e — Se * 3 5 1. Gießen, Sonntag, den? 7 6. Jauuar 1901. 8. Jahrg. N Redaktion: 2 Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 3 Mitteldentsche Antags⸗Zeitun MNedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Abounementspreis: Bestellungen JJuserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbrei i Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Exp edition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder 1 feet 10 Mg. Be me Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und mal. Bestellung gewähren wir 25% ,q bei 6mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814 a.) 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabat Rückblicke. Für uns, die Anhänger der vorwärts strebenden, völkerbefreienden Arbeiterbewegung, ist es bei der Jahreswende nicht uninteressant und auch nicht ohne Nutzen, einmal rückwärts zu schauen und zu prüfen, ob uns das abge— laufene Jahr Fortschritte im Sinne unserer Bestrebungen brachte, unsere Arbeit, unsere Kämpfe von Erfolg gekrönt waren. Zwar dürfen wir uns niemals mit dem etwa Erreich⸗ tnen zufrieden geben und müßig die Hände in den Schooß legen. Im Gegentheil müssen uns Erfolge zu neuer Arbeit, größerer Kraft- anstrengung anspornen, während Niederlagen uns lehren, unsere Organisation zu vervoll⸗ kommnen, die Agitation durchgreifender zu ge⸗ stalten. Reich an Kämpfen war auch das ver⸗ flossene Jahr.— Lassen wir die hauptsächlich⸗ sten Vorkommnisse, von denen unsere Partei be- rührt wurde, an uns vorübergleiten und folgen wir dabei den Ausführungen unseres Offen- bacher Parteiorgans, so galt es nach der Zucht- hausvorlage im vorhergehenden Jahre, in dem verflossenen, die Lex Heinze, den Vorstoß des Muckerthums, abzuschlagen. Wären nicht unsere Vertreter unentwegt auf dem Posten gewesen und hätten sie nicht durch das im deutschen Reichstag so gut wie unbekannte Mittel der Obstruktion die reaktionären Par⸗ teien mürbe gemacht, wer weiß ob die so sehr nach Außen für Freiheit in Kunst und Wissen⸗ schaft schwärmenden Parteien nicht doch noch vor dem sonst allmächtigen Zentrum zusammen⸗ geknickt wären. Die nachdem in Fluß gekom⸗ mene Goethe-Bund⸗Bewegung giebt uns ja den deutlichsten Beweis, zu welchen Halbheiten das Bürgerthum fähig und wie wenig man von jenen Seiten geneigt ist, der Polizei nur irgendwie zu nahe zu treten, und wenn dieselbe sich noch so un verantwortliche Thaten mittels des Zen- surstiftes usw. leistet. Das damalige Eintreten unserer Partei für die idealen Güter unseres Volkes wird nicht nur bei den eigenen Genossen unvergessen sein. Einen weiteren heißen Tanz gab es, als eine neue vermehrte und verböserte Auflage der Flottenvorlage an den Reichstag ge⸗ langte und mit Hilfe des„regierenden“ volks⸗ verrätherischen Zentrums zur Annahme ge⸗ langte. Wie wenig waren es außer unseren Genossen, die dieses Werfen von Millionen ins Wasser nicht mitmachten, um dadurch zugleich einer ins Planlose gehenden Weltmachtspolitik entgegen zu treten. Die Folgen einer solchen Politil haben wir ja bald zu kosten bekommen und noch heute haben wir leinen Ueberblick, wie das chinesische Abenteuer, dem der deutsche Gesandte und nach ihm schon manches deutsche Landeskind zum Opfer fiel, ausgehen wird. Welche finanziellen Schäden uns die angeblich im Interesse des deutschen Handels und der Industrie vorgenommene„Pachtung“ im Reiche der Mitte noch bringen wird, kann noc Nie⸗ mand genau feststellen. Die moralischen Er⸗ rungenschaften dieses Kreuzzuges zur Wahrung der heiligsten Güter mögen allerdings den⸗ jenigen entsprechen, die ein Attila bei seinen Räuberfahrten einheimste. Die Briefe der deut⸗ schen Chinakrieger reden in dieser Beziehung eine so deutliche Sprache, daß man sich mit Entsetzen abwendet von diesen Thaten der Roh- leit, welche die deutsche Gesittung in einem recht zweifelhaften Lichte erscheinen läßt und die auch nicht nur durch die angebliche Verrucht⸗ heit der Chinesen entschuldigt werden kann. Der Ruhm Germanias hat bedenkliche Flecke erhalten und der Vorzug, daß ein deutscher General an der Spitze der Allerweltstruppen steht, die den heidnischen Chinesen christliche Zucht und Sitte beibringen sollen, ist gewiß nicht dazu angethan, diese Heldenthaten milder zu beurtheilen. Wie viel unserem Volke zu seiner Mündig— keit noch fehlt, hat ja auch die Chinafahrt zur Evidenz gezeigt, denn wie sollte es denn sonst, vorkommen können, daß bei solch einem Unter⸗ nehmen die Auserwählten des Volkes nur gut dazu sind, die entstandenen Kosten zu bewil⸗ ligen, daß ihr Rath vorher aber für völlig über⸗ flüssig gehalten wird. Daß die Reichsregierung, die mit ihr durch Dick und Dünn gehende Mehr- heit der Volksvertretung richtig abgeschätzt hat, zeigten die bisherigen Verhandlungen der Bud⸗ getkommission; die bürgerlichen Staats tützen wetteiferten ja förmlich, der Regierung für die begangenen Unterlassungssünden so schnell wie möglich das„Vergeben und Vergessen“ entgegen zu bringen. Unsere Genossen haben keinen Zweifel darüber gelassen, wie sie über den Rache⸗ feldzuc denken, und nicht nur im Reichstage, sondern auch in zahlreichen Versammlungen hat das Proletariat sein vernichtendes Urtheil über die Ausflüsse des persönlichen Regiments ausgesprochen.— Wenngleich es auch keine besondere Ueber— raschung mehr für uns Sozialdemokraten war, als durch die„Leipz. Volksztg.“ das zärtliche Techtel-Mechtel zwischen der Regierung und der Industriellen⸗Scharfmacher⸗ klique an das Tageslicht befördert wurde, so stellten sich doch noch immer an die unnahbare und völlig unparteiischen Regierung glauben⸗ den bürgerlichen Parteien mit einigen Ausnah⸗ men sehr entrüstet, um dann, als es galt, ihrem tief beleidigten Rechtlichkeitsgefühl Genug⸗ thuung zu verschaffen, vor dem verbindlichen Sprüchlein des Grafen-Reichskanzlers ihren ergebenen Diener zu machen. Aber nicht nur im Reichstag hatten unsere Genossen ihren Mann zu stellen, ihre in den verschiedenen Landesparlamenten geleistete Ar- beit ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Be⸗ schränken wir uns nur auf unsere hessische Volksvertretung, so muß konstalirt werden, daß es auch dort für unsere Genossen keine unnützen Stunden gab. Die Debatten über die Lehrerbesoldungs vorlage. über die Gehaltsaufbesserung der Forstwarte, die überaus wichtigen Bera⸗ thungen über die Umgestaltung des Schulwesens usw. lieferten den Beweis, daß sie auch in kleinerem Rahmen überall als Fämp⸗ fer für Fortschritt und Rechte eintreten, sodaßz auch sie mit Genugthuung auf die von ihnen geleistete Arbeit blicken können. Ein besonderes Interesse unserer Genossen im Reiche beanspruchte die auf dem diesmal im Hessenlande abgehaltenen Parteitag wieder- holt ventilirte Frage der Landtagswahl-Be⸗ theiligung, die in einem wohl für alle betheilig⸗ ten Kreise annehmbaren Sinne gelöst wurde. Auch der im Anschluß an die Mainzer Verhand⸗ lungene tagende internationale Sozialistenkon⸗ greß hat trotz der wenig erquicklichen sranzösi⸗ schen Ouverture doch die meisten auf ihn ge⸗ setzten Hoffnungen erfüllt und wiederholt den Beweis von der Einigkeit der Sozialisten aller Kulturländer in allen prinzipiellen Fragen er⸗ bracht Der erste sichtbare Erfolg dieser großen Sozialisten-Aussprache ist in der kürzlich er⸗ folgten Etablirung des internationalen Selre⸗ tariats in Brüssel zu verzeichnen. Möchte diese Einrichtung auch ihr Theil mit dazu beitragen, daß die guten Beziehungen der Sozialisten aller Zungen immer mehr gefestigter werden zum weiteren Gedeihen unserer großen Bewegung. Ber all den Fortschritten, die unsere Ideen auch im letzten Jahre allüberall gemacht, haben wir doch auch eines Verlustes zu gedenken, der auf dem ganzen Erdenrund, soweit der sozialictische Same aufgegangen, schmerzlich berührt hat: Unseren großen Vorkämpfern Lassalle, Marx und Engels ist Wilhelm Liebknecht ins Schattenreich gefolgt, tief betrauert von un⸗ seren Genossen, wie nur ein liebevoller Vater von seinen Kindern betrauert werden kann. Sein Andenken, und dasjenige aller unserer großen Todten, wird durch stetes Weiterarbeiten in ihrem Geiste am besten geehrt werden. Mag nun die Zukunft bringen, was sie wolle, für das unter dem Banner des Sozia⸗ lismus marschirende Proletariat wird sie keine Ueberraschungen bieten. Getreu dem gesteckten Ziele wird es fortschreiten von Sieg zu Siege, wie es bis jetzt noch überall zu beobachten war. Haben unsere Gegner schon öfter den gewissen Höhepunkt, den wir niche überschreiten könnten, konstatirt, so hoffen wir doch, noch manchmal solche Etappen zurücklegen zu können, ehe wir selbst sagen: Jetzt ist unsere Mission erfüllt. In Sinne wollen wir nicht nur wünschen, sondern auch mit allen Kräften daran arbeiten, daß man mit Recht wird sagen können, das 20. Jahrhundert steht im Zeichen des Sozialismus. Darum alle Lässigkeit abgestreift, damit die kommende Zeit ein Geschlecht findet, das wür⸗ dig und vorbereitet ist, die Umgestaltung un⸗ serer heutigen abgelebten und der Verwesung überantworteten Gesellschaftsordnung in eine vollkommenere und existenzberechtigtere vor- zunehmen. Politische Bundschau. Gießen, 4. Januar. Der Berliner Bankkrach. Der Kommerzienrat Eduard Schmidt, Ge⸗ neralkonsul für Schweden und Norwegen, allei⸗ niger Inhaber der nunmehr insolventen alten Bankfirma Anhalt und Wagner, Hofban⸗ kier der Kaiserin, ist am Sonnabend Nach- mittag ebenfalls verhaftet worden. Am Sonnabend haben zwei Versammlungen von Obligationären und Aktionären der Sanden⸗ schen Banken in Berlin stattgefunden. Es ging stellenweise stürmisch her und auch gegen den Abgeordneten Munckel wurden schwere Vor⸗ würfe geschleudert. Ein klares Bild über die Höhe der Verluste ist aber noch lange nicht zu gewinnen. Daß er in die vielen Millionen geht ist sicher; wie hoch aber der Verlust noch anschwellen wird, kann niemand jetzt sagen.— Viele„kleine Leute,“ Angehörige des sogenann⸗ ten Mittelstandes sind durch die raffinirten Schwindeleien, der frommen, so ch rist li⸗ chen und echt konservativen Betrüger um ihr Hab und Gut gebracht worden. Welcher widerwärtigen Heuchelei die Gauner⸗ nba eng e eng ue ee e bee eee Kommerzienrath Sanden an ein älteres Fräu⸗ lein richtete, das durch den Schwindel seine sauer verdienten Spargroschen zum größten Theil ver⸗ loren hat, und sich deshalb jedenfalls bei Frau Sanden, die sie persönlich kennt, beklagte. In Mitteldeutsche Sonntagszeitung. dem vom„Vorwärts“ veröffentlichten Schrei⸗ ben heißt es unter Anderem: Heute erhielt ich Ihren Brief, aus dem ich ersehe, daß Sie in ebenso schwerer Sorge sind wie wir selbst! Gott der Herr allein kennt diejenigen, durch deren Verschulden mein armer Mann, der stets einem Jeden ein Muster in Pflichttreue, Fleiß und Gewissen⸗ haftigkeit sein konnte, in diese so schreckliche Lage gebracht worden ist. Ich bin überzeugt, wenn Sie meinen Mann kennen würden, Sie würden es bereuen, auch nur ein Wort der An⸗ schuldigung über ihn geäußert zu haben. Er, dessen größte Freude es war, zu helfen, sollte sich an fremdem Hab und Gut versündigt ha⸗ ben? Das können nur diejenigen sagen, die ihn nicht kennen, oder solche, die gewissenlos genug sind, absichtlich Böses zu thun.— Sie schreiben, mein liebes Fräulein, mein Mann besäße 20 Millionen, er hat nicht den zehnten Theil davon und Alles, was er hatte, ist bereits in die Bank gegeben und sogar auch mein Be⸗ sitzthum mit angegriffen worden. Daher, mein liebes Fräulein treffen mich Ihre schweren An⸗ schuldigungen nicht, denn ich habe ein ruhiges Gewissen und ebenso erträgt auch mein Mann diese schwere Prüfung mit Ergebung und in festem Vertrauen auf unseres Herrn und Gottes Hülfe. Mein liebes Fräu⸗ lein, verlieren Sie auch nicht das Gottvertrauen, wenn wir alle Gott den Herrn bitten, daß er der gerechten Sache den Sieg verleihe, so wird er uns nicht verlassen, sondern uns gegen unsere Feinde be⸗ schützen, die uns zu verderben trachten. Daß Gott der Herr uns alle, die wir auf ihn hoffen, in seinen gnädigen Schutz nehmen und uns helfen möge, erfleht täglich in heißen Gebeten Frau M. Sanden, geb. Felzer.“ Sehr bequem ist es, die Geprellten, auf den Herrgott zu verweisen, der verlangt kein Geld! Wann geht Posadowsky? Antwort auf diese Frage giebt die„Münche⸗ ner Allg. Ztg.“, indem sie erklärt, der Abgang des Grafen Posadowsky gelte in parlamentari⸗ schen Kreisen als nahezu gewiß. Es frage sich nur, wer an seine Stelle käme, man streit darüber, ob Herr v. Rheinbaben oder Herr v. Bitter aus Posen der Nachfolger sein soll. Man will offenbar lange genug warten, um behaupten zu können, der Grund für seinen Rücktritt liege nicht in der Bettelbriefaffäre. Man will es nicht zugeben, daß ein Staatssekre⸗ tär des deutschen Reiches durch ein sozialdemo⸗ kratisches Blatt gestürzt werden könne., Aber gehen muß er doch! Vom Hunnenthum. Von den deutschen„Kulturverbreitern“ in China und ihrem barbarischen, hunnenmäßigen Vorgehen unterrichten uns verschiedene Schrift⸗ stücke, die in der letzten Zeit eingelaufen sind. In die ersten Zeiten der deutsch⸗christlichen Kul⸗ turthätigkeit in China führt ein Hunnenbrief zurück, den die„Rhein.⸗Westf. Arbeiterzeitung“ veröffentlicht und der in besonders roher Form bereits bekannte Scheußlichkeiten bestätigt. Es heißt in der Epistel: „Den vierten Tag sind wir vor Peking angekommen. Auf dem Marsch so'nen Gestank, alle zehn Miauten kletterte man über einen halbverfaulten Chinesen oder über ein verfaultes Pferd, es war grausig. Die erste Zeit in Peking war es zi⸗mlich ruhig. Der erste Sonntag war sehr indressaut, denn am Sonntag Nachmittag erschossen wir 74 Chiuesen, das war eine Sonntagsar beit. Den 12. September da war es, wo wir das erste Ge⸗ secht hatten, die Erstürmung der Festung Lianghiang.. Die Kugeln der Boxer und Chinesifchen Infanterie pfiffen über unsere Köpfe. Da war es aber grausig zugegangen. 56000 Chinesen wurden niedergemacht. Du mußt bedenken, was die Chinesen für Angst haben; wir haben die größten Tropenhüte, da denken die Chinesen, die wären von Eisen, da gingen keine Kugeln durch, und die langen Seitengewehre. Am vergangenen Montag machten wir wieder nach dem Gebirge, da kamen wir bloß zwei Stunden zu spät, sonst wären uns 20000 Boper in die Finger gelaufen. Das wäre aber ein Morden gewesen. Du glaubst gar nicht, daßt macht einem Spaß, so zu morden nach Herzens lust. Das sind die Früchte der christlich⸗germa⸗ nisch⸗militärischen Kultur:„Das macht einem Spaß, so zu morden!“ Bezeichnend für die Moral der Hunnen⸗ krieger ist eine vom 16. Oktober aus Tientsin datirte Feldpostkarte, die dem„Vorwärts“ im Original vorlag. Da schreibt der Kulturpionier: N hne nen e liche Bestien, mit denen ich, ebensowenig jeder andere, nichts zu thun haben möchte. Nicht mit Mostrich zu genießen. Wir ver⸗ wenden sie nur zum Sachen nähen. Auch muß sich mitunter so ein Biest auf einen Esel setzen und einen kleinen Todesritt machen, bis sie zuletzt herunterfällt, das größte Vergnügen für uns. Auch muß so mancher Langzopf sein Leben lassen, wenn er nicht thun will, wie ihm befohlen. Privat- vergnügen jeder Art giebt es alle Tage, doch wagt sich keiner von ihnen auszurücken, da überall Posten stehen...“ Die germanische Sittlichkeit und die christ⸗ liche Nächstenliebe dieses freiwilligen Muster⸗ patrioten sind derart, daß wir mit Entsetzen uns vorstellen können, welche„Kräfte“ in dem europäischen Militarismus schlummern. Es ist keine Uebertreibung, es ist blutige Wahr⸗ heit: Die Zeiten des dreißigjährigen Krieges sind zurückgekehrt, da man es auch unter die köstlichsten Privatvergnügungen rechnete, die Weiber schimpflich zu quälen und Männer zu morden, wenn sie nicht thun wollen, was sie die„Reutter“ zu thun hießen. Wenn man die Thaten der Peters, Leist, Arenberg vertausend⸗ facht, so hat man in einem schwachen Abriß des chinesischen Feldzuges. Das Kulturgewissen des Volkes wird Rechenschaft von denen for— dern, die für diese Missethaten einer grauen⸗ haften Verrohung verantwortlich sind, auch wenn Herr v. Goßler, der preußische Kriegsminister, immer noch nichts amtlich von dem weiß, was in zahllosen Zeugnissen gen Himmel schreit.— Die Kriegsmüdigkeit unserer Hunnen⸗ krieger geht aus einem anderen Briefe hervor, der eben durch die Presse geht. Darin heißt es: „Wir sehnen uns alle nach Nachrichten aus der Heimath, und noch mehr nach der Rückkehr, vom Offizier herab bis zum letzten Mann. Das Hühnerstehlen, Ab⸗ schießen von einzelnen meist wehr⸗ losen, ungefährlichen Chinesen und das Herumliegen in chinesi⸗ schem Schmutze, haben Alle gründ⸗ lich satt. Bisher haben wirklich nur das Federvieh und das meist unschuldige Prole⸗ tariat ihr Blut hergeben müssen. Die Schul- digen sind fast ausnahmslos ent⸗ flohen und warten ruhig im Innern und im Gebirge ab, bis die„fremden Teufel“ wieder abgezogen sind....“ Aus diesen Mittheilungen geht mit aller Deutlichkeit hervor, auf welche Art die„Kul- turnationen“— die deutsche voran— in China „dem Handel freie Bahn“ und dem Christen⸗ thum Eingang zu verschaffen suchen. Offiziers⸗Pensionen. Im Laufe des Jahres 1900 wurden in Deutschland nicht weniger als 808 Offiziere verabschiedet. Davon erhalten 644 Pensio⸗ nen, 164 sind ohne Pension verabschiedet oder ausgeschieden. Voriges Jahr betrug der Ge⸗ sammtabgang an Offizieren 700, stieg also im letzten Jahre ganz bedeutend, trotzdem durch die Chingexpedition der aktiven Armee etwa 500 Offiziere entnommen wurden. Dem deutschen Volke kosten die Massenpensionirungen ein schönes Stück Geld. Aus der Ferienkolonie. Vorige Woche wurde in Dresden ein Re⸗ krutenschinder, der Unteroffizier Groß zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt. Dieser „Stellvertreter Gottes“ hat zehn Rekru⸗ ten fortgesetzt in empörender Weise mißhan⸗ delt. Der Unmensch hat die Leute, die aus Furcht keine Meldung erstatteten, vier Wo— chen täglich mit Ohrfeigen traktirt. Einzelne davon ließ er 8-10 Minuten lang Kniebeuge machen mit vorgestreck⸗ ten Armen. Andere stieß er mit der Ge⸗ wehrmündung in den Unterleib, einem Peanne warf er einen Patronenrahmen ror die Brust, daß der Mann erkrankte, wie⸗ der einen anderen ließ er so lange am Quer⸗ baum hängen, bis der Mann kraftlos herunterfiel. Schläge mit der Faust un⸗ ters Kinn und Fußtritte beim Exer⸗ ziren bildeten weitere Ausdrücke der Rohheit dieses Unteroffiziers. Der rohe Patron legte 1 gegen das Urtheil Berufung ein. Er scheint also noch gar nicht einzusehen, wie sehr er eine exemplarische Strafe verdient hat. Zu wun⸗ dern braucht man sich nicht, wenn das moderne Militärsystem solche Charakter großzieht. Aus Furcht ließen sich die Leute lange Zeit miß⸗ handeln; die„eiserne Disziplin“ war ihnen schon gründlich eingeimpft. Ja, es ist eine Luft, Soldat zu sein. Gegen den Lebeusmittelwucher. Auch die Stadtvertretung in Got ha beschloß, die Gothaer Staatsregierung zu ersuchen, sie möge im Bundesrath dahin wirken: 1. daß im neuen Zolltarif von einer Erhöhung der jetzi⸗ gen Getreidezölle, sowie der Zölle auf andere nothwendige Lebensmittel Umgang genommen, 2. daß zur Sicherung einer gedeih⸗ lichen Entwickelung unserer Exportindustrie und zur Behauptung der auswärtigen Absatzgebiete langfristige Handelsverträge abge⸗ schlossen, bezw. noch weiter ausgebaut und 3. daß von der Einführung sogenannter Doppel- tarife abgesehen werde. Urtheile Geistlicher über Gewerkschaften und Streikbrecher. Aus Anlaß der Gründung eines christlichen Streikbrecherbundes gelegentlich eines dänischen Hafenarbeiterstreiks in Randers(Dänemark) äußerte sich ein Geistlicher:„Es ist meine Mei⸗ nung, daß die Vorkämpfer der Organisation die tüchtigsten und rechtschaffensten Ar⸗ beiter sind, während an den Streik⸗ brechern oft„ein moralischer Haken“ gefunden wird. Es liegt eine große Gefahr darin, mit einer ökonomischen Bewegung den Namen Christi zu verknüpfen. Wir Geist⸗ lichen protestirenenergisch dagegen, daß es Gottes Sache sein sollte, als Streikbrecher zu arbeiten.“ Ein anderer Geistlicher erklärte:„Es ist meine Ueberzeugung, daß die Gewerk⸗ schaftsbewegung Nutzen gebracht hat und ganz besonders auch die morali⸗ schen Eigenschaften der Arbeiter erhöht hat. Lebt man fern von anderen Menschen, so mag man thun, was man will. Lebt man aber mit so vielen zusammen, so hat man Rücksicht auf die Allgemeinheit zu nehmen und vor Allem nichts zu thun, was die Arbeitsbedingungen der anderen beeinträchtigen kann. Man soll sich nicht weigern, einem Fachverein beizutreten, mit der Moti⸗ virung, daß man damit vielleicht etwas Böses begehen würde. Denn dann könnte man ja auch nicht Staats- noch Gemeindebürger sein, wenn jeder Einzelne die Verantwortung für jede Handlung dieser Gemeinschaften tragen würde.“ Allerdings giebt es wenige Geistliche, die so objektiv über die Arbeiterbewegung urtheilen. Vernünftiger Kaplan. Für den Achtstundentag plaidirte in Görlitz jüngst ein katholischer Kaplan. Er sprach in einer Versammlung des katholischen Arbeitervereins und wies dabei, einem Bericht des freisinnigen„N. Görlitzer Anz.“ zufolge, „eingehend in populärer Darstellung die schäd— lichen Folgen nach, welche die übermäßige Ar- beitsdauer, die man als Raubbau bezeichnen kann, in gesundheitlicher Beziehung hat. Er konnte seine Beweisführung auf zahlreiche Er⸗ fahrungen in der seelsorgerischen Wirksamkeit stützen, berücksichtigte in seinen Darlegungen so⸗ wohl die körperliche als auch die geistige Arbeit und kam nach einer eingehenden Erörterung des Mißbrauchs des Alkohols zu dem Endergeb— niß, daß das Verlangen nach einer nicht zu langen Arbeitszeit gerechtfertigt ist und daß auch der Achtstunden⸗Arbeitstag für den Einzelnen und das Menschengeschl echt bon Vortheil sein würde de die katholischen Arbeitervereine alles wollen, was ihre Kapläne wollen, so dürfte sich auch der Verein damit einverstanden erklärt haben. Das Zentrum ist bekanntlich nicht für den Acht— stundentag zu haben. Dläten und Reichstagswahlrecht. Gegen des Neichstagswahlrecht hetzt wieder einmal die Stummsche Post. Die Ge⸗ währung von Diäten will sie mit der Verschlech⸗ terung des Wahlrechts verknüpft wissen. Be⸗ sonders klagt sie über die langen Reden der zialdemokraten, welche anzuhören diejenigen 1 r Unser wurde von burg in e auf die Re lig zu Austri erklärt. errangen Donnersta in Lipp schen Kan Sie sind worden. Städten bildet wi Stimmen nur 399 lichen) Lemgo de Im siebet nosse Be 705 sozial der Wahl sein, daß Wäbler g Stichwah Freisinni zum gröf losen The zuschreibe Die 0 wahl bre Kreise B mit 961 harteilo bekam. E rat in l die Sozi licht an immer zi iel gedeih⸗ dustrie und hatzgebiete ige abge⸗ t und 3. r oppel⸗ aten und christlichen Haken“ ze Gefahr gung den r Geist⸗ gegen, te, als „Es ist ewerk⸗ ebracht rorali⸗ rbeiter anderen nan will. umen, so inheit zu „was die trächtigen einem er Moti⸗ as Böses i ja auch in, wenn für jede würde.“ „ die so urtheilen. ab in rap q. ahelichen n Berich zufolge, die schad⸗ hig Au eech 9 N 3———————— Nr. 1. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. nicht im stande seien, die ihre Zeit nicht gestoh⸗ len hätten. Außerdem legt sie sich für Er hö h⸗ ung der Altersgrenze der Wahlberech⸗ tigten sowie für deren Seßhaftigkeit in's Zeug, das heißt also, wahlberechtigt soll nur sein, wer jahrelang an einem Orte ansässig ist. Auch dürfen die Abgeordneten Diäten nur für solche Sitzungen erhalten, in denen sie ihre An⸗ wesenheit nachgewiesen haben. Wenn das Letz⸗ tere dem konservativen Blatte so am Herzen liegt, muß man sich wundern, daß es den glei⸗ chen Vorschlag nicht schon längst für den preußischen Landtag gemacht hat. Hier werden die Diäten von 15 Mk. für jeden Tag, auch für die Sonntage und die Sitzungs- ferientage an alle Abgeordneten gezahlt, mö— gen sie in Berlin sein oder nicht, mögen sie den Sitzungen beiwohnen oder nicht. Die„Post“ hätte also die beste Gelegenheit, ihre guten Rathschläge zuerst an ihren eigenen Freunden zu erproben. Davor wird sie sich freilich schwer hüten. Christliche„Toleranz“. Unser Genosse Göhre, der frühere Pastor, wurde vom Konsistorium der Provinz Branden⸗ burg in einem langen Schreiben aufgefordert, auf die Rechte des geistlichen Standes freiwil⸗ lig zu verzichten. Göhre hat darauf seinen Austritt aus der evangelischen Landeskirche erklärt. Einen Wahlerfolg errangen unsere Genossen bei den am vorigen Donnerstag vorgenommenen Stichwahlen in Lippe⸗Detmold. Die sozialdemokrati⸗ schen Kandidaten siegten in drei Wahlkreisen. Sie sind mit erdrückenden Majoritäten gewählt worden. Im ersten Wahlkreise, der von den Städten Detmold, Horn und Lage ge— bildet wird, siegte Genosse Obier mit 673 Stimmen über seinen freisinnigen Gegner, der nur 399 Stimmen erhielt. Im dritten(länd⸗ lichen) Wahlkreise errang Genosse Becker-⸗ Lemgo den Sieg mit 250 Stimmen Majorität. Im siebenten Wahlkreise(ländlich) wurde Ge⸗ nosse Becker-Oerlinghausen mit 1007 gegen 705 sozialliberale Stimmen gewählt. Mag auch der Wahlsieg mit dem Umstande zu verdanken sein, daß eine beträchtliche Zahl bürgerlicher Wähler aus partitularistischen Gründen in der Stichwahl lieber den Sozialdemokraten als den Freisinnigen wählten, so dürfte der Erfolg doch zum größeren Theile dem Fleiße und der rast⸗ losen Thätigkeit unserer lippeschen Genossen zu⸗ zuschreiben sein. Die am 31. Dezember vorgenommene Stich—⸗ wahl brachte uns noch einen Sieg. Im Kreise Blömberg erhielt Genosse Schmuck mit 961 Stimmen die Mehrheit über seinen „parteilosen“ Gegner, der nur 718 Stimmen bekam. Somit zieht der vierte Sozialdemo⸗ krat in den lippeschen Landtag ein.— Also die Sozialdemotratie denkt einstweilen noch nicht an„Stillstand“, mit dem die Gegner sich immer zu trösten suchen. Gewerbegerichtswahl in Krefeld. Bei der kürzlich stattgefundenen Wahl der Beisitzer für die gemischten Berufe zum Gewerbe⸗ gericht in Krefeld siegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 722 Stimmen. Die verbün⸗ dete Koalition, Christliche, Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine usw., brachten es nur auf 377 Stimmen. Sozialdemokratische Kommunalforderungen zur Abhilfe der Wohnungsnoth stellte eine Konferenz sozialdemokratischer Ge⸗ meinde vertreter der Provinz Branden⸗ burg folgende auf: 1) Erwerbung von möglichst umfangreichem Grundbesitz. 2) Aufschließung des Grund— besitzes durch Straßen- und Verkehrsanlagen. 3) Verwendung von Gemeindeterrains zur Errichtung von Häusern mit allen Forde- rungen der Volkswohlfahrt entsprechenden Wohnungen, welche der Bevölkerung, beson— ders der Arbeiterklasse zu Miethspreisen zur Verfügung zu stellen sind, bei denen nur die Verzinsung und Amortisation der aufgewen⸗ deten Kosten in Ansatz gebracht werden. 4) Be⸗ messung der Grundsteuer statt nach dem Nutzungswerth nach dem gemeinen Werth un— ter gleichzeitiger Erhebung eines progressiv abgestuften Zuschlags zu der Differenz zwi⸗ schen dem der Grundsteuer zu Grunde ge— Werd 1 legten Werthe und dem wirklich erzielten Kauf⸗ preise des Grundstücks. 5) Aufnahme einer Wohnungsstatistik in regelmäßigen Zwischen⸗ räumen. 6) Einrichtung von kommunalen Wohnungsämtern. 7) Anstellung von lommu⸗ nalen Wohnungsinspektoren. Zur Erleichterung der Durchführung dieser Vorschläge sei von der Gesetzgebung zu fordern: 1) Ersatz des Dreiklassenwahlsystems für die Kommunalwahlen durch das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht. 2) Erweiterung des Zwangsenteignungsrechtes der Gemeinden. 3) Völlige Selbstverwaltung der Gemeinden. 4) Aenderung des 827 des Kommunalabgabengesetzes in der Richtung, daß die Einführung einer wirksamen, die Spekulation in unbebautem Grund und Bo—⸗ den verhindernden Bauplatzsteuer ermöglicht wird. Der Krieg mit China. Zu den Frieden sverhandlungen, „die nicht vom Flecke kommen wollen, wird jetzt bericht, China habe die vun den Mächten an⸗ terbreiteten Friedensbedingungen angenommen. Die Regierung stehe im Begriff, die Annahme der angeführten Punkte durch einen Spezralge⸗ sandten nach Peking zu melden und erfucht die Mächte, die militärischen Operationen einzu⸗ stellen.— Nach amerikanischen Meldungen sind aber die Hoffnungen auf einen baldigen Friedensschluß verfrüht. Der chinesische Ge⸗ sandte in Washington, Wutingfang, ist nach einer Reuter⸗Nachricht sehr erstaunt über die Meldung, Lihungtschang und Tsching hätten Befehl erhalten, die in der gemeinsamen Note der Mächte gestellten Bedingungen zu unter⸗ zeichnen. Er neigt der Ansicht zu, die Direk— tive, die der Kaiser gegeben habe, sei die, daß die Bevollmächtigten in freundlicher Weise die einzelnen Artitel des Abkommens mit den Ge— sandten erörtern sollten, um möglichst günstige Bedingungen in genau bestimmten Punkten und in anderen die in dem Telegramm nicht auf⸗ geführt werden, zu erlangen.— Amerika will, wie es scheint, nicht, daß China alle Forder⸗ ungen der Mächte schleunigst anerkenne. Das ewige Hin und Her der Friedensverhandlungen lätzt die ganze Diplomatenkunst im glänzenden Lichte erscheinen! Ueber die„Fulturarbeit“ der Ver⸗ bündeten schreibt ein amerikanischer Offi⸗ zier unter Anderem: Die ganze Gegend von Peking bis zur Küste in einer Ausdehnung von ungefähr 115 Meilen längs der Straße ist von den Verbündeten verwüstet worden. Jedes Haus ist ausgeplündert und eine große An⸗ zahl derselben ist zerstört worden. Tempel und Paläste, das Haus des Mandarinen wie die Hütte des Bauern— alle sind in gleicher Weise behandelt worden. Zwischen Peking und der Küste bin ich an vielen Dörfern vorbeigezogen, kleine, zusammengedrängte Städte, alle aus⸗ geplündert, still und leer wie die Ruinen von Babylon oder Niniveh. Außer solchen Kulis, die von den Verbündeten ergriffen und unter Bewachung zu arbeiten gezwungen worden sind, nicht ein einziger Eingeborener in einer sonst von menschlichen Wesen wimmelnden Gegend. Das heißt, keine Eingeborenen außerhalb der großen Städte Tientsin und Peking, sie haben vielleicht nur noch ein Sechstel ihrer früheren Bevölkerung. Tau sende sind brutal er⸗ mordet und es sind viel mutwillige Zer⸗ störungen und andere Aus schreitungen gegen wehrlose Leute verübt worden. Ich hoffe und glaube, daß die Angelsachsen we⸗ niger brutal als die anderen gewesen sind, aber sie haben auch ihren Antheil an Beute erhalten. Die Geschichte dieses Krieges gereicht bis jetzt nicht der„höheren Rasse“ oder ihrer Zivili⸗ sation zur Ehre. Und der Korrepondent der„Frankf. Ztg.“ besuchte eines der zum Theil niedergebrannten Dörfer in der Nähe von Tientsin und schreibt über seine dort gewoddenen Eindrücke u. a. fol⸗ gendes:„Ehe wir das Dorf verließen, betra⸗ ten wir auch eines der weniger verbrannten Häuser. Es verdankte seine theilweise Rettung wohl dem Umstande, daß es etwas abseits gele⸗ gen war. Der Besitzer öffnete auf unser Klop⸗ fen sofort, grüßte militärisch und sagte:„Ja“, indem er auf einen in der Dunkelheit nicht sofort zu erkennenden hohen Haufen in der Zim⸗ merecke wies. Es waren eine Art Futterrüben und zwei hohe Töpfe mit Reis, die er uns anbot, als das Letzte, was er besaß, denn die große Stabe, die einzig erhaltene, zeigte wohl noch Spuren von Gewaltthätigkeiten an den Wänden, an denen wahrscheinlich Zimmer⸗ schmuck angebracht gewesen war, aber sie enthielt nichts weiter als diese armseligen Nahrungs⸗ mittel, die für den ganzen Winter reichen sollen. Und das bietet uns der Unglückliche ohne Zau⸗ dern an, weil er sich natürlich vor Schlägen fürchtet und sich nicht anders denken kann, als daß ihn aufsuchende Euro⸗ päer auf Raub aus sind! Wir beruhig⸗ ten den armen Teufel durch freundliches Nicken und Lächeln. Aber ich muß gestehen— näher als das Lächeln war mir das Fluchen— und diesmal nicht auf die Chinesen.“ Der Krieg in Südafrika. Ueber die Auswe isungen von Aus⸗ ländern aus Transvaal klagt ein Bericht, der im„Hamb. Korr.“ erschienen ist. Es heißt darin: Im großen Ganzen wird mit großer Härte und Grausamkeit verfahren, die sich besonders darin äußert, daß die Leute ohne irgend welche vorherige Warnung verhaftet wer⸗ den, daß ihnen somit keine Gelegenheit gegeben wird, ihre Geschäfte einigermaßen zu ordnen und für Schutz ihres Eigenthums Sorge zu tragen. Oft wird den Leuten weder Zeit noch Gelegenheit gegeben, sich mit ihren Konsuln in Verbindung zu setzen, und damit ist auch die⸗ sen die Möglichkeit genommen, vorstellig zu werden. Es sind eine ganze Reihe Ausländer aus⸗ gewiesen worden, die sich in keiner Weise an dem Kriege betheiligt haben; andere Nichtkom⸗ battanten sind ausgewiesen worden, unter dem Vorwand, sie hätten Polizeidienste gethan, wäh⸗ rend es den Behörden genau bekannt ist, daß solche Leute unter Zwang seitens der Buren⸗ Regierung handelten. ö 5 Eine neue Schlappe der Engländer wird unterm 31. Dez. gemeldet. Lord Kitchener be⸗ richtete, daß der britische Posten in Hel⸗ vetia in einer starken Stellung an der Bahn von Machadadorp nach Lydenburg von den Bu⸗ ren genommen wurde; dabei sind 50 Engländer gefallen oder verwundet und 200 in Gefangenschaft gerathen. Lord Kitchener meldet weiter, er„folge dem Feinde auf dem Fuße.“ Die Wiederbesetzung von Helvetia werde durch Verstärkungen aus Belfast ausgeführt. Das zweifelhafte Vergnügen, dem Feinde auf dem Fuße zu folgen, haben sich nunmehr wohl schon alle englischen Heerführer in Süd⸗ afrika geleistet; meist war allerdings der ein⸗ zige Erfolg, daß eine Abtheilung der verfolgen⸗ den Engländern abgekniffen und für einige Zeit dem Dienst„ihrer britischen Majestät“ entzogen wurde. Offenbar haben die Buren mit der Ue⸗ berrumpelung von Helvetia eine glänzende Waf⸗ fenthat vollbracht und den Engländern das Neu⸗ jahrsfest gründlich verdorben. Die Lage in der Kapkolonie ist wenig ver⸗ ändert. Nach neueren Nachrichten haben zwei weitere Burenkommandos den Oranjefluß über⸗ schritten. Die in die Kapkolonie eingedrungenen Buren zählen nun über 5000 Mann. Das west⸗ liche Kommando hat sich in zwei Abtheilungen getheilt; die eine marschirt über Sutherland nach Malmesbury zu, die andere konzentrirt sich gegen Beaufort West. Bisher konnten die Engländer die Buren in keiner Weise an ihrem Vordringen hindern. — ͤ——— Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. 55 5 1 wird also fortan in nationalliberalem Sinne ge⸗„Zufriedene“ und„unzufriedene“ Arbeiter Von Nah Und ern. leitet werden. bei ihren Festlichkeiten. Gießener Angelegenheiten. — Ein ungebetener Gast für Viele lat der Winter genau mit dem Beginn des neuen Jahres bei uns seinen Einzug gehalten und hat sein Regiment gleich mit ungewohnter Strenge angetreten. Die Temperatur fiel in den letzten Nächten bis 10—12 Grad Kälte, auch um die Mittagszeit stieg das Thermometer nicht über— 3—4 Grad. Nach den Witterungsbe⸗ richten aus dem übrigen Deutschland dürfte die Kälte anhalten.— Für die Arbeiterschaft ist dies durchaus nicht erfreulich. Während die wohlhabenden Kreiese den Frost herbeisehnen, damit sie dem Eissport huldigen lönnen, leidet der nichtbesitzende Proletarier unter der wirth⸗ schaftlichen Krise und der Kohlen⸗ theuerung. Das Gespenst der Arbeitslosig⸗ keit hat schon vielen Familien die Festesfreude vergällt und wird durch den Frost eine weitere Ausdehnung erfahren. Und die Kohlennoth, die den Haushalt der Aermsten jetzt schon schwer be⸗ lastet, wird dies nach Eintritt der Kälte erst recht thun. Hoffen wird deshalb, daß die Winterkälte nicht allzulange anhält.— Merkwürdigerweise wurde bisher die städtische Kohlenab⸗ gabe nicht in dem Maße in Anspruch genom⸗ men, als man erwarten sollte. Für viele Fa⸗ milien werden allerdings die Transportschwie— rigkeiten in Frage kommen. Arbeiter, die den ganzen Tag über außer Hause beschäftigt sind, können die Einrichtung gar nicht in Anspruch nehmen, wenn kleinere Kinder vorhanden sind und die Frau genöthigt ist, dieselben zu beauf⸗ sichtigen. Könnten den Abnehmern die Kohlen zugestellt werden, vielleicht gegen eine kleine Vergütung, wäre das ein großer Vortheil. — Ein grausiges Unglück ereignete sich kurz vor Jahresschluß in dem Hause Kir⸗ chenplatz 11, in demselben, wo unsere Redaktion sich befindet. Am Sylvesterabend, etwa gegen halb neun Uhr Abends verbrannte die Ehefrau des Arbeiters Schneider auf gräßliche Weise. Sie war um diese Zeit damit beschäf⸗ tigt, ihr Schlafzimmer zu ordnen. Dabei muß sie in Krämpfe verfallen sein, wie das schon mehrfach vorkam, wobei die Petroleumlampe explodirte und das Bett und die Kleider der Frau sofort in Flammen standen. Hilferufe konnte sie nicht ausstoßen, erst zufällig wurde sie in ihrer fürchterlichen Lage durch ein Kind entdeckt, worauf dann die Nachbarn herbei— eilten und den Brand löschten. Mit sehr schwe⸗ ren Brandwunden bedeckt, wurde die Verun⸗ glückte in die Klinik verbracht, wo sie in der Nacht zum 2. Januar ihren Qualen erlegen ist. Das traurige Schicksal der arbeitsamen u ud ordentlichen Frau erregt hier allgemeine Theil— nahme. — Erste Hilfe bei Unglücksfällen. Bei dem oben geschilderten Unglücksfalle machte sich der Mangel einer Rettungsstation, von wel⸗ cher aus durch sachverständige Leute die erste Hilfe bei solchen Ereignissen erfolgen könnte, in empfindlicher Weise fühlbar. Während der herbeigerufene Arzt sofort zur Stelle war, dauerte es eine lange Zeit, bis endlich die Ueber führung der fürchterlich leidenden Frau nach der Klinik stattfinden konnte. Mehrere Drosch⸗ kenkutscher weigerten sich, die Verunglückte zu fahren; schließlich wurde der Transport auf Veranlassung der Pol, zei in einem verstaubten, für gewöhnlich im Spritzenhaus unterge— brachten Krankenwagen ausgeführt, in dem auch Selbstmörder ꝛc. transprotirt werden. Das ist ein grober Mißstand. Für eine Stadt wie Gie— ßen muß es eine Leichtigkeit sein, wenigstens ein Lokal in der Mitte der Stadt zu unterhal⸗ ten, wo stets geschulte Leute zur ersten Hilfe- leistung zur Verfügung stehen und das mit den nöthigen Instrumenten, Transportmitteln ꝛc. ausgestattet ist. Vielleicht nehmen unsere Ge⸗ nossen in der Stadtverordneten-Versammlung, Gelegenheit, Anregungen in diesem Sinne zu geben. — Nationalliberales Blatt. Die „Gießener Neuesten Nachrichten“ theilen in ih⸗ rer Nummer vom vorigen Sonntag mit, da Herr Redakteur Hoppstädter, der im Jahr 1893 in Altena⸗Iserlohn als Nationalli beraler zum Reichstage kandidirte, demnächst die Redaktion des Blattes übernehmen wird. Es = Bei dieser Gelegenheit sei eine Notiz erwähnt, die fich in Nr 3 der„G. N. N., flüdet De wird erzählt, daß in Hamburg ein erheblicher Theil Maurer aus der Partei ausge⸗ treten sei, weil sie sich der Bestimmung„von oben herab“ nicht hätten fügen wollen, daß die Akkordarbeit im Maurergewerbe gänzlich besei⸗ tigt werde. Uns ist von der Geschichte nicht das Mindeste bekannt. Die Beseitigung der Akkordarbeit ist übrigens keine Partei-, sondern eine gewerkschaftlische Forderung, es fällt der Partei niemals ein, eine solche Be⸗ stimmung„von oben herab“ zu geben. Schöne Gesellschaft überhaupt, die wegen solcher Baga⸗ tellen aus der Partei austritt! Wieseck. ch. Vom Arbeiterbildungsverein wurde am vorigen Sonntag ein Familienabend abge— halten, der äußerst zahlreich besucht war und den besten Verlauf nahm. Durch Vorträge ernsten und heiteren Inhalts unterhielten sich die Theil⸗ nehmer aufs Beste. Eine Verloosung nützlicher Haushaltungsgegenstände folgte zum Schlusse. Ferner ist noch die weitere, recht erfreuliche Thatsache zu erwähnen, daß bei dieser Gelegen⸗ leit die Gründung eines Arbeitergesang⸗ vereins angeregt wurde, welchem beizutreten auch gleich eine große Anzahl der Anwesenden sich bereit erklärte. Wieseck sollte eigentlich schon längst seinen Arbeitergesangverein haben, hof⸗ fentlich kommt es jetzt zur Gründung eines solchen. 1 N Aus Wetzlar. tl. Arbeiterentlassun gen. Die abflauende Geschäftskonjunktur macht sich auch hier in Wetzlar bereits empfindlich bemerkbar. Vom hiesigen Walzwerk sind schon eine ganze Anzahl Arbeiter entlassen worden, während ver— schiedene andere Werke zahlreiche Feierschichten einlegen. Das bei den ohnehin schlecht gelohnten Arbeitern herrschende Elend wird dadurch natür⸗ lich noch mehr verschärft. Dabei kommen durch⸗ aus nicht wenig Familien in Betracht. Bei dieser Sachlage lesen sich die Aufrufe zu Sam m⸗ lungen für die Buren, die wahrhaftig nicht auf die paar deutschen Pfennige angewiesen sind und die für das Bismarckdenkmal, das so über⸗ flüssig ist, wie ein Kropf, wie der reinste Hohn. Wenn die guten Leute vom„Alldeutschen Ver⸗ band“ Elend mildern wollten, so hätten sie hier bei uns genügend Gelegenheit dazu und brauch- ten nicht in die Ferne zu schweifen.— Für das Bismarckdenkmal ging, wie uns mitgetheilt wird, der Herr Landrathsamts⸗Ver⸗ walter persönlich sammeln. Dadurch wurde die Sammlung allerdings ergiebiger, für Manche war das aber höchst unangenehm. Wir finden das sehr begreiflich. Krieg im Krie gerverein. Als kürz⸗ lich die Vorstandswahl im hiesigen Krieger⸗ verein vorgenommen werden sollte, verlang— ten die Offiziere, daß ihnen das Vorrecht eingeräumt werde, unter sich einige Mann in den Vorstand zu wählen. Dem konnte nicht stattgegeben werden, weil das einfach gegen das Statut verstößt. Darüber kam es zum Krach. Die deutsche Kameradschaftlichkeit ging in die Brüche, die Herren Offiziere erklärten ihren Austritt und werden wohl nun einen Offiziers Kriegerverein gründen. Ob den„gewöhnlichen“ Mitgliedern nicht bald die Ueberzeugung auf— dämmert, daß sie von gewissen Leuten nur als Staffage gebraucht, sonst aber als eine ge⸗ ringere Menschenklasse betrachtet werden? In Sachen des Offenbacher Conflikts entschied der Provinzialausschuß der Provinz Starkenburg auf den Rekurs des Ober- bürgermeisters Brink in Offenbach unter Auf⸗ hebung der Entscheidung des Kreisausschusses zu Ossenbach dahin, daß der Beschluß der Stadt⸗ verordneten-Versammlung, vier vorberathende Ausschüsse der Stadtverordneten, die nicht unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters stehen sollten, zu bilden, ungiltig und aufzuheben sei. Der Stadt wurde die Zahlung eines Aversio— nalbetrages(Vergleichssumme) von 25 Mark auferlegt. Ob bei diesem Entscheid unsere Ge— nossen sich beruhigen werden, bleibt abzuwarten. Zu dieser Angelegenheit kündigt unser Of⸗ senbacher Parteiblatt an, daß gegen diese Ent⸗ scheidung Beschwerde bei dem Ministerium er⸗ hoben werden wird. Warten wir also ab, was die oberste Instanz zu der Sache sagt. 5 Am zweiten Weihnachtsfeiertage hielten in Mainz, wie unser dortiges Parteiorgan be⸗ richtet, sowohl die„ordentlichen“(Innungs⸗ schäfchen) wie die„minderwerthigen“(Organi⸗ sirten) Bäckergehilfen jede sür sich einen Ball ab. Der Ball der„Minderwerthigen“ verlief in schönster Ordnung und hielt die Theil⸗ nehmer bis in der Frühe gemüthlich beisammen. Der Ball der„Ordentlichen“, welcher zur hö⸗ heren Weihe von den Innungsmeistern besucht war, hatte schon einen stürmischen Anfang, da die Polizei schon vor Mitternacht gezwungen war, einem Innungsschäfchen den Revolver ab⸗ 8 * zunehmen. Wie wir gehört haben, soll die Sache noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Vielleicht schöpfen die Arrangeure dieses Balles aus den diversen Vorkommnissen die Erfahrung, in Zu⸗ kunft mit den Organisirten Hand in Hand zu gehen. Das dürfte für die Bäckereiarbeiter vor⸗ theilhafter sein, als das Streben, sich in der Sonne innungsmeisterlicher Huld zu wärmen. Letzteres können sich auch die Gießener Bäckergehilfen zu Herzen nehmen. Wieder Einer. Große Unterschlagungen hat der vor einiger Zeit verstorbene geistliche Verwalter und Stadtrath Ludin in Karlsruhe begangen. Wie sich jetzt herausstellt, hat der noch am Grabe gefeierte Ehrenmann“ Unterschlagungen in der Höhe von 185000 Mk. verübt, die er durch dreiste Fälschungen zu Wege gebracht und durch überaus geschickte Manipula⸗ lionen Jahre lang zu vertuschen gewußt hat. Besonders schwer betroffen von den Verun⸗ treuungen ist der Verein zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder im Großherzogthum Ba⸗ den, dessen Rechner und Verwaltungsmitglied Ludin seit 1883 gewesen war. Guter Schwabenstreich. Von einer bei den neulichen Wahlen in Württemberg vorgekommenen gelungenen Wahlgeschichte berichtet der demokratische Stuttgarter„Beobachter“. Fürst Hohenlohe⸗ Langenburgern, es sei sein dringender Wunsch, in der fürstlichen Residenzstadt Langenburg eine gefährliche Neigung bestehe, demokratisch zu wählen. Er schrieb deshalb seinen biederen Langenburgern, es sei sein drinegender Wunsch, daß nicht der bürgerliche Demokrat Haußmann gewählt werde. Also sagten die Langenburger: Man muß dem Fürsten folgen und wählten 68 Mann hoch den— Sozialdemokraten Fischer! Folgen des Sternberg⸗Prozesses. Auch gegen den Re htsanwalt Justizrath Sello ist nunmehr die förmliche gerichtliche Voruntersuchung wegen Begünstigung eröffnet worden.— Wie der„Vorwärts“ mittheilt, ist beim Tode Meerscheidt-Hüllessem's Cyankali in Wirksamkeit getreten. Dadurch wird die sonst doch einigermaßen verwunderliche Thatsache der Obduktion der Leiche sehr ver⸗ ständlich, ebenso die Nachricht von der Fortfüh⸗ rung der Untersuchung gegen den verstorbenen Polizeidirektor. Korektur des Löbtauer Zuchthausurtheils. Aus dem Zuchthause zu Waldheim sind vorige Woche die Bauarbeiter Pfeifer und Leiber entlassen worden. Sie waren zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt, Opfer jenes furchtbaren Urtheils des Dresdener Schwurge⸗ richts, das im Anfang des Jahres 1899 nicht nur in ganz Deutschland, sondern weit über dessen Grenzen hinaus ein gewaltiges Aufsehen erregte.— Wie dem„Vorwärts“ von unter⸗ richteter Seite mitgetheilt wird, hätten die da⸗ mals betheiligten Geschworenen ein aus⸗ führlich begründetes Gnadengesuch einge— reicht. Das von sämmtlichen Geschworenen unterzeichnete Gesuch, welches mehr als eine Bitte um Gnade enthalten hätte, sei von der sächsischen Regierung abschläglich beschieden worden. Wahltreis Marburg Kirchhain. St. Marburg, den 4. Januar 1901. Sylvesterfeier. Der hiesige Bezirks⸗ verein des Verbandes der deutschen Buchdrucker hatte am Sylvesterabend im Cafee Quentin eine kleine Feier veranstaltet, welche einen recht zufriedenstellenden Verlauf nahm. Große Hei⸗ terkeit erregten besonders die Scherzverlosun⸗ hochangesehene. . 16. fac Ie schlag— gleflang. 2 flogend 1e in Jesberg denossen h. 19 feierte Möge es gendes ein Volks zühlung zählen Vet Tenstandsn sier über zählt worde 15 17201 ttsanwesel Dez. 16 15 1752 Being tag Abend Becht dur soll in eine ung über R ihm auf di einer Eisen B. schwer! sofort verht fügung der am Mittn der Anklag herlich schn der Verletz Erfri ganz plötzl bereits ein einem ben jahr gefeie auf dem f erfroren a — Un im Herbste er uns mi K N sigkeit. Darmst. Mark zur Es sollen! sirungen Ei N mershei lage ein S wie der G dert. 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Jesberg ging es lustig her. Eine Anzahl Genossen hatten sich dort zusammengesunden und feierten den Beginn des neuen Jahres. Möge es ihnen und uns Allen ein segenbrin— gendes sein! Volkszählung. Bei der letzten Volks- zählung sind hier über 200 Personen mitzu⸗ zählen vergessen worden. Bei der Perso— nenstandsaufnahme am 1. Okt. v. Is. waren hier über 17500 ortsanwesende Personen ge— zählt worden, während bei der Volkszählung nur 17291 Einwohner gezählt wurden. Die ortsanwesende Bevölkerung betrug hier am 1. Dez. 1900 nach Hinzuzählung der„Vergesse— nen“ 17529 einschl. 669 Militärpersonen. Beinahe erschlagen wurde am Sonn⸗ tag Abend der hiesige Weißbindermeister Becht durch den Althändler Ritter. Becht soll in einer Wirthschaft eine abfäl ige Aeußer⸗ ung über Ritter gemacht haben, worauf letzterer ihm auf die die Straße nacheilte und ihn mit einer Eisenstange über den Kopf schlug, sodaß B. schwer verletzt darniederliegt. Ritter wurde sofort verhaftet, aber wieder entlassen. Auf Ver⸗ fügung der Staatsanwaltschaft wurde Ritter am Mittwoch aufs neue verhaftet unter der Anklage, den Weißbindermeister Becht kör⸗ perlich schwer verletzt zu haben. Uebrigens soll der Verletzte sich jetzt außer Gefahr befinden. Erfroren. Die mit dem neuen Jahre ganz plötzlich eingetretene große Kälte hat hier bereits ein Opfer gefordert. Ein Knecht aus einem benachbarten Dorfe, welcher hier Neu- jahr gefeiert hatte, wurde am anderen Tage auf dem Wege zwischen hier und Ilschhausen erfroren aufgefunden. — Unser Freund Jul. Wolff, der im Herbste Marburg verließ, befindet sich, wie er uns mittheilt, gegenwärtig in Leipzig. Kleine Mittheilungen. * Maßregeln gegen Arbeitslo⸗ sigkeit. Von den Stadt⸗Verordneten in Darmstadt wurden der Bürgermeisterei 9400 Mark zur Beschätigunfg Arbeitsloser bewilligt. Es sollen vornehmlich Planirungen und Chaus—⸗ sirungen vorgenommen werden. *r Eisenbahn⸗Unglück. Bei Ger⸗ mersheim(Pfalz) entgleiste am Neujahrs— tage ein Schnellzug. Maschine und Tender, so— wie der Gepäckwagen sind vollständig zertrüm⸗ mert. Ein Heizer wurde schwer verletzt ins Hospital geschafft. Von den Passagieren wurde Niemand beschädigt. * Von der Maschine zermalmt. In f der Mehlfabrik in Bonames gerieth ein ver- bheiratheter Arbeiter beim Putzen der Dampf- e S bis 12. April in Mainz abgehalten läufige Tagesordnung enthält u. A. folgende maschine in das Kammrädergetriebe und wurde vollständig zermalmt. * Schon wieder Einer! Aus Metz wird berichtet: Der katholische Pfarrer Till⸗ mont, Gründer und Leiter einer Knaben-Er⸗ ziehungs⸗ und Besserungs-Anstalt in Obergin— ningen, wurde nach der Metzer Zeitung unter dem Verdacht der Vornahme unsittlicher Hand⸗ lungen mit Zöglingen verhaftet und hier ins Gefängniß eingeliefert. Arbeiterbewegung. Die achte Gener al ver sam mlung des Verbandes der Bäcker wird vom 8. Dis Lor⸗ 0 Punkte: Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks Anträge auf Einführung der Arbeitslosenunter⸗ stützung im Verbande. nungs⸗Einrichtungen. und deren Durchführung. Stellung zu den In⸗ Die Bäckerschutzgesetze § Bäcker. Vor einiger Zeit sind in der Bäckerei des Breslauer Konsumver⸗ eins Differenzen mit den Bäckergehilfen ausge— brochen. Mit dieser Angelegenheit befaßte sich das dortige Gewerkschaftskartell und beschloß folgende Resolution:„Das Gewerkschaftskar⸗ tell Breslau, die Vertretung von 45 organisir⸗ ten Berufen, spricht seine Verwunderung und schärfste Mißbilligung darüber aus, daß eine aus dem liberalen Zeitgeist hervorgegan— gene Gesellschaft, wie der Breslauer Konsum⸗ verein, dem Koalitionsrecht der Arbei⸗ ter in so feindlicher Weise gegen⸗ übersteht. Die Leitung des Konsumvereins, welche drei Bäckergesellen maßregelte und 17 andere dem Verbande entfremdete, hat damit bewiesen, daß sie eine Sonderstellung gegen⸗ über allen anderen Konsumenten-Organisatio⸗ nen Deutschlands einnimmt und sich den ärgsten Scharfmachern an die Seite stellt.“ Partei⸗Nachrichten. Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. An die Parteigenossen in Alsfeld! Der Vorstand des Wahlvereins hat beschlossen, Sonntag, den 6. Januar, und die folgenden Sonntage den Agitationskalender zu vertheilen. Hierzu ist nöthig, daß sich die Ge⸗ nossen so zahlreich wie nur möglich zur Ver⸗ feigen stellen. Je mehr sich an der Arbeit be⸗ theiligen, um so leichter gestaltet sie sich für den Einzelnen. Wir brauchen nicht erst darauf hinzuweisen, wie nothwendig gerade jetzt um— fassende Aufklärungsarbeit ist! Lebensmittel- wucher, Raubzug der Kohlenbarone, die das Volk schwer schädigende Kolonial- und China⸗ politik müssen auch die zurückgebliebensten Ar⸗ beiter veranlassen, sich zur Vertheidigung ihrer Interessen zusammenzuschließen. Deshalb, Ge⸗ nossen, findet Euch sämmtlich Samstag Abend Punkt halb neun Uhr bei Genossen Martin ein, um das Material in Empfang zu nehmen und Weiteres zu besprechen. Der Vorstand des soziald. Wahlvereins. Verssumlungs⸗Kalender. Samstag, den 5. Januar. Soz. dem. Wahlverein. Abends 9 Versammlung bei Orbis. Fortsetzurg des „Heinrich Heine“. Pünktliches Gießen. Uhr, Vortrags über Erscheinen! Sonntag, 6. Januar. Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein. General-Versamm⸗ lung bei Heinrich Volkmenn. Tagesordnung: Rechnungsablage, Vorstandswab', Verschiedenes. Montag, 7. Ja auar. Gießen. Schneiderverband abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Mittwoch, 9. Januar. Gießen. Gewerkschaftskartell abends 9 Uhr. Sitzung bei Orbig. Donnerstag, 10. Januar. Gießen. Gesangverein„Eintracht“. 9 Uhr, Singstunde. Samstag, 12 Januar. Gießen. Metallarbeiter abe ds 9 Uhr bei Orbig Versemmlung. Vortrag:„Zeirlohn sder Stücklohn?“ Friedberg. Wahlverein. Abends 8 Uhr, Ver⸗ sammlung. Tagesordnung: Berichterstattung vom Pa teiiag, Ref.: Busolt. Lauterbach. Wahlverein. Gastwirth Kaut. Abends Versammlung bei Briefkasten. Besten Dank. Nächstes Mal mehr. th- Wetzlar.. Längere Ausführungen dazu hielten D. Alsfeld. wir überflüssig. S. Höchst a. d. N. Die auf Grund der allge⸗ meinen Wehrpflicht eingestellten Truppen duͤrfen zu überseeischen Expeditionen nicht verwendet werde. Deshalb wurden ja„Freiwillige“ für Ching ang worden. An unsere Leser! Bei einem Theile der heutigen Auflage blieb versehentlich die Jahreszahl 1990 am Kopfe stehen. Quittungen für November und Dezember. Wtzl. Wtzh. 9.6 Mk.; Pf. Wb. 14.— Mk.; Wzl. gdf. 5.40 Mk.; Stck. S. 5.— Mk.; Wch. Bst. 1.80 Mk.; Sch. Fagsh. 1.80 Mk.; Ly G. 8.75 Mk; Ach. Kfdf. 44— Mk.; Ly. G. 2. Mk.; Benner Hbseclbch. 11.— Mk; Ggr. Mbg. 28.80 Mk; Gge. Hddgn. 7.40 Mk.; R. Hchhm. 2740 Mk.; Wtr. Lbch. 7.20 Mk; Thomas Rae. 3.20 Mk.; Wtr. Wwe. Obch 2— Dek.; Mhl. G. 23.80 Mk.; Pths. Llbr. 4.80 Mk.; Rch. Obbl. 2.— Ml.; Sgfr. Abck 8.60 Mk.; Ly. G. 11.25 Mk.; Ly. G.—.50 Mk.; z Ich. 3.— Ml; Schr. Wdlp⸗ 1.50 Mk.; Sg Ochst. 2.40 Mk; Ppl Lollar 18.45 Mk.; Stock. G. 480 Mk.; Pf. G 245 Mk.; B. Rdgn. 4.20 Ak; Lst. Weck. 23.40 Mk.; Ly. 4.— Mk.; Hbddch. Kzbch. 8.90 Mk.; So:. Echz. 8.75 Mk.; Schwd. Ggn. 8 20 Mk.; Ptr. sl. 5.80 Mk.; Stluc. Mftz. 5.— Mk; Age. Hdbgn. 7.40 Mk.; Lchr. The. 140 Mk.; Wtr. Wide. Luch. 2.— Mk.; Sch. Fllash. 1 60 Mk.; Ly. G. 5.— Mk; Leht. bt. 6.— Mk.; Kr. Angrd. 4.90 Mk.; Kch. Kfd. 7— Mk.; Wzl. gdf. 3.20 Mk.; R. Hchhm. 27.40 Mk.; Sg. Hst. 240 Mk.; Myhl. G. 23 40 Mk.; 3. Nbg. 6.— Mt; dy. G. 9.— Mk.; Lchl. G98. 14.90 Mk.; Wkl. Röhm. 13.25 Mk.; Zl. Bischh. 3.— Mk.; Grar. bg. 29.— Mk.; Wir. Obch. 7.80 Mk.; Ffllr. FIdbg. 20 Mk.; Echlr. Dhm. 440 Mk.; Wbr.. 1— Mk.; Sgfr. Absck. 8.60 Mk.; Dthfr. Lostru. 3.60 Mk.; Echt. Glbg. 6.— Mk.; Fih Wetzlar 50.— Mk.; L. G. 4.50 Mk.; B Dbg. 3.60 Mk.; Lchr. The. 1.60 Mk.: Sick. G 5.— Mk.; Gge. dozen. 7.10 Ml. Je der neue Leser der Arbeiterpresse bedeutet eine Steigerung der Macht und des Einflusses des um seine Befreiung aus dem Joche des Kapitalismus ringenden Proletariats. Jeder für die Arbeiterpresse gewonnene neue Abonnent erleichtert der Arbeiterschaft den Kampf um eine bessere Lebenshal⸗ tung und bringt sie ihrem Ziele, der Rege- lung der Gütererzeugung und Gütervertheilung auf demokratischer Grundlage, näher. Wer für die Verbreitung der Arbeiterpresse thätig ist, arbeitet ür fich und für einn Familie, für eine bessere Zukunft un⸗ seres Volkes und für den Sieg der Arbeit über die Ausbeutung und Unterdrückung. Darum Genossen, Arbeitergenossinnen, wer— bet fortgesetzt neue Abonnenten für die„Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung“. . a Unser heutigen Gesammt⸗Auflage liegt ein Prospekt des Herrn Jürgensen, Herisan (Schweiz) bei, worauf wir aufmerksam machen. Ortskrankenkasse Giessen. Mit Wirkung vom 1. 1. 01 stehen unseren⸗ Kassenmitgliedern nebst deren Familienangehörigen, folgende Aerzte zur Verfügung: 1. Für die Stadt Gießen, a) Herr Dr. Zin ßer, Westanlage 35. Sprechstunden: Vormittags von 8—9 Uhr, Nach⸗ Ahr von 2—3 Uhr, Sonntags nur von 8—9 5 b) Herr Dr. Plock, Asternweg 9, Sprech⸗ stunden wie Herr Dr. Zinßer. c) Herr Dr. Hanau, Nordanlage 21, Sprechstunden: Vormittags von 9— 10 Uhr, Nach⸗ mittags von 2—3 Uhr, Sonntags nur von 910 Uhr. 2. Für Wieseck, Herr Dr. Schaaf, Sprechstunden wie bekannt. 3. Für die Orte Watzenborn Steinberg, Hause ⸗Kjeinl enden, Dutenhofen, Münch⸗ holzhausen, Herr Dr. Kipper, Gießen, Sprechstunden wie seither. 4 Für die Orte Großlinden, Allendorf a. d. Lahn, Leibgel ern, Hörnsheim, eee Lützellinden, Doruholz⸗ haufen, a) Herr Dr. Kipper, Gießen. b) Herr Dr. Platz, Groß-Linden. 5. Für den Ort Annerod, Herr Dr. Bockler und Gengnagel in Großen-Buseck. In allen anderen Bezirken bleibt die Be⸗ handlung der Herren Aerzte wie seither. Der Vorstand. In denjenigen Orter, in welchen die Kassenmitglleder oder deren An⸗ gehörigen dit Wahl zwischen zwei oder mehreren Aerzten haben, darf während einer Krankheit der Arzt nicht gewechselt werden. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 6. Unterhaltungs⸗Theil. Neues Jahr— neuer Kampf! Ein neues Jahr!— Das alte ist entschwunden, Mit ihm vorüber fünfzigjähr'ger Streit, Ein Kampf, gewaltig, reich an Wunden Und doch voll Ruhm, voll Herrlichkeit. Das Schlachtseld decken todte Leiber Vom Jüngling bis zum greisen Mann; Am Schlachtfeld liegen Kinder, Weiber, Ihr bleiches Antlitz starrt uns an. Im Kerker schmachten Kampfgenossen, Genossen frohnen überall. Wir aber kämpfen unverdrossen, Zu enden ihre, unsre Qual. Ein neues Jahr!— Der Kampf wird weiter toben; Wir steh'n zusammen fest und treu. Ein neues Jahr: Das Banner flugs erhoben, Und trotzig tönt's aus jeder Reih“: Den Geist, der uns beseelt, könnt ihr nicht morden, Den Geist sperrt ihr ins Loch nicht ein. Geknechtet find wir groß durch ihn geworden, Und weil er frei, wird er auch uns befrei'n. Such', such'! Eine Erinnerung von Ed. Bauer. Als jetzt allgemein bekannt dürfte vorausge⸗ setzt werden, daß auch unter dem Sozialisten⸗ gesetz die Genossen sich zusammenfanden, um die nothwendigen Geschäfte zu regeln. So war es auch in St., einem Dorfe von da⸗ mals ca. 5000 Einwohnern, das heute noch den Ruf genießt, eine der rotesten Gemeinden im rotesten deutschen Bundesstaat zu sein. War auch das Häuflein nicht groß, so konnte sich doch einer auf den anderen verlassen, und wurden oft Beschlüsse gefaßt und auch ausge⸗ führt, zu denen man jetzt— selbst gegen Bezahl⸗ ung!— sehr wenig oder gar keine Genossen bekommen würde. Im genannten Orte hatte sich auch ein Buch⸗ drucker niedergelassen, der eine Art Vorstadtzeit⸗ ung mit„riesiger“ Auflage herausgab und sich recht und schlecht durchs Leben schlug. Da er sowie seine sehr intelligente Frau auch stark in Naturheilmethode machten und im Naturheil⸗ verein des Ortes sich des Oeftern an der De⸗ batte betheiligten, wurden sie mit den dort eben⸗ falls stark vertretenen Genossen bekannt und auf Wunsch auch bald zu den Parteisitzungen eingeladen. Und damit war beiden Theilen gedient: S., so hieß der Buchdrucker, druckte, was von ihm verlangt wurde und ihm nur irgend möglich war, und verdiente dabei etwas, und die Ge⸗ nossen von Nah und Fern waren froh, jemand zu haben, der keine großen Umstände machte, bei den manchmal ganz kitzlichen Aufträgen. Nun war man schon seit Langem mit dem Gemeindevorstand und einigen Stadträthen ob ihres allzu frechen Auftretens und so weiter höchst unzufrieden, und die Folge war schließ⸗ lich: einstimmig wurde beschlossen, denen ein⸗ mal öffentlich die Wahrheit ordentlich zu zei⸗ gen und zwar in Form eines Flugblatts. Das Manuskript war bald fertig und's Drucken, nun— das besorgte der S., wenn er auch, wohl weniger aus Bescheidenheit, wieder wie auf manchem seiner Preßerzeugnisse, ir⸗ gend eine schweizerische oder luxemburgische Druckfirma darauf anbrachte. Die Verbreitung des Flugblatts, das, ne⸗ benbei bemerkt, verschiedene niedliche Sachen und auch einige„zarte“ Seitenhiebe auf Staats⸗ einrichtungen usw. enthielt, wurde in der Dun⸗ kelheit und meist in Strümpfen und Hausschu⸗ hen vorgenommen und ging ohne Zwischenfall glatt von statten; beim darauffolgenden Ge⸗ neralappell war die ganze Mannschaft wohlbe⸗ halten zur Stelle. Andern Tags war natürlich im ganzen Ort der Teufel los; da dort viel Hausindustrie be⸗ trieben wird, waren die Männer vielfach da⸗ heim, und bald schlüpfte der Nachbar zum Nach⸗ bar, auf den Straßen bildeten sich Gruppen und manchen trieb die Neugierde dazu, sich aus⸗ nahmsweise auch einmal am Vormittag einen Schoppen zu leisten. Der Zweck des Flugblattes war vollkommen erreicht. i Aber— muß es schon als kühn bezeichnet werden, gewissermaßen unter den Augen der Polizei etwas derartiges herzustellen, so grenzte es bei dem Genossen S. geradezu an bodenlosen Leichtsinn, den Satz des Flugblattes stehen zu lassen, das heißt die einzelnen Buchstaben nicht alle wieder an ihren bestimmten Platz zu thun und damit möglichst alle Spuren zu verwischen, daß sie zu so verbotenem Thun herangezogen worden waren. a Es dauerte auch gar nicht lange, die einzel⸗ nen Fabrikpfeifen hatten kaum ihr Signal zum Wiederbeginn der Arbeit ertönen lassen, und Frau S. war noch mit der Zubereitung des Mittagsmahls beschäftigt, da rückten sie denn an: ein Amtmann, ein Oberkommissar, drei Fahnder, der am meisten angegriffene Gemein⸗ devorstand und als Sachverständiger— der Buchdruckereibesitzer B. aus L., der so gegen hundert Arbeiter beschäftigte. Es wurde nun, da S. rundweg leugnete, das Flugblatt gedruckt zu haben, das ganze Haus umgedreht. Frau S. war recht behülflich und — während die übrigen noch in den Druckerei⸗ räumen herumwühlten, war sie mit Herrn B. schon im Wohnzimmer; nicht umsonst hatte ihr S. beim Empfang des Besuchs einen vielsagen⸗ den Blick zugeworfen.. N Nun öffnete sie ganz bedächtig den Kleider⸗ spind, zog die Schublade heraus und breitete vor B. auf einem Stuhl verschiedene Zeitun⸗ gen und Bücher aus, dann begab sie sich an die Kommode, um— sogleich das in der Hand zu haben, was allgemein gesucht wurde. Mit Jammern und der Bitte an Herrn B., ihrem Manne, der elend schimpfen würde, ja nichts von ihrem Ungeschick zu sagen, entfernte sie sich, mehr um ihre Aufregung zu verbergen, als Schaufel und Besen aus der Küche zu holen. Herr B., der bei dem Experiment dicht dabei stand aund als Fachmann unbedingt gesehe snha⸗ ben mußte, daß Frau S. gerade den Satz des Flugblattes in recht„geschickter“ Weise zu Bo⸗ den fallen ließ, bückte sich und war behülflich, den Haufen auf die herbeigeholte Kehrichtschau⸗ fel zu dirigiren und dabei oder vielmehr wäh⸗ rend dem Augenblick, da Frau S. abwesend war, mußte er von den größeren Schriften, an denen man mit Leichtigkeit auch aus dem Haufen her⸗ aus den Satz des Flugblatts konstatiren konnte, eine Hand voll unter die Kommode geschleudert haben, denn S. fand dieselben, nachdem sich die Gäste verabschiedet und brachte sie in möglichster Plötzlichkeit an ihren Platz. Kaum war mit vereinten Kräften der Bo⸗ den gesäubert, so tauchte auch schon der unter den Arbeitern bestgehaßte Fahnder F. mit sei⸗ nen Kollegen und so weiter auf, die nun ihrer⸗ seits Küche und Wohn- und Schlafzimmer einer gründlichen Inspektion unterzogen— es war aber alles vergebens. Zum Glücke standen in den Wohnräumen noch verschiedene andere Schriftsätze, und dort stellte Frau S. ihr Gut in der Kehrrichtschaufel Anauffällig nieder. Der Gemeindevorstand und der schneidige F. machten sich noch in der Ge⸗ gend zu schaffen, aber eine kurze Bemerkung von Seiten des Herrn B.:„Das ist nichts!“ schnitt alle Weiterungen ab, und resultatlos zog die ganze Gesellschaft von dannen.— In der Druckerei selbst war Genosse S. pein⸗ licher gewesen. Buchdruckereibesitzer B. ist vor einigen Jah⸗ ren estorben; ist er auch nie öffentlich als unser Gegner aufgetreten, ein Anhänger un⸗ serer Sache war er durchaus nicht, und es muß doppelt anerkannt werden: damals hat er— mag er sich nun der ihm zugedachten Rolle ge⸗ schämt oder mögen ihn andere Motive bestimmt haben— seinen„Kollegen“ S. und damit wahr⸗ scheinlich auch verschiedene andere Genossen vor 1884, und da wehte in dem belagerten L. und Umgebung ein gar scharfer Wind. Der Alkoholismus und seine Bekümpfung. (Forisetzung.) Da diese aber wie die Arbeitsleistung nur durch die im Körper stattfindende Verbrennung von den Wärmeverlust durch gesteigerte Nahrungs⸗ zufuhr sofort ersetzen. Kann er dies, so findet allmälig ein Ausgleich statt. Wenn aber ein schwacher, schlecht ernährter Mensch Branntwein trinkt, um sich zu erwärmen, so erreicht er damit das gerade Gegentheil, er wird nur in Folge des Wärmeverlustes noch mehr frieren, darauf⸗ hin zu abermaligem Branntweintrinken getrie⸗ ben und dann noch mehr geschädigt, bis sich schließlich alle schlimmen Wirkungen der Alko⸗ holvergiftung bei ihm einstellen und er zum Gewohnheitstrinker wird. Was anfänglich ein selten gebrauchtes Genußmittel, eine Arznei war, ist zum Lebensbedürfniß geworden! Eine dritte Ursache, die den von Früh bis zum späten Abend sich abarbeitenden Proleta⸗ rier zum Schnapsgenuß treibt, ist das geistige wie körperliche Unbehagen, das er durch einen Rausch betäuben und vergessen will. Namentlich ungenügende, überfüllte und unschöne Wohn⸗ räume geben vielfach dazu Veranlassung, daß ihre Bewohner das Wirthshaus aufsuchen. Die stetig wachsende Wohnungsnoth tragt viel zur Verbreitung der Trunksucht bei. Im unfreund⸗ lichen, ungemüthlichen Heim sucht der Arme ent⸗ weder nach der Tagesarbeit bald seine schlechte Lagerstatt auf, und nimmt die Schnapsflasche mit, aus der er trinkt, bis er entschlummert und sein Elend nicht mehr fühlt. Oder er geht ins Wirthshaus, wo er mit Kameraden zusam⸗ men sich über die Oede seiner Existenz hinweg⸗ trinkt. Hierzu kommt noch der berechtigte Hang zur Geselligkeit, der das Kneipleben veranlaßt. Und da ein Wirth nicht mit Gästen bestehen kann, die wenig verzehren, andererseits in Ge⸗ sellschaft einer den andern zum Trinken anreizt, ebenso der Durst und Rauch in der Wirthsstube so endet die Unterhaltung nur zu oft mit Völ⸗ lerei, wie dies ja nicht nur bei den ärmsten und daher am wenigsten unterrichteten Volksschichten zu beobachten ist, sondern auch bei den Wohlha⸗ benderen, namentlich den Studenten und Studirten. Der Alkoholmißbrauch wird also durch so⸗ ziale Ursachen bedingt, folglich ist er auch nur durch soziale Maßnahmen zu beseitigen! Vor⸗ zubeugen und zu verhüten, daß die Bevölkerung der Trunksucht in die Arme getrieben wird, ist die große Aufgabe, die von der Hygiene der Sozialpolitik gestellt wird! Die Zahl der Opfer des Alkoholismus ist eine erschreckend große und beständig wachsende. Allein in Berlin verfallen jährlich etwa 800 Personen dem„Delirium tremens“ im Deut⸗ schen Reiche liegen jährlich an 12000 Personen in Folge ihrer Trunksucht in den Krankenhäu⸗ sern, 32000 fallen der Armenpflege zur Last, 14000 Trinker sind in Strafanstalten, 9000 in Irsenanstalten. Ein Viertel sämmtlicher Geistesgestörten sind durch den Trunk erkrankt. In der Schweiz sind genaue statistische Erheb⸗ ungen angestellt worden, welche ergeben, daß von allen im Alter von 20—40 Jahren erfolg⸗ ten Todesfällen 11,2 Prozent, und von den im Alter von 40—60 Jahren erfolgten 15 Prozent den Folgen des Altoholismus zuzuschreiben sind, das heißt also: daß jeder zehnte Mann an den Folgen des Trinkens zu Grunde geht! In welchem Zusammenhang Alkoholgenuß und Verbrechen stehen, zeigen u. a. die im Jahre 1874 gemachten Beobachtungen des Gefängniß⸗ oberarztes Tr. Baer in Plötzensee bei Berlin, die sich auf 32 837 Strafgefangene in Preußen er⸗ strecken. Von diesen waren 42 Procent Trinker, und zwar 22 Prozent Gelegenheitstrinker und 20 Prozent Gewohnheitstrinker; Mord war in 46, Todtschlag in 63 Prozent der Fälle im Zu⸗ empfindlichen Strafen bewahrt. Man schrieb Nahrungsstoffen stattfindet, so muß der Körper ——————— S———— 4200 — 508560 0 fand s 7 Den schle 420 —— den 0 j lt, 1 Suntec Gti Vergehen. 150 00 0 Enstich end welck ir dil der Verbr. dem Einf Nerunglü Trunkenh sind ein sogar kin nuß zur Die d treten in gls im W Abgesehen mer, zun an trocker im Winte heit zur! gern G0 im Somm schieden e Stoffwech besonders ausscheid dem ist d hirn, im derstands Alkohols Tropenle von viel mäßigkei der nam. kohol gen oder We terschied denen er trägt me Deshalb schmecken ungsmitt Daß kämpfend den Kan hat, bew. dort, wo schrittsse sigkeit ih ligten lisenstef keiner Mit pif rekrutiren chen, wi das Vort chat zu PN Freili 1 r. i schrieh I N. stiue mur durch nung 10 er Körper uhrungz⸗ 0 findet aber ein deen er damit In Folge „ darauf⸗ en getrie⸗ bis si ö der Alko⸗ er zum iglich ein e Arznei en! Früh bis Proleta⸗ s geistige uch einen amentlich e Wohn⸗ ung, daß chen. 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Von den Selbstmorden sind ein Zehntel bis ein Fünftel, in Rußland sogar ein Drittel auf übermäßigen Alkoholge— nuß zurückzuführen. Die durch Alkohol bedingten Erkrankungen treten in den Sommermonaten häufiger auf als im Winter. Die Ursachen sind zweiereli Art. Abgesehen davon, daß das Durstgefühl im Som- mer, zumal bei angestrengter Körperarbeit und an trockenen Tagen an sich schon größer ist als im Winter, verleitet auch die häusigere Gelegen— heit zur Geselligkeit zu öfterem und ausgiebi— gerem Genuß von Alkohol. Dieser wird aber im Sommer langsamer aus dem Körper ausge— schieden als im Winter, weil im Sommer der Stoffwechsel überhaupt langsamer vor sich geht, besonders die Athmungsthätigkeit und die Harn— ausscheidung geringer ist als im Winter. Zu- dem ist das Nervonsystem, besonders das Ge— hirn, im Frühjahr und em Som wer weniger w. derstandsfähig und daher den Einwirkungen des Alkohols leichter zugänglich. Deshalb ist in den Tropenländern selbst ein mäßiger Alkoholgenuß von viel schädlicheren Folgen begleitet als Un— mäßigkeit in kälteren Klimaten. Die Form, in der namentlich zur heißen Jahreszeit der Al— kohol genommen wird, ob als Branntwein, Bier oder Wein macht dabei einen geringeren Un⸗ terschied als die Ernährungsbedingungen, unter denen er erfolgt. Der gut genährte Rentier ver— trägt mehr als der schlecht genährte Arbeiter. Deshalb ist auf Arbeitsstätten für wohl- schmeckende, billige und erquickende Erfrisch— ungsmittel, die frei sind von Alkohol, zu sorgen! Daß es gerade die um Besserung ihrer Lage kämpfende Arbeit erschaft ist, die in erster Linie den Kampf gegen den Alkoholismus zu führen hat, beweist schon die eine Thatsache, daß gerade dort, wo er am schlimmsten herrscht, auch fort- schrittsseindliche Gesinnung und Charakterlo⸗ sigkeit ihre beste Stätte haben. Die trunksüch⸗ tigsten Bezirke sind auch die Heimath der Sozia— listenfresser und Streikbrecher, der unthätigen, keiner Aufklärung zugänglichen Knechtseelen. Mit Hilfe dieser aus dem arbeitenden Volke sich rekrutirenden Gefolgschaft gelingt es der politi— schen, wirthschaftlichen und geistigen Reaktion, das Vorwärtsstreben der Aufgeklärten Arbeiter- schast zu hemmen. Freilich— eben weil der Alkoholismus aus den schlechten sozialen Verhältnif en hervorgeht, läßt er sich nur durch Besserung derselben ver⸗ treiben. Da er aber auch gute soziale Zußände zu schlechten verkehrt, wo er Fuß faßt, muß neben dem allgemeinen politischen und wirth— schaftlichen Kampfe noch für die spezielle Auf— klärung und Hilfsmittel gegen diese schlimme Volksseuche gesorgt werden. Mit Aufklärung allein jedoch ist es nicht gethan und deshalb können weder religiöse Predigten noch ethische Ermahnungen das geringste ändern, wenn die wirthschaftlichen Verhältnisse den Arbeiter zur Trunksucht geradezu zwingen! (Fortsetzung folgt.) Gesundheilspflege. Wie soll man ath men? Mund zu, man athme durch die Nase! Das ist eine Warn⸗ ung beim Beginn der kälteren Tage, die jeder zu beherzigen nöthig hat. Vor allem sollte es nicht versäumt werden, sie den Kindern einzu— schärfen, besonders, wenn sie aus der warmen Stube in den Wind hinaustreten. Früh auf dem Gang nach der Schule, wenn der Körper noch von der Bettwärme erfüllt ist, muß diese Vorschrift besonders beachtet werden. Es ist von der Natur weise eingerichtet, daß die kalte Luft erst ihren Weg durch die Nase und Luftröhre zu machen hat, wo die Kälte abgeschwächt wird, daß sie nicht so schneidig in die zarten, heißen Lungen eintritt. Lesefrüchte. Theilweise Freiheit bedeutet nur Privilegium und Vorrecht, nichts anderes. Was den Namen Freiheit verdient, ist ein ehrliches, billiges, aus dehnbares und unparteiisches Prinzip. Es ist eine große und ausgebreitete Tugend und nicht ein gemeines, selbstsüchtiges und unedles Laster. Es gehört der Masse des Volkes als Antheil und ist nicht das angemaßte Vorrecht irgend einer mächtigen Person oder einer herrschenden Partei. Buckle. ** ** Leidenschaften der Regierungen zeugen von Schwäche, Leidenschaft n des Volke aber zeug en von Stärke. Börne. Humoristisches. Kerker⸗Philosophie. Wie ist doch unsere Zeit prosaisch geworden“, sagte der Ge— fangene am Sr lvesterabend.„Früher rauschten die Jahre dahin ins Meer der, Ewigkeit— jetzt werden sie einfach abgesessen.“ * * Verdächtiges Renomm eee. Inhaber eines neuen Bankgeschäfts(zu seinem Kompag⸗ non):„Merkwürdig, wie schnell unser Geschäft doch bekannt wird! Heute waren drei Kolpor⸗ teure hier, die mir ein Strafgesetzbuch berkaufen wollen!“ ** * Medaillen prägen ist nicht schwer, Millionen blechen aber sehr. n Schuhwaarengeschäft Naolf Beverstein befindet sich jetzt 351 Neustadt 31. 8 oO οοι eO 209000 ,—⏓ Wirthschafts⸗Ers ffnung. Zeige hiermit den Genossen von Wieseck und Um⸗ gegend ergebenst an, daß ich unter Heutigem eine Schaulwirthschaft „zum in Wieseck Ludwigstraße eröffnet habe und bitte um ge⸗ neigten Zuspruch. Wieseck, 1. Januar 1901. Winters Anfang. Nun zieht heran der Winter In weißer Märchenpracht, Er hüllet die träumende Erde In schimmernde Sternenpracht. Von Fest zu Festen eilet Der Reiche ohne Ruh', Dem Armen deckt der Kummer Die müden Augen zu. Es ziehen süße Träume Wohl in sein hoffendes Herz, Von einem fernen Frühling, Der endet allen Schmerz. Aerztliche Pharisäer und Schrift⸗ gelehrte nennt der berühmte Professor Dr. Wislicenus diejenigen, die geneigt sind, alles Neue auf dem Gebiete der Heilkunst, was nicht aus ihrer hohen Weisheit geflossen ist, mit Geringschätzung und zopfigem Gelehrtendünkel zu übersehen. Der Werth des Naurheilverfahrens ist heutzutage ron einem großen Theile der Kulturmenschheit begriffen und aus der früher dicht geschlossenen Kette der ärztlichen Schulwissenschaft treten zahlreiche Jünger zur Naturheilkunde über und werden deren eifrigste Verfechter. Und auf schöne Erfolge blickt diese uralte, aber erst in jüngster Zeit wieder zu neuem Leben erwachte Wissenschaft zurück. Einer der epochemachensten Erfolge bildet die Bekämpfung der Lungen— und Halsleiden in ihren Stadien durch den aus dem russischen Knöterich(Polygonum avie) hergestellten Brustthees. Dieser Erfolg ist ein so glänzender, daß ärztliche Kapacitäten sie an⸗ erkannt haben, daß gelehrte Gesellschaften hohe Diplome und Medaillen zuerkannten. Eine Zu⸗ sammenstellung der Gutachten und ungezählter Anertennungen der Wirkung des Knöterich⸗ Brustthees giebt die Broschüre über Brust- und Halsleiden, welche Herr Ernst Weidemann in Liebenburg a. Harz auf Wunsch unentgeltlich versendet. Die lesenswerthe Schrift empfehlen wir allen, welche an Luftröhren-(Bronchial-⸗) Katarrh, Lungenspitzen-Afefktionen, Kehlkopflei⸗ den, Asthma, Athemnoth, Brustbeklemmung, Husten, Heiserkeit, Bluthusten ꝛc. leiden, na⸗ mentlich aber diejenigen, welche den Keim zur Lungenschwindsucht in sich vermuthen. Um den Patienten den Bezug dieser Pflanze in wirklich echter Form zu ermöglichen, versen⸗ det Herr Ernst Weidemann den Knöterich-Thee in Packeten je 1 Mark. Jedes Packet trägt eine Schutzmarke mit den Buchstaben E. W., so daß sich Jeder vor werthlosen Nachahmungen. schützen kann und wolle man jedes Packet ohne den Namen E. Weidmann zurückweisen. Um im Publikum Vertrauen zu erwecken, haben sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weide— mannsche Broschüre theilweise abgedruckt ha— ben() sund damit ihren angeblich russischen Knöt, rich in den Handel br ingen wollen. feldschlösschen“ Hochachtungsvoll eee Walfor. Einen e Paste 8 Herren- Anzüge solange d. Vorrat reicht z. 10 u. 12 Mk. Markus I Kirchenplatz li 3 d. Se Bauer, Giessen 77VFbbC0C00ã ͥaddddd/ͥꝗðV„.i VMM D mDmHDꝓœDęki⅛li.... Nr. 1. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. Ortskrankenkasse Gießen. Die Generalversammlung vom 13. Novbr. l. Is. hat beschlossen, daß das zur Zeit geltende Statut bezw. der 8 14 desselben folgende Fassung erhält: f Als Kranukenunterstützung wird von den Kassenmitgliedern im Falle einer Krank⸗ heit oder durch Krankheit herbeigeführten Erwerbs unfähigkeit gewährt: i 1. vom Beginne der Krankheit ab freie ärztliche Behandlung und Arzenei; 2. Die Lieferung von Brillen, Bruchbändern und ähnlichen Vorrichtungen oder en welche zur Heilung des Erkrankten oder zur Herstellung und rhaltung der Erwerbsfähigkeit nach beendigten Heilverfahren erforderlich sind; 3. im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom zweiten Tage nach dem Tage der Er⸗ krankung ab für jeden Arbeitstag unter Ausschluß der Sonn⸗ und gesetzlichen Feiertage ein Krankengeld in Höhe von 55% des im 813 festgesetzen durch⸗ schnittlichen Tagelohnes, jedoch vorbehältlich der Bestimmungen des 8 137 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 für die in§ 1 Ziffer 2 dieses Statuts be⸗ zeichneten Personen. Das Krankengeld soll jedoch bei mindestens vierzehn⸗ tägiger Krankheitadauer, vom Tage der Erkrankung an und sür jeden gesetz⸗ lichen Feiertag, welcher nicht auf einen Sonntag fällt, vergütet werden, auch die ankenunterstützung auf sechsundzwanzig Wochen aus⸗ gedehnt werden. Es erhalten demnach arbeitstäglich die Mitglieder der 1. Klasse 1,90 Mk. der 4. Klasse 1,— Mk. „ e.„ 5.„ 0.65 77 3. 77 1,20 77 1 6. 77 0,50 7 5 Für Mitglieder, deren Löhnung nach Accordsätzen oder in wechselnder Höhe er⸗ folgt, wird der Durchschnittsverdienst der drei letzten der Erkrankung vorausgegangen, für die Zahlung der Beiträge im r 5 krankte Mitglied nicht während dieser ganzen Zeit der Kasse angehörte, der Durchschnitts⸗ verdienst eines in gleichartiger Beschäftigung stehenden Mitgliedes zu Geunde gelegt. Die Feststellung erfolzt durch den Vorstand unter Berückfichtigung der eingeganzenen Au⸗ meldungen über die Hoͤhe des täzlichen Arbeitsverdienstes und die darin eingetretenen Veränderungen. f g Die Krankenunterstützung wird für die Dauer der Krankheit gewährt; sie endet spätestens mit dem Ablauf der 26. Woche nach Beginn der Krankheit, im Falle der Er⸗ werbsunfähigkeit(Absatz 1 Ziffer 3) späteftens mit dem Ablauf der 26. Woche nach Be⸗ ginn des Nrentengeld being Endet der Bezug des Krankengeldes erst nach Ablauf der 26. Woche nach dem Beginn der Krankheit, so endet mit dem Bezuge des Kranken⸗ geldes zugleich auch der Anspruch auf die in Absatz 1 unter Ziffer 1 und 2 bezeichneten Leistungen. 525 Ist die Krankheit Saat einss MAufallss, wegen dessen dem Mit; gliede Auspruch auf Eutschäd Kran, aus der reichsgesetzlichen Unfallver⸗ sicherung zusteht, so wird die Kranksunnter fützung nur bis zum Ablauf der 13. Woche nach Eintritt des Uufalles gewährt. Diese Statutenänderung tritt mit dem 1. Januar 1901 in Kraft. Der Vorstand der Orts⸗Krankenkasse Gießen. 45070 5 1 46 ca. ooo Lodenjoppen f 1 were Herren⸗Lodenjoppen Serie 1 1 gefütterte mit Falten per Stück Mark 9.75 Serie 1 schwere 8 5 3 8 25 5 mit Futter per ar* Serie 2 e„„ per Stück Mark 6.25 3.60 1 erren⸗Lodenjoppen Serie 3 8 mit Futter per Stück Mark Crosser Posten Paletots. 1 f rren⸗Pal Cover⸗C d Serie 1 dl en beer i. 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Küfer⸗] in Steins Saalban wozu freundlichst einladet Der Vorstand. Eintritt Mk. 0, 75. Der V l abends Bal süfer⸗ e N Preisen anzubieten: stlefel, prima Kalbleder, 36—38 zu Mk. 22 Durch Uebernahme eines großen Schuhwaaren⸗ Lagers bin ich in den Staud gesetzt, folgende Artikel zu unerreicht billigen 1.50, Damen⸗Zugstief⸗ l, . 36—38 Mk. 2.—, Damen⸗Knopf⸗ und Schnürstiefel, prima Chevregux, zu Mk. 10.—, Damen⸗stnopf⸗ und Schnür⸗ stiefel, prima Kalbleder zu Mk. 8.89 Buben⸗, Mädchen⸗ und Kinder⸗Schnür⸗, Kuspf⸗ und Agraffen⸗Stiefel in Kalb⸗ und Wichsleder zu entsprechend silligen Preisen Damen⸗GSchnäürstiefel in Filz⸗ und Tuch, mit Besatz, von Mk. 2.— an. Damen⸗Melton⸗Pautoffel mit und sehne Lackspitze und Absatz, owie sämmtliche Sorten Winterschuhe fuͤr Herren, Damen und Kinder in großer Auswahl, enorm billig. 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