0 fen, . J. U. 5% uswahl; „ nter . Gig. W. 0 0 „ A. 000 0 4 U 1 1 Nr,. 45. Gießen, Sonntag, den 10. November 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. ĩu—e Jonnt Mitteldeutsche Is Zeitung. Nedaktionsschluf: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr⸗ 2 Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonmtags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 1 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33½ /, und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Zum internationalen Boykott der englischen Handelsschiffe. Der von den Amsterda mer Hafenarbeitern ausgehende Plan, zu Gunsten der Buren einen internationalen Boykott gegen die eng⸗ lischen Schiffe zu verhängen, begegnet sympa⸗ thischer Aufnahme. Nicht nur haben sich die Dockarbeiter zahlreicher Hafenstädte mit dem Vorschlag einverstanden erklärt, auch sonst wird in den Kreisen aller Derjenigen, welche der Schlächterei in Südafrika ein Ende gemacht wissen wollen, das opferwillige Vorgehen der Arbeiter anerkannt. Auch der Präsident der internationalen Arbeiterföderation in London ließ den Amsterdamer Komitee seine Sympathie mit dem Boykottplane aussprechen und sicherte das Einverständnis der Föderation zu, sobald die Arbeiter der bedeutenderen europäischen Häfen zum Handeln bereit seien. Daß ein allgemeiner, streng durchgeführter Boykott der englischen Handelsschiffe England einen empfindlichen Schaden zufügen würde, darüber kann kein Zweifel sein. Der Beschluß der Amsterdamer Dockarbeiter hat denn auch in der Oeffentlichkeit einen gewaltigen Eindruck gemacht. Ob aber eine derartige Sperre in finanzieller und organisatorischer Beziehung durchgeführt werden kann, ist eine andere Frage, die der Vorsitzende des deutschen Seemanns⸗Verbandes, Paul Müller, in einem im„Vorwärts“ erschienenen Artikel verneint. Er bezeichnet den Boykott als eine Utopie und erachtet es überhaupt als unzulässig, daß ein bestimmter Industrie⸗ oder Erwerbszweig eines Landes für die politischen Verbrechen einer Landes⸗ regierung bluten soll und ist im übrigen von der Unmöglichkeit seiner auch nur relativen Ausführung überzeugt. Seine Ausführung, wird behauptet, wäre nur im internationalen Rahmen möglich, denn eine Sperrung der eng⸗ lischen Schiffe in nur holländischen Häfen würde zwecklos sein, indem dann englische Schiffe ein⸗ sach in deutsche, französische, belgische ꝛc. Häfen anlaufen, dort ihre Ladungen entlöschen und diese entlöschten Waren dann per Bahn den Weg nach Holland wandern lassen würde und umgekehrt. Vorbedingung für die wirksame Durchführung einer derartigen Aktion ist aber elne stramme und auch leistungsfähige Organisation. Aber gerade in Bezug auf diese Frage hapert es in fast allen Schiffahrt treibenden Nationen, speziell in Holland, unter den Hafenarbeitern, Seeleuten ꝛc. sehr. Höchstens 1015 Prozent der im Betriebe beschäftigten Arbeiter sind der gewerkschaftlichen Disziplin unterworfen. Und mit den Barmitteln ist es in den meisten Nationen auch sehr traurig be⸗ stellt. In Dentschland hat überdies die Krise die Folge gehabt, daß Tausende von Hafen⸗ arbeitern und Seeleuten bereits seit Wochen arbeitslos auf der Landstraße umherirren. Wie aber stellen sich die englischen Ar⸗ beiter selbst zu dem Plan, der ohne deren Mit⸗ thun undurchführbar ist? Anzunehmen ist aus naheliegenden Gründen, daß die englischen Arbeiter sich nicht solidarisch erklären werden, es ist vielmehr damit zu rechnen, daß sie den eng⸗ lischen Rhedern im Abwehrkampf hilfreich zur Seite stehen werden. Die Vernichtung des englischen Handels und der Schiffahrt bedeutet die Vernichtung ihrer eigenen Existenz! Sie werden sich ohne weiteres in den verschiedenen Hafenorten des Kontinents stationieren lassen, um so den englischen Handel uod Verkehr not⸗ dürftig aufrecht zu erhalten, was ihnen bei der augenblicklichen und aller Voraussicht nach an⸗ haltenden Flaue im Schiffahrtsbetrieb aller Nationen nicht allzu schwer fallen dürfte. Der Artikel Müllers widerlegt noch die optimistische Auffassung, daß in diesem Kampf die Kapitalisten der Arbeiterorganisation keine Schwierigkeiten machen, im Gegenteil ihr Vorgehen unterstützen würden, mit dem Hinweis auf die inter na⸗ tionale Interessen⸗Gemeinschaft des Schiffahrtskapitals. Im Gegenteil würde eine gemeinschaftliche Wendung des gesamten Unternehmertums gegen die Arbeiterschaft zu erwarten sein. Der deutsche Verband kommt aus allen diesen Gründen zur Ableh⸗ nung des Vorschlags, als eines utopischen. *** * Vertreter 36 politischer und gewerkschaftlicher Organisationen Amsterdams beschäf⸗ tigten sich vergangene Woche mit der Boykott⸗ frage. Nach lebhafter Debatte wurde eine Re⸗ solution angenommen, worin die Versammlung ihre Sympathie mit dem Plan der Transport- arbeiter kundgiebt, des weiteren aber der Wunsch ausgesprochen wird, daß die organisierten Ar⸗ beiter nicht nur mit dem Transvaalkrieg ein Ende machen, sondern dasselbe Mittel auch gegen andere Kriege, z. B. den Atjeh⸗Krieg (der Holländer gegen die Eingeborenen im Norden Sumatras) und den Krieg auf den Philippinen, in Anwendung bringen. Der Wunsch, durch Sperren und Arbeits- einstellungen den Krieg überhaupt zu be⸗ kämpfen, ist nur logisch, so meint dazu der „Vorwärts“, aber er beweist zugleich das aus⸗ sichtslose der ganzen Bewegung. Wohin sollten die Arbeiter kommen, wenn sie bei jeder Gelegeu⸗ heit durch internationale Arbeitseinstellungen die Kriegsgelüste heute dieser, morgen jener Nation bekämpfen wollten. Die Idee des nationalen Generalstreiks ist noch ein engherzig⸗ prosaischer Gedanke gegenüber diesem Welt⸗ boykott mit beständig sich ändernder Frontlinie. So leicht ist leider die Macht des den Krieg stets neu zeugenden Kapitalismus nicht zu brechen. **. * Tölpelhaft wie immer benehmen sich in dieser Frage die deutschen Antisemiteriche. Das Offenbacher Blattl des berühmten Hirschel er⸗ zählt seinen Lesern daß die Dockarbeiter ver⸗ schiedener Hafenstädte dem Boykott⸗Gedanken zustimmten. Daran schließt es folgendes Ge⸗ belfer:„Gegner sind nur die Handelskammern und infolgedessen auch die deutsche Sozial⸗ demokratie.“— Wenn die Sozialdemokratie je einen Streik moralisch unterstützte, bei dem es sich um noch so berechtigte Arbeiter ⸗Interessen und um deren heiligste Rechte handelte, wie wurde sie da auch von der antisemitischen Schaumschläger⸗Gesellschaft beschimpft! Da hieß es regelmäßig:„Die sozialdemokratischen Streik⸗ hetzer haben zufriedene Arbeiter aufgehetzt, die Familien dem Hunger und Elend preisgegeben!“ So und ähnlich lauteten da die Redensarten. Jetzt schimpft der antisemitische Rohrspatz wieder, weil die Sozialdemokratie die Frage des Boykotts objektiv prüft und vor übereilten Schritten warnt. Will er etwa die dann ihren Verdienst ver⸗ lierenden Arbeiter unterstützen? Die Kasse der Urteutschen dürfte dazu nicht ganz ausreichen. Beerdigung Sruno Schönlanks. Unter riesiger Beteiligung der Bevölkerung Leipzigs und Umgebung ist am Sonntag unser Genosse Dr. Schönlank begraben worden. Etwa 25—3 0000 Personen gingen in dem nach den Gewerkschaften in 54 Gruppen geord⸗ neten Leichenzuge. Rote Fahnen durften im Zuge nicht mitgeführt werden; auch mußten vor dem Eintritt in den Friedhof die roten Schleifen von den zahllosen Kränzen abge⸗ nommen werden. Bevor der Zug nach dem Friedhofe ging, wurde eine Trauerfeier in dem geschmückten und schwarz ausgeschlagenen Saale des„Pantheon“ abgehalten. Nach Vortrag eines Liedes durch die Leip⸗ ziger parteigenössischen Gesangvereine feierte Genosse Grenz⸗Leipzig die Verdienste des Verstorbenen um die Bewegung in Leipzig und gab dem tiefen Schmerze Ausdruck, der ange⸗ sichts seines tragischen und harten Schicksals jedem Genossen erfülle. Grenz erzählte, daß Schönlank über die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes nicht im Zweifel gewesen sei. Als ihm seine Frau in den letzten Tagen besuchte und er sie in einem lichten Augenblicke erkannte, wandte er sich mit lautem Aufschrei ab und sprach nicht mehr.— Schönlank sei einer der wenigen Männer der Wissenschaft gewesen, die die Not aus eigener Erfahrung kannten. Wir ehren sein Andenken, indem wir ihn nachzueifern suchen. Hierauf sprach der Redaktionskollege des Entschlafenen, Genosse Pollender, der ihm den Dank für seine aufopfernde Arbeit an der Leipziger Volkszeitung aussprach. Der weitere Redner war Heimann Breslau, durch den die Genossen des Wahlkreises Breslau⸗ West ihren Reichstagsabgeordneten den letzten Scheidegruß nachriefen. Dann sprachen noch Schmidt⸗München, Schröder-Berlin und Rudolf⸗Mürnberg, welche seitens der genannten Städte delegiert waren. i Während der Trauerfeierlichkeiten im Pan⸗ theon hatten sich die Leipziger Parteigenossen zum Trauerzuge formiert. In den weiten Straßen und Plätzen sammelten sich die ver⸗ schiedenen Korperationen. Immer zahlreicher wurde die Menge, die trotz der ungünstigen Tageszeit in den Straßen in der Nähe des Pantheons zusammenströmte. 1½ Uhr setzte sich der schier endlose Zug unter den Klängen eines Trauermarsches in Bewegung. Dem Zuge voran gingen die Kranzträger, welche die etwa 200 von den Parteivereinen, Reichstagswahl⸗ kreisen, Gewerkschaften und Privaten ꝛc. gestif⸗ teten Blumenspenden trugen. Darauf folgten die auswärtigen Delegierten, deren Zahl etwa 500 betragen mochte und unter denen sich die Reichstagsabgeordneten Fischer, Kaden, Geyer, Schippel, Südekum, Herzfeld, Pfannkuch, Tutzauer und Hofmann be⸗ fanden. Seite 2. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. — Am Pathologischen Institut erwarteten die Angehörigen den Zug und der mit prächtigen Kranzen bedeckte Sarg wurde aufgenommen. Nun bewegte sich der Zug in fast elnstündigem Marsche durch Thonberg nach dem Friedhofe, ohne nennenswerte Störungen. Die Straßen, durch welche der Zug sich bewegte, waren mit dichten Menschenmassen eingesäͤumt. Am Grabe hielt der von dem Parteivorstand entsandte Abg. Pfaunkuch die Gedächtnisrede. Bei allem Schmerze über das frühe Hinschelden unseres Mitkaͤmpfers, dürfen wir uns nicht in Klagen ergehen, sagte der Reduer, sondern mit allen Kräften an der Verwirklichung seiner, unserer Ideale weiter arbeiten. Und im Kampfe dafür müssen wir uns Bruno Schönlank zum Muster nehmen. Wie jener große Vorkämpfer, den wir vor einem reichlichen Jahre begraben haben, so hat auch der, den wir soeben in die Gruft gesenkt haben, dem Proletariat den Weg gezeigt im Kampfe nach den höchsten Zielen. Hunderttausende folgten hinter Liebknechts Sarge und heute haben wir dasselbe erhebende und erschütternde Schauspiel, sehen wir Tausende sich vereinigen, ihrem Vorkämpfer und Waffen- enossen die letzte Ehre am Grabe zu erweisen, hm den letzten Scheidegruß zu widmen. Weder ein Fürst, noch sonst ein Mächtiger kann sich solcher Auhäuglichkelt und Verehrung im Volke rühmen, wie dieser treue Bannerträger der Arbeiterbewegung. Hierauf ertönte der ergrei— fende Gesaug:„Still ruht ein Herz“, dem das von einem Musikchor intonterte Lied:„Ein Sohn des Volkes“ folgte. Damit hatte die Trauer— feter ihr Ende erreicht. Das Verhalten der Polizei verdient Aner— kennung. Das von dem Komitee der Leipziger Genossen eingereichte Programm war ohne Ein— wand genehmigt worden, was in Sachsen viel bedeuten will. *** Durch den Tod Schoͤnlanks ist der Reichstagswahl kreis Breslau-West verwalst. Im Jahre 1898 wurde dort unser Genosse mit 14896 Stimmen im ersten Wahlgange gewählt. Die gesamten Gegner erhielten 12948. Von bürgerlichen Blättern wurden bereits Angaben über Schönlanks mutmaßlichen Nachfolger ge— macht und die Namen Bernsteln und Dr. Kar! Liebknecht genannt. Das ist natürlich müßiges Gerede. Dle Entscheidung darüber steht bei den Bres— lauer Pakteigenossen und diese haben sich mit der Frage noch nicht befaßt. Von Seiten des Parteivor— standes werden bei solchen Angelegenheiten nie Vor⸗ schläge gemacht, sondern die Aufstellung der Kandidaturen wird stets den einzelnen Kreisen überlassen. — 2 2 2——— Politische Rundschau. Gießen, den 7. November. Ueber die Wirkung der Viehzölle, wie sie nach dem neuen Zolltarif in Ansatz kommen, äußerte sich auf dem ostpreußischen Bezirkstag des deutschen Fleischerverbandes in Königsberg der Obermeister Keitel folgender- maßen: Bei dem Tarifsatz für Schlachtvieh von Mk. 12 pro Doppelzeutner Lebendgewicht werde der Zollsatz für ein Stück Vieh im Gewicht von 7 Doppelzeutner Mk. 84 betragen, bei den großen böhmischen Ochsen, welche nach Süd- deutschland, Sachsen, Rheinprovinz und ver- einzelt nach Berlin auf den Markt gebracht werden, und die ein Gewicht von 10—12 Dop⸗ pelzentner aufwelsen, würde der Zollsatz Mk. 120-144 für das Stück betragen. Da ein Doppelzentuer Lebendgewicht gleich einem einfachen Zentner Schlachtgewicht ist, so macht ein Zollsatz von Mk. 12 pro Doppelzeutner Lebendgewicht 12 Pfennig auf das Pfund Schlachtgewicht aus. Das Schlachtgewicht aber sei noch lange nicht das Fleischgewicht. Jeder Laie müsse erkennen, daß bei einem Tfere, das im Ganzen gewogen wird, eine Anzahl von Teilen vorhanden sei, die fast gar keinen Wert haben und auf die deshalb auch ein Zoll nicht gelegt werden dürse, z. B. Knochen, Beine, Halsteile, Sehnen, Abfaͤlle, Flanken, Fett usw. So gehen vom Schlachtgewicht, wenig gerechnet, weitere 20 vom Hundert ab, so daß sich der Zoll auf die voll verwertbaren Teile don 12 Pfennig auf 15 Pfennig, und bei den minder gut genährten Tieren auf 20 Pfg. das Pfund stellt. Das Schweinefleisch wird nach der Rechnung des Herrn Keitel eine Preissteige⸗ rung von 20 bis 23 Pfennige erfahren. Sein Urteil über die Vieh- und Fleischzölle faßte der Obermeister dahin zusammen, daß die Aussichten für die Konsumenten traurkge selen und daß das Fleischergewerbe mit Schrecken der Zukunft eutgegensehe.— Schon jetzt genießt man Fleisch in Hunderttausenden von Arbester— famillen nur als Leckerbissen. Nach Annahme der Wucherzölle müssen die Arbeiter zu unfrei— willigen Vegetarianern werden. Auch ein Opfer des Hunnenzuges. Wegen Beleidigung des Generalkommandos und deutschen Truppen in China wurde der Redakteur des demokratischen Stuttgarter„Be— obachter“ vorige Woche zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte an dem Rachezuge scharfe Kritik geübt, beisplelsweise anläßlich der Hinrichtung des Mörders des Gesandten Ketteler geschrieben:„Diese Hin- richtung ist ganz und gar ungerechtfertigt und eine in der That schändliche Handlung! In der Note an die chinesische Regierung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Er— mordung des deutschen Gesandten der Regierung zur Last falle und auf Befehl höherer Offiziere ausgeführt worden sei. Jener Unteroffizier ist also nicht der Mörder Kettelers, sondern einfach Vollstrecker eines Befehls seiner Oberen! Hätte er diesem Befehl nicht Folge geleistet, so wäre er wohl gar von seinem Vorgesetzten getötet worden! Und diesen Mann, der also nur seine Pflicht gethan und der in Deutschland ja so berühmten blinden Disziplin gehorcht hat, will man zum Sühnopfer für das vergossene Blut hinschlachten. Das ist kein Recht, sondern ganz ufame Willkür“ usw. Und in einem Neujahrs— Artikel hatte er in Bezug auf den Chinazug gesagt:„Der Zug, der zur Befreiung der Gesandtschaften unternommen wurde, hat sich in den schlimmsten Raubzug und Rachezug ver⸗ wandelt, den die Erde je gesehen hat.“ Unter den Zeugen befand sich auch der Kommandeur der Chinatruppen Generallieutnaut v. Lessel. Dieser sagte unter anderen aus, die a st x o⸗ nomischen Instrumente der Pekinger Sternwarte seien als Kriegsbeute weggeführt, wie mau eben im feindlichen Lande öffent— liches Eigenthum zur Deckung der Kriegskosten beschlagnahmt. Der Kopf des Chinesen. Die anfänglich offiziell abgeleugnete Geschichte, daß der Kopf des angeblichen Mörders des Gesandten v. Ketteler nach Deutschland gebracht worden sei, hat sich nun doch als wahr her⸗ ausgestelt. Der Staatssekretär des Ma⸗ rineamts erklärte in einem Schreiben an die „Münch. Neuesten Nachr.“, daß der Kopf von einem Arzt privatim zu eigenen wissenschaft⸗ lichen Zwecken und in der Absicht mitgebracht worden sei, ihn dem pathologischen In⸗ stitut zu übergeben.— Der Wissenschaft wird mit dem Kopfe wohl nicht viel gedient sein. Man wird trotz der Erklärung zu dem Glauben neigen, daß der Schädel als„Trophäe“ mit- geschleppt wurde, etwa so, wie ein Indianer die Skalps seiner Feinde an den Gürtel hängt. Für eine Kulturnatlon sieht das nicht häbsch aus. Eine Mustervolksvertretung. Die Erste Kammer des sächsischen Landtags besteht aus drei Prinzen, zehn Grafen, neun Rittergutsbesitzern, zwei Freiherrn, fünf Kammerherrn, drei hohen geistlichen Würden— trägern, einem Domherrn, einem Professor, drei Kommerzienräten, einem Geheimrat, steben Oberbürgermeistern, zwei Bürgermeistern, einem Minister a. D., einem Ministerialdirektor. Unter diesen 49„Volksvertretern“ sind einschließ⸗ lich der drei Prinzen 25 adelige und 29 sind Großgrundbesitzer. Eine nette„Volks“ver⸗ tretung! Danach kann man sich einen Begrif davon machen, welche Anschauungen die Tho keit eines solchen Parlaments beherrschen. Un in den andern deutschen Bundesstaaten sieht's nicht besser aus. 3 Wudtegenaee in Pforzheim in Baden.* 10 0 Genosse Opifieius in Pforzheim hat sein Mandat als Landtagsabgeordneter für Pforzheim Stadt niedergelegt, da die Nebsstonsverhandlun in seinem Prozesse erst im Februar stattfindch 9 des Betrugs steht, sein Mandat ausüben, ander⸗ seits aber auch Pforzheim nicht unvertreten 11 05 will. An seiner Stelle kandidirt Genosse u m. Wahlmännerkolleglum zu wählen hat. Abgesägter Zentrums ⸗Kandidat. Zur Reichstagsersatzwahl in Wiesbaden 1 N hatten die Zentrumsleute erst den Theologen Wedewer in Wiesbaden aufgestellt. Infolge von Intriguen in der eigenen Partei trat der⸗ selbe aber wieder zurück oder wurde zurück⸗ 3 getreten und nun kandidiert Kaufmann Fuchs⸗ Köln für das Zentrum. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Bel den Stadtverordnetenwahlen in Berlin errangen unsere Genossen in der dritten Klasse einen entscheidenden Sieg. In dieser Klasse waren 16 Mandate zu erneuern, von welchen 1 dreizehn der Sozialdemokratie zufielen. Bravo! Arbeitgeber als Steuerschnüffler. Der Arbeitgeberverein in Harburg faßte einen Beschluß dahingehend, dem Ersuchen der Steuervoreinschätzungskommission zu entsprechen und ihr regelmäßig das Jahreseinkommen der Arbeiter mitzuteilen,„weil notorisch fest stehe, daß sich vielfach gutgestellte Ar beiter zum Schaden der Allgemeinheit gänzlich um die Steuerzahlung Nb drückten.“— Dabei hat die Voreinschätzungs⸗ kommission in Preußen gar nicht das Recht, vom Arbeitgeber Auskunft zu verlangen, dlese sind also nicht verpflichtet, derartige Aufforde⸗ rungen zu beantworten. Wie es scheint, efallen sich die Harburger aber in der Rolle des Denun⸗ zianten. Aber in ihren Kreisen fänden doch die frelwilligen Spitzel viel mehr Bethätigung; erst im vorigen Jahre wurde eine recht lange Liste publiziert, worauf zahlreiche patrtotische Unternehmer figurierten, welche den Staat um größere Summen geprellt, als das Einkommen eines Arbeiters in seinem dae. g Leben betraͤgt. Die jämmerliche Spitze gesell⸗ schaft in Harburg sollte also erst vor der eigenen Thüre kehren. d Polizei- Ansichten über Arbeits losen⸗ Fürsorge. Das Stadtverordneten Kollegium in Dres- den hatte sich mit der Frage der Errichtung öffentlicher Waͤrmehallen zu befussen. Dazu lag ein Gutachten des dortigen Polizeiprästdenten vor, das sich gegen die Errichtung solcher Unterkunftsräume ausspricht. Das als geheim bezeichnete Schriftstück läßt so recht erkennen, welches geringe Verständuis ein hoher Beamter von der durch Arbeitslosigkeit ergesse enen Notlage zahlreicher Arbeiter hat; es ist di ert vom engherzigsten Polizeigeist. 5 Die Arbeitsscheuen würden durch Errichtung von Waͤrmehallen vermehrt, sagt der Herr Polizelpräsident. Bel dem Mangel gewärmter Unterkunftsraume suchten auch solche Arbeitslose, welchen das Arbeiten aus Hang zum Müͤßigang schwer fällt, Beschäftigung zu erhalten. Ständen solchen Personen aber den ganzen Tag* gewärmte Aufenthaltsräume zur Verfügung, so en sie in kurzer Zeit das für die billige Kost in den Wärmehallen erforderliche Geld zusam mend etteln und sich die übrige Zeit in den Hallen her⸗ umtrel ben. Welter würden diese Wärmehallen nicht nur der Sammelpunkt schlechter Elemente aus Dresden, sondern auch derjenigen der nahen und welteren Um. debung werden. Die Bürgerschaft Dresdens die dazu die Kosten trage, in erhöhtem Maße belästigt werden. werde also durch die Wärmen Gewiß sel e 5 1 und er nicht, während er unter dem Verdacht 1 19 Die Wahl Blum ist sicher, da dasselbe ö ö a falt 1 7 1 Ulahe en! Fe usch e Il ber nale . ut den ul haf lulser but dun Du fle eg. 1 ue 10 0 1 9 U 0 An dl eg dbeib ub 10 Alz Un. 1 t ie b 09 dit la fl It ve 5 de 5 U 1 1 6 leg. n Berlin ten Rlase eser Kah on welch zuftelg, jüffler, urg fa, rsuchen u. entspreche konnt otorisch i elltt A. meinheh 9 her schäzuns I Rech ngen, del e Auen int, gesal des Dell den doch lu zaung; el 1 0 triotisch nale d prell,, kuem gu der cal tslosch 1 in N, Gli 5 l Nr. 45. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. geben, daß gegenwärtig in Dresden zeine gewisse Be⸗ schäͤftigungslosigkeit, wie sich solche in jedem Winter mehr oder weniger wiederhole, bestehe; zu außergewöhnlichen Maßnahmen jedoch liege kein dringender Anlaß vor. Daraufhin 5 die Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung ihren früher gestellten Antrag auf Errichtung öffentlicher Wärmehallen zurück. Zu was denn auch solche„Humanitätsduselei“? Mögen die Arbeitslosen auf der Straße oder in ihrer kalten Klause, wenn sie überhaupt eine haben, erfrieren, die Stadt hat keine Veran⸗ lassung,„außergewöhnliche Maßnahmen“ zu ergreifen. Das ist so der richtige sächsische Polizeistandpunkt, der in jedem Arbeitslosen einen Arbeitsscheuen oder Verbrecher sieht. Wer allerdings durch ein Präsidenten⸗Gehalt in den Stand gesetzt ist, sich sein Leben recht behaglich einrichten zu können, wird von den wirklichen Verhältnissen kaum eine Ahnung haben. Für die Arbeiterschaft ist auch das Verhalten der Dresdener Stadtväter höchst lehrreich. Geistige Waffen. Kürzlich fand eine Zentrums versamm⸗ lung in Brilon in Westphalen statt, in der auch unser Genosse Hoffmann aus Bielefeld erschien. Er wurde jedoch hinausgeworfen und mit einem Stocke derartig über den Kopf ge⸗ schlagen, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Leiter der Versammlung, der Pfarrer Dr. Broeckhoff, sagte dazu Folgendes: „Wir wollen durch diesen Zwischenfall die Ruhe uns nicht rauben lassen. Solche Leute kommen da mit Velozipeds und mit Beuteln auf dem Rücken, um ihre Lehren in Flugschriften an den Mann zu bringen. Wenn sie wieder in Eure Häuser kommen, so schlagt sie (mit Nachdruck) schlagt sie, schlagt sie so lange, dis der letzte aus Brilon und überhaupt aus dem ganzen Sauerlande vertrieben ist.“ Die Art, wie der saubere Pfaffe die Sozial⸗ demokratie„widerlegen“ will, ist ja in schwarzen Gegenden so ziemlich allgemein üblich. Es giebt „Seelenhirten“ genug, die sicher im Innern lebhaft bedauern, daß die Zeit der Scheiter⸗ haufen vorbei ist, auf den sie jeden schmoren konnten, der sich gegen Herrschsucht des Pfaffen⸗ tums auflehnt. Aber die Broeckhoff, Iskraut, Dreschgraf Puͤckler, werden den Sieg des Sozi⸗ alismus am allerwenigsten aufhalten können! Bestrafter Spitzel. Ju Magdeburg schlich sich ein Kriminal- schuzmann Hartmann unter falschen Vor⸗ spiegelungen in ein Vergnügen des Metallar⸗ beiterverbandes ein, um dann Anzeige darüber zu erstatten, daß Karten zu dem Vergnügen an Jedermann verkauft worden, das Vergnügen also öffentlich gewesen sei. In der Verhandlung stellte sich die Unhaltbarkeit dieser Anzeige in glänzender Weise heraus. Der Amtsanwalt erklärte selbst, der vorliegende Fall sei nicht geeignet zu der Annahme, der Metallarbeiter⸗ verband habe das Vergnügen entriert lediglich zu dem Zweck, seine Kasse zu füllen. Die große Zahl der Mitglieder lasse diese Annahme als ausgeschlossen erscheinen. Es sei sehr wohl möglich, daß die Anwesenden Mitglieder des Verbandes wären. Durch die Art, wie der Zeuge Hartmann sich Zugang zum Saal ver; schafft habe, könne man das Vergnügen nicht als ein öffentliches bezeichnen. Aus diesem Grunde beantrage er Freisprechung. Nach stattgehabter Beratung verkündet der Vorsitzende das nachstehende Urteil:„Die beiden Angeklagten sind freizusprechen. In Anbetracht der groben Fahrlässigkeit, die sich der Zeuge Hartmann hat zu Schulden kommen lassen, werden dem Zeugen Hartmann sowohl die Kosten des Verfahrens als auch die der Verteidigung auferlegt.“ Recht so! So muß es allen Spitzeln ergehen. Der Gesamt⸗Parteitag der österreichi⸗ schen Sozialdemokratie trat am Samstag in Wien zusammen. Etwa 150 Delegierte fast aller in Oesterreich vertretenen Nationalitäten waren anwesend; die deutsche Partei entsandte Bebel und Ehrhardt- Ludwigshafen und von der Redaktion des „Vorwärts“ ist Eisner erschienen, Kautsky ist Delegierter. Hauptzweck des Parteitages ist die Revision des Programms. Bei der Eröffnung der Hauptversammlung begrüßte Bebel den Parteitag Namens der soztaldemokratischen Partei Deutschlands. Bebel befürwortet, da die Sozialdemokraten keine Dogmenfanatiker seien, die Revision des Partei⸗ programms, dessen einzelne Sätze sich mit den Fortschritten der Entwicklung und wissenschaft⸗ lichen Erkenntnis nicht mehr im Einklang be— finden. Er verurteilte in seinen weiteren Aus⸗ führungen den deutschen Zolltarifent⸗ wurf. Weiter sprach sich Bebel über die Ent⸗ wickelung der österreichischen Sozialdemokratie lobend aus, sie habe verhältnismäßig größere Erfolge zu verzeichnen als die deutsche Partei. Aber diese freute sich, wenn die österreichische Partei an Ausehen und Macht gewinne. Großer Beifall begleitete die Rede Bebels. Partei⸗ sekretär Skaret erstattete den Parteibericht, worin auf die Schwierigkeiten, mit denen die Genossen in Oesterreich zu kämpfen haben, hin⸗ gewiesen wird. Für die von der deutschen Partei gewährte finanzielle Unterstützung sprach der Redner den wärmsten Dank aus.— Bei den Gemeinderatswahlen waren bedeutende Er⸗ folge zu verzeichnen; einzelne Gemeinden haben sozialdemokratische Majoritäten und ebensolche Bürgermeister. Weniger erfreulich lautete der von Korinek erstattete Kassenbericht. Hier konstatierte der Berichterstatter, daß ohne das Geld der deutschen Genossen überhaupt nichts anzufangen gewesen wäre.— In seiner Schlußsitzung beschloß der Parteitag eine Sympathiekundgebung für die Buren, deren Abschlachtung eine brennende Schande und den moralischen Bankrott der britischen Zivilisation und der kapitalistischen Welt bedeute. Zu Gunsten der um ihre Befreiung kämpfenden Arbeiterschaft und Intelligenz Rußlands wurde ebenfalls eine Resolution angenommen. Französisch⸗türkischer Konflikt. Ueber Grundstücksfragen und Entschädigungs⸗ forderungen zweier französischer Großspekulanten an die turkische Regierung sind zwischen beiden Staaten Streitigkeiten ausgebrochen. Die Re⸗ publik hat ein Panzer⸗Geschwader in die türki⸗ schen Gewässer entsandt, und die Insel Myti⸗ lene im ägäischen Meer, das alte Lesbos, besetzen lassen, wo man die Hafeneinnahmen beschlagnahmte. Frankreich will die Insel je⸗ denfalls„pachten“. Li⸗Hung⸗Tschang, der greise chinesische Staatsmann ist am Mitt⸗ woch gestorben. Bei den Friedens⸗Verhand⸗ lungen hat er eine große Rolle gespielt und zweifellos Erfolge über die europäische Diplo⸗ matie davon getragen. Sein Gesundheitszustand war seit Langem ein ungünstiger. Krieg in Südafrika. Eineschwere Niederlage der Engländer wurde am Samstag gemeldet. Danach über⸗ fielen die Buren am 31. Okt. bei Berkeulaagte nordwestlich von Bethel die Nachhut der Kolonne des Obersten Benson bei dickem Nebel. Ben⸗ son selbst, acht Offiziere und 58 Mann find gefallen. 13 Offiziere und 156 Mann verwundet. Zwei Geschütze wurden verloren. Dazu wird noch weiter ge⸗ meldet, daß außer den zahlreichen Verlusten an Toten und Verwundeten auch mehrere Hun⸗ dert die Waffen gestreckt hätten. Die Soldaten seien nach Abgabe der Sachen von den Buren wieder freigelassen, die Offiziere dagegen zurückbehalten worden, um an ihnen Rache zu nehmen für die Hinrichtung ver⸗ schiedener Burenführer. Es herrscht dieserhalb in London die größte Aufregung. Auf Seite der Buren soll in diesem Kampfe Louis Botha selbst kommandiert haben, dessen Heer Kitchener kürzlich völlig zersprengt zu haben glaubte, und der angeblich nur mit knapper Not der englischen Gefangenschaft entronnen sein sollte.— Ferner ist die Nachricht eingegangen, daß die Buren das Haupt⸗Pferdedepot der britischen Armeeverwaltung mit Tausenden von Pferden in unmittelbarer Nähe Kapstadts auf⸗ gehoben haben. Bestätigt sich das, so beweist es die äußerst schlimme Laue der Engländer in der Kapkolonie; sie wären nicht einmal im Stande, die Hauptstadt zu schützen. Repressalien der Buren. Der engl. Leutnant Doyle wurde von den Buren er⸗ schossen. Weitere Erschießungen ge⸗ fangener englischer Offiziere sollen folgen. General Botha verständigte Kitchener in einem besonderen Schreiben, daß für jeden hin⸗ gerichteten Buren ein englischer Offizier erschossen werde. König Eduard betet. Er sagte bei einer Festtafel:„Leider dauert der Krieg iumer noch fort; aber wir beten inbrünstig um Wiederherstellung des Friedens und der Wohlfahrt.“— Er wird beten, wie Franz Moor bei Schiller: Ich habe mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott! Auf Genossen werbt Abonnenten für die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ Sendet die Petitionslisten ein! Pon Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben, Hessisches. Vom Landtage. Ein vom Abg. Ulrich und Genossen in der zweiten Kammer gestellter Antrag verlangt die Neu⸗ Herausgabe sämtlicher geltenden Verfassung⸗ und Verwaltungsgesetze in übersichtlicher, jeder— mann leicht zugänglicher und verständlicher Form. Der vierte Ausschuß beantragt unter nachdrücklicher Betonung der Wichtigkeit der Sache Annahme des Antrags, sowie die Groß⸗ herzogliche Regierung zu ersuchen alsbald das Erforderliche zu veranlassen.— Die er ste Kammer war bekanntlich dem Antrage der Abg. Ulrich und Genossen betreffend die En t⸗ schädigung unschuldig Verhafteter nicht beigetreten, will vielmehr an die Regierung das Ersuchen richten, daß sie im Bundesrat für thunlichst baldige Vorlage eines Gesetzesentwurfes wegen Entschädigung unschuldig Verhafteter an den Reichstag wirken wolle. Der Ausschuß der zweiten Kammer beautragt jedoch, bei dem Be⸗ schlusse der zweiten Kammer zu beharren. Gießener Angelegenheiten. — Die Stadtverordnetenwahl in Gießen ist auf Donnerstag, den 14. No vember, Vormittags 10 Uhr bis Abends 6 Uhr festgesett. Die Wahllokale befinden sich im Bürgermeistereigebäude, Gartenstraße 2 in folgenden Zimmern: Für die Wähler mit den Aufangsbuchstaben: A bis Go im Zimmer Nr. 10 Gr bis Li im Zimmer Nr. 11 Lo bis Schl im Zimmer Nr. 12 Schm bis Z im Zimmer Nr. 14.. Wählen kann jeder in der Wählerliste verzeichnete Einwohner, vorausgesetzt, daß er mit den Steuern nicht länger als 2 Monate im Rückstande ist, also das dritte Ziel der Gemeindesteuern entrichtet hat. Wer das dritte Ziel erst en a ch dem 10. No vember bezahlt hat, muß den quittierten Steuerzettel mitbringen! Parteigenossen! Wähler! Es trennen uns also nur noch wenige Tage von dem Wahltermin. Jeder Genosse, auch wenn er nicht Wähler ist, sowie Jeder, der nicht will, daß der Geldsack unumschränkt in der Gemeindevertretung herrscht, hat die Pflicht, dafür zu arbeiten, daß die sozialdemo⸗ kratische Liste siegreich aus dem Kampfe her- vorgeht. Auf neun Jahre werden die Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Stadtverordneten gewählt; das ist eine sehr lange Zeit und es kann dem städtischen Gemein⸗ wesen ein großer Schaden zugefügt werden, wenn Leute in die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung kommen, welche das Interesse der Ge⸗ samtheit dem einiger Gewerbtreibenden und Cliquen nachzustellen geneigt sind. Bedeutende Ausgaben sind in den letzten Jahren für Dinge gemacht worden, die keinem einzigen Einwohner etwas nützen, während höchst notwendige Einrichtungen lange zurückgestellt werden oder ganz liegen bleiben. Wie notwendig wäre der Bau eines Krankenhauses! Dafür ist aber kein Geld da, für die alte Ruine am Brand werden aber Hunderttansend und noch mehr Mark verpulvert!— In der Volksschule werden noch immer viel zu viel Kinder in einer Klasse zusammengepfercht, so daß die Schul⸗ bildung der Arbeiterkinder zurückbleibt. Und gerade durch ungenügende Schulbildung der Arbeiterschaft wird deren Knechtung möglich und verewigt!— Fehle deshalb kein Ange⸗ höriger des werkthätigen Volkes an der Wahl⸗ urne! Veranlasse auch jeder Parteigenosse seine Freunde, Bekannten, Nachbarn zur Abgabe des sozialdem. Stimmzettels! Am Wahltag tüchtig zu arbeiten ist Ehrenpflicht jedes Genossen, wer nur irgend Zeit hat, stelle sich zur Flugblatt⸗ verteilung am Sonntag bei dem Komitee in der Wirtschaft Orbig zur Verfügung. Im Uebrigen verweisen wir noch auf das Inserat unseres Komitees in heutiger Nummer. L Am Samstag Abend fand im„Mainzer Hof“, Grünbergerstraße, eine gut besuchte Bs⸗ zirksversammlung statt, in welcher Gen. Krumm über die bevorstehenden Stadtverord— netenwahlen sprach. Er zeigte an verschiedenen Beispielen, wie notwendig eine stärkere Ver⸗ tretung der Arbeiter und Minderbemittelten im Stadtrat sei. Für nutzlose Dinge würden ganz bedeutende Summen bewilligt; der Umbau des alten Rathauses koste 22000 Mk., die Renovation der alten Ruine am Brand komme sicher auf 100 000 Mk., für das Kriegerdenkmal find mehr als 15000 Mk. ausgegeben worden, außerdem koste das dabei benötigte Wasser jährlich 600 Mk. Zu allen diesen Dingen, die oft genug von ein⸗ zelnen sich vordrängenden Leuten„angeregt“ würden, müsse eben auch die große Masse der kleinen Steuerzahler beisteuern, obwohl diese Aufwendungen keinesfalls im Interesse der Gesamtheit liegen. Dagegen versucht man Ein⸗ nahmeqüellen der Stadt zu verstopfen. Eine Handvoll Installateure wollen, daß die Stadt die Gas⸗ und Wasserinstallation aufgebe, was für das Gemeinwesen einen Schaden von jähr⸗ lich 16000 Mk. bedeute. Jene zünftlerischen Cliquen sind immer bei der Hand, wenn es gilt, sich auf Kosten der Stadt Vorteile zuzu⸗ schanzen. Auch die biederen Bäckermeister suchten ihren Vorteil und wollten der Stadt bei ihrem starken Brotbedarf den seitherigen Rabatt nicht mehr gewährea. Das sei glücklich abgeschlagen worden, aber eine Anzahl bürgerlicher Stadt⸗ verordneter habe die Bäckermeister unterstützt. Deshalb sei die Wahl solcher Männer notwendig, welche nicht Privatinteressen vertreten, sondern das Wohl der Stadt, der Gesamtheit im Auge behalten. An die Ausführungen Krumms schloß sich eine angeregte Diskusston. Im Laufe der⸗ selben wurde betont, daß von Seiten der Bürger⸗ lichen, aber leider auch mancher Arbeiter ver⸗ ächtlich von den„Gesellen“ und Arbeitern ge⸗ sprochen würde, die als Kandidaten unserer Partei aufgestellt siud. Daß sei einfach albern. Was die meisten der jetzigen Stadtväter leisteten, könne ein jeder unserer Kandidaten auch, diese wären sogar den Bürgerlichen in Bezug auf allgemeine Kenntnisse über, sicher hätten sie aber mehr Einsicht in die wirtschaftlichen Verhältnisse. Eine größere Zahl Vertreter der minderbe⸗ mittelten Einwohner in der Stadtverordneten⸗ versammlung sei ein Gebot der Notwendigkeit. Mit dem Versprechen in diesem Sinne zu wirken, trennten sich die Versammlungsteilnehmer.— Diesen Samstag findet eine Bezirksversammlung in der Wirtschaft Dörfflein, Rodheimerstraße, für den Stadtbezirk rechts der Lahn statt. Zeitgemäße Mahnung. Ein Ge⸗ nosse schreibt uns: Leider giebt es auch noch unter denjenigen Arbeitern und kleinen Leuten, die sich als zu unserer Partei gehörig betrachten, eine große Anzahl solcher, die aus Gleichgültig⸗ keit oder Saumseligkeit von ihrem Wahlrechte keinen Gebrauch machen und z. B. die Stadt⸗ verordnetenwahlen nicht für wichtig genug halten, sich deshalb zu bemühen. Denen rufe ich die poetische Mahnung zu, mit der Friedrich Stolze bei der ersten Wahl zum Reichstage des nord⸗ deutschen Bundes die Frankfurter anfeuerte: Wählt, Berjer, wählt, Ihr wißt ja, was uns fehlt. Wählt mer nor kää Schleppeträger, Wetterfahne, Stellejäger! Liwerante, Brockeschnapper, Stimmvieh, Ja Herrn, Hosehapper! Juwelgreis, Philisterzöpp, Haasefüß un Wasserköpp! Männer ohne Forcht un Schreck, Die net lääfe gleich eweck, Wann derrsch donnert, blitzt um klervt Un die Sach gefehrlich werd, Die sich wehr'n for unser Stadt, Herzhaft, wann se's nethig hat!“ — Der„Gieß. Anz.“ jubelt über die Niederlage unserer Offenbacher Genossen bei den⸗ Stadtveroꝛd⸗ netenwahlen und empfiehlt dem Gießener Bürgertum das Vorgehen des Offenbacher Mischmaschs als Muster. Das Amtsblatt will also, daß die zahlreichen Arbeiter und kleinen Steuerzahler in der Stadtverordnetenver⸗ sammlung keins Vertreter und somit kein Mecht hineinzureden. Und gerade in Offenbach bestunden unter der nationalliberalen Herrschaft skandalöse Zustände!“ — Rezitation. Zu der Rezitation des Schau⸗ spieils„Bartel Turaser“, die Herre Schauspielen Walkott Mit gewohnter Meistarschaft entledigte sich der Rezitator seiner Aufgabe und ernzete lebhaften Beifall. Macher notiz brachte der„Gieß. Anz.“ vorige Woche anläßlich der Beendigung des Nordhäuser Tabakarbeiterstreiks. Da wurde frischweg in Schweinburg⸗ Manier behauptet, die Sozial⸗ demokratie habe die Leute„in den Streik gehetzt“. Daß das ein plumper Schwindel ist, daß vielmehr die Fabrikanten es waren, die recht der Arbeiter den Streik provozirten, muß auch dem„Anz.“ bekannt sein, wenn wir nicht irren, äußerte er sich el bst mehrmals in Riesem Sinne. Das Blatt sollte sich dach ein wenig genieren, solche von Schweinburgs Lüge fabrik: ausgehende Erbärmlichkeiten unbesehen aufzu⸗ nehmen. aus dem Nreise griedberg-Püdir gen. * Eine Vertranensmännerkonfereng des Wahlkreises Friedbeng⸗ Büdingen tagte am Sonntag in Rodheim u d. K. Zweck derselben War die Besprechung über die. Kandidatenfrage. Das einleitende Referat hatte Genosse Repp⸗ Friedberg übe nommen. Er gab, zunächst einen kurzen Rüccblick üben die Le⸗ wegung im Kreise, wie dizfelbe durch intensive Arbeit der Genossen in un Stadium getreten ist, wo wir ernsllich mid der Eroberung des Kreises zu rechnen haben, pas auch das Resaltat der 9 8er Wahl gezeigt habe. Trotzdem wir anerkennen müssen, dacz Genosse Prinz, unser seitheriger Kandidat, inmer, so, welt in seinen Kräften stand, seine Pflicht und Schuldigkeit gethan hat, könne doch die Thadsache nicht abge⸗ stritten werden, daß das Wahlresultan bei der letzten Wahl ein wein günstigenes gewesen. wäre, wenn Genosse Prinz auch seihst rednerisch hätte thätig sein können. Daß der Kandidat nicht im Kreise wohne, sei ebenfals ungünstig. Prinz Herde den Anforderungen, die der Kreis an ihn als Kandidat stellen wüsse, kaum entsprechen können, deshalb sei es besser, einen Genossen aus dem Kreise mit der Kandidatur zu betrauen. Man habe hier den Genossen Busold, der schon jahrelang im Kreise thätig sei, den man als tüchtigen und pflichttreuen Genossen kennt. Referent schlägt im Anftrage des Kreiswahl⸗ vereins Busold als Kandidaten vor. An der darauffolgenden Debatte beteiligten sich die Genossen Letsch⸗Vilbel, Knaf⸗Büdingen, Kühn⸗ Friedber„Wolff⸗Büdesheim, K. Armbrust⸗Vilbel, Lotschke⸗Schwalheim. Die Redner sprachen sich alle im Sinne des Referenten aus. haben sollen, mib in die kommunalen Angelegenheiten — Eine elende, schwindelhafteScharf⸗ „Der Darwinismus im geäüstigen und⸗ durch den frechen Angriff auf das Vereinigungs⸗ 8 Schuhmachermeister in Wetzlon waren vorige Woche auf Einladung des Hendwerkskam mer⸗ sekretäns Herrn Heinzenbeng zusammmgee⸗ kommen, um über die Gründung einer Zwangs- 8 Busold * —— der Hochkonjunktur, lich fast unbemerkt an ihm vorübergehen. e aus Berlin am Donnerstag Abend gab⸗ hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden, die- mit gespannter Aufmerzfamkeit dem Vortrage launschte. sich mehr und nicht mit Zangsinnung, lingsbrief und ähnlichen schönen Dingen anzu⸗ AJämpfen ist. braucht sich nicht noch dankte für das Pertrauen, versprach mit allen Kräften für den Sieg unserer Sache wirken zu wollen und bat die Genossen um ihre Unter⸗ stützung.— Die Konferenz war von 27 Dele⸗ girten aus 21 Orten besucht. Im Sykale Rullmann fand eine Volksversammlung statt, in welcher Busold über die Erhöhung der Lebens⸗ mittelzölle sprach. — In Düdels heim bei Büdingen findet diesen Sonntag eine Volks versammlung statt, in welcher Genosse Bufold⸗Friedberg über den Zolltarif sprechen wird. J. Erhebungen über die Lage der Industrie stellt die Regierung zur Zeit am Dabei wurden über den Stand des Bauhand⸗ werks durch einen unserer Parteigenossen fol⸗ gende Zahlen ermittelt. Zahl der bei Friedberger Bauhandwerkern beschäftigten Arheiter am: 1. Juli 1900 535 1. Oktsber 1900 667 1.„ fo 1901 286 Diese Zahlen reden eine fuochtbare Spraches, um so schlimmer, da die Lehrlinge, die doch, an Zahl fast gleich geblieben find, dabei mit⸗ gerechnet sind. Wenn man ihre Zahl mit 1005 annimmt, was nicht so hoch gegriffen ist, so⸗ ergiebt sich nach Abzug derselbem eine Abnahme: von Arbeitern gegen das Vorjahr von 67 Proz. Also ¼ aller Arbeiter ist entlassen worden. Wie mag es erst anderwärts stehen, da Fried⸗ berg doch im Rufe steht, daß sowohl die Zeiten als auch die Krisen gewöhn⸗ Aus dem Rreise Wegztar. b. Vortrag. Im Saale zum Schützen garten in Wetzlar wird am Montag Abend Schriststeller Ztelowsky aus Frankfurt über: sozialen Leben“ einen Vortrag halten. Für jeden unserer Genossen wird dern Vortrag, des, sind wir überzeugt, eine Fülle des Interessanten und Lehrreichen bieten und wir können den Besuch desselben nur empfehlen. Arrang ent: ist er von der„Lese⸗Bereinigung Wetzlar.“ bh. Ein vernünftiger Baschluß. We innung zu beraten und wie 8 der Einber nen wünschte, eine solche zu beschl ehen. Trotz allen Anstiengung vermochte der Herr Sekret an din Jünger Hans Sachs nicht dan der Nütz lichten einer derartigen Einrichtung zu überzeugen Einstimmigkeit wurde die Cründung abgelehnt. Ganz mit Recht werden sich die Meistencgesagt mit haben, daß gegen die grade in diesem Bewerbe mehr ausbreitende Großinduzrie Meistertitel, Lehr⸗ haben wir doch wohl der kleine Jandwerker Nuten zu birden. Daß er das aber mit Gründung von Inzungen thut, zeigte neulich der Fall. in Marberg, wo ein. Meister von der Innung mit 10 Mk. Strafe belegt wurde, weil— er einen Gesellen ein⸗ gestellt harte, der„ Jahr vorben von einen andern Marburger Meister enlassen worden war. Uebrigens sind schon sehn miele Inn schwärmar bekehrt. worden; eat vorige Woche löste sich wieder Re Wagnen⸗Zwangsinzung in Nüxaberg auf, h. Unter der schlechten Geschäfts⸗ konzanktur ladet ein großer Teil der Wetzlarer Arbeiter recht empfindlich. Von dem Unter⸗ nehmerthum geschieht auch nichts, die Wirkungen der Geschäften einigermaßen zu mildern. Wollspinnerei nur noch 3 Woche mit verkürzter Auf der Sophienhütte werden immerwähren Lohnabzüge gemacht, die bis zu 90 Pfg. pro Tag betragen. 0 ist größer als es von außen den Anschein hat; jedenfalls hätten der Reichstags · eblar alle Ursache, sich diese Je mal näher anzusehen und sich Zwang ahnedies schan genug, So wird in der Tage in der abg. für stände ratung des Wuchertarifs bei Be⸗ danach zu richten, aue auf die Lage der Arbeiter Arbeitszeit geschafft ö Das Elend in Arbeiter- 1 f 5 1 II 6 2 le fbetel, 0 1 f 5 5 alt l 5 bie galsen M. 9 10 0 alu 1 Ka dals, Ful cg el! l Balu nossen sah, indwerlen 900 667 01 885 Sprach „die doc dabei n l mit 10 en itt, h Abnahn; 167 Pig, J wordes da Fi die Zei n gewöhh ehen. — — Schüge ag Abel furt über igen 1 Iten. Ji prtrag, da iteressaum önnen de Arrang a etlar. luß. 5 ren dl Hakan amm 1 uch Cinbeche Trotz al elite d Mk gel ü Dol daß Nr. 45. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 5. — Die„nationale“ Firma A. Stein ließ am Allerheiligen feiern, dafür aber nachts arbeiten, die Arbeiter hatten also zur höheren Ehre der Religion eine 24 Stunden⸗Schicht. Das ist wohl„praktisches Christentum“? — Der Bürgermeister von Krofdorf, Herr Lichtenthäler, scheint die Entscheidungen des höchsten preußischen Gerichtshofes nicht sonderlich hoch zu achten. Er hat nämlich den Genossen Bock⸗Gießen einen Strafbefehl von 5 Mk. geschickt, weil B. in der Volksversamm⸗ lung in Gleiberg im September eine Teller⸗ sammlung vorgenommen hat. Nun hat aber das Kammergericht in der Sache gegen Vetters, der im vorigen Jahre ebenfalls einen Strafzettel wegen Vornahme einer Tellersamm⸗ lung erhielt, entschieden, daß eine solche keine „öffentliche Kollekte“, wozu die Erlaubnis des Oberpräsidenten notwendig ist, darstellt und sie allgemein für statthaft erklärt. Das gilt für ganz Preußen, wozu ja schließlich Gleiberg auch gehört. Vielleicht ist diese Entscheidung dem Herrn Bürgermeister noch nicht bekannt geworden. Natürlich hat Genosse Bock sofort Widerspruch erhoben und es wird sich zeigen, daß die Entscheidungen des Kammergerichts doch nicht für die Katze sind. Wenn nun wieder die Gerichte unnötiger Weise belästigt werden, so ist unser Genosse wirklich nicht schuld daran. Aus dem Nreife Marburg⸗Rirchhain. —Kontrollversammlungen. Dieselben finden im Kreise Marburg wie folgt statt: 1. In Marburg auf dem Kämpfrasen für die Mannschaften der Stadt Marburg am Samstag, den 23. November ꝛc.; 2. ebenfalls auf dem Kämpfresen am Montag, den 25. November N. für die zu Marburg gehörenden, umliegenden Ortschaften; 3. in Elnhausen am Montag, den 25, Nov. ꝛc.; 4. in Ebs dorf am Dienstag, den 26. Nov. ꝛc.; 5. in Wetter in der Rest. „Zur Linde“ am Mittwoch, den 27. Nov. ꝛc.; 6. in Frohnhausen am Donnerstag, den 28. Nov. ꝛc und 7. in Lohra an demselben Tage, nahm 1½ Uhr. — Schwurgericht. Die diesjährige Herbst⸗ session des hiesigen Schwurgerichts begann am Montag mit der Verhandlung gegen die Dienst⸗ magd Elisabeth Runzheimer aus Frieberts⸗ hausen, wegen Meineids. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis.— Am Dienstag wurde gegen den Eisenbahnschaffner August Busch aus Kirchditmold bei Kassel verhandelt. Der Angeklagte soll während der Eisenbahn⸗ fahrt unzüchtige Handlungen an einer hiesigen Frau mit Gewalt vorgenommen haben. Wegen eines ähnlichen Vergehens war er in 1897 als Schaffner zu den Güterzügen versetzt worden, auf Nachsuchen kam er aber später wieder zu den Personenzügen. Der Angeklagte wurde zu 1/ Jahren Gefängnis verurteilt und sofort in Haft genommen.— Am Mittwoch stand der Eisen⸗ bahnpackmeister Johann Drescher aus Franken⸗ berg wegen Unterschlagung im Amte vor den Schranken. Derselbe wurde freigesprochen. — Eine Protestversammlung der hiesigen Kriegervereine gegen die neuliche Rede des englischen Ministers Chamberlain(der be⸗ hauptete, auch seitens der Deutschen seien 1870 Brutalitäten in Frankreich verübt worden) fand am Mittwoch abend hier statt. Es wurde eine Resolution angenommen, worin ganz energisch Verwahrung gegen die Verleumdungen des eng⸗ lischen Ministers eingelegt wird und die Greuel⸗ thaten der englischen Söldner in Südafrika scharf verurteilt werden.(Und die Hunnen in China? Red.) — Schneider⸗Bewegung. In dem am Mittwoch abend vor. Woche im Lokale von C. Müller stattgefundenen, ziemlich gut be⸗ suchten öffentlichen Versammlung der Schnei der referierte Coll. Mirus⸗Frankfurt über: „Unsere Forderung an die Gesetzgebung und Stellungnahme zu einer Petition an den Reichstag.“ Am Schlusse seiner recht beifäll ig aufgenommenen Ausführungen wurde eine Resolution, gleichlautend der Gießener, ange⸗ nommen. Es fand dann noch eine lebhafte Diskussion über die Znstände im Schneider⸗ gewerbe statt. Eine Niederlage. Bei den am Mittwoch stattgefundenen Wahlen in Offenbach sind unsere Genossen leider unterlegen. Es war eine Wahlbeteiligung wie nie zuvor, von 7771 Stimmberechtigten gingen 6250 zur Wahl. Die Mischmaschliste erhielt 3560 Stimmen, während die unsere es nur auf 2591 brachten. Zu verwundern ist das Resultat eigentlich nicht. Der ganze bürger⸗ liche Ordnungsbrei, Nationalliberale, Zentrums⸗ leute, Freisinnige, Zünftler, zog vereint gegen die Sozialdemokratie zu Felde. Schon vom frühen Morgen an wurden die Philister mit Droschken zu den Wahllokalen gefahren. Eine große Zahl Steuerrestanten, man spricht von etwa 1000, konnten nicht an der Wahl teil⸗ nehmen, wodurch unserer Partei sicher manche Stimme verloren ging. Wir verlieren zwei Sitze.— Für uns in Gießen muß dieser Wahlausfall eine Mahnung sein, tüchtig für den Sieg unserer Liste zu arbeiten.— Uebrigens steht dem verlorenen Gefecht in Offenbach schon wieder der glänzende Sieg in Berlin gegen⸗ über.(Siehe pol. Rundschau.) Auch aus Forst, Charlottenburg, Halle, Schmölle werden sozial⸗ demokratische Siege gemeldet. Kleine Mitteilungen. * In der Kirche vom Tode ereilt wurde am Samstag der katholische Pfarrer Landmann in Mainz. Im Begriff eine Amts⸗ handlung vorzunehmen, stürzte er vom Schlage getroffen todt nieder. ** Schweres Unglück betraf eine Familie in Neu⸗Isenburg bei Frankfurt. Die beiden 1½ und 3 Jahr alten Töchterchen derselben stürzten am Samstag in eine große mit Wasser gefüllte Waschbütte und ertranken beide. ** Streikbrecher und Mörder. Der Präsident der streikenden Bergarbeiter im Seringbezirk(Belgien) Bourland wurde vorige Woche von einem Streikbrecher nach turzen! Wortwechsel über den Streik erstochen.— In Deutschland, wo das Scharfmacherthum sich durch 12000 Mark⸗ Spenden die Regierung beinflußt, die Streikbrecher als die nützlichsien Elemente im Staate bezeichnet werden, hätte der Mörder möglicherweise das allgemeine Ehren— zeichen bekommen. Partei Machrichten. Wieder ein Kämpfer gefallen. Dienstag voriger Woche starb in Lausanne(Schweiz) der Genosse Alois Fauquez im Alter von erst 42 Jahren. Er war einer der bewährtesten Vorkämpfer der schweize⸗ rischen Arbeiterbewegung, den auswärtigen Genossen be⸗ kannt durch seine Thätigkeit auf internationalen Kon⸗ gressen, und speziell ein beliebter Führer der waadtländi⸗ schen Sozialdemokratie. Er war Redakteur des„Grüt⸗ lianer“ in Lausanne und vertrat die dortigen Genossen im Kantonsrat und im großen Stadtrat. Fauquez, von Beruf Rechtsanwalt, war ein sehr gewandter Redner und verstand es vortrefflich, die Sache seiner Partei zu führen. Dabei besaß er einen vortrefflichen Humor und erging sich gern in Witzen über sein eigenes enormes Körpergewicht. Er war nämlich von so ungeheurer Figur, daß kein gewöhnlicher Sessel oder Stuhl ihn trug und daß in Lausanne im Kantonsrat ein eigener Sitz für ihn gebaut werden mußte, nachdem er einige Möbel in wenigen Minuten der Reihe nach in Trümmer verwandelt hatte. Auf sozialistischen Kongressen ꝛc. stellte man ihm in der Regel eine solide Kiste als Sitz zur Verfügung. Wenn er beim Londoner Kongreß im Jahre 1896 von und nach den Sitzungen durch die Straßen wandelte, erregte er durch seine Korpulenz das größte Aufsehen, manchmal entstanden ganze Trupps auf den Straßen, die ihn bewunderten. Besonders von den im Allgemeinen dürren Engländerinnen wurde diese Körper⸗ fülle angestaunt. Trotz aller Beschwerlichkeiten, welche seine Körperkonstitution mit sich brachte, war Fauquez unermüdlich thätig und hat es wohl verdient, daß die schweizerischen Genossen ihm ein treues Gedenken bewahren. Zwei Jahre im Kerker. Genosse Albert Schmidt in Magdeburg hatte am 31. Oktober zwei Jahre seiner ihm wegen Majestätsbeleidigung zudiktlerten dreijährigen Gefängnisstrafe verbüßt. In einem Jahre wird er also der Freiheit wieder zurückgegeben sein. Hoffentlich wird er auch das letzte Jahr seiner Internierung überstehen, ohne ernsten Schaden an selner Gesundheit zu erleiden. Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. Sonntag, den 10. November, nachmittags 3 Uhr, findet in Alsfeld im Lokale„Zur Pfeffer⸗ höhe“ eine Kreiskonferenz statt mit der Tages⸗ ordnung: 1. Bericht des Vorstands vom Kreiswahlverein und Neuwahl desselben; 2. Bericht des Kreisvertrauensmannes und Neuwahl desselben; 3. Die Agitation im Wahlkreis; 4. Verschiedenes. Die Genossen werden ersucht, fich zahlreich zu be⸗ teiligen und die Wahlen der Delegierten sofort vorzu⸗ nehmen. Der Kreisvertrauensmann. Versammlungskalender. Sonntag, den 10. November. Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig.— Fabrik-, Land⸗ und Hilfsarbeiter. Nachmittags 3 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Heuchelheim. Parteiversammlung. Abends 8 Uhr bei Wirt Stein müller. Wieseck. Sozialdem. Wahlverein. Nachmit⸗ tags 3 Uhr, Generalversammlung bei Ph. Krei⸗ ling(Dorfeld'sche Wirtschaft). Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet: Der Vorstand. Dienstag, den 12. November. Gießen. Metallarbeiter. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig. Samstag, den 16. November. Friedberg. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Ihl, Stadt New⸗York. Bericht⸗ erstattung vom Parteitag. Ref. Busold. Briefkasten. — R.⸗Marburg und P. ⸗ Oduhsn. Mußten leider nochmals zurückstellen, bestimmt nächste Nr. V. Büdingen. Die Abonn.⸗Gelder sind immer an die Expedition, Sonnenstr. 25 zu senden. Aus dem Gießener Standesamts register. Aufgebote. 30. Okt. Heinrich Horn, Schreiner in Steinbach mit Maria Balser dahier. 2. Nor. Gustav Maisch, Zimmermann dahier mit Katharine Haas in Annerod. 4, Iobenn Konrad gaalg, Taglöhner in Rimhorn mit Susanne Naumann dahier. Wilhelm Hedderich, Schreiner, mit Friederike Barthel dahier. Georg Zimmer, Bahnarbeiter mit Anna Röhrig, dahier. 5. Karl Hollmann, Decorationsmaler dahier mit Katharine Thörner in Arnsburg. 6. Heinrich Abel, Fuhrmann mit Elisabethe Reuschling, dahier. Eheschließ ungen. 2. Nov. Karl Volz, Eisenbahnarbeiter dahier mit Margarethe Schmidt in Oppenrod. Philipp Rohrbach, Tapezier mit Margarethe Volz, dahier. Leopold Mattern, Bahnarbeiter, mit Johanna Amalie Esseluhn, dahier. Ernst Müller, Locomotivheizer in Bonn mit Margarethe Kimmel, dahier. 7. Wilhelm Luh, Sergeant mit Adolphine Fischer, dahier. Geborene. Dem Bildhauer Martin Schmall e. T. 29. Dem Hauptmann und Compagniechef Gustav Loerbroks e. S. Dem Schreiner Ferdinand Sauer e. T. Dem Parlier Karl Ernst Ludwig e. T. 30. Dem Postassistent Heinrich Rau e. T 1. Nov. Dem Procurist Georg Kreuder e. T. 2. Dem Fabrikarbeiter Emil Heppert e. T. 4. Dem Fuhrmann Konrad Graulich e. T. Gestorbene. Am 2. Nov. Paul Menz, 3 Monate alt. 3. Wilhelm Scheppelmann, 3 Wochen alt 6. Karl Keiner, 23 Jahre alt, Bureauvorsteher. Gießener Stadttheater. Sonntag, den 10. November 1901: Gastspiel von Hans Portz I. Komiker am Kölner Stadttheater. Robert und Bertram oder: die lustigen Vagabonden Posse mit Gesang in 4 Akten von G. Rander. Dienstag, den 12. November 1901: Das Glück im Winkel Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Mittwoch, den 13. November 1901: (Theatervereins⸗Vorstellung:) Der Bibherpelz Eine Diebskomödie in 4 Akten von G. Hauptmann. Freitag, den 15. November 1901: Zweites Gastspiel von Carl William Büller: Der Registrator auf Reisen. Posse mit Gesang in 3 Akten von L'Arronge u. Moser. Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. 9 N 5 Nr. 45. v CS 7 V AUnterhaltungs-Ceil. ———ů 2 Nein und Ja. verneinend ist und bleibt mein Streben: Zu allem Schlechten sag' ich: nein! Ich sag's und sing's mein ganzes Leben Und sollt' ich mich zu Tode schrei'n. Könnt ihr dereinst den Tag mir zeigen, Wo Recht und Freiheit wieder da, So will ich gern von selber schweigen, Und wenn ich spreche, sprech' ich: jal Hoffmann von Fallersleben(1845). Der Korrekte. Von Hans Heinrich. (Schluß.) Daß sie eine gute Mitgift bekam, war für Bodenstedt durchaus nicht ausschlaggebend; für ihn kam nur der Ruf, das einwandfreie Ver⸗ halten der Menschen in Betracht. Und was das anbelangte, so stand die Dame hoch über allen Andern. Auch daran dachte Bodenstedt keineswegs, daß durch die Stellung seines künftigen Schwieger⸗ vaters seinem Streben eine gewisse feste Grund⸗ lage gegeben werden könnte.. Er hielt also um die Hand der Auserwählten an und heiratete sie. Die Trauung fand mit standesgemäßem Gepränge statt und es ging Alles wie am Schnürchen. Kein Zwischenfall störte die heilige Handlung. Sein Frack, seine Krawatte, die Lackschuhe saßen tadellos. Jeder benahm sich korrekt und sicher. Das Hochzeitsmahl verlief ruhig und vor⸗ nehm, kein lauter Ton unterbrach unangenehm die weihevolle Stille. Vom Mahle aus begab Bodenstedt sich mit seiner Gattin auf die Hochzeitsreise nach Italien. Sie stiegen nur in ersten Hotels ab und besuchten nur die im Bädecker benannten Straßen. Er behandelte seine Frau mit höflicher Zuvorkom⸗ menheit, beantwortete ihre Fragen im Tone belehrender Ueberlegenheit und machte sie mit liebevoller Nachsicht auf das Unpassende einiger ihrer Wünsche, wie zum Betspiel, auf einem Esel zu reiten, eine Fußtour zu unternehmen, das Armeleuteviertel zu besuchen, aufmerksam. Als sie schließlich wieder in der Heimat ankamen, hatte er denn auch die Genugthuung, der Bildung seiner Gattin den letzten Schliff gegeben zu haben. Seine Belehrungen hatten die denkbar besten Früchte gezeitigt: die Frau benahm sich beinahe ebenso korrekt wie er selbst. Und wenn sie manchmal traumverloren aus dem Fenster hinaussah auf das lustige Treiben da draußen und dabei schmerzlich seufzte, dann fragte Otto teilnahmsvoll und aufmersam, was ihr fehle, ob sie krank sei und er den Doktor holen solle.. Herr von Bodenstedt ging höchst selten allein aus; rößtenteils sah man ihn in Begleitung seiner Gattin. Die ganze Stadt pries ihn des⸗ halb als den besten der Gatten, als einen Musterehemann. In seinem Amte ließ er sich nie etwas zu Schulden kommen. Seine Untergebenen be⸗ handelte er strenge, aber gerecht. So hatte einmal ein armer Beamter, der nebenbei Musiker war, an einem Sonntag in einem Konzertlokal musiziert, trotzdem den Beamten jeglicher Nebenerwerb verboten und speziell ihm das Musiziren schon wiederholt, zuletzt bei Androhung der Dienstentlassung, untersagt worden war. Bodenstedt ließ den Mann zu sich kommen. Zitternd stand der arme Sünder vor ihm und stotterte eine Entschuldigung: er habe sechs Kinder, sein Gehalt sei nur klein, die Frau seit längerer er akk Durch solche Flausen ließ Bodenstedt sich aber nicht in seiner gerechten Handlungsweise beirren. Im Interesse der Disziplin setzte er den Mann auf das Pflaster. Merkwürdigerweise erwarb er sich durch solche Handlungen nicht die Liebe seiner Untergebenen.— Gegen seine Vorgesetzen war er die leisch⸗ gewordene Höflichkeit und Zuvorkommenheit. Und er hatte das Recht, das zu sein, denn er war dazu verpflichtet durch das Herkommen und durch die Tradition.— Als dann sein Schwiegervater, der Herr Oberbürgermeister, starb, wurde er von den Notabeln der Stadt einstimmig in das erledigte Amt berufen und von dem Landesherrn ohne Weiteres als Oberbürgermeister bestätigt, denn der Schild seiner Ehre war fleckenlos und seine Gesinnung vorschriftsmäßig. ö Er wirkte auf seinem verantwortungsreichen Posten lange Jahre mit Umsicht und Eifer sowohl, m Segen der obern Zehntausend als auch er Arbeiter. Den Erstern schaffte er aus dem Stadtsäckel durch seinen Einfluß ihren Lebens⸗ bedürfnissen angemessene Erleichterungen und Bequemlichkeiten, wie Festräume, Konzerthallen und dergleichen, und das Proletariat wies er mit Nachdruck in die ihm von der Natur gesetzten Schranken zurück, wenn es schnöder⸗ weise versuchte, sich bessere Lebensbedingungen zu erringen und höhern Lebensgenuß zu eigen zu machen.. Als er schließlich starb und sein in jeder Weise rechtsgiltiges, in richtiger Form abgefaßtes Testament geöffnet wurde, erfuhr man, daß er der Stadt von seinem inzwischen auf zwei Millionen angewachsenen Vermögen fünfzig⸗ tausend Mark zum Bau eines Stifts für un⸗ ae Damen der bessern Stände vermacht atte. Den Armen hatte er nichts vermacht; für die wurde ohnehin schon genügend gesorgt. So dokumentirte denn auch seine letzte Hand⸗ lung, daß er ein guter, gerechter und korrekter Mann war, und die Bürger der Stadt behielten ihn in gutem Andeuken, setzten ihm ein Denk⸗ mal und stellten ihn ihren ehrfurchts voll auf⸗ horchenden Kindern als leuchtendes Vorbild hin, dem nachzueifern sie eifrig beflissen sein sollten. 3 Ehrbare Frauen. Von Florian Stark. Der Monteur Friedrich Kuhn war von seiner Frau gerichtlich geschieden. Lange Zeit lebte er einsam und verdrossen, dann aber erwachte in seinem Herzen neue Liebe. Riki war in der Fabrik, in der Kuhn arbeitete, bei der Schreib⸗ maschine. Manchmal gingen sie Abends zu⸗ sammen, denn ihr Heimweg war eine lange Strecke derselbe. So fanden sie sich. Lange Erklärungen waren nicht nötig, jedes sah, daß ihn das andere lieb hatte, und keines konnte mehr geben, als sich selbst. Sie brauchte nicht um seine Schulden zu fragen, er nicht um ihre Fehltritte, wie das so üblich ist, wenn sich zwei Herzen der„oberen Zehntausend“ finden. „Du weißt aber, Riki,“ sagte Kuhn eines Tages,„ich kann Dich nicht heiraten. Die katholische Religion knüpft das Eheband unge⸗ mein dauerhaft. Es ist unzerreißbar! Man kann die Sklavenkette brechen, aber nicht das Rosenband, womit der Pfarrer zwei Menschen zusammenthut.“ „Mir gleich,“ sagte Riki,„ich hab' Dich lieb, Fritz, und will Dich immer lieb haben.“ An einem der nächsten Tage übersiedelte Riki mit ihrem Hab und Gut zu Kuhn. Der Fabrikant erfuhr das. Obwohl verheiratet, hatte er stets noch irgend eine„Kleine“, die ihm viel Geld kostete. Beinahe mehr als seine Frau. Trotzdem er also nicht besonders geeignet war, die Stelle eines Sittenwächters zu über⸗ nehmen, fand er doch das Verhältnis zwischen Riki und Kuhn„furchtbar unmoralisch“ und stellte das Mädchen vor die Entscheidung, ent⸗ weder von dem„Geliebten“ fortzuziehen oder ihren Posten zu verlieren. Vergebens stellte ihm der Monteur vor, daß es ja nicht seine Schuld sei, wenn er Riki nicht heiraten könne, sondern daß die Satzungen der katholischen Religion selbse Weiter kam Kuhn nicht. Der Fabrikant war entrüstet, denn er war fromm. In seiner Wohnstube stand neben der eisernen Kasse ein Betpult, und nebst den kostspieligen Geschenken für seine jeweilige„Kleine“ gab er auch für Kirchenbauten. Er besuchte nebst Chambres separees auch fleißig den Gottesdienst, spielte nicht bloß Hazard, sondern wallfahrtete jährlich auch einmal nach Mariazell. 18 5 Fabrikant ließ also Kuhn nicht aus⸗ reden.. „Lassen S' mir die katholische Religion in Ruh',“ schrie er,„die hat mit Ihrer Schweinere nix zu thun. Ich will's einmal nicht! Punktum!“ Riki gab also die Stellung auf und über⸗ wachte das kleine Hauswesen, das unter ihrer Leitung blühte und sichtlich gedieh. Neben dem jungen Pärchen wohnte rechts ein kleiner Beamter mit seiner Frau, links ein Agent, gleichfalls verheiratet. Die beiden Frauen würdigten Riki keiner Ansprache. Sie gingen an ihr vorüber, wie die Königinnen auf der Bühne am Volk vorüberzugehen pflegen. Riki machte das anfangs Spaß, dann aber kränkte sie das doch.„Warum meiden sie dich gar so?“ fragte ste sich.„Bist du denn schlecht! Thust du nicht gerade so deine Pflicht als Hausfrau, wie sie? Macht wirklich nur der kirchliche Segen die Moral aus?“ Wenige Tage später standen jene beiden Frauen am Gang. Riki befand sich in ihrer Küche und hörte da jedes Wort. „Der Schlampen glaubt, ich werd' auf sie reden,“ sagte da die Frau des kleinen Beamten, „aber da irrt sie sich. Gott sei Dank, wir sind ehrbare Frauen, Frau Maier nicht wahr?“ Riki wollte auf den Gang stürzen, um für das Schimpfwort Genugthuung zu verlangen, aber sie besann sich bald eines besseren. Sie blieb ruhig und ging aus der Küche. Nun hörte sie nichts mehr. Die Beamtensgattin aber in hochmoderner Toilette stieg die Treppe hinunter. Fürsorglich hob sie ihr Kleid, und da sah man nun einen gar feinen seidenen Spitzenunterrock, eln Paar elegante Lackstiefelchen und einen Streif ihrer schwarzen Seidenstrümpfe. Riki sah sie zum Hausthor herauskommen, Schon lange war dem Mädchen eines aufgefallen. Ihre Nachbarinnen bekamen keine mehr Gelb für den Haushalt als sie, und doch konnten sie teure Toiletten kaufen. „Sie werden sie schuldig bleiben!“ meinte Kuhn, als ihm Riki einmal davon sprach. „Das ist aber nicht der Fall,“ erwiederte das Mädchen,„im Gegenteil, sie haben noch Ersparnisse. Das ist's ja, was mich ärgert. Ich verschwende doch nichts, wie Du aus meinem Einschreibbuch ersehen kannst, aber ich habe zu thun, um drauszukommen. Ich möchte doch hinter dieses Geheimnis kommen.“. „Zerbrich Dir den Kopf nicht, Riki,“ sagte Kuhn,„ich werde zu Neujahr Werkführer in einer anderen Fabrik, dann kann ich Dir schon etwas zulegen!“ „Es handelt sich nicht darum, Fritz, aber ich möchte wissen, wie sie es machen!“ Riki ersuhr es. Eines Abends besuchte sie ihre Eltern, die drinnen in der Stadt Haus⸗ meistersleute waren. Die Wohnung war so gelegen, daß man die ein- und ausgehenden Leute sehen konnte. Da plötzlich hörte Rilt eibe Stimme, die ihr bekannt schien, dann ver⸗ nahm ste Säbelgeklirre. Ein Rittmezsler von den Husaren kam die Treppe herab, und in seiner Begleitung war— die Beamtensgattin. „Wer sind denn die?“ fragte Riki, erstaunt nachblickend. „O, dös is a reicher Gawlier,“ sagte Rikens Valer,„wirklich a Gawlier!... Na und da Dame, dö is halt... na db kummt halt jeden Tag auf d' Nacht um dö Zeit, das haßt halt wann's a bisl finster ist.“ 5 „Ich komme gleich wieder!, rief Rik, ergriff ihr Hütchen und folgte den beiden. „Es nützt Dir nichts, Klara,“ hörte sie den Offizier sagen,„ich kann heute nicht. Gesten habe ich im Spiel Pech gehabt. Habe zu vie Glück in der Liebe!“ 5 den beiden Age al, e Fr er„e A einer 6 M! J J. kan el, 0 da cet Jahn u ler Jud g chlog r ie um w lang nden. lden, Fut l sieh alk m le n f hie rf an hide ö fin bg h agen! — in . 80 1 swie ut igen... 45. e Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. Nun Ich brauche aber morgen!“ sagte seine rakter wie die älteren der Steinzeit, sie können] rarischen Nachlaß von Kaul Marb Friedrich Engels J ein Begleiterin.„Es ist ja Zins, und ich habe] aber bis zu dem Jahrhundert vor der Er⸗ und Ferdinand Lassalle“. Preis broschiert 5 Mk. Für e dir von dem Zinsgeld Seidenhosen gekauft!“ oberung Perus durch Pizarro gebraucht worden] die Geschichte des modernen wissenschaftlichen om Gee,„Thut mir leid, mein Kind! Vor über- sein. Der Körper is also wenigsten 500 Jahre nismus als auch für die Biographien seiner llassschen k auch A1 morgen unmöglich! Du weißt..“ alt. Das Haar des Kopfes ist zierlich geflochten. Vorkämpfer bieten diese Briefe die sicherste urkundliche Gu Mehr konnte Riki nicht hören, denn die[Das Ohr zeigt ein dunkelrotes Klümpchen, wo r 0 h vt 1 15 f d 1 5 ja iter 150 Blut N den Deuck des Gewichtes hervor⸗⸗— gel, Mädchen hinter ihr, worauf sie dem Rittmeister trömte. ie Schulter ist zerschmettert und hinein⸗ 1 g„ 1 15 N bu willst reich werden? ohne net lden dun Sie gun en auf h egen. b dann ah den se l enn schlech ficht ah ich nut hy jene bebe sich in iy verd' auf en Beanie nk, wirf wahr! zen, un U berlaage sseren. 8 üche.. ochmoden Jürg, u nun elt 1 6757 . ein l Streif rauskonne F aufgefall, e neht 60 h bun“ en“ nal pra. erpiebal, abel 10 10. ae mol ih hl möchte e ziuflüsterte:„Sei still jetzt!“ Riki ging. Sie wußte genug. Ihr war 9 es nun klar, wie es der Frau möglich war, mit dem Haushaltungsgeld auszukommen, schöne Kleider zu tragen und überdies noch Ersparnisse zu machen. Sie verkaufte sich ganz einfach, ganz unbekümmert um den Treueid, unbekümmert um des Priesters Segen, den sie ihr gegenüber als Hauptsache hingestellt. Und der Gatte jener Frau pries sich ganz glücklich. Er wußte es ja nicht, welche Schlamm⸗ Pfütze sein heiliger Ehestand war. „Ja, die Meine,“ pflegte er zu sagen,„die perstehr's. Der sollten Sie einmal zuhören beim Einkaufen! Eine halbe Stunde handelt sie oft mit der Slovakin wegen eines Kraut⸗ happels! So ein Weib ist für einen Mann eine wahre Goldgrube!“ Der arme Narr! Riki aber, der„Schlampen“, wich von dem Tage an, da sie zur Erkeuntnis gekommen, wie diese Frau ihr Haushaltungsgeld vermehrte, diefer„ehrbaren Frau“ aus. Sie fürchtete, sich mit einer Berührung zu beschmutzen.— Ein versteinerter Mensch. Die Ueberreste eines versteinerten Menschen, eines Inka, sind im chilenischen Gebäude der amerikanischen Ausstellung zu Buffalo aus⸗ gestellt. Das historische Museum in Buffalo und das Smitsonien Institut bewerben sich gleichzeitig um den Besitz dieses Wunders. Dr. John A. Miller und Dr. Lee H. Smith, die Leiter des Historischen Museums, haben den Fund geprüft und ihn für den wertvollsten ethnologischen und archäologischen Fund erklärt, der je in Amerika gemacht wurde. Der Leich⸗ nam wurde in einem alten Kupferbergwerk bei Colama in einer Höhe von 11,000 Fuß ge⸗ funden. Die Luft dort ist sehr dünn und trocken, das Bergwerk zeigte keine Spur von Feuchtigkeit. Der Leichnam wurde in weniger als sieben Fuß Tiefe gefunden, da das Berg- werk nur klein war. Die darin gebrochenen Erze müssen indianische Frauen in Fellsäcken an die Oberfläche getragen haben. Der Inka muß auf dem rechten Knie gekniet haben, die Hände waren seitwärts in ein Loch von zehn bis fünfzehn Zolle gestoßen, als plötzlich die Erde von oben herunterfiel. Die Werkzeuge zeigen dieselbe Außenlinie und denselben Cha— getrieben, ebenso die Brust, und das Fleisch des Rückens ist in das Rückgrat getrieben. Das Haar ist noch biegsam, die Augenbrauen sind vollständig; an bestimmten Stellen zeigen sich deutlich Beulen, während kleine Steine an vielen Stellen in das Fleisch gedrückt worden sind. Das Gewicht beträgt 48 Pfund; Proben haben gezeigt, daß die Form nur eine Schale ist, deren Inneres mit mumifizirtem Gewebe gefüllt ist. Lesefrüchte. Gegen alles in der Welt machen sie Gesetze, nur nicht gegen den Moloch, den sie Kapital nennen und vergebens schreit der Arbeiter um Gerechtigkeit. ** * Die Humanität ist das Ziel der Menschheit und nicht auf die Art der Arbeit, welche der einzelne vollzieht, sondern daß er sich bei seiner Thätigkeit dieses Zieles bewußt sei, darauf kommt es an.. Völker wie Kinder durch Schläge zu stillen, statt ihren Bedürfnissen abzuhelfen, ist den „väterlichen“ Regierungen von jeher als der höchste Gipfel der Weisheit erschienen. (Aus Robert Schweichels Werken.) Humoristisches. Antisemitisches. A.: Auf dem antisemitischen Parteitag zu Leipzig ist zur Bekämpfung der Obstruktion gegen den Brotwuchertarif ja sogar der Staats streich empfohlen worden? B.: Das ist bei den Antisemiten nicht anders! Wenn die einmal Streiche machen, dann sind es immer gleich Staats⸗Streiche! Noch eine Sühnemission. Sarah: Moses⸗ leben, kannste mir nich sagen, was er hat gesollt in Hubertusstock, der Herr Oberbürgermeister von Berlin? Mosesleben: Gott, was wird er haben gesollt? Wird er haben gesollt sprin gen über den Hubertus⸗Stock! (Südd. Postill.) — Litterarisches. Briefe Lassalles an Karl Marr und Fried⸗ rich Engels aus den Jahren 1849 bis 1862 find soeben in einem dicken Bande von 368 Seiten im Ver⸗ lage von Dietz Nachf. in Stuttgart erschienen. Her⸗ ausgegeben sind sie von Franz Mehring und bilden den vierten Band des Gesamtwerkes:„Aus dem litte⸗ Das ist in deine Hand gegeben; Du kannst reicher sein als Krösus und Rothschild, glück⸗ licher, als alle Weltweiseu Griechenlands, wenn du nur— zufrieden bist und gesund. Ge⸗ sundheit ist der größte Reichtum, wer sie be⸗ sitzt, kann die Güter dieser Welt lachenden Herzens entbehren. Wer ist der Glücklichere, der arme Taglöhner, der vergnügt sein kärg⸗ liches Mahl verzehrt, oder der reiche Mann der in den Bädern sterbensmüde im Rollstuhl gefahren wird? Du willst aber auch diesen Reichtum behalten! Das erreicht man aber nur durch Wachsamkeit. Wenn man eine Störung seiner Gesundheit, seines Wohlbefindens bemerkt, ist ein rasches Handeln am Platze, um nicht den Verlust dieses teueren Guts be⸗ klagen zu müssen. Die Lungenschwindsucht, diese grimmige Feindin des Menschengeschlechts, entwickelt sich nur zu leicht aus kleinen An⸗ fängen und deshalb sollte jeder, der an einem hartnäckigen Husten, an Heiserkeit, oder Atem⸗ not, Lungenkatarrh, Luftröhren⸗ oder Kehl⸗ kopfkatarrh u. dergl. leidet, sogleich geeignete Mittel anwenden, er wird dann sicher das Schlimmste verhüten. Und es kann ihm so leicht geholfen werden. Man lese nur einmal die Broschüre, die Herr Ernst Weide⸗ mann in Liebenburg a. H. numsonst überallhin versendet. Der russische Knöterich⸗ Brustthee, dessen Gebrauch in der letzten Zeit großartige Dimensionen angenommen, wird in diesem Büchlein beschrieben. Er verdient aber auch die Beachtung aller Kreise in weitestem Maaße, denn seine Erfolge waren in den er⸗ wähnten Leiden durchschlagend. Um den Patienten den Bezug dieser Pflanze in wirklich echter Form zu ermöglichen, versendet Herr Ernst Weidemann den Knöterichthee in Packeten à 1 Mark. Jedes Packet trägt eine Schutzmarke mit den Buchstaben E. W. und sind diese, sowie„Weidemanns russischer Knö⸗ terich“ patentamtlich geschützt worden, so daß sich Jeder vor wertlosen Nachahmungen schützen kann. Man weise daher jedes Packet ohne Schutzmarke und den Namen E. Weidemann zurück. Um im Publikum Vertrauen zu er⸗ wecken, haben sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weidemann'sche Broschüre teilweise abgedruckt haben() und damit ihren angeblich russischen Knöterich in den Handel bringen wollen. Nürnberger Spielwaren! Le dieselbe Außenlinte und derselben Ch. nm eee Sorcerer eee Heuchelheim. Sonntag, den 10. November, abends 3 Uhr im Saale des Gastwirts Steinmüller: Oeffentliche Partei⸗Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Det Lübecker Parteitag. Referent: Gen. Beckmann⸗Gießen. 2. Verschiedenes. 5 Strickwolle von 90 Pfg. per Pfund an und höher. Verflgung. 9 empfehle mein reichhaltiges Schuhwaren in gediegenen, sollden Qualitäten zu billigsten Preisen. 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Durch Abgabe seines Stimmzettels hat es jeder Wahlberechtigte für seinen Teil in der Hand, an der städtischen Verwaltung teilzunehmen, zu sagen, wie er dieselbe gestaltet wissen will. Nur alle drei Jahre kann er dieses Recht ausüben! Dabei ist das Gemeinde-Wahlrecht ziemlich beschränkt, ein großer Teil steuerzahlender Einwohner Gießens ist von demselben ausgeschlossen. Dabei wissen wir, daß eine große Anzahl Arbeiter wegen schlechten Ver⸗ dienstes mit ihren Steuern im Rückstande geblieben sind und ihr Wahlrecht nicht ausüben können. Wer irgend kann, zahle seine Steuern! Bisher bestand Gießens Gemeindevertretung mit num zwei Ausnahmen aus Vertretern der besitzenden Klasse. Bleibt das ferner so, so werden selbstverständlich die Interessen der Minderbemittelten und Besitzlosen nicht wahrgenommen. Tretet deshalb alle an die Urne und wählt die Kandidaten der Sozlaldemokratisehen Partei! Kandidaten unserer Partei sind: 8 IHleinrich Raum, Glaser; Georg Beckmann, Kontroleur; Helurich Fourier. Geschäftsführer; Michael Kessler, Buchdrucker; Carl Orbig. Stadtverordneter; Chr. Petersen, Schneider; Adam Volz. Schneider. Ferner haben wir die folgenden, nicht iu unserer Partei gehörigen Herren, von denen wir erwarten dürfen, daß sie unseren Forderungen gegenüber nicht ein so großes Maß von Rückständ gkeit zeigen, wie die meisten ihrer Klassengenossen, mit auf unsere Liste genommen: IHlermann Elle. Werlmeister. Louis Flett, Stadtverordneter. Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Gafrfky, Stadtverordneter; Karl Jann, Reallehrer. Wir bitten unsere Freunde, den Stimmzettel unverändert abzugeben. Wäbler! Bürger, Arbeiter! Unsere Kandidaten werden sich im Falle ihrer Wahl nie dazu gebrauchen lassen, das Gemeln⸗ wesen dem Geldsack dienstbar zu machen, sie werden jederzeit das Interesse der Gesamtheit wahren! Darum tretet Mann f 8 5 Zusammenhalt den größeren Machtmitteln der besitzenden Klasse gegenüberstellen! Merkbüchlein Samstag, den 16. November, im Saale des Casé Leib: Gesetzbuch für das Deutscge bestehend in c 8 : 5 ö über„Das Recht im gewerb⸗ ür IMlagenleidende! 5 Agonlo* Für Ilagenleidendel! 5 f 85 Reich und der Reichsgewerbe⸗ 4 f Musik- u. Gesangsvorträgen, Deklamationen, Theater 4 4 f 4 * schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ 8 schleimung Darum auf zur Wahl! Gegen Geldsacksinteressen und Grundstücksspekulantentum! Für das Wohl der Gesamtheit!. Das sozlaldemokratische Wahlkomitee. Deutscher Holzarbeiter-Verband liert Wide Zahlstelle Giessen.. en Arbeitsvertrag. Be. e 5 15 arbeitet nach dem Bürgerl. 2— Allen dene die sich durch Erkältur oder berlad 7 g 10 Stiftun 8fe 8t 8 des Magens, duch oda maß gelhatier deer verbeuliger 5 ordnung. . bieenz weise an Magenkeiben, wie:: eee Preis 10 Pfg. und RAL IL... unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Eintracht“. Gewerkschaftsmitglieder, Freunde und Genossen sind zu zahlreichem Besuche freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Bier im Glas. Ansang 8 Uhr. Karten A 75 Pig sind zu haben in den Wirtschaften Verdauungs- und Blutreinigungsmittel, der per Pf. 50 Bg., bei Abnahme d 1 2 0 1 7 8 N„i eh'sche K 2 te-V 8 Hubert Ulrich räuter-Wein. 1 afiehte Dieser Kräuter-Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig lange der Vorrrat reicht, Fran Dieser Kräuter- We ist aus vorzüglichen, heilßre 0 5 172 2 7 8* 8 2 e 05 8 Are* befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und! Weiershäuse, Marburg stärkt und belebt den ganzen. Verdaunngsorganismus Elisabethstraße. des Wenschen, ohne ein Jebführungsmittel zu sein. Kräuterwein beseitigt alle Storungen in den Blut- gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen. AKraukmachenden Stoffen und wirkt foͤrdernd auf die Neu— bildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magenüvel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht fäumen, seine Anwendung allen anderen scharsen, ätzen den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symp tome wie: Kopfschmerzen, Aufstossen Sodbrennen. Bläh- ungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die dei chronischen (veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten werden oft nach einigen Mal Trepken beseitigt. Hund deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie; Beklemmung, Kollkschmer- zen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrholdalleiden) werden durch Kräuter-Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen. Blutmangel. N 3 sind meist die Folge schlechter Verdaunng, Entkräft ung mangelhafter Mutbildung und eines krank⸗ haften Zustande s der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, stechen oft solche Kranke langsam dahin. 8 Kräuter Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, deschleunigt Rund verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiden beweisen dies. Kräuter ⸗Wein ist zu haben in Flaschen à Mk. 1.25 u. 1,75 in: Gießen, Großen⸗ Linden, Wetzlar, Freuhausen, Braunfels, Butz⸗ bach, Brandoberndorf, Gladenbach, Weilburg, Groß-⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad Nauheim Marburg usw. usw. l in den Apotheken. 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Dan Sozial demolratige Die Stadtverordneten Orbig und Krumm. Zu zahlreichem Besuche ladet ein * 8 5 wähler-Versammlung Mittwoch den 13. Referenten Oeffentl — e 1 des Kur- Justituts Par n RN2deid haas, Dresde, 5 Niederlössuntt bei. * N Verlag der Mitteld. Sonntags-Zeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. ür Mann an die Urne und gebt den sozialdemokratischen Wahlzettel ab! Die kleinen Leute müssen stärkeren⸗ Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ 5. Schneider, Buchhandl. n 8 8. 1411 1 JZugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen 8 dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren 1 U IU f erprobt sind. Es ist dies das bekannte 8 Anis. denwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, 5 Nummer liegt ein Prospel 1 1 — che 6 — N Mitt nträg uu die 0 Uped — Fal Daß 0 ficht aber fte! and fuld der fut att —ů——v—-—-—-——̃— s di mütl dagchr Was! nur ati Wand N Vall NaN L 5. 9 m 1