— t. * eigener ann* r — 2 en. S * S. Schuber, Gie * 8. f 1 * 10 Nr. 9. 1 5 Gießen, Sonntag, den 3. März 1901. 8. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mebaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uh Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestelluugen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expeditionin Gießen, Sonnenstraße 25, die D Junserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und[4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 331/j/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens 66% Arbeiter, Genossen! Arbeitet unablässig mit an der För⸗ derung der Sache des werkthätigen Volkes! Werbt neue Streiter zum Kampfe! Die Löhne werden herabgedrückt; un⸗ aufhörtich steigen die Lebensmittel im Preise! Gegen die Blutsauger-Politik der Krautjunker und Schlotbarone muß sich die Arbeiterschaft energisch zur Wehr setzen. Das beste Kampfmittel ist unsere Parteipresse; des⸗ halb werbt immer neue Abonnenten für die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“. Bei allen Spediteuren und Postanstalten kostet Aunser Blatt nur 25 Pfennige den Monat frei ins Haus geliefert. Für den Monat März wolle man die Bestellung sofort bewirken. ese Brotwucher! In der von uns in voriger Nummer der M. S.⸗Z. erwähnten Versammlung, in welcher Reichstagsabgeordneter Liebermann v. Sonnen⸗ berg sprach, führte unser Genosse Krumm in der Diskussion ungefähr folgendes aus: Ich bin mit dem Vorredner vollständig einverstanden, daß der Staat notleidenden Erwerbsständeu helfen muß; auch dem Bauernstand wollen wir helfen, aber mit andern Mitteln wie die Herrn Agrarier. Es ist unmöglich, daß bei den derzeitigen Besitz⸗ verhältnissen der Bauernstand als Ganzes Nutzen von Getreidezöllen hat. 77 Prozent, also mehr als dreiviertel aller Landwirte besitzen nur 13 Prozent der bebauten Boden⸗ fläche; durchschnittlich kommt auf den Einzelnen dieser 77 Prozent noch nicht einmal 1¼ Hektar Grund und Boden; wie man diesen Zwerg⸗ besitzern durch Zölle helfen wolle, bleibe Geheimnis der Herren Junker und ihres An⸗ hangs. Für diese Herren handelte es sich auch nur um die 230% der Besitzer über 5 Hektar, obwohl man von diesen noch eine große Anzahl, die kein Getreide verkaufen können, in Abzug bringen muß. Die Haupt ⸗Interessenten sind die„Bauern“ über 100 Hektar, die allerdings nur 0,61% der Besitzer bilden, denen aber über 32% des Bodens gehören. Dies sind die agrarischen Schreier, die Kostgänger, welche schon Jahrhunderte am Mark des Volkes zehren; die die Bauern ausge⸗ plündert haben, die sich der Leibeigen⸗ schaftsaufhebung auf's heftigste wider⸗ setzten, mit einem Worte: die Junker. In Oberhessen gehört einer Handvoll Standes⸗ herren die Hälfte des Landes. Und für diese Gesellschaft soll das arbeitende Volk fortgesetzt die schwersten Opfer bringen? Es bedankt sich dafür. Wir wollen diese Kreise, von welchen alle Reaktion, alle Unterdrückungsver⸗ suche kommen, nicht wirtschsftlich stärken, sie sind übe flüssig und je eher sie zu Grunde gehen, desto besser ist es für das Wohlergehen des übrigen Volkes. Ich komme nun zu Hessen. Herr Köhler hat ja in der Hessischen Kammer den Antrag gestellt, die Getreidezölle auf mindestens 7 Mk. zu erhöhen: aber wer hat den Nutzen davon? Es giebt in Hessen: 98 090 Besitzer unter Heilt v, 42 338„ von 1—5 1 i„ 10—20„ 9394„„ 20—50„ .„ 50-100„ und mehr, mit anderen Worten: 98 090 Landwirte haben Schaden, 42 338 5„ weder Nutzen noch Schaden, 16557 5„ bescheldenen Nutzen, 8394 5„ erheblichen Gewinn, und davon schöpfen die letzten 228 Besitzer den Rahm ab. So liegen die Verhältnisse! Wollen Sie den Bauern helfen, dann nehmen Sie die Millionen, die die Kolonial- und Abenteurer⸗ politik verschlingt und geben sie den Bauern zur Verbesserung ihrer Betriebe. Setzen Sie die Militärdienstzeit auf 1 Jahr herab, mit dem gewonnenen Jahr nützen Sie dem Bauer mehr wie mit Ihren ganzen Zöllen. Durch solche Mittel wollen wir dem Bauer helfen; unten wollen wir helfen bei den Kleinen und Bedürftigen, Sie aber meine Herren Antisemiten und Junkerfreunde fangen oben an mit Unterstützung der Reichen; Sie zäumen den Gaul beim Schwanz, auf; solche Berkehrtheiten werden wir im Interesse von 95% der Bevölkerung vor wie nach auf's energischste bekämpfen. Diesen Ausführungen unseres Genossen zollte die Versammlung lebhaften Beifall. Auch nicht eine Ziffer des von Krumm angeführten Zahlenmaterials vermochten die beiden antisemitischen Abgeordneten zu bestreiten, statt dessen brauchte auch Herr Liebermann von Sonnenberg das Schlagwort von„gemein⸗ samen Interessen der Bauern und Großgrund— besitzer“, die in der Wirklichkeit eine verzweifelte Aehnlichkeit mit der„Interessengemeinschaft“ von Marder und Hühnern haben. ** * Natürlich versucht die Presse der anti⸗ semitischen Nachläufer der Junker die Protest⸗ bewegung gegen den Brotwucher als Schwin⸗ del hinzustellen. Wußte Herr Köhler auf die zahlenmäßigen Nachweise unseres Genossen keine Silbe zu entgegnen, so müht sich Herr Hirschel in der„Volkswacht“ ab, darzuthun, daß der Zoll vom Auslande getragen werde — was schon hundertmal widerlegt ist— und weiter, daß durch den erhöhten Zoll keine merk⸗ liche Preissteigerung des Brotes eintreten würde. Vielleicht rechnet uns demnächst die„Volksw.“ vor, daß wir bei den 10 Mark Zoll billi— geres Brot haben werden! Und wenn der Zoll wirklich eine Verteuerung mit sich bringe, — meint das Blatt—, so sei der Arbeiter durch Lohnerhöhungen schadlos gehalten! Ist das nicht der reine Hohn? Von überall her werden Lohnreduktionen gemeldet und hier fabeln die biederen Mittelstandsretter von Lohnerhöhungen! Geradezu köstlich aber und von tiefer Einsicht zeugend ist die weitere Be⸗ hauptung, daß auch der Arbeitslohn des länd⸗ lichen Arbeiters mit dem größeren Verdienst des Arbeitgebers steige. Als ob es irgend einem Unternehmer einfiele, bet noch so hohem Verdienste seinerseits eine Aufbesserung der Löhne eintreten zu lassen. Jeden Pfennig höhern Lohn muß sich der Arbeiter erst er— kämpfen! Wenn also bei dem Kampfe ums Brot geschwindelt wird, dann geschieht dies nur auf Seiten der Agrarier und ihrer ur⸗ teutonischen Hämmel. r Ein Kleinbauer über die Kornzölle. Daß die Getreidezölle den Kleinbauern keinen Nutzen bringen, wurde in unserem Blatte schon oft dargelegt und nachgewiesen. Das geht auch aus dem statistischen Material hervor, daß unser Genosse in der antisemitischen Versamm⸗ lung in Gießen vorführte und das im vor⸗ stehenden Artikel wiedergegeben ist. Aeußerungen von Kleinbauern, die diese Thatsache bestätigen, haben wir in der letzten Zeit schon mehrfach angeführt und wollen dem heute eine weitere hinzufügen. Unser Parteiblatt in der sächsischen Oberlausitz,„Der arme Teufel“ erhielt von einem Gutsbesitzer in Wittgen dorf(Sachsen) folgende Zuschrift: „Wenn man die Tageszeitungen, die eine Erhöhung der Kornzölle anstreben, durchliest, muß man sagen, so ist und klingt ja Alles sehr schön. Man wird sozusagen von dem Eifer, uns kleinen Bauern zu helfen, mit fortgerissen. Ist man aber mit dem Lesen fertig, so denkt man darüber nach und bildet sich selbst ein Urteil. Da fragt man sich unwillkürlich: denken denn die Leute wirklich nicht daran, daß durch eine derartig geplante Zollerhöhung die Lebens⸗ haltung der kleinen Leute tief herabgedrückt wird? Die reichen Leute sagen sich gewiß: nun, die paar Pfennige, um die ein Brot teurer wird, machen ja nichts aus. So sagen die reichen Leute. Aber was soll der Arme sagen, der mit jedem Pfennig rechnen muß? Auch wir kleinen Bauern, die 30, 40 bis 50 Scheffel) Land besitzen, haben keinen Nutzen von hohen Getreidepreisen. Schlägt der Preis des Roggens von 7 Mk. auf 9,50 Mk. pro Zentner auf, so geht diese Preiserhöhung nicht blos auf's Brot über, nein, auch auf das Futtermittel geht diese Preissteigerung über. Jetzt bezahlen wir Landwirte für Kleie 5,30 bis 5,70 Mk., das würde dann einen Aufschlag auf 6,70 bis 7 Mk. geben und ich z. B. bei 6 Stück Milchvieh und 3 Stück Jungvieh verbrauche wöchentlich 2 Zentner Kleie, macht jährlich 104 Zentrer, also eine Steigerung von 570 auf 700 Mk. Cbenso ist es auch mit den Kartoffeln, dem Maisschrot, überhaupt allen Bodenerzeugnissen, die die Landwirtschaft pro— duziert. Alle diese Thatsachen entsprechen der Wirklichkeit. Die letzten Jahre waren keine besonders guten Erntejahre, hauptsächlich für einen jungen Anfänger. 1893 und 1895 waren *) 4—7 Hektar. Seite 2. K Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. .* Nr. 9. da gab der Hektar bis 75 Zentner reines Getreide(Roggen), das macht auf 1000 Hektar 75000 Zentner. Das ist nicht übertrieben. An solchen besonders guten Jahren mag wohl auch der kleine Land⸗ wirt einen gewissen Satz verkaufen können, aber in schlechten oder mittelmäßigen Jahren ist dies eben sehr minimal und da hat der kleine Bauer eben keinen Nutzen von hohen Getreidezöllen; eher hat er Schaden, weil er, wie schon gesagt, Futtermittel wieder teuer dafür kaufen muß. Nun halten wir 1893 hohe Getreidepreise, wovon ich als Kleinbauer aber wenig verspürt habe. Den Großgrund⸗ besitzern, gewiß, denen bringen hohe Getreide⸗ preise Nutzen und sie wissen schon, warum ste sich so mächtig in's Zeug legen; machen sie doch ein gutes Geschäft dabei! Betrübend ist es, mit anzusehen, wenn sich Kleinbauern, wirk⸗ liche Kleinbauern im Schlepptau dicser großen Herren befinden. Es giebt für den Kleinbauern genug andere Mittel und Wege, um sich seine Lage zu verbessern. Wir auf dem Lande sind zum großen Teil auf die Kundschaft der kleinen Leute, der Industricarbeiter, angewiesen. Be⸗ kommt der Arbeiter einen auskömmlichen Lohn, dann ist auch seine Kaufkraft gestärkt und er kann mehr Butter, Milch, Eier, Fleisch und Gemüse verkonsumieren und das ist ein Vorteil für uns. f Und den Arbeitern, die durch hohe Getreide⸗ zölle in erster Linie schwer betreffen werden, kann ich nur sagen: Wehrt Euch so gut es geht!“ Politische Rundschau. Gießen, den 28. Februar. Gegen den agrarischen Beutezug erhebt sich im ganzen Reiche lebhafter Protest. Die Bewegung gegen die Getreidezölle nimmt immer mehr an Umfang und Entschiedenheit zu. In zahlreichen Orten, großen und kleinen, auf dem Lande und in der Stadt, finden Ver⸗ sammlungen statt, in denen gegen den Brot⸗ wucher Protest erhoben wird. Es ist nicht möglich, über alle zu berichten, nur die wich⸗ tigsten können verzeichnet werden. Die Sozial⸗ demokratie ruft überall zum Kampfe gegen den Brotwucher auf und zahlreich folgen Arbeiter, Handwerker und Bürger dem Ruf, füllen die Versammlungen und erheben sich einmütig zum Protest. In Stadtverordnetensälen zwingen unsere Genossen die bürgerlichen Vertreter viel⸗ fach mit Erfolg zur Stellungnahme gegen die Lebensmittelverteuerung. Auch die Freisinntgen sind nicht unthätig. Doch zeigt es sich, daß die Sozialdemokraten die Kerntruppen im Kampfe gegen die neue Brotsteuer bilden.— Mehr als ein Dutzend überfüllte Versammlungen fanden in Dresden und Umgebung— natürlich an einem Abende— statt. In Meerane, H ohn⸗ stein und Lichtenstein(Sachsen) sprach Genosse Auer vor Tausenden unter lebhaftem Beifalle. In Halle fanden neun, in Nürn⸗ berg fünf massenhaft besuchte Versammlungen statt. Genosse Vollmar sprach in München por 5000 Personen. Der ausgezeichnete Kenner landwirtschaftlicher Verhältnisse wies eingehend die Nutzlosigkeit der Zölle für die Mehrheit der Bauern nach und erntete riesigen Beifall. — In Lübeck beschlossen 1000 Personen nach einem Vortrage des Genossen Schwarz einstimmig eine Protestresolution.— Auch die Frauen protestierten in einer großen Versammlung in Berlin gegen den Brotwucher. Fräulein Dr. Augspurg und Pfarrer Naumann hielten längere Reden. Sie schilderten, wie notwendig es sei, daß die Frauen sich der all⸗ gemeinen Protestbewegung anschließen. Wenn 26 Millionen deutscher Frauen ihr Veto in die Wagschale werfen, würden kein Reichskanzler und kein Parlament es wagen, die Zölle, die eine Belastung der ärmeren Klasse darstellen, u erhöhen. Von vielen anderen Orten wird zwei gute Jahre, massenhafter Besuch der veranstalten Versamm⸗ lungen berichtet. Weggeworfenes Geld. Ueber die Riesensummen, welche Deutschland für Kolonialpolitik und was drum und dran hängt, bisher verpulvert hat, giebt eine Zu⸗ sammenstellung der„Köln. Volksztg.“ näheren Aufschluß. Danach sind ohne Einrechnung der Zuschüsse des Reiches für die Kolonien im Etat der Marine⸗, der Post⸗ und Telegraphen⸗ verwaltung nicht weniger als 182 155177 Mk. verausgabt worden. Mit dieser kolossalen Summe hätten manche Kulturaufgaben, für die niemals Geld vorhanden ist, gelöst werden können. Auch der„Not der Landwirtschaft“ könnte damit schon einigermaßen gestcuert wer⸗ den; man hat aber noch nie gehört, daß sich irgend ein ograrischer Schreier gegen den so schwere Opfer erfordernden Kolonialrummel gewandt hätte. Pensionierte Offiziere. Vom 1. Januar bis zum 15. Februar dieses Jahres wurden in der deulschen Armee pensio⸗ niert: 1 Generalmajor, 1 Oberst, 3 Oberstleut⸗ nants, 8 Majore, 14 Hauptleute, 5 Oberleut⸗ nants, 3 Leutnants. In Summe 35 Offiziere. Kosten pro Jahr 95000 Mk. Ferner wur⸗ den ohne Pension verabschiedet: 1 preußischer Oberleutnant, 3 preußische und 3 sächsische Leutnants. Der Gesamtabgang an Offizieren beträgt somit in dem oben angegebenen Zeit⸗ raum 42, was, nebenbei bemerkt, gegen früher verhältnismäßig wenig ist. Aus Hunnenbriefen. Dem Briefe eines Kreuzzüglers, datiert Tientsin, 9. Dez. 1900, entnimmt unser Nürn⸗ berger Parteiorgan folgende Stelle über die Behandlung der Soldaten seitens ihrer Vor⸗ gesetzten: „Wir werden gerade wie Rekruten behandelt. Es heißt: Ihr Zuchthäus ler, Ihr seid doch blos herein, damit Ihr draußen dem Zuchthaus entronnen seid. Es beißt auch.: Jausbuben, Zuchthäusler, Sauhund 2c. c.; auch schlug ein Oberleutnant von unserer Kompagnie gestern beim Exerzieren zwei Mann in Reih' und Glied eine Schelle hin, daß es ihnen nicht wohl that. Des⸗ wegen sind wir nicht nach China gegangen; wenn's Mancher früher gewußt hätte, wäre er nicht mitge⸗ gangen.“ Der Briefschreiber dient bei der 7. Kompagnie des 6. Ostaesiatischen Infanterieregiments. Die Angaben sind von sieben Schicksalsgenossen durch Namensunterschrift bestätigt! Bon unerhörter Verrohung legt ein anderer Brief eines am Rachezug beteiligten deutschen Soldaten Zeugnis ab. Das von der Thür. Volkstribüne veröffentlichte Schreiben enthält folgende Stellen: ... Die Chinesen wollen besonders wenn sie nichts mehr machen können, da schmeißen sie sich ganz einfach auf die Erde und thuen als wären sie tot, ist man aber vorbei, da sind sie noch so frech und schießen noch, aber dann geht es ihnen aber dreckig, da wird alles zu⸗ sammen gestochen was in die quer kom mt und dann jämmern sie, da macht es noch viel mehr Spaß, denn wenn sie so ruhig da liegen, da macht es gar kein Ver⸗ gnügen. Reitet man wieder zurück und es liegt so ein Scheintoter da, und kommt man ihn ein bischen zu nahe so wird es ihm doch Anst, und sieht sich um, dann ist aber seine letzte Stunde geschlagen. Lieber.., das Gefühl blos wenn man das erste mal die Lanze hinein würgt, wie des blos gnirschelt, istman's aber erst ge⸗ wöhnt, dann macht es riesigen Spaß, da freut man sich das man so Schlitz⸗ äugige Pestige erwischen kann. Nun lieber..., hat der Spaß ein Ende, jetzt wie sie sprechen soll es Friede sein. Daß die Schilderungen der Soldatenbriefe leider den Thatsachen entsprechen und durch⸗ aus keine Aufschneidereien sind, wie der Kriegs⸗ minister im Reichstage und nach ihm die Khaki⸗ presse behauptete, dafür sprechen auch die Be⸗ schlau sein, richte des Korrespondeten der Frankftr Ztg. Dieser schreibt in einem Briefe aus Tieatsin unterm 24. Dezember, daß ihm ein deutsch⸗ sprechender Chinese, ein hoch intelligenter Mann, über das Verhalten der deutschen Expe⸗ diton auf dem Durchmarsche durch die Di⸗ striktshauptstadt Föngyun allerlei Juteressantes berichtete. Es heißt in dem Schreiben: „Der chinesische Gewährsmann versicherte nämlich auf das Positivste, daß die Solda⸗ ten Frauen und Mädchen vergewaltigt hätten. Ich fragte einen Herrn vom Kriegs⸗ gericht, ob er so etwas von deutschen Sol⸗ doten für möglich halte, und erhielt leider eine bejahende Antwort. Der Herr äußerte sich sehr bitter über einen Teil der deutschen Reservisten, die zum Teil als Abenteurer nach China gegangen seien, ohne jedes höhere Interesse. Von Offiziersseite wurde mir dies ebenfalls bestätigt, mit dem Hinzufügen, daß diese Leute auch die Dis zi⸗ plin, bedenklich gefährdeten. Höchst er⸗ freulicherweise geht man gegen diese Soldaten⸗ sorte auf das Energischste vor, und zwar ist dies in erster Linie dem Korpskommandeur General von Lessel zu danken, der nicht müde wird, alle Auswüchse bis in die Wurzeln zu verfolgen. So steht zu hoffen, daß wir auch dieser schlimmen Erscheinungen Herr wer⸗ den. Bedauerlich bleibt es immerhin, daß unsere Armee nicht so ganz und gar ohne Fehl und Tadel blieb, wie ihre Freunde erwarteten.“ Und der Kricgsminister v. Goßler sollte nichts davon wissen? Zwei weitere„Hunnenbriefe“ wurden uns zur Verfügung gestellt. Beide sind aus Pao⸗Ting⸗Ju datiert und von dem betreffenden Kreuzzügler an seinen Bruder in Oberhessen gerichtet. Einer der Briefe ist auf chinesisches, mit Figuren verziertes Briefpapier geschrieben. Im Verhältnis zu den schon be⸗ kannt gewordenen Soldatenbriefen aus China bieten die uns vorliegenden wenig Bewerkens⸗ wertes. In dem einen heizt es:„Auf dem Marsche nach Pao⸗Ting⸗Fu haben wir ein Dorf, das uns keine Lebens; ittel und Geld abliefern wollte, in Brand geschossen.... Ich habe schon verschiedene kleinere Sachen(jeden⸗ falls geplündert, D. R.) und werde dir später auch was zukommen lassen.“— Und im zweiten sagt der Briefschreiber u. a.„Pao⸗Ting⸗Fu ist eine Stadt ungefähr wie Gießen mit einer Mauer, welche 10 Meter hoch und 8 Meter breit ist und 4 Thore hat. Auf den Mauer⸗ kronen stehen Kanonen alter Art.... Als die 3 Hauptschuldigen hingerichtet wurden, wurde eine Bresche in die Mauer geschossen und die Tempel auf der Mauer niedergebrannt. Wir haben schon verschiedene Tempel, in denen Boxerversammlungen abgehalten wurden!?) niedergerissen und zu Brennholz ver⸗ braucht...—“ Wie man sieht, nichts als Plünderung, Mord und Brand! Konsumvereine und Kleinhändler als Steuerzahler. k. k. Zu den stehenden Behauptungen der Kleinhändler⸗Agitation gehört diejenige, daß durch die Verdrängung der Kleinhändler, deren Steuerkraft dem Staate verloren ginge, der Staat also an Steuern Einbuße erleide. Diese durch die Wiederholung um nichts wahrer werdende Behauptung wird jetzt wieder in der „Kolonialwarenzeitung“ aufgetischt. lleberschrift:„Eigenartige augenscheinlich auf einen Eingriff in den Umsatz des Kleinhandels berechnete Maßnahmen“ werden in Nr. 13 Gutachten von Leipziger Kleinhändlern zur Umfrage der sächsischen Regierung betreffend die Umsatzsteuer wiedergegeben. Es heißt dort e häuser und Konsumvereine. Die Filialen der Konsumvereine müßten in erster Linie zur Steuer herangezogen werden, da gerade sie es wären, die den Kleinhandel in 1 empfindlichster Weise schädigen. Ihr rasche Vermehrung und ihr sleigender Uasatz richs telen viele Detailgeschäfte zu Grunde und „3. Die Filialgeschäfte der Waren⸗ 1 1 0 1 1 Unter der l jehle föunten l einem Un würde d Filialen“ e lechlig well dad Konsumt Zunäch Rlädinm, eine als U fielen gal ihre Hall! bertelung. elbe, als! sehmen wi der ursprü tine“, sor Grundlage Die Sy sich gegen Derselbe h Steuern dieses Ver 80000 Mk Steuern diese 100 120 Mk. bie 12000 Kleinhänd der Steue für den dem wür Steuern! der Konsu in Mirklic Tell der fließen. Die 10 bel 108 men haber ein dürft, e 3—4 h dann 300 rinnen 9 minderwe und der tion des teilung 11 ge nich al deutschen Und das flässiger g wirklich „Geschist Rette E Zurlet nile, 5 urger Haare.. liter an Blatt, di lier“ einen 5 haben, un 2 — Ig. a0 1 e⸗ 16 e N. santeg scherte olda. legs. Sol⸗ eider Herr l der Gals seien, ereseite it dem igzi. chst er⸗ bar ist audeur richt Jurzeln ß wir r ber⸗ „ daß ge Fehl cteten.“ sollte 4 Beide on dem del in ist auf efpapier hon be⸗ ö China gerkens⸗ luf dem vir ein 0 Geld 00 (jeden⸗ r späler zweiten t einer 8 Meter Mauer⸗ . Als wurden, gchosse hun pel,! rden“ lz ber, s als ler als en der 15 daß Hann, 0 Nr. 9. 1 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. ließen neue nicht entstehen. Statt eines Konsumvereins und seiner Filialen mit einem jährlichen Umsatz von insgesamt 7 Mill. Mk. könnten etwa 100 selbständige Geschäfte mit einem Umsatze von je 70000 Mk. ihr reich⸗ liches Einkommen finden, deren Steuerkraft jetzt dem Staate verloren ginge. Die Filialen eien der empfindlichste Nerv der Konsum⸗ vereine. Würde man diese besteuern, so würde die Ausdehnung der Konsumvereins— Filialen erheblich eingeschränkt werden. Die Konsumvereine hätten überhaupt keine Be⸗ rechtigung zur Begründung von Filialen, weil dadurch die ursprüngliche Grundlage der Konsumvereine vollständig beseitigt würde.“ Zunächst ist es juristisch wie logisch ein Blödsinn, die Verkaufsstellen eines Konsumver⸗ eins als Filialen zu bezeichnen. Die Verkaufs- stellen, ganz gleichgültig, wie groß oder klein ihre Zahl ist, sind lediglich Organe der Waren⸗ verteilung. Sie beschränken wollen, wäre das⸗ selbe, als wenn man einem Körper die Glieder nehmen wollte. Sie sind keine„Beseitigung der ursprünglichen Grundlage der Konsumver⸗ eine“, sondern ein Teil des Wesens dieser Grundlage. Doch des beiläufig. Die Spitze des oben stehenden Citats richtet sich gegen den Konsumverein Leipzig⸗Plagwitz. Derselbe hat im verflossenen Jahre 44,733 Mk. Steuern bezahlt. Würden an die Stelle dieses Vereins 100 Kleinhändler mit 70 bis 80 000 Mk. treten, so müßten auf jeden 447 Mk. Steuern kommen. In Wirklichkeit würden diese 100 Kleinhändler aber höchstens 100 bis 120 Mk. Steuern zahlen, zusammen also 10 bis 12000 Mk. Die„Steuerkraft“ der 100 Kleinhändler beträgt also nur den vierten Teil der Steuerleistung des Konsumvereins, wahrlich für den Staat ein schlechtes Geschäft. Außer⸗ dem würden dem Staate natürlich auch die Steuern der 50— 60 Lagerhalter und Beamten der Konsumvereiue verloren gehen, so daß er in Wirklichkeit nur den sechsten oder siebenten Teil der Steuern erhielte, die ihm heute zu— fließen. Die 100 Kleinhändler würden vielleicht bei 70-80 000 Mk. Umsatz ein gutes Einkom⸗ men haben, außerdem noch etwa 50 Kommis ein dürftiges Einkommen und 3— 400 Lehrlinge je 3—4 verlorene Jugendjahre. Dafür würden dann 300 Beamte, Lagerhalter und Verkäufe⸗ rinnen brotlos, die Konsumenten müßten minderwertige Waren zu hohen Preisen kaufen und der durch die großartige Organisa⸗ tion des Einkaufs und der Warenver⸗ teilung durch den Konsumverein Leipzig⸗ Plagwitz erzielte Reingewinn von 874000 Mk. Bolt nicht nur den Mitgliedern, sondern dem Volkswohlstaud bezw. der Konsumkraft des deutschen Volkes überhaupt verloren. Und das alles wegen 100 wirtschaftlich über⸗ flüssiger Kleinhändler! Für Staat und Gemeinde wirklich ein schlechtes, ein sehr schlechtes „Geschäft!“ Nette Eigenschaften der Zeutrumsleute. Zwei echte, gut katholische, bayrische Zentrums⸗ blätter, der„Bayr. Kurier“ und die„Augs⸗ burger Postztg.“, gerieten sich neulich in die Haare. Dabei ging's äußerst brüderlich her. Unter anderem beantwortete das erstgenannte Blatt, die Frage: was ist ultramontan? fol⸗ gendermaßen: „Ein Ultramontaner ist ein zur Heuchelei und Verdrehung neigender Reaktionär, ein Pharisäer aller dickster Sorte, der unter dem Vorgeben, der„heiligen Sache“ zu dienen, unedlen Leidenschaften dient, Politik und Religion miteinander verquickt und viele Menschen vom Religionsbekenntnis abhält, die, wenn die Ultramontanen nicht ihr Unwesen trieben, der Religion vielen Nutzen bringen würden.“ Der das sagt ist nicht etwa„religionsfeindlicher“ ö Sozialdemokrat, sondern ein würdiger bayrtscher Pfarrer, jetziger Hauptredaktenr des„Bayr. Kurier“. Der muß also seine Brüder in Christo kennen und böse Erfahrungen mit ihnen gemacht haben. Dem hessischen Landtage ist ein Antrag des Abg. Dr. Schmitt und Ge⸗ nossen betr. die pensionierten Volks- schulleh rer zugegangen, in dem die Regierung um eine Gesetzesvorlage ersucht wird, durch welche die Volksschullehrer in der Berechnung der Dienstzeit den Civilbeamten in sofern gleich— gestellt werden, daß auch den früher pensionierten Volksschullehrern im Falle ihrer Wiederan⸗ stellung die Pensionszeit ebenso angerechnet wird, wie den übrigen Beamten.— Weiter ist der Zweiten Kammer ein Gesetzentwurf über die Bildung der Schulvorstände zuge⸗ gangen. Danach soll dem Gesetz über das Volksschulwesen vom 16. Juni die Bestimmung beigefügt werden, daß außer den für die Ge— meinde angestellten Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche, denen die Zugehörigkeit zum Schulvporstande gesetzlich ohne Weiteres zufseht, auch die Geistlichen und Religions⸗ lehrer nichtchristlicher Konfession und der nicht öffentlich-rechtlichen Religionsverbände in den Schuloorstand berufen werden können, wenn die betreffenden Gemeindevertretungen das be— schließen und in der gemeinsamen Schule Kinder von Angehörigen der betr. Religionsgemein⸗ schaft vorhanden sind. Vorbedingung ist, daß der Geistliche ꝛc. die Reichsangehörigkeit besitzt und in der Gemeinde, in der er Mitglied des Schulvorstandes werden soll, wohnt. Der Be— schluß der Gemeindevertretung bedarf der Ge— nehmigung der Kreisschulkommission, gegen deren Entscheidung innerhalb zweier Wochen die Be— schwerde an das Ministerium des Innern, Ab⸗ teilung für Schulangelegenheiten, zulässig ist. Deutscher Reichstag. Am Mittwoch(20. Februar) war Schwerinstag. Man verhandelt, wie unsere Leser wissen werden, an solchen Tagen Anträge aus dem Hause. So kam denn die Theater⸗Zensur zur Beratung. Hierbei stellte sich der konservative Konsistorialrat Stockmann als be⸗ rufener Ausleger Goethe'schen Geistes vor. Mit dem im Abgeordnetenhause so mutigen Herrn v. Rheinbaben rechnete Dr. Müller⸗Meiningen in seinem Schluß⸗ worte ab; der lärmenden, murrenden und in Tierstimmen sich übenden Rechten rief er zu:„Sie sind nicht im Abgeordnetenhause, wo Sie thun können, was Sie wollen!“ Bei einer Abstimmung ergab sich die Be⸗ schlußunfähigkeit des Hauses, weshalb die Beratung abgebrochen werden mußte.— In der neuen Sitzung, die um 4½ Uhr begann, wurde zum soundsovielten Male über den Diäten⸗ oder, wie es jetzt heißt: An⸗ wesenheitsgelder-Antrag des Zentrums verhandelt. Herr Gröber begründete denselben; Herr Bassermann stimmte der Grundtendenz zu, verlangte aber Kommis⸗ sionsberatung. Der Konservative Rettig aus Mecklen⸗ burg erklärte sich im Namen eines Teiles seiner politi⸗ schen Freunde mit dem Antrage einverstanden— unter gewissen Bedingungen natürlich. Daß diese„gewissen Bedingungen“ in der Verschlechterung des Wahl⸗ rechts bestehen, stellte Genosse Bebel in einer kurzen, trefflichen Rede fest. Bezeichnenderweise rief man ihm von der Rechten zu: bei dieser Gelegenheit nicht!— Also bei anderen Gelegenheiten. Die Redner der bür⸗ gerlichen Linken, Dr. Pachnicke, der Schwabe Haußmann und Dr. Müller⸗Sagan, erklärten sich natürlich mit dem Diätenantrage einverstanden. Der Reichsparteiler v. Tiedemann erklärte sich für Kommissionsberatung, während er sich zur Sache selbst gar nicht äußerte. Der Antisemit Gräfe, der für den Antrag ist, brachte es fertig— die„Engländerei“ mit den Diäten in Zusammenhang zu bringen.— Der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme angenommen. Der eine, der nicht einmal etwas von Kommissionsberatung wissen will, war— Fürst Herbert Bismarck. Die Beratung des Postetats wurde am Donners⸗ tag beendigt. Zu einer Debatte kam es nur bei dem Titel Unterbeamte. Hier verlangte der freisinnige Ab⸗ geordnete Dr. Müller⸗Sagan feste Grundsätze für die Gewährung von Stellenzulagen und tadelte die versteckt malthustanistische Formel, mit der die Postverwaltung Unterstützungsgesuche von Unterbeamten, die viele Kinder haben, abzulehnen pflegt. Herr v. Pod bielski bestritt übrigens die Richtigkeit dieser Behauptung. Eine kleine Frauendebatte entspann sich bei der Frage über die Verwendung von weiblichen Arbeitskräften im Postdienst. Der Antisemit Werner machte sich zum Vorkämpfer der in Postassistentenkreisen verbreiteten zünftlerischen und mittelalterlichen Anschauung, wonach die Frau ins Haus gehöre. Herr Bassermann bekannte sich als Freund der Frauen, und Herr v. Podbielski hob hervor, daß die Frauen nur an Stelle von Post⸗ und Telegra⸗ phenassistenten und nicht von Unterbeamten verwendet würden. Genosse Zubeil brachte die schlechten Lohn⸗ verhältnisse der Postillone, Genosse Frohme die der Telegraphenarbeiter zur Sprache. Die von Zubeil für die Postillone reklamierten Wettermäntel sagte Herr v. Podbielski zu, und Beschwerden über schlechte Be⸗ handlung versprach er abzustellen.— Freitag und Samstag fanden keine Sitzungen statt. Montag beschäftigte sich der Reichstag in einer kurzen Sitzung mit Wahlprüfungen. Die Mehrzahl der in Frage stehenden Wahlen wurden für gültig er⸗ klärt; die des Konservativen Firzlaff⸗Köslin, bei der es sehr unregelmäßig hergegangen, gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten. Ueber die Wahl des Freisinnigen Prof. Hänel in Kiel, der mit sehr ge⸗ ringer Mehrheit über unseren Genossen Legien siegte, wurde weitere Beweiserhebung beschlossen. Dienstag begann die Beratung des Militär⸗ etats. Die Debatte eröffnete der Zentrumsmaun Gröber, der mit einiger Schärfe das Duellunwesen im Heere aufs Korn nahm und vor allem den bekannten Mörchinger Fall einer eingehenden Besprechung unterzog. Herr v. Goßler zeigte sich in seiner Erwiderung keines⸗ wegs als meisterhafter Redner. Daß der Mörchinger Fall zur Zeit noch in der Berufungsinstanz schwebt, gab ihm die gewünschte Gelegenheit, eine Auskunft über diese kitzliche Angelegenheit zu verweigern. Im übrigen erfreute er das Haus mit einer Auseinandersetzung über die Geschichte des Duells und der Duellstrafen., die anderswo weit vollständiger und genauer zu finden ist. Genosse Bebel, der nach dem Kriegsminister das Wort ergriff, ließ sich natürlich nicht mit der Goßler'schen Duellgeschichtsbetrachtung abspeisen. Klipp und klar faßte er den einzig konsequenten und vernünftigen Stand⸗ punkt, der sich gegenüber der Zweikampfunsitte einnehmen läßt, in die Worte zusammen:„Das Duell ist durch das Gesetz verboten und es giebt keinen Menschen, auch nicht in der Armee, der das Recht hat, sich über das Gesetz zu stellen!“— Sodann besprach Bebel die Lehren, die der Burenkrieg auch den militärischen Fach⸗ leuten erteilt hat. Auch in der— jetzt auch bei einigen wenigen anderen Truppenteilen eingeführten— Kleidung der Chinatruppen hat man von der sozialdemokratischen Kritik erteilte Winke in die Praxis übersetzt. Mit Ge⸗ nugthuung konnte Bebel ferner konstatieren, daß jetzt auch von anderer Seite der Hauptgrund der Soldaten⸗ mißhandlungen in der Ueberarbeitung der Unteroffiziere und diese wieder in dem unnützen Krimskrams zu suchen ist, der beim Militär eine Unsumme von Zeit und Kraft verschlingt. Gebührend geißelte Bebel weiter die massen⸗ hafte Verwendung von Soldaten zu gänzlich unmilitä⸗ rischen Zwecken. Der Kriegsminister konnte auf Bebel's Angriffe nichts erwidern. Eine wie gewöhnlich mit allerhand groben Späßen ausgestattete Rede verzapfte Herr Oertel, der nebenbei natürlich die Agrartrommel rührte und direkten Bezug des Proviantes von den landwirtschaftlichen Produzenten usw. verlangte. An⸗ knüpfend an die Aeußerung des Herrn Oertel, daß „ernste Kreise“ das Duell als ein notwendiges Uebel betrachten, hielt der Zentrumsabgeordnete Dr. Ba che m eine recht energische Rede gegen das Duell. Unter hef⸗ tigem Murren der Rechten warf er dem Kriegsminister vor, daß er weiten Kreisen„geradezu revolutionäre Ge⸗ sinnung gegen die Gesetze“ vorschreibe. 3 Krieg in Südafrika. Mit ziemlicher Bestimmtheit sprachen vorige Woche die englischen Meldungen von der„voll⸗ ständigen“ Umzingelung und bald zu erwartender Uebergabe De Wets. Letzterem ist u es bisher aber noch nicht eingefallen, sich zu ergeben, ebensowenig denkt Ouis Botha daran, von dem berichtet wurde, daß er um Unterhandlung wegen seiner Uebergabe gebeten habe. Von Letzterem heißt es in einer Depesche Kitcheners, daß er mit 2000 Mann dem ihn verfolgenden General French in der Richtung auf Komatipoort entkam.— Ueber die„Verfolgung“ De Wets berichtete General Kitchener aus Middelburg: Oberst Plumer teilt mit, daß Oberst Owen Dewet gestern einen 15⸗Pfünder und ein automatisches Geschütz abgenommen, sowie eine Anzahl Wagen und zahlreiche Muniuon erbeutet habe. Der Feind befindet sich in vollem Rückzug und wird energisch verfolgt. Wir hatten keine Verluste(25). Dewets Versuch, die Kapkolonie zu darchziehen, ist vollständig gescheitert.— General French meldet aus Piet Retief vom 22. ds. Folgendes über die Kriegsoperationen der Kolonge, die östlich ope⸗ riert: Die Buren, etwa 5000 Maun stark, sind vollständig zerstreut worden. Sie befinden sich in aufgelösten Banden in vollem Rückzug. Seite 4. Mitteldeutsche Souutags⸗Zeitung. Nr. 9. 1 Amsterdam und Piet Retief wurden von den englischen Truppen besetzt. General French wird die Verfolgung fortsetzen, ist jedoch durch die heftigen Regengüsse sehr behindert. Krieg mit China. Mit den Friedensverhandlungen ist's heute noch nicht weiter als vor Wochen und Monaten. Die„zivilisierten“ Diplomaten lassen sich von den„dummen“ Chinesen nas⸗ führen, daß man darüber lachen könnte, wenn nicht das deutsche Volk die Zeche zahlen müßte. Kürzlich hieß es, der chinesische Kaiser wolle vor lauter Schreck über Waldersee's Sähel⸗ rasseln schleunigst von Singanfu nach Peking zurückkehren. Heut' liest man's anders. Der Kaiser sowie auch die Kaiserin Witwe weigern sich, nach Peking zurückzukehren, so lange es die fremden Truppen besetzt halten.— Die von deu auswärtigen Gesandten geforderten Be⸗ strafungen sind auch nicht so leicht durch⸗ geführt. i Nach zuverlässigen Nachrichten aus Sin⸗ gaufu, die aus Shanghai eingetroffen sind, haben sich die Prinzen Tuan und Tschuang so⸗ wie Herzog Lan und General Tungfuhfiang nach Nighsia, dreihundert englische Meilen nord⸗ westlich von Singanfu und zehn Tagereisen jenseits Lantschantu, geflüchtet. Aber zwei andere„Uebelthäter“ soll das Geschick erteilt haben. Nach einem Pekinger Telegramm sollen Pingnien und Tschauschut⸗ schia auf Befehl des Kaisers Selbstmord voll- zogen haben. Das ist allerdings keine sehr an⸗ genehme Sache. Jedenfalls ist von einer Rückkehr unserer Truppen keine Rede mehr. Wie die„Post“ er⸗ fahren haben will, sind bezuglich der Rückkehr der deutschen Panzerdiviston aus den ostasiati⸗ schen Gewässern noch keinerlei Bestimmungen ergangen. Non Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Sewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir binten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die Protestbewegung gegen den Brotwucher kommt im ganzen Lande immer lebhafter in Fluß. In einer Reihe größerer Städte des Reichs haben bereits zahlreiche, massenhaft be— suchte Volksversammlungen stattgefunden in denen die Wucherpolitik entschiedene Ver⸗ urteilung fand. Auch in unserer Gegend müssen die durch Erhöhung der Getreidezölle empfind⸗ lich geschädigten Volksschichten— Arb ter Handwerker, Kleinbauern und Kauf⸗ leute— sich zu energischem Widerspruche auf⸗ raffen. Sorgt deshalb für Aufklärung! Arrangiert Versammlungen! Wegen solcher wende man sich an: Gg. Beckmann, Gießen, Grünberger⸗ straße 44, oder an die Redaktion unserer Zeitung. Gießener Angelegenheiten. — Zum Prozeß Hirschel⸗Erdmauns⸗ dörffer. Auf den in Nr. 7 unserer Zeitung abgedruckten Brief des Genossen Scheidemann schickt uns Herr Redakteur Erdmannsdörffer⸗ Marburg eine Erwiderung. Er sagt darin: „Die Annahme Scheidemanns, ich hätte ihn in der Marburger Versammlung vom 16. Juni 1899 gegen die Antisemiten„scharf zu machen“ versucht, beruht auf einem Miß verständ nis. Eine solche Aufforderung von meiner Seite ist nicht erfolgt. Diese Erklärung kann ich auf Ehre und Gewissen abgeben. — Herr Bürgermeister Köhler, der Reichstagsabgeordnete für Gießen war von dem national⸗socialen Redakteur Erdmannsdörf— fer wegen Beleidigung verklagt worden. Vor dem Gießener Schöffengericht ging Köhler am 22. Februar einen Vergleich ein. Er nimmt die Beleidigungen mit Bedauern zurück und bezahlt sämmtliche Kosten. Für die Buren. Nun hat auch Gießen seine„Burenversammlung“ gehabt. Eine große Menschenmenge füllte am Montag Abend den geräumigen Saal„Steins Garten“ und lauschte den Darlegungen über den Burenkrieg. Das Publikum bestand in der Hauptsache aus Angehörigen der„besseren Kreise“, auch viel Damen waren anwesend. Arbeiter bemerkte man nur wenig, was angesichts der hohen Eintrittspreise, die gefordert wurden, nicht ver⸗ wunderlich ist Im Ganzen erhält man den Eindruck, als sb von gewissen Seiten die Burenbegeisterung als Sport betrieben, als Geschäft behandelt würde. Die sozialdemokratische Partei, nicht blos die deutsche, sondern die aller Länder, auch die englische, hat von vornherein gegen den englischen Raubzug protestiert, den für ihre Freiheit kämpfenden Buren ihre Sympathie bekundet. Sie bekämpft überhaupt jede Unterdrückung, überall und auf allen Gebieten. Nicht so die Bürger⸗ lichen. Während sie nicht genug über das Vorgehen der Engländer schelten können, verlieren sie über die Hunnenthaten der Deutschen in China kein Wort.— Mit Spannung verfolgten die Versammelten die Schil⸗ derungen der Kriegsführung der Engländer, ihrer Grau⸗ samkeit und Unfähigkeit. Es fehlte auch nicht an Ueber⸗ treibungen. Wenn beispielsweise der zweite Redner, Kommandant Jooste erzählle, ein englischer Soldat habe im flachen Wasser stehend, inständigst um einen Trunk gebeten, und auf die Frage, warum er denn nicht trinke, gejammert, daß er ja kein Glas habe, so ist das schon mehr Jägerlatein. Episoden ähnlicher Art gab euch Herr Oberlehrer Henckel zum Besten, der zuerst sprach. Dieser Redner, der mit auf Seite der Buren kampfte, sagte u. a., nur das Gefühl für Ge⸗ rechtigkeit und Freiheit habe viele Deutsche ver⸗ anlaßt, nach Südafrika zu gehen uad sich am Freiheits⸗ kampfe der Buren zu beteiligen. Dahinter ist auch ein dickes Fragezeichen zu setzen! Kurz, den Deutschen wurden alle Tugenden, den Engländern alle Verbrechen ange⸗ redet.... Wenn das anmaßende Auftreten der be⸗ treßten, ordensbesäten englischen Offiziere kritisiert wurde, so hätte man den Vorschußlorbeer, das Asbesthaus und den 10000 Mark Koch Waldersees, billiger Weise auch erwähnen sollen.— Eine Protestresolution gegen das Vorgehen Englands fand einstimmige Annahme, auch örschloß man die Absendung eines Telegramms an den Präsidenten Krüger. Steinberg⸗Watzenborn. —t. In der am vorigen Sonntag abge⸗ haltenen Generalversammlung der Arbeiter⸗ vereine Watzenborn und Steinberg wurde die Einrichtung einer Unterstützungskasse innerhalb des Kreiswahlvereins desprochen. Man sprach sichfür keine Krankenunterstützungskasse, aber gegen die Gewährung von Sterbe⸗ geld aus. Demgemäß beantragt die Ver⸗ sammlung bei dem Kreiswahlverein, einen Ex⸗ trabeitrag von monatlich 10 Pfg. zu erheben und die Unterstützung auf täglich 50 Pfg. ver⸗ suchsweise festzusetzen. Heuchelheim. — n. Vorigen Sonntag gingen hier die Schuljungen im Auftrage des Lehrers von Haus zu Haus und sammelten Geld, das angeblich für die Irrenanstalt bestimmt sein soll. Die Kinder notierten— jedenfalls ihrer In⸗ struktion gemäß— auch die Personen, die keine Beiträge leisteten, in die von ihnen mit⸗ geführten Listen. Sollten dadurch die Leute beeinflußt werden? Uebrigens werden doch für Einrichtungen, wie Irrenanstalten, staatliche Mittel zur Verfügung gestellt, so daß hierzu Kollekten überflüssig sind. Dann sollte man auch die Schulkinder zu derartigen Bettel⸗ gängen nicht verwenden, das übt auf sie sicher keinen günstigen Einfluß aus. Aus dem Kreise Friedberg. Barmherzige Samariter. Vorige Woche wurde momeutan ein Arbeiter schwer krank. Der Arzt wies ihn in das hiesige Hospital ein, bei dem er selbst leitender Arzt ist. Da bei der Schwere des Falles eine Ver⸗ zögerung nicht angängig war, so ließ der Meister res Kranken denselben auf Weisung des Arztes, ohne erst der Krankenkasse Mitteilung zu machen, sofort ins Hospital fahren. Aber wer da glaubte, ber würde aufgenommen, der hatte sich geirrt. Mit der Motivierung, es sei kein Platz da, wurde der Kranke wieder abgewiesen. Erst auf nochmaliges Vorsprechen des Meisters bei dem Arzte und nachdem dieser noch einen Brief an die Oberin geschrieben hatte, war— Platz vorhanden und konnte der Kranke aufgenommen werden. Während der ganzen Zeit der Ver⸗ zögernng mußte der Kranke bei mindestens. Kälte in dem Wagen liegen. Wenn der Mann wieder glücklich gesund wird, so ist die Barm⸗ herzigkeit jedenfalls nicht schuld daran. l. In dem neuerrichteten„Tauben⸗ schlage“ von D. Sohn, genannt„Militär⸗ Effektenfabrik“, sind schon wieder einig. Arbeiter seit dem Berichl in voriger Nummer entlassen worden resp. haben freiwillig das Weite gesucht. Weil nun genannter Herr keine Arbeitsordnung hat, so glaubt er die Leute einfach entlassen zu können ohne zu kündigen. Nun hat einer der Betroffenen mit Hilfe der Organisation, die Sache einem Rechtsanwalt übergeben. Hoffentlich wird Herr Sohn nun belehrt, wie er mit seinen Arbeitern umzu⸗ gehen hat. Bündler⸗Parade in Friedberg. — d. Unter dem Vorsttz des Grafen Oriola, des Schutzheiligen aller Kriegsinvaliden und Veteranen fand am Sonntag die diesjährige Kontrollversammlung des Bundes der Land⸗ wirtee für die Provinz Oberhessen dahier im Saal der 3 Schwerter statt. Als Redner traten auf die Höchstkommandirenden des Bundes Dr. Rösicke und Lucke Patershausen. Einige Kraftstellen aus dem Referat des Bundeshäupt⸗ lings seien hier mitgeteilt. 1. Unsere Gegner treiben Kornwucher und sagen dann, wir wollten Kornwucher treiben.(Allgemeines zu⸗ stimmendes Grinsen.) 2. Der ostelbische Junker wird immer als ein Schreckensgespenst an die Waud gemalt, das nichts arbeitet, gut lebt und Sekt trinkt. Die Arbeiter trinken heute eben⸗ falls Sekt.(Wiederholtes Grinsen.) 3. Wer sind nun die Gegner der Getreidezölle? Das Großkapital in Gestalt des Handels vertrags⸗ vereins mit Herra Siemens an der Spitze. Nun sind aber die Herren zu faul um gelbst Agitation zu treiben und sind dann mit ihrem Golde auf die Suche gegangen. Da haben sie die Sozialdemokraten gefunden. Die treiben nun Agitation gegen uns.(Abermaliges Grinsen und einzelne Zurufe.) 5. Unsere Gegner sagen, wir treiben Interessenpolitik. Ich sage aber: Nein, sie treiben Interessenpolitik. Unsere Gegner haben versucht, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen und nun, wo wir auch unser Schäfchen scheren wollen, wollen Sie uns den Stall zumachen.(Lautes Grinsen, Zurufe und Anstoßen von Gläsern.) Diese paar Proben zeigen zur Genüge, mit welch niedrigen Mitteln diese Herren arbeiten. Interessant ist jedenfalls das offene Eingeständ⸗ nis des Dr. Rösicke, daß sie auch ihr Schäf⸗ chen scheeren wollen. Ob das die Herren, die auwesend waren, noch nötig hatten, bezweifeln wir sehr, von Herrn Grafen Oriola wissen wir jedenfalls, daß er das schon früher besorgt hat. Aber anderseits sind wir sehr begierig, ob die anwesenden beifallspendenden Bürger⸗ meister und Beigeordneten, die wir bemerkten, in unsern Protestversammlung die Weisheiten Dr. Rösickes vorzubringen den Mut haben werden. Hier und da dürften sie damit in die Brüche geraten. Aus Wetzlar. Herr Ohlenburger, mit dessen Prozeß gegen den Gerbereibesitzer Michel sich eine Notiz in Nr. 6 unseres Blattes beschäftigte, läßt uns mit Bezug darauf berichtigend schreiben, daß die Sache sich folgendermaßen 6 sehr große Hund des Herrn Gerberei⸗ verhalte: „Der besitzers Julius Michel hierselbst war gegen Herrn Ohlenburger, der einen Hund führte, ge— sprungen. Ohlenburger war seit der Zeit laut Attest des hiesigen Arztes Sanitätsrat Dr. Herr allerdings nervös erregt. Eselet.“ Darauf erhob der Privalklage wegen Beleidigung, Herr Ohlen⸗ burger wurde aber in 1. Instanz freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Herrn Anfach! Als der Hund des Herrn Michel gegen Herrn Ohlenburger sprang, entfuhr letzterem die Aeußerung„das ist eine Hundebesitzer ine de 1 In Ulle dene Ensch 0 1 ehm 1 0 stim 1 agen mMiiteteilef id beiscl pböhnel, 1 10 die B außegewöl unterrichte mit möglü Wir haber entschuldig nennen, u. % bene anti eine sofial t. Da war im, welchem e zum Veil deten En jährliche 3000 L ein rief hältnis z. Bebölkert schönks! Gegen sprach in hesuchten Abg. Ul Veise setz wie wen nützen un Vorspann benutzt 9 der beste wesenden Eine Re de Zoll auf Get Finne dasson es den vide, zahlen, Wirt. boy ö B. du kommen und N. Wurde 1 55 i 1 dez 15 Protestan roech, . riola, n und jährige Land⸗ ier im Redner Bundes Einige Shäupt⸗ Gegner u, wir nes zu⸗ Junker an die lebt und te eben⸗ 3. Mer 2 Das ertragz⸗ Spitze. m selbst it ihrem haben. n. Die maliges Gegler 50 ge Unsere gen ine ir auch wollen (Lautes isern.) jüge, mi arbeiten. meli r Schäß⸗ nen, di ezweiftlu, a wissen 1 besorgt begielig, * 10 1 * 5 1 7 Bürgel⸗ emerktell, eisheitel haben 6 in die lit rozeh 10 eile shüstgt richtige dermabel Michel Anklage wegen fahrlässiger Körperver⸗ Ne. 9. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. letzung. Von dieser Anklage wurde Herr Michel in 1. Instanz freigesprochen und nur wegen freien Umherlaufenlassens eines bissigen undes bestraft und en mit den Kosten des Verfahrens belegt. Gegen das den Herrn Ohlenburger freisprechende Urteil hat Herr Michel, gegen das den Herrn Michel wegen Körperverletzung freisprechende Urteil der Staats⸗ anwalt Berufung eingelegt. Herr Ohlenburger hat keinen Pfennig Entschädigung von Herrn Michel verlangt.“ In unserer Notiz war gesagt, daß Herr O. eine Entschädigungssumme gefordert habe. Diese Behauptung müssen wir demnach zurücknehmen. Es stimmt aber nicht, wenn in dem uns zuge⸗ gangenen Schreiben gesagt wird, die von uns mitgeteilten Thetsachen seien durchaus unwahr und verfolgten den Zweck, Herrn O. zu ver⸗ höhnen. Das lag uns fern. Wir hatten aber doch die Verpflichtung, unsere Leser von der außergewöhnlichen Nervosität des Herrn O. zu unterrichten, damit sie ihm eintretenden Falls mit möglichster Vor- und Rücksicht begegnen. Wir haben daher keine Veranlsssung, uns zu entschuldigen und unseren Gewährsmann zu nennen, was Herr O verlangt. Letzteres thut keine anständige Redaktion, am allerwenigsten eine sozialdemokratische. t. Das Nattonalgetränk. Kürzlich war im„Wetzl. Anz.“ ein Inserat zu lesen, in welchem eine Wirtschaft in der Nähe Wetzlars zum Verkauf ausgeboten wurde. Zur beson⸗ deren Empfehlung war hinzugefügt, daß der jährliche Verbrauch 200 Hektoliter Bier und— 3000 Liter Branntwein betrage. Das ist ein riesiges Quantum Schnaps im Ver⸗ hältnis zum Bierkonsum. Der frommgläubigen Bevölkerung um Wetzlar wird dadurch ein schönes Zeugniß ausgestellt. Gegen die Erhöhung der Getreidesölle sprach in einer auch von Landwirten zahlreich besuchten Versammlung in Vilbel, Genosse Abg. Ulrich von Offenbach. In populärer Weise setzte er den Anwesenden auseinander, wie wenig die Getreide⸗Zölle den kleinen Bauern nützen und wie diese kleinen Leute nur als Vorspann für die große grarischen Interessen benutzt werden. Der rauschende Beifall war der beste Beweis, daß Genosse Ulrich den An⸗ wesenden aus dem Herzen gesprochen hatte. Eine Resolution, die den Reichstag auffordert jede Zollerhöhung auf Lebensmittel insbesondere auf Getreide unbedingt abzulehnen, fand ein⸗ stimmige Aunahme. Auf eine in der Dis⸗ kussion von Heren Klös gestellte Aufragé, wie es den kleinen Landwirten möglich gemacht würde, dieselben Löhne wie die Industrie zu zahlen, antwortete Genosse Ulrich, daß man einfach dafür sorgen müßte, den kleinen Land⸗ wirt von seinen vielen Steuern zu entlasten, z. B. durch Einführung der progressiven Ein⸗ kommensteuer, durch Verminderung von Heer und Marine usw. Eine weitere Diskussion wurde nicht beliebt. Seelenjägerei. In ein französisches Kloster ist dieser Tage eine junge, sächsische Gräfin, Nichte des aus dem Jesuitenorden ausgetretenen und protestantisch gewordenen Grafen Hoeus⸗ broech, eingetreten. Nach dem Leipz. Tage⸗ blatt war es schon seit Jahren ein offenes Geständnis, daß die junge Gräfin systematisch dahin erzogen wurde, um zur Sühne für den Schritt ihres Verwandten in ein Kloster zu gehen und ihre reichen Güter der ka⸗ tholischen Kirche zu überantworten.— Auf diese Weise wird Graf Hoensbroech noch um Wohlthäter der Kirche und ihres 1 Goethe sprichwörtlich gewordenen guten Magens. Kleine Mitteilungen. „„ In Heldenbergen fiel der neunjährige Sohn des Maurers Reul infolge des Glatteises schütterung sein Tod herbeigeführt wurde.— Im gleichen Orte sind in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar dem Metzger Rothschild sämtliche Hühner im Stalle erfroren. r Risiko der Arbeit. Der Arbeite P. Lorenz aus Groß⸗Welzheim wurde in der dortigen Blech⸗Emballagen⸗Fabrik von der Maschine erfaßt und fürchterlich zugerichtet. Ein Arm mußte ihm amputiert werden. * Raubmordprozeß. Das Schwur⸗ gericht Hanau vernrteilte einen gewissen Hilpert, der im vorigen Jahre in der Nähe von Gelnhausen den Handwerksburschen Neu⸗ mann tötete und beraubte, zu 15 Jahren Zuchthaus ung 10 Jahren Ehrverlust. * Arbeiterentlassungen. Auf der Grube Pauline der Gewerkschaft Karlsglück soll 110 Arbeitern gekündigt worden sein, weil die Grube infolge Rückganges der Metallpreise 12 ab 1. März außer Betrieb gesetzt werden oll. * Gewerkschaftshans in Fraukfurt. Nunmehr ist das neue Heim der Frankfurter Arbeiter an der Stoltzestraße soweit fertig ge⸗ w ellt, daß mit der inneren Einrichtung begonnen werden konnte. Das Haus enthält außer einem großen Versammlungssaale eine Anzahl kleinere Zimmer für Büreau, Kommissionssitzungen, kleinere Versammlungen ꝛc. Die Kosten des Unternehmens stellen sich ohne die innere Aus⸗ stattung auf ca. 600000 Mk. * Vom Zuge überfahren. Im Frank⸗ furter Hauptbahnhofe versuchte am Dienstag Abend der Maler Il mstadt aus Oberursel in den eben abgehenden Zug zu springen, glitt jedoch aus, geriet unter den Zug und wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Traus⸗ port nach dem Krankeghause starb. Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 28. Februar 1901 — Sittlichen Anstoß hat hier dieser Tage ein in der Elwertschen Buchhandlung aus⸗ gestellies großes Oelgemälde des jungen, ralent⸗ vollen Kasseler Malers C. Armbrust erregt. Das Bild zeigte Anakreon als nackten Jüng⸗ ling mit einer Leyer im Arm. Auf Veran⸗ lassung der Polizei mußte dasselbe unter Hin⸗ weis auf§ 184 des St.⸗G.⸗B., der von der Strafbarkeit der Ausstellung u nzüchtiger Abbildungen usw. handelt, aus dem Schau⸗ fenster entfernt werden. Dies geschah auch; aber am Schaufenster ist seitdem folgendes Plakat zu lesen:„Das Originalgemälde Anak⸗ leon“ von C. Armbrust ist für Kunstver⸗ ständige im Geschäftslokal ausgestellt. Diese feine Rache des Kunsthändlers, der gleichzeitig sein Schaufenster mit lauter— Böcklius aus⸗ staffiert hat, erregt hier allgemeine Heiterkeit. — Schwurgericht. In der diese Woche beginnenden Frübjahrssessiou des Schwurge⸗ richts kommen folgende Fälle zur Verhandlung: 1. Montag, den 4. März: Ehefrau Weichel aus Biedenkopf, wegen Meineid. Dienstag, den 5. Närz: Dienstmagd Katharine Rink aus Hartenrod, wegen Kindesmord. 3. Mitt- woch, den 6. März: Kürschner Merkel aus Kassel, wegen Urkundenfälschung. 4. Donners⸗ tag, den 7. März: Dienstmagd Maria Reu⸗ meyer aus Dodenhausen, wegen Kindesmord. 5. Freitag, den 8. Marz: Knecht Ammen⸗ häuser aus Dilschhausen, wegen Körperver⸗ letzung mit tötlichem Erfolg. Gegen letzteren war das Verfahren kürzlich eingestellt worden, wurde aber neuerdings wieder aufgenommen. — Stu dentische Roheit. Bei einer vor kurzem in illenburg stattgehabten studentischen Zusammenkunft wurde des Nachts auf der Straße ein Polizeibeamter von einem Studenten durch einen gefährlichen Stich schwer verletzt. Behufs Feststellung des Thäters fanden bereits zahlreiche Ver⸗ nehmungen biesiger Korpsstudenten statt, ebenso in Gleßen. Und diese gebildeten Herren sind zum Teil in späteren Jahren dazu berufen, über andere Leute zu Gericht zu sitzen. — Verschwunden ist seit einigen Tagen auf der Straße hin. Dabei stürzte er so un⸗ glücklich auf den Kopf, daß durch Gehirner— der Maurer P. B. aus O. Derselbe Vetrieb ein Grabsteingeschäft in der Ockershäuser Allee und soll zahlreiche„Verwandte“ hinterlassen haben, welche über sein plötzliches Scheiden sehr betrübt stud. — Kommunales. Am Montag, den 4. und Dienstag, den 5. März, Nachm. 5 Uhr, finden im Rathaussaale Sitzungen der Stadt- verordneten stat.. Die Tagesordnung hierfür umfaßt 22 Punkte. Höchst sonderbar erscheint uns darunter der 4. Punkt, welcher lautet: „Beschlußfassung betr. Zahlung einer Ent⸗ schädigung an den Stadthaumeister für Be⸗ nutzung seines eigenen Fahrrades im Dienste der Stadt.“ Die„Hess. Landesztg.“ brachte im Anschluß hieran ein„Eingesandt“, in welchem der Vorschlag gemacht wird, der T.⸗O, noch folgenden Punkt zur Beratung anzufügen: „Zahlung einer Entschädigung an den Rats⸗ diener für Benutzung seiner eigenen Stiefel⸗ sohlen im Dienste der Stadt.“— Kommentar hierzu überflüssig. — Burenversammlung. Am Mitt⸗ woch Abend fand hier im Museumssaale eine äußerst zahlreich besuchte öffentliche Versamm⸗ lung statt, welche auch, trotzdem ein Eintritts⸗ geld nicht unter 30 Pfg. erhoben wurde, eine Anzahl Arbeiter beiwohnte. Herr Buren⸗ kommandant Jooste schilderte in fesselnder Rede die grauenhafte, aller menschlichen Ge⸗ Gesittung hohnsprechende Kriegsführung der Engländer gegen das freie, tapfere Burenvölk⸗ chen und erntete lebhaften Beifall. Schließlich gelangte dieselbe Resolution wie in Gießen zur Annahme. Der hessische Laudtag trat am Mittwoch wieder zusammen. An diesem Tage und am Donnerstag wurde die Regierungsvorlage über die Gemeindeum⸗ lagen beraten. Arbeiterbewegung. Keinen Lohn erhielten seit drei Mo⸗ naten die Bergleute der Blei- und Silbergrube „Mehlhach“ bei Rohnstadt im Westerwald. 100 Bergleute haben daher die Arbeit nieder⸗ gelegi und nehmen die Hilfe des Gerichts in Anspruch. Partei Nachrichten. Der Parteivorstand macht bekannt: Vielfachen Anfragen gegenüber, die an den Parteivorstand gerichtet werden, diene zur Ant⸗ wort, daß die Petitionsbogen gegen den Ge⸗ treidewucher erst zur Versendung gelangen nach Bekanntwerden der neuen Zollvor⸗ lagen. Mögen die Genossen bis dahin durch unermüdliche Agitation nur dafür sorgen, daß diese Bogen dann mit Hunderttausenden von e versehen an den Reichstag zurück⸗ ommen.— Genosse Singer erkrankte vor einigen Tagen ernstlich an Mager⸗ und Darmkatarh. Er befindet sich jedoch bereits wieder auf dem Wege der Besserung und er dürfte sich bald wieder an den parlamentarischen Arbeiten beteiligen. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 2. März. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Friedberg. Wahlverein. Abends 8 ¼½ Uhr Versammlung bei Ihl, Stadt New⸗York. Tages⸗ Ordnung: Hat die Landwirtschaft Vorteil von den Getreidezöllen? Ref. H. Busold. Sonntag, den 3. März. Harheim bei Vulbel. Nachmittags 4 Uhr Oeffentl. Volks versammlung. Tagesordnung:„Protest gegen den Brotwucher und die Scharfmacherpolitik.“ Schlitz. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Gastwirt Schmidt. Zahlreiches Erscheinen er⸗ wünscht. Trohe. Arbeiterbild ungsverein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Konrad Volk. Montag, den 4. März. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag den 5. März. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Abends Sitzung bei Orbig. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 9 15 A CH De e 6 Unkerhaltungs-Cril. J Sufriedenheit. Ihr lieben Leut', seid doch zufrieden Und schickt euch in die böse Welt, Das Cos, das euch von Gott beschieden, Trag' jeder als ein Christ und Held. Wer nur den lieben Gott läßt walten, Der läßt auch alles hübsch beim alten; Es gibt auf Erden weit und breit Nichts Schönres als Sufriedenheit. Und wenn ihr in der Welt'rumlungert, Wenn's Hemd euch durch die Hosen blickt, Wenn ihr vor'm Haus der Reichen hungert, Und wenn der Frost euch kneift und zwickt; Bedenkt, es kann ja hier auf Erden Doch nicht ein jeder glücklich werden, Dem Einen Glück und Herrlichkeit, Dem Andern die Sufriedenheit. Sufriedenheit sei meine Freude, Sufriedenheit sei meine Lust; In meinem abgeschabten Kleide Nerrscht dies Gefühl in meiner Brust. Und bin ich einst verlumpt, verdorben, Vor Hunger endlich gar gestorben, Dann schreibt auf's Grab mir groß und breit: Der Kerl starb an Sufriedenheit. —— N Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel, 5)(Fortsetzung) Die arme Guste schwebte in einer steten Angst. Wie eine Magnetnadel nach Norden, so richteten sich ihre Gedanken immer auf Wilm, trotzdem er sich von ihr losgesagt hatte. Sie fürchtete fortwährend, etwas Schreckliches über ihn zu hören, und es war nicht das Schrecklichste, was sie zu erfahren bebte, daß er auf seinen Paschergängen gefangen genommen, von der Kugel eines Grenzers erschossen worden sei. Um des Schmuggels willen hätte er sich schwerlich von ihr losgerissen; er wollte frei sein, um für alle Unbill, die ihm widerfahren war, Vergeltung üben zu können. Noch bei ihrer letzten Zusammenkunft hatte er es ver⸗ raten, daß er auf Rache sinne und jetzt hatte sich ein neuer Grund wuchtig an alle anderen, die er zu haben glaubte, angehängt. Sein Vater war thatsächlich vollkommen erblindet und zog, von einem alten Schäferhunde geführt, bettelnd im Lande umher. Die Staatsanwalt⸗ schaft hatte durch seine gewaltsame Ausweisung kein öffentliches Interesse verletzt gefunden und ihn auf den Weg der Privatklage verwiesen. Der Herr Baron hätte nur von seinem Haus⸗ recht Gebrauch gemacht, nachdem Balk selbst ihm den Dienst gekündigt. Daß Guste keine Vorstellung davon hatte, was Wilm thun wollte, um sich zu rächen, das Ungewisse des Drohenden ängstigte sie über alle Maßen und die- Gewaltthätigkeiten, von denen die Gerüchte in ihr Dorf drangen, die Brände, von denen sie den Himmel über dem Tieflande gerötet sah, gaben ihrer geheimen Furcht neue Nahrung. Die stete innere Aufregung verriet sich in den fieberhaft roten Flecken auf ihren hohlen Wangen. Ihre Gestalt war fast zu einem Schatten ab— gezehrt. Aus den Dörfern und Städten an der Landesgrenze zogen täglich Männer, Frauen und Kinder in großer Zahl hinüber, um kleine Mengen von Mehl, Kartoffeln und auch wohl Fleisch, die drüben billiger waren und frei ein⸗ gebracht werden durften, zu holen. Die Not scheute einen oft stundenweiten Weg nicht und trotzte jedem Wetter, den Schneestürmen und der bittersten Kälte. Auch Gusten's Schwester der Anbett entbehrt werden konnte, wurde wiederholt hinübergeschickt, und das Mehl mit Baumrinde, Moos nad Wurzeln vermischt zu vie zwölfjährige Klara, welche am leichtesten bei Brot gebacken. Eines Morgens machte sie sich auch wieder in Begleitung mehrerer Dorfge⸗ nossen auf den weiten beschwerlichen Weg. Nach reichem Schneefall war starker Frost ein⸗ getreten und über die Höhen pfiff ein bitter schreidender Ostwind, der den armen, nur dürftig bekleideten Leuten das Mark in den Knochen erstarren machte. Klärchen war so warm, als es die Mittel erlaubten, von der Mutter eingehüllt worden. Sie hatte über ihre dünnen, bereits ausgewachsenen Röckchen das wollene Arbeitskamisol ihres Bruders gezogen und das schmale bleiche Gesichtchen schaute aus dem Umschlagetuch der Schwester, das ihr um Kopf und Brust geschlungen war. Sie war das einzige Kind unter den Wanderern, die mit vorgebeugtem Leibe und hochgezogenen Schultern gegen den eisigen Wind vorwärts drängten, und Klärchen hatte Mühe, ihnen mit ihren kleinen Beinchen zu folgen. Mit leichtem Herzen hatten die ihrigen sie nicht ziehen lassen, aber die Not war gar zu groß, und sie dachten während der Arbeit oft an die kleine Pilgerin. Gegen Sonnenuntergang konnte sie wieder daheim sein. Die Anderen trafen auch um diese Zeit ein, aber Klara war nicht bei ihnen. Sie selbst verwunderten sich darüber, denn sie hatten zusammen den Rück⸗ weg angetreten; über die letzten kahlen Höhen waren sie freilich rasch ausgeschritten. Nun, sie würde jedenfalls bald nachkommen. Es wurde Abend, es wurde dunkel, aber das Kind stellte sich nicht ein. Die Besorgnis der ihrigen wurde immer größer und Vater und Bruder ließen die Arbeit liegen und klei⸗ deten sich an, um dem Mädchen entgegenzugehen. Sie hatten sich erst wenige Schritte vom Hause entfernt, als ein Mann auf sie zukam, der ein Pack auf beiden Armen trug. Vater mit dem Namen an und beide erkannten au der Stimme Wilm Balk. Sein Gesicht be⸗ schattete die Hutkrempe gegen das hellflimmernde Sternlicht. Es war in der That Wilm und er sagte:„Kehrt nur um, ich bring' schon die Klara!“ Gänzlich in seinem eigenen Ueberrock gehüllt trug er das Kind auf seinen Armen. „Gott sei gelobt und gedankt!“ rief der Vater erleichtert auf, Wilm aber versetzte höhnisch: „Ja, lobt nur immer Gott und laßt ihn einen guten Mann sein! Wißt ihr denn schon, ob Ihr Ursach' habt, ihn zu loben?“ Er war, ohne stehen zu bleiben, dem Hause zugeschritten, der Bruder der Kleinen vorausgeeilt, um die frohe Botschaft zu verkünden, daß Klara da sei. Wilm trat mit seiner Bürde, die sich nicht regte noch rührte, unmittelbar hinter ihm in die Stube und sagte:„Ja, ich bring' sie, aber sie ist tot!“ Von einem glücklichen Pascherzuge zurück⸗ kehrend, hatte er sie in einem Tannenwalde, der sich jenseits der kahlen Höhen abwärts senkt, am Wegrande gefunden. Sie mochte sich im Schutz des Waldes gegen den schneidenden Ostwind ein wenig haben ausruhen wollen, war von der Müdigkeit überwältigt eingeschlafen und erfroren. Neben ihr hatte das Säckchen Mehl gelegen. Wilm hatte schon an Ort und Stelle vergebens versucht, das entflohene Leben zurückzurufen, und schaute jetzt, während er er⸗ zählte, mit finster zusammengezogenen Brauen auf die erfolglosen Wiederbelebungsversuche der Frau Thiemann und Gusten's. Diese hatte nicht sogleich mit Hand anlegen können. Das plötzliche Erscheinen Wilm's hatte sie mit einem Schwindel ergriffen. Nur ein Blick aus seinen Augen hatte sie getroffen; dann hatte er bei Seite gesehen und vermieden, ihren Blicken wieder zu begegnen. Sie hörte ihn nur sagen, während sie mit wirbelnden Empfindungen die Leiche der Schwester mit warmen Tüchern rieb:„Ich komm' morgen wieder!“ Er sagte es mit einer lauten, harten und wie drohend klingenden Stimme zu ihrem Vater und ging, diesem die Hand drückend, in der er zwei Thaler zurückließ. „Die Worte und die Stimme gingen Guste nicht mehr aus dem Sinne. Und Wilm kam am nächsten Tage wieder, aber nicht allein. Ganz Friedenau folgte ihm. Sie wollten Alle die Leiche des Kindes sehen, das der Hunger Er redete den in den Tod getrieben hatte. tische. Laken, mit dem sie zugedeckt war, von dem Oberkörper zurückgeschlagen, wies den sich Zu⸗ drängenden den dis auf die Knochen abge⸗ magerten Leib und fragte sie, ob sie warten wollten, bis ihre eigenen Kinder verhungert und erfroren seien?„Wollt Ihr's noch länger dulden, daß die Herren schwelgen und wir ver⸗ derben?“ rief er,„daß die Brennereien die Kartoffeln fressen, die uns sattmachen können, und sie mit dem Korn wuchern?“ Die Auf⸗ regung stieg von Minute zu Minute. Guste, die mit den ihrigen vor den ab uind zu drängenden Menschen verschüchtert in eine Ecke geflüchtet war, faßte sich ein Herz und Wilm am Arm ergreifend, rief sie mit angstbleichen Lippen:„Erbarm' dich, Wilm, was heißt das Alles, was willst Du thun?“ Mit hoch auf⸗ wogender Brust und einer Stimme, welche die Leidenschaft zu erdrücken drohte, erwiderte er: „Rache will ich, Rache für Dich, für mich, für meinen Vater, für uns Alle!“ 5(Schluß folgt.) Sie konnten lachen. Ueber den letzten, gegen den Schlächter Lewy in Konitz gerichteten Prozeß und das Verhalten der dortigen Bevölkerung bei der Gerichtsver— handlung, stellt unser Harburger Parteiblatt folgende Betrachtung an: Der grausige Mord zu Konitz hat in der „unglücklichen Stadt“ etwas erzeugt, was man in doppeltem Sinne als Wintersturm bezeichnen kann, denn dieser läßt die Religion, welche Liebe und Versöhnung sein soll, zum Haß und zur Verfolgung gefrieren und wirbelt in den Massen die rohen Junstinkte und wilden Leiden⸗ schaften auf. Im Meineidsprozeß Lewy haben die Geschworenen das Schuldig gesprochen. Wer den Verhandlungen im Genichtssaule nicht beigewohnt hat, kann sich keine Klarheit dar⸗ über verschaffen, welche Eindrücke die Jury gewonnen hat, die Gewißheit aber drängt sich dem Fernstehenden auf, daß die Behandlung des Falles seitens des Ersten Staatsanwalts und ganz besonders dessen forensische Bered— samkeit die Gemüter mächtig beeinflussen mußte. Leider kann ich mich persönlich nicht zu dem Glauben aufschwingen, daß der glänzende Sieg des Staatsanwalts gleichbedeutend ist mit einem solchen der Gerechtigkeit. Bange Zweifel erweckt mir sein Plaidoyer, denn er zählte die Stimmen, statt sie zu wägen, und legte betreffs der Zeugenschaft den höchsten Wert auf die reinen Seelen der Eidesunmündigen, auf die unbe⸗ fleckten Gemüter der jungen Gymnasiasten. Jeder Mensch aber, der Lebenserfahrung besitzt, muß sich sagen, daß niemand leichter zu beein⸗ flussen ist, als jene geistig Schwachen und Un⸗ erfahrenen, deren Charakter sich noch nicht ge⸗ bildet hat im Strom der Zeit. Kinder ver⸗ mögen noch nicht die Folgen ihrer Handlungen zu übersehen, darum soll man die Wahrheit vornehmlich suchen bei geistig gereiften, charak⸗ terfesten Personen. Für mich wiegt darum das Zeugnis des Gymnasialdirektors Prätorius, obgleich es nur einen negativen Beweis enthält, mindestens ein Dutzend jener Stimmen auf, die da bezeugen: Ich hab's gesehen! Was es mit dem Sehen unbefleckter Gemüter auf. fi hat, das mag jener Gerichtssaal in Königsberg beweisen, in dem drei Dienstmädchen beschworen, sie hätten einen Mann als einen auf der Flucht befindlichen Wäschedieb erkannt. Als der wahre Einbrecher aber die That eingestand und dem unschuldig Verurteilten gegenüber gestellt wurde, kam es zu Tage, daß die beiden Männer sich so wenig ähnlich sahen, wie Tag und Nacht, sie hatten nur etwas gemeknsames, nämlich Strohhüte von der gleichen Farbe und Fagon. Der Strohhut des Einbrechers hatte aber nicht alle drei Zeuginnen irre geführt, sondern nur eine, und da diese die älteste und„überzeugteste“ Die Menschen⸗ menge vor dem Hause Thiemann's zog die Be⸗ wohner des Bergdorfes herbei, und die Auf⸗ regung Jener teilte sich rasch Diesen mit. Die Tote lag in der großen Stube auf dem Werk⸗ Wilm stand daneben; er hatte das 0 r — ——= —— 8— 2— —— . — S — S — — — n ligen den er der) uwiks, deu. orden“ als hin. Diese war ein ein Jehlsch denn der N Gewicht an Jahre eh thanen den Und unter den Schwa sich solche, Seine“ al aber im 5 Das ei mit dem S ah. Als! Zeugen ant ihm ein& füllenden mir als de richtetragb J sdo urauer. im achtzehn Detalon ville unsch urteilt wi Wrüce ge jährige de zum Zeug auch die Lachen ab Eutrüstunt Detalon h sonnenklar dem grau Holtei als Knabe Weib auf ihm niht mit Ene Denni Aepfel 9 Wahrend Ohren all Unsere 1 Nohheit 0 Gian, 0 1 lafma Diet 1 9 D»» 2— 1 4 er Ley erhalten ichtsber⸗ rteiblatt in der has man ezeichnen 1 7 „belche Haß und t in den 1 Leiden⸗ h haben prochen. le nicht geit dar⸗ e Jurh üngt sich handlung zanwalts Bered⸗ f mußte. zu dem de Sieg nit elngem erweckt immen, effs der je reinen, le unbe⸗ nastasten. 10 bestzl, und Ui licht ge⸗ der bel wlungen Wahrheil „ al b darum ditorius, enthält, nen aul Wa e⸗ af Facbi bel fl 1 1 0 . 5 10 16g!“ hie 1 7 — ——— Ar. 9. Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. 1 war, so suggerierte sie den beiden anderen ihre Meinung. Aus meiner Jugendzeit ist mir ein ähnliches Erlebnis in der Erinnerung. Als Grant Vicks⸗ burg belagerte, wurde auf einem Dampfer einem Kavalleristen ein sehr wertvoller Revolver gestohlen. Der Bestohlene geriet in Wut und rief einem Kameraden zu:„Du mußt es doch auch gesehen haben, daß der Schwarze aus unserer Kajüte kam!“ Der Angerufene erschrak, allein da er gewohnt war, treu zum Freunde zu halten, so nickte er und sagte ja. Als der Bestoblene aber auf den Neger mit dem Säbel einhieb, und dieser verzweifelt aufschrie:„Ich bin kein Dieb, bei Gott, ich bin kein Dieb!“ packte den falschen Zeugen die Gewissensangst. Er fiel dem Kameraden in den Arm und schrie: „Halt ein, Du bist verblendet, und hast mich zu einer feigen Lüge verleitet“ Der Vorfall rief bei den Umstehenden tiefe Sensation hervor, und wenn ich später seiner gedachte, sagte ich mir: Wo ist der Mensch, der nicht gleiche Schwächeanwandlungen an sich erfahren hätte, wie der Apostel Petrus; diese stellen sich aber bei der Jugend am häufigsten eiu. Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer den höchsten Trumpf zuletzt ausgespielt. In⸗ dem er der preußischen Königskrone die Reverenz erwies, deutete er auf den„Schwarzen Adler⸗ orden“ als Sinnbild preußischer Gerechtigkeit hin. Dieser Schuß nach dem schwarzen Adler war ein Treffer in den Augen aller Naiven, ein Jehlschuß aber für die Geschichtskundigen, denn der Monarch, der ihn schuf, legte so wenig Gewicht auf das Suum cuique, daß in einem Jahre mehr als 200000 seiner getreuen Unter⸗ thanen dem Hungertyphus zum Opfer fielen, und unter den Höflingen, die er zuerst durch den Schwarzen Adlerorden auszeich nete, befanden sich solche, die den Wahlspruch„Jedem das Seine“ auf der Brust, das„Bereichere dich“ aber im Herzen trugen. Das eindruckvolle Plädoyer schloß bekanntlich mit dem Strafantrag auf fünf Jahre Zuchthaus ab. Als der Angeklagte verzweifelt Gott zum Zeugen anrief, daß er unschuldig sei, antwortete ihm ein Gelächter der den Gerichtssaal dicht füllenden Menge. Dieses Gelächter erscheint mir als das schauerlichste in der Konitzer Ge⸗ richtstragödie und es beweist, daß die Rohheit so unausrottbar ist wie der Aberglaube. Als im achtzehnten Jahrhundert zwei junge Burschen, Detalon und Chevalier de la Barre, in Abbe⸗ ville unschuldig zum Tode durch das Rad ver⸗ urteilt wurden, weil sie ein Kruzifix von der Brücke gestürzt haben sollten, und der fünfzehn⸗ jährige de la Barre auf dem Richtplatz Gott zum Zeugen seiner Unschuld aufrief, lachten auch die Jesuitenzöglinge und Pfaffen. Dies Lachen aber verstummte, als Voltaire, den die Entrüstung nicht schlafen ließ, den entwischten Detalon bei Friedrich II. unterbrachte und dann A an nachwies, daß man Unschuldige zu em grausamen Tode verurteilt hatte. Holtei erzählt in seinen Memoiren, daß er als Kuabe in Breslau gesehen habe, wie ein Weib auf's Rad geflochten wurde. Dabei habe ihm nicht so sehr das Jammern der Leidenden mit Entsetzen erfüllt, als das Lachen zweier Dienstmädchen, die in der Menschenmasse stehend, Aepfel verspeisten und ausgelassen lachten, während das Geschrei der Deliequentin die Ohren aller Menschlichfühlenden zerriß. Unsere Rechtspflege ist milder geworden, die Rohheit aber geblieben. In Konitz konnte man lachen, als der Staatsanwalt ein so hohes Strafmaß für den Angeklagten beantragte und dieser in Verzweiflung zu Gott aufschrie. Ge⸗ wiß ist der Eid der Grundpfeiler der Rechts⸗ pflege und mit aller Strenge muß gerade im eheimnisvollen Falle Wiuter verfahren werden. Nach meinem Ermessen aber kommen bei dem Verurteilten mildernde Umstände in Betracht. Der Staatsanwalt selber nahm an, daß der Angeklagte aus Furcht falsch geschworeu habe. Für Moritz Lewy aber war Anlaß zur aller⸗ größten Furcht vorhanden. Auf seine Familie waren die dunklen Schatten des Verdachts 1 152 und er sah sich umringt von Christen, die den Juden das gleiche Wohlwollen eutgegen⸗ brachten, wie der Patriarch im„Nathan“. Hat er die Schuld auf sich geladen, so geschah es in drangvoller Lage. Daneben kommt in Be⸗ tracht, daß keiner der Zeugen etwas gegen den Charakter des Angeklagten anzuführen wußte, ja ein Lehrer bekundete gar, daß Lewy in der Turngemeinde beliebt war, bis die antisemitische Strömung einsetzte. Aber auch ganz abgesehen von diesen Milderungsgründen mußte ein An⸗ trag auf fünf Jahre Zuchthaus in jedem Menschenfreund ein Grausen erwecken. Für den jungen Menschen bedeutete diese Zuchthausstrafe etwas Aehnliches wie ein Lebendigbegraben⸗ werden. Diese Strafe ist der bürgerliche Tod, selbst wenn der Bestrafte nicht körperlich und moralisch gebrochen wieder daraus hervorgeht. In Konitz aber konnte man bei dem Gedanken lachen! O, es muß viele unbefleckte Gemüter in dieser christlichen Stadt geben! Die Frauen und der Fall Steruberg. In einer Frauenversammlung in Berlin behandelte wan den Fall Sternberg. Zehn Frauen⸗Vereine hatten dazu die Einladung er⸗ gehen lassen. Der Andrang war so stark, daß Hunderte von Gesuchen um Karten hatten zurück⸗ gewiesen werden müssen. Der Saal war von Damen dicht gefüllt, nur wenige Herren hatten Zutritt erhalten. Der Fall Sternberg wurde behandelt vom Standpunkt der Mutter, der Lehrerin, der Aerztin, der Gesangenen- und der Waisenpflegerin. Besondere Beachtung ver⸗ dienen die Ausführungen der Volksschullehrerin Frl. Elisabeth Mieß ner. Sie fand, daß der Prozeß Steruberg Zustände enthüllt habe, die nach der Erfahrung der Geschichte unfehlbar zum Untergang führen mußten. Darum zurück von diesem Weg! Große Scharen von Frauen⸗ zimmer hält der Männerstaat für die Männer⸗ welt bereit. die Frauen Einfluß in der Gesetzgebung hätten! (Lebhafter Beifall.) Uus Lehrerinnen erfaßt eine namenlose Angst um die jungen Menschen⸗ seelen, wenn wir an Mädchen, die bisher rein und lindlich waren, plötzlich Veränderungen wahrnehmen, die wir uns kaum erklären können — und dahinter steht ein Steruberg! Soll man hier von den Männern Hilfe erwarten? Die haben nicht einmal das Schutzalter auf 18. Jahre gesetzt und die Mädchen dem Ar- beitgeber gegenüber recht schutzlos gelassen! Nein, die Frauen müssen da ein Wort mitzu⸗ sprechen haben. Nicht nur die sozialen Ver⸗ hältuisse müssen besser werden, sondern auch die Erziehung.— Fil. Dr. Springer forderte neben Schulärzten auch psychiatrisch gebildete Schulärztinnen, die zur Vorbeugung ganz Außerordentliches leisten könnten. Zum Schluß verlangte Frl. Dr. Springer einen taktvoll sexuell⸗hygienischen Unterricht für die Schule (Sberklassen).— Frl. Marie Mellien berichtete von den Zuständen in den kleinen Gefängnissen, die auch für die gefangenen Mädchen Hoch⸗ schulen des Verbrechens seien.— Frau Vera Proelß sprach vom Standpunkt der Waisenpflegerin Und berichtete unter lebhafter Empörung Fälle von scharfen Mißbräuchen, deren Waisen⸗ pfleger sich schuldig gemacht hätten und macht eine Reihe von Vorschlägen zur Reorganuisation der Waisenpflege. Lesefrüchte. Das Geldsackbürgertum, der„Mittelstand“, ist eine zähe, träge Masse, langsam in ihren Entschlüssen, schwerfällig in ihren Bewegungen, mit beschränktem Gesichtskreise und vor dem Ausgang bangend. Die befreiende That— wenn sie nötig werden sollte— kann nur von der aufstrebenden Arbeiterklasse ansgesührt werden. Ossip Arktos. * Die Fanatiker verfehlen nie, zur Rechtferti⸗ gung der Verfolgung auf die Laster hinzuweisen, welche die Verfolgung erzeugt hat. Macaulay. ** Die Fürsten wegen Tugenden loben, die sie nicht besitzen, heißt ihnen ungestraft Schmähungen sagen. Das wäre nicht möglich, wenn. Den Ruhm großer Männer muß man immer nach den Mitteln bemessen, wodurch sie ihn errangen. De la Rochefoucauld. 55 Gemeinnütziges. „Milben bei Gänsen und Enten ver⸗ treibt man durch ein Pulver aus getrockneten Wermutblättern. Man kann auch eine Ab⸗ kochung des Krautes machen und mit diesem namentlich die noch unbefiederten Jungen bestreichen. Gehackter Wermut unter das Futter gemischt, stärkt auch die Verdauung der Jungen und schützt sie vor Milben. Humoristisches. Hofklatsch. Serenissimus will seinem hochseligen Herrn Vater ein Denkmal setzen und sucht eine passende Inschrift. Da nun der Hochselige Zeit seines Lebens eigentlich nichts weiter gewesen ist als ein großer Ver⸗ ehrer weiblicher Schönheit, so sind Serenissimus einigermaßen in Verlegenheit, welcher Titel sich für Dero Herrn Vater am besten eigne. Als er seinen Vertrauten hierüber befragt, antwortet dieser nach einigem Besinnen: „Sehr einfach, man schreibe auf das Denkmal: Dem Mehrer des Reichs.“ Ein lust'ger Musikante. Schutzmann:„Haben Sie Erlaubnis zum Spielen?“—„Nein!“—„Dann begleiten Sie mich!“—„Is recht, was wollen's denn singen?“ Des Patrioten Leiblied. Hat da ein biederer Schmiedemeister in A. zu Weihnachten vou einem seiner Söhne einen Musikautomat zum Geschenk erhalten. Allabendlich besuchen ihn einige seiner Freunde aus dem Kriegerverein, um den Weisen des Instrumentes zuzuhören. Besonders ein Tonstück gefällt den alten Patrioten ausnehmend und sie lassen es immer wieder von Neuem spielen. Dieser Tage kommt nun ein Sohn, der lange Zeit in der Fremde gewesen, nach Hause. Beim Mittagsmahl zieht der gute Alte den Automaten auf, Mein Leiblied, sagt er zu dem aufhorchenden Sohne. Lächelnd sieht derselbe den Vater, den er als königstreuen Mann kennt, an. Das Tonstück, das da mit vollen Akkorden das Zimmer durchtönte, war— die Mar⸗ seil laise. Litterarisches. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. ist soeben erschienen Heft 19 und 20 des Lieferungs werkes: Gesundheitsschutz in Staat, Gemeinde und Familie, herausgegeben unter Mitwirkung von Aerzten und Fachgelehrten von Emanuel Wurm. Aus dem Juhalt heben wir hervor: Die Harn⸗ organe und deren Erkrankungen.— Die Geschlechtsorgane.— Schwangerschaft, Nie⸗ derkunft und Wochenbett.— Die Frauen⸗ krankheiten.— Die ansteckenden Geschlechts⸗ krankheiten und die Prostitution.— Die Infektionskrankheiten. Das Werk wird in Lieferungen von je 32 Seiten à 20 Pfennig erscheinen und in 25 Heften komplett vorliegen.— Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Kolporteure entgegen. 5 5* Ferner machen wir unsere Leser auf das im gleichen Verlage erscheinende Reisewerk von Parvus& Dr. Le h⸗ mann:„Das hungernde Rußland“, von welchem soeben Heft 12 und 13 erschienen sind, auf⸗ merl am. Preis des Heftes 40 Pfg. Quittungen. Ly.⸗G. Mk. 10.—. Mgf.⸗Gbg. Mk. 4.—. Dthfr.⸗ Lastru. Mk. 3.60. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 25.—. Kl.⸗Rdau. Wtr. Mk. 7.20. Ggr.⸗Mbg. Mk. 28.60. Pfff.⸗Wtzb. Mk. 6.—. K.⸗G. Mk. 16.—. Wtr.⸗Lbch. Mk. 7.60. R.⸗Hchhm. Mk. 27.20. R.⸗G. Mk. 2.40. Schdr.⸗Fellgsh. Mk. 1.40. Bsr.⸗Rdogn. Mk. 1.20. Ly.⸗G. Mk. 10.—. Mhl.⸗G. Mk. 24.20. Schdt.⸗Ndda. Mk. 12.—. Köch.⸗ Weck. Mk. 25.—. Rg.⸗Ltbch. Mk. 24.60. Fbch.⸗Otbg. Mk. 6.—. Hp.⸗Bdhms. Mk, 4.80. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.60. Fz.⸗LIch. Mk. 3.—. gch.⸗Ob. Mk. 2.—. Bsr.⸗Rdgu. Mk. 3.—. Kch.⸗Noflst. Mk. 14.80. Ly.⸗G. Mk. 10.—. Mhr.⸗Gckhtsh. Mk. 4.—. Wch.⸗Bst Mk. 3.—. Schck.⸗ Schtz. Mk. 11.—. Sg. ⸗Hst. Mk. 2.40. Sfrd⸗Abck. Mk. 8.—. Pypl.⸗Lllr. Mk. 20.40 Bekr.⸗Vetzbg. Mk. 3.60. Hdch.⸗Kzbch. Mk. 4 40. Ccht.⸗Gog. Mk. 5.80. Ly.⸗G. Mk. 4.—. Gge.⸗Odbgn. Mk. 7.40. Wsl,⸗Wtzh. Mk. 9.20 Dthfr.⸗Lgstrn. Mk. 3.60. Stck.⸗G. Mk. 4.20. Z.⸗Ndh. Mk 6.—. 5 —...... ß ß———ß—ß—ß—ß—ß——ß—— jc——j——f Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 9. E Leitzowy& Co. Marktstraße 17 empfehlen zur Marnktstraße 17. e 0 0 0 Konfirmation 6 ihre reichhaltigen Läger N Wollene Kleiderstoffe, schwarz, weiß und farbig in allen Preislagen, glatte und gemusterte Alpaccas, schwarz und farbig in Preisen sortiert. Leibwäsche aus nur erprobten und bewährten Stoffen gearbeitet. 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