Woltengasse 20. Johannes Hecker err een Woltengasse 20 — 1 r————— 9————— — l rn e e Nr. 44. Gießen, Sonntag, den 28. Oktober 1900. 7. Jahrg Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspre is: Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) JIJuserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Zur Kohleunoth. In den letzten Monaten haben die Kohlen— preise eine schwindelnde Höhe erreicht. Mit dem Entritt der kälreren Jahreszeit werden sich die Verhältnisse noch weiter verschlimmern. In den Eingeweiden der deutschen Erde sind reiche Kohlenlager vorhanden, an Arbeitskräf⸗ ten und Arbeitsmitteln, sie zu fördern, ist kein Mangel. Und dennoch Kohlennoth! Wie kommt das? Die Soldschreiber der Grubenbarone werden nicht müde, dem Publikum vorzureden, daß die hohen Kohlenpreise eine Folge der Steigerung der Arbeitslöhne seien. Hier und da im Volke finden auch derartige Redereien Glauben. Einsichtige Leute messen aber solchen Behaup⸗ tungen nicht den geringsten Werth bei; es ist schon oftg uenug nachgewiesen worden, daß im letzten Jahre die Löhne der Bergleute fast gar keine oder nur eine ganz verschwindende Auf⸗ besserung verzeichnen, während die Preise der Kohlen fast um 100 Prozent gestiegen sind. — Die Bergwerksgesellschaften sacken deshalb auch riesige Dividenten ein. Nein, die Kohlennoth ist durch den Privat⸗ besitz der Kohlengruben und durch die Habgier der Kohlengrubenbesitzer verschuldet. Diese haben, um den Preis in die Höhe zu treiben, ein Syndikat, einen Verein ge⸗ bildet und sich verpflichtet, nur eine bestimmte Menge Kohlen zu fördern, sodaß das Angebot an Kohlen schwächer als die Nachfrage nach Koh⸗ len wird und die Preise höher und höher ge— schraubt werden können. Ja, einige Gruben haben große Mengen Kohlen ins Ausland ge— liefert und sie dort weit billig er als in Deu tschland verkauft. Sie haben also die deutsche Kohle ins Ausland verschleudert um dafür die Bewohner Deutschlands tüchtig zu schröpfen. Schuld an der Kohlenvertheuerung trägt also die schrankkenlose Macht der Kohlen⸗ barone, die sich ja im politischen Leben als konservatibe uad nottonallibevnse„Patrigter: aufspielen. Man sieht auch hier: Jene nennen „national“ und„Patrioten“ die, die alles von der Nation nehmen, wir nur solche, die al— les für die Nation, für die Allgemeinheit thun. Sinnenfällig zeigt sich bei der Kohlenfrage die Gemeinge fährlichkeit des Pri⸗ vateigenthums an den Produk⸗ tionsmitteln. Die Kohle ist unserem Wirthschaftsleben so nöthig wie dem physischen Leben das tägliche Brod. Sie ist die unentbehr⸗ liche Speise der Dampfmaschinen und Lokomo— tiven wie der Oefen und Herde. Dank der be—⸗ stehenden Gesellschaftsordnung sind von ihr noch immer unerschöfliche Vorräthe im Alleinbesitz einer kapitalistischen Minderheit, in deren Macht und Willkür es liegt, sie maßlos zu ver⸗ theuern, um immer tollere Profite zu erzielen, sozusagen eine künstliche Kohlenhungersnoth über dass allgemeine Wirthschafts- und Privat— leben zu verhängen.. Wie ist der Kohlennoth abzuhelfen? Die Regierungen stehen der Kohlenvertheue— rung rathlos gegenüber, denn, was sie in der Sache gethan, ist ein Schlag ins Wasser. Sie müssen ihr rathlos gegenüberstehen, so lange ihnen die schrankenlose Ausbeutung der wirthschaftlichen Macht des Einzelnen als etwas Selbstverständliches, Unabänderliches gilt. Die Schuldigen an der Kohlennoth sind die Ze— chen mit ihrer langjährigen Minderförderung und systematischen Fernhaltung der Kohle vom Markt, kurz mit ihrer künstlichen Preistrei⸗ berei. Die Möglichkeit solcher Preistreiberei ist aber lediglich begründet in der Macht dieser Art Vereinigungen und in dem Privateigen⸗ thum an den Kohlenbergwerken. Derartige Ver- einigungen kapitalkräftiger Privatbesitzer wer⸗ den gemeingefährlich, weil sie sich nur von ihrem Stern, dem Profit leiten lassen. Diese Ausbeutung kann nur durch Umwand⸗ lung des Privateigenthums in ge⸗ sellschaftliches beseitigt werden, das zum Nutzen der Gesammtheit verwaltet wird. Dies ist das einzige Mittel, ein anderes giebt es nicht. Mit Recht verlangt deshalb unser Partei⸗ programm die Umwandlung des Privateigen— thums an Produktionsmitteln, wozu auch die Gruben und Bergwerke gehören, in gesell— schlaftliches Eigenthum und die Umwand⸗ lung der Waarenproduktion in sozialistische für und durch die Gesellschaft betriebene Pro⸗ duktion. 1 An der Kohlennoth sehen wir, wie noth— wendig die Verwirklichung dieses Zieles im Interesse des Gemeinwohles ist. Und die Verwirklichung wird erreicht werden, weil die Thatsachen mit Nothwendigkeit dahin drängen. Der Kanzlerwechsel. M. V. Es wird viel geschrieben über den deutschen Kanzlerwechsel, aber es wird nichts gesagt. Wie wäre das auch möglich! Der politisch von uns geschiedene Hohenlohe hat es verstanden, was dem General Copaivi trotz seiner militärischen Erziehung und Gewohnheiten noch nicht so gut gelungen war: das Amt des deutschen Reichskanzlers jeder Bedeutung zu ent— kleiden. Wenn nun auf einem Posten, der jede thatsächliche Bedeutung verloren hat, ein Wechsel eintritt— wer kann und wird sich darüber auf⸗ regen, welcher Vernünftige wird daran irgend welche Hoffnungen oder Befürchtungen knüpfen! Mancherorts wird zwar großes Gewicht darauf gelegt, daß gerade Bülow der Nachfolger geworden ist. Dadurch werde die Weltpolitik offiziell zur Herrschaft erhoben, werde der Welt deutlich verkündet, daß das deutsche Reich künftig im Zeichen des Imperialismus stehen und streiten wolle. Uns scheint, daß bei einer soschen Be⸗ urtheilung viel zu keiten gelegt wird. Deutschlands offizielle Zu⸗ kunft liegt nun einmal auf dem Wasser, ob Bülow Reichskanzler ist oder Hatzfeldt oder— Miquel es geworden wären Was Heren v. Bülow die Reichskanzlerschaft verschaffte, war der Um⸗ stand, daß er allein dem Reichstag gegenüber treten konnte, um den verunglückten Rachezug zu vertheidigen, soweit derartiges vertheitigt werden kann. Aber ob Bülow, Miquel oder irgend ein anderer: der Zickzackkurs bleibt der alte und Volldampf voraus geht es nach außen in der viel Gewicht auf Aeußerlich⸗ 4 angeblichen Eroberung des Weltmarktes und nach innen in der Abschließung von demselben und der Provozierung von Zollkriegen. Das Reichskanzleramt ist längst ein Ho f⸗ amt geworden. Wer sich darüber noch tauscht, der will sich täuschen. Angesichts dessen ist es müßig, den neuen Reichskanzler darauf zu prüfen, wie er zu der inneren Politik steht' Zuvörderst wird er mit der äußeren übergenug zu thun haben und soweit das nicht der Fall ist, wird er das Innere mit dem Kennerblick eines preußischen Junkers überschauen, der ein wenig gereist und gelesen hat und der kollegial genug ist, seinen Kollegen wie Miquel und Posadowsky nicht die Karten zu mischen. Die Agrarier befehlen und kommandiren im Innern auch fürderhin und alles, alles wird ihm gehorchen. Daran wird Bülow mit seinen Wasserkünsten nichts ändern. Es ist daher nur ein Beweis für die thönerne Herrlichkeit der Agrarier, daß so etwas wie Schlottern in ihr Gebein fährt, nun nicht Miquel in die Wilhelmstraße übergesiedelt ist. Wie leicht wäre sie in Scherben zu schlagen, wenn Deutschland ein Bürgerthum hätte, das seine Interessen auch nur halbwegs begriffen und den Muth hätte, sie zu vertreten. Da dem nicht so ist, wird der Kampf gegen zwei Fronten von der Arbeiterschaft weiter geführt werden, bis beides überwunden ist: die innerpolitische Reaktion und die weltpolitische Ecoberungssucht. In diesem Kampfe ist gleichgültig, wie die Männer heißen, die die formelle Verantwortung tragen. Das System bleibt und dem System gilt unser Widerstand. Gießen, 25. Oktober. Zum Kampfe gegen die Brotvertheuerer fordert der„Vorwärts“ mit folgenden Worten auf: Die junkerlichen Kornwucherer setzen alle Segel bei, um gelegentlich der bevorstehenden Verhandlungen über die Erneuerung der Handelsverträge den Liebes gaben⸗ Fischzug möglichst reichlich zu gestalten. Ein Sechs⸗ mark⸗Zoll für den Doppelzentner Roggen wird in der agrarischen Presse als das Minimum des zu Erstrebenden bezeichnet, lieber aber würden sie acht oder gar zehn Mark Zoll erhonen sehen. Im gleichen Verhältniß sollen dann auch alle übrigen Lebens- und Geaußgmittel unter der Zoll- und Steuerschraube bluten. In einer Zeit, wo der wirthschaftliche Niedergang von allen Seiten droht, wo das Unternehmerthum überall Vorbereitungen trifft, um die Löhne wieder herabzusetzen und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, in solch bedrängter Zeit will juakerliche Habgier auch die Preise der nothwendigsten Lebensmittel künstkich ins Ungemessene steigern; gegen eine solche Politik werden die Arbeiter bis zum letzten Mann iu den Kampf ein⸗ treten. Gegenüber dem unverschämten Treiben der beute- lustigen Grund- und Schlotjunker gilt es, die Inte⸗ ressen der Konsumenten mit aller Energie zu wahren. Im Reichstage erzielen die Brotwucherer sicher eine Majorität auch für die ausschweifendsten Forderungen, wenn die Wählermassen nicht rechtzeitig mobil machen und den Zöllnern ein Licht aufstecken. Auf die Regierung ist kein Verlaß, denn sie steht unter der Führung des Grafen von Posadowsky ganz unter agrarischem und schutzzöllnerischem Einfluß. Unter solchen Umständen wird es höchste Zeit daß die Konsumenten sich rühren, um das ihnen drohende Unheil abzuwenden. P . 1 ö Seite 2. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 44. Von unserer Parteileitung sind Vorkereitungen ge⸗ troffen, um durch Flugblätter und Pro test⸗ versam lungen die Massen aufzurütteln. Sollten die angekündigten ungeheuren Zollsätze wirklich Auf⸗ nahme in die neuen Vorlagen finden, so dürste ein Pro⸗ tesisturm dagegen in Szene g hen, wie Deutschland ihn noch nicht eclebt hat. Unsre Parteipresse hat den Kampf gegen den Brot⸗ wucher bisher schon mit aller Entschiedenheit geführt, sie wird ihn fernerhin steigern in dem Maße, wie die agrarische Unverschämtheit bestimmtere Forme annimmt. An unsre Genossen im Reiche aber möchten wir die Aufforderung richten, überall die nöthigen Vorbe⸗ reitungen zu treffen für eine umfassende und mit aller Energie geführte Agitation gegen den im größten Um⸗ fang geplanten Brot⸗ und Lebensmittel⸗Wucher. Parteigenossen, seid auf dem Posten!— Brodwucherer an der Arbeit. Für den Zehnmark⸗Zoll auf Rog⸗ gen und Weizen im Maximal⸗Tarif trat der Direktor des Bundes der Landwirthe, Herr Dr. Hahn ein in einer Versammlung, die in Ratingen(Rheinland) kürzlich abgehalten wurde. In derselben Versammlung verlangte noch ein Direktor Götting, daß Zölle auf alle landwirthschaftliche Produkte, be⸗ sonders aber auf Milch, eingeführt werden sollen. Außerdem wurden Werthzölle auf Vieh verlangt. Das deutsche Volk soll aus⸗ gehungert werden. Es wird höchste Zeit, daß es sich auf der ganzen Linie zur Wehr setzt. Noth der Landwirthsch aft existirt in dem Coburger Lande nach dem Zeug⸗ niß des Ministerpräsidenten von Wittken nicht. Er erklärte in einer Rede, die er bei Eröffnung einer landwirthschaftlichen Schule in der Stadt Coburg hielt, die Coburger Landwirthschaft be⸗ finde sich in einem befriedigenden Zu⸗ stande. Die Zunahme des Viehbestandes, zahl⸗ reiche landwirthschaftliche Neubauten überall auf dem Lande legten Zeigniß ab von dem zu⸗ nehmenden Wohlstande der Coburger Landwirthe. Den agrarischen Schreiern wird die Rede des Ministers wohl nicht sonderlich ge⸗ fallen. Uebrigens sind wir auch nicht mit ihm einverstanden. Wir erkennen eine„Nothlage der Landwirthschaft“— soweit die Klein⸗ bauern und die Landarbeiter in Be tracht kommen, gerne an, daß aber Ritter⸗ gutsbesitzer sich in einer solchen befinden, müssen wir entschieden bestreiten. Schmiererei bei den Scharfmachern. Unser Leipziger Parteiorgan ist in der Lage, einen Brief des Sekretärs des Zentral⸗Verbandes deutscher Indrstrieller veröffentlichen, datirt aus der Zeit, als den deutschen Arbeitern die Zucht⸗ haus vorlage drohte, Schweinburg und die übrigen Soldschreiber der Scharfmacher eine un⸗ geheuere Agitation für dieselbe entfalteten und die Geheimräthe Posa dowsky's sich bemühten, die berühmte„Denkschrift“ zusammenzustoppeln. Das geheimnißvolle Schreiben, dessen Echtheit nicht angezweifelt werden kann, lautet: Berlin, den 3. August 1898. Das Reichsamt des Innern hat mir persönlich gegenüber den Wunsch ge⸗ äußert, daß die Industrie ihm 12 000 Mark zum Zwecke der Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses zur Verfügung stellen möchte. Ich habe diese Angelegenheit dem stellver⸗ tretenden Vorsitzenden des Zentral⸗ Verbandes, Herrn Geh. Finanzrath Jeucke, unterbreitet, der es aus nahe⸗ liegenden Gründen für zweckmäßig er⸗ achtet hat, dieses etwas eigenthümliche Verlangen nicht zurückzuweisen Herr Geheimrath Jeucke hat für die Firma Krupp 5000 Mark zu dem erwähnten Zweck zur Verfügung gestellt. gez. H. A. Bueck. Es ist angebracht, sich den äußeren Verlauf der Dinge, vor der Einbringung der Zuchthaus⸗ vorlage ins Gedächtniß zurückzurufen. Am 17. August 1897 hielt Wilhelm[I. die Rede auf dem Sparrenberge bei Bielefeld, in welcher schwerste Strafe demjenigen angedroht wurde, der andere an frei⸗ williger Arbeit hindert. Im De⸗ zember 1897 gab Graf Posadowsky einen ge⸗ heimen Erlaß heraus, worin er die Regierungs⸗ und Polizeibeamten aufforderte, über die Streik⸗ bewegungen usw. Bericht zu erstatten. Den Erlaß veröffentlichte der„Vorwärts“ im Januar 1898.— Im Juni desselben Jahres fanden die Reichstagswahlen statt. Anfangs August 1898 empfingen mehrere große Unter⸗ nehmer das oben veröffentlichte Schreiben von Herrn Bueck, dem Generalsekretär des Zentral- verbandes deutscher Industrieller. Am 6. Sep⸗ tember 1898, hielt der Kaiser einen Trinkspruch in Oeynhausen in dem es hieß, daß jeder, der zum Streik anreizt, mit Zuchthaus besteaft werden soll.— Wollte das Reichsamt des Innern mit einer Agitation für die Zuchthaus⸗ vorlage einsetzen, so standen ihm doch gewiß Mittel genug zur Verfügung und es hatte nicht nöthig, den Zentral⸗Verband um lumpige 12 000 Mark anzubetteln. Floß diese Summe aber in die Tasche eines einzelnen oder einzelner Be⸗ amten, so wäre dies ja eine ganz unerhörte Korruption. Jedenfalls hat das Reichsamt des Innern die Verpflichtung, volle Aufklärung über diese Angelegenheit zu geben. Wegen der Verfassungsverletzung der sich die deutsche Regierung durch Nichtein⸗ berufung des Reichstags schuldig gemacht hat, beabsichtigt Graf Bülow nach offiziösen Mit⸗ theilungen Indemnität(Straflosigkeit; nachträg⸗ liche Genehmigung eigenmächtiger Handlungen) vom Reichstage zu fordern. Dabei sollen die Gründe dargelegt werden, aus welchen eine Be⸗ rufung des Reichstags nicht erfolgt ist.— Sicher werden sämmtliche bürgerlichen Parteien Khakirummel sanktioniren, unsere Genossen allein werden die Verfassung vertheidigen. Unser Platz an der Sonne. Zahlreiche nach Deutschland gelangte Nach⸗ richten bestätigen, daß die Verhältnisse in dem „Pachtgebiet“ Kiautschau denen in unsern afrikanischen Besitzungen verteufelt ähnlich se⸗ hen. Aus allen Berichten geht hervor, daß auf deutsch⸗chinesischem Boden lange nicht Alles Gold ist, was glänzt, so sehr sich auch unsere in abenteuerlicher Weltpolitik machende Presse Mühe giebt, durch romantisches Phrasengeklin⸗ gel über die rauhe Wirklichkeit hinwegzutäu⸗ schen und die Verhältnisse in den rosigsten Far⸗ ben zu schildern. Zu den schon bekannt gewor⸗ denen Annehmlichkeiten tritt noch der Hun⸗ gertyphu ss hinzu, über dessen Auftreten in Kiautschau unser Kieler Parteiorgan, die „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung“ unan⸗ fechtbares Material veröffentlicht. Aus demsel⸗ ben geht hervor, daß in dem Seuchenlazareth in Tsingtau in der Zeit vom 1. Aug. bis 15. Sept. nicht weniger als 66 am Hungertyphus Darnie⸗ derliegende behandelt wurden. Verstorben sind neun am Hungerstyphus leidende und drei andere Kranke. Man brachte aber auch noch Lei⸗ chen am Typhus Verstorbener von außerhalb in das Lazareth, was beweist, daß in dieser Zeit eine wirkliche Hungertyphusepide-⸗ mie in Kiautschau herrschte. Der Hungertyphus oder auch Flecktyphus ist eine Krankheit, die, wie ihr Name schon andeu⸗ tet, stets als Beale itec der entsetzlich⸗ sten Noth auftritt. Der Stolz der Weltpoli⸗ tiker auf das für unseren Frieden mit China so gefährliche Plätzchen an der Sonne, ist also nach allen Seiten unberechtigt. Kiautschau ist auch ein Gebiet des grausigsten wirthschaftlichen Elends, über das der Hungertyphus seine Gei— ßel schwingt. Dort sucht das Kapital seine Hoff⸗ nung, dort müssen Kinder Deutschlands ihre Dienstzeit abbüßen! Sollte dies den Weltpoli⸗ likern nicht zu denlen geben? Hunnenbriefe. In letzter Zeit sind mehrere Briefe bekannt geworden, welche deutsche Soldaten in China an ihre Angehörigen gerichtet haben. Diese Schreiben lassen erkennen, in welcher Art die „europäische Kultur“ dort verbreitet wird. So schreibt ein biederer Hunnenkrieger an seinen früheren Meister in Düsseldorf unter Anderem: „Hier geht es aber kritischer zu als wie in Deutsch⸗ land denn die Schinesen werden hier so ze r⸗ hauen, so daß sie in ihrem ganzen Leben an die deutschen Soldaten denken. Wir machen uns des Morgens schon um 2 Uhr auf und d. suchen sämmtliche Dörfer und 9 5 alle Waffen welche sie überhaupt haben, denn wo wir gesucht haben, da liegt alles auf einem Haufen wie Kraut und Rüben und wenn wir jerade den Schinesen in die Hände bekommen, der Waffen hat der bekommt nicht bloz Blaue Augen, sondern zu⸗ erst bekommt er Fünfzig mit einem Ochsen⸗ ziemer, daun kaun er aber nicht mehr Amen sagen und daun wird ihm der Zopf abge⸗ schlagen nämlich mit ihre eigenen Degen, welche wir bei ihnen finden und diese sind meistens Acht Centi⸗ meter Breit da kann der Meister sich wohl vorstellen was das für Dinger sind. Wir haben bis jetzt schon mindestens Einhundert Lanzen zwanzig Degen und einen ganzen Haufen Pistohlen und Gewehre und noch mehr so schöne Maffen. Gechrter Meister wir gehen hier den ganzen Tag mit Ein hundert und⸗ zwanzig Scharfe Patronen herum und haben meistentheils umgeschnallt und des Nachts liegen wir Feldmarschmäßig in unsere Schützengräben und erwarten immer einen Angriff von das hinter- listige Pack. Wir haben jetzt schon über Zwölf Wochen keine Hose vom Leide gehabt da kann der Meister sich wohl denken wie uns die Rippen im Leibe weh thuen aber alles hat seinen übergang. Das Essen ist hier auch sehr Mau, denn wir müssen uns hier mit das Schinesenfutter herum Schlagen aber an Hühnern fehlt es doch nicht. Löhnung bekommen wir auch keine denn ich habe bis jetzt schon Achtandfünfzigmark im Abrech⸗ nungsbuch stehen.. Geehrter Meister wenn ich noch einmal Glücklich wieder nach Tsing au komme dann schicke ich zuerst genügend Ansichtskarten. Ich will Schließen in der Hoff aung daß euch diese Zeilen Gesund und munter antreffen wie sie mich verlassen. Viele Grüße sendet euch Beim Lesen dieses buchstabengetreu wieder⸗ gegebenen Briefes erinnert man sich unwillkürlich der Hunnenrede. Der Rückkehr dieser ver⸗ rohten Soldateska nach Deutschland müssen die Bürger wahrhaftig mit einiger Besorgniß entgegensehen. Kulturstaat Preußzen. Wie es mit der vielgerühmten deutschen Kultur in Wirklichkeit aussieht, davon giebt die „Preuß. Lehrerzeitung“ ein Bild, indem sie nachrechnet, daß im Jahre 1896 in Preußen 2409 Kinder nicht in die Volksschule aufge⸗ nommen werden konnten, weil es an Schul⸗ zimmern und an Lehrern fehlte.— Da⸗ gegen hat man nie gehört, daß Mangel an Unteroffizieren und Kasernen ge⸗ herrscht habe. Die Lübecker Streikposten⸗Verordnung, welche das Brandenburger Schöffengericht als ungesetzlich bezeichnete, hat nun die Hamburger Strafkammer für rechtsgültig erklärt. Letztere verurtheilte den verantwortlichen Re⸗ dakteur des„Hamburger Echo'“ Genossen Molkenbuhr, der in seinem Blatte ebenfalls die Lübecker Arbeiter aufgefordert hatte, die Ver⸗ ordnung nicht zu beachten, zu 100 Mk. Geld⸗ strafe. Es werden nun die höheren Instanzen entscheiden müssen, ob die Abschaffung des Reichsrechts durch eine polizeiliche Verordnung erlaubt ist. Leibeigenschaft in Mecklenburg Ein Gräflein in Mecklenburg, Besitzer eines Rittergutes leidet auch unter der Leutenoth. Um derselben abzuhelfen, beauftragte er seinen Inspektor folgenden Brief loszulassen: An den Gastwirth Siems zu Röbel. Der Herr Graf verlangt von dem Tag⸗ löhner Moß hier, daß seine Tochter, welche bei Ihnen im Dienst steht, vom 25. Okt. 1900 ab hier auf dem Gute in Dienst zieht. Hochachtungsvoll gez. Fr. Schröder, Insp. So etwas kann sich der Graf erlauben auf Grund der mittelalterlichen Gesetze, die ihm auf seinem Grund und Boden Polizeigewalt verleihen. Vernünftiger Beschluß. Die Stadtverordneten Königsbergs nahmen einen Antrag an, eine gemischte Kom⸗ mission zu wählen, welche größere Koh len⸗ vorräthe einzukaufen und solche der Bürgerschaft zum Selbstkostenpreise abzugeben hat. Die dazu erforderlichen Mittel sollen der Kämmereikasse entnommen werden. Diesem Bei⸗ spiele sollten noch recht viele Gemeinden folgen. = — — — — deutschen giebt die indem fee Preußen le aufge⸗ Schul⸗ . Da⸗ zungel an nen ge dnung, sfengetich nun die ig eillict ichen N. Genossn enfalls die die Ver; Nl. Gab Jnstanzel fung des erordnung ö 5 1 K 1 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Einigen Bürgerstolz legte kürzlich die Berliner Stadtverordneten⸗ Versammlung an den Tag, indem sie es a b⸗ lehnte, der Kaiserin eine Geburtstags⸗Glück⸗ wunsch⸗Adresse zu übersenden. Dieser Beschlug wird als eine Antwort auf das sonderbare „Dankschreiben“ aufgefaßt, welches die Kaiserin im vorigen Jahre der Sta dtverordneten-Ver⸗ sammlung zugehen ließ und in dem den Stadt⸗ verordneten Vorwürfe wegen ihres Verhaltens in kirchlichen Angelegenheiten gemacht wurden. Jeder Bürger, der noch etwas Rückgrat besitzt, wird über diesen Beschluß Genugthuung empfinden. Nicht so die anti semitischen Byzan⸗ tiner in Berlin. Sie protestirten dagegen in einer Versammlung, in welcher der berühmte „Dreschgraf“ wieder eine Vorstellung gab die sich den vorhergegangenen würdig anreihte' Die Apothekenverstaatlichung. kam kürzlich im Finanzausschuß der hessischen zweiten Kammer zur Sprache. Abg. Ulrich hatte einen Antrag gestellt, welcher die Ueber⸗ nahme der Apotheken durch den Staat bezweckt. Der Antra; wur de sympathisch aufgenommen und da der neue Finanzminister Gnauth sich noch vor Kurzem als Oberbürgermeister von Gießen für Errichtung einer Apotheke durch die Stadt aue sprach, so ist anzunehmen, daß er dem Antrage Ulrich's mindestens keine Schwierig⸗ keiten bereitet. Bei den zwei Reichstagsersatzwahlen, welche am 18. Okt. stattfinden, hat unsere Par⸗ welche am 18. Okt stattfanden, hat unsere Par⸗ tei nicht ungünstig abgeschnitten. In beiden Kreisen ist eine Stichwahl erforderlich, die für uns nur im Kreise Westhavelland aus⸗ sichtsvoll 4 Sier stiegen auch unsere Stimmen um etwa 250. Unser Kandidat Peus erhielt 9509; v. Loebell(kons.) 7116; und Bode (freis.) 3426 Stimmen. Die gegnerischen Stim⸗ men insgesammt sind gegen 1898 um ca. 700 zurückgegangen. Der Ausfall der Stichwahl hängt von dem Verhalten der Freisinnigen ab, die sich bei den allgemeinen Wahlen zu den konservativen schlugen. Unser Sieg ist also zwei⸗ felhaft.— Im Kreise Wanzleben gingen im Vergleich zu den 98er Wahlen unsere Stim⸗ men um reichlich 300 zurück, die gegnerischen ebenfalls um 300. Unsererseits kandidirte in diesem Kreise Genosse Gerlach, Tischler in Kal⸗ berstadt. Er erhiel“ 0025; Schmidt(nd 9 5166; v. Kotze(kons.) 3767 Stimmen. Die Stichwahl wird hier zeifellos zu Gunsten der Nationall beralen ausf. len. Am 30. Okt. findet im 6. Berliner Wahl⸗ kreise die Ersatzwahl für Liebknecht statt. In diesem Kreise wurde die höchste Stimmen⸗ zahl überhaupt abgegeben; Liebknecht erhielt 1898 58 778, die Freisinnigen brachten es auf 10 603 und die Konservativen auf 15 554 St. Letztere haben den antisemitischen Stadtver⸗ ordneten Ulrich aufgestellt, während die Frei⸗ sinnigen auf eine Kandidatur Verzicht geleistet haben. Angesichts dieser Umstände ist es sehr leicht möglich, daß Genosse Ledebour nicht die hohe Stimmenzahl Liebknechts erreicht. Keine sozialdemokratische Lanbtagsmehrheit. Im Herzogthum Gotha drohte eine so⸗ zialdemokratische Landtagsmehrheit, zur Freude der Ordnungsleute ist aber diese Gefahr glück⸗ lich abgewendet. Unsere Genossen errangen bei den Wahlmännerwahlen neun Mandate: da der Landtag nur 19 Abgeordnete. zählt, fehlte nur ein einziges Mandat zur Mehrheit. Die Möglichkeit, daß uns bei den Abgeoronsetenwah⸗ len noch ein solches zufallen würde, war in dem 14. Kreise gegeben, wo unseren 19 Wahlmän⸗ nern 23 gegnerische gegenüberstanden, von de⸗ nen 12 konservativ und 11 freisinnig waren. Die Befürchtung, daß sich einige freisinnige Wahlmänner zu unserer Partei schlas n ober sich de: Abstimmung enthalten würden, hat sich gucht bestätigt, die Wahlmänner der„Ord⸗ mungsparteien hielten wacker zusammen, wie sich bürgerliche Blätter ausdrücken, wählten den Liberalen Insatz und so blieb der Welt das Parlaments- Schreckniß einer sozialistischen mehrheit erspart! Bannstrahl eines Geistlichen gegen den ehemaligen Amtsbruder. Genosse Göhre, der ehemalige Pastor, hielt kürzlich in Frankenberg(Sachsen) eine Volks⸗ versammlung ab. Im Laufe derselben erhei⸗ terte er seine Zuhörer durch die Mittheilung, daß der Pfarrer in Sachsenburg, Herr Vogel, am Vormittag in der Kirche gegen ihn Göhre, gepredigt habe. Der Pfarrer in Sachsenburg erzählte in der Predigt, daß Göhre ein alter Bekannter von ihm sei; aber nun kündige er ihm die Freundschaft. Er werde das Göhre brieflich mittheilen. Genosse Göhre er⸗ hielt auch in der Versammlung einen Brief, mit der Aufschrift auf dem Couvert:„Herrn Paul Göhre, Pfarrer a. D., sozialdemokratischer Agitator.“ Daß die ehemaligen Amtsbrüder des Genossen Göhre nicht erbaut darüber sind, daß einer der ihren, und zwar einer der Besten, sich der Sozialdemokratie zuwandte, ist erklär⸗ lich. Göhre wird hoffentlich den„vernichtenden Schlag“ ohne Nachtheil überwinden. Für die Beseitigung des Reichstags⸗ wahlrechts so wie es jetzt in Geltung ist, trat auf dem hessischen Handelskammertage, der am Sonntag in Mainz stattfand, Herr Schloßmacher ein, der nationalliberale Reichstagskandidat in Offenbach im Jahre 1898. Er erhielt je⸗ doch eine gehörige Abfuhr.— Vom Handels— kammertag ist noch weiter erwähnenswerth, daß er sich entschieden gegen die agrarischen Zahl⸗ orderungen aussprach. Einführung einer Umsatzsteuer hat der Rath zu Dresden mit großer Mehr⸗ heit abgelehnt. Dieser Beschluß erfolgte aber keineswegs etwa aus der Erkenntniß, daß eine Umsatzsteuer rückständig und diese ein ungerecht⸗ fertigtes Mittel sei, die Arbeitsgenossenschaften zu knebeln und dem Publ kum die Kosten einer aussichtslosen Mittelstandsrettung aufzuerlegen. Von einer solchen Einsicht ist der Dresdner Stadtrath nach wie vor weft entfernt, der Dresdner Umsatzsteuergesetzentwurf ist vielmehr nur gefallen, weil die hand esgesetzliche Waaren⸗ haussteuer immer bestimmiere Form annimmt. Aus einer Ministerrede. In seiner von uns schon in der vorigen Nummer erwähnten Rede sagte der französische Handels minister Milleraud u. a.: „Meine Politik hat mir zwei sich entgegenstehende Vorwürfe eingetragen. Die Einen sagen, ich organi⸗ sire den sozialen Krieg, die Anderen werfen mir vor, ich habe meine Ideale aufgegeben und begnüge mich mit kindischen Reformen. Beide Vorwürfe sind un⸗ berechtigt; ich bin meinem Programm, das ich 1896 in St. Mandé aufgestellt, treu geblieben. Ich bleibe davon überzeugt, daß die Lohnarbeit ebenso wenig eine ewige Institution ist, wie es die Sklaverei und die Leibeigenschaft gewesen sind. Das Eigenthum, ohne das die Freiheit des Individuums unmöglich ist, wird, das ist meine feste Ueberzeugung, eines Tages nur unter der Form auftreten, zu der die Entwicklung des Maschi⸗ nismus und die Konzentration des Kapitals führt, d. h. unter einer gesellschaftlichen Form, allen Menschen ohne Ausnahme gehörend. Ohne Zweifel, bis zur Verwirklichung dieser Ideen ist ein langer, schwieriger Weg; der endliche Sieg kann nur das Werk der Zeit und der Erziehung sein. Davon bin ich noch eben so überzeugt wie 1893 und 1889, als ich vor meinen Wählern erklärte, daß die Gewalt nicht ein Mittel der sozialen Umwälzung sein könne.. Nein, nein! Bürger! Weder durch einen Koup, noch durch Gewalt, nicht durch die Diktatur, sei es die einer Person oder einer Partei, nicht durch die Gewalt und den Haß erstrebt und erhält das Prole⸗ tariat seine Emanzipation. Die Arbeiterklasse wird den Sieg erringen, indem sie sich jeden Tag mehr dazu befähigt, disziplinirt und sich selbst erzieht. Die Befreiung der Klasse, das wird der Preis sein der unaufhörlichen Anstrengungen, welche ihren Lohn nicht blos in dem Gefühl erfüllter Pflicht finden, sondern auch in den Verbesserungen in der Gegen⸗ wart, die mit jedem Tage bedeutender werden. Es ist die Pflicht, die Aufgabe der republikanischen Regierung, diesen Umwälzungsprozeß zu unterstützen. Diese Politik des Friedens, der Reformen, der gesetz lichen Organisation vertheidige ich energisch und diese Politik ist würdig Frankreichs und würdig der Republik.“ Die Wiener„Arb.⸗Ztg.“ sagte dazu: Das sind klare und muthige Worte, um dereutwillen man Millerand manches nachsehen darf, was dem Sozia⸗ listen an den Handlungen der Regierung, der Millerand 2 angehört, nicht gefallen mochte. Es ist ein offenes Be⸗ kenntniß zur sozialistischen Lehre, wie es noch kein eitender Staatsmann gewagt hat. Millerand ver⸗ lschmähte die Leisetreterei, der auch die fortgeschrittensten unter den bürgerlicheen Politikern, die radikalen Sozial⸗ politiker der verschiedensten Kulturstaaten, nicht entsa gen lönnen. Er macht nicht den Versuch, durch die Phrase von einem„sozialen Aufstieg“ der Lohnarbeiterschast die Widersprüche der ke pitalistischen Wirthschaft zu verhüllen oder an die Stelle des reinen sozialistischen Gedankens einen halpschlächtigen Staatssozialismus zu setzen, der in 3 icklichkeit auf eine vervollkommnete Armenver⸗ sorgung hinausläuft. Der Sozialismus will das Grundprinzip der heutigen Wirthschaftsordnung, den Verkauf der Arbeitskraft an den Besitzer der Produktions⸗ mittel, aufheben, und Millerand stellte dieses Ziel als ebenso gewiß hin wie die Aufhebung der per⸗ sönlichen Unfreiheit. Der Emanzipation der Sklaven und der Hörigen wird die der Proletarier folgen, und wie die heuige Gesellschaft einen sozialen Zunan d als unwürdig und unmenschlich betrachtet, in dem der Mensch selbst wie eine Sache Gegenstand dis Eigen⸗ thums und des Verkehrs ist, so wird eine höher ent⸗ wickelte und im Geiste der neuen Sittlichkeit erzogene Menschheit auch das Recht der Persönlichkeit, sich zu bethätigen und zu arbeiten, nicht von der Gunst eines Anderen abhängig machen, und sie wird dem Ar⸗ beitenden das Recht auf die Früchte seiner Arbeit sichern. Wer diesen Grundsatz verkündet und zu verwirklichen anstrebt, ist ein Sozialist. Das Ziel ist allen Sozialisten gemeinsam, mögen auch die Wege, die Mittel, dem Sozialismus zum Sieg über die heutige Gesellschaft zu verhelfen, verschieden seig. Man kann daran zweifeln, ob ein Sozialist als Mitglied einer bür jerlichen Regierung erfolgreich zu wirkten vermag, man kann ihm aber, wenn er seine Prinzipien fo rück⸗ haltlos zum Ausdruck bringt, das Vertrauen zu seinem 1 und zu seinen guten Absichten niht ver⸗ agen. Gerechtigkeit in Galizien. Genosse Das zynski, im letzten österreichi⸗ schen Reichsrathe Abgeordneter für Krakau, wurde kürzlich von dem dortigen Gerichte zu zehn Wochen strengeu Arrest verurtheilt. Dieser Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Im Sommer 1897 wurde im Krakauer Sommer- theater ein von einem Staatsanwalt verfaßtes „Stück“ aufgeführt, in welchem der saubere Poet den kurz vorher gewählten Abgeordneten Das⸗ zynski in gemeinster Weise beschimpfte. Die städtische und andere Bühnen weigerteu sich, das elende Machwerk zu bringen, schließlich führte es das Sommertheater, eine Schmiere gewöhn⸗ lichster Sorte, auf. In diesem Stücke reizt nach der Vorschrift des„Dichters“ ein„Sozialdemo⸗ krat“ die Bauern zum Diebstahl auf, und der Darsteller spielte seine Rolle in der täuschend nachgemachten Maske Das⸗ zynski's! Aus diesem Anlasse kam es im Theater zu Tumulten und Genosse Daszynski wurde ange— klagt, zu Widersetzlichkeiten aufgefordert zu haben. Trotz der entlastenden Aussagen der Zeugen, selbst der Polizisten, kam der„unparteiische“ Gerichtshof zu obiger Verurtheiluug. Dadurch hoffen die Reaktionäre vielleicht, die Wiederwahl unseres Genossen bei der bevorstehenden Neu⸗ wahl zum Reichsrathe zu verhindern. Der Krieg mit China. Bezüglich des ferneren Vorgehens in China hat die deutsche Regierung mit der englischen eine Vereinbarung getroffen, die sich als eine Abkehr Deutschlands von der im Sommer pro⸗ flamirten Rachepolitik darstellt. Der Vertrag hat folgenden Wortlaut: 1. Es entspricht einem gemeinsamen und dauernden und internationalen Interesse, daß die an den Flüssen und an der Küste Chi⸗ nas gelegenen Häfen dem Handel und jeder sonstigen erlaubten wirthschaftlichen Thätig⸗ keit für die Angehörigen aller Na⸗ tionen ohne Unterschied frei und offen bleiben: und die beiden Regier— ungen sind mit einander einverstanden, dies ihrerseits für alles chinesisches Gebiet zu be— obachten, wo sie einen Einfluß ausüben können. 2. Die deutsche Regierung und die eng— lische Regierung wollen ihrerseits die Ver wicklung nicht benutzen, um für sich irgend welche territorialen Vortheile auf chinesischem Gebiet zu erlangen, und werden ß.—— 5 u! 2 — Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 44 3. Sollte eine andere Macht die chinesischen Komplikationen benutzen, um un⸗ ter irgend einer Form solche territo⸗ rialen Vortheile zu erlangen, so behalten beide Kontrahenten sich vor, über etwaige Schritte zur Sicherung ihrer eigenen Inter⸗ essen in China sich vorher unter ein⸗ ander zu verständigen. 4. Die beiden Regierungen werden diese Uebereinkunft den übrigen betheiligten Mäch⸗ ten, insbesondere Frankreich, Italien, Ja⸗ pan, Oesterreich-Ungarn, Rußland und den Vereinigten Staaten von Amerika, mitthei⸗ len und dieselben einladen, den darin nieder⸗ gelegten Grundsätzen beizutreten. Der Vertrag richtet seine Spitze zweifellos gugen Rußland, das die Annexion der von ihm besetzten Mandschurei(großes Gebiet im Nord⸗ osten Chinas) vorbereitete. Das rußlandfreund⸗ liche Organ der Agrarier spricht sich deshalb auch abfällig über das Abkommen aus.— Un⸗ ser Parteiorgan in München meint, der Ver⸗ trag beseitige vielleicht die Gefahr eines Welt⸗ kriege, lege den Grund zu einer westeuropäischen Koalition, deren Ziel die dauernde Bändigung Rußlands und seiner verhängnißvoll sich gel⸗ tend machenden Unkultur und politischen Re aktion sein müßte. Vom Weltgeneral wird berichtet, daß er in Peking angekommen, aber an Dysenterie (Darmentzündung) erkrankt sei. Der Krieg in Südafrika. Präsident Krüger reiste mit dem Dampf⸗ fer„Gelderland“ von Lourenzo Marques ab. Sein Ziel soll zunächst Corsika sein.— Die belgische Regierung habe Dr. Leyds mit⸗ getheilt, daß sie einen längeren Aufenthalt des Präsidenten Krüger in Belgien nicht gern sehen warde, da dessen Anwesenheit zu englandfeind— lichen Kundgebungen Anlaß geben würde, die die belgische Regierung nicht dulden könne. General Buller kehrte nach England zu⸗ rück. Es finden immer noch Kämpfe statt. So begegnete General French auf seinem Marsche vo. Carolina nach Bethel anhaltendem Wider⸗ stande und verlor 36 Mann. Auch sonst hatten die britischen Truppen in mehreren Scharen itz⸗ eln Verluste; dabei fielen insgesammt fünfzig Mann. Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. Gewerkschaftsversammlung. Eines recht zahlreichen Besuches erfreute sich die am Sonntag im Orbig'schen Lokale abgehaltene Gewerkschaftsversammlung. Herr Gewerbe-In⸗ spektor Engeln hielt zunächst einen Vortrag über die Weltausstellung in Paris, der von den Anwesenden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Herr Engeln sprach zunächst seine Freude darüber aus, daß er dem Wunsche der Arbeiter, etwas über die Ausstellung vorzutragen, nach— kommen könne. Allerdings könne das nur eine kleine Exkursion sein. In der kurzen Zeit, die ihm zu Gebote stand, war nur ein kleiner Theil der riesigen Anlage zu besichtigen möglich.— Die Ausstellung, erklärte der Herr Vortragende, befindet e e e ein kleinerer Theil, die Gruppen für Eisenbahn— wesen, Rettungswesen und Arbeiterwohnungen ist in Vinzennes in einer Sonderausstel—⸗ lung untergebracht. Redner führte nun vor, was er in den einzelnen Gruppen besonders Be— merkenswerthes gefunden habe. In der Gruppe für Erziehung und Unterricht sei her⸗ vorzuheben, daß die Fachschulen in Frank- reich zugleich mit Werkstätten verbunden seien, Theorie und Praxis ergänzten einander; erst später zeige sich, für welches Fach sich der Lehrling eigne.— Im Maschinenwesen stellen alle Kulturländer aus; hervorragende Leistungen bieten aber die Vereinigten Staaten, Deutschland und England. Amerikanische Ma⸗ schinen seien mit die besten; die deutschen zeich⸗ neten sich durch Akkuratesse, gefällige Formen und ruhigen Gang aus; Schutzvorrich⸗ tungen waren nur an wenigen angebracht, vielleicht um das gefällige Aeußere nicht zu beeinträchtigen. Wünschenswerth wäre, wenn die Maschinenfabriken gehalten würden, die Schutz⸗ vorrichtungen gleich mit anzubringen, damit die⸗ selben später nicht störend wirken, wenn der Empfänger sie auf seine Kosten anbringen lassen muß. Redner erwähnte besonders amerikanische Drehbänke mit eigenartig gehärtetem Dreh⸗ stahl, der selbst bei glühendem Zustande nicht weich wird. Dadurch können diese Maschinen eine weit stärkere Arbeitsleistung verrichten, als gewöhnliche Drehbänke. Drehspäne von respek⸗ tabler Dicke zeigte der Redner. Auch die Ma⸗ schinen zur Herstellung von Eisengittern aus einem Stück, ohne Metallverlust sind inter⸗ essant. Auch von den auf solche Art her— gestellten Gittern hatte Herr Engeln Proben mitgebracht.— Von elektrischen Maschinen stellen deutsche Firmen die besten aus. Diese zeichnen sich besonders durch ruhigen Gang und verhältnißmäßig geringen Kohlenverbrauch aus. — In der chemischen Industrie stellen beson⸗ ders Amerika, Frankreich und Deutschland aus. Letzteres namentlich Farbstoffe. Hier erscheint als eine bedeutende Errungenschaft der künst⸗ liche Indigo, der vorher nur aus indischen Pflanzenstoffen, jetzt auf chemischem Wege herge— stellt wird. Interessant sei ferner die Herstel⸗ lung flüssiger Luft. Diese habe allerdings in der Industrie noch keine Bedeutung erlangt, könne aber bei Tunnelbauten und in Bergwerks- schächten zur Verbesserung der Luft Verwen⸗ dung finden. Redner besprach dann noch weiter in anziehender Weise die Ausstellung für Hy⸗ giene und Wohlfahrtspflege, ferner der Erziehungsmittel; die Ausstellung des deutschen Reichsversicherungsamtes und noch manches andere Ausstellungsobjekt. Im An⸗ schlusse hieran schilderte er Paris mit seinem gemächlichen Leben und Treiben und die günst⸗ igen und ungünstigen Eindrücke, welche die Welt⸗ stadt auf ihn gemacht habe. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage. Hierauf beantwortete Herr Engeln noch mancherlei Anfragen, die an ihn gestellt wurden.— Die Versammlung ging dann über zu den Berichten über die Thätigkeit des Kartells. Hierüber und über die gefaßten Beschlüsse berichten wir in nächster Nummer. — Die hier stark verbreitete Unsitte, von einem im Fahren befindlichen Eisenbahnzuge abzuspringen, hat wieder ein Opfer gefordert. Am Mittwoch früh sprang ein junger Mann aus Garbenteich aus dem von Gelnhausen, kom⸗ menden Zuge heraus und stürzte so unglücklich, daß er bald darauf verstarb. Die Herbst⸗Kontrollversamm⸗ lungen finden für Gießen am 5. und 6 November, für Lollar am 7. und für Grünberg, Hungen und Lich am 8. und 9. Nov. statt. Im Gießener Stadttheater wer⸗ den in dieser Woche unter Anderem auch zwei Stücke von Fr. v. Schiller:„Die Räuber“ und „Maria Stuart“ gegeben. Wir wünschen der Sirektion, die fortgesetzt das Beste zu bieten bestrebt ist, von einem kleinen Mißgriff vor 14 Tagen(„Auf eigenen Füßen“) abgesehen, recht zahlreichen Besuch. Antisemitische Rechtsbegriffe. Wir erlaubten uns in vorletzter Nummer eine Aeußerung des Gießener Rechtsanwalts Spohr zu kritisiren, die dieser bei einer Ver⸗ handlung vor dem hiesigen S höffengericht ge⸗ than hat. Herr Spohr sagte dort, daß ein Jude vor Gericht erst beweisen müßte, daß er ein anständiger Mensch sei. Könne er das nichti so müsse das Gegentheil angenommen werden.“ Gegen diesen eigenthümlichen Rechtsbegriff ha⸗ ben wir uns gewandt und wenn wir diesen Aus⸗ spruch Spohrs verurtheilen, so wissen wir uns darin einig mit allen vernünftigen Leuten Selbstverständlich hätten wir dasselbe gesagt, wenn Herr Spohr oder sonst jemand sich in dieser Weise bezüglich irgend einer anderen Ka⸗ tegorie, Klasse oder Gemeinschaft von Men⸗ schen ausgesprochen hätte. Ganz ebenso hätten wir protestirt, wenn er z. B. erklärt hätte, ein Antisemit müsse erst vor Gericht beweisen, daß er ein anständiger Mensch sei ꝛc., denn Derartiges verlangt man noch nicht einmal von Zigeunern. Als Grundsatz gilt doch wohl, daß man jeden Menschen so lange für ehrlich und anständig hält, bis das Gegentheil erwiesen ist. Gewiß, im Volksmunde kursiren Sprich⸗ wörter, welche ganze Stände, Berufe, Völker, Nationen ungünstig beurtheilen. Wie oft hört man:„Was fromm ist, taugt nichts;“ oder: „Juden sind Betrüger“ auch:„Advokaten sind Spitzbuben“ und ähnliches aussprechen, trotz⸗ dem wird es im Ernste Niemandem einfallen, von einem Menschen eine Beweisführung zu verlangen, daß das seinem Stande oder Volke Nachgesagte auf ihn nicht zutrifft. Herr Spohr merkte auch schon in der Ver⸗ handlung, daß er etwas Unverantwort⸗ liches ausgesprochen hatte, denn er wandte sich an seinen Kollegen mit der Frage, ob er das denn wirklich gesagt hätte! Trotzdem ver⸗ sucht er durch eine lange Erklärung in dem Of⸗ fenbacher Antisemitenblatte sich zu rechtferti⸗ gen und Hirschel unterstützt ihn dabei. Was die in dieser Gerichtsverhandlung ver⸗ handelte Sache betrifft, freuen wir uns des Ausgangs, freuen uns, daß der Redakteur und der Kommis freigesprochen wurde. Diese Beiden hatten nämlich in einem Artikel in der „deutschen Handelswacht“ die in dem Geschäft von J. Siesel(Firma Schmücker) in Gießen, Marktstraße, bestehenden Zustände beleuchtet und die von Herrn Siesel beliebte Behandlung der Angestellten kritisirt. Und das mit Recht. Wie uns nachträglich mitgetheilt wird, klagten die Angestellten sehr oft über zu lange Arbeits- zeit und über mangelhafte Kost. Auch sonst blieb für die Angestellten viel zu wünschen üb⸗ rig. Wenn der Anwalt des Angeklagten dies Alles und das Verhalten des Herrn Siesel geißelt, zollen wir ihm Beifall, wie wir dem Geschäftsinhaber die moralische Niederlage von Herzen gönnen. Seinen oben angeführten vor Gericht proklamirten Grundsatze können wir trotzdem nicht zustimmen. Wegen unserer Stellungnahme in dieser Angelegenheit werden wir von dem Offenbacher Antisemitenorgan in der bei ihm üblichen Weise angepöbelt und uns„Juden-Schutz“ und ähn⸗ licher Blödsinn vorgeworfen. Auch hätten wir nichts von den Angestellten erwähnt. Letzte⸗ res erklärt sich sehr einfach; in den uns zuerst zugegangenen Mittheilungen war weder davon etwas erwähnt, noch der Name des Geschäfts⸗ inhabers genannt. Uns gegen die thörichten Redereien von„Judenschutz“ zu vertheidigen, haben wir wahrlich nicht nöthig. Die sozial⸗ demokratische Partei und Presse ist für die In⸗ teressen der Arbeiter und Angestellten stets ein⸗ getreten, gleichviel, ob deren Bedrücker Juden oder sonst etwas waren, schon zu einer Zeit, als man an eine antisemitische Partei noch nicht dachte. Letztere scheert sich überhaupt den Teufel um die arbeitenden Klassen, man liest in ihrer Presse nie ein Wort über die schau⸗ derhaften Zustände, unter denen zum Beispiel die Landarbeiter Ostelbiens und zahlreiche andere Arbeiter seufzen. Daß die Antisemiten nie etwas für die Arbeiter gethan haben, giebt sogar ihr eigenes Braunschweiger Partei⸗ blatt zu, indem es schreibt: Andererseits müssen wir gestehen, daß die Forderungen, die im Programme der alten deutsch⸗sozialen Reformpartei für die Arbei⸗ ter aufgestellt waren, durchaus nicht die warme Befürwortung gefunden ha⸗ ben, die z. B. den Bedürfnissen des Mittel- standes zu Theil geworden ist. Das lag an der sozialpolitischen Rückständig⸗ keit der sächsischen und Berliner Parteigenos⸗ sen, die sich zum Beispiel bei der sog. Zucht⸗ hausvorlage s. Zt. bemerkbar machte... Das muß in unserer deutsch-sozialen Partei anders werden. Wir dürfen in Zukunft uns nicht al⸗ lein mit wohlmeinenden Redensarten begnü⸗ gen, sondern wollen auch unser Programm wirklich vertreten, wenn es sich um ein die große Masse der Arbeiter betreffendes Gesetz han⸗ dN Jawohl, ein paar windige Redensarten für die Arbeiter, wenn es gerade in ihren ju⸗ denhetzerischen Kram paßt, sonst nichts weiter! Aber die Arbeiter kennen schon ihre Pappenhei⸗ mer und den Antisemiten laufen ja auch höch⸗ stens ein Paar rückständige Handelsgehilfen nach. sahltel 10 1 pethel be 0 Nerf erich or sollit, L00 1 Auge.! Aaschein —1 Denk. Um di Uma „Bien der R. aubt. licht Spent offent söchst hand wird lich e den befind Eisen rathe werde bekan daille hätte im Wer leist Hoff Patr Junt knebe war, Jord ein ——— Hand im in l Neth th dene ohne Man biite ybnn, Fei. Mit 1 beite auch unte er ö Hal e e K Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Wieseck. -ch. Vorige Woche starb hier die Frau des Genossen Lindenstruth in noch sehr ju⸗ gendlichem Alter an den Folgen des Wochen⸗ bettes. Die Beerdigung fand am Montag unter zahlreicher Betheiligung statt. Der traurige Fall— L. war noch nicht einmal ein Jahr verheirathet— erweckte allgemeine Theilnahme. Nächstens findet hier eine öffentliche Versammlung statt, in welcher neben der Berichterstattung über den Pariser Kongreß der agrarische Lebens mittelwucher und auch die Welt⸗ politik zur Erörterung gelangen sollen. Der Tag ist zwar noch nicht bestimmt festgesetzt; vorläufig ist Samstag der 3. November in's Auge gefaßt. Als Redner wird Abg. David erscheinen. Aus Wetzlar. th. Nun wird auch Wetzlar bald über ein Denkmal für den„Nationalheros“ verfügen. Um die nicht unbedeutenden Kosten, welche die Umwandlung der Garbenheimer Warte zu einem „Bismarckthurm“ verursacht, aufzubringen, hat der Regierungspräsident öffentliche Kollekte er⸗ laubt. Der Wetzlarer Bürger hat also die Ver- pflichtung, sein„patriotisches Empfinden“ durch Spendung eines(nicht zu kleinen) Geldbetrags öffentlich zu dokumentiren. Manchem wird das höchst unangenehm sein, er muß aber aus aller⸗ hand Gründen mitthun. Auf abhängige Leute wird auch bei solchen Gelegenheiten gewöhn— lich ein„gelinder Druck“ ausgeübt.— Unter den veröffentlichten Spenden für diesen Zweck befindet sich auch eine solche des Buderus'schen Eisenwerkes, dessen Direktors und Aufsichts⸗ rathes mit zusammen 800 Mk. Zu gleicher Zeit werden aber auf dem Werke Lohnabzüge bekannt gemacht. Das ist die Kehrseite der Me⸗ daille! Nach unserer unmaßgeblichen Meinung hätte es hübscher ausgesehen und hätte auch mehr im allgemeinen Interesse gelegen, wenn das Werk keinen Beitrag für obigen Zweck ge⸗ leistet, dafür aber die Arbeitslöhne erhöht hätte. Hoffentlich verfügen die Arbeiter über soviel Patriotismus, daß sie hungern, damit der Junker, der die Arbeiterklasse auf das Brutalste knebelte, dem Nehmen stets seliger als Geben war, der mit einem armen Arbeiter wegen einer Forderung von sechs Mark prozessirte, ein Denkmal bekommt. — Streikbrecher⸗Schicksal. Ein Handschuhmacher, der sich während des Streiks im Frühjahr als Arbeitswilliger hergab, mußte in letzter Zeit noch erfahren, wie ein solches Verhalten in den Kreisen anständiger Leute be⸗ urtheilt wird. Es hatte sich derselbe verschie⸗ dene Male zu Vereinsfestlichkeiten eingefunden, ohne daß er dazu eine Einladung erhalten hatte. Man mochte aber mit dem Verräther der Ar⸗ beitersache nichts zu thun haben und bedeutete ihm, daß er in der Gesellschaft überflüssig sei. Wir finden dies ganz in der Ordnung. Mit charakterlosen Subjekten sollen ehrliche Ar⸗ beiter keinen Verkehr pflegen. Erfreulich ist, daß auch in Wetzlar soviel Sinn für Solidarität unter den Arbeitern vorhanden ist. Fall einer Ordnungssütze. Ein Sozialistentödter ersten Ranges war der Gemeindevorsteher des Ortes Wietleben bei Halle, Namens Köschan. Er hat sich seit meh⸗ reren Tagen wegen vorgekommener Unregel⸗ mäßigkeiten mon seinem Wohnorte entfernt und soll seinem Leben durch Selbstmord ein Ende bereitet haben. In der letzten Zeit machte die⸗ ser Herr unseren Genossen noch besondere Schwierigkeiten wegen eines uns stets zu Ver⸗ sammlungen zur Verfügung gestellten Lokales. Dem Wirthe wurde die Polizeistunde so lange beschränkt, bis er es vorzog, Arseren Genossen den Versammlungssaal zu entziehen. Konitz. Eine Menge Prozesse knüpfen sich an die Konitzer Mordaffaire. So wird ein antise⸗ mitischer Berichterstatter Werner—. ob das der Reichstagsabgeordnete ist, wissen wir nicht ge⸗ nau— beschuldigt, Gerichtsbeamte bestochen zu haben, damit sie ihm Material aus den Akten verschafsen und ihm deshalb wegen Beamtenbe⸗ stechung und Hehlerei der Prozeß gemacht, ein Schreiber aus Beuthen, der gesehen haben will, wie Israelski den Kopf des ermordeten Winter in den See warf, soll einen Meineid geleistet und 3 Jahre Ehrverlust beantragt. haben und eme Verurteilung wegen Meineids ist in Konitz berrits erfolgt. Der Kaufmann Levy aus Tuchel wurde zu 1 Jahr Zuchthaus wegen wissentlichen Meineids verurteilt. Er war auf der Straße mit Hep, Hep! verfolgt worden und soll ebenfalls mit Schimpfworten geantwortet haben. Er bestritt dieses eidlich. Es kam zum Prozeß vor dem Schöffengericht, welches annahm daß beide Theile, die Hep Hep-Rufer und Levy an den Beleidigungen betheiligt seien, die Staats⸗ anwaltschaft machte darauf dem letzteren den Prozeß und die Folge war die Verurteilung. Weitere Meineids⸗ und Landfriedensbruchs⸗Pro⸗ zesse schließen sich noch an. Sie sind bezeichnend für die Kulturhöhe der Konitzer Bevölkerung. Meistens sind sie durch die antisemitischen Hetze⸗ reien hervorgerufen. Bürgermeister Deditius, welcher gegen den Oberlehrer Hofrichter Schimpfworte gebraucht hatte, weil dieser ihm Parteilichkeit in der Winter⸗ schen Mordsache vorgeworfen hatte, wurde zu 150 Mark Geldstrafe und Oberlehrer Hofrichter 5 Widerklag: zu 50 Mark Geldstrafe ver⸗ urteilt. Ein bemerkenswerter Prozeß spielte sich am 19. Oktober vor dem Landgericht in Nürnberg ab. Angeklagt war der Vor⸗ stand des Krankenunterstützungsvereins Frauen stift, Genosse Philipp Wiemer, wegen Untreue und Unterschlagung von Vereinsgeldern. Wiemer stand in einem engen Freundschaftsver⸗ hältniß mit dem früheren Kassirer desselben Ver⸗ eins, Teufel, und als Wiemer einmal durch un⸗ vorgesehene Ereignisse in finanzielle Schwierig⸗ keiten geriet, wandte er sich selbstverständlich erst an seinen Freund Teufel, der ihm auch mit ver⸗ schiedenen Beträgen aushalf. Wiemer stellte da⸗ für zu größeren Sicherheit Quittungen auf em⸗ pfangene Gehaltsvorschüsse aus, und daraus wurde ihm der Strick gedreht, obwohl er alles prompt zurück ahlte. Das Geld wurde von den Hypothekzinsen genommen, die Wiemer einzunehmen und mit dem Kassirer zu verrechnen hatte; der Kassirer legte dafür eigenes Geld in die Kasse. Als nun später Teufel wegen vor Gericht fest⸗ gestellter Unfähigkeit als Kassirer abgesägt wurde, denunzierte er aus Rache dafür Wiemer, daß dieser die Hypothekenzinsen nicht rechtzeitig an ihn abgeliefert habe. Daraus entstand nun der Prozeß. Trotzdem festgestellt ist, daß der Ver⸗ ein um keinen Pfennig gekommen, daß die ganze Sache offen gemacht wurde und ins⸗ besordere der Aufsichtsrath, von allem Kenntniß hatte, wurde Wiemer zu vier Monaten G e⸗ fängniß verurteilt. Der Staatsanwalt hatte nicht mehr als 9 Monate, 8 Tage Gefängnis Revision wird eingelegt. Ein für den Denunzianten sehr unerwartetes Ergebniß hatte der Prozeß noch in der Richtung, daß gegen ihn Untersuchung wegen Betrug und Urkundenfälschung eingeleitet wird. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 25. Oktbr. Von der Universität. An Stelle des Professors der Nationalökonomie, Rathgen, wel⸗ cher einen Ruf an die Un versität Heidelberg er⸗ halten und angenommen hat, tritt vorläufig der Professor der Nationalökonomie, Josef Schmöle aus Greifswald. Herbst⸗Kontroll⸗ Versammlun-⸗ gen. Die diesjährigen Herbstkontrolversamm⸗ lungen a für die Reservisten der Jahresklassen 1893 bis 1900(Jäger der Klasse A von Jahres- klasse 1888 ab) und für die Dispositions⸗ Urlauber, p für die Landwehrleute 1. Aufgebots der Jahresklasse 1888 welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1888 einge⸗ treten sind, e für die zur Disposition der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mannschaften,. finden in Marburg auf dem Kämpfrasen für die Mannschaften der Stadt Marburg wie folgt statt: Am Donnerstag den 8. November 1900. a Vormittags 9 Uhr für die Landwehrleute 1. Aufgebots der Jahresklasse 1888, zwelch in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1888 eingetreten sind, für die Reservisten der Jahresklasse 1893 bis einschließlich 1895 das sind die in der Zeit vom 1. April 1893 bis 31. März 1896 eingetretenen Mannschaften— Jäger der Klasse A Jahresklasse 1888 5 g 1 b Vormittags 11 Uhr für die Reservisten der Jahresklasse 1896 bis einschließlich 1900 für die Dispositions⸗Urlauber— das sind die in der Zeit vom 1. April 1896 bis jetzt eingetretenen Mannschaften— sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden ent⸗ lassenen Mannschaften; e Nachmittags 4 Uhr für sämmtliche Offizier⸗ Aspiranten, Unterärzte, ½ jährig gediente Sanitätsmannschaften, Unterapotheker und Militärapotheker. An unsere Leser! Mit unserer letzten Nummer haben wir Pech gehabt. Zunächst war am Kopfe 12. statt 21. als Datum gesetzt. Ferner war die Ueberschrift der„Politischen Rund⸗ schau“ durch„Verheben“ des Satzes über die Rubrik„Nah und Fern“ ge⸗ setzt worden und letztere Ueberschrift weggelassen. Wir bitten wegen dieser Fehler die Leser um Nachsicht. Parteigenossen! Angesichts des un⸗ verschämten Lebensmittelwuchers, der in den agrarischen Zollforderungen zum Ausdruck kommt, angesichts ferner der Prellereien, die an der besitzlosen Masse von den Kohlenmagnaten ver⸗ übt werden, ist der Zusammenschluß und die Aufklärung aller wirthschaftlich Schwachen eine unbedingte Nothwendigkeit. Hieran kann eine Jeder mitarbeiten. Gegen die immer schlimmere Ausbeutung anzukämpfen muß Aufgabe aller vernünftigen Leute, vor allem aber aller Ar⸗ beiter sein. Als beste und wirksamste Waffe in diesem Kampfe schätzen wir unsere Partei⸗ presse. Dieser die größtmöglichste Ver⸗ breitung zu verschaffen, ist die erste und Hauptpflicht eines jeden Genossen! Suche deß⸗ halb ein Jeder Abonnenten für die„Mittel⸗ deutsche Sonntagszeitung“ zu gewinnen! Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 27. Oktober: Gießen. Sozialdem. Wahlverein Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Montag, 29. Oktober. Gießen. Tapezierer. Adends 9 Uhr: Versamm⸗ lung bei Löb. Vortrag„Rechte und Pflichten ans dem gewerblichen Arbeitsvertrag.“ Briefkasten. Z., Fulda. Ich schicke die Ztg. regelmäßig mit den anderen ab. Ne. 43 ist heute zum 3 Mal nach dort abgesandt worden. Habe an das dortige Postamt geschrieben. Hoffentlich wirds anders! Besten Gruß Sch. Gießener Stadttheater Sonutag, 28. Oktober 1900. 4 Uhr: Kinder⸗Vorstellung: Prinzeß Schneewittchen. u. Die sieben Zwerge. 8 Uhr: Die Räu ver. von Fr. v. Schiller. Dienstag, 30 Oktober 190). Gastspiel von Au auste Prasch-Grevenberg: Cyprienne. Lustspiel in 3 Akten. Hierauf: Jephta. Lustspiel in 1 Akt. Mittwoch, 31. Oktober 1900. Volks ⸗Vorstellung: Maria Stuart. von Fr. v. Schiller. Freitag, 2. November 1900. Zum zweiten Male: Die streugen Herren. Lustspiel-Novität in 3 Akten. — e— ....—v7½ 0 ö Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 44. Unterhaltungs⸗Theil. r 0 *** Volkesloos. Schau' ich, o Volk, auf Deinen Bienenfleiß, Mein armes Volk, wie muß ich Dich bedauern! Du düngst die Erde fort mit Blut und Schweiß Und statt der Ernte hast Du Noth und Trauern. Du thürmest auf der Schlösser stolze Pracht, Du baust das Land, durchpflügst 105 Meeres⸗ wogen, Von Deinen Schlägen wiederhallt der Schacht, Doch um der Arbeit Preis wirst Du betrogen. Und wo ich immer auch Dein Antlitz schau', Trüb' blickt Dein Aug' und blaß sind Deine Wangen, Du trägst die Last, Dein Lebensweg ist rauh, Du giebst und giebst, um niemals zu empfangen. H. Kämpchen. Dunkle Mächte. 10) Roman von Elise Langer. „Und nun?— Ja, liebes Weib, das kannst Du Dir an den fünf Fingern abzählen.“ „Du mußt Deine Stellung aufgeben—“ „Ohne allen Zweifel. Du wirst damit auch einverstanden sein.“ „Gewiß,“ kam es nach einer kleinen Pause von Frau Kätens Lippen.„Du darfst nichts gegen Deine Ueberzeugung thun. Es ist nur wegen der Eltern und—“ „Ja, ja, mein Kind, ich weiß, es ist eine verzweifelte Geschichte— aber es ist nicht zu ändern. Wir werden uns schon auf irgend eine Art heraushelfen. Du bist ja meine muthige Käte.“ Er nahm sie in seine Arme, küßte sie und streichelte ihr das weiche Haar. „Ja, Du weißt, es fehlt mir nicht an Muth. Und ich kann entbehren und arbeiten. Ein Glück, daß es so schnell gekommen, da ist man noch nicht durch die guten Tage verwöhnt.— Wann trittst Du aus?“ „Zum ersten Juli. Ich kann es nicht augen⸗ blicklich thun und muß auch meinen Vorschuß abarbeiten.“ „Dann werde ich mich gleich um Pensionäre, womöglich Knaben im Alter unseres Fritz, um⸗ thun. Der arme Vater, nun kann natürlich aus dem Druck seines Buches nichts werden.“ „Warum nicht? Warum nicht? Das wird sich alles finden; nur Geduld.“ Käte mußte lachen, trotz des Ernstes der Si⸗ tuation. „Du unverbesserlicher Optimist“, sagte sie und zauste ihn sanft an den Ohren.„Aber nun will ich Dir auch meine Geschichte erzählen. Heute ist die Frau unseres edlen Brandt hier angekommen, um Emmy zurückzuholen, und wie es sich jetzt herausstellt, ist sie nicht von ihm geschieden.“ „Donnerwetter“, stieß Kolweit heraus.„Di⸗ rekt gesagt hat er es zwar nie, aber er ließ es einen doch glauben. Dieser Sophist! Und zu welchem Zweck? Und nur um die Saldeck zu bethören.“ „Sie war eben hier. Sie ist ganz gebro⸗ chen.“ „Kann ich mir denken. Die ist nun auch aufs Pflaster geworfen, denn bei dem Schuft bleiben kann sie doch nicht.“ „Ach, wenn das alles wäre!“ „Was denn noch?“ Käte schwieg. „Ahnst Du es nicht?“ „Wie könnte ich denn?“ Käte mußte wieder lachen, so wenig ihr auch darnach zu Muthe war. Er blieb erwartungsvoll vor ihr stehen. Da sie nichts sagte, schüttelte er verwundert den Kopf. „Bist Du eine komische Frau. Mitten in der traurigen Geschichte fängst Du auf einmal an zu lachen und schweigst.“ „Ich lache über Dich, du— du lieber, dum⸗ efähr begreifen. Ach, Du hast ja keine Ahnung, mer, rührend unschuldiger Mann,“ rief sie, in⸗ dem sie ihn herzlich umarmte und wieder und wieder küßte. „Ja— jetzt fange ich an zu begreifen,“ sagte er mit großen ernsten Augen.„Ist es denn möglich? Das arme, bedauernswerthe Mädchen! Aber das muß die Frau erfahren. Das ist Grund genug für sie zur Scheidungs⸗ klage, und er muß das Mädchen wieder zu Ehren bringen. Ein so liebes reizendes Ge⸗ schöpf!“— Und er sprach mit einer Wärme und einem Eifer, als ob es gar keine Sorge um seine und der Seinigen Existenz in der Welt gäbe. VIII. Auch Brandt war nach Beendigung seiner Redaktionsgeschäfte nach Hause gegangen. Die forderen Zimmer fand er wie ausgestorben. Er kligelte nach dem Dienstmädchen und ließ das Fräulein zu sich bitten. Das Fräulein sein ausgeangen, sagte Ida, und hätte einen Ohn⸗ machtsanfall gehabt— einen so schweren— drinnen bei den Kindern, von denen die fremde Dame sich nicht fortrührte. „Ist denn heute ganz der Teufel los!“ rief Brandt, indem er ein Buch vom Tische aufhob und es wütend wieder hinwarf.„Hat denn das Fräulein nichts hinterlassen? Keine An⸗ ordnungen für die Nacht getroffen?“ „Nein, Herr Doktor.“ Brandt kaute ingrimmig an seinem Schnurr⸗ bart. „So erkundigen Sie sich bei der Dame, was sie ihr und den Kindern zum Abend besorgen sollen. Und für die Dame wird im Kinder⸗ zimmer ein Bett aufgestellt. Verstehen Sie? Ich gehe wieder aus.“ „Wollen denn der Herr Doktor nicht etwas essen? Es ist ja noch alles von Mittag da“, wagte Ida schüchtern zu fragen. „So geben Sie her. Aber schnell, keine langen Facons mit Aufstecken.“ Nachdem er hastig einige Bissen gegessen, griff er wieder nach Hut und Ueberrock. Wo er eigentlich hin wollte, wußte er nicht. Er lief die Straße nach rechts und links hinauf und dann befand er sich plötzlich, er wußte nicht wie, am Kanal. Eine seltsame Unruhe hatte ihn ergriffen.„Wäre sie toll genug ge— wesen“—— Er rang nach Atem.„Gott, wenn das wäre!“— Auf einmal kam ihm ein. Hoffnugsstrahl.„Sie ist mit der Kolweit befreundet, vielleicht ist sie dorthin gegangen. Die Weiber müssen ja immer gleich ihre Her⸗ zen erleichtern.“ Er wollte natürlich nicht zu dem jungen Paar hinaufgehen, sondern bloß bis an das Haus. Vielleicht daß er Helma begegnete. Scharfe Blicke nach allen Seiten werfend, schlug er die betreffende Richtung ein. Kopf und Herz im verworrensten Zustande hatte Helma mechanisch den Rückweg angetre⸗ ten. Sie sah nichts um sich her. IhrBlick war ganz nach innen gewandt. Was war aus ihr geworden, die sie sich so hoch über ihren Stan⸗ desgenossinnen gedünkt hatte, weil sie den Mut gehabt, sich von deren Vorurtheile zu befreien. Was hatte es ihr genützt, sie war herabgesun⸗ ken, o Gott, so tief, so tief! Was war sie Besse⸗ res als eines jener verächtlichen Geschöpfe.— Ein unterdrückter Aufschrei entfuhr ihren Lippen. Es hatte jemand von hinten ihren Arm genommen und ihn unter den seinigen ge— schoben. Es war Brandt. Er drückte ihren Arm fest an sich und ergriff ihre Hand. Sie konnte nicht daran denken, sich loszureißen. „Still, Helma, Geliebte. Was hast Du denn? Was ist denn geschehen? Du hast er⸗ fahren, was ich Dir nicht sagen wollte, aus Schonung für Dich, daß meine Ehe nicht ge⸗ richtlich, wenn auch thatsächlich geschieden ist. Aber kannst Du zweifeln, daß ich von dem Augenblicke an, in dem Du mein wurdest, un⸗ ablässig mit dem Gedanken umging, die dazu nöthigen Schritte zu thun? Unaufhörlich war ich damit beschäftigt, theueres Herz, glaube mir doch. Daß ich bei all dem, was auf mir lastet, noch nicht dazu gekommen bin, wirst Du unge⸗ wie ich gequält und gemartert werde. Ich bin schon ganz zermürbt. Erst heute— nun, Du wirst davon hören. Dazu Emmy, die mir so viel Sorge macht. O Helma, Helma, sei gut, sei nachsichtig. Vertraue mir. Was kann ich heißer wünschen, als Dich vor der Welt mein zu nennen. Nicht wahr, Du gönnst mir ein Wort, einen Blick?“ Er sah ihr tief in die Augen, die mit Thränen gefüllt waren, aber zu lächeln versuchten. Seine kunstvolle Rede hatte sie bezwungen. „Hast Du bei Kolweit— denn Du kommst doch von dort— etwas gesagt?“ „Ich sagte, daß Deine Frau heute ange⸗ kommen ist. Sie haben auch geglaubt, daß Ihr geschieden wäret.“ 2 „Das ist eben das Unglück, daß Ihr mich, alle mißverstanden habt. Ich habe nie gesagt, daß wir geschieden seien. Getrennt ist unsere⸗ Ehe thatsächlich seit länger als zwei Jahren, das kann ich Dir zuschwören.“ „Aber Du hast gewußt, daß wir alle im Irrthum waren und hast uns darin gelassen.“ „Ja, ich gestehe, ich hatte nicht den Mut, Euch aufzuklären und das ist meine Schuld. Aber ich sündigte aus Liebe zu Dir. Ich hatte Furcht Dich zu verlieren, denn meine sitten⸗ strenge Helma wäre doch zurückgebebt vor der Liebe eines verheiratheten Mannes. Vergieb mir, meine holde, süße Helma. In der Liebe wie im Kriege sind alle Mittel erlaubt. Und ich wußte zudem, daß ich mich frei machen konnte, sobald ich es wollte.“ „Es hängt doch nicht allein von Dir ab.“ „Nein, aber ich bin der Einwilligung Anais gewiß.“ Es fuhr Helma wie ein Stich durchs Herz, daß Brandt seine Frau bei ihrem Vornamen nannte. „Ich bin dessen gar nicht so gewiß,“ sagte sie und erzählte, was sich heute zwischen ihr und Frau Brandt zugetragen hatte. Brandt war sehr aufgebracht darüber. Das Helma so beleidigt worden, verletzte seine Ei— genliebe. „Das soll nicht wieder vorkommen. Laß mich nur machen. Halte Dich ganz zurück. Ue⸗ berlasse ihr die Kinder. Ich selbst werde gleich nach Emmy sehen und mich überzeugen, ob die Anordnungen, die ich Ida gab, ausgeführt worden.“ f Helma konnte sich doch nicht entschließen, zur Ruhe zu gehen, ohne im Kinderzimmer gewesen. zu sein, zumal ihr Brandt die Nachricht brachte, daß Emmy stark fiebere. Das Kind schlum⸗ merte mit halb offenen Augen und kurzem flie⸗ gendem Athem, als Helma leise eintrat; seine Mutter saß in Nachttoilette an seinem Bette. „Wollen Sie sich nicht niederlegen?“ fragte Helma.„Sie sind von der Reise ermüdet. Ich werde die Wache gern übernehmen!“ Frau Brandt dankte in steifer Manier. Helma zog sich zurück, aber niederlegen konnte sie sich nicht. In ein warmes Tuch gehüllt, setzte sie sich in eine Ecke des Sophas und überließ sich ihren Gedanken. Gegen Mitternacht fuhr sie aus einem Halb⸗ schlummer auf. Ein leises Geräusch hatte sie ge—⸗ weckt, und als sie sich erschreckt umsah, erblickte sie Emmy, die in ihrem langen Nachtröckchen mit bloßen Füßen in der Thüre stand und mit fieberglänzenden Augen nach ihr hinschaute. Im selben Moment hatte sie das Kind auch schon aufgehoben und auf ihren Schoß genommen. und nun wickelte sie es in ihren Shawl und rieb ihm die eiskalten Füßchen und streichelte es und drückte es an ihren warmen Busen. Zufrieden lächelnd schloß das Kind die Augen. Als sie es nach einer Weile in sein Bett⸗ chen zurücktrug, bemerkte sie, daß, wie sie rich⸗ tig vermutet, seine Mutter in ihrem Stuhle eingeschlummert war. Nun hatte die Kleine aus dem Bette klettern können, ob im Fieber⸗ traum oder bei klarem Bewußtsein, wer mochte es zu entscheiden? Durch Helmas Tritte, wie leise sie auch waren, erweckt, richtete sich die Schläferin er⸗ schrocken auf. Helma erklärte ihr das Vorge⸗ 2 PTT —— D 9— Fraue gleich heborz darübe cho der G. des sit Tenn nügt, Die st die gt der 5 Nlond ewöl fande uf gen d darge 2 Nind nach wiede nehn hen, das viel für Scho Melle ung llärt, verht dem Stell Er rück, fehlt Unbe Spie tal raf ihm Thb man i en Kolg Vat Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. fallene und bat sie dringend, sich niederzulegen. Sie selbst wollte ihren Platz einnehmen. Dies⸗ mal gab Frau Brandt nach. Im Laufe der Nacht verschlimmerte sich Emmys Zustand, sodaß der Arzt in der Frühe herbeigeholt wurde. Er konstatirte eine Lungen- entzündung, die bei der allgemeinen Schwäche des Kindes nicht ungefährlich sei. An seine Ueberführung nach Genf wäre jetzt nicht zu denken, wieviel er auch von einem wärmeren Klima für die Hebung der Kräfte hoffte. So gingen mehrere Tage in der gespanntesten Lage für alle Betheiligten hin. Ueber der Ge⸗ fahr, in der das Kind schwebte, trat alles in den Hintergrund. Das Mißtrauen zwischen den Frauen schien gänzlich verschwunden, und ob— gleich Emmy offenbar Helma vor der Mutter bevorzugte, ließ diese kein Zeichen von Groll darüber blicken, es sei, daß ihr ihre anfängliche Schroffheit gegen Helma leid that, sei es, daß der Gedanke an den drohenden Verlust das Kin— des sie für alles andere abstumpfte. Die kurze Trennung von kaum neun Monaten hatte ge— nügt, der Kleinen die Mutter zu entfremden. Die starren Züge derselben, ihr schwarzes Haar, die starken, zusammenfließenden Brauen und der Flaum auf der Lippe flößten dem an die Blondheit und zarten weichen Formen Helmas gewöhnten Kinde in seinem fiebernden Zu— stande Unbehagen und Abneigung ein. Nur auf Zureden Helmas duldete es die Liebkosun— gen der Mutter, nahm es die von ihrer Hand dargereichte Speise und Medizin. Brandt hielt sich so wenig als möglich im Kinderzimmer auf. Er erkundigte sich nur kurz nach Emmys Befinden und entfernte sich dann wieder. Er war froh, ein äußerliches Einver— nehmen zwischen den Frauen hergestellt zu se— hen, die Gegenwart beider aber verursachte ihm das peinlichste Unbehagen. Die Angelegenheit mit Kolweit ordnete sich viel einsacher, als er geglaubt hatte, wenn auch für ihn in keineswegs befriedigender Weise. Schon am nächsten Tage erhielt er dessen for⸗ melle Kündigung. Eine mündliche Verständig⸗ ung war damit völlig ausgeschlossen. Er er⸗ klärte den Mann einfach für wahnsinnig. Eben verheirathet, mit der Familie der Frau auf dem Halse und ohne materiellen Rückhalt eine Stellung wie diese aufzugeben, nur weil—. Er war ein Narr, ein Phantast, logisch ver⸗ rückt, ja, ja, wie er es stets gewesen. Was fehlte ihm denn? Hatte man seine Artikel nicht unbeschnitten abgedruckt, ihm den weitesten Spielraum gelassen? Und auch die Frau! Frauen sähen doch sonst die Dinge von einem praktischen Standpunkte an. Warum hätte sie ihm denn nicht Vernunft gepredigt, ihm das Thörichte seines Rücktritts gezeigt? Wenn Je⸗ mand über den starken Charakter dieses kind— lichsten aller Menschen etwas vermochte, so wäre sie es allein. Mit welcher Verachtung wohl Kolweit jetzt auf ihn, auf Brandt, blickte, weil er als praktischer Mensch gehandelt und eine Aufgabe übernommen hatte, durch die er dem Vaterland unendlich nützen konnte, ohne sei— nen Prinzipien etwas zu vergeben. Nichts so⸗ phistischer als ein schlechtes Gewissen, das sich, selbst zu rechtfertigen sucht. (Fortsetzung solgt.) Wigttigkeit der Zahupflege. Im gewöhnlichen Leben findet man, daß die Pflege der Zähne fast allgemein vernachläs⸗ sigt wird. Und doch ist die Zahnhygiene, wenn sie ihr hohen Zicle erreichen soll, da⸗ 8 1 N e ede 4 4 2 8 N 0 2 Einen grossen Posten ferren- Anzüge gegenüb. d. Stadtkirche. N eee e 5 N e e . d N solange d. Vorrat reicht 2. 10 u. 12 Mk. e Neue Weltkalender Markus Zauer, Giessen Arbeiter⸗ I Kirchenplatz Notizkalender rauf angewiesen, das Interesse und die Mit- arbeiterschaft eines jeden einzelnen Menschen zu gewinnen, und um dies zu erreichen, erstrebt sie eine Popularisirung der Zahnheilkunde im edelsten Sinne des Wortes. Mit Recht sagt Jessen, einer der ersten Vorkämpfer für„die Aufklärung des Volkes über die Bedeutung der Zahnpflege für die Gesundheit“, daß jeder ge— bildete Mensch, der ein Zitat aus einem Klas⸗ siker falsch wiedergebe, scharf verurtheilt werde, daß ängstlich darüber gewacht werde, daß die humanistische Bildung nicht um Kenntnisse in Latein und Griechisch verkürzt würde, daß man sich aber nicht der Unkenntniß über den eigenen Körper und seiner gesundheitsmäßen Pflege schäme. Noüöse, einer der verdientesten Forscher der Zahnheilkunde, hat eine„Anleitung zur Zahn⸗ und Mundpflege“ verfaßt, die mit verzüglichen Illustrationen ausgestattet und vom Verleger Dr. Fischer in Jena, zu einem außerordentlich mäßigen Preise in Verlag genommen ist. Die darin aufgestellten zehn Leitsätze für Zahn- und Mundpflege mögen hier ihre Wiedergabe finden: 1) Vergiß lieber einmal, das Gesicht waschen, als den Mund und die Zähne zu reinigen. 2) Erziehe Deine Kinder so früh wie mög⸗ sich zur Zahnpflege! Was in der Jugend ver— säumt ist, läßt sich im späten Alter nie wieder gutmachen. Die Gesunderhaltung der Milch- zähne ist genau so wichtig wie die der bleibenden Zähne. 3) Hüte Dich vor süßen Naschereien und vor zu weicher Nahrung! Das kräftige Kauen eines derben, dickrindigen Schwarzbrodes ist die beste natüliche Schutzvorrichtung gegen Zahn- verderbniß. 4) Vergiß vor Allem nicht, Abends vor dem Schlafengehen die Mundhöhle zu reinigen! Wer nur Morgens putzt, deckt den Brunnen zu, wenn das Kind hineingefallen ist. 5) Die mechanische Reinigung mit Hilfe von Zahnbürste und Zahnstocher bildet die Grundlage jeder künstlichen Zahnpflege. 6) Antiseptische, aber dabei unschädliche Mundwässer und gute Zahnpulver sind durch— aus empfehlenswerth zur Vervollständigung der künstlichen Zahn- und Mundpflege. 7) Man lasse die Zähne jährlich ein- bis zweimal vom Zahnarzt nachsehen, damit Er⸗ krankungsherde entdeckt und beseitigt werden können, bevor sie zu umfangreich geworden sind. 8) Der Zahnstein soll von Zeit zu Zeit gründlich entfernt werden. 9) Kranke Zähne und Wurzeln, die durch Wurzelbehandlung nicht mehr erhalten werden können, müssen unter allen Umständen aus⸗ gezogen werden, ganz gleichgiltig, ob sie augen- blicklich schmerzen oder nicht. 10) Suche bei deinen Kindern die gesunde Entwicklung der Zähne zu fördern, indem du der Mutter von der Geburt und während des Stillens, dem Kinde selbst besonders in den ersten Lebensjahren kräftige, nährsalzhaltige Nahrung— Milch, Eier, grüne Gemüse usw. — verschaffst. Dr. Schäfer schließt, unter Hinweis auf die in manchen Orten bereits erfolgte Anstellung von Schulzahnärzten, seinen Artikel:„Mögen diese Anfänge von weiteren Erfolgen auf dem Gebiet der Zahnhygienie begleitet sein! Es ist ein großes Ziel, das zu erreichen ist. Gesunde Zahn⸗ und Mundverhältnisse bei jedem Ein⸗ J zelnen werden eine sere Gesundheit der ccc..— N H. Schneider, Buchholg. Gießen, Sonnenstr 25. DBR rr Schuljugend, eine Verminderung im Auflreten von Infektionskrankheiten, eine vermehrte Lei⸗ stungsfähigkeit der Erwachsenen erzielen. Die Zahnhygienie erstrebt die Verbesserung der Ge⸗ sundheit des ganzen Volkes. Möchte zur Errei⸗ chung dieses Zieles die Hilfe von Staat und Gemeinde, von Lehrer und Eltern nicht fehlen!“ Wir sind Brüder! Wir sind Brüder, aber jeden Morgen ver⸗ richtet mein Bruder oder meine Schwester mir die niedrigsten Dienstleistungen. Wir sind Brüder, aber ich muß meine Morgenzigarre, meinen Spiegel, Phosphorzündhölzchen und was sonst noch alles haben, Gegenstände, deren Her⸗ stellung oft die Gesundheit meiner Brüder und Schwestern gekostet hat, und doch gebe ich des⸗ halb nicht den Gebrauch derselben auf; im Gegentheil, ich verlange dieselben sogar. Wir sind Brüder, und doch arbeite ich an einer Bank, einem Handelshause oder Laden und suche fortwährend den Preis für die Lebens⸗ bedürfnisse meiner Brüder und Schwestern zu erhöhen. Wir sind Brüder, und ich beziehe mein Ge⸗ halt, um den Dieb oder die Prostituirte zu richten, zu verurtheilen und zu bestrafen, deren Existenz die natürliche Folge meines eigenen Lebenssyftems ist, und ich verstehe vollkommen, daß ich weder verurtheilen noch bestrafen sollte. Wir sind alle Brüder, und doch gewinne ich meinen Unterhalt, indem ich von den Armen Steuern eintreibe, damit die Reichen in Luxus und Müßiggang leben können. Wir sind Brüder, und doch beziehe ich mein Gehalt dafür, daß ich eine pseudo⸗christliche Doktrin predige, an welche ich selbst nicht glaube und so andere hindere, die wahre zu finden. Ich beziehe ein Gehalt als Priester oder Bischof, um das Volk darüber zu täuschen, was von der wesentlichsten Bedeutung für dasselbe ist. Wir sind Brüder, aber ich zwinge meinen Bruder, mich für alle meine Dienste zu bezahlen, mag ich Bücher für ihn verfassen, ihn unter⸗ richten oder als Doktor eine Arznei ver⸗ schreiben. Wir sind Brüder, aber ich beziehe Sold, um mich zum Mordhandwerk auszurüsten, um die Kriegskunst, die Herstellung von Waffen und Munition und den Bau von Festungen zu lernen. Die ganze Existenz unserer oberen Klassen ist voll der unvereinbarsten Widersprüche. Graf Tolstoi. Lesefrüchte. Durch zerlumpte Kleider sieht man die kleinsten Laster; aber lange Röcke und Pelz⸗ mäntel verbergen alles. Beschlagt die Sünde mit Gold, so wird die starke Lanze der Ge⸗ rechtigkeit brechen, ohne sie verwunden zu können. Kleidet sie dagegen in Lumpen, so ist ein Stroh- halm hinreichend, sie zu durchbohren. Shakespeare. Humoristisches. Onkel Chlodwig. (Frei nach Heine.) Anfangs mußte er sich plagen, Und er dacht', er trüg' es nie, Und sechs Jahr' hat er's getragen, Aber alle wißt ihr: wie. (B. V..) Heuchelheim. Sonntag, den 28. d. Mts., Abends 8 Uhr bei K. Steinmüller Oeffentliche olksversammlung. Tagesordnung: Der Parteitag in Mainz, Ref. Carel Orbig, Gießen. Zahlreiches Erscheinen erwünscht! .— — zeigt den Eingang sämmtlicher Winter⸗Waaren an für Nr. 44. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8 · SSS SS Sec Gießen größtes und billigtes chuhlager Versammlung aller in Brauereien beschäftigten Arbeiter am Samstag, den 3. November, Abends 9 Uhr im Lokale Thoma, Gießen, Bahnhofstr. Tages⸗Ordnung: Die wirthschaftliche Lage der Brauerei⸗ arbeiter. Referent: Herr Georg Bauer, Hannover. Alle Gewerlschaftsmitglieder, sowie alle in Brauereien und Küfereien Beschäftigten sind freundlichst eingeladen. Der Einberufer. Oeffentliche Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theil- nahme bei dem mich so schwer betroffenen Verluste sage Allen innigsten Dank! Lud. Lindenstruth, Wieseck. 2— 8 8 =. 2 2 8 1 2 8 8 8 3 8— 72 7 2 2 8 2 2 2 8 *. * 2 — * 8— Cl— 5 3 2 S2 535 2 3 55 2— 98 man abonnirt in Giessen bei J. Schneider, Zuchhandlung, Sonnenstr. 25. Hut vertauscht! In der Versamm lung bei Orbig am Sonntag, 21. Oktober ist ein Hut verwechsert wor⸗ den. Umtausch kann bei Krack Schloßgasse 11 bewirkt werden. heu! Weber's moderne Bibliothek. Romane und Novellen beliebter Autoren Preis pro Band nur 20 Pfg. Buchhalg. Sehneider, Gsessen Sonnenstr. 28. Dre... Unges unde und Leidende Die Heilkraft der Elektrizität ist wurderbar! 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Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von H. Klebert, Gießen. 9 . Na gerun daß de Tulifg derjen bande der lber, wird, Eat, Mori un wir, grup 1 Volk zwei das