihn in den Strudel, er stellte seinen Mann im Kampfe für die Sache des Volkes. Er teilte das Los vieler Freiheitskämpfer, mußte in's Exil wandern und lebte in Lausanne in der Schweiz. Von dort kam er im Jahre 1861 nach Berlin, wo er in die Redaktion der„Vorddeut— schen Allgemeinen Seitung“ auf Einladung des politischen Flüchtlings Braß eingetreten war. Hier lernte er Liebknecht kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tode eine innige Freundschaft ver— band. Beide glaubten damals, die„Norddeutsche“ habe die Aufgabe, die Sache der Demokratie zu vertreten, um erst später zu bemerken, daß Braß mit der Regierung in Verbindung stand. Vatür⸗ lich traten Beide sofort aus der Bedaktion aus. Nachdem Schweichel sich einige Jahre in Leipzig aufgehalten, übernahm er 1868 die Redaktion der „Deutschen Romanzeitung“, die er J Jahre lang führte. 0 Das Volk, die kämpfende Arbeiterklasse ver— dankt ihm eine große Anzahl prächtiger Romane und Erzählungen, in denen das Leben des Volkes mit Kennerblick geschildert wird, die tief durchdacht und von freiheitlichem Geiste durchweht sind. Sahlreiche von ihnen sind unsern Lesern durch unser Blatt bekannt geworden. Mit dem Danke, den das aufstrebende Prole— tariat gerne seinem Erzieher und Bildungsbringer für seine Ringabe zollt, verbindet es zugleich den innigen Wunsch, daß sich der Führer im Geistes⸗ kampfe noch recht lange nebst seiner gleichge— sinnten Gemahlin bei ungeschwächter Gesundheit ungetrübten Glückes zu erfreuen haben möge. Aus Robert Schweichel's Werken bringt die letzte Nummer des„Südd. Postillon“ einen Blütenstrauß von Zitaten, die von dem hohen, freiheitlichen Geist Zeugnis ablegen, von dem Schweichels Werke erfüllt sind. So aus dem Roman„Um die Freiheit“ folgende: Rebell wird der arme Mann gescholten, wenn er in seiner Verzweiflung zur Wehr greift, weil sein Geschrei nach Gerechtigkeit überall und allerwärts taube Ohren findet. * 5* Es giebt keinen heiligeren Krieg als diesen, den der Unterdrückte, weil er auf Erden nirgends Recht finden kann, gegen seine Tyrannen erhebt. ** Aber die Feder verbreitet die Wahrheit, und an der Wahrheit blutet die Lüge sich zu Tode. ** * Eine Kirche hat Jesus von Nazareth nicht gekannt. Die Kirche hat wieder zerstört, was er auferbaut hat. Der Sohn Gottes hatte nichts, wohin er sein Haupt legen konnte; aber die Kirche hat sich der Güter dieser Erde bemächtigt und dem Volke nichts gelassen als den Himmel droben. 5* 1 Allwärts sitzen Unrecht und Gewalt am Regiment und treten das arme hart schaffende Volk mitleidlos unter die Füße. ** * Nur das gemeinsame Interesse zwingt zu gemein⸗ samem Handeln. Nur das einmütige Zusammenstehen des arbeitenden Volkes auf dem Lande und in den Städten, nur das Zusammenfassen der geeinten Kraft vermag den Despoten Kapital zu stürzen, der uns Nr. 28. mit goldenem Huf schonungslos zertritt. Darum gilts heute noch wie vor dreihundert Jahren: „Der arme Konrad heiß ich, bin ich, bleib ich, Wer nicht will geben den bösen Pfennig, Der trete mit mir in diesen Ring!“ (Aus dem Vorwort„Der arme Konrad“ 1876.) S 5 Der Schuhmacher von Ottersweiler. Erzählung von Elise Langer. 2(Fortsetzung) Den Vater betrauerte Jost von Herzen, doch was scheerte alles Uebrige den jungen Träumer, der er geblieben war, trotz aller Püffe, die ihm das wirkliche Leben versetzt hatte. Konnte er doch jetzt seinen Herzenswunsch erfüllen und sich mit Derjenigen fürs Leben verbinden, an die zu denken er keinen Augenblick aufgehört hatte. Fast hätte er sie aber nicht wiedererkannt. Aus dem vernachlässigten Kinde war eine saubere, schlank gewachsene Dirne geworden. Das schwarze Haar hing ihr nicht mehr in Zotteln um das Gesicht, sondern war zierlich aufgesteckt, die lieb⸗ liche Rundung von Wange und Nacken sehen lassend. Und die Augen schauten wie zwei schwarze Diamanten groß und klar in die Welt hinein. Nach ihrer Einsegnung war sie in Dienst gegangen, und Jost fand sie als Kellnerin in der Post, mit der ein Gasthaus verbunden war. Das Kommen und Gehen, die täglich neuen Gesichter, das Schäkern und Plaudern mit den Fremden, alles das war so recht nach Babet⸗ tens Sinn. Jost gefiel dies aber gar zu wenig, und er bestürmte die Jugendfreundin, jetzt ihr Wort wahr zu machen und die Seine zu werden. Er wollte ihr die Hände unter die Füße legen, für sie arbeiten von früh bis spät, er versprach ihr das Blaue vom Himmel. Babett, die nie ein Heim gehabt, die von den Dörflern immer noch als ein Eindringling angesehen wurde, schien es verlockend, sich ins warme Nest zu setzen. Sie willigte ein; war sie doch Jost auch von Herzen zugethan. Josts Mutter erschrack, als der Sohn ihr seinen Verspruch mit Babett verkündigte. Auch sie betrachtete das Mädchen als eine Fremde, Hergelaufene, von deren Sippschaft man nichts wüßte. Aber Frau Bachler war vor Allem eine liebende Mutter, und als sie sah, wie sehr Josts Herz an dem Besitz des Mädchens hing, ergab sie sich in das Unabänderliche. Jost hatte ja auch ein schweres Leben vor sich, die Schulden des Vaters zu tilgen, das Geschäft nach den veränderten ökonomischen Verhältnissen einzurichten und wieder in Gang zu bringen. Sollte er dafür nicht wenigstens in seinem Hause glücklich sein dürfen? So ward denn noch vor Ablauf des Jahres Hochzeit gemacht. Anfänglich ging alles ganz gut. Josts Mutter that nach wie vor alle Arbeit in Haus und Feld und behielt auch sonst die Zügel in der Hand. Babett konnte mit ihrer Zeit thun, was ihr beliebte: an ihren Kleidern nähen, ihrem Manne bei der Arbeit zuschauen und ihre Freundinnen, deren sie jetzt viele hatte, be⸗ suchen. Sie ließ sich das sehr wohl gefallen. So gut hatte ste's ihr Lebtag noch nicht ge⸗ habt, und dann kam pünktlich nach neun Mo⸗ naten das Bübchen, das sie vollauf beschäftigte. Hatte sie im Hause nichts zu sagen, so wollte sie doch über das Kind völlig freie Hand haben; aber auch hier mischte sich die Großmutter, der Unerfahrenheit der jungen Frau mißtrauend, beständig ein. Nun begann ein stiller Kampf zwischen den beiden Frauen, von dem Jost nicht das Mindeste merkte und in dem Babett doch schließlich unterlag. Das Kind selbst entschied sich für die Großmutter, an der es mehr als an der Mutter hing, so daß Babett allmählich erkaltete es der Alten ganz überließ. Dazu kam, daß die äußerste Sparsamkeit im Hause herrschte; jeder Groschen wurde bei Seite gelegt, um dem Lederhändler, der auf Bezahlung drang, wenigstens eine Abschlagsumme hinlegen zu könnnen. Fleisch war ein seltener Leckerbissen. Das Schweinchen, das man für sich gemästet, wurde an den Schlächter verkauft. Jost nahm jede, auch die geringste Flickarbeit an; der ban 533444444436„„„ — 4 fler g amt bon S Lon ib l de finde rer P Olters Helscht 90 feine habt ar d dieser mit be Geld Er er den il Reise Wint Part er de wollte gebrol Tage Wend Halse Heat e ö Vater Nuri Ider 98 2 2 = S 1 r. 25. un gig Nr. 28. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. f 0 i„die keinen] kümmerlichen Ackerkrume des dürrsten Bodens.] wie Malarme, das Lied von der Dekadence e de Dun ee f Aber 11 dieser unbezwinglichen Lebenskraft] oder flüchten in die Vergangenheit und suchen Alles das behagte der jungen Frau sehr leidet dies ästhetische Schaffen— und man in den großen Jahrhunderten des Christentums te, wenig, die Langeweile kam hierzu; sie trieb sich] kann genau dasselbe vom philosophischen sagen] die Erbauung, die ihnen die moderne Welt 0 viel im Dorf umher und wo es etwas zu sehen[— kläglich unter den ungünstigen Lebensbedin⸗ schuldig bleibt. Und wieder andere, deren Zahl 1 ab, da war sie sicher dabei. gungen, denen es sich heutzutage fügen muß. von Tag zu Tag wächst, suchen eine Stütze in wei g Der Knabe mochte etwa anderthalb Jahre] Für die Mehrheit und selbst für die Flügel- der erwachenden Massenpsyche und verkünden, beilr alt sein, da kam eine Artistengesellschaft in's] männer der bürgerlichen Gedankenwelt ist das] mit Wagner, den nahenden Sieg des Bundes Dorf. Babett fehlte bei keiner Vorstellung. ästhetische Vergnügen nur ein Spiel, eine Zer⸗ der Kunst mit der Revolution. Doch wie schön, War es anfangs die Schaulust, die sie täglich] streuung, ein Luxusgenuß. Nach Spencers wie erhaben ihre Werke auch sein mögen: sie hinzog, so interessirte sie sich bald lebhaft für[Wort ist es dadurch charakterisiert, daß es nicht sind nur Vorläufer, können nichts anderes sein. 0 das bunte Leben des Völkchens. Es müßte mit den Lebensfunktionen verknüpft ist, daß es] Damit eine neue Kunst erblühen kann, eine rde köstlich sein, dachte sie, so in die weite Welt] keinen in Ziffern umzuwertenden Vorteil bringt; Kunst, groß und machtvoll wie die Menschheit Träume, hinauszuziehen bald hier bald dort sein Zelt das Vergnügen an Tönen, an Farben und selbst, muß die Menschheit nach dem Kampf „die ihn aufzuschlagen ohne die Langeweile und Ein⸗ süßen Düften, sagt er, ist nichts als eine lebung, Frieden, nach rastloser Arbeit Muße, une femigkei des häuslichen Lebens. Das ihrige ein Spiel dieses oder jenes Organs, ein Spiel nach wilden Interessenkämpfen und Zänkereien und sic erschien ihr jetzt unerträglich. Sie machte Be⸗ ohne sichtbaren Nutzen; es ist, mit einem Wort, um die Beute endlich die stille Einheit der dan de kauntschaft mit den Artisten, unter denen ihr ein Luxusgenuß. Und bei einem sozialen Zu-] Herzen und Seelen kennen, genießen lernen. bal. einer ganz besonders gefiel; es war ein hübscher, stande, der die große Mehrheit der Menschen Zeiten des Ueberganges, der Kritik, der Revo⸗ int. Aug strammer Bursche, ganz anders als Jost, der, zwingt, ihre ganze Kraft im Kampf um das lutionierung, wie unsere es ist, können nur ab, bon Sorgen gedrückt an seinen Schemel fest⸗ tägliche Brot zu verbrauchen, kann dieser Luxus⸗gequälte und unvollkommene Werke zu Tage cn gebannt saß und sich wenig um Babett kümmerte. genuß natürlich nur einer winzigen Minderzahl fördern. Was war, ift tot. Was kommen um dat Von ihrem Manne sich vernachlässigt wähnend, vorbehalten bleiben. Das war zur Zeit Lud⸗ wird, lebt noch nicht. Traum und Wirklichkeit die lieh. von der Schwiegermutter tyrannisirt, von dem wig XIV. hauptsächlich der Hof. Später waren sind nicht zu vereinen. Die den Baugrund zu in schen Kinde ungeliebt, gab sie den Einflüsterungen es die„vornehmen Leute“ der aristokratischen Neuem legen, haben keine Zeit, an anderes zu die zu ihrer Phantaste Gehör. Als die Artistengesellschaft Salons. Heute ist es fast ausschließlich die denken; und die Künstler, die zu einem noch ue Aal Sttersweiler verließ, da war auch Babett Vourgeoisie oder vielmehr jener verschwindende unterjochten Volke reden, warten nur allzu oft berschwunden. ö Bruchteil der Bourgeoisie, der noch andere In⸗ vergebens auf einen Wiederhall ihrer rufenden 1 Deen Jost, der in seinem schlichten, treuen Sinn teressen hat als das, möglichst hohe Mehrwerte Stimme. Wenn einst aber das heutige Pro⸗ einn feine Ahnung von Babettens Gemütszustand aus der Arbeit der Proletarier herauszupressen. letariat ein wahrhaft menschenwürdiges Leben den un, gehabt hatte, wollte fast verzweifeln. Aber da Wenn man von den allzu seltenen wirklichen führt, wenn alle Arbeiter geistig und seelisch 0 neuen 1125 das Kind und die alte Mutter, und um geistigen Genüssen absieht, die der Sozialismus so kultiviert sein werden, daß sie künstlerisch mit den dieser Beiden willen raffte er sich auf, um sich heute schon allen bietet und von denen übrigens empfinden können, wenn nach der Arbeit alle Lebe. mit verdoppeltem Eifer in die Arbeit zu stürzen. leider die meisten dem Handarbeiter nach seinem] die Muße haben, deren soziale Notwendigkeit u en, Geld mußte um jeden Preis geschafft werden. Bildungsgrade noch unzugänglich sind, so kann anch Fouillee anerkennt, dann— und nur dann— bet in Er entschloß sich daher, den Kredit zu benutzen, man wohl ruhig sagen, daß nur die Bourgeoisie, wird das ästhetische Vergnügen nicht mehr ein l weldel. den ihm ein anderer Lederfabrikant durch seinen] die Klasse der Reichen oder mindestens Wohl⸗ Luxusgenuß sein, sondern ein Bedürfnis der e lege, Reisenden hatte anbieten lassen, um in der stillen] habenden, Zeit und Geld hat, um Bibliotheken] Gesamtheit werden, dann erst— und nur dann— nd Winterzeit mit Hülfe eines Sehrlings eine kund Theater zu besuchen oder sich gar Bücher, werden große Werke von vollendeter Schönheit „die ut Partie Schuhwaaren anzufertigen, mit denen Bilder, Statuen oder andere Gegenstände anzu⸗ entstehen, gesunde Kinder des fruchtbaren Seelen⸗ u n er den Frühlingsmarkt in der Stadt beziehen schaffen, in denen sich die Schönheit verkörpert.] bundes eines schöpferischen Individuums, das wu, vollte. So war er denn heute dorthin auf Und dieses geistige und wirtschaftliche Monopol] der Gedanke, verstanden zu werden, beglückt, Net l ebrochen Das Geschäft ging gut. Am zweiten giebt ihr— und nur ihr— auch die Macht, und der mitschaffenden Gesamtheit, die stolz 900 90 Tage hatte er fast ausverkauft, so daß er sich unmittelbar oder durch Vermittlung des Staates darauf ist, einen Großen empfunden, verstanden A.ͤbends eine warme Mahlzeit, die erste seit von allen Künstlern, die keine anderen Daseins⸗ zu haben. Was wäre denn, nach dem herr⸗ zahn Hause weg war, im nächsten Wirtshaus glaubte möglichkeiten haben, Gesetze zu diktieren: sie lichen Wort der George Sand, die Kunst„ohne 4 dull estatten zu dürfen Die Wirtin war zufällig] müssen ihr dienen oder Hungers sterben. Das die Herzen und die Geister, in die man sie 5, 55 seinem Dorfe gebürtig und hatte seinen erklärt auch die Mittelmäßigkeit derer, die sich pflanzt? Eine Sonne, die kein Licht spenden, 1 1b Vater noch gut gekannt, weshalb denn die unterwerfen, und die Erbitterung der anderen, kein Leben schaffen konnte“. Wie anders würde r ll Portion Schweinskußchel mit Sauerkraut be⸗ die sich aufbäumen. Allen Künstlern, die durch] die Welt aussehen, wenn die Massen ihre Augen b. 1 sonders groß ausfiel persönliche N oder dadurch, daß sie dem Licht öffneten und selbst auf ihre beschei⸗ i N N(Fortsetzung folgt.) sich harte Entbehrungen auferlegen, sich eine densten Arbeiten noch ein Strahl des glänzenden 15 910 gewisse Unabhängigkeit gesichert 10 ist 5 Gestirnes herniederleuchtete! Ne a 5 tiefwurzelnde Abneigung gegen die bourgeoise 0 Sozialismus und Kunst. e und das bourgeoise Ideal gemeinsam. Humoristisches. 11(Fortsetzung) Eine Gruppe schöpft aus dieser Abneigung 5. 1. W̃ den Ruinen der Vergangenheit, Kraft und zwingt der Empörung große Werke Sie kennen sich. Beamter:„Sie sind wohl bringe. enn auf den a 5 90 144 b. So schrieb Balzac die Comedie Humaine letzten Sonntag wieder in allen Wirtschaften der g feilen auf dem schwanken Moorgrunde der Gegenwart, 0. 15 1 195 u Nomancytlus), spie Studt herungetugelt?“ Schreiber:„Aus in der aud dan auf verwitterten Trümmern und auf Gipfeln,(seinen berühm ee 25 5 Jahres Hälfte! die andern zu besuchen verbot mir der , bon denen schon das Licht der aufsteigenden] Flaubert den lärmenden Junisiegern des Jahre Respekt!“—(Fl. Bl.) gaga Morgenröte die kommende Zukunft ahnen läßt, 48 seine Verachtung ins Antlitz, brandmarkte Zur rechten Zeit.„War nicht auch Dein 5 dug trotz alledem die Kunst weiterblüht, so dankt Viktor Hugo das zweite Kaiserreich, schuf Zola Freund Leopold bei der zu Grunde gegangenen Gesell⸗ in A sie diese Blüte einem Trieb, der ebenso unauf⸗ seinen Roman Germinal. Andere, eine zweite schaft versichert?“„Ja, aber der ist schon sechs Monate Zig 0 haltsam ist wie die Keimklaft der Pflanze in Gruppe, treibt der Ekel aus der Gegenwart vorher gestorben, ehe sie den Bankrott ansagte.“ 15 altem Gemäuer, im geborstenen Pflaster, in der in den Elfenbeinturm der Elitedichter; sie singen,„Hat der ab er Glück“ Cust. Bl.) 0 1——— b es Giessens grösstes und Billigstes ene, i, T Willig. Billig. H pee Schuhlager. GBillig. Billig.& 1 5 1 5 2 N 2 1 1 2 50 0 2 Reichhaltigste Auswahl 2 50 2 1155 2 2 e in braunen Herren-, Damen⸗, 8 199 8 8 ieee fte Mädchen und Kinderschuhen 2 Kleider- 8 fte laclirt und polirt, sollen 7 30e 54 Sehränke 2 gtrauel, auch en auf Teil- f. und Stiefeln G hadirt und polit, ollen& f eau 9 zahlumg mit einer An⸗ 50 4 5 0 9 ine 6 1 5 Z e ae ab.— zu allerbilligsten gahlung en Ibett, ahlung von Mk. 1 an, 2 15 und wöchentlicher Ab— 0 5 3 eben werden. 3 aber festen Preisen. 4 eee 1 0 135 5 le. 0 f i en. näht 1 5 5 8 8h. Bergman Reparaturen 2 H. 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