Pf. „ von ößter N n bon bedingt 0 Pf. iupfe, halb⸗ Nr. 40. Gießen, Sonntag, den 30. September 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. utags⸗ Mitteldeuts che . Fe. Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. ——— kitung. Abounementspreis: Bestellungen JInserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbrief Die Frau und die Zeitung. Nicht zu den Genossen, sondern zu den Frauen wollen wir uns heute angefichts des Quar talswechsels wenden. Wir fühlen uns dazu umsomehr veranlaßt, als gewöhnlich die Frauen es sind, die dem Genossen die Sorgen um die Bezahlung der Vereinsbeiträge und der Abonne mentsgelder für die Zeitungen und auch die Wahl einer solchen abnehmen. Leider muß es gesagt werden, daß die Arbeiterfrau als Zensor für ihre Lektüre der Familie sehr oft infolge ihrer— unverschuldeter Weise— mangel⸗ haften geistigen Bildung nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe steht. Es sind manchmal die nebensächlichsten Dinge, die bei der Wahl einer Zeitung für sie ausschlaggebend sind. Ein Haufen Papier, das albernste Waschblatt mit dem fadesten Geschreibsel, sind ihr manchmal lieber, als eine Zeitung, die ausschließlich für den Arbeiter geschrieben. Sie merkt nicht, daß für eine gewisse Sorte von Preßerzeugnissen, die sogenannte„Unparteilichkeit“ nur das Aus⸗ hängeschild ist für die Betreibung des Abonnentenfangs. Mit frecher Stirn schlägt man oft darin ihrem Stande ins Gesicht, um ihm dann wieder einmal einen Köder hinzuwerfen. Und die Frau ist so gutmüihig zu glauben, diese Zeitungen vertreten ihre Interessen. Weit gefehlt. Nein, diese Preßkonglomerate haben nur eigene In⸗ teressen, sie verlörpern das nackte kapita⸗ listische Prinzip, das in dem Arbeiter nicht den denkenden Menschen, sondern nur eine Waare erblickt, aus dem man nach Belieben Kapital schlagen kann. Gerade die Zeitung, die offen und ehrlich für die Verbesserung der Lage der Arbeiterfrau und ihrer Familie kämpft, stößt oft bei ihr auf einen unerklärlichen Wider⸗ stand. Sie denkt nicht daran, daß sie sich damit nur selber schädigt. Hat jemals die Arbeiter⸗ frau in einer gegnerischen Zeitung gelesen, daß sie offen und ehrlich für irgend eine Lohner⸗ höhun g, überhaupt für eine Verbesserung der Lage der Arbeiter eintreten? Hat jemals die Arbeiterfrau in den bürgerlichen Blättern— nur sehr wenige machen eine Aus⸗ nahme— ein offenes Wort über die herrschende Kohlennoth, über die Verthene⸗ rung der noth wendigsten Lebensmittel gefunden? Nur die Arbeiterpresse hat immer ein offenes Wort für all diese Schäden ge⸗ funden, furchtlos und unbekümmert um die Folgen, hat sie die Wahrheit verkündet, hat sie die Juteressen der Arbeiter, ihrer Frauen und ihrer Familien vertreten. Das sollen die Frauen jetzt zum Quartals⸗ wechsel bedenken. Nicht eine seichte, das reine Neuigkeitsbedürfniß befriedigende Zeitung kann sie auf eine Verbesserung ihrer Lebeus⸗ verhältnisse hinwirken, sondern nur dadurch, daß sie die Presse unterstützt, die für die Kleinen und Besitzlosen eintritt. Zu dieser Presse rechnet sich mit Stolz die„Mitteldeutsche Sonntagszeirung. Möge jede Arbeiterfrau durch Abonnement derselben in die Reihen derer treten, die mit ihrem eigenen Stande denken und fühlen, ihn zu heben und zu verbessern suchen. ͤũ»–»ůnᷣÜVn Der Parteitag in Mainz. II. Ueber die Verhandlungen des Parteitages haben wir noch das Folgende nachzutragen. Wir müssen uns dabei Raummangels halber, größtmöglichster Kürze be⸗ fleißigen; diejenigen Genossen, welche die interessanten Erörterungen ausführlicher zu lesen wünschen, verweisen wir auf das demnächst erscheinende Protokoll. Am dritten Verhandlungstage(Mittwoch) wurden zu⸗ nächst eine Reihe kleinerer Sachen erledigt. Ein An⸗ trag, den„Vorwärts“ in eigener Druckerei herstellen zu lassen, wird zurückgezogen, da im Einver⸗ ständniß mit dem Vorstand Verhandlungen nach der im Antrag vorgezeichneten Richtung bereits im Gange sind. Bezüglich der Parteipresse wird gefordert, daß dieselbe Geschäftsempfehlungen solcher Unternehmer, bei denen Streiks ausgebrochen oder Sperren ver⸗ hängt wurden, nicht aufgenommen werden sollen.— Ein weiterer Antrag, dem zugestimmt wird, verlangt, daß die Parteiblätter mehr als wie bisher in ihrem Ju⸗ halt auf die Interessen der Arbeiterinnen Rücksicht nehmen sollen.— Zur Besprechung kom mu⸗ nalpolitischer Fragen, will ein von Frankfurter Delegirten gestellter Antrag eine Monatsbeilage zum„Vorwärts“ geschaffen wissen. Er wird der Partei⸗ leitung zur Berücksichtigung überwiesen.— Folgende beantragte Resolution führt zu einer Er⸗ örterung der Kohlennoth. „In Erwägung, daß durch die ungeheuerliche Ausbeutung des deutschen Volkes seitens der Berg⸗ werksbesitzer und ihrer Agenten eine für weite Kreise der Bevölkerung nahezu unerträgliche Lage auf dem Kohlenmarkt geschaffen worden ist, spricht der Partei⸗ tag die Erwartung aus: 1. daß die sozialdemokratischen Abgeordneten diese Angelegenheit zur passenden Zeit im Reichstage bezw. den Landtagen zur Sprache bringen; 2. daß diese Frage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags gesetzt wird, falls die Lage des Kohlenmarktes sich vis dahin nicht gründlich ge⸗ ändert hat; 3. daß sich die Parteipresse eingehender als bisher damit beschäftigt und die Frage der Verstaatlichung der Bergwerke näher veutilirt.“ Bei Besprechung dieses Antrages erklärte Schöpflin⸗ Chemnitz: Es genügt nicht, die Kohlenbarone anzu⸗ greifen, die Frage der Kohlennoth muß grundsätzlich und wirlsam angefaßt werden. Der„Vorwärts“ hat die Frage der Verstaatlichung einmal nur sehr vorsichtig gestreift, andere Blätter halten sie überhaupt nicht der Erwägung werth. In Sachsen sind jetzt tolle Zustände. Die Panik ist künstlich gemacht. Zwickauer Kohle ist nach Oesterreich ausgeführt und von dort wieder nach Chemnitz eingeführt worden. Auf dem nächsten Parteitag muß die Kohlenfrage einmal gründ⸗ lich angeschnitten werden. Nachdem Abg. Fischer⸗ Berlin die Haltung des„Vorwärts“ in der Frage der Verstaatlichung vertheidigt, führt der frühere Bergmann Abg. Sachse aus: Die Schuld an der Kohlen⸗ theuerung trägt keineswegs der Streik der sächsischen und böhmischen Bergleute. Die Streiks sind verloren gegangen, die Arbeiter haben nichts erreicht. Nach dem Streik aber haben die Kohlenbarone die Preise wesent⸗ lich um 25 Prozent erhöht. Der Verdienst der Arbeiter ist mit erhöhter Arbeitszeit in Sachsen von 1895-98 um 12 pCt. gestiegen, die Dividende sind aber um 180 pet. gestiegen. Die Kohlentheuerung beruht auf einem Raubzug des Vereins für bergbauliche Intere ssen. Protestirt werden muß auch gegen die billigen Eisenbahntarife für die Ausfuhr der Kohlen. Gerade in den fiskalischen Gruben haben die Arbeiter die schlechteste Erfahrungen gemacht. Die Agitation für Verstaatlichung können wir getrof dem Bündler Oertel überlassen. Ich rathe vor von einer Verstaatlichung ab. Unser heutiger St bemächtigt sich nicht der Produktionsmittel, um eine ge rechte Vertheilung der Güter zu bewirken, sondern er würde die Einnahmen nur verwenden für neue Forde⸗ rungen des Militarismus und anderer volksfeindlicher Dinge. Düwell⸗Essen stellt fest: die Kohlengräber haben dieselbe Menge Kohlen gefördert, wie im Vorjahre und noch 5 pCt. mehr Nebenprodukte produzirt. Dabei J Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung träger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33// und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. wird der Abbau immer schwieriger. Die Mehrarbeit ist größer geworden, die Löhne aber find nicht ge⸗ stiegen. Die Resolution findet ein stimmige Annahme. Ebenso wird ein Antrag, den Parteivorstand zu er⸗ suchen, eine umfangreiche Agitation gegen eine Ver⸗ schlechterung des Krankenversicherungs⸗ gesetzes einzuleiten, angenommen. Eine recht lebhafte und interessante Debatte ent⸗ wickelt sich über einen Antrag des Genossen Erdmann⸗ Köln, auf die Tagesordnung des nächstjährigen Partei⸗ tags die Alkoholfrage zu setzen. Der Antragsteller betont, daß der Alkoholismus nicht nur wie die Schwind⸗ sucht ein wirthschaftlicher Schaden, sondern auch ein sütlicher Schaden sei. Es seien nicht nur wirthschaftliche Ursachen, die zum Alkoholismus führen, sondern theil⸗ weise auch ein gewisser Mangel an Pflichtgefühl und Selbstzucht. Die Partei sei die Bekämpfung der Aus⸗ schreitungen des Alkoholismus ihrem moralischen Ein⸗ fluß auf die Massen schuldig. Auch den Dank der Frauen, die unter der Trunkenheit der Männer zu leiden hätten, würde man sich verdienen, wenn diese Frage eingehend behandelt werde. Demgegenüber meint Adler Kiel, er sei auch gegen den Alkohol, aber die Frage sei keine Parteifrage; Alkohol sei Privatsache. Pickelmann⸗München er⸗ klärt unter stürmischer Heiterkeit, die Lage des Arbeiters müssse so verbessert werden, daß er noch eine Maaß Bier mehr trinken könne. Braun⸗Königsberg sagt: Wer in Ostpreußen lebt und mit einer Bevölkerung zu thun hat, die alkoholisch verseucht ist, wird doch anderer Meinung. Der Alkohol ist das Uebel, das uns dort so schwer vorwärts kommen laßt. Agitatorisch ist die Alkoholfrage von großem Werth. Abg. Wurm: Es ist zu unterscheiden zwischen mäßigem Genuß und übermäßigem Genuß. Eine Partei, die fich mit sozialen Dingen beschäftigt, muß sich auch mit der Alkoholseuche beschäftigen. Es braucht nicht durch ein Referat auf einem Parteitag zu geschehen. Wir müssen der Ursache der Schnapsseuche nach⸗ gehen. Der Alkoholismus ist erstens eine Lohnfrage. Die schlechten Löhne zwingen den Arbeiter, billigen Schnaps zu trinken, dann eine Wohnungs frage, die schlechten Wohnungen treiben den Arbeiter in die Kneipen. Ein Mittel zur Abhilfe sind Erholungs- stätten, wo die Arbeiter zum Verzehren alkoholischer Getränke nicht verpflichtet sind. Die in den Kommunal⸗ verwaltungen thätigen Parteigenossen sollten ihr Augen⸗ merk darauf richten. Also keine Sym pf omkuxirerei, sondern das Uebel an der Wurzel fassen. Der Antrag wird ab gelehnt.— Angenommen wird jedoch, auf die Tagesordnung des nächsten Partei⸗ tages die Wohnungs frage zu setzen. Hierauf erstattet Auer Bericht namens der Kom⸗ mission für Ausarbeitung des Organisations⸗ statuts. Er empfiehlt die von der Kommisfion aus⸗ gearbeitete Vorlage, die nur wenig an der des Partei⸗ vorstandes geändert hat und begründet dieselbe ein⸗ gehend. Der Entwurf wird im Ganzen(ohne Ab⸗ stimmung über die einzelnen Paragraphen) ange⸗ nommen. Zugleich wird in einer Resolution die sozialdem. Reichstagsfraktion beauftragt, fortgesetzt und energisch für Beseitigung der die Frauen rechtlos machenden Bestimmungen der Vereinsgesetze hinzu⸗ wirken. Nunmehr folgt Punkt 7 der Tagesordnung: Ver⸗ kehrs⸗ und Handelspolitik. Referent hierzu ist Genosse Abg. Calwer, der eine längere Resolution vorlegt, in der zunächst erklärt wird, daß die gegen⸗ wärtig überwiegend nach fiskalischen Gesichtspunkten ge⸗ leitete, einer einheitlichen Organisation entbehrende Ver⸗ kehrspolitik die Erleichterung des Verkehrs hindere und die Erschließung weiter Gebiete für die Industrie, woraus der Arbeiter sowohl als Producent, wie auch als Verbraucher Vortheile zu erwarten hätte, hemme. Auch die jetzige Hand els politik steuere für das Volk schädlichen Zielen zu. Großgrundbesitzer und Großindustrielle strebten eine Schutzzollpolitik an, demokratische Partei müsse deshal welche die Verbraucher und vornehmlich die Arbeiter- klasse der Preisdiktatur der vereinigten Unter⸗ nehmerklasse hilflos überliefere. Diese Schutzzollpolitik vertheuere die wichtigsten Produktionsmittel und die Lebenshaltung der Ar beiterklasse, infolge dessen wird die Stellung der deutschen Pro⸗ duttion auf dem Weltmarkte beeinträchtigt. Die Sozial- intreten: SSS 2 10 . Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 40. A. 1) Für eine innerhalb des deutschen Wirthschafts⸗ gebietes einheitliche Gestaltung der Verkehrs- politik durch Uebernahme der Eisen⸗ bahnen auf das Reich unter Verwerfung des vornehmlich in Preußen großgezogenen fis⸗ kalischen Verwaltungsprinzips; 2) für weitgehende Ermäßigung der Per⸗ sonentarife zur Verwirklichung des juristisch⸗ formalen Rechts der Freizügigkeit der Arbeiter; 3) für den Ausbau eines deutschen Wasserstraßen⸗ systems, hauptsächlich für den Bau des Mittel- land⸗Kanals, im Nothfalle durch das Reich. B. 1) Für Ablehnung aller Zölle und Zoll⸗ erhöhungen auf Lebensmittel. Für möglichste Beseitigung oder Herabsetzung der bisherigen Zollsätze bei der Neugestaltung des Zolltarifs: 2) für eine Handelsvertragspolitik, die sich das Ziel setzt, die wechselseitigen Handelsbeschränkungen forischreitend aufzuheben und den freien Welt⸗ verkehr zu fördern; 3) für Verwerfung aller zollgesetztichen Maaßnahmen (wie Maximal- und Minimaltarif, Wer thzölle ꝛc.), die einen engeren handelspolitischen Anschluß Deutschlands an andere Staaten erschweren. Vollmar beantragt, in A 1 die Worte„durch Uebernahme der Eisenbahnen auf das Reich“ und in A 3 die Worte„hauptsächlich für den Bau des Mittel- landkanals“ zu streichen. Eingangs seines Referats weist Calwer darauf hin, daß eine hervorragende Arbeiterorganisation, der Berg⸗ und Huttenarbeiter⸗Verband einen schutzzöllnerischen Be⸗ schluß gefaßt habe, dahingehend: Die Reichsregierung ist aufzufordern, die Einwanderung fremdsprachiger Bergarbeiter in die Bergrev iere zu verbieten. Prinzipiell ist gegen den Beschluß nicht viel einzuwenden. Anderer⸗ seits ist nicht zu leugnen, daß andere Leute in der Partei anderer Meinung sind. Hier liegen Gegensätze innerhalb der Pariei vor, die geklärt werden müssen. Wir haben ein Interesse daran, von einheitlichen Auf⸗ fassungen in der Verkehrspolitik auszugehen. Sonst bringen wir es dahin, daß die Arbeiter einiger Distrikte beständig als Lohndrücker gegen die Anderen ausgespielt werden können. Die Löhne der Maurer differiren zwischen 60 und 19 Pfg. pro Stunde. Das Sireik⸗ brecherthum hängt mit diesen Lohnverschiedenheiten eng zusammen. Die vierte Klasse auf den Bahnen ist die Arbeiterklasse. Es fahren 200000 Menschen in der vierten Klasse. Alle diese Menschen fahren sehr langsam, es entgeht ihnen dadurch viel Arbeitsverdienst. Wir sind an einer schnelleren Eisenbahnfahrt für die billigeren Klassen, an billigen Eisenbahntarifen ungemein interessirt. Im Reichstage aber haben wir gehört, daß darauf keine Aussicht ist. Man will die Tarife vereinfachen, aber nicht verbilligen. Aus den Eisenbahnen zieht der Staat seine Haupteinnahmen. Die Tarife sind weiter nichts als eine Verkehrssteuer, die noch schlimmer ist, als die von uns mit Recht bekämpften indirekten Steuern, sie beträgt in Preußen 11 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Vom wirthschaftlichen Standpunkt aus ist es ein Mißstand, daß die Eisenbahnen in Deutsch⸗ land nicht centralisirt sind. Von Reichseisenbahnen will man in Süddeutschland nichts wissen, aber die Frage ist vorläufig nur eine akademische und wird nicht von heute auf morgen erledigt. Gute Gründe pprechen in⸗ dessen für Reichseisenbahnen und sogar in Süddeutschland hat der Gedanke Fortschritte gemacht. Bekommen wir dadurch aber nicht bessere Zustände, als die jetzigen preußischen sind, dann lassen wir es lieber. Redner ging dann über zur Handelspolitik und meinte, man könne nicht immer für absoluten Freihandel sein. Unter Hinweis auf die höheren Löhne und billigeren Lebensmittel in dem schutzzöllnerischen Amerika sucht er gewisse Schutzzölle zu rechtfertigen. Amerika lege einen so hohen Zoll auf deutsche Waaren, daß die hiesigen Fabrikanten sehr billig liefern müßten, um konkurriren zu können, wodurch dann wieder die Löhne gedrückt würden. Wir sind für billige Lebensmittel, aber noch wichtiger sind hohe Löhne. Bezieht der Arbeiter hohe 85 kann er auch etwas für seinen Unterhalt aus⸗ geben. Das Referat, das wir aus den schon angeführteu Gründen nur sehr verkürzt wiedergeben können, verur⸗ sachte eine lebhafte und sehr interessante Debatte, in welcher Calwer von mehreren Seiten vorgehalten wurde, daß seine Ausführungen in Widerspruch mit seiner Resolution und den offiziellen Anschauungen der Partei ständen. Stolle spricht sich scharf gegen die Uebernahme der Eisenbahnen durch das Reich aus. Es werde dadurch nur ein Machtmittel mehr bekommen zur Verwirklichung der Welt⸗ und Raubpolitik. Rosen o w-Berlin: Das Schutzzollsystem hat der deutschen Arbeiterschaft tiefe Wunden geschlagen. Die Arbriter haben die Pllicht, eine von den agrarischen und industriellen Hochschutz⸗ zöllnern erstrebte Lebensmittelvertheuerung zu verhindern. Vollmar spricht zunächst für Streichung der Forde⸗ rung des Mutellandkanals in der Resolurion und dann entschieden gegen Reichseisenbahnen, die heute nur preußische Eisenbahnen sind und eine wesentliche Ver⸗ schlechterung bedeuten würden. Hessen ist ein klassisches Beispiel dafür, es ist durch seine eisenba hnliche Ver⸗ bindung mit Preußen wirthschaftlich ganz unselbständig geworden. Molkenbuhr tritt für Reichseisenbahnen ein, als den einzigen Ausweg, das preußische Eisenbahnsystem zu verbessern. zu Calwer i Im Gegensatz meint er, höheren Waaren⸗ preisen werden höhere Löhne nicht folgen. In England mit seinem Freihandel und gutem Koalitionsrecht sind gute Löhne. Nehmen wir uns in dieser Beziehung an England ein Vorbild. Genossin Luxemburg: In Deutschland sind die grundlegenden Industriezweige für den freien Handelsverkehr reif. Unsere Richtschnur ist die gänzliche Beseitigung der Schutzzölle, sie bedeutet den kulturellen Fortschritt. Die Debatte über diesen Punkt wird am Donnerstag fortgesetzt. Dr. David spricht sich gegen Reichseisenbahnen aus. Die von Miquel angestrebte Eisenbahngemein⸗ sch aft ist schädlich für die in Betracht kommenden Kleinstaaten, deshalb widerstreben wir ihr. Bei Verträgen mit dem großen Preußen kommen wir Kleinen zu kurz. Daher hat sich im Süden der Gedanke einer süddeutschen Eisenbahn⸗ gemeinschaft herausgearbeitet. Ueber das hessische Bahnabkommen mit Preußen spricht sich später auch Ullrich sehr ungünstig aus. Er sagte: Eine schöne Eisenbahngemeinschaft: 200 Millionen haben wir für den Kauf der Ludwigsbahn ausgegeben, aber auch nicht das geringste dürfen wir in die Verwaltung hinein⸗ reden. Wir brauchen dringend eine kleine Nebenbahn durch den Odenwald, aber sie wird nicht in die Eisenbahngemeinschaft aufgenommen. So steht die Sache heute, wie wollen wir dies preußische System im Reiche bekämpfen? Preußen würde in Bezug auf die Eisenbahnen genau so stark sein, wenn sie Reichssache sind, wie in Militärfragen. Zu der Eisenbahnfrage äußert sich dann Bebel, der Tags vorher auf dem Parteitage erschienen war und lebhaft begrüßt wurde. Ich werde, führt er aus, der Reso⸗ lution zustimmen, nicht aber der Begründung. Den Passus über die Reichsbahngemein⸗ schaft dürfen wir nicht streichen. Er ist im Grunde richtig und seine Streichung würde nach Außen verwirrend wirken. Was über die Ge⸗ fahr der Verpreußung des Eisenbahnwesens gesagt ist, unterschreibe ich. Aber das einzige Mittel, ihr entgegenzuwirken, ist eben die Ueber⸗ tragung des Eisenbahnwesens auf das Reich. Wir gewinnen mit dem Reichsbahnsystem auch den Einfluß im Reichstag auf die Ver⸗ kehrspolititik. Im Laudtag aber herrscht das Junkerthun. Vollmar tritt nochmals für die süd deutsche Selbständigkeit in Bezug auf das Eisenbahnwesen ein. Bebel erklärt sich nochmals für Centralisation des Verkehrs. Wenn Preußen dabei gestäckt werde, so sei es nicht schlimm. Er habe es lieber mit einem Gegner zu thun, als mit vierund⸗ zwanzig. Nach einem Schlußwort Calwers in dem er die gegen seine Aus⸗ führungen vorgebrachten Einwendungen aus⸗ führlich zu widerlegen sucht, wird die vorge⸗ schlagene Resolution mit geringen Aenderungen, aber mit der Forderung der Reichseisenbahnen angenommen. Der Parteitag tritt hierauf in die Berathung des Punktes 9 der Tagesordnung:„Be⸗ theiligung an den Landtagswahlen“ ein. Bebel als Referent empfiehlt eine Resolution, die sich für Betheiligung an allen Landtags- wahlen ausspricht. Eine lange und lebhafte Debatte knüpft sich an das Referat. Singer spricht sich gegen jede Betheiligung an den Landtagswahlen unter dem Dreeklassensystem aus. Abg. Haase Königsberg verspricht sich so⸗ gar in den Ostpreußischen Landbezirken Vortheile von unserer Wahlbetheiligung. Gegen Be⸗ theiligung, namentlich an den preußischen Land⸗ tagswahlen sprechen Ledebour, Grenz ⸗ Leipzig, Stadthagen, Hoffman n⸗Berlin und noch mehrere Berliner Delegirte. Dafür treten Quarck, Drees bach, Stolle, Gewehr und andere ein. Bebel sagt in seinem Schlußwort, die politische Klugheit der sozialdemokratischen Wähler verhüte die von den Gegnern in Aussicht gestellte Verwirrung. In der Abstimmung wird darauf der Antrag Stadthagen, die Entscheidung über die Wahlbetheiligung jedem einzelnen Wahlkreis zu überlassen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Mit 163 gegen 66 Stimmen wird die Reso⸗ lution Bebels in dieser Fassung angenommen: In denjenigen deutschen Staaten, in welchen das Dreiklassenwahlsystem besteht, sind die Parteigenossen verpflichtet, bei den nächsten Wahlen mit eigenen Wahlmännern in die Wahlagitation einzutreten. Für die Landtagswahlen in Preußen bildet der Parteivorstand das Zentral-Wahl⸗ komitee. Ohne dessen Zustimmung dürfen die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen keinerlei Abmachungen mit bürgerlichen Par⸗ teien treffen. In den Parteivorstand sind mit je 220 Stimmen gewählt worden: Bebel und Singer als Vorsitzende, Auer und Pfann⸗ kuch als Sekretäre und Gerischals Kassierer. Als Kontrolleure sind gewählt: Meister, Kaden, Metzner, Brühne, Ehrhart, Zetkin, Koenen, Kramer, Dr. David. Der nächste Parteitag wird in Lübeck abgehalten. Der Parteitag ist am Schluß seiner Arbeiten angelangt. Bruhns⸗-Breslau spricht dem Bureau für die Leitung den Dank des Parteitags aus. Singer hält das Schlußwort. Er ge⸗ denkt darin des Beschlusses zur Betheiligung an den Landtagswahlen und hebt als Gegner der Betheiligung hervor, daß ihm der jetzige klare Zustand doch lieber sei als die bisherige Unklarheit. Auch die Gegner würden nun bei dem ersten Versuch ihre Schuldigkeit voll thun. Er gedenkt weiter des nächsthin tagenden Pariser Kongresses, der gegenüber der Komödie von Haag eine wahre und echte Kundgebung für den Weltfrieden werden soll. Mit einem Hoch auf die internationale, die deutsche Sozialdemokratie schließt er. Die Delegirten stimmen begeistert in das Hoch ein und singen stehend die Marseillaise. Nachmittags unter⸗ nahmen die Delegirten noch eine Rheinfahrt nach Rüdesheim. — Politische Bundschau. Gießen, 28. September. Der internationale Sozialistenkougreßz wurde am Sonntag Vormittag in Paris er⸗ öffnet. Genosse Jaures begrüßte den Kongreß mit einer zündenden, von den Delegirten mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede, in der er die Einheitlichkeit der Arbeiter⸗ Bewegung betonte, die nöthig sei, um den Kapi⸗ talismus zu bekämpfen, der die bestialischen In⸗ stinkte des Chauvinismus entfessele, um seine Herrschaft zu retten. Auf die Rede Jaureès folgten Ansprachen von Singer, Hyndman⸗ London, Cost a Italien, Adler ⸗Oesterreich, Vander velde-Belgien, Troelstra-Holland, Knudsen⸗Dänemark, Menander Schweden, Führholz⸗Schweiz, Iglesius⸗Spanien ꝛc. Dem Kongreß liegt eine sehr reichhaltige Tages⸗ ordnung vor, die durch Kommissionen, in die alle Nationen Vertreter entsenden, vorberathen wird. Die unter den verschsedenen sozialistischen Parteien Frankreichs herrschenden Streitigkeiten verursachten, daß sich die französische Dele⸗ gation über die Wahl der Präsidenten nicht sogleich einigen konnte, erst am Montag Nach⸗ mittag konnte Singer verkünden, daß die fran⸗ zösischen Genossen sich geeinigt und Vaillant und Renoud zu Präsidenten gewählt habe. — Nach Prüfung der Mandate sind vertreten: 473 französische, 95 englische, 53 deutsche, 10 italienische, 10 österreichische, 37 belgische, 23 russische, 17 polnische Delegirte. Amerika hat fünf Delegirte entsandt. Weiter sind ver⸗ treten: die Schweiz mit 10, Dänemark mit 19, Norwegen mit 1, Argentinien mit 1, Bul⸗ garien mit 3 Delegirten. Portugal wird mit 3 Mandaten durch Jaurss vertreten. Am Sonntag Abend fand ein Bankett der sozialistischen Bürger meister Frank⸗ reichs statt, an dem über 500 Bürgermeister, darunter die von Marseille, Lyon, Lille und Roubaix, theilnahmen. Eine große Anzahl aus⸗ wärtiger Genossen, Singer, Wurm, Anseele“ Holland mit 9, Spanien mit 4, Schweden mit 3, ————— cultis einttd ihnli a! wält weni. Diff Patt solle tags tags schlu und zu ho pol mu Ra der le! sch C5 zel 16 abe 115 wä E TTTT0T0T0T0T0TCTTTTTT Rkreise en Par⸗ de N20 1 und fann⸗ zassierer. elster, chart, david. Lübeck Schluß Breslau u Dan Er ge⸗ geiligung Gegner r jetzige bübherige nun bei „ thun. Pariser die von sebung l. Mit deutsche elegitten singen unter- geinfahtt l. ember. greß ris el⸗ Kongreß ten mit sede, in Arbeiter⸗ en Kapi⸗ gen dn m feilt Jaules udmal⸗ sterrtich Hollald, öchwedel, anien. e Tages; in die bbelathn glistschn —— Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Vandervelde, Costa, Adler ꝛc., betheiligten sich an dem prächtigen Feste. Ueber die weiteren Kongreßverhandlungen berichten wir in nächster Nummer. Mit dem Verlaufe unseres Parteitages in Mainz ist die bürgerliche Presse aller Schattirungen herzlich unzufrieden. Ging es dem Einen zu„wirr und kraus“ zu, so be⸗ klagte sich der Andere über die„Langweiligkeit“ die auf dem Parteitage geherrscht habe. Nun, uns kann es ziemlich gleichgültig sein, wie unsere Gegner den Parteitag und seine Beschlüsse be⸗ urtheilen. Wir sind mit dem Verlaufe des⸗ selben sehr zufrieden. Er legte Zeugniß ab für die Einmüthigkeit und die innere Festigkeit der Partei, die durch Meinungsverschiedenhen bei takt ischen und untergeordneten Fragen nicht be⸗ einträchtigt wird. Keine andere Partei kann ähnliche Veranstaltungen zu Stande bringen. In Mainz ist ein reiches Arbeitsprogramm be⸗ wältigt, ein schönes Stück Geistesarbeit in wenigen Tagen geleistet, in vollem Lichte der Oeffentlichkeit über die gesammte Thätigkeit der Partei berichtet worden. Andere Parteien sollen es uns nachmachen! Ein anderes bürgerliches Urtheil. Ueber den die Betheiligung an den Land⸗ tagswahlen betreffenden Beschluß des Partei⸗ tags sagt die Berliner„Volkszeitung: „Alles in allem ist daher der Mainzer Be⸗ schluz im Interesse Preußens, des Deutschen Reiches und des Kulturfortschritts als eine That zu begrüßen, die in dem Tohuwabohu von Khaki⸗Begeisterung, Byzantinismus, Interessen⸗ politik, Knebelsucht, scharfmacherischer Verhetzung, muckerischem Versittlichungsfuror, neidischer Rassenhatz und anderen epidemischen Krankheiten der Zeit wie der Ausdruck echten und rechten, lebens vollen Volksempfindens er⸗ scheint.“ Kosten des Rachezuges. Die bisher verausgabten Beträge für die China⸗Expedition sollen nach der Berl. Börsen⸗ zeitung bereits bis Ende August die Höhe von 160 Millionen erreicht haben. Es würden aber 200 Millionen verlangt, um bis zum 1. April die Kosten zu decken. 160 Millionen wären also ausgegeben, ohne daß der Reichs⸗ tag einen Pfennig bewilligt hätte! Aber was genirt das! Das selbe Blatt will übrigens wissen, daß der Reichstag auf den 23. Oktober berufen werden soll, in der Voraussetzung, daß nach Er⸗ ledigung der chinesischen Kreditvorlage eine Ver- tagung bis Ende November stattfindet. Es lohnt sich schon gar nicht mehr, alle die wechselnden Nachrichten über die Berufung der Volksvertretung zu registriren. Ein zweiter China⸗Pump soll, wie nach der„Rhein. Westf. Ztg.“ in „unterrichteten Kreisen“ verlautet, bal digst das deulsche Volk erfreuen. Da die in Amerika zu 4 pCt. geborgten 80 Millionen nicht weit reichen werden, son noch bis zum Schluß dieses Jahres eine abermalige Ausgabe von 100— 120 Millionen Mark erfolgen, aber nicht in den Vereinigten Staaten, sondern in Deutschland selbst. Die Verhandlungen hierüber mit deutschen Banken sollen bereits eingeleitet senn, doch würde in Deutschland„aus naheliegengen Gründen“ nicht der vierprozentige Zinsfuß gewählt werden, sondern ein 3½ prozentiger. Die deutschen Steuerzahler, die die vier Prozent für die Pankees aufzubringen haben, sollen also für das Geld, das sie selbst dem Reiche borgen mit 3½ pCt. abgespeist werden. Für den Ausfall mag ihnen das Be⸗ wußtsein genügen, zu einem„hochpatriotischen“ Unternehmen Mittel beigesteuert zu haben. Jedenfalss sind sie sehr erbaut davon. Christliche und heidnische Kulturträger. Nach den Meldungen des Timesberichter⸗ statters, Dr. Morrison, waren die eur o⸗ päischen Bewohner Pekings entrüstet, weil die verbündeten Truppen nicht den kaiser⸗ lichen Palast und die Tempel zer stört hatten. Dazu bemerkt ein Mitglied aus der japanischen Gesandtschaft, daß Japan gegen die vor⸗ geschlagene Zerstörung protestirte, weil die Gebäude für dieses Volk dasselbe In⸗ teresse haben, wie die Akropolis in Athen und das Pantheon in Rom für die westliche Welt. „Thatsächlich“, so versichert er,„ist es dem Einspruch Japans zuzuschreiben, daß die Paläste und Tempel nicht zerstört wurden.“ Welches sind nun die besseren Menschen? Die Heiden oder die Christen? Ein neuer Kolonialheld. Durch den Gouverneur von Kamerun von Kamptz ist der Hauptmann der Schutztruppe von Besser von seinem Posten abberufen orden. Ueber die Art der Kulturverbreitung, der Letzterer in Kamerun oblag, giebt die in Stuttgart erscheinende„Deutsche Reichspost“ Schilderungen, aus denen hervorgeht, daß Hauptmann Besser jedenfalls die„Kulturtha⸗ ten“ der Leist, Wehlan, Peters und Konsorten um einige zu vernehmen erachtete und in Be— zug auf Abscheulichkeit noch zu überbieten ver⸗ suchte. Ueber eine Strafexpedition, die Besser nach dem Hinterlande unternahm, wird berich— ber „Am 10. Feebruar kam Hauptmann von Besser mit einigen weißen und 200 schwarzen Soldaten in Bakundu an. Mit dem Stamme, der es bewohnt, lebte man in tiefstem Frieden. — Trotzdem hatte der angekündigte Durch⸗ zug der Soldaten einen solchen Schrecken unter den Schwarzen hervorgerufen, daß die halbe Ortsbevölkerung schon vor dem Einrücken floh. Der Ort hatte Lebensmittel und Träger zu stellen. Der Häuptling wurde gefesselt, als er das Schlachtvieh anweisen mußte, und statt der gelieferten Ochsen erschossen die Soldaten eine tragende Kuh.“ Dann erzählt der Bericht weiter, daß etwa 20 Leute aus Bakundu als Träger mitgeschleppt und unbarmherzig mißhandelt wurden. Sie be— kamen Tage lang nichts zu essen.„Ein ange sehener, rechtschaffener Mann war unter die sen aus Bakandu, der hatte schon seit lange die sogenannte„Mpia“, schmerzhafte, hühner— augenähnliche Beulen an der Fußsohle. Dessen mußte eine schwere Last tragen; konnte er fast nicht mehr, dann half man mit Prü⸗ geln und Seitengewehren nach. So schleppte er sich weiter bis gegen Mundame. Endlich konnte er nicht mehr und legte sich trotz der Prügel zu Boden, worauf man ihn einfach todtschlug und liegen ließ, mit⸗ ten auf der Straße, wo ihn mehrere Weiße nachher als Leichnam liegen sahen und schließ— lich verscharren ließen. Den Prügel, mit dem dieser Mann erschlagen wurde, ein armdicker Baumast, haben die zurückkehrenden Leute der Bakundu uns zur Besichtigung gebracht. mehr weiter konnte, wurde auf ähnliche Weise todtgeschlagen und liegen ge⸗ lassen. Herr K. erzählt uns, er habe Lei⸗ chen der Erschlagenen(Träger) auf der Straße gefunden, auch habe er Einen liegen gefunden, dem die ganzen Wadenmus⸗ keln mit einem Schwertstreich her⸗ untergehauen waren und etwa 20 Zentimeter lang herunterhingen. Er hat ihn verbunden. Desgleichen erzählte er uns ein Gerücht, das ihm von weiter nördlich ge— legenen Durchzugsstätten zugekommen sei, daß der Weiße dort ebenfalls böse gehaust und eine Anzahl Leute aufgeknüpft hat.“ Nach amtlichen Erklärungen ist über diese Dinge in Berlin nichts bekannt. Hoffentlich beeilt sich die Regierung, eine strenge Unter suchung zu veranstalten und das Ergebniß der⸗ selben zu veröffentlichen. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf, zu wissen, wie in Ko⸗ lonien, für die es schwere Lasten trägt, ge— haust wird. Zum Fleischbeschaugesetz. Im Reichsamt des Innern besteht die Ab⸗ sicht, bei dem in diesem Jahre vom Bundes⸗ rathe und Reichstage beschlossenen Gesetz betr. die Fleischbeschau und Schlachtviehversicherung die bezüglich des Inlandes gegebenen Be⸗ stimmungen erst im Frühjahr 1901 in Kraft treten zu lassen. ungeachtet war er mitgeschleppt worden und, Ein anderer Mann aus Kalke, der auch nicht [Czersk Gegen die Verschlechterung der Kranken⸗ versicherung. Auf der Hauptversammlung des Zentral- verbandes der Orts-Krankenkassen Deutschlands, welche am 23. und 24. Sept. in Nürnberg tagte, waren 111 Ortskrankenkassen mit zusammen über 1 und ein Viertel Mill. Mitgliedern vertreten. Nach einem ausführ⸗ lichen Referate des Dr. Friedberg-Berlin über die neue Krankenkassengesetz⸗Novelle nahm einstimmig eine energische Protest-Resolution gegen jede Beschränkung der Selbst⸗ verwaltung der Ortskrankenkassen an. In der Resolution wird gesagt, daß keinerlei ernst zu nehmende Beweise dafür erbracht sind, daß die bisher geübte Selbstverwaltung irgendwie mißbraucht worden sei. Als Delegirte waren auf der Hauptversammlung sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer vertreten, die allen Partei⸗ richtungen angehören Kriegerverein und Sozialdemokrat. Der Genosse Redakteur Ad. Thiele vom Halle⸗ schen Volksblatt wurde am Mittwoch von der Naumburger Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Manns, wegen Be⸗ leidigung der 556 Kriegervereinsmitglieder zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Es handelte sich um eine im Mai 1898 von dem Genossen Thiele in Zeitz gehaltene Wahlrede. Als der Staatsanwalt neun Monate Gefängniß bean⸗ tragte, entgegnete Genosse Thiele, er finde das Strafmaß unbegreiflich. Die Sozialdemokratie würde von den Kriegervereinen immer während beschimpft. Würde der Herr Staatsanwalt viel⸗ leicht gegen denjenigen, der sagte:„Die Sozial⸗ demokratie sei eine Schande für Deutschland“ auch neun Monate beantragen? Gleiches Recht für Alle. Vom Schöffengericht in Wiesbaden war seiner Zeit der verantwortliche Redakteur der „Frankfurter Volksstimme“, Genosse W. Schmidt, zu 200 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden, weil er durch einen Artikel seines Blattes einen Gutspächter beleidigt haben sollte. Gleichzeitig mit ihm verhandelte dasselbe Gericht gegen den Redakteur des„Wiesbadener Generalanzeigers“, v. Neefzern, der in der gleichen Angelegenheit gegen den Pächter einen viel schärferen Artikel gebracht hatte. Gegen diesen lautete das Ur⸗ theil nur auf 100 Mk. Geldstrafe. Beide legten gegen ihre Verurtheilung Be⸗ rufung ein; die Strafe gegen Neefzern wurde auf 30 Mk. herabgesetzt, die Berufung Schmidts verworfen. Bei den Landtagswahlen in Gotha errangen unsere Genossen bisher schon neun Mandate. Da der Gothaer Land⸗ tag nur 19 Abgeordnete zählt, die Wahlen auch noch nicht beendet sind, ist es nicht unmöglich, daß unsere Partei die Mehrheit erhält. Früchte antisemitischer Hetzerei. Grobe Ausschreitungen, die auf die be⸗ kannten antisemitischen Hetzereien aus Anlaß der Konitzer Affaire zurückgeführt werden müssen, werden aus Westpreußen gemeldet. Nach Mit⸗ theilung des antisemitischen„Konitzer Tagebl.“ sind auf dem jüdischen Friedhof in zehn Denkmäler total de⸗ molirt worden, sogar eine Kinderleiche wurde bloßgelegt. Bis jetzt sind mehrere noch jugendliche Burschen als Thäter zur An⸗ zeige gebracht. Gelehrige Schüler des Dresch⸗ grafen Pückler! einisterwechsel in Baden. Minister Eisenlohr ist zurückgetreten. Er verwaltete seit 1893 das Ministerium des In⸗ nern und war zugleich Präsident des Staats⸗ ministerius Im Kampfe mit der Opposition im Landtage, besonders mit dem Zentrum er⸗ litt er öfters Niederlagen, die seinem Anse— hen bei Hofe jedoch nicht schadeten. Eisenlohr vertrat auf jedem Gebiet rück⸗ ständige Ansichten, und es ist bemerkenswert, 91 schreibt die Berliner Volkszeitung, daß sich der von Konservativen und Nationalliberalen viel angefeindete badische Fabrikinspektor einem sol⸗ chen Vorgesetzten gegenüber behaupten konnte; 2 2 3 2 2 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung. 2 40 hätte es sich um keinen so angesehenen und energischen Mann gehandelt, wie es Oberre⸗ gierungsrath Wörishoffer ist, so würde Eisen⸗ kohr sicherlich kein Bedenken getragen haben, auf die Beseitigung eines Regierungsbeamten zu dringen, dessen Darlegungen in den Fabrik⸗ inspektionsberichten ihm und seinen politischen Freunden oft recht unbequem geworden waren. An seine Stelle tritt Dr. Schenkel, Dir. des Verwaltungsgerichtshofs, der bisher nur wenig auf politischem Gebiete hervortrat. Man weiß also nicht, ob er die rückschrittliche Politik seines Vorgängers weiter fortsetzen wird. Am wahrscheinlichsten ist dies allerdings. Der Krieg mit China. Eine Meldung aus Shangai vom 22 Sept. besagt: Graf Waldersee ist um 5 Uhr bei schön⸗ stem Wetter hier eingetroffen und unter großer enthusiastischer Betheiligung der, hiesigen Bevölkerung eingezogen, umgeben von einer Ehren wache und von einer Eskorte begleitet. Die Kommandanten sämmtlicher De⸗ tachements waren anwesend. Vor dem deutschen Generalkonsulat ist eine Ehrenwache, bestehend aus bei Taku betheiligt gewesenen Matrosen von dem Kreuzer Gefion und dem Kanonenboot, Iltis, aufgestellt. Morgen wird eine P a rade über die vollzähligen hiesigen Landtruppende⸗ tachements und Freiwilligen⸗Corps abgehalten. Kämpfe. Die Forts von Peitsang wur⸗ den von einer aus 4000 Russen, 3000 Deut⸗ schen und 1000 Franzosen bestehenden Streit⸗ macht genommen. Die Forts erwiederten das Feuer lebhaft. Die Beschießung wurde bis mit⸗ tag fortgesetzt, aber schon nach 10 Uhr vorm. hatte das Feuer der Forts aufgehört. Man fand die Forts verlassen und nur vier todte Chi⸗ nesen. Mehr als 3000 Chinesen, die in den Forts gewesen, waren entkommen. Die Ver⸗ luste der Verbündeten werden auf 120, darunter 7 Deutsche, geschätzt. Man staunt über diese Kämpfe um eine Festung, die zur selben Zeit stattfinden, zu der sämmtliche Gesandte in Pe⸗ king des Prinzen Tsching höflichen Besuch höf⸗ lich erwiederten. Hunnisches. Der frühere amerikanische Konsul Wildmann telegraphirt aus Tschifu, daß die Deutschen am 14. September bei Tsching⸗ kiang 150 chinesische Gefangene machten. Sie ließen dieselben in Reihen aufstellen und dann erschießen. Während sich Graf Waldersee den Winter über in Peking häuslich einrichten will, scheint die baldige Räumung der chinesischen Haupt⸗ stadt durch Russen, Franzosen und Amerikaner bevorzustehen. Der französische General Nogron meldete, daß er sein Hauptquartier in Tientsin aufgeschlagen habe, und daß die französischen Truppen zwischen Peking und Tientsin Stellung nähmen. Rußland stellt die Trup⸗ pensendungen ein. Der NowojeWremja wird aus Odessa gemeldet, dort sei eine Verfügung angelangt, nach der alle Freiwilligen, die in Odessa eingetroffen sind, um sich nach Ostasien zu begeben, heimzukehren haben. Auch die Ame— rikaner treffen Vorbereitungen, ihre Truppen zurückzuziehen. Die Regierung will nur 1500 Mann in Peking belassen. Die Amerikaner werden sich nicht unter den Oberbefehl des Generalissimus Waldersee stellen. Der Krieg in Südafrika. Ueber die Stärke der Buren wird berichtet, daß sie noch 79000 Mann unter den Waffen haben, die von Stein und Reitz befehligt wer⸗ den. Dieselben haben beschlossen, die englischen Verbindungslinien zu zerstören und sich von Zeit zu Zeit nach Norden zu flüchten, wo genü⸗ gend Futter für ihre Pferde vorhanden ist. Obgleich die meisten englischen Blätter den Krieg für beendet erklären, glaubt die Regie⸗ rung, daß er noch mehrere Monate dauern wird. Nur im Falle Schalk Burgher, der stell⸗ vertretende Präsident, sich bereit erklärt, Frie- dens verhandlungen auf irgend einer Ba⸗ sis mit England zu eröffnen, wird die Dauer des Krieges vermindert werden. Der Krieg wird jedoch nach allgemeiner Ansicht sich bis Weih⸗ nachten hinziehen. Etwa 3000 Buren traten auf portugiesisches Gebiet über, wo sie entwaffnet und nach Lou⸗ renzo Marques gebracht wurden.— Die Nach⸗ richt vom Tode Dewets bestätigt sich nicht. Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Gießener Stadttheater. Die diesjährige Theater-Saison beginnt heute, Sonntag, den 30. Sept., mit der Operettenposse: „Die schöne Ungarin“. Wir können unseren Lesern, welche sich einige genußreiche Stunden verschaffen wollen, nur empfehlen, soweit es ihr Budget erlaubt, das Theater recht fleißig zu besuchen. Die Direktion verfügt über sehr gute Kräfte, wie sie überhaupt alles aufbietet, das kunstliebende Publikum in jeder Weise zu⸗ frieden zu stellen. — Im botanischen Garten sind in letzter Zeit an den Bäumen Porzellan⸗Schilder angebracht worden, auf denen die Art, zu der der einzelne Baum gehört, auch in deutscher Sprache verzeichnet steht. Das ist eine ganz vernünftige Einrichtung, die hoffentlich auch auf die übrigen Pflanzen ausgedehnt wird. Wenn, wie bisher, dieselben nur mit der lateinischen Bezeichnung versehen sind, so hat ein Besuch des Gartens für den Nichtgelehrten thatsäch⸗ lich wenig Werth. Ein aus öffentlichen Mitteln unterhaltenes Institut sollte billiger Weise Ein⸗ richtungen treffen, die es auch dem Laien er⸗ möglichen, es mit Nutzen zu besuchen. — Sozialdemokr. Wahlverein. Die nächste Versammlung findet am Dienstag, den 2. Oktober, Abends einhalb neun Uhr, bei C. Orbig statt. In derselben wird unser Delegirter über den Parteitag Bericht erstatten. Die Genossen werden ersucht, recht pünktlich am Platze zu sein. Natürlich fällt die auf den Sams⸗ tag fallende regelmäßige Versammlung aus.— Sonntag treffen sich die Genossen auf der „Liebigshöhe“. — Brauer und Küßfer hielten am Mitt⸗ woch eine recht gut besuchte Versammlung ab, in welcher der Vorsitzende des Küferverbandes, Winkelmann, in einem ausgezeichneten Vor⸗ trage überzeugend nachwies, daß die in den letzten Jahren erfolgte minimale Aufbesserung der Arbeitslöhne weit hinter der Preissteiger⸗ ung der nothwendigsten Lebensmittel zurück⸗ geblieben sei, so daß sich die Lage der Arbeiter noch schwieriger gestaltet habe. Es müsse deshalb jeder Arbeiter darnach streben, daß die Arbeiter- klasse auf das Wirthschaftsleben mehr Einfluß gewinne, damit die Interessen des Arbeiters auch vertreten werden. Anschluß an die Gewerk— schaft sei in erster Linie nothwendig. — Der Schneiderverband hält am Samstag den 29. Sept. im Cafe Leib sein 12. Stiftungsfest ab. In Bezug auf Unter⸗ haltung wird, wie immer bei den Festen der Schneider, so ist auch diesem, so Vorzügliches geleistet werden, daß ein zahlreicher Besuch zu erwarten steht. — Großfeuer. In der Nacht zum Sonn⸗ tag brannte das Herrn Volz gehörige Wohnhaus am Asterweg total nieder, ebenso wurde das Nebenhaus, dem Herrn Glaser Fillmann ge— hörig, zum großen Theil ein Raub der Flammen. Wie das Feuer entstanden, ist noch unaufgeklärt. — Zu viel Gewicht scheint die Feuerwehr bei solchen Gelegenheiten auf den Alarm zu legen. Die Signale ertönten noch immer in den Straßen, als sicher die ganze Einwohnerschaft von dem Brande Kenntniß hatte. Auch bei den Uebungen werden die Kalbfelle— oft bei nacht⸗ schlafender Zeit— übermäßig strapazirt; solche Trommelei ist doch bei der gemeinnützigen Thätigkeit der Feuerwehr höchst überflüssig. — Eine Verkehrskarte von Gießen und seiner weiteren Umgebung ist in handlicher Taschenbuchform bei H. Schneider, Sonnen⸗ straße, erschienen. Der Preis derselben beträgt nur 10 Pfg.; ihre Anschaffung ist Jedem zu empfehlen. — Am Montag verstarb Herr Kaufmann R. Scheel, langjähriges Mitglied der Stadt⸗ verordneten-Versammlung. Unter großer Be⸗ theiligung fand am Mittwoch die Beerdigung statt; auch der Finanzminister Gnauth befand sich unter den Leidtragenden. Scheel gehörte zur freisinnigen Volkspartei. 1 Ein Ehrenmann. 1 Als der frühere Oberbürgermeister von Gießen, Herr Gnauth, zum Finanzminister ernannt worden, wurde von den Klerikalen und Antisemiten, welch' letztere auch öfter mit ihrem Konitzer Christenthum hausiren gehen, gegen ihn gehetzt, weil er konfessionslos sei. Später behauptete irgend ein Pfiffikus, Gnauth sei vor Jahren, während seiner Thätigkeit als Ober⸗ bürgermeister wieder zur Landeskirche überge⸗ treten. Er selbst erklärt jetzt, daß seine Stell⸗ ung zur Kirche noch dieselbe wie vor seiner Wahl zum Bürgermeister von Gießen sei. Gnauth bezeichnet sich also als konfessionslos, für die hessischen Finanzen ist das kein Unglück, für ihn selbst aber ist diese, ohne Rücksicht auf das sich jetzt so breit machende Muckerthum abgegebene Erklärung höchst eh⸗ renwerth. Wie mancher hohe Beamte mag denken wie er, wagt es aber nicht zu bekennen. Ortsübliche Tagelöhne Für die Stadt Gießen treten laut Be⸗ kanntmachung der Bürgermeisterei vom 8. Okt. ab folgende Sätze als„ortsübliche Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter“ in Kraft: 1) für männl. Pers. über 16 J. 2,20 Mk. 2) 7 weibl. 7 7 7 77 1,50 77 3)% männl.„ unter„„ 1,20% 4) 7 weibl. 7 77/ 1,00 7 Danach richten sich die Beiträge zur Inva⸗ lidenversicherung für Personen, die der Kran⸗ kenversicherung nicht unterworfen sind, oder freien Hilfskassen angehören und betragen: 1) für männl. Pers. 24 Pfg. pro Woche, 2) 70 weibl. 77 20 7 77 77 Die gleichen Beiträge gelten für die in der Land⸗ und Forstwirthschaft beschäftigten Personen. Volksversammlung in Gleiberg. Infolge mangelhafter Bekanntmachung war die Volksversammlung, die am Sonntag in Gleiberg stattfand, nicht sehr stark besucht. Es mochten sich nur etwa 80—100 Leute einge⸗ funden haben. Genosse Gewehr aus Elber⸗ feld sprach über:„die Weltmachtspolitik und ihre Folgen.“ In mehr als einstündigem Vor⸗ trage beleuchtete er eingehend die gegenwärtig. betriebene Kolonial- und Eroberungspolitik, durch welche dem Volke und bes. den besitzlosen Klassen ungeheure Lasten aufgebürdet würden im Interesse und zum Vortheile profithungriger Kapitalisten. Die Folgen des Rachezuges zeigten sich schon heute in der deutschen In⸗ dustrie; zahlreiche Arbeiter⸗Entlassungen haben in verschiedenen Gegenden und Branchen statt⸗ gefunden. Ebenso wenig würde später das deutsche Volk einen Vortheil von dem China⸗ abenteuer haben. Gen. Vetters ergänzte noch die Ausführungen des Referenten, indem er auf die Heuchelei von der„Ausbreitung des Christenthums“ hinwies. Eine Resolution, die sich entschieden gegen die Weltmachtspolitik aus⸗ spricht, wurde einstimmig angenommen. Die beiden überwachenden Beamten hielten es nicht für überflüssig, zu erklären, daß sie der Reso⸗ lution nicht zustimmten. Das hätte man ihnen auch ohne dies geglaubt. Aus Wetzlar. 0 Vorige Woche hielt die hiesige Ortskran⸗ kenkasse für Gesellen und Fabrikarbeiter eine außerordentliche Generalversammlung ab. Es handelte sich um einen Antrag der Handschuh⸗ fabrikanten, die aus der Kasse nebst den Ger⸗ bern ausscheiden wollten. Glücklicher Weise wurde der Antrag auf Ausscheidung abgelehnt; wir wüßten auch nicht, welchen Sinn es haben sollte, auf dem Gebiete des Krankenkassenwe⸗ sens noch mehr Zersplitterung, als ohnehin vorhanden ist, herbeizuführen. — Das Landtagsmandat für Wetzlar ist durch den Tod des bisherigen Abgeordneten Prinz Solms erledigt. Als Ersatzmann soll von konservativer Seite der Regierungspräsident b. Tieschowitz in Aussicht genommen sein. Er war früher Landrath im hiesigen Kreise, später nen hei d jedoe Um herb Ofer nur 2—————— — also als auzen it ist diese, machende schst eh⸗ inte g bekennen laut Be⸗ m 8. Olt. Lagelöhne 2, 20 Ml. 150 5 1.20 1 70 100„, ur Inpa⸗ der Rran⸗ ind, oder tragen: Woche, ir die in chäftigten erg. chung war untag in esucht 8 genwätig. 5voliti, besitzlosen et würden thungriget! ——— 1 .——— DE e 9 Nr. 40. Uunzahhmte Mitteldeutsche f Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. hat er nur noch einmal von sich reden gemacht und zwar bei der Börsengartenaffäre in Kö⸗ nigsberg, wo er als Regierungspräsident be⸗ kanntlich energisch eingriff und bewirkte, daß dem Börsengarten die Offiziere fern blieben und die Militärmusik dort nicht mehr spielte. Unter dem„erbärmlichsten aller Wahlsy⸗ steme ist natürlich die Wahl dieses Edlen sicher. f Lauterbach. 0 Am Samstag den 6. Okt. abends 8.30 Uhr hält der Wahlverein bei Gastwirth Kaut seine Mitgliederversammlung ab. Da wichtige Punkte zur Berathung stehen, ist zahlreiches Erscheinen nothwendig. Prediger christlicher Nächstenliebe. Kürzlich wurde Hadamar(Westerwald) ein Prozeß verhandelt, der die Nächstenliebe des Pfarrers Bick in Oberweyer in eigen⸗ thümlichem Lichte erscheinen läßt. Mit einer Gehässigkeit sondergleichen chicanirte er beson⸗ ders die ihm als Schulinspektor untergebenen. Lehrerinnen. So wurde der Lehrerin Fräulein Wursdörfer in Steinbach bei Antritt ihrer dor⸗ tigen Stelle das einzige, vor Feuchtigkeit ge⸗ schützte Wohngelaß im Schulhaus, das offenbar auch zu den„Palästen“ gehört, von dem Pfar⸗ rer Bick vorenthalten. Der Pfarrer erklärte, den Raum für die alle paar Wochen stattfin⸗ denden Schulkonferenzen nicht entbehren zu kön⸗ nen und übergab ihn der Lehrerin erst, als diese bei der Wiesbadener Regierung ihr Recht suchte, jedoch auch dann nicht ohne allerlei erschwerende Umstände. So ließ er, es war im vorigen Spät⸗ herbst, durch dienstwillige Gemeindeglieder den Ofen aus dem Zimmer nehmen und gab ihn nur gezwungen wieder zurück; auch den Schlüs⸗ sel zum Gasabschluß mußte sich die rechtmäßige Inhaberin erkämpfen. Die Lehrerin und ein Lehrer, der ihr beigestanden hatte, wurden dann mit anonymen Schmähpostkarten. bombardirt; sie waren geschrieben von einem längere Jahre im Pfarrhaus gewesenen Mäd⸗ chen, das nachher durch eine öffentliche Abbitte im Nass. Bote bekannte, von den beiden Schwe⸗ stern des Pfarrers angestiftet worden zu sein. Die Karten wurden, um die Spur zu verwischen, jeweils in einem benachbarten Orte zur Post gegeben. Das Allerneueste in der Kette von Aufmerksamkeiten ist nun, daß der Herr Pfar⸗ rer der Lehrerin Würsdörfer und einer zwei⸗ ten Lehrerin Namens Lang ein ortspolizei⸗ liches Strafmandat von 1 Mark wegen groben Unfugs bezw. wegen ruhestörenden Lärms in der Kirche ausgewirkt hat. Das Verbrechen soll dadurch verübt worden sein, daß Frl. Würs⸗ dörfer sich der neben ihr sitzenden Kollegin fürsorglich annahm, als diese von einem Krampf⸗ husten befallen wurde, bezw. daß Beide mitein- ander sprachen. Da ihnen einfach kein anderer Ausweg blieb, so haben die zwei Lehrerinnen gegen das Strafmandat gerichtliche Entschei⸗ dung angerufen und wurden glänzend freige⸗ sprochen. In der Verhandlung mit einem Mas⸗ senaufgebot von Zeugen stand Eid gegen Eid. Das Ergebniß war gleichbedeutend mit der mo⸗ ralischen Vernichtung des Pfarrers Bick. Wie läßt doch Heine den Mönch in der „Disputation“ sagen? f „Unser Gott, der ist die Liebe, Jesus Christus ist sein Namen; Seine Duldsamkeit und Demuth Suchen wir stets nachzuahmen. Deshalb sind wir auch so sanft, e lde, Hadern niemals, nach des Lammes, Des Versöhners Musterbilde!“ Das Bootsunglück, welches sich auf dem Rhein bei Bingen am dritten Osterfeiertage ereignete und bei wel— chem achtzehn Menschen ihren Tod fanden, war vergangene Woche Gegenstand einer Gerichts- verhandlung vor der Strafkammer in Mainz. Angeklagt war der 62jährige Schiffer Franz Hauck, wegen fahrlässiger Tödtung. Er hatte es unternommen, eine aus 20 Personen beste⸗ hende Gesellschaft, die an einer Festlichkeit des Verbandes katholischer Studentenvereine in. Bingen theilgenommen und zur Rückkehr das letzte, abends von Bingen abgehende Trajekt⸗ Dampfbot nicht mehr erreicht hatte, nach Rü⸗ desheim überzusetzen. Da sein Boot sich als zu klein erwies, nahm er den zur Reparatur am Ufer liegenden Sandkahn des Schiffers Schmidt. Das Boot war jedoch leck und sank mitten auf dem Strome.— Die Sachverständi⸗ gen bekunden, daß der benutzte Kahn nicht über⸗ laden gewesen sei, doch war derselbe in mangel⸗ haftem Zustand. Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt beantragte 6 Monate Gefängniß gegen den Angeklagten, während der Vertheidiger Couse auf Freisprechung plädirte. Das Gericht wird den Urtheilsspruch am 1. Oktober verkünden. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 27. Septbr. Berichterstattung über den Par⸗ teitag in Mainz, war die Tagesordnung einer öffentlichen Parteiversammlung, welche am 22. September im Lokale des Herrn Jesberg tagte. Genosse Gewehr-Elberfeld hatte das Referat hierzu übernommen und besprach in äußerst sachlicher und leichtverständlicher Weise die Verhandlungen und Beschlüsse des Partei⸗ tages. Die interessanten Ausführungen hier wiederzugeben, verbietet der Raum dieses Blattes. Alles in Allem, die Genossen waren mit den Ausführungen des Referenten als auch mit den Beschlüssen des Parteitages vollständig einverstanden. Folgende Resolution wurde ein⸗ stimmig angenommen:„Die heutige, am 22. September im Lokale des Herrn Jesberg tagende öffentliche sozialdemokratische Parteiversamm- lung des Wahlkreises Marburg-Kirchhain erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten, Ge⸗— nossen Gewehr-Elberfeld, über die Beschlüsse, welche der Parteitag in Mainz im Interesse der Partei gefaßt hat, vollständig einverstanden. Namentlich begrüßt sie den Beschluß über die Betheiligung an den Landtagswahlen in den einzelnen Bundesstaaten, sie hofft, daß durch diese Betheiligung den Genossen ein Ansporn gegeben wird, mit aller Kraft in eine Agitation dafür einzutreten, daß in den Landtagen die junkerliche, erzreaktionäre Mehrheit, besonders in Preußen, gebrochen wird.— Ferner spricht die heutige Versammlung dem Berichterstatter der national⸗sozialen„Hessischen Landesztg.“ über die Artikel, welche derselbe über den Partei⸗ tag in oben genanntem Blatte veröffentlichte, ihre tiefste Verachtung aus. Solche Berichte würden sich wohl für reaktionäre Zeitungen eignen, aber nicht für solche, welche in die Welt hinausposaunen, für den Befreiungskampf des Volkes mit eintreten zu wollen.“— Nachdem noch in kurzen Worten auf den Werth der Presse aufmerksam gemacht wurde, es jedem Partei- genossen zur Pflicht gemacht wurde, stets und ständig, wo nur eben angängig, für die„Mittel- deutsche Sonntags-Zeitung“ Abonnenten zu werben, wurde die sehr gut besuchte Versamm⸗ lung geschlossen. Anmerkung der Redaktion. Ueber das Geschreibsel der Weltmachtsphantasten brauchen sich unsere Genossen durchaus nicht aufzuregen. Allerdings tritt in den Berichten der„Hess. Landesztg.“ die fast allen national⸗ sozialen Federhelden eigenthümliche, anmaßende und aufdringliche Klugmeierei und Besser⸗ wisserei in geradezu widerlicher Weise zu Tage, von dem Schwindel vom„Waschen der schmutzigen Wäsche“ ganz abgesehen. Aber wie wir schon an anderer Stelle sagen, braucht sich doch unsere Partei nicht an das Gekläffe der Gegner zu kehren; am Wenigsten kann uns ge⸗ niren, was die sieben Pastoren und dreizehn Studenten, die sich„nationale Partei“ nennen, über unseren Parteitag sagen! Versicherung gegen Feuerschaden. Genosse H. Stumpf hat hier eine Agentur der „Deutschen Feuerversicherungs-Gesellschaft zu Berlin“ übernommen. Genossen, welche sich versichern wollen, seien an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht. Kleine Mitteilungen. * Ein netter antisemitischer Ab⸗ geordneter. In Wien wurde der frühere christlich⸗soziale Abgeordnete Mittermayer, sei⸗ nes Zeichens Kellner, wegen ltbetsgefaht⸗ licher Bedrohung zu einem Monat Kerker ver⸗ urtheilt. 5 5 ilchinent m/, * In Wetzlar stürzte bei einem Abbruch in der Silhöferstraße der Zimmermann Wer⸗ ner aus Steindorf herunter und trug schwere Verletzungen davon. 1 ö Arbeiterbewegung. — Keine Arbeitslosenunterstütz⸗ ung im Schuhmacherverband. Der Vorstand des Vereins deutscher Schuhmacher macht folgendes bekannt: Die obligatorische Ein⸗ führung der Kranken- und Arbeitslosenunter⸗ stützung wurde durch Ur⸗Abstimmung abgelehnt. Es stimmten 4008 mit Ja, 5465 mit Nein. ö — Die Buchbinderaussperrung ist zu Ende. Die Berliner Buchbinder haben beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, da ihnen seitens der Prinzipale Zugeständnisse ge⸗ macht wurden. Zur Beilegung der noch vor⸗ handenen Differenzen sind von der Tarifkom⸗ mission Verhandlungen angebahnt worden. Verbandstag der Tabakarbeiter. Am Sonntag versammelten sich die Delegir⸗ ten des deutschen Tabakarbeiterverbandes zu ihren Berathungen in Mainz. Die Leitung der Verhandlungen wurde den Delegirten Bör⸗ ner⸗ Berlin und Deichmann⸗-Bremenüber⸗ tragen. Im Verlaufe der Verhandlungen wurde der Antrag auf Einführung der Arbeitslosen⸗ unterstützung mit 47 gegen 17 Stimmen a b⸗ gelehnt. Partei⸗Nachrichten. Eine am Mittwoch in Berlin stattgefundene von etwa 3— 4000 Personen besuchte Parteiver⸗ sammlung proklamirte als Kandidaten für den 6. Kreis, dessen Mandat durch den Tod Lieb⸗ knechts frei geworden war, den Genossen Schrift⸗ steller G.Ledebour. Außer ihm wurden noch vorgeschlagen: Metzner, Arons, Friedeberg, Bö⸗ melburg. Die Proklamirung Ledebours wurde mit Beifall aufgenommen. — Die Redaktion der Branden⸗ burger Zeitung wird am 1. Okt. Genosse A. Meyer übernehmen. Er war früher Ge⸗ fängnißgeistlicher und schloß sich später den Na⸗ tionalsozialen an. Auf Grund eingehender Stu⸗ dien sagte er den Naumännern Valet und trat vor ungefähr Jahresfrist der sozialdemokrati⸗ schen Partei bei. Gießener Stadttheater Sonntag 30. September 1900 Die schöne Ungarin. Operettenposse in 4 Akten von Mannstädt und Weller, Musik von Steffens. Dienstag, 2. Oktober 1900 Uriel Acosta. Trauerspiel in 5 Aktin von Carl Gützkow. Mittwoch, 3. Oktober 1900 Mauerblümchen. Lustspiel in 4 Akten von Blumenthal und Kadelburg. Freitag, 5. Oktober 1900 Der Prabelandidat. Schauspiel in vier Akten von Max Speyer. Versammlungs⸗Kalender. Giesten. Die Sitzung des Gewerkschaftskartells findet nicht am 2. Oktober sondern am Dienstag, den 9. Oktober bei Orbig statt. Sonntag, 30. Septbr. Gleiberg⸗Krofdorf. Maurer. Nachm. ½4 Uhr im„Schwarzen Walfisch“ in Gleiberg. Wieseck. Kegelclub„Gut Holz“, Sonntag Abend: General-Versammlung bei Wirth Hch. Keller. §rmn Urnserer heutigen Gesammt⸗Auf⸗ lage liegt ein Prospekt des Herrn Jürgensen 1 8(Schweiz) bei, worauf wir aufmerksam machen. 1 0 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 40. Seite 6. i 5 und nachdem er die Lehrjahre mit einer langen doch einen echten und rechten Hausgeist, und. Unterhaltungs„Theil„Krankheit bezahlt hatte, legte er die Kelle nieder[das ist doch wohl die Hauptsache.“ t 2 125 und griff zur Feder. Kolweit fand die Rede Brandts etwas Es hat ein Hammer aufgeschlagen. Es hat ein Hammer aufgeschlagen Im menschlichen Maschinensaal, Der Ambos klang, und fortgetragen Wird sein Getön von Thal zu Thal. Die Berge zittern seinem Dröhnen, Die Meere wälzen seinen Ruf; Er bebt ans Ohr der Erde Söhnen Und lebt im Schönen, das er schuf. Aus ihrem dunklen Mutterschoße Wächst auf zur Kraft durch Noth und Leid Die kampfgeborne, palmengroße Lichtangenholde neue Zeit. N Der Daupf umbraust des Kindes Wiege, Zur Hochzeit blühn ihr sternenklar Zum seltnen Lohn vollkommner Siege Leuchtblumenketten durch das Haar. Glückauf, du neue Zeit der Milde, Der Unschuld, die nur Wahrheit kennt, Die nach der Zukunft Geistesbilde Sich vorwärts zu gestalten brennt. Wir richten unser Haupt zum Gruße Entgegen deiner edlen Zier, Wir streuen Palmen deinem Fuße Und huld'gen und psalmiren dir. Dunkle Mächte. 61 Roman von Elise Langer. V Während Käte Maihöfer diese Gespräche mit ihren Eltern führte, saß der Maun, dessen veränderte Glücksumstände die Ursache derselben waren, in seinem descheidenen Stübchen in einer Vorstadt Berlins. Das Stübchen war so llein, daß nur ein Sopha, welches zugleich als Schlaf⸗ stätte diente, ein altmodischer Schreibsekretär, eine Kommode und ein paar Stühle in dem⸗ selben Platz hatten. Indessen besaß es einen Vorzug. Es hatte einen Balkon, der auf große Gärten hinausging. Auf diesem hielt Kolweit im Sommer seine Vögel, deren er als leiden- schaftlicher Naturfreund eine große Anzahl besaß und die nebst dem Blick auf das üppige Grün der Gärten die Freuden seiner Junggesellen⸗ häuslichkeit ausmachten. So mancher wäre schier verwundert gewesen, hätte er diesen als Republikaner und Lassalleaner übel beleumundeten Mann bei der harmlosen Beschäftigung mit seinen gefiederten Pfleglingen oder auf seinem Balkon im Anblick eines flammenden Sonnen⸗ unterganges, eines Mondscheinabends oder des klaren Sternenhimmels schwelgend gesehen. Bernhard Kolweit war es schon als acht⸗ zehnjähriger Jüngling heiliger Ernst um die Freiheit gewesen, und wie er auch unter der Reaktion verfolgt, wie ihm auch jeder Fußbreit Boden zur Gründung einer Existenz streitig ge⸗ macht worden, er hatte unentwegt an seinen Grundsätzen festgehalten. Er war von Geburt Ostpreuße, aber schon als Knabe mit seinem Vater, einem Kaufmann, nach Berlin gekommen, wo dieser das Bürgerrecht erwarb. Als Bern⸗ hard die Universität bezog, grollte das Un⸗ wetter der Revolution bereits an allen Ecken und Enden. Die Bewegung riß ihn in ihre Strudel, und so wurde er mit Brandt, Lorch und den übrigen damaligen Gesinnungsgenossen bekannt. Man saß bis spät in die Nacht zu⸗ sammen, debattirend, philosophirend, wobei der junge Kolweit durch die Strenge seiner Schluß⸗ folgerungen, die keinen Gedankensprung duldete, sich den Beinamen des„logisch verrückten Ost⸗ preußen“ erwarb. Durch seine Betheiligung an den Vorgängen des 18. März aus seiner Karriere geworfen und von sozialistischen Ideen erfüllt, für die er mit allen Mitteln zu wirken entschlossen war, verfiel er auf den Gedanken, die Arbeiterverhältnisse praktisch zu studiren, und zu diesem Zweck ein Handwerk von der Pike auf zu erlernen. Er wurde Maurer, aber sein Körper war den Anstrengungen nicht gewachsen, Inzwischen war sein Vater gestorben, und Bernhard hatte zu Gunsten seiner älteren un⸗ verheiratheten Schwester auf sein Erbe ver⸗ zichtet. So sah er sich auf seine journalistische Thätigkeit allein angewiesen. Es folgten Jahre des Kampfes und Ringens, der vergeblichen Versuche, hier und dort festen Fuß zu fassen, der zerstörten Hoffnungen, der vernichteten Existenz. Ueberall der Polizei ein Dorn im Auge, wurde er überall ausgewiesen. Es blieb ihm nichts übrig, als sich entweder auf Berlin, wo er heimathsberechtigt war, zurückzuziehen, oder auszuwandern. Schon trug er sich ernstlich mit dem Gedanken, der alten Welt Valet zu sagen und in Amerika die Daseinsbedingungen zu suchen, die ihm das Vaterland streitig machte. Aber nun war es Gott Amor selbst, der ihm den Weg zur Freiheit vertrat. Durch Herrn Maihöfer, den er häufig in Versammlungen ge⸗ troffen hatte, lernte er dessen Tochter Käte kennen, und nun war er gebunden für alle Zeit. Von neuem Muth beseelt, schien ihn auch das Glück mehr begünstigen zu wollen. Er hatte Verbindungen im Auslande angeknüpft, die es ihm nach zweijähriger Brautschaft wohl ermöglicht hätten, einen bescheidenen Hausstand zu gründen, allein Kätens Eltern und Ge⸗ schwister bedurften ihrer Arbeitskraft, und so lange daher Kolweit nicht ein Einkommen hatte, welches auch zum Unterhalt für die Familie seiner Frau ausreichte, konnte ans Heirathen nicht gedacht werden. Wie wenig Hoffnung nun auch auf ein solches Einkommen vorhanden vorhanden war, so verlor das Brautpaar doch nicht den Muth. Im schlimmsten Falle mußte es warten, bis die jüngeren Geschwister Kätens erwacsen und imstande waren, die Eltern mit zu unterhalten Jedes für sich mochte wohl manche trübe Stunde haben, besonders Kolweit, der bereits Mitte der Dreißiger stand und starke Sehnsucht nach einer geordneten Häuelichkeit empfand. Seine Braut fand nach ihrer Tages⸗ arbeit immer ihr behagliches Heim, und der kurze Augenblick, den sie mit dem Geliebten plaudern konnte, genügte, um ihre Lebensgeister wieder aufzufrischen und sie mit neuem Muth zu erfüllen. Anfangs war Kolweit mit ihr hinaufge⸗ gangen und hatte ein Stündchen in der Familie zugebracht, je länger die Brautschaft sich aber hinzog, je weniger freundlich ward er von den Eltern willkommen geheißen, weßhalb er sich auf den allabendlichen Gang vom Geschäft und die Sonntagsbesuche beschränkte. Jetzt war wider alles Erwarten ein Ereig⸗ niß eingetreten, das diesem Zustand des Hangens und Bangens ein Ende machte. Doktor Brandt hatte seinen ehemaligen Freund, Bernhard Kol⸗ weit, aufgesucht und ihm eine Stellung in der Redaktion seines Blattes wit einem Gehalt an⸗ getragen, welches jenem bei seinem bescheidenen Sinn ein überaus glänzendes dünkte. Ueber die politische Tendenz des Blattes und die Zwecke, die es verfolgte, hatte Doktor Brandt ihm zufriedenstellende Erklärungen gegeben. Der „Norddeutsche Beobachter“ sollte den großdeutschen Gedanken vertreten und der sozialistischen Zeit⸗ strömung Rechnung tragen. Kolweit sollte den sozialpolitischen Theil übernehmen und seine Ideen rückhaltslos entwickeln und propagiren. Mit dem größten Eifer ging er an seine neue Thätigkeit. Aber auch mit der Hochzeit sollte nun nicht länger gezögert werden. Er vertraute Brandt sofort seine Lage, und dieser gewährte ihm bereitwillig einen namhaften Vor⸗ schuß zur Einrichtung der jungen Wirthschaft. Er zeigte sich zudem außerordentlich erfreut über die nahe Vermählung des Freundes und sprach die Hoffnung aus, daß sich zwischen ihnen ein angenehmer Umgang herstellen würde. Schon jetzt wünschte er die Bekanntschaft Fräulein Maihöfers zu machen und lud das Brautpaar auf einen der nächsten Abende zum Thee ein. „Findest Du auch keine Hausfrau— denn ich habe mich von meiner Frau separirt— so dunkel, doch glaubte er nicht anderes, als daß dessen Ehe gesetzlich geschieden sei. Die Ein⸗ ladung nahm er für sich und seine Braut mit Freuden an.— In das Brandtsche Haus war allerdings mit Fräulein von Saldeck ein neuer Geist ein⸗ gezogen. Man sah nichts mehr von der ersten bunt zusammengewürfelten Einrichtung. Ver⸗ schiedene Gegenstände waren umgetauscht, andere an ihren richtigen Platz gestellt und das Ganze gefällig und mit Bedacht auf allseitiges Be⸗ hagen geordnet worden Helma von Saldeck besaß in hohem Grade die Gabe des Organi⸗ sirens, und unter ihrer Leitung hatte der Haus⸗ halt bald ein festes Gefüge gewonnen. An⸗ muthig wie sie selbst, übertrug sie diese Eigen⸗ schaft auch auf ihre ganze Umgebung. In der Küche waltete sie mit gleicher Sicherheit wie im Salon. Auf die Zubereitung der Speisen ver⸗ stand sie sich vorzüglich, nicht minder auf den Einkauf für die Küche, und sie verschmähte es nicht, selbst auf den Markt zu gehen, wo sie das Beste und Delikateste herauszufinden ver⸗ stand. Ihr Tisch war denn auch stets vor⸗ trefflich besetzt, und neben den Hauptschüsseln gab es immer einen Leckerbissen, den die Kinder mit Jubel begrüßten. Diese hatten sich bald an das Fräulein angeschlossen und merkwürdiger⸗ weise Emmy noch schneller als der sonst zu⸗ gänglichere Charles. Brandt fühlte sich wie im Himmel. Gerade so hatte er sich seine Häuslichkeit geträumt; hier war alles, was er früher entbehrt hatte: ein Behagen verbreitendes Verstehen und Können, anmuthigste Dienst⸗ fertigteit ohne jede Prätention, ohne Laune, ohne Fessel, ohne Zwang für ihn selbst. Wenn er sich jetzt an seinen hübsch servirten Tisch setzte, der mit dem feinen Damafttuch aus dem Hausstand des Oberst Saldeck bedeckt war, und der würzige Duft der Speisen seine be⸗ deutend entwickelte Gourmandise reizte, so fühlte er ein wohliges Prickeln über den ganzen Körper. Dazu besaß Fräulein von Saldeck dasjenige Maß von Bildung, welches er den Frauen zu gestatten geneigt war. Sie vermaß sich nicht, eine eigene politische Meinung zu haben, noch weniger beschästigte sie sich, wie seine Gattin, mit Philosopyie, und vor allen Dingen war sie von den Ideen der Frauen⸗ emanzipation, die ihm ein Greuel, unangesteckt. Daß sie sich thatsächlig emanzipirt hatte, sowohl von ihrer Kaste wie von deren Vorurtheilen, darüber dachte er weiter nicht nach; hatte er doch den Gewinn davon. Im übrigen glaubte er, daß hierbei einfach die Magenfrage be⸗ stimmend gewesen, weil das ganze Erbe der Oberstentochter in hübscher Haus⸗ und Tisch⸗ wäsche und anderen zur Existenz nicht aus⸗ reichenden Dingen bestanden hatte. Wie die meisten Männer, schrieb er den Handlungen der Frauen keine tieferen Beweggrürde zu als Neigung, Laune oder materiellen Zwang. Die oft gehörte Aeußerung, daß das Frauenherz ein Räthsel sei, beruht nur auf der ungenügenden Kenntniß des weiblichen Wesens, für dessen Beurtheilung den Männern der logische Faden mangelt. Inzwischen war es völlig Herbst geworden. Besonders gemüthlich war jetzt die Theestunde an den länger werdenden Abenden. Hier ent⸗ faltete Fräulein von Saldeck, sein reizender Hausgeist, wie Doktor Brandt Helma im stillen nannte, ihre ganze Anmuth, wenn sie zwischen den Kindern ihm gegenübersitzend, auf dem glänzend geputzten Samovar, ebenfalls ein Erb⸗ stück ihres väterlichen Haushalts, den Thee be⸗ reitete, von den Vorkommnissen des Tages be⸗ richtete und die Kinder plaudern machte. Zum ersten Male in seinem Leben hatte er das Ge⸗ fühl des häuslichen Behagens. In seinem ehe⸗ lichen Leben hatte er es nicht kennen gelernt. War es, weil seine Gattin keine Deutsche, oder weil die Ehe als solche daran schuld gewesen, er wußte es nicht, war aber geneigt, das letztere anzunehmen. Er hielt die Ehe für eine Zwangs⸗ 5 N b 1 4 1 — austult, 11 0 te. l 85• wal de beendet mäßig lassen. blieb,! al,, 0 fredigt immer ging 0 in den daran 5 lasche 5 W. 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Was einzig uud allein sein Behagen störte, war der Umstand, daß das Fräulein sich nach beendetem Nachtessen mit den Kindern regel⸗ mäßig zurückzog, um sich nicht wieder sehen zu lassen. Wenn er allein auf seinem Stuhle sitzen blieb, wehte es ihn plötzlich wie eine kühle Luft an. Er fühlte sich mißgestimmt und unbe⸗ friedigt. Seufzend suchte er dann sein Arbeits- zimmer auf, oder er griff nach seinem Hute und ging aus, trieb sich in den Theatern, im Zirkus, in den überfüllten Lokalen umher, ohne Freude daran zu finden und saß oft bis spät in die Nacht in irgend einem Weinhause hinter der Flasche. War es nicht Prüderie von Helma, das Alleinsein mit ihm zu vermeiden, oder wartete sie nur auf seine Aufforderung, wiederzukommen und den Abend mit ihm zu verbringen? Eine Anspielung hierauf hatte jedoch nicht den ge⸗ wünschten Erfolg. Der einzige Weg, sie des Abends festzuhalten, schien ihm der, einigen Um⸗ gang ins Haus zu ziehen, und so kam ihm die devorstehende Vermählung seines Freundes und neugewonnenen Mitarbeiters gerade gelegen. (Fortsetzung folgt.) Die Elektrotechnik auf der Pariser Weltausstellung. (Schluß.) Verwöhnt durch die ungeheueren Vortheile, die ihnen die Entfaltung der modernen Technik bietet, verwirrt durch die Fülle des Neuen, das ihnen fast jeder Tag bringt, haben die Menschen von heute den Blick für die Einzelheiten und den Vergleichsmaßstab ein wenig verloren; sie staunen wohl die großen Maschinen an, wissen aber kaum, daß auch bei ihrem Bau das Gesetz gilt, wonach gewisse Quantitätsveränderungen bei bestimmten Punkten zu Qualitätsverände⸗ rungen werden; Dynamos von 4500 Pferde⸗ kräften sind eigentlich ganz etwas anderes— wenn auch im Prinzip natürlich gleich— wie solche von 45 Pferdekräften, weßhalb denn auch ein genauer Kenner der Elektrotechnik mit Recht sagt, daß die Vergrößerung der Dimensionen von Stromerzeugern leichter gesagt als gethan sei,„denn durch einfache Verlängerung des Radius wird wohl der Kreis, die Umlaufsge⸗ schwindigkeit, die Maße größer, aber damit noch nicht die Spannung, die Energie; und die Er⸗ höhung der Spannung erfordert wieder erneute Berechnung der Maschineneintheilung, denn die hohe Spannung erfordert bessere Isolation, breitere Querschnitte: so ist jeder Schritt weiter in der Vergrößerung der Maschine nur möglich auf Grund sorgfältigster Berechnungen und Ex⸗ perimente.“ Die Lösung des zweiten Grundproblems der Elektrotechnik, die Stromübertragung, ist ver⸗ hältnißmäßig sehr jungen Datums: erst im Jahre 1882 machte auf der elektrischen Aus⸗ stellung in München ein Franzose, Marcel Deprez, die ersten noch mißlungenen Versuche damit; aber schon 1891 verwendete man auf der bedeutenden elektrischen Ausstellung in Frankfurt a. M. elektrischen Strom, den man DD e Gesang⸗Oerein Giessen. Sonntag, den 13. Oktober, Abends 8 Uhr, Feier des 28. Sliftungsfestes, Suberwaren. verbunden mit Theater, Konzert und Tanz, wozu Der Vorstand. ; 5 e a 0 20 Mk. tägl. Nebenverdienst Karten im Vorverkauf(bei den Herren Buchhändler 1 75 18 leicht 11 1 0 510 der„D. Feuer- Vers.-Aktien-Ges, zu Berlin“ freundlichst einladet „Eintrach 175 Kilometer weit von Laufen am Neckar herbeigeleitet hatte: den Ingenieuren Brown und Dolivo-Debrowski war das Unternehmen gelungen. Seither hat man auf diesem Gebiete gewaltige Fortschritte gemacht, und die Zeit ist nicht fern, wo man die Kraft der Wildbäche im Gebirge den industriellen und häuslichen Bedürfnissen weitabwohnender Thalmenschen dienstbar machen kann und wird. Am interessantesten für den Laien, weil ihn am nächsten berührend, sind die Verwendungs- arten der elektrischen Energie. Darunter sind zwei besonders wichtig für unser tägliches Leben: die Lokomotion durch elektrische Kraft und die elektrische Beleuchtung. 1879 die ersten Edi⸗ son'schen Glühlampen auf dem Dampfer „Columbia“; 1900 elektrisches Licht in den Kuhställen von Bauern kleiner Dörfer; 1879 die kleine elektrische Versuchsbahn Siemens und Halskes zwischen Berlin und Lichterfelde, 1899 elektrische Bahnen in 77 deutschen Städten mit 2000 Kilometern Geleislänge; dazu Tesla' sches Licht, Röntgen'sche Strahlen und— Nernst'sche Lampen, die große Sehenswürdigkeit im elek⸗ trischen Pavillon der Weltausstellung. Professor Nernst in Göttingen hat die schon von Jabloch⸗ kow festgestellte Thatsache, daß gewisse Stoffe bei hoher Temperatur den elektrischen Strom leiten und in glühendem Zustande die Fähig⸗ keit der Ausstrahlung großer Lichtmengen be⸗ sitzen, zur Konstruktion einer neuen elektrischen Glühlampe benutzt. Ihr Vortheil vor den bis⸗ herigen besteht darin, daß sie keines luftleeren und empfindlichen Glasgehäuses bedarf, sondern auch nur die halbe Energie wie eine Edison'sche Glühlampe verbraucht. Welches ihre Zukunft sein wird, das wollen wir nicht peophezeihen, Aufsehen erregt sie jedenfalls genug. Aber unvergleichlich mehr bewundert werden doch die cyklopischen Riesenmaschinen. Siemens und Halske in Berlin, Schuckert u. Ko. in Nürnberg, Lahmeyer u. Ko. in Frankfurt, Helios in Köln ragen im Bau von Dynamos, Maschinenfabrik Augsburg⸗Nürnberg, Borsig in Berlin durch den von dazugehörigen Dampf⸗ maschinen hervor. Die ausländische Konkurrenz, weder die schweizerische und französische, noch die englisch-amerikanische, kann ihnen in ihren Er⸗ zeugnissen gleichkommen, obschon auch sie über vorzügliche Maschinen verfügen. Ein gründ⸗ licher Sachkenner, von dem ein vorurtheilsloses Urtheil zu erwarten stand, sagte, daß die deutschen elektrischen Maschinen selbst bei gleichem Nutz⸗ effett der ausländischen gewöhnlich in irgend einer Ecke eine Ueberlegenheit der deutschen Elektrotechnik auf praktischem oder theoretischem Gebiete erkennen ließen. Sprüche zur Lebensweisheit. Es ist eben nicht etwas Seltenes, daß Einer seine Ehre für ein Ehrenzeichen verkauft. * Der Siege göttlichstes ist das Vergeben. (Schiller, Braut.) * Populär. Niemals nur in Kunst und Leben Schlechtem, Halbem Raum gegeben! Populär darf der nur heißen, Der zu seinen Höhn kann reißen. “D. Kaminka Ahrmacher Giessen. Marktplatz 18. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt Wer sich mit Branntwein sättigen muß, Hat seinen Hunger nicht vertrieben: Zum Teufel geht der Spiritus, Dieweil sein Appetit geblieben! * Das wichtigste Degenerationszeichen einer Klasse ist das Zurückgreifen zu alten, werthlos gewordenen Geistes⸗ gebieten: Religiosität, Romantik, atavistische Moral u. s. w. Der kranke Geist hat das Verständniß für den Werth seiner Waffen verloren und greift zu den un⸗ brauchbarsten im Kampfe um seine Existenz, Waffen, die ihm aber gleichwohl die eigene scheinbare Beruhigung wiedergeben können. Eine untergehende Klasse sucht sich eben mit allen Mitteln gegen das Andringen neuer, stärkerer Klassen zu schützen. Aber gerade an der sinnlosen Wahl ihrer Schutzmittel erkennt man ihren Untergang. Gemeinnütziges. „Bei der Fütterug der Kanarien⸗ vögel achte man vor allen Dingen darauf, daß im ganzen Käfig, so ganz besonders in den Futter⸗ und Saufnäpfen, stets peinlichste Sauber⸗ keit herrscht. Beide Gefäße müssen täglich ein⸗ mal gründlich gereinigt werden. Das Futter sollte man niemals gemischt geben. Dadurch verleitet man die Vögel dazu, sich nur die ihnen am besten schmeckenden Sorten herauszusuchen und das Uebrige aus dem Napf herauszuwerfen, d. h. man erzieht sich einen Futtervergeuder. Mit der Verfütterung von Grünem sollte man recht vorsichtig zu Werke gehen; Obst darf nicht regelmäßig, sondern nur in Unterbrechung und auch dann nur ganz wenig gefüttert werden. Zucker aber lasse man ganz fort, denn derselbe erzeugt leicht Magensäure und ernstliche Darm⸗ krankheiten. Vergiftung des Geflügels durch Kochsalz. So wohlthätig geringe Gaben Kocksalz, namentlich als Zusatz für das Weich⸗ futter der Hühner, Gäase und Enten sind, so können doch 16—30 Gramm ein starkes Huhn, wenn es dieses Quantum auf einmal verzehrt hat, innerhalb 8—12 Stunden tödten. Neu eingelaufene Schriften. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. ist soeben ein neues, bochinteressantes Werk über Rußland er⸗ schienen unter dem Titel: Das hungernde Rußland. Reiseeindrücke, Beobachtungen und Untersuchungen von Dr. C. Lehmann und Par vus. Aus dem Prospelt theilen wir Nachstehendes mit: Die im Jahre 1898 stattgehabte Hungersnoth in Rußland, die auch im Jahre 1899 ihre Fortsetzung fand und chronisch zu werden droht, veranlaßte den Arzt Dr. C. Lehmann in München und Parvus, einen ge⸗ borenen Russen, der auf schweizerischen Universitäten seine wissenschaftliche Bildung erlangt und in weiteren Kreisen Deutschlands sich einen Namen erworben hat, im Jahre 1899 eine Forschungsreise durch das Hungergebiet zu machen. Die Ergebnisse dieser Reise sind in dem nunmehr vorliegenden Werke niedergelegt. Das Studium des- selben dürfte für alle Ethnologen, Soziologen, Statistiker, Finanzleute, Nationalökonomen, Aerzte und Andere von großem Interesse sein; die ungeschminkte, gerade Sprech⸗ weise der beiden Autoren wird sicher bei Jedem einen tiefen Eindruck hinterlassen— in der Darstellung er⸗ gänzen sich Arzt und Nationalökonom. „Das reich illustrirte Werk umfaßt 34 Bogen. Die Ausstattung ist eine gediegene Der Preis für das komplette Werk beträgt broschirt Mk. 6.—, in englischer Leinwand gebunden Mk. 7.50. Gleichzeitig ist eine Lieferungsausgabe ver⸗ anstaltet worden, die in 16 Heften A 40 Pfg. komplett vorliegen wird. Alle 14 Tage erscheint ein Heft. Sämmtliche Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen entgegen. Oeffentliche Parteiversammlung Dieustag, den 2. Oktober, Abends 8½ Uhr im Lokale des Genossen Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitage in Mainz. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Marburg. Den Genossen von hier und Umgegend zur Nachricht, daß ich vom 1. Oktober d. J. ab eine Agenfur Schneider, Sonnenstraße, Gastwirth Orbig, Ritter⸗ Anfrage an Industriewerke Übernommen habe und empfehle mich zum Abschluß von Feuer-Ver⸗ gasse, und bei den Mitgliedern) 75 Pf. Abends an der] Rossbach in Wolfstein Nr 1. sicherungen jeder Art. Kasse Mk. 1.— (Rückmarke beifügen). Hochachtungsvoll H. Stumpf, Univ.⸗Str. 15. SSS ASS 2 — Ss * —————— 8 A 2 3 1 5 1 1 e K 1 Nr. 39. 1 Sonntags⸗ Zeitung. A 8. kredfrung ger Aötbeisn 4 8 f N für 5 Große Abschlüsse in Damen- Putz gewähren unseren Kunden auch in dieser Saison großartige Auswahl in ae Artikeln vom einfachsten bis elegantesten Genre. ungarn. Damen⸗Filzhüte, ungarn. Mädchen⸗Filzhüte. Garnirte Damen⸗Filzhüte, Eingetrossen: Neuheiten in Sawmeten, Reihern ete. 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