i die Nr. 4. Gießen, Sonntag, den 21. Januar 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 2 Mitteldeutsche Nedaktionsschluß⸗ Donnerstag Nachmittag& Uhr Abonnemeutspreis: Bestellun gen Juserate Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Poftanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Der Burenkrieg. he. Als der große Kampf in Südafrika ausbrach, da wünschte man fast überall dem Burenvolke den Sieg, allein man fügte zugleich bedauernd hinzu, daß die beiden verbündeten Republiken der gewaltigen Uebermacht des „stolzen England“ schließlich würden unterliegen müssen. In Wirklichkeit ist aber alles anders gekommen, als man gehofft und gefürchtet hat. Die Erfolge der Buren sind größer, als ihre Feinde befürchtet und als ihre Freunde gehofft haben. Eine neue und wahrhaft moderne, den natürlichen Verhältnissen meisterhaft angepaßte Taktik hat den Buren gegenüber den schwer⸗ fälligen Operationen der englischen Generale eine gewaltige Ueberlegenheit verliehen. Man kann nunmehr mit ziemlicher Zuversicht sagen, daß es der englischen Regierung nicht gelingen wird, die Buren zu besiegen. Nicht etwa, weil „Recht“ und„Freiheit“ von den Buren ver⸗ teidigt werden, welcher Gemeinplatz von den deutschen Bierphilistern jetzt bis zum Ueberdruß kultiviert wird. Leider hat in der Weltgeschichte die rohe Gewalt gar zu häufig über das Recht triumphiert, und wenn es sonst noch so un— bestritten war. Gewiß befinden sich die Buren auf einem Rechtsboden, aber derselbe wäre für sie gänzlich wertlos ohne ihre vortreffliche Ar⸗ tillerie, ohne ihre guten Büchsen, ohne ihre Meisterschaft im Schießen und ohne ihre kriegs kundigen Generale. Dazu haben sie eine Be⸗ fürchtung beseitigt, die im Anfang des Krieges allgemein gehegt worden ist. Man glaubte, die Buren würden im Verlauf des Krieges ihre Streitkräfte langsam aufbrauchen und schließlich nicht mehr die nötigen Mannschaften zur Ver⸗ teidigung ihrer Grenzen aufbringen können. Die von genialen Militärs erdachte Taktik der Buren hat auch diese Befürchtung grundlos gemacht. Bei aller Tapferkeit und Verwegen⸗ heit kämpfen die Buren sehr gedeckt und ihre Verluste sind außerordentlich gering; dieselben existieren zum größten Teil nur in der Phan⸗ taste und in den Depeschen der englischen Be⸗ richterstatter. Die beiden südafrikanischen Republiken haben nunmehr ein Heer von 70000 Mann unter den Waffen, die alle sehr wohl eingeübt und ausgerüstet sind. Mit Munition sind sie auf mehrere Jahre hinaus versorgt und es wird solche auch unaufhörlich im Lande produziert. Nimmt der Krieg seinen Fortgang, so werden sich die Streitkräfte der Buren vermehren in dem Maße, als die Sympathien für die sieg⸗ reichen Verteidiger für ihre Unabhängigkeit wachsen. So kann man heute ruhig annehmen, daß England in diesem Kampfe nicht siegen wird. Die zur Ueberwältigung der Buren er⸗ forderlichen großen Nachschübe an Mannschaften können aus bekannten Gründen nicht bewerk— telligt werden. Unseren politischen Standpunkt in dieser Angelegenheit haben wir wiederholt dargelegt. Wir sind ebenso weit von dem blinden Eng⸗ länderhaß des deutschen Philisters entfernt, wie von dessen blinder Burenbegeisterung; auf Seiten der Buren kämpft aber ein wirkliches Volksheer, auf Seiten Englands kämpft eine Regierung mit ihren Söldnern und das englische Volk in seiner großen Masse ist sicherlich nicht für diesen von einem Klüngel gieriger Großkapitalisten angezettelten Raubzug begeistert. Wir wünschen nur, daß aus diesem Kampfe die südafrikanische große Re⸗ publik erstehe, die mit der brutalen eng- lischen Verwaltung und mit der ver⸗ alteten Einrichtung des Buren-Muckertums gleichmäßig aufräumt und an Stelle des bisherigen unhaltbaren Zustandes ein großes und freies Gemeinwesen herstellt, das die Räuberpolitik eines Cecil Rhodes für alle Zeit unmöglich macht und die Schaffung einer wirk⸗ lichen Zivilisation in den noch„wilden“ Ge⸗ bieten erstrebt. Zugleich enthält die ganze Affäre auch einige gute Lehren für unsere„Weltpoliker“, auf die einzugehen wir uns nicht versagen wollen. Wenn irgend jemand, so haben die herrschen⸗ den Klassen Englands Weltpolitik getrieben und haben ein Reich geschaffen, in dem„die Sonne nicht untergeht“. Und dennoch— der Wider⸗ stand des kleinen Burenvolkes erschüttert dies gewaltige Reich in allen Fugen. Es rächt sich eben alles auf Erden. In fünf Weltteilen hat die Habsucht der herrschenden Klassen Englands geraubt und gebrandschatzt und nun stellt sich heraus, daß der englische Koloß eben auch innerlich angefault ist. Daräber kann kein Zweifel mehr bestehen, wenn eine Kapitalisten⸗ klique einen solchen Staat in einen gefährlichen Krieg stürzen kann, um sich des Goldes und der Edelsteine eines freien Landes zu bemäch— tigen, so ist dies ein Maß von Korruption, das genau anzeigt, wie es mit diesem großen Reiche rückwärts geht. Dazu kommt noch die gespannte Situation überhaupt, in die England durch diesen Krieg geraten ist. Mit diabolischer Schlauheit und Berechnung hat die russische Diplomatie es verstanden, England zu isolieren. Wenn jetzt die Russen die Gelegenheit benutzen würden, um in Persien oder Afghanistan etwas zu unternehmen, so würde man dies begrefflich finden und England hätte nicht die Macht, ihnen kräftig entgegenzutreten. Aber die russische Diplomatie ist außer⸗ ordentlich vorsichtig und geht lieber langsamer, aber um so sicherer zum Ziel. Die Russen haben erkannt, welche Kräfte ihnen bei ihrem Vorgehen in Asien nützlich sein können, und sie machen emsig Gebrauch davon. Sie haben jetzt ihre transkaspische Eisenbahn bis nach Kuschk, an der Grenze von Afghanistan, geführt. Dort legen sie sich einstweilen auf die Lauer. Mit einigen kräftigen Märschen können sie von dort aus Herat erreichen. Sie werden ruhig so lange warten, bis sie bei etwaigen inneren Zwistig⸗ keiten— und die lassen sicher auf russische Be⸗ tellung zu geeigneter Zeit nicht lange auf sich warten— von den Afghanen gerufen werden, denn auch bei diesen hat es die englische Kolonial⸗ Brutalität so weit gebracht, daß sie sich lieber für die Russen entscheiden, wenn sie zwischen diesen und den Engländern die Wahl haben. Ohnehin haben sich die Russen eine solche vor⸗ teilhafte Position geschaffen, daß sie bei einem ausbrechenden Kampfe gleich von vornherein in der Ueberlegenheit sind. Und was nützt nun bei solchen Ereignissen den Engländern ihre gewaltige Schlachtflotte, das Ideal unserer Flottenschwärmer? Wenn die Russen sich ein⸗ mal in Afghanistan festgesetzt haben, dann stehen sie auch an der Grenze von Ostindien und daun kann der entscheidende Kampf zwischen den beiden Weltmächten kaum mehr vermieden werden. Wer den Sieg davonträgt, ist leider kaum zweifelhaft. So trägt das gewaltige englische Reich den Todeskeim in sich, das einst bestimmt war, dem Vordringen des barbarischen Rußland im In⸗ teresse des zivilisierten Europa Schranken zu ziehen. Aber die herrschenden Klassen Englands haben statt einer wahrhaft großen Politik nur Räuber⸗ und Krämerpolitik getrieben und haben alle allgemein menschheitlichen Bestrebungen in grobem Egoismus unterdrückt. Das Schicksal Englands sollte die„Welt⸗ politiker“ warnen, aber wer kann verlangen, daß solche„ewig Blinden“ die Lehren der Welt⸗ geschichte verstehen? Politische Rundschau. Gießen, 19. Januar. Geldbeutel⸗ Patriotismus. Die zuerst von unserm Essener Parteiorgan gebrachte Meldung, daß Herr Krupp in Essen, der langjährige frei⸗kouservative Ab⸗ geordnete und lauteste Rufer in jedem Streit um Heer⸗ und Flottenvermehrung, die für jeden deutschen Vaterlandsfreund obligate heiße Vurenfreundschaft durch Munitions⸗ lieferungen an England dokumentiert, erfährt nun plötzlich eine offiziöse Besrätigung. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt an leitender Stelle: „In der Presse ist wiederholt berichtet worden, daß die Firma Krupp in Essen mit der schleunigen Ausführung eines großen Auftrages zur Lieferung von Stahl⸗ granaten an England beschäftigt sei. Dabei hat man die Frage aufgeworfen, ob es mit den Pflichten strenger Neutralität, die das deutsche Reich in dem südafrikanischen Krieg beobachtet, verträglich erachtet werden könne, wenn Lieferungen von Kriegsmaterial aus Deutschland an eine der kriegführenden Parteien ausgeführt würden. Wie wir er⸗ fahren, wird diese Frage an zuständiger Stelle vereint, und es ist deshalb die Firma Krupp alsbald nach dem Erscheinen jener Meldungen ersucht worden, die etwa beabsichtigte Ab⸗ sendung von Waffen, Geschützen, Munition oder anderweitigem Kriegsmaterial an eine der beiden kriegführenden Parteien einzu- stellen. Aus dem offiziösen Jargon in das Deutsch der schlichten Umgangssprache übersetzt, ist diese Notiz des Regierungsorgans ein Denkzettel für Herrn Krupp, der an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig läßt. Die bittere Pille wird auch nur schwach durch das rücksichtsvolle Er— suchen versüßt, die„etwa beabsichtigten“ Muni⸗ tionssendungen„an eine der beiden krieg⸗ führenden Mächte“ einzustellen. Daß Herr Krupp am liebsten sähe, daß beide, Buren wie Engländer, die Wirkung seiner Stahl- granaten aneinander erprobten, dürfte allerdings zutreffen. Der Fall Krupp lehrt von neuem eine alte Wahrheit: die von der Internationalität ———— —— r noch nicht da. ä— ů ů—— Seite 2. Witieldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. A. des Kapitalismus. Herr Krupp, der als Industriemagnat bei jeder Flottenvermehrung den Löwenanteil einheimst, zählt zu den Führern einer Bewegung, die eine mit allen Mitteln skrupelloser Agitation und Verhetzung erfolgte Verstärkung der deutschen Seemacht ausschließlich zu dem Zwecke einer Bekriegung und Unterdrückung des englischen Staates herbei⸗ geführt wissen will. Und derselbe Herr Krupp hält es mit dieser Führerrolle für ver⸗— einbar, die Macht desselben„treulosen“ und verabscheuten Englands nach Maßgabe seiner Mittel im Interesse seines privaten Profits direkt zu stärken. Nackte Interessenpolitik, die von Fall zu Fall bei Freund und Feind nimmt, was sie findet. Begeisterung ist keine Pökelware. Den im Dienste Krupps stehenden Organen, die für Geld und gute Worte Flottenpropa⸗ ganda machen, arbeitet die Regierungsmaschinerie nicht schnell genug. Sie beklagen sich darüber, daß die Flottenvorlage immer noch nicht vor⸗ gelegt ist. Krupp hat's eilig. Die Granaten⸗ lieferung nach England soll ihm verpfuscht werden und nun fürchtet er, daß schließlich auch das Millionengeschäft mit der Flottenver⸗ größerung flöten gehen könne, wenn die„Flotten⸗ begeisterung des Volkes“, von der seine Tinten⸗ kulis schwindeln, nicht bald ausgenützt würde. In einem der flottentollsten Unternehmerblätter wird gesagt: infolge der Beschlagnahme deut⸗ scher Schiffe durch England sei die Stimmung der Bevölkerung für den Kriegsschiffsbau: „Aber auch hier heißt es, das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Auch Flottenbegeisterung ist keine Ware, die man ohne weiteres einpökeln kaun, um sie je nach Bedarf hervorzu— holen und zu gebrauchen. Sie muß namentlich bei uns zu Lande, wo man nur schwer und unvollkommen in Begeisterung zu geraten pflegt, recht schnell ausgenützt werden, sonst verfliegt sie wieder und ist nicht mehr da, wenn man sie braucht.“ Die Interessenten halten also den richtigen Augenblick für gekommen, das deutsche Volk auszubeuteln. Sie bilden sich ein, durch ihren täglichen Spektakel von den englischen Ueber⸗ griffen u. s. w. den deutschen Michel in die nötige Stimmung versetzt zu haben. Schnell soll gehandelt werden, bevor Michel wieder zu sich selber kommt. Die Schlauberger! Aber sie täuschen sich dennoch. Begeisterung für eine abenteuerliche Eroberungspolitik läßt sich nicht nur nicht einpökeln, sie läßt sich auch nicht leicht hervorrufen und— bis jetzt ist Begeisterung für den Wassermilitarismus herrscht nur in den Spalten der aus der Krippe der Kanonenpatrioten ge⸗ speisten Zeitungen, bei den Mordwaffenfabri⸗ kanten und deren freiwilligen Reklamemachern, zu denen außer einigen Professoren auch die flottensozialen Naumänner gehören. Aber wer steht hinter all diesen„Wasserbegeisterten“? Hinter den Professoren niemand! Und hinter den Naumännern? So viel, daß sie nicht im stande waren, für das ganze Deutsche Reich ein einziges zeitgemäßes Tages⸗ Zentralblatt über Wasser halten zu können. Möglich, daß sie gerade deshalb ein„größeres Deutschland“ anstreben, damit ihr Abonnenten⸗ — noch weiter abgesteckt werden ann. Die vorhandene Begeisterung wiegt feder— leicht im Vergleich zu dem Widerwillen, der die große Masse des Volkes nicht nur gegen die Flottenvorlage, sondern gegen die ganze heutige Regierungspollitik beseelt. Unsere Kolonial⸗Herrlichkeit. Zu den„Plätzen an der Sonne“, deren uns die Welkmachtspolitiker noch weit mehr bescheren wollen, gehört auch die schöne Gegend Deutsch⸗Ostafrika. Dem Reichstag ist darüber jetzt ein Bericht zugegangen. Danach sieht es recht traurig aus iu diesem Gebiet, von dem die Kolonialfexe behaupteten, es würde sich dereinst zur Ausiedelung deutscher Bauern eignen. Die Gesamtzahl der Deutschen in dem weiten Gebiet von Ostafrika beträgt nicht mehr als 81 Personen, Frauen und Kinder einbegriffen. Von diesen 881 kommen aber 222 auf die Zivilverwaltung des Schutzgebietes und 172 auf die Schutztruppe. Kaufleute finden sich auf diesem weltpolitisch errungenen Besitz ganze 55, Pflanzer 62, Handwerker 53, Händler und Gastwirte 11. Missionare sind 153 thätig. Es ist aber auch wirklich nicht zu verwun⸗ dern, daß die deutsche Bevölkerung in Ostafrika nicht höhere Ziffern aufweist. Denn was die Denkschrift über die Gesundheitsverhältnisse er⸗ zählt, ist im höchsten Grade abschreckend. Der offizielle Sanitätsbericht für das gesamte Schutz⸗ gebiet spricht von großen Heuschrecken— schwärmen und von Hungersnot. Der letzteren sind viele Menschen zum Opfer gefallen. Furchtbar gewütet hat die Kuhr und andere Darmkrankheiten.„Ein allgemein verbreitetes Leiden gerade unter den durch Hunger und Elend meist völlig gleichgiltig und apathisch gewordenen Notleidenden waren ausgedehnte Zerstörungen von Fingern und Zehen durch Vereiterungen, die aus Sandfloh⸗Geschwüren entstanden waren, wodurch nicht wenige Leute zum Krüppel geworden sind.“ Außerdem herrschten die Pocken und Lepra(unheilbarer Aussatz). Befürchtet wird die Einschleppung der Pest. 5 Merkwürdig, daß die Begeisterung für die Flottenvergrößerung, die Voraussetzung weiterer Kolonienerwerbung, noch nicht mehr um sich gefressen hat. Das Heer derjenigen, die nicht alle werden, ist doch so groß. Spaßige Flottenmänner. Die von den Flottenaposteln arrangierten Versammlungen werden miserabel besucht. Um nun für Berlin, wo sich absolut nichts von Flottenbegeisterung bemerklich machen will, ein neues Zug⸗ und Paradestück zu schaffen, war die Berliner historische Vereinigung auf den Ausweg verfallen, eine große Flottenver⸗ sammlung zu veranstalten, in der vier Pro⸗ fessoren und vier sozialdemokratische Abgeordnete zur Flottenfrage sprechen sollten. Prof. Delbrück sagte einen Vortrag zu und die Professoren Wagner, Schmoller und Sering wollten, wenn möglich, an der Debatte teil— nehmen. Von unseren Genossen wurden Bebel, Auer, Heine und Schippel zur Teilnahme ein⸗ geladen, sie haben aber bestens gedankt. Wenn die Wasserapostel mit aller Gewalt gern einmal zum Volk sprechen wollen, mögen sie in die sozialdemokratischen Versammlungen kommen. Daß unsere Genossen zu ihnen, die niemand hinter sich haben, kommen sollen, um ihren Versammlungen guten Besuch zu sichern und dieselben interessant zu machen, können sie wirk⸗ lich nicht verlangen. Naumann abgeblitzt. Eine stark besuchte Volksversammlung tagte am Freitagabend in Oberlungwitz bei Chemnitz. Pfarrer Naumann, der Führer der National- sozialen, sprach in einer zweistündigen Rede für die Flottenvorlage. Gen. Schöpf— lin⸗Chemnitz trat Herrn Naumann entgegen. Eine von Herrn Naumann eingebrachte Reso⸗ lution, die sich für die Vorlage erklärte, wurde abgelehnt. So kommt es, wenn die Sehnsucht der Herren nach dem Volk einmal Erfüllung findet. Sie sind gescheit genug, nicht zu uns zu kommen; erscheinen wir aber einmal bei ihnen, so erleiden sie klägliche Niederlagen. Eine wichtige Mission. Täglich wird Nachricht aus England er⸗ wartet wegen der Beschlagnahme des„Bundes— rat“ in der Delagoabai. Die Stimmung in Deutschland wird für England immer un— günstiger. Selbst in Kreisen, die sich gänzlich frei wissen von dem albernen Englandhaß nimmt die Eutrüstung zu. Da kommt folgen⸗ des Telegramm aus Berlin: „Der Chef des Marine⸗ Kabinetts, Vizeadmiral Freiherr von Senden⸗Bibran, ist vom Kaiser in besonderer Mission nach London gesandt und hat die Reise dorthin am Samstag früh angetreten.“ Aha, jetzt wird Ernst gemacht. Die Wasser⸗ politiker und alle übrigen Wasserköpfe atmen freudig auf. Jetzt wird den Engländern gezeigt, was eine Harke ist u. s. w.— Da kommt wieder ein Berliner Telegramm: „Vizeadmiral von Senden⸗Bibran ist, wie alljährlich um diese Zeit, zusammen mit dem Kontreadmiral Eisendecher nach England ge— reist, um dort für den kaiserlichen Jacht⸗ klub das Programm für die Regatten dieses Jahres, besonders für die Regatta nach En land, mit den maßgebenden eng⸗ lischen Persönlichkeiten festzustellen.“ Ae—ä-äh! Also doch nicht. Nur eines Vergnügungszweckes wegen. Die langen Gesichter bei denen, die ihre Zukuaft auf dem Wasser wähnen. Wer hat Interesse an Kriegen? Lediglich ehrgeizige Gewalthaber und der Kapitalismus. Ein belgisches Blatt stellt jetzt fest, daß der englische Kolonialminister Cham⸗ berlain, der den brutalen Krieg mit den Buren angezettelt hat, Aktieninhaber zahlreicher Gesellschaften ist, die teils Kriegswaffen liefern, teils in Südafrika Geschäfte machen. Aber nicht nur der Minister selbst, sondern auch seine ganze Verwandtschaft ist geschäftlich sehr an diesem Kriege interessiert. Krassér ist wohl noch nie das gewissenlose Spekulantentum beleuchtet worden als in diesem Fall. Buren und Eng⸗ länder müssen sich gegenseitig abschlachten, weil es im Interesse skrupelloser Kapitalisten liegt. Ein schmachvoller Zustand. Ein neuer Wahlsieg. In Reuß ä. L. ist die Landtagswahl für den 3. Wahlkreis zu gunsten der Sozial⸗ demokraten ausgefallen. Damit wird in den Landtag des Fürstentums Reuß ä. L. der erste Sozialdemokrat einziehen, und zwar das Ge— meinderatsmitglied Feustel⸗Greiz. Nun ist von den Landtagen der acht thüringischen Staaten nur noch derjenige zu Sondershausen ohne sozialdemokratischen Abgeordneten.— Der wird noch kommen! Wird Miquel leichtsiunig? Der neue Etat des preußischen Handels⸗ ministeriums verzeichnet bereits die im Reichs⸗ tag von Posadowsky angekündigte versuchs— weise Einstellung zweier weiblicher Hilfskräfte für die Gewerbeinspektion, je eine in Berlin und M. Gladbach, mit einem Jahresgehalt von je 2400 Mk. Wie vorsichtig die Preußen sind, wenn es sich um eine Maßregel handelt, die im Interesse der Arbeiter liegt, die anderswo längst als gut befunden ist. Zwei Inspekt rinnen für zusammen 4800 Mark in dem gewaltigen Preußen. Und nur versuchsweise! Ja, man hört schon munkeln, daß der Miquel in seinen Mußestunden die Konkursordnung studiert. Antisemiten für den Heringszoll. Die„Staatsbürgerzeitung“ bedauert es, daß der Reichstag in seiner Sitzung vom 9. d. M. den Kommisstonsantrag, eine Petition betr. die Erhöhung des Heringszolls, dem Reichs— kanzler als Material zu überweisen, abgelehnt und den Antrag auf Uebergang zur Tages⸗ ordnung angenommen hat. Eine Erhöhung des Heringszolles würde, wie wir schon ein⸗ gehend dargelegt haben, dem arbeitenden Volke ein unentbehrliches Nahrungsmittel verteuern zum Vorteil der kapitalistischen Hochsee⸗ fischerei. Es ist sehr charakteristisch, daß es immer die Antisemiten in Gemeinschaft mit den Hochkonservativen sind, die in dieser Weise ihre Volksfreundlichkeit bekunden. Ausländisches. Italien. Der Sohn des mehrmaligen Ministerpräsidenten Crispi, der ins Ausland geflüchtet ist, wurde wegen eines Juwelendieb⸗ stahls zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. In Italien hängt man auch die Kleinen und die Großen läßt man laufen. Wenn man dort die Großen fassen wollte, müßte der alte Crispi längst hinter Schloß und Riegel sitzen. 3 1 . At au g Witwe uni f Hegele 1 angel, 0 10 Abele 0 nulewafel. 1 71 alle kur füt Wiwen⸗ ul grislich 50 Hliebenen der Versich Arrariern Die 8 glcdowi 100 Mill den unge lecht; dal auf den 3 Kasernel, Mulionen, nach im tausend u berwen nal und Hunt Zweckes, 9 slonen Nl wäte eilte luer andere Ne und Waise und sehr und die Mit g lution St Regierung wird. 2 der Rege die Witw Ii beralung, Gen. Re der Loht in der t. Cenosse Verhältn bon 23 und auß selbst l sodaß ein Dutzen! Sozialde Nacht m es nicht kommt essen sunst ni wie die Für ein fd die (Hört, Haurige Holzscn den thll den Arb Es ist! emal sch an schieten, dulden. Sta daß in warenin Reglern etwas f Lcbeng keinen beuhle bei den dem 0 Ge ei für Leute ö ist bon taaten ohne wird indels⸗ eichs⸗ Uchs⸗ licher ou, je einem un es teresse Was en für altigen Ju, b nel in diert. ligen 1245 diebe ad die bort alte Nr. J. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Aus dem Reichstag. Am Freitag beschäftigte sich der Reichstag mit der Witwen⸗ und Waisen⸗Bersicherung. König Stumm und die Sozialdemokraten begegneten sich— ein seltener Fall— in dem Ver⸗ langen, alle der Invaliditäts versicherung unterliegenden Arbeiter auch der Witwen⸗ und Waisenversicherung zu unterwerfen. Der Zentrums mann Dr. Hitze wollte nur für alle in Fabriken beschäftigten Arbeiter die Witwen⸗ und Waisenversicherung geregelt wissen. Sehr christlich von den frommen Zentrumsherren, die Hinter⸗ bliebenen der land wirtschaftlichen Arbeiter von der Versicherung auszuschließen, und warum? Um den Agrariern keine Beitragsleistungen aufzuerlezen. Die Reichsregierung verhielt sich ablehnend. Graf Posadowsky machte auf die„ungeheuren Kosten“. 100 Millionen Mark das Jahr— aufmerksam. Mit den„ungeheuren Kosten“ hat Graf Posadowsky ja gewiß recht; denn bei der Beurteilung von Kosten kommt alles auf den Zweck an. Wenn es sich darum handelt, für Kasernen, Kanonen, Kriegsschiffe und Soldaten 600 Millionen Mark jährlich auszugeben, und außerdem noch im Laufe der nächsten 16 Jahre zwei⸗ bis drei⸗ tausend Millionen auf Kur der Wassersucht zu verwenden, die jedenfalls eine gefährlichere und namentlich teurere Krankheit ist, als die Wasserscheu und Hundswut— so find das, in Anbetracht des Zweckes, ganz geringfügige Ausgaben. Aber 100. Mil⸗ lionen Mark jährlich für das arbeitende Volk— das wäre eine„ungeheure“ Verschwendung. Unser Genosse Molkenbuhr stellte freilich eine andere Rechnung auf; 100 Millionen für die Witwen und Waisen der Arbeiter— das sei eine wahre Lumperei und sehr leicht zu beschaffen, nur müsse man wollen und die Lasten auf die„tragfähigen Schultern“ legen, Mit großer Mehrheit nahm der Reichstag die Reso⸗ lution Stumm an. Nun bleibt abzuwarten, was die Regierung dem Wunsche des Reichstags gegenüber thun wird. Vor lauter Weltpolitik und Schiffsbauerei bleibt der Regierung wahrscheinlich nicht viel Zeit übrig, an die Witwen und Waisen der Arbeiter zu denken, In der Samstagssitzung wurde die Etats⸗ beratung, Titel: Reichsamt des Innern, fortgesetzt. Gen. Reißhaus verlangte gründlichere Untersuchung der Lohnarbeitszeit und Arbeits verhältnisse der Arbeiter in der thüringer Spielwaren-Hausindustrie. Unser Cenosse entwarf ein grauenhaftes Bild von den Verhältnissen dieser Arbeiter. Für ein Dutzend Puppen von 23 Centimeter Länge werden 95 Pfennig gezahlt und außerdem müssen die Arbeiter noch das Material selbst liefern, die Unkosten betaufen sich auf 83 Pfg., sodaß ein Verdienst von 12 Pfennig für das Dutzend Puppen übrig bleibt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei arbeiten die Leute Tag und Nacht mit Weib und Kind. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß es dort heißt:„Der Hund kommt nicht aus der Küche heraus“, d. h. die Leute essen Fleisch, wenn sie mal einen Hund haben, sonst nähren sie sich von Kartoffeln.— Noch schlechter wie die Arbeiter sind natürlich die Arbeiterinnen gestellt. Für ein Dutzend Puppenhosen erhalten diese/ Pfg., sind dieselben mit Spitzen garniert 1¼ Pfg. per Dutzend. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In gleich trauriger Lage, wie diese Arbeiter, befinden sich die Holzschnitzer. Während Tausende von Städtern sich in den thüringischen Bergen Erholung suchen, herrscht unter den Arbeitern die Schwindsucht in erschreckendem Masse. Es ist durchaus notwendig, daß die Verhältnisse dort einmal eingehend festgestellt werden. Ein Staat, der sich anmaßt, an der Spitze der Kulturvölker zu mar⸗ schieren, darf solche Zustände in seinem Lande nicht dulden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky erkennt an, daß in der Hausindustrie und besonders in der Spiel⸗ warenindustrie sehr traurige Zustände herrschen. Die Regternng könne aber gegen solche Zustände nur insofern etwas thun, als sie für Schutz der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter sorgt. Auf die Lohnhöhe könne sie keinen Einfluß ausüben. Man könne den so schlecht bezahlten nur raten, ihren Beruf zu wechseln.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Sie sollten sich Arbeit auf dem Lande suchen. Genosse Reißhaus wies darauf hin, wie schwer es für jene Unglücklichen sei, den Beruf zu wechseln. (Was sollen denn die ausgemergelten, halbberhungerten Leute für einen Beruf ergreifen? Daß sie Landarbeit verrichten sollen, wie Graf Posadowsky meinte, ist doch ausgeschlossen.) Genosse Bebel wies auf das ueberhandnehmen der Hausindustrie hin, besonders auch in der Zigarrenindustrie. Er fordert die Stellung der Hausindustrie unter die Aufsicht der Gewerbeinspektoren. Graf Posadowsky erklärt, daß eine Verord⸗ nung über die Hausindustrie der Zigarren⸗ Dem Staatssekretär wurde das Gehalt bewilligt. Montag keine Sitzung. Dienstagssitzung. Gen. Stadthagen erhob von neuem gegen die reichsgesetzliche Fürsorge für die Arbeiter den Vorwurf der absoluten Unzuläng⸗ lichkeit; insbesondere lasse die Unfall versicherung zu wünschen übrig. In einem einzelnen Jahre habe die Zahl der Verwundungen 90 049 betragen; diese Zahl sei von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen, sie über⸗ treffe bei weitem die Zahl der Verwundungen im deutsch⸗ französischen Kriege. Durch die Abwälzung auf die Krankenkassen hätten die Unternehmer Millionen erspart. Im ganzen würde das Unternehmertum als solches durch die Verkürzung der Schadenersatzpflicht einen Vorteil von weit über 100 Millionen davontragen. Selbst wenn man nur 25 pCt. der Unfälle auf die Verschuldung der Arbeitgeber zurückführt, so hat dadurch das Unter⸗ nehmertum in einem Jahre 27 Millionen gewonnen. Es ist darnach wirklich an der Zeit, die Frage ernsthaft zu behandeln, ob der Arbeiter nicht vollen Schadenersatz für den erlittenen Unfall verlangen kann. Die Zahl der Unfälle steigt fortwährend; die gewerblichen Unfälle hatten 1896 die Höhe von 44 000 erreicht, darunter 4600 mit tödlichem Erfolge. Während aber die Zahl der Vollrenten im Jahre vorher noch 595 betrug, sank sie 1896 auf 538. Diesem Zustande müsse im Interesse von ganz Deutschland ein Ende ge⸗ macht werden. Staatssekretär Graf Posadowsky und der Abg. Rösicke suchten die Ausführungen unseres Geuossen Stadthagen zu widerlegen, hatten aber nicht viel Glück damit. Abg. Böckel(Antis.) bemängelt die Handhabung der Unfallgesetze und der gerichtlichen Entscheidungen. Danach wird das Kapitel sowie der Rest des Ordinariums bewilligt. Es folgt die Beratung der Gesetzentwürfe betreffend die Konsulargerichtsbarkeit und die Patentanwälte. Beide Entwürfe werden nach längerer Debatte an je eine 14⸗ gliedrige Kommission verwiesen. Der Krieg in Südafrika. * Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze lauten für die Engländer fortgesetzt ungünstig. Von General Buller ist mehrere Tage keinerlei Botschaft gekommen. Ladysmith, in dem die Engländer unter„Führung“ des Generals White seit Monaten eingeschlossen sind, wird von den Buren hart bedrängt. Lange kann die Uebergabe der Stadt nicht mehr auf sich warten lassen. Aus Rom wird gemeldet: „Die englische Regierung hat an die Kabinette von Rom und Wien vertrauliche Anfragen ergehen lassen, ob Oesterreich⸗Ungarn und Italien gegen eutsprechende Vergütung sämmtlicher Kosten, sowie von später zu ver⸗ einbarenden territorialen Zuwendungen geneigt wären, je 5000 Mann Infanterie⸗ und Kavallerietruppen z ur ge⸗ meinsamen Besetzung Egyptens dorthin zu entsenden, und dadurch der englischen Regierung zu ermöglichen, 10 000 Mann regulärer Truppen aus Egypten zu ziehen und nach Südafrika dirigiren zu können. Die italienischen Truppen sollen für das südliche Egypten und den Sudan, die österreichisch⸗ungarischen für das nördliche Egypten die Besatzung bilden. Die österreichisch⸗ungarische Re⸗ gierung habe bereits auf diese Anfrage ablehnend geantwortet. Die Antwort der italienischen Regierung stehe noch aus, dürfte jedoch gleichfalls ablehnend lauten.“ Um diese Nachricht wird sich zunächst wieder in allen Kneipen die Kannegießerei drehen. Wir glauben an die Meldung nicht. Deutschland und England. * Am Mittwoch ist im Reichstag folgende Interpellation eingebracht worden: „Welche Schritte haben die verbündeten Regierungen gegenüber der Beschlagnahme deutscher Schiffe durch Organe der englischen Regierung gethan?“ Am Freitag will die Regierung die An⸗ frage beantworten. Inzwischen ist aber vom englischen Botschafter in Berlin auf die Beschwerden wegen der Beschlagnahme der Schiffe eine Erklärung abgegeben, welche die schleunige Freigabe des Dampfers„Bun⸗ desrat“ zusagt, in welchem übrigens keine Kontrebande gefunden worden ist, und ferner eine befriedigende Erledigung der Entschä⸗ digungsfrage, sowie eine Garantie dafür zusichert, daß ähnliche Zwischenfälle in macher in Vorbereitung sei. Zukunft nicht mehr vorkommen werden. Damit wäre der Streitfall mit England in befriedigender Weise beigelegt, ohne daß Kriegsschiffe einzugreifen brauchten, wie das von gewisser Seite am liebsten gesehen worden wäre. Auch werden viele Leute bedauern, daß sie mit ihrem wässerigen Kohl von den beschlag⸗ nahmten Schiffen nicht mehr zu gunsten der Flottenvergrößerung hausieren gehen können. Wenn die Sache nicht gar zu unmöglich erschien, hätte man annehmen können, der„Bundesrat“ sei auf Bestellung beschlagnahmt wor⸗ den, um den deutschen Flottenaposteln ein zug⸗ kräftiges Agitationsmittel für ihre Wasserpolitik zu verschaffen.— Wir können nur wünschen, daß am Freitag, im Reichstag die Besprechung der Interpellation. in sachlicher Weise geschieht. Sollte von den flottenbegeisterten Wassermännern gar zu sehr in Weltmachtsphantasien geplätschert werden, dann wird es hoffentlich an den nötigen kalten. Douchen nicht fehlen. Es ist dringend erforder⸗ lich, daß man den Wasserfexen die heilsame Wirkung des kalten Wassers einmal gründlich, plausibel macht. Pon Rah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkom nen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle: zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Dem hessischen Landtag ist vom Ministerium ein Gesetzentwurf unter⸗ breitet, demzufolge die Artikel 64 und 67 der Verfassungsurkunde, welche von der drei— jährigen Finanzperiode handeln, derart geändert werden, daß die Bestimmungen derselben für einjährige Wirtschaftsperioden gelten. Und als Ergänzung dieser Verfassungs-Aenderung ist gleichzeitig ein Gesetzentwurf betreffend die Festsetzung der Staatshaushaltsperiode den Ständen zugegangen. Da diese Neuerung eine unserer alten Forderungen erfüllt, so konnen wir dieselbe mit Befriedigung unterstützen. Ferner ist dem Landtag wieder der in der vorigen Session unerledigt gebliebene Gesetzent⸗ wurf über die Gemeindeumlage zugegangen. Der Entwurf ist nur in zwei unwesentlichen Punkten redaktionell abgeändert. Dieser Ge⸗ setzentwurf kann unsern Beifall nicht ohne weiteres finden. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Nach der dem Reichstag zugegangenen Uebersicht über die Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschaften für 1898 waren in diesem Jahr bei 65 gewerblichen und 48 landwirt⸗ schaftlichen Berufsgenossenschaften in 5110 542 Betrieben 17 505 905 Personen versichert und außerdem bei 409 Ausführungsbehörden 740108 Personen. Die Zahl der Unfälle, für die im Jahre 1898 zum erstenmal Entschädigungen festgesetzt wurden, beträgt 98028! Darunter sind 7981 mit tödlichem Ausgange und 1139 mit dauernder völliger Erwerbsunfähig⸗ keit. Die Getöteten hinterlassen 5996 Witwen und 10601 Kinder. Zur An⸗ meldung gelangten 407 52. Unfälle. Der Prozentsatz der Getöteten war(ohne Berück- sichtigung der Versicherungsanstalten der Bau⸗ gewerks⸗Berufsgenossenschaften, deren Mit⸗ gliederzahl nicht feststeht, aber nicht groß ist) nur in drei Jahren, nämlich 1886, 1887 und 1890 höher, sonst stets niedriger wie 1898. Dagegen ist der Prozentsatz der dauernd völlig Erwerbungsunfähigen seit 1887 in beständigem gleichmäßigen Sinken begriffen. Wieviel davon freilich auf das Konto der Rechtsprechung der Vertrauensärzte, der Rentenquetschen ꝛc. zu setzen ist, läßt sich nicht nachweisen. Die Gesammtsumme der 1898 gezahlten Entschädigungen beläuft sich auf rund 71 Millionen Mark, die Verwaltungskosten betragen 8 158 000 M.— Die„Märkische Volkzt.“ spricht den Wunsch aus, daß zur Unfallversicherungs⸗Novelle Ge⸗ währung freier Reise nach dem Orte des Reichs⸗Versicherungsamts für die Verletzten beantragt werde. Seite J. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. A. Wir stimmen diesem Vor⸗ anschlag, den wir schon früher wiederholt er⸗ hoben haben, durchaus zu. Gegen die Stempelgebühren! * Die Sozialdemokraten in der Zweiten hessischen Kammer haben folgenden Antrag ein— gebracht: Hohe Kammer wolle großherzogliche Re— gierung ersuchen einen Gesetzentwurf vorzu⸗ legen, betreffend Erhöhung resp. Ein⸗ führung der Progression(Steigerung) bei der Einkommens-, Vermögens-, und Erbschafts⸗ steuer und demgemäße Aufhebung der Stempelabgaben und Gebühren. Die im letzten Landtag eingeführten Stempel⸗ gebühren sind die denkbar ungerechtesten und drückendsten Abgaben. a waren nur die Sozialdemokraten. Wenn die Herren Bürgermeister ein so großes Inter— esse daran gehabt hätten, das ganze Volk vor ungerechten Steuern zu bewahren, hätten ste gegen die Stempelgebühren so auf⸗ treten müssen, wie sie gegen das Notariat spektakelt haben. Das haben sie aber bleiben lassen. Sie haben lediglich gegen das Notariat gewütet, weil ihnen durch die Einführung desselben Gebühren entgehen. Neue Postbestimmungen. * Es herrscht vielfach Unklarheit über die Giltigkeit der neu ausgegebenen Postmarken im Werte von 2 Pfennigen. Diese Marken er⸗ halten ihre eigentliche Bestimmung erst mit der am 1. April ins Leben tretenden Postnovelle. Von da an wird der Tarif der Postkarten im Ortsverkehr auf zwei Pfennig er⸗ mäßigt und zur Frankierung dieser Lokalpost⸗ karten dient die Zweipfennigmarke. Außerdem nur noch zur Frankierung offener Druck- sachen, die auch eine Ermäßigung vom 1. April an erfahren. Bis 1. April dürfen die Zwei⸗ pfennigmarken nur zur Ergänzung dienen. Briefe, die jetzt 10 Pfg. kosten, aber nur 15 Gramm wiegen dürfen, können ab 1. April bis zu 20 Gramm wiegen. Ins Stammbuch der Mittelstandslente. * Daß die kleinen Geschäftsleute ꝛc alle Ursache haben, sich rückhaltlos mit der Arbeiterschaft solidarisch zu erklären, sagt ihnen in dürren und durchaus beherzigenswerten Worten der Bericht der Lübecker Handels⸗ kammer, worin es heißt:„Der Kleinhandel fand seinen Rückhalt an einer guten Lohn- und Erwerbslage in den unteren und mittleren Be⸗ völkerungsschichten, sodaß sich, wie im Vorjahr so auch in diesem Jahr, eine erhebliche Steige⸗ rung des Konsums durchweg wohlthuend be— merkbar machte.“— Man sollte erwarten, daß die Vertreter des Kleinhandels sich dies genau einprägen. Ein kleiner Fortschritt. Ein Fortschritt auf dem Gebiete der Volks⸗ bildung ist in Baden zu verzeichnen. Das Kultusministerium hat beschlossen, eine Petition der deutschen Friedensgesellschaft, welche ver— langt, aus den Schulbüchern Alles, was das ästhetische und sittliche Gefühl der Kinder ungünstig beeinflussen könnte, als Schlachtenberichte, Gedichte, in welchen der Massenmord verherrlicht wird, zu ent— fernen, gebührend zu berücksichtigen. Die Nationalliberalen heulen natürlich vor Wut. Rechtssprechung. § Beleidigende Blicke. Der Händler Flieger aus Krefeld war vom Schöffengerihht zu Krefeld wegen Beleidigung. Arbeitswilliger (Streikbrecher) während des Färberstreiks zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden Er selbst sowie der Amtsauwalt legten gegen die ses Urteil Berufung ein. Die Strafkammer in Düsseldorf erhöht die Strafe auf 14 Tage, obwohl Flieger 5 Zeugen dafür beibrachte, daß nicht er, sondern ein streikender Färber das Wort„Streikbrecher“ gebrauchte. Der Färber bestätigte dies. In der Urteilsbegründung wurde nun darauf hingewiesen, dat die Ar⸗ beitswilligen sich auch durch die Blicke Te bes Ernstliche Gegner Angeklagten beleidigt gefühlt hatten.— Das mögen sich die Arbeiter merken. Und wenn ihnen ein Streikbrecher, die ein englischer Richter mit Vaterlandsverrätern auf gleiche Stufe stellte, zu Gesicht kommt, dann bitte recht freundlich blicken, damit's die Staatsstütze nicht krumm nimmt.— Wie viele werden das Urteil des Krefelder Gerichts nicht vorstehen? § Keine Rüpel? Von einem merkwür⸗ digen Urteil wird aus Bremen berichtet. Nach dem Kommers, der im vorigen Sommer den Geestemünder Marinemannschaften zu Ehren der Anwesenheit des französischen Kriegsschiffes „Ibis“ gegeben war, belästigten einige Matrosen-Artillerie-Maaten in Lehe zwei Frauen. Sie riesen ihnen Redensarten zu, die, so berichtet die„Norddeutsche Volksstimme“, „mehr als gemein waren“. Die Maaten der dritten Matrosen⸗Artillerie-Divlsion in Lehe stellten deswegen Strafantrag, aber das Schöffengericht in Bremerhaven sprach unseren Genossen Redakteur Dittmann kostenlos frei, da der Wahrheitsbeweis erbracht worden sei.— Der Amtsanwalt legte jedoch Berufung ein, und nun wurde der Wahrheitsbeweis vor der Bremer Strafkammer nochmals erbracht. Indessen der Staatsauwalt erklärte, es sei wohl festgestellt, daß die Maaten in roher und gemeiner Weise die Frauen belästigt hätten, aber wenn der Angeklagte ihnen deswegen auch ein„rüpelhaftes Benehmen“ hätte vor⸗ werfen dürfen, sei er doch nicht berechtigt ge— wesen, sie„Rüppel“ zu nennen. Das Gericht beriet über die eigenartige Frage eine halbe Stunde und dann verkündet er die Verurteilung Dittmanns zu 10 Mark Geldstrafe wegen for⸗ meller Beleidigung, indem er noch besonders die Berufung auf§ 193 bestritt: ein besonderes Recht der Presse, das Interesse des Publikums wahrzunehmen, könne nicht anerkannt werden. Genosse Dittmann meldete sofort die Revision gegen dieses auffallende Urteil an. Kleine Mitteilungen. ** Gießen. Mit einem Defizit von an⸗ nähernd 8000 Mark hat das große Schützenfest, das im Juli vorigen Jahres stattfand, abge⸗ schlossen. Die Stadtverordneten bewilligten deshalb einen Nachlaß für das aus der städti⸗ schen Waldung gelieferte Holz. ** Wieseck. Am Samstag fand hier wieder eine Tabakarbeiterversammlung statt. Herr Beckmann schilderte in einstün⸗ diger Rede, wie den Fabrikanten durch die Gleichgültigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen wahre Riesenprofite zufielen, während die Ar⸗ beiter mit den erbärmlichsten Löhnen abgespeist würden. Hier und da wären dieselben sogar noch stolz darauf, wenn ihnen ein paar Mark als 1 in die Hand gedrückt würden. Redner forderte zu engem Zusammenschluß auf. Nur vereinte Kräfte könnten zum Ziel führen. Und das Ziel sei: bessere Arbeitsbedingungen. — Zu Punkt 2 teilte der 1. Bevollmächtigte mit, daß die Mitgliederzahl der Zahlstelle Wieseck innerhalb zwei Monaten von 15 auf 100 gestiegen sei. Das dürfe uns stolz, aber nicht zufrieden machen. Am bedauernswertesten sei es, daß eine Anzahl Drückeberger, die ihre Beiträge„sparen“ wollten, sich hinter den Ar⸗ beiterinnen verschanzten und die Behauptung aufstellten, diese letzteren wären nicht zu ge⸗ winnen und deshalb sei ein Erfolg ausgeschlossen. Die Mittliederlisten wiesen das Gegenteil nach. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, in der bisherigen Weise weiter zu agitieren und demnächst eine Versammlung abzuhalten, in der eine Frau referieren soll.— Die Abrechnung wurde für richtig befunden.— Nach längerer Diskussion wurde der erste Bevollmächtigte trotz seines Protestes wiedergewählt. Er wollte auf eine Wiederwahl verzichten, weil es möglich sei, daß der eine oder andere vielleicht an seiner Person Anstoß nehme. Bock tect dem energisch entgegen. Auf solche Leute, die nur außerhalb der Versammlungen kritisieren, könne man keine Rücksicht nehmen. Der seitherige erste Bevoll— mächtigte sei als tüchtiger Kollege allgemein bekannt. Dem wurde allgemein zugestimmt.— Dieser Vertrauenskundgebung setzte der seitherige erste Vorsttzende keinen Widerstand mehr ent⸗ gegen, nahm die Wiederwahl an und schloß dann die Versammlung mit einem Appell an das Pflichtbewußtsein der Anwesenden. ** Heuchelheim. Die Leiche des seit dem 1. Januar vermißten 50jährigen Bahnarbeiters Becker von hier wurde in der Lahn in der Nähe der Burkmühle aufgefunden. * Lollar. Auf dem hiesigen Bahnhof stieß am Montag eine Lokomotive mit einem Packwagen zusammen. Drei im Packwagen befindliche Beamte wurden schwer verletzt. ** Bad⸗Nauheim. Der hiesige Agent Karl Gröben hat in der Nacht von Sonntag auf Montag mit seiner Frau einen Doppel⸗ selbstmord verübt. Gröben nahm Gift und starb bald darauf, während seine Frau das Gift durch Erbrechen von sich gab und sich alsdann die Pulsadern öffnete. Die Unglück⸗ liche wurde noch lebend von den Hausbe— wohnern gefunden und liegt jetzt bewußtlos im städtischen Krankenhaus. * Wetzlar. Die hiesige Strafkammer verurteilte einen 13jährigen Schulknaben wegen achtfachen Diebstahls zu einem halben Jahr Gefängnis.— Der hier verstorbene Pfarrer Roebenack hat 216000 Mk. Vermögen hinter⸗ lassen. n Offenbach. In der Stearinfabrik von Volmar brach infolge Kurzschlusses der elektri⸗ schen Leitung Großfeuer aus, das in kurzer Zeit zwei Gebäude mit den darin befindlichen Kochereien und reichem Rohmaterial zerstörte. Der entstandene Schaden wird auf 80— 100000 Mark geschätzt. e Vierlinge. Eine junge Frau in Weisenau bei Mainz hat ihrem Mann Vier⸗ linge„bescheert“. Ein Kind starb, wie jetzt Mainzer Blätter melden, gleich nach der Ge⸗ burt, die drei anderen, sämtlich Knaben, sind kräftig und befinden sich wohl, dagegen ist die Gesundheit der Frau sehr geschwächt. Die Mutter ist 24 Jahre, der Vater, ein in Mainz beschäfttgter Kupferschmied 25 Jahre alt. s Kosten eines Schneefannß ß; Berlin. 392.157,92 M. hat die letzte Schnee⸗ periode vom 11. Dezember 1899 bis zum 6. Januar 1900, also in noch nicht vier Wochen, der Stadt Berlin gekostet. Insgesammt haben die Hilfsarbeiter in 33496 Tagewerken die Summe von 75 367,72 N. erfordert, während 134074 Fuhren Schnee, abzüglich der auf Grund des bestehenden Vertrages von den Fuhrunternehmern täglich zu leistenden 7358 Kehrichtfuhren, eine Ausgabe 316790 M. ver⸗ ursachten. * Des Kaisers Fleiß. Das„Berl. Tagebl.“ weiß zu erzaͤhlen, daß der Kaiser einst zu einem Maler geäußert habe, daß er sich die Zeit förmlich stehlen haben müssen, um dem Künstler zu sitzen, worauf dieser bemerkt habe:„Eure Majestät arbeiten zu angestrengt.“ —„Nuu“, erwiderte der Kaiser,„dafür werde ich doch bezahlt.“ Die Bezahlung beträgt jährlich 15 ¼½ Mil⸗ lionen, pro Tag mehr als 42000 Mark! ** Die Jahrhundert-Postkarte, welche kurz vor Neujahr zur Ausgabe gelangte und inner⸗ halb 24 Stunden vergriffen war, wird allseitig scharf kritisiert. Nach der Reklame, die vor der Ausgabe gemacht worden war, durfte man allerdings etwas anderes erwarten. Der „Kunstwart“ läßt sich also vernehmen:„Als wir davon hörten, freuten wir uns; das ist gut, daß die Postverwaltung solche Gelegen⸗ heiten benutzt, etwas Schönes unters Volk zu bringen. Nun liegt es vor uns, dieses „Schöne“. Rechts, um die verunglückte neue Marke herum mittelmäßig ausgeführt das üb⸗ liche Lorbeergeranke und Bandgeschlenker. Links aber vor einer ganz elend schlecht gemachten Sonne schülerhaft kleinlich hingestümperte Wolken und dann ein 1900, bei dem man un⸗ willkürlich an die goldene 110 denkt. Sogar der größest mögliche stilistische Unsinn ist nicht vermieden: die Ziffern sind durch Ränderung auf nur einer Seite als Körper stilisiert. Postkartenaufdruck mit Schrift und Linien läßt sich durch diese Kunstleistung nicht stören, er ae j due „Vege 5 malt der Polige Gegenstäl Dengeme Septen scirme allerfelle Zurüdla Ganz zu Gesamt und bol Mai haben del bleitet, f. Die Hauf hilfen ni schlafen! soll ents Bäckergel nehmen mit Arbe betgfeste * 0 Leun b Landkrei gelegt 1 Vorkom Linder die Wah früh be Wähler Namen Mehkere keine Ge zusehen, den Si machung scloss Mit gleichzei Kammer Aktensti deß W. bez „ 00 ein Pr belegt fervor Gleßen Abscht Aihh begeht wählte eine sof was 1 wären, Sult 6 lasen, nicht 0 05 t den eiterz u der hof einem vagen Agent nta Ippel⸗ und 1 das 0 sic iglück⸗ lusbe⸗ od im immer Legen Jahr farrer sinter⸗ ik von lektri⸗ lurzer lichen störte. 90000 lu in Vier⸗ e jetl r Ge⸗ „ sind ist die Die Mainz für schnee⸗ um 6. vochen, haben n die ihrend auf 1 den 7358 „ber⸗ „Berl. Kaiser aß el eu, um Nr. 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. läuft ruhig durch Strahlen, Wolken und Lor⸗ beerzweige seines Weges weiter... Daß eine Jahrhundertkarte der deutschen Reichspost so zusammengeschustert werden kann, daß man solch ein Blatt statt bei einem unserer besten Künstler im Laden um die nächste Ecke bestellt, das ist für unsere Kultur in künstlerischen Dingen zum Erschrecken bezeichnend.“ * Die ver geßlichen Partser. Von der Vergeßlichkeit der Pariser und auch noch vou manch Anderem legt die Statistik der auf der Polizeipräfektur als gefunden abgegebenen Gegenstände einen sprechenden Beweis ab. Demgemäß sind vom April 1898 bis zum September 1899 nicht weniger als 7402 Regen⸗ schirme stehen gelassen worden. Das ist noch allenfalls zulässig! Wie aber rechtfertigt sich die Zurücklassung von 4366 Korsets in Droschken? Ganz zu geschweigen von Todtenkränzen im Gesammtgewicht von mehr als zehn Centuern, und von einem großen eisernen Ofen. Arbeiterbewegung. Mainz. Die hiesigen Bäckergehilfen haben der Bäckerinnung ein Schriftstück unter⸗ breitet, in welchem sie 14 Forderungen stellen. Die Hauptforderung besteht darin, daß die Ge⸗ hilfen nicht mehr im Hause des Arbeitgebers schlafen noch bei ihm essen wollen. Der Lohn soll entsprechend erhöht werden, damit die Bäckergehilfen außer dem Hause Kost und Logis nehmen können. Bei Nichtbewilligung wird mit Arbeitseinstellung 8 Tage vor dem Guten— bergfeste gedroht. Unser Wahlprotest. * Gegen die Wahl des Bürgermeisters Leun von Großen⸗Linden zum Vertreter des Landkreises Gießen ist bekanntlich Protest ein⸗ gelegt worden. Der Protest stützt sich auf die Vorkommnisse in Heuchelheim und Klein- Linden. In ersterem Orte wurde bekanntlich die Wahl zu Unrecht zehn Minuten zu früh beendet, in Klein⸗Linden wurden zahlreiche Wähler von der Wahlurne verwiesen, weil ihre Namen nicht in die Liste eingetragen waren. Mehrere Zeugen werden jedoch bekunden, daß keine Gelegenheit gegeben war, die Listen ein⸗ zusehen, weil sie das Bürgermeistereibureau in den Stunden, während welcher laut Bekannt⸗ machung die Listen aufliegen sollten, ge⸗ schlossen fanden. Mitte voriger Woche ist den Abgeordneten gleichzeitig mit unserem Wahlprotest, den das Kammerbureau hat drucken lassen, folgendes Aktenstück zugegangen: An Großherzogliches Staatsministerium. Bericht des Wahlkommissars für den 5. oberhessischen Wahl⸗ bezirk Regierungsrat Dr. Wagner zu Gießen. Gegen die Wahlmännerwahl in Heuchelheim ist ein Protest erhoben worden, welcher den Wahlakten beiliegt. Wie aus der Erklärung der Wahlkommission hervorgeht, wird die Ortsuhr allabendlich nach der Gießener Uhr reguliert; es ist demnach jede böswillige Absicht ausgeschlossen. Auch haben nach Schluß der Wahlhandlung nur noch etwa 3— 4 Personen Einlaß begehrt. Der Stimmenunterschied zwischen den Ge⸗ wählten und den Nichtgewählten beträgt 34. Für eine solche Zahl von Wählern würde, auch wenn sie, was nicht der Fall war, wirklich noch erschienen wären, die Wahlformalitäten in der kurzen Spanne 95 von 10 Minuten sich nicht haben uͤbwickeln assen. Das Wahlergebnis würde demnach ein anderes nicht geworden sein. Gießen, den 28. November 1899. gez. Dr. Wagner. Das wichtigste und einzig in Betracht kommende in diesem Bericht ist das glatte Zugeständnis, daß die Heuchelheimer Wahl⸗ kommission thatsächlich den Wahlakt 10 Minuten zu früh beendete. Durch dieses Zugeständnis erübrigen sich alle zeitraubenden Zeugenver— nehmungen. Auf grund des vorzeitigen Wahlschlusses wird der Landtag das Mandat des Herrn Leun kassieren müssen. Die Einwendungen des Herrn Wahlkommissars sind ganz und gar nicht stich⸗ haltig. Herr Regierungsrat Dr. Wagner wird damit ebenso wenig erreichen wie mit der von ihm angeordneten Ersatzwahl in Großen⸗Buseck, die er bekanntlich auf die Intervention unseres Genossen Scheidemann und auf Weisung vom Ministerium telegraphisch abbestellen mußte, als die ungültige Wahlhandlung fast beendet war. Wenn nach Schluß des Wahllokales in Heuchelheim nur noch drei oder vier Personen Einlaß begehrt haben, so ist das doch ganz ein⸗ leuchtend. Hätten denn— angenommen es wären 50 Personen vor dem Wahllokal ge⸗ wesen— noch 46 oder 47 an der Thür klopfen sollen, nachdem es drei oder vier vergeblich gethan hatten? Das wäre ein höchst über⸗ flüssiges Manöver gewesen. Aber weiter. Die Mehrheit der Leunschen Wahlmänner gegenüber den sozialdemokratischen hat 34 Stimmen betragen.„Eine solche Zahl“ hätte binnen zehn Minuten nicht mehr wählen können. Das ist wirklich ein vorzügliches Argu— ment und könnte zu ganz unübersehbaren Konse⸗ quenzen führen. Zunächst behaupten wir, daß innerhalb 10 Minuten, vorausgesetzt, daß man es mit einer Wahlkommisston zu thun hat, die ihrer Aufgabe gewachsen ist, noch weit mehr als 34 Personen wählen können. Aber der Einwand des Herrn Regierungsrats ist schon deshalb ganz hinfällig, weil es gar nicht erforderlich gewesen wäre, daß etwa 35 Personen noch hätten binnen 10 Ninuten wählen müssen. Nach dem im ganzen Wahlkreis Gießen⸗Land üblichen Gebrauch wird lediglich um 7 Uhr das Wahllokal geschlossen. Alle Personen, die sich vor 7 Uhr im Lokal eingefunden haben, können noch wählen, selbst wenn die Wahlhandlung sich dadurch bis 7¼ Uhr hinauszieht. Herr Dr. Wagner schlußfolgert also ganz falsch, wenn er meint, daß das Wahlergebnis kein anderes gewesen sein würde, wenn der Wahlakt nicht 10 Minuten zu früh beendet worden wäre. Wir halten es für selbstverständlich, daß der Landtag das Mandat des Herrn Leun für ungültig erklären muß. Die Kammer darf auch unseres Erachtens in diesem Falle nicht etwa deshalb Gnade für Recht ergehen lassen, weil Herr Leun sich mit seinen Wahl männern am Wahltag photographieren ließ und abends einen Fackelzug huldvoll entgegennahm. Sobald etwa in der Kammer diese Um⸗ stände angeführt würden, um das Mandat des Herrn Leun zu retten, und wenn etwa gesagt würde, daß man doch einen Fackelzug nicht für die Katze darbringe, dann wird sich hoffeut⸗ lich jemand finden, der darauf hinweist, daß Herr Leun ja auf böse„Undinge“ selbst gefaßt war. Bekanntlich erklärte Herr Leun wenige Wochen vor der Wahl öffentlich in der „Kleinen Prefse“: Geehrte Redaktion! In Nr. 234 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Artikel aus Gießen über die Landtagswahl, der zwar aus zuver— lässigster Quelle stammen soll, jedoch sehr unzuverlässig ist. Die Landgemeinden, die hier in Betracht kommen, teilen sich bekannt⸗ lich im Wesentlichsten in zwei große Parteien — Antisemiten und Sozialdemokraten— und diese haben ihre Kandidaten aufgestellt. Von einer weiteren Kandidatur kann deshalb unmöglich die Rede sein. Bitte lassen Sie künftig bei derartigen Uadingen meinen Namen auster Betracht. Hoch⸗ achtend! Leun, Bürgermeister. Wenn sich Herr Leun einen oder zwei Tage vor der Wahl dann trotzdem durch Heuchelheimer— seltsam!!— bestimmen ließ, seinen Namen bei dem„Unding“ einer dritten Kandidatur in Betracht kommen zu lassen, so darf er sich nicht wundern, wenn jetzt die Dinge nicht nach Wunsch gehen. Leuns Mandat ungültig. * Schneller, als wir selbst es für möglich hielten, ist Herr Leun aus dem Landtag wieder hinauskomplimentiert worden. Herr Leun hat die Ehre, der einzige zu sein, der wieder aus der Landstube ausziehen muß. Der Wahlprüfungsausschuß hat am Mittwoch 22 unangefochtene Wahlen bestätigt, die angefochtene Wahl des Antisemiten Wolf für gültig erklärt und auf grund des Protestes gegen die Wahl des Abg. Erck-Nidda be⸗ schlossen, Erhebungen anzustellen und die Entscheidung zunächst auszusetzen. Bezüglich der Wahl des Abg. Leun wurde nach längerer Diskussion einstimmig be⸗ schlossen, dem Landtag zu empfehlen: Die Urwählerwahl in Heuchelheim— und damit die Wahl des Abg. Leun — wegen schwerer Gesetzesverletzung für ungültig zu erklären. Wegen der Vorkommnisse in Klein⸗Linden sollen Vernehmungen stattfinden und: falls sich die Angaben im Protest bewahr⸗ heiten, auch dort Neuwahl der Wahl⸗ männer beantragt werden. Es steht außer allem Zweifel, daß die zweite Kammer den einstimmigen Beschluß des 3. Ausschusses gutheißt. Ob Herr Leun das„Undings“-Mandat nunmehr niederlegen, oder ob er es so lange behalten wird, bis es der Landtag zurück⸗ fordert, bleibt abzuwarten. Ob er das Mandat wiederbekommt, hängt von den Wählern in Heuchelheim und Klein⸗Linden ab. Daß die Freunde des Herrn Leun alle Minen springen lassen werden, ist klar. Mögen die Arbeiter deshalb ihre Schuldigkeit thun. Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 20. Januar: Kreis⸗Wahl⸗ Verein. Vorstandssitzung pünktlich 19 Uhr bei Orbig. Gießener Wahlverein abends 9 Uhr Generalver⸗ sammlung bei Orbig. Tagesordnung: 1. Rech⸗ nungsablegung. 2. Vorstandswahl. Eine neue Organisation. Die Redakteure, Schriftsteller und Berichterstatter der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterpresse haben am Sonntag in Halle einen ganz Deutschland umfassenden Verein Arbeiterpresse gegründet. Der Verein bezweckt die allseitige Wahrnehmung der Berufsinteressen seiner Mit⸗ glieder. Mitglieder können Redakteure und Schrlftsteller der Arbeiterpresse, sowie die dafür berufsmäßig thätigen Berichterstatter werden. Als Monatsbeitrag wird 1 Mk. erboben. Vorsitzender des Vereins ist Reichstagsabg. Ad. Thiele-Halle, Geiststr. 21. Briefkasten der Redaktion. Kommißbrot. Zunächst Namen nennen. Wir wissen gern, mit wem wir es zu thun haben. L. M. Im Landtag sitzen neben mehreren direkten Staatsbeamten nicht weniger als 2 Bei⸗ geordnete und Z Bürgermeister, sodaß ein Drittel aller Abgeordneten mehr oder weniger von der Regierung abhängig ist. Ein Bürgermeister, der der Regierung ernstliche Opposition machen würde, dürfte schwerlich Aussicht haben, später wieder bestätigt zu werden. Denken Sie doch nur an die Maßregelung der Landräte in Preußen, die gegen die Kanalvorlage der Regierung stimmten. In eine Volksvertretung gehören gänzlich unabhängige Leute. Gruß! Gießener Stadttheater. Sonntag, den 21. Januar 1900. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung. Rotkäppchen. Abends 8 Uhr: Oer Trompeter von Säkkingen. Dienstag, 23. Jan.: Der Salontyroler. Mittwoch, 24. Jan.: Dreizehnte Volks vorstellung. Berlin, wie es weint und lacht. Freitag, den 26. Jau.: 2; ͤ Das fünfte Nad. — ———— — —. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 9 Nr. 4. Unterhal * Herausforderung. O Welt von Bürgern schlau und ehrenwert, Die Geld anhäufen und bequem sich betten, O welt von Millionären, wohlgenährt, Und zierlichen Koketten; O Welt von Frau'n, hysterisch, schlank und blaß, Die um den Liebsten geh'n zur Messe offen; O Welt voll Treubruch, voll Raub und Naß Und trügerischem Hoffen; Bist du es also, lügnerische Welt, Die Licht und Ideal mir will verleiden, Bist du es, feiger Swerg, der drauf verfällt, Die Flügel mir zu schneidend.. Du kriechst, ich fliege, gähnst du, singe ich, Verachte deine Ränke, deine Lü gen; Der Sauber der Begeist'rung schwebt um mich, Du bleibst im Schlamme liegen. O welt von Thoren und von Schlangenbrut, Du feige Welt, mein Fluch hallt dir entgegen, Den Blick gewandt auf der Gestirne Glut, So folg' ich meinen Wegen. Allein und wehrlos, voller Durst nach Licht Sieh' ich dahin.— Und magst du, skeptisch trübe Surück mich halten, aus der Brust doch bricht Das hohe Lied der Liebe. Geh' üpp'ge Welt, zieh“ durch den Aether fort, Verworfenheit und Geldsucht mit dir jagen: Als Geißel schwing' ich das entflammte Wort, Dir ins Gesicht zu schlagen. Ada Negri. Das Abenteuer der Neujahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) Philipp wußte anfangs nicht, was er auf diesen Antrag erwidern sollte. Endlich, während der Finanzminister, auf Antwort wartend, eine Brillantendose hervorzog und eine Prise nahm, sagte Philipp:„Wenn ich Sie recht verstehe, Herr Graf, so wollen Sie das Land ein wenig aushungern, um meine Schulden zu tilgen! Denken Sie auch daran, wieviel Elend Sie anrichten! und wird es der König zugeben?“ „Wenn ich im Amte bleibe, so lassen Sie das meine Sorgen sein, gnädigster Herr! So⸗ bald die Preise der Lebensmittel steigen, wird der König sogleich von selbst an eine Korn⸗ sperre denken, und die Getreideausfuhr mit schweren Zöllen hemmen. Dann gibt man dem Hause Abraham Levi Ausfuhrbewilligungen für zehn Säcke, und es führt hundert aus. Nichts leichter, als das. Allein, wie gesagt, kommt der Greifensack ans Ruder, so wird daraus nichts. Ehe er sich ins Fach hinein⸗ studiert, vergehen Jahre. So lange wird er aus Not den ehrlichen Mann spielen, um nach⸗ her den König und das Land desto ärger zu prellen. Er muß erst sein Terrain kennen. Es gibt keinen ärgeren Wucherer, als den Greifen— sack. Sein Geiz ist stinkend.“ „Schöne Aussichten!“ sagte Philipp.„Wie lauge glauben Sie, daß ein Finanzminister am Ruder sein muß, bis er es versteht, das Volk zu scheren, um für sich und unsereins etwas zu erübrigen?“ „Hm, wenn er Kopf hat, bringt er's in einem Jahre weit.“ „So sollte man dem Könige raten, alle zwölf Monate einen neuen Finanzminister zu 855 wenn er immer ehrlich bedient sein ill.“ 5„Ich hoffe, gnädigster Herr, seit ich die Finanzen führe, ist dem Könige und dem Hofe nichts abgegangen.“ „Das glaub' ich, Graf, aber dem armen Volte desto mehr. Es weiß die Menge der Steuern und Auflagen kaum noch zu erschwingen. Sie sollten ein wenig barmherziger mit uns umgehen!“ „Mit uns?— Thue ich nicht alles für den Hof?“ „Nein, barmherziger mit dem Volke sollten Sie verfahren, meine ich!“ „Mein Prinz, ich weiß, welche Achtung ich Ihren Worten schuldig bin! Der König mit seiner erlauchten Familie ist das Volk, dem ich diene; das, was man Volk nennt, kann in keinen Betracht kommen. Das Land ist des Königs Eigentum. Völker sind rur insofern achtbar, als sie, gleich anderen Nullen, die der Hauptzahl folgen, den Wert derselben vergrößern. Aber es ist hier nicht der Augenblick, den ab⸗ gedroschenen Wortkram über den Wert der Völker zu erneuern, sondern ich bitte um gnädigsten Bescheid, ob ich die Ehre haben soll, Ihre Schulden auf die bewußte Weise zu be⸗ seitigen?“ „Antwort: nein, nein und nimmermehr auf Unkosten von hunderttausend und mehr armen Familien!“ f „Königliche Hoheit, es geht ja nur auf Rechnung des Hauses Abraham Levi! Und wenn ich dies Haus nötige, Ihnen noch zu den Quit⸗ tungen Ihrer Schulden fünfzigtausend Gulden bar zuzulegen? Ich denke, es läßt sich machen. Das Haus gewinnt durch die einzige Operation so viel, daß—“ „Vermutlich auch für Sie, Herr Graf, noch ein artiges Trinkgeld herauskommt.“ „Ihre Königliche Hoheit belieben zu scherzen! Ich gewinne dabei nichts. Ich brenne nur vor Begierde, Ihre Huld wieder zu erhalten.“ „Sie sind sehr gütig!“ „Also darf ich hoffen, mein Prinz?“ „Herr Graf, ich werde thun, was recht ist; tlun Sie Ihre Pflicht!“ „Meine Pflicht ist, Ihnen zu dienen. Morgen lasse ich den Levi rufen, schließe den Handel mit ihm ab, und habe die Ehre, Ihrer Königlichen Hoheit die besagten Quittungen nebst Anweisung auf fünfzigtausend Gulden zu überreichen.“ „Gehen Sie! Ich mag davon nichts hören.“ „Und Ihre Königliche Hoheit wenden mir Ihre Gnade wieder zu? Denn ohne Minister zu bleiben, könnte ich dem Abraham Levi un⸗ möglich—“ „Ich wollte, Sie und Ihr Ministerium und Ihr' Abraham Levi säßen alle drei auf dem Blocksberg. Das sag' ich Ihnen, entsteht eine Kornsperre, läßt die Teuerung der Lebens⸗ mittel nicht auf der Stelle nach, verkauft Ihr Levi nicht das aufgespeickerte Getreide um den Ankaufspreis: so gehe ich ohne weiteres zum Könige, decke ihm alle Schelmereien auf und helfe Sie samt dem Abraham Levi aus dem Lan de jagen. Verlassen Sie sich darauf; ich halte Wort!“ Philipp wandte ihm den Rücken, ging in den Tanzsaal und ließ den Finanzminister ganz versteinert stehen. WIE „Wann befehlen Ihre Königliche Hoheit, daß der Wagen vorfahren soll?“ flüsterte ihm eine Stimme zu, als er durch die Masken im Saale entlang ging. Es war ein dicker holländischer Kaufmann mit einer Stutzperrücke, der die Worte an ihn richtete. „Ich fahre nickt!“ „Es ist halb zwölf vorbei, Prinz! Die 11 Sängerin erwartet Sie, Sie hat Lange— weile.“ „So mag sie sich etwas singen.“ „Wie, Prinz, hätten Sie Ihren Sinn ge⸗ ändert?— Die reizende Rollina wollten Sie im Stich lassen?— Den goldenen Augenblick verlieren, nach dem Sie seit zwei Monaten vergebens seufzten?— Ihr Billet, das Sie diesen morgen durch mich an Signora Rollina mit der Brillantenuhr schickten, that dieses Wunder. Die stolze Spröde ergiebt sich. Sie waren den Mittag noch so hoch entzückt, und nun mit einem Male so kalt wie Eis? Was ist mit Ihnen vorgegangen? Die Verwandlung begreife ich nicht.“ „Das gilt mir gleich!“ „Sie haben mir aber hefohlen, Sie um halb zwölf Uhr zu begleiten. Hätten Sie andere Engagements?“ „Freilich!“ „Etwa ein Souper bei der Gräfin Born? Sie ist nicht zum Ball erschienen; wenigstens ist hier unter allen Masken keine Spur von ihr. Ich könnte sie an ihrem Gang und ihrer eignen Art, das niedliche Köpfchen zu tragen, unter Tausenden unterscheiden. Wie, Prinz?“ „Und wenn es wäre, müßt' ich's Ihnen anvertrauen?“ „Ah, ich verstehe und schweige. Wollen Sie aber die Signora Rollina nicht wenigstens wissen lassen, daß Sie nicht kommen werden?“ „Hat Sie mich zwei Monate nach ihr seufzen lassen. so mag sie auch einmal zwei Monate nach mir seufzen. Ich gehe nicht.“ „Also aus dem prächtigen Halsschmuck, ben Sie ihr zum Neujahrsgeschenk bestimmten, wird nun vermutlich auch nichts!“ „Wenn's auf mich ankommt, schwerlich.“ 8 12 5 Sie gunz mit ihr brechen, gnädigster err?“ „Ich habe mit ihr noch nicht angebunden.“ „Nun denn, Prinz— so darf ich offen sein. So darf ich die Wahrheit sagen, die Sie viel⸗ leicht aber schon wissen. Ich vermute es wenistens aus Ihrer schnellen Sinnesänderung.— Nur Ihre Leidenschaft für die Rollina schreckte mich ab, es Ihnen früher zu gestehen. Sie sind betrogen!“ „Von wem?“ „Von der listigen Operistin. Sie würden die Gunst derselben mit einem Juden teilen müssen.“ „Mit einem Juden?“ „Nun ja, mit dem Sohu des reichen Abraham Levt!“ „Ist der Schelm den überall?“ „Sie wissen also noch nicht? Ich sage Ihnen die heilige Wahrheit. Wären Ihre Königliche Hoheit nicht dazwischen gekommen, der Jude würde die feile Schöne öffentlich unterhalten. Es thut mir um die Uhr leid!“ „Mir nicht!“ e „Die Dirne verdient den Staupbesen!“ „Es wird mancher nicht nach dem Verdienst gewürdigt.“ „Königliche Hoheit, nur zu wahr! Zum Beispiel, ich habe neulich ein Mädchen entdeckt — o Prinz, die ganze Stadt und das ganze Königreich hat nichts Schöneres, nichts Locken⸗ deres aufzuzeigen. Aber wenige Menschen kennen das himmlische Geschöpf. Puh, was ist die Rollina daneben! Eine alte Hexe von Denner! Sehen Sie, ein Mädchen, schlank und biegsam wie ein Rohr; eine Farbe, eine zarte Haut, wie Abendrot auf Schnee; ein Paar Augen, wie Sonnen; ein goldner dicker Haar⸗ wuchs— kurz, in meinem Leben sah ich nichts Schöncres. Aber wer würdigt diese Venus? Es ist eine Liebesgöttin in bürgerlicher Haube. Auf diese müssen wir Jagd machen!“ „Also ein Bürgermädchen?“ „Freilich nur eine Grisette, aber— nein, Sie müssen Sie sehen, und Sie werden brennen. Was hilft da mein Schildern und Preisen! Was Sie sich je in den schönsten Träumen Entzückendes einbilden konnten, ist da in der Natur verkörpert, und dabei noch die liebste, zarteste, unentweihteste Unschuld!— Man steht stie aber selten. Sie weicht selten von ihrer Mutter. Doch kenne ich ihren Sitz in der Kirche und den Sonntagsspaziergang, den sie gewöhnlich mit ihrer Mutter vor das Ulmer⸗ thor macht. Auch habe ich schon ausgespürt, daß ein junger, hübscher Kerl, ein Gärtner, ihr den Hof macht. Er kann sie aber nicht hei⸗ raten, weil er ein armer Teufel ist, und das Mädchen hat auch nichts. Die Mutter ist Witwe eines an der Auszehrung gestorbenen Leinwebers.“ „Wie heißt die Mutter?“ „Witwe Bittner im Milchgäßchen, und ihre Tochter schön wie eine Rose, heißt, was sie in der That ist, Röschen.“ Dem guten Philipp wurde es bei diesem Namen kalt und warm. Er hätte bald Lust gehabt, den Erzähler mit der geballten Faust auf den Kopf zu schlagen. „Sind Sie des Teufels?“ rief Philipp. ihm eil rückt.“ Phl agen fol „Me stände m. 0. daft Hohett, Kammer Mädchen Eoldate er sich ff sind Sie hängt, doch etw haupt ni Urteile unter d will e „0 l Könige, „Her Stelle, „O guädigst ist mein daß Ihr Ihnen n. schon in Das Auf den Abt sührer, ff der Ichren eilen in hielt. 9 feln eil ie die bead sie sich suchelte ungenf ne l gn, bac aß sich Id g befanden le Er Seele ging. 6 iu That reichen sage Ihre mmen, fentlich leid!“ J— 71 erdienst Zum enkdeckt gaze Locken⸗ lenschen was ist ze bon ank und e zarte 1 Paar c Haal⸗ lichte Venus“ Haube. — nein, brennen. Presen! tumel in det Alibste, on ihtel in der den sie liner zespürt, nel/ ih. icht e andere, beide Nr. 4. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Seite 7. Wahrhaftig!“ sagte der Holländer,„ich habe ae ot gekundschaftet. Sie müssen das niedliche Ding erst sehen. Oder wie, mein Prinz, sollte Ihr Scharfblick schon die köstliche Perle endeckt haben? Kennen Sie sie wirklich? „Ich kenne sie allerdings.“ i „Desto besser! Habe ich zu viel gelobt? Stimmen Sie nicht bei? Die soll uns nicht entgehen! Wir wandern miteinander zur Mutter. Sie spielen den Menschenfreund. Die Armut der Witwe ist Ihnen bekannt geworden. Sie mögen keine Notleldende sehen. Sie er⸗ kundigen sich teilnehmeud nach den Umständen der guten Frau, lassen ein Geschenk zurück, wiederholen die Besuche, fahren in Mildthätig⸗ keit fort, werden mit Röschen bekannter. Das andere giebt sich. Der Gärtnerlümmel ist bald beseitigt; der hilft vielleicht noch, wenn man ihm ein Dutzend harte Thaler in die Hand drückt.“ a Phllipp wußte vor Grimm nicht, was er sagen sollte.„Der Donner soll drein schlagen, ——“ rief er. „Wenn der Schlingel, der Gärtner, Um⸗ stände macht?“ unterbrach ihn der Holländer. O, dafür lassen Sie mich sorgen! Königliche Hoheit, bekomm' ich durch Ihr Fürwort den Kammerherrnschlüssel, so gehört Ihnen das Mädchen! Den Gärtner stecke ich unter die Soldaten und schicke ihn zur Armee. Da kann er sich für das Vaterland schlagen. Unterdessen sind Sie Meister im Felde; denn das Mädchen hängt, glaube ich, mit bürgerlicher Steifheit doch etwas an dem Burschen. Es wird über⸗ haupt nicht leicht sein, dem Mädchen die Vor⸗ urteile aus dem Kopfe zu bringen, die es unter dem Bürgerpack eingesogen hat. Ich will es aber schon in die Schule nehmen.“ „Ich breche Ihnen den Hals dafür.“ „Allzu gütig! Nur Ihre Verwendung beim Könige, und den Kammerherrnuschlüssel...“ „Herr, ich wollte ich könnte Sie auf der . „O sagen Sie mir keine Schmeicheleien, gnädigster Herr! Sie wissen, jeden Augenblick ist mein Leben für Sie feil. Hätte ich geahnet, daß Ihnen das süße Geschöpf bekannt, daß es Ihnen nicht gleichgültig wäre, es läge längst schon in Ihren Armen.“ (Fortsetzung folgt.) Das Damenßemd mit dem Hosenlinopf. Eine heitere Gerichtsverhandlung. Auf einem der langen Wandelgänge, die zu den Abteilungen des Berliner Schöffengerichts führen, spielte sich eine lärmende Szene ab. Auf der Bank hatte eine Frau in mittleren Jahren Platz genommen, die in ihren Händen einen in Zeitungspapier gewickelten Gegenstand hielt. Vor ihr stand eine gleichaltrige weibliche Person. Auch sie führte ein ähnliches, ebenfalls in Zeitungspapier gehülltes Paket mit sich. Als der Schreiber dieses hinzukam, standen sich die beiden Frauen feindlich gegenüber, wobei sie sich gegenseitig vor dem Gesicht hin und her fuchtelten. Gott bewahre, entwickelten die eine Zungenfertigkeit! Der geübteste Stenograph wäre nicht in der Lage gewesen, ihnen zu folgen, die Worte sprudelten mit einer solchen Geschwindigkeit zwischen den Lippen hervor, daß sich in den Mundwinkelu Schaum bildete. Und was waren es für Worte! Zum Glück befanden sich keine Kinder unter den Zuhörern. Die Erwachsenen drängten sich dicht an die Streitenden heran, damit ihnen nichts verloren ging. Es schien zwischen den keifenden Weibern zu Thätlichkeiten kommen zu sollen, und das wollte man doch sehen. Aber in diesem Augen⸗ blick machte der Gerichtsdiener den Zuschauern einen Strich durch die Rechnung. Der Lärm war bis in den Gerichtssaal gedrungen und störte die Verhandlung. Der Beamte mußte erst mit Gefängnis„bei Wasser und Brot“ drohen, bevor er Ruhe zu stisten vermochte. Das war das Vorspiel zu folgender Ver⸗ handlung: Im Auklageraum stand die eine der beiden streitenden Frauen, vor dem Zeugentisch die schickten sich an, die Pakete zu öffnen.— Vorsitzender: Lassen Sie das einstweilen sein, Frau Zeugin, gehen Sie hin⸗ aus, bis Sie gerufen werden, ich werde erst die Angeklagte vernehmen...— Vors.: Nun, Angeklagte, Sie sind die 42 jährige Auf⸗ wärterin Emilie N... und stehen unter der Anklage des Diebstahls. Wollen Sie nicht einräumen, das Hemd der Frau Meier vom Wäscheboden entwendet zu haben? Der Wert desselben wird auf drei Mark geschätzt.— Angeklagte: Die un een Hemde for drei Mark! Wat meenen Sie wohl, meine Herren, wie een Hemde for drei Mark aussieht! Die Meiern ihre sind höchstens eene Mark fufzig wert un sie hat bloß een sechstel Dutzend davon. Sie hat wohl jleich den Wert von ihre sämt⸗ liche Leibwäsche anjejeben.— Vors.: Na, na, drücken Sie sich anständig aus und lassen Sie alle Anzüglichkeiten gegen die Zeugin. Mir scheint, Sie wollen die Entwendung zugeben und nur den Wert des Wäschestückes in Frage stellen?— Angekl.: Ick det zujeben? Wo ick so unschuldig bin, wie'n Osterlamm?— Vors.: Das Hemd ist ja bei Ihnen gefunden worden.— Angekl.: Ohne Hemde werde ick woll nie nich sind, aber die Sache ist die, det detjenige Hemde, wat der Beamte mitgenommen hat, nich det ihrigte, sondern det meinigte war; ick bin also bestohlen worden un nich sie.— Vors.: Da hört ja alles auf, wir wollen uns doch mal die Geschichte von der Zeugin aus⸗ einandersetzen lassen. Wenn Blicke tödlich wirken könnten, würde es im nächsten Augenblick im Gerichtssaal zwei Leichen gegeben haben. Als die Zeugin schwören sollte, rief die Angeklagte: Herr Jerichtshof, die Meiern nehme ick als Zeugin nich an, sie lebt mit eenen Mann zusammen, mit dem sie nich rejulär jetraut is.— Zeugin: Herr meines Lebens, nu seh eener die jiftige Person an, wenn die sich in die Zunge beißt, muß sie elendig krepieren. 5 Der Vorsitzende schafft in energischer Welse uhe. Zeugin: Die Anjeklagte hat drei Dage bei mir reine jemacht, weil ick krank war. Als sie fertig war, bat ick sie noch, sie möchte mir die Wäsche von der Plättanstalt holen. Sie that et, ick zählte die Stücke in ihrer Jejen⸗ wärtigkeit nach un sagte denn, sie möchte den Korh in die Nebenstube dragen. Da fiel mir uf, det sie länger in die Nebenstube blieb als nötig war, ick dachte mir nischt dabei. Als ick zwei Dage später meine Wäsche weglejen wollte, sehe ick, det mir een Hemde fehlte. Nur die Person da konnte et jenommen haben.— Vors.: War es gezeichnet?— Zeugin: Nu jewiß doch, ick bin eene ordentliche Frau. Sehen Sie hier, ick habe eens mitjebracht. Hier sehen Sie, mit rote Seide injestickt, een Herz mit'n Feil durch.— Vors.: Das ist ja ein sonder⸗ bares Zeichen.— Zeugin: Ja, det habe ick in alle meine Wäschesticke. Aber ick kenne meine Hemden boch an den komischen Schnitt, den sie hier am Halse haben.— Vors.: Sind Sie mit dem Beamten in der Wohnung der An⸗ geklagten gewesen?— Zeugin: Jewiß. Sie war ja unjeheuer patzig un stritt wat sie konnte, als wir aber det Hemde aus ihrer Kommode herausholten, da setzte sie sich uf'n Stuhl un fing an zu weenen.— Vors.: Nun, Angeklagte, was sagen Sie dazu?— Angekl.(triumphie⸗ rend ein Frauenhemd in der Rechten hochhaltend, nachdem sie es von der Papierhülle befreit hat): Wat ick dazu sage? Nu sehen Sie, bitte, aber boch mal mein Hemd an. Da sehen Sie den— selben Monogramm drin, een Herze von eenem Feil durchjebohrt. Ick bin boch'ne ordentliche Frau un habe alle meine Wäschesticke so jezeichnet. Ick behaupte, det det Hemde, wat die da jezeigt hat, boch mir jehörte. Un nu erwarte ick die Jejenbeweise, womit die ordentliche Frau wohl in't Essen liegen wird.— Die Zeugin hat in⸗ zwischen die beiden Zeichen mit einander ver— glichen. Hoher Jerichtshof, ick bin baff, die Zeichen sind ziemlich eenjal. Muß det eene raffinierte Person sind! Wissen Sie, wat sie jemacht hat? Sie hat nachträglich eens von ihre Hemden ebenso jestickt, wie meine sind un nu zeigt sie det vor, um uns Mumpltz damit vorzumachen. Ick bitte, det bei ihr durch die Polizei Haussuchung vorjenommen wird, ob ihre anderen Wäschesticke ebenso jezeichnet sind. Aber nee, eenen Oogenblick noch, Herr Jerichts⸗ hof. Mir fällt wat in. In det Hemde, wat wir bei ihr vorfanden, war von mir een kleener Knopp injenäht, wat een Hosenknopp war, ick hatte jerade keenen andern bei der Hand. Sehen Sie bloß, hier sitzt er. Det is doch jewiß Be⸗ weis jenug.— Angekl.(wütend): Un det will eene ordentliche Frau sind, die eenen Hosenknopp an ihr Hemde näht? Pfui Deibel! Un weiter sage ick nischt. Der Vorsitzende muß wieder Ruhe stiften. Die Zeugin hat die Genugthuung, daß die An⸗ geklagte mit drei Tagen Gefängnis bestraft wird; die Verurteilte erklärt aber, sich hierbei nimmermehr beruhigen zu wollen. Sprüche zur Lebensweisheit. Lesefrüchte aus den Werken Friedrich des Zweiten(des alten Fritz). Mich dünkt, daß wenn es eine Staatsver⸗ fassung giebt, die man in unseren Tagen als Muster einer wetsen betrachten kann, es die englische ist; denn hier bildet das Parlament den Schiedsrichter zwischen Volk und König; der Monarch hat alle Macht, Gutes, aber keine Macht, Böses zu thun. Ein Fürst, der Rat anhört, ist auch im stande, ihn zu befolgen. Wenn das Staatsoberhaupt aus Uwissenheit fehlt, so ist das ebenso strafbar, als wenn es aus Bosheit fehlte. Jene entsteht allerdings gewöhnlich aus Trägheit, diese dagegen aus Verdorbenheit des Herzens; aber das daraus entspringende Uebel ist für die Gesellschaft das⸗ selbe. Die Herrscher sind nicht im Besitze der höchsten Gewalt, um sich ungestraft allen Leiden⸗ schaften und jeder Laune zu überlassen; sie sind nicht über ihre Mitbürger erhoben, damit ihr Hochmut sich auf dem öffentlichen Schauplatz hrüste und mit Verachtung die Einfalt der Sitten, die Armut und das Elend niedertrete; sie stehen nicht an der Spitze des Staates, um neben sich einen Schwarm von Müßiggängern zu halten, deren Nichtsthun und unnützes Leben nur allerlei Laster erzeugen. Humoristisches. Probatum est. Der lebensüberdrüssige Lord Huddlestone hat schon die verschiedensten Selbstmord⸗ versuche gemacht, doch jedesmal ohne den gewünschten Erfolg. Einmal ist das Gift zu schwach, ein anderes Mal zieht ihn ein Dienstmann aus dem Wasser. Eines Tages klagt er einem Freunde, Lord Fuddlestone, sein Leid und fragt ihn, ob er eine sichere Selbstmordart wüßte. Lakonisch erwidert dieser: „Well! Fahren Sie nach Berlin und treten Sie dort Leutnant auf den Fuß!“(„Wahre Jakob“.) Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Arbeiterrecht. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachfolger in Stuttgart sind die Hefte 1 und 2 des „Arbeiterrecht“ von Arthur Stadthagen, Mitglied des deutschen Reichstages, erschlenen. Dem Werke direkt angeschlossen wird der Führer durch das Bürger⸗ liche Gesetzbuch. Mit vielen Beispielen und Formularen für Klagen, Anträge und Beschwerden u. s. w.— Die Gesetze der letzten Jahre, insbesondere das Bürgerliche Gesetzbuch, die Gewerbeordnungsnovellen, das Handwerkergesetz, das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb, das neue Gesetz über Invalidenversicherung, rufen für die Zeit vom 1. Januar ab eine erhebliche Umgestaltung der rechtlichen Regelung des Rechtsverhält⸗ nisses zwischen Arbeitgeber und Arbeiter hervor. Eine systematische Darstellung der vom 1. Januar ab giltigen Rechtstegeln ist daher dringend erforderlich. War schon nach bisherigem Rechte eine solche Darstellung für die erwerbsthätige Bevölkerung eine Notwendigkeit, so wird solches Bedürfnis jetzt um so stärker hervortreten, als selbst der Jurist bei der Fülle des neuen Rechtsstoffes kaum weiß, was Rechtens ist. Das Werk, welches wir zur Anschaffung jedem Ar⸗ beiter dringend empfehlen, wird in 22 Lieferungen von je 32 Seiten à 20 Pfennig erscheinen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Kolporteure entgegen. Alle acht Tage erscheint ein Heft. Seite 8. ge e Sees ο,ẽ/zöe 1 % pun hide u, Sπν,j˖] uον,οE⏑/airuihοονννσi g S οð hον LLL 2 »Oiener Hof. Einem verehrlichen Publikum von Gießen und Umgegend, sowie meinen werten Freunden und Gönnern zur gefl. Mitteilung, daß ich meine neue Gast- U. Logierwirischaft eröffnet habe und bitte um gütige Unterstützung meines Unternehmens. Neben einem ff. 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Dieser Bräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig f befun denen Bräutern mit gutem Wein bereitet, und? stärkt und belebt den ganzen Verdauungsore anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Bräuter⸗Wein beseitigt alle Ztörungen in den Flut⸗ gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die 5 Neubildung gesunden Blutes. 5 7 Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen J seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 184 und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Sen ee Herzklopfen, Schlaflosigkelt, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(Hamorrholdalleiden) werden durch 8 Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetltlosigkelt, unter; g nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke angsam dahin. 2 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 8 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter-Wein ist zu haben in Flaschen a. 1.25 u. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert UIIrich, Leipzig, West- strasse 82“, 3 und mehr Flaschen Kräuter-Wein zu Original⸗ reisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. 5 Vor Nachahmungen wird gewarnt! Man verlange ausdrücklich Ullrich schen Kräuter- Wein. „ Mein Kräuter-Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile find: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel à8 10,0. 5 Werbt Abonnenten! 2 Durch den Briefträger frei ins Haus gebracht kostet die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ für die Monate Februar und März nur 60 Pfg. Jeder Briefträger nimmt Bestellungen entgegen. Allen neu hinzutretenden Abonnenten, die bei unsern Spediteuren bestellen, liefern wir die Nummern vom 1. Januar 1900 ab gratis nach. Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(C. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von A. Heppeler, Gießen. — Die„Nite Austräge nch die! 1 5 Erwed 0* l. 0 sprach det, 5 blink mals den Diese blin fungen. alt uf der Groß kräste hab den Arbei, griffene Bi sprüche ai Selbstbew und diesen bemächtigt den roten erzählten, der Lage, schützen. wendunge Mund le schichtigen arbeitende Glunde i das Lohn Produktio seitigen le warum n bung 0 die Vesei Freiheit, schen der Der gemerkt, sic bert binden, hervor, ir der Arbe wachen und Selh und ben das thur die Ach Aeng lagen ul den am