ieler Löb, Hhändler schaften Bilder/ and. . fl „ 11 2 0 — 2 2 0 5 2 4 ä Jobaunes Hecker. Wonen 20. —— Gießen, Sonntag, den 10. Februar 1901. 8. Jahrg. Nr. 6. Meneftiov: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche n 9 5 Nebaktio nee Donnerstag Nachmittag? Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. —...—...—— l Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und 1 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814)[33/9 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Kleinbauern und Getreidezölle. Gegenüber dem Gerede der Sendboten des Bundes der Landwirte, sowie auch der antise— mitischen Mittelstandsretter, welche dem Klein⸗ bauer immer wieder weismachen wollen, daß eine Erhöhung der Getreidezölle auch in seinem Interesse liege, muß es unsere Auf⸗ gabe sein, dem Landvolke die Thatsache vor Augen zu führen, daß im Gegenteil der kleine — und auch der mittlere— Bauer nicht nur keinen Nutzen, sondern sogar Schaden von einer Zollerhöhung hat. Wir brauchen uns dabei gar nicht besonders anzustrengen, denn in weiten Kreisen der Landwirte hat sich diese Ueberzeugung längst Bahn gebrochen. Diejenigen, die selbst Hand anlegen müssen, um in harter, mühevoller Arbeit ihren paar Morgen Land wenige Doppelzentner Frucht abzuringen, merken, daß sie von den Junkeru und Hroßgrundbesitzern als Vorspann gebraucht werden sollen und lehnen es ab, in das Geschrei nach höheren Zöllen ein⸗ zustimmen. Namentlich hier in unserer Gegend zeigt sich nirgends unter der Landbevölkerung Sympathie für den Brotwucher. Das ist auch ganz natürlich. Wer kein Getreide verkaufen kann, dem nützt der höhere Zoll nichts und wenn die Preise dadurch um das Zehnfache stiegen. Dieser Erkenntnis können sich die Klein⸗ bauern je länger je weniger verschließen. Das zeigt auch ein Bericht über die Haupt⸗ versammlung des land wirtschaftlichen Vereins in Wiedensahl, Kreis Stolzenau in Hannover. Veröffentlicht ist dieser Bericht in dem Wochenblatt des Oertchens Stolzenau und man wird dem Blättchen gewiß keine agitato⸗ rischen Entstellungskünste nachsagen können. Dort heißt es— zweifellos zum größten Kummer der Kornzollagrarier—: Ein Redner wies auf die vom Bunde der Landwirte unter Führung der getreidebauenden ostelbischen Groß⸗ grundbesitzer erhobene Forderung der Verdoppe⸗ lung oder einer noch höheren Bemessung der Getreidezölle hin und führte aus, daß durch den Getreidezoll der Preis für Brot⸗ und Futter⸗ getreide etwa um den Zollsatz erhöht werden solle. Der Zoll betrage jetzt 3,50 Mk. für den Doppelzentner oder 87¼ Psg. für den Himten). Der Bund der Landwirte verlange, er solle mindestens auf 7 Mk., d. i. 1,75 Mk. für den Himten erhöht werden. Von dem erhöhten Kornzoll hätten die getreidebauenden Landwirte einen Nutzen, aber nur die, die mehr ern⸗ ten als sie verbrauchen. Deutschland habe etwa 5 ½ Millionen landwirtschaftliche Betriebe, von denen 4¼ Millionen unter 20 Morgen bleiben, etwa eine Million habe die Größe von 20 bis 80 Morgen, und nur 307000 gingen darüber hinaus. Von den landwirtschaftlichen Betrieben unter 20 Morgen werde keiner einen Nutzen von erhöhten Zöllen haben, von den Landwirten, die 20 bis 80 Morgen bebauen, nur etliche. Es blieben mithin in der Haupt⸗ sache nur die 307000 Großbetriebe. Ihr Profit werde mit der Größe der bebauten Fläche steigen. Den Schaden von erhöhten Kornzöllen hätten dagegen alle, die ihr Brodkorn kaufen ) 1 Himten= 31,15 Liter. müssen. Auch der Viehzüchter habe Nach— teil von erhöhten Getreidezöllen, weil dadurch auch das Futterkorn verteuert würde. Zwar solle auch von Erzeugnissen der Viehzucht Zoll erhoben werden, ob aber diese dadurch ebenso im Preise steigen werden als das Getreide, sei sehr fraglich. Keinenfalls habe der Viehzüchter Nutzen. Er müsse vielmehr befürchten, daß durch den Minderverbrauch an Fleisch, Butter und Eier sein Produkt im Preise falle. Viele Viehzüchter würden zum reinen Getreidebau zurückkehren, weil der Verkauf von Getreide vielleicht einen höheren Nutzen abwerfe als der⸗ jenige von Erzeugnissen der Viehzucht.„Wir wollen aber nicht von einer höheren Kulturstufe zu einer niederen zurückkehren, umsomehr, weil alsdann auch der Landbau leiden wird“, so schloß der bäuerliche Redner.„Nur der Vieh⸗ züchter vermag eine zweckmäßige, regelrechte Fruchtfolge inne zu halten, wodurch hauptsächlich unser Acker lohnendere Erträge abwirft. Des⸗ halb müssen wir gegen eine Erhöhung der Ge⸗ treidezölle sein. Wir sind es auch, weil es unserem sozialen Gefühl widerstrebt, daß dem Besitzer großer Güter ungezählte Millionen in den Schoß geworfen werden, und zwar derart, daß er desto mehr erhält, je größer sein Gut ist, und daß diese Summen zum größten Teile aufgebracht werden müssen von denen, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft.“ Dem Vortrage folgte eine lebhafte Debatte; die gegnerischen Ausführungen blieben aber ohne wesentlichen Eindruck. Gegen eine zum Schluß vom Referenten eingebrachte und von der Versammlung angenommene Resolution waren nur drei Stimmen. Die Resolution hatte folgenden Wortlaut:„Der landwirtschaft⸗ liche Verein Wiedensahl wünscht, daß der Korn⸗ zoll in gegenwärtiger Höhe bestehen bleibt, er⸗ klärt sich aber gegen jede weitere Er⸗ höhung.“ Es ist zu erwarten, das diese Stimme nicht vereinzelt bleibt, sondern in andern Kleinbauern⸗ kreisen Echo finden wird. Natürlich werden aber die Wucherzöllner die unbequeme Oppo⸗ sition im eigenen Lager totschweigen. Desto mehr sind wir verpflichtet, die Köpfe zu erhellen, die Bevölkerung über die wirklichen Verhältnisse aufzuklären. Die Regierung kann nun und nimmer riskieren, gegen den klaren und bestimmten Willen des Volkes den Getreide⸗ zoll zu erhöhen.— Wehrt sich das Volk nicht, bleibt es unthätig gegenüber den agrarischen Raubgelüsten, so bekommt es den Zoll, den es verdient. Wird aber dann ein beträchtlicher Teil der kleinen Einkommen vom Brotzoll auf⸗ gefressen, die Lebenshaltung der großen Masse verschlechtert, stockt Handel und Wandel infolge einer verfehlten Handelspolitik, dann dürfen wir jene da oben nicht schelten, die zu ihrem Vor⸗ teil rafften, wo sie raffen konnten. Das Volk ist selbst schuld daran und anzuklagen! Und jeder Einzelne, den diese Zeit nicht zum Kämpfer und zum Agitator gemacht hat, wird vor seinen Kindern erröten müssen, wenn sie ihn fragen, wie das gekommen ist, wie es kommen konnte, kommen durfte. Es ist eine schicksalsschwere Zeit, es ist eine Prüfung unserer politischen Reife. Thue deshalb ein Jeder seine Pflicht! Politische Rundschau. Gießen, den 7. Februar. Christliche Verleumder der Sozial⸗ demokratie. Bei der vorjährigen Gewerbegerichtswahl in Kalk bei Köln wurden von Seiten des christ⸗ lichen Wahlkomitees Flugblätter verbreitet, in denen die Kandidaten der Freien Gewerkschaften und die sozialdemokratische Partei in unerhörter, unglaublich niedriger Weise beschimpft wurden. Die Beleidigten stellten Strafantrag und das Schöffengericht in Köln verurteilte fünf Mit⸗ glieder des christlichen Wahlkomitees zu je 50 Mk. Geldstrafe. In diesem Prozesse gelang es, als Verfasser der verleumderischen Flugblätter den Kaplan Ziellessen zu entlarven. Um nun der ihm drohenden gerichtlichen Bestrafung zu entgehen, mußte der Verleumder einen Vergleich eingehen, wonach er unter Uebernahme sämtlicher Kosten in drei dortigen Zeitungen folgende Ab—⸗ bitte leistet: Erklärung. g Bei der vorjährigen Gewerbegerichtswahl in Kalk sind gegen die freien Gewerkschaften Flugblätter verbreitet worden, worin sich folgende Stellen fanden: Christliche Arbeiter, Ihr seit vor die Wahl gestellt, wollt Ihr den Enkel eines Affen nach Mühlheim ins Gewerbegericht schicken oder einen Christlichen, der auf seine Menschenwürde hält. Der Beisitzer am Gewerbegericht muß schwören, daß er nach bestem Wissen und Ge⸗ wissen urteile und richte. Wenn ein Sozial⸗ demokrat den Schwur leistet, so ist es nur etwas Aeußerliches, aber kein Schwur, auf den Ihr Euch verlassen könnt... Umstürzler, Revolutionäre, blutdürstige Mordbuben sind die Sozialdemokraten; wollt Ihr die Kandidaten blutdürstender Revo⸗ lution wählen? 1 Gebt den Sozialdemokraten die richtige Antwort, keine Stimme für die Liebhaber stinkender Schweinereien.. 115 Alljährlich werden von zwei Millionen deutscher Arbeiter zehn Millionen Mark auf⸗ gebracht, und was geschieht damit? 50 Führer erhalten je Mk. 10000, 300 je 5000, 500 je 3000 usw. Das, deutsche Arbeiter, geschieht mit Eurem Gelde, und da hat die Sozial⸗ demokratie die Unverfrorenheit, sich Arbeiter— partei zu nennen. Weg, Ihr Schmarotzer und Aussauger der Arbeiter. ö f Was sind die Sozialdemokraten in Kalk? Berufsmäßige Verbreiter von Verdächtigungen und Unwahrheiten?.. f Der„Vorwärts“, die Hauptzeitung der Sozialdemokraten schreibt: „Und haut man die entmenschte Brut Millionenfach zu Brei,. Daß Henkersblut zum Himmel spritzt, Dann bin ich auch dabei“... i Ein 1890 in Köln erschienenes Flugblatt bekennt:. „Die Schranken, die gezogen, müssen fallen, Durch Blut und Trümmer laßt zum Ziel uns wallen, Und selbst den Mord nicht scheuen, wenn's von Nöten.“ Seite 2. Mttlteldeuische Sonutags⸗Zeltung. Nr. 6. Der Unterzeichnete bekennt sich als Verfasser und erklärt: Ich gebe zu, daß die in obigen Sätzen enthaltenen Behauptungen der Grundlage ent⸗ behren, und nehme die darin gegen die freien Gewerkschaften, ihr Wahlkomitee, ihre Kandidaten, besonders auch gegen die Sozial— demokratische Partei gerichteten Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Kalk, den 1. Februar 1901. Zillessen, Kaplan. Wenn es auch hier in diesem einzelnen Falle gelang, den Verleumder zu fassen, so werden sich dadurch die Verleumder aller Sorten nicht hindern lasser, iar sauberes Handwerk weiter auszuüben. Höchstens werden sie in der Form 51 geschickter berfahren, als der Pfaffe in Kalk. Hier zeigt sich in brillanter Beleuchtung, wie unsere Gegner schwindeln. Mit solchen Mitteln arbeiten bald geschickter bald plumper die anti⸗ so zialbemokratische!„Arbeiterfreunde“ jeglichen Kalihers. Mögeg sie sich obige Ehrenerklärung als abschreckendes Beispiel dienen lassen. Auch die sogenaunten„Unpartelsschen“! Einen ähplichen Anwurf leistete sich kürzlich ein obskur es evangelisches Blättchen, das Organ hessischer evangelischer Arbeitervereine, der Frankfurter„Volksboten. Unter der Stichmarke: „Arme Genossen“ erzählt es seinen gläubigen Lesern, die Frau des franz. Ministers Millerand hatte auf der Aus zellung in Paris ein Arm⸗ band im Werte von 20000 Mk. ausgestellt und knüpft daran die höchst alberne Bemerkung: „Mit welchem Rechte wollen denn die Millerand, Vittor Adler, Paul Singer und wie die roten Millionäre alle heißen, die Geldfürsten bekritteln, wenn sie von ihren Reichtümern den nämlichen Gebrauch machen, wie jene, die dem Sport Sozialismus nicht huldigen.“ Zunächst halten wir die Armband⸗Geschichte für Schwindel; soviel wir wissen, ist Millerand nicht begütert. Von Viktor Adler wissen wir bestimmt, daß er fast sein ganzes Vermögen der Arbeiterbewegung opferte. Aber selbst, wenn Frau Millerand ein solches Armbans besitzt und die genannten Leute größere Auf— wendungen machen, verdeenen sie deshalb Vor⸗ würfe? Höchstens dann, wenn sie diese Auf⸗ wendungen durch Ausbeutung der Arbeiter, wie die Stumm und Konsorten, durch Betrug wie der fromme Bankräuber Sanden und seine Kumpane, durch Aussaugung des Volkes wie die gottgläubigen Brotwucherer ermög⸗ lichten. Das ist aber nicht der Fell. Ehre diesen Männern, daß sie für die Besitzlosen und Unter drückten eintreten! Wir wünschen uns noch ein paar Hundert solcher! Wir wollten einmal den Jubel bei den Evangelischen sehen, wenn Singer plötzlich zu ihnen überschwenkte! Sogar die Antisemiten würden toll vor Freude, wenn er zu ihnen käme! Agrarische Weisheit. Der Haupttrumpf agrarischer Weisheit besteht in der Behauptung, daß das Ausland den Zoll trage und daher die Inlandpreise nicht steigen würbeu. Wie nechtfertigen sie aber ihre ganze Agitation für die Getreidezoller höhung? Doch mit der andern Behauptung:„Die Getreide— preise sind zu niedrig und müssen durch den Zoll auf eine den Produkrionskosten augemessene Höhe gebracht werden.“ Eine glänzende Logik! Der Zoll erhöht den Getreidepreis nicht, folglich muß, damit der Preis eine den Produktionskosten besser ent⸗ sprechende Höhe erreicht, der Zoll er⸗ höht werden!—. Ein anderes Argument der Agrarier ist ebenso kief und ebenso schlagend. Nur durch die Ge⸗ treidezölle kann die Kaufkraft der Landwirtschaft und überhaupt des Inlands erhalten bleiben und gesteigert werden, also liegen erhöhte Ge⸗ treidezölle im Interesse der Industrie und der Arbeiterschoaft. Nun wird aber der Arbceiter⸗ klasse, wie auch den übrigen nicht an der Land⸗ wirtschaft beteiligten Klassen ein größerer Teil ihres Einkommens als bisher für ihre Lebens⸗ mittel abgeknöpft und in die Taschen einer kleinen Zahl von Großgrundbesitzern gesteckt. Die Kaufkraft verschiebt sich also von der einen Klasse zur andern Klasse. Wo aber da eine Steigerung derselben für des Inland herkommen soll, das wissen allein— bie Agrarier. Von der„Not der Landwirtschafi“ scheint der Reichstagspräsident, Graf Balle⸗ strem nichts zu verspüren. Er ist natürlich Großgrundbesitzer in den gesegneten schlesischen Gefilben. Seine Verhältuisse gestatteten ihm aber, zu dem Bau einer neuen Kirche in Ruda 200000 Mk. zu spenden. Also muß doch die Landwirtschaft schon bei dem gegenwärtigen Zollsatz sehr einträglich sein. Als Zentrums⸗ mann und Agrarier schreit aber der edle Graf auch mit nach höheren Zöllen. Lehrreich zu diesem Kapitel ist auch eine Verlautbarung des Grafen Mirbach ig der konservativen Presse. Er hat im preuß. Herren⸗ hause einen trag auf Abäuderung des Er⸗ gänzungssteuergesetzes gestellt und lamen⸗ tiert darüber, daß er von seinen Gütern im Werte von zwei Millionen Mark 1000 Mt. Ergänzungssteuer bezahlen müsse, während der durchschnittliche Reinertrag der letzten acht Wirischaftsjahre nur Mk. 16793 betragen habe. Es wäre doch zunächst von Interesse, einmal zu untersuchen, wie dieser Reinertrag berechnet ist. Doch abgesehen davon, ist Jemand, der Güter im Werte von zwei Millionen besitzt uud über Mk. 16000 Einkommen hat, ein armer Mann, der wirklich Not leidet? Gleich⸗ wohl sind es aber grade diese Leute mit großem Besitz, denen in der Getreidezollerhöhung Geschenke aus den Taschen der Aermsten gemacht werden sollen. Und Graf Mirbach steht ja nicht allein. Er wird in Bezug auf Besitz und Einkommen von zahlreichen gräflichen und fürstlichen Stan⸗ desgenossen noch bei weitem überragt. Nach einer statistischen Zusammenstellung der„Köln. Volkszeitung“ über die Latifundien in Schlesten besitzt Fürst Guido von Donners mark, der Gefürstete vom 18. Jauuar, in Schlesien 22750 Hektar Land. Außerdem besitzt der Herr große Güter in Rußland und Galizien. Noch größer ist der schlesische Besitz einiger anderer„Bauern“: Fürst Pleß mit 46500 Hektar, Herzog von Ratibor 32750, Herzog von Ujest 35250, Graf Schaff⸗ gotsch⸗Warmbrunn 30000, Graf Ar⸗ nim⸗Muskau 31250, Herzog von Sagan 23551, Prinz Hohenlohe⸗Ingelfingen 25450, Fürst Stolberg-Wernigerode 25422 Hektar. Nun folgt das pleußische Hausfideikommiß mit 21882 Hektar, der König von Sachsen(Fürstentum Oels und Herrschaft Gutentog) 21198, Prinz Biron 15000, Fürst Carolath⸗Beuthen 14607, Graf Hugo Henckel⸗Naklo 14386, Graf Thiele⸗Winkler 13420, Herzog Günther von Schleswig 12898, Prinz Albrecht von Preußen 12612, Graf Maltzahn⸗Mielitsch 10650 Hektar. Damit sind die Besitzer von mehr als 10000 Hektar erschöpst. Der Besitz des preußischen Staats in Schlesien beträgt: der Domänenfiskus hat 23200, der Forstfiskus 159994 Hektar. Diese Leute siud nach der agrarischen Theorie die hauptsächlich„Notleidenden“. Je größer der Besitz, desto größer die„Not“, weil ja nach agrarischer Wissenschaft jeder Hektar nicht genug einbringt. Darum müssen die Aermsten der Armen noch etwas mehr hungern, damit diese großen Herren noch etliche Tausende mehr im Jahr verpulvern können. Volksparteiliche Brotwucherer. Der württembergische Landtag nahm mit 61 gegen 25 Stimmen den Antrag des Zentrums betr. die Getreidezölle an. Da⸗ gegen stimmten das Gros der Volkspar⸗ tei, die Sozialdemokraten und ein Deutschparteiler, dafür die übrigen Par⸗ teien sowie sechs Mitglieder der Volks⸗ partei.— Das müssen ja sonderbare Heilige sein, die sich Volksparteiler nennen und dann den Brotwucher mitzumachen bereit sind. Um den Kaual tobt der Kampf im preußischen Abgeordneten⸗ hause. Die junkerliche Mehrheit sucht natürlich. unterstützt vom Centrum, die Vorlage zu Fall zu bringen. Ja, wenn sich diese Sippe bei dem Kulturwerke ein paar Hundert Millionen ergaunern könnte, wäre sie dafür zu haben! Das Lübecker Streikposteuverbot ist rechtsungültig. So hat das Reichsgericht entschieden und sich damit auf den Standpunkt gestellt, den die sozialdemokratischen Vertreter im Reichstage eingenommen haben.— Der Senat der Freien Stadt Lübeck hatte bekauatlich eine Verordnung erlassen, welche das Postenstehen bei Ausständen unter Strafe stellte. Zweifellos steht diese Ver⸗ orduung im Widerspruch mit der Gewerbe— ordnung, die im§ 152 alle Verbote und Strafbestimmungen gegen streikende Arbeiter aufhebt. Dies legte ein im vorigen Jahre im „Hamburger Echo“ erschienener Artikel eingehend dar, und forderte zur Uebertretung der Verordnung auf, damit deren Rechtsungültigkeit gerichtlich festgestellt werde. Daraufhtn klagte die Hamburger Staatsanwaltschaft den damaligen Redakteur, Abgeordneten Nolkenbuhr, wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze an und die Strafkammer verurteilte ihn zu 100 Mk. Geldstrafe. Hiergegen legte Molken⸗ buhr Revision ein, über die das Reichsgericht am Montag verhandelte. Es sprach den An⸗ geklagten frei. In der Begründung erklärt es die Verorduung in ihrem ganzen Inhalte für ungültig. Schlietzlich weist aber das Reichs⸗ gericht die Behörden darauf hin, das Streik⸗ postenstehen im Wege der Straßenpolizeiverord⸗ nung unmöglich zu machen. Daß es damit, sagt unser Leipz ger Parteiblatt, eine Auweisung giebt, ein Recht, das von ihm selbst als ein Teil eines reichsgesetzlich garantierten Rechts bezeichnet wurde, illusorisch zu machen, sich also zu dem positiven Teil des Urteils in Wider⸗ spruch setzt, gehört so mit zu den Gepflogenheiten unserer sozialen Rechtsprechung. Diese Fest⸗ stellung kaun leicht für die gewerkschaftlichen Arbeiter eine Quelle zahlloser Polizeiplackereien werben und praktisch das Streikpostenrecht illu⸗ sorisch machen. Was ist der„höchste Stand“ im Reiche? Ein Leipziger Schöffengericht beantwortet diese Frage. Der preußische Gardelieutenant v. Kunowsky klagte nämlich wegen Beleidigung, die ihm als Erfinder einer„National⸗Stenogra⸗ phie“ zugefügt worden sein soll. Das Schöffen⸗ gericht verurteilte den Zeleidiger zu 100 Mk. Geldstrafe und sagt in seiner Begründung: „Trotz der ungünstigen Vermögenslage des Angeklagten habe man die Strafe hoch be⸗ messen, weil seine intensiven Angriffe sich gegen einen Angehörigen des Offiziers⸗ standes richteten, des höchsten Standes im Deutschen Reiche. Dies war straf⸗ schärfend zu berücksichtigen.“ Das Leipziger Schöffengericht erklärt in wundervoller Harmlosigkeit, daß wir nicht im Rechtsstaat, souderu im Ständestaat leben, den einige Vorwitzige im Schooß vergangener Jahrhunderte versunken wähnten. Und der höchste Stand in der Offiziersstand, dessen be⸗ leidigte Ehre höhere Strafe fordert als die Ehre der niederen Stände. Sozialistische Wahlerfolge. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Braun⸗ schweig siegten unsere Genossen in ber dritten Klasse in 2 Bezirken. Unter den 38 Mitgliedern der Braunschweiger Gemeindevertretung befinden sich jetzt 6 Sozialdemokraten. Hessische Gewerbe⸗Inspektion. Von Zentrumsabgeordneten wird bei der Zweiten Kammer beantragt, dieselbe wolle die Regierung ersuchen, die Gewerbe-Aufsicht für das Großherzogtum Hessen in der Weise zu zentralisieren, daß ein im Gewerbe⸗-Auf⸗ sichtsdienste praktisch vorgebildeter Beamte als Oberinspektor angestellt wird, welchem die ein⸗ heitliche Leitung und Durchführung des Ge⸗ llnflätigke Gebahreil Wiener! Natürlich brüder Die fre schte lie De Geisl wütenden Tlotzdem Adrückend 80 französisc Eisaßwah Sozialist — Fernel gachwahl disten) un kalen geg Welter wi Vinkeradi Thelene, 2044 geg kammer antisemit berbleiht Weni, im elften zur Kamn Parteien Kandidat, Wahlkau. führer Io zialif 5000. 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Krakehlen, das ist die ganze Kuast der antisemitischen Hohlköpfe. Der unfähigste Kerl wird zur Berühmtheit, wenn er irgend eine Unflätigkeit in den Sitzangssaal schreit. Das Gehahren dieser traurigen Helden wird in unserm Wiener Parteiorgan gebührend gekennzeichnet. Natürlich haben unsere Genossen mit den Radau⸗ brüdern nicht die geringste Gemeinschaft. Die französische Deputiertenkammer setzte die Beratung des Vexeinsgesetzes fort. Die Geistlichkeit und ihr Anhang eigeht sich in wütenden Ausfällen gegen den Entwurf. Trotzdem gelangte der entscheidende Artikel mit erdrückender Majorität zur Annahme. — Einige Wahlerfolge haben unsere französischen Genossen zu verzeichnen. Bei der Ersatzwahl in Nimes wurde am Sonntag dee Sozialist Fournier mit 8712 Stimmen gewählt. — Ferner siegte in Lille bei einer Gemeinde⸗ nachwahl die Liste der Arbeiter partei(Gues⸗ disten) und der mit ihnen verbündeten Radi⸗ kalen gegen die Liste der„Ordnungsleute“.— Weiter wurde in Sisteron(Untere Alpen) der Linksradikale Hublard gegen den Nationalisten Thelene, den Bürgermeister der Stadt, mit 2644 gegen 2191 Stimmen in die Deputierten⸗ kammer gewählt. Der Kreis, der bis 1898 vom antisemitischen Grafen d' Hugues vertreten war, verbleibt damit in radikalem Besitz. Weniger günstig ist das Resultat in Paris, im elften Arrondissement, wo eine Nachwahl zur Kammer vorzunehmen war, die sozialistischen Parteien sich aber nicht über einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Nach stürmischem Wahlkampf erhielt der algerische Antisemiten⸗ führer Max Regis 2708 Stimmen, drei sozialistische Kandidaten erhielten zusammen 5000. Stichwahl zwischen Regis und dem Sozialisten Allemanne. Die Wahl des letzteren scheint gesichert. Die Beerdigung der Köntgin Viktoria hat unter großem Pomp stattgesunden. Bei Ueberführung der Leiche von Osborne fand eine große Flottenparade statt, au der sich von deut⸗ scher Seite nicht weniger als neun Kriegs⸗ schiffe beteiligten. Andere Staaten waren nur durch ein solches vertreten. Damit hätte sich wohl Deutschland auch begnügen können.— Der neue König hat verschiedene Proklamationen erlassen, in denen er um Vertrauen bittet und verspricht für die allgemeine Wohlfahrt nach Kräften sorgen zu wollen. Große Hoffnungen braucht das Volk nicht auf die königlichen Ver⸗ sprechungen zu setzen. Deutscher Reichstag. Die neulich nicht zu Ende geführte Beratung der Anträge zur Wohnungsnot wurde am Mittwoch zu Ende geführt. Den national⸗ liberalen Antrag(Einsetzung einer Wohnungskommission und bestimmte Direktiven für dieselbe) begründete noch einmal Abg. Möller ⸗Duisburg, der sich natürlich mit großer Gelassenheit in die vor einer Woche abgegebene Erklärung des Reichskanzlers fügte, laut der das Reich aus zarter Schonung für die Rechte der Bundesstaaten sich nicht in die Regelung der Wohnungsfrage mischen darf. Diese Methode, auf Grund deren sich das Reich eigentlich der Regelung aller schwierigen Aufgaben ent⸗ ziehen kann, indem sie die Rechte der Einzelstaaten vor⸗ schützt, geißelte mit gebührender Schärfe Genosse Drees⸗ bach, der an der Hand reichen Thatsachenmaterials die dringliche Notwendigkeit der Annahme des Antrages unserer Fraktion(Schaffung eines Wohnungsamts und einer Wohnungsinspektion) nachwies und schlagend dar⸗ legte, daß man den in ihrer überwiegenden Mehrheit auf Grund reaktionärer Wahlsysteme gewählten Einzel⸗ landtagen und Kommunalbehörden nicht die Regelung dieser Frage überlassen darf. Resultat der Debatte war die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags gegen die Stimmen unserer Fraktion und die Annahme des natlonalliberalen Antrages gegen die Stimmen der Kon⸗ servativen, denen sich bezeichnenderweise die Freisinnigen beigesellten.— Sodann wandte sich das Haus der Be— ratung des freisinnigen Antrags Bargmann auf Aufhebung der Theaterzensur zu. Der aus der lex Heinze⸗Zeit her noch vorteilhaft bekannte Freisinnsjurist Dr. Müller-Meiningen wies in trefflicher Welse nach, daß die Theaterzensur der Ge⸗ werbeordnunt wie der preußischen Verfassung widerspricht, und erheiterte das Haus durch die Erzählung von allerlei Zensurstückchen, wie sie namentlich der Landrat a. D. Dumrath sich hat zu schulden kommen lassen. Die Beratung kam an diesem Tage nicht zum Abschluß.— Am Donnerstag und Freitag wurde die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Da— bei wurden die verschiedenartigsten Gegenstände berührt. Kritisiert wurden die Zustände auf den Postdampferlinien, die so schlecht sind, daß selbst Herr Oertel— Knuten⸗ Oertel— die Behandlung der Seeleute tadelte.— Eine Resolution von Müller⸗Sagan, welche den Reichskanzler anhält, einer einheitlichen Orthographie möglichst nicht nur im Reiche, sondern auch in Oesterreich und der Schweiz Eingang zu verschaffen, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Auch die Zustände im Mans⸗ felder Bergrevier gaben unsern Parteigenossen Thiele zu herber Kritik Veranlassung, wobei er mit dem Kon⸗ servativen Dr. Arendt in heftige Auseinandersetzung ge⸗ riet.— Die Zustände in den Krankenhäusern, speziell in den Berliner Krankenhäusern, schilderte Genosse Antrick, der während seiner langwierigen Krankheit nur zu reichlich Gelegenheit gehabt hat, dieselben aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Auf diesem Gebiete ist es, wie auf allen anderen: es ist nicht genügend Geld vorhanden; darum werden die Wärter, wie Antrick klärlich darlegte, schlecht bezahlt. Daraus ergiebt sich dann schlechte Pflege der Kranken, Trinkgelderunwesen, Bestechlichkeit usw. mit Naturnotwendigkeit. Und da sagt man noch:„Die Kulturaufgaben leiden nicht“ und wendet Hunderte von Millionen auf, um das„Christentum“ nach China zu bringen.— In einer„schneidigen“, an Ausfälleu ebenso reichen, wie an Thatsachen armen Rede machte Medi— zinalrat Pistor den verunglückten Versuch, die Aus⸗ führungen unseres Fraktionsredners zu widerlegen, der nationalliberale Arzt und Abgeordnete Dr. Endemann kam seinem Berufsgenossen zu Hilfe. Herr Langer⸗ haus, der alte, ehrliche Freisinnsdemolrat, der sich nebenbei eifrig für die Feuerbestatlung ins Zeug legte, erkannte die Berechtigung vieler von Antrick erhobenen Vorwürfe gegen die Krankenhausverwaltungen an, suchte aber mit nicht eben großem Erfolge die Berliner Stadt⸗ verwaltung reinzuwaschen. Wertvolle Ergänzungen zu dem Thema der Krankenbehandlung gab Genosse Dr. Südekum⸗ Nürnberg, der zum ersten Male im Reichs⸗ tage das Wort ergriff. Er brachte außerdem die man— gelnde Befolgung der Desinfektionsvorschriften in den Bürstenfabriken zur Sprache. Besonders wies er auf den in Jena vorgekommenen Fall hin, wo einem Patienten, der an Harnruhr litt, Getränke vorenthalten wurden. Den Kranken quälte der Durst dermaßen, daß er 1400 Kubikcentimeter seines eigenen Urins getrunken hat und bie eisernen Gitterstangen aus dem Feuster aus⸗ gebrochen hat und zu entfliehen versuchte. In einem zweiten Fall ist ähnliches vorgekommen. Davon, daß sich die Kranken freiwillig zu den Versuchen hergegeben haben, kann nicht die Rede sein, wenn die Patienten hinter verschlossenen Thüren festgehalten werden. Das Reichsgesundheitsamt kann ja solche Fälle nicht verhindern, man muß aber die Oeffentlichkeit anrufen, um den Herren das Gewissen zu schärfen. Prinz Schönaich⸗ Ca rolath bestätigte den Fall und meinte, es sei besser, Mißstände abzustellen als zu verteidigen. In der Sitzung am Montag— Samstag hatte keine stattgefunden— gelangte der Etat des Reichsjustizamtes zur Beratung. Bassermann(natl.) regte hierbei eine Ausgestaltung des Schiffspfandrechts an, ver— langte kaufmännische Schiedsgerichte, sowie ge— richtliche Sicherung der Ansprüche der Bauhand⸗ werker usw. Staatssekretär des Reichsjustlzamts Nie⸗ berding blieb seiner alten und seinem Naturell so wohl⸗ angepaßten Rolle eines Beschwichtigungshofrats getreu; versprach in wohlwollende Erwägung zu ziehen, gab zu bedenken, bat die Schwierigkeiten zu berücksich⸗ tigen usw. Der Freisinnige Beckh erhob verschiedene Einwände gegen kaufmännische Schiedsgerichte, von denen einige einen recht manchesterlichen Charakter trugen. Bedeutsamer und verdienstvoller war die Resolution, die Beckh am Schluß seiner Rede vorschlug und die auf endliche Regelung der Entschädigung für unschuldig Verurteilte dringt. Die Resolution soll bei der dritten Lesung des Etats zur Abstimmung gestellt wer⸗ den. Staatssekretär Nieberding verschanzte sich hinter die beliebte Ausrede, in anderen Staaten sei die Frage auch nicht geregelt.— Scharf ins Gericht ging Genosse Stadthagen mit der Justizverwaltung. Er meinte mit Recht, daß eine Entschädig ung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft wohl erst dann kommen würde, wenn eines der Herren Mitglieder des Bundesrates einmal unschuldig gesessen hätte. Dann kritisierte er treffend die Unthätigkeit des Justizamtes, das im Verein mit dem Bundesrat ohne Aagabe von Gründen es abgelehnt hätte, die Resolutionen des Reichs⸗ tages auf Einführung eines einheitlichen Arbeits⸗ rechts, eines einheitlichen Wasserrechts, einer ein⸗ heitlichen Regelung der Rechts verhältnisse der land— und forstwirtschaftlichen Arbeiter und des Ge⸗ sindes eintreten zu lassen. Die bekannten Vorgänge beim Sternbergprozeß, vor allen Dingen die Thätigkeit des Kriminalschutzmannes Stierstädter, gaben unserem Genossen Anlaß, das Uebergewicht der Staatsanwaltschaft und der Polizei über die Gerichte lebhaft zu tadeln. Zum Schluß verlangte er die Uebertragung der Recht⸗ sprechung an Laienrichter aus allen Klassen des Volkes. Vergebens suchten Staatssekretär Nteberding und der weimarische Geheimrat Paulsen die Ausführungen unseres Fraktionsredners zu widerlegen. Dienstag wurde die Beratung des Justiz⸗ etats fortgesetzt. Der freisinnige Oberamtsrichter Bargmann brachte in einer im allgemeinen sehr verständigen Rede allerlei Beschwerden und Wünsche vor; verlasigte Entschädigung unschuldig Verhafteter, Haftbarmachung der Beamten bei willkürlichen Verhaftungen usw. Mit Recht be⸗ klagte er die wachsende Flut der Majestäts⸗ beleidigungsklagen; wenn er aber die Gelegenheit benutzt, für den freisinnigen Iniriativ⸗ antrag auf Abänderung des betreffenden Para— graphen Stimmung zu machen, so mag daran erinnert werden, daß dieser Antrag lau, matt und böllig unzureichend ist. Nur die gänzliche Abschaffung des Paragraphen, wie ihn klipp und klar die Sozialdemokratie verlangt, kann endlich Wandel schaffen und dem die Justiz wie die öffentliche Moral korrumpierenden De⸗ nunziantenwesen Einhalt gebieten. Eine wuch⸗ tige Anklagerede gegen die der modernen Rechts⸗ auffassung ins Gesicht schlageuden Rechtsverhält⸗ nisse im Lande des Ochsenwappens Mecklenburg hielt der Abgeordnete für Rostock, Genosse Rechts⸗ anwalt Herzfeld. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand jener Meineidsprozet gegen den Genossen Holst, der ein würdiges Gegenstück zu den Prozessen von Essen uad Löbtau bildet. Während der Rede Herzfelds hatte man Ge⸗ legenheit, die Umwandlung des wandlungsfähigen Centrums zu studieren. Vor 2 Jahren, bei Gelegenheit der Zuchthausvorlage hatte Dr. Lieber unter Beifall seiner Parteigenossen die Stellungnahme der deutschen Justtz gegen die Arbeiterschaft gegeißelt. Jetzt aber, als Herz⸗ feld beinahe wörtlich Liebers damalige Aeußerung wiederholte und Ballestrem sich darauf veran⸗ rower Gerichtes einzuschreiten, rief das Centrum seinem Präsidenten Beifall! Auf die Ausführ⸗ ungen unseres Fraktionsredners wußte Herr Nieberding lediglich mit ein paar formellen Ausreden zu antworten. Im Reichstag ist nicht der Ort, sich über Prozesse zu unterhalten, war das A und O seiner Auseinandersetzung. Und ganz so drückte er sich aus, als die folgenden Redner des heutigen Tages aufs neue die Konitzer Sache zur Sprache brachte. Es war der Antisemit und Pückler⸗Intimus Binde⸗ wald, der die Gelegenheit beim Schopfe er⸗ griff, eine judenhetzerische Pauke im schönsten Dreschgrafen⸗Stil vom Stapel zu lassen. Der Freisinnige Rickert trat ihm entgegen, während seiner Rede machten die Antisemiten nach alter, aber unschöner Gewohnheit den fürchterlichsten Raudau. Genosse Herrn(Sachsen) führte noch einige Blüten der sächsischen Justizpflege vor. Sachsen steht bekanntlich hinter Mecklenburg darin nicht zurück. Krieg in Südafrika. Die Lage hat sich für die Engländer noch keineswegs gebessert. Zahlreiche kleinere Ge— fechte haben stattgefunden, die den Engländern immerhin mehr Opfer als den Buren kosteten. Außerdem wird das englische Heer in Südafrika schwer von Krankheiten heimgesucht. Niemals war die Liste der erkrankten Soldaten 10 * 1 e ———— — Seite 4. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Nr. 6. so groß wie jetzt. Der Typhus, dem man den Namen Dormkatarrh giebt, rafft jede Woche 600800 Opfer hinweg. Die Zahl der in Krankenhäusern oder sonst in Behandlung stehenden Soldaten beträgt mehr als 20,000. Diese Nachrichten werden beglaubigt durch Stimmungsbilder aus Kapstadt, wonach in dem benachbarten Simonsstadt vor Anfang des Jahres eine gefährliche Meuterei unter der eng⸗ lichen Artillerie ausgebrochen ist.— Einen bedeutenden Erfolg für die Buren stellt die Eroberung des Postens von Modder— fontein dar. Darüber wurde gemeldet: Tausend Buren griffen überraschend Mod— derfontein am Gatsrand, südwestlich von Krügersdorp an, schlugen eine von dort aus⸗ gerückte Ersatzkolonne, der sie schwere Verluste zufügten, zurück und erzwangen dielleber⸗ gabe der ganzen Garnison. 7 Offi⸗ ziere, 220 Mann wurden gefangen, ein Geschütz genommen. Die neueren Nachrichten vom Kriegsschau— platze lassen erkennen, daß die Aussichten der Buren jetzt günstiger als je stehen. Non Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Lesertreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— ir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Angelegenheiten. — Sozialdemokratischer Wahlver— ein. Die ziemlich gut besuchte Generalver⸗ sammlung, die am Samatag stattfand, nahm zunächst den Kassenbericht für das zweite Halb⸗ jahr 1900 entgegen. Einnahmen sind Mk. 130.—; Ausgaben Mk. 96.— zu verzeichnen, es verbleibt somit ein Kassenbestand von Mk. 34.—. Von den Revisoren wird die Richtigkeit der Abrechnung bestätigt. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wird der bisherige Vorstand einstimmig wieder⸗ gewählt.— In der Diskussion über die Ver⸗ handlungspunkte der Kreiskonferenz traten alle Redner für Einrichtung einer Unterstützungskasse ein; fast einstimmig wird beschlossen, der Kon⸗ ferenz eine Erhöhung des Monatsbeitrages um 10 Pfg. vorzuschlagen. Weiter wird gewünscht, die Konferenz möge nicht mehr in Orte ohne Bahnverbindung gelegt werden, weil dadurch die Beteiligung entlegenerer Orte fast unmöglich gemacht wird; die Delegierten sollen dafür ein⸗ treten, daß möglichst im Zentrum des Wahl⸗ kreises gelegene Orte für die Konferenz gewählt werden.— Als Delegierte werden die Genossen Dörr, Keßler und Petersen gewählt.— Im„Verschiedenen“ gelangte die Lokalfrage noch zur Erörterung. Man sprach sich allge— mein dahin aus, daß bei Abhaltung von Fest⸗ ichkeiten möglichst nur Säle berücksichtigt wer⸗ den sollen, die uns auch zu Versammlungen zur Verfügung stehen. Ferner wurde die Abhaltung sozialwissenschaftlicher Vorträge in Aussicht ge⸗ nommen. — Das Gewerkschaftskartell beschäf⸗ tigte sich in seiner letzten Sitzung in der Haupt⸗ sache mit Vorbereitungen zum Gewerkschaftsfest, das am zweiten Osterfeiertag stattfinden soll. Für die ausgesperrten Tüllweber in Calais (Frankreich) wurde ein kleiner Betrag bewilligt. — Rezitation.„Vor Sonnenaufgang“, das Erstlingsbdrama Gerhardt Hauptmanns, brachte Herr Schauspicler Walkotte aus Berlin, vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Vortragenden folgte, am Donnerstag Abend in„Lony's Bier⸗ keller“, wir können fast sagen, zur Auf⸗ führung. Herr Walkotie versteht es meisterhaft, die einzelnen handelnden Personen lebenswahr vorzuführen. Man glaubte sich manchmal vor der Theaterbühne zu befinden, auf der mehrere Personen in Aktion sind. Das Drama spielt in Schlesien, in einer Gegend, wo die Bauern durch die Entdeckung von Kohlenlagern in ihrem Grund und Boden zu großem Reichtum gelangten und schildert die Korruption, Vertiertheit, Ver⸗ soffenheit und sittliche Entartung, in welche die Kohlenbauern gerieten. Die Gestalten des Dra— mas wurden durch den Rezitator in ausgezeich— neter Weise verkörpert.— Vor dem Vortrage gab Herr W. eine kurze Einleitung, in der er die Darstellunzg der Wahrheit als das Be⸗ streben der neueren Dichtung bezeichnete.— Von vielen Besuchern wurde der Wunsch nach baldiger Wiederholung einer derartigen Veran⸗ staltung geäußert. — Ein Preßprozeß spielte sich am Frei⸗ tag vor dem hiesigen Schöffengericht ab. Der Gießener Rechtsanwalt Dr. Spohr ver⸗ klagte den Redakteur der„Frkftr. Ztg.“ Listowsky wegen Beleidigung. Es handelt sich um die seinerzeit auch von uns erwähnte Aeußerung Dr. Spohr's in dem Progsesse eines hiesigen Geschäftsinhabers gegen die autisemitische„Deut⸗ sche Handelswacht“, als deren Vertreter Ersterer fungierte. Im Verlauf des Prozesses erklärte Herr Spohr:„Die den Juden angeborene Profitwut verleitet sie, ihr Personal bei äußerster Aus⸗ nutzung der Arbeitskraft schlecht zu bezahlen und zu beköstigen. Es giebt zwar auch einzelne anständige Juden, da aber die Mehrheit mit Fehlern und üblen Gewohnheiten behaftet ist, so muß ein Jude vor Gericht erst beweisen, daß er ein anständiger Mensch ist. Kann er das nicht, so muß das Gegenteil angenommen wer⸗ den.“ Auf diese Aeußerungen erwiderte die „Frankfurter Zeitung“ durch die folgende An⸗ merkung der Redaktion:„Eine so haßverblendete und den Grundbegriffen der Gerechtigkeit wohl absichtlich hohnsprechende Denkweise gereicht je— dem gebildeten Menschen zum Vorwurf, einem Anwalt des Rechts aber benimmt sie außer der persönlichen auch die berufliche Würde.“ Dar⸗ aufhin erhob Dr. Spohr Klage. Die Klage⸗ schrift behauptete, die Spohr'schen Aeußerungen seien in dem Bericht der„Frankfurter Zeitung“ unrichtig wiedergegeben. Dr. Spohr habe vor Gericht nur gesagt:„Ein Jude sei eben inso⸗ lange mit den gedachten häßlichen minderen Qualitäten(üblen und häßlichen Rasseeigentüm⸗ lichkeiten, grenzenloser Rücksichtslosigkeit in seinem Geschäftsinteresse, Ausbeutung der Schwächeren) behaftet, bis er das Gegenteil durch die That bewiesen habe. Das am Dienstag verkündete Urteil lautete auf 150 Mk. Geldstrafe und Publikationsbefugnis. Gegen das Urteil kündigt die Frankfr. Ztg. Berufung an. Herr Dr. Spohr mag seine Aeußerung auslegen, wie er will, es wird ihm kein verständiger Mensch beipflichten können. Daran ändert auch die Verurteilung des An⸗ geklagten nichts. — Durchbrenner. Direktor Heinrich Putsch von der Gewerkschaft Elisabetheuhütte bei Hungen, die hier in Gießen ihren Sitz hat, ist durchgebrannt. Seine Unterschlagungen zum Nachteil der Gesellschaft so 20 000 Mk. be⸗ tragen. Außerdem hintekkieß er erhebliche Privatschulden. Auch Fälschungen der Bücher sagt man dem ehrenwerten Bürger nach. — Wegen Wechselfälschung wurde ferner der ÜUhrenhändler Albert Berger ver⸗ haftet. Dieser stellte sich selbst der Behörde.— Ferner verfiel der Cigarrenhändler Scheel demselben Schicksale. Er wurde wegen Betrugs verhaftet. Wieseck. — ch. Eines recht starken Besuches hatte sich der vom Gesangverein„Sängerkreis“ veranstaltete Familienabend am Sonntag zu erfreuen. Die Darbietungen verdienen alles Lob und unterhielten die Festteilnehmer aufs beste. Lebhaften Beifall errangen die lebenden Bilder, von denen die sinnbildliche Darstellung der Humanität, der Kunst und der Arbeit recht gut ausgeführt waren und besonders gefielen. Allgemein wurde gewünscht, daß der Verein bald wieder einen so genußreichen Abend bieten möge. Hoffentlich hat auch das Fest dem Verein, der dem Rhein⸗ und Maingau⸗Sängerbund bei⸗ getreten ist, neue Mitglieder zugeführt; es wäre erwünscht, daß sich ihm zahlreiche Arbeiter an⸗ schließen, damit er sich zu einem leistungsfähigen Arbeitergesangvereine entwickelt. Aus dem Kreise Friedberg. H. In Niederflorstadt sprach am Sonntag, den 27. Januar, Genosse Busolt⸗ über die politische Lage. Friedberg Redner erntete in der gut besuchten Versammlung reichen Beifall; es wurde eine Filiale des Kreiswahl⸗ vereins gegründet, der sofort 28 Mann beitraten. Man hofft, in kurzer Zeit die Mitgliederzahl zu verdoppeln. Man sieht, unsere Freunde im Friedberger Kreise sind recht rüstig an der Ar⸗ beit und der Erfolg bleibt nicht aus. Es muß aber nachgerade auch der letzte Arbeiter einsehen, daß, wenn wir gegen die agrarische Wucher⸗ politik und kapitalistische Ausbeutungs- und Unterdrückungssucht wirksam ankämpfen wollen, fester Zusammenschluß notwendig ist. Drum tretet alle in die gewerkschaftliche und politische Organisation ein! Gewerkschaf sfest in Friedberg. B. Am Samsta ,, den 2. Februar, fand da⸗ hier im Saalbau das zweite vom hiesigen Ge⸗ werkschaftskartell in diesem Winter arrangierte Vergnügen der hiesigen Arbeiterschaft statt. Die Darbietungen des Abends waren diesmal be⸗ sonders großartig. Neben zwei flottgespielten Theaterstuͤcken waren es besonders die lebenden Bilder, die allgemeinen Beifall fanden. Drei stellten den Ideengang des Liedes„Ein Sträußel am Hute usw.“ dar, während die andern beiden den Arbeitern ganz besonders naheliegende Motive zum Untergrund hatten. In dem einen erschien Lassalle mit der roten Fahne, während des andere die Freiheit darstellte, wie sie über alle Schlangen und Reptilien hingeht mit dem Motto: „Durch Kampf zum Sieg“. Die Aufführung wirkte geradezu begeisternd und war daher auch der große Beifall ein von Herzen kommender. Genosse Stenzel hatte sich durch die Arran⸗ gierung dieser Darbietungen, zu denen er viel Zeit und Mühe aufgewendet hat, besonders verdient gemacht und darf daher des Dankes aller hiesigen Arbeiter sicher sein. Gleichzeitig wünschen wir, daß er auch in Zukunft seine sachkundige Hand uns noch recht oft zur Ver⸗ fügung stellen möge. zahl verheirateter Arbeiter nicht möglich teilzu⸗ nehmen. Die gesteigerten Ausgaben für den Lebensunterhalt, teuere Kohlen, die tags vorher fällige Miete, erlaubten ihnen nicht, sich ein bescheidenes Vergnügen zu gönnen. Aus Wetzlar. t. An sehr starker Nervosität leidet der frühere Mechaniker, jetzt vermutlicher Teil⸗ haber einer optischen Werkstätte, O hlenburger. Auf den ersten Blick sollte man das eigentlich nicht glauben, deun der sehr ehrenwerte Maun verfügt über eine ganz ungewöhnliche Korpulenz. Die Erschütterung seines Nervensystems datiert von einem Vorfalle, der sich im Juni vorigen Jahres auf der Straße von Nauborn nach Wetzlar abspielte. Da mußte er nämlich mit ansehen, wie der Hund des Gerbereibesitzers Michel auf den seinen zusprang. Gebissen hat der eine Köter den andern nicht, trotzdem zittert die hochgradige Aufregung, in die der Tierfreund durch die Hundegeschichte versetzt wurde, noch heute in seinen Nerven nach, wes⸗ halb er den Besitzer des Hundeattentäters der fahrlässigen Körperverletzung anklagt und mehrere hundert Mark Entschädigung von ihm verlangt. Das Schöffengericht konnte aber nicht die Ueber⸗ zeugung gewinnen, daß deutsche Nerven so über⸗ aus empfindlich sein sollen und sprach den Missethäter von dieser Anklage frei.— Ja, wir leben eben in einem sehr nervösen Zeitalter! Was wäre aber aus dem Nerbensystem des wenn er als Hunne den Herrn O. geworden, f. chinesischen Kreuzzug hätte mitmachen müssen!! Tapfer ausgekniffen ist vor Gericht der von den Odenwälder Bauern aus dem Reichstag gewählte Antisemit Hirschel.“ Von seinem früheren Gesinnungsgenossen, dem jetzigen Nationalsozialen Erdmannsdörffer, wegen Beleidigung und Verleumdung verklagt, 1 hat er reumütig pater peceavi gesagt und will alle Kosten zahlen! Herr Hirschel ist wohl ausgekniffen nicht nur, weil seine Verurteilung wegen gröblicher Beleidigung sicher war, son⸗ dern auch deshalb, weil ihm, dem urteutonischen Judenfresser, sonst vor Gericht der Nachweis geliefert worden wäre, daß er thatsächl ich an einem jüdischen Berichterstatter parlamentarische Nachrichten verkauft hat. Leider war es einer An⸗ eder: Nirakamb in Erust! mann 0 Oberstah 1 t einen 4 Prudel? bonn Je Aufrezun in die W einen 9 Wortvec Tod trüt und nach Adams Kamerad dell Aus das den Reiche el I U litt ein werke in Entfern. eine Eis dem A auf, so der Ve Beil sole gen get fälle un beiter w — Noch auf der in Bu Hch. Hl schäftigt fahren des 50 b kannt Unglück *** nation Mühlen einigen Miobin, K e Arzte Groß verordr Tropfe einmal seinen Straff, schon i leute berfäls wässert Mn in der wusch Der sundh und d Nr. 6. g reich e echen eiswahl⸗ dettaten. dergahl 3 7 un in der Ar⸗ erk 1 gehen, 1 Wucher⸗ 98= und u wollen, Drum voltische rg. fand da⸗ igen Ge⸗ rangierte itt. Die zmal he⸗ gespielten lebenden n. Drei Sträußel En beiden de Motibe u erschien rend das über alle m Motto: ufführung aher auch mmender. le Acran⸗ en er viel besonders 5 Dankes leichzeitig unft seine zur Ver⸗ einer An⸗ lich teilzu⸗ für den 9 vorher sich ein tät leidet icher Tell⸗ Aburgel. eigentlich rte Mall. 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Ob ein Wortwechsel vorauging, ist nicht bekannt. Der Tod trat sofort ein. Rüger wurde verhaftet und nach Metz transportiert.— Hauptmann Adams genoß allgemeine Achtung bei seinen Kameraden.— Der Vorfall illustriert so recht den Ausspruch dee Leipziger Schöffengerichts, das den„Offizierstand“ für den höchsten im Reiche erklärte. Kleine Mitteilungen. ** Arbekter⸗Tod. Vorige Woche er⸗ litt ein Arbeiter auf dem Buderus'schen Eisen⸗ werke in Lollar einen schrecklichen Tod. Bei Entfernung eines unbrauchbaren Kessels stürzte eine Eisenplarte von der Höhe herab und riß dem Arbeiter Wilh. Velden den Unterleib auf, so daß die Eingeweide heraustraten und der Verunglückte in wenigen Stunden starb. Bei solchen Arbeiten müßten doch Vorkehrun⸗ gen getroffen werden, die derartige Unglücks⸗ fälle unmöglich machen. Das Leben der Ar⸗ beiter wird aber immer zu gering angeschlagen. — Noch ein weiterer Arbeiter kam diese Woche auf der ebenfalls Buderus schen Georgshütte in Burgsolms zu Tode. Der Wagner Hch. Hoffmann, der beim Geleisereparieren be⸗ schäftigt war, wurde beim Rangieren über- fahren und zwar so unglücklich, daß der Tod des 50 Jahre alten, als fleißig und ordentlich b kannten Arbeiters sofort eintrat. Der Ver⸗ unglückte hinterläßt Frau und sieben Kinder. ** In Stockheim starb am Dienstag der nationalliberale Landtagsabgeordnete Mühlenbesitzer Brunner. Er vertrat seit einigen Jahren den zweiten Wahlkreis der Provinz Starkenburg. * Tod durch Unvorsichtigkeit. Vom Arzte hatte der Schreinergeselle Fenzel in Großkarben Morphium gegen Magenschmerzen verordnet bekommen, wovon er täglich wenige Tropfen einnehmen sollte. Ex trank jedoch auf einmal das gauze Medizinfläschchen leer, was seinen sofortigen Tod herbeiführte. ** Milchpantscher. Vor der Mainzer Strafkammer hatten sich am 2. Februar die schon in den sechziger Jahren stehenden Bauers⸗ leute Schott III von Assenheim wegen Milch⸗ verfälschung zu verantworten. Seit 1897 wässerten sie regelmäßig die Milch, benutzten dazu Wasser aus einer im Hofe stehenden Bütte, in der man sich für gewöhnlich die Hände wusch und verkauften sie an Mainzer Händler. Der Sachverständige erklärte die Milch für ge⸗ sundheitsschädlich. Die Frau wurde zu 1000 Mk. und der Mann zu 150 Mk. Strafe verurteilt. Wegen der bisherigen Unbestraftheit und dem hohen Alter der Angeklagten sah das Gericht von einer Freiheitsstrafe ab. * Henkerthätigkeit. In Kassel wurde am Dienstag früh der Kutscher Fr. Assauer, der voriges Jahr seine Geliebte Anna Volkwein in der Gegend von Arolsen ermordete, hinge— richtet. * Geborstene Ordnungssäule. Der wegen verschiedener Betrügereien von Ausbach und Fürth aus verfolgte frühere Bürgermeister Dürr von Markt⸗Triebendorf(Mittelfr.) Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain. g St. Marburg, 7. Februar 1901. — Das Winterfest der hiesigen Ge⸗ werkschaften, welches am vorigen Sonntag in den Räumen des Café Quentin stattfand, hatte sich eines äußerst zahlreichen Besuchs zu erfreuen auch von den umliegenden Ortschaften waren viele Arbeiter teilweise mit Angehörigen herbeigeeilt(auch Gießen war durch Gen. Bock vertreten), um im Kreise der Gewerk⸗ schaften ein paar frohe Stunden zu verleben. Und sie hatten sich hierin nicht getäuscht. Es war ein recht reichhaltiges Programm aufge— stellt, welches in allen seinen Teilen flott und gut zur Ausführung gelangte. Die Musik⸗ vorträge der hiesigen Kapelle Pauli waren tadellos und können wir die Kapelle bei Be⸗ darf nur bestens empfehlen. Aber auch die Darsteller der beiden Theaterstücke„Friede auf Erden oder die Ausweisung am Weihnachts- abend“ und„Meister Brummer und seine Ge⸗ sellen“ leisteten ihr möglichstes und ernteten reichen Beifall. Das erste Stück versetzte uns in die Zeit des Sozialistengesetzes zurück und entrollte den gespannt lauschenden Zuhörern ein Bild der damaligen traurigen Zustände,— welche heute auch nicht viel besser sind. Auch das zweite Stück, ein reizender Schwank, ent⸗ fesselte die Heiterkeit der Zuhörer in reichlichem Maße. Nicht am wenigsten zum guten Ge⸗ lingen des Festes trugeu die Gesangsvorträge des Arbeiter⸗-Gesangvereins„Eintracht“ bei. Besonders die Komposition Garniers„Die Ar⸗ beit“ mit Orchesterbegleitung, wurde vorzüglich zu Gehör gebracht, ebenso das schöne Chorlied „Heimweh“ von Eugenie v. Monsterberg. Ein flottes Tänzchen hielt dann noch die Festteil⸗ nehmer bis zum frühen Morgen des nächsten Tages beisammen. Alles in Allem: es war ein echtes, fröhliches Arbeiterfest, welches ohne jeden Mißton verlief und wohl aller Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. — Schueider⸗Versammlung. Im C. Müllerschen Lokale am Hirschberg fand am Montag Abend eine sehr gut besuchte Versamm⸗ lung der hiesigen Schneidergesellen statt, welche beschloß, im Frühjahr in eine Lohnbewegung einzutreten. Der zuständige Gesellenausschuß wurde beauftragt, den Meistern einen Lohntarif vorzulegen, welcher die den jetzigen teuren Lebens- bedingungen nicht mehr entsprechenden Lohn⸗ und auch die Arbeitszeitverhältnisse regeln soll. Hoffen wir, daß es den Schneidern gelingen möge, ihre bescheidenen Forderungen durch⸗ zusetzen. Arbeiterbewegung. Die Schuhmacher in Frankfurt beschlossen nach Göller in einer äußerst stark besuchten Ver— sammlung, zum Frühjahr in eine Lohnbe⸗ wegung einzutreten. Der Vorsitzende des christlichen Schuhmacherverbandes er⸗ klärte sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und stellte in Aussicht, daß sein Verband gemeinsam mit dem Verein deutscher Schuhmacher für Abstellung der Mißstände kämpfen werde. + Streik bei Borsig in Berlin. Die Direktion des Borsig'schen Werkes wollte eine Fabrikordnung durchsetzen, in der den Arbeitern das Mitbringen von Flaschenbier verboten war. Während der Arbeit sollte nur Kaffee aus der Fabrikkantine entnommen werden, der aber nur in den Pausen zu haben und fast unge⸗ nießbar ist. Es kam zu keiner Einigung über die Fabrikordnung und sämtliche Ar⸗ beiter legten die Arbeit nieder. Nach eintägigen Streik kam es zu einer Verständigung, die zut Wiederaufnahme der Arbeit führte. Die Zigarrensortirer der Zigarren⸗ abrik von Gottlob Nathusius in Magdeburg aben die Arbeit niedergelegt. Grund: Maß— egalung und ungenügender Lohn. Daubringen. Sonntag, Vormittag 10 Uhr Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießeu⸗ ist in Lindau a. Bodensee verhaftet worden. einem Referat des Genossen Partei Nachrichten. Vertrauensmänner des Wahlkreises Friedberg⸗Büdingen! Ersuche nochmals alle Orte, welche Versamm⸗ lungen wünschen, mir alsbald Mitteilung zu machen. Angesichts der drohenden Getreidezölle, sowte der gegenwärtigen schlechten Lage ist es dringend notwendig, an möglichst allen Orten Versammlungen zu halten. Besonderes Gewicht ist auf den Ausbau der Organisation zu legen; wo irgend möglich, müssen Filialen des Kreiswahlvereins errichtet werden. Mit Parteigruß! Hch. Busolt, Kreisvertrauensmann. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 9. Februar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“. Vortrag:„Der ge⸗ werbliche Arbeitsvertrag.“ Gießen. Metallarbeiter. sammlung bei Orbig. Lauterbach. Wahlverein. Kaut Versammlung. Friedberg. Wahlverein. Abends 8 Uhr Ver⸗ sammlung bei Ihl, Stadt New⸗York. Tages⸗ Ordnung: Das Parteiprogramm. Ref. Gen. Rep p. Sonntag, den 10. Februar. Friedberg. Hülfsarbeiter. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Ihl(Stadt New⸗York). Wieseck. Sängerabteilung des Arbeiterbildungs⸗ vereins. Nachmittags 3 Uhr Probe bei B. Wacker. Marburg. Buchdrucker⸗Bezirks versammlun g, nachmittags 2 Uhr bei D. Jes berg. Eingesandt. Werter Genosse! In den letzten Nummern unserer Zeitung finde ich Erwiderungen auf Beschimpfungen, die sich die„Gießener Neuesten Nachrichten“ gegen unsere Partei und unser Blatt erlaubten. Ob⸗ wohl ich anerkenne, daß sich jeder seiner Haut wehren soll, so finde ich es doch in diesem Fall nicht angebracht, die Spalten unseres Blattes zu diesem Zwecke zu verwerten, da dieselben doch wohl zu kostbar sind. Unsere Partei ist doch wahrhaftig im Stande, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen, die Zeitungsschreiber, die Vorkommnisse in unserer Partei bekritteln, unsere Führer herunterreißen wollen, mögen erst vor ihrer eigenen Thür kehren. Unsere Arbeiterschaft weiß schon was sie von den elenden Verleumdungen solcher „Arbeiter freunde“ zu halten hat. Ich möchte Sie deshalb bitten, auf solche ferner nicht mehr zu antworten, denn:„Wer Pech angreift, be⸗ sudelt sich.“ Holtberg. Anmerkung der Redaktion. Leider giebt es eben noch Arbeiter, die, mit den Parteiverhältnissen weniger vertraut, dem Geschreibsel solcher Preßpiraten Beachtung schenken, deshalb ist Antwort nötig. Aufgeklärte Arbeiter legen allerdings den Beschimpfungen keinen Wert bei, darin hat Gen. H. recht. Briefkasten. „F. P.“ Wetzlar. Ihr Schriftstück wurde uns übermittelt, wir müssen aber stets ablehnen, von anony⸗ men Einsendungen Gebrauch zu machen, ebenso haben wir keine Veranlassung, Ihr Schreiben dem Genannten zuzuschicken. Sie können uns ganz getrost Ihren Namen nennen. Warum rühren sich denn die Gemeindemit⸗ glieder nicht zu Gunsten des Mannes? Haben die dem Pfarrer getenüber nicht soviel Kourage?— Die bei⸗ gelegten 10 Pf. stehen zu Ihrer Verfügung.— . Wieseck. Thun Sie das lieber nicht. Wenn man krank ist, geht man eben zu einem verständigen Arzt, mögen Wunderkuren und Wunderkräuter noch so lebhaft angepriesen werden.— Wir müssen es natürlich ganz entschieden ablehnen, mit dem Jahalt der Inserate irgendwie in Verbindung gebracht zu werden. N. Pf. Dorheim. Auf die Bauernbundsver⸗ sammlung können wir nicht mehr eingehen. Dank! Abends 9 Uhr Ver⸗ Abends 8½ bei Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 7. Februar: Butter per Pfd. Mk. 0.80 0.90, Hühnereier per St. 8—0 Pfg., Enteneier 2 St. 00— 16 Pfg. Gänseeier per St. 00—00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—8 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00— 6.00, Zwiebeln per Ctr. Me. 5.50 0.00. Auf dem Fruchtmarkt in Limburg am 6. Februar kostete im Durchschnittspreis pio Malter: Roter Weizen Mk. 13,35, weißer Weizen Mk.—.—, Korn M. 10,55, Grünberg⸗Nidda. Gerste Mk. 8,65, Hafer Mk. 638. Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 6. 15 ee Unterhaltungs-Ceil. 1 r— ————— . Frauen liebe. Die Mutter hat gescholten Tag für Tag; Wenn sie ihn nähme, hätt' sie Müh' und Plag',— „Ich will dir einen besseren Freier zeigen!“ Sie schüttelte den Kopf und lachte eigen. Nun war sie seine Frau schon Jahr und Tag; Ein bischen Glück, dann recht viel Müh' und plag' Die arme Frau, und ob ihn alle hassen, Sie, senkt den Kopf und will nicht von ihm lassen. Einst blieb er aus die ganze lange Nacht; Sott weiß, wo er die Stunden zugebracht! 5 Die Menschen reden schlecht. Sie kann's nicht fassen, Und weint und weint und will nicht von ihm lassen. Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel. 2)(Fortsetzung) Guste Thiemann dachte daran und folgte ihren Exinnerungen, indem sie in das flackernde Feuer schaute, und das Licht in ihren Augen wurde trüber und trüber. Die Blicke des alten Mannes an ihrer Seite hafteten wie die ihrigen an dem Spiel der Flammen um den Kessel, während der Regen fort und fort auf die Dach⸗ schindeln niederrauschte, und seine Gestalt krümmte sich mehr und mehr zusammen. „Na ja,“ unterbrach er endlich das Schweigen, „wir plagen und schinden uns und haben kaum das liebe Leben, und ihnen bringt auch der Regen, der Alles verdirbt, Geld und Glück ins Haus. Das Heu ist halb ersoffen, der Roggen ausgekeimt, die Kartoffeln fangen an zu faulen — im vorigen Jahr war es nicht halb so schlimm aber die Herren leben wie die Maden im Speck. Wie wir von wegen dem schlechten Wetter unser Korn immer nicht haben einfahren können, da hat unser Baron einmal gesagt, zum Inspektor ist's gewesen, und ein Kuecht hat's gehört— „das thut nichts“, hat er gesagt,„gute Ernten helfen den Landwirten nicht, eine schlechte ist mir lieber“. Deun warum? Fremdes Getreide läßt der hohe Zoll keins ins Land und können sie für das ihrige o viel nehmen, als sie wollen. Wenn wir darüber verhungern, daß kümmert sie nicht. Und mit dem Schnaps ist's eben so Ist das eine Welt!“ N Er war immer aufgeregter geworden. In dem krankhaft blassen Gesichte des Mädchens prägte sich eine unsägliche Verzagtheit aus. „Was liegt auch daran? wenn wir alle zu Grund gehen?“ rief sie. „Jg, was liegt daran?“ wiederholte Balk und seuszte schwer. Was hatte er in seinem sechzigjährigen Leben vor sich gebracht, was noch zu hoffen, daß ihm au dem Dasein etwas liegen sollte? Die freie Wohnung in dem Insthaus, ein kleiner Gemüsegarten, ein Stückchen Kar⸗ toffelland und ein Tagelohn von einer halben Mark, das war Alles. Seine Frau, die vor ihrer Verheiratung 15 Jahre im Hause des Barons von Rönberg auf Friedenau gedient hatte, war tot, er selbst zermürbt von der schweren Landarbeit, von Rheumatismus ge⸗ peinigt und auf dem einen Auge erblindet! Die Kinder bis auf einen Sohn, den Wilm hin⸗ weggestorben! Dieser hatte vor 5 Jahren den Solbatenrock anziehen müssen und trug ihn noch. Nicht aus freier Wahl. Er war wegen grober Jusubordination zu zwei Jahren Festung ver⸗ urtheilt worden und diente jetzt in der zweiten Klasse die Zeit nach, welche die Strafe unter⸗ brochen hatte. Er war durchaus kein Hitzkopf, der Wilm; aber das Schimpfen, Knuffen und Puffen der Exerziermeister und Unteroffiziere, trotzdem er gewissenhaft seine Pflichten zu erfüllen bemüht war, hätten auch eine größere Geduld als die seinige zu Rande gebracht. Worin versah er es nur? Andere, die viel schlechtere Soldaten waren als er, schlüpften fast immer durch. Sie verstanden freilich die von seiner Ehrliebe ver⸗ schmähte Kunst sich lieb Kind zu machen, und wenn sie von Hause etwas geschickt bekamen, traktierten sie die Herren Tressenträger. Der alte Balk konnte seinem Sohne nichts schicken, und obgleich Wilm ausschließlich auf seinen Sold angewiesen war, trug er den Kopf hoch. Es prägte sich in seinem Wesen ein ruhiges Vertrauen auf sich, ein gewisses Selbstgefühl aus, welches gedemütigt werden mußte. Als Wilm einmal von seinem Rechte Gebrauch machte und über den Unteroffizier seiner Kor⸗ poralschaft sich beschwerte, erhielt dieser zwar einen Verweis, aber Wilm hatte es damit vol⸗ lends bei ihm und allen Vorgesetzten verschüttet. Ein Soldat, der sich über seinen Vorgesetzten beschwere, hätte keine Ehre im Leibe, sei ein Lump, hieß es offen und laut; ein solcher Kerl sei eine Schande für die ganze Kompagnie. Er konnte kaum noch Dienst thun, ohne zum Nach⸗ exerzieren, zur Strafwache oder zum Arrest ver⸗ donnert zu werden. Seine Stubenkameraden in der Kaserne mieden ihn, aus Furcht, sich mißliebig zu machen, und verspotteten und ver⸗ höhnten ihn, wenn der Stubenunteroffizier das Beispiel dazu gab. Eines Abends, als die Leute schon in ihren Betten lagen, kam sein Quälgeist betrunken nach Hause.„Was?“ schrie er Wilm an,„der Kerl untersteht sich zu schlafen und hat den Parademarsch wie ein Schwein gemacht! Heraus aus dem Bett! Ich werd' ihn marschieren lernen!“ Und als Wilm sich nicht rührte, zog er seinen Säbel und stach nach ihm. Glücklicherweise war die wollene Decke für die stumpfe Klinge zu dick, um sie zu durchdringen, und Wilm hielt es für das Vernünstigere, dem Berauschten zu willfahren. Er mußte das Lederzeug auf dem bloßen Hemde anlegen, die Pickelhaube aufsetzen und das Ge⸗ wehr nehmen. Der Unteroffizier warf sich auf einen Schemel und lachte, daß ihm die Thränen aus den Augen liefen, und die Soldaten lachten in ihren Betten aus Liebedienerei mit. Die Augen Wilm's schossen Flammen. Mit ange⸗ zogenem Gewehr und barsüßig mußte er den Parademarsch machen. Die Soldaten wieherten. Der Unteroffizier aber schrie:„Was, mit krum⸗ men Knieen? Ist der Kerl ein Schneider? Will er wohl die Knie durchdrücken!“ Er sprang wütend auf und stieß Wilm mit seinem derben Stiefel so hestig gegen die nackten Schienbeine, daß der Gepeinigte laut aufschrie.„Grunzt das Schwein? hört die Musik!“ Und er hob abermals den Fuß. In demselben Augenblicke bekam er jedoch von Wilm, der das Gewehr weggeworfen hatte, einen Faustschlag in das Gesicht, daß er zurücktaumelte. Ein zweiter Schlag streckte ihn zu Boden, Wilm warf sich auf ihn und hätte ihn erwürgt, wenn die Sol⸗ daten nicht aus den Betten gesprungen wären und den Wütenden von seinem Opfer weg⸗ gerissen hätten. An dem Vater, der selbst Soldat gewesen, nagte es fort und fort, daß sein Sohn in die zweite Klasse versetzt worden. Wie stolz trugen die jungen Leute, wann sie nach der dreijährigen Dienstzeit zur Landarbeit zurückkehrten, ihre Soldatenmütze! Wie stolz hatte er selbst sie einst getragen! Wilm würde sich nicht in ihr zeigen, den es fehlte an ihr die Nationalkokarde, die ihm aberkannt war. Jetzt war seine Dienst⸗ zeit abgelaufen und er konnte jeden Tag zu Hause eintreffen, wenn er sich nicht eines neuen Vergehens schuldig gemacht hatte. Die Sol⸗ daten zweiter Klasse hatten es so schlecht! Er⸗ wartung und Angst hatten Guste in den letzten Tagen mit wachsender Unruhe erfüllt, so daß sie dieselbe nicht mehr zu bemeistern vermochten. Mit Hoffen und Zagen war sie nach Friedenau geeilt. Wilm war nicht gekommen, hatte nichts von sich hören lassen. „Ich muß heim“, entriß sich Guste dem trüben Sinnen, in welchem sie und der Alte vor dem Feuer saßen. Sie erhob sich. Es regnete noch immer.„Was war das?“ fragte sie. „Der Wind!“ Aber es war nicht der Wind; die Hausthür hatte gekgarrt und jetzt trat eine dunkle Gestalt in die Stube. „Wilm!“ schrie Guste auf und lag in seinen Armen. f nicht daran und sie fühlte es nicht. Er triefte von Nässe, aber er dachte Der alte war trotz seiner rheumatischen 0 Schmerzen jäh in die Höhe gefahren und hielt sich zitternd an der Lehne seines Stuhles. 5 Jetzt reichte der Sohn ihm die Hand mit einem: „Grüß Gott, Vater!“ aus tiefster Brust. Er stand in dem Lichtkreise des Herdfeuers und Guste, deren Blässe die Freude rosig anhauchte, weidete sich au seinem Anblick. Er war noch kräftiger als früher geworden, breiter in der Brust und mäunlicher, und ein Bart zierte seine Lippen; sein rundes Gesicht glühte, seine schwarzen Augen leuchteten froh. Der Vater bewegte lautlos die Lippen.„Es ist Dir in die Glieder gefahren, daß ich so plötzlich da bin“, lachte Wilm und drückte den Alten in seinen Stuhl zurück.„Trink einen Schluck, das wird Dich wieder zusammenbringen!“ Er entledigte sich seines Zwerchsackes, den er über die Schul⸗ ter trug, und zog aus der Brust eine Schnaps⸗ flasche hervor. Der Vater aber schüttelte zu seiner Verwunderung ablehnend den Kopf. So that er selbst einen tüchtigen Zug, reichte die Flasche dem Mädchen und rief:„Jetzt sollst Du es gut haben, Vater, die Schinderei hat ein End'!“ „Ach ja, Du bist wieder da, Wilm; aber Du hast die Nationalkokarde verloren“, ächzte der Vater. Das Gesicht seines Sohnes wurde dunkel⸗ rot, seine Augen nahmen einen unheimlich drohenden Ausdruck an, vor dem Guste erbebte, und er grollte:„Aber jetzt nichts davon, und ich will auch keinem Anderen raten, daß er's thut. Nur eins will ich sagen: Ich wär' kein Mensch nicht, wenn ich mir das ruhig hätte ge⸗ fallen lassen.“ Einen Augenblick röteten sich auch die Wangen des Vaters.„Ja, es war unmenschlich, Wilm. Aber die Anderen hier werden's sagen oder denken und Du wirst's zu leiben haben. Ste werden Dir Steine auf den Acker werfen. Was kann man dagegen machen? Was willst Du anfangen?“ „Du siehst, daß sie mich beim Militär nicht klein gekriegt haben“, sagte er, indem er sich in die Brust warf, die Fänste ballte und die kraftigen Arme streckte. Guste blickte mit un⸗ verhohlenem Stolze auf ihn und rief:„Arbeiten werd' ich. Und jetzt wollen wir essen. Bind' mal den Sack auf, Gustel es ist Speck und Brot d' rin!“ Wilm begleitete Gufte nach Hause. Es hatte aufgehört zu regnen und der Mond stand zwischen den Wolken. Guste hatle sich eng an den jungen Mann geschmiegt und Beide genossen fast stumm nach der langen schmerzlichen Treu⸗ nung das Glück des Wiedersehens. Einmal blieb er stehen, drückte den Arm des Mädcheus fest an sich und rief:„Herr Gott, Gufte, wenn ich nicht an Dich zu denken gehabt härte, ich weiß nicht, wie ich die schreckliche Zeit über⸗ standen habe würde.“ „Du Armer“, sagte sie mitleidig.„Aber jetzt ist's überstanden und ich hab Dich wieder und will Dich alles vergessen machen, was Du hast aushalten müssen. Du trittst doch wieder hier in Friedenau in Arbeit?“ „Nein“, rief er hart,„daraus wird nichts. Der Leutenant von Rönberg hat es nicht ver⸗ gessen, wie ich ihn einmal Deinetwegen zurecht⸗ gesetzt hab', und wie sie Standrecht über mich hielten, da hat er ausgesagt, daß ich immer ein störrischer, aufsassiger und gewalthätiger Kerl gewesen bin. Na ja, ich hab mir eben von Keinem was gefallen lassen und jetzt erst recht nicht. Ich weiß nicht, was geschieht, wenn ich mit dem wieder zusammentreffe.“ „Um Gottes willen, Du wirst doch nicht“, rief Guste erschrocken.„Du warst ja sonst ein so guter Mensch.“ i (Fortsetzung folgt.) ä—— 9 8 2 S — con bel on bekan f daß ic ru Poffnungel, eines fro mußte sich b gnügen, wie nennen pfleg int philosoß! wenn die„se Penn der k den Gemäche Das„Opfer. Sophie 2 15 5 1 Filer, if Schlimuen, moralisch he leben sie verk krone war als die Pi Krbnung na dungen des berkehlte ge ihren, wo beliebt war Hofe zurück Lictenburg, Charlotte Leibniz und berkehtte. Mleußische Fe Zusprich de und geschor diaputteren, surgene Dl Mönch. 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Die einzige leidliche Figur an diesem Hofe war die Königin Sophie Charlotte. Von Ge⸗ burt eine hannöverische Prinzeß, hatte sie längere Zeit in Frankreich gelebt, im Verkehre mit zwei bpriginellen und vorurteilslosen Damen ihrer mütterlichen Verwandtschaft: der durch ihre ehrlich⸗cynischen Briefe bekannten Herzogin Lise⸗ Lotte von Orleans und der Aebtissin Louise Hollandine von Maubuisson, die trotz ihrer geistlichen Würde am liebsten auf ihren Leib zu schwören pflegte, der vierzehn natürliche Kinder getragen habe, und die bis in ihr be⸗ schaulich⸗verguügtes Alter von sechsundachtzig Jahren ihr Kloster wohl regierte. Jedoch die Hoffnungen Sophie Charlottens auf die Hand eines französischen Prinzen zerschlugen sich; sie mußte sich mit ihrem preußischen„Aesop“ be⸗ gnügen, wie sie ihren buckligen Eheherrn zu nennen pflegte. Ste trug ihr trauriges Los mit philosophischer Heiterkeit und Würde; nur wenn die„schrecklichen Kissen“ kamen, das heißt wenn der neue Salomo das eheliche Lager in den Gemächern der Königin rüsten ließ, brach das„Opfer“ in lautes Wehklagen aus. Sophie Charlotte war nicht frei von manchen Fehlern, eine echte Welfin im Guten und im Schlimmen, aber sie stand intellektuell und mpralisch hoch über der Umgebung, in der zu leben sie verdammt war. Die preußische Königs⸗ krone war ihr in der That nicht mehr wert als die Prise Schnupftabak, die sie bei der Krönung nahm. An ben unsinnigen Verschwen⸗ dungen des Hofs hatte sie keinen Anteil; sie berkehrte gern mit den armen Leuten und half ihnen, wo sie konnte, so daß sie im Volke sehr beliebt war. Am liebsten zog sie sich ganz vom Hofe zurück, in ein Landhaus, das sie sich in Lietzenburg, dem heutigen nach ihr benannten Charlottenburg hatte bauen lassen, wo sie mit Leibniz und andern geistig hochstehenden Männern verkehrte. Wie die erste, so ist sie die einzige preußische Königin, die auf geistlichen Trost und Zuspruch verzichtete. Sie ließ gern gescheitelte und geschorene Pfaffen in ihrer Gegenwart disputiereun, doch nur wie jene von Heine be⸗ sungene Donna Blanka den Rabbi und den Mönch. Die Königin starb bereits 1705, erst 36 Jahre alt, und ganz plötzlich; innerhalb dreier Tage war sie gesund und tot. Aber der Tod über⸗ raschte die Philosophin nicht; als ein Geistlicher an ihr Sterbebeite treten wollte, lehnte ste dankend seinen Beistand ab:„Ich habe über die Religson zwanzig Jahre lang ernstlich nach⸗ ted acht und die Büsser, die sich darauf beziehen, aufmerksam gelesen. Es bleibt mir deshalb licht der geringste Zweifel übrig, und Sie können mir also nichts sagen, was mir nicht schon bekannt ist. Ich versichere Ihnen heilig, daß ich ruhig sterbe.“ Und zu einer ihrer Hof⸗ damen gewandt, fügte sie hinzu:„Beklagen Sie mich nicht, denn ich werde jetzt meiner Neugier genug thun über den Grund der Dinge, den mir Leibniz nie erklären konnte, und ich ver schaffe dem Könige den Aublick eines Leichen⸗ begängnisses, das ihm Gelegenheit geben wird, alle Pracht zu entfalten.“ Sie kannte ihren traurigen„Aesop“, und die tote Königin fügte dem armen Volk das Leid zu, daß die lebende ihm gern erspart hatte: ihr Leichenbegängnis lostete Unsummen. Die Mätresse als Schmuck der Krone. Zu dem Glanze der neuen Krone gehörte bach der Meinung des neuen Salomo in erster Reihe eine Mätresse. Der kleine schwächliche König war kein Sünder auf geschlechtlichem Gebiet, und als heiliger König aus dem Mor⸗ . bezähmte er gewiß auch sein etwaiges ischen Sinneslust. Aber da Ludwig XIV. feine Mätresse hatte, so mußte auch der König don Preußen eine haben. Er wählte sich dazu ein ganz schreckliches Weibsbild, eines Wein⸗ chenken Tochter und eines Kammerdieners Frau, ie dann der Oberkammerherr Graf Wartenberg heiratete, als Schanddeckel für die Staatsmätresse Obgleich der König nach der glaubwürdigen Versicherung der preußischen Historiker mit der Gräfin Wartenberg nur platonische Beziehungen gehabt hat, so beherrschte sie ihn dennoch voll⸗ ständig. Sie hatte bei Hofe den Rang vor allen unverheirateten oder nicht an regierende Fürsten verheirateten Prinzessinnen. Wo ihr der Vortritt bestritten wurde, erzwang sie ihn sich durch Faustkämpfe, wie sie deren einen mit der Frau des bolländischen Gesandten ausfocht. Die Königin Sophie Charlotte bändigte die rabiate Person in ihrer heiter-philosophischen Weise, indem sie nur französisch mit ihr sprach, was die Gräfin Wartenberg nicht verstand. Für die Entsagung, die ihr der König auf⸗ erlegte, entschädigte sich die Mätresse durch un⸗ zählige Buhlschaften mit den Hofleuten. Ihr Hauptgalan war der englische Gesandte, Lord Raby. Neben deu Millionen, die ihr Zuhälter von Ehemann unter ihrer Beihülfe erräuberte, trug sie für ihren Anteil einen Juwelenschatz im Werte von einer halben Million Thaler da⸗ von. Hiermit und mit den von ihrem soge⸗ nannten Gatten ererbten Millionen lebte sie später als Allexrweltsdirne in Paris. Von ihrem Lasterleben finden sich in den Bolefen der Herzogin Lise⸗Lotte von Orleans die erhebendsten Einzel⸗ heiten. So pflegte die Gräfin Wartenberg den⸗ jenigen ihrer Liebhaber, die sich in ihren Armen böse Krankheiten zugezogen hatten, bis 50000 Frank Schmerzensgeld zu zahlen. Diese groß⸗ mütige und mildthätige Verwendung ihrer der preußischen Bevölkerung abgezwackten Schätze sichert der Gräfin Wartenberg einen hervor— ragenden Ehrenplatz in der Geschichte der fürst⸗ lichen Kebse. Die drei Wehen. Da die Seele des preußischen Königtums zur Zeit Friedrichs I. der Hof war, so war der Oberkammerherr, Graf Kolb v. Wartenberg, zugleich allgewaltiger Premier minister. Zu seinen Gehilfen wählte er den Grafen Wittgenstein . als Leiter des Finanz⸗ und den Grafen War⸗ tensleben als Leiter des Kriegswesens. Das Volt naunte diese drei Grafen wegen ihrer maß⸗ und schamlosen Erpressungen die drei Wehen des Landes. Graf Wartenberg hatte sich von dem König das schriftliche Versprechen geben lassen, das ex niemals für öffentliche Unterschleife und Veruntreuungen, die unter seiner Verwal⸗ tung vorkämen, zur Rechenschaft gezogen werden dürfte. Dies Versprechen hielt der König, der es sonst mit seiner fürstlichen Parole durchaus nicht genau nahm, auch wirklich, als Graf Wartenberg nach dreizehnjähriger Raubwirtschaft in der ausgepowerten Bevölkerung nichts mehr zu plündern fand und sein Bankerott nicht mehr zu verhindern war. Der König entließ ihn vielmehr mit einer Jahrespension von 24000 Thalern, die nach dem Tode des Grafen auf die Gräfin Wartenberg übergehen sollten. Kunst und Wissenschaft. Es ist eine hinfällige Behauptung byzanti⸗ nischer Historiker, daß unter den sinnlosen Ver⸗ schwendungen Friedrichs I. wenigstens Kunst und Wissenschaft geblüht haben sollen. Aller⸗ dings befand sich unter den Hofkünstlern, die sür die Verherrlichung der Hoffeste zu sorgen hatten, ein genialer Baumeister und Bildhauer, Andreas Schlüter, aber er wurde sehr bald ein Opfer des höfischen Neids und mußte in dem barbarischen Rußland seine Zuflucht suchen. Wie mit der Kunst, so mit der Wissenschaft. Die Berliner Akademie war ein lächerliches Zerrbild der Pariser Akademie, und die Uni⸗ versität Halle entstand aus dynastischen Eifer⸗ süchteleien mit dem sächsischen Königshause; ihr Stiftungsfonds belief sich auf die enorme Summe von— 7000 Thalern. Der bekannte Gelehrte Pufendorf sollte zwar für ein, im dynastischen Interesse geschriebenes Geschichtswerk 10000 Thl. Honorar erhalten; schade nur, daß er sie nie gesehen het. Seine Wittwe verhungerte, wäh— rend der Hof seine prassenden Feste hielt. Daß außer der angeblichen Förderung von Kunst und Interessen der Bevölkerung geschehen sei, für Schule, Ackerbau, Handel, Industrie, Verkehr und so weiter, wagen selbst die byzantinischen Historiker nicht zu behaupten. (Fortsetzung folgt.) Der König von Preußen als Generallieutenant Gottes. Der alte Fritz der für sich selber ein großer Atheist und Frei⸗ geist war, hielt die Religion als Zuchtmittel gegen das Volk sehr hoch. An einen Freigeist der auch Atheist war, schrieb er einmal:„Er ist ein Narr oder Anarchist, und wenn er der⸗ gleichen Sachen unter das gemeine Volk ver⸗ breitet, so lasse ich ihn einsperren; der Teufel würde in die Leute fahren, wenn sie nicht mehr in die Kirche gingen. Wenn sie an einen Ober⸗ kaiser über Himmel und Erde nicht mehr glauben, ihm den Gehorsam aufkünden, vor der schwarzen Livree seiner Leibdiener, der Pfaffen, keinen Respekt mehr haben, werden sie mich dann aber für seinen Generallieutenant und Oberkomman⸗ danten, den er über Preußen gesetzt, ansehen, für mich schwitzen und sich totschießen lassen?“ Lesefrüchte. Ohne Freiheit geht das Leben bergab rück⸗ wärts, Freiheit ist das Element des Menschen wie das Wasser das des Fisches, und ein Mensch, der sich der Freiheit begiebt, vergiftet die edel⸗ sten Geister seines Blutes, erstickt seine süßesten Freuden des Lebens in der Blüte und ermordet sich selbst. 1 J. M. R. Lenz. 1 i Mit der Hälfte dessen, was heute in Europa die Kriegskosten betragen, ließe sich das Elend aufheben. Emile de Girardin. ** * Der Arbeiter, welcher als junger Mensch, statt sich politische Bildung anzueignen, nur dem alltäglichen Vergnügen in seiner Muße nacheilt, hat nicht das Recht, zu klagen, wenn er später als Familienvater und älterer Mann ein an Not und Entbehrung reiches Dasein zu ertragen bekommt. Humoristisches. Der unwissende Ministerpräsident. In ihrem Bericht über die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses vom Montag, wo die Kanalvorlage erörtert wurde, läßt die Frankfurter„Kleine Presse“ den Minister Thielen sagen: 5 Der Ministerpräsident habe bereits im allgemeinen Un wissen die Grundlagen, auf denen der vorliegende Kanalplan aufgebaut sei, in so beredten Worten dar⸗ geles e Das kann Herrn Thielen seine Stellung kosten. Am Ende redet er sich aber mit der Entschuldigung heraus, daß er von„allgemeinen Umrissen“ gesprochen habe! Auch ein Verhältnis. Leutnant(beim Schluß der Instruktionsstunde):„Also der Soldat ist gleichzeitig Beschützer der Krone und... Huber, passen Sie auf! In welchem Verhältnis stehen Sie zur Krone?“ Huber(der nicht aufgemerkt hat): Ich poussiere dort die Kellnerin, Herr Leutnaut!“ Litterarisches. Das eben erschienene Heft der sozialistischen Revue „Neue Zeit“(Stuttgart) enthält: Eine zwölftägige Debatte.— Die sozialistische Krise in Frankreich: Die Taktik Jaurès und der Radikalismus. Von Rosa Luxem⸗ burg.— Die gegenwärtige Finanzlage Rußlands. Von Parvus.— Die Elektrizität in der Landwirtschaft. Von K. Kautsky.— Feuilleton: Dem neuen Jahrtausend entgegen. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer. Preis pr. Heft 25 Pfg. Das Februarheft der„Sozialistischen Monats⸗ hefte“ ist soeben erschienen. Es enthält unter vielen anderen sozialpolitischen Artikeln: Carl Legtlen: Die Initiativanträge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. — Hngo Poetsch: Obligatorische Schiedsgerichte und Strikezwang.— Eduard Bernstein: Der südafrikanische Krieg und die Sozialdemokratie.— Paul Kampffmeyer: Von der Sippe zum Staate. Zur Geschichte der Uin⸗ wälzungen im Wesen des Staates.— Dr. Ludwig Wissenschaft unter der Regierung Friedrich I. Woltmann: Die wirtschaftlichen und politischen Grund⸗ je das Geringste für die geistigen oder materiellen lagen des Klassenkampfes ꝛc. Seite 8. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung Nr. 6. Das Möbel- Betten u. Ausstattungs⸗Geschaft H. C. Werner empfiehlt sein reichhaltiges Lager Bei nur prima Waare zu in meinem neu erbauten, Große Schreinerei, Polsler⸗ Jahrelange Garantie. Spezialität in kompletten Teppiche, meine Filial⸗ Niederlage Da ich beabsichtige, S 55 2 22 2 +⏑ — 5 SE 8 8 2 28 28 288 22 —— 2 S E 2 F S S W„ e 5 8— 2 . . 8— 3 2 75 15 2 * * 5 2 2 8 solange d. 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Entkräf! ung sind meist die Folge schlechter Verdaunng mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes ber Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gdemüthsverstimmung sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. e Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. 2 Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. 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