cen 1 Gießen, Sonntag, den 20. Mai 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche ö Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr⸗ 7 Abounementspreis: Bestellungen JInserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗ 3 Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung „K. 4312 a.)[33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Zur Landtagswahl in Gieszen⸗ Land. oa. Das wichtigste politische Recht ist das Wahlrecht. Wer einen Staatsbürger an der Ausübung dieses Rechtes verhindert, raubt ihm ein schätzbares Gut und macht sich einer Ver⸗ letzung der Staatsverfassung schuldig. Man sollte denken, daß die Regierung in einem„Rechtsstaat“ in jedem Falle von Wahl⸗ rechtsberaubung von sich aus mit strengster Untersuchung und Strafe vorgehen werde. Dem ist aber nicht so, und nichts ist bezeichnender für den Tiefstand unseres„liberalen“ Staatswesens, als die Gleichgittig' eit, mit der man Verstöße gegen die Wahlgesetze passieren läßt. Dafür erbringt jede Wahl eine erschreckende Fülle von Details. Wenn nicht die geschädigten Parteien Zeter und Mordio schrieen, auf ihre Kosten Unter⸗ suchungen veranstalteten und Beschwerdematerial zusammeutrügen, würde in den allermeisten Fällen überhaupt kein Hahn nach Wahlrechtsverletzungen krähen. Der Aufsicht der Aufsichtsbehörden pflegen 99 pCt. der zahlreichen Verletzungen der Wahl⸗ verfassung zu entgehen. Unter diesen Umständen liegt die einzige Garantie dafür, daß nicht Wahlbetrug, Schliche und Kniffe aller Art das Wahlrecht völlig zu Schanden machen, lediglich beim Landtag selbst. Wenn das Vertrauen des Volkes in die Ehrlich⸗ keit und Unparteilichkeit der Wahlhandlung nicht gänzlich schwinden soll, dann muß wenigstens die Zweite Kammer aufs peinlichste darüber wachen, daß kein Landtagsmandat als gültig anerkannt wird, bei dessen Erwerb Gesetzes ver⸗ letzungen vorgekommen sind. Thut die Kammer das nicht, so zerstört sie selbst das rerfassungs⸗ mäßige Fundament, auf dem ihre Macht und ihr Ansehen beruht. Von diesen Erwägungen ausgehend, hätte die Kammer die Wahl des Herrn Leun in Gießen⸗Land kurzweg annullieren müssen. Die Verkürzung der Wahlzeit um 7 bis 10 Minuten, wie sie in dem Arbeiterort Heuchelheim stattgefunden hat, ist eine so grobe Verletzung der Wahlbestimmungen, daß die Un⸗ gültigkeit der dortigen Wahlhandlung ohne weiteres daraus gefolgert werden muß. Denn wohin würde das führen, wenn es erlaubt wäre, durch mehr oder minder zufälliges Vorstellen der Turmuhr die Wahlzeit beliebig zu verkürzen, und auf diese Weise zahlreiche Wähler, insbesondeee auswärts tagelöhnernde Arbeiter um ihr Wahlrecht zu bringen? Was thut nun der Wahlausschuß der Zweiten Kammer?— Man höre! In seinem ersten Bericht hatte der Aus⸗ schuß in der Verkürzung der Wahlzeit eine Gesetzes verletzung erkannt und darum einstimmig die Ungültigkeit der Wahl beantragt.— Darauf macht sich Herr Leun, um sein Mandat zu retten, auf die Strümpfe, und läßt durch seine Freunde bei einer Anzahl von Wahlberechtigten, die nicht gewählt hatten, eine Umfrage veranstalten, warum sie nicht zur Wahlurne gekommen seien. Als Resultat dieser sonderbaren Enquete bringt er dem Aus⸗ schuß die Bescheinigung von 24 Urwählern,„daß sie am Wahltage teils nicht hätten wählen können, teils nicht hätten wählen wollen“. Und siehe da, vier Mitglieder des Ausschusses, nämlich die Abgg. Backes, Erk, Seelinger und Weith, lassen sich von diesem Verfahren so sehr imponieren, daß sie ihrem schriftlichen Bericht entgegen im Plenum nachträglich be⸗ antragen, die Wahl doch für gültig zu erklären. Die heiße Debatte, die sich über die prinzipielle Bedeutung der Wahlverkürzung und über die Schönheit des Leunschen Umfrageverfahrens in der Kammersitzung vom 23. Februar abspielte und mit der Rückverweisung des Falles an den Ausschuß endete, mochte aber doch nicht ohne Eindruck auf die genannten Herren geblieben sein. Sie genieren sich offenbar, ihr Votum noch weiter auf die Leunschen Erhebungen zu stützen. In ihrem soeben erschienenen neuesten Bericht finden sie nämlich nun doch auch, daß„nachträglichen Erklärungen von Wählern, daß die nicht hätten wählen können oder wollen, kein besonderer Wert beizulegen sei“. Aber damit der national⸗ liberal⸗antisemitische Herr Liun sein Mandat nicht verliere, haben sie anderes Beweismaterial herangeschleppt, das klärlich darthun soll, daß der„Formfehler“(so nennen die Herren jetzt die grobe Gesetzes verletzung der Wahl verkürzung) an dem Wahlergebnis nichts geändert hat. Dieses neue Beweismaterial setzt der ganzen Geschichte die Krone auf. Es besteht aus dem Protokoll über die amtliche Vernehmung dreier Heuchelheimer Einwohner. Schneidermeister Hrch. Rinn VI bekundet, daß er sich kurz nach 7 Uhr („denn wenn es noch nicht 7 Uhr gewesen wäre, hätte er die Uhr schlagen hören müssen!“) in der Nähe des Wahllokals aufgehalten und dort nur drei Wähler angetroffen habe, die vergebens Einlaß in das Wahllokal begehrt hätten. Der Kreisbaumwart Heberer sagt aus, er sei, als die Uhr gerade sieben geschlagen habe, vom Wahl⸗ lokal aus nach dem Bahnhof zu gegangen;„auf dieser Strecke ist mir meines Wissens(J) niemand begegnet, von dem ich hätte annehmen können(ö), daß er noch hätte wählen wollen.“ Der dritte Gewährsmann ist der Landwirt Wilh. Hofmann, Mitglied des Gemeinderats und der Wahlkom⸗ mission. Sein Zeugnis läuft darauf hinaus, daß nach Abschluß der Thür„mehr wie viermal sicherlich nicht geklopft worden ist.“ Wer und wieviele Wähler bei dem verschiedenmaligen Klopfen Einlaß begehrten, weiß er nicht. Der letztgenannte Zeuge kann schon des halb nicht als einwandfreier Gewährsmann angesehen werden, weil er als Mitglied der Wahlkommission in dieser Sache Partei ist. Abgesehen davon sind weder seine Aussagen noch diejenigen der beiden anderen an sich irgendwie beweiskräftig. Selbst wenn dadurch zweifelsfrei festgestellt wäre, daß nur noch drei bis vier Wähler Einlaß am Wahllokal begehrt hätten, so wäre damit doch noch garnicht bewiesen, daß die vorgerückte Turm⸗ uhr durch ihr vorzeitiges Schlagen nicht einige Dutzende Wähler schon von ferne abgehalten hat, noch zur Urne zu eilen. Und dieser klägliche Versuch, nachträglich etwas zu beweisen, was schlechterdings unbewtis⸗ bar ist, hat nun noch ein fünftes Mitglied des Ausschusses, den antisemitischen Abg. Bähr, ver⸗ anlaßt, auch seinerseits nachträglich umzufallen und sich für Gültigkeit der Wahl auszusprechen, trotzdem er„prinzipiell auf dem Standpunkt stehe, daß eine jede Wahl, bei welcher Ver⸗ letzungen des Rechts vorkämen, für ungültig zu erklären sei“; aber er meint, bei anderen Wahl⸗ prüfungen habe man es ja auch nicht so streng genommen. Auch ein Standpunkt! Man muß es Herrn Leun lassen, daß er es versteht, seine Sache wirksam zu betreiben. Es ist derselbe Herr, der seinerzeit nach der Nomi⸗ nierung der Kandidatur Hirschels öffentlich er⸗ klärte, er denke nicht daran, zu kandidieren, das Gerücht von seiner Kandidatur sei ein„Unding“. Das hielt ihn aber nicht ab, so ganz im Stillen, doch ein paar Wahlmänner auf seine Person einzuschwö'ren. Der verblüffte Herr Hirschel mußte dann trotz seiner viel größeren Wahl⸗ männerzahl„freiwillig“ verzichten. Und nun bringt es Herr Leun weiter fertig, in der Heuchel⸗ heimer Uhrgeschichte das anfangs einstimmige Votum des Aus schusses auf Kassierung der Wahl in einen Mehrheitsantrag auf Gültigkeitserklärung umzuwandeln. Ein gewandter Politiker! Man barf gespannt sein, was das Plenum nun thun wird. Wird es den Trinmph des Herrn Leun bestätigen oder wird es ihm die Aufgabe stellen, in einem nochmaligen Wahlgang seine Legitimität als Abgeordneter zu bewähren? Wie auch die Entscheidung fällt, der Sozial⸗ demokratie wird sie nicht schaden. Wird die Wahl kassiert, so werden unsere Genossen ihre volle Schuldigkeit thun, um den Gießener Sitz für die Partei zu erobern. Wird sie aber nicht kassiert, sanktioniert die Kammer die Heuchel⸗ heimer Vorgänge, nun so ist der moralische Ge⸗ winn doch auf unserer Seite. Und er wird seine Früchte tragen im ganzen Lande! Politische Bundschau. Gießen, 18. Mai. Wie man Sozialdemokrat wird. Der Landtagskandidat der Nürn- berger Genossen Dr. v. Haller gab bei seiner Kandidatenrede ein anziehendes Bild seiner persönlichen Entwicklung zum Sozialdemokraten. Ich wählte den ärzt⸗ lichen Beruf, sagte er nach der„Fränk. Tages⸗ post“, frühzeitig lernte ich bereits das soziale Elend kennen; ich war als älterer Student in der medizinischen Poliklinik der Universität Kiel thätig und hatte in einem Bezirk der Stadt Praxis auszuüben, unter Aufsicht eines Professors und seines Assistenten. Meine Patienten waren Arbeiter samt ihren Familien, größtenteils Hafen⸗ arbeiter, deren Verdienst vom Kommen und Gehen der Schiffe abhing, also meistens ein recht un⸗ sicheres Brod. Die Lebenshaltung dieser Leute war eine äußerst niedrige, die Wohnungsverhält⸗ nisse schauerlich. Redner schildert nun in an⸗ schaulicher Weise, wie durch die Zustände, die er in seiner oben erwähnten Thätigkeit beobachtete, bereits das sozialen Empfinden in ihm geweckt wurde.... Das Sehen fremder Länder, so fuhr Redner fort, der Verkehr und eingehende Gespräche wirtschaftlicher und handelspolitischer Art mit Kaufleuten auf meinen Seereisen, ins⸗ besondere auf der Fahrt nach China, thaten mir eine neue Welt auf, ich entschloß mich, die 8 1 0 1 3 i ) 1 1 — Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Medizin an den Nagel zu hängen und Juris⸗ prudenz und Nationalölonomie zu studieren, um nicht als Arzt, sondern als Konsul im Ausland thätig sein zu können. In Erlangen, Berlin, Genf und München hörte ich juristische und volkswirtschaftliche Vorlesungen... Das Studium der Jurisprudenz und Volks wirtschaft bekehrte mich. Meine sozialdemokratische Anschauung und mein wirtschaftliches Urteil wurde noch weiterhin bestärkt und vollendet, als ich durch Beteiligung an der Verwaltung eines industriellen Unter⸗ nehmens Einblick in den grenzenlosen Ego⸗ is mus der herrschenden Klasse, in die sozialpolitische Berständnißlosigkeit des Unternehmertums, in die Unwahr⸗ heit des ganzen Systems der Bourgeoisie er⸗ hielt.. Ich erkannte das erfolglose Bemühen der kleinen und mittleren Betriebe, mitzukommen bei den Fortschritten der Technik und der Konzen⸗ tration des Kapitals. Ich sah die Verdrängung der zersplitterten Kleinbetriebe, das Wachsen des Großbetriebes, die Verbindungen solcher in Kolossalbetrieben, die bereits die Gegenwart, aber zwingend die Zukunft in gewissen Wirtschafts⸗ zweigen in Universal⸗ in Weltbetriebe umwandeln werden in Folge der lawinenartigen Konzentration des Kapitals und der Monopolisicung immer neuer Betriebe. Ich sah auf der anderen Seite die Zunahme der Un sicher heit der wirt⸗ schaftlichen Existenz, des Druckes, der Knechtung und der Ausbeutung der proletarischen Massen zu Gunsten Weniger. Und da ist es mir zur Gewißheit geworden, daß nur die Ver⸗ wandlung des kapitalistischen Privateigent ams an Produkiionsmitteln in gesellschaftliches Eigen⸗ tum und die Umwandlung der Warenproduktion in sozialistische für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion es bewirken kann, daß der Großbetrieb und die stets wachsende Ertrags⸗ fähigkeit der gesellschaftlichen Arbeit für die bis⸗ her ausgebeuteten Klassen aus einer Quelle niederer Lebenshaltung und Unterdrückung zu einer Quelle der höchsten Wohlfahrt und allseitiger harmonischer Vervollkommnung werde. um die Lex Heinze. Den Gesetzentwurf zur Unterdrückung der Freiheit in Kunst und Wissenschaft suchen die gescheitelten und ge⸗ schorenen Mucker mit allen Mitteln zur Annahme zu bringen. Das Zentrum sucht sich dadurch eine Deckung gegen die Angriffe zu schaffen, die ans seinen eignen Wählerkreisen wegen seines Verrates in der Flotten ⸗ frage zu erwarten sind. Um den Sieg der Heinze⸗ männer herbeizuführen, richtet der Präsident des deutschen Reichstags die Diktatur auf und giebt die Unpartei⸗ lichkeit, die von einem Präsidenten in erster Linie ver⸗ langt werden muß, preis. Hoffentlich gelingt es der Opposition, die Angriffe des Pfaffentums abzuschlagen. Der Kampf dürfte schon entschieden sein, wenn das Blatt in die Hände unserer Leser gelangt.— Ueber das Ver⸗ halten des Präsidenten finden sie weiteres im Reichs⸗ tagsbericht. Die Warenhausstener wird jetzt selbst schon den Konservativen bedenk⸗ lich. In der„Kreuzzeitung“ führt ein„Fach⸗ mann“ aus, daß die Steuer, namentlich infolge der ihr zu Grund gelegten Einteilung der Handels⸗ artikel in fünf Gruppen, das Gegenteil von dem bewirken würde, was die Mittelstandsretter wünschen. Geschäfte, welche mehr als eine Gruppe führen, würden der Steuer verfallen. Nun ist die Einteilung so getroffen, daß selbst die größeren Spezialgeschäfte Berlins und des preu⸗ ßischen Staates, die einen Umsatz von mehr als 300 000 Mk. erzielen, mit nur ganz vereinzelten Ausnahmen die Steuer zahlen müßten. Diese Geschäfte würden dadurch veranlaßt werden, da sie die Steuer ja doch zahlen müssen, neue Artikel aufzunehmen, um durch vergrößerten Umsatz die Steuer aufzubringen. Sie würden dadurch zu Bazaren auswachsen und nicht eine Verlangsamung, sondern eine Beschleunigung in der Bildung von Bazaren würde demnach der Kommissionsbeschluß zur Folge haben.“ Ganz richtig. Die Warenhaussteuer kam anläßlich einer Petition im württem⸗ bergischen Landtage zur Sprache. Der Staatsminister Pischek erhob schwere Bedenken gegen eine solche Steuer, die eine Steuer auf billigen Einkauf und rationellen Betrieb sei. Höchstens könne den Gemeinden das Recht gegeben werden, die Warenhaussteuer bis zu einer gewissen Grenze selbständig zur Besteuerung heranzuziehen. Alle bürgerlichen Parteien, sogar einige Mitglieder der Volkspartei, die bekanntlich im württem⸗ bergischem Landtage die Mehrheit hat, verlangten die Einführung einer solchen Steuer zur„Rettung des Mittelstandes“. Nur unser Genosse Kloß, der einzige Vertreter der Sozialdemo⸗ kratie, trat dem Schwindel energisch entgegen, bestritt entschieden, daß ein derartiges Gesetz dem„Mittelstande“ etwas nütze. Unter An⸗ führung drastischer Beispiele aus nächster Nähe wies er eingehend nach, wie die kapitalistische Produktionsweise mehr und mehr zur Konzen⸗ tration der Betriebe führe und daß diese Ent⸗ wickelung auch nicht durch gesetzgeberische Maß⸗ nahmen aufgehalten werden könne. Bei der Abstimmung über den Antrag Kiene, Ein⸗ führung der Warenhaussteuer, wurden 37 Stim⸗ men für und 37 gegen abgegeben. Der Präsi⸗ dent gab hierauf den Stichentscheid gegen den Antrag Kiene, der somit abgelehnt ist. Der schwäbische Mittelstand braucht die ver⸗ unglückte„Rettung“ nicht zu bedauern. Dr. Sigl über das Zentrum. Wegen seines schmählichen Umfalles in der Flottenfrage schreibt Dr. Sigl in seinem„Bayr. Vaterland“ dem Zentrum wieder einige nette Sätze ins Stammbuch. Nachdem er darauf hin⸗ gewiesen, daß nach dem Sanitätsberichte des Reichsmarineamts alljährlich von 1000 Marinemannschaften nicht weniger als 133, so⸗ mit jeder siebente Mann, in bewußter Weise erkranken, auf der ostasiatischen Station gar 338 von 1000 Mann, fährt er in seiner bekannten drastischen Weise fort: Und dasselbe Zentrum, das so mutig zu gunften der Lex Heinze tobt, das die Sittlichkeit im Lande am liebsten bis zur Engelsreinheit heben möchte, ist jetzt daran, die neue Flottenvorlage zu ge⸗ nehmigen, womit neue 30 000 Mann der Marine zugeführt und somit nach obiger Statistik weitere 4000 Mann alljährlich der erwähaten Seuche überliefert werden. Und das nämliche Zentrum, das so den Eltern die härtesten Steuern auflegt, das ihnen die Söhne nicht nur auf Jahre wegreißt, sondern diese auch noch den folgenschwersten Krankheiten aussetzt, preist sich dem Volke als Fürsprecher, als Retter, als Schirmherr der Sittlich⸗ keit an! Da ist doch der krummbeinige, knob⸗ lauchduftende Schnorrer, der den Bauern Kupfer für Gold, Blei für Silber, Wolle für Seide aufhängt, ein honetter Kerl dagegen! „Guter Ton“ uuter Christlichen. Gegenwärtig tobt ein Streit zwischen den christlichen Bergleuten zentraler und lokaler Richt⸗ ung im Rheinland. Welche Tonart die Kämpfen⸗ den Organe, der„Aachener Volksfreund“ und der „Bergknappe“ gegeneinander anschlagen, geht aus folgenden Sätzen hervor, die der bekannte Führer des christlichen Bergarbeiter⸗Verbands Brust im„Bergknappen“ seinem Gegner vom ebenfalls christlichen Volksfreund widmet: „Wir müssen aber allen Ernstes Herrn Arens fragen: Ist es der Gipfel der Nieder⸗ tracht und Bosheit, vollständig sittlich und moralischen Verkommenheit und teuflische Berechnung Ihrerseits, daß Sie in einen solchen Ton verfallen? Oder leiden Sie an geistiger Umnachtung?... Haben Sie ein Jauchefaß auf Ihrem Schreib⸗ pulte stehen und schreiben mit dessen Inhalt, oder sind Ihrerseits die persönlichen Ausfälle der Ausfluß gemeinster, niedrigster Natur und haben wir es bei Ihnen mit reinstem Janhagel zu thun? So die Frommen. Wie sollen sich denn nun die„Heiden“ ausdrücken? Zum sächsischen Wahlrechtsraub. Mit dem vorige Woche erfolgten Schluß des sächsischen Landtags hat die Thätigkeit unserer Genossen in diesem Parlament aufgehört. Die Mandate der vier sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten laufen mit dieser Legislaturperiode ab und unter der Herrschaft des von den Geldsacks⸗ Parteien eingesuhrten schändlichen Wahlgesetzes ist die Wahl eines Sozialdemokraten undenkbar. Die stärkste Partei Sachsens wird künftig im f Landtage ohne Vertreter sein; 84 pCt. der Be⸗ völkerung sind ihres Einflusses auf die Gesetz⸗ gebung beraubt.— Genosse Fräßdorf hielt in einer der letzten Sitzungen den Ordnungs⸗ helden nochmals ihre Gemeinheit vor. Gelegent⸗ lich der Beratung einer Petition auf Wieder⸗ einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sagte er: Die Aende⸗ rung des früheren Wahlrechts sei geschehen aus Furcht vor der Sozialdemokratie. Man wollte nicht bloß die Arbeiter hier nicht mehr vertreten sehen, sondern man wollte hier überhaupt die Wünsche der Arbeiter nicht mehr hören. Nicht bloß die Sozialdemokraten seien mit dem neuen Gesetz unzufrieden, sondern auch weite bürger⸗ liche Kreise, selbst Abgeordnete; sie fänden es unzulässig, daß eine so große Partei von der Vertretung ausgeschlossen sei. Die Beschwerden ihrer Vertreter hier in der Kammer hätten draußen im Lande sehr genützt. Man werde sehen, wie die Behörden den Sozialdemokraten gegenüber das Vereinsgesetz handhaben würden, wenn ihre Vertreter nicht mehr in der Kammer seien. Die Behörden würden künftig noch weniger Rücksicht auf die Rechte der Arbeiter nehmen, weil sie nicht mehr die Interpellationen der Sozialdemokraten in der Kammer zu befürchten brauchten. Ueber unsere Steuern beschließen nunmehr Sie; wir wurden unangenehm, weil wir gegen deren Verwendung zu Prinzen⸗ apanagen usw. stimmten. Wenn der Landtag nur eine Vertretung der Besitzenden ist, ist er eine Gefahr für den Staat. Die Regie⸗ rung muß sich auf die Mehrheit des Volkes stützen können. Das kann sie aber nicht, denn die Sozialdemokratie, die diese Mehrheit des Volkes repräsentiert, ist nicht mehr da. Wir sind in wirtschaftlichen Fragen oft mit der Re⸗ gierung gegangen. Nur fünf Stimmen waren für Berücksich⸗ tigung der Petition. Dieselbe ist also unter den Tisch gefallen, denn von Wiedereinführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts wollen die stillvergnügten Bourgeois nicht einmal mehr reden hören. Wer wird begnadigt? Begnadigt zwar noch nicht, aber doch auf Strafurlaub entlassen wurde, wie die „Chemnitzer Volksst.“ berichtet, der bekannte Kommerzienrat Hopffe aus Dresden, der als Kassierer des Albertvereins 200 000 Mk. unter⸗ schlug und deshalb zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Hopffe war am Hofe eine bekannte Person, eine Ordnungsstütze ersten Ranges, ein Schützer für Religion, Sitte und Ordnung— bis er als ein abge⸗ feimter Spitzbube und eine moralisch durchaus arüchige Person entlarvt wurde. Nach seiner Verurteilung war er, der Siebzigjährige, ein gebrochener Mann. Der Aufenthalt im Gefängnis— er mag etwa den vierten Teil seiner Strafe verbüßt haben— mag seiner Ge⸗ sundheit gerade auch nicht förderlich gewesen sein. Aber gleichwohl muß es Aufsehen erregen, daß dieser hochgestellte Verbrecher nach so kurzer Zeit bereits Strafurlaub erhält. Anderen Sündern gegenüber verfährt man nicht so human, zumal wenn dieselben Sozialdemokraten sind. Wir erinnern nur daran, wie seinerzeit dem in Haft befindlichen Genossen Pe us, dessen Frau auf dem Sterbebette lag, ein Gesuch um wenige Tage Urlaub abgelehnt wurde.„Gleiches Recht für Alle!“ Dekorierte Landarbeiter. Aus Ostpreußen wird dem„Vorw.“ mit⸗ geteilt, daß in der letzten Zeit an solche Arbeiter, die viele Jahre lang an einer Stelle ausgehalten haben, mehrfach das allgemeine Ehren⸗ zeichen zur Verteilung gekommen sei. Ueber diese Aufmerksamkeit waren die Dekorierten nicht wenig verwundert, denn Leute ihres„Standes“ waren bisher davon verschont geblieven. Jetzt wird von konservativer Seite erklärt, daß man dadurch die Landarbeiter von der Aus wan⸗ derung abhalten wolle. Viel verspricht man — — 2— Oberlar dine 1427! -u Gelber Une rlum die so lächel 0 Graf nannt, 1 neten zu Oe „ut einen ein in außer Worte krieg stand z 0 jedoc Zeug hätte Veut Pa ta sem hete Rad woll halt gab, zur tat wir 4 aus Nroß Fei eme f az belle shlt Anh dops tig in er Be⸗ 1 Gez. f hielt Hungz⸗ legent⸗ e lrekten Aende⸗ en aus wollte krtreten upt die Nicht neuen bürger⸗ den ez don der werden hitten werde nokraten würden, kammer weniger nehmen, ien der fürchten schließen n, weill ptinzen⸗ Landtag ist er e Regie⸗ Volkes t, denn heit des 4. Wir der Re⸗ erücksich⸗ o unter führung len die l nehr 9 Nr . doch auf wie die bekannte der als . untel⸗ fing hoe eine tte Religion, wabge— moral 2 2 —— S= enkdat. * . Nr. 21. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. sich zwar nicht davon; aber man glaubt, daß der Ordensschmuck die Landarbeiter über Hunger, Wohnungsnot und junkerlichen Hochmut hinweg⸗ trösten wird. „Entschädigung“ eines unschuldig Verurteilten. Im Jahre 1892 wurde von dem Schwur⸗ gericht in Gera der Gerbereibesitzer Brehm wegen Brandstistung und Urkundenfälschung zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 jährigem Ehrver⸗ luste verurteilt. Nachdem er den größten Teil der Strafe verbüßt, kam er wieder auf freien Fuß und betrieb nun energisch das Wiederauf⸗ nahmeverfahren. Er hatte auch Erfolg damit; im November 1899 wurde er freigesprochen. Während seines Aufenthaltes im Zuchthause war sein Geschäft in Konkurs geraten, seine Frau war mit ihren vier Kindern dem Elend preis- gepeben. Brehm beanspruchte Schadenersatz vom Staate in der Höhe von 350000 Mk. Das Oberlandesgericht Jena sprach ihm jedoch nur eine„Entschädigung“ von ganzen 2260 Mk. für 1427 Tage zu, indem es seiner Berechnung den 14—18 Mk. betragenden Wochenlohn eines Gerbergesellen zu Grunde legte. Angesichts des Umstondes, daß der Mann durch den Instiz⸗ irrtum wirtschaftlich ruiniert wurde, erscheint die sogenannte„Entschädigur gssumme“ gradezu lächerlich. Ein neuer Don Quixote. Von allen antisemitischen Agitatoren ist wohl Graf Pückler, auch der Dreschflegelgraf ge⸗ nannt, der originellste. Meistens in Gemein⸗ schaft mit Herrn Bindewald, dem Abgeord⸗ neten für Alsfeld⸗Lauterbach, zieht er von Ort zu Oct, um überall da, wo sich ein Häuflein „teutscher“ Gesinnungsgenossen zusammenfindet, seinen„Vortrag“ zu halten. Das ist nun zwar ein und derselbe seit Jahr und Tag, dafür aber äußerst inhaltschwer. Wollten die Zuhörer seine Worte in die That umsetzen, so wäre der Bürger⸗ krieg die unausbleibliche Folge. Das Gräflein stand bekanntlich schon einmal wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten vor Gericht, er wurde jedoch freigesprochen; Zuhörer bestätigten als Zeugen, daß sie ihn nicht ernst genommen hätten. So werden es auch alle vernünftigen Leute halten. Trotzdem scheint die antisemitische Partei mit den gräflichen Reden einver- standen zu sein, sie sind bisher von der anti⸗ semitischen Presse und auch von dem Abgeord⸗ neten Bindewald, dem ständigen Begleiter des Radaugrafen unwidersprochen geblieben. Deshalb wollen wir auch unseren Lesern nicht vorent⸗ halten, was er kürzlich in Leipzig von sich gab, wo er sich zugleich als der schon so lange zur Vernichtung der Sozialdemokratie gesuchte „starke Mann“ vorstellte. Hören wir also, wie wir vernichtet werden: Die Juden müßten hinausgetrieben werden aus Deutschland, sagte er, durch eine allgemeine, große Volkserhebung. Die Juden sitzen uns im Fleische, wie ein giftiges Geschwür. Die Sozial⸗ demokratie ist keine vorübergehende Erscheinung. Hinter ihr stehen die Juden und geben das Geld dazu; sie haben es verstanden, sich aus den Ar⸗ beiternfeine Judengarde heranzubilden. Heute zählt die Sozialdemokratie schon über zwei Millionen Anhänger, in 30—40 Jahren wird sie sich ver⸗ doppeln, wenn nicht Schritte dagegen gethan werden. Die Kerle muß man aber an die Wand drücken, daß ihnen die Schwarte knackt. Die Sozialdemokraten unternehmen die zahllosen Streiks; die Juden veranlassen die Arbeiter hierzu, um sie an den Gedanken des Losschlagens zu ge⸗ wöhnen, Das zeigt ja auch der sächsische Kohlen⸗ arbeiterstreik. Die Arbeiter werden immer frecher und unverschämter und wissen nicht mehr, was sie wollen. Wenn ich die Macht hätte, dann würde ich bei dem nächsten Streik ein paar Bataillone Sol⸗ daten anrücken und die Kerle zusammen⸗ schießen lassen.(Zwischenrufe: Pfui! Das ist Euer Deutschtum, Euere Nächstenliebe!) Es müssen eiserne und drakonische Gesetze gegen die Sozialdemokratie geschaffen werden. Wenn es nach mir ginge, so würde ich folgendes Gesetz vorschlagen:§ 1. Die sozialdemokratischen Führer werden ausgewiesen.§ 2. Die sozialdemokratische Presse hoͤrt auf, zu erscheinen. 8 3. Das Versammlungsrecht ist für die Sozialdemo⸗ kratie aufgehoben.§ 4. Die sozialdemokra⸗ tische Partei hat aufgehört, zu existieren. Nachsicht der Herrscher sei ein schweres Uebel; „die Kanaille(das Volk) muß geschlagen werden, daß die Fetzen fliegen, bis sie zu Kreuze kriecht.“ Dann kamen die Juden wieder an die Reihe. „Ein Volk mit solchen Sittengesetzen, wie der Talmud, sei schlimmer wie eine Räuberbande. Der Konitzer Mord ist ein Ritualmord und zeigt das Judentum in seiner infernalischen Bosheit. Möge Gott es schlagen mit seiner ge— waltigen Faust. Der Deutsche darf aber nicht nachlassen im Kampfe gegen die Judenbande. „Wir müssen das Gesindel zu Boden schmettern, koste es, was es wolle.“— Herr Bindewald sprach dann über den Burenkrieg. Er hatte, wie bemerkt, gegen die Rede des verrückten Grafen nichts einzuwenden. Dieser gräfliche Agitator stand jüngst vor dem Bezirksaus schuß seiner Heimat, der darüber ent⸗ scheiden sollte, ob dieser Mann fernerhin geeignet sei, als Amts vorsteher in Klein⸗Tschirne zu fungieren. Hier holte der Edle zu einer ge⸗ waltigen Verteidigungsrede aus. Wir müssen leider Raummangels halber davon abstehen, diese Leistung unsern Lesern ebenfalls vorzuführen, und sie so um einige vergnügte Minuten bringen. Einzelne Sätze derselben könnten getrost in Cer⸗ vantes' berühmten Roman als Aeußerungen des sinnreichen Junkers von der Mancha des Ritters von der traurigen Gestalt, stehen. So zum Beispiel wenn er sagt:„Ich möchte doch Den⸗ jenigen sehen, der es wagen sollte, mir irgend eine unehrenhafte Handlung vorzuwerfen; dem Manne würde ich in's Gesicht springen mit der Schärfe meines guten Schwer- tes und würde im beweisen, was es heißt, mich ungerecht zu beleidigen,“ Er wies darauf hin, daß er allerdings mitunter bei Morgengrauen, „mit Trompeten geschmetter durchdie Dörfer geritten“ sei. Dabei habe er einen erasten soztalen Zweck im Auge gehabt,„die Bauern aufzurütteln aus ihrem kolossalen Stumpf⸗ sinn“ und sie„durch Reiterfeste zu enthusias⸗ micren und zu begeistern.“ Es nützt ihm jedoch nichts, daß er zum Schluß drohte:„sollten Sie dennoch zu einem verurteilenden Erkenntniß ge⸗ langen, dann werden Sie es an sich selbst erfahren, was es heißt, unschuldige Leute zu verurteilen,“ — seine eignen Standesgenossen haben ihn ver⸗ urteilt und seines Amtes entsetzt. Wir würden es aber bedauern, wenn der gute Mann da⸗ durch etwa veranlaßt würde, sein agitatorische Thätigkeit einzustellen. Praktisches Christentum der Agrarier. Anders als die Mehrheit seiner Kollegen faßte der Pastor Trapp zu Alt⸗Treppin(Bez. Potsdam) seinen Beruf auf. Er kümmerte sich nicht bloß um das Seelenheil seiner Ge⸗ meindeglieder, sondern auch un deren leibliches Wohl. Er besuchte fleißig die Arbeiter und Tagelöhner der dortigen Großgrundbeßtzer, und traf er auf Mißstände in ihren Wohnungen, so forderte er sie auf, ihren Arbeitgeber zur Be⸗ seitigung der Uebelstände anzuhalten. Ferner wollte er für die Arbeiter einen freien Woche tag haben, an dem sie ihre eigenen Arbe sten machen und Sonntags zur Kirche gehen könnten. Mit derlei humanen Bestrebungen kam er aber bei den Grundbesitzern schief an. Ihnen erschien seine Thätigkeit höchst gefährlich, und so haben sie denn ein Gesuch um Versetzung des Pastors an die Kirchenbehörde gerichtet! Die Agrarier halten es eben für die Aufgabe des Pastors, den geplagten Landproletariern Ge⸗ horsam, Entsagung und Zufriedenheit zu predigen und sie aufs bessere Jenseits zu vertrösten. Wagt er es aber, die„Herren“ an ihre Pflichten zu erinnern, dann fort mit ihm! Das ist bei diesen Leuten praktisches Christentum. Kurze Notizen. Zur Reichstagswahl in Nürnberg stellten die Freisinnigen und Nationallibe⸗ ralen den Fabrikbesitzer Seiler als Kandidaten auf.— Die National⸗Sozialen halten ihren Delegiertentag vom 30. September bis 2. Oktober in Leipzig ab.— Bei der Reichslagsersaßwahl in Offen burg⸗Kehl (Baden) erhielten das Zentrum 7351 Stimmen, die Nationalliberalen 6529, unser Kandidat Genosse Geis 906 Stimmen. Unsere Partei hat dort einen Rück⸗ gang von 983 Stimmen zu verzeichnen, was der mangelhaften Agitation der dortigen Genossen zugeschrieben wird.— Die Landtags nachwahl in Meiningen ergab Stichwahl zwischen Wehner (Soz.) und Krug(B. d. L.) Ausländisches. Die französischen Gemeinderatswahlen. Die am vergangenen Sonntag in ganz Frankreich stattgefundenen Gemeinderats⸗Stichwahlen brachten in Paris den Nationalisten weitere Erfolge. Im Pariser Gemeinderat verfügen künftig die Freunde der Militär⸗ diktatur und des Pfaffentums über die Mehrheit. Unsere Parteigenossen kehren in ihrer früheren Stärke in den Gemeinderat zurück. Sie verloren vier Mandate und haben auch vier gewonnen. Der Pariser Gemeinderat wird in Zukunft zusammengesetzt sein aus 19 Sozia⸗ listen, 16 sozialistischen Radikalen, 4 Republikanern, 95 Monarchisten und 32 Nationalisten. Bedeutende Er⸗ solge haben unsere Genossen in der Provinz aufzuweisen. Besonders das industrielle Norddepartement hat sich gut gehalten. Hier haben in einer ganzen Reihe von Ge⸗ meinden die Sozialisten die Mehrheit. In Lille besteht der Gemeinderat nunmehr aus 24 Sozialisten und 10 Radikalen Auch in Marseille, das sich schon seit vielen Jahren unter sozialistischer Verwaltung befindet, siegte fast die ganze sozialistische Liste. Die belgischen Gerichte nehmen den Dummejungenstreich, den der„Atten⸗ thäter“ Sipido mit seinem Schuß auf den Wagen des Prinzen von Wales gemacht, wirklich ernst. Die Brüsseler Anklagekammer hat Sipido wegen„Mordversuchs“ und die Mitbe⸗ schuldigten Meert, Seuchot und Meire als Miturheber beziehungsweise Mitschuldige vor die Geschworenen verwiesen. Spanisches. Das durch die Pfaffenherrschaft seit Jahrhunderten nie dergedrückte und ausgebeutete spanische Volk rebelliert. In Valencia und Barcelona verweigerten viele Gewerbe⸗ treibende und Geschäftsleute die Steuern. Es kam zum Barrikadenkampf. Ueber mehrere Provinzen ist der Be⸗ lag erungszustand verhängt. Der Krieg in Südafrika. Die Buren haben sich in der letzten Wochen immer mehr nordwärts zurückgezogen, sodaß die Engländer unter Lord Roberts fast ohne Widerstand zu finden bis Kro onstad vordringen konnten, das sie besetzten. Bei der starken englischen Uebermacht und dem den Eng⸗ zändern güsstigen Terrain wäre freilich eine schwere Niederlage der Buren kaum zu vermeiden gewesen. Kroonstad war bis zur Besetzung Bloemsonteins durch die Engländer am 13. März der Hauptort des Olanjefteistaats. Es ist eine gemütliche kleine Stadt, elwa 100 englische Meilen südsich von Johannesburg und 4489 Fuß über dem Meeresspiegel, mit klarer, heller und stärkender Luft. Die Stadt zählt etwa 2000 Einwohner, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. 11 der Nähe befinden sich Kohlengruben; auch Diamanten werden gefunden. Pretoria ist von Kroonstad immerhin noch 200 Kilometer entfernt und die Engländer geben sich wohl übertriebenen Hoffnungen hin, wenn sie meinen, Lord Roberts würde in vierzehn Tagen vor der Haupt⸗ stadt Transvaals stehen. Die Schwierigkeiten beginnen jitzt erst und namentlich die Ueberschreitung des Vaal⸗ flusses dürfte den Briten nicht leicht gemacht werden.— Mafeking ist gefallen! Am 12. Mai wurde der Ort von den Buren mit ledhaftem Feuer angegriffen, wodurch das Eingeborenenviertel zerstört und eine Feuers⸗ brunst verursacht wurde. Die Engländer unter Oberst Baden⸗Powell kapitulierten, nachdem sie um Waffen⸗ stillstand nachgesucht harten. Die Buren machten 900 Gefangene. Mafcking war fast seit Ausbruch des Kriegs eingeschlossen. Durch Krankheiten und Mangel an Lebensmitteln war der Besatzung arg zugesetzt worden. Wenn auch die Einnahme Mafekings militärisch nicht sehr ins Gewicht fällt, so werden die Buren jedenfalls durch diesen Erfolg zu weiterem Widerstande angefeuert. — er Volksraad soll beschlossen haben, daß alle Be⸗ wohner Transvaols, gleichviel welcher Nationalität, ge⸗ mäß den Bestimmungen des abgeänderten Milltargesetzes, die Buren bei der Verteidigung der Republik zu unter⸗ stützen haben. 4 Die Burendelegation ist in Amerika angekommen. Ein Komitee des Stadtrats von Newyork holte die Ge⸗ sandtschaft vom Dampfer ab und eine große Volksmenge bereitete ihr einen begeisterten Empfang. Aus dem Beichstag. Die Spezial beratung der Novelle zum Unfall⸗ versicherungsgesetz beschäftigte den Reichstag in der ganzen Berichtswoche. Das Haus ist bei Beratung dieses für die große Masse der Bevölkerung äußerst wichtigen Gesetzes nur schwach besetzt, es sind in der Regel nicht mehr als 3—4 Dutzend Reichsboten anwesend. — Unsere Genossen bemühen sich nach Kräften, das Ge 1 ö ö — Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 21. setz so auszustalten, daß einigermaßen die Interessen der Arbeiter gewahrt werden; doch werden die einzelnen Paragraphen meist nach den Komissionsbeschlüssen ange⸗ nommen. Von den bürgerlichen Parteien wird den Sozial⸗ demokraten diese selbstverständliche Ausübung ihrer Pflicht übel genommen; Herr Kaplan Hitze schob ihnen sogar die Absicht unter, mit ihren Reden nur die Beratungen ver⸗ schleppen zu wollen. Auf diese Anrempelung wurde ihm von Genossen Hoch energisch gedient. Hoch sagte ihm: „Herr Hitze hat duraus keine Befugnis, uns vorzuschreiden, wann und wo wir reden sollen, und welche Anträge wir zu stellen haben. Wir sind nicht hier, um vor Herrn Hitzes Augen Enade zu finden, sondern um die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Herr Hitze sollte übrigens anerkennen, daß wir stets bemüht sind, die Sache nicht unnötig zu verschleppen. Unsere Pflicht, das Gesetz zu verbessern, dürfen wir jedoch nicht außer acht lassen. Wenn es sich um die Interessen der Berufs⸗ genossenschaften handelt, dann haben die Herren merk⸗ würdigerweise auch Zeit zulangen Reden; nur um die Interessen der Arbeiter zu verteidigen, ist ihnen die Zeit zu kurz. Wenn Herr Hitze unsere Anträge für so thöricht hält, dann verstehe ich seine Angst nicht, daß unsere Reden unter die Arbeiter kommen können. Uns liegt auch daran, die Arbeiter aufzuklären, wie das be⸗ rühmte sozialpolitische Centrum die Arbeiter im Stich läßt. Sie begnügen sich mit Scheinverbesserungen, wir wollen wirkliche Verbesserungen.“ Die Beratung der Unfallversicherungsgesetze— auf die wir hier im Einzelnen nicht eingehen können— sollte bis zum 16. Mai erledigt sein, worauf die Lex Heinze, die man längst begraben wähnte, wieder auf die Tagesordnung kommen soll. Bei dieser Gelegenheit versuchten die Dunkel männer im Verein mit dem Präsidenten, der ja auch einer der ihren ist, die Linke zu überrumpeln und die Obstruktion zu überwältigen. Bisher war es im Reichstage üblich, daß die Vertrauensleute aller Parteien sich unter Vorfitz des Präsidenten über die Erledigung der Geschäfte verständigten. Die in dieser Beziehung von dem„Seniorenkonvent“— so heißt das Vertrauensmännerkollegium— gemachten Vorschläge kann ja der Präsident annehmen oder ablehnen, auch das Plenum kann andere Dispositionen treffen. Diese Ein⸗ richtung hat sich auch immer bewährt, obwohl dieselbe nicht in der Geschäftsordnung vorgeschrieben ist. Präsident Ballestrem hat jedoch den Seniorenkonvent umgangen und es es nicht unter seiner Würde ge⸗ halten, sich mit den Heinzemännern allein dahin zu verständigen, daß die Lex Heinze noch vor der Flotten⸗ vorlage zur Erledigung kommen soll. Das Zentrum will das pfäffische Machwerk eben unter allen Umständen zum Gesetz erheben und da dies in offener, ehrlicher Weise nicht möglich ist, mußten solche hinterlistigen Manöver angewendet werden. Wegen dieser richtete am Freitag Singer eine Anfrage an das Präsidium. Präsident Ballest rem, der nicht anwesend war, antwortete am Samstag vor Eintritt in die Tages⸗ ordnung in ziemlicher Erregung auf Singers An frage. Er suchte seine Handlungsweise damit zu recht⸗ fertigen, daß der Seniorenkonvent keine geschäftsordnungs⸗ mäßige Einrichtung des Reichstages sei und er denselben berufen könne und auch nicht. Diesmal habe er denselben absichtlich nicht berufen, er halte dies aber dann für ganz überflüssig.„wenn die eine oder die andere größere Partei es sich zu ihrer Aufgabe macht, die ge⸗ ed Erledigung solcher Vorlagen mit ormellen geschäftsordnungsmäßigen Mitteln zu verhindern — was man im gewöhnlichen Leben Obstruktion nennt.“ Schließlich erklärte er, daß die Lex Heinze noch in dieser Woche zur Beratung kommen solle. Das war es eben, was Singer wissen wollte, das aber bisher nur den Heinzemännern bekannt war. Als Singer seine Befrie⸗ digung darüber ausdrückte, daß nun dem ganzen Hause bekannt sei, was der Präsident nur mit einigen Mitgliedern verabredet habe, schlug Graf Ballestrem, dessen Unparteilichkeit dadurch in etwas eigentümlichen Lichte erschien, heftig auf den Tisch und erklärte erregt, daß Verabredungen nicht stattgefunden hätten.— Der Plan war schlau ersonnen; das Pfaffengesetz wäre ohne Singers Anfrage unerwartet auf der Tagesordnung erschienen und selbstverständlich von der vorher herbei⸗ telegraphierten Heinzegarde angenommen worden. Nun⸗ mehr wird die Opposition ebenfalls am Platze sein und es wird gehörige Kämpfe absetzen. — Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich A Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Lohnbewegung der Maurer in Gießen. Am Freitag(11. Mai) Nachmittags tagte im Café Leib eine Maurer⸗Versammlung, die von faft sämmtlichen in Gießen beschäftigten 400 Mauern besucht war, um bezüglich ihrer Lohnbewegung endgültig zu beschließen. Kollege Herborn⸗Frankfurt begründete eingehend die aufgestellten Forderungen. Er wies zunächst hin auf die höheren Kosten der Lebenshaltung der Arbeiter, hervorgerufen durch Verteuerung der notwendigen Lebensmittel, und der Wohn⸗ und Mietspreise. Die Forderungen eines Stunden⸗ lohnes von 36 Pfg. für ältere und 31 Pfg. für jüngere Gesellen sei deshalb berechtigt. Da⸗ durch werde auch eine feste Norm geschaffen; gegenwärtig richte sich die Lohnzahlung oft genug nach der Gun st des Unternehmers oder Parliers. Nach den Feststeklungen der Lohnkommision be⸗ tragen gegenwärtig die Löhne für 37 Maurer 21—25 Pfg. pr. St. 1 85„ 26—29 1 1 1 1 39 01 30„* 77 35 77 3 1 77 77 77 1 181„ 32„ N 59 1 1 33„ und mehr Unbedingt notwendig sei ferner die Ver⸗ kürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden; diese liege auch im Interesse des Unternehmers, denen je länger die Arbeitszeit, defto geringer die Leistungen der Arbeiter. Viele aus wärts wohnende Maurer haben jetzt einschließlich des des Weges zur Arbeitsstelle 15— 16 stündige Arbeitszeit. Redner besprach weiter die hier üblichen mangelhaften Gerüste, das Fehlen der Abdeckung der einzelnen Stock ⸗ werke, wodurch die Gefahr für die in der Höhe Arbeitenden vergrößert werde, ferner den Mangel der Baubuden und Aborte.— Erfreulicherweise haben sich die Arbeitgeber zu Unterhandlungen bereit erklärt, so daß eine gütliche Erledigung der Angelegenheit zu hoffen ist. Dieser Hoffnung gab die Versammlung auch in der einstimmig zur Annahme gelangten Resolution Ausdruck. Zugleich wurde beschlossen, um während der Unterhandlungen freie Hand zu behalten, am Samstag d. 12. d. Mts. überall die Arbeit zu kündigen. Die Kommission, in welche Karl Busch⸗Gießen, Gg. Schön⸗Klein⸗Linden, Wilhelm Winter⸗Gleiberg und Heinrich Fischer⸗ Großen⸗Buseck einstimmig gewählt werden, wird mit der Unterhandlung mit den Arbeitgebern betraut und soll darüber in weiterer Versamm⸗ Bericht erstatten. Nach den Feststellungen der Kommission sind von den hier beschäftigten 399 Maurern 243 verheiratet. Diese haben zusammen 373 Kinder. In Gießen wohnhaft sind nur 20, die übrigen verteilen sich auf alle Orte der Umgebung. Dem Verbande gehören 329 Maurer an.— In Gießen in Arbeit genommen sind 31 Neubauten und 7 Reparaturbauten sowie 1 Brückenbau. Der Gießener Weiß binderstreik dauert noch immer fort. Für die Arbeiter steht die Sache ganz günstig, ein großer Teil der Ledigen ist ab⸗ gereist und haben dieselben anderweit Beschäftigung ge⸗ funden. Außer den wen igen bei Beginn der Bewegung stehen gebliebenen Gesellen haben die Ausständigen Streik⸗ brecher nicht zu verzeichnen. Verschiedentlich haben die Arbeitgeber anderwärts, sogar in Frankfurt auf dem Verbandsbure au, das doch den Gießener Streik unterstützt, Arbeiter gesucht, natürlich ohne welche zu finden. So mancher Maler⸗ und Weißbindermeister sieht sich deshalb genötigt, selbst den Pinsel in die Hand zu nehmen und die seit Jahren ungewohnte Thätigkeit auf dem Gerüste wieder aufzunehmen. Geringe Zu⸗ geständnisse würden sie dieser Unannehmlichkeiten ent⸗ heben! k. Nachträgliches zur Maifeier. D. Lauterbach. In den geräumigen Lokalitäten des Gastwirts Keutzer fand am letzten Sonntag unter zahl⸗ reicher Beteiligung der Genossen aus Alsfeld, Schlitz, Lauterbach und vielen Landorten die Maifeier für den oberen Bezirk unseres Wahlkreises statt, wobei Ge⸗ nosse Schmidt ⸗Preungesheim die Festrede hielt. Redner besprach eingehend die Beschlüsse des Pariser Kongresses von 1889; gerade bei unserer diesjährigen Maidemon⸗ stration könne im Hinblick auf die Greuel in Südafrika, sowie auf den Volksverrat, den die ausschlaggebende Partei in der Flottenfrage begangen, nicht laut genug gerufen werden: Nieder mit dem Militarismus und Marinismus! Es sei erfreulich, daß es auch in den dunkelsten Gegenden des Zentrums immer heller wird, das beweise das Vorgehen der Fuldaer Bauarbeiter. Das Verhalten des Dreschflegelapostels Grafen Pückler und seines Kumpans Bindewald einer scharfenß Kritik unterziehend, schloß Redner mit dem Wunsche, daß die Arbeiterschaft von Oberhessen alles aufbieten möge, um diesen Wahlkreis den Händen dieser idiotischen Prügel⸗ helden zu entreißen und für einen Sozialdemokraten zu erobern. Das Fest, welches ursprünglich in Schlitz ab⸗ gehalten werden sollte, aber durch Einwirkung der dor⸗ tigen Behörde in letzter Stunde vereitelt wurde, indem der Wirt Gg. Gerbig sein Lokal verweigerte, fand bei Gesang, Tanz, Volks⸗ und Kinderspielen einen würdigen Abschluß. Rodheim v. d. H. Das erste Mal, seit Bestehen des Weltfeiertages war es uns in diesem Jahre möglich, eine Maifeier zu arrangieren, und wir können mit dem Verlauf derselben zufrieden sein. Das Lokal war dicht besetzt von den hiesigen und aus der nächsten Umgebung erschienenen Genossen; auch die Frauen waren in statt⸗ licher Zahl vertreten. Nach dem ausgezeichneten Referat des Genossen Habicht aus Frankfurt a. M., das mit vielem Beifall belohnt wurde, gelangte eine entsprech ende Resolution einstimmig zur Annahme. Möge die Feier ein Ansporn für die hiesige junge Partei zu weiterer rühriger Arbeit für unsere gute Sache sein. Arbeiter⸗Vertreter im hessischen Ministerium. Zur Beratung von Fragen, welche die gewerblichen Arbeiter betreffen, sollen von der Ministerialadteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zukünftig auch Arbeiter herangezogen werden, welche hierzu auf Grund von Vorschlägen der Gewerbeinspekeoren, die sich zu diesem Zwecke mit Arbeiter⸗Organisationen in Verbindung gesetzt hatten, auf 3 Jahre ernannt sind. Für den Bezirk Gießen sind berufen: Gotthold Bergmann, Obermeister in Schlitz; Louis Oswald Werkmeister in Gießen und und Joh. Rudolph, Cigarrenmacher in Wieseck.— Diese Neueinrichtung ist entschieden als ein Fortschritt auf sozialpolitischem Gebiete zu begrüßen, wenn man sich auch keinen übertriebenen Erwartungen hinzugeben braucht.— Der„Gießener Anzeiger“ nimmt es dem„Vorwärs“ übel, daß er bei Besprechung dieser Angelegenheit die Rückständigkeit anderer Staaten auf diesem Gebiete her⸗ vorhebt und meint, der„Vorwärts“ könne das„Räson⸗ nieren“ nicht lassen Will der„Gieß. Anz.“ diese Rück⸗ ständigkeit bestreiten? Sieht er vielleicht das agrarische Zuchhausgesetz in Reuß oder die ewigen Quälereien der Gewerkschaften in Sachsen als sozialpolitischen Fort⸗ schritt an? Daß die sozialdemokratische Kritik sehr notwendig ist, erkannte selbst Fürst Bismark an, der zugab, daß es ohne die Sozialdemokratie überhaupt keine Sozialreform geben würde. Auch die Hoffnung des „Anz.“ daß durch das geistige Zusamme narbeiten mit christlichen Arbeitern die sozialdemokratischen bekehrt würden, dürfte sich als trügerisch erweisen; wie die Er⸗ fahrung lehrt, ist stets das Umgekehrte der Fall. Aus Wetzlar. -th. Noch immer dauert der Kampf der hiesigen Handschuhmacher fort. Es befinden sich 27 Mann, größtenteils Verheiratete mit starken Familien, im Ausstande. Wie uns von den Handschuhmachern mitgeteilt wird, waren die Forderungen der Arbeiter so gestellt, daß es zu einer Einstellung der Arbeit nicht zu kommen brauchte, wenn man nur einigermaßen Entgegen⸗ kommen von Seiten der Fabrikanten gezeigt hätte. Jedoch diesen, welche dem Verein der Handschuh⸗ fab rikanten Deutschlands angehören, ist es wohl mehr um die Zerstörung der Arbeiterorganisation zu thun, sonst wären sie wenigstens auf Unter⸗ handlungen eingegangen.— In Wetzlar werden hauptsächlich Militärhandschuhe angefertigt, die in Lieferungen submissionsweise vergeben werden. Durch die Konkurrenz der Fabrikanten sind die Preise in den letzten Jahren um 30 Pfg. das Paar herabgedrückt worden. Die Folgen davon haben immer die Arbeiter zu tragen; während früher die Näherinnen 1.80 Mark für das Dutzend erhielten, werden jetzt nur noch 1,20 Mark gezahlt. Es stünde um vieles besser, wenn die Fabrikanten die Einigkeit, die sie jetzt gegen die Arbeiter an den Tag legen, bei den Submissionen bethätigten und sich nicht gegenseitig unterbieten würden. Wenn die Unter⸗ nehmer aber glauben, die Arbeiter durch Hunger zur Wiederaufnahme der Arbeiter zu den alten Bedingungen zwingen zu können, so täuschen sie sich. Ihr protziges Verhalten hat vielmehr nur die Erbitterung auf Seite der Arbeiter gesteigert, aber auch deren Einigkeit gefestigt, und sie sind entschlossen, in dem für sie schweren Kampfe unter allen Umständen auszuharren. Das hier am Orte noch nie dagewefene Schauspiel eines Streiks dürfte also noch eine Zeit lang andauern. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. Marburg, 17. Mai. Gewerkfchaftliches. Am Sonnabend den 12. Mai fand im Lokale des Herrn Jesberg eine zahlreich besuchte Versammlrng der am hiesigen Orte beschäftigten Weißbinder, Maler, Lackierer ꝛc. statt. Genosse Tobler⸗ Hamburg, welcher das Referat übernommen hatte, schil⸗ derte den Zweck und Nutzen der Organisation, forderte die Anwesenden auf, die Lässigkeit abzustreifen um mit einzutreten in die Reihen des kämpfenden Proletariats. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung der Weißbinder, Maler, Lackierer ꝛc. erklärt sich mit den Ausführungen des Genossen Tobler⸗ Hamburg, vollständig einverstandeu. Sie erblickt in der Organisation das einzige Mittel zur Hebung ihrer Lage und verpflichtet sich, dem Verbande der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher und Weiß⸗ binder Deutschlands beizutreten.“ Der Ersolg war, daß sich sofort 20 Mann der neu gegründeten Filiale an⸗ schlossen.— Dieses ist innerhalb weniger Wochen der zweite Erfolg, der auf gewerkschaftlichem Gebiete in Marburg zu verzeichnen ist. Da es an Kräften fehlt, —— ———— ——ñ̃̃— 1 aan 1 31 Vichpt Segen kammer 1898 e volsttee bekannt het sih heit ge fihtt. Netgel fehen. 1.9 bann Heidelbe — Un dle 15 el 1 9 5 duhte beide nat boch gegen Alber d Hau Nahe. Eisenb 1 steir rat! un, 1 fin 1 Arb sotio ver der wu 19 dun wie enth 59 0 kung werd. gabe den — belehrt die Er⸗ pf der Ez Aratete ie uns Waten daß es ommen tgegen⸗ t hätte. dschuh⸗ wohl isation Unter⸗ verden die in erden. ud die 9 das Folgen tragen; Mark Ir noch ö besset, se jeht en, bel nicht Unter⸗ unger pal hen si ht nllk ste sind Kuupfe a8 hiel tines dauern. urg⸗ Nr. 21. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. ist es Pflicht der älteren Gewerkschaften, die jungen Sprößlinge vorderhand zu unterstützen, damit in Bälde die jüngst gegründeten Organisationen sest wie eine Mauer stehen. Ausflug. Am Himmelfahrtstag(24. Mai) findet morgens 5 Uhr ein Ausflug nach dem Frauenberg statt.(Nicht nach Spiegelslust, wie in dem Inserat angegeben.) Kleine Mitteilungen. * Gießen. Die Staatsanwaltschaft Gießen erläßt einen Steckbrief gegen den Grafen zu Altleiningen⸗Westerburg Friedrich Wichprecht Franz, geb. 30. Dezember 1863. Gegen densel ben 0 eine durch Urteil der Straf⸗ kammer am Landgericht Gießen vom 16. Nov. 1898 erkannte Gefängnißstrafe von 6 Monaten vollstreckt werden. Die Strafe rührt aus dem bekannten Ehebruchsprozeß her. Der Herr Graf hat sich schon vor Monaten nach Wien in Sicher⸗ heit gebracht, wo er ein echt gräfliches Leben führt. Um solche Herren hinter Schloß und Riegel zu bringen, muß man et was früher auf⸗ stehen. . Marburg. Professor Rathgen, einer der bedeutendsten Nationalökonomen, hat einen Ruf nach Heidelberg erhalten und wird demselben Folge leisten. — Unglücksfall. Der Klempnermeister Albonesy stürzte am 12. Mai von dem Neubau des Pfarrhauses und erlitt außer sonstigen Vertetzungen drei Rippenbrüche. * Vom Schlachtfeld der Arbeit. In Hanau wurden am Westbahnhofe dem 74 Jahre alten Schlosser Heck von Dörnigheim beide Beine abgefahren. Der Mann war mit Reparaturarbeiten unter einem Wagen beschäftigt, als plötzlich eine Rangiermaschine gegen diesen Wagen stieß, sodaß ihm die Räder über die Beine gingen. Er wurde in ein Kranken⸗ haus gebracht, doch starb er bereits am andern Tage. Heck war bereits über dreißig Jahre im Eisenbahndienst beschäftigt. * Ein entsetzliches Unglück wird aus Gerol⸗ stein gemeldet: In der Gewerkschaft Jünker⸗ rat kippte ein Kessel mit flüssigem Eisen um, wodurch 23 Mann verunglückten, 7 sind vollständig verbrannt. * Weiter verunglückten in Bremen drei Arbeiter dadurch, daß sie bei den Kanali⸗ sationsarbeiten durch herabfallende Erdmassen verschüttet wurden. Zwei davon erstickten, der dritte wurde gerettet. * Trichinen. In Löbtau bei Dresden wurde im Schauamt ein Schwein beschlag⸗ nahmt, welches so stark mit Trichinen durchsetzt war, daß in einem Stückchen Fleisch wie ein Haferkorn groß bis über 60 Trichinen enthalten waren. Arbeiterbewegung. In Frankfurt streiken noch ca. 500 Holzarbeiter. 59 Geschäfte mit etwa 450 Arbeitern haben die Forde⸗ rungen bewilligt. Ein Einigungsversuch vor dem Ge werbegericht scheiterte, weil die Arbeitgeber die Auf⸗ gabe der Forderung der neunstündigen Arbeitszeit von den Arbeitern verlangten. Partei-Dachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 19. Mai: Gießen. Holzarbeiterverband abends 8¼ Uhr bei Löb,„Wiener Hof“. Montag, 21. Mai: Gießen. Schneiderverband abends 8 ½ Uhr bei Orbig. Sonntag, 27. Mai: Großen⸗Linden. Nachmitt. 4 Uhr Versammlung der nichtgewerblichen Arbeiter. Die Berg⸗ und Ziegelei⸗ arbeiter sind besonders eingeladen. Arbeitersekretariate. Nach einer vom Vorstande der sozialdemokratischen Partei in Berlin erfolgten Zu⸗ sammenstellung bestehen zur Zeit in Deutschland in fol⸗ genden Städten Arbeitersekretariate: Altenburg(S.⸗A.), Unterm Schlosse 1. Altona, Große Bergstraße 204, 1. Beuthen(D..) Klucko⸗ witzerstraße 10. Bremen, Osterthorstr. 26, l. Breslau, Messergasse 18/19, J. Darmstadt, Elisabethstraße 81. Frankfurt a. M., Schnurgasse 45, I. Halle a. S., Geiststr. 21. Hannover, Leinstr. 17. Hildesheim, Judenstr. 5. Jena, Saalbahnstr. 3. Mannheim, S. 3, 10. München, Isarthorplatz 6. Nürnberg, Egydienplatz 22. Posen, Grünstr. 7. Stuttgart, Eßlingerstr. 17/19. Waldenburg, Schl. Töpferstr. 1 Die Interessenten werden ersucht, den Parteivorstand 5 der Vervollständigung des Verzeichnisses zu unter⸗ stützen. Cetzte Nachrichten. Reichstag. Donnerstag wurde die am 17. März abgebrochene Beratung der Lex Heinze bei außerordentlich starker Vesetzung des Hauses fortgesetzt. Verschiedene Anträge der Sozialde⸗ mokraten wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Tribünen sind überfüllt. Zwischenfälle sind nicht vorgekommen. 7 Unserer heutigen Gesamt⸗Auflage liegt ein Prospekt des Wareuhauses A. Baer, Gießen, bei. — Am Sonnabend, 12. Mai, abends 6½ Uhr verschied nach langen, schweren Leiden im Alter von 29½ Jahren Frau Elise Käser geb. Kreuder in ihrer Heimat, Vadenrod, wo die Ent- schlafene hoffte, ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Um ein ehrendes Andenken 850 und stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen 5 Der tleftrauernde Gatte: Karl Käser, Maschinenmeister und Kind Hugo. Vadenrod, Cassel, Stuttgart, den 14. Mai 1900. Die Beerdigung fand am Dienstag Mittag 1 2/ Uhr zu Vadenrod statt. 9 Anterhaltungsteil. 58 20 In Fesseln. Novelle von Elise Schweichel. 1 Eine der Straßen Leipzigs, die sich von dem Körper der Stadt, Fühlhörnern gleich, in das Land hinaus und der nächsten Ortschaft ent⸗ gegenstrecken, brach mit einem umfangreichen Grundstück ab. Dem Anschein nach war es ein ehemaliger Maierhof, der, auf halbem Wege zwischen Dorf und Stadt gelegen, bereits von der Häuserzeile erreicht worden war. Die stall⸗ ähnlichen Gebäude, welche den großen Hof um⸗ gaben, sprachen für diesen Ursprung, und auch das nach der Straße gelegene Wohnhaus, das man vom Hofe her betrat, paßte sich nur not⸗ dürftig den städtischen Bedürfnissen an. In den Hofgebäuden hatten sich verschiedene Handwerke angesiedelt. Die großen Schuppen mit ihren Doppelthüren boten Raum und Licht genug zu Werkstätten, deren Inhaber über den⸗ selben in roh aufgemauerten Kammern mit ihren Familien wohnten. An der Seite, die dem Hause gegenüber lag, sah man durch das geöffnete Scheunenthor einen Tischler hobeln, hämmern und sägen; daneben stopfte ein Tapezierer, der unter seine Roßhaare gern etwas von des Nach⸗ bars Hobelspähnen mischte, alte Matratzen und Sofas auf. Rechts neben dem Hofthor und vor einer Thür, die früher zum Hühnerstall ge⸗ führt haben mochte, stand Tag für Tag der dreibeinige Schemel einer Wäscherin mit dem Faß voll dampfender Seifenlauge, und links hämmerten ein Schlosser und ein Klempner ihre zweistimmige Weise im Baß und im Tenor. Der Klempner war der Eigentümer des Grundstückes. Das Geld zum Kauf desselben hatte er in Mexiko und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika erworben, von wo er erst seit wenigen Jahren mit seiner Frau, die ihn auf seinem Wanderzug begleitet hatte, nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt war. Obgleich er reichlich zum Leben und keine Familie hatte, legte der noch in den besten Jahren stehende Mann doch nicht die Hände in den Schoß. Er schaffte rüstig weiter und führte dabei zugleich die Aufsicht über den Hof, in welchem es von Kindern jedes Alters schwärmte, während seine Frau im Vorderhause die Ordnung aufrecht erhielt. Herr und Frau Bartels waren gutmütige, freundliche Leute, die mit ihren Mietern auf dem besten Fuße standen. Vor der Werkstatt des Klempners wurde es nie leer. Es gab immer den einen oder anderen Hofbewohner, der im Vorübergehen stehen blieb, um mit dem welt⸗ erfahrenen kleinen Mann mit den klugen, runden Augen ein Gespräch anzuknüpfen, auf welches jener stets gern, aber ohne seine Arbeit ruhen zu lassen, einging. Oder es sammelte sich ein Rudel Kinder vor seiner Thür, mit dem er plauderte und scherzte, denn der Klempner war ein großer Kinderfreund. Ebenso populär wie Herr Bartels auf dem Hofe, war es seine Frau im Vorderhause. Ganz das Gegenteil ihres Gatten in der äußeren Er⸗ scheinung, eine große, starkknochige, wohlbeleibte Frau, hatte sie gleich ihm„dort drüben“ Welt und Menschen und die beste Art, sie zu neh men, kennen gelernt. Ganz kürzlich war in das Vorderhaus ein Geschwisterpaar eingezogen, das sich von den übrigen Mietern, sogenannten kleinen Leuten, in vieler Beziehung unterschied. Der Bruder, ein feiner junger Mann von etwa zweiundzwanzig Jahren, sah sehr leidend aus und hinkte ein wenig. Er bedurfte frischer Luft, einer freien, grünen Aussicht und vornehmlich der Ruhe, denn er war, wie er sagte, Schriftsteller. Unter dem weiblichen Teil der Mieter er⸗ regte dieser neue Mitbewohner förmliche Sensation, Wo sich zwei Frauenzimmer trafen, sei es auf den Treppen, den Fluren oder im Hofe, blieben sie stehen und sprachen von ihm. „Haben Sie ihn schon gesehen? Gott, diese blauen Augen, und wie er sie aufschlägt! Diese 22 55 diese Leidensmiene, der reine Christus⸗ op 15 „Und das buschige, goldbraune Haar zu dem blassen Gesicht! Sütiger Himmel, muß der Mann schöne Geschichten schreiben!“ „Woher er nur das Hinken haben mag? Aber gleichviel, es trägt dazu bei, ihn noch interessanter zu machen. Das Herz thut Eiuem weh, wenn man ihn am Arm der Schwester gehen sieht.“ Die Schwester selbst, welche mit dem Bruder gleichalterig schien, jedoch um einige Jahre älter war, trat über jenen ganz iu den Hintergrund. Niemand beachtete sie, obgleich sie ein schönes Mädchen von großer, stattlicher Gestalt war. Sie hatte ebenso blaue Augen wie der Bruder, nur daß die ihrigen verständig und klar und ohne Schwärmerei in die Welt blickten, eine fein geschnittene Nase und einen nicht eben kleinen, aber hübschen, volllippigen Mund mit zwei Reihen kleiner, milchweißer Zähne. Das Haar, welches minder üppig, als des Bruders, aber von der⸗ selben goldbraunen Farbe war, trug sie hinten und vorne hoch heraufgekämmt und zu einem Knoten geschlungen. Ihre Kleidung war die einfachste. Zu Hause trug sie ein dunkelgraues, und wenn sie ausging, ein schwarzes Kleid, einen ebensolchen Umhang und dunklen Strohhut. Und sie ging alle Tage aus. Sie war Handarbeits⸗ lehrerin an einer vornehmen Privatschule, und zu Hause machte sie die kunstvollsten Stickereien. Die Geschwister hießen Julius und Johanna Storbeck. Der Name Storbeck war Herrn Bartels nicht unbekannt. Als er Leipzig verließ, gab es am Markt ein großes Konfektionsgeschäft unter der Firma Storbeck u. Comp. Jetzt war es eingegangen. Einer der Geschäftsinhaber, welcher der Vater seiner Mieter war, hatte ein trauriges Ende genommen. Eines Tages hieß es, er sei verschwunden, und mehrere Wochen darauf zog man ben Leiche bei Grimma aus der Mulde. Der damals erst fünfzehnjährigen Johanna fiel die schreckliche Aufgabe zu, den bereits in Verwesung übergegangenen Körper an e 1 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 21. Ort und Stelle zu rekognoszieren. Die Mutter, eine jener Frauen, die ewig Kinder bleiben, er⸗ klärte sich körperlich und geistig unsähig dazu. Herr Storbeck, der Vater, hatte den Tod gefunden, weil er nicht allein sein Vermögen, sondern auch das seines Kompagnons, eines Schneiders, der vom kaufmännischen Geschäft nichts verstand und Herrn Storbeck vollständig freie Hand gelassen, in gewagten Börsenspekula⸗ tionen verloren hatte. So liebevoll und für⸗ sorglich er als Familienvater, so rechtlich war er als Kaufmann gewesen, bis er der Versuchung, sich ohne Arbeit zu bereichern, erlegen war. Nachdem er den ersten großen Fehler seines Lebens begangen hatte, beging er den zweiten, indem er, statt jenen soviel wie möglich gut zu machen, die Flinte ins Korn warf und sich in den Tod flüchtete. Seine Frau blieb mit den beiden halb⸗ erwachsenen Kindern, Johanna und Julius, völlig mittellos zurück. Ihre Brüder, die große Familien und selbst nicht viel einzubrocken hatten, legten ein kleines Jahrgeld für sie zusammen. Das war alles. Mutter und Tochter fiel es nicht schwer, zu entbehren. Sie waren beide bedürfnislose Naturen, jede in ihrer Art: die Erstere aus angeborener Apathie, die Letztere aus angeborener Selbstlosigkeit. Aber da war Julius, der Augapfel der Familie, der von seiner Geburt an kränkliche Knabe, dem weder Mutter noch Schwester etwas versagen konnten. Zudem forderten seine geistigen Anlagen eine entsprechende Erziehung. Er konnte nicht irgend welchen unter⸗ geordneten Beruf ergreifen, er mußte studieren. Einflußreiche Freunde der Mutter verschafften ihm Freischule. Das war eine große Erleich⸗ terung, und allmählich fing Johanna an, auch etwas zu verdienen. Sie hätte, wie tausend andere, Musiklehrerin werden können, denn sie besaß viel Talent und eine für ihre Jahre be⸗ merkenswerte Fertigkeit auf dem Klavier; sie selbst hielt sich jedoch nicht für befähigt genug, Unterricht zu erteilen, denn ihre Studien waren jäh unterbrochen worden, da der kostbare Flügel, den Herr Storbeck seiner Tochter angeschafft hatte, bei der Geschäftsregulierung zur Konkursmasse geschlagen worden war. Aus dem Hause zu gehen und Erzieherin zu werden, daran konnte sie der kindischen Mutter und des kränklichen Bruders wegen nicht denken, trotzdem sie ihr Lehrerinnenexamen gemacht. So warf sie sich auf die Handarbeit. Sie besaß nicht nur außer⸗ ordentliches Geschick dazu, sondern auch Er⸗ findungsgabe. Ihre Stickereien waren nicht nach der Schablone gefertigt und hatten etwas Künft⸗ lerisches, sodaß sie bald die Nächte zu Hülfe nehmen mußte, um alle Aufträge, die sie erhielt, ausführen zu können. Dies that sie jedoch als 2 LTI ETI empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Regulateuren, Wand⸗ und Weckeruhren in anerkannt nur bester Qualität und zu sehr billigen Preisen. Reparaturen werden wie bekannt gut und billig in eigener Werkstätte ausgeführt.— Mehrjährige Garantie. Gg. Noc Uhrmacher Neuenbüue 5 Glessen Neuenbäue 5 EEA ATZTTEI EZ WIE etwas ganz Selbstverständliches, ganz glücklich, dem geliebten Bruder ein reichlicheres Taschen⸗ geld geben und alle seine kleinen Liebhabereien unterstützen zu können. Aus dessen Studium wurde indessen nichts. Nachdem er ein Jahr auf der Universität ge⸗ wesen, wo er sich nicht sowohl mit der Wissen⸗ schaft als mit Entwürfen zu Dramen und Ro⸗ manen beschäftigt hatte, die seine Kommilitonen mit dem Prädikat„genial“ bezeichneten, erklärte er eines Tages den Frauen, daß er Beruf zum Dichter in sich spüre und hierauf seine Zukunft bauen wolle. Ihrem Widerspruch wußte er da⸗ durch zu begegnen, daß er ihnen eine sehr baldige, reichliche Mithülfe zum Verdienst in Aussicht stellte, wogegen sie, wenn er weiter studierte, noch jahrelang die Last allein tragen müßten. Johanna namentlich konnte sich nur schwer darin finden, daß das mit so vielen Opfern erreichte Ziel, den Bruder auf der Universität zu sehen, ganz vergebens erstrebt sein sollte. Und besaß Julius wirklich jenes dichterische Talent, welches er sich zuschrieb? Sie hatte eine hohe Vor⸗ stellung von einem Dichter, denn obgleich sie nur wenig gelesen, waren es zufällig nur gute gewesen. Sollte ihr Julius wirklich zu diesen Gottbegnadeten gehören? Ihre Zweifel schwiegen indes, als jener den Seinigen ein mit seinem Namen unterzeichnetes Feuilleton einer größeren Zeitung vorlegte und einen Brief des Redakteurs derselben, worin dieser Julius aufforderte, von Zeit zu Zeit ähn⸗ liche Proben seines schönen Talents einzusenden. Beide Frauen fühlten sich hierdurch nicht wenig geschmeichelt, und waren sie schon früher auf Julius stolz gewesen, so wurden sie es jetzt um so mehr. Und in der That— sein erstes schrist⸗ stellerisches Debüt konnte große Hoffnungen er⸗ regen. Das jugendliche Feuer, die geistige Frische und Naivetät. mit denen das Feuilleton geschrieben war, schienen Originalität und poetische Begabung zu bekunden, und die Kowplimente, welche der junge Autor zu hören bekam, bestärkten ihn in der Ueberzeugung, daß die Musen an seiner Wiege gestanden. Sehr bald erschien auch ein zierliches Bänd⸗ chen mit Goldschnitt, das den Namen Julius Storbeck trug. Es enthielt anmutige Sächelchen in gebundener und ungebundener Sprache, welche bei der Kritik und dem Publikum freundliche Aufnahme fanden, die Taschen unseres Autors aber leer ließen. Trotzdem dünkte sich dieser bereits auf dem Wege zum Parnaß, und nun ging es an die Komposition eines Romans, der ihn, wie er wähnte, mit einem Schlage zum litterarischen Löwen des Tages machen sollte. (Fortsetzung folgt.) Tasehenuhren, rere Seer Ungesunise un Leiddendse! Die Heilkraft der Elektrizität ist wunderbar! Ueber die glän⸗ zenden Erfolge des Selbsikur mit der preisgekrönten elektrischen Induktionsma chine(Preis 24¼ u. 28¼ Mk.) versendet gratis u. 1 sranko 48seit. Brosch. P. Freygang Nachfolger, Dresden A 118. Dr Sprüche zur Lebensweisheit. Frei! Verstehe das wohl; es ist das innerste Verlangen unseres ganzen Wesens, frei zu sein. Freiheit, ob weise oder unweise erstrebt, ist der eine Zweck für alle Kämpfe, alles Mühen und alles Leiden des Menschen auf dieser Erde. Carlyle. * Es giebt Verbrechen, die unschuldig, selbst rühmlich durch Glanz, und Größe werden; da⸗ her kommt es, daß Diebstahl vor aller Augen Geschicklichkeit, und ungerechte Wegnahme von Ländern Eroberung heißt. * Sobald ich das Wort Gnade höre, fahre ich sogleich zurück, denn da hat die Vernunft ein Ende, und es hat nur unter Verbrechern und Dummköpfen Sinn.(Seume.) Drohungen einer Hölle im Jenseits muß man verlachen, Anweisungen auf einen Himmel aber verachten. Denn dort spricht der Fanatiker, hier aber der Spekulant. Gemeinnütziges. Gegen Darmwürmer bei Kindern sind Zwiebelabkochungen sehr wirksam. Das Mittel ist zwar schon alt, wird indessen meist falsch zubereitet und unrichtig verabfolgt. Drei mittelgroße Knoblauchzwiebeln werden mit einem Liter Milch aufs Feuer gesetzt und bis etwa auf die Hälfte, eher weniger wie mehr, ein⸗ gekocht. Alsdann wird die Masse durchgeseiht und in drei gleiche Teile geteilt. Den ersten Teil läßt man nun vormittags, den zweiten Nach⸗ mittags und den dritten am Tage darauf vor⸗ mittags austrinken. Am Tage vor Beginn der Kur muß man noch einen Eßlöffel Rizinusöl verabfolgen. Vertreibung der Warzen. Die Warzen werden sicher durch Betupfen mit Aetzkali vertilgt. Sind die Warzen schon alt und hart, so durch⸗ schneide man sie vorerst mit einem scharfen Federmesser, damit das Kali besser wirken kann. Man muß dabei selbstverständlich sehr vorsichtig zu Werke gehen. Humoristisches. Aeußerster Pflichteifer. Praktikant:„Herr Direktor, ich möchte fur heute Nachmittag um Urlaub bitten; es ist mir soeben ein Kleines bescheert worden.“ — Direktor:„So und da wollen Sie Urlaub? Na, wissen Sie, bei mir sind solche Sachen immer in den Ferien vorgekommen.“ Kleiner Unterschied.„... O, mein Mann ist sehr solid! Der trinkt abends seine zwei Maß Bier und kommt regelmäßig um zehn Uhr nachhause!“—„Bei meinem ist's g'rad' umgekehrt: Der trinkt seine zehn Maß Bier und kommt regelmäßig um zwei Uhr nach⸗ hause!“ Zur Anfertigung von Drucksachen empfiehlt sich die Buchdr. H. Klebert, Bern. Stahmer Marburg, Wehrdaerweg empfiehlt Flaschenbier finden in der Mitteldeutschen Sonntags⸗Ztg. die weiteste Ver⸗ breitung. hell und dunkel 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe Flaschen Mk. 3.— frei ins Haus. e Mosel Cognac EEK * 5— — 2 2. 2— —:.. 33 A WSS S S SS Sein 285 SS S„ ˖( XVVTT 88 2 8 SSSIL SAZ 8238 22 E A N 2 2 Dis 2 25S 22 28„ 2 2 S 2 2 SS= 2—— 8 8 e S* 8 8. 2 2 e — E 2 2 2 2 2 2 — 8 2 JE 68 8 28 .* 2 2 2 2 2 2 265 3 2—— 2— S*. Großes Loger in Taschen⸗ uhren, Weckern, Regula⸗ teuren, sowie in Uhrketten, Gold⸗ u. Silberwaren moderner, besserer Kon⸗ struktion u. Haltbarkeit zu trotzdem sehr billigen Preisen. Uhrmacher. Lollar. Für jede bei mir gekaufte Uhr 2 Jahre schriftl. Gar. Reparaturen all. 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(Das Schäfer'sche Geschäft führte nur feinste Ware in so vorzüglicher Qualität, wie solche zu regulären Preisen nicht abzusetzen ist. 1 Burschen⸗Anzug l 5 f 6— 4 Steinweg 22 Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Das publikum soll durch diese Mitteilung aufgeklärt werden, daß der Verkanf im Laden des Moritz Moses kein gericht⸗ licher, sondern von den Herren Wagner& Drebes erfolgt. Wo der Vorteil für das Publikum liegt, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Wenn Sie auch jetzt keinen Bedarf haben, so rate Ihnen dennoch, den Kauf in meinem wahrhaft großartigen Lager vorzunehmen. Hervorragend empfehle: Herren⸗Sacco⸗ und Gehrock⸗Anzüge, Loden ete. Fahrrad⸗Anzüge, Sommer⸗Haveloks und Paletots für Männer und Jünglinge, Loden⸗Joppen. Leinen⸗ und Loden⸗Schul⸗Anzüge in hunderten Stücken. Leinene Joppen und Blousen für Kinder, Knaben, Burschen und Männer. Frack⸗Anzüge und einzelne Fracks, ganz neu, keine 25 Jahre alte Schinken. Kellner⸗Anzüge ꝛc. 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