8 2 2 Gießen, Sonntag, den 26. August 1900. 7. Jahrg. . 7 Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Stunt g f 5 Mitteldeutsche Redaktionsschluf: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr⸗ — Ig5⸗Zeitung. S.— Abounementspreis: 2 2 — FFP 5 Für die Uerbreitung der Parteipresse zu wirken, ist die erste und hauptsächlichste Pflicht f 1 der Parteigenossen! Dieser Pflicht müssen die Genossen mehr als bisher nachkommen! Arbeiter! Bedenkt, wenn Ihr gegen die N ökonomische Ausbeutung und politische Unter⸗ zgeri drückung überhaupt antämpfen wollt, müßt Ihr vor allem für Stärkung der besten Waffe in diesem Kampfe, für Eure Presse sorgen! Gerade jetzt wird wiederum bekannt, welche riesigen Mittel die industriellen Beute⸗ politiker zur Verfügung stellen, um durch ihre 2 iu Preßkosaken die öffentliche Meinung zu ver⸗ 1 10 fäl chen, unsere Partei und die gesamte Ar⸗ in: beiterbewegung zu verleumden und zu be⸗ schimpfen. Die Antwort der Arbeiter muß Alls. darauf sein: Aus dem Hause mit der — reaktionären Sudelpresse! Abonniert die 17 Parteipresse, die Mitteld. Sonntags⸗ Zeitung, die seit Jahren die Arbeiterinteressen ktstr. 9, energisch und nachhaltig verficht! Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet nur 25 Pfennig pro Monat. er f Wegen Abonnement wende man sich an die 1150 Spediteure oder an unsere Expedition. iel F aägener We Mit der vorigen Nummer ist unseren Abon⸗ nenten der Bericht über die parlamen⸗ — äarische Thätigkeit der sozialdemokra⸗ tischen Reichstagsfraktion zugegangen. Wer ne denselben nicht erhalten, wolle Reklamation in der Expedition, Sonnenstraße 25 in Gießen, — anbringen. Diese belehrende Broschüre, welche Hiebe in sehr verständlicher Weise über die gesamte Thätigkeit unserer Partei und ihre Stellung zu genen den einzelnen im Reichstag verhandelten Fragen alk unterrichtet, eignet sich vortrefflich zur Agitation. Wir ersuchen unsere Genossen, dieselbe nicht nur selbst eingehend zu studieren, sondern 26) sie auch an Freunde und Bekannte weiter⸗ 0. Jedermann muß überzeugt werden, 2 a je sozialdemokratische Partei — allein es ist, welche die Sache des werkthätigen 1 Volkes führt, die Interessen der Kleinen energisch * 1 vertritt und diese nach besten Kräften gegen die 1 die an Beutezüge der industriellen und agrarischen Groß⸗ 1 kapitalisten zu schützen sucht.— Der Bericht ist en in unserer Expedition zum Preise von 5 Pfg. 0 einzeln käuflich. 1 9 Redaktion und Expedition e der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung. enges EEEPC 60 N 2 5 fen 105 Candes⸗ Konferenz der Sozialdemokraten Hessens. 1 4 1 Auf Beschluß des Landes-Komitees findet die diesjährige 17 g 0% Landes Konferenz der Sozialdemokraten des Großherzog⸗ tums Hessen in Neu⸗Isenburg Sonntag, 2. September, vormittags 10 Uhr, im Saale„Zum Darmstädter Hof“ statt. Parteigenossen! Sorgt allerorts dafür, . D Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. i Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z Bestellungen daß die Landes⸗Konferenz zahlreich besucht wird. Diskutiert die Tagesordnung und sendet die nötigen Anträge rechtzeitig an den mit⸗ unterzeichneten Genossen Ulrich ein! Mandatsformulare sind bei Karl Orbig in Gießen, Rittergasse, zu haben. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß niemand ohne vorschriftsmäßiges Mandat zugelassen wird. Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, Vorsitzender J. Orb, Kassierer Gr. Marktstr. 25. Geleitsstr. 14. Bericht der hessischen Gewerbe ⸗Inspektion für das Jahr 1899.“ II. Jugendliche Arbeiter von 14— 16 Jahren waren am 30. September des Berichtsjahres 1039 beschäftigt, und zwar 698 junge Burschen und 341 Mädchen, in 265 Fabriken. Das sind weniger als im Vorjahre. Zur Zeit des Vollbetriebes betrug die Zahl der jugendlichen Arbeiter beiderlei Geschlechts jedoch 1302 in 352 Betrieben, also mehr als in Jahre 1898. Im Prozentverhältnis ausgedrückt beträgt die Zahl der gesamten jugendlichen Arbeiter knapp 10% der Erwachsenen. Kinder unter 14 Jahren wurden bei den Revisionen im Sommerhalbjahre 57 in 22 Fabriken angetroffen, am 30. September, dem Zähltermine, waren keine mehr vorhanden. Schulpflichtige Kinder wurden bei den Revisionen in den Fabriken nicht angetroffen. Das ist als eine Besserung gegen frühere Jahre zu verzeichnen, wo öfters solche Kinder in Ziegeleien zum Abtragen und Wenden der Steine verwendet wurden. Mehrfach sind Verstöße gegen die Gewerbeordnung bei Beschäftigung der Kinder unter 14 Jahren vorgekommen. Sieben Zigarrenfabriken und zwei Webereien beschäftigten solche„irrtümlicher Weise“ 10 Stunden, statt der höchstens sechs, die für dieses Alter vor⸗ geschrieben sind. Der Unternehmer einer Woll⸗ spinnerei hatte im Sommer vielfach 2 Mädchen unter 14 Jahren bis zu 10 Stunden beschäftigt; er erklärte, lieber die Strafe bezahlen zu wollen, als durch kürzere Arbeitszeit die Mädchen wieder zu verlieren, die er bei dem„herrschenden Ar⸗ beitermangel“ mit Mühe und Not und nur durch Zahlung einer Prämie bekommen habe. Das ist auch nicht übel und beweist, daß die Strafe für derartige Uebertretungen eine äußerst milde sein muß oder der Mehrwert, welchen die kindliche Arbeitskraft dem Unternehmer liefert, doch nicht so unbedeutend sein kann. Wahrhaftig, schlimm genug, wenn das Unternehmertum nicht einmal die so minimalen Forderungen des gesetzlichen Kinderschutzes erfüllen kann! Viele Arbeitgeber können sich eben noch gar nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß der schrankenlosen Aus⸗ beutung nicht Thür und Thor geöffnet ist. Eine Weberei hatte sogar eine noch nicht 14 jährige Arbeiterin 11 Stunden täglich beschäftigt!— Im ganzen wurden in 63 gewerblichen Anlagen etwa 200 Fälle von Zuwiderhandlungen gegen die Schutzgesetze und Verordnungen betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter von dem * Siehe Nr. 31 der M. S.⸗Ztg. FJInserate ie Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Neuenweg 28, jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung „K. 4312 a.) 33½%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Beamten ermittelt; zur Bestrafung kamen indessen nur zwölf Personen. Die Notwendigkeit eines Einschreitens gegen gewisse Beschäftigungsarten hat sich bisher nicht ergeben. Der Beamte tritt aber unter ausführ⸗ licher Begründung dafür ein, daß jugendliche Arbeiter speciell aus Ziegeleien, in denen in seinem Bezirk 190 beiderlei Geschlechts beschäftigt wurden, ferngehalten werden. Als Gründe werden angeführt, daß die Arbeit viel zu an⸗ strengend sei, da die jungen Leute, wenn sie auch nur mit dem Abtragen der Steine beschäftigt werden, doch der Thätigkeit eines kräftigen und fleißigen Backsteinmachers kaum folgen können. Auch die in den Ziegeleien übliche Akkordarbeit treibt die Vorarbeiter zu Härten und zur Ueber⸗ tretung zu gesetzlicher Bestimmungen. Die er⸗ laubten 12 Arbeitsstunden seien viel zu lang für die jugendlichen Arbeiter. Der Wunsch des Ge⸗ werbeinspektors geht dahin, daß der weitere Ausbau der sozialen Gesetzgebung auch einmal einen Paragraphen bringen möchte, dessen Wort⸗ laut folgender sei:„Arbeiter unter 16 Jahren und Arbeiterinnen dürfen im Betriebe der(Feld-) Ziegeleien nicht beschäftigt werden.“ Arbeiterinnen waren nach der Zählung amf 30. September 2307 beschäftigt, von denen 918 16-21 Jahre, die übrigen 1389 über 21 Jahre alt waren, sechs davon standen im Alter von über 65 Jahren. Zur Zeit des stärksten Betriebs im Ganzen 1485 erwachsene Arbeite⸗ rinnen in 145 Fabriken beschäftigt. Auf 100 männliche erwachsene Arbeiter kamen im ersteren Falle 28 erwachsene Arbeiterinnen. Von den 2485 Arbeiterinnen waren 731 verheirathet oder verheirathet gewesen. Zuwiderhandlungen gegen die Verordnungen betreffend die Beschäf⸗ tigung von Arbeiterinnen wurden in 23 Anlagen ermittelt; fünf Feldziegeleibesitzer fielen in Strafe, weil die Unterkunftsräume ihrer Arbeiter nicht in Ordnung waren. So verstießen in 3 Fällen die Schlafräume der Arbeiterinnen gegen die guten Sitten. Diese Räume ermangelten be⸗ sonderer, von innen verschließbarer Eingänge. Wie mögen die Boudoirs sonst noch ausgeschaut haben! Die Zahl der in der Cigarrenin⸗ dustrie beschäftigten Arbeiter ist gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. 3 Fabriken mit zusammen 53 Arbeitern sind eingegangen, zwei im Kreise Gießen und eine in Alsfeld. Außer⸗ dem entstanden außerhalb des Bezirks in preu⸗ ßischen Orten einige neue Cigarrenfabriken, was mehrfach Arbeiterinnen veranlaßte, ihre bisherige Arbeit in Gießener Fabriken aufzugeben und in die ihres preußischen Heimatsortes einzutreten. Im ganzen Bezirk arbeiteten 1899 durchschnitt⸗ lich 2500 Personen in Cigarrenfabriken; 24 Fabriken beschäftigten außerdem 123 Arbeite⸗ rinnen mit Heimarbeit. In dieser Branche sind bedeutend mehr Frauen als Männer be⸗ schäftigt; von letzteren wurden nur 570 gezählt, während 1923 weibliche Arbeiter vorhanden waren. eie 1 Politische Bundschau. Internationaler Sozialisten⸗Kongreß. Nach der Bekanntmachung des Bureaus für den internationalen Kongreß findet derselbe vom Wagram 39, Paris, statt. Von der provisorischen Tagesordnung heben wir hervor: Ausführung der Beschlüsse der intern. Kongresse. Internatio⸗ nale Gesetzgebung behufs Begrenzung des Arbeits⸗ tages. Notwendige Bedingungen für die Be⸗ freiung der Arbeit. Völkerfriede, Militarismus, Beseitigung der stehenden Heere. Die Kolonial⸗ politik. Der Kampf um das allgemeine Stimm⸗ recht. Der Sozialismus in den Gemeinden. Eroberung der staatlichen Macht und die Bünd⸗ nisse mit bürgerlichen Parteien. Der 1. Mai. Die Trust's. Vor Eröffnung des Kongresses findet ein Kongreß sozialistischer Studenten statt, der folgende Gegenstände verhandeln soll: Sozialistische Propaganda in Universitätskreisen; Aufgaben der sozialistischen Studenten in der Arbeiterbewegung; die Lage des intellektuellen (akademisch gebildeten) Proletariats. Studierende aller Kulturländer haben ihre Beteiligung zugesagt. Die Einberufung des Reichstags die bei Beginn der China⸗Wirren sofort von sozialdemokratischer Seite verlangt wurde, sordern jetzt die Blätter aller Parteien. Heute ist seine Einberufung nötiger als je. Das Volk, das die Kosten des Rachezuges bezahlen muß, hat das Recht, aufs Entschiedenste zu verlangen, daß ihm über die Chinapolitik der Regierung volle Aufklärung gegeben werde. Deutschland ist jetzt schon seines stürmischen Vorgehens wegen, dem Spott des Auslandes preisgegeben. Jetzt nachdem Peking gefallen und die Gesandten befreit sind, noch weitere Truppen absenden zu wollen, ist geradezu lächerlich, heißt mit dem Gelde der Steuerzahler selbst für deutsche Verhält⸗ nisse zu tollen Mißbrauch treiben. Ursachen der Unruhen in China. Schon wiederholt wurde in der letzten Zeit behauptet, daß die christlichen Missionare in China durch ihr Verhalten den Fremdenhaß her⸗ vorgerufen und schließlich den Aufstand in erster Linie verschuldet hätten. Dies wird von Ken⸗ nern der dortigen Verhältnisse bestätigt. So sagt der frühere preußische Gesandte in China, v. Brandt in einer Abhandlung der christlichen Welt unter anderem: „Was würden Ew. Hochwürden und Ihre Herren Amtsbrüder thun, wennn buddhistischen Missiona ren das Recht eingeräumt worden wäre, sich überall in Deutschland niederzulassen, ihre Häuser und Kirchen auf den besten, durch Volksglauben und Aberg'auben geheiligten Stellen zu errichten und an allen Straßenecken oft in recht mangelhaftem Deutsch zu predigen? Würden wir nicht täglich und stündlich erleben müssen, daß die Bevölkerung gegen die fremden Ein ⸗ dringlinge Front machte, und würden Sie, Herr Pfarrer, und Ihre Herren Amtsbrüder nicht mit Feder und Wort gegen die gelben Missionare eifern? Und wenn wir wissen wollen, zu welchen Ausschreitungen das führen könnte und müßte, so brauchen wir doch nur an die Blüten zu denken, die der Antisemitismus in Deutschland und anderen Ländern so herrlich treibt?... Es ist eine Thorheit gewesen, dem chinesischen Volke die Duldung christlicher Missionen zuzumuten.“ Außerdem stellt Herr v. Brandt fest, daß die Missionare die Chinesen oft genug durch Vorspiegelung falscher Thatsachen bei Grundstücksverkäufen betrügen, was natürlich bei den Chinesen durchaus keine sreundschaftlichen Gefühle erweckt. Schwere Anklagen gegen die Missionare werden auch von einem Bremer Kaufmann, der in Canton lebt und über das Missionswesen genau unterrichtet ist, erhoben. Derselbe schreibt in einem Privatbriefe an seine deutschen Verwandten: „Die Wurzel aller Unruhen in China ist in dem Treiben der Missiouare zu suchen, die fast aus⸗ schließlich die ihnen zustehenden Schranken in ihrem Beruf überschreiten. Wenn ich sage Missionare, so meine ich damit sowohl katholische wie protestantische, denn in ihrem Auftreten herrscht kein Unterschied bei den verschiedenen Konfessionen. Es ist wirklich ein Jammer, wenn man bedenkt, wie viel Geld, welches zuhause wirklich besser angewendet werden könnte, für Missionszwecke ausgegeben wird, für eine Sache, welche nicht nur nutzlos ist, sondern im Gegenteil den in China lebenden Kaufleuten ꝛc. Schaden bereitet. Der Chinese ist, obgleich er im Durchschnitt drei ver⸗ schiedene Religionen besitzt(die Chinesen sind zum größten Teil Buddhisten, Confuzianer und Taoisten), nichts weniger als religiös angelegt, und das Christentum als solches macht auf ihn nicht viel Eindruck. Wenn nun aber sogar die Missionare der verschiedenen Konfessionen kommen und sich gegenseitig so schlecht machen, dllch ohr kane zu derdenken, daß sie bei ihrer alten Religion bleiben und von dem Christentum nichis wissen wollen. Man wird daher kaum irgend welchen guten Charakter unter den getauften chinesischen Christen finden, diejenigen, die sich zum Christentum bekennen, thun solches lediglich um äußerer Vorteile halber. Diese äußeren Vorteile sind in dem Schutz, den die getauften Christen indirekt von den europäischen Regierungen durch die Missionare genießen, zu suchen. Wenn ein unter dem Schutze einer Mission stehender Chinese irgend einen Streit⸗ oder Rechtsfall hat, so trägt er seine Sache in seiger Weise dem Missionar vor. Da nun der Chinese als Christ nach Ansicht der Missionare doch nicht lügen kann(1), so glaubt man ihm und der Missionar macht die Sache zur seinigen, er appelliert an das Konsulat seines Landes und beschwert sich bitter über das Unrecht, das den armen chin⸗sischen Christen zugefügt wird. Das Konsulat wird in den meisten Fällen kaum umhin können, irgend etwas in der Sache zu thun, und dies hat in den meisten Fällen einen solchen Einfluß auf die chinesischen Behörden, daß der christliche Chinese Recht bekommt, ein wie großer Gauner er auch immer sein mag und wenn auch das Recht vielleicht auf einer anderen Seite zu suchen ist. Ich will zur Ehre der Missionare annehmen, daß sie wirklich davon überzeugt sind, daß ihre Schäfchen die frommen Leute sind(2 Red.), welche sie vorgeben zu sein, andernfalls würde das Treiben einfach skandalös Fin Durch das jetzige System wird einfach das Recht in China verdreht, ganz abgesehen davon, daß es absolut nicht die Sache der Missionare ist, sich um die Streitigkeiten und Prozesse zwischen den Chinesen, seien solche Christen oder nicht, zu bekümm rn. Wir wären wirklich besser daran wenn wir keine Missionare in China härten. Helfen thun sie uns in keiner Weise, sie machen uns nur durch das Aufwiegeln und ungerechtfertigte Beschützen ihrer Anhänger zum Schaden der anderen Bevölkerung das Leben schwer.“ Ergänzt wird diese Darstellung noch durch die Aeußerung des japanischen Gesandtschafts⸗ sekretärs, der in der Zeitschrift Ostasien, wie wir der„M. P.“ entnehmen sich dahin aus⸗ spricht:„Der Haupthaß der Boxer richtet sich gegen die Katholiken, und zwar aus folgenden Gründen:. Wenn irgend ein Strolch oder Verbrecher in eine katholische Kirche geht und die Priester um Schutz anfleht, so wird ihm derselbe gewährt. Es ist dann sicher, daß er recht behält, weil alles Unrecht durch die katholischen Missionare in Recht verwandelt wird. Diese Thatsache habe bei den Boxern einen unauslöschlichen Haß gegen die Christen und schließlich gegen alle Fremden hervorgerufen. In Friedenszeiten wären die Boxer ein gutes, aber leicht erregbares Volk; wolle man sie unterdrücken, müsse man den größten Teil des Volkes vernichten. Ein Brief an die„Frkf. Ztg.“ aus Schanghai spricht sich ähnlich aus. Es sei nur der Fried⸗ fertigkeit des chinesischen Volkes zu verdanken, daß infolge des Treibens der Missionare nicht schon viel häufiger Menschenleben verloren ge⸗ gangen sind, als es thatsächlich der Fall gewesen. Trotz der Menge solcher Auslassungen, die jetzt von allen Seiten vorliegen und die bestätigen, daß die Missionare nur im Sinne kapitalistischer Ausbeutung und politischer Knechtung wirken, soll den Chinesen„christliche Kultur und Ge— sittung“ auf Hunnenart beigebracht werden. Schlimmer wie die Hunnen haben in Tientsin die Truppen der Ver⸗ bündeten, namentlich Russen, gehaust. Der Frankf. Ztg. wird darüber aus New-York berichtet: „Mehrere Amerikaner, die auf dem soeben angekommenen Bundes-Transportdampfer Logan aus China in San Franzisko eingetroffen sind, berichten über scheußliche Ausschrei⸗ tungen der verbündeten Truppen, namentlich der Russen, sobald Tientsin genommen war. Professor O. D. Cliffort von der kaiser⸗ lichen Universität in diesem Orte sagte:„Sobald die Alliirten in die Stadt eindrangen, begannen sie ihr Plünderungswerk. Die Russen waren die ersten, welche sich daran machten. Ich sah mit meinen eigenen Augen, wie acht alte und gebrechliche Chinesen mit kaltem Blut niedergestochen wurden. Die Russen stahlen Alles, was sie erlangen konnten, auch in der Fremden⸗Niederlassung.“ Frau E. B. Drew, die Gattin des britischen Zollkommissars in Ti⸗ entsin, die ebenfalls auf der Logan eintraf, sagte: „Die Russen schlachteten sogar die Kinder Säuglinge auf den Bajonetten auf, sie hoch in die Luft, um sie wieder auf den Ba⸗ jonetten aufzufangen. n Kinder wurden in das Wasser ge⸗ trieben wo sie elendlich ertranken We ich höre, hatten die Kommandeure der Ver⸗ vundeten eine besondere Abteilung von 20 Mann damit beauftragt, alle weißen Frauen zu töten, sobald die Chinesen die Oberhand gewinnen würden, und ein Entkommen nicht mehr möglich sei.“ Wie lautete doch des deutschen Kaisers Mahnung:„Betrachtet Euch alle ohne Unter⸗ schied der Nation als Vorkämpfer der Zi⸗ vilisation!“ Sein Kaiserwort vom 6. Juli einzulösen, ist Wilhelm II. nun in der frohen Lage. Bekanntlich hatte der deutsche Kaiser eine Belohnung von 1000 Taels für„jeden geretteten Europäer, welcher lebend einer kaiserlich deutschen oder sonstigen fremden Behörde übergeben wird“, versprochen. Da nach einer Zusammenstellung des Ostasiatischen Lloyd rund 1000 Europäer sich in Peking befunden haben und die bisherigen Verluste an Toten nur insgesamt 60 Mean betragen, so dürften die zur Zeit in Peking befindlichen Fremden immer noch 800 bis 900 Köpfe zählen. Danach würde sich die Belohnungssumme auf 8 bis 900,000 Taels belaufen, d. h. den Tael rund zu 6 Mark ge⸗ rechnet auf 4,800,000— 5,400,000 Mark. Chinesen haben auf die Summe nicht den ge⸗ ringsten Anspruch, vielmehr dürfte sie zur Ver⸗ theilung unter die Mannschaften der inter⸗ nationalen Ersatzarmee kommen. Deren Stärke wird gewöhnlich auf 18,000 Mann angegeben. Dann würde jeder einzelne Mann 266 bis 300 Mark erhalten, eine Belohnung, die den Sol⸗ daten Angesichts der ausgestandenen Mühsale und Strapazen sehr wohl zu gönnen wäre und für die sie dem deutschen Kaiser gewiß dankbar sein würden. Zu der Seepredigt Wilhelm II. plaudert der frumbe„Reichsbote“ aus, daß in der Predigt, die der Hofprediger Keßler am 26. Juli in der Potsdamer Garnisionkirche gehalten hat sich Sätze befinden, die wörtlich auch in der Seepredigt des Kaisers stehen. Demnach scheint es sich nach dem Reichsboten zu bestätigen, daß auch diese Predigt von dem Hofprediger Keßler verfaßt ist. Es ist früher schon behauptet worden, daß Wilhelm II. Reden, besonders diejenigen, die historische Vorgänge behandeln, im Zivilkabinet verfaßt werden. Gelegenheitsreden, wie die von Oeynhausen oder die jüngste Rede von den vaterlandslosen Agitatoren und ehrlosen Gesellen sind dagegen vorher sicher nicht zu Papier ge⸗ bracht worden. Die Stützen der Gesellschaft. Weil sie ihr Einkommen bei der Steuerein⸗ schätzung zu niedrig angegeben hatten, wurden vom 1. Oktober 1896 dis zum 30. Sept. 1899, also in drei Jahren, in Preußen 3986 ͤ ver⸗ mögende Bürger bestraft und zwar mit der Gesamtsumme von 1 191161 Mark. Daneben mußten 443 659 Mark Steuern nachbezahlt werden. Was für Bevölkerungsklassen es sind, die in ihrer Vaterlandsliebe den eigenen Beutel schonen, erhellt aus der folgenden kleinen Zu⸗ sammenstellung: Ein Gewerbetreibender, welcher sein Ein⸗ kommen für zwei Steuerjahre auf 13061 Mark angegeben hatte, während dasselbe in Wirklichkeit 66 264 Mk. betrug, führte neben den eigentlichen Geschäftsbüchern drei kleinere Bücher mit unrichtigen Angaben, lediglich zur Begrün⸗ dung der von ihm alljährlich erhobenen Einkommensteuer- Berufungen. Ek ist zu 11964 Mark Strafe verurteilt worden. Aehnliche Buchführungsmanöver sind wiederholt aufgedeckt worden. Zwei Viehhändler wurden mit je 4000 Mark Strafe belegt, weil sie in vier Steuer⸗ jahren 80 000 Mk. Einkommen zu wenig deklariert hatten. Gegen zwei Bierbrauereien wurden Viele Frauen und 1 1 — ngegeben bis 300 N hen Sol⸗ Mühsal wäre und dankbar II. daß in am 28. gehalten auch in Demnach estätigen, fprediger den, daß igen, d bilkabine e die bon von den 1 Gescln apier g?=⸗ Steuertil U, wntdn 66 ver r nit l Douebll ahl 1 e sih en Heat einen g. in Gl, 0 1 1 1 ie c Beg hoben en. Cet . voll bel fin 15 b Glel, 1 peng 1 wuldel Nr. 35. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. pflichtigen genau zu kontrollieren! Strafen von 30 000 und 25000 Mk. verhängt, weil ihre Steuerabgaben entsprechend hinter der Wirkl ichkeit zurückgeblieben waren. Ein höherer Kommunal-Beamter hatte sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 600 Mk. angegeben; thatsächlich war das Ein⸗ kommen sechsmal so groß. Nach seinem Tode ist die Nachsteuer eingezogen. Ein Rentner, welcher sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 14 200 bezw. 19 500 Mk. angegeben hatte, während es sich auf 65 314 bezw. 75 905 Mk. bezifferte, wurde zu einer Geldstrafe von 17240 Mk. verurteilt. Einem hochangesehenen Fabrikanten, welcher sich zuerst„mit Entrüstung“ gegen jede Beanstandung seiner Steuerdeklaration ge— wehrt hatte, wurde nachgewiesen, daß er in drei Steuerjahren nicht, wie von ihm angegeben, 142 000, sondern 197000 Mk. Einkommen ge⸗ habt hatte. Er zahlte 20 800 Mk. Strafe. Ein hochangesehener Weinhändler, welcher voller Entrüstung gegen die An⸗ zweiflung seiner Steuerangaben protestiert hatte, hat letztere mit Bewußtsein und Vor⸗ bedacht abweichend von den Bilanzen gemacht. Er hatte für sechs Jahre zusammen 590 000 Mk. deklariert, während sein wirkliches Einkommen über eine Million betragen hatte. Gegen den Kontravenienten sind zusammen 130 000 Mk. an Strafen sestgesetzt worden. Die Erben eines Bankdirektors, welcher mehrere Jahre hindurch je 140 000 Mk. zu wenig deklariert hatte, mußten 33035 Mk. Nach⸗ ste uer zahlen. Die Ricktigkeit dieser Angaben ist unbestreit⸗ bar, sie sind von der Berliner Korresp. den Mitteilungen der Verwaltung der direkten Steuern in Preußen entnommen. Es sind nur einige wenige Beispiele der Fälle, wo es möglich war, die Steuerhinterziehung aufzudecken und nach⸗ zuweisen! Viel zahlreicher sind sicher die Fälle, die aus irgend einem Grunde nicht zur Kenntnis der Behörden gelangen oder letztere nicht wagen, irgend einen mächtigen, einflußreichen Steuer⸗ Für das Steuerjahr 1900 hatten nach der Berl. Korresp. bei einer einzigen Unterkommission einer Veran⸗ lagungskommissson 22 Zensiten ihr Einkommen um 1882 291 Mark zu geri ig angegeben.— So prellt das Unternehmertum, betrügen die „Leute von Bildung und Besitz“ den Staat um die Steuern! Es sind dieselben Gesellschafts— kreise, deren Patriotismus. Opferwillig⸗ keit und wer weiß was noch für schöne Tugenden in Kreisblättern, wie der„Wetzlarer Anzeiger“ tagtäglich in den Himmel gehoben wird. Noble Leute, diese hochangesehenen schwer⸗ reichen Fabrikanten, Weinhändler, Altienbesitzer usw. Wie werden sie am Biertisch ost über die unpatriotischen Arbeiter herziehen, sie, die bereit sind, alles fürs Vaterland zu opfern— nur ihr Geld und Leben nicht. Diese Herren finden gar nichts darin, wenn die von der Hand in den Mund lebenden Arbeiter, um der Schwindeleien der Besitzenden willen, höhere Kommunalsteuern zahlen müssen. Sie können sich auf ein edles Beispiel berufen, auf den Kommerzienrat Baare zu Bochum, Mitglied des Staatsrats, gefeierte Stütze der Ordnung und Sittlichkeit. Und was der konnte, das kennen sie auch. Seltene Unternehmer⸗Einsicht. Treten in Deutschland Unternehmer zu irgend einem„Tage“ zusammen, so kann man sicher sein, daß in Bezug auf soziale Fragen und die Arbeiterbewegung die rückständigsten Ansichten geäußert und von Herrschsucht, Un⸗ wissenheit und Profitgier diltierte Beschlüsse ge— faßt werden. Um so wohlthuender wirkt es, wenn auf einer Industriellen⸗Versammlung— nicht in Deutschland— ungewöhnlich fort⸗ geschrittene Anschauungen ausgesprochen wurden. In Kopenhagen, wo Arbeitgeber aus Däne⸗ mark, Schweden und Norwegen Beratung pflegten, führte zum Beispiel Bostrup, Vorsitzender des dänischen Handwerks- und Industrievereins, aus, daß die Zwangsinnungen, die in den Jahren 1870 bis 1890 die Hauptrettungsidee waren, überflüssig geworden sind, da das„Handwerk“ faft völlig verschwunden sei und an dessen Stelle die„Industrie“ getreten, die sich, um lebensfähig zu sein, zur Großindustrie entwickeln müsse. Ferner wurde die Berechtigung der Gewerk- schaftsbewegung anerkannt durch den Referenten Axel Meyer. Anfangs hätten sie dagegen Wider- willen gehabt, aber nun seien sie einverstanden. Ein anderer Redner betonte, daß das Steigen des Arbeitslohnes einen Kulturfort— schritt bedeute und keineswegs ein Hemmschuh für die Entwickelung der Industrie sei, sondern sie vielmehr fördere. Auch die Frage der geistigen und technischen Ausbildung wurde vom modernen Standpunkte behandelt. Man forderte eine naturwissenschaft⸗ liche Grundlage, eine Schule des Lichts für die Industriebevölkerung und erklärte das Handwerker— Lehrlingswesen für überlebt, an dessen Stelle müßten Handwerks- und Industrieschulen treten, und wenn man Lehrlinge halten wollte, könne man keine ordentliche Arbeit von ihnen verlangen, wenn sie nicht ordentlichen Lohn bekämen. Deutsches Unternehmertum wird sich nie zu solchen vernünftigen Gedanken aufschwingen. Enttäuschte Wähler. Bei der Ersatzwahl in Mülhausen i. E. ließ sich auch ein Teil der Arbeiter für den Mischmaschkandidaten, Garnzöllner und Groß— fabrikanten Schlumberger einfangen. Sehr zu ihren Schaden. Man hatte den Leuten für den Fall der Wahl Schlumbergers höhere Löhne versprochen, und nun mußten sie es er⸗ leben, wie unmittelbar nach der Wahl in der Müll äuser Wollindustrie eine erhebliche Pro- duktionseinschränkung eintrat, die für zahlreiche Arbeiter einen Lohnausfall von 5 bis zu 10 Mark in 14 Tagen bedeutet. Die Ende September auch im Mülhäuser Kreise vorzu⸗ nehmenden Bezirkstagswahlen werden zeigen, daß die Arbeiterschaft aus der Wahl vom 5. Juli ihre Lehre gezogen hat und nicht gewillt ist, sich zum zweiten Mal vor den Wagen der kapitalistischen Ausbeuterinteressen spannen zu lassen. Hoffentlich wird sie durch Schaden klug. Hessischer Finanzminister und die Antisemiten. Herr Gnauth, der neue hessische Finanzmi— nister hat, wie es scheint, weder bei der Pfaffen⸗ partei noch bei den Judenfressern viel Freunde. Und zwar weil er religionslos ist. Den Antisemiten liegt besonders ein Brief im Magen, den Herr Gnauch im Jahre 1890 als Kreis— ingenieur an seine Kollegen gerichtet und worin er dieselben aufgefordert habe, bei den Wahlen rücksichtslos gegen die Antisemiten aufzutreten. „Sollte der neue Herr Finanzminister diese Ten⸗ denz in Darmstadt fortsetzen wollen“ droht die Staatsbürgerzeitung, so sitzen Leute im hessischen Landtag, wie die Herren Wolf, Köhler und Bähr, die ihm, wenn nöthig, auch mit„rücksichts⸗ loser Schärfe“ dienen können. Wir bezweifeln, daß die Wolf, Bär und Köhler im Stande sind, dem Finanzminister Schrecken einzujagen. Letzterer dürste sich wohl noch des Uiteils erinnern, das im Oktober vor— igen Jahres von der„Köln. Ztg.“ über die Antisemiten im hessischen Landtage gefällt wurde und das auch im Gießener Anzeiger zu— stimmend abgedruckt war:„Die Antisemiten sind unbelehrbar durch Gründe der Ver⸗ nunft und Bildung... unpraktisch, po⸗ litisch ganz unfruchtbar, thöricht par⸗ tikularistisch, vielfach verlacht...“ 1„Auch dem frommen„Reichsboten“ gefällt ein freisinniger religionsloser Mann als Minister nicht, und verdrießlich meint er, man scheine sich Frankreich in Hessen als Vorbild zu nehmen, wo Ingenieure neben Advokaten schon lange die höchsten Regierungsämter einnehmen. Haben etwa Offiziere, Junker und Pfaffen schon mehr Fähigkeit bewiesen, als Ingenieure und Ad⸗ vokaten? Ausnützung des Attentats von Monza. Bei Gelegenheit der anläßlich der Ermord— ung des italienischen Königs eingeleiteten„Be⸗ kämpfung des Anarchismus„sucht man in erster Reihe die sozialdemokratische Arbeiterbewegung zu vernichten.“ So wurde aus Hamburg unser Genosse der italienische Schweizerburger Genosse Giovanni Valär, der seit einiger Zeit an dem Hamburg erscheinenden italienischen Arbeiterblatte„L'Operario Italiano“ mitarbeitete, ohne Angabe von Gründen aus gewiesen. Die bisherige Thätigkeit des Ausgewiesenen trug jedenfalls mehr zur Bekämpfung des Anarchis⸗ mus bei, als es Ausweisungen und Polizeimaß⸗ regeln je vermöchten. Ausländisches. Genosse Turati als Verteidiger Breseis. Der Mörder König Humberts hat den Mai⸗ länder Advokaten Genossen Filippo Turati zu seinem Verteidiger gewählt und gerichtlich ist ihm noch der Advokat Mario Martelli, der Präsident der Mailänder Advokatenkammer, als offizieller Verteidiger bestellt worden. Turati hat die Verteidigung angenommen, nachdem er sich zuvor mit seinen Parteigenossen beraten, und er ist am Montag zum ersten Male zu seinem Klienten in die Zelle geführt worden. Der Krieg mit China. Der Vormarsch der Verbündeten auf Peking hat sich glatter vollzogen, als man vorher an⸗ nehmen konnte. Am 15. d. M. wurde Peking angegriffen. Die Verbündeten stießen auf hartnäckigen Widerstand. Abends drangen sie in die Stadt ein und umringten sofort die Ge⸗ sandtschaften, deren Bewohner wohlbe⸗ halten sind. Die Japaner verloren 100, die Chinesen 300 Mann. Ueber weitere Einzelheiten wird dem„Newyork Herald“ berichtet: Die Be⸗ fehlshaber der russischen Truppen rückten vor und besetzten die erste Thür des östlichen Thores am Morgen des 14. August, doch es gelang ihnen nicht, die zweite Thür zu nehmen. Am 14. August um 2 Uhr nachmittags drangen die britischen und amerikanischen Trup⸗ pen in das Thor ein, das sich in der Nähe der Gesandtschaften befindet und trafen dort nur auf schwachen Widerstand. Die Japaner stießen auf ernsteren Widerstand am oberen östlichen Thor. Dort verteidigten sich die Chinesen den ganzen Tag. Um Mitternacht sprengten die Japaner das Thor in die Luft und rückten in die Stadt ein. Viele Chinesen wurden getötet. Eine weitere Meldung besagt, daß die ver⸗ bündeten Truppen am 17. d. M. in die„heilige Stadt“ von Peking eingedrungen sind. Der Korrespondent des„Temps“ meldet aus Schanghai, die Kaiserin habe die Flucht ergriffen und 50 Millionen Taels mit sich genommen, sie sei von japanischer Kavallerie um⸗ zingeltt Vom Waldersee-Rummel. Nachdem nun Peking eingenommen und die Gesandten befreit sind, fragt man sich, was es denn nun eigentlich mit dem internationalen „Ober⸗General-Feldmarschall“ Graf Waldersee auf sich hat, der eben auf der Fahrt nach China in Italien angekommen ist, nachdem er sich vor⸗ her auf allen Stationen in Deutschland, die sein Zug passierte, anreden, ⸗singen und ⸗hochen ließ. Seine Chinafahrt ist ganz und gar gegenstandslos geworden. Das bei seiner Abreise in Szene ge⸗ setzte Tam⸗Tam trug denn auch den Stempel des Gemachten und Gekünstelten. Ueber diesen Triumphzug vor der Schlacht reißt die aus⸗ sändische Presse mit Recht ihre Witze, der Rummel blamiert Deutschland vor der ganzen Welt! Die „Freisinnige Zeitung“ meint: Alle vorausgegangenen großen Reden passen ganz und gar nicht mehr auf die gegenwärtigen Verhältnisse. Die noch auf dem Meere schwim⸗ menden deutschen Truppen könnten mindestens zur Hälfte wieder umkehren. Völlig überflüssig ist die in Vorbereitung begriffene Nachsendung einer dritten Brigade. Wenn es nach allem Vorhergegangenen nicht gar zu komisch aus sähe, so würde der neue Oberbefehlshaber Graf Waldersee am richtigsten handeln, wenn er in Genua sich nicht erst einschiffte, sondern nach Deutschland zurückkehrte. Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 35. Auch die übrigen Mächte sehen mit der Be⸗ freiung der Gesandten die Aufgabe der Expedition für erledigt an. Der Krieg in Südafrika. Dem Burengeneral De wet ist es nicht nur gelungen, seinen Verfolgern Lord Kitchner und Methuen zu entgehen, es bestätigt sich auch, daß er eine große englische Truppe(angeblich 4000 Mann) gefangen genommen hat. Er vereinigte sich mit Delarey und zog mit diesem nordöstlich. Nach neueren Nachrichten bedrohen die Buren sogar Pretoria; Lord Roberts mußte vor ihnen den Rückzug antreten. Im englischen Lager sind zahlreiche Verur⸗ theilungen wegen Verrats erfolgt. Kana⸗ dische Soldaten ließen den Buren Mitteilungen über die Bewegungen der englischen Truppen zugehen. Ebenso verhandelte ein Kriegsgericht gegen einen Leutnant der Staatsartillerie wegen Bruch des Ehrenwortes und Komplotts gegen Roberts. Der Angeklagte bekannte sich schuldig, erklärte aber, er sei zu dem Komplott durch eng⸗ lische Geheimagenten verleitet worden und be⸗ stritt, jemals mit Botha in Verbindung getreten zu sein. Er habe versucht, dies zu thun, doch sei er dabei abgefaßt und zurückgebracht worden. Hierauf wurde die Verhandlung vertagt. Präsident Steijn vom Oranjefreistaat soll gefallen sein. Bestätigung dieser Nachricht muß noch abgewartet werden. — Aus dem Bericht des Partei⸗Vorstandes an den XI. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. An der Spitze des Berichts giebt der Parteivorstand dem Schmerze über den Verlust unseres Vorkämpsers Liebknecht Ausdruck und bedauert, die Wirksamkeit des Verstorbenen, der sich an dieser Arbeit beteiligte, nicht eingehend würdigen zu können. Den Bericht können wir unseres knappen Raumes wegen natürlich nicht vollständig zum Abdruck bringen, sondern müssen uns mit einigen Auszügen begnügen. Im allgemeinen liefert auch dieser Bericht wieder einen Beweis von der umfassenden Thätigkeit unseres Partei⸗ vorstandes sowohl, als auch für das Wachstum, den stetigen Fortschritt der Partei selbst. Das gegnerische Gerede vom Rückgang der Sozialdemokratie, das zwar nie ganz verstummt ist, das aber gerade in der letzten Zeit, namentlich anläßlich der Mülhauser Wahl, sich stärker vernehmen ließ, wird dadurch Lügen gestraft. Das erkennt sogar die„Köln. Ztg.“ an, indem sie die Organisation unserer Partei lobt und den anderen als Muster hinstellt. Das darf uns natürlich nicht einlullen, wir wissen, daß wir noch unendlich viel zu thun haben, eine Riesenarbeit noch leisten müssen, wenn wir dem Proletariat nur annähernd den ihm gebührenden Einfluß auf das Staatsleben erkämpfen wollen. Besonders in den Landbezirken läßt die Organisation auf politischem und gewertschaftlichem Gebiete noch beinahe alles zu wünschen übrig. Aufgabe eines jeden Genossen muß es sein, an dem Ausbau derselben tüchtig mitzuarbeiten. Unser Bericht weist zunächst auf die„Verscharrung“ der Zuchthausvorlage hin. Dieselbe wurde erfreulicher⸗ weise vom Reichstage am 19. November vorigen Jahres fast debattelos abgelehnt. „Laß ein von der Regierung auf kaiserliche Initiative dem Reichstage vorgelegter Gesetzentwurf, der noch dazu sich des Einverständnisses weiter bürgerlicher Kreise er⸗ freute, ohne Kommissionsberatung in allen seinen Teilen von dem Reichstage abgelehnt wurde, steht einzig in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands da. Daß es so gekommen ist, ist wesentlich das Verdienst der rastlosen Agitation der deutschen Arbeiter unter der Führung der sozialdemokratischen Partei.“ Waren die Scharfmacher somit enttäuscht, so hatten sie doch die Genugthuung, das Koalitiousrecht der Arbeiter durch Straßenpolizeiverordnungen wesentlich eingeschränkt zu sehen. Letztere wurden durch Erkenntnis des preußi⸗ schen Kammergerichts vom 24. Nov. v. J. insofern als rechtsgiltig anerkannt, als dasselbe in einem Falle ent⸗ schied, daß der Schutzmann auf grund der Berliner Straßen⸗Polizeiverordnung vom 7. April 1867 das Recht habe, den Streitposten aus der Gegend des Betriebes, in dem die Arbeit niedergelegt war, zu verweisen. Man bedenke, daß die„Streikposten“ zur Durchführung von Lohnkämpfen, besonders zur Kontrolle über Beteiligte, Zureisende und Angeworbene unbedingt notwendig für die Arbeiter sind. Ferner macht der Bericht auf die bevorstehende Ab⸗ änderung des Krankenversicherungsgesetzes aufmerksam. Im Hinblick auf das vor einiger Zeit von dem Regie⸗ rungspräsidenten in Potsdam erlassene Zirkular, aus welchem sich die Absicht erkennen läßt, den Arbeitern das Selbstverwaltungsrecht zu entreißen(wir haben kürzlich das Zirkular zum Teil abgedruckt), ist es not⸗ wendig, daß sich die Genossen und die Beteiligten gleich— falls mit den in dem Zirkular aufgeworfenen Fragen eingehend beschäftigen, Material sammeln und solches der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstags rechtzeitig zur Verfügung stellen. ——— Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten poche Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Die Gedächtnisfeier für Liebknecht die der sozialdemokratische Wahlverein für Sams⸗ tag arrangiert hatte, war nur mäßig besucht, woran die verspätete Bekanntmachung die Schuld tragen mochte. An Stelle des verhinderten Ge⸗ nossen Krumm sprach Orbig, der die Be⸗ deutung Liebknechts für unsere Bewegung schilderte und ein Bild von dem bewegten Leben und der machtvollen Persönlichkeit des Verstorbenen den Versammelten vor Augen führte. Schlachtenfeiern. Schon oft haben sich Stimmen vernehmen lassen— auch aus dem Lager der„Patrioten“ — dahingehend, daß man es nun endlich einmal mit der Sedanfeierei genug sein lassen und zu⸗ künftig davon Abstand nehmen solle. Dafür sind gewiß die besten Gründen anzuführen. Der Kulturmensch wird es stets für richtiger halten, an Jahrestagen mörderischer Schlachten in Sack und Asche zu trauern, anstatt dieselben durch solenne Feiern zu begehen. Namentlich jetzt, wo die„Feinde“ Schulter an Schulter zusammen kämpfen! Zur Thätigkeit der Kriegervereine ge⸗ hört es aber, keinen Schlachtentag ohne Feier vorübergehen zu lassen, und so würde denn auch diesmal in Gießen und in Orten der Umgebung der Tag von Gravelotte gefeiert. Bei der Feier in Gießen hielt Herr Pfarrer Naumann— der mit dem national⸗sozialen„Hunnenpastor“, der keinen Pardon giebt, nicht zu verwechseln ist, der aber dessen Anschauungen über den Rachekrieg zu teilen scheint— eine Rede, die an Chauvinismus wirklich nichts zu wünschen übrig läßt. Wie Herr Naumann seine Aus⸗ führungen, die der„Gieß. Anz.“ wie es scheint, nach dem Manuskript des Redners wiedergiebt, mit dem Christentum in Einklang bringen will, ist ja seine Sache und geht uns nichts an. Wenn er aber behauptet, daß die Chinesen das deutsche Reich angegriffen hätten, so müssen wir uns im Interesse der Wahrheit dagegen wenden. Bekanntlich ist genau das Umgekehrte richtig. Auch die„Freiwilligen“ treibt wohl weniger„deutscher Sinn, Ehrgefühl, Mannesmut“ hinaus; die werden durch ganz andere, weniger ideale Gefühle zur Teilnahme an dem Rachezug veranlaßt. Ferner sagte der Herr Pfarrer: „Gott sei es geklagt, daß diese Mahnung (Festhalten an der deutschen Treue), noch so nöthig ist in unserem Vaterland. Gibt es doch gar viele Deutsche, die von solcher Treue nichts wissen wollen, die unserem Kaiser und Reich nörgelnd, feindselig gegenüberstehen. Nun er⸗ leben wir es doch in diesen Tagen, daß ganze Parteiungen und Klassen der Gesellschaft in öffentlichen Kundgebungen als die Freunde unserer Feinde sich beweisen, daß sie sogar die Partei der rohen, grausamen und frechen Chinesen ergreifen, daß sie über die wackeren, deutschen Freiwilligen, die für das Vaterland hinausziehen, spotten und es ihnen gar gönnen würden, wenn der edle Chinese sie in Stücke haut— — U. s. w. So Herr Pfarrer Naumann! Da wir annehmen, daß Herr Pfarrer Nau⸗ mann eine derartige schwere Beschuldigung nur erhebt, wenn er die Beweise dafür hat, so fordern wir ihn auf, uns den Deutschen zu bezeich⸗ nen, der wünscht, daß seine Brüder in Stücke gehauen würden. So lange wir einen solchen Mann nicht lebend vor uns sehen, bestreiten wir, daß Herr N die Wahrheit gesprochen hat. Aus Wieseck. ch. Bei der vorige Woche stattgefundenen Ersatzwahl zum Gemeinderath für den zum Bei⸗ geordneten erwählten Wirth Karl Schäfer wurde unser Genosse Oekonom Jost Rein ein⸗ stimmig gemählt. Wetter außerordentlich begünstigt und eine riesige Menschenfluth ergoß sich nach unserem Orte. Am Montag Nachmittag wurde das Vergnügen jedoch durch einen ausgiebigen Regenguß empfindlich gestört. Im Ganzen verlief das Fest ohne Zwischenfall. Wozu braucht Wetzlar einen Polizeikommissar? a. Vor etwa Jahresfrist lehnte die Wetzlarer Stadtvertretung das Verlangen der Regierung einen Polizeikommissar einzustellen mit der Be⸗ gründung ab, daß bei der friedlichen Wetzlarer Einwohgerschaft eine Vermehrung der Polizei nicht notwendig sei. Trotzdem mußte schließlich die Stadt in die Anstellung eines solchen willigen, die Regierung erklärte solches für unerläßlich, weil sonst angesichts des Anwachsens der Ar⸗ beiterbevölkerung in der Stadt und den Vororten nicht die nötige Ruhe und Sicherheit der biedern Bürger verbürgt sei. Die Richtig⸗ keit dieser Anschauung wurde durch einen Vor⸗ fall am Samstag Nacht eingehend dargethan. Eine Anzahl Studenten von auswärts be⸗ fanden sich in sehr„gehobener“ Stimmung in der Weinstube von Orten bach und verführten daselbst einen Höllenspektakel. Die Lorbeeren, die sich bei der Dampferfahrt anläßlich des Gutenbergfestes die Darmstädter Studenten holten, ließen diese Leute jedenfalls nicht schlafen; einer derselben schrie die unfläthigsten Redensarten zum Fenster der Wirtsstube hinaus, sodaß ein ziemlicher Auflauf auf der Straße entstand. Der Kommissar im Verein mit mehreren Nachtwäch⸗ tern sachten die Krakehler zu beschwichtigen und forderten sie wiederholt zur Ruhe auf, ohne na⸗ türlich im Geringsten Gehör zu finden. Die Sicherheitswächter wurden vielmehr verhöhnt und angeulkt. Die Nachsicht der Letzteren verdient alle Anerkennung; Arbeitern aber möchten wir nicht raten, sich auch nur den zehnten Teil der— Freiheiten herauszunehmen, man würde sie in kuͤrzester Zeit nach Nummer Sicher be⸗ fördert haben. Diese„Gebildelen“ konnten aber unbehelligt unter Skandal und dem Gebrüll: „In Dutenhofen machen wir Station!“ mit ihrem Gefährt kurz vor 12 Uhr abziehen.— Unser Amtsblatt, dessen Besitzer von ihren Fenstern aus dem fkandalösen Treiben zusahen, hat bis heute noch keine Silbe von diesem Vor⸗ fall gebracht. Hier schweigt des Sängers Höf⸗ lichkeit, sonst wird aber jede Kriegervereins⸗Vor⸗ sitzenden⸗Rede stenographisch aufgenommen und gewissenhaft den Geduldigen vorgeführt, die sich selbst zur Lektüre dieses Blattes verurteilt haben und jeder die Arbeiter und ihre Partei be⸗ schimpfende Waschzettel Schweinburgs findet nach Reptil⸗Manier bereitwillige Aufnahme. Das können sich aber die Herren noch lange erlauben, der größte Teil der Wetzlarer Arbeiter läßt sich für sein Geld ruhig beschimpfen. Friedberg. Nächsten Sonntag, den 26. August, vor⸗ mittags 9 Uhr, findet in der Stadt Newyork eine Vahlvereins versammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Die Landeskonferenz; 2. Entwurf eines Parteistatuts; 3. Statut für den Kreis wahlverein. Erscheinen aller Mitglieder ist dringend nothwendig.— Am Samstag (25./8.) abends 8 Uhr im gleichen Lokale: H ol z⸗ arbeiter-Versammlung. Vortrag des Arbeitersekretärs Müller aus Frankfurt. Alle Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder sind eingeladen. Dem Guten müssen alle Dinge zum Besten dienen. Weil die Wirte in Fechenheim— viel⸗ leicht in Folge behördlicher Beeinflussung— ihre Lokale den Arbeitern zur Abhaltung von Ver⸗ sammlungen stets verweigerten, mußte schließlich die dortige Arbeiterschaft die Gründung eines eigenen Heims ins Auge fassen. In jahre⸗ langer unverdrossener Arbeit ist es denn auch den Genossen gelungen, die dem entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden und am Sonntag vor acht Tagen konnte die Eröffnung des Ar⸗ beiterheims unter riesiger Beteiligung der Die Wahlbetheiligung war sehr schwach.— Unser Kirmessonntag war vom geleuchtt nehmen gewerlse Ulerdin, sundsche ugoße übt sel den Sch der So sind jo Zu Di Grünb 1 eines schließ mit a 3 2 Mai 1 heitlic herzog Dem ganisa Deut. Porte. ordnu wenn zur E ö a0 tüugef uz usw. dung 2 genal soial und ftehe und vssio nom Jah nehr Ant Ein ef dor del . pfl El ethlarg egierun det 5 dezlulg oli Hleßlih willige, läßlch, der Ar⸗ und den cherheit f b 1 0 Naht, en Vol⸗ gethan. ülts be⸗ mung in erfühtten orbeeren, lich det n holten, n; einer sensarten odaß ein ind. Der achtwäch⸗ igen und ohne na⸗ n. Die jöhnt und verdient möchten ten Tel n wütde cher he⸗ iten aber Gebrüll: n“ mt jehen.— on ihren zusahen, sem Lol, gers His eing⸗ Vol, men ul! „ die sch eilt habe artei be indet uo 1 Del erlaube läßt U gut, bo. Nah gat felt t füt da Meitglic ane e: Hon tr 191 ut. 5 lch se Nr. 35. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. dortigen und auswärtigen Arbeiter stattfinden. Fast 50 Vereine beteiligten sich an der Feier. Letztere verlief auch zur größten Zufriedenheit aller Teilnehmer, trotzdem die Polizei— anders gehts nun einmal nicht— Festzug und Festrede aus dem Programm gestrichen hatte.— Das neue Arbeiterheim macht einen vorzüglichen Ein⸗ druck und scheint den Anforderungen der Fechen⸗ heimer Genossen in jeder Weise zu genügen. In einem an der Straßenfront gelegenen mehrstöck⸗ igen Gebäude befindet sich im Parterre⸗Geschoß das in mehrere Räumlichkeiten abzuteilende Restaurationslokal. Ein großer Hof, der wohl teilweise noch in Garten umgewandelt werden kann, weist auf der einen Seite eine praktikable Kegelbahn auf und zeigt an seinem Ende den Versammlungssaal, der ebenfalls unter den ge⸗ gebenen Verhältnissen genügen dürfte und der mit seiner licht gehaltenen inneren Ausstattung und seiner Bühneneinrichtung einen recht gefäl⸗ ligen Eindruck hinterläßt, der noch erhöht wird, durch die in Fechenheim eingeführte elektrische Beleuchtung. Wir wünschen dem neuen Unter⸗ nehmen im Interesse der dortigen Partei⸗ und Gewerkschaftsbewegung ein gutes Gedeihen! Allerdings wird den Wirten im Orte dadurch Kundschaft entzogen. Das haben sie aber durch zu große Nachgiebigkeit dem Polizeidrucke gegen⸗ über selbst verschuldet. Mögen sie sich dann für den Schaden bei den Behörden bedanken! Zur Landeskonferenz der Sozialdemokraten Hessens am 2. September sind folgende Anträge eingelaufen: Zur Tagesordnung: b Die Konferenz des Wahlkreises Gießen ⸗ Grünberg Nidda beantragt „die Landeskonferenz möge die Aufstellung eines Kommunal⸗Wahlprogramms für Hessen be⸗ schließen. Wir ersuchen daher, diesen Antrag mit auf die Tagesordnung zu setzen.“ Zur Or ganisation: i Die Kreiskonferenz des Kreis⸗Wahlvereins Mainz⸗ Oppenheim beantragt 80 1.„die Landeskonferenz beschließe, ein ein⸗ heitliches Mitgliedsbuch für das ganze Groß⸗ herzogthum Hessen zur Einführung zu bringen. Dem Mitgliedsbuch müssen Programm und Or⸗ ganisationsstatut der sozialgemokratischen Partei Deutschlands, sowie Organisationsstatut für die Partei in Hessen, wenn möglich eine Geschäfts⸗ ordnung beigeheftet werden. Die Bücher sollen, wenn äußerst möglich mit dem 1. Januar 1901 zur Einführung kommen. ö g Zur Begründung haben wir nur anzuführen, daß es, nachdem eine einheitliche Landesmarke eingeführt ist, das Mitgliedsbuch unbedingt folgen muß, daß ferner jeder Genosse das Programm usw. in seinem Besitz hat. Die nähere Begrün⸗ dung wird auf der Landeskonferenz erfolgen. 2. Die Landeskonferenz möge beschließen, eine genaue Revision des Organisationsstatuts der sozialdemokratischen Partei Hessens vorzunehmen und schlägt hierzu eine Kommission vor, be⸗ stehend aus dem Landeskomitee, Landtagsfraktion und den jeweiligen Kreisvorsitzenden. Die Re⸗ vision soll sofort nach dem Parteitag vorge⸗ nommen werden und, wenn möglich, noch dieses Jahr einer weiteren Landeskonferenz zur Ge⸗ nehmigung vorgelegt werden, damit, wie erster Antrag besagt, die neuen Mitgliedsbücher zur Einführung gelangen können. Eine Parteiversammlung in Darmstadt beschloß zu beantragen, den an das Landes⸗ komitee abzuführenden Betrag aus dem Erlös der verkauften 10 Pfg.⸗Marken von 2 auf 3 Pfennig zu erhöhen und die Landeskasse zu ver⸗ pflichten, vierteljährlich mindestens 10 Prozent der Gesammteinnahme an die Parteikasse in Berlin abzuführen. Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Wetzlar⸗ Altenkirchen, die am Sonntag im Lokale Orbig in Gießen tagte, erfreute sich eines zahlreichen Besuches und die zur Berathung stehenden Punkte wurden leb⸗ haft diskutiert. Von einer eingehenden Bericht⸗ erstattung des Vertrauensmannes nahm man Ab⸗ stand, weil bei der nach dem Parteitage statt findenden Neuwahl desselben doch Bericht für das ganze Jahr gegeben werden muß. Der Ver⸗ trauensmann gab deshalb nur eine kurze Ueber⸗ sicht über die Kassenverhältnisse, die bedeutend günstiger als im Vorjahre sind. Eine eingehende Erörterung fand die von der Reichstagsfraktion beantragte Abänderung des Organisationsstatuts. Ein Theil der Anwesenden hatte Bedenken gegen den Satz:„Genosse ist, wer die Partel dauernd durch Geldmittel unterstützt“, weil nach ihrer Meinung nicht jeder dazu in der Lage sei. Dem wurde jedoch entgegengehalten, daß ja kein Bei⸗ trag in einer bestimmten Höhe gefordert werde; man wolle damit offenbar nur die mora⸗ lische Verpflichtung der Genossen zur Steuer⸗ leistung aussprechen. Viele bezeichneten sich als Genossen, zahlten aber nie. Weitere Einwen⸗ dungen gegen das Statut, dessen ausführliche Be⸗ gründung auf dem Parteitage erfolgen wird, wurden nicht gemacht, auch sonstige Anträge zum Parteitag nicht gestellt. Nach längerer Dis⸗ kussion beschloß die Konferenz einstimmig, einen Delegirten zu dem Parteitage zu entsenden und wählte hierzu den Genossen Fauth ⸗Wetzlar. Des Weiteren wurde noch der Wunsch ausge⸗ drückt, daß die Abhaltung einiger Versammlungen im Kreise im Laufe des Jahres ermöglicht werde. Nachdem noch Genosse Orbig zum Gedächtniß Liebknechts, dessen Wirken in kurzen Ausführ⸗ ungen geschildert, schloß der Vorsitzende die Konferenz.. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 23. August. Parteiversammlung. Am Samstag, 1. Sept., abends 8¼ Uhr, findet im Lokale des Herrn Jesberg eine öffentliche Parteiversammlung statt. Da die Tages ⸗ ordnung zwei wichtige Punkte aufweist—„Kommunal- politik“ und„Der diesjährige Parteitag in Mainz“— werden die Genossen auch an dieser Stelle ersucht, mög. lichft zahlreich zu erscheinen.(Siehe Inserat.) Chinakoller. Außer den Freiwilligen vom Jäger⸗ bataillon, 13 an der Zahl, macht auch ein Reservist von hier, ein junger Kau mann, den Rachefeldzug mit. Die „Hessische Landeszeitung“ ist erbost darüber, daß man den Scheidenden zu Ehren keinen großartigen Tam-Tam in Szene setzie, wie das anderwärts geschehen ist. Aus der letzten Stadtverorbnetensitzung. Die hiesige Polizeiverwaltung ist mit Arbeiten überhäuft und ist die Anstellung eines Schreibgehülfen erforderlich. Landgerichtsrat Glein wundert sich sehr darüber, daß auf einmal so viel Arbeit bei der Polizei vorhanden sei, die Journal-Nummern sind gegen früher um 600 gestiegen. Der Oberbürgermeister als Chef der Polizei ist nicht in der Lage, hierüber Auskunft zu geben. Die Stadt hat nämlich auch einen Geheimpolizisten angestellt, um auf die Radfahrer Obacht zu geben, daß auch die Vorschriften genau innegehalten und z. B. alle zur Anzeige gebracht werden, welche das Trottoer befahren. Dann ist es auch leicht erklärlich, daß die Journal⸗Nummern eine solche Hohe erreicht haben.— Die Sedanfeier wird auch hier geseiert, trotzdem der Oberbürgermeister und Herr Seebinger in einer früheren Sitzung dagegen waren. Wo Deutsche und Franzosen jetzt in China zusammen kämpfen, meinte Herr Seebinger, sei es nicht gut an⸗ gebracht, die alte Feindschaft wieder aufzuwärmen. Half aber alles nichts, St. Sedan muß gefeiert werden. Versammlung der freien Krankenkassen. Am Dienstag, den 21. August tagte im Lokale des Café Quentin eine Versammlung der freien Krankenkassen, welche einen sehr schlechten Besuch aufwies. Die Tages⸗ ordnung lautete:„Die neuen Vorschläge zur Kranken⸗ kassen⸗Novelle.“ In gut durchdachter Weise unternahm es Herr Markus ⸗Cassel, die Vorschläge einer vernich⸗ tenden Kritik zu unterziehen, kein gutes Haar daran lassend. Leider ist der Raum dieser Zeitung zu knapp bemessen, die trefflichen Ausführungen hier wiederzugeben. Auch der Vorsitzende der hiesigen Ortskrankenkasse, Herr Papst, war anwesend, hatte es aber vorgezogen, in die Debatte nicht einzugreifen, sondern zu schweigen. Folgende Re⸗ solution wurde angenommen: „Wie bereits durch die Zeitungen bekannt, soll bei dem nächsten Zusammentritt des Reichstages demselben eine Novelle zum Kranken⸗Versich⸗rungs⸗Gesetz zugetzen. Insbesondere soll den Krankenkassen das Selbstverwal⸗ tungsrecht genommen weiden. Desgleichen soll in Er⸗ dägung gezogen werden, ob man die freien Hilfskassen überhaupt bestehen lassen will. Ebenso soll das Stimm⸗ recht der Arbeitgeber auf die Hälfte erhöht, die Verwal⸗ tung der Kassen in die Hände städtischer Beamten ge⸗ legt werden usw. Die Innungskassen hingegen sollen unangetastet bleiben. Die heutige Versammlung pro— testirt gegen diese Entrechtungsvorschläge, welche den meist interessirten versicherten Arbeiter ganz empfindlich reffen. Sie ersucht die Reichstagsabgeordneten, bei einer ev. Gesetzesvorlage solchen Entrechtungsvorschlägen kein Gehör zu schenken, sondern dieselben kurzer Hand abzu- lehnen. Marburg, 21. Aug. 1900. Die vereinigten Krankenkassen Marburgs.“ St. Arbeitergesang verein. Verflossenen Sonn⸗ tag hatten sich eine Anzahl Genossen zusammengefunden, um die Gründung eines Arbeitergesangvereins in die Wege zu leiten. Der Mangel eines solchen wurde schon oft von den hiesigen Genossen unliebsam empfunden. Nachdem eine Kommission die nötigen Vorarbeiten erledigt hat, findet Sonntag, den 26. August, bei D. Jesberg eine Zusammenkunft statt, in welcher die Konstituierung des Vereins, Beratung der Statuten u. s. w. vorgenommen werden soll und zu der alle Interessenten eingeladen sind. (Siehe Inserat.) 26 Mann haben bereits ihren Beitritt erklärt und auch sonst ist dem Verein Unterstützung in Aussicht gestellt. Hoffentlich wird die Gründung des Vereins nun zur Thatsache. Kleine Mitteilungen. * Nauborn. Schon wieder ein Berg⸗ mann verunglückt! Auf der Grube„Amanda“ wurde am Samstag der Bergmann Müller VII. durch herabstürzende Gesteinsmassen getötet. Der Aae hinterläßt eine Frau und sechs inder. * In Wackernheim gerieth am Sonn⸗ tag ein Landwirth mit der Wache der gegen⸗ wärtig dort im Quartier liegenden Husaren in Streit. Vom wachthabenden Gefreiten wegge⸗ wiesen, lief der Landwirth, Weiland mit Namen, erbittert nach Hause, kehrte mit einer Mistgabel bewaffnet zurück, und stieß dieselbe dem Gefreiten derart in den Leib, daß er sofort todt zu Boden sank. W. wurde verhaftet und im Amtsgerichts⸗ gefängniß Oberingelheim internirt. An der Be⸗ erdigung des Soldaten betheiligte sich fast die ganze Gemeinde. Arbeiterbewegung. Der Ausstand in den Mainzer Lederwerken hat an Ausdehnung zugenommen. Jetzt beträgt die Zahl der Streikenden bereits 600. Die Direktion hat die Einigungsversuche vor dem Gewerbegericht in schroffster Form ab⸗ gelehnt. Den Arbeitswilligen ist durch Mauer⸗ anschlag ein Judaslohn von 1 bis 2 Mark pro Tag zugesagt worden. Ende des Brauerstreiks und Bier⸗ Boykotts in Harburg. Mit einem voll⸗ ständigen Siege der Arbeiter endete der neun⸗ wöchentliche Streik auf der Aktienbrauerei in Harburg. Die Brauerei hat sämmtliche Arbeitswillige entlassen und die Streikenden auf ihre alten Posten wieder eingestellt. Maßregel⸗ ungen finden nicht statt. Alle Arbeiter erlangten eine Lohnerhöhung, die Arbeitszeit wurde auf 10 Stunden festgesetzt. Den Sieg verdanken die Arbeiter nicht zum Wenigsten dem solidar⸗ ischen Verhalten der Harburg-Wilhelmsburger Arbeiterschaft. Partei⸗Hachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 25. August: Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Lö b, „Wiener Hof“. Gießen. Metallarbeiter abe ds 9 Uhr bei Orbig. Montag, 27. August: Gießen. Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. „Wahrer Jakob.“ Die nächste Nummer enthält ein von Bebel geschriebenes Gedenk⸗ und Erinne⸗ rungsblatt an unseren Genossen Liebknecht. Wir machen die Genossen darauf aufmerksam. Briefkasten der Expedition. Quittungen. Mdlr. Kzbch. 3.—. Th. Rhe. 3.—. Kl. Rogn. 7.20. Ptr. Grßl. 8.—. Fr. G. 1.—. Fth. Wtzlr. 30.—. R. Hchhm. 27.—. Igd. G.—.40. Grgr. Mbg 30 20. Sb. Gg. 3.50. Wb Als e d 22.8. Hhm. Obg. 6—. R. G. 240. Sch. Fugeh 1.60. Sg. pst. 2.— Wtr. Obch. 7.40. Schmdt. Dschg.—.65. Vog. B. 3.—. Rg. Libch. 27.—. Kft. Azbch. 2.20. Dth. Ogstrn. 4.60. Sch. G. 79 45. L. The. 1.80. Krgr. G. 15.43. Sch. Gock. 8.40. Ky. Kfd. 37.80. Stbg. Lchfr. 14.40. Mdlr Kzbch. 3—. Hdch. Kzbch. 4.20. Pths.⸗ Luar. 4.80. Lwst. Wek. 29.20. Schb. Hn. 10.80. Ww. Wtr. Loch. 2.—. Lchl Ghsa. 10.75. Pf. Wizb. 12.— Ostw. Hbg. 1.—. B. Dlbg. 3.60. Wch. Bst. 2.40 Th. Rdrth. 1.20. Hp Bdhm. 5.40. Blte. lr. 2. Qu. 28.60. Str. G. 4—. Sgfr. Abck. 8.—. Sch. Fllgsh. 1.60 B. Roͤgn. 3—. Kfflr. Fdbg. 20.—. E. Dhm. 3.0. Wzl. Lgsd. 8.—. Sbrt. Echzell—.90. H. Hoch. 4.—. R. Hchyhm. 27.—. Gge Hdbgn. 7.60. Wtzl. Wtzh 10—. Wbr. G.—.60. Tad. G.—.40. Dthfr. Lgstrn. 4.40. Mdl. Kzbch. 2—. Sch. Wbg. 1.—. Hbr. Dogn. 14.80. Schdt. G. 42.—. Wtr. Obch. 7.20. Hs. Stbg. 6.20. Sch. Stbg. 2.—. 5 2 2 SSS 2 ———— — 3 1 1 f 1 FF Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Anterhaltungsteil. Zwei Zwingburgen. (Auf dem Königstein im Taunus.) Ueber Wäldern hoch auf felsigem Stein Ragt die Ruine ins Land hinein. Einst thronte da oben ein stolzes Geschlecht, Uebte des Stärkeren wohlfeiles Recht. Da wohnte die Freiheit im Rittersaal— Knecht war das Volk tief unten im Thal. Die Zwingburg, die stolze, zu Trümmern zerfiel, In der Kräfte gewaltigem Spiel. In weitem Bogen fließt drüben der Main, Silberne Furchen zieht westwärts der Rhein. Doch aufwärts ragt im lieblichen Thal Dampfeud der Schlote gewaltige Zahl. In Kasernen der Arbeit frohndet als Knecht 853 noch das unterdrückte Geschlecht, och Zwingburgen sind nicht für ewig gebaut— Kündet die alte Ruine uns laut. 9 l „Postill.“ Dunkle Mächte. Roman von Elise Langer. I. Doktor Oskar Brandt saß in seiner kürzlich bezogenen und neueingerichteten Wohnung im Westen Berlins vor seinem Schreibtisch in einem bequemen Sessel zurückgelehnt, gemächlich seine Nachmittagszigarre rauchend und von den Briefen, die vor ihm aufgehäuft lagen, einen nach dem anderen erbrechend. Die meisten der von zier⸗ licher oder kritzlicher Damenhand geschriebenen Briefe wanderten nach flüchtigem Lesen in einen neben dem Sessel stehenden Papierkorb; des— gleichen die photographischen Porträts, die den den Schreiben östers beigeschlossen waren und die ihrem Beschauer nur ein spöttisches oder sauersüßes Lächeln entlockten. Nur einige wenige Briefe legte Doktor Brandt mit beisälliger Miene beiseite. Schon hatte er sich beinahe durch den Haufen hindurchgearbeitet, als eine mit klaren, festen Zügen geschriebene Adresse seine Aufmerk— samkeit erregte. Neugierig erbrach er das Schreiben und sah nach der Unterschrift. „Helma von Saldeck. Ei sieh da, sogar eine Adlige! Wahrhastig nicht übel, Fräulein von Saldeck, Haushälterin bei Doktor Brandt! Köstlich! Nun sehen wir, was Fräulein Helma schreibt.“ Berlin, den 24. August. Sehr geehrter Herr! Auf Ihre gestrige Annonce in der„Vossi⸗ schen Zeitung“ erkläre ich mich bereit, die Erziehung Ihrer Kinder, sowie die Führung Ihres Hausstandes zu übernehmen. Der Mutter frühzeitig beraubt, habe ich den Haus— halt meines Vaters, des verstorbenen Oberst von Saldeck, von Kindheit auf geführt und eine jüngere Schwester mit erziehen helfen. (Brr! alte Jungfer!) Dieses als Nachweis meiner Besähigung. Ich bin 23 Jahre alt. (Ah!) Eine Phoiographie ist augenblicklich nicht zur Hand, doch bin ich bereit, mich Ihnen auf Wunsch persönlich vorzustellen. Ihrer gefälligen Benachrichtigung(post— lagernd) entgegensehend, zeichne ich hochach— tungs voll Helma von Saldcck. NB. Ich lönnte, wenn erwünscht, eine an— sehnliche Quantität Hauswäsche zur Mit- benutzung geben.“ Doktor Brandt lachte laut auf. „Der Teufel, das Frauer zimmer gefällt mir. Kurz und bündig im Ausdruck, selbstbewußt, sachlich, schlau— verdammt schlau— Haus— wäsche zur Mitbenutzung geben, ha, ha, ha, gerade als ob sie wüßte— jedenfalls laß ich sie mir lommen. Gleich morgen. Will ihr so⸗ fort schreiben.“ Er schob alles beiseite, langte nach Feder und Papier und warf schnell einige Zeilen hin, die er nach Angabe adressierte. Dann stand er auf und reckte sich wie einer, der ein langweiliges Geschäft zu seiner Zufriedenheit abgethan hat. Doktor Brandt war ein Mann in mittleren Jahren, von hoher kräftiger Gestalt mit einer kleinen Neigung zum Embonpoint, ohne daß die Straffheit seiner Muskeln dadurch beeinträchtigt wurde. In dem wohlgebildeten Gesicht leuchteten zwei mächtige braune Augen unter einer breiten Stirn, die dunkles, schon etwas gelichtetes Haar umspielte. Um so dichter war der Bart, der Kinn und Lippe bedeckte. Nachdem Doktor Brandt der Dienstmagd, die auf sein Klingeln erschien, den Brief zur Beförderung übergeben hatte, schritt er auf das Nebenzimmer zu, in welchem es schon seit einiger Zeit sehr lärmend zugegangen war. Als er jetzt die Thür desselben öffnete, sah er sein sechs⸗ jähriges Söhnchen Charles auf einem Stecken⸗ pferd mit Hü und Ho und Peitschenknallen und Kapriolen und Seitensprüngen unaufhörlich im Kreise reiten, während ein um zwei Jahre jüngeres Mädchen mit der Puppe auf dem Schoße als Zuschauerin auf einem an den Kreis gestellten Stuhle saß. Im Gegensatz zu der Lebendigkeit des Knaben, saß die Kleine unbeweglich da. Nur die graublauen Augen, die so groß wie das blaßrosa Mündchen waren, folgten mit un⸗ verbrüchlichem Ernste den Bewegungen des kleinen Reiters. Doktor Brandt klatschte in die Hände. „Bravo, bravo, mein Junge. Ganz wie der Schulreiter bei Renz. Du hast gut aufgepaßt. Dafür gehen wir bald wieder hin. Willst Du?“ Beide Arme ausbreitend, flog der Knabe auf den Vater zu, der ihn hoch in die Luft hob, sodaß das Kind laut aufjauchzte. „Nun wird es bald bei uns anders werden, Kinder“, sagte Doktor Brandt, indem er, Charles in einem Arme haltend, mit der anderen die kleine Emmy vom Stuhle hob und sich selbst auf diesen niederlassend, jedes Kind auf eines seiner Knice setzte.„Nun bekommen wir ein feines Fräulein ins Haus, die wird ordentlich für uns kochen, alles schön um uns machen, mit Euch lernen und spazieren gehen. Nun, Emmy, freust Du Dich nicht?“ „Ich will kein Fräulein, ich will—“ „Was?“ fiel der Vater ein,„willst Du weiter essen, was uns Ida kocht und weiter so unordentlich angezogen gehen? Sieh, hier fehlt ein Häkchen an Deinem Kleide, die Bänder Deiner Schuhe sind zusammengeknüpft, das Haar hängt Dir unordentlich um den Kopf. Geht, laßt Euch jetzt von Ida anziehen, wir wollen einen Spaziergang machen.“ Bei diesen Worten glitten beide Kinder wie ein Blitz von den Knieen des Vaters und stürmten, der Knabe mit hellem Jubel, das Mädchen ohne einen Laut von sich zu geben, zum Zimmer hinaus. Die Kinder waren nicht mutterlos, allein Doktor Brandt lebte schon seit längerer Zeit von seiner Gattin getrennt, die in Genf, dem bisherigen Wohnort der Familie, zurückgeblieben, als er lürzlich nach seiner Heimatstadt Berlin übergesiedelt war. Doktor Brandt hatte seine Begeisterung für die Sache der Freiheit in den Märztagen des Jahres 1848 mit dem Exil und der Konfiskation seines Vermögens büßen müssen. Als Sohn eines reichen Fabrikbesitzers hatte er sich auf Universitäten umhergetrieben, ohne sich einem bestimmten Studium zu widmen. Er hatte alle Genüsse durchgekostet, die für Geld zu haben waren. Aus der Blasiertheit, welche dieses Leben zur Folge gehabt, rüttelte ihn der Sturm der Revolution mächtig auf. Er warf sich in die Bewegung, stand in den Straßen Berlin todes— mutig auf der Barrikade und vertauschte, als der Sieg errungen war, die Muskete mit der Feder. Nach dem Sturm des Völkerfrühlings kam die Schwüle der Reaktion. Die Verfolgungen begannen. Brandt wurde flüchtig. Er begab sich in die Schweiz, zuerst nach Zürich, dann nach Genf. Verwöhnt und genuß⸗ süchtig wie er war, ohne Mittel und ohne zu⸗ 1 1 ee E. Nr. 25. en verlässige Erwerbsquelle, lernte er das Elend Fache, des Flüchtlingslebens in seinem ganzen Umfange ends, kennen. Er versuchte es mit der Belletristik und Nite schrieb einige mittelmäßige Romane, in denen siben en er seine Revolutionserlebnisse schilderte. Sir Ih bin! trugen ihm ein Spottgeld ein. Die Lehrthätig⸗I in eile keit, zu der die meisten Flüchtlinge griffen, wider⸗Y enen dul stand seinem innersten Wesen. So geriet er in nach 10 eine verzweifelte Lage. er abse Da machte er durch einen seltsamen Zufall bit die Bekanntschaft zweier Damen, Mutter und! hebben. Tochter, Frau und Fräulein Bignin. Die Mutter, Jh muß Witwe eines Professors der Genfer Hochschule.] sundsch war eine vermögende Frau. Im Winter lebte gulschof sie mit ihrer Tochter in Genf, im Sommer auf ihrem Weingut La Clochette, welches oberhalb des Städtchens Cyon an den Ufergeländen des Wi Genfersees reizend gelegen war. Das in der i 63 Nähe liegende, durch Frau von Stael und ihre f 17 litterarische Tafelrunde berühmte Schloß Coppet] ene zog viele Fremde herbei, und so hatte auch 9 0 0 Brandt eines Tages die klassische Stätte besucht a N Auf dem Rückwege begriffen. den er auf Neben- 0 5 wegen und Stegen machen wollte— denn die 155 Franken hatten jetzt höheren Wert für ihn, als“ 15 früher die Thaler— begegnete er, einen steilen f 5 Weinbergsweg hinanklimmend, einem Wägelchen, ub de welches von einer Dame als einzigen Insassin n gelenkt wurde. Kurz vor ihm glitt das Pferd alen mit den Hinterfüßen auf einem sich lockernden unc Steine aus und fiel, ohne sich wieder erheben Lal zu können, weil der Wagen auf dem abschüssigen wunde Wege nachdrängte und ihm keinen Raum dazu für al ließ. Flugs war Brandt zur Stelle. Zunächst Soli schob er einen der umherliegenden Steine unter Taufe die Vorderräder und dann faßte er das Pferd kräftig am Zügel und riß es in die Höhe, Die N Rosselenkerin war jene Frau Bignin, eine große, f hagere Dame, deren Haut wie Pergament aus ie sah und unmittelbar über die Knochen gespannt 7 1 schien. Das kleine, trockene, aber sehr bewegliche 1 Gesicht erhielt durch freundliche, intelligente blaue 10 1 Augen einen angenehmen Ausdruck. Höchst t 5 energisch und selbständig in ihrem Thun, war ö 0 die Dame seit Jahren auf den Land- und Wein⸗ 15 bergswegen der Umgegend stets allein herum⸗ dun kutschiert, ohne daß ihr jemals ein Unfall zu- gestoßen war. Mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit äußerte sie ihren Dank für die geleistete Hilfe und fragte nach dem Namen des jungen Mannes, dessen Geschick und Geistesgegenwart sie ebenso wie seine hübsche Erscheinung für ihn einnahmen. Als sie erfuhr, daß er ein Deutscher und fremd in der Gegend sei, lud sie ihn dringend ein, ihr Wägelchen zu besteigen und sich ihr nahegelegenes Ihre Tochter Anais würde entzückt sein, seine Bekanntschaft Weingut La Clochette anzusehen. zu machen.(Fortsetzung folgt.) Aus Liebknechts Briefen an seine Frau von seiner Reise in Italien, Februar 1900. Im Februar dieses Jahres sah Liebknecht einen Wunsch erfüllt, dessen Verwirklichung ihm in all den früheren kampfreichen Jahren unmög⸗ lich gewesen war. Ein wohlhabender Freund hatte ihn und seine Söhne zu einer Reise bis Neapel und zu einem Aufenthalt in San Remo eingeladen. Liebknecht beabsichtigte später eine Schilderung dieser Reise zu veröffentlichen. Seine geistvolle Feder hätte uns sicherlich reiche Bilder italienischer Natur und italienischen Lebens ge⸗ zeichnet. Auch diese Arbeit hat ihm das schnelle Ende verwehrt und es liegen als erste Andeu⸗ tungen der beabsichtigten Reisebeschreibung nur so kurze und zusammenhanglose Notizen vor, daß von ihrer Veröffentlichung abgesehen werden muß. Um dennoch ben Verehrern unseres Ver⸗ storbenen einen Einblick in sein allerpersönlichstes Leben zu geben, veröffentlichen wir einige Briefe und Postkarten Liebknechts von der italienischen Reise an seine Frau, die diese dem„Vorwärts“ freundlichst zur Verfügung stellte. Die Briefe und Karten sind, wie es Liebknechts Gewohnheit auf Reisen war, englisch geschrieben. Diese flüchtig hingeworfenen Zeilen erzählen von der reichen Vielseitigkeit, der jugendlich frischen Reg⸗ samkeit und Empfänglichkeit des Liebknechtschen Geistes, von dem Enthusiasmus, mit dem er Au 22. 8 0 wir ir —— a 5 oba eländen! as in U el und ih Hloß Co, hatte mu fte belt auf Ne; 8 denn 0 ür ihn, einen stels Wägelch gen Ina das Pf h lockern der erhes ach Raum du e. Zuni Steine ul r das Pf Höhe, d eine glß ament al en gespnt c beweglih gente bla d. ich Thun, 1. und Min lein her 1 Unfal., Kebhufi 4 leitete gb, en Mu t sie cha einnahme r und fra end. g zahegellg 1 200 Belaunsth 18 folg, ge f I 1000. gutt lichung!“ 5 ml Fiel erfaßte, bewunderte und liebte. Aus Mailand schreibt Liebknecht: My darling!(Mein Liebling.) Wir kamen hier in bester Gesundheit, aber beim schlechtesten Wetter an. Aber nur schlech⸗ testes Wetter für einen Tag. Heute kamen Deine beiden Briefe und die Sonne Italiens. Gestern besuchten wir den Dom und viele andere Orte. Abends hatten wir ein treffliches Abend- oder Mittagbrot. Willy sieht sehr gut aus. Wir haben ein gutes ausgezeichnetes Hotel mit Betten. Ich bin unter meinem Namen hier. Du kannst uns einen Brief poste restante Rom schicken, einen zweiten poste restante Neapel. Aber nach acht Tagen darfst Du einen Brief nicht eher absenden, bis Du Nachrichten erhalten hast, wo wir sind, und wie lange wir an einem Orte bleiben.... Die Jungen werden ungeduldig. Ich muß mit ihnen gehen. Tausend Küsse und freundschaftliche Grüße von allen, auch von Frau Kulischoff, mit der mit jetzt eben zusammen sind. Dein Wilhelm.“ * 5* „Wir sitzen der Peterskirche gegenüber“, so heißt es in einer aus Rom datiecten Postkarte vom 17. Februar.„Es ist zu warm für unser Sommerüberzieher. Wir sind halbtot von all dem Wunderschönen, das wir sahen. Professor Soldi ist unser Cicerone.. In einer Stunde treffen wir Ferri... In einer andern Postkarte vom 18. Februar plaudert der„Alte“:„Sonntag. Ihr geht jetzt nach dem Grunewald oder sonst wohin. Wir kommen vom Paladino, waren im alten Rom, erlebten ein Gewitter und sitzen nun in einer römischen Osteria und denken an Euch, an Deutschland... Wir gehen nun aufs Kapitol. Wunderbar hier. Lebe wohl. Herzliche Grüße für alle. Wir sind in Gesellschaft von Professor Soldi und Advokat Rossi, die uns alles zeigen. Tausend Küsse. ** * Am 19. Februar schreibt Liebknecht aus Rom: „My darling! Wir sitzen jetzt mit einem italienischen Freunde, Professor Soldi, neben dem Tempel der Sybille, den Du auf dieser Karte siehst. Wir kommen von den Wasserfällen und der Neptunshöhle. Mai im Februar! Alles ist hier grün und die Bäume(Mandelbäume) stehen in voller Blüte. Wunderbar schön. Willy und alle grüßen bestens. Wir erhielten hier Deine ersten Briefe! Tausend Küsse....“ ** * Aus Neapel erhielt Frau Liebknecht vom 22. Februar folgenden Brief: „My darling! Gestern Abend ¼7 kamen wir in Neapel an; jetzt ist es/ 9 morgens, und * Cicerone= Führer 15 Minuten besohlt die erste Schnellbe⸗ nore Croll, der uns während unseres hiesigen Aufenthalts herumführen will. Blauer Himmel! Den Vesuv haben wir noch nicht gesehen. In Rom aßen wir mit Ferri und seiner Frau, die von rührender Güte gegen uns waren und Dich herzlich grüßen lassen. Jedermann ist gütig gegen uns. Und wirklich: je mehr ich von den Italienern sehe, um so mehr liebe ich sie. Aber — ich komme nicht zum Schreiben. Ich schicke Dir inliegend ein paar Veilchen, in Frascale und Tivoli war der Rasen ganz blau, wir hatten einen Veilchenstrauß, so groß wie Kurts Kopf. Deinen Brief erhielten wir gestern Nacht. Er brachte gute Nachrichten, sodaß wir ruhig schlafen konnten. Das Hotel, in dem wir wohnen, ist sehr gut— die Betten sind ausgezeichnet(wie überall), Essen ist großartig(ebenfalls wie überall). Die italienische Küche ist weit besser als ihr Ruf. In den größeren Hotels giebt es natürlich inter⸗ nationale Küche. Wir sind nicht eine Minute unwohl gewesen. Deinen nächsten Brief mußt Du nach Nizza, Ferma in posta adressieren, was poste restante bedeutet. Bebel werden wir in einer Stunde ein Geburtstagstelegramm senden. Unsere herzlichsten Grüße allen. Tausend Küsse für Dich und die Kinder. Dein Wilhelm.“ * E Am folgenden Tage, den 23. Februar, schreibt Liebknecht aus Neapel: „.. 6 Uhr abends. Pompeji zurückgekommen. Ein Tag, wie er selten bei uns im Mai. An unsrer einen Seite der Versuv, an der andern die See, schneebedeckte Berge und die Nekropolis(Stadt der Toten). Das Ganze unvergeßlich und unbeschreibbar. Wir befinden uns wohl, wie im Paradiese.. Morgen Capri. Lebe wohl. Herzliche Grüße an alle Freunde und Dir tausend Küssee * Wir sind soeben aus * Später schrieb der„Alte“ aus San Remo: „My darling! Es ist Dienstagnachmittag. Ich sitze in meinem Schreibzimmer und schaue nach den Palmen vor meinem Fenster. Otto verließ uns gestern, und ich fühle mich etwas einsam, ja sogar melancholisch. Während dieser vier Wochen verbrachte ich jeden Tag mit ihm und werde seine Gesellschaft vermissen. Er wird bei Dir zusammen mit diesem Brief eintreffen. Seinem Körper hat die wundervolle Reise nicht so viel genützt wie seinem Geiste.... Herr A. ist von rührender Güte und hat eine wirkliche Zuneigung für mich uns alle.... Eben wurde ich abgerufen. Die Post kam mit Deiner letzten Karte und anderen Korrespondenzen... Ich lege Dir ein paar Veilchen bei, die ich frisch gepflückt habe. Hier blüht alles: alle Arten Blumen und Bäume: Akazien, Pfirsiche, Mimosa — die gelben Blüten, die man in Berlin kauft— Kirschen, Orangen, Mandelbäume ꝛc. Wir haben einen wundervollen Garten. Aber—— ich Mosef Cognac in,, Flaschen der Firma sohlanstalt Erste Taunus Cognao- Brennerei Fritz Scheller Söhne, Homburg. Herrensohlen Damensohlen 1,10 Mk. Kindersohlen S N FSS Unges unde und Leidende] Die Hellkraft der Elektrizität ist wunderbar! Ueber die glän⸗ zenden Erfolge des Selbstkur mit der preisgekrönten eleltrischen Induktions ma schine(Preis 24½ u. 28½ Mk.) versendet gratis u. franko 48seit. Brosch. P. Freygang Nachfolger, Dresden A 118. Nr ee Wolkengasse 20 Pfennig an. Hecker 8 Anacker. Anerkannt feinste Marke qro Flasche 1.80, 2.40,—— 3.— Mk. 4.—, 5.—2 1,60 Mk. 1 und 5 Flaschen verhältnis⸗ mäßig. Niederlage: Heuchelheimer 8 Conusum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim bei Gießen. von 50 Heinr. 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Natürlich muß ich vorsichtig sein.... Ich fühle mich ausgezeichnet. Herr A. bittet mich, noch den nächsten Monat hier zu bleiben oder richtiger, je länger, je lieber. Natürlich ist das ganz unmöglich. In acht oder zehn Tagen reise ich ab und bin jedenfalls vor dem 29. März(Liebknechts letztem Geburtstag. Anm. d. Red.) in Berlin. Nur A. grübelt dar⸗ über nach, was er Dir schicken könnte, aber ich kann nur ganz Kleines mitnehmen. Herzliche Grüße Dir, den Kindern und allen Freunden und tausend Küsse von Deinem Wilhelm.“ ** * Kurz vor der Heimkehr nach Berlin schrieb Liebknecht seiner Frau noch folgende Zeilen: .... Gestern besuchten wir ein Dorf, das 1887 durch ein Erdbeben zerstört worden ist— etwas wie ein modernes Pompeji. Keine Seele lebt in den Ruinen.... Heute: Regen! Regen! Sonntag reise ich ab. Es wird mir schwer fallen. Ich komme mir wie der Bettler in 1001 Nacht vor, der einige Tage lang Fürst war. Ich wünsche nur, Du wärst meine Prinzessin. Tausend Küsse Dir und den Kindern. Dein Wilhelm.“ Humoristisches. Der„freie Wille“. Regimentskommandeur: Ich kann euch ja nicht zwingen, freiwillig nach China zu gehen, aber wers nicht thut, der ist ein ganz ehr⸗ loser Kerl, der so lange gepiesackt wird, bis er's für Gnade ansieht, mitgehen zu dürfen. Ich habe euch also die Wahl leicht gemacht— nun entscheidet euch! ** * Natürliche Reue. Die Mutter hat dem kleinen Maxl eine Strafpredigt gehalten, weil er dem Nachbar Aepfel gestohlen. Nach einer Weile, wie die Mutter wieder einmal ins Zimmer tritt, sitzt Maxl in einer Ecke und weint heftig.„Nun, siehst Du Dein Unrecht ein?“ fragt ihn die Mutter begütigend. „Ach ja!“ schluchzt Marl,„ich habe jetzt furcht⸗ bare Leibschmerzen!“ Justus Benner. Marktstr. 34. Schuhmachermeister, GIESSEN empfiehlt sein reichhaltiges Marktstr. 34. Schuhwarenlager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Spezialität: Arbeiter-Schuhe und Stieiel. 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Der wichtigen Tagesordnung halber ist zahl⸗ reiches Erscheinen unbedingt erforderlich. Der Vertrauensmann. bboblälts-Lobernahne. Meiner verehrten Kundschaft, sowie Bekannten und meiner werten Nachbarschaft die ergebene Mitteilung, daß ich meine seit⸗ her Asterweg 3 betriebene O ehsen⸗, Seh weine⸗ und „„„* Nalbs⸗ Metzgerei in das G. E. Seng'sche Anwesen 2 50 Seltersweg 8s 22 verlegt habe. Die seither von Herrn Seng innegehabte Gastwirtschaft mit Metzgerei habe ich gleichzeitig übernommen und führe solche unverändert weiter.— Mit der Bitte um geneigten Zuspruch empfehle ich mein neues Unternehmen bestens und zeichne Gustav Trinkaus. —1 1 8 7% Millionen Mark ca. baare Geldgewinne, darunter Haupttr.:* in comb. 1 5 Zieh- 480 000 ungen im Jahre gézogen. 240 000 Nächste gr. Gewinnziehung 180000 Türk. Staats-Eisenbahnloose 160 000 am 1. August 1900. 135 1500 Die e gegen 90 000 f monatlichen 75 000 Beitrag nur 4 Mark 48 000 1 45 ein Verlust des gsnzen 10 000 Einsatzes. 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