sen el gl. fel. Nr. 27. Gießen, Sonntag, den 7. Juli 1901. 8. Jahr g. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. ˖ Mitteldeuts che 1 155 8. 75 0 7 7. 1 0 0 N . 8 2 8 93e 4* N MNebaktion schluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnemeutspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch][ Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) ———— ô— Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die 2 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 29%% bei 6 mal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Der Krach. Ueber die kürzlich und früher erfolgten Bankkrachs in Berlin, Dresden und Leipzig und ihre Folgen schreibt man unserem Leipziger Parteiorgan: Der große Krach im Jahre 1873 unterscheidet sich von dem gegenwärtigen inso⸗ fern, als er durch den„Milliardensegen“, die von Frankreich nach Deutschland fließende, viertausend Millionen Mark betragende Kriegs⸗ entschädigung, beschleunigt wurde. Dieser Geld⸗ zufluß erregte die Spekulationswut in höchstem Maße, dem wüsten Treiben mußte der plötzliche und allgemeine Zusammenbruch folgen. Etwas vorsichtiger sind die Bankmagnaten und Indu⸗ strieritter seitdem wohl geworden. Ein großer Krach reißt zuweilen auch sicher geglaubte In⸗ stitute in den Strudel, darum die besorgten Maßnahmen Beteiligter, zu helfen, damit die Krise nicht zu plötzlich und zu viel hinabreiße. Vergeblich— es kracht! Und manches Opfer wird noch fallen! Die Angst davor verrät sich in den von der bürgerlichen Presse ausgehenden Warnungen vor übertriebenen Befürchtungen, vor Ueberstürzungen. Und dazu die Gerüchte von allen möglichen Hilfsaktionen! Die Panik kann freilich das Unglück ver⸗ größern, aber über die Wahrheit kommt man mit diesen Beschwichtigungsmittelchen nicht hinweg, die übrigens auch mit darauf berechnet sind, die Fäulnis der kapitalistischen Wirtschaft zu verdecken und die Inhaber fauler Papiere zu veranlassen, sich in stumpfer Verzweiflung rupfen zu lassen. Selbst durch diese Be⸗ . hindurch erkennt man die kapitalistischen Künste der Uebervor⸗ teilung und Ausbeutung, deren Trägerin die Unehrlichkeit ist. Wer aber zahlt die Kosten des Krachs? In erster Linie natürlich die direkt Beteiligten, die Inhaber der Wertpapiere speku⸗ lativer Unternehmungen. Darunter befindet sich eine große Anzahl kleiner Existenzen, die trotz aller Erfahrungen und Mahnungen ihre geringen Kapitalien zur Erzielung 1 Verzinsung in nicht einwandsfreien Effekten anlegten. Sie werden jetzt noch obendrein manchmal verfolgt von der Schadenfreude derer, die gar nichts besitzen und auf jeden Zinsgenuß verzichten müssen. Aber in diesem Falle ist die Schadenfreude nicht die reinste Freude. Die Wirkungen der Krise und des Krachs machen sich gerade den Nichtbesitzenden am fühlbarsten. Bank⸗ brüche ziehen Bankrotte produktiver Unterneh⸗ mungen nach sich, wie umgekehrt verfehlte In⸗ dustriespekulationen Bankbrüche veranlassen. Der Zusammenbruch industrieller Unter⸗ nehmungen setzt die Arbeiter auf die Straße. Ist schon durch die seit vorigen Herbst bemerkbare Stockung in der Warenpro⸗ duktion die Arbeitslosigkeit stark hervorgetreten, so wird ste durch den Krach, der in Sachsen zuerst ausbricht, erhöht. Weitere Beschränkungen der Produktion ist deren Folge— denn wo sollen die Waren Absatz finden, die von den Arbeitslosen nicht gekauft werden können? Und so wütet die Krise, sich selbst verschärfend, immer verheerender. Haben unter solchen Umständen besitzlose Leute Anlaß, schadenfroh zu lachen über Bank⸗ —— rott oder Bankbruch? Ihr eigenes Elend wird durch derartige Katastrophen besiegelt. Gewiß — Schmach über betrügerische Spekulanten und Bankrotteure! Aber das System ist es, das solche Auswüchse hervorbringen muß. Die Uebervorteilung, die Gewinn⸗ macherei zum System erhoben, muß in der Gesellschaft, die sich darauf stützt, moralische Verwirrung und Abstumpfung erzeugen. Dieser Defekt ist der bürgerlich⸗kapftalistischen Gesell⸗ schaft eigen. Wer achtet wohl darauf, so lange nicht Excesse dies besonders in die Augen sprin⸗ gend beweisen? Dann, ja dann, wenn ein größeres Unheil entsteht, macht sich wohl der Unwille über die Schandwirtschaft Luft, aber er wütet in der Regel nur gegen die Missethäter, die gar zu gewagte Ritte ins Gebiet der kapi⸗ talistischen Spekulation machten und durch ihre Manipulationen eine Anzahl Existenzen dem Ruin preisgeben. Daß die Hauptschuld dem System zuzuschreiben ist, das es gestattet, auf Kosten seiner Mitmenschen sich mühe⸗ los zu bereichern, daran denken im Zorn die wenigsten. Gerade die Krise mit all ihren Folgen muß uns jedoch die Schädlichkeit der jetzt betriebenen Wirtschaftsweise lehren. Und der Erxkenntnis muß der Wille zur Beseitigung des Scha⸗ dens und der immer drohenden Gefahr folgen, soll die Menschheit nicht— wie es allerdings die Verteidiger der kapitalistischen Wirtschaft wollen— in blöder Ergebenheit all den Jammer dauernd über sich ergehen lassen, der das Leben der werkthätigen Klassen begleitet. ** — 5 Possierlich anzusehen ist angesichts dieser Vorgänge das Verhalten der patentierten Mit⸗ telstandsretter und ihrer Presse. Ja, wenn die Leiter der verkrachten Banken Juden ge⸗ wesen wären, welch' eine schöne Gelegenheit eine lustige Hatz zu inszenteren! So aber waren die Bankräuber biedere Deutsche und fromme Christen; deshalb begnügt sich das Offenbacher Antisemitenblatt damit, den„Giftbaum der Börse“ für diese Krankheitserscheinungen am wirtschaftlichen Körper verantwortlich zu machen. Das ist natürlich thöricht. Die Börse ist ein notwendiger Bestandteil des kapitalistischen Systems, der heutigen„Ordnung“, die zu schützen und zu verewigen ja auch die antisemi⸗ tischen Mittelstandspolitiker für ihre vornehmste Aufgabe halten. Dann verrät das erwähnte Blatt auch wenig Mitgefühl mit den Geschädigten, wenn es schreibt: „es muß noch besser kommen. Wir sind nach wie vor der Meinung, daß nur ein ganz gründlicher Krach, so bedauerlich er sonst ist, unser irregeleitetes Volk wieder auf den rechten Weg zurückführen kann.“ Vorher hat es aber selbst erklärt, daß die Ge⸗ rupften sich vorwiegend aus den Kreisen des Mittelstandes rekrutieren, was Thatsache ist und auch aus obigen Ausführungen unseres Leipziger Parteiorgans hervorgeht. Zu wün⸗ schen, daß der Krach noch mehr um stch greife, also noch mehr kleine Existenzen dem Großkapital geopfert würden, das ist doch höchst unchristlich und zeugt von wenig Solidarität des Antisemitenblattes gegenüber seinen Parteigenossen.— Sehr einverstanden sind wir jedoch mit der„Volkswacht“, wenn sie angesichts des Umstandes, daß im Aufsichts⸗ rate der Kasseler Trebertrocknungsgesellschaft, — jene verdächtige Firma, die den Zusam⸗ menbruch der Leipziger Bank verschuldet—, sich 3 Rittergutsbesitzer befinden, den Bauern⸗ stand warnt, sich der Führung der Großgrund⸗ besitzer nicht zu sehr anzuvertrauen. Sie sollte diese Warnung auch bei der Agitation für die Getreidezölle ergehen lassen, wo die für den Brotwucher eintretenden Kleinbauern auch nur die Geschäfte der Großen besorgen. Politische Rundschau. Gießen, den 4. Juli. Herr Köhler, der Revolutionär. Der Abgeorduete für Gießen, Bürgermeister Köhler⸗-Langsdorf hat beim Hess. Landtage ein Anfrage eingebracht, wegen der gerade in die Ernte fallenden Landwehrübungen. In der Begründung sagt Herr Köhler: So werden denn jetzt, mitten drin in der Getreideernte, am 18. Juli bis 2. August, im Großherzogtum die Land wehr⸗ männer des ältesten Jahrgangs zur Uebung eingezogen sein. Kein anderer tritt derweilen daheim an ihre Stelle, denn wer möchte zu heutiger Zeit, da der Zude Ballin noch immer nicht an seiner richtigen Stelle steht, noch Bauernarbeit thun? So mag denn ruhig das Getreide der Landwehrmänner daheim verfaulen, denn Parademarsch⸗ und Honneurs⸗ Uebengeht solch einer untergeordneten u.stören⸗ den Sache, als es eine Getreideernte im Handels⸗ staate Ballins des Juden ist, entschieden vor und wurde die Ehefrau des Landwehrmannes für die verlorene Ernte nicht doch auch reichlich entschädigt?— Man frage nur die zuständigen, von unseren hochgelehrten sozialpolitischen Professoren herangebildeten Behörden!— O Ja! Denn sie erhält ja nicht nur einen Steuer⸗ nachlaß, sondern sogar noch den ortsüblichen Tagelohn! Ist das nicht genügend für eine verlorene Ernte?—— Doch genug! Die Belästigungen des Bauernstand es nehmen auch noch einmal ein Ende, aber kein gutes. Wenn endlich das Maß voll ist, dann läuft's über. Und diese Zeit ist gar nicht mehr so weit, als sich die Herren in Berlin denken mögen: trotz aller großen Sprüche, trotz Bajonetten, Pulver, Kartätschen und Säbel!— Es ist heute die schwerste Verpflichtung der einzelnen Bundes⸗ Regierungen geworden, mit klarem Blick die Dinge, wie sie gegenwärtig im Reiche wirr durcheinander kreuzen, genau zu durchschauen und ihrem irrsinnigen Treiben gemein⸗ schaftlich mit fester und zielbewußter Hand ein Ende zu machen, ehe es gänzlich zu spät geworden ist.— Ein Stück von diesem Treiben ist der Militarismus, der in keinerlei Weise Rücksicht auf die Leistungs⸗ fähigkeit und die Interessen des Volkes nimmt. Ein Beispiel hierzu bieten wieder die diesjährigen Landwehrübungen. Es ist recht erfreulich, daß Herr Köhler endlich die Gemeinschädlichkeit des Militarismus Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 27. 5 einsteht. Zu dessen wirksamer Bekämpfung gehört aber mehrals lächerliche Revolutionsdrohungen. Uebrigens haben die Herren Antisemiteriche kein Recht, sich zu beschweren, nachdem sie selbst jede Heeresvermehrung eifrig befürwortet, bewilligt und so den Militarimus mit groß gepäppelt haben. Der Leipziger Bankkrach hat selbstverständlich weit über die sächsischen Landesgrenzen hinaus die größte Aufregung hervorgerufen. Der schon vorige Woche erfolgten Verhaftung des ersten Direktors Exner ist bald darauf die des zweiten, des Rechtsanwalts Dr. Gentsch gefolgt. Leider hat sich aber die Anfangs der Woche gemeldete Beschlagnahme des Vermögens der Aufsichtsratsmit⸗ glieder als unrichtig herausgestellt. Die Kasseler Trebertrocknungs⸗Gesellschaft, die durch ihre unglaublich leichtfertigen Schwin⸗ delgeschäste den Zusammensturz ihrer Haupt⸗ kreditgeberin, der Leipziger Bank, verschuldet hat, ist vollkommen bankrott. Die Leipziger Bank hatte der Gesellschaft nicht weniger als 80 Millionen Mark kreditiert. Ihre Direktoren haben sich auch persönlich an den Spekulationen mit Treber⸗Aktien beteiligt. Die Leipziger und sächsische Geschäftswelt ist durch den Zusammen⸗ bruch der großen Kreditanstalt stark in Mit⸗ leidenschaft gezogen. Der erste panikartige Schreck, der in Leipzig und Dresden zu einem Sturm der Depositeninhaber an die Kassen auch der übrigen Bankinstitute geführt hatte, hat sich zwar beruhigt, nachdem die Dresdener und andere große Banken ohne Schwierigkeit viele Millionen der bei ihnen deponierten Gelder auszahlten. Eine andere Frage ist aber, ob nicht eine Anzahl von Fabrik⸗ und Handels⸗ firmen, die mit der Leipziger Bank in Kredit⸗ verkehr standen, infolge der plötzlichen gericht⸗ lichen Schließung des Instituts in so schlimme Geldschwierigkeiten geraten, daß sie auch ihrer⸗ seits kapitulieren müssen. So wird bereits der Konkurs einer Tuchfabrik in Böhringen be⸗ richtet, der infolge des Leipziger Krachs ange⸗ meldet werden mußte. Diese Fabrik beschäftigte mehrere hundert Arbeiter.— Auch den Frommen im Lande bringt der Krach Verluste. Der Gustav⸗Adolf⸗Verein soll sein ganzes Baarvermögen verloren haben; auch das Leipziger Diakonissenhaus sei schwer in Mit⸗ leidenschaft gezogen. Wenn auch Zusammen⸗ brüche wie diejenige der Leipziger Bank, der Dresdener Elektrizitätsgesellschaft, der Spiel⸗ hagenbanken u. a. sich in erster Linie aus einer durch und durch unsoliden, zum Teil direkt betrügerischen Geschäftsführung erklären, so sind dieselben doch auch als Zeichen und Grad— messer der derzeitigen Wirtschaftskrise zu be⸗ trachten. Es liegt auf der Hand, daß bei einer Stockung des Warenabsatzes und der da⸗ durch bedingten Erschwerung der Geldzirkulation zunächst die innerlich faulen, auf Spekulation und Schwindel aufgebauten Unternehmungen zusammenbrechen müssen. Das Schlimme dabei ist, daß dadurch auch solidere Geschäfte in den Abgrund gerissen werden. In letzter Instanz trägt dann die Arbeiterschaft in Gestalt von Arbeitslosigkeit und Lohnherab⸗ setzung den Schaden. Das eigene Aktien⸗ kapital der Leipziger Bank belief sich auf 48 Millionen Mark. Das ist jetzt wahrscheinlich gänzlich verloren. Es ist der größte Konkurs, den Deutschland bisher erlebt hat. Die diri— gierenden Millionäre, die das Institut durch die gewissenlose Hineinziehung in die Treber⸗ spekulationen zu Fall gebracht haben, werden jetzt in enger Gefängniszelle über die Wandel— barkeit des irdischen Glückes nachdenken können. Den neuen Zolltarif umgiebt noch immer geheimnißvolles Dunkel. Es verlautet nur, daß die Begründung dazu, die mit dem Gesetzentwurfe dem Bundesrat zugegangen ist, einen Band von nicht weniger als 500 Druckseiten umfasse, dazu kommt noch ein Band mit statistschen Angaben. Um so notwendiger ist die baldige Veröffentlichung des Materials. Denn worauf die Regierung sich jahrelang vorbereitet hat, wofür die verbündeten Regierungen mehrere Monate Zeit behufs ründlichen Studiums haben sollen, das können die Reichstagsabgeordneten nicht in wenigen Wochen so gründlich kennen lernen, um darüber urteilen und beschließen zu können; besonders auch deshalb nicht, weil die Reichstagsabge⸗ ordneten die Pflicht haben, sich mit ihren Wählern vorher über die Zolltariffrage auf Grund der amtlichen Thatsachen in Verbin⸗ dung zu setzen. Einfluß der Zölle auf die Lebensmittel⸗ preise. Verschiedene kluge Leute versuchen dem Volke weis zu machen, die Zölle hätten gar keinen Einfluß auf die Preise der Lebensmittel, letztere würden nicht billiger, wenn die Zölle aufge⸗ hoben würden. Das ist natürlich Unsinn, wie in unserer Presse schon oft genug nachgewiesen worden ist. Einen gleichen Nachweis liefert auch der Bericht der Handelskammer in Ruhrort, aus dem die„Rhein.⸗Westf.⸗Arbeiterztg.“ fol⸗ gende Stelle über die Lebensmittelpreise in Holland mitteilt:„Die Verschiedenheit in den gesamten Wirtschaftsverhältnissen, außerdem aber das Fehlen von Zöllen auf wichtige Lebensmittel in Holland, gestalten das häusliche Leben dort um ein nicht Unerhebliches billiger als bei uns, zumal im rheinisch⸗ westfälischen Industriebezirk. Nachstehend eine vergleichende Zusammeustellung der gewöhnlichen Ausgaben eines bescheidenen Hausstandes von sechs Köpfen in Gelderland(Arnheimer Gegend) und im Ruhrbezirk: Holland Deutsch⸗ land 3 Pfd. Rind⸗ u. Kalbfleisch mit Knochen M. 1,35 M. 2,10 4„ Speck, Schweinefleisch und Wurst„ 1,80„ 2,80 1„ Schmalz„%% 960 3„ Mehl, Reis, Gerste u. dergleichen„ 0,42„ 0,51 4„ Hülsenfrüchte)) f,, Für 5 Tage Gemüse und Salat.„ 0,75„ 1,50 35 Pfd. Kartoffeln„ o e Essig, Oel, Senf, Zwiebel usw.„ 0,40„ 0,40 14 Liter Milch„%%% fd egenbhk 15„ V Weißbrot,, e e 2 Butter e Käse, Eier, Heringe usw. e,, % d err, oe 1„Kaffee(oder entsprechend Thee)„ 0,65„ 1,10 3 Liter Pele Selfe, Sods dd 2 Zentner Kohlen nebst Holz„ 2,40„ 2,20 M. 19,33 M. 25,79 Hierzu 1 Pfd. Tabak mittlerer Qualität„ 0,50„ 1,.— 7 Liter Braunbier„ 140 M. 21,01 M. 28,19 Es spielt keine Rolle, daß kein Arbeiter⸗ haushalt im Stande ist, so viel für's Leben pro Woche aufzuwenden; worauf es ankommt, ist der gewaltige Preisunterschied von über 33 pzt., den die Rechnung aufweist. Und dabei geht man in Deutschland mit dem Plane um, dem Volke das Brot noch mehr zu verteuern. Gegen den Brotwucher regt sich in den dunkelsten Zentrums winkeln der Widerstand. So beschloß eine in Lingen, einem Orte des ehemals Windthorst'schen Wahl⸗ kreises Meppen, abgehaltene Versammlung einstimmig folgende Resolution an die Stadt⸗ verwaltung: „Die von nationalsozialer Seite am 26. Juni bei Nawe einberufene, von den Wählern verschiedener Par⸗ teien besuchte öffentliche Versammlung ersucht das Bürger⸗ vorsteherkollegium, bei dem Reichstage gegen jede Erhöhung der Getreidezölle zu petitionieren, weil diese Erhöhung die Einwohner der Stadt Lingen schwer bel asten und den fast ausschließlich auf die Viehzucht angewiesenen Bewohnern des Landkreises nichts nützen würde.“ Man sieht, daß die eifrigen Bemühungen der Zentrumskapläne, ihrer Anhängerschaft die Nützlichkeit der Getreidezollerhöhung einzureden, nicht überall von Erfolg begleitet sind. Abgesägte Ossiziere. Nach der„Berl. Volksztg.“ wurden seit dem 15. Mai ds. Is. wiederum 105 Offiziere aller Grade pensioniert, was auf das Jahr berechnet 480000 Mk. Kosten verursacht. Im ersten Halbjahr des Jahres 1901 sind nicht weniger als 351 Verabschiedungen von Offizieren mit Pension zu verzeichnen. Das heißt also, daß die Zahl der meist gesunden, kräftigen und arbeitsfähigen Leute, die aber auf Kosten des Volkes erhalten werden, sich wieder um 351 vermehrt hat. Der Mord in der Kaserne. Noch immer beschäftigt der gegen die an⸗ geblichen Mörder des Rittmeisters Krosigk vor dem Kriegsgericht in Gumbinnen geführte Prozeß die Oeffentlichkeit. Bekanntlich hatte man den freigesprochenen Sergeanten Hickel in Haft behalten, nachdem der Gerichtsherr, Generalleutnant v. Alten, gegen das freisprech⸗ ende Urteil Berufung eingelegt hatte. Diese Maßnahme widerspricht den klaren Bestemmungen der Militärstrafgerichtsordnung. Auf den Ein⸗ spruch der Verteidigung Hickels wurde die Un⸗ tersuchungshaft des Hickel damit motiviert, daß neue Verdachtsgründe gegen ihn vorlägen. Jetzt wird aber berichtet, daß die Begründung der Berufung keine Silbe über neue Verdachts⸗ gründe oder Beweismittel enthalte. Der Ver⸗ teidiger Rechtsanwalt Horn hat nunmehr, da alle Instanzen erschöpft sind, Strafantrag wegen Freiheitsberaubung gegen die beiden Generale eingereicht.— In der nächsten Reichstagstagung wird schon das Nötige über das Verhalten des Gerichtsherrn in Verbindung mit den sonstigen Eigentümlichkeiten des Krosigk⸗ Prozesses gesagt werden. Das Gesetz betreffend die Gewerbe⸗ Gerichte ist in seiner neuen, vom Reichstage beschlossenen Fassung nun auch vom Bundesrate angenom⸗ men worden. Es enthält einige Verbesserungen, die auch im Interesse der Arbeiterschaft liegen, weshalb denn auch die Scharfmacherpresse den Bundesrat zur Ablehnung der Novelle zu be⸗ wegen suchte. Dabei stehen aber die Reformen, die sie bringt, noch weit zurück hinter den An⸗ sprüchen, die die Arbeiterschaft unter den heutigen Verhältnissen zu stellen berechtigt ist und die von der sozialdemokratischen Fraktion des Reichs⸗ tags befürwortet wurden. An der kleinlichen Kompromißsucht des Zentrums scheiterte die gründliche Reform. Es ist daher wahrlich kein besonderes sozialpolitisches Verdienst, daß die Regierungen sich dem dreisten Widerspruch des Zentralverbandes der Industriellen nicht ergaben, der selbst die winzigen Verbesserungen der durch die Mehrheit des Reichstags beschlosse⸗ nen Novelle zu verhindern bemüht war. Zum chinesischen Kouflikt wird berichtet, daß sich die Kaiserin absolut weigere, sowohl selbst nach Peking zurückzu⸗ kehren, als den Kaiser dorthin zurückkehren zu lassen, und daß sie beabsichtige, eine neue Haupt⸗ stadt in Kaifongfu in Honan zu errichten. Der Grund ihres Entschlusses soll sein, daß sie glaube, man wolle ihr in Peking nur eine Falle stellen. Der„Sühneprinz“, Tschun, kommt am 18. Juli in Schanghai an und wird am 20. Juli am Bord des Dampfers„Bayern“ die Reise nach Deutschland antreten. Sozialdemokratischer Wahlsieg in Holland. Vorige Woche haben die Stichwahlen in Holland stattgefunden, die für unsere Ge⸗ nossen recht erfreuliche Ergebnisse lieferten. Wie wir in der vorletzten Nummer mitteilten, war in der Hauptwahl keiner unserer Genossen gewählt worden, wohl aber gelangten zehn in die Stichwahl. Von diesen gingen sieben siegreich aus der Wahlurne hervor. In zwei Wahlkreisen muß eine Nachwahl stattfinden, weil zwei Genossen doppelt gewählt sind.— Die neue Kammer setzt sich folgendermaßen zusammen: 27 Liberale, 25 Katholiken, 30 Pro⸗ testanten, 7 Sozialdemokraten, 8 Demo⸗ kraten und 3 historisch Christen“. Der linken Seite des Hauses gehören 42, der rechten 58 Mitglieder an. Die Liberalen unterlagen; ste verloren 13 Sitze, infolgedessen muß das liberale dit Hat Ut mi senen enom⸗ ungen, liegen, se den zu be⸗ men, u An⸗ utigen id die leichs⸗ lichen cte die ahrlich „ daß spruc nicht Angen hlosse⸗ bsolut rüctzu⸗ ren zu Haubl⸗ ichtel. aß sie ö Fall mt an „ Jul Reise Nr. 27. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. Ministerium zurücktreten, an seine Stelle wird — was eine Verschlechterung bedeutet— ein klerikales kommen. Unsere Genossen gewannen 3 Sitze. Bravo! Sozialdemokratischer Wahlsieg in Wien. Bei der Landtags ersatzwahl im Wiener Stadtbezirk Favoriten, welche zum ersten Male auf Grund des erweiterten Wahlrechts voll⸗ zogen wurde, ist unser Parteigenosse Viktor Adler mit 4355 Stimmen gegen den Christ⸗ lich⸗Sozialen Rissawey, der 4121 Stimmen erhielt, gewählt worden, wodurch die Christlich⸗ Sozialen dieses Landtagsmandat verlieren.— Endlich gelangt auch das früher von den antisemitisch⸗christlich⸗sozialen Schwindlern arg verhetzte Wiener Volk zur Einsicht! Recht vernünftige Ansichten vertrat der französische Kriegsminister André in einer Rede, die er am Sonntag auf einem Festmahle der radikalen Republikaner hielt. André betonte in seiner Ansprache die Unter⸗ ordnung der Militärs unter die Zivilver⸗ waltung; es sei Pflicht des Heeres, die republikanischen Einrichtungen zu schützen, und es werde sich dieser Verpflichtung nicht entziehen. Hoffentlich läßt es der Minister nicht blos beim Reden bewenden, sondern sorgt dafür, daß diese Ansichten verwirklicht werden. In Deutschland allerdings, wo umgekehrt das Zivil dem Militär unterordnet wird, dürfte die Rede Andrés ge⸗ wissen Leuten die Haare zu Berge steigen lassen. In der italienischen Kammer kam es am Samstag zu einem heftigen Zu⸗ sammenstoße zwischen unseren Genossen und dem Kriegsminister. Bissolati(Soz.) be⸗ fragte den Minister über den Angriff der Truppen auf die Streikenden in der Provinz Ferrara. Giolotti, der Minister des Innern, bedauerte die Thatsache, betonte jedoch, es liege nichts Ungesetzliches vor. Der betreffende Offizier habe nur seine Pflicht gethan. Die Zahl der Opfer gab der Minister auf 35 Ver⸗ wundete und 2 Tote an. Bissolati entgeg⸗ nete anfangs gemäßigt, schlietlich machte er dem an dem Konflikt beteiligten Offizier, den Vor⸗ wurf er sagte, derselbe sei betrunken gewesen. Der Kriegs minister sprang erregt auf und machte ihm heftige Vorwürfe. Bissolatt verlangte, daß der Kriegsminister seine Worte zurücknehmen solle. Ferri(Soz.) rief mehrere Male dem Kriegsminister die stärksten Schimpfworte zu, worauf ein unbeschreiblicher Tumult entstand. Die Sitzung wurde suspendiert. Nach zehn Minuten hielt der Präsident eine milde Straf⸗ predigt, worauf der Kriegsminister seine Aeuße⸗ rung modifizierte und Bissolati ebenfalls seine Angriffe einschränkte. Später schickte der Kriegsminister dem Genossen Ferri seine Zeugen, doch ist es nicht zum Duell gekommen. r 5 Krieg in Südafrika. Eine neue Friedensaktion. Neuer⸗ dings sollen Unterhandlungen im Gange sein, nach welchen die Buren eventuell eine Suzerä⸗ nität Englands in auswärtigen Angelegenheiten anzuerkennen bereit wären. Man erwarte binnen wenigen Wochen eine neue Friedensgesandtschaft mit ausgedehnten Vollmachten. Am engli⸗ schen Hofe solle eine Strömung bestehen, die auf schleunigen Friedensschluß dränge, der der König Eduard selbst herzlich zugethan sein soll. Daß nach den vielen Niederlagen, die die Engländer in letzter Zeit erlitten, das Friedens⸗ bedürfnis ein ziemlich großes ist, klingt gar nicht so unwahrscheinlich. Weitere Nachrichten von Bedeutung sind in dieser Woche nicht eingelaufen. Verschiedene Anzeigen deuten aber darauf hin, daß die Buren immer noch im Vordringen begriffen sind, sogar einen großen Teil der Kapkolonie besetzt halten. Rechtssprechung. Tellersammlungen in Lokalen sind keine öffentlichen Kollekten. In Preußen sind vielfach Personen, die in Versammlungen oder bei sonstigen Gelegenheiten sogenannte Tellersammlungen dveranstalteten, wegen unerlaubter Vornahme einer„öffentlichen Kol⸗ lekte“, zu der die Genehmigung des Oberpräst⸗ denten notwendig ist, auf Grund von Regie⸗ n e e n den bestraft worden. Das Kammergericht als Revistonsinstanz hat nun⸗ mehr in seiner Entscheidung vom 20. Mat in der Strafsache gegen den Genossen Vetters in Gießen solche Tellersammlungen als nicht unter den Begriff„Kollekte“ fallend erklärt. Die ausführliche Begründung des Urteils liegt uns jetzt vor und da die Möglichkeit vorliegt, daß bei ähnlichen Fällen eifrige Unterbehörden wiederum Strafmandate verhängen werden, teilen 1 0 im Folgenden das Wesentlichste dar⸗ aus mit.— Wie bekannt, hatte Genosse Vetters am Schlusse einer öffentlichen Volksversammlung in Gleiberg einen Teller aufstellen lassen, in dem ein großer Teil der Anwesenden Geld⸗ beträge niederlegten. Daraufhin erhielt er vom Bürgermeister in Gleiberg eine auf 6 Mk. lautende Strafverfügung, die das Schöffenge⸗ richt in Wetzlar bestätigte. Die Strafkammer in Wetzlar als Berufungsinstanz sprach jedoch den Angeklagten frei, welches Urteil der Staats⸗ anwalt mit dem Rechtsmittel der Revision an⸗ focht. Diese wurde zurückgewiesen. In den Gründen heißt es u. a.: Angeklagter soll gegen die Verordnung der Kgl. Re⸗ gierung zu Koblenz vom 11. 5. 1866 verstoßen haben, welche lautet: § 1.„Wer ohne Genehmigung der zuständigen Staats⸗ behörde eine öffentliche Kollekte veranstaltet, wird mit Geldbuße von 1— 10 rx oder verhältnismäßiger Gefäng⸗ nisstrafe belegt.“ In der Handlungsweise des Angeklagten kann aber die Veranstaltung einer Kollekte im Sinne des§ 1 der Verordnung nicht gefunden werden. Denn, wie das Kammergericht bereits wiederholt entschieden hat, gehört zur Kollekte begrifflich ein Ein sammeln. Dieses ist mehr als ein bloßes„Sammeln“ und setzt eine Ein⸗ wirkung von Person zu Person durch Angehen der Geber voraus; es muß eine unmittelbare körperliche Thätigkeit entfaltet werden, um den Einzelnen zur Hin⸗ gabe eines Geldbetrages zu veranlassen. Dieses persön⸗ liche Angehen und der dadurch auf den Andern ausge⸗ übte Druck unterscheidet das Kollektieren oder Einsammeln von den vielen andern Formen des Sammelns, von dem Aufstellen von Tellern oder Büchsen, von den öffentlichen Aufforderungen in einer Zei⸗ tung zur Leistung von Gaben mit Bezeichnung eines bestimmten Empfängers, Im vorliegenden Falle hat ein persönliches Angehen der Geber durch den Ange⸗ klagten nicht stattgefunden, schon hierdurch ist die An⸗ wendung des§ 1 der Verordnung ausgeschlossen. Der Angeklagte würde aber auf Grund des§ 1 auch dann nicht bestraft werden können, wenn er mit dem Teller in der Versammlung herumgegangen wäre und die Geldbeträge von den einzelnen Teilneh⸗ mern eingezogen hätte. Allerdings hat das Reichsgericht in seinem Urteil vom 4. Dezember 1890(Entsch. Bd. 21 S. 192 ff.) und das Kammergericht in mehreren Urteilen, so na⸗ mentlich in denjenigen vom 24. März und 14. April 1892 angenommen, daß auch Sammlungen in öffent⸗ lichen Versammlungen, insbesondere die sogenannten Tellersammlungen, als Kollekten im Sinne des§ 11 Nr. 4 der Instruktion für die Oberpräsidenten vom 31. Dezember 1825 auzusehen seien. Bei näherer Prü⸗ fung konnte diese Ansicht jedoch nicht aufrecht er⸗ halten werden. Sie widerspricht zunächst dem Begriff der Kollekte, wie er sich für das preußische Recht aus den Bestim⸗ mungen des Landrechts und der Instruktion für die Oberpräsidenten ergiebt. Denn das Landrecht hat, ab⸗ gesehen von Kirchenkollekten, unter Kollekten nie etwas Anderes verstanden, als die sogenannten Hauskollek⸗ ten, das heißt eine von Haus zu Haus regelmäßig unter Vorlegung einer Liste oder eines Sammelbuchs veranstaltete Einsammlung von Gaben zu einem wirklich oder angeblich wohlthätigen oder gemeinnützigen Zweck. Andere Sammlungen als Hauskollekten sind in Preußen gesetzlich niemals von einer Genehmigung abhängig gemacht worden. Auch§ 26 II, 19 A. L. R. spricht nur von den„unter Erlaubnis des Staates be⸗ sonders zu veranstaltenden Haus⸗ und Kirchenkollekten.“ Daß Sammlungen in öffentlichen Versammlungen nicht als Kollekten anzusehen sind, ergiebt auch der Sprachgebrauch, der dieses Wort nie auf solche Samm⸗ lungen, sondern nur auf Haus⸗ und Kirchenkollekten anwendet. Es liegt endlich auch in der Natur der Sache, daß die Instruktion von 1825 nicht beabsichtigt haben kann, jede Tellersammlung in irgend einem Lokal, etwa zu Gunsten eines dort auftretenden Artisten, jedes gelegent⸗ lich zu Gunsten von Notleidenden in einer Versammlung veranstaltete Aufbringen von Geldern der Genehmigung des Oberpräsidenten zu unterwerfen, § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Lohnanspruch für die Zeit einer militärischen Uebung erhob vor dem Gewerbegericht in Offenbach ein Fensteranschläger gegen seinen Arbeitgeber. Das Gericht erachtete die Forde⸗ rung des Arbeiters für berechtigt und sprach ihm Mk. 58.50 zu, wovon die als Soldat er⸗ haltene Löhnung in Abzug kommt. Weiter wird mitgeteilt, daß die verurteilte Firma den Arbeiter wegen dieses Prozesses kündigte. Aus dem Berichte der hessischen Gewerbeinspektion. III. (Siehe Nr. 23 u. 25 d. M. S.⸗Ztg.) Bei dem Kapitel„Jugendliche Ar⸗ beiter“ wird noch über Verstöße berichtet, die in Ziegeleien vorkamen. Vielfach wurden auch jugendliche Arbeiter in Steinbrüchen länger als 11 Stunden beschäftigt. Drei Akkordanten einer Feldziegelei hatten 5 Knaben und 1 Mädchen, sämmtlich zwischen 14 und 16 Jahren, täglich bis zu 16 Stunden in Arbeit behalten, und zwar in der Zeit von 3½ Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. Dabei hatte die Mittagspause kaum 20 Minuten ge⸗ währt. Sie wurden zu Strafen von je 10 Mk. und in die Kosten verurteilt. Wie man viel⸗ fach versteht, die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen für jugendliche Arbeiter zu umgehen, beweisen die Feststellungen, daß in einen Be⸗ triebe diese jugendliche Arbeiter während ihren Pausen zum Essen holen benutzt wurden, in einem anderen Betriebe mußten jugendliche Arbeiterinnen während der Pausen Essen holen und Packete austragen. Diese„Erholungs⸗Be⸗ schäftigungen“ wurden verboten. Das sind die von Aufsichtsorganen ermittelten Fälle, was unermittelt geblieben ist, konnte natürlich in dem Bericht keine Aufnahme finden. Ueber Lehrlingszüchterei berichtet der Gießener Beamte. In 17 Betrieben für Metall verarbeitung sind bei 104 ausgelernten Arbeitern nicht weniger als 94 Lehrlinge vor⸗ handen; es kommen also auf 100 Lehrlinge nur 112 Arbeiter, der Bericht fügt hinzu, in einigen Geschäften sei das Verhältnis noch viel ungünstiger. Allein die Gießener Eisenbahn⸗ Reparaturwerkstätte beschäftigt 17 Lehrlinge. Erwachsene Arbeiterinnen werden im Großherzogtum in 888 Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen beschäftigt. Dieselben verteilen sich auf die einzelnen Inspektions⸗ bezirke wie folgt: Darmstadt 232 Anlagen, Offenbach 284, Gießen 168 und Mainz 204. Die Gesammtzahl der erwachsenen Arbeiterinnen ist 13,427= 15,7 Prozent aller Arbeiter. Es kommen hiervon auf den Bezirk Darmstadt 3192, Offenbach 4114, Gießen 2596 und Mainz 3525 Arbeiterinnen. Unter den 13,427 Arbeiterinnen waren 3676 verheiratet, von denen 648 verwittwet und 21 geschieden waren, 102 Frauen lebten von ihren Männern getrennt. Nur in Ziegeleien ist die Veschäftigung von Arbeiterinnen zurückgegangen. In Betrieben dieser Art sollten Frauen überhaupt nicht be⸗ schäftigt werden. g Eine bemerkenswerte Thatsache der Wer⸗ drängung männlicher Arbeitskraft durch weibliche ist in der Zigarren industrie des Inspektionsbezirkes Gießen zu ver zeichnen. Im Jahre 1888 zählte man im Bezirk 30 Fabriken mit 556 Arbeitern und 1241 Ar⸗ beiterinnen, im Jahre 1900 betrug die Zahl der Fabriken 65, die der Arbeiter 554, hatte sich somit um 2 verringert, dagegen stieg die Zahl der Arbeiterinnen mit der Vermehrung der Fabriken auf 1822. Einige Fraue n, deren Zahl zwischen 60 und 140 schwan kt, werden zu Hause mit Zigarrenrollen und Wickelma chen beschäftigt, sie erhalten für diese Arbeiten 4 Pfg. pro 100 Stück weniger, als für gleiche Arbeiten in der Fabrik be⸗ zahlt wird. Es haben somit die Fabriken Seite 4. Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. d urch die Heimarbeit nicht nur eine Lohn⸗ ersparnis, sondern auch Ersparnis an Betriebs⸗ räumen, Licht und Heizung, wie der Bericht zugiebt. Zuwiderhandlungen gegen Schutzbestimmungen und Verordnungen betr. Beschäftigung von Arbeiterinnen wurden von den Beamten in 80 Anlagen ermittelt, welche 120 Einzelfälle betrafen. Acht Personen ge⸗ langten deshalb zur Bestrafung. Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Hessische Haudwerkskammer. Vorigen Dienstag fand in Darmstadt die vierte Plenarsitzung der hess. Handwerks⸗ kammer unter Vorsitz des Herrn J. Falk⸗Mainz und in Gemeinschaft mit dem Gesellenausschusse statt. Trotz der schönen Ansprache, die der Vorsitzende bei Beginn der Verhandlungen an die Versammelten richtete, in welcher er die Interessengemeinschaft der Unternehmer und Arbeiter betonte, zeigen verschiedene durch die Majorität der Arbeitgeber gefaßte Beschlüsse große Rückständigkeit.— Zur Gesellenprüfungs⸗ ordnung hatte der Gesellenausschuß mehrere Anträge gestellt, die fast alle abgelehnt wurden. So verlangt§ 15, daß ein Lehrling für seine Prüfung 3 Mk. entrichten soll, welchen Betrag der Gesellenausschuß gestrichen wissen wollte. Sämmtliche Arbeitgeber, mit einer Ausnahme (Ewal d⸗Darmstadt) stimmten gegen den Gesellenausschuß⸗Antrag. Die Herren waren dann auch nicht zu haben, daß diese 3 Mk. der jeweilige Meister bezahlen soll. Ebenso erging es dem weiteren Antrag des Ges.⸗Aussch.: Minimallehrzeit von 2 und Maximallehrzeit von 3 Jahren. Die hessischen Bäckermeister hatten 2¼ jährige Lehrzeit gefordert. Vier weitere Ges.⸗Aussch.⸗Anträge erfuhren gleiches Schicksal. Dieselben betrafen: Arbeitszeit der Lehrlinge, Lehrgeld derselben, Verpflichtung der Meister, die Lehrlinge zum Besuch der Fach⸗ schulen anzuhalten und Nichtverwendung der Lehrlinge zu häuslichen Arbeiten. Dieselben wurden von dem Vorsttzenden des Gesellen Aus⸗ schusses eingehend begründet, doch ohne Erfolg. Nur ein Antrag des Ges.⸗Aussch. fand Gnade vor den Augen der Herren, es betraf dieser das Ersuchen, die Kammer möge dafür eintreten, daß den Lehrlingen alle Vergütungen an baar, Verköstigung ꝛc. als Lohn angerechnet werden, damit die Lehrlinge der Krankenkasse beitreten könnten, also versicherungspflichtig würden. Nach Empfehlung des Antrages durch Herren Lautz wird derselbe angenommen, und soll die Frage bei Beratung des Lehrlings⸗ wesens erledigt werden. Wie die Fürsorge für Lehrlinge aussieht, der die Handwerksretter obliegen, zeigt die Annahme eines Antrages, wonach die Regierung ersucht werden soll, den Unterricht der obliga⸗ torischen Fortbildungsschule, der jetzt in den Stunden von 5—7 Uhr erteilt wird, auf die Zeit von 6—9 Uhr zu verlegen.— Als Mit⸗ glieder dieses hohen Hauses fungieren 36 Ar- beitgeber und nur 12 Arbeiter; man kann sich denken, welcher Art da die Beschlüsse sind, die da heraus kommen. Für den in den Kreisen der Arbeitgeber herrscheunden Geist ist das Verhalten des Gießener Bäckermeisters Löber — das will ein Freisinniger sein— bezeichnend. Dieser Biedermann erklärte früher eine zwei⸗ jährige Lehrzeit als genügend für Bäcker. Auf einmal war ihm der auf 2¼ Jahre lautende Antrag seiner hessischen Kollegen nicht weitgehend genug und er plädierte für drei Jahre! Sießener Angelegenheiten. — Eine Bezirksversammlung der Buchdrucker, die auch von 16 Kollegen aus Friedberg, Nauheim, Fulda und Grünberg be— sucht war, fand am Sonntag im Vereinslokale statt. Nach Begrüßung der auswärtigen Kollegen konstatierte der Vorsitzende eine erfreuliche Zu⸗ nahme an Mitgliedern im Bezirk, beklagte aber anderseits den hohen Krankheits- und Arbeits- losenstand, der die Kasse stark belaste. Nach Ablage der Kassenrechnung und Entlastung des Kassierers wird eine Bewilligung des Vorstandes an die Weber in Sachsen gutgeheißen; ihm überhaupt für außergewöhnliche Fälle die ge⸗ samte Bezirkskasse zur Verfügung gestellt. Eine rege Debatte entspann sich über die untariflichen Verhältnisse in verschiedenen Druckereien im Bezirke. Die in Frage kommenden Mttglieder wurden über die einzuschlagenden Wege zur Abhülfe informiert. Zum Schlusse lud der Vorsitzende die auswärtigen Kollegen zu dem nachmittags auf der Liebigshöhe stattfindenden Johannisfeste ein, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf den V. d. d. B. schloß. Der Nachmittag vereinigte fast vollzählig die hiesige Mitgliedschaft, sämtliche auswärtigen Kollegen und 10 Durchreisende, sowie viele Gäste beim Johannisfeste; das reichhaltige Programm befriedigte die Teilnehmer allgemein, das vom Festkomitee Dargebotene übertraf weit die gehegten Erwartungen. Den Schluß bildete ein flottes Tänzchen, an dem sich Alt und Jung bdeteiligte. — Ortskrankenkasse. Mittwoch fand im„Lonys Bierkeller“ die Generalver— sammlung der Orrskasse statt, in der acht Vertreter der Arbeitgeber und 61 Arbeitnehmer⸗ vertreter anwesend waren. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Bericht und Rechnungs⸗ ablage berichtete Holtberg namens der Prüfungskommission, daß abgesehen von einzelnen unwesentlichen Auständen die Geschäftsführung eine musterhafte sei. Beschwerden irgend welcher Art über die Verwaltung wurden nicht vor⸗ gebracht. Eine vom Arbeit⸗Vertreter Beck⸗ mann eingebrachte Resolution in der die Stadtbehörde ersucht wird, für Beseitigung der in Bezug auf das Kränkenhauswesen hier herrschenden Mißstände zu wirken, wird, nach⸗ dem sich eine Anzahl Redner dafür ausgesprochen und nur Herr Bäckermeister Löber dagegen aufgetreten war, einstimmig angenommen. Nachdem Vorsitzender Dahmer über die Generalversammlung der Vereinigung hessischer Krankenkassen kurz berichtet hatte, wurde über den Antrag des Vorstandes verhandelt, der dahin geht, einen im vorigen Jahre gefaßten Beschluß nach welchem der frühere Vorsttzende Winn für einen durch Verkauf nicht mündel⸗ sicherer Papiere entstandenen Verlust von 860 Mk. regreßpflichtig gemacht werden sollte, wieder auf⸗ zuheben. Nach längerer Debatte wird der An⸗ trag des Vorstandes angenommen, womit die Tagesordnung erledigt war. Schließlich brachte Herr Bäckermeister Löber eine Be⸗ schwerde vor. Ihm paßt es nämlich nicht, daß ein Beamter der Ortskasse noch dem Bäcker⸗ verband angehört und sogar Vorsitzender des— selben ist. Er fragt deshalb, ob dies statthaft sei. Der Vorsitzende belehrte den zünftlerischen Scharfmacher, daß sich der Vorstand der Kasse“ als Arbeitgeber nicht darum zu kümmern habe, was die bei ihm Beschäftigten mit ihrer freien Zeit anfangen. Andere Arbeitgeber waren gleicher Ansicht, Herr Löber indessen schien das nicht begreifen zu können; als tapferer Freisinns⸗ kämpe will er den Beamten verbieten, ihre An⸗ sicht in wirtschaftlichen Dingen zu bethaͤtigen. Natürlich wurde Herrn L. von Seiten der Ar⸗ beitnehmer gründlich heimgeleuchtet und im Laufe der Debatte geradezu gesagt, er würde jedenfalls nichts einzuwenden haben, wenn Beamte im Interesse der Innung thätig gewesen wären. Schließlich gab er die Absicht zu erkennen, die Sache noch weiter zu ver⸗ folgen. Er hat offenbar an einer Blamage nicht genug. — Der Sozialistenvernichter und ⸗verleumder in den Gieß. N. N.— der übrigens seine edle Thätigkeit in den letzten Tagen eingestellt zu haben scheint— benutzt unsern Bericht über die letzte Wahlvereins⸗ versammlung dazu, seinen paar Lesern von einer grund sätzlichen Meinungsverschiedenheit in der Oktroifrage innerhalb unserer hiesigen Ge⸗ nossen zu erzählen. Er täuscht sich. Prinzipiell sind alle Genossen für Beseitigung dieser un⸗ gerechten indirekten Steuer. Ob sich aber die Aufhebung empfiehlt, wenn nicht zugleich weitere Maßnahmen ergriffen werden, damit sie der Gesamtheit zu Gute kommt, ist fraglich und allein darum dreht es sich. So liegt die Sache, Herr Professor Dr. Hans Georg Wil⸗ helm Viktor von Hoppstädter. — Berichtigung. Vor einiger Zeit haben wir die frühere Mitteilung der Gieß. N. N., ihr neuer Redakteur Hoppstädter sei Magistratsmitglied in Lichterfelde gewesen für Flunkerei erklart. Wir haben das auf Grund von einer gelegentlichen Mitteilung gethan, die uns von vertrauenswürdiger Seite wurde. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß H. that⸗ sächlich Gemeindeschöffe, also Magistratsmit⸗ Ffle in L. war, weshalb wir es für unsere licht halten, unsern damaligen Vorwurf hier⸗ mit zurückzunehmen. Das Verhalten des Genaunten, der in seinem Blatte in zahl⸗ reichen Fällen Unwahrheiten über unsere Partei wider besseres Wissen ver⸗ breitete, kann uns nicht abhalten, unsererseits aufgestellte Behauptungen zu korrigieren, sobald sich deren Unrichtigkeit herausstellt. — Der Arbeiter⸗Sängerbund des Main⸗Rheingaues hält am 6., 7. und 8. Juli in Bockenheim sein erstes Bundes⸗ fest ab, das nach den Vorbereitungen zu schließen, großartig zu werden verspricht. Zahlreiche Arbeiter⸗Gesangvereine des Gaues beteiligen sich daran. Die Gießener„Eintracht“ fährt Sonntag früh mit dem Zuge 6.55 nach Bocken⸗ heim. Da die Eintracht Fahrpreisermäßigung bewilligt erhielt(Hin⸗ und Rückfahrt Mk. 2.60 3. Kl.), thun Auswärtige(auch Delegierte zur Konferenz in Offenbach) gut, sich derselben an⸗ zuschließen. Wer sich beteiligen will, muß spätestens 6.15 auf dem Bahnhofe sein. Gießener Teilnehmer müssen Samstag Abend in der Wirtschaft Orbig das Fahrgeld einzahlen. Aus Friedberg. Arbeiter und Parteig enossen! Lasse sich jeder im Laufe dieses Monats in die Liste zur Stadtverordnetenwahl ein— tragen! J. Unfreiwillige Feiertage. Zur Feier der Einweihung der Stadtkirche ließ die Möbelfabrik Binde wald die Arbeit ruhen. Daß die Arbeiter für den vom Unternehmer dekretierten Feiertag bezahlt würden, wäre eigentlich selbstverständlich, wir haben es aber schon in voriger Nummer bezweifelt. Jetzt schreibt uns ein Arbeiter: Ihre in Ihrem voll⸗ ständig zutreffenden Artikel ausgesprochene Ver⸗ mutung ist eingetroffen. Kein Mensch hat an das Bezahlen des Feiertags gedacht. Wenn man die Gesichter der Arbeiter am Samstag gesehen hat, so muß man sich nur noch wundern, daß sie sich das Alles immer so gefallen lassen. Der frühere Werkführer, Herr Nohl sagte einmal, als ihm selbst die viele Sonntagsarbeit zu toll wurde:, Die Arbeiter sind zu dumm, sonst wäre schon längst Sonnt ags die Polizei hier gewesen. Es geschieht ihnen aber recht.“ Dieses Zengniß aus sachver⸗ ständigem Munde sollte den Arbeitern doch zu denken geben. Hoffentlich werden sie gescheiter. Wetzlar. t. Eine Ankleidehalle in der Frei⸗ badeanstalt ist nun endlich errichtet worden. Lange genung hats gedauert; aber auch jetzt würden noch die früheren schaurigen Zustände herrschen, wenn nicht die Krankenkassen dies⸗ bezügliche Eingaben gemacht hätten. Allerdings bleibt die Frage offen, ob die„Halle“ den Bedürfnissen genügt. Und eine richtige Antwort hierauf vermag auch der auswärtige Leser zu geben, wenn er hört, daß die„Halle“ ganze einhundert fünfundzwanzig Mark kostet. Wir sind gewiß, manchem Hof- oder Billenbesitzer kostet seine Hundehütte mehr! Na, schließlich muß man Gott für alles danken und noch froh 515 daß wir es endlich„so herrlich weit“ gebracht haben. Im Anschluß an die Musterung kam es in Burgsolms am Donnerstag voriger Woche zu einem Streite zwischen einem Musterungspflichtigen und einem älteren Land⸗ Kr. 7. om 4 Tage . safent Dzieh —— Bezug lc 0 Was Ant fing Forkste herber — Iusera Grün fab ti Der l Julius den A eitem in schr hurde tu ge daß er könne, sch zl sich mn aber des! ermit Perst u su Dopp und f gag lchste f 6 Ulf hem elfer Würde Geke Wolff bemer en St eirgel bend 9. 2 chli N wurf hier. alten des n zahl⸗ en über ssen her. r * sserersetz el, sobalh. 1 5 0 des 1. und Bundes. Ischließen, Zahlreich beteiligen dt“ fährt h Bocken⸗ mäßigun M. 20 gierte zur elben an ill, muß Gießener d in der zahlen. n! Lasse 5 in die ahl ein, „ Jir ließ die it ruhen. ternehmer U, alt nes abel t. Jaht rem bol⸗ hene Veu⸗ hat a f. Wenn Samstag wundern, en lassel. ohl sagte gagsgrbel sind zu tags d t ihnen bach n doch gescheikl ten t wordel, 0 stal 1 ne ding al 50 1 Leet 0 “ gal 7 fo dees — ——— — . Nr. 275 Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung. Seite 5. wirt. Nach dem W. Anz. schlug der junge Bursche heftig mit einem Stocke auf den eine Sense vor sich hinhaltenden Mann ein, wobei der Angreifer mit dem Arm in die Sense fuhr und sich die Hand fast abschlug. Er wurde in die Gießener Klinik verbracht. Die Richtig⸗ keit dieser Darstellung vorausgesetzt, kann man mit dem Burschen wenig Mitleid empfinden. Tarifreform auf den Eisenbahnen. Auf fast sämtlichen deutschen Bahnen gelten vom 4. Juli ab die Rückfahrtkarten 45 Tage. Das ist sicher eine Verbesserung, die hoffentlich durch Verschlechterungen in anderer Beziehung nicht wieder„kompensirt“ wird. In Bezug auf die Verkehrs verhältnisse bleibt bekannt⸗ lich noch viel zu wünschen übrig. Was man sich alles mit Arbeitern erlaubt. Angeblich, um seine Arbeiter auf ihre An⸗ hänglichkeit zu prüfen, hat ein Unternehmer, der Korkstopfenfabrikant Wolff in Mainz ein höchst verwerfliches Mittel angewandt. Er suchte im Inseratenteil eines Mainzer Blattes„jur Gründung einer neuen Korkstopfen⸗ fabrik“ Arbeitskräfte und einen Werkmeister. Der bei der Firma beschäftigte Korkschneider Julius Meyer hatte sich in einer Offerte für den Werkmeisterposten gemeldet, worauf er von einem„Spanier“ Namens„Emanuel Serveaz“ in schriftliche Verhandlungen gezogen und bewogen wurde, seinem Prinzipal zu kündigen. Nachdem er gekündigt hatte, schrieb ihm der Spanier, daß er als Werkmeister nicht engagirt werden könne, weil er nach eingezogenen Erkundigungen sich zu diesem Posten nicht eigne. Er erkundigte sich nun nach dem spanischen Herrn, dieser existirte aber nicht. Nun wurde durch den Vorstand des Mainzer Holzarbeiterver bandes ermittelt, daß der angebliche Spanier in der Person Wolffs, des Prinzipals des Meyer, zu suchen sei und Wolff gab schließlich seine Doppelrolle zu. Meyer drehte den Spieß um und forderte, da er von Wolff als Werkmeister engagirt sei, die Vertragserfüllung. Wolff lehnte ab, und Meyer klagte beim Gewerbegericht auf Entschädigung im Betrage von Mk. 485. Wolff erklärte in der Verhandlung, daß er mit dem Inseratengesuch nur seine Arbeiter habe prüfen wollen, ob sie nicht„kontraktbrüchig“ würden. Der Gerichts vorsitzende, Sekretär Schäfer, kritisirte das Vorgehen des Wolffs als ein äußerst verwerfliches und bemerkte den Beisitzern, daß gegen Wolff auch ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung eingeleitet sei. Der Kläger der vom Vor⸗ sitzenden des Holzarbeiterverbandes in Mainz, J. B. Weiß vertreten wurde, verglich sich schließlich mit Wolff, der 75 Mk. zahlte. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 4. Juli 1901. — Parteiversammlung. Auf die Samstag Abend bei Jesberg stattfindende Parteiversamm⸗ hung machen wir nochmals aufmerksam. Gen. Vetters wird über:„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner“ sprechen. Ferner wird der Vertrauensmann und auch die Kolportagekommission Rechnung ablegen. Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht der Genossen. — Schwurgericht. Am Montag verhandelte das Schwurgericht zunächst gegen den Knecht Hahn aus Holz⸗ burg wegen Urkundenfälschung ꝛc. Er wird zu 4 Mo⸗ naten und einer Woche Gefängnis verurteilt.— Wegen Sittlichkeitsvergehen erhielt der Arbeiter Fischer aus Ockershausen am gleichen Tage 9 Monate Gefängnis. Am Dienstag handelte es sich um ein Verbrechen, mit dem sich sehr oft die Gerichte beschäftigen müssen, das des Kindes mords, dessen die Margarethe Henseling bon Oberosphe angeklagt ift. Die unglückliche Verführte wird zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die jeder techtlich Denkende eher dem gewissenlosen Verführer ge⸗ gönnt hätte.— Unter großem Andrange des Publikums wird am Donnerstag gegen den Schreiner Krantz aus Marburg wegen Mordes, begangen an seiner Ehefrau, derhandelt. Die Einzelheiten dieser graufigen Affaire, die vor einiger Zeit unsere ganze Einwohnerschaft in Aufregung versetzte, sind noch frisch in Erinnerung. Nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen st bei dem Angeklagten Geisteskrankheit ausgeschlossen. Die Anklage lautet nur auf Totschlag: wegen welchen Verbrechens der Angeklagte zu fünf Jahren Gefängnis und Ehrverlust auf die gleiche Dauer verurteilt wird. Kleine Mitteilungen. * Liebenswürdige Gattin. Verhaftet wurde in Mainz die Ehefrau des Schneiders Stemm in der Zanggasse. Sie hatte im trunkenen Zustand das Bett, in dem ihr Mann lag, mit Petroleum übergossen und es anzu⸗ zünden versucht. r Milde Bestrafung für Sittlich⸗ keitsvergehen. Den seit mehreren Jahren in Fürth i. O. amtierenden Amtsrichter Stammler, der in seiner Amtsstube zahl⸗ reiche unzüchtige Handlungen verübt hatte, verurteilte die Disziplinarkammer des Land⸗ gerichts in Darmstadt zu der gelinden Strafe von 200 Mk. Geldstrafe und Verweis. Die Sachverständigen hatten bei dem Manne„krank⸗ hafte Veranlagung“ festgestellt. ** Familientragödie. Vorigen Diens⸗ tag früh stürzte sich in Offenbach die Frau eines Metallarbeiters aus ihrer Mansardenwohnung in der Gr. Hasenbachstraße herab auf das Straßenpflaster, nachdem sie vorher ihr drei⸗ jähriges Kind aus dem Fenster geworfen hatte. Beide erlitten zwar keine sichtbaren äußeren, jedoch schwere innere Verletzungen und wurden nach dem Krankenhause überführt. Die That wurde anscheinend im Zustande momentaner Geistesstörung begangen. ** Eine Automobilwettfahrt von Paris nach Berlin hat diese Woche statt⸗ gefunden und mit dem„Siege“ der Franzosen geendet. Bei dieser Raserei sind eine Anzahl Menschen um's Leben gekommen. Ganz mit Recht erklärte der französische Ministerpräsident in der Kammer, daß er derartigen Unfug nicht mehr gestatten werde. * Der Leipziger Bankkrach forderte bereits seine Opfer. In seiner Villa in Leipzig⸗ Lindenau erschoß sich der Bankier Krohmann, Chef eines größeren Bank⸗ und Kommissions⸗ geschäftes.— Weiter wird berichtet: Der Pri⸗ vatier Greiner, der seit einem Jahre in Koburg lebt, feuerte in der Erregung über den Verlust bei der Leipziger Bank zwei Schüsse auf seine in der Küche beschäftigte Frau, wodurch diese schwer verletzt wurde, schoß hierauf anf seine erkrankte Tochter und tötete sich dann selbst. Die Stadt ist in Aufregung über das Familien⸗ drama.— Ferner ertränkte sich am Dienstag der Kassenbote der Leipziger Bank. — Das sind Blüten der kapitalistischen „Ordnung“, deren Verteidiger sich in der Ver⸗ unglimpfung des Sozialismus nicht genug thun können. Arbeiterbewegung. + Die Frankfurter Maschinenfabrik vormals Schrader und Rüdiger sperrte ihre sämtlichen Arbeiter aus, weil sich die Schlosser eine Lohnreduktion nicht gefallen lassen wollten. Vor dem Gewerbegericht zerschlugen sich die angebahnten Einigungsverhandlungen, da die Vertreter der Firma es ablehnten, in Gegen⸗ wart der Beamten des Metallarbeiter⸗Verbandes zu verhandeln. + Der Streik der Glasarbeiler in Nienburg a. d. W. dauert noch fort. Der Glaskönig Heye besteht darauf, daß die Ar- beiter aus ihrer Organisation austreten sollen, eine Forderung, die ebenso unverschämt als für die Arbeiter unannehmbar ist. Nergeblich war auch die Mühe des Nienburger Bürgermeisters, der die Glasbläser zur Aufnahme der Arbeit unter diesen entwürdigenden Bedingungen zu überreden suchte.— Vielmehr haben nun auch ihre Kollegen in Gerresheim, dem mit dem Nienburger verbundenen Glashüttenwerke den Ausstand mit 440 gegen 21 Stimmen be⸗ schlossen, weil hervorragend thätigen Ver⸗ bandsmitgliedern gekündigt wurde, und das Werk für Nienburg Streikarbeit lieferte. — Partei-Uachrichten. Von der Parteipresse. Unser Parteiorgan in Solingen, die„Bergische Arbeiterstimme“, teilt anläßlich ihres einjährigen Bestehens als Tageblatt mit, daß in dieser Zeit ihre Abonnentenzahl um 75 Prozent gestiegen ist. Das bedeutet besonders in Solingen, das jahre⸗ lang unter schwierigen Parteiverhältnissen zu leiden hatte, einen ganz bedeutenden Erfolg. Die Leistung der Solinger Genossen muß uns ein Ansporn sein!— Die„Münchener Post“ wird vom 1. Juli ab im eigenen Betriebe hergestellt. Sie erscheint täglich min⸗ destens achtseitig und ihren Druck besorgt eine Zwillings⸗ rotationsmaschine neuesten Systems, die im Stande ist, in einer Stunde 13000 sechzehnseitige Exemplare gefalzt zu liefern. Man sieht, überall Fortschritt! Wir erinnern uns noch, als die„M.⸗Pst.“ in einer Auflage von nur einigen hundert Exemplaren erschien. Versammlungskalender. Samstag, den 6. Juli. 5 Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Tagesordnung: 1. Das Kommunal⸗Programm. 2. Verschiedenes. Brauerverband. Abends ½9 Uhr General⸗ Versammlung bei Thoma. Wieseck. Arbeiter⸗Gesang⸗Verein. Gesangs⸗ stunde. Vollzähliges Erscheinen wird gewünscht (Uhr und Lokal nicht angegeben. D. Red.) Marburg. Parteiversammlung. Abends ½9 Uhr im Lokale Jes berg. Sonntag, den 7. Juli. Gießen. Bäckerverband. Nachmittags 3 Uhr öffentliche Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Ref. Koll. Allmann⸗Hamburg. Montag, den 8. Juli. Gießen. Glaserverband. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Mittwoch, den 10. Juli. Gießen. Bäckerverband. Nachmittags 7/15 Uhr Versammlung bei Löb(Wiener Hof). Freitag, den 12. Juli. Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag des Kollegen Käming aus Stuttgart. Samstag, den 13. Juli. Friedberg. Verband der Fabrik- und Hilfs⸗ arbeiter. Abends 8½ ũ Uhr Mitglieder⸗Versamm⸗ lung bei Ihl. Sonntag, den 14. Juli. Ausflug nach Ober-Mörlen. Abmarsch 2 Uhr von Ihl. Nichtmitglieder können teilnehmen. Briefkasten. I.⸗Friedberg. Einiges mußte wegen des zu⸗ späten Einganges zurückgestellt werden. FFC T... Aus dem Gießener Standesamtsregister. Aufgebotene. 28. Juni: Dr. Carl Gaehtgens prakt. Arzt in Königswalde mit Gertrude Curschmann dahier. 29. Heinrich Gebhardt, Gr. Regierungsassessor mit Käthe Blumenhagen dahier. 2. Juli: Heinrich Ritzel, Kaufmann mit Wilhelmine Otter dahier. Jo⸗ hannes Kramer, Lackirer mit Marie Schilling dahier. 3. Johann Schramm, Architekt dahier mit Dorothea Steiner in Wiesbaden. Karl Kahl, Kaufmann dahier mit Anna Geißler in Lollar. 4. Heinrich Storck, Schlosser mit Elisabethe Wießner dahier. Eheschließungen. 2. Juli: Rudolf Bohn, Kauf⸗ mann dahier mit Elise Nix in Frankfurt a. M. 3. Jo⸗ hann Diehl, Werkmeister in Ober⸗Schöneweide mit Mar⸗ garethe Vaubel dahier. Geborene. 24. Juni: Dem Elektromonteur Fried⸗ rich Grunewald e. T. 25. Dem Bäcker Heinrich Müller e. S. 26. Dem Buchdruckereibesitzer Hildebert Klebert e. T. Dem Gr. Kreisbauinspektor Johannes Enders e. S. Dem Bierkutscher Georg Hahn e. T. Dem Fahrkartenausgeber Jakob Fischer e. S. 27. Dem Fa⸗ brikarbeiter Friedrich Spaar e. S. Dem Spengler Karl Herling e. T. Dem Former Friedrich Arnold e. S. 28. Dem Hoboist Heinrich Vomend e. T. Dem Insti⸗ tutsdiener Adolf Müller e. S. Dem Forstassessor Jakob Weber e. S. 29. Dem Taglöhner Karl Horst e. T. Dem Fuhrknecht Johann Rosenbecker e. T. 30. Dem Oekonom Wilhelm Lindenstruth III. e. T. 1. Juli: Dem Former Georg Steinhauer e. S. Dem Draht⸗ flechter Georg Klatyik e. S. Gestorbene. 28. Juni: Heinrich Magel, 23 Jahre alt, Handlungsgehülfe. 29. Georg Klein, 71 Jahre alt, Privatmann. 1. Juli: Karl Vogel, 2 Monate alt. 3. Katharine Reinhardt, geb. Frank, 23 Jahre alt. FFF Auf Genossen! werbt Abonnenten für die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ 7 D Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. I N 0 1 Ar. 27. von Nah und Lern. Unsere Frommen. Ein originelles„Gebetbuch“, ein Beweisstück für die in„besserer“ Gesellschaft existierende Heuchelei, hat eine elegant ge⸗ kleidete Dame in Berlin am Sonntag in einer Konditorei in der Nähe der Michaeliskirche vergessen. Das Buch, welches auf seinem Deckel als Gebetbuch gekennzeichnet war, enthielt, wie sich bei der Besichtigung durch den Finder her⸗ ausstellte, zwei Teile: der eine bestand aus einem, noch mit Naschwerk gefüllten Behälter, der andere enthielt— eine wirkliche mit Kog⸗ nak gefüllte Flasche, deren Hals durch das Buch gut verschlossen und verdeckt wird. Diese sinnvolle Einrichtung des heiligen Buches er⸗ möglichte es seiner Besitzerin, wenn sie es im Gebetseifer inbrünstig an die Lippen drückte, sich zugleich mit einigen kräftigen Zügen körper⸗ lich zu restaurieren. In der aufklappbaren Mitte des„Erbauungsbuches“ befanden sich einige wirkliche Blätter mit Gebeten und Gesangsbuchversen. Ein Dienstmann holte schließlich das so vielen Zwecken dienende Buch ab. „Herumärgern mit Arbeitern.“ Im Erfurter„Allgemeinen Anzeiger“ befindet sich folgende Anzeige: Wegen unaufhörlichen Aergers mit dem Arbeitspersonal und deren ins Ungemessene gesteigerten Ansprüche verkaufe ich meine komplete Einrichtung zur Mineralwasser⸗ Fabrikation. Ernst Renneberg, Sondershausen. „Gott sei Dank!“ ruft die„Tribüne“ hierzu aus,„endlich einmal eine Abwechslung. Bisher mußte es nur immer heißen: Wegen unerhörter Ausbeutung und Schinderei seitens des Arbeit⸗ gebers mußten die Arbeiter in der oder jener Fabrik ihr„Geschäft“ an den Nagel hängen. Jetzt thun das schon die Arbeitgeber!“— Vorsichtshalber haben sie aber erst durch Aus⸗ nutzung der Arbeiter ihr Schäfchen ins Trockene gebracht. — Quittungen. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 26.75. Sg.⸗Hst. Mk. 5.35. Wtzl.⸗ Wtzh. Mk. 8.15. Pf.⸗Odh. Mk. 3.—. Pths.⸗Lllr. Mk. 9.20. Stck.⸗G. Mk. 3.80. Lth.⸗The. Mk. 2.—. Ly.⸗G. Mk. 7.—. Kft.⸗Wsmr. Mk. 7.20. Wch.⸗Bst. Mk. 1.50. Ggr.⸗Mbg. Mk. 25.40. Rnn.⸗Hchh. Mk. 26.40. Mhl.⸗G. Mk. 26.—. Krgr.⸗G. Mk. 42.—. Klr.⸗Lgbhm. Mk. 5.80. Bsr.⸗Roͤgn. Mk. 2.20. Dthfr.⸗Ogst r. Mk. 3.20. Ly.⸗G. Mk. 3.—, Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Sdch.⸗Kzbch. Mk. 8.80. Sgf.⸗Abch. Mk. 8.—. Tcht.⸗Gbg. Mk. 11.20. Vpl.⸗Lllr. Mk. 24.30. Ly.⸗G. Mk. 6.—. Koch⸗Kfdf. Mk. 7.—. Ptr.⸗Gßl. Mk. 6.40. Kch.⸗Nofl. Mk. 8.80. Wtr.⸗Lbch. Mk. 6.80. Kbch.⸗Wek. Mk. 37.80. Km.⸗ Wtzbr. Mk. 7.80. Stck.⸗G. Mk. 3.40. Mhr.⸗Eckh. Mk. 10.—. Mglf.⸗Gbg. Mk. 5.—. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 27.— Gge.⸗Hoͤbgn. Mk. 7.10. Ly.⸗G. Mk. 6.40. Ggr.⸗Mbg. Mk. 30.—. Rnn.⸗Hchhm. Mk. 26.40. Wtr.⸗Ww.⸗Lbch. Mk. 2.30. Mhl.⸗G. Mk. 23.60. CSth.⸗The. Mk. 2.20. Z.⸗Noͤh. Mk. 3.—. Rh.⸗Br.⸗Dr. Mk. 2.25. Sp.⸗Dbgn. Mk. 15.80. Ly.⸗G. Mk. 9.—. Fhbch.⸗Otbg. Mk. 6.—. Wtr.⸗Lbch. Mk. 6.40. Dthfr.⸗Igstr. Mk. 3,40. Est.⸗ Bss. Mk. 7.80. 8————————————————c—ç—ç—cç—çriĩli¹——— Marktberichte. Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 4. Juli: Butter per Pfd. Mk. 1.00— 1.10, Hühnereier per St. 6— 7 Pfg., Enteneier 1 St. 7— 8 Pfg. Gänseeier per St. 11— 12 Pfg., Käse 1 St. 5— 8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—8 Pfg., Erbsen per Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.50— 7.00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.00- 8.50. Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0. 80 bis 1.00, Hühner per St. Mk. 1.00— 1.50 Hahnen per Stück Mk. 1.00— 1.50, Enten per St. Mk. 2.00 bis 2.30, Gänse per Pfd. Mk. 00.0—0.00. Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 64 bis 74 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 78 Pfg., Kalb⸗ fleisch 60— 66 Pfg., Hammelfleisch 50— 70 Pfg. Auf dem Fruchtmarkte in Grünberg kosteten am 29. Juni durchschnittlich 100 Kilo Weizen 17.50 Mk., Korn 15.50 Mk., Gerste 15.00 Mk,, Hafer 15.76 Mk., Erbsen 18.00 Mk. e 5 15 Unterhaltungs-Ceil. 7 . 7 i. 2 Barr aus! Harr aus mein Nerz, wenn auch der Gram Ins Leben dich getroffen, Wenn auch entweicht in Grimm und Scham Dein jugendliches Hoffen. Führt auch dein Pfad aus Wald und Feld Ninaus auf öde Heide, Im Glücke trotzest du der Welt: Nun trotze auch im Leide! Nie hast du zag ein Glück versäumt; Es folgt dir keine Reue: Drum nicht von alter Seit geträumt! Schau vorwärts in die neue! Cenzblumen brachst du sonder Müh'n, Und die gebroch'nen starben. Der Lenz ist hin; die Tage glüh'n: Nun denk' an deine Garben! Und will auch dein erkühltes Blut Kein künftig Heil mehr glauben, Caß' dir des Strebens freien Mut, Des Schaffens Trost nicht rauben! Bleib' selbst dir treu, bleib' dein bewußt Im Leide wie im Sorne Und falle, wenn du fallen mußt, Als Held, die Wunden vorne! 1 W, Hertz. Der Schuhmacher von Ottersweiler. Erzählung von Elise Langer. Dichter Morgennebel lag auf Feld und Flur. Noch herrschte ringsum tiefe Stille. Auch im Dorfe regte sich noch nichts. Nur auf dem Gehöft Jost Bachler's, des Schuhmachers, ward es schon lebendig. In dem drei Meilen entfernten Städtchen begann heut der Frühlings⸗ Jahrmarkt, den Bachler mit seinen Schuhwaren beziehen wollte. Sein Wägelein stand schon mit den Schuh⸗ und Stiefelkisten vom Abend vorher fertig gepackt im Schuppen. Er brauchte es nur herauszuziehen und den alten auf einem Auge blinden Schimmel vorzuspannen. Während der junge, hochgewachsene, aber blasse, eng⸗ brüstige Mann mit dem Anschirren beschäftigt war, packte ihm seine Mutter drinnen Brot und Speck zusammen und füllte ihm die Feldflasche mit Kornbranntwein. Den in ein bla ues Tuch geknüpften Mundvorrat in der Hand, trat nun die sehnige Gestalt der schon ergrauten Frau, nur mit einem kurzen Wollrock und mit einer Kattunjacke bekleidet, in die Hausthür, dem Sohne stillschweigend zuschauend, bis dieser sich auf seinen Wagensitz schwang. Dann reichte sie ihm das Bündel hinauf und die Hand zum Abschied. „Adjes, Jost, und glückliche Heimkehr.“ „Adjes, Mutter, und schön' Dank.“ Kein Wort weiter. Nur einen tiefen Blick tauschten die beiden ernsten Gesichter aus. Dann ein leiser Peitschenknall und das Wägelein rasselte davon. Auf der Thürsck welle drehte die Alte sich noch um, dem Gefährt nachschauend, das schon wie ein Schatten im Nebel verschwand. Zu gleicher Zeit aber brach der erste Strahl der aufgehenden Sonne wie ein goldener Pfeil durch die dunstigen Schleier, so blendend, daß 1 1 sich die Hand vor die Augen halten mußte. Derselbe Strahl hatte auch den Weg durch as Fenster der Schlafkammer gefunden und chien dort gerade in das rosige Gesicht eines etwa zweijährigen Bübchens, das in dem ehe⸗ maligen breiten Ehebett der Großmutter be⸗ haglich schlummerte. Hereintretend griff diese nun rasch zu einer Schürze, die sie vor das Fenster hing, damit der Sonnenstrahl das Bübchen nicht wecke. Der Kleine war nicht mutterlos. Aber stie, die die Nächste dazu war, ihn zu hegen und zu pflegen, sie hatte Mann und Kind ver⸗ lassen. Es war eine gar traurige Geschichte, an der Bachler und die alte Frau schwer trugen. eee Sie war ein Gemeindekind gewesen, die schwarze Babett, wie die Dörfler sie in ihrer Kindheit“ nannten wegen ihres pechschwarzen Haares, das ihr in dicken Zotteln in das hagere, schwarz⸗ äugige Gesicht gehangen hatte. Ihre Mutter, ein blutjunges, liebliches Geschöpf, war nach ein einer bitterkalten Dezembernacht kurz vor dem Dorf am Wege erfroren aufgefunden worden, dl sie selbst aber, obgleich erst wenige Wochen alt, b am Leben 11 dank der aufopfernden e Liebe, mit der die Tote Alles, was sie am ace getragen, bis auf wenige Fetzen, um ihre Blößen 15 zu bedecken, zur Umhüllung ihres Kindes her⸗ gegeben hatte. Was den Fall besonders merk⸗ würdig machte, war der Umstand, daß bei dem Leichnam der Frau, deren ganzes Aussehen 8 von der äußersten Dürftigkeit sprach, ein Fünfzig⸗ markschein gefunden wurde. Sonst hatte sie nichts bei sich gehabt, auch nichts was auf ihren Heimatsort deutete, der trotz aller Nach⸗ forschungen nicht zu ermitteln gewesen war. So hatte die Gemeinde Ottersweiler auf deren Gebiet die Tole entdeckt worden, sich wohl oder In na übel entschließen müssen, das Kind zu über⸗ Jahalk⸗ nehmen. Es wurde zu der Schmiedsfrauf u dit gethan, die gerade einen Säugling an der Brust n nit und Nahrung für zwei hatte. Aber der kleine! uma schwarzhaarige Findling war so anders als a daß die Blondköpfe des Schmieds. Die Frau konnte e dat kein Herz zu ihm fassen, und sobald Babette! isende nur fest auf ihren Füßen stehen konnte, hatte denehn sie bei viel Prügel und knapper Kost schweref igen, Arbeit verrichten müssen. Zu ihren täglichen ole Aufgaben gehörte es, früh Morgens in den ern Wald zu karren, um trockenes Reisig und ner 6 Streu zu holen. Dies war ihr aber die liebste rialist Arbeit gewesen. Da konnte sie ihrer Natur ohen einmal die Zügel schießen lassen, sich wie ein enen d junges Füllen im Grase wälzen, in den Wald lande hinein schreien, daß es wiederhallte, und ihren[bft! Hang nach Putz befriedigen, indem sie sich Hals⸗ zalsst ketten aus Vogelbeeren machte, Kränze in's beit zottige Haar flocht und Blätterguirlanden Pipfel! schleppenartig an ihr armseliges Röckchen heftete. fich, So geschmückt und mit einem großen Farn⸗ aun di blatt als Fächer in der Hand, über die Schulter eue mit Befriedigung nach ihrer Schleppe schauend, e hatte sie einst Jost Bachler, damals ein zwölf⸗ iure jähriger Junge, unter den Buchen überrascht. Al st Mit offenem Munde hatte er dagestanden. Das n fen war ja rein wie in den Märchen, die er gelesenn— und zu denen er immer neue erfand. Der Knabe lebte in einer Welt für sich, die mit der Wirklichkeit wenig gemein hatte, und so hatte er sich bisher auch nicht um das arme Gemeinde⸗ kind bekümmert, das die übrige Dorfjugend auf Wegen und Stegen foppte und hänselte. Jetzt aber, das war ein ander Ding, das war nicht die schwarze Babett, das war ein Wald⸗ nymphchen, mit dem es sich lohnte, Bekanntschaft zu machen. Die Kinder trafen von da an oft im Walde zusammen, sich gegenseitig Geschichten erzählend, die dadurch voneinander sich unterschieden daß, die des Knaben immer von Geistern und Feen, die des Mädchens von Putz und schönen Kleidern und Wohlleben handelten. Auch als Jost seine Lehrjahre in det Schuhmacherei beim Vater durchmachte, fand hsth er immer noch Zeit, mit seiner kleinen Freundin zusammen zu kommen, und als er seine Wander Ae jahre antrat und es an's Abschiednehmen ging, e da gelobten sich die Zwei, wenn er wiederkäme, Mann und Frau zu werden. 0 N U der gosee lt us! I lila Der alte Bachler hatte noch gute Zeiten in seinem Gewerbe erlebt. Er hatte die Schustere als Hauptgeschäft betrieben mit einem oder zw.— Gesellen, und sich nebenbei auf einigen Aeckert seinen Lebensbedarf gebaut. Dabei hatte seine Familie gut ernähren, den Lederhändle prompt bezahlen, auch noch einen Sparpfennig zurücklegen können. Das hatte sich aber al mählich geändert. Die Ansprüche an die feiner Arbeit, wie sie die Vornehmen des Dorfes, de Pfarrer, der Schullehrer, der Kaufmann un! deren Familien verlangten, waren gewachse und mit ihnen die Konkurrenz der kapitalistische 1 Fabrikarbeit, die Alles in größter Vollkommen „ . N.. er fich Nr. 27 0 tigen D e Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Seite 7. 1 hun heit lieferte. Allmählich sah sich die Dorfschusterei en dhe auf die Bedürfnisse der Landbevölkerung, den re f aareß groben Arbeitsschuh, beschränkt, und hierbei hre Man saperte es stets mit der Baarbezahlung, so F a Autter daß auch der Lederhändler, von dem Bachler 15 5 nac sein Material bezog, nur sehr unregelmäßig den or den befriedigt werden konnte. Die Folge davon N worden par, daß es mit dem Geschäft mehr und mehr wfochen al abwärts ging, Bachler immer tiefer in Schulden sopsernde geriet und der ohnehin kränkliche Mann den 10 de an pachsenden Sorgen erlag, noch ehe der Sohn gan Bläßen us der Fremde zurückgekehrt war. Rindes her, 0 g ders 5(Fortsetzung folgt.) daß bei den— f 191 Sozialismus und Kunst. ig it hatte J. e waß auh Ueber dieses Thema machte vor einiger Zeit aller Rach genoffe Emile Vander velde(Brüssel) in der euesen wal zukunft folgende interessanten Ausführungen: er auf dere. Aus dem Munde der unthätigsten Kapitalisten 9 wohl ode hört man besonders oft den Vorwurf, der ud zu iber Sozialismus schwäche den persönlichen Mut Schmiedsfra ur Initiative; die starrsten Despoten bekämpfen an der Buß ehn mit dem Schlagwort von Freiheit und er der klein zumanität: da ist es denn nicht weiter wunder⸗ anders alz jar, daß gerade die geistig unreifsten Spießbürger Frau konnt, e Verteidigung der Künstler gegen die un⸗ bald Babet pissende Menge,„die modernen Barbaren“ unte, hatt ibernehmen. Doch kann man zum Trost hin⸗ Kot schwent ufütgen, daß sie nicht vereinzelt sind: auch en täglichen geistvolle und gelehrte Philosophen, wie Fouillee, gens in del iußern sich besorgt über das Schicksal, das in Reisig un uner Gesellschaft von Kommunisten und Ma⸗ er die liebst krialisten den Dichtern, Künstlern, Metaphysikern ihrer Natu rohen könnte. Würde man sie nicht, ohne sich wie ein ismen den Lorbeer gereicht zu haben, aus dem in den Wall ande der Freiheit jagen? Und wenn man sie „ und ihre sbst ruhig leben und schaffen läßt; soll die sie sch Hal bzialistische Zukunftsgesellschaft die philosophische Kränze ing Arbeit organisieren, die bis an die böchsten terguirlande Bipfel und an die fernsten Grenzen des Daseins scchen heftet, teicht, ja, bis ins Jenseits dringt? Läßt sich toßen gur wa die Arbeit des Denkers auf dem Verwal⸗ i Schul ungswege regeln? Kann man ihr den acht⸗ ge schauen, fündigen Maximalarbeitstag diktieren und einem 1 1 pi Uktor Hugo befehlen, seine poetische Erleuchtung e aa zung sunkt sieben Uhr morgens zu haben und sich 9. 0 im neun Uhr auszuruhen? Und wie wird man diese Arbeit bezahlen? Der Gedanke eines genialen Menschen ist nicht von oben herab auf Mark und Pfennige abzuschätzen. Hätten etwa, als Galilei die Satelliten des Jupiter entdeckte, die Geschäftsführer eines kommunistischen Staates vorher sagen können, daß diese Satelliten einst die Herstellung besserer Karten ermöglichen und diese Karten die Handelsflotte vor drohenden Schiffbrüchen bewahren würden? Muße und Müßiggang haben, so verhaßt sie dem Hand⸗ arbeiter und anderen sind, neben ihren Nach⸗ teilen doch auch Vorzüge; sie bringen nicht selten Nutzen, sind sogar eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wenn die ganze Welt im Joch stöhnte, hätten wir keine idealen Schwärmer, fehlten uns die scheinbar müßigen Träumer, die man Sokrates, Archimedes, Laplace oder Dante, Shakespeare, Lamartine nennt. Kurz und gut: nach Fouillees Ansicht wird eine sozialistische Gesellschaft zwar Kohl bauen, sich aber wenig um die Rosenzucht kümmern; ihre ganze Kraft würde in der Sorge für das materielle Wohlergehen verzehrt werden. Jeder hätte gewiß, was er unbedingt braucht, aber keiner den holden Ueberfluß. Und gerade vom Ueberfluß der Reichen leben ja die Künstler. Bevor ich auf diese kritischen Bemerkungen antwortete, muß ich einen grundsätzlichen Irrtum beseitigen. Alle Sozialisten und Materialisten würden gemeinsam mit Fouillee die bis zur Banalität zweifellose Wahrheit anerkennen, daß eine kollek⸗ tivistische Gesellschaft, die versuchte, die geistige Arbeit ebenso wie die Handarbeit administrativ und bureaukratisch zu regeln, jede Regung des Erfindergeistes, jeden sozialen, aber schließlich auch jeden wirtschaftlichen Fortschritt hemmen würde. Zu unserem Bedauern stimmt aber Fouillee nicht mit uns in der Gewißheit über⸗ ein, daß ein solcher Gedanke niemals im Hirn irgend eines sozialistischen Theoretikers gelebt hat. Er mag sich beruhigen: die Viktor Hugo der Zukunft werden keiner Fabrikarbeiterordnung unterworfen sein und die Shakespeare des zwan⸗ zigsten Jahrhunderts werden— wenn sie sich nicht besser ernähren können— nicht gehindert werden, auf der Bühne kleiner Matrosentheater ihr Leben zu fristen. Und man darf sogar hoffen, daß die Astronomen, Dichter, Mathe— matiker und Philosophen unter soziali stischer Herrschaft nicht wie Galilei ins Gefängnis gesperrt, wie Dante verbannt, wie Archimedes getötet, wie Sokrates vergiftet werden. Wirk⸗ lich— um ernsthaft auf einen ernsthafteren Einwand zu antworten—: ein Gelehrter vom Range Fouillees brauchte sich nicht zu bemühen, um zu beweisen, was selbst der beschränkteste Kollektivist nie bestritten hat: daß Philosophie und Kunst vor allem der Freiheit, der unge⸗ hemmten Entwicklung bedürfen. Die Frage ist einfach, ob Dichter, Philosoyphen und andere uneigennützige Geistesarbeiter in einer sozialisti⸗ schen Gesellschaft nicht eben so viel oder sogar mehr wirkliche Freiheit haben würden als jetzt. Es ist doch klar, daß keine Gesellschaftsform der Kunst und Philosophie ungünstiger sein kann als der Klassenstaat der Bourgeoisie, die ganz in Geldinteressen aufgeht. (Fortsetzung folgt.) e Lesefrüchte. Des Menschengeschlechts Brandmal alle Jahrhunderte hindurch, der Hölle lautestes, schrecklichstes Hohngelächter ist der Krieg. Klopstock. * Wer an ein Weib legt die Hand, Schlägt seine eigne Schand. Weil er nicht baß beweisen kann Als an einem armen Weib den Mann. Tischert. * Die Gleichheit in der Verteilung von mühe⸗ voller Arbeit bringt ungemeinen Segen und Erleichterung. Humoristisches Pünktlich. Buchhalter(zum Kommis, der die Feder weglegt):„Aber, Herr Meier, es ist doch noch nicht ganz zwölf!“— Kommis:„Sie sitzen auch näher an der Thür!“ In der Aufregung. Unteroffizier: Fressen wollt Ihr, Löhnung wollt Ihr haben und lernen wollt Ihr nix! Ihr seid Heuochsen, so lang Ihr überhaupt des Königs Rock tragt!(W. Jakob.) Des Frommen Klage.„Wenn a guater katholischer Christ zwanzig Loos nimmt zur Unterstützung von Kirchenbau, nachher brauchen's doch in drei Teufels Namen nöt lauter Niet'n sei!“ die er gelese erfand. Da „ die mit dal und so hall ne Gemeinde Dofugel und hänselte ing, das al i ein Walk Bekanntschaf ENAER in Wald ALP II Ischieden daß 2 Kaplansgasse f. gas Ein großer Poften Satteltaschendivans mit Plüscheinfassung eilt in E S Mk GIESSEN Wer beim Kauf will Geld ersparen LAeER aplansgasse l 2= und 3⸗sitzig unter Garantie, von 80 Mark an. 10 und gen ußbaumpoliert sett mit Muschelaufsatz, Lackierte I-lhür. Kleiderschränke von 20 Mk. an a e eee ie fel d Beben. von 140 Mark an.„ Tthür.„ zumabschlagen„ 36„„ , 2 Kissen, prima Federn 5 3 ommoden 23 2 jahle 5 balbeßbaunepoliert Waschkommede mit Marmorplakte von 50 R. an. N 1 22 ö une 55 Aachtschränkchen 57 7 1 71 15 30 27 7 ian, Wah gleiderschräuke, poliert, mit Aufsatz„ Sophas 1„„ hel l FVerli huis, Tische, Stiihle und alle sonsligen Möbel . piederkä 5 zu den billigsten Preisen reichhaltig am Lager, auch auf Abzahlung nach Vereinbarung. % Größte Auswahl in Gardinen und Vorhängen. H. C. 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