r. 10 * . tiefel, n Quali ch Maas rasch, gu 1 34. uf“, r, f 9 ung de (Bart) und. 4 Mitgliede Arospel 5 1 Pro pe 0 ermit hi 1 8 — 2 2 e eee 2 — Sr W 4 2 . = Nr. 15. Gießen, Sonntag, den 14. April 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. ö Medaktionsschlug Donnerstag Nachmittag 4 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche SonntagsZeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestelluugen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 2 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½0% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt Bei mindestens — Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, sich der Partei⸗Organisation anzu⸗ schließen. Nach dem auf dem Mainzer Parteitage beschlossenen Organisattons⸗ statut kann sich bekanntlich nur Derjenige zur Partei zählen, welcher sie dauernd mit Geldmitteln unterftützt. Der Satz ist nicht so zu verstehen, daß Genossen, die wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit und großer Armut einen Beitrag nicht zahlen können, als nicht zur Partei gehörig betrachtet werden. Das wäre ja bei einer Arbeiterpartei, wie sie die Sozialdemokratie darstellt, ein un⸗ haltbarer Beschluß. Aber der Parteitag ist von der Ueberzeugung ausgegangen, daß ein engerer Zusammenschluß aller Sozialdemokraten erfor⸗ derlich ist, wenn wir auf unserer bisherigen Siegesbahn weiter schreiten wollen. Darum muß auch für die Partei eine festgefügte große Organisation geschaffen werden, die über regel⸗ mäßige Einnahmen verfügt. Durch den Anu⸗ schluß au diese erfüllt ein Genosse den er⸗ wähnten Parteitagsbeschluß. So wie die Zu⸗ gehörigkeit zu der Gewerkschaft für jeden verständigen Arbeiter selbstverständlich ist, muß jeder Parteigenosse Mitglied der Parteior— ganisation sein. Soll etwas erreicht werden zum Wohle der besitzlosen Klasse, so müssen unsere Parteivereine mehr Mitglieder aufweisen, als es bis jetzt der Fall ist. Die in unseren Wahlvereinen und Arbeiterbildungsvereinen erhobenen Mit⸗ gliederbetträge sind so niedrig, daß Jedem der Beitritt ermöglicht ist. Tretet deshalb unge⸗ säumt unseren Parteivereinen bei! Wo solche noch nicht bestehen, müssen welche gegründet werden, wenn eine genügende Anzahl Partei⸗ genossen vorhanden ist. e Arbeiter, Genossen! Wieder naht das Fest der Arbeit, die internationale Maifeier heran. Der 1. Mai ist die feierliche Kundgebung der Arbeiter aller Länder für internationalen Arbeiterschutz, der Massenprotest der Arbeit gegen die Ausbeutung durch das Kapital, gegen den Terrorismus der Kapitalsherrschaft, gegen den Uebermut der Junker und Schlotbarone, gegen den Krieg in jeder Form— der 1. Mai ist die internationale Kundgebung des klassenbe⸗ wußten Proletariats für den Frieden der Ge⸗ sellschaft und für den Frieden der Völker, gegen Zollkriege und künstliche Sperren. Zum zwölften Male kehrt nun der Tag wieder, an dem die Arbeiter aller Länder sich im Bewußtsein ihrer Klassenlage im Geiste die Bruderhand reichen, um von Neuem zu bezeugen, daß sie unerschütterlich festhalten an dem großen Kulturgedanken, der zum Ausdruck kommt in dieser Weltfeier. Rüstet euch deshalb überall, die Maifeier in würdiger Weise zu begehen. Agitiert für das Fest, trefft die nötigen Vorbereitungen! Wo immer zielbewußte Genossen wohnen, muß dem Maigedanken Ausdruck gegeben werden. Drum auf zur Maifeier allerorts! — Oben und unten. Bekanntlich nehmen sich die Dinge unserer Umgebung nicht von jedem Standpunkt aus gesehen gleich aus. Das Ferne erscheint kleiner, das Nahe größer, in seiner natürlichen Größe erscheint ein Gegenstand unserem Auge nur in ganz unmittelbarer Nähe. Wie das Auge in der Ebene Fernes kleiner sieht als Nahes, so ist dies auch der Fall in der Richtung der Höhe: der am Fuße eines Berges Stehende und Hinaufblickende sieht die Dinge in der Höhe, auf der Spitze des Berges ebenfalls aus der Ferne, also nicht so groß und nicht so deutlich in allen Einzelheiten, wie sie in Wirk⸗ lichkeit sind. Ebenso täuscht aber auch den auf dem Gipfel des Berges Stehenden sein Auge. Während er allerdings seine nächste Umgebung sehr deutlich sieht, auch seinen Blick weit hinaus ins Land schweifen lassen kann, ist doch sein höherer Standpunkt mit seinem weiten Umblick nicht ohne seine besonderen optischen Täusch⸗ ungen, d. h. eben Augentäuschungen. Bis hinab an den Fuß des Berges und hinaus in die Weite ist ein langer Weg. Bei aller Weite des Umblickes und der Umschau⸗ möglichkeit ist seinem Auge auch eine schwierige Aufgabe gestellt. Wolken und Nebel können sich zwischen ihn und seine Beobachtungsgegen⸗ stände schieben: die Vielheit der Gegenstände hat schon etwas Ermüdendes und Verwirrendes. Er sieht zwar mehr einzelne Gegenstände, aber nur die seiner nächsten Nähe in natürlicher Größe und ganz deutlich und genau. Uebertragen wir das auf die Gesellschaften der Menschen. Stellen wir uns die Gesellschaft als einen Berg, als eine Pyramide vor, so haben wir in der breiten Tiefe, auf der die ganze Pyramide ruht, das arbeitende, das„gewöhnliche“ oder „gemeine“ Volk. Schichtenweise lagern auf dieser Grundlage die höheren Gesellschaftsklassen, jede höhere geringer an Umfang und Zahl ihrer Mitglieder, bis ganz oben die Schichten immer kleiner immer weniger umfangreich, immer geringer an Zahl ihrer Mitglieder werden, bis wir zur Spitze der Pyramide kommen, die in einem Punkte ausläuft, von einer Person oder einem ganz kleinen Personenkreis, der Regierung, ge⸗ bildet wird. Diese auf dem Gipfel Befindlichen sehen das, was in der Tiefe vorgeht, lebt und webt, aus der Vogelperspektive, während die aus der Tiefe nach oben Blickenden die Dinge aus der„Froschperspektive“, wie man's genannt hat, betrachten und sehen. Die droben haben aber die Gewalt, den ausschlaggebenden Einfluß; ihre Irrtümer und Sehfehler sind folglich verhängnisvoller als die der Kleinen und niedrigen. Sie fassen ihre Entschließungen je nach dem Stand ihrer Ein⸗ sichten und Erkenntnisse von dem, was da drunten ist, dem Volk und seinem Leben. Sie werden in ihren Entschließungen und Handlungen vornehmlich bestimmt durch die Einflüße der der Spitze der Pyramide am nächsten gelagerten Schichten. Diese Nachbar⸗ schichten berichten nach der Höhe hinauf die Dinge, welche die Spitzenbesitzer nicht erkennen, deutlich hören und sehen können, naturgemäß so, wie sie sie ihrerseits sehen, wobet es nur allzu menschlich ist, daß auch ihr Blick durch Leidenschaften und Interessen getrübt ist, so daß sie meistens selbst ein vollkommen wahres Bild der Dinge nicht wahrnehmen, also selbst im besten Glauben ungenaue Berichte nach oben gelangen lassen. Ihre Leidenschaften und Interessen können sie auch bestimmen, sogar wider besseres Wissen, bei den Höchsten und Mächtigsten falsche Vorstellungen zu wecken von dem, was da unten vorgeht. Man denke an die falschen Vorstellungen, die oft eine eigennützige Hofkamarilla!) bei Herrschern zu wecken verstand, um die mächtige Spitze ihrem Interesse dienstbar zu machen. Man denke an die Revolutions⸗Vorspiegelungen, mit welchen seiner Zeit die„kleine aber mäch⸗ tige Partei“ den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bearbeitete. Im Wirtschaftsleben sind genau dieselben Vorgänge zu beobachteu. Jeder geht von den Erfahrungen seines persöalichen Standpunktes aus, wird beeinflußt von seinen Wünschen und Begierden. Der Mensch verallgemeinert seine persönlichen Erfahrungen, die doch nur für seine Person und seine Stelle in der Gesell⸗ schaftspyramide ganz richtig sind. Nun ist die Möglichkeit, von oben nach unten sehend, sich zu täuschen, für viel mehr Wahrnehmungsgegenstände und Verhältnisse gegeben als im umgekehrten Verhältuis. Es ist ferner viel schwerer, sich in die Lage und Verhältnisse von Millionen Personen hineinzu⸗ denken, als in die einiger weniger. Und es ist viel schwerer, für einen hochstehenden Wohl⸗ habenden, sich eine Vorstellung zu machen von den Existenzbedingungen und Bedürfnissen der Armen, des Proletariats. Was weiß ein so reicher Mann, dem allzeit sein Tisch gedeckt sein Bett gemacht war, der von Jugend auf fremde Dienste, die Arbeit anderer sich kaufen, und ihre Mühen sich ersparen konnte, was weiß der von Mangel und Not, Hunger und Durst, Uebermüdung und Entbehrung jeder Lebens⸗ freude, wie sie den Menschen der breitesten und untersten Schicht der Gesellschaft so häufig be— schieden sind? Kamarilla, sprich: Kamarilja, ein spanisches Wort, heißt eigentlich Kämmerchen. In der moder⸗ nen politischen Sprache bezeichnet man durch diesen Aus⸗ druck eine Genossenschaft von Günstlingen eines Fürsten, die als unberufene Ratgeber die Regierung beeinflussen. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 15. Urkonservative Männer, Volkswirte, Philo⸗ sophen, Theologen u. a. haben ehrlich erklärt, daß über das Leben und die Vorhältnisse der Arbeiter bei den Angehörigen der herrschenden und besitzenden Klassen eine wahrhaft schreckende Unwissenheit herrsche. Daß diese Unwissenheit natürlich gegebenenfalls zu den gröbsten Irr⸗ tümern und verhängnisvollsten Mißgriffen, ja zu entsetzlichem Unheil führen kann und muß, liegt auf der Hand. Ein geistreicher Mann hat einmal über die die Feindschaften und Kämpfe der Menschen untereinander gesagt:„Wir sind alle nicht so schlecht, wie wir uns gegenseitig machen!“ Es ist wohl auch gern zu glauben, daß das Schlimmste und das meiste alles Schlimmen, das sich die Menschen gegenseitig anthun, weniger seinen Grund hat in teuflischer Bos⸗ heit, als vielmehr in Unwissenheit, Denkfaul⸗ heit und Unfähigkeit, sich in die Haut des anderen hineinzudenken. Wahrheit und Klarheit sind deshalb die Grund⸗ und Ecksteine, auf denen allein sich Verbesserungen der menschlichen Gesellschafts⸗ zustände erbauen lassen. Und zwar klares Er⸗ kennen dessen, was ist, in allen Schichten der Gesellschaft. Der Arbeiter schlimmster Feind ist, wie unser unvergeßlicher Jakob Andorf gesungen hat„der Unverstand der Massen“, d. i. der immer noch unaufgeklärten Klassengenossen. Aber der„Unverstand der Wenigen“, nament⸗ lich wenn sie reich und mächtig sind, ist auch ein nicht zu unterschätzender Feind! Man spricht immer von der Erziehung der Völker durch ihre Herrscher, Priester, Gelehrte, Richter u. s. w. und betont, sie sei gut und nützlich und notwendig! Mindestens ebenso notwendig ist die Erziehung der Herrschenden und Regierenden durch die Völker! Die ist, wie alle und jede Verbesserung der Verhältnisse der unteren Volksklassen, nur mög⸗ lich durch unerschrockenen Kampf für die Wahr⸗ heit, durch stetes, mutiges Festhalten und Ver⸗ künden dessen, was ist, um mit Lassalle zu reden. Und dieser Dienst der Wahrheit wieder ist nur möglich durch feste Organisationen, durch brüderliches Zusammenhalten der Ar⸗ beiter unter sich. T.-A. Die hessiche Laudtagswahlreform. I Wir haben in der vorigen Nummer schon darauf hingewiesen, welchen rückständigen Cha⸗ rakter die Bestimmung trägt, nach welcher der Wahlberechtigte seit wenigstens drei Jahren die hessische Staatsangehörigteit be⸗ sitzen und in Hessen wohnen muß. Das bedeutet eine Verschlechterung der bisherigen Zustände. Bekanntlich konnte nach dem alten Wahlgese!„Fremde“ wählen, sobald er die hessische Staatsangehörigkeit er⸗ worben hatte. Auch diejenigen Angehörigen anderer deutschen Vaterläuder, die schon seit Jahrzehnten in Hessen wohnen, haben das Ver⸗ gnügen, nachdem sie die hessische Staatsange⸗ hörigkeit erlangten, noch drei volle Jahre war⸗ ten zu müssen, ehe sie wählen können!„Es ist klar“, schrieb Genosse Dr. David dieser Tage im Vorwärts,„daß diese doppelt genähte Siche⸗ rungsmaßregel gegen die Zuzügler in erster Linie die industrielle Arbeiterschaft trifft. Man legt dem zuziehenden Arbeiter drei Jahre Kar⸗ renzzeit auf, während deren er zwar alle Lasten des hessischen Staatsbürgers mitzu⸗ tragen hat, dagegen in puncto Rechte als ver⸗ dächtiger Fremdling behandelt wird. Diese Ausnahmebestimmung, die jeweils Tausenden von Arbeitern das Recht der Wahl nimmt, stellt eine so bedeutsame Verschlechterung des bestehenden Zustands dar, daß dadurch der Wert der ganzen Reform in Frage gestellt wird. Gelingt es nicht, diese Bestimmung aus dem Gesetzentwurf zu entfernen, dann braucht jeden⸗ falls die Sozialdemokratie ihm keine Thräne nachzuweinen, wenn es bachab mit ihm gehen sollte.“ — Dem können wir nur zustimmen. Soll der Fortschritt der direkten Wahl dadurch erkauft werden, daß Massen von Arbeitern rechtlos gemacht werden, so wollen wir uns lieber noch weiter mit dem bisherigen Wahl⸗ gesetz behelfen. Gewiß bietet es der Arbeiter⸗ klasse ziemliche Schwierigkeiten, aber wir haben sie je länger je mehr überwinden gelernt. Und die Korruption, die das indirekte Wahlsystem mit sich bringt und durch die es möglich ist, daß sich jemand ein Mandat auf Schleichwegen ergattert, der bei der Urwahl als Kandidat gar nicht in Betracht kam, existiert nur bei den bürgerlichen Parteien und kann bei uns keinen Schaden anrichten. Antisemitisch⸗reaktionärer Verbohrtheit genügt aber die Forderung der dreijährigen hessischen Staatsangehörigkeit noch nicht. Das Offen⸗ bacher Anlisemitenblatt stellte die thörichte Be⸗ hauptung auf, daß ein Arbeiter in den sechs Jahren 4—5 mal wählen könnte, weil er von einem Wahlkreis in den andern zöge und jedes⸗ mal sein Wahlrecht ausübe. Natürlich findet nach Ansicht des Antisemiterichs auch jedesmal eine Wahl stett, wenn ein Arbeiter aus einem Wahlkreis in den andern verzogen ist. Des⸗ halb fordert das Blättchen eine dreijährige Ortsansässigkeit für die Wahlberechtigten. Es verlohnt sich nicht, sich ernsthaft mit dieser, der rückständigsten politischen Anschauung ent⸗ sprungenen Forderung zu beschäftigen. Aber die Antisemiten vertreten ihre Sache schlecht. Wir würden ihnen raten, ein Wahlgesetz mit folgenden Bestimmungen vorzuschlagen: 1. Jeder antisemitische Bauer ist wahlbe⸗ rechtigt. 2. Die zu wählenden Abgeordneten werden von den Herren Hirschel und Köhler bezeichnet. Dadurch wäre zwar der weitere Verfall des Antisemitismus auch nicht aufzuhalten, aber doch der Bestand der antisemitischen Landtags⸗ fraktion gesichert und ihre Mitglieder könnten weiter in Ruhe ihre Diäten beziehen! Fast sämtliche bürgerlichen Parteien ver⸗ langen die Einführung der Wahl pflicht. Das heißt also, jeder Wahlberechtigte muß wählen, enthält er sich der Abstimmung ohne genügende Entschuldigung, wird er bestraft. Man rechnet nämlich alle Diejenigen, die bisher der Wahl fernblieben, ohne Weiteres den„Ord⸗ nungs“parteien zu. Die Rechnung dürfte in⸗ dessen nicht ganz stimmen; wir beanspruchen von diesen politisch Gleichgültigen auch noch einen kleinen Prozentsatz. Wir verweisen nur auf die zahlreichen in den Städten beschäftigten Arbeiter, die auf dem Lande wohnen und sich wegen zu großem Zeit⸗ und Lohnverlust nicht au der Wahl beteiligen können. Wir haben also nicht viel gegen die Einführung der Wahl⸗ pflicht einzuwenden; nur müssen wir verlangen, daß die vielen Arbeiter, die weit von ihrem Wohnorte beschäftigt sind, der Wahlpflicht ohne pekuniäre Einbuße genügen k unen und dies wird sich kaum anders als durch die Wahl am Sonntag ben elligen lassen. Im Ganzen ingt uns der Entwurf ziem⸗ lich Nachteile. Unser Vormarsch wird aber trotzdem nicht aufgehalten werden. Wir dürfen nur in unserer Agitations⸗ und Organisations⸗ arbeit nicht erlahmen; besonders müssen wir bei Zeiten dafür sorgen, daß unsere in Hessen wohnenden preußischen, sächsischen ꝛc. wee die hessische Staatsangehörigkeit er⸗ werben. politische Rundschau. Gießen, den 11. April. Christliches Kulturbild aus China. Wie die„christlichen“ Mächte in China die Kultur verbreiten, führt der Vorwärts seinen Lesern in einem Lichtbilde vor, das er als Sonderbeilage mit seiner Osternummer heraus⸗ gab. Das Bild stellt eine chinesische Landschaft dar, in deren Vordergrunde acht Europäer auf einem Wege stehen. Vor ihnen liegen etwa zehn geköpfte Chinesen. Ihre Köpfe liegen auf der Erde umher, sind aber wie es scheint absichtlich so gelegt, daß sie das Gesicht dem Beschauer zuwenden. Für fühlende Menschen ein ganz grausiger Albi g Wie der Vorwärts hinzufügt, ist das Bild nach einer Photographie vervielfältigt, die einem nach Berlin gesandten Soldatenbriefe beigelegt war. Mit derartigen Photographien scheint man in China zu handeln, dasselbe Bild zeigt eine von einer Wiener Firma her⸗ gestellte— Ansichtspostkarte. Und weiter sagt unser Zentralorgan: Für uns bedeutet dieses „Lichtbild“ ein Dokument, aus dem die Misston des Christentums der europäischen Völker mit schneidender Eindringlichkeit abgelesen werden kann. So verbreitet das Christentum Zivrili⸗ sation; die Europäer garnieren grinsend ihr Gruppenbild mit malerisch geordneten abge⸗ schlagenen Menschenköpfen und lassen sich in dieser denkwürdigen Stellung photographisch verewigen. Von den frommen Osterglocken, die wieder die andächtigen Christenmenschen der zivilisterten Welt rufen, trieft rotes Menschen⸗ blut— und die Gläubigen freuen sich ob dieses Triumphes“ 31 der Ostergabe selbst bemerkt der Vor⸗ wärts, daß dieses allerdings nicht erfreuliche Angebinde notwendig gewesen sei.„Mit vollen Backen werden die Hunnenbriefe zur Zeit als sozialdemokratisches Lügenwerk verschrieen, und da der Chorus sich gar so laut vernehmen läßt, bleibt uns kein anderes Mittel, als ihn durch ganz unwiderlegliche Thatsachen Lügen zu strafen. So wird denn das der heutigen Nummer beigefügte Bild trotz des abschreckenden Vorganges, den es darstellt, von unseren Lesern geschätzt werden als Dokument der von den Völkern des Westens in China stabilierten Kultur!“ Kalte Douche für die Agrarier⸗ Heißsporne. „Bevor sie nicht den Kanal schlucken, unter⸗ schreibe ich den Zolltarif nicht“ soll der Kaiser mit Bezug auf die Agrarier und die Kanal⸗ vorlage gesagt haben. Darüber sind natürlich die bis auf die Knochen königstreuen konser⸗ vativen Brotwucherer tief betrübt. Sie, die doch vor jedem Kaiserwort in tiefster Ehrfurcht ersterben, werden bei dieser Behandlung zu— den Sozialdemokraten übergehen. Nette„Arbeiterfreundlichkeit“ der Brodwucherer. Bei ihrer Agitation für höhere Zölle stellten die Agrarier wiederholt den landwirtschaftlichen Arbeitern höhere Löhne in Aussicht, wenn nur erst die Landwirte besser gestellt sein wür⸗ den und für ihre Erzeugnisse höhere Preise er⸗ zielten. Das glaubt man auch hier und da. Wie die Herren in Wirklichkeit über die Arbeitslöhne denken, zeigte sich auf der Gene⸗ ralversammlung des Landwirtschaft⸗ lichen Bezirksvereins in Deggendorf in Bayern. Diese vom Staat begünstigte Or⸗ ganisation verlangt, daß der Staa t zur Erntezeit die Arbeiten an den Staatsbauten einstelle und daß er die Löhne der Eise n⸗ bahnarbeiter herabsetze, damit die Bauern mit 1 Löhnen nicht höher zu gehen brauchen. a g e unverschämten Forderung tritt wirklich die Borniertheit und Begehrlichkeit der Brotwucherer ganz unverhüllt hervor. Mit Recht dankt unser Nürnberger Parteiorgan den Deggendorfern für dieses Wort, für dessen weiteste Verbreitung wir sorgen müssen. Steigen der Lebensmittelpreise. Der Bericht des Augsburger Fabrikinspek⸗ tors enthält eine Tabelle über die Preise der notwendigsten Lebensmittel, die das Steigen derselben in den letzten Jahren veranschaulicht. Es kosteten nämlich: Per Kilo Preis⸗ 1900 1893 ausfschlag I Ochsenfleisch 10 1 Mauna 1,39 73 5 28 D c .— allet ga anale indsfell hweue Seuöhulch Poel Fales Rog Genöhnlich Beten eines Wei Wetzengrie sartofeln Faurtoffelme Grüne Er Salatöl Fadennude Zuder Thee Kaffee Seifen Salz Milch per Petroleum Brennöl p Gier per! Kerzen per Auna Attikel, w sind, im ganz erhe Dann die Brot, da sst, für? Die Wur Weniger Auch alle lich, einze Die 2 erhebliche steigerung glichen w. 9 75 eden Pfer führen.! Lohnhe Ueber Wie liche Ges an dem! nit alle Jür dies gangenen Abgekacke N Mil der Unsur LTuxusben Mann, 1 solche 6 anders 0 alen, w lemand 0 Cs it o wer Lerhäl Ob er graphif 10 ichen der Lenschen⸗ ob diesez der Vor, freuliche lit vollen Zeit alz een, und ernehmen als ihn u Lügen heutigen reckenden unseren der bon abilierten lier en, unter⸗ er Kaiser ie Kanal⸗ natürlich n konser⸗ Sie, die Ehrfurcht g zu— “der le stellten haftlichen ct, wen sein wür Preise e“ And ba. über di r Gene, tschaft, 5 gendorf 6 fügte Ol, at u Eisen it die J . u Luxusbeamte ausgegeben werden. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Per Kilo Preis⸗ 1900 1893 aufschlag Mk. Mk. Pfg. Schweinefleisch 1,49 1,37 12 Kalbfleisch 1,55 1,18 371 Hammelfleisch 1,40 1,06 34 Rindsfett—— 90 10 Schweinefett 1,70 1,64 6 Gewöhnliches Roggenmehl—,28—,24 4 Feines Roggenmehl—,32—,28 4 Gewöhnliches Weizenmehl—588—,‚34 4 Feines Weizenmehl—,46——44 2 Weizengries—,.50—,.48 2 Kartoffeln per 50 Kilo 3.85 3,05 80 Kartoffel mehl—,¶63—,.60 3 Grüne Erbsen—,.49—,36 13 Salatöl 1,60 1,20 40 Fadennudeln 1,40 1,30 10 Zucker—,70—,60 10 Thee 12,.— 9,.— 300 Kaffee 3,30 3,20 10 Seifen—,80—,60 20 Salz—,24—,20 4 Milch per Liter—,18—,516 2 Petroleum per Liter—,30—,24 6 Brennöl per Liter—,55—,45⁵ 10 Eier per 100 Stück 5,38 5,23 15 Kerzen per Packet—,55—,40 15⁵ Ausnahmlos sind alle vorstehend angeführten Artikel, welche die notwendigsten Lebensmittel sind, im Preise gestiegen, und zwar zum Teil ganz erheblich, so namentlich die Fleischpreise. Dann die Preise für Mehl und natürlich auch Brot, das merkwürdiger Weise nicht erwähnt ist, für Milch, Kartoffeln, Kaffee, Seife usw. Die Wurstwaren sind allein seit 1898 um nicht weniger als 20 Prozent im Preise gestiegen. Auch alle Gemüse sind in derselben Zeit erheb⸗ lich, einzelne um das doppelte teurer geworden. Die Arbeitslöhne müßten schon eine ganz erhebliche Erhöhung erfahren, wenn die Preis⸗ steigerung der Nahrungsmittel wieder ausge⸗ glichen werden soll. Bekanntlich geht es aber mit den Lohnerhöhungen nicht so rasch; um jeden Pfennig müssen die Arbeiter harten Kampf führen. Und in jetziger Zeit haben sie sich gegen Lohnherabsetzung zu wehren. Ueberflüssigkeit des Kapitalismus. Wie sehr die Kapitalisten für die mensch⸗ liche Gesellschaft entbehrlich sind, zeigt sich an dem Beispiel des Kanonenkönigs Krupp mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit. Für diesen einen Menschen haben sich im ver⸗ gangenen Jahre über 40,000 Personen abgerackert und ihm die Kleinigkeit von 21 Millionen Mark erarbeitet, ungerechnet der Unsummen, die für Repräsentation und für Und der Mann, meint der„Vorwärts“ mit Recht, der solche horrende Summen einnimmt, ist kaum anders als durch diese Thätigkeit bekannt. An allem, was auf der Fabrik geschieht, ist kaum jemand anders weniger aktiv beteiligt als Krupp. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Excellenz sich wenig oder vielmehr gar nicht um die Verhältnisse auf der Fabrik kümmert. Ob er in Italien Krebse fängt, oder sonst irgend eine ähnliche welterschütternde That vollbringt, das ist alles gleich, nichts, gar nichts rettet ihn vor der fürchterlichen Arbeit— 21 Millionen und mehr pro Jahr einzuheimsen. Und so wenig Bedeutung Krupp als Person ausgeübt wird, beanspruchen kann, sein Gold ist allmächtig! Krupp kommandiert nicht nur durch sein Gold auf der Fabrik als unumschränkter Gebieter, seine Macht, die von andern Personen für ihn erstreckt sich auch auf die Kommunal verwaltung in Essen. In der 1. Abteilung ernannte er die Stadt⸗ verordneten, die 2. Abteilung stand ihm durch seine hohen Beamten und sonstigen Einflüsse zu Gebote und in der 3. Abteilung stellte man auch Krupp'sche Beamte auf. Krupp resp. sein Gold beherrscht die ganze Kommunalberwaltung. Gerade die Verhältnisse in Essen waren von großem Einfluß bei der Reform des Kommunalwahlgesetzes. Die An⸗ wen dung dieses Gesetzes würde nun auch im Königreich Krupp eine kleine Aenderung bringen, in der Weise, daß die Zahl der Wähler der 1. Abteilung von 2 auf 10 und die der 2. Ab⸗ teilung von 401 auf 1274 steigen würde. Dieser Gefahr für den geheiligten Geldsack mußte vorgebeugt werden, besonders galt es, die 2. Abteilung vor dem Eintritt nicht schwer genug wiegender Geldsäcke frei zu halten. Das ließ sich ermöglichen durch Einführung eines Ortsstatuts und des Prinzips der Zwölftelung. Und in der letzten Sitzung der Stadtverordneten stand ein diesbezüglicher Antrag zur Debatte. Der Krupp'sche Wortführer erklärte rund heraus, dem Besitz müsse die vorherrschende Stellung gesichert bleiben, ohne die Zwölftelung würde man Elemente in die 2. Abteilung hineinbekommen, die man nicht darin haben wolle! Und Oberbürger— meister Zweigert, der trotz seines Einkommens von 20,000 Mk. als Oberbürgermeister und 10,000 Mark als Aufsichtsratsmitglied— der Essener Straßenbahngesellschaft Wähler der dritten Abteilung ist und nun auch bleibt, bemerkte, man müsse der Gefahr einer Demokratisierung vorbeugen, das Kolle⸗ gium sei in erster Linie eine Vermögens⸗ verwaltung. Die Mannen, die sich Bürger⸗ vertreter nennen, selbst diejenigen der 3. Ab⸗ teilung erkannten, daß es recht sei, wenn Herr Krupp und sei Anhang allein in der Stadt⸗ verwaltung herrsche, und sie beschlossen also: die Zwölftelung wird eingeführt. Dagegen stimmten nur die Zentrumsvertreter und ein liberaler Rechtsanwalt. Das Geld eines Mannes, den man im politischen Leben, auf industriellem Gebiete, überhaupt persönlich als eine Null betrachtet, das herrscht über Tausende Menschen und eine ganze Anzahl Kommunal⸗ verwaltungen stehen in seinem Dienst. Sinnenfälliger wie beim Prozentpatrioten Krupp kann das Unrecht der kapitalistischen Macht und die Ueberflüssigkeit des Kapitalismus im Produktionsprozeß nicht in Erscheinung treten. Für die Millionen, die Krupp einheimst, und für die Macht, die sein Gold ausübt, nutzt er der Gesellschaft auch nicht für einen Pfennig, er ist voll⸗ ständig überflüssig. Dabei dehnt sich der Besitz dieses Mannes immer weiter aus. Zahl⸗ reiche industrielle Werke und Schiffswerfte ge⸗ hören ihm. Auf seinen Werken werden 46,679 Personen beschäftigt. Was die Völker für ihre Monarchen bezahlen. Von den beiden absoluten Monarchen, dem russischen Zaren und dem Sultan abgesehen, deren Einkommen, da sie freie Verfügung über einen großen Teil der Staatseinnahmen haben, sich nicht genau feststellen läßt, steht der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn Franz Joseph mit 18 600 000 Kronen(16 Millionen Mark) an der Spitze; ihm folgt der König von Preußen, der als deutscher Kaiser keine Civilliste erhält, mit 15719 296 Mk. an zweiter Stelle. Eine in Anbetracht der wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse des Landes hohe Civil⸗ liste genießt der König von Italien, der 15050000 Lire(rund 12 Millionen Mark) aus dem Staatssäckel bezieht. Auch Spanien mit seinen zerütteten Fiuanzen zahlt seinem König mit 9 250 000 Pesetas oder 7 400 000 Mk. eine verhältnismäßig hohe Civilliste. Der König von Portugal verfügt über 365 000 Milreis oder 1642 500 Mk. von Staats wegen. Der König von Schweden und Norwegen er⸗ hält in seiner ersteren Eigenschaft 1 320 000 Kronen oder 1 466 800 Mk., während die andere Reichshälste ihm nur 482 838 Kronen oder 537 440 Mk. bewilligt, zusammen also 2 004 240 Mk. Dazu kommt eine Summe von 300 000 Kronen oder 321 320 Mk., die aus einer zum speciellen Nießbrauch des König von Schweden gegründeten Stiftung fließt. Das Königreich Dänemark setzt seinem Monarchen eine Civilliste von 500 000 Rigsdaler aus, die etwa einen Wert von 1 128 000 Mk. haben. Der König von Belgien genießt aus der Staats⸗ kasse eine jährliche Einnahme von 3 300 000 Franken oder 2 640 000 Mk., während Holland seiner Königin 600 000 Gulden oder etwas über eine Million Mark auswirft. Die Nieder⸗ länder haben auch dem Prinz⸗Gemahl, dem Herzog Heinrich von Mecklenburg-Schwerin, jede Civilliste verweigert, während das britische Parlament im Jahre 1840 dem zuerst wenig beliebten Prince-consort, Prinzregenten, eine Jahresrevenue bewilligte. Die Summe von 1 185 185 Lei oder 948 000 Mk. setzt das Königreich Rumänien seinem Monarchen aus, während das viel kleinere und ärmere Serbien 1200 000 Dinar oder 960 000 Mk. für seinen König übrig hat. Der König von Griechenland bezieht eine Civilliste von 1125 000 Drachmen, eine Summe, die nahezu 900 000 Mark gleich—⸗ kommt. Die kleinste Civilliste sämmtlicher europäischer Fürsten bezieht der Herr der schwarzen Berge, der Fürst von Montenegro, der nur über ein Staatseinkommen von 9000 Dukats oder 82 000 Mk. verfügt. Von den deutschen Bundesfürsten erhält— nach dem König von Preußen— der König von Bayern 5 403 160 Mark die höchste Civil⸗ liste; ihm folgt der König von Sachsen mit 3 142 000 Mk. dem sich der König vou Württem⸗ berg mit 2 008 769 Mk. anschließt. 1 331857 Mk. hat der Großherzog von Hessen⸗ Darmstadt; der Großherzog von Sachsen⸗ Weimar bezieht 960 000 Mk. Der Großherzog von Baden hat eine Civilliste von 1833413 Mk. Es folgen der Herzog von Anhalt mit 600 000 und der Großherzog von Oldenburg mit der Summe von 255000 Mk. Die Fürsten von Schwarzburg⸗Sondershausen und Schwarzburg Rudolstadt beziehen 500 000 und 297012 Mk. Civilliste. Schließlich haben die Herzöge von Sachsen⸗Meiningen und Sachsen⸗Coburg Civil⸗ listen von 394 286 und 300 000 Mk. Ver⸗ schiedene deutsche Bundesfürsten beziehen ihre Staatseinnahmen aus bestimmten Fonds oder aus den Erträgen von Ländereien, so daß deren Höhe sich nicht immer gleich bleibt. Begrabene Zwangsinnung. Auch die Tischlerzwangsinnung in Gotha ging den Weg, den schon viele Organi⸗ sationen zur Handwerksrettung wandelten. In ihrer letzten Versammlung, die sich mit der Auflösung der Innung beschästigte, stimmten sämtliche Anwesende für Auflösung. Man will nunmehr einen Verein selbständiger Tischler gründen. b Landtagsersatzwahl in Lippe. Bei einer am vorigen Samstag stattgefundenen Ersatzwahl zum lippeschen Landtag erhielt Ge⸗ nosse Domscheit 382 Stimmen, ber parteilose Hofer 272, der Freisinnige Mißmann 290 und der Bückeburger Water 190 Stimuten. Es ist also eine Stichwahl nötig. Die Wahl unseres Parteigenossen, der bei der vorigen Hauptwahl in der Stichwahl siegte, wurde wegen einer vorgekommenen Unregelmäßigkelt kasster! Hoffentlich erobern sich unsere Parteifreunde in der Stichwahl den Sieg wieder. Ausland. Die Wahlen in Dänemark, die am 3. April stattfanden, haben für uns ein recht erfreuliches Ergebnis gezeitigt. Das Ministerium hat eine empfindliche Niederlage erlitten, dagegen hat die radikale Linke und die Sozialdemokratte einen entscheidenden Sieg zu verzeichuen. Von den 56 ministeriellen Kandidaten sind nur 8 gewählt worden, sodaß die R. hte, die im vorigen Folkethiug 16 zählte, jetzt auf die Hälfte zusammengeschrumpft ist. Die radikale Linke hat 11 Kreise gewonnen und zählt jetzt 73 Stimmen, die moderate Linke, die mit der Rechten kompromisselte, sauk von 21 auf 6 Mitglieder, die Sozialdemokratie er⸗ oberte 2 neue Kreise und stieg von 12 auf 14 Vertreter. In Kopenhagen ist es der Rechten jämmerlich ergangen. Der 8. Kreis, der haupt— sächlich vou Marinebeaulten bewohnt wird, wählte nicht wie das vorige Mal den früheren Marineminister Raven, sondern einen Sozial⸗ demokraten. In Aarhus, der größten Stadt Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr 15. Jütlands, unterlag der frühere Abgeordnete Högh⸗Guldberg einem Sozialdemokraten. Die Sozialdemokratie erhält jetzt zwei Sitze im Finanzausschuß, die Konservativen be⸗ halten nur einen. Leider ist aber einer der ältesten Führer unserer dänischen Bruderpartei, der Genosse Knudsen unterlegen. Aus dem Lande der Knute. An Stelle des von dem Studenten Karpo⸗ witsch erschossenen Unterrichtsministers Bogol⸗ jepow hat der Zar einem neunundsiebzig⸗ jährigen gebrechlichen Greis, den ehemaligen Kriegsminister Wanowsky zum„Minister für Volksaufklärung“, zum obersten Chef des Schulwesens ernannt. Das war jedenfalls die geeignetste Persönlichkeit, die für diesen Posten zu finden war. Diese Ernennung zeigt, welches Verständnis der Zar für das Schulwesen besttzt. Der alte General wird natürlich die Knute und schließlich auch Bajonett und Sabel für das geeignetste Mittel zur Erziehung der Jugend halten. Krieg in Südafrika. Nach den letzten Nachrichten vom Kriegs⸗ schauplatze hat sich die Vereinigung De⸗ wets mit Botha bei Vrede vollzogen. Vermutlich werden die beiden Führer ein⸗ gehende Abmachungen über ihre nächste! Ope⸗ rationen treffen und dann wieder auseinander⸗ gehen, da sie getrennt die Engländer eher in die Irre führen können, als mit größeren Massen hinter sich. Zu einer Entscheidungsschlacht sind sie auch nach ihrem Zusammenschlusse zu schwach. Ueber eine neue Gefangennahme einer eng⸗ lischen Abteilung durch ein Burenkommando wird aus Kapstadt gemeldet: Scheepers Kom⸗ mando nahm am 6. d. Mis. 20 Meilen nörd⸗ lich von Aberdeen eine Abteilung englischer Reiterei, bestehend aus 100 Lanciers und Meomanri⸗Reitern, gefangen. Aberdeen liegt mitten im Kaplande, eher näher zur See, be⸗ deutend südlicher als Richmond, wo die letzten größeren Kämpfe stattfanden. Die eingedrungenen Burenscharen haben also nicht, wie die Eng⸗ lunder verbreiteten, das Kapland geräumt, sondern dringen unausgesetzt weiter nach Süden vor. Im Norden des Oranjestaates legen die Buren eine große Beweglichkeit an den Tag. Englische Verluste. Nach amtlichen englischen Veröffentlichungen betragen die eng⸗ lischen Verluste seit dem Beginn des Krieges: Getötet und an ihren Wunden gestorben 462 Offiziere und 4775 Mann, an Krankheiten ge⸗ storben 216 Offiziere und 8577 Mann, mit anderen Todesfallen zusammen 690 Offiziere und 13,734 Mann tot. Vermißt und gefangen sind noch 17 Offiziere und 758 Mann, als Invaliden wurden heimgesandt 1892 Offiziere und 43,534 Mann, sodaß der Gesamtverlust sich auf 2599 Offiziere und 58,026 Mann stell. diesen haben sich allerdings wieder piele als geheilt auf den Kriegsschauplatz be⸗ geben. Krieg mit China. Die Besatzungsarmee. Eine Versamm⸗ lung der Generale erklärten, daß 6000 Mann zum Schutze der Eisenbahn Peking⸗Schanhaik⸗ man dauernd notwendig seien, außerdem sollen 2000 Mann in Peking stationiert werden. Der amerikanische und der japanische Vertreter waren anderer Meinung, sie hielten 1000 bis 2000 Mann im Ganzen für vollkommen genügend. Den größten Vorteil in der ganzen China⸗ angelegenheit hat entschieden die russische Politik zu verzeichnen. Die Mandschurei, das unge⸗ heuere Ländergebiet im Nordosten Chinas, hat Rußland besetzt und behält es trotz des Ein⸗ spruchs der Mächte. von Uah und Fern. Giestener Angelegenheiten. Das Gewerkschaftsfest am zweiten Feiertage in Steins Saalbau erfreute sich eines recht guten Besuches. Nicht blos aus Gießen selbst, sondern auch aus den Orten der näheren Umgebung, als auch von Wetzlar, Marburg, Friedberg, Alsfeld, hatten sich Teilnehmer ein⸗ gefunden. So war der sehr geräumige Saal ziemlich gefüllt, womit nicht gesagt sein soll, daß nicht noch mehr Besucher Platz gehabt hätten. Gewiß, wenn man die Zahl der in Gießen beschäftigten Arbester in Betracht zieht und ferner, wie selten ein derartiges Fest statt⸗ findet, so hätte der Saal kaum ausreichen dürfen! Die Leistungen des Gesangvereins „Eintracht“, sowie diejenigen der Kapelle Pauli aus Marburg befriedigten allgemein. Besonders müssen aber die theatralischen Darbietungen hervorgehoben werden. Berücksichtigt man, daß es für Arbeiter denn doch seine Schwierigkeiten hat, ein Theaterstück leidlich aufzuführen, so muß man den Mitwirkenden alle Anerkennung zollen, sie haben sich redlich Mühe gegeben, das Fest zu verschönern.— Im Uebrigen ver⸗ lief das Fest in der schönsten Weise ohne jeden Zwischenfall, wie das ja bei einem Feste ziel⸗ bewußter Arbeiter ganz selbstverständlich ist. Erst in früher Morgenstunde strebten die letzten Festteilnehmer heimwärts. N f — Schofle Handlungsweise. Wie sich unsere Leser noch erinnern werden, mußten wir uns kürzlich mit den Arbeitsverhältnissen auf der Aktienbrauerei befassen, an denen Vieles auszusetzen war. Wir berichteten da⸗ mals, daß ein Brauer, der mit dem„Ober⸗ mälzer“ in Differenzen geraten war, von dem Braumeister Perschina entlassen wurde. Letz⸗ terem genügte aber die einfache Entlassung noch nicht, er verfolgte den Brauer noch weiter, in⸗ dem er die übrigen Brauereien vor der Einstellung des Entlassenen warnte. Dazu benutzte er den Tellhaber der Firma Gebr. George, der sich zu dem schmutzigen Geschäft hergab, den Arbeiter bei den übrigen Braumeistern zu verdächtigen. Durch solche verächtliche Manöver gewinnt natürlich weder das Ansehen der Aktienbrauerei, noch viel weniger dasjenige des Braumeisters, dessen Vorgänger weit mehr Verständnis in Bezug auf die Be⸗ handlung der Arbeiter an den Tag legte. Der geschädigte Arbeiter wird übrigens gegen den Braumeister, der ihn an freiwilliger Arbeit hinderte, gerichtlich vorgehen. — Depeschen aus Peking melden, daß der Hauptmann Bartsch, der früher bei dem Regiment Nr. 116 in Gießen stand und sich dem Chinazug anschloß, in der Umgebung von Peking tot aufgefunden wurde. Nach einer weiteren Mitteilung soll er einen Schuß im Rücken gehabt haben. Von Leuten, die hier unter seinem Kommando standen, hörten wir damals, als die Truppen nach China abrückten, daß er bei seinen Untergebenen äußerst unbe⸗ liebt sei.. — Die Ausführung der elektrischen Anlage des hiesigen Bahnhofes ist der Firma Schuckert u. Co.(Nürnberg) über⸗ tragen worden. Bis zum 1. Juli sollen die Arbeiten beendet sein. — Oesterreichische Thaler sind seit 1. April außer Kurs gesetzt und werden von den öffentlichen Kassen nicht mehr angenommen. Für den Privatmann empfiehlt es sich deshalb, diese Geldstücke nicht mehr anzunehmen. Den meisten unserer Genossen wird die eingehende Prüfung ihrer Thalerbestände keine großen Schwierigkeiten machen. Aus Bad Nauheim wird uns geschrieben: Ein schönes Osterei wäre uns in diesem Jahre beinahe bescheert oder richtiger genommen worden. Unser großer Sprudel, an dem unser ganzes Sein und Nichtsein hängt, war ausgeblieben. Durch sofortige zweckmäßige Maßregeln verhinderte man zwar das gänzliche Wegbleiben, doch fließt die Quelle nicht mehr so stark als vorher. Allgemein ist man hier der Meinung, daß die in letzter Zeit vorgenommenen verschiedenen Bohrungen unsere Quellen in höchstem Maße gefährden und viele alte Nauheimer Sachkenner erklären die ewige Bohrerei ganz offen für ein höchst gewagtes Experiment. Thatsächlich haben sie Recht behalten, wenn auch dieses Mal das Uebel noch abgewendet wurde. Ueberall giebt man aber der Meinung Ausdruck, daß bei den letzten Bohrungen oder Aufräumungsarbeiten, wie man es nennt, weniger die Notwendigkeit, als falscher Ehrgeiz und Ruhmsucht der treibende Faktor sei. Wir wollen die Be⸗ rechtigung dieser Meinung nicht untersuchen, was aber bei diesen Experimenten auf dem Spiele steht, davon konnte man sich bei dem Eintreffen der Unglücksnachricht schon ein kleines Bild machen. Die Bestürzung war eine der⸗ artige, wie sie vielleicht kaum das Eintreffen einer Kriegserklärung hervorgerufen hätte. Und das mit Recht. Haben doch gerade die alten Nauheimer Kleinbürger schon genug zu kämpfen, um sich nur noch über Wasser zu halten. Thätigkeitsfeld gesucht und vielfach gefunden. Und alle setzen ihre Hoffnung auf den Sprudel. Dazu kommt, daß man auch die Steuer⸗ schraube in diesem Jahre wieder stärker Ueber 400 Steuererklärungen angezogen hat. kamen mit dem Vermerk„Ungenügend“ zurück; das heißt, die Einschätzungen wurden zu niedrig befunden. „berühmten“ Ehrenbürger möchte man heute am liebsten nach China schicken— und Steuer⸗ rat Knoll die bestgehaßtesten Leute. Letzterer ist jetzt hier ein gar nicht seltener, aber recht ungebetener Gast. Bei diesen Zuständen ist es begreiflich, wenn man der Regierung in puncto Sprudelbohrung nicht mehr das alte Vertrauen entgegengebringt.— Auch der Bau des neuen Badehotels wird vielfach recht abfällig bes urteilt. Doch hierüber ein anderes Mal. * Am Dienstag Abend ist der„große Sprudel“ abermals längere Zeit ausgeblieben. Der Bevölkerung hat sich eine hochgradige Er⸗ 0 regung bemächtigt; man spricht sogar davon, die Einstellungen der Bohrungen mit Gewalt zu erzwingen. Im Geschäftsleben hat eine all⸗ gemeine Panik Platz gegriffen. Man kann sagen, daß schon jetzt Immobilien ganz be⸗ deutend im Werte gesunken sind; eine Anzahl Neubauten werden halbfertig liegen bleiben müssen, weil die Kredite verweigert werden. In der Bürgerschaft finden die Maßnahmen 1 e Regierung die schärfste Verurteilung; schwersten Angriffe richten sich natürlich gegen den Geh. Bergrät Prof. Dr. Lepsius, der die Bohrungen leitet und dessen Thätigkeit nur noch bespöttelt wird. Herr Lepsius hat sich in den kritischen Tagen nicht sehen lassen— er soll sich in im Elsaß befinden— und darüber ist man am meisten empört. der vielen kleinen Leute, die materiell in Mit⸗ leidenschaft gezogen sind, muß man die Wieder⸗ kehr normaler Zustände dringend wünschen. Sache der Regierung wäre es aber, ganz ener⸗ gisch einzugreifen, vor allen Dingen aber die Bohrungen einzustellen. Antisemitische Versammlung in Hungen. Auf nächsten Sonntag haben die Antisemiten eine Versammlung nach Hungen einberufen, in der sie gegen den„Brotwucherschwindel“ Herr Hirschel tritt als protestieren wollen. f Referent auf und wird den Bauern, die kein Getreide verkaufen können, nachweisen, daß sie doch einen Nutzen von den Zöllen haben. Das Kunststück ist auch für unsere Genossen inter⸗ essant, wir raten ihnen deshalb sich dasselbe anzusehen und die Versammlung zu besuchen. Aus Wetzlar. „Bemerkenswerter Prozeß. Wegen Brandstiftung in drei Fällen war von der hiesigen Strafkammer im November 1898 der Schuhmachergeselle Ludwig Is bach aus Dillen: bach zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt worden. aufnahmeverfahren durch. Infolge dessen be⸗ gann am Mittwoch hier die neue Verhandlung, zu welcher 37 Zeugen und 3 Sachverständige Es macht sich hier eine geradezu gemeingefährliche großkapitalistische Spekulation breit. Gewissen⸗ 4 lose Agenten, unsichere Existenzen aller Art und sonstige Freibeuter haben sich hier ein e So sind denn jetzt die Herren Professor Lepsius— diesen unseren — Im Intereß Sein Verteidiger setzte das Wieder⸗ 15 i Stele 0 Gemei s geh Fer in Get Hann I Gersseld, Hötels ei Fuh fir! Posenmeif die Handel erman! Neuhof hlachteten 0 110 das dual. se betkull? NMenchenle 0* unsaubere 1 Gottlieb f Euaftam Fehens ge. zu berant bernomme Stücke Anzeige. beschauer wurde, b Jahre an hiesit Gericht herurteil fängni Fluchtbe hatte ein meingefä am Plat 1 ae arzt aus u Grof krankte 1 asssernte borigen Die Unt weiteren K 1 bon Ihn 1 M FEänre g. hn sofo Und bra betsuche noch an die eing ö hirterläf 11 Lansiag die Leh 1 gte De az Gin f HGefängn Naue 12 Jaht Jene 11 ———— n unseren an heute D Steuer⸗ Letzterer lber recht, en ist es n puncto Vertrauen des neuen lig be. al. Sprudel“ blieben, dige Er⸗ ar dabon, t Gewalt i eine al⸗ dan 1 anz be g Alzall 1 bleiben ˖ 0 ahmen del ung; die lich gegel ins, del tigkeit ur! hat sich en— el 0 darübe Interest in Mil 1e Wicht 1 0 i ele ch d 6 ung geladen waren. Menschenleben in Gefahr bringen konnten. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Das Gutachten der letzteren lautete dahin, daß Isbach in allen drei Fällen sinnlos betrunken, also geistig nicht zurechnungs⸗ fähig gewesen sei. Gemäß dem Antrage des Staatsanwaltes erkannte das Gericht nach der am Donnerstag zu Ende geführten Verhandlung auf Freisprechung. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Gemeingefährlicher Echwindler. Es geht mitunter doch noch recht unreell her im Geschäftsleben. Kaufte da der Handels— mann Oppenheimer zu Schmalnau bei Gersfeld(Rhön) vom Bauer Reinhardt zu Bäkels(ebenfalls in der Rhön) eine kranke Kuh für 15 Mk. und verkaufte dieses fast dem Wasenmeister verfallene Stück Vieh wieder an die Handels⸗ und Metzgersleute Lazarus und Hermann Gottlieb, Vater und Sohn, zu Neuhof(Kreis Fulda) für 85 Mk. Diese schlachteten die Kuh und waren gewissenlos genug, das Fleisch in den Handel zu bringen, obwohl sie wußten, daß es hochgradig tu⸗ berkulös war und sie damit eine 9 ie unsaubere Sache wurde ruchbar und brachte Gottlieb sen. und jun. vor die Schranken der Strafkammer in Fulda, um sich wegen Ver⸗ gehens gegen§ 12 des Nahrungsmittelgesetzes zu verantworten. Der als Sachverständiger vernommene Kreistierarzt fand tuberkulöse Stücke Fleisch bei Gottlieb vor und erstattete Anzeige. Der städtische Fleisch⸗ und Trichinen⸗ beschauer Rauck, der auch als Zeuge vernommen wurde, bekundete, daß von Gottlieb in einem Jahre etwa 7000 Kilogramm Fleisch an hiesige Metzger geliefert worden sei. Das Gericht sprach die Angeklagten schuldig und verurteilte sie zu je sechs Monaten Ge⸗ fängnis und Aufrechterhaltung der Haft, da Fluchtverdacht vorliegt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr beantragt.— Für dieses ge⸗ meingefährliche Treiben wäre eine härtere Strafe am Platze gewesen. Kleine Mitteilungen. * Blutvergiftung zog sich eig Tier⸗ arzt aus Gießen bei Behandlung einer Kuh in Großenbuseck zu. Der bedenklich Er— krankte befindet sich jedoch wieder außer Gefahr. ** Die Verhaftung des Stations⸗ assistenten Fiege in Vilbel, bon der wir in der vorigen Nummer berichteten, bestätigt sich nicht. Die Untersuchung über diese Sache ist nach weiteren Nachrichten noch nicht abgeschlossen. aphterton., In dor Leder fabrik von Ihm in Mainz stürzte am vergangenen Mittwoch ein Arbeiter in einen mit giftiger Säure gefüllten Bottich. Seine Kollegen zogen ihn sofort heraus; er eilte noch nach Hause und brach dort zusammen. Trotz der Rettungs- versuche zweier Aerzte starb der Unglückliche noch an demselben Tage an Vergiftung durch die eingenommene Säure. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe und ein Kind. n Jugendlicher Raubmörder. Am Samstag fand vor dem Landgericht in Leipzig die Verhandlung über die am 13. Februar er⸗ folgte Ermordung des Laufburschen Otto statt. Der Arbeitsbursche Ernst Thärigen wurde wegen Mordes und Raubes zu 15 Jahren Gefängnis, der Schulknabe Willy Krost wegen Mordes, Raubes und einfachen Diebstahls zu 12 Jahren 1 Monat Gefängnis verurteilt. Ans dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 11. April 1901. — Kornhaus-Genossenschaft. Im benachbarten Cölbe fand am 3. Feiertag eine Versammlung von Landwirten und Vertretern der Raiffeisen'schen Genossenschaften aus den Kreisen Marburg, Kirchhain und Frankenberg statt, um die Gründung einer Kornhaus⸗ enossenschaft zu beraten. Die Versamm⸗ ung wurde durch Amtsgerichtsrat Klingenbiel⸗ Neustadt geleitet. Da die vom Staate bewilligten Mittel zur Errichtung von Kornhäusern in⸗ zwischen aufgebraucht sind, so ist man gezwungen, auf eigene Kosten die Errichtung vorzunehmen; dieselben dürften sich auf ca. 66,000 Mk. be⸗ laufen. Als Platz für die Errichtung eines Silos war der Bahnhof Marburg-Süd zuerst ins Auge gefaßt worden, doch wurde später davon abgesehen und Cölbe, weil ziemlich als Mittelpunkt der drei Kreise, am passendsten gelegen, als der geeignetste Platz bezeichnet; während der Kirchhainer Landrat für Kirchhain eintrat. Auf Antrag des letzteren wurde schließlich eine Kommission von 25 Mitgliedern gewählt, welche sich mit der Angelegenheit näher befassen soll. R. Stiftungsfest. Die hiesige Zahlstelle des deutschen Holzarbeiter⸗Verbandes begeht, wie aus dem Inserat ersichtlich ist, am Sonntag den 21. April Abends 8 Uhr im Restaurant Schloßgarten ihr 10 jähriges Stiftungsfest verbunden mit Fahnen⸗ weihe. Da keine besonderen Einladungen ergehen, so seien die Kollegen, Freunde und Genossen von Marburg und Umgegend hierdurch freundlichst dazu eingeladen. Der Arbeiter⸗ Gesangverein Eintracht sowie die gesammte Kapelle Pauli werden das Fest durch ihre bekannten Leistungen verschönern. Gen. Vetters⸗ Gießen hält die Festrede. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfg. Auswärtige Gäste und die Mitglieder des Arbeiter⸗Gesangvereins Eintracht zahlen unter Vorzeigung der Mitglieder⸗ karte 25 Pfg. R. Ortskrankenkasse. Der Vorstand der Ortskrankenkasse macht bekannt, daß die Generalversammlung am 16. April, abends 8 Uhr, in der Aula der alten Realschule stattfindet. Unsere Generalversammlungsver⸗ treter werden ersucht, die Versammlung zu be⸗ suchen und bei der Vorstandswahl für die unsererseits aufgestellten Kandidaten zu stimmen. Arbeiterbewegung. * Buchdruckerverband. Der Gau Frankfurt⸗Hessen des Verbandes der deutschen Buchdrucker hielt während der Feiertage in Offenbach den 12. Gautag ab, an dem aus den Bezirken Frankfurt, Offenbach, Gießen, Marburg und Kassel 37 Delegierte teilnahmen. Den Vorsitz führte Dominé⸗Frank⸗ furt. Nach dem Jahresbericht des Gauvor⸗ standes ist die Mitgliederzahl von 726 in 1891 auf 1228 in 1900 gestiegen, während sich der Bestand der Gaukasse in derselben Zeit von Mk. 3002 auf Mk. 10,810 hob. In ähnlicher Weise ist das Vermögen der Bezirkskassen ge⸗ stiegen, deren Bestand sich Ende 1900 auf Mk. 8653 bezifferte. Der Antrag:„Mitglieder, die 200 Wochenbeiträge im Gau geleistet haben, können im Krankheitsfall aus der Gaukasse 10 Wochen lang pro Tag 25 Pfg. Zuschuß erhalten,“ wurde dahin erledigt, daß der Gau⸗ vorstand sich nach Ablauf der Tarifbewegung mit den Bezirksvorständen wegen dieser Ange⸗ legenheit in Verbindung setzen soll. Frankfurt bleibt weiter der Vorort.— Am zweiten Ver⸗ handlungstage wurden unter Zuziehung der Vertreter aus dem dritten Tarifkreis Hanau, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden die Tarif⸗ verhältnisse beraten. Nach lebhafter Debatte wurde folgende Resolution einstimmig ange⸗ nommen: „Der Gautag fordert den Gehilfenvertreter des dritten Kreises auf, in entschiedener Weise einzutreten für eine durch die Teuerungs⸗ verhältnisse bedingte wesentliche Erhöhung der Grundpositionen und Neuregelung der Lokalzuschläge, für Beseitigung der Maschinen⸗ meister⸗Klausel, für Wegfall der Ausnahme⸗ bestimmungen für Städte unter 20,000 Ein⸗ wohner und bessern Ausgleichung für Städte unter 6000 Einwohner, für Herabsetzung der bisherigen Lehrlingsskala und Gleichstellung derselben für Drucker und Setzer, für erhöhte Entschädigung der Ueberstunden und für Aufnahme des 8616 des Bürgerlichen Gesetz⸗ buchs in den Tarif. Die Erhöhung des Lohnes ist sämtlicheu Gehilfen, auch den be⸗ reits über Minimum entlohnten, zu gewähren.“ Schließlich wurden den ausgesperrten Glas⸗ arbeitern in Nienburg 100 Mk. bewilligt. + Der Bäckerverband hielt diese Woche seine Generalversammlung in Mainz ab. Nach der„Fraukf. Ztg.“ wurde die Ein⸗ führung der Arbeitslosen-Unterstützung mit 23 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Es wurde aber beschlossen, nunmehr die Mitglieder des Verbandes selbst über die Einführung einer Arbeitslosen⸗Unterstützung abstimmen zu lassen. Schuhmacher Aussperrung in Berlin. Vom Verband Berliner Schuh⸗ fabrikanten wurde kürzlich eine umfangreiche Au s⸗ sperrung vorgenommen. Die Zahl der Aus⸗ gesperrten betrug am Anfang der Differenzen etwa 900; in 31 Schuhfabriken ruhte die Arbeit vollständig. Die Gewerkschaftskommission sicherte den Ausgesperrten Unterstützung zu. Eine Einigung wurde noch nicht erzielt. T Die Tapezierer in Offenbach be⸗ finden sich noch im Ausstand. Nur wenige Geschäfte bewilligten die Forderungen. —— — Kontrollversammlung en finden im Kreise Gießen noch folgende statt: In Gießen am 15. April, vormittags 8 Uhr: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Vormittags 10 Uhr: Ersatz⸗Reservisten der Jahrgänge 1894, 1895, 1896, 1897, 1898, 1899 und 1900. Nachmittags 2 Uhr: Ersatz⸗Reservisten der Jahrgänge 1888, 1889, 1890, 1891, 1892 und 1898. In Lollar am 16. April (für die dazu gehörigen Ortschaften) Vormittags 8 Uhr 45 Min.: Reservisten, sowie zur Disposttion der Truppenteile und der Ersatz⸗ Behörden ent⸗ lassenen Mannschaften aller Waffen. Vormittags 11 Uhr: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Nachmitttags 1 Uhr: Sämtliche Ersatz⸗Reservisten. In Grünberg am 17. April: Vormittags 9 Uhr 15 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. Vormittags 11 Uhr 30 Minuten: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen. Nachmittags 1 Uhr: Sämtliche Ersatz⸗Reservisten. In Lich am 18. April: Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen und sämtliche Ersatz⸗Reservisten. n Hungen am 19. April, 5 vormittags 9½/ Uhr: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz⸗Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen. Mittags 12 Uhr: Wehrleute 1. Aufgebots aller Waffen und sämtliche Reservisten. —PPPPTPTPPPP0T0PPPPPPPPP( c( Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 13. 05 1 Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 905 sammlung bei Orbig. Tagesordn.: Kreis⸗ konferenz und Wahl der Delegierten. Sonntag, den 14. April. Wahlverein. Vormittags 10 Uhr bei Tagesordnung: Delegiertenwahl und Lollar. Schupp. Verschiedenes. Montag, den 15. April. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.— Tapezierer. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Mittwoch, den 17. April. für Kon sum verein. ezßen. Kom mission Sich Die Listen Sitzung abends 9 Uhr bei Orbig. sollen mitgebracht werden. Samstag, den 20. April.. Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr bei Müller, Hirschberg 12.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr bei Jesberg, Wehrdaerweg. Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. N b Anterhaltungs-Ceil. Mahnung! Wackrer Deutscher, sei geduldig, Thue friedsam deine Pflicht. Was du deinen Junkern schuldig, Nimms auf dich und maule nicht. Mag dir auch der Magen knurren Bei des Brotes hohem Preis, Unterdrücke jedes Murren Und— verdopple deinen Fleiß! Statt der Stiefel— Holzpantoffeln, Statt der Federn— Haberstroh, Statt des Roggenbrots— Kartoffeln— Sage, geht es nicht auch so? g Wird das Leben auch zur Hölle, Legst du hungernd dich aufs Ohr— Deine Junker brauchen Sölle Und die Junker gehen vor. Geht uns dieser Stand verloren, Schwindet unser bestes Gut, Und zum dienen bist geboren Du und deiner Rütte Brut. Gpfere auf dich auf der Erden, Uebe willig deine Pflicht, Droben wirst du selig werden, Wie's der Pastor dir verspricht. L. im„Wahren Jakob.“ Die Mauthpredigt. Jetzt, wo die Junker sich rüsten, einen neuen Raubzug auf die Taschen des Volkes zu unter⸗ nehmen, ist es für jeden interessant und sogar notwendig, sich darüber, wie die Zölle ent⸗ standen sind, zu unterrichten. Zu diesem Zwecke eignet sich die„Mauthpredigt“ Ludwig Börnes, die wir nachstehend abdrucken, vor⸗ trefflich. 8 Börne ist ein geborener Frankfurter. Er wurde dort am 6. Mai 1786 als Kind jüdischer Eltern geboren. Zuerst war er Polizeiaktuar in Frankfurt; später widmete er sich der Schrift⸗ stellerei. Seit der Julirevolution(1830) lebte er in Paris, wo er seine„Pariser Briefe“ schrieb, in denen er die Mißstände auf allen Gebieten geißelte, indem er an Tagesereignisse und Vorkommnisse ankrüpfte, die damals das öffentliche Interesse in Deutschland in Anspruch nahmen. Die Pariser Briefe erregten unge⸗ heueres Aufsehen. Börnes politische Aufsätze waren eben musterhaft; wenige Schriftsteller haben ihn auf diesem Gebiete erreicht. Ein Meisterstück ist die Mauthpredigt. Sie knüpft an an einige Tumulte, die damals (1832) in den hessischen Dörfern bei Frank⸗ furt d. M. stattfanden wegen Einführung der Mauth oder, wie man sich heute ausdrückt, des Zolles. Die Volksmenge hatte die verhaßten Zoll häuser gestürmt und wie damals und noch jetzt üblich, wurde zur„Beruhigung“ des Volkes Militär herbeigeführt und es gab die herge⸗ brachten Salven und Kavallerieangriffe. Als Börne von diesen Vorkommnissen erfuhr, schrieb er seine Mauchpredigt, die populärste Darstellung, wie die Zölle(Finanzzölle; die Schutzzölle und Liebesgaben der heutigen Art sind eine noch raffiniertere Erfindung) entstanden sind. „Das sind recht traurige Verhältnisse“, schreibt er im Hinblick auf die Tumultes und deren Folgen,„und am traurigsten ist, daß sich die Regierungen nicht zu helfen wissen. Immer Gewalt, immer Blutvergießen! Warum suchen sie das Volk über die wahre Beschaffenheit der Mauth, ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit nicht aufzuklären? Warum suchen sie es nicht durch Sanftmut zu beruhigen, durch Ueberredung zu gewinnen? Warum tragen sie den Geistlichen nicht auf, von der Kanzel herab ihre Gemeinden im Zollwesen zu unterrichten? Wäre ich Pfarrer von Fechenheim, Bergen oder Bockenheim, hätte ich am ersten Sonntag nach dem monarchischen Gemetzel an der Mainkur ungefähr folgende Predigt gehalten, und dadurch gewiß zur Er⸗ haltung der Ruhe mehr beigetragen als zehn Schwadronen Husaren im Stande sind.“ Nun kommt die jetzt wieder sehr zeitgemäße Mauthpredigt: Liebe Gemeinde! Am Freitag ward Ihr wieder rechte Esel gewesen und habt Euch tot⸗ schießen lassen. Wißt Ihr warum? Ich will die ganze Woche keinen Tropfen Wein trinken, wenn Ihr es wißt. Dummköpfe seid Ihr und Schwerenöter! Ihr jammert über die Mauth, Ihr wollt keine Manth bezahlen! Wißt Ihr denn, was die Mauth ist heut zu Tage? Wißt Ihr, was sie sonst gewesen? Begreift Ihr denn nicht, wie viel besser Ihr es jetzt habt als in früheren Zeiten? Nun, so gebt Acht; ich will Euch eine Laterne in den Kopf hängen. Viele von Euch sind doch schon einmal den Rhein hinabgefahren; das Haus dort, das weiß ich, ist oft als Flotzknecht nach Holland ge⸗ kommen, ehe er sich eine Frau genommen— ein kreuzbraves Weib, ste hat mir gestern eine fette Gans geschickt. Und wer von Euch nicht am Rhein war, der ist doch einmal in König⸗ stein gewesen und am Falkenstein vorbeige⸗ kommen. Nun, das ist alles eins. Oben auf den Bergen an beiden Seiten des Rheins, da sehet Ihr viele verfallene alte Schlösser, die man Burgen nennt. Sie waren aber nicht immer so öde und verfallen, wie sie jetzt sind. Ehemals waren es prächtige Schlösser, worin die Ritter wohnten, und es ging lustig da her. Liebe Kinder! Die Ritter, das waren prächtige Leute! An denen hatte doch der liebe Herrgott noch seine Freude. Wenn sie sich recht wild herum⸗ tummelten in ihres Vaters Garten, und er lag am Sonnenfenster und sah zu, wie sie spielten, lachte er und sagte: Jugend hat keine Tugend, das will sich austoben; aber es ist mein Herz und mein Blut. Wenn aber der liebe Herrgott uns jämmerliche Wichte siehet, seine jüngsten Kinder, die den ganzen Tag hinter den Büchern hocken und heulen, wenn sie der gestrenge Herr Schulmeister mit seinem Lineal anrührt, dann schämt er sich, unser Vater zu sein, schlägt das Frnster zu und brummt: Ja, ja, ich bin alt geworden! So ein Ritter war kerngesund, stark wie ein Stier, und wenn er sein Kreuz gegen den Teufel geschlagen hatte, fürchtete er sich vor nichts in der Welt. So ein Kerl hat Euch den ganzen Tag zehn Pfund Rot⸗ und Schwarzwildpret gegessen, sechs Pfund Hammel⸗ fleisch, ein schön Stück Schinken, einen großen Rosinenkuchen, aber wenig Brot. Dazu hat er getrunken zwei Eimer Bacharacher oder Rüdes⸗ heimer und abends vor dem Schlafengehen ein paar Maß warmen Gewürzwein. Ich sage Euch, Kinder, es ist nichts gesünder als warmer Wein mit Zucker, Nelken und Zimmet angemacht. Seht Ihr, solch' ein lustig Leben haben die alten Ritter geführt: gut gegessen, gut getrunken und gut geschlafen. Und die übrige Zeit haben sie gejagt und sich untereinander herumgebalgt. Das war aber kein Kriegführen wie heute, es war ein wahrer Spaß. Man schlug sich ein⸗ ander auf Helm und Schild, und war einer tüchtig getroffen, so ging er zum Schmied, und den anderen Tag war alles wieder gut. Das hundsföttische Pulver war noch nicht erfunden. Nun hört weiter. Die Ritter hatten zwar große Schlösser, schöne Pferde, viele Jagdhunde und Knechte; aber sie hatten kein Geld. Woher wollten sie Geld haben? Sie arbeiteten niemals und verdienten also nichts. Aber alle Menschen sind Gottes Kinder, und wenn es einen Meuschen giebt, der nichts arbeitet, ist es Christenpflicht, daß der andere, welcher arbeitet, ihn ernährt. Die frommen Ritter, welche Gottes Gebot kannten und ehrten, richteten sich auch danach, und so oft sie Geld brauchten, nahmen sie es von den Arbeitsleuten, die welches hatten; und das machten sie so: Auf die hohen Türme ihrer Burgen stellten sie einen armen Knecht mit einem Horn, der mußte Tag und Nacht Acht geben und umherschauen, und sobald ein Schiff mit Waren den Rhein hinauffuhr oder ein Wagen auf der Chaussee kam, um ihre Ladung auf die Frankfurter Messe zu bringen, stieß der Knecht ins Horn. Die Ritter, die das Zeichen verstanden, sprangen darauf vom Tische oder aus dem Bette auf, ergriffen ihr Schwert und eilten die Burg hinab. Schiff und Wagen fr wurden angehalten, Schiffer, Fuhrleute und Kaufherreu wacker durchgebläut, Kisten und Kasten aufgeschlagen und alles herausgenommen. Darauf sagten die Ritter: Viel Glück zur Frankfurter Messe, Ihr Herren! und kehrten mit ihrem Fange jubelnd zur Burg zurück. Und weil sie auf diese Art ihr Brot verdienten, nannte man sie Raubritter. Die Waren ver⸗ kauften sie dann um einen Spottpreis an Juden, und so hatten sie Geld. Die Juden verkauften den geplünderten Kaufleuten ihre eigenen Waren. 0 wieder und darauf zogen sie zur Frankfurter Messe, und alles war gut. So ist die Mauth entstanden, und was damals die Raubritter waren, sind heute die Zöllner. Jetzt gebt weiter Acht. Die Kaufherren überlegten endlich bei sich: Wäre es nicht ge⸗ scheidter, wir gäben den Rittern lieber gleich so viel bar Geld, als sie für unsere Waren von den Juden bekommen? Diese Spitzbuben lassen sich von uns zweimal so viel bezahlen, als sie selbst bezahlten. So wäre die Hälfte Profit und die Prügel wären auch gespart. Sie schickten also dem Ritter Kunz eine Depu⸗ tation, die trug ihm vor: Herr Ritter, Ihr seid ein ehrlicher Mann, Ihr habt uns nie etwas zu Leid gethan; aber Euer Nachbar, der Ritter Rupprecht, ist ein Spitzbube und ein Räuber, der, so oft wir vorbeikommen, uns mißhandelt und beraubt. Wir kommen also, Euch einen Vorschlag zu machen. So oft wir an Eure Burg kommen, begleitet uns mit einem Fähnlein bis vor der BurgfEures bösen Nachbarn vorüber, beschützt uns und duldet nicht, daß er uns beraube und zu Grunde richte. Für Euren guten Willen geben wir Euch jedes Mal hundert Goldgulden. Ritter Kunz er⸗ widerte: Ihr seid kluge Leute und ich will es bedenken; heute Abend gebe ich meinen Nachbarn einen Schmaus, habt Ihr nicht vielleicht ein Fäßchen Bacharacher auf Eurem Schiff? Die Kaufleute holten das Jäßchen, gingen darauf zu Ritter Rupprecht und sagten zu ihm: Herr Ritter, Ihr seid ein ehrlicher Mann, Ihr habt uns nie etwas zu Leide gethan; aber Euer Nachbar, der Ritter Kunz, ist ein Spitztube und Räuber, der, so oft wir vorbeikommen, uns mißhandelt und beraubt. Wir kommen also, Euch einen Vorschlag zu machen. So oft wir an Eure Burg kommen, begleitet uns mit einem Fähn⸗ lein bis vor der Burg Eures bösen Nachbarn vorüber, beschützt uns und duldet nicht, daß er uns beraube und zu Grunde richte. Für Euren guten Willen geben wir Euch jedes Mal hundert Goldgulden. Ritter Rupprecht erwiderte: Ihr seid kluge Leute und ich will es bedenken; morgen Mittag gebe ich meinen Nachbarn einen Schmaus, habt Ihr nicht vielleicht einige gute Schinken auf Eurem Wagen? Die Kaufherren holten die Schinken und gingen darauf zum Ritter Eberstein, und so gingen sie von einem Ritter zum anderen, von Rüdesheim bis nach Bonn und sprachen mit allen auf die nämliche Weise. Und wie abends viele Ritter zum Ritter Kunz zum Schmause kamen, und jeder seinem ö duter mit Nachbar erzählte, wie die Kaufherren ihn in's Gesicht einen ehrlichen Mann gescholten, und seinen Nachbarn als Spitzbuben gelobt, lachten sie alle ganz unbändig und zechten, bis der Morgen graute. Die Handelsleute hatten es aber jetzt viel besser als früher. So währte das einige Jahrhunderte lang. Endlich merkten die Kaiser, Könige, Herzöge, Fürsten, Landgrafen, die Vorfahren unserer gnädigsten Landesherren, daß sie lange dumm gewesen. Sie dachten: Ei, die Ritter verdienen ein schön Stück Geld an den Bürgers⸗ und Landleuten; sind wir nicht rechte Narren, daß im Lande, wir oder die Ritter? Das muß anders werden. Sie sagten also den Kaufleuten: Ihr untersteht Euch nicht mehr, Euch von den Riitern loszukaufen; das Geld, das Ihr ihnen gegeben, gebt ihr künftig uns selbst, und dagegen beschützen wir Euch gegen jede Gewalt. Die Kaufleute mußten das zufrieden sein, und den Rittern wurde von den Landesherren untersagt, sie zu beunruhigen. Diese ließen sich aber borgen 5 0 ut a wir es nicht selbst verdienen? Wer ist Herr 0 — — — — — — — —— = . — „bauct; wi den Geleit vnd das ö finger Zeit anzüberfl ur Begleit scher finde Wir ja spa und ließen le 2 andes w. oft da W. alten Rau welche Ab nun ein Unterthane Herr Brude wie ich es auch Mauth geschoren se Jetzt w Ochsen sei beklagt. 9 schlimmer und gemi mit Ordm — blatt keine Schl. ett, wie 3 acht, we wollt und ker nicht Rob war, Jflicher if Ihr auf sotgescose e für! nimmt Un 0 reich Hfennige N foch bor 0 beg Ibr Vehält der lacht, er uten Ge Aaubniter arbetten 1 an seinem Euch nich (eld, soz dr. 45 ert und Wagen ute und sommen, lück zur lehrten Jurüc, dieter, n Juden, eckauften u Waren ankfurter e Mauth aubritter ufherren licht ge⸗ er gleich e Waren bitzbuben bezahlen, ie Hälste gespart. le Dehu—⸗ ter, Ihr Uns nie „bar, der und ein len, une nen also, oft wir uns mit res bösen d duldet nde richte. uch jedes stunz er⸗ h will es Nachbarn leicht ein ff? 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Auch hielten sie Wort, zer⸗ störten alle Raubburgen, nahmen die Ritter gefangen und führten sie an ihren Hof, wo sie durch gutes Futter bald zahm gemacht wurden. Deu Kaufleuten aber gaben sie das Geleit, so oft sie auf die Messe zogen. Als es nun keine Räubereien mehr gab, und die Kaufleute keine Furcht mehr hatten, gingen sie zu ihren Landes⸗ herren und sagten ihnen: Wir danken unter⸗ thänigst für den bis jetzt geleisteten Schutz; aber wir brauchen ihn nicht mehr, denn die Straßen sind sicher. Die Fürsten erwiderten darauf: Es freut uns, daß Ihr uns nicht nehr braucht; wir brauchen aber Euer Geld, und den Geleit müßt Ihr bezahlen nach wie vor, und das ist jetzt altes Herkommen. Nach einiger Zeit bedachten die Fürsten: Ist es nicht ganz überflüssig, daß wir den Kaufleuten Husaren zur Begleitung mitgeben, da doch die Wege sicher sind? Die Kosten des Geleits können wir ja sparen. Sie hoben also das Geleit auf, und ließen sich statt Geleitgeld Zoll be⸗ zahlen. An allen Ein⸗ und Ausgängen des Landes wurden Zoll häuser errichtet, und so oft da Waren vorüberkamen, mußten sie den alten Raub und das alte Geleit abkaufen, welche Abgabe man Zoll nannte. Beklagte sich nun ein benachbarter Fürst, daß man seine Unterthanen drücke, antwortete der diesseitige: Herr Bruder, macht es mit meinen Unterthanen, wie ich es mit den Eurigen mache; laßt Euch auch Mauth von ihnen bezahlen; Schafe wollen geschoren sein, sonst gedeihen sie nicht. Jetzt werdet Ihr deutlich einsehen, daß Ihr Ochsen seid, wenn Ihr Euch über die Mauth beklagt. Habt Ihr es nicht ehemals noch viel schlimmer gehabt? Sonst wurdet Ihr beraubt und gemißhandelt; jetzt werden Enre Kisten mit Ordnung geöffnet, man nimmt Euch mit Höflichkeit Euer Geld ab, und Ihr bekommt keine Schläge mehr. Zwar werdet Ihr noch jetzt, wie zu den Zeiten der Raubritter, totge⸗ macht, wenn Ihr die Mauth nicht bezahlen wollt und Euch zur Wehr setzt; Ihr werdet aber nicht mehr wie damals totgehauen, welches grob war, sondern totgeschossen, welches viel höflicher ist und gar nicht wehe thut; und da Ihr auf Befehl Eures gnädigen Landesherrn totgeschossen werdet, und da ist es noch eine Ehre für Euch. Wenn Ihr aber fragt: Warum nimmt unser gnädigster Landesherr, der doch so reich ist, uns armen Teufeln ihre par Pfennige weg; warum müssen wir das Pfund Zucker mit dreißig Kreuzer bezahlen, das uns noch vor acht Tagen nur achtzehn gekostet? so zeigt Ihr wieder, daß Ihr Ochsenköpfe seid. Behält denn unser gnädigster Landesvater Euer Geld für sich? Ei bewahre! Das braucht er nicht, er hat mehr als genug. Aber mit Eurem Gelde ernährt er die Nachkommen jener Raubritter, die wie ihre Vorfahren, nicht arbeiten und nichts erwerben, als Müssiggänger an seinem Hofe leben, und für die Ihr, da sie Euch nicht mehr berauben dürfen, wie billig, sorgen müßt. Und nicht blos für diese Räuber⸗ brut braucht unser gnädigster Landesfürst Euer Geld, sondern auch seine vielen Soldaten zu bezahlen. Und jetzt seid mir keine Esel und fragt: Wozu braucht er so viele Soldaten? Das habt Ihr ja am Freitag selbst gesehen, wozu er sie braucht! Hätte er keine Soldaten ehabt, hätte er ja mit Euch nicht fertig werden 113525 als Ihr die Mauth gestürmt. Nun sagt Ihr aber vielleicht: Aber wäre keine Mauth da, wären wir ruhig geblieben; sind wir ruhig, braucht man keine Soldaten; hat man keine Soldaten, braucht man unser Geld nicht; braucht man unser Geld nicht, ist die Mauth unnötig. In dem, was Ihr da sagt, ist etwas Verstand, und ich sehe, Ihr seid gar nicht so dumm, wie Ihr aussehet. Aber, liebe Kinder, Ihr müßt noch etwas bedenken. Unser gnädigster Landesvater braucht nicht blos seine Soldaten gegen Euch, seine Kinder, sondern er braucht sie auch gegen Fremde, gegen den äußeren Feind. Fragt Ihr nun: Wer ist sein Feind, wer will ihm etwas zu Leide thun? muß ich Euch auf⸗ richtig antworten: es denkt keiner daran. Aber unser gnädigster Landesherr hat eine große Familie, für die er auch sorgen muß. Alle Kaiser, Könige, Großherzoge, Herzoge und Fürsten sind seine Verwandten, denen er in der Not beisteht; das ist Christenpflicht. Macht Ihr es nicht auch so? Der Kaiser von Rußland ist sein Bruder, der Kaiser von Oesterreich ist auch sein Bruder, der König von Preußen ist sein Schwager. Nun sehet: der Kaiser Niklas will Polen haben, der Kaiser Franz will Italien haben, der König Friedrich Wilhelm weiß selbst nicht, was er haben will; denn er will Alles haben. Run ist aber das mächtige Frankreich drüben; dort ist der König nicht Herr über alles, er ist nicht mehr als jeder andere, er ist nur der erste Bauer im Lande. Das Volk ist dort alles und für das Volk geschieht alles. Nun sagen die Franzosen: alle Völker sind mit uns verwandt, wir sind alle von einer Familie. Die Polen sind unsere Brüder, die Italiener sind unser Vettern, die Deutschen sind unsere guten Nachbarn. Und wir wollen nicht leiden, daß ihnen jemand etwas zu leide thue, sondern ihnen helfen. Darum leiht unser gnädigster Landesfürst den Kaiser und Königen seine Soldaten, damit sie mit den Franzosen fertig werden, und darum müßt Ihr Mauth bezahlen. Und die Soldaten, die man gegen die Franzosen schickt, das sind Euere eigenen Söhne und Brüder, und damit sie gern marschieren— denn wer könnte sie zwingen, wenn sie nicht wollten— lügt man ihnen vor, die Franzosen wären Feinde der Deutschen und wollten unser Land erobern. Glaubt es nicht. Die Franzosen sind Euere besten Freunde, und wenn sie kommen, kommen sie blos, den Polen und Euch beizu⸗ stehen, und Ihr müßt sie mit Jubel empfangen und gleich in die Schenke führen. Aber schließt Eure Mädchen ein, bis sie wieder fort sind. Jetzt habe ich Euch erklärt, was die Mauth ist: nun geht und bessert Euch. Wie wollt Ihr es denn vor Gott und Eurem Gewissen ver⸗ antworten, wenn Ihr widerspenstig seid gegen Enren gnädigen Landesherrn, und ihn zwingt, Soldaten gegen Euch zu schicken, die ja alle Euere Brüder und Söhne sind, und die, wenn sie Euch erschießen, Vater⸗ und Brudermörder werden? Gehet und bezahlet die Mauth. Und wollt Ihr ja einmal wiederkommen und die Mauth zerstören, so seid keine Ochsen, und bleibt weit von den Soldaten stehen, was ihnen Herz macht, auf Euch zu schießen, sondern geht ihnen ganz nahe auf den Leib, damit sie Euch erkennen. Bringt Euere Töchter mit. Die Lise dort wird unter den Jägern gewiß mehr als einen Schatz finden— brauchst nicht rot zu werden, Lise, wir waren alle einmal jung — und wenn sie nun zu ihnen tritt und sagt: „Aber Peter, aber Hans, seid Ihr denn stock— blind? Seht Ihr denn nicht, daß ich es bin? Haben wir denn nicht auf der vorigen Kirch— weih miteinander getanzt? Peter, da ist ja mein Vater, der Dir manchen Apfel von seinem Baume geholt. Hans, da ist ja mein Bruder, dem Du erst neulich den Bierkrug an den Kopf geworfen. Lieber Peter, kennst Du Deine Lise nicht mehr? Willst Du um ein Stück Kommis⸗ brot ein Mörder werden? Bist Du nicht selbst ein Bauernkind? Was gehen Dich die Fürsten, was geht Dich die Mauth an? Komm zu uns, lieber Hans! Du sagst nichts? Nun, da steh' ich, schieß mich armes Mädchen tot, wenn Du das Herz hast.“ Aber ich sage Euch, meine geliebten Kinder, Hans und Peter werden nicht das Herz haben zu schießen, sondern das Gewehr wird ihnen aus der Hand fallen und sie werden anfangen zu weinen. Und alle ihre Kameraden werden das Gewehr wegwerfen, Euch in die Arme stürzen und heiße Thränen vergießen, daß ste so gottlos verblendet gewesen. Dann braucht Ihr keine Mauth mehr zu be⸗ zahlen. Jetzt geht nach Hause und bessert 21 7 Wer mich nicht verstanden, ist ein Esel. men! Aus dem Wahlkreis Marburg. Bei frommen Unternehmern. Zu der Notiz, die wir in Nr. 8 unter dieser Stich⸗ marke veröffentlichten, brachte die Kasseler „Volkswacht“, die jene Notiz abdruckte, folgende Richtigstellung, die wir uns verpflichtet halten hier wiederzugeben: „Der Geschäftsführer des Kasseler Verlags⸗ hauses der deutschen Baptisten, Herr Karl Bickel, teilt uns mit, daß der Schriftsetzer H. nicht, wie angegeben, zwei Jahre, sondern nur 14 Monate in der betreffenden Druckerei arbeitete, während dieser Zeit zweimal gekündigt war und nur auf dringende Bitten seiner Frau weiter beschäftigt wurde. Als dies infolge seines unglücklichen Hanges zum Alkohol und der damit verbundenen Begleiterscheinungen aber nicht weiter angängig war, wurde ihm die Stelle definitiv gekündigt und unter Gewährung einer weit längeren Frist zur Beschaffung einer anderweitigen Stellung, als dies gesetzlich er⸗ forderlich ist. A des Vorschusses und Ablegens war die Geschäftsleitung im Rechte. Nach Lage der Sache muß allerdings der ab⸗ gedruckte Brief des Faktors der Baptistendruckerei als höchst überflüssig betrachtet werden. Daß damit dem Geschäft mehr Schaden als Nutzen zugefügt wurde, zeigt seine in diesem Falle un⸗ zeitgemäße Fruktifizierung. Daß in anderen Fällen berechtigte Beschwerden der Arbeiter über die Geschäftsleitung der genannten Anstalt bisher nicht laut geworden sind, können wir aus eigener Initiative konstatieren.“ Lesefrüchte. Als bei den römischen Cäsaren die Müdig⸗ keit und der Verfall der Herrschaft begann, übertrugen sie die eigene Macht auf andere. Sie setzten ihr Vertrauen in die Gewalt ihrer Legionen. Es begann die Herrschaft der Prä⸗ torianer, die Herrschaft des Militärismus, die noch zu allen Zeiten das erste und bedeutsamste Symbol des inneren Verfalles war. Die Cä⸗ saren aber begnügten sich damals mit dem Nimbus ihrer Stellung und mit dem Ausbeuten ihrer höheren Rechte. Die bewaffnete Macht dagegen sollte das lose, zerbröckelnde Staats⸗ gefüge zusammenhalten. *ñ d Wer gesellschaftlich über den anderen er⸗— haben steht, so daß er vor jeder scharfen Ant⸗ wort sicher ist, sollte niemals einen verletzenden Witz machen. La Bruyere. „Die Fürsten wegen Tugenden loben, die sie 15 05 besitzen, heißt ihnen ungestraft Schmähungen agen. Humoristisches. Kindermund. Gro ß vater(erzählend):„Ja, mein Kind, diese zwei Finger sind mir im Kriege weg⸗ geschossen worden.“— Dolly:„Und Großpapa, haben sie Dir Deine Haare auch alle vom Kopfe weggeschossen?“ Merkwürdig. A.:„Ein vogelartiges Weib ist meine Nachbarin.“— B.:„Wleso?“— A.:„Sie trillert wie'ne Lerche, schwatzt wie eine Elster, wird leicht rot wie ein Truthahn, ist stolz wie ein Pfau, dabei dumm wie'ne Gans und heißt Frau Rabe.“ SS Beschwerden über den Inhalt der„Mitteldeutschen Sonntagszeitung“ ersuchen wir unsere Ge⸗ platz 11 zu richten; wegen mangelhafter Zustellung wende man sich an die Expedition, Sonnenstraße 25. 8 direkt an die Redaktion, Kirchen⸗ 8 Seite 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung Nr. 15. c%%%%%ο⁰οοοοονοοοοιοοοο’˖ οοο⁰,νονννονοον Regenschirme 5 25 heutscher 4 Sonnenschirme& Marburg! Holzarbeiter-VFerband.“ Sonntag, 21. April 1901 im„Schloßgarten“ N ifangs-Fen uud Fehnenese 7CFFFFFC ͤ ooo der Holzarbeiter Marburgs unter gefl. Mitwirkung des Arbeitergesangvereins„Eintracht“. Festrede von Genosse Vetters. Anfang 8 Uhr Eintritt 50 Pfg. Alle Kollegen, auch die der umliegenden Zahlstellen sind freudl. eingeladen. Die Ortsverwaltung. dοοοο˙οοανον⁰ονοοονοe⁰ονοννονννετ Lackierer August Kock weissbinder Giessen, NMeue-Bäue 6 empfiehlt sich zur Ausführung feiner Bau- u. Möbel- Lackiererei sowie allen Anstreicher- u. Weissbinder- Arbeiten hei solider Ausführung u. hilligstem Preisansatz. ND s Achtängl Fir better u. Landede empfehle mein reichhaltiges Schuhwarenlager. Konfirmandenstiefel, sowie alle sonstigen Schuhwaren in nur gediegenen Onalitäten zu billigsten Preisen. Mchlossgasse f. R Am bikligsten bei unübertroffener Auswahl kauft man alle Sorten Schuhwaren Herren- und Knaben-Kleider Schirme und Stöcke, Kragen und Kravatten Schulranzen und Taschen Spiegel, Bilder und Haussegen Korbwaren Porzellan, Glas⸗, Blech⸗ und Emaillewaren Bürsten und Scheuertücher Fensterleder und Echwämme Kämme und Toiletteseifen Galanterie- und Spielwaren Lederwaren Zollstöcke Kaufhaus S. Elsofler Marktstraße 27. are Aae AAA Ungesunde und Leidende! Die Heilkraft der Elektrizität ist wunderbar! 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