s reicht billigen an, Herren- n⸗Agraffen⸗ „Zug iefel, „ Wichzleder, , Kalbleder, chnürstiefel, ud Schnür⸗ pf und u Preisen uch, und Absaß, Damen und , D * 4 x die glaͤn⸗ den A 118. tleitrischen et gralis u. — jenkt! Mk. 350. te Uhr mit nkette genau arantie; eil F aus ollen odernster Das m., Hals oder verschluß, ei taschenmesser n j pach⸗ „ Cigarten⸗ 1 hochelegalte gernstein en eine Gül , Me- —— Gießen, Sonntag, den 13. Januar 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 4 f Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag. Abounementsprets: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei Schloßgasse 13; jede Postaustalt und Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die 2 Inserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. 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Unter Anderem behaupten sie, daß das Schutz⸗ zollsystem auf den„Schutz und die Förde⸗ rung der nationalen Arbeit“ berechnet sei und daß die Sozialdemokratie früher sich durchaus nicht grundsätzlich gegen dieses System und für den Freihandel ausgesprochen, vielmehr den Schutzzoll als unter Umständen berechtigt und nothwendig anerkannt habe. Es erscheint geboten, diese Behauptung in das Licht der historischen Wahrheit zu stellen. Der Freihandel konnte in den siebenziger Jahren auf ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Propaganda zurückblicken. Es war ihm ge⸗ lungen, das Schutzzollsystem mehr nud mehr zu durchbrechen. Die Abschaffung der Kornzölle in England war sein größter Triumph, wie er denn ja immer vorzugsweise den freien Handel in Getreide oder überhaupt in Rohstoffen im Auge hatte. Er erklärte: „Das ausländische Getreide mit Schutzzöllen belasten, ist infam, heißt auf den Hunger des Volkes spekuliren.“ Die Freihändler gaben sich rücksichtlich der Wirkungen ihres Systems den ausschweifendsten Illusionen hin. Sie meinten, es müsse höhere Löhne, überhaupt eine„gründliche Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen bringen“ und„die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu einer vollkom⸗ menen und dauernden ausgestalten“, sowie die „Brüderlichkeit zwischen den Nationen stif ten! Gegen diese Illusionen nahm Karl Marx in einer in Brüssel 1849 gehaltenen Rede Stel⸗ lung. Er legte dar, daß der Freihandel solche Wirkungen nicht haben könne; daß derselbe unter dem bestehenden Gesellschaftszustande nichts Anderes ist, als die ohne jede Ruͤcksicht auf die arbeitenden Klassen sich bethätigende Freiheit des Kapitals, und daß sein System die Natio⸗ nalitäten zersetzt, den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit auf die Spitze treibt, also die soziale Revolution beschleunigt.„Und nur in diesem Sinne“— sagt Marx— stimme ich für den Freihandel. Das Schutzzollsystem fördere aller⸗ dings die freie Konkurrenz im Innern eines wirthschaftlich noch unentwickelten Landes; es sei ein Mittel, in einem Lande die Großindu⸗ strie aufzuziehen, d. h. es vom Weltmarkte ab⸗ hängig zu machen; von dem Augenblicke an aber, wo ein Land vom Weltmarkte abhängt, häsge es auch schon mehr oder weniger vom Freihandel ab. Bei uns in Deutschland zeigt die Han⸗ delspolitik eine merkwürdige Abweichung von dieser Erwägung. Das Schutzzollsystem wurde seit 1818 bis in die sieben ziger Jahre fortgesetzt durchbrochen und beschränkt zu Gunsten der freihändlerischen Richtung, also zu einer Zeit, wo die Industrie im Welthandel noch keine oder keine nennenswerte Bedeutung hatte, wo es sich noch darum handelte, die Großindustrie aufzuziehen. Bis zur Mitte der siebenziger Jahre war Fürst Bismarck ein energischer Vertreter der Freihandelspolitik. Tann vollzog sich in seinen Anschauungen ein vollständiger Umschwung. Eine heftige schutzzöllnerische Agitation, veranlaßt durch den großen wirth—⸗ schaftlichen Krach, der sowohl die Industrie wie die Landwirthschast schwer traf, hatte eingesetzt. Indem der allmächtige leitende Staatsmann sich zu ihrer Tendenz bekannte, wurde ihr der Erfolg gesichert. Eine neue Schutzzoll⸗Aera begann. Klar sehende Politiker haben damals erklärt, daß diese neue Politik keinen anderen Zweck habe, als den, die unheilvollen Folgen der Gründerperiode von den Schwindlern und Ausbeutern auf das arbeitende Volk abzu⸗ wälzen, mit dem Schutzzollsystem die Mög⸗ lichkeit zu gewinnen, das Kapital und den Groß⸗ grundbesitz für die durch die Gründergaunerei erlittenen Verluste zu Lasten des arbeitenden Volkes zu entschädigen. Die Exfahrung hat das bestatigt. Nunmehr war die Industrie in der Lage, den inländischen Verbrauch zu ver⸗ theuern und zugleich Massen überschüssiger Pro⸗ dukte zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt zu bringen. Auf Kosten der Arbeit des eigenen Landes hat die W n Industrie sich ihre Stellung auf dem Wes markte erobert. Wahr ist, daß Sozialdemokraten sich des Oefteren im Reichstage und außerhalb desselben für Schutzzölle ausgesprochen haben. Aber immer nur durchaus bedingter Weise und nie⸗ mals für Getreide-, Vieh⸗ und sonstige dien Massenkonsum treffende agrari⸗ sche Schutzzölle. Stets handelte es sich für sie nur um die Frage, ob einzel ne Industlie⸗ zölle geeignet seien, den Arbeitern zu nützen. Ein anderer Gesichtspunkt ist für sie nie in Betracht gekommen. Diesen Gesichtspunkt machte im Norddeutschen Reichstage der sozialdemokra⸗ tische Abgeordnete für Barmen⸗Elberseld, be⸗ kanntlich eine der bebeutendsten textilindustriellen Zentren, Dr. von Schweitzer, geltend, als die Agrarier— man thut gut, sich das zu merken— aus Haß gegen die Industrie die Garnzölle abschaffen wollten. Er trat für Bei⸗ behaltung dieser Zölle ein unter der Begründung, daß ihre Abschaffung die textilindustriellen Ar⸗ beiter schädigen würde. Das war eine rein praktische Erwägung im Einzelfall. Im Jahre 1877 war auf Bismarcks Antrag die Aufhebung der Eisenzölle erfolgt. Da nahm der sozialdemokratische Abgeordnete Bracke Anlaß, auszuführen, daß in solchen Fällen, wo durch Aufhebung industrieller Schutzzölle eine Industrie plötzlich dem Auslande gegenüber konkurrenzunfähig und damit eine große Anzahl ihrer Arbeiter brotlos gemacht werden würde, die Aufhebung nicht gutzuheißen sei. Lediglich von rein praktischen Erwägungen dieser Art, rücksichtlich der Interessen der Arbeiter, sind auch diejenigen Sozialdemo⸗ kraten, die sich später noch, bis in die neueste Zeit hinein, nicht grundsätzlich ablehnend gegen industrielle Schutzzoͤlle verhalten haben, geleitet gewesen. Darüber kann Jeder aus den Proto⸗ sollen des Stuttgarter und des Mainzer Par⸗ teitages sich belehren. Aber kleinem Sozialde⸗ mokraten ist es jemals eingefallen, dem seit zwanzig Jahren in Deutschland bestehenden, geradezu auf die Volksausbeutung berechneten Systeme der Schutzzöllnerei das Wort zu reden. Besonders darüber ist in der Partei immer nur eine Ueberzeugung gewesen, daß die Agrarzölle unbedingt und mit aller Entschieden⸗ heit zu bekämpfen find. Durchaus entsprechend der gemeingefährlichen Entwicklung der Schutz—⸗ zöllnerei, hat die Sozialdemokratie zu derselben Stellung genommen. Der sozialdemokratische Parteitag zu Gotha 1876 sprach sich dahin aus, daß die Frage des Schutzzolles eine prakti⸗ sche, von Fall zu Fall zu entscheidende sei, die Arbeiterklasse aber davor gewarnt werden müsse,„für die unter dem Verlangen nach Schutzzoll eine Staatshülfe erstrebende Bour⸗ geoisie die Kastanien aus dem Feuer zu holen“. Der Erfurter Parteitag 1891 nahm in das neue Programm die Forderung auf, daß alle Zölle und sonstigen wirthschaftspolitischen Maß⸗ nahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern, abgeschafft werden. Die Erfahrung der folgenden Jahre lehrte immer deutlicher, daß es Zölle ꝛc., die den Interessen der Allgemeinheit entsprechen, über⸗ haupt nicht mehr giebt, daß das ganze Schutzzollsystem lediglich den Interessen be⸗ vorzugter Minderheiten dient. Dieser Erkennt⸗ niß entsprechend haben der Stuttgarter und der Mainzer Parteitag die Stellung der Partei zu der Zollpolitik modifizirt. Was danach jetzt für die Partei gilt und in den handelspolitischen Kämpfen der Gegenwart schärssten Ausdruck finden muß, ist: Ablehnung aller Zölle und Zollerhöhungen, besonders auf Lebensmittel; möglichste Herabsetzung, event. Beseitigung der bisherigen Zollsätze; Innehaltung einer auf Abschaffung der wechselseitigen Handelsbeschrän⸗ kungen und auf Förderung des freien Welt⸗ verkehrs gerichteten Handels vertrage politik. Es ist noch zu erwähnen, daß die Agrarie:⸗ Orgaue(„Deutsche Tageszeitung“ u. a.) auch Unfug treiben mit dem vor einem halben Jahr⸗ hundert von Karl Marx gethanen Ausspruch, daß das Fallen des Pecises der landwirthschaft⸗ lichen Produkte die Löhne der Arbeiter, der landwirtschaftlichen wie der industriellen, redu— zirt. Auf diesen Ausspruch glauben sie die Sozialdemokcatie„festnageln“ und zugleich glauben machen zu können, daß ihre auf Er⸗ höhung der Getreidezölle ꝛc. gerichteten Bestre⸗ bungen auch im Interesse der Arbeiterklasse sind; sie folgern:„Hohe Getreidepreise, hohe Löhne“. Damit geben sie zu, duß nicht, wie sie sonst lügen,„das Ausland den Zoll trägt“, sondern daß die einheimischen Kon⸗ sumenten damit belastet werden. Abgesel en davon ist die Folgerung unsim ig. Der Sinn jenes Ausspruchs von Marx ist: Das Kapital hat die Tendenz, niedrige Lebens mittelpreise durch niedrige Löhne„auszugleichen“; dieser „Ausgleich“ gelingt immer, wenn die Arbei⸗ terklasse nicht im Stande ist, sich gegen die Lohnreduktiou erfolgreich zu weh⸗ ren. Können wirthschaftlich aufgeklärte Arbeiter das auf dem Boden ihrer poltischen und ge— werkschaftlichen Organisation, so wird? Mus spruch natürlich hinfällig. Auch gu Nr. 2. Mtiteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 2. — schutzgesetze wirken gegen die in Rede stehende Tendenz des Kapitals. Eine Vertheuerung der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter durch die Schutzzollpolitik hat stattgefunden, und zwar eine ganz erheb⸗ liche. Und der„Ausgleich“, soweit von einem solchen die Rede sein kann? Haben die höheren Lebens mittelpreise ohne Weiteres eine Erhöhung des Lohnes mit sich gebracht? O nein! Die Großgrundbesitzer haben von den Vorthellen ihres Zollschutzes ihren Arbeitern auch nicht den klein⸗ sten Antheil abgegeben. Und die industriellen Arbeiter haben sich jede Lohnerhöhung, jede Verkürzung der Arbeitszeit erkämpfen müssen. Wo sie wenigstens eines theilweisen Ausgleiches der Lebensmittel vertheuerung teilhaftig geworden sind, da verdanken sie das nicht der Freiwil⸗ ligkeit der Unternehmer und auch nicht dem sogenannten„natürlichen Zusammenhange zwi— schen wirthschaftlichem Aufschwung und dem Preise der Arbeitskraft,“— sondern ihrer Organisation und Koalition.(H. E.) L Politische Rundschau. Gießen, den 11. Januar. De ulscher Reichstag. Am Dienstag den 8. Januar haben bei sehr mäßig besetztem Hause die Verhandlungen des Reichstags wieder begonnen. Gegenstand der Verhandlung war ein Gesetzentwurf über das Verlagsrecht und ein solcher über das Urheber— recht an Werken der Literatur. Die Abg. Spahn(Entr.) und Dr. Esche (natl.), beide Juristen, übten an Einzelheiten der Vorlage eine recht zahme Kritik. Ganz anders ging Genosse Dietz mit derselben ins Gericht. Prächtig verhöhnte er die banausische Auffassung, die da meint, den Handel mit geistigen Erzeugnissen gleich dem Handel mit Schweizerkäse regeln zu können. Energisch trat er gegen diese Bestimmungen auf, die wie die Einsetzung des Fiskus zum Erben eines ohne Testament und Verwandte verstorbenen Ver— legers und die dem Verleger eingeräumte Be— fugnis, das Verlagsrecht der bei ihm erschienenen Werke beliebig veräußern zu können, geeignet sind, die Schriftsteller zu schädigen.— Nach Dietz sprachen noch Dr. Arendt, der ein wenig Sozialistentöterei trieb und der schwäbische Volks⸗ parteiler Hausmann. Die Debatte über diesen Gegenstand wird Mittwoch fortgesetzt. Die Vorlage wird an eine Kommission verwiesen.— Darauf wird in die zweite Berathung des Etats eingetreten, die mit dem Etat des Reichstags beginnt, der ohne Debatte unverändert genehmigt wird. Das preußische Dreiklassenhaus wurde am Dienstag durch den Grafen Bülow mit einer Throurede eröffnet, in welcher ver— schiedene Kanalprojekte angekündigt werden. Ferner wird erklärt, die Staatsregierung sei in„Erörterung darüber begriffen“ wie der Wohnungsnoth abzuhelfen sei und weiter sollen Gesetzentwürfe über die Ausführung des Reichs⸗ seuchengesetzes, die Neuordnung Berlins und seiner Vororte, die Heranziehung gewerblicher Unternehmungen zu Vorausleistungen für den Wegebau dem Tancsage vorgelegt werden. Geht Miquel? Nach einer Mittheilung der Vossischen Zei⸗ tung beabsichtige Finanzminister Miquel, noch in diesem Frühjahre aus dem Amte zu scheiden. Die Kaualvorlage sei die Ur⸗ sache seines Abgaunges. Von Miquels nahe⸗ stehenden Organen wird dagegen versichert, daß weder der Rücktrittsentschluß selbst, noch viel weniger der Termin ein eudgültiger sei.— Wir haben keine Ursache, dem ehemaligen Komunisten und Organisator von Bauernauf⸗ ständen eine Thräue nachzuweinen; die Junker und Agrarier werken allerdings den Abgang des Stiche entdeckers und den bes 12000 Mark⸗ woerzlich empfinden. Zum Löbtauer Zuchthausurtheil. Wir theilten in der letzten Nummer mit, daß kürzlich zwei Opfer jenes überaus harten Urtheils des Dresdener Schwurgerichts, das unter dem Namen: Löbtauer Zuchthausurtheil über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ge⸗ worden ist, vor Beendigung ihrer Strafzeit entlassen wurden. Hoffentlich öffnen sich ihren Leidensgefährten auch bald die Thore des Zucht⸗ hauses; trotzdem seiner Zeit bei den Reichstags⸗ verhandlungen der sächsische Bevollmächtigte zum Bundesrath, Generalstaatsanwalt Rüger unsern Genossen zurief: „Sagen Sie, was Sie wollen, Ihr Einfluß reicht jedenfalls uicht soweit, daß sich die Thore des Zuchthausas den Verurteilten auch nur eine Viertel⸗ stunde früher öffnen.“ Wie es scheint, hat eine bessere Einsicht bei den sächsischen Behörden Platz gegriffen, als die damals von dem Vertreter im Bundesrath bekundete und es ist uur zu wünschen, daß diese bessere Einsicht auch bald zur Freilassung der übrigen sechs Opfer führen möge.— Die „Sächsische Arbeiterztg.“ schreibt zu diesem Fall noch: Das Gnadengesuch für die Löbtauer Ver⸗ urtheilten ist, wie wir erfahren, von dem Mit⸗ geschworenen des damaligen Gerichts Herrn Dr. jur. Schanze veranlaßt worden. Der Herr soll sich große Mühe um die Sache gegeben haben, da das Strafmaß selbst die Geschworenen wegen seiner Höhe entsetzt hat. Sie hatten derartige Strafen für unmöglich gehalten. Dr. Schanze, der kaiserlicher Regierungsrath ist, ist weiteren Dresdener Kreisen als Dozent der Gehestiftung bekannt. Daß gerade ein her⸗ vorragender Jurist das Gnad ngesuch veranlaßt hat, möchten wir besonders deshalb konstatiren, weil dadurch jene schrecklichen Urtheile des Herrn Landgerichtsdirektors Frommhold entsprechend charakterisirt werden. Gemischte Gesellschaft. Eine Gesellschaft für soziale Refor⸗ men ist am Sonntag in einer Versammlung im Saale des Architektenhauses zu Berlin gebildet worden. Der frühere Handelsminister v. Berlepsch eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis, daß auf dem internationalen Kongreß für soziale Reformen und auf dem jüngst in Paris stattgefundenen internationalen Arheiterschutzkongreß der Wunsch nach Bildung einer entsprecheuden deutschen Gesellschaft ge⸗ äußert worden sei. Die Gesellschaft solle nicht ein wissenschaftlicher Verein sein und sich nicht auf ein bestimmtes soziales Glaubensbekenntniß festlegen, da ste die verschiedensteu sozialen Rich⸗ tungen in sich vereinigen wolle. Mit Aus⸗ nahme der Sozialdemokraten sollte allen politischen Parteirichtungen die Thür offen stehen. Die Zersplitterung im Reichstag, welche 20 An⸗ träge der verschiedensten sozialpolitischen Rich⸗ tungen zum Zweck der Sozialreform veranlaßt habe, zeige die Nothwendigkeit einer solchen Organisation. Man müsse gemeinschaftlich prak⸗ tische Arbeiten verrichten. Angeschlossen haben sich der Gemeinschaft der Verband der Hirsch— Dunckerschen Gewerkvereine, der Evan⸗ gelische Arbeiterverein, der Katholische Arbeiterverein, der Christliche Gewerk— verein und 21 einzelne Arbeitervereine. In den Ausschuß, dem es vorbehalten bleiben soll, Resolutionen und bindende Beschlüsse zu fassen, wurden u. a. gewählt: Dr. A. Wagner, Sonnemann⸗Frankfurt a. M., die Abgg. Trimborn, Hitze, Bassermann, Pachnicke, Paasche, Stöcker, Max Hirsch, ferner Pfarrer Nau⸗ mann, Abg, Schmidt Elberfeld, Oekonomirath Nobbe. Wir haben keine Ursache, an die Gründung dieser Gesellschaft große Erwartungen zu knüpfen. Es wird nicht viel dabei heraus kommen. Man kann sich eines Lächelns kaum erwehren, wenn Leute, wie Professor Punsche, der parlamen— tarische Vertreter der deutschen Zuckerbarone, die Pfaffen Stöcker, Weber, Hitze, die jederzeit für Brodwuchererpolitik und Spzialistengeseg und alle sonstigen arbeiterfeindlichen Maßnahmen eingetreten sind, jetzt plötzlich iür Sozialrefor— matorisches Herz entdeckt haben. Ueberlassen wir es daher der nationalsozialen„Hessischen 2 Landeszeitung“ sich für dieses Gebilde zu be⸗ geistern. Daß sich die Sozialdemokratie von dieser zweifelhaften Gesellschaft fernhält, ist ganz selbstverständlich. Schwe lfwedelei „freisinniger“ Stadtverordneter. Zu einer sehr lebhaften Debatte kam es am Donnerstag voriger Woche in der Berliner Stadtverordnetensitung. Von den Stadtvätern wurde verlangt, 5600 Mk. zu bewilligen zur Anschaffung einer Festschrift, die dem 200 Jahr⸗ Gedenktag der Selbstkrönung Friedrich I. von Preußen und der Verherrlichung der Hohen⸗ zollern gewidtmet ist und welche an Berliner Schulkinder vertheilt werden soll. Natürlich bedeutet die Sache weiter nichts als eine poli⸗ tische Demonstration für das Haus Hobenzollern; unsere Genossen lehnten deshalb die Forderung mit Entschiedenheit ab, indem sie erklärten, es sei unzulässig, eine dynastische Agitattonsbroschüre aus städtischen Mitteln zu bewilligen. Außer⸗ dem sei es sehr fraglich, ob in dieser Schrift die geschichtlichen Vorgänge objektiv geschildert würden. Falls in den Schulen ein wahrheits⸗ gemäßer Geschichtsunterricht gelehrt werde, seien derartige Extraausgaben ganz unnöthig. Aber trotz dieser Einwände und des Hinweises, daß man die Festschrift erst kennen müsse, ehe man ihre Anschaffung beschließen könne, stimmten die freisinnigen Helden für die Forderung: trotz der früher erhaltenen Fußtritte küßten sie den Stiefel, der sie schon oft getreten! Herr Mom m⸗ sen erklärte dabei, der Verfasser biete ihm Gewähr für gediegenen Inhalt. Als Genosse Stadthagen verschiedene Anfragen stellte, ob diese oder jene geschichtsnotorische That todter Hohenzollern, die freilich keineswegs rühmliche waren, in der Festschrift die gebührende Berück⸗ fichtigung gefunden hätte, erregte das nicht nur den Unwillen der bürgerlichen Kollegen, sondern selbst der demokratische Vorsitzende beschnitt un⸗ serem Genossen die Redefreiheit und ertheilte dem Sprecher mehrere Ordnungsrufe. Natür⸗ lich gerjethen die bürgerlichen Herren bei dieser ihnen unbequemen Aussprache in hochgradige Erregung, in monarchistische Raserei. Männer⸗ stolz vor Königsthronen! Die Nationalliberalen und die Reform des hessischen Landtagswahlrechts. Ueber die Verzögerung einer Regierungs⸗ vorlage, das Landtagswahlrecht betreffend und die Stellung der„Fraktion Drehscheibe“ zu dieser Frage schreibt man der Frankfurter Zeitung: „Es erregt in politischen Kreisen starkes Be⸗ fremden, daß die bereits vor Jahresfrist ver— sprochene und für den Spätherbst des vergang⸗ eneu Jahres angekündigte Regierungsvor⸗ lage über die von allen Parteien gewünschte Reform des Fand tags wa noch nicht an die Stände gelangt ist. Wir wissen zuverlässig, daß schon vor länger als Monats⸗ frist im Ministerium eine Vorlage fertig gestellt war, die bis auf die Erhaltung des Sonder⸗ wahlrechts einer Reihe von Städten allen libe⸗ ralen Forderungen entsprach und das direkte Wahlsystem einführte. Die Vorlage war derart liberal gehalten, daß Skeptiker sich des Gedankens nicht erwehren konnten, man habe sich dazu lediglich in der sicheren Voraussicht entschlossen, daß die Erste Kammer diesem Ent⸗ wurf nun und nimmer ihre Zustimmung geben werde. Wir theilen diese Ansicht nicht, da nach den bisherigen Erfahrungen Zweifel an der Loyalität des Staats ministers Rothe, den ja in erster Linie die Verantwortung treffen würde, nicht erlaubt sind. Dagegen glauben wir uns zu der Annahme berechtigt, daß im Schooße des Gesammtministeriums gewichtige Ein⸗ flüsse, die ihren Sitz weder im Staatsmini⸗ sterium und Ministerium des Innern, noch im Finanzministerium haben, sich gegen ein wahr⸗ haft liberales Landtagswahlsystem geltend machen, das zudem auch den Nationallibe⸗ ralen recht unbequem kommen würde. Während die aus deu letzten Wahlen hervor⸗ gegangenen Abgeordneten dieser Partei fast aus⸗ nahmslos sich auf die Einsührung gleicher und direkter Wahlen verpflichtet haben, ist es „7 — oll die 15 0 ferliz 90 E Mei Bürge segten i ralische erhielten Den. 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Seite 3. 0 doch notorisch, daß andere einflußreiche Abge— ordnete derselben Partei zu dieser Konzession nicht neigen, vielmehr die Einführung des Reichstagswahlsystems für die Landtagswahlen entschieden bekämpfen. Diese Herren, denen Beziehungen zu einem Ministerium nachgesagt werden, scheinen die mit ihnen sympathisirenden Elemente in der Regierung mobil gemacht und Schwierigkeiten zuwege gebracht zu haben. Auch darüber dürste die Etatsberathung Klarheit schaffen.“— Unsere Genossen werden sich selbst⸗ verständlich durch solche nationalliberale Quer⸗ treibereien nicht irre machen lassen. Wir dürfen im Kampfe für das allgemeine gleiche, direkte Landtagswahlrecht nicht rasten, bis diese For⸗ derung erfüllt ist.— Wie jetzt bekannt wird, soll die Vorlage doch noch in diesem Winter dem Landtaze zugehen. Sie ist im Ministerium ferlig gestellt, nur die Begründung steht noch aus. Sozialistische Gemeindewahlsiege. Bei den in voriger Woche vorgenommenen Bürgerausschußwahlen in Württemberg stegten in zahlreichen Gemeinden die sozialdemo⸗ kratischen Listen. In mehreren Gemeinderäthen erhielten unsere Genossen die Mehrheit. Hunnengreuel. Den in der letzten Nummer wiedergegebenen Hunnenbriefen, den Zeugnissen der sittlichen Verkommenheit und unglaublichen Verrohung der christlichen„Kulturverbreiter“ sei heute die Aeußerung eines„gebildeten“ Mannes, des Malers Theodor Rochol angereiht, die ein Düsseldorfer Blatt veröffentlicht und die sich wahrhaftig nicht viel von den prahlerischen Episteln der Hunnenkrieger unterscheidet. Der Maler, der bekanntlich vom Kaiser nach China geschickt wurde, um dort Studien zu machen, schreibt u. a.: „Unter uns, am Ostthor, erschallt eine Salve. Unsere Pferde stutzen nur einen Moment und schnoben die Luft. Ich sitze ab. Da liegen 3 Chinesen (Soldaten, die Patronen entwendeten) nebenein⸗ ander in der frischgeschaufelten Grube. Dicht davor eine Sektion deutscher Infanteristen. Sie haben ihr Ziel nicht verfehlt. Von Neuem treten Hand in Hand 5 Boer in die Grube zwischen die Leichen. Lautlos stehen sie da. 2 davon haben sich nachgewiesenermaßen()) an der Ermordung der Missionare betheiligt. Abermals das Kommando„Feuer“. Vornüber stürzen die 5. Ein Körper wirft sich noch einmal hoch. Dann„Erde darüber“. Die 10 Kulis schaufeln ihre Landsleute ein. Die Nachmittags⸗ sonne liegt warm über der Mauer und deckt das fest⸗ getretene frische Grab der Fanatiker. Ihnen wird bald der Kriegsminister der Provinz Petschili fol— gen und noch 20 bis 30 Die Gesichter der Einwohner weiden täglich länger. Dem ersten Eintritt der Ofsiziere sahen sie noch so recht übermüthig und spöttisch zu. Aber jetzt, wo die höchsten Mandarinen ihres Lebens nicht mehr sicher sind, hat sich der Spott gar schnell gelegt. Das war ein interessanter Ritt von Tientsin hierher. Durch hochummauerte Städte. Die Bivouaks in Tempelgärten. Von Boxern angebrannte und zerstörte Städte, von chinesischen Truppen wieder erobert. Abgeschnittene Köpfe an den Stadtthoren und an den Pfeilern zerstörter Brücken... Ein Boxer wird uns vorgeführt aus dem Gesängniß. Der Mandarin würde nichts dagegen haben, wenn wir ihn erschössen— aber wir halten den armen zähneklappernden Burschen nicht für das, als was der Mandarin ihn gerne ausgeben möchte: einen Boxerführer.. Und weiter gehts, bis ein nenes, fesselndes Bild das vorige ver— drängt“ Das war ein interessanter Ritt,„fesselnde Bilder“ jagen einander! Rocholl ist der wahre Künstler auf der Höhe der Zeit! Wird der interessante Studien aus dem Feldzug mitbringen! Abgeschnittene Menschen köpfe... Das Wasser muß einem richtigen Hunnenliebhaber förmlich auf der Zunge zusammenlaufen! Und wie unsere tapferen, gläubigen Kreuz⸗ zügler stehlen und plündern erzählt ein lieber Neffe seinem Onkel in einem Briefe aus Peking v. 10. Oktober, den die„Leipz.⸗Volksztg.“ bringt: „Von Tiensin bis Peking hier haben wir schon schwer geraubt und geplündert, alles was nicht nit⸗ und nagelsest war, wurde niedergebrannt und die Boxer alle erschossen und erstochen.“ Aehnlich heißt es in einem von der Thüringer Tribüne veröffentlichten Briefe: e „.... Widersetzt sich ein Chinese, so wird er vor den andern erschossen, damit die andern Furcht bekommen, vor die Germany, wie sie uns Deutsche nennen haben Sie die größte Furcht auch vor den Russen, kommt aber ein Japaner, so muß erst der Deutsche mit zwischen schlagen, dre sche bekommen die Chinesen wie die Maulthiere. In Peking haben Russen, Japaner und Deutsche mächtig geplündert. Seide, Geld, Uhren und andere Werth⸗ sachen, am meisten die...“(der Satz ist nicht wieder— zugeben, weil er schwerste Beschuldigungen enthält.) Die Wahlen in Oesterreich. Schon seit einiger Zeit finden die Neu⸗ wahlen zum österreichischen Reichsrathe statt. Das Wahlgesetz ist ein äußerst komplizirtes, durchaus realtionär, sichert von vornherein den besitzenden Klassen, den Pfaffen- und Beamten— thum das Uebergewicht. Für unsere Partei kommt nur die Wahl in der fünften„Kurie“ — die Wählerschaft ist in fünf Kurien(Wahl⸗ körper) eingetheilt— in Betracht, in welcher zwar das Wahlrecht so ziemlich ein allgemeines, aber indirektes ist. Die Sozialdemokratie hat hierbei schmerzliche Verluste, aber auch schöne Siege zu verzeichnen. Und was die Hauptsache ist, fast überall zeigt sich eine erheb— liche Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen. Bedeutende Erfolge errangen un⸗ sere Genossen in Wien und Niederösterreich; während wir leider in dem industriellen Böh— men Niederlagen erlitten. Die Genossen Dr. Ellenbogen und Schuhmeier eroberten den 1. und 5. Wiener Wahlkreis; Perners⸗ dorfer wurde mit großer Mehrheit in Wiener— Neustadt gewählt. Leider unterlag im 2. Wiener Kreise Dr. Adler mit 25193 St. gegen 26533 Stimmen des christlich-sozialen Kandidaten. Trotzdem zu Gunsten der ankisemitisch-christlich— sozialen Kandidaten schamlose Wahlbeein⸗ flussung geübt wurde, gingen die christlich— sozialen Stimmen ganz bedeutend zurück.— Wir kommen hierauf noch zurück, wenn das Gesammtresultat genauer zu übersehen ist. Krieg in Südafrika. Jetzt stellen selbst englische Blätter fest, daß die Lage in der Kapkolonie sich bedeutend ver— schlimmert habe. Ein Buren⸗Kommando von 200 Mann sei in der Gegend der Pic quetberge, die nur 50 Meilen von Kapstadt entfernt sind, in die Kapkolonie eingefallen.— Weitere Nachrichten besagen, daß die Buren unaufhaltsam auf der ganzen Linie vordringen. Die Bewohner der Ortschaften um Kapstadt flüchten panikartig nach Kapstadt hinein. Alle Marinetruppen, Polizei und Freiwillige rücken aus, um einen Vertheidigungsring um bie Stadt zu bilden. Die Lage ie eine äußerst kritische. Oberst Nichelson, dem Generalstabe Lord Kitcheners angehörig, der im Auftrage des eng⸗ lischen Oberkommandanten nach London reist, ist in Marseille angekommen und erklärte dort einigen Offizieren gegenüber, der englische Ge⸗ ne alstab sei durch den Einfall der Buren in die Kapkolonie vollständig überrumpelt worden, da ein solcher Einfall als vollständig unausführbar gegolten habe. Da etwa 90000 Mann englischer Truppen allein zum Schutze der Verbindungslinien und der Eisenbahnen erforderlich seien, so gedenkt Lord Kitchener weitere 60000 Mann, abgesehen von den in Südafrika ausgehobenen Streitkräften, zur Ver— stärkung heranzuziehen. Eine zu den Truppen des Generals Knox 8 Abtheilung gerieth in der Nähe von indley mit einer stärkeren Feindeszahl in ein Gefecht. Ein Oberstleutnant, zwei wei⸗ tere Offiziere und 15 Mann sind todt, 2 Offiziere und 20 Mann verwundet. — Ueber ein weiteres, bei Naauwpoort statt⸗ gefundenes Gefecht wird englischerseits berichtet, daß der Feind, dessen Verluste 20 Tode und Berwundete betrug, zum Rückzuge gezwungen wurde. Kommandant Duprez sei gefangen worden. Merkwürdigerweise sind den Englän⸗ dern ihre dabei erlittenen Verluste„noch nicht bekannt“, aber die des Feindes kaunten sie ganz genau! Ueber weitere Bewegungen der Buren wird berichtet: Buren-Abtheilungen unter Delarey, Steen— kamp und Boshoff zeigten sich in bedeutender Stärke am 1. Januar in der Umgebung von Buffelspoort. Ihre Zahl wird auf 5000 Mann geschätzt. General Paget u. a. Truppentheile rückten aus, um die Buren zu umgehen und ab— zuschneiden, diese zogen sich zurück. Die Mehr— zahl rückte durch Breedtuek. Es scheint sicher zu sein, daß der Feind in diesem Gebiete be— deutende Verstärkungen aus Walersberg erhielt. Ein Kaffernhäuptling meldet: 3000 Buren rückten durch Zoutpansdrift nach dem Maga— liesberg. Magaliesberg selbst bietet dem Feinde große Vortheile, sein Besitz ist 1000 Mann werth. Krieg mit China. Die Friedensverhandlungen sind noch nicht weiter als vor Wochen und Monaten. Eine Meldung aus Washington besagt, die amerikanische Regierung habe den Mächten vor— geschlagen, die Verhandlungen in Washington fortzusetzen.— Wie der französische Minister des Auswärtigen im Ministerrathe mittheilte, hätte der Kaiser von China seine Zustimmung zu der bekannten Note der Verbündeten erklart, auch hätten sich die chinesischen Unterhändler bereit erklärt, sie zu unterzeichnen, jedoch erst, wenn der definitive Vertrag ihnen vorliege. Die Mächte verlangen aber die Unterzeichnung der vorläufigen Note.— Der opttmisti⸗ schen Meinung Delcassés widerspricht eine vom Büreau Laffan verbreitete Nachricht, wonach Lihung-Tschang und Tsching den auf⸗ hebenden Befehl erhielten, die Präliminarnote nicht zu unterzeichnen, falls nicht die Artikel bezüglich der Schleifung der Taku-Forts, der Bildung ständiger Militärposten bewaffneter Legationswachen und betr. das Verbot der Waffeneinfuhr gestrichen werden. Die Be⸗ vollmächtigten wiederholten gestern in einem Telegramm an die Kalserin ihre Argumente zu Gunsten der Unterzeichnung der Note und be— tonten die Unmöglichkeit eines Widerstandes seitens Chinas. Sie erklärten, die Nichtunter⸗ zeichnung würde den Abbruch der gegenwärzigen freundlichen Beziehungen und weitere militäkische Operationen nach sich ziehen. Der Weltmarschall. In dem Briefe eines österreichischen Missionars heißt es, nach— dem geschildert ist, wie unter den Truppen der Verbuͤndeten die Zuchtlosigkeit immer mehr um sich greife, über die Stellung des Oberbe— fehlshabers:„Traurig ist auch die Rolle des Oberbefehlshabers Grafen Waldersee; den Generälen der anderen Mächte eine Ziel- scheibe des Spottes, dient er den fre m⸗ den Soldaten nur dazu, ihren Witz an ihm zu üben. Schon sein pomphafter Einzug in Peking, zu dessen Entsatze er, der zu spät Gekommene, ja gar nichts beigetragen, war an sich lächerlich und unklug. Seine ganze Thätig⸗ keit hier erstreckt sich darauf, daß er nach allen möglichen Richtungen hin„Rache-Expeditionen“ ausschickt, von denen die Soldaten, und be⸗ sonders die Deutschen, denn Russen, Eng— länder und Japaner folgten ihm ja nicht, reteh mit Beute beladen zurückkehren, nachdem sie den ganzen Weg nichts gethan, als ge- mordet und geraubt und die Dörser zerstört haben.“ a Kämpfe. Nach einer Reutermeldung traf eine deutsche Rekognoszirungs⸗Abtheilung im nördlichen Distrikt bei Szehaikon auf 3000 Chinesen. Die Deutschen zogen sich auf Luipinpu zurück, wo sie durch eine Expedition verstärkt werden, die am 29. December von Peking aufgebrochen ist und deren Ziel, wie man annahm, der Distrikt von Paotingfu sein sollte. Die Gegend ist außerordentlich bergig. Das Dorf liegt in einem Thale, dessen Eingang befestigt ist. Die Deutschen gingen zum Angriff vor. Die Chinesen vertheidigten den Befest! gungswall, auf dem zehn Geschütze uufgefahren waren. Nachdem die Gebirgsbattetie eine Stunde gefeuert hatte, wurde die Stellung mit dem Bajonnet genommen, worauf noch ein dreistün⸗ diger Kampf folgte, bis der Feind aus dem Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 2. Thal vertrieben war. Die Verluste des Feindes werden auf 200 geschätzt. Auf deutscher Seite wurde ein Mann getödtet, vier verwundet. Aus den erbeuteten Flaggen geht hervor, daß der Feind aus Miltzsoldaten bestand. Unfall. Beim Beginn des neuen Jahres wurden die deutschen Truppen von einem schweren Unglück heimgesucht. Das neue Jahr mußte, wie das nicht anders geht, mit Salutschüssen begrüßt wer den. Dabei zersprang ein Ge⸗ schütz, wodurch 5 Soldaten getödtet und fünf⸗ zehn zum größten Theile lebensgefährlich ver— letzt wurden. Wie mag es zugegangen sein, daß eine schwere Kanone(Haubitze) beim Blind⸗ schießen nicht Stand hält? Auf die Solidität des Geschützmaterials wirft das Vorkommniß ein eigenthümliches Licht. Jeder Genosse versäumt seine Pflicht, wenn er nicht nach besten Kräften für die größtmöglichste Verbeitung der Parteipresse sorgt. Die Interessen des werkthätigen Volkes, der Besitzlosen und Ausgebeuteten werden allein von der sozialdemokratischen Presse wahrge⸗ nommen. Auch die sogenannten „unparteiischen“ Blätter verfolgen nur ihre Geschäftsinteressen, spekuliren auf die Arbeitergroschen, leisten der Reaktion Heeresfolge und verdächtigen bei jeder Gelegenheit die Arbeiterbewegung. Deshalb abonnirt nur die Parteipresse! E 7 1 2 Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Die„Gießener Neuesten Nach⸗ richten“ wollen nicht nationalliberal sein oder werden. Sie stellen sich empört über unsere in der vorigen Nummer ausgesprochene Vermuthung, daß das Blatt mit dem Eintritt seines neuen Redakteurs in nationalliberalem Sinne geleitet werden würde. Sie bezeichnen unsere diesbezügliche Notiz als„unsinnig“ und „wider besseres Wissen geschrieben“. Mit diesem Geschimpfe sollten sie sich an ihre eigene Adresse wenden. Unterm 29. Dezember kün⸗ digen sie den Eintritt des Herrn Hoppstädter in ihre Redaktion an, loben ihn über den Schellenkönig und heben als besondere Empfeh— lung hervor, daß er als nationalliberaler Reichstagskandidat auftrat. Ein natio⸗ nalliberaser Redakteur wird in seinem Blatte doch keine andere als nationalliberale Politik treiben, man müßte ihm dann die Unehrkichkelt zutrauen, gegen seine Ueberzeugung zu schreiben. Und das lehnt jeder anständige Mann ab. Wir wenigstens würden Jeden verklagen, der uns solches zumuthete.— Die„G. N. N.“ versichern, ihre„unparteiische Tenden;“ beibehalten zu wollen. Damit kann uns das Blatt keinen großen Respeßt einflößen. Wir kennen die„un⸗ partetiscge“ Profe zur Genüge. Und die„G. N. N.“ konnten es auch mit ihrer„Ur parteilichkeit“ vereinbaren, der offenbaren Schwindelnotiz Auf⸗ nahme zu gewähren, daß in Hamburg eine Anzahl Maurer aus unserer Partek ausgeschlossen worden wären, weil sie in Akkord gearbeitet hätten! Vielleicht werden wir noch öfter ge⸗ zwurgen sein, das„unparteiische“ Verhalten des genaunten Blattes in gebührende Beleuchtung zu rücken. — Einen Familienabend veranstaltet die hiesige Filiale des Tapezierer Ver⸗ bandes am Sonntag den 13. Januar im Saale des Herrn Hch. Sauer. Zu dieser in Theater⸗ und Musik⸗Aufführungen, Vorträgen, Verlosungen ꝛc. bestehenden Unterhaltung sind alle Gewerkschaftsmitglieder und Freunde des Vereins freundlichst eingeladen. Kreiskonferenz. Wie aus der Bekanntmachung des Vorstandes des Kreiswahlvereins ersichtlich ist, findet die erste Kreiskonferenz für dieses Jahr am 10. Feb ruar in Daubringen und zwar im Lokale des Herrn Wilh. Albach statt. Es muß dafür ge⸗ sorgt werden, daß alle Orte im Kreise wo Stimmen sür uns abgegeben wurden, durch Delegirte vertreten sind. Die Genossen müssen daher die Verhandlungsgegenstände baldmög⸗ lichst berathen und zur Wahl von Delegirten schreiten. Voraussichtlich wird auf der Konferenz die Aufstellung eines Reichstagskandidaten erfolgen.— Bei dem Punkte„Ausbau der Or— ganssation“ handelt es sich um Einführung von Nothfallunterstützung und Sterbegeld für die Mitglieder des Wahlvereins. Der Ver⸗ handlungsstoff ist also wichtig genug, daß alle Genossen für ihre Vertretung auf der Konferenz Sorge tragen müssen. In Lollar fand am Dienst'eg Abend eine sehr gut besuchte Versammlung des Metallarbeiterver⸗ bandes statt, in welcher zunächst die Neuwahl der Zahlstellen-Verwaltung vorgenommen wurde, welche die Wiederwahl der bisherigen Ver⸗ waltungsbeamten ergab. Hierauf hielt Genosse Vetters einen Nortag über Frage„Zeitlohn oder Stücklohn“ in welchem er die Nachtheile, die der Arbeiterfchaft im Ganzen und auch dem einzelnen Arbeiter durch das Akkordsystem zu⸗ gefügt werden, eingehend besprach. Allerdings könne dies verderbliche System dort, wo es ein— geführt ist, nicht von heute auf morgen beseitigt werden; nothwendia sei aber, daß sich alle Ar— beiter über die Schäden desselben auftlären und diese durch eine gute Organisation wenigstens zu mildern suchen. Vor Allem müsse bei Ak⸗ kordarbeiten die Garantie des üblichen Tage⸗ lohnes verlangt werden, damit nicht, wie es öfters vorkommt, der Arbeiter wochenlang um— sonst arbeiten muß.— Die Ausführungen des Referenten fanden allsei ig Zustimmung. Wieseck. Der Arbeiterbildungs verein hält am Sonntag nachmittag eine Mitglieder Versamm⸗ lung ab, in der auch über die Gründung eines Arbeitergesang vereins verhandelt werden soll. Da sicher unter der Arbeiterschaft Wiesecks dieser Frage weit auseinandergehen, weil ganze Anzahl Gesangvereinen schon bestehen, so ist ein recht zahlreicher Besuch der Versammlung noth⸗ wendig, damit eine eingehende Aussprache er⸗ folgen kann. Hoffenttich bewältigen unsere Wiesecker Freunde die Schwierigkeiten, die dem Plane entgegenstehen, damit auch in Wieseck die Lieder, die dem Denken und Empfinden des arbeitenden Volkes Ausdruck verleihen in künst⸗ lerischer Weise zum Vortrag gebracht werden können und so zum Gemeingut Aller werden. Alsfele. Am Sonntag früh entstand in dem Säge— werk des Herrn H. Specht hierselbst auf un⸗ aufgeklärte Weise Feuer, das in kurzer Zeit alle zu der Anlage gehörenden Gebäude mit Ausnahme des Wohnhauses, das nur wenig beschädigt wurde, in Asche legte. Der Alsfelder Feuerwehr gelang es, die Vernichtung des Wohn⸗ hauses zu verhindern. Das Anwesen soll gut versichert sein. Freuden f zialdeme kratischer Redakteure. Wegen Beleidigung des Stations vorstehers in Isen⸗ burg wurde unser Genosse Zielowsky von der Frank⸗ furter„Volksstimme“ von dem Schöffengericht in Offenbach zu drei Monaten Gefängniß verur⸗ theilt. Dieser Genosse hat schon oft für unsere Sache in's Gefängniß wandern müssen. Ein furchtbares Brandunglück ereignete sich vorigen Samstag in Köln a. Rh. In einem an der Follerstraße gelegenen Material waarengeschäft brach Feuer aus, das sich schnell ausbreitete und das Innere des Hauses völlig zerstörte. Mehrere Personen konnten infolge⸗ dessen das Freie nicht rechtzeitig gewinnen. Die Frau und ein siebenjähriger Sohn des Ladenbesitzers fanden den Tod durch Ersticken, zwei andere Kinder des Besitzers wurden noch lebend in das Krankenhaus gebracht. Eine im ersteren Stock wohnende Frau und ihre kleine Tochter verbrannten, eine Frau, welche zur Hilfe geeilt war, wurde als Leiche auch den Trümmern hervorgeholt. Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg. 10. Januar 1901. — Partei⸗Versammlung. Wie im Inseratentheil der heutigen Nummer ersichtlich, findet am Samstag, den 19. d. Mts., Abends 9 Uhr im Restgurant D. Jesberg hier eine öffentliche Parteiversammlung statt, in welcher Gen. Stadtverordneter E. Krumm aus Gießen über das Thema„Kommunale Angelegenheiten“ referiren wird. Sowohl die Wichtigkeit des Themas, als auch die Beliebtheit des Referenten lassen zahlreichen Besuch der Versammlung er⸗ warten. — Kommunales. Am Freitag und Samstag voriger Woche fanden hier wieder Sitzungen der Stadtverordneten statt. In der Freitagssitzung wurde zunächst über die Herstellung der Anlagen am Friedrichsplatz Beschluß gefaßt. Die Vertiefung für den zuerst geplanten Springbrunnen wird zugeschüttet und alsdann gärtnerische Anlagen und Wege ange⸗ legt, sowie eine Anzahl Ruhebäuke aufgestellt. — Betreffs Herstellung der Or denbergstraße (unterhalb dem Spiegelslustoerg entlang) wurde beschlossen, dieselbe in einer Breite von 10 m auszuführen. Kostenpunkt: 30866 Mk.— Die Hauptredeschlacht drehte sich jedoch um den bevorstehenden Erweiterungsbau des Nord⸗ (Haupt⸗) Bahnhofes und des Güterbahnhofes. Beide entsprechen den heutigen Verkehrs verhält⸗ nissen schon seit längerer Zeit nicht mehr. Seitens der Regierung sind bereits 800000 Mk. für die nöthigen Neubauten bewilligt worden. Im Laufe der Debatte traten die Gegensätze zwiscken Nord- und Südviertel deutlich hervor, was hauptsächlich durch das, in letzter Zeit ziemlich bestimmt auftretende Gerücht von der Verlegung des Güterbahnhofs ius Kappelerfeld, in der Nähe des Südbahnhofs, hervorgerufen wurde. Reg.⸗Baumeister Sardemann, Mit⸗ glied des Magistrats, erklärte das Gerücht für unwahr. Es müsse aber für die neue Bahn durch den Ebsdorfer Grund eine Güterverlade⸗ stelle am Südbahnhof geschaffen werden; das schließe doch nicht aus, daß auch die Erweite⸗ rungsbauten am Nordbahnhof vorgenommen wür den. Schließlich wurde ein Antrag Ber dux, die Erweiterung des Nordbahnhofes incl. Güter⸗ bahnhof, angenommen.— Aus den Verhand⸗ lungen der Samstagssitzung ist hauptsächlich die Einrichtung eines Lehrlingsheims in der Aula der Oberrealschule zu erwähnen. Das⸗ selbe steht unter der Aufsicht eines Lehrers und ist bis jetzt von ca. 100 Lehrlingen besucht worden. Es wurde die Anschaffung zweier langer Tafeln, sowie einer Anzahl Spiele be⸗ schlossen. In der Debatte wurde betont, daß die Einrichtung des Lehrlingsheims recht erfreu⸗ lich sei, leider hätten die Innungen, die dies doch eigentlich zunächst angehe, wenig Interesse hierfür gezeigt.()— Der letzte Puntt betraf Anstellung eines besoldeten Beigeordneten. Der Gegenstand wurde bis zur nächsten Sitzung verschoben. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß infolge des Magistrats⸗ und Stadtverord⸗ netenbefchlusses, einen besoldeten Beigeordneten (Aufangsgehalt 4500 Mk.) anzustellen, der den Oberbürgermeister bei seinen Arbeiten zu unter⸗ stützen habe, dieser sein Entlassungsgesuch zurückgenommen habe. — Unglücksfall. Am Mittwoch Nach⸗ mittag kam beim Schlittschuhlaufen auf der städt. Eisbahn ein achtjähriger Knabe zu Fall In deuselben Augenblicke lief eine erwachsen 2 —— — — —.—— —— 1 wcnn. nik ber tg wärmer en dr all. rd Str Esse den del halb hof, 0 1 N ziger große 90 bol. 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Nach Anlegung eines Noth verbandes wurde der be⸗ dauernswerthe Knabe nach der chirurgischen Klinik verbracht. — Einen festen Schlaf hatte ein Nacht⸗ schwä⸗ mer, der dseser Tage früh morgens vou Possanten der Schützenpfuhlbrücke auf dem Eise der Lahn entdeckt murde. Er hatte Schuhe und Strümpfe ausgezogen und schlief auf dem Eise den Schlaf des Gerechten. Man schaffte den halb Erstarrten nach dem nahen Südbahn⸗ hof, wo er aufthaute. Arbeiterbewegung. Mit dem Konflikt in der Leip⸗ ziger Volkszeitung beschäftigte sich eine große Parteiversammlung in Leipzig. Folgende vom Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells bean⸗ tragte und von Abg. Geyer unterstützte Re⸗ solution fand mit großer Mehrheit Annahme: Die heute, am 8. Januar 1901, im Saale des Pantheon stat findende Parteiversammlung bedauert den Konflikt der Verbandsbuch⸗ drucker mit der Leipziger Volkszeitung. Sie beauftragt die Geschäftsleitung und Parteileitung, alle Mittel anzuwenden, und den Streit⸗ fall in für die Partei irgend annehmbarer Weise zu beenden. Gewerkschaftshaus in Hamburg. Von dem Gewerkschaftskartell in Hamburg wurde beschlossen, in weitere Berathungen über diet Errichtung eines Gewerkschaftshauses einzutreten und zwar unter Hinzuziehung von Fachleuten. Nach den Angaben Bömelburgs dürfte das Projekt nicht unter 1 Million Mark zu stehen kommen und müßten mindestens 100000 Mk. als Fonds gesammelt werden, ehe wan an die Verwirklichung desselben denken könne. Kleine Mittheilungen. * Bürgermeisterwahl in Großen⸗ buseck. Die am 2. Jan. unter außergewöhn⸗ lich starker Wahlbeteiligung stattgefundene Bürgermeisterwahl hat kein endgültiges Resul⸗ tat ergeben. Der bisherige Bürgermeister Meyer erhielt 160, Polizeidiener Schwalb 158, Zimmermeister Dem ber 16 Stimmen. Slichwahl ist auf den 12. d. Mts. festgesetzt. — Von verschiedenen Seiten werden Beschwerden gegen den Bürgermeister wegen Wahlbeeinflussung erhoben. ** Schwere Verletzung. Am Neujahrs⸗ tage fiel das siebenjährige Töchterchen eines Wirthes in Klein⸗Linden auf einer Treppe und verwundete sich dabei so schwer, daß ihm die Nahrung künstlich zugeführt werden muß. ** Vom Zug überfahren. Ein Arbeiter wollte am Abend des 3. Januar in Offer⸗ bach auf den eben abfahrenden Zug springen, dabei gerieth er unter die Räder und wurde getödet. * Ungetreuer Direktor. Bergwerks- direktor Fuchs, der frühere Direkor der Ge⸗ werkschaft Eichenberg und der Möncheberger Ge⸗ werkschaft in Kassel ist dort wegen Untreue Kuxschwindel und Fälschungen zu 2¾ Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Rechtsprechung. § Eine für Wirthe bemerkenswerte Entscheidung fällte die Strafkammer in Siegen. Ein Wirth aus Attendorn war von der Polizeibehörde in eine Geldstrafe genommen worden, weil er einem Gast Morgens vor 8 Uhr Branntwein verabreicht hatte. Gegen diese Strafe trug er auf schöffengerichtliche Ent⸗ scheidung an, indem er geltend machte, daß der betreffende Gast allmorgentlich von der Nacht⸗ schicht in seine Wirthschaft käme, aber noch nie Branntwein, sondern immer nur Bier getrunken, an dem fraglichen Morgen aber über Leib⸗ schmerzen geklagt und gebeten hätte, ihm einen Mageubittern zu verabreichen. Auf seine, des Wirthes, Einwendungen, habe er ausgeführt, daß er noch über eine Stunde Wegs nach Hause tbriter könne. Hierdurch habe er sich bewegen lassen, dem Gaste einen sogen. Magendoktor zu verabreichen. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung. Gegen dieses Urtheil legte der Amtsanwalt Berufung ein, indem er ausführte, daß d. Hesetz ohne jede Einschränkung den Ausschank von Branntwein verbiete. Die Siegener Strafkammer verwarf diese Berufung, indem sie sich auf den praktischen Standpunkt stellte und in der Urtheils begründung ansführte, daß der Wirth durch seine Handlung nicht dre Absicht hatte, das Gesetz zu übertreten. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreis⸗Kouferenz. Gemäß der in der letzten Kreis-Konferenz in Großen⸗ Buseck gefaßten Beschlüsse beruft der unterzeichnete Vor⸗ stand die erste Kreis-Konferenz für 1901 hiermit auf Sonntag, den 10. Februar Vormittags 10 Uhr nach Daubringen in das Lokal W. Albach ein. Die Vorläufige Tages⸗Orduung ist wie folgt fest⸗ gesetzt: 1. Geschäfts⸗ u. Kassenbericht vom II. Halbjahr 1900. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Die nächste Reichstagswahl. 4. Ausbau der Organisation im Kreise. 5. Unsere Presse. Die Genossen im Kreise werden ersucht, die Wahl von Delegirten baldigst vorzunehmen, sowie etwaige Anträge dem Vorsitzenden des Kreiswahlvereins G. Beck⸗ mann, Gießen, Grünbergerstr. 44 einzusenden. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Versammlungs⸗Kalender. Sa mstag, den 12. Januar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm? lung bei Löb„Wiener Hof“ Gießen. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Vortrag:„Zeitlohn oder Stücklohn?“ Wteseck. Tabakarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei B. Wacker. Abrechnung. Sonntag. den 19. Januar. Wieseck. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Ver⸗ sammlung nachmittags 3 Uhr bei Wilhelm Freitag. T.⸗O.: 1. Arbeiter⸗Gesangverein; 2 Kreis⸗Konferenz. Literarisches. * Im Dietz'schen Verlage erschien soeben Heft 15 und 16 von Wurm's Lleferungswerk„Gesundheits⸗ schutz in Staat, Gemeinde und Familie. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Geistes⸗ krankheiten.— Der Alkoholismus und seine Bekämpfung.— Die Kleidung.— Wohnung und Werkstatt.— Die Wohnungs⸗ frage. Das Werk wird in Lieferungen von je 32 Seiten à 20 Pfennig erscheinen und in 25 Heften komplet vor⸗ liegen. — Von dem im gleichen Verlage erscheinenden, hoch⸗ interessanten und reich illustrirten Werke„Das hun⸗ gernde Rußland“ erscheint Heft 8 und 9. Die Verfasser(Dr. Lehmann und Paraus) schildern in diesen besonders die Stadt Ssamara, die dortigen Hafen- und Wanderarbeiter, die Bauern- und Hauswirthschast in Stadt und Gouverment Ssamara, sowie die Hungers⸗ noth in diesem Bezirke in überaus fesselndee Weise. — Der Preis des Heftes beträgt 40 Pfg. Die Sozialistischen Monatshefte(Admini⸗ stration: Berlin W., Lützow st. 85 a) haben soeben das erste Heft Ihres VII. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt heben wir hevor: Richard Calwer: Glossen zum Sternberg-Prozeß. Maurice Maeter⸗ linck: Weltordnung und Sittlichkeit,— Dr. Ch. Schit⸗ lowsky: Die historiosophische Endzielphilosophie.— Eduard Bernstein: Englische Gewerkschaftsprobleme. — Adolp von Elm: Die Probe aufs Exempel!— Robert Schmidt: Die Kohlentheuerung. Außerdem enthält das Heft weitere zahlreiche Beiträge namhafter Schriftsteller, welche politische, soziale, gewerkschaftliche, ꝛc. Fragen behandeln. Das Heft, das in neuer eleganter Ausstattung und vergrößertem Umfange erschienen ist, kostet einzeln 50 Pfg.; der Preis eines Quartalabon⸗ nements beträgt 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buch⸗ handlungen, Colpoteure und Postanstalten(Postzeitungs⸗ katalog Nr. 6961.) sowie direkt durch die Expedition der Soztalistischen Monatshefte, Berlin W. 35.(Zu⸗ sendung in offenen oder geschlossenem Convert.) Probe⸗ heste gratis und franko. Unierhaltungs-Theil. Ein Tropf. Ein Zeitbild von Karl Ewald. Ein Frühlingstag war's, wenigstens dem Kalender nach; aber ein solcher, wie man ihn in Deutschland allen Lenzespoeten zum Trotz meistens kurz vor Ostern hat. Es schneite und graupelte seit dem frühen Morgen schon von dem bleigrauen Himmel herunter, und dabei herrschte ein Wind, daß man keinen Hund vor die Thür hätte jagen mögen. Dazu war's noch ein Sonntag. Kein Wunder daher, wenn die vielgeplagten Bewohner der großen Indu⸗ striestadt Wemberg meist mißmuthig beim Früh⸗ stück saßen. „Ein Hundewetter draußen“, sagte auch der Meister der großen Metallwarenfabrik von Stolz & Komp. zu seiner blondlockigen, blauäugigen Tochter, während sie sich anschickte, den Früh⸗ stückstisch abzuräumen.„Sollte man's für möglich halten! Acht Tage vor Ostern und eine geradezu sibirische Kälte. Das Wetter gleicht doch so recht dem politischen Leben. Immer hegt man Lenzeshoffnungen und immer wieder vernichtet sie der eisige Sturm der Reaktions⸗ willkür. Weiß der Teufel, was das noch werden soll! Wir Arbeiter sollen wohl wieder zu Staats⸗ bürgern zweiter Klasse gestempelt werden. „Mucke nicht und rühr' dich nicht.“ So möchten's die Herren vom Geldsack, die Mächtigen alle am liebsten haben. Alles, was man in der Zeitung liest, taugt nicht! Aber trotz alledem und alledem, wir lassen nicht locker!“ schloß der weißbärtige Alte seine Expektoration, indem er kräftig mit der Faust auf die vor ihm liegende Zeitung schlug. a Vater Grad war heute schlecht gelauut. Das wußte auch sein Töchterchen. Klug suchte sie ihn zu begütigen.„Ereifere Dich doch nicht so, Väterchen,“ beschwichtigte ste.„Gewiß sind die Zeiten schlecht. Arbeitslose giebt's übergenug; aber wir dürfen doch nicht klagen. Du als Meister verdienst ein schönes Geld, und sollte es'mal nicht mehr so sein, dann weißt Du, daß ich mit Freuden nach jeder Arbeit greife.“ „Sollte mir gerade passen!“ begehrte der Alte auf.„Wäre mir noch schöner, daß ich bei aller Plackerei nicht mehr so viel verdiente, um Dich vor dem Joche der Fabrikarbeit zu bewahren! Leider, leider haben's Tausende Anderer nicht so gut.“ Das Mädchen schwieg. Sie merkte, den Vater müsse noch etwas Anderes als die schlechte Laune, der Aerger über das Wetter plagen. So war's in der That. „Na, na,“ fuhr er fort,„meine guten Tage bei Stolz& Komp. werden nun wohl auch bald zu Ende seiu. Wir werden förmlich von Arbeitsuchenden überlaufen, und schon lange drängen mich die Herren, den Arbeitern eine Lohnreduktion anzukündigen. Bisher habe ich dem Begehren widerstanden. Da sagte uir gestern der Fabrikdirektor, ich sei wohl auch im Geheimen ein Roter, der nicht auf das Interesse des Geschäfts bedacht sei, auch ich sei zu ersetzen.“ „Und was hast Du dem Herrn geantwortet?“ unterbrach das Mädchen bestürzt den Eifernden. „Was ich geantwortet habe? Nun, ich habe klipp und klar rund heraus erklärt, daß ich wohl Meister, aber kein Leuteschinder sei, und daß höher als das Juteresse des Geschäfts und mein eigenes, mir die Standespflicht des Ar⸗ beiters stehe.“ g „Thatest Du auch klug daran, Vater?“ fiel das Mädchen ein. „Vielleicht nicht,“ lachte der Alte bitter, „heutzutage sind ja nicht nur die Arbeitgeber unsere Widersacher, nein, ein Arbeiter ist sogar oft noch des andern Teufel. Wir—“ Das Klingeln der Thürglocke unterbrach hier seine Rede. Das Mädchen eilte hinaus, um nachzusehen, was es gebe. Bald kam sie zurück. „Ein reisender Metallarbeiter bittet um eine Unterstützung,“ sagte sie.„Es scheint ein netter Mensch zu sein,“ fügte sie hinzu. habe und er vor Magenschmerzen nicht mehr Fortsetzung folgt. Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung. Seite 6. c Nr. 2. Der Alkoholismus und seine Lolksrestaurants zur Verfügung stellt, in denen Lesefrüchte. Bekäm fun Speisen und Getränke, mit Ausnahme von(Aussprüche hervorra ender Personen über Krieg und bee Branntwein, verabfolgt werden. Jedes Komite 5 Militarismus.) 9 Die Trunksucht kann also zunächst nur bekämpft werden durch Verbesserung des Einkommens der Arbeiter, Ver⸗ kürzung der Arbeitszeit, Beseitigung der Wohnungsnoth! Daran hat sich anzu⸗ schließen die Beschaffung von Erholungs⸗ stätten, in denen den Volksmassen Gelegen⸗ heit zu geselligem Beisammensein und geistiger Ausbildung gegeben ist, ohne daß Brannt⸗ wein verabfolgt wird oder mitgebracht werden darf. Einen mäßigen Biergenuß ebenfalls zu verbieten, würde nur den Erfolg haben, daß gerade diejenigen Volksschichten, die es am nöthigsten haben, vor Alkoholmißbrauch geschützt zu werden, doch in die Schänke getrieben und damit der Verführung zum Schnapstrinken aus⸗ gefetzt werden, weil, wie heute nun einmal die Verhältnisse liegen, die Mehrzahl der Arbeiter irgend ein alkoholisches Reizmittel nicht eut⸗ behren mag und kann, sei es in Folge der Ueberanstrengung, set es Mangels genügender Einsicht und Selbstbeherrschung. Deshalb finden auch die Bestrebungen der absoluten Abstinenzler, Enthaltsam⸗ keitsanhänger, Temperenzler(Mäßig⸗ keitsfreunde) oder wie sie sich in England nennen: Teatotaler(tihtoteler) keinen nennenswerthen Erfolg. Sie schießen über das Ziel hinaus, auch wenn ihnen die Gesetzgebung mit Ein⸗ schränkung der Schankkonzessionen zu Hilfe kommt, wie dies in Rußland, Schweden, der Schweiz und einigen Staaten Nordamerikas der Fall ist. In ein abfolut alkoholfreies Lokal gehen die an geistige Getränke Gewöhnten nicht oder nur sehr schwierig und vereinzelt. Verbietet man hnen den Aufenthalt in den Schänken, so nehmen sie sich den Schnaps mit nach Hause, und be⸗ chränkt man die Menge des an den einzelnen zu verkaufenden Branntweins, dann wird nur der Schmuggel und Betrug groß gezogen; wer ich betrinken will, findet doch Mittel und Wege, sich sein Quantum zu verschaffen. Den Trun⸗ kenen aber zu bestrafen, wie dies mehrfach auch im deutschen Reichstag(zuletzt 1892) vor⸗ geschlagen wurde, heißt die soziale Ungerechtig⸗ keit zum Gesetz erheben. Denn der wohl⸗ habende Trunkene besitzt hinreichende Geld⸗ und Hilfsmittel, um sich dem Auge der Polizei zu entziehen; nur der Arme wird ihr, anstatt in der Droschke oder Equipage nach Hause zu fahren, singend und lärmend eutgegentaumeln! Und wie schwierig ist es, festzustellen, ob Je⸗ mand trunksüchtig ist oder nicht! Soll eine in gewissen Zeitränmen wiederholte Feststellung eines Rausches das Maßgebende dafür sein, dann wird jene schon oben hervorgehobene soziale Ungerechtigkeit nach verstärkt, denn beim Armen läßt sich durch die Polizei ein leichter Rausch leichter feststellen als die schwerste, oft wieder⸗ holte Trunkenheit beim Reichen, der sich dieser Aufsicht bequem entziehen kann! Ebenso ungeeignet zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs ist die Vertheuerung des Branntweins durch hohe Steuern. Ja, sie verschrimmert das Uebel noch, denn sie macht den Trinker noch ärmer, nimmt ihm dadurch noch mehr Geld ab, das er für seine Ernährung verwenden könnte, verschlechtert diese also und erhöht daburch die Gefahr, daß der Schnaps getrunken wird, um den Mangel an Nahrung zu verdecken. Nicht mit Zwangsmaßregeln kann man den Alkoholismus bekämpfen, sondern nur durch soziale Maßnahmen, unter denen die Er⸗ holungsstätten eine nicht unbedeutende Rolle spielen können, wenn sie von Uebertreibungen frei gehalten werden. Auch Räume, in denen gar keine alkoholischen Getränke aus⸗ geschenkt werden, können von Nutzen sein, aber wohl mehr für die heranwachsende Generation, die sich noch nicht an das Trinken gewöhnt hat, als für die herangewachsene. In Rußland hat der Staat in jeder großen Stadt Temperenz⸗ komites ins Leben gerufen, denen die Aufgabe zufällt, die ärmeren Volksschichten von den ch mutzigen„Traktirs“, den Wirthshäusern, weg⸗ u ziehen, indem man ihnen geräumige und luftige erhält von der Regierung eine Unterstützung, die jährlich mindestens 50000 Rubel beträgt und aus den Einnahmen der Alkoholverwaltung entnommen wird. 1898 gab es in Rußland 1713 Volksrestaurants, in denen kein Brannt⸗ wein verabfolgt wurde. Außerdem suchen die Komites die Volksbildung zu heben, indem sie 747 Volksbibliotheken, 800 Vortragssäle, 91 Theater zur Verfügung stellten— ein Tropfen auf einen heißen Stein! Richtig ist, daß die Hebung der Volks⸗ bildung eines der besten Kampfesmittel gegen den Alkoholismus ist. Wer sich geistig ausge⸗ bildet hat, vermag bessere, edlere Vergnügungen sich zu schaffen, als sie ihm der Rausch gewährt. Aufklärung des Geistes führt die Bevölkerung dahin, daß sie die Umneblung desselben durch Alkohol verschmäht. Auch spezielle Belehrung über die Schädigungen, die der Alkoholmiß⸗ brauch anrichtet, ist von Nöthen. Vorträge, Flugschriften, Artikel in den vom Volke ge⸗ lesenen Zeitungen gehören zu den Hilfsmitteln, die neben den sozialen Maßnahmen nicht ent⸗ behrt werden können. Besonders ist immer und immer wieder darauf hinzuweisen, daß der⸗ jenige ein Verbrechen an seinen Kindern begeht, der ihnen Schnaps vorsetzt. Auch Bier und Wein sollten Kinder bis zum 14. Lebensjahr nicht erhalten; sie sind sowohl als sogenannte Stärkungsmittel entbehrlich, als auch beranlassen sie gerade bei einem jugendlichen Gehirn die schlimmsten Schädigungen der Geistes⸗ thätigkeit. „Das Bier ist“, wie Professor Rosenthal⸗ Erlangen zutreffend ausführt,„einer der wich⸗ tigsten Hebel des Kulturfortschritts, indem es den barbarischen und zivilisationsfeindlichen Schnaps verdrängt und seine milde Wirkung an Stelle des verderblicheren und gefährlicheren setzt. Wo kein Wein wächst, der billig genug ist, um Volksgetränk zu werden, da haben wir alle Ursache den Bierkonsum zu begünstigen, um den Schnaps zu bekämpfen.“ Selbstverständlich soll nicht dem Uebermaß im Biergenuß gefröhnt werden! Und wer sich gänzlich jedes alkoholischen Getränkes enthält, wird am besten seine Gesundheit, namentlich seine geistige Vollkraft bis ins hohe Alter und in allen Lebenslagen bewahren! Aber bei einer Bevölkerung, die an alkoholische Reizmittel ge⸗ wöhnt ist, darf man den Schnaps nicht durch Temperenzbewegungen verdrängen zu können glauben; es werden stets nur die ohnehin nicht branntweintrinkende Kreise sein, die sich schließ⸗ lich zur Abstinenz bekehren lassen. Auch hie⸗ rin schließen wir uns der Ansicht des Professor Rosenthal an, daß so lange es nicht möglich, das Bedürfniß nach Alkohol ganz zu beseitigen, es im Interesse des Volkswohls durchaus nötig ist, den Genuß von Bier(auch durch Steuer- freiheit desselben) zu begünstigen, da es überall, wo es leicht zugänglich ist, dem Schnaps er⸗ folgreich Feld abgewinnt. Außerdem ist dadurch, daß man den ärmeren Volksschichten alkoholfreie Anregungs⸗ mittel, so Kaffee, Thee und Kakao, billig und bequem zugänglich macht, das Schnaps⸗ trinken einzudämmen und daher die Errichtung von Volkskaffeehallen nützlich. Von Grund aus kann aber das Uebel nur bekämpft werden, indem das Einkommen der Bevölkerung durchwegs auf solche Höhe gehoben wird, daß eine genügende und wohl— schmeckende Nahrung beschafft zu werden vermag, während gleichzeitig Verkürzung der Ar⸗ beitszeit vor Uebermüdung schützt, gesunde und angenehme Wohnräume wie Er⸗ holungsstätten es ermöglichen, die Muße⸗ stunden fern von jeder Anreizung zum Trinken zu verbringen, und eine genügende Volks⸗ bildung lehrt, sie in geistig edler Weise aus⸗ zufüllen und die Schädigungen, die der Alkohol⸗ mißbrauch hervorruft, zu erkennen. Die Erfüllung dieser Forderung liegt auf dem Gebiet des Kampfes, den die Arbeiterklasse zur Erringung der politisch und wirtschaftlichen Macht führt. Der Krieg ist nichts als organisirte Barbarei, eine Erbschaft aus dem Zustand der Wildheit, welcher durch wohl ausgedachte Einrichtungen verkleidet und ausgeschmückt wurde, wie nicht weniger durch trügerische Beredsamkeit. Ludwig, König bon Holland. Ein Bund der europäischen Nationen muß durch Vertreter jedes Landes zusammengehalten werden, deren erster Ausspruch sein muß:„Der Krieg wird für unmöglich erklärt.“ Die zweite Basis muß ein Gesetz sein, nach welchem alle Völkerstreitigkeiten durch den internationalen Kongreß geschlichtet werden. Auf diese Weise wird der Krieg— diese Geißel und Schmach der Menschheit— für immer ausgerottet werden. General Garibaldi. Wollte ein großer Staat nur die Hälfte seines Kriegsbrennholzes zum Bauholz des Friedens verbrauchen, wollte er nur halb so viel Kosten aufwenden, um Menschen, als um Unmenschen heranzubilden, und halb so viel zu entwickeln als zu verwickeln, ständen die Völker ganz anders und stärker da. Jean Paul Friedrich Richter Humoristisches. Im Eifer. Vorsitzender(die Versammlung schließend): „Seien wir einig, meine Herren, wie uns der Herr Vor⸗ redner soeben ermuntert hat, denn wenn wir einig sind, bilden wir eine Macht, gegen welche selbst die Götter vergeblich kämpfen!“ Eingefroren. Wenn ich so seh' die Thaten Von unsern Diplomaten, Wie ihnen die Chinesen Stets über sind gewesen, Die Russen auch, die schlauen, Sie übers Ohr gehauen, Da glaub' ich's unbeschworen: Ihr Witz ist eingefroren! Hunnenbriefe.„Vollblut⸗Agarier“(beim Fest⸗ essenh: Ich frage Sie, meine Herren, was thut das niedere Volk mit der Bildung? Wie konnte ein so ver⸗ nünftiger Mann wie Friedrich Wilhelm I. auf die Idee kommen, Volksschulen zu gründen? Jetzt haben wir die Bescheerung; jedes Kameel schreibt Briefe. (Simpl) e Marburg Samstag, den 19. Januar, Abends 9 Uhr: Oeffentliche Varteiversammlung im Lokale des Herrn D. Jesberg Wehrdaerweg. Tagesordnung: 1. Komunal⸗Angelegen⸗ heiten. Referent: Stadtverord. E. Krumm, Gießen; 2. Verschiedenes. 5 Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert zahlreiches Erscheinen. Der Vertrauensmann. Erste f Gießener Schnellbesohlanstalt besohlt schnell, besohlt billig, besohlt gut. Johannes Hecker. Wolkengasse 20. Wolkengasse 20. —— DO OG 3 D Mit 2 mitgliedern Aerzte zur J. Für d Her a) Her Sp. mit 5) He S Il al den Ae — 3 f N 2. N 2 — a 1 0 d und 5 de eee 9 Seite 7. irie F e ee. 1 SOO OOO OOO 328888500 Y‚0 OG 22 nd e S 5 ee 80 68800 uz, 50 ift! „ chuhwaarengeschäft % ca. odenjoppen 3 cbupwaaf 7 7780 von N 1 nuß. helten; schwere Herren-Lodenjoppen 1 151 Serie 1 1. mit Falten per Stück Mark 9.78 25 0 everstein zwe; were Herren⸗Lodenjoppen 0 1 Serie 1 nit Futter per Stück Mart S. 26 8 befindet sich jetzt 5 e 5 line Herren Loben 55 jetz 45 al S erie 2 2reihige Herren⸗Lodenjoppen 6 95 9 5 bee, eee, 4% 51 Neustadt 31.3 8 erren Lodenjoppen 2 15 Serie 3 mit Futter per Stück Mark 8.60 i* f 7 N aun W e e 0 Grosser Posten Palet eee 0 rosser Posten Paletots. Ha fe Gesundheitspflege. 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