stellung „Gießen. Scheider H ftr. 58 iefel lle Ga⸗ zahnhof⸗ raße 58. —(— ecker. Wollengasse 20 S 20 Jovbaunues Wolengade GSO rn 8 Nr. 5. Gießen, Sonntag, den 3. Februar 1901. 8. Jahrg. Nedaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche 9 + 7 Mebaktionsschlußz Donnerstag Nachmittag 1= Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Schloßgasse 13; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814) 1 Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 26% bei 6 mal. Bestellung 33/8 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Arbeiter, Genossen! Arbeitet unablässig mit an der För⸗ derung der Sache des werkthätigen Volkes! Werbt neue Streiter zum Kampfe! Die Löhne werden herabgedrückt; un⸗ aufhörtich steigen die Lebensmittel im Preise! Gegen die Blutsauger-Politik der Krautjunker und Schlotbarone muß sich die Arbeiterschaft energisch zur Wehr setzen. Das beste Kampfmittel ist unsere Parteipresse; des⸗ halb werbt neue Abonnenten für die Mitteldeutsche Sonntagszeitung. Es jubeln die Brotwucherer, ihr ewiges Geschrei von der notleidenden Land“ wirtschaft hat genützt, sie sehen ihre volksfeind! lichen Pläne schon verwirklicht. Der Reichs? kanzler Graf Bülow hat sich für die junkerliche Raubpolitik erkläet. Er, der von den Liberalen und Freisinnigen fast als„ihr Mann“, als Freihändler, als Anti⸗Agrarier betrachtet wurde, er hat vor den Junkern vollständig kapituliert. Im preußischen Dreiklassenhause, der„Karikatur einer Volks⸗ vertretung“, wie es Singer mit Recht nannte, haben ihm die Brotverteuerer die Zunge gelöst. Die Konservativen und Centrumsleute stellten einen Antrag, der die Regierung ersucht, auf Herbeiführung eines„wesentlich gesteiger⸗ ten Zollschutzes“ zu dringen, sowie für baldige Vorlage des neuen Zolltarifs zu sorgen. Darauf gab Graf Bülow im Namen der Re⸗ gierung folgende Erklärung ab: In voller Anerkennung der schwierigen Verhältnisse, in denen sich die Landwirtschaft befindet und von dem Wunsche beseelt, die Lage der Landwirtschaft wirksam zu verbessern, ist die Regierung entschlossen, auf die Ge— währung eines ausreichenden und des⸗ halb entsprechend zu erhöhenden Zollschutzes auf die land wirtschaft⸗ lichen Produkte hinzuwirken. Die Staatsregierung ist ferner bestrebt, die Vorlage des neuen Zolltarifs in jeder Weise zu beschleunigen. Das ist deutlich und beweist, daß sich die Re⸗ gierung den Junkern mit Haut und Haar ver⸗ schrieben hat. Bülow verheißt die Erfüllung aller Wünsche der Großgrundbesitzer. Auch die schleunigste Fertigstellung des Zolltarifs verspricht er, denn die Agrarier können die Zeit nicht er⸗ warten, bis sie die Wucher profite sicher in der Tasche haben. Natürlich stimmten die„Volks- vertreter“ des diätengesegneten Dreiklassenhauses dem agrarischen Antrage zu. Ganze 43 Mann, neben den Freisinnigen nur noch 16 National- liberale votierten dagegen, die große Mehr⸗ zahl der Nationalliberalen stimmte gleich dem Zentrum für den zu vermehren⸗ den Brotwucher. Die handvoll Adliger, deren wirkliche soziale Bedeutung gleich Null ist, sie sitzen fest in der altererbten Macht und üben sie in brutalem Egoismus auf Kosten der Millionen des arbeitenden Volks. Und die Regierung des Grafen muß ihnen in willenloser Leibeigenschaft dienstbar sein. Der Brotwucher der seit Jahr⸗ zehnten das deutsche Volk bedrückt, soll nicht beseitigt, er soll drückender und aussaugerischer denn je gestaltet werden. Den Aermsten der Armen soll mehr und mehr genommen werden, auf daß den Reichsten der Reichen in noch reicherem Maße in den Schoß geworfen werde als bisher. Das Parlament der Besitzenden hat die Junkerfaust auf die Regierung gelegt. Doch auch der Reichstag ist gefügig der Beutegier der Mächtigen, die allen Einfluß haben in den höchsten Staatsstellen in allen Schichten der Bureaukratte, die über die Aemter, Würden und Reichtum verfügen. Wohl gilt es da, im Reichstag den Kampf gegen den rücksichts⸗ losen Uebermut der Volksausplünderer mit aller Kraft zu führen. Doch die Gegner des Wuchers im Reichstage vermögen nicht den schwersten Schaden fernzuhalten, wenn nicht das deut— sche Volk selbst seine Sache führt. Ungesäumt und mit Aufgebot aller Kraft gilt es, in allen Gauen des Reichs die Bevölkerung wider das Attentat der Kornwucherparteien zu organisieren. Die Erbitterung des Volkes allein vermag den verruchten Anschlag der Volksfeinde zu nichte zu machen.— Wir schließen uns des⸗ halb vollkommen unserm Offenbacher Parteiorgan an, das den Ruf erhebt: Auf gegen den Brotwucher! Und unsere Genossen im besonderen sollen keinen Tag verstreichen lassen, die Agitation ins Werk zu setzen, denn sie bilden ja doch den Kern des Widerstandes gegen das gemeingefähr— liche Treiben der Junker. Die Zeit ist günstig. Nutzen wir sie aus. Die Ernte wird unser sein! Dilettantismus. K. Von Zeit zu Zeit erinnern sich wenige wohlmeinende Leute aus der bürgerlichen Gesellschaft, daß es noch einen vierten Stand giebt, daß dieser die zahlreichste Volkskla sse umfaßt und daß Not und Elend in dieser Klasse mehr heimisch sind als man sonst im Allgemeinen zugeben mag. So ein paar ge⸗ rührten und weichherzigen Bourgeois verdankt die neue Gesellschaft„Freie Vereinigung für Sozialpolitik“ ihr Dasein. Der ehe⸗ malige Minister v. Berlepsch scheint die trei⸗ bende Kraft der Vereinigung zu sein und es ist erfreulich, daß dieser Mann, welcher als Minister einen der arbeiterfeindlichsten Gesetzentwürfe unterzeichnete, sich über— zeugt hat, daß ernste, aufrichtige Sozialpolitik dem allgemeinen Wohle förderlicher ist, als Arbeiterknebelung und»entrechtung. Neben Herrn Berlepsch hat sich nun eine so bunt⸗ scheckige Gesellschaft„Arbeiterfreunde“ zusammen⸗ gefunden, daß es schwer fällt, ernst zu bleiben. Wir sehen in holder Brüderlichkeit den be— rühmten Verfasser des hintertreppenlüsternen Scheiterhaufenbriefes den„ollen ehrlichen“ Stöcker, mit dem„freisinnigen“ Dr. Max Hirsch, der durch seine Rede im Abgeordnetenhaus gegen die streikenden Straßenbahnbeamten in Berlin seine„Arbeiterfreundlichkeit“ dokumen⸗ tierte. Wir sehen ferner den Pfarrer Weber, welcher mit heißem Bemühen den Arbeitern Liebe zum Zuchthausgesetz beizubringen suchte, den nationalsozialen Pfarrer Naumann, dessen Schwärmerei für Eroberungen und Mord— kultur bekannt ist,— ferner Herrn von Heyl in Worms, der Stumm'schen Praktiken bei Behandlung der Arbeiter zuneigt, den Ober— bürgermeister Adickes, der die Ausdehnung des Frankfurter Kommunalwahlrechts damit bekämpft: die unteren Klassen dürften nicht so⸗ viel Einfluß erlangen. Daneben nennen wir noch den Direktor einer Kölner Bleiweißfabrik, welcher mit großem Eifer einer Verkürzung der Arbeitszeit in den außerordentlich gesundheits⸗ schädlichen Bleiweißfabriken entgegentritt usw. Das sind einzelne Typen aus diesem wunder⸗ baren Verein. Ist es nun ein Wunder, daß die Sozialdemokratie in der Wertschätzung dieses Vereins sehr vorsichtig ist? Gewiß sind bei demselben eine ganze Anzahl ehrlicher Ar⸗ beiterfreunde, aber ebenso sicher ist es, daß dem⸗ selben eine vielleicht ebenso große Zahl z wei⸗ felhafter Kantonisten angehört. Heller Blöd— sinn ist das Geschreibsel bürgerlicher Blätter, als fürchteten wir die„Konkurrenz“ der bürger⸗ lichen„Arbeiterfreunde“. Seit dem Falle des Sozialistengesetzes fehlte es doch wahrlich nicht an Bemühungen unserer Gegner, uns„den Wind aus den Segeln zu nehmen“, zu dem Zwecke wurden ja schon alle möglichen, manch— mal recht— eigentümliche Mittel empfohlen und probiert; Erfolge haben wir aber noch keine gesehen. Aber wir wären außerordent⸗ lich froh, wenn diese„Konkurrenz“ recht wachsen und gedeihen würde; unsere Thätigkeit zur Hebung und Stärkung der Arbeiterklasse kann noch einen recht herzhaften Zuzug aus dem bürgerlichen Lager vertragen; zuviel wird unter der Regierung der Bueck und Genossen so leicht nicht für die Arbeiter geschehen. Aber unsere Pflicht und Schuldigkeit ist es, den„ar⸗ beiterfreundlichen“ Phrasendreschern das Handwerk zu legen; wir wollen Thaten sehen; die schönen Worte können uns nicht bethören; sie sind nur geeignet, die Arbeiter über ihre„Verbündeten“ zu täuschen, sie einzu⸗ schläfern, sie zu entnerven in ihrem Befreiungs⸗ kampfe. Dem treten wir entgegen. Es macht uns immer stutzig, daß diese wackeren Leute ihre„soziale“ Thätigkeit mit Schimpfen gegen die Sozialdemokratie eröffnen; sie mögen über uns denken was sie wollen, aber anerkennen müssen sie, daß die Arbeiterinteressen doch am energischsten von uns vertreten werden, und daß wir auch eine Macht repräsentieren, die Erfolge für die Arbeiter garantiert. In dem Vorkampfe für das arbeitende Volk haben unsere Führer so große Opfer gebracht an Gut und Gesundheit, daß es ihnen gleichgiltig sein kann, ob irgend ein Scribifax seine schmutzigen Ergüsse gegen sie richtet. Das sollten Diejenigen, die sich„sozial“ neunen und denen es mit der Verbesserung der Lage der arbeitenden und besitzlosen Klassen ernst ist, beherzigen. Stutzig macht uns ferner das Benehmen einer Anzahl gegnerischer Preßorgane. Wenn Blätter wie die„Tägliche Rundschau“ in So— Seite 2. Mtiteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 5. zialpolitik machen, denken wir immer an das Bestreben der Füchse, die Lage der Hühner zu verbessern, und ebenso erkennen wir manchen klugen Geschäftsmann, dessen Arbeiterfreund⸗ lichkeit nichts ist, als eine kühle, nüchterne Spekulation auf den Geldbeutel der Arbeiter. Nicht vergessen dürfen wir serner die Streber und Gecken, die unter allen Umständen„dabei“ sein müssen. Wir wiederholen: Aufrichtige Freunde der Arbeitersache sind uns jederzeit willkommen, mögen sie herkommen woher sie wollen, aber Leute, deren ganze„soziale“ Thätigkeit in einem gassenbubenhaften Schimpfen auf die Sozialdemokratie besteht, sowie den Geschäftspolitikern und Stre⸗ bern sind wir verpflichtet auf die unrein⸗ lichen Finger zu klopfen. Es ist für uns keine angenehme Arbeit, aber im Interesse der Arbeiter muß sie gethan werden, und sie wird gethan werden. Politische Rundsch au. Gießen, den 28. Januar. Lohn der Flottenpatrioten. Krupp und Stumm empfangen jetzt den wohlverdienten Lohn für ihre aufopfernde Vaterlandsliebe. Die bekannten Dillinger Hütten⸗ werke, die Hauptlieferanten für die Marine sind und Krupp unterstehen, konnten für das Ge⸗ schäftsjahr 1899/1900 eine Dividende von nicht weniger als 30 Proz. an die wenigen Groß⸗ aktionäre verteilen. Bekanntlich ist Freiherr v. Stumm Vorsitzender des Aufsichtsrates. Als in der Budgetkommission bei der Beratung des letzten Flottengesetzes die Frage aufgeworfen wurde, ob Panzerplatten nicht für fiskalische Rechnung weit billiger hergestellt werden könnten, erklärten die Regierungsvertreter, es fehlte ein richtiges Urteil, ob die Gewinne der Panzer⸗ plattenfabrikation wirklich hoch seien. Mau wird jetzt gestehen müssen, daß diese Gewiane recht— bürgerlich zu nennen sind. teuunisormierung der Armee. Die Armee soll von Grund auf neu uni⸗ formiert werden. Nicht nur die blanken Uni⸗ formknöpfe sollen wegfallen, sondern alles was blitzt und glänzt oder überhaupt von den in der Natur vorherrschenden Farben zu sehr ab⸗ sticht. Deshalb soll das grau⸗braune Tuch, welches das blaue des Rockes ersetzen soll, auch für die Beinkleider verwendet werden. Die gleiche Farbe hat auch der Stoff der Mütze. Die Koppel wird aus braunem Leder gefertigt. Das Koppelschloß aus blaukem Metall kommt in Fortsall und wird durch eine dunkelfarbige Schnalle ersetzt. Der Helm hat nicht mehr schwarzes Leder, sondern erhält eine ähnliche Halbe wie das Tuch. Vom Kopf bis zu Fuß erscheint fortan der Soldat iu nahezu gleicher, möglichst unauffälliger Färbung. Von der be⸗ vorstehenden Aenderung in der Uniformierung der Truppen sind die Bekleidungsämter bereits in Kenntnis gesetzt worden, um sich darüber auch mit den Lieferanten ins Einvernehmen zu setzen. Sämmtliche alten Vorräte werden jedoch aufgebraucht. Freuelhafte Lebensmittelvernichtung. Ein Milchbauernring, genannt Ober⸗ bayertsche Milchverkaufs⸗Genossenschaft, besteht in München. Sie trat unter dem Protektorat des ultramontanen Landtagsabgeordneten Schmid von Wolfrathshausen ins Leben und verfolgt natürlich den Zweck, die Preise in die Höhe zu treiben und die Konsumenten gehörig zu schröpfen. Wie man der Münchener Wost schrebt, wurde jüngst in einem wissenschaftlichen Vort age die ungeheuerliche Thatsache festgestellt, daß diese Genossenschast täglich 12000 Liter Nin die Isar gießt. Dieses soziale Verbrechen wirft ein inter⸗ zes Streiflicht auf die Stellung der feinen numspartei zur öffentlichen Wohlfahrt und u! eln 8 kennzeichnet scharf das Geschrei dieser Herrschaften über die 70 5 der Landwirtschaft. Und skandalös ist eine Gesellschaftsordnung zu nennen, die Derartiges nicht zu verhindern weiß. Unternehmer⸗Terrorismus. Der Seifenring scheut kein Mittel, um die außenstehenden Fabrikanten mürbe zu machen. Zunächst hat er mit den maßgebenden deutschen Palmkernölfabrikanten Verträge abgeschlossen, welche diese verpflichten, Oel nur an die Ring⸗ mitglieder zu verkaufen. Sodann hat der Ring tro der steigenden Tendenz der Preise sür Rohmaterialien die Seifenpreise um 2 Mk. er⸗ mäßigt. Vorsichtiger Weise ist freilich der Kundschaft mitgeteilt worden, daß die Ermäßi⸗ gung eine vorübergehende und nicht durch die Marktlage der Oele und Fette hervorgerufen sei. Offenbar bezweckt die Preisermäßigung lediglich, die Außenstehenden niederzukon⸗ kurrieren. Wenn das gelungen ist, werden die Seifenpreise wohl der„Marktlage der Oele und Fette“ so„angepaßt“, daß den Konsumenten die Augen überlaufen. 24 Millionen. Der deutsche Kaiser reiste sofort, als der Zustand der Königin Viktoria hoffnungslos wurde, nach Englaud und befindet sich noch immer dort. Die Reise an sich ist natürlich. Beflemden hat nur die Plötzlichkeit erregt, mit der sie mitten in den preußischen Krönungs⸗ feierlichkeiten erfolgte. Der„Vorw.“ glaubt den Grund dafür erfahren zu haben. Der jetzige König von England hätte sich nämlich aus dem 56 Millionen Mark betragenden Nachlaß Wilhelms J. die Kleinigkeit von 24 Millionen während der kurzen Regierungs⸗ zeit Friedrichs III. gepumpt, die er jetzt zurück⸗ zahlen wolle. Deshalb habe er den Kaiser ge⸗ beten, sofort nach England zu kommen. Die Bezahlung der Riesenschuld dürfte wohl nicht schwer fallen, da Viktoria tausende von Millionen hinterlassen hat. Byzaniners Theorie und Praxis Die„Tägl. Rundschau“, ein patentpatriotisches Blatt gab zur Feier des 18. Januar eine acht⸗ seitige Be lage heraus, die von Lobhudeleien und dynastischen Ueberschwenglichkeiten förmlich strotzte. Ganz zum Schluß findet man darin aber folgenden Dahnschen Spruch: Wir schrei'n zu viel„Viktoria“! „Hurrah“ und„Kling⸗ lang Gloria“, Wir feiern zu viel Feste. Einst trieben anders wir das Spiel: Wir sprachen wenig, thaten viel—— Und die Art war die beste! Wenn es den„patriotischen“ Zeitungs- machern Ernst wäre mit ihrem Protest gegen das so heftig grassirende Festfieber, so hätten sie ja nur nötig, die fürstlichen Herrschaften unter sich zu lassen und über die Festivstäten zu schweigen. Aber erst mithelfen mit Kling⸗ Klaug⸗Gloria und sich nachher über den Zauber mokieren, das ist ein starkes Stück. Abfuhr der Prügelhelden. Kuuten-Oertel und sonstige Prügelstrafen⸗ Enthufiasten haben in der Petitions-Kommission des Reichstags eine gründliche Niederlage erlitten. Alle auf Einführung der Prügelstrafe gerichteten Petitionen wurden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Knuten⸗Oer⸗ tels„ hat also keinen Erfolg gehabt. Antiscmitische„Judenknechte“. Gegen den antisemitischen Reichstagsabge⸗ ordneten Böckel-Marburg erhebt der national⸗ soziale Redakteur Erdmannsdörfer in der „Hess. Landeszeitung“ die Beschuldigung, daß er in„jüdischem Solde“ stehe, indem er Berichte über die Sitzungen der Reichstagskommissionen, zu denen nur Abgeordnete Zutritt haben, für den jüdischen Parlamentsjournalisten Dr. Ha m⸗ burger gegen Entgelt liefere. Wegen ähnlicher Beschuldigungen, die Erdmannsdörfer früher gegen den Antisemiten Werner richtete, wurde er von diesem verklagt und steht in der Sache demnächst in Offenbach Termin an. Da werden wir ja sehen, wie die Urdeutschen ihre eigenen Lehren befolgen. Deutscher Reichstag. Nachdem in der Sitzung am Mittwoch(238.) der Reichskanzler und der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, der verstorbenen Königin von England in warmen Worten gedacht hatten, trat der Reichstag in die Beratung der verschiedenen Anträge ein, welche die Abhülfe der Wohnungsnot zum Gegenstande haben. Der sozialdemokratische Antrag (Albrecht) fordert Vorlegung eines Wohnungsgesetzes, Einführung einer Wohnungsinspektion, Schaffung eines Reichs wohnungsamts. Der nationalliberale Antrag(Dr. Hieber) verlangt die Bildung einer Wo h⸗ nungskommission, die zunächst eine Eaquete ver⸗ anstalten und daun Vorschläge machen soll. Der frei⸗ sinnige Antrag Schrader-Eckart verlangt ebenfalls die Einsetzung einer Kommission, spricht sich aber über die derselben zuzuweisenden Aufgaben in gänzlich unverbindlichen Ausdrücken aus.— Den nattonalliberalen Antrag begründete der Württemberger Dr. Hieber, er erklärte, daß man eine Regelung der Wohnungsfrage nicht zu Einschränkungen der Freizügigkeit mißbrauchen dürfe. Recht matt begründete den matten Freisinnsantrag Abg. Schrader. Um so energischer beleuchtete der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Schmidt-⸗Frankfurt, das Wohnungselend und entwickelte in großen Zügen das Bild einer durchgreifenden Reform, so weit sie auf dem Boden der jetzigen Gesellschaftsord⸗ nung möglich ist. Der Staatssekretär Graf Posa⸗ dowsky gab im Namen des Reichskanzlers eine Er⸗ klärung ab, deren kurzer Sinn der war, daß die Sache den Einzelstaaten überlassen bleiben muß. Darob großer Jubel auf der Rechten, als deren Redner der Konservative v. Richthofen, der das bekannte Lied von der ländlichen Unschuld sang, und der Reichsparteiler Stockmann auftraten. Die Debatte über diesen Gegen⸗ stand wurde vertagt. Zu einer ziemlich heftigen Polendebatte kam es am Donnerstag. Nichtbeförderung von Briefen mit polnischer Aufschrift von Seiten der Reichspost veranlaßte die edlen Polen, eine Interpellation an die oberste Postverwaltung zu richten. Der Staatssekretär des Reichspostamts, der Husarengeneral v. Podbielski antwortete von oben herab, wie er das zu thun pflegt; immerhin trat er den poinischen Edelleuten etwas höf⸗ licher entgegen, als es sozialdemokratischen Abgeordneten gegenüber seine löbliche Gepflogenheit ist. Der Demokrat Haußmann, der Freisinnige Dr. Müller⸗Sagan, der Zeutrumsmann Roeren, der Pole v. Dzie m⸗ bowski usw. rückten bei der Besprechung der Jnuter⸗ pellation dem Staatssekretär energisch auf den Leib, während der Nationalliberale Dr. Sattler sich in ch auvinistischen Redeusarten und der Kouservative Schrempf sich gar in Beschimpfungen der Polen er⸗ ging. Von sozialdemokratisgser Seite sprach Genosse Kunert, welcher überzeugend nachwies, daß die ge⸗ ügten Maßregeln nur ein Glied in der Kette der syste⸗ matischen Unterdrückungen mißliebitzer Volksteile sind. Dann wandte sich das Haus der Beratung der Vorlage über Versorgung der Hinterbliebenen der Chinakrieger zu. Der Konservative raf Stolberg klagte in elegischen Tönen darüber, daß die Chinafahrer so wenig Gelegenheit gefunden, Lorbeeren um ihre Schläfen zu winden. Dankenswerter war seine leidlich energische Anregung, bei der Gelegenheit endlich einmal auch den Ansprüchen der In valtden aus den früheren Feldzügen Genüge zu leisten. Der Reichskanzler Graf Bülow antwortete, daß dieser Wunsch er füllt werden solle und eine Vorlage über diesen Gegenstand noch im Laufe dieser Session dem Hause zugehen werde. le weitere Debatte über diesen Gegenstand wurde am Freitag fortgesetzt. Von allen Seiten des Hauses, das einmal wieder etwas besser als die Tage vorher besucht war, wurde betont, daß die schleunige Einbrin⸗ gung der vom Reichskauzler in Aussicht gestellten Vor⸗ lage betr. die Versorgung der Invaliden aus den früheren Feldzügen, die Abtragung einer eigentlich schon längst fälligen Ehrenschuld des Reiches bedeuten würde. Einige Redner, namentlich aber unser Genosse v. Vollmar gaben dem Mißtrauen Ausdruck, daß es mit der Einlösung des Kanzlerwortes doch wohl nicht so sehr schnell gehen werde. Hat doch Fürst Hohen⸗ lohe 3½ Jahre gebraucht, um sein bekanntes Versprechen, das Koalitionsverbot politischer Vereine aufzuheben, zu erfüllen. Selbst einige Redner der Rechten und der Nationalliberale Herr v. Tiedemann und Prinz v. Schö⸗ naich⸗Carolath an der Spitze, gebärdeten sich ganz rabiat und erklärten nachträglich, sie hätten die China-Relikten⸗ Vorlage ohne gleichzeitige Versorgung der früheren Kriegs⸗ Die Vorlage wurde an die Dann ging mau wieder Der Frei⸗ invaliden nicht bewilligt. Budget⸗Kommission verwicsen. zum Etat des Reichsamts des Innern über. — Certtolberb Genosse Le befaßte sich er führte 5 die monate auf die ten Den Fteist onseguente 12000 Ne deutenden J der„alte der Lande in eller lat denregister! worauf Ert Sanstag des Kapla antwortete ationen sos allergröbste die Tribün Sonntagsp für notwen Entstellung allerlei so womit er denn eine herborlodt Hofpredige dann eind der Zünd demgegenü ganzen hi Oertel b abgestander chen, daß seien. Zu abgeleierte ihren Repu Wir haben seine konse sschen Me der deutsc Wort. 2 wurde oft In einer großen S Mens den überreichle tigkeit blie Arat f Ne Zalle von den Ussenscha dutchauz, Arbeiterbu Unter wü die Groß von den kheihepreiz lasse auf Auch noch hei Als elste ber übe lagen Hume 1 0 en auer wirt nn litzer . — ihre . der Graf ud in tag in che die Aultag setzeß, hafung liberale Wo h⸗ le ber⸗ * frei enfallz aber ätzlich eralen eb, er sufrage igkeit matten gischer aktion, vickelte ieform, stsord⸗ Po sa⸗ ne Er⸗ Sache Darob er der e Lied atteiler Grgen⸗ kam es fen mit icspost an die sekretär ielski pflegt; * höf⸗ rdneten emoktat Sagan, Dzie n⸗ „Juter⸗ n Leib, sih in erbatibe len er⸗ Genosse die ge⸗ r shste⸗ e siud. Vorlage der tolberg nafahter im ihte leidlich einual theren kaler füllt genstand werde. iche am Hausck, vorher iubrin⸗ u Vor⸗ einer Reiches er ner susdruc, 9h 0 ü Hohen⸗ rechen, bell/ z und 8 b. Sch, 1 rabiat Relten 1Klehs alt dit 1 leder 0 rr n Nr. 5. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. konservative Gamp hielt eine längere Rede. Herr Gamp ist durchaus würdig, der Partei der Herren v. Stumm und Kardorff anzugehören. Immerhin ver⸗ steht er es, eine Kleinigkeit geschickter zu debattieren, als diese beiden, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß seine Rede nicht von Plattheiten aller Art wimmelte. Er sprach über das Glück der Landarbeiter, über die angeblichen Briefdiebstähle, über Konsumvereine, welche nach seiner Behauptung schlechte Löhne zahlten, über die schwere„Belastung“ der Unternehmer usw. Zuletzt zeichnete er sein Ideal allgemeiner Reichsversorgung: Unternehmer und Arbeiter unter Leitung von Staatsbeamten gemeinsam organisiert.) Selbst⸗ redend fehlte auch nicht das hohe Lied vom Nutzen des Centralverbandes der Industriellen. Ihm antwortete Genosse Ledebour, der seine Jungfernrede hielt. Er befaßte sich aber nicht nur mit Gamp's Ausführungen; er führte auch des Grafen Posadowsky Lobgesang auf die monarchische Staatsform durch den einfachen Hinweis auf die republikanische Verfassung der Hansastädte zurück. Den Freisinnigen und dem Zentrum hielt er ihre in⸗ konsequente und schwächliche Haltung gegenüber der 12000 Mark-⸗Affaire vor. Nach einer herzlich unbe⸗ deutenden Rede des Fürsten Bismarck, des Sohnes der„alten Raketen kiste“ über die sinkende Grundrente der Landwirtschaft beleuchtete Genosse Molkenbuhr in einer längeren Rede nochmals das reichhaltige Sün⸗ denregister der Sozialpolitik des Reiches und Preußens, worauf Graf Posadowsky ziemlich matt antwortete.— Samstag wurde die Debatte mit einer Kapuzinade des Kaplans Hitze eröffnet, auf die Stadthagen antwortete und nachwies, daß die Unternehmerorgani⸗ sationen sortdauernd und gewerbsmäßig die Gesetze in allergröbster Weise übertreten. Dann bestieg Stöcker die Tribüne, und ödete das Haus mit einer verfrühten Sonntagspredigt an. Selbstredend hielt es Herr Stöcker für notwendig, seine von Fanatismus, Beschimpfungen, Entstellungen und Verdrehungen träufelnde Rede mit allerlet sozialreformerischem Krimskrams auszustatten, womit er indessen nicht einmal einen Hund, geschweige denn einen lebendigen Arbeiter mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Genosse Reiß haus gab dem entlassenen Hofprediger die gebührend derbe Antwort und schilderte dann eindringlich und eingehend das furchtbare Elend der Zündholz- und Spielwarenindustrie in Meiningen, demgegenüber die offizielle Sozialpolitik sich in ihrer ganzen hilflosen Unfähigkeit offenbart. Der Agrarier Oertel behandelte mit breiter Ausführlichkeit die aller⸗ abgestandensten Sachen. Nebenbei erzählte er das Mär⸗ chen, daß die Konservativen für die Koalitionsfreiheit seien. Zum Schluß kam dann noch das bis zum Ekel abgeleierte Lied, daß die Sozialdemokraten sich durch ihren Republikanismus außerhalb der Verfassung stellten. Wir haben noch nie gehört, daß sich Herr Oertel und seine konservativen Freunde gegen die rebellischen franzö⸗ sischen Monarchisten wenden. Dann ergriff der Direktor der deutschen Bank, der Freisinnige Dr. Siemens das Wort. Der von den Agrariern wütend gehaßte Mann wurde oft durch tierisches Gehcul der Rechten unterbrochen. In einer humorvollen, aber trotzdem bisweilen einer großen Schärfe nicht entbehrenden Rede hielt Dr. v. Sie⸗ mens den Raubpolitikern dort auf der rechten Seite ihr überreichliches Sündenregister vor. Mit spielender Leich⸗ tigkeit blies er das schöne Kartenhäuschen um, das die Agrarier zur Bethörung der Kleinbauern aufgebaut haben. Die Zollerhöhung, sagte er mit vollem Recht, wird von den Konsumenten getragen, darin sind sich Wissenschaft und Praxis einig. Ebenso bestätigte er durchaus, was Molkenbuhr über die Belastung des Arbeiterbudgets durch den Getreidezoll gesagt hatte. Unter wüstem Lärm der Rechten führte er aus, daß nur die Großgrundbesitzer und nicht auch die Kleinbauern von den Getreidezöllen Nutzen haben und der hohe Ge⸗ treidepreis eine dem Lande zu Gunsten einer kleinen Klasse auferlegte Steuer ist. Auch am Montag verweilte das Haus noch bei dem Titel: Gehalt des Staatssekretärs. Als erster Redner widerlegte Abg. Fischbeckefr.), der über gute statistische Kenntnisse verfügt, schlagend die Ausführungen Bismarcks, der am Samstag für den Brotwucher eingetreten war. Die Junker krakehlten; ihre Unruhe stieg noch bei den Ausführungen des Freisinnigen Stein⸗ hauer, der als nicht agrarischer Land⸗ wirt und Vertreter der kleinen Grundbe⸗ sitzer den Bündlern besonders verhaßt ist.— Dann versuchte Hilbeck die Kohlenbarone gegen die wuchtigen Angriffe zu verteidigen, die Sachse gegen sie gerichtet hatte. Den Höhepunkt des Tages bildete die Rede Singers, der über die Herren Oertel und namentlich Stöcker ein Strafgericht abhielt, wie es der Reichstag selten erlebt hat. Dem ab⸗ getakelten Hofprediger wurde der Scheiterhaufen⸗ brief derart unter die Nase gerieben, daß dem Pfäfflein Hören und Sehen und namentlich auch die Lust zur Antwort verging. Vicepräsident v. Frege suchte krampfhaft nach der Gelegen⸗ heit zu einem Ordnungs ruf; endlich fand er eine solche, als Singer sich am Schluß seiner Rede gegen die Brotwucherpolitik wandte und dabei den preußischen Landtag treffend als die Karikatur einer Volksvertretung be⸗ zeichnete. Auch bei der Diskussion am Dienstag herrschte die Agrar- und zollpolitische Frage vor. Her⸗ bert Bismarck kramte seine geringen ökono— mischen Kenntnisse aus. Er schloß mit dem inhaltschweren Worte, das die Haltlosigkeit des Ausdrucks„Brotwucher“ beweisen sollte:„Gro ß⸗ grundbesitzer sind keine Bäcker“. Die Herren Bäckermeister, der Konservativen liebe Schützlinge, werden von dieser ihrer indirekten Bezeichnung als Brotwucherer ja recht erbaut sein. Gegen den Sohn seines Vaters wandte sich geschickt der Freisinnige Pachnicke, worauf Knuten⸗Oer tel die Soz'aldemokratie zum sound⸗ sovielten Male vernichtete. Dann hielt Genosse Bebel noch eine große Rede, mit der die zwölf⸗ tägige Redeschlacht einen hochdramatischen Ab— schluß fand. In glänzendem Waffengange streckte Bebel die Herren vom Tucker⸗Briefe, Stöcker und Dr. Arendt, in den Staub. Herr Oertel wurde nicht vergessen und bekam für die albernen Klatschgeschichten, die er vorge⸗ tragen, seine Hiebe weg. Mit den frechen Brotwucherern wurde ebenso gründlich abge⸗ rechnet, wie mit dem wahrheitsliebenden Pfaffen Stöcker, dem der Vicepräsident v. Frege mit einem Bebel erteilten Ordnungsrufe nachträg⸗ lich zur Hilfe kam. Damit schloß die Debatte, Pasadowskys Gehalt wurde bewilligt. Krieg in Südafrika. Die Gefangennahme Lord Kitcheners durch die Buren ist bisher nicht bestätigt. Da⸗ gegen läuft die Meldung ein, daß es um ein Haar geschehen wäre. Und zwar ist der eng⸗ lische Oberbefehlshaber zum zweiten Mal um Haaresbreite dem kläglichen Geschick entgangen, als Gefangener in die Hände der Buren zu fallen und von ihnen im engen Eisenbahnwagen wie eine Ratte in der Falle unschädlich gemacht zu werden. Schon vor etwa 5 Monaten passterte es ihm, daß er persönlich auf einem gewöhn⸗ lichen Truppentransportzuge südwärts eilte, dabei aber von der Nacht überrascht und des⸗ halb gezwungen wurde, für einige Stunden den Zug auf freiem Felde halten zu lassen und sich in seinem Abteil zur Ruhe zu legen. Damals griffen die Buren mit solcher Uebermacht an, daß die den Zug und ihren englischen General bewachenden englischen Soldaten nicht viel aus⸗ richten konnten, sodaß Kitchener gezwungen war, sich auf das erste beste Pferd zu werfen und in sausendem Galopp dorthin zurückzureiten, von wo er gekommen war. Zum Glück— für ihn— wurde er auf diesem„Rückzuge“ von einer durch das scharfe Gewehrfeuer her⸗ beigerufenen Abteilung englischer Kavallerie aufgenommen und sah sich somit bald in Sicher⸗ heit.— Jetzt hat, wie vor einigen Tagen ge⸗ meldet, der Herr Oberbefehlshaber wieder ein⸗ mal mit einer Anzahl von Truppen einen Zug bestiegen, um persönlich eine Rekognoszierung in der Richtung auf Middelburg vorzunehmen. Vorsichtigerweise hatte man aber eine Pilot⸗ Lokomotive als Avantgarde vorausgeschickt, und diese wurde denn auch prompt in der Nähe von Balmoral durch eine von den Buren auf der Strecke angebrachte kleine Dynamitmine von den Schienen geschleudert, wodurch der nach⸗ kommende Zug gewarnt war. Die Buren er⸗ öffneten zwar ein lebhaftes Feuer auf den Zug und auf die englischen Soldaten, waren aber nicht stark genug, es mit der Uebermacht auf die Dauer aufzunehmen, und mußten sich all⸗ mählich zurückziehen, aber ohne daß es anderer⸗ seits den Engländern trotz ihrer größeren Anzahl und trotz der persönlichen Führung ihres ober⸗ sten Feldherrn möglich gewesen wäre, eine Ver⸗ folgung aufzunehmen oder den Buren irgend— welchen Schaden zuzufügen. Wie aus dem Haag gemeldet wird, soll Präsident Krüger jetzt durch französische Vermittlung regelmäßige direkte Telegramme über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz erhalten. Hiernach sei für die nächsten Tage ein allgemeiner Vorstoß unter Delarxey na ch Natal zu erwarten, während Botha die Delagoa⸗Linie weiterhin als Operotionsfeld beibehalten werde. In allerkürzester Zeit wür den die Buren in sämmtliche britische Koloniegebiete Südafrikas eingedrungen sein. Krieg mit China. Auf der Boxerjagd. Wie„Boxerjagden“ zu Stande kommen, darüber berichtet der China⸗ korrespondent der„Frankf.-Ztg.“ auf Grund von Mitteilungen beteiligter Offiziere. In der Nähe eines großen chinesischen Dorfes am Peiho, zwischen Tonku und Tientsin, hörte eines Nachts der russische Posten Getümmel. In der An⸗ nahme, daß es sich um den Angriff von Boxern handelte, alamierte er die Feldwache nach Tient⸗ sin und Tonku. Alsbald wurde berichtet, daß starke Boxerhaufen die Bahn angriffen. Eine Kompagnie Russen schloß das Dorf ein und schob langsam Patrouillen vor. Auf diese Patrouillen fielen einige Schüsse, die drei Russen leicht verletzten. Natürlich ging man nun zum Angriff vor, fand aber nicht nur keinen einzigen Boxer, oder auch nur den geringsten Wider⸗ stand, sondern nur eine verzweifelte Bevölkerung, und es stellte sich heraus, daß das Feuer auf die Russen von Dschunken auf dem Peiho her⸗ rührte, deren mititärische Begleitmannschaften in den Russen Boxer entdeckt zu haben glaubten. Die Sache war zu Gunsten der Dorfbewohner so gründlich klar, daß selbst die Russen, die gewiß keinen Chinesen schonen, wenn sie ihm mit einem Schimmer von Recht eiwas anhaben können, das Dorf und seine Einwohner in Frieden zurückließen. Die Nachforschungen, die man darüber anstellte, weshalb in dem Dorfe ein solcher Tumult geherrscht habe, ergaben folgenden traurigen und für unsere zipili⸗ sierten Armeentiefbeschämenden That⸗ bestand. Seit einiger Zeit war es bei ein⸗ zelnen militärischen Begleitmannschaf⸗ ten Mode geworden, sich mit einer oder der anderen Dschunke in der Dunkelheit mög⸗ lichst vom Transport zu trennen— ein Fall, der leicht genug vorkommen konnte— in die Dörfer einzudringen und dort Chinesen⸗ frauen und Mädchen durch Ueberredung und Gewalt sich willfährig zu machen. Gegen derartige Wüstlinge hatten sich Chinesen nach ihrer Art mit lautem See M statt mit ordentlichen Waffen zur Wehre ge⸗ setzt, und dieses Geschrei war von dem russischen Posten gehört und in einen Boxerangriff über⸗ setzt worden. Rechtssprechung. Streikbrecherbedrohung. Was als solche alles angesehen wird, zeigt ein Gerichts⸗ urteil gegen den Arbeiter Schropp vor dem Landgericht in Göttingen. Das Vergehen war darin gefunden worden, daß er auf die Frage, wie er sich zum Streik in der Gärtner⸗ schen Eisengießerei zu verhalten habe, einem Arbeiter, der Mitglied des Fabrikßilfsarbeiter⸗ verbandes war, geantwortet hat: „Dem Statut nach muß ich Dich streichen, wenn Du arbeitest. Wenn Du nicht arbeitest, zahle ich Dir Reiseunterstützung. Du bist ja aber selber alt und vernünftig genug, um zu wissen, was Du zu thun hast.“) 5 Aus diesen Worten folgerte das Gericht eine Drohung, obwohl sich der Arbeiter gar nicht bedroht fühlte, sondern die Auskunft als einen guten Rat aufgefaßt hat, und verurteilte den Genossen Schropp zu einer Woche Gefäng⸗ nis. Da muß man doch fragen, für was soll die Strafe sein, wo ist das Vergehen? Dieses Urteil bleibt selbst in der Zeit des Arbeits willi⸗ genschutzes unverständlich. Arbeiterbewegung. 7 Errichtung eines Gewerkschafts⸗ hauses planen die Gewerkschaften in Solingen, Sie verhandeln mit einer dortigen Brauerei n . festgestellt werden. * Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 5. wegen Erwerbung des Grundstücks„Bayrischer Hof“ mit dem dazu gehörigen Kaisersal, dem größten Saal in Solingen. In der Sitzung des Zentralkomitees der Solinger Gewerkschaften erklärten sich sämtliche Delegierte der einzeln en Gewerkschaften für die Erwerbung des Lokals. Der Porzellanarbeiter⸗Verband ist in eine heikle Situation geraten. Die Ver⸗ bandsgelder sind nämlich bei der Reichsbank auf den Namen des früheren Verbandkassierers deponiert. Nach dessen kürzlich erfolgtem Tod erhoben nunmehr die Erben Anspruch auf den Fonds des Verbandes, der rund 116000 Mk. enthält. Durch gerichtlichen Austrag wird die Sache ja klar gestellt werden und die nach dem Verbandsgeld lüsternen Erben werden schließlich nichts erreichen; einstweilen ist der Verband aber in fataler Lage. Die Barmittel sind völlig erschöpft. Der Vorstand mußte daher ein Dar⸗ lehen aufnehmen. Wenn auch zu erwarten ist, daß der Verband seine Gelder wieder bekommt, so mahnt der Fall doch zur Vorsicht. T Die Handschuhmacher⸗Aussper⸗ rung in Halberstadt ist durch Spruch des von Arbeitgebern und Arbeitnehmern aner⸗ kannten Einigungsamtes aufgehoben worden. T Zum Buchdrucker Konflikt in Leip⸗ zig ist mitzuteilen, daß alle Aussicht zur bal⸗ digen Beilegung des unerquicklichen Streites vorhanden ist. Am Dienstag fand eine Partei⸗ versammlung in Leipzig statt, in welcher über die bisherigen Verhandlungen Bericht erstattet wurde. In einer Konferenz in Berlin einigte man sich dahin, daß die noch arbeitslosen aus⸗ ständigen Verbandsbuchdrucker soweit sie es wünschen, wieder eingestellt werden sollen. Man beschloß in der Parteiversammlung eine Resolu⸗ tion, in der gesagt wird, daß die Versammlung ihre Zustimmung zu dem Einigungsvorschlag nur in Rücksicht auf die Gesammtpartei giebt. Non Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Zur Kreiskonferenz. Wir machen die Genossen des Wahlkreises Gießen nochmals auf die am 10. Februar in Daubringen stattfindende Konferenz aufmerk⸗ sam. Wo noch keine Delegiertenwahl stattge⸗ funden hat, muß sie jetzt vorgenommen werden. Zur besseren Ausgestaltung unserer Organisation ist die Vertretung möglichst aller Orte des Kreises notwendig.— Bezüglich der E nführung einer Unterstützung für Mitglieder in Not⸗ und Sterbefällen gehen die vorliegenden Auträge dahin, daß eine besondere Unferstützungs— kasse innerhalb des Kreiswahlvereins errichtet werden soll. Mit einem monatlichen Extrabei⸗ trag von 10 Pfg. für diese Kasse hofft man — bei einer Karrenzzeit von 6 Monaten— bei eintretenden Fällen angemessene Unterstützung gewähren zu können. Die Höhe der letzteren muß natürlich erst durch genauere Berechnungen t Der Umstand, daß sehr oft Unterstützungsgesuche einliefen, denen nicht ent⸗ sprochen werden konnte, weil eben kein Fonds dafür vorhanden war, macht eine derartige Ein⸗ richtung wünschenswert. Die Frage muß in den Kreisen der Genossen vorher erörtert werden, damit sie die Konferenz im Sinne der Mehrheit zu erledigen im Stande ist. Manche Mitglieder erachten allerdings das Unterstützungswesen als außerhalb des Zweckes des Wahlvereins liegend und sind deshalb gegen diese Anträge.— Schließlich sei noch bemerkt, daß der Zug in Gießen 8,18 nach Lollar abgeht; die Dele⸗ gierten der eurfernteren Orte müssen also recht⸗ zeitig aufbrecheu, um pünktlich zur Stelle zu sein, damit nachmittags frühzeitig geschlossen werden kann. Bevölkerungsziffer in Hessen. Nach den„Mitteilungen der Großh. Hessischen Zeutralstelle fur die Landesstatistik“ beträgt die ortsanwesende Bevölkerung Hessens 1120 135. zahlreich besuchten, Gegen 1895 bedeutet das eine Zunahme von 81115 oder 7,8 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Zunahme beträgt 1,56 Prozent. In der Provinz Starkenburg ist die stärkste prozentuale Zunahme der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Sie betrug hier 10,1 Prozent, in Rheinhessen 7,9 Proz. in Oberhessen hin⸗ gegen nur 3,9 Proz.— Die Städte über 10000 Einwohner weisen folgende Einwohnerzah⸗ len auf: am 1. Dez. 1900. Zunahme seit 1895 Darmstadt 72019 8274 Offenbach 50508 11100 Gießen 25564 2640 Mainz 84335 7389 Worms 40714 7539 Eteuerfreie Gemeinden in Hessen. Wie die„Zeutralstelle für Landesstatistik mitteilt, gab es in Hessen am 1. April 1899 zwölf Gemeinden mit 2784 Einwohnern, die in der glücklichen Lage waren, keine Kommu⸗ nalsteuern bezahlen zu müssen. Im Jahre 1878 betrug die Zahl der steuerfreien Gemeinden noch 37 mit 20414 Einwohnern, sank aber von da ab sehr schnell. Schuldenfreie Gemein⸗ den waren am 1. April 1899 98 mit 51265 Einwohnern vorhanden; während es 1878 139 solcher gab mit 71224 Einwohnern. Sießener Angelegenheiten. — Städtische Anleihe. In der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung wurde die Aufnahme einer zu 4 Prozent verzinslichen Anleihe von 2000000 Mark zur Deckung der außerordent⸗ lichen Bedürfnisse sür 1901/02 beschlossen. Der Betrag setzt sich u. a. aus folgenden Posten zusammen: Grunderwerb 26000 9 k., Straßen⸗ bauten 219000 k., Erweiterung des Gas- u. Wasserwerks 130000 Mk., Erbauung des Elek⸗ ricitätswerkes 735000 Mk., Friedhofsanlage 189000 Mk., Kanalisation 394000 Mk., Er⸗ bauung eines neuen Schuthauses 300000 Mk., sonstige Zwecke 193000 Mk. — o. Submissions⸗Unwesen. Die Ar⸗ beiten für einen hinter der Psychiatr. Klinik zu errichtenden Kohlenschuppen sollten auf dem Submissions⸗Wege vergeben werden. Für die Schreinerarbeiten hatte ein hiesiger Kleinmeister 230,24 Mk. gefordert. Die Arbeit wurde einem anderen hiesigen Geschäfte für rund 120 Mk. übertragen!! Also für ungefähr die Hälfte! —ck. Konsumverein. In einer ziemlich vom Gewerkschaftskartell arrangierten Besprechung, die vergangenen Sonn⸗ tag im Orbig'schen Lokale stattfand, wurde die Frage der Gründung eines Konsu m⸗ Vereins erörtert. Man wählte eine Kommission, die die nötigen Vorarbeiten ausführen soll. — Rezitation. Nächsten Donnerstag, am 7. Februar wird Herr Schauspieler Walkotte aus Berlin das Hauptmann'sche Drama„Vor Sonnenaufgang“ rezitieren. Herr Walkotte ist als tüchtiger Rezitator vorteilhaft bekannt. Er ist bestreb', besonders die modernen Dich⸗ tungen weitesten Volkskreisen zugänglich zu machen. Dabei soll seine Kunst, bei dem Vor⸗ trage die einzelnen Figuren des Dramas dar⸗ zustellen und zu verkörpern, unübertroffen da⸗ stehen. Das Drama selbst behandelt den sitt⸗ lichen Verfall der reichen schlesischen Kohlenbarone. — Aus dem Inseratenteil sind die Verkaufs⸗ stellen der Eintrittskarten ersichtlich. Pünktliches Erscheinen ist geboten. — Der„in allen Sätteln gerechte“ Redakteur der„Gieß. Neuesten Nachrichten“ leistet sich auf unsere Bemerkungen in der vorigen Nummer eine neue Schimpfübung. Es fällt ihm natürlich nicht ein, seine früheren Schwin⸗ delnotizen richtig zu stellen, er faselt viel⸗ mehr in Bezug auf den Leipziger Konflikt von „skandalösen Vorgängen im sozialdemokratischen Lager“, deren„Enthüllung“ uns unangenehm sei. Deshalb sieht sich Herr H. genötigt, uns und der Partei das Gewissen zu schärfen! Nur schade, daß das die undankbare Arbeiterschaft nicht anerkennen will. Sie weiß eben, was sie von der Sorte zu halten hat. Unsere Partei hat keine Ursache, sich irgend welcher Dinge zu schämen; der gegen sie geschleuderte Schmutz wird sie nicht erreichen. Lassen wir deshalb den sauberen Patron ruhig weiter verdächtigen und verleumden und wenn er auch die Tonart der Berliner Ballonmützen noch zu überbieten sucht. Aus Wetzlar. th. Unser Laudtagsabgeordneter, Herr Schlabach befindet sich nicht unter den Abgeordneten, die im preuß. Landtage gegen den Antrag des Grafen Limburg-Stirum, ge⸗ gen den Brotwucher stimmten. Also hat er sich wohl dafür erklärt. Bedenkt man, daß in unserm stark industriellem Kreise kein Mensch einen Vorteil, die zahlreiche Arbeiter bevölke⸗ rung aber, sowie die vielen dem Handwerks⸗ und Handelsstande angehörigen„Kleinen“ em⸗ pfindlichen Nachteil von der Erhöhung der Getreidezölle haben, so wird ersichtlich, ein wie geeigneter„Volksvertreter“ Herr Schlabach für den Kreis Wetzlar ist. — Strafkammer. Wegen angeblicher Vornahme einer Kollekte hatte sich Genosse Vetters⸗Gießen am Mittwoch vor der Straf— kammer als Berufungsinstanz zu verantworten. Gelegentlich einer Versammlung in Gleiberg, in der V. den Vorsitz führte, ließ er, nachdem mehrere von den Versammelten beim Verlassen des Saales Geld zur Deckung der Tageskosten auf den Vorstandstisch niederlegten, einen Teller aufstellen, in dem ein Teil der Versammlungs⸗ besucher Beiträge niederlegten. Es wurde nicht zur Beitragsleistung aufgefordert. Dar⸗ aufhin erhielt V. einen Strafbefehl wegen Ue⸗ bertretung der Polizeiverordnung vom 11. Mai 1866, der vom Schöffengericht bestätigt wurde. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Er machte geltend, daß es sich hier nicht um eine öffentliche Kollekte im Sinne der Po⸗ lizeiverordnung handeln könne, denn dazu sei doch eine Aufforderung an das gesammte Publikum nötig; die im Saale Versammelten stellten einen geschlossenen Personenkreis dar. Diesem schloß sich das Gericht nicht au, die Oeffentlichkeit sei gegeben. Aber trotzdem wurde V. freigesprochen, weil er keinerlei Aufforderung hatte ergehen lassen, also nicht „kollektiert“ hatte.— Danach ist also die Vor⸗ nahme einer Tellersammlung in öffentlichen Versammlungen im Regierungsbezirke Koblenz unstatthaft und wir bitten unsere Genossen sich danach zu richten. — Verrohung. Ueber eine am Sonntag Abend in Reiskirchen verübte grauenvolle That berichtet der„Wetz. Anz.“: In dem Saale des Gastwirts Karl Lenhardt hierselbst wurde eine Familienfeier, Hochzeit und Kind⸗ taufe, abgehalten. Bei ditser Gelegenheit brachte der 22jährige Maurer Karl Schmidt dem oben⸗ genannten Wirt, einem etwa 30 Jahre alten Manne, mit einem starken Messer einen Stich bei, der rechts oben neben dem Brustbein ein⸗ drang. Karl Lenhardt wankte noch einige Schritte weiter in eine Stube, wo er, sich in einen Sessel niederlassend, noch ein paar Worte her⸗ vorbrachte, die besagten, daß er gestochen sei und sich für oren halte. Kaum 10 Minuten darauf verschied er. Der Mörder wurde später in seinem Bette verhaftet und heute früh in das Gefängnis zu Wetzlar eingeliefert.— Eine solche unglaublich rohe That sollte man wirklich unter zivilisierten Menschen kaum für möglich halten. So ein grüner Junge sticht anscheinend ohne jede Veraulassung einen Familienvater nieder! Roheitsdelikte nehmen überhaupt in der so frommen Umgegend von Wetzlar in unheim⸗ licher Weise überhand. Handelte es sich doch bei der Wetzlarer Straskammersitzung am Mitt⸗ woch in sämmtlichen Straffällen un Messer⸗ stechereien und es wurde auf hohe Strafen er⸗ kannt. Zunehmende Verwilderung trotz der „tief religiösen“ Gesinnung der Bevölkerung. Freilich kann bei unserer heutigen Mordkultur derartiges nicht ausbleiben. Solange Barberei und Hunnenthun als 1 10 und vorbildlich hingestellt wird, Priester die Mordwaffen segnen, kann man eine Hebung der Sitten nicht er⸗ warten. 2 —— ——— ———— sierten 0 Hewer Sele 0 Tanten Woche d. lung un 1155 9 f Dee 6 das But schn set Zustand. 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Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 31. Januar 1901. — Gewerkschaftsfest. Wie schon mehr⸗ fach an dieser Stelle und auch durch Inserate bekannt gegeben ist, findet am Sonntag, den 3. Februar er., in den Sälen des Café Quentin dahier das diesjährige Winterfest zer Gewerkschaften statt. Das Programm ist sehr reichhaltig und gut gewählt.— Da dieses Fest hauptsächlich auch zur Agitation für die großen Ziele der Gewerkschaften dienen soll, so muß am Sonntag, speziell für alle organi⸗ sterten Arbeiter die Parole lauten: Auf, zum Gewerkschaftsfest! f — Kommunales. Eine sehr wichtige Tagesordnung beschäftigte am Freitag voriger Woche die hiesige Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lurg unter Vorsitz des stellvertretenden Vor⸗ stehers Gleim. Beim ersten Punkte handelte es sich um den Umbau des Kiliangebäudes. Dieses Gebäude, in welchem sich gegenwärtig das Bureau der Ortskrankenkasse befindet, ist schon seit längerer Zeit in einem jammervollen Zustand. An vielen Stellen dringt das Regen⸗ wasser durch, die Treppen sind so abgenutzt, daß sie nur mit Lebensgefahr passiert werden können, außerdem mangelt es soust noch an Mancherlei. Trotz alledem wurde vor einiger Zeit eine Klasse der Mädchenbürgerschule dort⸗ hin verlegt, weil durch eine Klassenteilung in der städtischen höheren Töchterschule eine Klasse in das neben dieser befindliche Gebäude der Mädchenbürgerschule verlegt wurde. Dieser unwürdige Zustand wurde erst durch öffentliche Kritik beseiligt. Die betr. Klasse kam danu in das Realschulgebäude. Neuerdings hat wieder eine Klassenteitung in der höheren Töchterschule stattgefunden, darum sollen zwei weitere Klassen der Mädchenbürgerschule in das Kiliansgebäude verlegt werden, bis der Bau eines neuen Schul⸗ hauses vollendet ist. Kostenanschlag 1250 und 1300 Mk. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß vor dem Jahre 1903 nicht an die Erbauung eines neuen Schulhauses zu denken sei. Es wurde darauf die Instandsetzung des Kilian⸗ gebäudes beschlossen. Hoffentlich gilt dieser Beschluß auch für das Aeußere des Gebäudes, welches in seinem jetzigen Zustande, speziell als Schulhaus, einen sehr traurigen Anblick gewährt. — Nach Erledigung einer Reihe minder wichtiger Punkte schritt man zur Verhandlung über den Antrag bezüglich des Umbaues des Nor d⸗ bahnhofes, worüber sich eine längere, sehr lebhafte Debatte entspann. Das Magistrats⸗ mitglied Reg.⸗Baumeister Sardemann hatte beantragt, diesen Gegenstand auf die Tagesord⸗ uung zu setzen, damit ihm Gelegenheit gegeben werde, die gegen ihn in Versammlungen und im Publikum gerichteten Angriffe zurückweisen zu können. Er wies in einer langen Erklärung die Vorwürfe, er benütze seine amtliche Thätig⸗ keit für die Ebsdörfer Bahn zu Privatspekula⸗ tionen u. a. m., entschieden zurück und forderte schließlich den Stadtverordneten Ber dux, welcher ihn hauptsächlich angegriffen hatte, auf, seine Gewährsmänner zu nennen.— Berdux hält seine Behauptungen aufrecht und als schließ⸗ lich, in der Hitze des Wortgefechts, ihm mit dem Staatsanwalt gedroht wurde, erwiderte er in sehr heftiger Weise, man möge ihm nur mit dem Staatsanwalt kommen.— Das sind ja recht nette Dinge, die sich da auf unserem Rathause abspielen; wir sind wirklich neugierig, wie sich die Sache gestalten wird. Eine Auf⸗ klärung thut hier dringend not. — Auf der Station Amalienhütte der Cölbe⸗Laaspher Eisenbahn wurde ein Schaffner, der einem Arbeiter 5 Pfg. für die zuviel ge⸗ fahrene Strecke abverlangte und deshalb mit ihm in Wortwechsel geriet, von diesem mit einem Messer in den Kopf gestochen und schwer verletzt. Kleine Mittheilungen. ** Eiseubahner-Loos. Einen schreck— lichen Tod erlitt der Heizer Hofmann in Dillenburg. Er war mit der Revision seiner Maschine beschäftigt, als auf dem Nebengeleise ö vorüberfuhr und ihm den Kopf abriß. ** Ungetreuer Hüter. Als der auf dem Hofgute Kolnhausen bei Lich in Diensten stehende Schäfer am Morgen des 23. den Schaafstall öffnete, fand er eine große Zahl Schaafe, im Ganzen 36 Stück, verendet vor. Der Hund hatte sich während der Nacht losgerissen und drei Schaafe zerfleischt. Die andern drängten sich jedenfalls aus Angst so ineinander, daß sie erstickten. Christliche Meuscheufreundlichkeit. Aus Straßebersbach berichtete vorige Woche das„Herborner Tageblatt“:„Am Tage nach den verflossenen Weihnachten war der Hirte der Kolonie Sohl, die ungefähr 1¼ Stunde von hier entfernt liegt, im hiesigen Ort und kaufte Holzschuhe ein. Er kam nicht wieder nach Hause zurück. Gestern wurde er von 2 Leuten aus Fischelbach im Staatswald, abseits vom Wege nach Sohl, erfroren aufgefunden. Der Leichnam war von Raubzeug im Gesicht und an den Ohren angeschnitten. Die damals ge— kauften Schuhe hatte er noch umhängen. Der Mann soll aus Holzhausen im Hickengrund stammen. Christeupflicht der Einwohner von Sohl wäre es gewesen, nach dem Verbleib des Vermißten zu forschen und zu suchen, aber nicht dem Geschick und Zufalle länger wie 3 Wochen alles anheim zu geben.“ Jawohl, meistens glauben eben die„Christen“ ihre Pflicht mit Singen und Beten erfüllt zu haben, unterlassen es aber, dem Nächsten zur Hilfe zu eilen. Und in dieser Gegend grasstert die Muckerei ganz besonders. Sine Militäctragödie. Vorige Woche wurde der Rittmeister v. Krosigk des in Gumbinnen garnisonie⸗ renden Dragonerregiments erschossen. Nach einem Scharfschießen ließ er in der Reitbahn eine Abteilung reiten und schoß dabei, um die Pferde an den Knall zu gewöhnen, mit Platz patronen mittels eines Revolvers, als plötzlich durch ein Guckloch der Seitenwand ein scharfer Schuß fiel. Krosigk konnte noch den neben ihm stehenden Wachtmeister fragen„haben Sie geschossen“ und brach dann, durch die Brust getroffen, zusammen. Der Tod trat sofort ein. Unter dem Verdacht des Mordes ist ein Unter— offizier der vierten Eskadron verhaftet worden, der schwer belastet sein soll. Er soll nicht nach— weisen können, wo er während der Mordthat sich aufgehalteu. Der Ermordete stand unmit— telbar vor seiner Versetzung, er sollte in das Leibgarde-Husarenregiment nach Potsdam kom⸗ men. Früher war v. Krosigk Rittmeister beim 10. Husarenxegiment in Stendal, und auch dort schon war, ebenso wie vor einigen Jahren in Stallupönen, auf ihn geschossen worden. Der Rittmeister v. Krosigk gehört zu den bei den „Mannschaften“ unbeliebtesten Vorgesetzten des Regiments. Genosse Wiemer in Nürnberg, der vor einigen Monaten auf die aus Rache erfolgte Denunziation seines früheren„reundes Teufel hin wegen Unterschlagung zu vier Mo— naten Gefängnis verurteilt wurde, trotz der Feststellung, daß Wiemer den Verein auch nicht um einen Pfennig geschädigt hatte, ist kürzlich von dem betreffenden Krankenunter⸗ stützungsverein(Frauenstift) mit dreiviertel Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt worden.— Die„Hessische Landeszeitung“ meint, das wäre ebenso zu verurteilen, als die Wiederwahl des Anutisemiten Hartwig in Dresden. Das stimmt nicht. Wiemer steht trotz der Verurteilung makellos da, Hartwig eben nicht. Geborstene Säule des Autisemitismus. Die Verhaftung eines Antisemitenführers erregt nach dem„Berl. Tagebl.“ in kaufmänni⸗ schen Kreisen großes Aufseben. Der Verhaftete ist der Kaufmaun Friedrich Pape, der Vor⸗ sitzende des Gaues Brandenburg vom Verbande deulscher Handlungsgehilfen, und als solcher natürlich ein Antisemitenführer. Er war Stadt⸗ reisender der in der Wallstraße domizilierenden Großfirma für Landesprodukte Albert Metzdorf u. Sohn, die ihm gleichzeitig die Einkasste ung der aus seinen abgeschlossenen Geschäften fließen⸗ den Gelder übertrug. Pape, der im Alter von 33 Jahren steht und Vater von 6 Kindern ist, hat große Beträge der einkassierten Gelder— angeblich über 3500 Mk.— unterschlagen und in seinem eigenen Interesse verwandt. Eingesandt. Herr Redakteur! Ihrer Rüge, über die recht unleidlichen Zu⸗ stände in der staatlichen Steuereinnehmerei in Gießen, welcher Sie in Nr. 4 Ihrer geschätzten Zeitung Ausdruck gaben, kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Es herrschen dort in der That Zustände, wie sie Einsender dieses, welcher schon in mehreren deutschen Bundes⸗ staaten Steuern zu bezahlen das zweifelhafte „Vergnügen“ hatte, nirgends getroffen hat. Der Beamte in Gießen ist wirklich dem Pu⸗ blikum gegenüber von bezaubernder Liebens⸗ würdigkeit!— Aussprüche wie: Man meint man wäre im Kuhstall! Bodenlose Frechheit! Wollt ihr ruhig sein sonst— die Gensdarmerie ist ganz in der Nähe! Bezahlt eure Steuern im Anfang des Monats usw., sollen jedenfalls das Steuerzahlen angenehmer machen! Es wäre wohl an der Zeit, daß die Re⸗ gierung dem Beamten klar machte, daß er des Publikums wegen da ist und demgemäß etwas zartere Saiten aufzuziehen hat; sintemal doch auch er diesen Steuergroschen seine gut bezahlte Stellung verdankt! was zudem die Bemerkung dieses Herrn, die Steuern am Anfang des „Monats“ zu bezahlen, anbelangt, so bin ich der Meinung, daß ihn dies gar nichts angeht, da er auch am Schlusse des Monats seinen Dienst zu thun hat und mehr wird von ihm nicht verlangt. Gewiß giebt es einige wohlhabende Leute, welche im Anfang des Monats bezahlen könnten und nur um der Prozente willen das Geld so lange wie möglich zurückbehalten, aber die große Masse besteht doch aus Arbeitern und Hand⸗ werkern, welchen es jetzt im Winter doppelt schwer wird, ihren Verpflichtungen nachzu⸗ kommen! Ein Steuerzahler. Versammlungs⸗Kalender. Sa mstag, den 2. Februar. Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Generalversammlung bei Orbig. Tagesordnung: Vorstandswahl, Kreiskonferenz, Wahl der Delegirten. Gießen. Tapezierer⸗Verband. Abends 9 Uhr bei Löb(Wiener Hof). Tagesordnung: 1. Bericht von der Gau⸗Konferenz in Offenbach(Referent Kol. E. Laudenbach), 2. Diskussion, 3. Verschiedenes. Pünktlich und vollzählich erscheinen! Sonntag, den 3. Februar. Trohe. Arbetterbildungs verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Gastwirt Schwarz Wttw. T.⸗O.: Kreiskonferenz und Deleg iertenwahl. Lollar. Oeffentliche Versammlung der Hilfs⸗ arbeiter abends ¼7 Uhr bei Gastwirt Weinrich. Montag, den 4. Februar. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag den 5. Februar. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 9. Februar. Lauterbach. Wahlverein. Abends 8½ bei Kaut Versammlung. f Giessener Kladitheater. Sonntag, den 3. Februar 1901, Der Raub der Sabhinerinnen. (Diese Vorstellung findet in der Turnhalle statt.) Montag, den 4. Februar 1091, Galceotto. Dienstag, den 5. Februar 1901, Der Maun im Monde. Mittwoch, den 6. Februar 1901, Flachsmann als Erzieher. Freitag, deu 8. Februar 1901, Die Karlsschüler. 8 5 S . 7 2 2 8 * 9 N FF e S * Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. N Nr. 5. Seite 6. Unterhaltungs-Teil. 5 1 8.—— ͤ——— 8 A Liberal. Du bist nicht klug, du bist nicht dumm, Du bist nicht grad, du bist nicht krumm, Du bist nicht schlecht, du bist nicht gut, Hast weder kalt's, noch warmes Blut. Du liebst die Freiheit nur für dich, Du übst die Knechtschaft— gegen mich; Nach oben bückst den Rücken du, Nach unten schärfst die Krallen zu. Und Gleichheit willst für Jedermann, Der solche Gleichheit achten kann, Wo Einer schafft, der Andre praßt, Wo Eine blüht, die Andre blaßt. Und Menschenliebe übst du auch, Doch darf's nichts kosten deinen Bauch— Dein Schwert ist stumpf, dein Witz ist schal; Wie ist dein Name:„Liberal!“ W. Hasenklever. Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel. Keine menschliche Seele war in den Gassen des Bergvorfes zu erblicken und anstatt der Kinder spielte der Westwind in ihnen und wirbelte den Staub auf. Man hätte das Dorf für aus⸗ gestorben halten kännen, wenn nicht aus den meistens einstöckigen Häusern, die mehr oder weniger verkommen aussahen, das dumpfe, man⸗ nigfache Geräusch der Arbeit vernehmbar ge⸗ wesen wäre. Allerwärts pochte und hämmerte es hinter dem kleinen, glanzlosen Fenstern. Die Judustrie hatte den kargen, steinigen Boden, dem der Schweiß des Laudmannes keine Ernte abzugewinnen vermochte, in Besitz genommen. Nirgends ragten jedoch die schlanken, hohen Schlote von Fabriten zu dem grauen Septem⸗ berhimmel auf; die Menschen, die hier, unweit der Landesgrenze, hausten, rangen mit dem er⸗ barmungslosen Dampf und der Maschine um ihr Dasein durch die Handarbeit. Ein ver⸗ zweiselter, aussichtsloser Kampf! Die Mehrzahl von ihnen bestand aus Schachtelmachern, auch Puppen wurden bossiert, angestrichen, bekleidet, und Geigen und Flöten angefertigt. Die Luft im Gebirge war kräftig und rein: aber die Leute hatten keine Zeit, sie einzuatmen. Vom kühen Morgen bis in die sinkende Nacht saßen sie Tag für Tag in den Stuben, die von den Aus ünstungen der Menschen und dem Geruch des Gewerbes erfüllt waren, zusammengepfercht, Eltern und Kinder, schnitzten, malten, leimten, hämmerten. Die Geißel der Not trieb lie unbärmherzig an. Unzerreißbar war die Hungerketie, die sie alle an die Galeere der Ar⸗ beit schmiedete. Alle diese Menschen, Groß und Klein, hatten ein hungerblasses, kränkliches Aus⸗ sehen, wie Pflanzen, die in einem Keller er⸗ wachsen sind. Auch in der Stube des Schachtel⸗ machers Thiemann gab es keine rote Wangen, keine strahlenden Augen. Die Familie bestand außer den Eltern aus einem Sohne und einer Tochter, die bereits erwachsen waren, und drei jüngeren Mädchen von 12, 10 und 6 Jahren. Die Mutter und ihre alteste Tochter, Guste leimten die Läuse, Vater und Sohn fertigten die Böden und Deckel an, die jüngeren Mädchen setzten sie ein und schlossen die Schachteln. Das kleinste Kind that dieselbe Arbeit an den Schächtel⸗ chen für Safran, Salben, Pomade, wozu kleine, feine Finger als Werkzeug unerläßlich sind. Die Zahl der fertigen Schachteln vermehrte sich wie durch Zauber, und dennoch, wenn der Vater am Abend den Extrag eise ac tzehnstün⸗ digen Arbeit überschlagen wird, wird er zufrieden sein, 50 Pfennige verdient zu haben— fünfzig Pfennige, um sieben Menschen zu erhalten! Guste war von den Geschwistern die Aelteste. Sie hatte reiches, blondes Haar, das nur nach⸗ lässig aufgesteckt war. Es fehlte ihr die Zeit, und es sorgfältig zu ordnen, und wohl auch der An⸗ trieb dazu. Aber so war es nicht immer ge⸗ wesen. Damals hat sie Freude an dem schönen Haar gehabt; damals hatte es geschienen, als ob ihre hageren Glieder sich rundeu wollten und des junge Blut hatte einen rosigen Hauch, frei⸗ lich nur einen ganz leisen Hauch über ihre eben⸗ mäßig gebildeten Züge verbreitet; damals hatten ihre blauen Augen geglänzt und ihre schmalen, blutarmen Lippen das Lachen gekannt. Menschen⸗ frühling! Herzensfrühling! Aber der Reif der Not und des Weh's hatten die Blüte des einen wie des andern verkümmert. Sie zählte kaum vierundzwanzig Jahre, sah jedoch älter aus. Sie hatte die Gewohnheit, die Brauen zusammen⸗ zuziehen und die Lippen fest zu schließen, was ihren Mienen einen mehr trotzigen als entschlos⸗ senen Ausdruck gab. Auch jetzt stand eine Falte auf ihrer schmalen Stirn, über die das Haar wirr hereinhing, während sie mit einer fast fieberhaften Hast arbeitete, bis der schwin⸗ dende Tag eine Pause erzwang. Da holte ste sich aus der Stube nebenan, welche der ganzen Familie zum Schlafraum diente, ein Tuch nnd warf es uber Kopf und Schultern. „Ich bin gleich wieder da, Mutter“, sagte sie und verließ das Haus. Der Vater machte ein verdrießliches Gesicht. „Was das dem Alten helfen soll? Und sie ver⸗ saumt darüber die Arbeit. Vor einer Stund' kann sie nicht wieder hier sein.“ „Laß sie doch“, beschwichtigte ihn die Frau. „Sie hat vorgearbeitet und wird's wieder ein⸗ bringen. Dem alten Mann thut es gut und ihr auch, wenn—“. Sie brach mit einem Seufzer ab. „Wenn ihr Weiber nur eins schwätzen könnt, darüber geht Euch nichts“, murrte noch der Mann, erhielt aber keine Antwort. Guste Thielmann huschte unterdessen durch die öde Dorfgasse und zwischen zwei Zäunen fort, an deren Ende ein Fußpfad zu Thal führte. Auf den Bergen lag seitwärts noch das letzte Tageslicht, aus der Ebene begannen die Herbst⸗ nebel empor zu wallen. Die Luft war rauh und feucht, wie sie es sonst gegen Ende des Oltober zu sein pflegt. Es war ein ungewöhn⸗ lich nasser und kalter Sommer gewesen und der Herbst trug denserben Charakter. Dunkelgraue Regenwolken zogen in die Ebene hinaus, wo Guste Thiemann hier und dort ein Licht auf⸗ kommen sah. Es mochte von den Abendfeuern herrühren, die in den Insthäusern des Ritter⸗ gutes Friedenau angezündet worden. Den Hof selbst verbarg der hastig Fortschreitenden noch eine Berglehne zu ihrer Rechten. Jetzt tauchte das Herrenhaus auf und Guste blieb eine Se⸗ kunde lang stehen. Sämmtliche Fenster des zweistöckigen Hauses oder Schlosses waren hell erleuchtet. Guste dachte an ihr eigenes Heim, wo die Mutter unterdessen wohl die qualmende Petroleumlampe angezündet hatte und die Ar⸗ beit wieder aufgenommen wurde. Langsamer ging sie weiter. Sie trat in eine der ersten Gutskaten.„Ist Keiner da?“ fragte sie, die Stube öffnend, in der es dunkel war. Eine männliche Stimme antwortete:„Ja, ich bin hier!“ „Und noch im Finstern?“ „Ach, Du bist's, Guste?“ ertönte wieder die⸗ selbe Stimme, dieses Mal jedoch wie mit einem frohen Klang.„Ich kann auch im Finstern mein Gliederreißen fühlen. Wart', ich will Licht machen.“ Guste hieß ihn ruhig sitzen bleiben. Sie mußte wohl sehr bekannt in der Stube sein; denn sie fand ohne Mühe das Feuerzeug auf der vorspringenden Leiste über dem Kochkamin in der Wand. N „Ihr habt keinen Brief, Vater Balk?“ fragte sie, Stahl und Stein handhabend. „Nichts! Sonst wär' ich schon zu Dir rauf⸗ gekommen. Aber seine Zeit ist jetzt bald um.“ „Gott geb's!“ seufzte sie.„Aber wer weiß—“ Der Zunder hatte gefangen. „Ach ja, wer weiß?“ ächzte auch der Mann und fuhr fort, als das blaue Flämmchen des Schwefelfadens sichtbar wurde:„Steck' man gleich das Holz auf dem Herd an! Ich hab's schon zurechtgelegt, als es noch hell war. brauch' kein anderes Licht.“ Ich Sie verfuhr nach seinen Worten. Das Reisig war aber feucht, und sie mußte ihre Lungen anstrengen, ehe es Feuer fing. Die Anstrengung und der Rauch verursachten ihr einen schmerz⸗ haften Husten und sie preßte die Hand auf die flache Brust. Der Mann hatte sich unterdessen von der Bank bis an dem kalten Ofen, wo er bisher gesessen, mühsam erhoben und sich einen Stuhl so nahe wie möglich an den Herd gerückt. Mit einem tiefen Aufatmen ließ er sich nieder und breitete die hornartigen Flächen seiner erd⸗ farbenen Hände gegen das Feuer aus, dessen Schein über ein von Runzeln und Furchen zer⸗ pflügtes Gesicht flackerte. Lange, graue Bart⸗ stoppeln starrten um Lippen, Kinn und Wangen. „Ah, das thut wohl! Wie gut von Dir, daß Du wieder einmal gekommen bist,“ sagte er nach einer Weile und richtete das rechte Auge freundlich auf seine Besucherin. Auf dem linken Auge war er seit einiger Zeit erblindet. „Ihr wißt schon, daß ich gern komme, wenn ich kann,“ versetzte das Mädchen.„Aber ich muß gleich wieder gehen.“ Sie sah in den Kessel, der an einer Kette über dem Feuer hing, und als sie ihn mit Wasser gefüllt fand, blickte sich in der Stube um, ob ihr Hülfe irgendwo not thäte. Das Bett war noch nicht gemacht — Balk, der Wittwer war, machte es sich so selten wie möglich— und sie begann es zu ordnen. Plötzlich hielt sie aufhorchend inne: auf dem Dache zischte und rauschte es mächtig. „Herr Gott, wie das wieder regnet!“ „Und dabei soll einer sein Gliederreißen los werden,“ grämelte Balk.„Bei dem Unwetter 111 Du nicht fort. Na, es geht wohl bald über.“ Guste sah ein, daß sie es abwarten mußte, wie unangenehm ihr auch die Verzögerung ihrer Heimkehr war. Sie setzte sich auf einen Schemel neben den Alten.„Und auf dem Schloß scheint es wieder einmal hoch herzugehen,“ sagte sie, die Gedanken an die Ihrigen abbrechend, oder richtiger, sie durch den Gegensatz, der sich in ihrer Frage unwillkürlich verriet, vollendet. „Na und ob, aber heut ist's was Besonderes,“ versetzte Balk, und indem er sich aus seiner zusammengekrümmten Haltung ein wenig auf⸗ lichtete, fuhr er fort:„Dem gnädigen Herrn sein Aeltester, der Premierlieutenant, ist gestern angekommen und auch der Andere, wo Student in Berlin ist. Der Lieatnant hat seine Braut mitgebracht, ich war just auf den Hof, als der Wagen kam, der sie von der Station geholt hatte. Es ist ein jüdisches Weibsbild, was er heiratet, und sie sagen, daß es unmenschlich reich ist. Und er ist nicht älter als mein Wilm! Sie haben zusammen als Kinder gespielt und sich geprügelt, wie es kam. Der Wilm war immer der Stärkere, und der Junker Adolf, was jetzt der Lieutenant ist, hat seine Faust manches liebe Mal zu fühlen gekriegt. Aber so geht's, auf dem einen trampeln sie herum und der Andere heiratet den Geldsack.“ Er seufzte. In den blauen Augen Guste's aber, die ihm gespannt zugehört hatte, blinkte es ein wenig spottisch. Die Erinnerungen, die der alte Tagelöhner zurückrief, gemahnten sie an einen Auftritt, bei welchem sie die Ursache gewesen, weshalb Wilhelm Balk den jetzigen Lieutenant von Rönberg unbarmherzig zerbläut hatte. Damals war derselbe ein frischgebackener Fähnrich gewesen und hatte auf dem Gute seines Vaters und deren Umgegend auf die Mädchenjagd sich eingeübt. Kühn und verwegen war er auch Gusten's Spur gefolgt, aber er war dabei nicht besser fortgekommen. Auf den Hülferuf der Geängstigten war Wilm Balk her⸗ beigesprungen und hatte die Liebesglut des jugendlichen Herrn Barons durch einen Hagel von Faustschlägen abgekühlt. Aus dieser Helden⸗ that war zwischen dem schwachen halbwüchsigen Mädchen und den Buben eine innige Freund⸗ schaft entsprungen. (Fortsetzung folgt.) Der Militarismus selber ist es, der bald nicht mehr wird weiter können, weil er des Guten bereits zuviel gethan hat und an Hyper⸗ trophie(Uebersättigung) leidet. ö B. Carneri. —— gelragel, figen Sch nichts.— gaht, zelt Welt“ der 5 s für die! Landbest europa helobt. entzüdt, so wet! seiner Volk be tau Ae! Genies den, in habenen helstimn (Das h Ungefe pheten bo Diese; indem er sachen se ständen d Wir hürf unsern Les im Folgen Wie! d schen Kön König Lu fürsen der in se auszuseze dellscher 4a schon; lee selb mächtiger des 5 fran furfürt; sich mit f betrat he Juschen,! 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Jeder vernünftige Mensch weiß, daß ein Ein⸗ zelner und sei er der Mächtigste, nicht im Stande ist, die Geschicke eines großen Volkes wesent⸗ lich zu beeinflussen. Zur kulturellen Hebung der Preußen und Deutschen haben aber die preußischen Könige das Allerwenigste bei⸗ getragen. Daran ändern auch die ordenssüch⸗ tigen Schweifwedler mit ihren Verhimmelungen nichts.— Wie weit die Anbetung im Staube geht, zeigt ein Artikel der Zeitschrift„Vornehme Welt“ der also endigt: „Die Vorliebe des Monarchen(Wilhelm II.) für die deutsche Flotte, für Gewinnung von Landbesitz und Einflußsphären in den außer⸗ europäischen Kontinenten ist bekanut und viel belobt. Seine blendende Erscheinung entzückt, sein Wort gilt als ein gewichtiges, so weit die Sonne scheint. Von dem Tritt seiner Füße bebt die Erde, und sein Volk beugt, in schweigender, wiewohl staunender Bewunderung seines Genies, gas Haupt vor ihm zu Bo⸗ den, in stummer Verehrung, dem er⸗ habenen Grundsatz seines geliebten Monarchen beistimmend: suprema lex regis voluntas.“ (Das höchste Gesetz ist des Königs Wille.) Ungefähr in derselben Weise reden die Pro⸗ pheten vom allmächtigen Gott!— Diese Lobhudeleien dämpfte der„Vorwärts“, indem er an der Hand geschichtlicher That⸗ sachen schilderte, wie und unter welchen Um⸗ ständen das Königreich Preußen entstand. Wir dürfen diese historischen Erinnerungen nsern Lesern nicht vorenthalten und geben sie im Folgenden wieder. Wie die Krone erworben wurde. Der erste Anstoß zur Erwerbung der preußt⸗ schen Königskrone ging von dem französischen König Ludwig XIV. aus. Er riet dem Kur⸗ fürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der in seinem Solde stand, sich die Königskrone auszusetzen, um so das heilige römische Reich deutscher Ration noch mehr zu zerrütten, als es schon zerrüttet war: je mehr das Reich in kleine selbständige Staaten zerfiel, um so ohn⸗ mächtiger war es gegen die Eroberungsgelüste des französischen Despotismus. Jedoch der Kurfürst Friedrich Wilhelm, so unbedenklich er sich mit französischem Golde für seinen Reichs⸗ verrat bezahlen ließ, hatte Verstand genug, ein⸗ zusehen, daß die Königskrone für sein blutarmes Ländchen von noch nicht zwei Millionen Ein⸗ wohnern eine wnerträgliche Last sein würde, und daß er mit guten Finanzen und Soldaten mehr in europäischen Staatenkonzert bedeute als mit dem leeren Prunk eines königlichen Hosstaats. Diese bescheidene Einsicht vererbte sich leider nicht auf seinen Sohn, den Kurfürsten Fried⸗ rich III., einen kleinen verwachsenen Mann, von ungemessener Eitelkeit, aber höchst bemessenem Verstand. Sein einziges Trachten ging nach der Königskrone, obgleich ihm seine Minister, keineswegs aus idealen Beweggründen, aber aus der ganz„realpolitischen“ Erwägung her⸗ aus, daß eine Haud voll wirklicher Macht immer noch besser sei als ein noch so blendender Schein von Macht, dringend abrieten. Nach endlosen Jutriguen, und nicht ohne Hilfe von Jesuiten, erteilte der habsburgische Kaiser im November 1700 endlich die Erlaubnis, daß der Kurfürst sich in dem Herzogtum Preußen, das nicht zum Deutschen Reiche gehörte, als König krönen lassen dürfe. Hauptgrund seiner Nachgiebigkeit war, daß er die braudenburgischen Truppen für seine habsburgischen Hauskriege brauchte. In der That mußte Friedrich III. auf eine Reihe von Jahren hinaus jede selbständige Politik aufgeben und sich ohnmächtig in die wohlwollende Gnade seiner Nachbarn schicken, für den Genuß, den König zu spielen; die brandenburgischen Landeskinder verbluteten der— weil auf den Schlachtfeldern des spanischen Erbfolgekriegs, der sie in aller Welt nichts anging. Die Krönung am 18. Januar 1701. Kaum hatte der Kurfürst den sogenannten Kronenvertrag vom 16. November 1700 in der Tasche, als er sich mitten im Winter auf den Weg machte, um sich in Königsberg krönen zu lassen. Es war eine der größten Kavalkaden, die Deutschland je gesehen hatte. Um sich über⸗ haupt fortbewegen zu können, mußte sie in vier Abteilungen zerlegt werden; außer den aus Berlin mitgeführten Pferden waren 30000 Vorspannpferde nötig, die natürlich die armen Bauern liefern mußten. Am 17. Januar stiftete der Kurfürst den hohen Orden vom Schwarzen Adler, als erster Ordenskanzler fungierte der Graf Kolb von Wartenberg, von dem wir gleich mehr hören werden. Am 18. Januar erfolgte dann die Krönung, in deren Schneiderpracht der Leser vielleicht einen flüchtigen Blick thun mag:„Der König trug ein Scharlachkleid, dessen Knöpfe Diamanten, je 3000 Dukaten an Wert, waren, und einen Mantel von purpurfarbenem Sammt. Der Mantel war über und über mit in Gold gestickten Kronen und Adlern bestreut und wurde von einer prachtvollen Agraffe von drei großen Diamanten, eine Tonne Goldes Wert, zusam⸗ mengehalten. In diesem Ornat bestieg der König den Thron im Saale des Königsberger Schlosses und setzte sich die vom Oberkammer⸗ herrn v. Kolb auf den Knieen präsentierte Krone auf. Nach diesem Akte der Selbstkrönung begab er sich in die Zimmer der Königin, um diese zu krönen. Sie trug ein Kleid von Goldstoff, mit Ponceaublumen durchtränkt, an dem alle Nähte und die ganze Brust mit Diamanten be⸗ deckt waren, dazu trug sie noch rechts an der Brust einen Strauß der schönsten Perlen und übrigens einen Purpurmante“ mit goldenen Kronen und Adlern, ganz wie der König. Die Krone empfing sie von ihm knieend, aber mit völliger Unbefangenheit, daß sie während der langweiligen Zeremonie durch eine Prise sich eine angenehme Zerstreuung zu machen versuchte, was der grabitätische König sehr übel vermerkte und dem Unterfangen durch eine Zurecht⸗ weisung seinen wohlverdienten Lohn zukommen ließ.“ Nach der Beschreibung der kirchlichen Einsegnung, die darauf folgte, wird der Leser wohl kein Verlangen tragen. Dann aber wurde die neue Krone durch prunkende Feste ununterbrochen bis zum 8. März verherrlicht; in Anreden und Predigten wurden teils biblische, teils griechisch⸗römisch⸗mythologische Groteskbilder nach dem Bombaststil der Zeit in überschwenglicher Fülle ausgespendet, der neue König unaufhörlich als„zweiter Salomo“ gefeiert. Für die Rückreise brauchte er uater unaufhörlichen Schwelgereien reichlich zwei Monate; erst am 6. Mai zog er durch sieben Ehrenpforten in Berlin ein. Nun folgten neue Feste und Lustbarkeiten, bis am 22. Juni ein großes Dank⸗, Buß- und Betfest den ganzen Trubel beendete, der dem ausgesogenen Lande mindestens sechs Millionen Thaler gekostet hat, was damals natürlich eine ganz andere Summe bedeutete als heutzutage. Der neue Salomo. Der König Friedrich J. füllte seine Tage nunmehr mit dem lächerlichsten Etikettewesen aus, nach dem Muster des französischen Hofes. Während an diesem Hofe aber doch immer noch große politische Interessen mitspielten, fehlten sie gänzlich am preußischen Hofe, der ja eben auf die Politik verzichtet hatte, um mit der Krone zu spielen. Die niedrig en Kabalen des Hofgesindes drängten sich um den neuen Salomo, der darin vergnügt als in seinem eigenstem Element plätscherte. Seinen Oberkammerherrn, den Grafen Ko b von Wartenberg, besoldete er mit einem Jahres- gehalt von 100000, nach Andern gar 123000, den Obermarschall v. Printzen mit jährlich 40000 Thalern. würdenträgern folgte ein ganzes Gevölk von Kammerherren, Kammerjunkern und Kammer⸗ dienern, die alle für ihr Nichtsthun mit uner⸗ hörten Gehältern belohnt und alle Augenblicke mit der unstnnigsten Pracht neu eingekleidet wurden. Dabei suchte man nicht etwa die An⸗ fänge der preußischen Industrie durch Aufträge zu fördern, sondern bezog all den kostspieligen Tand aus Paris, da der neue Salomo wünschte, das auch das Ausland etwas von seinem splendiden Glanz abbekäme. Wenigstens an einer Probe mag gezeigt werden, wie er sich huldigen ließ. Als seine erste Enkelin getauft werden sollte, befanden sich die Könige von Dänemark und Polen bei ihm zum Besuch. Ein adeliger Höfling verglich nun in einem Gedicht die neugeborene Prinzessin mit dem Christkind und die drei Könige mit den Königen aus dem Morgenland, die gekom⸗ men seien, es anzubeten. Das machte einen so tiefen Eindruck auf den König, daß er dem „Dichter“ ein Geschenk von tausend Dukaten reichen ließ.(Fortsetzung folgt.) Humoristisches. Ein Pechvogel. Einige Tage nach der letzten großen Ziehung der zweiten hessischen Landeslotterie ent⸗ spann sich zwischen zwei Einwohnern eines hessischen Landstädtchens folgendes Zwiegespräch:„No, Hannes, hoste vorgeschtern aach ebbes in de Lotterie gewunne?“ „Ich? Gewunne? Joo, des bassiert mir mei Lebdog net. Waste Philipp, wann emol su e Joahres fuffzeh Zuchthaus zu verluste sein, do sein eich gewiß mit eme Fünftellos debei beteiligt.“ Der Erbpirnz.„Meine Puppe schreit Mama, wenn man sie auf die Brust drückt.“ „Das ist noch gar nichts, wenn ich groß bin, be⸗ komme ich sechzig Millionen Puppen, die schreien Hurra, wenn man sie auf den Bauch tritt.“ 3 Litterarisches. Für Gewerkschaften, Vereine und die Ar⸗ beiter überhaupt hat die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, soeben eine Sammlung: Billige Führer durch die Arbeiterversicherungsgesetze er⸗ scheinen lassen, und zwar je einen Führer durch das a) Invaliden⸗, b) Gewerbe⸗Unfall⸗, c) Bau⸗ Unfall- und d) Farst⸗ und Landwirtschafts⸗ Unfall⸗Versicherungsgesetz. Jedes Heft kostet 25 Pfg. enthält ausführliches Sachregister, Musterformulare, und empfiehlt sich den Arbeitern um des willen, weil der ganze Jahalt des Gesetzes nicht paragraphenweise hergezählt, sondern nach der Materie populär zusammenge⸗ faßt ist, so daß der Arbeiter sofort sich Rat holen kann. Bei der finanziellen Wichtigkeit dieser Gesetzmaterie ist eine genaue Kenntnis der Rechte und Pflichten für jeden Arbeiter unerläßlich. * ** Die Sozialdemokratie in der Gemeinde⸗ vertretung ist eine Frage, die für unsere Partei brennend geworden ist, so daß die sozialistischen Gemeinde⸗ vertreter bereits zu regelmäßigen Konferenzen sich ge⸗ zwungen sehen. Das eben im Verlage der Buchhand⸗ lung Vorwärts in Berlin zum Preise von 50 Pfg. er⸗ schienene Protokoll der 2. Kouferenz sozial⸗ demokratischer Gemeindevertreter der Provinz Brandenburg, die zu Weihnachten in Berlin tagte, ent⸗ hält Referate zu den wichtigsten Fragen, die zur Zeit die Gemeindevertretungen beschäftigten z. B. Kom⸗ munale Wohnungspolitik, Kommunalwahl-⸗ gesetz⸗ Reform, Gesundheitspflege, Landge⸗ meinde ordnung, nächste Aufgaben der sozial⸗ demokratischen Gem eindevertreter usw. Wenn natürlich auch den kleinen Gemeinden nicht so große Aufgaben gestellt sind wie den großen Städten, so bietet doch das Protokoll gleichsam für alle sozialistischen Ge⸗ meindevertreter die Richtschnur, nach der sich ihre Thätig⸗ keit im Kleinen zu richten hat. Wir empfehlen daher das Protokoll unseren Lesern zum Studium und zur Aufklärung. ** Auf das Lieferungswerk: Gesundheitsschutz in Staat, Gemeinde und Familie machen wir unsere Leser wiederholt aufmerksam. Soeben ist das 17. und 18. Heft erschienen. Diese enthalten: Die Wohnungsfrage.— Die Ernährungs⸗ und Verdauungsorgane.— Die Verdauung und ihre Pflege.— Zahn⸗, Mund⸗ und Rachenkrankheiten.— Magen⸗ und Darm⸗ krankheiten.— Bauchfell⸗ und Leberkrank⸗ heiten.— Stoffwechselstörungen.— Die Harnorgane. Diesen beiden obersten Hoch⸗ ———— Seite 8 Mitteldeutsche Sonntaas' Zeitung. Nr. 5. Wir offerieren jede Woche Mitiwoch eintreffend lebendfrische zu billigen Preisen am Platze Ia. Nordsee-Schellsisch, Cabliau, ferner in tadelloser Ware Berliner Rellmöpse mit Gurkeneinlage per Stück 6 Pfg., Holl. Vollhäringe 15 St. 6 Pfg., mar. per Pfd. Russische Sardinen , in Fäßchen 5 79 Ja. 77 Braumschereiger Rohecrurst per Zu. Spec, mager, per Schereine schmal per Pfd. 3. Pfg. 5 Pfund à 32 Pfg. Gebr. Verdur une ffrase 27 Versandt nach Auswärts prompt und Zuverlässig. bei 5 Pfd. Abnahme à Pfd. 6 Pfg., Ju. gar. reines Lindenplatz 12. 40 Pfg., 2.8 Ia. Pfd. 60 Pfd. Wee Bes Justus Benner. Schuhmachermeister, GIESSEN Marktstr. 34. empfiehlt sein reichhaltiges Schuhwaarenlager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Spezialitäten: Arbeiter-Schuhe und Stiefel. Anfertigung nach Maaß, sowie Reparaturen in eigener Werkstätte rasch, gut und billig. SNS ee Jos. Wiesmüller Bahnhofstr. 58. Gießen. 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Concert, Theater, Gesangvorträge, Tanz i Zu zahlreichem Besuch ladet höfl. ein 8 die Gewerkschaftskommission. Eintrittspreise: 1 Karte zum ganzen Fest (1 Dame frei); 1 Karte zur Abendunterhaltung (ohne Tanz) 50 Pfg.(1 Dame frei); jede weitere Dame 20 Pfg. ——ä—V— Donnerstag, den 7. Februar abends puukt 81 Uhr im Saale des Lony'schen Bierkeller, Schanzenstraße Rezitation des Schauspiels „vor Sonnenaufgang“ von Gerhardt Hauptmann durch Herrn Schauspieler Emil Walkotte Karten im Vorverkauf à 20 Pfennig bei Herrn L. Lö b, Wiener Hof, Orbig-Restauration, Rittergasse, Buchhändler Schneider, Sonnenstr., sowie bei den Delegirten der Gewerkschaften Zu zahlreichem Vesuch ladet ein Das Gewerkschafts-Kartell. Fängerkranz, NMieseek Sountag, 3 Februar von abends 8 Uhr au Familien ⸗ Abend bestehend in Concert, Theater und Darstellung lehender Bilder, wozu ergebenst einladet Der Vörstand. Eintritt 20 Pfennig auch für Nichtmitglieder. N l Das 70 Schuhwaarengeschält; von Adolf Beverstein befindet sich jetzt 31 Neustadt 51.3 NMaaenenee * 8 53 5 2 2 2 3 2 2 2288 —— 2 2 2 3 38 3 S 2. 2. 2 2 8 2 2— 32 2 8 8— S 1— — 2 D 8 3 2 2675 2 2 Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantw. Redakteu r: F. A. Velters, Gießen. Druck von E. Ottmanns Druckerei, Gießen. grccheul — de Mit Austräg Durch die die Erpedi — U Gegen Bundes! mitischen bauer i eine Er! in seinen gabe sei Augen zl und feinen 9 einer 3. dabei ge in weiter Ueberzen Nel sell mühevol wenige! daß sie als Vor es ah, zustimm zkigt sic Shmpat ganz na kann, d. wenn d stiegen. bauern Das versamt Verei Haunot dem W