it „ bitte Nr. 5. Gießen, Sonntag, den 28. Januar 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 8 Mitteldeuts che kitu 9. Redaktionsschluß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uh Abounementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Bestellun gen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung 33/% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Wo ist der blinde Hödur? el. In der Reichstagssitzung vom 19. Januar sprach der Staatssekretär Graf Posadowsky von der blinden Menge, welche Bismarck einst⸗ mals den blinden Hödur“ genannt habe. Diese blinde Menge lasse sich durch Schlagworte fangen. Er kam dann auf die Sozial demo— kratie zu sprechen und meinte, sie sei eine Folge der Großindustrie; die Konzentration der Arbeits⸗ kräfte habe das Zusammengehörigkeitsgefühl in den Arbeitern erregt, und die im Wachsen be— griffene Volksbildung habe naturgemäß die An⸗ sprüche an die Lebenshaltung erhöht. Das Selbstbewußtsein der Arbeitermassen sei gestiegen, und dieser Stimmung hätten sich die Agitatoren bemächtigt, indem sie vor der gläubigen Masse den roten Mantel ausbreiteten und ihr vor⸗ erzählten, sie, die Agitatoren, allein wären in der Lage, die Masse vor allem Ungemach zu schützen. Wenn auch nicht in so naiven Rede⸗ wendungen, wie sie uns der Herr Graf in den Mund legt, so doch an der Hand eines weit⸗ schichtigen Thatsachenmaterials suchen wir dem arbeitenden Volke klar zu machen, aus welchem Grunde ihm der gegenwärtige Klassenstaat, der das Lohnsystem und das Eigentum an den Produktionsmitteln unter keinen Umständen be⸗ seitigen lassen wird, niemals helfen kann, und warum nur der Sozialismus, der die Auf⸗ hebung aller Klassen zur Voraussetzung hat, die Beseitigung der Lohnsklaverei-und damit Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ohne An⸗ sehen der Person bringen wird. Der Herr Graf scheint übrigens gar nicht gemerkt zu haben, in welchen Widerspruch er sich verwickelte. Einerseits sprach er von der blinden, gläubigen Menge, andererseits hob er hervor, in welchem Grade das Selbstbewußtsein der Arbeiter gestiegen und die Volksbildung gewachsen sei. Wir sollten meinen, Bildung und Selbstbewußtsein förderten das Nachdenken und bewahrten vor blindem Glauben. Und das thun sie auch; freilich in einer, Herrn Posadowsky recht unliebsamen Weise. Je mehr die Arbeiterklasse an Selbstbewußtsein und Bildung gewinnt, um so mehr wächst auch die Anhängerzahl der Sozialdemokratie. Auch wir klagen über den„Unverstand der Massen“, als den am meisten gehaßten Feind, und deshalb arbeiten wir rastlos an der Aufklärung des Volkes. Herr Posadowsky und seinesgleichen suchen aber zu verhüten, daß Klarheit in die Köpfe gelange. Ein treffliches Beispiel liefert wieder die Gegenwart. Mit einem ungeheuren Aufwand an Geld wird eine Reklame für die neue Flottenvorlage gemacht, wie wir sie seit 1887 nicht erlebt haben. Alles, was Orden, Titel, einflußreiche Stellungen oder fetten Profit zu erlangen hofft, arbeitet bei diesem Flottenrummel mit. Vor⸗ träge und Flugschriften über die Notwendigkeit der Flottenvermehrung werden in Unmasse ge⸗ halten und verbreitet. Die Agitation hat ihren Höhepunkt erreicht, und die Würfel werden in der nächsten Zeit fallen. Wenn nun in diesem allgemeinen Taumel die Arbeiter allein klaren Nach der nordischen Götterlehre wurde Baldur, ein Gott der Skandinavier, von seinem blinden Bruder Hödur durch die List des Feu ergottes Loli gefötet. Verstand behalten und sich von den Flotten— aposteln nicht bekehren lassen, was anders ist daran schuld, als die F Sozialdemokratie? Sie hat den Arbeitern„das nationale Denken und Fühlen“ aus dem Herzen gerissen, sie übt solchen„Terrorismus“ auf die Arb.iter aus, daß diese für die Flottenpolitik nicht einzutreten wagen. Solches und ähnliches thörichtes Zeug redet man den Arbeitern vor und beschwört ste, endlich abzulassen von den Verführern, die nur von den sauer verdienten Groschen der Arbeiter leben, und in den Schoß der Junker und Bourgeois, d. h. in den Gesindestall auf dem Lande und in das Zuchthaus, zurückzukehren. Im Jahre 1887, unter dem Ausnahmegesetz, konnte Bismarck die Ueberrumpelung des deut⸗ schen Volkes noch gelingen. Aber seitdem sind 13 Jahre ins Land gegangen und die Arbeiter⸗ partei zählt 2¼ͤ Millionen Anhänger. Keine Sirenenklänge werden die Arbeiter mehr bethören. Möge man noch so viel erzählen von dem in Aussicht stehenden Verdienst, von der Gefahr, welche unserem auswärtigen Handel und der Einfuhr im Falle eines Krieges droht; die Arbeiter bleiben taub gegen alle diese Schein⸗ gründe. Wer hat denn sm letzten Ende die Zeche zu begleichen? Das arbeitende Volk. Warum sträubt man sich denn, denjenigen die Kosten für die Flottenvermehrung aufzuerlegen, welchen die Kriegsschiffe zu gute kommen? Aber freilich, den Vorteil davon sollen ja die Arbeiter haben, also müssen sie auch zahlen. Welche Arbeiter haben denn angeblich Vor⸗ teil? Die Werftarbeiter, wird man antworten. Aber der Schiffsbau steht augenblicklich in Blüte und bietet den Werftarbeitern Arbeitsgelegenheit genug. Die Arbeiter der Eisenindustrie? Nun, die Eisenwerke sind anch ohne Aufträge von Werften stark beschäftigt. Und wenn erst der wirtschaftliche Rückschlag wieder eintritt, dann vermag der Schiffsbau die Industrieen, welche ihm Material liefern, vor den Folgen der Krise nicht zu bewahren. Und nun all' die Arbeiter der übrigen Erwerbszweige— sie werden höhere Lebens mittelpreise zu zahlen haben; denn ohne Vermehrung von Steuern und Erhöhung von Zöllen ist der Flottenplan nicht ausführbar. Was man im günstigsten Falle einem kleinen Teil der Arbeiter giebt— und ob überhaupt eine Lohnerhöhung in den beteiligten Industrie⸗ zweigen eintritt, ist nach den bisherigen Er⸗ fahrungen mehr als fraglich— das nimmt man doppelt der Gesamtheit durch Zölle und Steuern. Würden wir zu gunsten einzelner Arbeiterschichten Gelder bewilligen, was unter⸗ schiede unsere Handlungsweise da von derjenigen der Agrarier, die auch nur für einen Teil des Volkes wirtschaftliche Vorteile verlangen? Wenn unsere Bourgeoisie in den Handels⸗ stätten plötzlich von Flottenbegeisterung befallen wird, so hat das einen sehr realen Grund. Fürchtet man doch in Handelskreisen, daß der künftige Zolltarif hochschutzzöllnerisch ausfällt und ihre Profite dadurch schmälert. Durch lautes Eintreten für die Flottenvermehrung sucht man sich an maßgebender Stelle beliebt zu machen, damit sich die Regierung des Handels zur rechten Zeit erinnert. f Der blinde Hödur lebt noch; gewiß. Allein er ist zu suchen nicht bei den selbstbewußten Arbeitern sozialistischer Gesinnung, sondern bei jener trägen, gleichgiltigen Masse ohne Klassen⸗ bewußtsein. Diese läßt sich vielleicht noch ein⸗ mal für die Wasserpolitik begeistern. Endlich wird aber auch in diese Reihen, wenn auch langsam, die Fackel der Aufklärung Licht bringen und den blinden Hödur sehend machen. Die Bergarbeiter im Kampf. * Unter den Bergarbeitern gärt es seit langem ganz gewaltig. Nun ist in Oberschlesten und in Oesterreich der Kampf ausgebrochen. Dem„Vorwärts“ wird aus Wien von vorigem Sonntag berichtet: „Die Bewegung der Bergarbeiter gleicht einem reißenden Strom, den keine Kraft mehr aufzuhalten vermag. Im mährisch⸗schlesischen Revier ist der Aus⸗ stand fast allgemein, in Kladno müssen schon die Eisen⸗ werke den Betrieb einstellen, und morgen wird in Böhmen der allgemeine Streik im nordwestlichen und westlichen Kohlenrevier beginnen. Es ist weitaus der größte Streik, den Oesterreich je erlebt; an neunzig⸗ tausend Arbeiter, fast die gesamte Menschheit, die die Kohle aus der Tiefe fördert, wird morgen die Arbeit eingestellt haben. Die Kohlennot wächst, der gesamten Industrie von Nordböhmen droht eine fürchterliche Stockung; es ist ein Ausstand, der die kapitalistische Gesellschaft an dem empfindlichsten Punkte packt. In seiner grauenhaften Größe offenbart uns der Streik der Bergarbeiter, was die Arbeiter für die mo⸗ derne Gesellschaft bedeuten. Auf der Kohle, die Wärme und Kraft giebt, ruht das Gebäude unserer Zivilisation; da die Menschen feiern, die das erwärmende und kräfte⸗spendende Material aus der Erd⸗ tiefe holen, ist es, als ob die Grundlagen des gesamten Schaffens ins Wanken geraten wären. Und auch den ganzen Wahnsinn der kapitalistischen Ordnung bringt uns der Streik der Bergarbeiter zum Bewußtsein. Auf der einen Seite ist es eine ganze Welt von Menschen, leidender und darbender Menschen, die um ein kleines Stückchen Fortschritt, um ein bischen Freiheit kämpfen und die die grausige Not des Streiks auf sich genommen haben, um sich die primitivsten Menschenforderungen zu erkäwpfen. Und auf der an⸗ deren Seite stehen eine Handvoll Ausbeuter, zehn, zwanzig Leute, deren Reichtum uner- meßlich ist, und deren Behagen nie getrübt wird von dem Gedanken, daß Generation um Generation dahin⸗ sinkt, damit ihr Profit wachse, ihr Reichtum ins gigantische steige! Und die Größe des Elends, das um Abhilfe schreit, der unschätzbare Schaden, den der Bergarbeiterstreik hervorruft: all' das prallt an dem hochmütigen, grausam gleichgültigen Machtbewußtsein der Unternehmer wirkungslos ab! Der Streik, der heute fast die gesamte Kohlenförderung ergriffen hat, ist aus einem kleinen Zwischenfall ent⸗ standen. Ursprünglich war es nur ein Ausstand in zwei kleinen Schächten in Mährisch⸗Ostrau, der überdies am 10. Januar durch eine Reihe kleiner Zugeständnisse beendet schien. Die sozialdemokratischen Vertrauens⸗ männer haben auch lange abgeraten, denn die Or- ganisation der Arbeiter im mährisch-schlesischen Revier, dem Centrum des östreichischen Kohleubergbaus, läßt alles zu wünschen übrig. Trotzdem mußte der Streik ausbrechen, denn er ist einfach eine wirtschaftliche Not⸗ wendigkeit. Der östreichische Kohlenbergbau steht in Hochkonjunktur(günstigste Geschäftslage), wie sie noch nie da war. Der Preis der Kohle ist innerhalb eines dreiviertel Jahres um fast zwanzig Prozent gestiegen, die Gewinne der Unternehmer wachsen um Mil- lionen; den Arbeitern aber, deren Hände all diesen Reichtum schaffen, deckt ihre Arbeit kaum die nackte Notdurft. Der durchnittliche Jahresverdienst eines östereichischen Bergarbeiters ist 300— 360 Gulden, also kaum einen Gulden pro Tag! Es ist klar: Wenn die Arbeiter diese Zeit des riesenhaften Aufschwungs Seite 2. Mitieldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 3. nicht ausnützen, so versäumten sie eine Gele genheit, wie sie so günstig nicht so bald wiederkommen wird. Ent⸗ weder ist dte Achtstundenschicht und der Minimallohn jetzt zu erobern, oder der Kampf ist auf Jahre hinaus wieder zu Ungunsten der Arbeiter entschieden. Aus diesem instinktiven Gefühl heraus hat sich der Streik wie Feuer verbreitet; was ihm an Organisation fehlt, das wird ersetzt durch eine fieberhafte Entschlossenheit, die das größte wagt, wenn der Augenblick es verlangt. Es giebt keinen anständigen Menschen in Oestreich— die Nutznießer des Bergarbeiterelends und ihre Sold⸗ knechte ausgenommen— dessen Herz bei diesem gewaltigen Kampfe nicht erbebte und der den Arbeitern in ihrem Todes ringen nicht den vollsten Erfolg heiß und sehn— süchtig wünschte. Der Streik der Bergarbeiter hat aber auch die größte internationale Bedeutung, speciell für die deutsche Bergarbeiterschaft, deren Lebenslage durch den Tiefstand, in dem ihre östreichischen Brüder leben, unaufhörlich bedroht wird. Die kämpfenden Arbeiter blicken deshalb mit Vertrauen auf ihre deutschen Brüder, wohl wissend, daß ihnen nicht nur herzliche Sympathie, sondern auch werkthätige Unterstützung werden wird.“ Gerade im Bergbau offenbart sich die kapi— talistische Mißwirtschaft mit am deutlichsten. Die Mutter Erde, die uns allen gehören sollte, ist von einer Handvoll reicher Leute in Besitz genommen. Sie lassen ununterbrochen, Tag und Nacht, Schätze aus dem Schacht herausbefördern, die sie immer reicher machen. Die armen Arbeiter aber, die kaum das Sonnen⸗ licht zu sehen bekommen, die Tag für Tag das Totenhemd tragen, nie wissen, ob sie wieder aus dem Schacht herauskommen, ob sie jemals Frau und Kinder wiedersehen, sie läßt man im tiefsten Elend verkommen. Wer unter unseren Lesern wüßte nicht, wie die Kohlenpreise fortwährend gestiegen sind und noch steigen. Wie viele Tausende Familien zählen jede Kohle einzeln in den Ofen, wenn sie für 35 oder 40 Pfg. sich einen Viertelzentner im kleinen Henkelkorb beim Kohlenhändler ge⸗ holt haben? Und wenn sie dann über den kaum erschwinglichen Preis klagen, wird ihnen wohl auch noch gesagt, die Bergarbeiter ver— haben! zu viel und wollten immer noch mehr aben! Elende Lügen das. Die Bergleute werden ganz erbärmlich bezahlt, aber die reichen Grubenbarone sind nnersättlich. Ihr Profithunger steigert sich fortgesetzt. Kann man es da den unglücklichen Bergarbeitern verdenken, wenn sie verzweifelt die Arbeit niederlegen? Gewiß nicht. Das Kapitel vom Bergbau ist so recht ge⸗ eignet, zum Nachdenken zu veranlassen. Das Nachdenken empfehlen wir speziell allen Gegnern des demokratischen Sozialismus. Wem gehört die Welt? Uns allen oder nur einem kleinen Häuflein? Steckt die unentbehrliche Kohle im Innern der Erde, um der ganzen Menschheit zu nützen, oder soll sie dazu dienen, einige Dutzend unermeßlich reiche Leute immer reicher, die große Masse der Menschheit von diesen Geldfürsten immer abhängiger zu machen? Ein Glück, daß die Sonne für den Kapi⸗ talismus unerreichbar ist, sonst schiene sie für uns Armen schon längst nicht mehr, sicherlich spendete sie uns das Licht und die Wärme nicht mehr umsonst. Politische Rundschau. Gießen, 26. Januar. Ein Manifest gegen den Krieg haben die englischen Sozialdemokraten er⸗ lassen. Sie wenden sich an das englische Volk, um ihm klar zu machen, daß das Volk selbst keinerlei Interesse an dem menschenmordenden Kriege in Südafrika hat. In scharfen Worten wird das gewissenlose Treiben der Rhodes, Jameson und Chamberlain gegeißelt. Mit kraftvoller Offenheit werden die wahren Motive aufgewiesen, die eine kleine, einflußreiche Klique veranlaßten, zum Kriege zu hetzen. Das Mani⸗ fest fordert auf zur Teilnahme an den Friedens⸗ bestrebungen: „„Arbeitsbrüder! Eure Feinde, das sind nicht die holländischen Bauern Transvaals, sondern die Aristokraten und Plutokraten Groß⸗ britanniens. Wir beschwören Euch denn, laßt keinen der Eurigen für eine Sache kämpfen, die nicht die Eure ist. Schließt Euch uns an in unserem Bestreben, den Frieden herbeizu⸗ führen.“ l Des weiteren werden die großen Kriegs⸗ kosten augeführt, die etwa auf 1¼ Milliarde Mark einzuschätzen seien. Diese werden aus dem Volke gepreßt und wandern zum größen Teil in die Taschen der Großkapitalisten, Bankiers und Kapitalisten aller Art. „Der wahre Patriotismus“, so schließt das Manifest,„besteht nicht darin, zu dominieren, andere Nationen zu unterdrücken, sondern in der moralischen, intellektuellen und materiellen Hebung der eignen Nation.“ Die Flotte auf Pump. Ueber die„Flotte auf Pump“, wie sie von der„Kölnischen Volkszeitung“ treffend getauft worden ist, stellt die„Volksztg.“ folgende an⸗ schauliche Rechnung auf: „Nach den Berechnungen des Reichsschatz⸗ amtes beträgt die 3¼ prozentige Reichsschuld zur Zeit 1240 Millionen Mark, sie erfordert an Zinsen 43,4 Millionen Mark. Die Zprozentige Reichsschuld beträgt 961 Millionen Mark, Zinsen 32,56 Millionen Mark. Dazu kommt die neue Anleihe für 1900 mit 76 Millionen Mark Zinsen 870000 Mark, ferner weitere Zinsen 575000 Mark, ergiebt als Schuld 2277 Millionen Mark, an Zinsbedürfnis 77 405 000 Mark. Das ist die alte Rechnung, wie sie besteht. Die Flottenvorlage soll kosten an Anleihe 769 Millionen Mark, macht Zinsen zu 4 Prozent, denn anders wird's zur Zeit nicht gehen, 30 760 000 Mark. Wir erhalten also eine Reichsschuld von 3016 Millionen Mark mit einem Zinsbedürfnis von 108 165 000 Mark. Von diesen Ziffern ist offiziös nichts weg⸗ zuleugnen. Voraussichtlich langen sie aber nicht, und es kommt, wenn überhaupt, auch der alljährliche Mehrbedarf von 11 Millionen Mark auf dasselbe Konto. Dieser Mehrbedarf beziffert sich auf 176 Millionen Mark, die sonach zu der Reichsschuld hinzuzuschlagen sind, sodaß diese allein durch diese Aufwendungen, von anderen Aaleihen, die nicht ausbleiben werden, ganz zu schweigen, auf die enorme Summe von 3222 Millionen Mark, also 3¼ Milliarde kommt, und ein Zinsbedürf⸗ nis von 113 205 000 Mark zeitigt. Wir wollen diese Ziffern durch weitere Ver— mutungen gar nicht belasten. Da aber mit aller Sicherheit vorauszusehen ist, daß stch die Anleihewirtschaft fortsetzt, daß diese Anleihe⸗ wirtschaft im Falle einer ökonomischen Krisis sich noch erweitert, so kann man, ohne irgend welcher Uebertreibung bezichtigt zu werden, rechnen, daß mit dem Ausban der Flotte, falls wir das je erleben, das Reich eine Schuldenlast von 4— 5000 Millionen Mark zu verzinsen haben wird. Diese schwindelerweckenden Zahlen machen bloß solchen Leuten Unruhe, die wie der in Scharfmacherei gegen die Arbeiter und Patrio⸗ tismus gleich hervorragende Abg. Möller in einer Flottenrede gesagt hat, an„Portemonnaie⸗ ängstlichkeit“ kranken. Herr Möller und alle Flottenenthusiasten sind erhaben über derartige Menschlichkeiten. Sie haben zwar ein größeres Portemoenaie als ungezählte Sterbliche, aber sie wissen als geriebene Geschäftsleute, daß es die Masse thun muß. Soll heißen: daß die Portemonnaies der großen Mehrzahl für jene ungeheuren Summen aufkommen müssen.— Selbstverständlich müßte das Volk die ent⸗ stehenden Kosten für die Flotte zahlen. Die „vornehmen“ Leute begnügen sich damit, die neuen Schiffe zu bewilligen und ihr Geschäft⸗ chen dabei zu machen. Das Zahlen über⸗ lassen sie großmütig dem arbeitenden Volk. Die Schiffsbau Patrioten. Wir müssen neue Schiffe bauen zu dem Zwecke natürlich, damit unsere Marine den andern überlegen ist. So behaupten die von den Schiffsunternehmern besoldeten Agi⸗ tatoren. Die Auftraggeber selber aber handeln nach etwas anderen Grundsätzen: Im Jahre 1899 wurden für das Ausland auf drei deutschen Werften 23 Kriegsschisse erbaut, nämlich 1 Panzerkreuzer, 3 Geschütz⸗ kreuzer, 11 Torpedokreuzer und Torpedoboot⸗ zerstörer und 8 Torpedoboote. Davon entfallen auf Japan 9, auf Rußland 7, auf Italien 6 Schiffe und auf Brastlien 1 Schiff. Wo irgend einmal deutsche Kriegsschiffe in Kampf geraten würden, so würden sie mit den vorzüglichsten Schiffen, Waffen und Geschossen, die aus Deutschland von deutschen Unter⸗ nehmern geliefert werden, bekämpft werden. Der Patriotismus der Krupp und Konsorten ist ein einträgliches Geschaͤft. Bestellte Beschlagnahme? Wir schrieben in voriger Nummer: Wenn die Sache nicht gar zu unmöglich erschien, hätte man annehmen können, der„Bundesrat“ sei auf Bestellung beschlagnahmt worden, um den deutschen Flottenaposteln ein zugkräftiges Agitationsmittel für ihre Wasserpolitik zu ver⸗ schaffen. Wir scheinen thatsächlich richtig vermutet zu haben. Als Opfer bedenklicher Spione bezeichnet jetzt auch die„Kölnische Zeitung“ die englischen Marinebehörden. Solche Spione hätten sich an Bord der einzelnen Schiffe eingeschmuggelt und in den verschiedenen Hafenstädten die unglaublichsten Gerüchte(über an Bord befindliche Konterbande) weiter ver⸗ breitet. Die„Kölnische Volkszeitung“ knüpft daran den Verdacht, daß diese Spitzel Hinte r— männern dienten, welche an dem neuen Flottenplan schwerwiegende materielle(ge⸗ schäftliche) Interessen hätten und deshalb aus vollem Halse schreien ließen:„Seht, wie rück⸗ sichtslos die Engländer auftreten! Da kaun nur eine starke, der englischen ebenbürtige Flotte helfen!“ f Diese Vermutung hat eine große Wahr⸗ scheinlichkeit für sich. Immer hat man politische Zwecke in der Weise zu fördern gesucht, daß man die„Fälle“ arrangierte, deren man be⸗ durfte, um die öffentliche Meinung mit Ent⸗ rüstung zu erfüllen und sie in dieser Stimmung für Alles gefügig zu machen. Noch uavergessen ist das Spitzelwerk der Alexandrinischen Bomben⸗ verschwörung, die inszeniert wurde, um die Reise Wilhelms II. nach Aegypten zu verhindern. Warum sollte man da nicht auch„Material für Flottenverstärkungen“ auf diese bewährte Weise erzeugen? Aus dem autisemitischen Lager. Das Unglück schreitet schnell. Vor wenigen Tagen erst hat Herr Liebermann v. Sonnen⸗ berg im Reichstag als„einziger“ deutscher Mann bei der Interpellationsdebatte über die Beschlagnahme deutscher Dampfer die Ehre und das Ansehen Deutschlands gerettet, die von den schwächlichen„Sammet⸗Handschuh⸗Poli⸗ tikern“, von„verjudelten“ Freisinnigen, Demo⸗ kraten, Sozialdemokraten, auch vom ebenfalls bereits stark„angejüdelten“ Centrum bekannt⸗ lich bei jeder Gelegenheit schmählich in den Staub getreten werden. Und wenige Tage nach dieser vaterlandsretterischen That, ist das Unheil bereits über den Retter hereingebrochen: in einer am Sonntag abtehaltenen Sitzung des „Gesammtvorstandes der deutsch-sozialen Reform⸗ partei“ hat Herr Liebermann v. Sonnenberg den Parteivorsitz niedergelegt und zwar der„Staatsbürger ⸗Ztg.“ zufolge mit der Be⸗ gründung,„daß seiner Ansicht nach diejenige Politik, die er anderen Parteien und Richtungen gegenüber für nötig hält, durch die Wahl der Parteileitung nicht gewährleistet sei.“ Lieber⸗ mann war wegen seiner Hinneigung zu den Konservativen dem„radikalen“ Flügel der Partei schon längst unbequem, sein offenes Wort, daß der Antisemitismus auf dem toten Punkt wasche tigen, Ihre! Die durch ui Adern f Blut jen lichen G Kuchenbe rung sehr ber der Ant Staat Die hahnbe Minister vom 5. worden: 1. fü meister, g der Dient erfordert, Stunden, Stunden durchschul Stu U. ‚ e zu 14( Pausen i betragen; 2. 100 Dauer 1 übaichreit ene Aus J. fl Auuson 1 Stun 40 fl aber len and schisse eschütz⸗ doboot⸗ fallen Italien Jüffe in lit den hossen, Unter⸗ berden. lsorten Wenn „ hätte at“ sei n, um äftiges zu ber⸗ ichtig licher lnische Solche zelnen iedenen e(über er ber⸗ knüpft inter⸗ neuen le(ge⸗ Ib aus e rück⸗ u kaun e Flotte Wahr⸗ olitische ht, daß nan be⸗ it Eut⸗ mung ergessen omben⸗ ie Reise hindern, Jaterial ewähtte ger. wenigen Sonnen deutscher Nr. 3. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. angekommen sei, dürfte seine Freunde ebenfalls verschnupft haben. Unter diesen Umständen ist der Entschluß des Herrn Liebermann von Sonnenberg, den Parteivorsitz niederzulegen, sehr leicht erklärlich: man wird sich nicht viel Mühe gegeben haben, ihn davon abzubringen. Wer die Erbschaft des glorreichen Mannes übernehmen wird, darüber verlautet in der antisemitischen Presse noch nichts. Noble Geschäftspraktiken. Die sozialdemokratische Presse ist natürlich „verjudet“, die Yankees sind die geborenen Re⸗ volverjournalisten— das ist für jeden teutschen Antisemiten eine ausgemachte Thatsache. Nur in der echtteutschen antisemitischen Presse ist natürlich alles schön, ehrlich und gut. Aber Eine große Berliner Kunsthandlung erhielt kürzlich das folgende Schreiben, das dem „Kunstwart“ im Original vorliegt: (Briefkopf, Datum, Adressatenfirma.) Das ganze Jahr über machen wir für Sie durch Besprechung Ihrer Ausstellungen Reklame, die uns schweres Geld kostet. Uns dafür hin und wieder durch Inserate zu entschädigen, das fällt Ihnen aber nicht ein. Hand wird aber nur von Hand ge⸗ waschen und wenn Sie uns nicht berücksich⸗ tigen, dann stellen wir eben die Referate über Ihre Ausstellungen auch ein. Hochachtungsvoll Staatsbürger⸗Zeitung. Die Staatsbürgerzeitung ist bekanntlich ein durch und durch„teutsches“ Blatt; in den Adern seiner Redakteure fließt kein Tropfen Blut jener verabscheuten Juden, jener scheuß⸗ lichen Gesellen, die christliches Kinderblut zum Kuchenbacken verwenden, die aller Uebel Ur⸗ sprung sind, die unsere deutschen Sitten so gar sehr verderben. Es lebe die deutsche Moral der Antisemiten. Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe sein. Die Dienst⸗ und Ruhezeiten der Eisen— bahnbetriebsbeamten sind vom preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 5. d. M. generell folgendermaßen geregelt worden: 1. für Stationsbeamte, Telegraphisten, Rangier⸗ meister, Haltestellenaufseher und Weichensteller. Wenn der Dienst eine ununterbrochene, angestrengte Thätigkeit erfordert, soll die durchschnittliche tägliche Dauer acht Stunden, die Dauer einer einzelnen Dienstschicht zehn Stunden nicht überschreiten. Im übrigen kann die durchschnittliche tägliche Dienstdauer bis zu zwölf Stunden, die Dauer einer einfachen Dienstschicht bis zu 14(bei einfachen Betriebsverhältnissen mit längeren Pausen in der Dienstschicht bis zu 16) Stunden betragen;. 2. für Bahnwärter und Haltepunktwärter soll die Dauer der täglichen Dienstschicht 14 Stunden nicht überschreiten; nur bei einfachen Betriebsverhältnisten ist eine Ausdehnung bis zu 16 Stunden zulässig; 3. für das Zugbegleitungspersonal soll die tägliche Dienstdauer im monatlichen Durchschnitt nicht mehr als 11 Stunden und 4. für das Lokomotippersonal nicht mehr als 10 Stunden(bei einfachen Betriebsverhältnissen bis zu 11 Stunden) betragen. Bei letzteren beiden Beamten⸗ kategorien darf die einzelne Dienstschicht 16 Stunden nicht überschreiten; überdies müssen derartig lange Schichten durch ausgiebige Pausen unterbrochen werden. Jeder im Betriebsdienste ständig beschäftigte Beamte soll monatlich mindestens zwei Ruhetage von je 24 Stunden(III) erhalten. Bei einfachen Betriebs⸗ verhältnissen, wie namentlich auf Nebenbahnen, kann die Zahl der Ruhetage des unter 1 und 2 aufgeführten Personals auf einen im Monat eingeschränkt werden. Im Nachtdienst darf kein Beamter mehr als 7 Nächte hintereinander beschäftigt werden. Hinsichtlich des Kirchenbesuchs bleibt es bei den bis⸗ herigen Vorschriften. Hiernach ist dem Betriebspersonal an jedem zweiten, mindestens aber an jedem dritten Sonntage Gelegenheit zur Teilnahme am Gottesdienste zu geben und die dazu erforderliche dienstfreie Zeit zu gewähren, ohne daß es der Nachsuchung eines besonderen Urlaubes zu diesem Zwecke bedarf, und auch ohne daß eine Beeinträchtigung der Ruhezeit eintritt. „Dieser Erlaß kennzeichnet die hochtönenden Tiraden von dem Staat, der an der Spitze der Sozialreform marschiert, ganz vortrefflich. Schichten bis zu 16 Stunden in einem auf⸗ reibenden Dienst und alle Monat nicht einmal ein dienstfreier Tag gesichert! Denn 24 Stunden machen wohl nach Adam Riese einen Tag aus, aber für einen Eisenbahner bedeuten sie keinen dienstfreien Tag. Wenn so ein abgerackerter Eisenbahner abends um 6 Uhr aus dem Dienst kommt, dann endet sein „dienstfreier Tag“ bereits am andern Tag nachmittags 6 Uhr. Die Ruhetage müßten auf mindestens 36 Stunden normiert werden; so lange das nicht geschieht, kann von dienstfreien Tagen keine Rede sein. Der Krieg in Südafrika. Die englischen Gesamtverluste betragen bis zum vorigen Samstag: Offiziere getötet 92, verwundet 303, vermißt bezw. gefangen 102; Unteroffiziere und Mannschaften getötet 894, verwundet 3801, vermißt bezw. gefangen 2287, zusammen 7479. Dazu kommen noch 260 Soldaten, die an Krankheiten ge⸗ storben sind. Wie der„Standard and Diggers News“ vom 14. Dezember meldet, ist ein Enkel des Präsidenten Paul Krüger bei einem der Angriffe auf die Forts von Mafeking am 13. Dezember gefallen. In London herrschte am Mittwoch die ängstlichste Stimmung, da unbedingt ein aus⸗ schlaggebender Zusammenstoß stattgefunden haben muß, aber keinerlei Nachrichten eingelaufen sind Aus dem Reichstag. Eine Komödie. Am Freitag wurde die längst angekündigte Inter⸗ pellationskomödie im Reichstag gespielt. Der Abgeord⸗ nete Müller(natlib.) fragte die Regierung, was sie gethan habe in Sachen der Beschlagnahme deutscher Schiffe durch England. Und der Staats sekretär v. Bül o w antwortete, daß alles im Blei sei, England zahle Ent⸗ schädigung und wolle verhüten, daß wieder solche Miß⸗ griffe vorkämen. Damit war die Geschichte erledigt, denn als der Abg. Liebermann von Sonnenberg die Besprechung der Interpellation beantragte, erhoben sich dafür noch keine 30 Mann, obwohl die Interpellation von 300 Abgeordneten unterzeichnet war. 270 hatten also genug von dem Hokuspokus, den die Sozialdemokratie von vornherein nicht mitgemacht hatte. Das Nachspiel. Direkt an das vereinbarte Frage⸗ und Antwortspiel schloß sich die Etats beratung, Titel: Reichskanzlei Interessant waren zwei Aeußerungen des Fürsten Hohenlohe, der dem berühmten Gründer Herrn v. Kardorff auf allerlei Anzapfungen antsortete, Onkel Chlodwig erklärte erstens:„Ich halte an der Goldwährung fest und bin der Meinung, daß das Aufgeben unserer bestehenden Währung zu Kalamitäten ersten Ranges führen könnte.“ Und zweitens:„Ich halte den Ausspruch für sehr weise, daß die Sozial⸗ demokratie eine vorübergehende Erscheinung sei(Hört, hört!), die sich austoben werde.“ Ebenso interessant waren einige Aeußerungen des Grafen Posadowsky, die in unserem heutigen Leit⸗ artikel gewürdigt werden. Abg. Liebermann v. Sonnenberg, der sich ärgerte, daß er im ersten Akt der Komödie aus den Koulissen nicht heraus durfte, hielt dann eine große Panke über England, das er in Grund und Boden verdonnerte. Er, der Antisemiten Oberster, schwärmte für das zarische und verknutete Rußland:„Rußland ist eine große kolonisatorische Potenz. England hat nur ein Interesse daran, die Völker durch Opium und Branntwein zu demoralisieren; Rußland dient einer großen Kulturmission, England schädigt dieselbe.“ Mit der Erklärung des Grafen Oriola, daß er wohl im Hause auf allseitiges Einverständnis rechnen könne, wenn er auf die Rede des Abg. Liebermann nicht eingehe, schloß die denkwürdige Freitagssitzung, die einen so„großartigen“ und imposanten Verlauf nehmen sollte, aber so kläglich verpuffte. Eine Sozialistendebatte. Am Samstag setzte der Reichstag die Beratung des Etats des Reichskanzlers fort. Regierungsmän ner und Konservative unterhielten sich über die Frage, ob die Sozialdemokratie eine vorübergehende oder eine dauernde Erscheinung sei, ob sich mehr die Politik des Zugreifens oder die des Abwartens empfehle. Aus diesem häuslichen Zwist im Lager der Herrschenden ent⸗ wickelte sich allmählich eine regelrechte Sozialistendebatte. Im Namen unserer Fraktion hob Genosse Bebel mit Recht hervor, daß dieser Austausch von Liebens⸗ würdigkeiten zwischen Agrarieru und Gouvernementalen uns im Grunde sehr kalt lasse. Dle Sozialdemokratie habe kein Interesse daran, ob man ihr so oder so, auf dem Wege der milden Praxis oder dem des Aus nahme⸗ gesetzes begegne; als notwendige Begleiterscheinung der kapitalistischen Gesellschaft— sie als solche bezeichnet zu haben zeuge von der fortschreitenden Einsicht des Grafen Posadowsky— werde sie erst mit dieser ver⸗ schwinden; nicht später, aber auch nicht eher. Ob Sie ein Sozialistengesetz machen oder nicht, ist uns gleich⸗ giltig, ja es giebt sogar eine große Anzahl unter meinen Parteigenossen, die nach der Zeit des Sozialistengesetzes eine gewisse Sehnsucht empfinden(Lachen rechts), denn jene Zeit stachelte ihren Mut und ihre Opferwilligkeit ganz besonders an. Machen Sie wieder ein Sozialisten⸗ gesetz, so gebe ich Ihnen die Versicherung: in drei Tagen ist die ganze Sozialdemokratie im Kriegszustand organisiert, und den Kampf werden wir mit größerer Energie gegen Sie aufnehmen als jemals. Wenn's Ihnen beliebt, das Tänzlein zu wagen, wir sind bereit, Ihnen aufzuspielen.(Sehr gut! bei den Sozialdemo⸗ kraten.) Ganz besonders interessant war es mir bei den Aus⸗ führungen des Herrn Reichskanzlers, daß er sich auf die Aeußerung des Kaisers bezog, die Sozial⸗ demokratie wäre eine vorübergehende Erschei⸗ nung, sie müsse sich austoben. Auszutoben brauchen wir uns nicht, weil wir noch nie getobt haben.— Daß die Sozialdemokratie eine vorübergehende Erscheinung ist, das ist gewiß richtig, denn das einzig Dauernde in der Welt ist der Wechsel und die Sozialdemokratie ist ebenso eine vorübergehende Erscheinung, wie die Hohenzollernsche Dynastie.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratie wird aber erst dann verschwinden, wenn sie ihr Endziel erreicht hat, denn dann hat ihre Existenzberechtigung aufgehört. Immerhin will ich zugeben, daß diese Aeuße⸗ rung, die Sozialdemokratie ist eine vorübergehende Er⸗ scheinung, erträglicher ist, als wenn es heißt:„Die Sozialdemokraten sind eine Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutscher zu tragen“ und„jeder Sozialdemokrat ist ein Reichs- und Vaterlandsfeind“. Nachdem der Reichskanzler das Wort von der„vorüber⸗ gehenden Erscheinung“ acceptiert habe, sei wohl anzu⸗ nehmen, gaß auch die Zeit vorbei ist, wo er mit Um⸗ sturzvorlagen operiert. Er wird erkennen, daß eine solche Politik eine staatsmännische Ban ausenpolttik ist. Zum Schluß nahm dann Bebel noch eine grün d⸗ liche Abrechnung mit Herrn v. Kardorff vor, der sich Tags zuvor wieder, wie schon oft, mausig ge⸗ macht hatte. Herr v. Kardorff ist einer der wütendsten Krautjunker und als Freund des Königs Stumm An⸗ hänger der Gewaltmaßregeln gegen die Sozial⸗ demokratie. Es sprachen u. a. noch der konservative Herr v. Kröcher, der es bedauert, daß aus der Zuchthaus⸗ vorlage nichts geworden ist, Fürst Herbert Bismarck, der seinem im Kampfe mit der Sozialdemokratie unter⸗ legenen Vater ein Loblied sang, und einige andere mehr. Unter stürmischer Heiterkeit des Hauses suchte sich Herr von Kardorff von den wuchtigen Anklagen rein⸗ zuwaschen, was ihm nicht gelang. Dem Reichskanzler wurde schließlich das Gehalt und der Reichskanzlei die angeforderten Summen bewilligt. Novelle zur Unfallversicherung. Am Montag und Dienstag wurde vor leeren Bänken— es handelt sich ja um ein Gesetz für Ar⸗ beiter— die erste Lesung der Novelle zur Unfall⸗ versicherung„erledigt“. Unsererseits sprachen in treff⸗ licher Weise die Genossen Stadthagen und Molken-⸗ buhr. Letzterer führte namentlich den Freisinnigen Fischbeck ab, der die sozialdemokratische Forderung auf volle Entschädigung der verunglückten Arbeiter für unerfüllbar erklärte und als echter Freisinniger das große Wort gelassen aussprach, es würden zu viel Renten gezahlt.— Die Vorlage wurde einer Kom⸗ mission von 24 Mitgliedern überwiesen. In der Mittwochs sitzung brachten unsere Genossen Thiele und Sachse wieder die schlimmen Zustände im Bergbau zur Sprache. Thiele schilderte nament— lich, wie die Steiger im Mansfelder Becken hausen. Es gebe darunter Leute, die sogar die Frauen der Bergleute als ihr Eigentum betrachteten. Von Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet naturlich streugste Gewissen⸗ haftigteit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf ener Sele gu beschreiben. Zünftlerische Wirte. * Was den Gastwirten in Gießen mit Unterstützung der liberalen Stadtverordneten gelang, ist ihnen in Darmstadt nicht ge⸗ lungen. Auch dort beschäftigten sich die Stadt— verordneten mit dem Gesuch der Wirte, die — — Seite u. itteldeutsche SonntagsZeitung. Nr. 3. Bedürfnisfrage für neue Wirtschaften wieder aufzuwerfen. Die Kommission war mit allen gegen eine Stimme für die Wieder⸗ einführung. Es war ein heißer Kampf, der namentlich von den Interessenten, den Stadtverordneten Reinemer, Geschäftsführer des Wirtevereins, und dem Vorsitzenden des⸗ selben Vereins Wirt Karl Müller im Sinne der Wiedereinführung der Bedürfnisfrage ge— führt wurde, wodurch die Debatte einen ego⸗ istischen Beigeschmack erhielt. Trotzdem sich auch der Oberbürgermeister für die Wiederein⸗ führung ins Geschirr legte, wurde dieselbe doch mit 20 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Hessischer Landtag. *Die Zweite Kammer wird am 10. oder 12. Februar zu einer kurzen Tagung einberufen, dann wieder für Ende Februar oder Anfang März. Sicherlich wird in einer der ersten Sitzungen das Mandat des Herrn Leun kassiert. Aus der Seestadt Wetzlar. * Helf, was helfen mag, haben wohl die Wetzlarer Ueberseeer gedacht, als sie für den 22. ds. Mts. sich den Korvettenkapitän a. D. v. Holleben für einen Vortrag über die Flotten⸗ bestrebungen verschrieben haͤtten. Außec der übrigen Reklame finden sich im Wetzl. Amts⸗ blatt nicht weniger als vier große Inserate, in denen zum Besuch des Vortrags aufgefordert wird. Im ersten Juserat fordern zum Besuch auf: Deutscher Flottenverein, Kolonialverein, Handelsverein, Deutscher Sprachverein. In den drei übrigen Inseraten ermuntern ihre Ge⸗ treuen: Evangelischer Gesellenverein, Krieger— verein und Turnverein. Also nicht weniger als sieben patriotische Vereine machten mobil und doch muß das Amtsblatt über den Besuch des Flottenvortrags berichten: „Der Umstand, daß der Beginn des Vor⸗ trags auf eine ungewöhnlich frühe Zeit an⸗ gesetzt war, mochte Manchen an dem Besuche des Vortrags verhindert haben, doch hatten sich auch so schon mehrere Hundert Teil⸗ nehmer eingefunden.“ Das heißt auf gut deutsch: die Versamm⸗ lung war trotz des großen Klimbims, der vor⸗ her gemacht wurde, kläglich besucht. Die Wetz⸗ larer Ueberseeer haben Schiffbruch gelitten. Antisemitische Berichterstattung. Was den Antisemiten unangenehm ist verschweigen sie ihren Lesern. So teilt jetzt Herr Hirschel seinen Gläubigen zwar mit, daß die Wahl Wolffs für gültig erklärt und die⸗ jenige Erks beanstandet wurde. Daß aber die Wahl Leuns von der Kommission ein- stimmig für ungültig erklärt wurde, ver⸗ schweigt der sonst so redselige Herr. Ebenso verschweigt er noch in seiner Nummer vom 24. Januar den für ihn so blamabel begonnenen Prozeß, den Erdmannsdörffer gegen ihn an⸗ gestrengt hat, und verschweigt den Rücktritt des Abg. Liebermaun v. Sonnenberg. Wenn in Südamerika oder Afrika ein armseliger jüdischer Händler zehn Mark Geldstrafe be⸗ kommen hätte, das hätte er nicht verschwiegen. Herr Hirschel vor Gericht. * In unserem Offenbacher Parteiblatt lesen wir:„Eine interessante Privatklage beschäftigte am Freitag das hiesige Schöffengericht. Der Redatteur der antisemttischen„Deutschen Volks⸗ wacht“, Otto Hirschel, hatte einigen Artikeln Raum in seinem Blatte gegeben, in denen der nationalsoziale Redakteur der„Hessischen Laudes— zeitung“, Erdmannsdörffer, in scharfer Weise angegriffen und u. a. von ihm behauptet wurde, daß er sich durch den Herausgeber der „Frankfurter Zeitung“, Leopold Sonnemann, habe bestechen lassen, von der antisemitischen zur nationalsozialen Partei überzutreten. Ferner wird der Kläger beschuldigt, daß er in einer Versammlung zu Ungunsten der Antisemiten die Rednerliste gefalscht habe und gegen die von ihm redigierte Zeitung den Vorwurf er- hoben, daß sie sich von dem„Juden“ Sonnemann unterstützen lasse. Außer diesen Vorwürfen sollen die inkriminierten Artikel noch eine Reihe formeller Beleidigungen enthalten. Von Seiten des Klägers waren als Zeugen geladen Pfarr⸗ amtskandidat Küchler⸗Marburg und Leopold Sonnemann⸗Frankfurt. Der Vertreter des nicht erschienenen Beklagten, Rechtsanwalt v. Brentano, beantragte im Namen Hirschels einen Veraleich, wonach sich Redakteur Hirschel verpflichtete, seine Beschuldigungen resp. Beleidigungen öffentlich zurückzunehmen und die Kosten zu tragen. Da der Kläger jeden Vergleich ablehnte, beantragte Rechtsanwalt v. Brentano die Vernehmung der Herren Redak⸗ teur Scheidemann⸗Gießen, stud. jur. Harmony⸗ Marburg und Dr. Häberlin-Göttingen. Die Klage wurde zwecks Bernehmung der zuletzt benannten Zeugen auf Freitag, den 2. März, vertagt.“ Vom Bureaukratismus. Ein richtiges Bureaukratenstücklein hat sich das Nürnberger Rentamt geleistet. Ein Ar⸗ beiter in Erlenstegen bezahlte im vorigen Früh⸗ jahr seine Einkommensteuer nebst Kreisumlage für das ganze Jahr und war der sicheren Meinung, seine Verpflichtungen gegen den Staat erfüllt zu haben. Aber der Mensch irrt sich oft gewatig. Am 10. ds. Mts. kam ein Rentamtsbote mit einer Grundsteuerforderung von—l, sage und schreibe: einem Pfennig. Die Mahnung war natürlich mit einer Ge— bühr von 20 Pfg. belastet, also mit 2000 Prozent der Forderung! Man hätte doch diesen Pfennig gleich mit auf die Ein⸗ kommensteuer aufrechnen können, aber das ginge ja wieder den Geist des heiligen Bureau⸗ kratismus, der sich möglichst viel Schreibereien und dem Publikum recht viel Unannehmlich⸗ keiten und Kosten verschaffen muß. Ein pfiffiger Gastwirt. Wie ein Schankwirt sich ein volles Lokal verschaffte, kam in einer Verhandlung zur Sprache, die vor dem Landgericht J in Berlin in der Berufungsinstanz stattfand. Der Schank⸗ wiri Jünger stand wegen Betruges und Körperverletzung, sein Bruder, der Metallar⸗ beiter Paul Junger, wegen des letzeren Ver⸗ gehens vor dem Schöffengericht. Im August vorigen Jahres ließ der erste Angeklagte in einer Zeitung ein verlockendes Heiratsgesuch veröffentlichen. Danach suchte ein junges, hübsches Fräulein, welches im Besitze eines gutgehenden Geschäftes sei und sehr gut einen Mann mit ernähren könne, einen Lebensgefährten. Nach zwei Tagen hatte Jünger über 100 Offerten von heiratslustigen jungen Leuten zu lesen. Er beantwortete sie alle in gleicher Weise, indem er die Adressaten nach seinem Lokale, Manteuffelstraße 47, zum Sonnabend Abend, den 12. August, be⸗ stellte. Hier würde die junge Dame zu treffen sein. Als gegenseitiges Erkennungszeichen sollte eine weiße Nelke im Knopfloch dienen. Der Sonnabend Abend kam, das Jünger'sche Lokal war von jungen Leuten überfüllt. Diese sahen sich g genseitig mit mißtrauischen Blicken an, denn fast sämmtlich trugen sie eine weiße Nelke im Knopfloch. Die wenigen Stammgäste welche unterrichtet waren, ergötzten sich. Die Heiratskandidaten sahen schließlich ein, daß sie gefoppt worden waren. Als die Gemüther von den genossenen Getränken erregt wurden, kam es zwischen den mit der weißen Nelke Ge⸗ schmückten und dem Wirte, dem der Bruder und die übrigen Stammgäste zur Hülfe kamen, zu einer argen Schlägerei. Ein Teil der Heiratskandidaten erhielt erhebliche Verletzungen. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten Emil Jünger von der Anklage des Betruges frei, da seine Behauptung, daß er sich nur einen Scherz haben machen wollen, nicht zu wider— legen sei. Wegen der Körperverletzung wurden Emil Jünger zu 60 Mk., sein Bruder zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt. Hiergegen legten Beide Berufung ein. Da mehrere Zeugen nicht er⸗ schienen waren, verfiel der Termin der Ver⸗ tagung. Kleine Mitteilungen. Gießen. Zwei Baumfreblern hat die hiesige Strafkammer einen gehörigen Denk⸗ zettel gegeben. Die Arbeiter J. K. Kohl aus Göttingen und Ph. Schneider aus Straßburg hatten an der Ober⸗Erlenbach-Petterweiler Straße 30 Obstbäumchen umgebrochen. Jeder erhielt 1½ Jahre Gefängnis. * Die Ruhr in Oberhessen. Nach amtlichen Mittheilungen ist Ende vorigen Jahres die fast seit zwei Jahrzehnten im Großherzog⸗ tum Hessen unbekannte epidemische Ruhr in dem Kreise Alsfeld und zwar in der Gemeinde Elbenrod aufgetreten. Von 25 daselbst an dieser Seuche erkrankten Personen sind 5 ver⸗ storben. Die Krankheit wurde eingeschleppt und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine aus Bremen zugereiste, in Elbenrod sich vor übergehend aufhaltende Person. Die Krankheit trat aber auch in dem Orte Brauerschwend in demselben Kreise auf, dort erkrankten 17 Per⸗ sonen, von welchen 3 verstorben sind; von hier wurde die Seuche nachweislich wieder nach Alsfeld verschleppt, doch wurden nur 3 Per⸗ sonen von der Krankheit ergriffen. ** Die Lose der hessischen Landes- lotterie sind am Diefststag durch die Lotterie⸗ direktion zur Ausgabe gelangt. Die Regierung scheint auch auf eine rege Beteiligung des Aus⸗ landes bei dem Absatz der Lose zu rechnen. Auf der Rückseite jedes einzelnen Loses ist eine Empfehlung in französischer, dänischer, russischer, italienischer und holländischer Sprache aufgedruckt. Wetzlar. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat die Wahl des Reichstags⸗ abgeordneten Kraemer für gültig erklärt. Die Wahl war von Seiten der Antisemiten angefochten. * Bieber b. Rodheim. Im hiesigen Kalksteinbruch wurde der Arbeiter Philipp Gerlach von Rodheim von einer herabstürzen— Steinmasse derartig verletzt, daß er in die Klinik zu Gießen gebracht werden mußte. ** Ein Handwerksburschen-Begräb⸗ nis fand dieser Tage in Wiesbaden von dem dortigen Krankenhause aus nach dem Friedhof statt. Der Verstorbene war schon seit einiger Zeit krank und schließlich seinen Leiden erlegen. Daß den mit Not und Eatbehrungen, Obdach— losigkeit und behördlichen Verfolgungen kämpfen⸗ den„Stromern“ und„Vagabunden“, wie man die arbeitslosen Handwerksgesellen selbst in sog. christlichen Blättern oft bezeichnet, nicht das Ge⸗ fühl der Menschlichkeit abhanden gekommen ist, bewies die Beerdigung des Toten, denn elf Mann im Handwerksburschenkostüm folgten dem Sarge, auch hatten sie ihre letzten Pfennige zusammen⸗ gelegt und einen Kranz gekauft. Sie gingen hinter dem Sarge her, wohl darüber nach⸗ denkend, ob ihnen nicht ebenfalls, fern von der Heimat, das gleiche Los beschieden sein werde, wie dem Verblichenen, dem sie die letzte Ehre erwiesen. ** Gifmordprozeß. Im Liegnitzer Gif.⸗ mordprozeß Berndt wurde Markwitz, der Ge⸗ liebte der Rittergutsbesttzersgattin Berndt, zu 5 Jahren Zuchthaus und ebensoviel Jahren Ehrverlust verurteilt, die Frau Berndt wurde freigesprochen. Markwitz machte einen Flucht⸗ versuch, wurde aber sofort wieder eingefangen. Es handelt fich um einen in der Presse breit⸗ spurig behandelten Skandalprozeß. Der Gatte, Rittergutsbesitzer und Stallmeister v. d. Berndt, wurde von seiner Gattin und seinem Verwalter, einem hysterischen verbrecherischen Wüstling be⸗ trogen. Der Zuhälter der Frau Berndt hatte den geduldigen Ehemann dann noch mit Strychnin zu vergiften versucht. * Ein Mittel gegen den Keuch husten. Gegen den Keuchhusten, diesen Quäl⸗ geist der Kinder, ein wirksames Heilmittel zu finden, ist der Wissenschaft jetzt endlich ge⸗ lungen.(2) Dieses neue Mittel, das schon nach seiner ersten Anwendung die Hustenanfälle in ihrer Heftigkeit und Anzahl ganz erheblich vermindert und hierdurch den kleinen Patienten schnell Linderung und dadurch die ihnen so nötige Nachtruhe verschafft, ist kein Geheim⸗ mittel, sondern eine von den Aerzten verordnete Salbe, die auf die Haut gerieben, in die Poren eindringt und vermöge ihrer Zusammensetzung (Difluordiphenil) eine derartig rasche Wirkung auf alle Hals⸗ und Rachenkrankheiten ausübt, Vorstand And Hil mächtalt vat Gal scheinend Schulden zum Ouf daß. er Belichte an sein — Das mit den wurde K Mbeitele des Kaff bandes. also um Deshalb menhalte Frau! summlur ziegelei für diest Hisation gegen di Die da Linden u die ihm sich wies der sozi als ein seinen möge, Herrn L Undine und er kant itt und die Atti gewählt: Urgerm gestern Gutes Herrn J Heister n Herr eigen Liph rzen⸗ 1 die räb⸗ dem jedhof iniger egen. dach⸗ pfen⸗ man f sog. 5 Gl⸗ it, Naun dalge, imen⸗ ingen nach⸗ bon sein letzte Gif⸗ Ge; t, al hre burde lucht⸗ gell. heit⸗ gatle, arndt, 1. k⸗ lte mit euch⸗ ul. tel zu. „e schon ml senten 1 so heilt dete baren gung tung übt, 1 2 ͤ˙ Nr. 5. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. daß nach einer soeben veröffentlichten wissen⸗ schaftlichen Abhandlung in einem unserer ersten medizinischen Fachblätter schon nach ein bis zwei Tagen der Erfolg zu sehen ist. Das neue Präparat wird unter dem Namen„Antitussin“ von der chemischen Fabrik Valentiner und Schwarz in Leipzig⸗Plagwitz in den Handel gebracht und ist durch alle Apotheken oder direkt zu beziehen.(Wir stehen diesen Salben wie allen übrigen Mixturen recht mißtrauisch gegenüber.) Arbeiterbewegung. Gießen. In der Gailschen Dampfziegelei wurde am 4. Jannar dem Arbeiter K. gekündigt, weil sein Benehmen und Betragen nicht gefalle. K. fragte, inwiefern er sich etwas habe zu Schulden kommen lassen. Es wurde ihm erklärt: er wisse es und man wollte sich nicht in die Sache einmischen. Auf Beschluß des Vorstaudes des Verbandes der Fabrik-, Land⸗ und Hilfsarbeiter richtete der erste Bevoll— mächtigte ein Schreiben an Herrn Kommerzien⸗ rat Gail und bat um Aufklärung, weil an⸗ scheinend ein Arbeiter, der sich nichts habe zu Schulden kommen lassen, einem Denunzianten zum Opfer gefallen sei. Herr Gail antwortete, daß er den Beschwerdebrief erhalten und zur Berichterstattung resp. weiterer Veranlassung an sein Dampfziegelei⸗Bureau überwiesen habe. — Das Bureau hielt es nicht der Mühe wert, mit den Arbeitern zu unterhandeln und so wurde K. entlassen. Der Entlassung dieses Arbeiters folgte am 18. Januar die Kündigung des Kassierers der Zahlstelle genannten Ver⸗ bandes. Allem Anschein nach handelt es sich also um ein Vorgehen gegen die Organisation. Deshalb heißt es: einig sein und fest zusam⸗ menhalten. Am Freitag, den 1. Februar wird Frau Tröger aus Offenbach in einer Ver⸗ sammlung der Arbeiter der Gailschen Dampf— ziegelei und Tonwarenfabrik sprechen. Agitiert für diese Versammlung. Es gilt unsere Orga⸗ nisation zu schützen und Protest zu erheben gegen die Maßregelung unserer Kollegen! Die Undings⸗ Kandidatur. * Daß Herr Bürgermeister Leun in Großen⸗ Linden wenige Wochen vor der Landtagswahl die ihm angedichtete Kandidatur entrüstet von sich wies und eine dritte Kandidatur neben der sozialdemokralischen und der antisemitischen als ein Unding bezeichnete, mit dem man seinen Namen nicht in Verbindung bringen möge, ist bekannt. Ebeuso bekannt ist, daß Herrn Leun wenige Tage vor der Wahl das Unding plötzlich sehr begehrenswert erschien und er seine Kandidatur noch aufstellte. Be⸗ kaunt ist auch, daß der Antisemit Hirschel kalt⸗ und die Heuchelheimer Uhr vor gestellt wurde. Antisemitische Wahlmänner, die für Hirschel gewählt waren, mußten für den Großen⸗Lindener Bürgermeister stimmen, der den Orten Leih⸗ gestern und Langgöns schon so viel Gutes“ erwiesen hat. Sie mußten für Herrn Leun stimmen, damit noch ein Bürger⸗ meister mehr in den Landtag komme. Herr Leun„siegte“. Aber die Wahlprüfungskommission fand die Sache doch nicht so ganz zweifelsohne, sie be⸗ schloß einstimmig, den Landtag aufzufordern, Herrn Leun wieder heimzuschicken. Das ist eine bitter schmeckende Pille. Und 1 5 75 wie der Einzug in Großen⸗Linden am ahltag mit Fackeln und Musik wird der Auszug aus dem Landtag für Herrn Leun kaum werden.— Die Entscheidung, ob Herr Leun noch ein⸗ mal nach Dar mstadt geschickt wird, häugt von den Heuchelheimer Wählern ab. Das wissen die Getreuen des Herrn Leun sehr wohl, und . sie schon jetzt wieder in der eifrigsten eise. Dabei bedienen sie sich leider eines Mittels, das schon bei der Hauptwahl im Herbst v. J. in mehreren Dörfern angewendet wurde, das wir damals unbeachtet ließen, weil es uns zu kläglich erschien, dem wir aber jetzt doch auf den Grund gehen wollen. Dabei wird allerdings die gütige Mitwirkung des Herrn Leun unentbehrlich sein. In Großen⸗Linden wurde gelegentlich der Wahlbewegung erzählt, Herr Leun sei bei der Beratung des Notariatsgesetzes in Darmstadt gewesen und habe den Landtagsabg. Dr. David in der Kammer wegen dessen Stellungnahme zu genanntem Gesetz interpelliert. Unser Genosse habe darauf geantwortet, er wisse, daß das Gesetz Unzufriedenheit erregen würde, aber das sei gerade für uns die Hauptsache. Wir haben damals, wie bereits gesagt, diese erbärmliche Lüge unbeachtet gelassen. Jetzt wird uns aus Heuchelheim berichtet, daß dort die Freunde des Herrn Leun von Haus zu Haus kolportieren, Dr. David habe damals dem Großen⸗Lindener Bürgermeister geantwortet, „er stimme für das Notariatsgesetz, weil es die Partei vorschreibe“. Im übrigen habe Dr. David nichts zu erwidern gewußt. Herr Leun muß selbst das größte Inter⸗ esse daran haben, den Erfinder dieser Lügen zu ermitteln, da er gewiß nicht will, daß man für ihn mit derart erbärmlichen Mitteln arbeitet. Wir fordern zunächst Herrn Leun auf, öffentlich zu erklären, wem er s. Z. über die Unterredung mit unserem Genossen Dr. David Mitteilung gemacht hat. Vielleicht ließe sich dann feststellen, wer die Frechheit und Gewissenlosigkeit besessen hat, die klipp und klare Antwort, die unser Genosse dem Großen⸗Lindener Bürgermeister in Darm⸗ stadt ganz zweifellos gegeben hat, zu fälschen, um damit hinterlistiger weise der sozialdemo⸗ kratischen Partei etwas anhängen zu können. Um außerdem den Heuchelheimer Wählern Gelegenheit zu geben, sich ein klares Bild zu machen von der Bedeutung des Notariatsgesetzes, das viele Bürgermeister ganz falsch darstellen, haben wir den Landtagsabgeord⸗ neten Dr. David gebeten, demnächst in Heuchelheim in einer öffentlichen Ver⸗ sammlung über die Thätigkeit des Landtags zu reden. Herr Leun wird schon jetzt auf diese Versammlung aufmerksam gemacht, später, wenn der Termin festgesetzt ist, auch noch speziell eingeladen werden. Herr Leun ist bisher unseren Versammlungen fern geblieben. In Heuchelheim wird er hoffent⸗ lich erscheinen. Selbstverständlich werden ihm dieselben Rechte wie David eingeräumt, sodaß er die schönste Gelegenheit hat, einmal vor ver⸗ sammeltem Volke auseinanderzusetzen, was er eigentlich will. *. a Wir hielten es zunächst nicht der Mühe wert, bei dem Genossen Dr. David wegen jener Unterredung mit Herrn Leun anzufragen. Wir — und jeder, der David keunt— wußten von vornherein, daß er die ihm angedichteten „Antworten“ nicht gegeben haben konnte. Da wir nun wegen der abzuhaltenden Ver⸗— sammlung an unseren Genossen David schreiben mußten, teilten wir ihm den Sachverhalt mit. Daraufhin ersucht uns Genosse David: die ihm unterschobenen Behauptungen als gänzlich unwahre, frei erfundene Ver⸗ leumdungen zu erklären.„Ich habe Herrn Leun die rein sachlichen Gründe, warum wir für das Gesetz stimmen würden, kurz auseinandergesetzt, und seine(Leuns) Einwendungen als sachlich nicht durchschlagend zurückgewiesen.“ Wird trotzdem noch weiter im Trüben zu fischen versucht werden? Cetzte Nachrichten. Berlin. Die Flotten vorlage ist vom Bundesrat gutgeheißen und dem Reichstag zu⸗ gegangen. Die Beratung im Reichstag wird voraussichtlich Mitte nächster Woche beginnen. London, 25. Januar. Das Kriegsamt erhielt von Buller folgende Depesche aus Spear⸗ mans Camp vom 25. Januar, 12,10 nachts: Die Truppen General Warrens besetzten Dienstag Nacht den Spionkop. Sie über⸗ raschten die kleine Buren⸗Besatzung, welche floh. Der Hügel ist den ganzen Tag von uns gehalten worden, obgleich wir heftig ange⸗ griffen wurden, besonders durch ein sehr be⸗ lästigendes Artilleriefeuer. Ich fürchte, daß unsere Verluste beträchtlich sind und be⸗ dauere mitteilen zu müssen, daß General Woodgate schwer verwundet ist. General Warren glaubt, daß er die Stellung des Feindes unhaltbar gemacht hat.“— Diese ver⸗ klausulierte Depesche klingt wenig erfreulich für die Engländer. Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, den 27. Januar: Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein bei Ferd. Kröck abends ½9 Uhr. Samstag, den 3. Februar: Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr. Tagesordnung: 1. Bericht der Gen. Orbig und Krumm über ihre Thätigkeit in der Stadt⸗ verordnetenversammlung. 2. Diskussion. Lauterbach. Wahlverein abends 8/ Uhr bei Wirt Wöllfinger. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Briefkasten der Redaktion. ⸗st⸗Mbg. Dir ist wohl die Tinte eingefroren? R.⸗K. Ich habe in Mühlheim a. M., nicht in M. a. Rh. gesprochen. Briefkasten der Expediion. Quittungen. Lst. Wek. 31.80. R. G. 2.40. Schw. Gan. 1.20. Wtr. Wer. Lbch. 2.—. Sg. Hchst. 2.—. Wch. Bst. 2.40. Fh. Rdrth. 2.40. Bl. Bichh. 1.—. Echt. Gbg. 6.—. Zth. Fda. 1.—. Kch. Nofst. 11.60. St. G. 3.80. Sgfr. Abck, 10.40. Br. Rdgn. 5.—. Wtzl. Wtzh. 12.—. Pf. Wtzb. 12.60. D. S. 1.—. Am. Lch. 3.75. Marktbericht. Gießen, 20. Januar.(Marktbericht.) Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 0.70 bis 0.80 Mk., Hühnereier p. St. 8— 10, 2 St. 00—00 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gäuseeier p. St. 00 bis 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St 5— 6 Pfg., Erbsen p. Ltr. 20 Pfg., Linsen p. Ltr. 30 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.00— 1.00, Hühner per Stug Mk. 1.00— 1.20, Hahnen per Stück Mk. 1.20— 2.00, Enten per Stück Mk. 2.00— 2.40, Gänse per Pfund Mk. 0.50—0.70, Ochsenfleisch per Pfund 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62—64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60— 72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 64 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50—60 Pfg. Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 4.25—4.50, Weißkrant per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 5.50— 6.00, Milch per Liter 16 Pfg. 2 Gießener Stadttheater. Sonntag, den 28. Januar 1900. Nachmittags 4 Uhr: Kinder-Vorstellung. Der gestiefelte Kater. Märchen in 5 Bildern. Abends 8 Uhr: Der Postillon von Müncheberg. Große Gesangsposse von Jacobson. Dienstag, 30. Jan. Die Herren Söhne. Mittwoch, 31. Jan.: Der Full Clemence ats. Schauspiel von Dumas. Donnerstag, 1. Februar: Vier zehnte Volksvorstellung: Iphigenie auf Tauris. Schauspiel von Goethe. Freitag, 2. Febr.: Der Pariser Taugenichts. Mittwoch u. Freitag: Gastspiele von Clara Drucker —— Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. 2— Ganz im Geheimen. Stehn vor den Leuten wir, Sprichst Du kein Wort zu mir, Bleibst ach so stolz und fern Und hast mich doch so gern— Ganz im Geheimen. Kommst Du doch jede Nacht Su mir im Traum und sacht Schlingst Deinen Arm um mich Und ich, ich küsse Dich— Ganz im Geheimen. Wenn's auch ein Traum nur ist, Daß Du mein Liebchen bist, Bleib nur im Traume mein Und ich will selig sein— Ganz im Geheimen. Königsbrun⸗Schaup. Das Abenteuer der Neufahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) „Kein Wort mehr davon!“ rief Philipp grimmig, so grimmig er mit gedämpfter Stimme an diesem Orte und in der Nähe der tanzenden, lärmenden, schwärmenden und lauernden Masken rufen durfte, um sich nicht zu verraten.„Kein Wort mehr!“ „Nein, Thaten!“ fiel der Holländer fröhlich ein.„Schon morgen sollen die Laufgräben gegen die Festung eröffnet werden. Dann rücken Ste vor. Sie sind gewohnt, zu siegen. Mit den lauernden Vorposten werden wir bald fertig. Den Gärtner nehme ich auf mich; das Mütter⸗ chen geht zu Ihren goldenen Fahnen über. Dann Sturmschrit!“ Philipp konnte sich kaum mehr mäßigen. Er packte mit seiner Faust den Arm des Hol⸗ länders und sagte:„Herr, wenn Sie sich unter⸗ stehen—“ „Um Gottes willen, gnädiger Herr, mäßigen Sie sich in Ihrer Freude! Ich muß laut auf⸗ schreien. Sie zerquetschen mir den Arm.“ „Wenn Sie sich unterstehen“, fuhr Philipp fort,„und stellen diesem unschuldigen Mädchen uach, so zerquelsche ich Ihnen, so wahr ich lebe, alle Knochen im Leibe!“ „Gut, gut!“ seufzte der Holländer in schmerz⸗ licher Angst.„Geruhen Sie nur, mich los— zulassen!“ 5„Finde ich Sie jemals auf das Mädchen hinschielend, nur in der Nahe des Mil chgäßchens, so sind Sie ein Kind des Todes von meiner Hand. Danach richten Sie sich!“ Der Holländer stand ganz verblüfft da. „Königliche Hoheit“, sagte er zitternd,„ich konnte nicht wissen, daß Sie das herrliche Mädchen so ernsthaft liebten, wie es scheint!“ „Sehr ernsthaft, das will ich vor der ganzen Welt gestehen!“ „Und werden wieder geliebt?“ „Was geht Sie das an? Reden Sie mir nie wieder davon! Denken Sie nie wieder an das Mädchen! Ihr Gedanke schon besudelt. — Nun wissen Sie meine Meinung. Packen Sie sich!“ Mit diesen Worten wandte ihm Philipp den Rücken, und der Holländer ging, sich hinter die Ohren kratzend, davon. VIII. Anterdessen hatte auch Philipps Stellver⸗ treter, als Nachtwächter, auf den Straßen der Stadt seine Rolle gespielt. Es ist wohl nicht erst nötig, zu sagen, was jeder von selbst weiß, daß dies kein anderer, als Prinz Julian war, der, des süßen Weines voll, auf den Einfall gekommen, in die Nachtwächterei hineinzu⸗ pfuschen. Sobald er den Philipp verlassen hatte, rief und blies er von Straßenecke zu Straßenecke die Stunden nach Herzenslust, machte zu seinem Gesang allerlei komische Zusätze, und bekümmerte sich wenig um das vorgeschriebene Revier, das er zu behüten und zu beblasen hatte. Indem er auf einen neuen Vers sann, ging seitwärts eine Hausthür auf; ein wohlgekleidetes Mädchen trat hervor und winkte mit einem lockenden Pst! Pst! Dann zog es sich in die Dunkelheit des Hausgangs zurück. Der Prinz ließ seine Verse fahren und folgte der angenehmen Erscheinung. In der Finsternis ergriff ihn eine zarte Hand und eine weiche Stimme lispelte:„Guten Abend, lieber Philipp! Sprich leise, daß uns niemand hört! Ich habe mich nur auf ein Augenblickchen von der Gesellschaft weggeschlichen, um Dich im Vorübergehen zu gruͤßen. Bist Du vergnügt?“ „Wie ein Gott vergnügt, Du Engel!“ sagte sen 2“„Wer könnte bei Dir auch traurig ein?“ „Philipp, ich habe Dir etwas Gutes zu sagen! Du sollst morgen Abend bei uns essen. Die Mutter hat es erlaubt. Kommst Du auch?“ „Alle Abend, alle Abend!“ rief Julian,„und so lange Du willst. Ich wollte, Du könntest beständig bei mir sein oder ich bei Dir, bis an der Welt Ende. Das wäre ein Götterleben!“ „Höre, Philipp, in einer halben Stunde bin ich bei der Gregorienkirche! Da erwarte ich Dich. Du fehlst doch nicht? Laß mich nicht lange warten! Dann machen wir noch einen Gang durch die Stadt. Nun geh, damit uns niemand überrascht!“ Sie wollte gehen. Julian aber zog sie in seinen Arm zurück.„Willst Du mich so kalt von Dir scheiden lassen?“ fragte er, und drückte seinen Mund auf ihre Lippen. Röschen wußte nicht, was sie zu Philipps Keckheit sagen sollte. Denn Philipp war immer so bescheiden und zärtlich gewesen, daß er höchstens einen Kuß auf ihre Hand gewagt hatte, ausgenommen einmal, da ihnen beiden die Mutter allen und jeden Umgang hatte ver⸗ bieten wollen. Damals war von ihnen im Gefühl der höchsten Liebe und des höchsten Schmerzes der erste Kuß gewechselt worden, seitdem nie wieder. Röschen sträubte sich; allein der vermeinte Philipp war so ungestüm, daß man, um kein verräterisches Geräusch zu machen, wohl das Sträuben aufgeben mußte. Sie vergalt den Kuß und sagte dann:„So, Philipp, nun geh!“ Er aber ging nicht, sondern sagte:„Da wäre ich wohl ein Narr! Meinst Du, ich hätte mein Nachtwächterhorn lieber, als Dich? Mit⸗ nichten, Du Herzchen!“ „Ach“, seufzte Röschen,„es ist aber doch nicht recht!“ „Warum denn nicht, Du Närrchen? Ist denn das Küssen in Deinen zehn Geboten untersagt?“ „Ja“, versetzte das Röschen,„wenn wir uns einander haben dürften, dann wär' es etwas anderes.“ „Haben? Wenn es nichts anderes ist, alle Tage kannst Du mich haben, wenn Du willst.“ „Ach, Philipp, sprichst Du auch heute so wunderlich! Wir können ja daran noch nicht denken.“ „Wahrhaftig, ich denke aber ganz ernstlich daran! Wenn Du nur willst.“ 5 „Philipp, hast Du ein Räuschchen? Ob ich will? Geh, Du beleidigst mich! Höre, Philipp, mir hat die letzte Nocht von Dir geträumt!“ „War's was schönes?“ „Du habest in der Lotterie gewonnen! Da hatten wir einen Jubel! Du hattest Dir einen prächtigen Garten gekauft. Kein schönerer Garten ist in und außer der Stadt. Alles hatten wir da vollauf; Blumen an Blumen, wie ein Paradies, und große Beete voll des feinsten Gemüses, und die Räume hingen schwer von Obst. Ich ward beim Erwachen recht traurig, daß mich der Traum nur geneckt hatte. Sage mir, Philipp, hast Du etwa in die Lotterie gesetzt? Haft Du etwas gewonnen? Heute war ja Ziehung.“ 5 N „Wenn ich bei Dir, Du schönes Kind, das große Los gewänne, wer weiß, was geschähe? Wieviel müßte ich dann für Dich gewinnen?“ „Wenn Du auch nur so glücklich wärst, tansend Gulden zu gewinnen! Dann könntest Du schon einen hübschen Garten kaufen.“ „Tausend Gulden? Und wenn es mehr wäre?“ „O Philipp, was sagst Du? Ist's wahr? Nein, betrüge mich nicht, wie mein Traum! Du hast gesetzt, Du hast gewonnen. Gestehe es nur!“ „So viel Du willst!“ „O Gott!“ rief Röschen, und fiel ihm freudetrunken um den Hals und küßte ihn mit glühender Freude.„Mehr als tausend Gulden? 8 Dir auch das viele Geld wohl geben?“ Unter ihren Küssen vergaß der Prinz das Antworten. Es war ihm ganz wunderbar, die zarte, edle Gestalt in seinen Armen zu halten, deren Liebkosungen ihm doch nicht galten, und die er doch so gern für seine Rechnung ge⸗ nommen hätte. „Antworte doch, antworte doch!“ rief Rös⸗ chen ungeduldig.„Wird man Dir auch die Menge Geldes geben wollen?“ „Ich habe es schon; und macht Dir's Freude, so geb' ich's Dir!“ „Wie, Philipp, Du trägst es bei Dir?“ Der Prinz nahm seine Börse hervor, die er, schwer von Gold, zu sich gesteckt hatte, um sie beim Spieltisch anzuwenden.„Nimm und wäge, Mädchen!“ sagte er, und legte sie, indem er die kleinen zarten Lippen küßte, in Röschens Hand.„Bleibst Du mir dafür hold 24 „Nein, Philipp, für Dein vieles Geld nicht, wenn Du nicht mein Philipp wärst!“ „Und wie, zum Beispiel, wenn ich Dir noch einmal so viel geben würde, und nicht Dein Philipp wäre?“ „So würf' ich Dir Deine Schätze vor die Füße und machte Dir einen höflichen Knicks!“ sagte Röschen. Indem ging eine Thür oben auf und man hörte Mädchenstimmen und Gelächter. Der Schimmer eines Lichtes fiel auf die Treppe hinab. 8 b Röschen erschrak und flüsterte:„In einer halben Stunde bei der Gregorienkirche!“ Dann sprang sie die Treppe hinauf. Der Prinz staud wieder im Finstern. Er ging zum Hause hinaus und betrachtete das Gebäude und die erleuchteten Fenster. Die plötzliche Trennung war ihm zur ungelegenen Zeit gekommen. Zwar gereute ihn die Geld⸗ dörse nicht, mit der das Mädchen davon geflogen war; wohl aber, daß er das Gesicht der un⸗ bekannten Schönen nicht beim Lichte gesehen hatte; daß er nicht einmal ihren Namen wußte, und noch weniger, ob ste aus der Drohung, ihm das Geld vor die Füße zu werfen, Ernst machen würde, wenn er ihr in seiner wahren Gestalt erschiene. Inzwischen vertröstete er sich auf das Stelldichein bei der Gregorienkirche. Eben dies Plätzchen hatte ihm auch der Nacht⸗ wächter angewiesen. Julian verstand bald, daß er sein glückliches Abenteuer nur diesem, doch ohne dessen Willen, zu danken hatte. IX. Sei es, daß der Geist des Weines durch die. wachsende Kälte der Neujahrsnacht, oder durch Röschens Täuschung, in seiner Wirkung gesteigert war; der Mutwille des fürstlichen Nachtwächters nahm überhand. AB Mitten in einem Haufen von Spaziergängern blieb er an einer Straßenecke stehen und stieß mit solcher Kraft ins Horn, daß alle Frauen⸗ zimmer mit lautem Schrei zurücksprangen und die Männer vor Schrecken steif wurden. Dann rief Julian die Stunde und sang dazu: Der Handel unsrer lieben Stadt Gewaltig abgenommen hat, Selbst unsre Mädchen, weiß und braun, Sucht man nicht mehr zu Ehefraun. Die Ware putzt sich, wie sie kann, Und bringt sich doch nicht an den Mann! „Das ist doch unverschämt!“ riefen einige weibliche Stimmen im Haufen,„uns mit Waren zu vergleichen!“ Von den anwesenden Männern aber lachten viele aus vollem Halse.„Da capo!“ schrieen einige lustige Brüder.„Bravo, Nacht⸗ 1 1 k. 3 zer den übe 1 em Kli 5 sche den Mi recht. ich lebe mag kal zur Fra alle übe zu topf Keller Konzert und au wie Pr keine Röcke, — 900 Unter 6 3 „ die „ um und indem chens chens nicht, S 0 U. Dein r die licks!“ d man Der Treppe einer Dann l. Er e das „Die genen Geld⸗ eflogen er un⸗ gesehen wußte, ohung, Ernst wahlen er sich kirche. 10 d, al „ doch durch , oder Birkung lichen üngern 0 stieß Frauel 1 und Dau. aun, * 1 anl. eilige Waren Fännerl U 00% acht wächter!“ schrieen andere. 55 Nr. 3. Mittel deutsche Sounutags⸗Zeitung. Seite 7. Du Dich, Kerl! unsere Frauenzimmer auf öffentlicher Straße zu beleidigen?“ fuhr ein junger Leutnant, der ein hübsches Mädchen am Arm hatte, den Nachtwächter an. i „Herr Leutnant, der Nachtwächter singt, leider Gottes, die Wahrheit!“ entgegnete ihm „Was unterstehst mane und Faulheit. Herr! ich spreche aus Erfahrung. Wären unsere Bürgerstöchter nicht so verderbt, ich wäre längst verheiratet.“ Alle Umstehenden erhoben ein gellendes Ge⸗ lächter. Der Leutnant streckte langsam vor den beiden spanischen Rohren das Gewehr und sagte verdrießlich:„Das fehlte auch noch, hier von dem bürgerlichen Pack Bußpredigten zu hören!“ Die Naupe. Die Raupe auf dem Baume saß Und von der Kron' die Blätter fraß; Sie war von buntem Kleide Als wie von Sammt und Seide. Ein Staatsminister ging vorbei, ein junger Müller.„Und gerade das Mädchen, das Sie am Arm führen, bestätigt die Wahrheit. He, Jüngserchen, kennst Du mich? Weißt Du, wer ich bin? He? Geziemt sich das für eine verlobte Braut, des nachts mit andern Männern herumzuschwärmen? Morgen sag' ich's Deiner Mutter. Ich will nichts mehr mit Dir zu affen haben!“. 19 55 Mädchen verhüllte sich das Gesicht und zupfte den Offizier am Arm, um davon zu kommen. Der Leutnant wollte aber, als Kriegs⸗ eld, vor dem Müller nicht so leicht Reißaus nehmen, sondern mit Ehren das Feld behaupten. Er stieß eine Menge Flüche aus, und da dieser kein Wort schuldig blieb, zog er den Degen. Plötzlich aber erhoben sich zwei dicke spanische Rohre, von bürgerlichen Fäusten geführt, drohend über dem Haupte des Leutnants. 5 „Herr!“ rief ein breitschulteriger Bierbrauer dem Kriegsmann zu,„hier keine Händel wegen des schlechten Mädchens angefangen! Ich kenne den Müller; er ist ein braver Mann. Er hat recht; auch der Nachtwächter hat recht, so wahr ich lebe! Ein ehrlicher Bürgersmann kann und mag kaum noch ein Mädchen aus unserer Stadt zur Frau nehmen. Die Mädchen wollen sich alle über ihren Stand erheben; statt Strümpfe zu stopfen, lesen sie Romane; statt Küche und Keller zu besorgen, laufen sie in Komödien und Konzerte. Im Hause bei ihnen ist es schmutzig und auf den Straßen gehen sie geputzt einher, wie Prinzessinnen. Da bringen sie dem Manne keine Mitgift ins Haus, als ein paar schöne Röcke, Spitzen, Bänder und Liebschaften, Ro⸗ wegen. schehen. o Individuum! Wenn (Fortsetzung folgt.) Sprüche zur Lebensweisheit. Der Weise liebt die Tugend nicht um ihrer selbst willen, wie das bekannte Schlagwort lautet, sondern ihrer Folge, des Herzensfriedens Der Weise sucht, wie der Rohe, sein Glück; er definiert nur das Glück anders, als der Rohe. * Alle Seligkeit, aller Friede, alles Schöne, alles Herrliche, was die Menschen dem Para⸗ diese angedichtet haben— was war es Anderes als eine Herausstellung dessen, was sie in guten Stunden empfanden? Darum lerne dich schätzen, Denn auch Alles, was du der Allmacht Gottes zusprichst, weil es so hoch und hehr, und so gewaltig in dir lebt, das ist dein A ale e Kraft gesteigertes Gefühl.„Gefühl ist alles!“ * Hätte jeder freigesinnte Kopf geschwiegen, so wäre nie ein Schritt zur Verbesserung ge— Es gibt Zeiten, wo man öffentlich sprechen muß, weil Empfänglichkeit da ist, und eine solche Zeit scheint mir die jetzige zu sein. Schiller. * Goethe. einflußreiche Klassen ein Interesse daran hätten, die Schwerkraft zu leugnen, so würde sie von ihnen geleugnet werden. Macauley. Der sah das Tier und sprach:„Ei, ei, Wie hast du's unternommen Und bist so hoch gekommen?“ Und als die Raupe blieb nicht stumm, Da ward er stumm und dreht sich um; Die Raupe hat gesprochen: „Mein Freund, ich bin gekrochen!“ Glasbrenner. Kumoristisches. Aus dem„Südd. Postillon“: Ein guter Mensch. Haus besitzer(nachdem er eine arme Proletarierfamilie in Schnee und Kälte hat auf die Straße setzen lassen:„Frau, gieb den armen Leuten da draußen eine Tasse Kaffee. Die Nach⸗ barn sollen nicht von mir sagen können, ich hätte keine christliche Nächstenliebe im Leibe.“ Faule Ausrede. Richter:„Aber Bergbauer, wie hast nur Deinen Nachbar so unmenschlich zurichten können? Bist doch schlimmer wie ein wildes Viech!“ Angeklagter:„O mei Herr Richter! Wie i den Kranzelhuber g'seg'n hab, da hab ei glei den Tropenkoller kriegt, und nacha hab i mi nimmer auskennt vor Wut.“ Richter:„Halt's Maul, Spitzbub! So a vornehme Krankheit is nur für d' reichen Leut! G'rauft hast!“ Anekdote. Ein König bemerkte eines Tages an seinem Hofe eine Persönlichkeit, die sehr starke Aehnlich⸗ keit mit ihm aufwies.„He, mein Herr“, sagte er ziem⸗ lich unbesonnener Weise zu dieser,„Ste haben ganz und gar den Typus unserer Familie... Sollte sich Ihre Mutter einstens bei Hofe aufgehalten haben?“—„Nein, Majestät“, antwortete der Doppelgänger des Monarchen, „aber mein Vater hat lange Zeit hier gelebt.“ See οονονννð,j,4⸗ Unter dem Protektorat Seiner Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein. Gllessen 3. Allgemeine Geflügel- und Vogelausstellung Etablissement„Windhof“ Freitag, den 26., Famstag, den 27. u. Sonntag, den 28. Jan. 1900. Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. 700 Nummern Nasse⸗, Nutz⸗ und Ziergeflügel. Sehenswerte Vogelabteilung. Ausstellung von Geräten usw. zur Geflügel- u. Vogelzucht u. ⸗Pflege. Eintritt für Erwachsene 30 Pfg. für Kinder unter 14 Jahren 15 Pfg. Land- schulen Mk. 3.00. Fahrverbindung mittelt der Bieberthalbabn vom Neustädter Thor aus: 7,18, 9,20, 10,12, 11,00“, 1,20, 2,00, 3,05, 4,00, 5,20*, 6,2077 7,45*.* Nur Sonntags. Nur Werktags, Sountag, den 28. Januar, nachmittags 2 Uhr: Oeffentliche Maler- Lackierer⸗ und Weißbinderversammlung bei Gastwirt Orbig, Rittergasse 17. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Ein Lehrling für sofort oder auf Ostern gesucht. Karl Post, Bäcker meister, Wieseck. in 1½, ½, ½. Flaschen der Firma Erste Taunuscognad-Breuner. Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerkanntfeinste Rarste. pro Flasche M. 1.380, 2.40, % u. J. Flaschen verhältnismäßig Niederlage: Hel chelh. Consum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim b. Gießen. Heinr. Gengnagel, Gießen Bäne 10 Unter günstigen Bedingungen sucht tüchtige, solide Vertreter überall, auch am kleinsten Orte, die Säch⸗ sische Vieh⸗Versicherungs⸗Bauk in Dresden(Bismarckplatz 16). Größte Anstalt ihrer Branche. Vor⸗ zügliche Vermögenslage. Liberale Versicherungs⸗Bedingungen. Bern. Slulimeir Marburg, Wehrderweg empfiehlt a Flaschenbier hell und dunkel 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe 7„% 3. frei ins Haus. Geschäfts⸗ Eröffnung Diem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend hiermit die ergebene Anzeige, daß ich unter Heutigem Bahnhofstrasse 23, Ecke Löweng. ein Schuhwarengeschäft eröffnet habe. Indem ich reelle Bedienung zusichere, bitte um geneigten Zuspruch. Hochachtend Adolf Beverstein. Oeffentl. Versammlung am Sonntag, den 28. er., punkt 2 Uhr aller in Brauereien und Küfereien be⸗ schäftigten Arbeiter bei J. Thoma, Bahnhofstraße. Vortrag des Herrn Eckert aus Frankfürt a. M. Um pünktlichen und zahlreichen Besuch bittet Der Einberufer. H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse 4 ist die beste und billigste Bezugsquelle für Schuhwaren. — Anfertigung nach Maaß.— Georg Baum Schuhmacher, Steinstr. 40 Gießen Steinstr. 4) empfiehlt sich in allen in sein Fach einschlagenden Arbeiten und bittet um geneigten Zuspruch. Wer eine gute Uhr kaufen oder seine Uhren gut und billigst reparieren lassen will, 2 5 5 der wende sich an 3 Gg. Koch. urn. Neuenbäue 5(Kühl. Grund) Reinigen einer Taschenuhr 1.50 Mk. Neue Feder 1.50 Mk. Pat.⸗ oder Flachglas 0.40 Mk. 1 Uõhrzeiger 0.20 Mt. Reparaturen gut und billig. oνε⁰ οο,.t̃ sees Loose zur hessischen Landes⸗Lotterie Möblirtes Zimmer zu ver⸗ empflehlt mieten Ebelstraße 32. W. Schimmel, Heuchelheim. Seite 8. Ses esse Achtung! Großer Tosten Stubenhandtücher in Jaquard, Drell und Damast Meter 30, 65, 54, 43 und 28 Pfg. Uelsen om Handtücher extra breit, 28 und 32 Pfg. Hemdentuche 70 und 80 Centimeter breit 48, 42, 36, 30, 24 und 18 Pig. Unerreichte Billigkeit dieser Qualität. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. beginnt unser Bettzeuge bekannt gute Qualitäten 64, 55, 48, 35 und 20 Pfg. Weisse Bettsatins volle Breite, allerschwerste Qualität Meter 80 Pfg. Grosser Posten Bettdamast in prachtvollen Mustern, hervorragende Gelegenheit, S Pfg. Die Qualität steht an Preiswürdigkeit unerreicht da. Nr.. Montag, den 29. d. Mts. 2 aumungs-Verfauf Leinen- und Baumwollwaren. Achtung! Durch persönliche Einkäufe hatten wir Gelegenheit, aus den renommiertesten Fabriken große Posten Linen- und Vaumwollwaren, Aussteuer-Artikel ganz hervorragend billig einzukaufen u. stellen wir dieselben unserer werten Kundschaft zu fabelhaft billigen Preisen zum Verkauf. Detttatane und Bettsaüns 48, 42, 36 und 2 Pfg. Großer Posten Betttuch⸗Halbleinen volle Breite, nur gute Qualitäten 130, 120, 95, 85, 65 und 15 Pfg. Grosse Posten a Bettbharchente unerreicht billige Preise. Großer Posten Wischtücher kariert, 25, 20, 18, 18, 10 und 3 ig. Wir bitten um Besichtigung unserer diesbezüglich dekorirten Schaufenster. Marktstraße 17. Leilzow& Co. Marktstraße 17. 08 2. N 0 Die„Mil Austrig Durch die die Ech — 0 0 * M der Bun. beraten“, dem Rei Die? 1. De vom 10. berme d. b. . re e N bern 2. 10 danzerschff Mrechnun Infol Nensthalt 5 1