„ 8 1 5—7*tY* 2 . Gießen, Sonntag, den 18 Februar 1900. 7. Jahrg Nr. 8. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche 2 195-31 Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr it Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellun gen Juserate nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.⸗Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung jeder Lan obriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bebel über die Flotten⸗ vorlage. * Drei Tage lang hat im Reichstage der Redekampf um die allerneueste Flottenvorlage gewütet, bis das Monsteum an eine Kommission verwiesen wurde, aus der es jedenfalls vor Ostern nicht auferstehen wird. Den Höhepunkt erreichte die Debatte erst am dritten Tage, als Bebel sprach. Gewiß, Richter und Haußmann, die beiden Vertreter der bürgerlichen Opposition, haben Reden ge⸗ halten, die sich gar nicht übel lesen, Reden, über deren Spitzen sich jedermann freut, aber dennoch— matte Reden ohne Saft und ftraft. Es waren die Reden zweier Offiziere, denen die Soldaten feig ausgekniffen, ins geg⸗ nerische Lager desertiert sind. Die beiden fallen deshalb auch„oben“ nicht mehr allzu schwer in die Wagschale. Mit jugendlichem Feuer ging Bebel der preußischen Abenteuerpolitik zu Leibe. Er nahm eine Generalabrechnung vor. Doch hören wir ihn selbst: Graf Arnim(Deutsche Reichspartei) sagte gestern, die Rechte bewillige die Flotte, die Linke lehne sie ab; da hat er Recht und das wird immer so bleiben. Für Vorlagen wie diese werden die Herren auf der Rechten stets stimmen— ob mit leichtem oder schwerem Herzen, ist der Regierung gleichgültig—, weil ste dadurch zugleich einen Vorteil für ihre Klasseninteressen haben. Wir lehnen sie ab, weil sie ein Klassensystem stärken, das wir be⸗ kämpfen, weil wir zu der Regierung kein Vertrauen haben, weil die Mittel erhoben werden in einer Weise, gegen die wir stets aufs äußerste protestiert haben. Wenn die Freunde des Grafen Schwerin(konservativ) gegen die Caprivische Handelspolitik sind, wie sie versichern, so müßten sie eigentlich gegen die Vorlage sein; innerlich sind sie auch dagegen.(Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum; Widerspruch rechts.) Mit der Rede des Abg. Schädler(Zentrum) ist keineswegs, wie Graf Schwerin zu meinen scheint, das Schicksal der Vorlage besiegelt; Herr Schädler hat den Weg zur Verständigung ge⸗ wiesen und die Regierung wird, weun sie das Ganze nicht bekommen kann, mit einem Teil vorlieb nehmen, genau so wie sie es bei der letzten Militärvorlage ge⸗ macht hat. Allerdings hätte man, nachdem das Flottengesetz erst zwei Jahre alt ist, vom Zentrum eine andere Haltung erwarten sollen. Wie entrüstet war Herr Lieber, als ich bor einem Jahr die Möglichkeit dieser Vorlage erwähnte! Wie wollte er Herrn Tirpitz nach⸗ hause schicken; aber nichts von alledem, man läßt sich wieder aufs Diplomatisteren ein. Die Vor⸗ lage steht mit allem, was feierlich von den Regierungen und dem Staatssekretär im Reichs⸗ tage verkundet wurde, in schreiendem Wider⸗ spruch. Bei solchen Zumutungen hätte man doch das deutsche Volk auch einmal fragen sollen. Der Reichstag hätte eine Auflösung berlangen und die Befragung des Volkes for⸗ dern müssen, das wäre der natürliche Stand, wenn wir in Deutschland natürliche Verhältnisse hätten. Die haben wir aber nicht. Für keinen Meuschen, der die letzte Zeit seine Augen und Ohren offen gehabt hat, ist es zweifelhaft, daß auch mit dieser Vorlage noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ist. Eine dritte, eine vierte derartige Vorlage wird und muß kommen; man sieht heute als selbstverständlich an, was noch vor kurzem als unmöglich galt. Man steuert hinaus auf das Ziel, eine Flotte zu schaffen, die es im Offensivkampfe mit der mächtigsten Flotte der Welt, der englischen, aufnehmen kann; das muß deutlich ausge⸗ sprochen werden.(Zustimmung links.) 1899 hieß es, wir dürfen nicht bloß die Küsten schützen, wir müssen die Ost⸗ und die Nordsee beherrschen können schon wegen des Nordostsee⸗ kanals. Gestern versuchte der Herr Staats⸗ sekretär seine damalige Erklärung abzuschwächen; nach den Sünden, die er schon auf dem Ge⸗ wissen hat, sollte er nicht die neue Sünde be⸗ gehen, seine eigenen Ausführungen, die in den Reichstagsakten festliegen, abzuschwächen. Man ist mit unbegreiflicher Leichtfertigkeit bereit, ungemessene Mittel zu bewilligen, ohne sich zu vergegenwärtigen, was dann werden soll, wenn wir ernsthaft in einen Krieg verwickelt werden. Graf Caprivi hat ausgeführt, wenn der nächste Krieg ausbricht, werden 4 bis 4½ Millionen deutsche Soldaten unter die Waffen gerufen. Wie soll dann noch ein Seekrieg mit einer Flotte, wie hier gefordert, ausgehalten und bezahlt werden, und ist es denkbar, daß Deutschland isoliert einen Krieg mit England durchführen kann? Mir scheint es nicht denkbar; kommt aber dieser undenkbare Fall, so werden Frankreich und Rußland die beiden Staaten sich gegenseitig aufreiben lassen und dann, wenn Deutschland ausgeblutet hat, darüber herfallen und es vollends vernichten. England ist der natürliche Bundesgenosse Deutsch⸗ lands. Von dem Kapitän zur See Dubois ist eine Broschüre erschienen, die ebenfalls einen Krieg Deutschlands mit England unterstellt. Er sieht darin die baldige Vernichtung der deutschen Flotte voraus. Während des Druckes der Broschüre erfährt er von dem neuen Flotten⸗ plan; die zweite Schlachtflotte werde das Miß⸗ verhältnis einigermaßen ausgleichen, aber auch dann würde sie noch zu schwach sein. Dabei bleibt ganz außer Betracht, daß England doch ebenfalls seine Flotte vermehren wird, wie die„Times“ bereits angekündigt hat. „Daily News“ sagt, wenn der deutsche Flolten⸗ plan 1916 fertig ist, wird sich zeigen, daß das Verhältnis beider Flotten genau dasselbe ge⸗ blieben ist. In der französischen Kammer ist in diesen Tagen ein neuer Flottenplan für 900 Millionen Franks vorgelegt. Sofort nach Zustandekommen unseres Flottengesetzes hat der russische Kaiser trotz seiner Friedens⸗ demonstration 300 Millionen Rubel zur Ver⸗ stärkung der Schlachtflotte bestimmt. Das Wettrüsten geht also unverdrossen auf der ganzen Linie vorwärts. Wo sollen die hunderte von Millionen herkommen, um die Flotten zu unterhalten? Wir brauchen dann auch unter⸗ seeische Kabel, von denen jedes Dutzende von Millionen kostet, bloß um die vielen Stützpunlte, die wir in allen Meeren gewonnen haben, mit⸗ einander und mit Deutschland zu verbinden; allein die Zerstörung des Handels mit England und seinen Kolonien wäre ein so großer Verlust, daß dadurch zahlreiche Exportindustrien Deutsch⸗ lands völlig untergehen müßten. Darum ist die jetzt an gewissen Stellen aufgetretene Eng⸗ landfeindschaft unbegreiflich. Gewiß ist der Burenkrieg eine große Ungerechtigkeit, aber reicht das aus, um Deutschland bestimmen zu können, mit diesem Lande uns ganz und gar feindlich zu stellen, und was hätte Deutsch⸗ land nicht zu befürchten, wenn England zu dem handelspolitischen System Deutschlands überginge, wenn es Schutzzölle einführte! Es giebt in England natürlich auch Chauvinisten. Die Rede des Herrn v. Liebermann(Antisemit) gelegentlich der Interpellation wegen Beschlag⸗ nahme der Dampfer hat allerdings in England höchstens Lachen erregt, man schätzt die Be⸗ deutungslosigkeit des Herrn zutreffend ein und weiß, daß, wenn seine politische Anschauung zur Herrschaft gelangte, Deutschland von dem 20. ins 16. Jahrhundert zurückgeworfen werde. (Heiterkeit links.) Nun soll in den letzten zwei Jahren sich wunder was zugetragen haben, was die Flottenvermehrung unvermeidlich macht. Was hat denn der spanisch⸗amerikanische Krieg uns für Lehren gegeben? Doch nur die, daß eine moderne Seekriegsmacht eine alte, im Ver⸗ faulen begriffene in kurzer Zeit zusammenge⸗ schlagen hat. Haben Sie, Herr Graf Schwerin, oder Sie, Herr Staatssekretär Tirpitz, oder Herr Bassermann(nationalliberal), oder sonst wer etwas anderes erwartet? Auf dem Lande haben die Amerikaner nichts erreicht. Aber der Krieg hat gezeigt, wie es in einem modernen Seekriege in einer Hochseeschlacht aussieht, wie diese eisernen Panzerkolosse hilflos wie Kinder in der Badewanne sind, wenn einer der mo⸗ dernen Zuckerhüte glücklich auf ihr Deck be⸗ fördert worden ist. Die großen Armeen haben nicht den Frieden bewahrt, da verwechselt man Ursache und Wirkung; den Frieden erhalten hat der Umstand, daß die geistigen und materiellen Interessen zwischen den modernen Kulturvölkern so gewaltig ent⸗ wickelt und so mit einander intendiftiziert sind, daß schon der bloße Gedanke an die völlige Zerstörung derselben Angst und Schrecken ver⸗ breitet und man sich hütet, mit dem Feuer zu spielen.(Lebhafte Zustimmung links.) Diese großen Heere werden gezwungen, Parade⸗ objekte abzugeben, weil sich gewisse Menschen das Leben ohne solche Heere, große Festungen, Kavallerie-Angriffe u. dergl. nicht vorstellen können, die in Wirklichkeit mit einem großen Kladderadatsch enden würden (Heiterkeit); die das menschliche Leben schal und langweilig finden wurden ohne diese glänzenden Uniformen, Orden und andere Nichtse. Die Beschlagnahmen waren der dümmste Streich, den die Engländer machen konnten. Die Vermutung des Abg. Hilpert(bay. Bauern⸗ bund), daß die Sache von deutscher Seite an⸗ gezeltelt wurde, um Agitationstoff zu bekommen, hat bedingungsweise etwas für sich, wird doch eine Aeußerung einer hochgestellten Person kolportiert:„Ist das nicht famos? Jetzt werde ich alles Geld für meine Flotte bekommen, was ich gefordert habe; hätte ich doch mehr gefordert!“(Hört, hört!) Herr Bassermann meinte, schon 1898 hälten viele den Flottenplan fär ungenügend gehalten. Herr Professor v. Wencksteen macht es ja jetzt ebenso, er verlangt das Doppelte und Dreifache. Solches ist aber für d 2 I Seite 2. WMitteldeutsche Sonntags⸗Zeiiung. Nr. 8. Reichstag doch nicht entscheidend. Die Natio⸗ nalliberalen natürlich sind immer und immer für alles gewesen, was die Regie⸗ rung forderte, aber in ihren eigenen Reihen dachte man doch 1898 anders, als Herr Basser⸗ mann. Herr v. Bennigsen hat im März 1898 von einem definitiven Abschluß gesprochen und Herr Bassermann hat ihm zugestimmt. Herr v. Bennigsen soll es allerdings fertiggebracht haben, auch für den neuesten Flottenplan sich zu begeistern; bei den Nationalliberalen ist eben alles möglich.(Heiterkeit.) Wäre die Flotte zum Schutze des Handels unentbehrlich, dann müßten doch die Staaten mit größerer Flotte die größten handelspolitischen Fortschritte ge— macht haben, wie England und Frankreich. Aber das gerade Gegenteil ist wahr. England hat nur einen kleinen Fortschritt, Frankreich sogar einen Rückschritt gemacht. Ganz besonders wird gerade bei dieser Vor⸗ lage auf den großen Nutzen hingewiesen, den die Arbeiter davon haben sollen. Circa 70000 Arbeiter sollen direkt oder indirekt durch die neue Vorlage Beschäftigung erhalten. Ja, man könnte noch weiter gehen und sagen, der innere Konsum hängt davon ab. Gewiß, wo Arbeit neu entsteht, sind Arbeitskräfte nötig und das ist für die Arbeiter sehr angenehm. Wenn die Sache so einfach läge, wäre es un— begreiflich, weshalb wir gegen die Vorlage wären. Es kommt aber darauf an, für welche Zwecke man Arbeit schafft. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ob für kultur feindliche oder kulturfördernde Zwecke. Wenn Sie um Arbeit verlegen sind, wenn es keine Arbeit für Flotte und Heer mehr geben sollte, so können wir Ihnen Vor⸗ schläge in Hülle und Fülle machen. Deutschland braucht innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre mindestens 15⸗ bis 20000 Schulhäuser über das hinaus, was die Kommunen zu bauen im stande sind. Nehmen Sie jährlich den Bau von 800 Schulhäusern zu je 60 000 Mk. durchschnittlich, dann haben Sie 48 Millionen Mark. Wir brauchen Hospitäler, Rekon⸗ valeszentenanstalten, Schwindsuchts⸗ anstalten. Dadurch würden Familienväter — Mütter— Kinder erhalten bleiben, die Armenlasten vermindert werden. Be⸗ willigen Sie jährlich die Kleinigkeit von 100 Hospitalen à 500000 Mk., macht jährlich 50 Millionen; bewillfgen Sie weiter die Kleinig⸗ keit von 60 Erholungsanstalten, à 500 000 Mk., macht 30 Millionen. Diese drei Posten zusammen würden jährlich 120 Millionen Ausgaben er— fordern, gegenüber 100 Millionen, die die Flotte mit allem was drum und dran hängt, jährlich kosten würde. Wir wollen das Gewerbe, die Industrie, die Land⸗ wirtschaft heben. Schaffen Sie jährlich 100 Ackerbauschulen à 300 000 Mk., so haben Sie wieder 30 Millionen, schaffen Sie Lehrlingsanstalten für uusere Gewerbe und unsere Industrie, woran jetzt Mangel herrscht. Sie würden erstaunen, zu welchen Hunderten von Millionen Ausgaben Sie kommen würden. Denken Sie an die Bodenmeliorationen, Verkehrsmittel, Unterstützung für Kunst und Wissenschaft, wofür heute die notwendigsten Summen fehlen. Arbeit in Hülle und Fülle! Viel mehr Geld, als selbst die Flottenvorlage fordert, hätten wir nötig, um nur einiger⸗ maßen die Kulturaufgabenzu befriedigen, und dabei ist noch gar nichts Sozialistisches enthalten.(Heiterkeit.) Der Geist, der in Deutschland herrscht und uns solche und ähnliche Vorlagen bringt, wird am besten charakterisiert durch die Thatsache, daß aus der preußischen Königshymne der Vers herausgelassen wird:„Nicht Roß, nicht Reisige schützen die steile Höh...“ Das ist der Geist des vorigen Jahrhunderts, der Geist des Absolutismus, der Geist des Imperialismus, das ist der Geist, wie er im kaiserlichen Rom geherrscht hat, von dem schon einer der hervorragenster Schrift— steller jener Zeit sagt: „Biegsam werden wir vom Kaiser nach jeder beliebigen Seite gelenkt und schmiegen uns seinem Vorgange an; denn ihm wünschen PFE wir lieb zu sein, seinen Beifall zu erwerben, was solche, die ihm unähnlich sind, nicht er⸗ hoffen dürfen. Durch fortgesetzte Fügsamkeit sind wir dahin gekommen, daß fast die ganze Welt nach den Sitten des Einzelnen lebt.“ (Sehr richtig! links.) Und werden nicht sogar die Schnurrbärte bei uns nach der Sitte des Einzelnen ge⸗ tragen?(Stürmische Heiterkeit.) Ist man nicht bereits in Deutschland in römische Zeiten gekommen(Sehr gut! links,) in den Zeiten des Byzantinismus, des Serviltsmus!(Sehr gut! links.) 3 Meine Herren! Einem solchen System steht das Wesen, der innere Kern der Sozial⸗ demokratie total feindlich gegenüber, unter solchen Umständen geht die Sozialdemokratie niemals durch das kaudinische Joch einer Flotten⸗ oder Heeresvorlage. Wir fordern die Ablehnung der Flottenvorlage ohne Kommissionsberatung!(Langanhaltender Beifall dei den Sozialdemokraten.) Politische Kundschau. Gießen, 16. Februar. Unsere Professoren. Der Professor Leist hat in einer national⸗ liberalen Versammlung zu Gießen einen Vortrag über politische Gimpelfallen gehalten, worunter er die— Gewerkschaften verstanden wissen will. Eine Verleihung der Korporationsrechte an die Berufsvereine sei deshalb zu verwerfen. Durch die Gewerk⸗ schaften würde, so giebt ein Bericht der„Hess. Ldztg.“ die professoralen Darlegungen wieder, ein System der Unfreiheit etabliert. Um die ganz indifferenten Arbeiter, die„Gimpel“, ein⸗ zufangen, wurden die Unterstützungskassen be⸗ gründet. Durch die Koalitionsfreiheit werde die individuelle(persönliche) Frei⸗ heit totgeschlagen. Diese letztere müsse aber gewahrt bleiben. Daher sei eine Bestim⸗ mung dahingehend notwendig, daß die Arbeiter, die einem Berufsverein beigetreten seien, auch jederzeit unter Rückerstattung ihrer Beiträge wieder austreten könnten. Man müsse die Thüren dieser Vereine nicht zumachen, damit die Vögel(die„Gimpel“) munter wieder heraus— fliegen könnten. Herr Leist ist Professor der Rechtswissen⸗ schaft. Er hat entweder den richtigen Zeitpunkt verpaßt oder sich in seinen Heften vergriffen, sonst hätte er seine arbeiterfreundliche Vorlesung gelegentlich der Beratung der Zuchthaus⸗ vorlage, nicht aber zur Zeit des Flotten⸗ spektakels gehalten, wo doch von anderen Professoren Gimpel für die Ueberseepolitik ge⸗ fangen werden sollen. Ein wertvolles Zugeständnis macht der Referent zur Frage der Fabrik⸗ arbeit verheirateter Frauen in der Handelskammer Leipzig. Die Unternehmer in Chemnitz haben eine Eingabe an den Reichs⸗ kanzler gemacht, worin sie sich gegen jede Einschränkung der Fabrikarbeit verheirateter Frauen aussprechen und gleichzeitig haben sie ihre Leipziger Freunde um Unterstützung ihrer Petition gebeten. Das thun auch die Leipziger; zur Begrün⸗ dung führt der Referent, Herr Fabrikbesitzer Wenzel, aus, die Löhne in Sachsen seien so niedrig, daß die Arbeit der Frau für den Arbeiter die Voraussetzung zur Ehe sei. Das heißt mit anderen Worten, die sächsischen Arbeiter verdienen so wenig, daß sie damit keine Familie ernähren können. Das mögen sich die sächsischen Arbeiter merken, falls man Lohnerhöhungs⸗Forderungen als un⸗ berechtigt bezeichnet. Auch nach anderer Richtung ist die Stellung der sächsischen Fabrikanten interessant. Wenn die Frauen politische Rechte verlangen, so heißt es, die Frau gehört ins Haus. Jetzt fürchten die Herren von einer kleinen Einschränkung der Frauenarbeit eine Schmälerung des Profits, da finden sie plötzlich, daß die Frau in die Fabrik gehört. Uebrigens ist es anberswo genau so, wie in Sachsen. In Oberhessen z. B. sind viele Frauen gezwungen, in die Zigarren⸗ fabriken zu gehen aus denselben Gründen, wie sie 1755 von sächsischen Unternehmern zugegeben werden. Die Junkerbundsparade. Im Zirkus Busch in Berlin hat am Montag der„Bund der Landwirte“ seine diesjährige Generalversammlung abgehalten. Geredet haben in dieser„Bauernversammlung“: Freiherr v. Wantgenheim, Dr. Rösicke, Dr. Hahn, Kammer⸗ herr v. Frege, Dr. Oertel, Freiherr v. Loen und Liebermann v. Sonnenberg. Alles merk⸗ würdige„Bauern“. Nach dem von Dr. Hahn erstatteten Rechenschaftsbericht beträgt die Mit⸗ gllederzahl zur Zeit rund 206 000 zahlende Mitglieder. Von der Gesamtmitgliederzahl ge⸗ hören nur 1506, also/ pCt., dem Großgrund⸗ besitz, 27 500 oder 13 pCt. dem mittleren Grundbesitz, 177000 oder 86/ pCt. dem kleinen Grundbesitz an. 14000 Mitglieder sind teils Handwerker, teils Gewerbetreibende. Im Jahre 1899 sind 367 große und 5012 kleinere Versammlunzen sbgehalten worden. Die Ein⸗ nahmen betrugen 553850 Mark, die Ausgaben 552500 Mark. i Das bedauerlichste ist, daß sich so viele kleine Landwirte haben einfangen lassen. Die Großgrundbesitzer akein köunten selbstverständ⸗ lich mit ihren wahnsinnigen Forderungen keinerlei Erfolg erzielen, deshalb fangen sie die Klein⸗ bauern ein, denen sie weiß machen, daß sie alle — Rittergutsbesitzer und Kuhbauer— die gleichen Interessen hätten. Die Kleinen sind dann die Dummen, die für die Großen die Kastanien aus dem Feuer holen. Selbverständ⸗ lich sitzen in der Verwaltung des Bundes nur Große. Das Wort und die Geschäfte führen Freiherren und Doktoren. Die kleinen Bauern, die mit den Großgrundbesitzern ge⸗ meizsame Sache machen, gleichen den Hühnern, die ihre Interessenvertretung den Füchsen an⸗ vertrauen. Der gerupfte Hahn. Der Direktor des Bundes der Landwirte Dr. Hahn wurde am Samstag vom Zen⸗ trumsabgeorbneten Szmula als politischer Intriguant entlarvt, der für die Ab⸗ lehnung der Flottenverstärkung bei andern Parteien wirbt, während er selbst durch Zustimmung sich ein„nationales Ver- dienst“ erwerben will. Der Entlarvpte suchte sich herauszuflunkern und verfiel dabei der öffentlichen Lächerlichkeit. Das agrarische Hähnchen hatte aber an alledem noch nicht genug. Es wollte vom Lächerlichen vollends getötet werden und leistete sich den frechen Blödsinn, den Mann, der sein Verhalten auf⸗ gedeckt hatte, auf Pistolen zu fordern. Ab⸗ geordneter Szmula, ein alter Herr mit weißem Haar, hat sich mit seiner Fraktion über die Forderung des jungen Hahn besprochen und hat sie abgelehnt. Der agrarische Hahn hat durch diese Haus⸗ wursterei abermals bewiesen, daß er absolut keinen Anspruch darauf macht, von ernsten Menschen ernst genommen zu werden. Aller⸗ dings ist dem Agrardirektor ein mildernder Um⸗ tand zuzubilligen. Wenn alle parlamentarischen Auseinandersetzungen durch die Pistole ent⸗ schieden würden, so könnte auch auf ihn und seine Mitagrarier einmal ein Zufallstreffer kommen, was im Rede- und Geistesturnier nicht vorkommt. Prinz Heinrich, der Seefahrer, der Bruder Wilheluis II., kehrte am Dienstag von seiner zweijährigen Chinareise zurück. Er gedachte, bekanntlich nach seinem Gelöbnis vom Dezember 1897,„das Evangelium Seiner Majestät geheiligter Person im Auslande zu künden, zu predigen jedem, der es hören will, und auch denen, die es nicht hören wollen“. Das wird der Prinz denn auch wohl gethan haben, ohne es übrigens, so viel wir wissen, nöcig gehabt zu haben, mit„gepanzerter Faust“ darein zu fahren— wie es der kaiserliche Bruder für möglich gehalten. Mit höfischem Prunk ist Prinz Heinrich in Berlin von Ministern und Generälen empfangen * Wi worten Stelle in Mmutung vor Ostel gur ko mn Blättern daß die handelef lage alf wüd. gelechne einig z lage w Für wa was w. Die Gen Unter Il Reichsta Die denen d Berlin kteuerlic Nutlon in ihrer Hachen Thatsac Wersam wurden, Flotten ist unt dene, Zäch! sondern nalen Gelege 3 Mehr Arbei gehalten die 1 ein C Etr 0 zu dies 10 5 Taltge ausge gedeckt 0 hört b eu 1 en Un ine dam feng ace Vunlet Aal scheit rständ⸗ ineclet Klein⸗ ie alle — die n sind en die rständ⸗ undes schäste kleinen U ge⸗ ihnern, en an⸗ dwirte Zen⸗ iwischer dern durch Ver⸗ suchte eder alische ficht „lende fen n auf⸗ . Ab⸗ weißem er die u und Hans⸗ absolut ernsten Aller⸗ er Um⸗ rischen e eit 01 ud treffet turnier 4 i jenstag . 6. 5 bol Seiner lde Ju Nr. 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. worden. Bei dem Festmahl im Schlosse brachte der Kaiser auf Prinz Heinrich einen Trinkspruch aus, in dem es heißt: Das deutsche Volk ist mit seinen Fürsten und seinem Kaiser darüber willens⸗ einig, daß es in seiner Entwickelung einen neuen Markstein setzen will in der Schaffung der großen, den Verhältuissen entsprechenden Flotte. Anscheinend ist über diese Frage der Kaiser nicht vollkommen richtig von seinen Ministern beschieden worden. Die große Mehrheit des Volkes will nämlich von der neuen großen Flotte absolut nichts wissen. Aus der Milliarden ⸗ Flotten ⸗Aera. Aus Sieversdorf im Kreise Lebus berichtet unser Brandenburger Parteiblatt:„Nachdem hier ein neues Schulhaus erbaut und jetzt bezogen worden ist, hat man das alte Sczul⸗ haus meistbietend zum Abbruch verkauft. Dabei wurde der kolossale Preis von fünf Reichs⸗ mark erreicht. Und in diesem Hause hat bis vor kurzem ein Lehrer mit seiner Familie ge⸗ wohnt!“ N Sur Flotten vorlage. * Wir haben schon in unseren Einleitungs⸗ worten zu der Rede Bebels, die wir an leitender Stelle in heutiger Nummer abdrucken, die Ver⸗ mutung ausgesprochen, daß die Flottenvorlage vor Ostern nicht wieder aus der Kommission her⸗ auskommt. Diese Ansicht wird von zahlreichen Blättern geteilt. Wir zweifeln nicht daran, daß die Regierung und die ultramontane Kuh⸗ handels partei sich verständigen werden, die Vor⸗ lage alss in ein wenig beschnittener Weise Gesetz wüd. Immerhin muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Regierung sich bock⸗ beinig zeigt, nicht in die Beschneidung der Vor⸗ lage willigt und den Reichstag auflößst. Für wahrscheinlich halten wir das nicht, aber was wäre unter dem Zickzackkurs unmöglich? Die Genossen mögen sich darauf einrichten, daß unter Umständen im Sommer Neuwahlen zum Reichstag stattfinden. * Die 19 Volksversammlungen, in denen das arbeitende Volk der Millionenstadt Berlin Protest eingelegt hat gegen die aben⸗ teuerliche Flottenvorlage, liegen den steifleinenen Nationalsozialen schwer im Magen. Ste bleiben in ihren Berichten nicht einmal bei der Wahrheit, machen vielmehr den kindlichen Versuch, die Thatsache auf den Kopf zu stellen, daß in allen Versammlungen die Gegner ruhig angehört wurden. Angeblich sollen hier und da die Flottenprofessoren niedergeschrieen sein. Das ist unwahr. Ausgelacht sind verschie⸗ dene, aber alle haben ausreden können. Nicht die Arbeiter haben Spektakel gemacht, sondern die flottenbegeisterten„natio- nalen“ Studenten, die sich bei derartigen Gelegenheiten gern amüsteren. * In den meisten großen Städten sind nun⸗ mehr Protestversammlungen von den Arbeitern gegen die Flottenvorlage ab⸗ gehalten worden. Die erste jener„Flottenvorstellungen“, die ein Theaterdirektor angeregt hat und deren Ertrag für die Erbauung eines dem Kaiser zu schenkenden Kriegsschiffes dienen soll, hat dieser Tage im Stadttheater zu Solingen staitgefunden. Der erhoffte Ueberschuß ist jedoch ausgeblieben. Etwa 300 Personen mochten anwesend sein, sodaß ungefähr die Unkosten gedeckt sein können.— Wie der Patriotismus, so hört auch die Flottenbegeisterung am Geld⸗ beutel auf. Uns fällt da die Geschichte von einem nationalsozialen Flottenapostel ein, der einen Freund zur Teilnahme an einem Festessen zu Kaisers Geburtstag aufforderte, und auf den Bescheid, daß jenem dazu das Geld fehle, ant⸗ wortete:„Ja, ich lasse mir natürlich meine Auslagen aus der Kriegskasse bezahlen; ich schreibe sie zu den Geschäftsunkosten“. So wie dieser Patriot und Flottenmann am 27. Januar 1899 seinen Korpus atzte auf — Regimentsunkosten, so treten jetzt die wassersuͤchtigen Flottengigerl für Vermehrung der Kriegsschiffe ein auf— Volksunkosten. Wenn es auf eigene Kosten ginge, würde jener das Kaiserfestessen nicht mitgemacht haben und diese würden nicht für die Wasserpolitik eintreten. Der Krieg in Südafrika. Zum dritten Male hat General Buller über den Tugela zurückgehen müssen. Jedes Projekt zum Entsatze von Ladysmith ist wohl endgiltig aufgegeben worden. Die Oranjeburen schieben fortwährend ihre Vorposten weiter nach Süden vor. Ein Zusammenstoß mit den Streitkräften Lord Roberts wird als unmittel⸗ bar bevorstehend bezeichnet. Ein Telegramm der„Daily Mail“ aus Rensburg meldet, der englische Rückzug sei auf einen schwereren Kampf zurückzuführen als bisher geglaubt wurde. Die Verluste auf beiden Seiten seien groß. Es sei zweifelhaft, ob die Engländer Rensburg halten können. In Ladysmith haben die Engländer zu Beginn des Kriegs für mehr als 20 Millionen Munition aufgestapelt. In Bezug auf die Kosten des Krieges wird aus London gemeldet: Die von der Regierung geforderten 23 Millionen Pfund (rund 100 Millionen Mark) zur Deckung der Kriegskosten sind, wie amtlich verlautet, bereits verausgabt und genügen nicht mehr, um die jetzigen Unkosten zu decken. Aus dem Reichstag. * Nach der dreitägigen Debatte über die Flotten⸗ vorlage, an der sich außer Bebel noch in hervorragender Weise unser Genosse Froh me beteiligt hatte, war der Reichstag am Montag schlecht besucht. Auf der Tages⸗ ordnung stand u. a. eine Interpellation polnischer Ab⸗ geordneter wetzen der Auslegung des Gerichtsver⸗ fassungsgesetzes. Im heiligen deutschen Reich werden nämlich die Muß ⸗Angehörigen polnischer Nattonalität chikaniert, in⸗ dem man sie zwingt, sich vor Gericht der deutschen Sprache zu bedienen, die sie nicht verstehen. Der Be⸗ schwerde der Polen trat Genosse Stadthagen bei, weil es sich hier um eine eklatante Vergewaltigung handelt, die vor allem die polnischen Arbeiter trifft, da ja die herrschende Klasse durchweg der deutschen Sprache mächtig ist. Stadthagen machte darauf aufmerksam, daß oft deutsche Richter ein„Deutsch“ schrieben, von dem andere Deutsche mit gutem Gewissen sagen könnten: das Deutsch verstehen wir nicht.— Am Dienstag wurde über Kolonialangelegenheiten verhandelt. Genosse Bebel brachte u. a. die Mord⸗ affäre des Prinzen Arenberg zur Sprache: Es geht ein Mann nach der Kolonie, ein Mann aus einem sehr frommen katholischen Adels hause, und begeht dort eine Handlung, die man nicht anders als qualifizierten Mord bezeichnen kann. Der Mann, der dem Prinzen nicht genug Frauen verschaffen konnte, kommt mit dem Prinzen in Streit; der Soldat, den dieser herbeiruft, schießt den Mann ins Bein, dann kommt der Prinz selbst und schießt ihn nieder. Das ist einer der traurigsten von allen den traurigen Fällen aus unserer Kolonialherrlichkeit. Es sind in den Kolo⸗ nien zahlreiche Strafen verhängt worden, auch Todes⸗ strafen. In diesem Falle untersteht dee Prinz der Militärgerichtsbarkeit. Der Prinz soll mit der ganz ungemein kleinen Strafe von 2½ Jahren Festung oder Gefängnis davon gekommen sein. Das Aergste aber ist, daß der Prinz Prosper von Arenberg nach Deutschland reiste, daß ihm diese Reise in denkbar an⸗ genehmster Weise ermöglicht wurde. Jeden Anderen hätte man in Ketten gelegt im untersten Schiffsraum. Der Prinz bekommt Dienerschaft, erste Kajüte und reist wie ein Grandseigneur. Er kommt in Ham⸗ burg ans, Land; nicht als Verbrecher, sondern als freier Mann wohnt er im Hamburger Hof, empfängt Preß⸗ leute und erklärt diesen, er habe in der ganzen Sache als Ehrenmann und Offizier gehandelt; er sei gerecht und es sei alles in der Ordnung. Etwas schlimmeres von Korrumpierung der Begriffe von Ehre und Würde kann man sich doch kaum vorstellen. Auch hier sieht man wieder, wie bei uns in gewissen Schichten alle Begriffe von Moral und Ehre auf den Kopf gestellt werden je nach der Klasse, der man angehört. Nun ist der Mann ja hier in Gewahrsam genommen worden; das Erkenntnis soll nicht bestätigt, es soll ein neues Verfahren eingeleitet werden, heißt es; aber viel härter wird die neue Strafe kaum ausfallen. Seit den Mit⸗ teilungen über jene Vorgänge hören wir auch, daß bereits vor zwei Jahren ein Sergeant Hühner einen Mord begangen hat, der großes Aufsehen erregte. Ist das wahr, so beweist das, daß wir vieles von den Vorgängen dort überhaupt nicht erfahren. Hören wir von Aufständen, so sind in den meisten Fällen dieselben provoziert durch das rücksichtslose Ver⸗ halten der deutschen Beamten. Ich frage den Direktor des Kolonialamtes, was ihm von den Fällen bekannt geworden ist. Kolonialdtrektor v. Buchka: Ich bin einverstanden mit dem Vorredner darin, daß, wenn der Prinz diese That begangen hat, wie sie in den Zeitungen ziemlich übereinstimmend geschildert wird, dies eine That sein würde, gegen welche sich jedes menschliche Gefühl empören muß. Zu meinem Bedauern kann ich Näheres über den Fall zur Zeit nicht mitteilen; ein Erkenntnis, das der allerhöchsten Bestätigung unterläge, ist nicht vorhanden. Nach längerer Debatte, an der sich die verschiedensten Redner beteiligen, wird der Etat bewilligt. Am Mittwoch wurde die Beratung des Kolonial- etats fortgesetzt. Genosse Bebel wandte sich energisch gegen die Bewilligung von Geldern für Eisenbahn⸗ bauten in Afrika. Er stellte bei dieser Gelegenheit fest, daß die Usambara-Bahn regelmäßig nur einmal in der Woche fährt, nämlich dann, wenn die Herren Beamten auf die Löwenjagd fahren. Die betreffende Forderung wurde an die Budgetkommission zurück⸗ verwiesen. Pon Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zun Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Im Kampfe gegen die Schwindsucht. * Der bekannte Kreisrat Haas in Offenbach erläßt folgende Bekanntmachung, die wir mit dem Wunsche zum Abdruck bringen, daß die gemachten Vorschläge überall befolgt werden möchten: Maßregeln gegen Verbreitung der Schwindsucht. Lungen- und Kehlkopf⸗Schwindsucht(Tuber⸗ kulose) wird durch die im Hustenauswurf der Kranken enthaltenen Tuberkelbazillen auf Gesunde übertragen, wenn der Auswurf ein⸗ trocknet, verstäubt und so eingeamet wird. Auch Durchfälle solcher Kranken können in gleicher Weise schädlich wirken. Unschädlichmachung jener Auswurf⸗ stoffe verhindert die Ausbreitung der Schwindsucht, schützt die Gesunden gegen die Kranken. Um das Eintrocknen und Verstäuben zu verhüten, soll der Schwindsüchtige, ja jeder Huster(Hustenkranke wissen oft nicht, daß sie bereits Tuberkelbazillen aushusten), seinen Aus⸗ wurf in mit wenig Wasser gefüllte Ge⸗ fäße(Speinäpfe, Speigläser) entleeren; kein Huster darf auf den Fußboden oder in das Taschentuch speien. Zur Aufnahme des Aus⸗ wurfs sind in den Wohnungen Hustenkranker, übrigens in allen Häusern, auf den Treppen⸗ absätzen, besonders aber in solchen Gebäuden und Räumen, welche dem öffentlichen Verkehr dienen(Gast⸗ und Speisehäuser, Vergnügungs⸗ lokale, Versammlungsräume aller Art, Schul⸗ anstalten u. s. w.), 20 bis 25 Centimeter weite, 5 Centimeter hohe Spucknäpfe mit glattem, wenig umgebogenem Rande, aus starkem, glattem Glase, Porzellan, Steingut, emailliertem Eisen, ein bis zwei Centimeter hoch mit Wasser gefüllt, für öffentliche Verkehrsstätten mit der deutlich lesbaren Unterschrift an der Wand: „Hier Spucknapf für Huster“ in reichlicher Anzahl aufzustellen. Verdunstetes Wasser ist zu ersetzen; die Speinäpfe werden in den Abort entleert und täglich mit siedendem Wasser gereinigt. Reinlichkeit aller Orte ist die erste Bedingung für eine erfolgreiche öffentliche Gesundheitspflege; Schwindsüchtige haben sich der Reinlichkeit besonders zu befleißigen. Wohn- und Schlafräume Schwindsüchtiger sollen nur mit waschbaren Vorhängen, Tisch⸗ decken und dergl. ausgestattet, ohne Teppiche ——— Seite 4. Witleldeutsche Sonntans⸗Zeitung. Nr. 8. am Fußboden, ohne Läufer aus Wollstoffen auf den zuführenden Treppen gelassen werden und möglichst wenig Polstermöbel mit wasch⸗ baren, leicht abnehmbaren Bezügen(Staub- kappen) enthalten; federnde eiserne Gartenmöbel mit waschbaren Decken oder beweglichen Polstern ersetzen am besten die Polstermöbel und erleich⸗ tern Reinigung und Desinfektion der Räume und deren Ausstattung. Bettvorleger sollen aus waschbarem Jutestoff hergestellt sein. Täglich ist der ganze Fußboden jener Räume zur Entfernung des Staubes feucht aufzuwischen und auch im Winter mindestens eine Stunde zu durchlüften; wöchentlich sollen die Räume von Grund aus gereinigt und alle drei Monate desinfiziert werden. Eine weitere Quelle der Uebertragung von Schwindsucht kann ungekochte Milch sein, vor deren Genuß gewarnt wird. Es empfiehlt sich daher besonders der Genuß sterilisierter Milch. Immer wieder muß die Bevölkerung darauf hingewiesen werden, daß die Lungen- schwindsucht auf die nächste Umgebung durch Berührung sehr häufig übertragen wird, daß aber die Ansteckung durch Innehaltung der angeordneten Maßregeln mindestens sehr eingeschränkt werden kann. Die von Schwindsüchtigen bewohnten Räume und benutzten Gebrauchsgegenstände sind bei Todesfällen oder nach dem Verlassen einer Wohnung zu desinfizieren. Insbesondere sind Wand und Fußboden in der Nähe der Lager⸗ stelle— ein Meter in der Umgebung— gründ⸗ lich zu desinfizieren. Krankenzimmer für Schwindsüchtige müssen jährlich ein⸗ bis zweimal vorschriftsmäßig des⸗ infiziert werden. Die Thätigkeit reichlich aushustender Brust⸗ kranker als Verkäufer oder Berkäuferinnen von Nahrungs⸗ oder Genußmitteln ist nicht ohne Gefahr für die Käufer. Die Erfüllung der angeführten Vor- schriften, insbesondere die unschädliche Be⸗ seitigung der Auswurfstoffe macht den Verkehr der Gesunden mit Schwindsüchtigen unbedenk⸗ lich und verhütet die Verbreitung dieser verheerendsten Volkskrankheit. Landesverein für Arbeiterwohnungen in Hessen. * Die Großherzogin von Hessen hatte an mehrere Oberbürgermeister, Großindustrielle, Landwirte, Handwerker und angeblich auch Ar⸗ beiter aus allen Teilen des Hessenlandes Einladungen ergehen lassen, um ein Landes⸗ komitee zum Zwecke der Gründung eines Vereins zur Besserung der Wohnungsverhält⸗ nisse Minderbemittelter in Stadt und Land zu berufen. Die Eingeladenen wurden im Residenzschloß zu Darmstadt von der Großherzogin u. A. mit folgenden Worten begrüßt:„In an⸗ ken Le Fürsorge für die Hebung der ozialen Lage der mit Glücksgütern wenig gesegneten Familien in Stadt und Land hat sich in mir die Ueberzeugung befestigt, daß die Besserung des Wohnungswesens ein bedeutendes, vielleicht eines der folgereichsten und wirkungs⸗ vollsten Mittel sein wird, um für das Wohl⸗ ergehen der Minderbegüterten den Grund zu legen. Eine gesunde annehmliche Wohnung begründet das körperliche Wohlergehen, die Freude am häuslichen Herd und befestigt die Liebe zur Familie, in welcher die wesentlichste Grundlage einer sittlichen Lebensführung zu erblicken ist. Deshalb habe ich die Begründung eines Landesvereins zur Besserung der Woh⸗ nungsverhältnisse Minderbemittelter ins Auge gefaßt. Der hessische Zentralverein sollte sich das Ziel setzen, alle Kräfte des Landes zur gemeinsamen Arbeit zu sammeln. Der Verein wird nicht aus dem Auge lassen, daß, soweit thunlich, bei der Errichtung von Wohnstätten auch der Sinn für das Schöne, insbesondere für Ueverlieferungen, und aus den Bedürfnissen der einzelnen Gegenden herausgewachsene eigen— artige Formen geweckt und erhalten werden. Er wird durch gärtnerische Anlagen und Baum⸗ pflanzungen der Bevölkerung städtischer Ge— biete wie ländlicher Gegenden die Freude an der Natur zu erhalten suchen.— Nach einigen Dankworten, die Freiherr v. Heyl im Namen der Anwesenden an die Großherzogin richtete, konstituirte sich der Verein und nahm den Statutenentwurf entgegen. Sehen wir einmal zu, ob das Interesse einer Großherzogin aus solchen Vereinsbestre⸗ bungen, die bisher immer nur einen unendlich kleinen Teil der Wohnungsnot beseitigen oder mildern konnten, jetzt mehr zu machen weiß. Die Probe wird es lehren. Von der hessischen Landeslotterie. * Der neue Landeslotteriedirektor, der bekannt⸗ lich von Leipzig bezogen wurde, kann wohl mit dem Domizilwechsel von der Pleiße nach dem Woog zufrieden sein, jedenfalls hat er keine Niete in der hessischen Landeslotterie zu erwarten. Er bezieht ein Gehalt von 7500 Mark, auch wird ihm ein Gewinnanteil bis zu 1¾ Prozent des Reingewinns der Lotterie gewährt. Außerdem versicherte der Staat diese teuere Person auf die Dauer eines halben Jahres, ab 1. November 1899 für eintretende Invalität oder dessen Tod in einer Versicherungsanstalt für Mk. 50 000, wofür Mk. 2711.95 für Prämie und Kosten aus der Staatskasse zu entrichten sind. Diese Versicherung geschah deshalb, weil der Beamte erst mit Verabschiedung der den Ständen zugegangenen diesbetreffenden Vorlage mit dem Rechte auf Pension und Witwenversorgung an⸗ gestellt werden kann. Der Herr Direktor trat seinen Dienst erst am 15. November an, soll jedoch schon ab 1. November für die Landes- lotterie im Schweiße seines Angesichts gearbeitet haben, wofür ihm eine Remuneration von Mk. 300 zuerkannt wurde. Der technische Kontroleur, welcher Mk. 4200 pro Jahr und höchst wahr⸗ scheinlich eine Remuneration von 10 Prozent seines Gehaltes bezieht, wurde für Mk. 22 000 versichert, was Mk. 720 Prämie für ½ Jahr kostet. Der zweite Beamte erhält Mk. 3500 pro Jahr bis zum Höchstgehalt von Mk. 6000; der Kassierer Mk. 3100(Höchstgehalt Mk. 4600); der Kotroleur ist dem Kassirer im Gehalte gleich; der Registrator erhält Mk. 2000 steigend bis zu Mk. 4000; zwei Bureauassistenten be⸗ kommen je Mk. 2200(Höchstgehalt Mk. 2800); zwei Kanzlisten je Mk. 1300(Höchstgehalt Mk. 1700). Drei Notare bekommen für ihre Gegen⸗ wart bei den Verlosungen Mk. 4000. Für Tagegelder, Reise⸗, Umzugs⸗ und Aushilfekosten sind Mk. 6000 eingesetzt.— Wenn die Ar⸗ beiter sich an der Landeslotterie betheiligen, haben sie neben der zweifelhaften Hoffnung auf einen mageren Gewinn wenigstens den be⸗ ruhigenden Trost, daß ihre Lotteriegelder dazu beitragen, eine Anzahl Beamte gut zu besolden. Graf und Bauer. * Graf Oriola, ein nationalliberaler Agra⸗ rier, hatte am Freitag im Reichstag gleich den übrigen Abgeordneten das Verbrechen begangen, die Karnevalsrede des bayerischen Bauernbünd⸗ lers Hilpert mit fröhlichem Lachen zu begleiten. Das hatte Herrn Liebermann von Sonnenberg aufgestoßen und schon am Freitag suchte der Graf vergeblich sein Lachen als nicht bös ge⸗ meint zu entschuldigen. Aber der antisemitische Agrarier Liebermann hielt den nationalliberalen Agrarier Oriola fest beim Schopfe und am Samstag erklärte nun der Graf, er habe nicht über den agrarischen Inhalt der Hilpert⸗ Rede gelacht, sondern über die Art des Redners. So glaubte sich der Graf gerettet. Aber unerbittlich erklärte nunmehr Herr Lieber⸗ mann: Umso schlimmer! Ueber einen echten Bauen wie Hilpert zu lachen, weil er nicht die gewandte Ausdrucks weise eines langjährigen Parlamentariers habe, das kennzeichne die gräfliche Bauernneigung. Der Herr Graf meldete sich nochmals zu einer persön⸗ lichen Bemerkung, aber als er aufgerufen wurde, wußte er nichts mehr zu sagen, schwieg, setzte sich. Die Bauern im Wahlkreise des gräflichen Agrariers mit dem undeutschen Namen werden es ihm nimmermehr vergessen, daß er einen der Ihrigen ausgelacht hat. Was die Bäckerei einbringt. Unter diesem Titel schreibt der„Vorwärts“: Einige Blätter machen sich das Vergnügen, aus der in unserm Inseratentheil veröffentlichten Bilanz der„Berliner Genossenschafts⸗ Bäckerei“ auszurechnen, daß die Mitglieder der Genossenschaft, 19 an der Zahl, zehn- tausend Prozent Unternehmergewinn verdient haben. Die Berechnung stimmt nicht ganz, denn sie hält sich nur an die Thatsache, daß den Genossenschaften auf ihren 95(fünf⸗ undneunzig) Mark betragenden Geschäftsantheil 9500 Mark Dividende gutgeschrieben worden sind. In Wirklichkeit ist der in diesem Betriebe erzielte Unternehmergewinn noch viel höher, weil die braven, im Punkte Geldverdienen doch so erfahrenen Scharfmacher⸗ organe die reichlichen Abschreibungen auf verschiedene Neserven nicht mit berechnet haben. Sonst ist es also richtig, daß dieses von 19 Unternehmern betriebene kapitalistische Groß— unternehmen(304000 Mark Kassenumsatz) einen riesigen Profit abwirft und die Arbeiter können sonach den beiden Kapitalistenorganen nur dankbar sein, daß sie ihre Aufmerksamkeit auf die außerordentliche Einträglichkeit des Bäckereigewerbes für die Unternehmer gelenkt haben. Namentlich die Bäckerei- Arbeiter werden sich das für passende Gelegenheiteu merken. Rechtssprechung. § Wetzlar. Wegen ECotwendung von Buchenreisern im Werte von 25 Pfg. wurde die Ehefrau Heinrich Sch. aus Klein-Alten⸗ städten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2 Mk. 50 Pfg., zu 1 Tag Gefängnis und zum Wertersatz des entwendeten Holzes verurtheilt. § Unterm neuesten Kurs wurden nach einer Zusammenstellung des„Vorwärts“ im Januar für Vergehen, die mit der Arbeiter- bewegung zusammenhängen, von deutschen Gerichten erkannt auf insgesamt 5 Jahre, 9 Monate, 3 Wochen und 4 Tage Gefängnis und 1583 Mark Geldstrafe.— Kleine Mitteilungen. b. Heuchelheim. Am Sonntag sprach hier in gut besuchter Versammlung Frau Tröger aus Offenbach über die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation. In an⸗ schaulicher Weise schilderte die Referentin das freudlose Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen, die von all dem Schönen und Guten, das die Erde bietet, wenig oder gar nichts genießen. Dabei sei das Arbeiter-Leben in hiesigen Gegend, so traurig es auch an sich sei, noch nicht das schlechteste. Die Rednerin entwarf ein ergreifen⸗ des Bild von dem Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen in Thüringen, gleichzeitig er⸗ mahnend, dafür zu sorgen, daß man hier nicht auf dieselbe Elendsstufe komme. Noch sei es hier Zeit, sich zu wehren und zu rühren. Der Einzelne sei aber machtlos, er müsse sich mit seines Gleichen vereinen, um stark zu werden. In leicht verständlicher Weise erläuterte Frau Tröger dann Zweck und Wert der Organisation, zum Schluß auffordernd, sich derselben anzu⸗ schließen. Reichlich wurde der Referentin Bei⸗ fall gespendet. 20 Arbeiterinnen traten der Zahlstelle Heuchelheim des Deutschen Tabak- Arbeiter⸗Verbandes bei. ** Offenbach. Der Krieg der Engländer gegen die Buren zeitigt auch bereits bei uns hier, wie das„Offenb. Abdbl.“ berichtet, seine schlimmen Wirkungen. So mußte in einer der größten und ältesten Portefeuillefabriken, die vornehmlich nach England Waren liefert, eine Anzahl Arbeiter entlassen werden, da in⸗ folge des Krieges in letzter Zeit keinerlei Be⸗ stellungen eingelaufen sind. * Darmstadt. Die„Darmst Ztg.“ er⸗ klärt ihre Meldung, daß ein Steueraufseher einen sein Fahrrad zu einem sonntäglichen Ausflug benutzenden Arbeiter zur Anzeige brachte, für unrichtig. Daß gesetzlich ein Ver⸗ bot an Arbeiter, ihr stempelfreies Fahrrad gelegentlich zu einem Ausflug zu benutzen, nicht zu rechtfertigen ist, wird jetzt auch von behördlicher Seite erklärt. * Die diesjährige Volkszählung wird am 1. Dezember stattfinden. Die Entwürfe für die Zählung haben bereits dem Bundesrat vorgelegen. Derselbe überwies die Vorlage Nr. 8 W . Far die lab 9 1b 040 Zahle 1 7 We bel! e 0 diner Vo! im Regie, hat. 68. fur Zeit 1 amm. 8 don den von eben ür die d wendig it ribaten Scherflen folgende 1 Uatel Gestol tuberk in in il. U Schlin borniette nalen un für ihreg einfangen erscheinen. W. N Februar, Sich öff. Schranker Studenten und mißh handlung andere! hielten, + n Krach ge des Veref Vorstand Vorstzend mederzule sich mit legte der — Gele musterun knecht J gehörigke 6 so we hauses ei er sich 1 darmen, dei dee Najestä wurde er zu bier J Suchbesc Sounlag, des Sol schut, 0 würdigen deesez del ** Di Heascrst fl dar ganen amkeit ykeit ꝑehmer erei⸗ sende ) bon wurde Alten⸗ 2 Mk. zum theilt. N nach 9% im eiter⸗ ulschen hte, 9 ängnis sprach Frau tung n an in das rinnen, as die lleßen. gegend, 1. d greifen⸗ r Und ig er⸗ ig sei es „ Del ch mit wer dell. Frau isatiol, anzu- in Bei⸗ en der Tabak⸗ länber 15 ue , seine ger der el, die 17 till da il lei Be⸗ N 5 el⸗ 1 igll Nuzeige in Ve zahn enutzel, 10 von Nr. 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. betreffend die Entwürfe für die Volkszählung, die land⸗ nnd forstwirtschaftlichen Aufnahmen und die Vornahme einer Vieh zählung im Jahre 1900 den zuständigen Ausschüssen. ** Wetzlar. Der Regierungs⸗-Präsident v. Hövel in Coblenz erläßt einen Aufruf zum Beitritt in einen Verein, der sich die Erbauung einer Volks heilstätte für Lungenkranke im Regierungsbezirk Coblenz zum Ziel gesetzt hat. Es ist sehr gut, daß dieser Aufruf gerade zur Zeit der geplanten Flottenvergrößerung kommt. Für letztere, ein kulturfeindliches Werk, von dem das Volk nichts wissen will, werden von eben diesem Volk Milliarden gefordert; für die Lungenheilstätte, die so dringend not⸗ wendig ist, wie das liebe Brot, werden auf privatem Wege—„auch die bescheidensten Scherflein“ erbeten. In jenem Aufruf werden folgende lehrreiche Ziffern veröffentlicht: Unter je 1000 im erwerbsfähigen Alter Gestorbenen werden von der Lungen⸗ tuberkulose hingerafft: in Deutschland 342 in Preußen 360 in der Rheinprovinz 391 im Regierungsbezirk Coblenz 350 Schlimme Ziffern das. Sie lassen die bornierte Frechheit der nationalsozialen, libe⸗ ralen und professoralen Flottenagitatoren, die für ihre größenwahnsinnigen Pläne die Arbeiter einfangen wollen, in um so häßlicherem Lichte erscheinen. W. Marburg. In der am Freitag, D Februar, stattgefundenen Sitzung des S.chöffengerichts standen vor dessen Schranken drei Arbeiter, welche eine Anzahl Studenten ohne jede Veranlassung anrempelten und mißhandelten. Das Resultat dieser Ver⸗ handlung war, daß der eine 65 Tage, der andere drei Wochen Gefängnis zudiktiert er⸗ hielten, während der dritte freigesprochen wurde. — Im hiesigen Bürgerverein ist es zum Krach gekommen. In der letzten Versammlung des Vereins machten die Mitglieder gegen den Vorstand eine heftige Opposition, was den Vorsitzenden, Seebinger, veranlaßte, sein Amt niederzulegen. Diesem Beispiel folgend und sich mit dem Vorsitzenden solidarisch erklärend, legte der gesamte Vorstand seine Aemter nieder. — Gelegentlich der vorigjährigen General— musterung in Ziegenhain ließ sich der Dienst⸗ knecht Jost Hahn aus Holzburg allerlei Un⸗ gehörigkeiten zu Schulden kommen und trieb es so weit, daß er in die Arrestzelle des Rat⸗ hauses eingesperrt werden mußte. Hier benahm er sich wie ein Wilder, beschimpfte die Gen⸗ darmen, welche ihn zur Ruhe bringen wollten. Bei dieser Gelegenheit stieß er auch eine Majestätsbeleidigung aus. Dieserhalb wurde er von der Strafkammer zu Marburg zu vier Monaten Gefängnis verurtheilt; wegen Sachbeschädigung erhielt er eine Woche.— Am Sonntag, 25. Februar, findet in den Lokalitäten des Schloßgartens ein Gewerkschaftsfest statt. Die Kommission hat keine Mühe ge⸗ scheut, das Fest zu einem für die Arbeiter würdigen zu gestalten und ist der Besuch dieses Festes sehr zu empfehlen.(Siehe Inserat.) * Die Schußliste des Kaisers. Die Zeitschrift„Wild und Hund“(Verlag von Paul Parny in Berlin) veroffentlicht die Schuß⸗ Ilste des Kaisers vom Jahre 1872 bis Ende 1899. Danach hat Wilhelm II. in dieser Zeit geschossen: 1223 Stück Rotwild, 1467 Damwild, 2548 Schwarzwild, 771 Rehwild, 17446 Hasen, 22 Füchse, 121 Gemsen, 1392 Kaninchen, 73 Auerhahne, 4 Birkhähne 13 720 Fasanen, 697 Rebhühner, 56 Enten, 95 Grouse, 3 Schnepfen, 2 Dächse, 3 Rennthiere, 2 Auer⸗ ochsen, 1 Wal, 3 Bären, 7 Elche, 694 Reiher, 607 verschiedenes Gethier, in Summa: 40 957 Stück Wild. Im Durschnitt hätte demnach der deutsche Kaiser seit 28 Jahren durchschnitt⸗ lich pro Tag vier Thiere geschossen. Arbeiterbewegung. Die Bauunternehmer rüsten. Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe“ in Firma Felisch und Genossen versandten folgendes Zirkular mit dem Datum des 7. Februar. 1900: „Der Vorstand des deutschen Arbeit⸗ geberbundes für das Baugewerbe ist vielfach ersucht worden, auch in diesem Frühjahr eine be über die örtlichen Lohn⸗ verhältnisse im Baugewerbe herauszugeben. Die verehrlichen Vorstände und einzelnen Baugewerbetreibenden werden deshalb um gefällige Beantwortung und Einsendung der in dem angebogenen Formular gestellten Fragen ergebenst ersucht. Gleichzeitig bittet der Vorstand um ge⸗ fällige Angaben von Adressen, durch deren Vermittlung italienische oder ober- schlesische Maurer bezogen werden können, sowbie um Mitteilung, welche Er⸗ fahrungen mit auf diesem Wege bezogenen Leuten gemacht worden sind. Vor einigen Tagen wurde mitgeteilt, daß der Vorstand desselben Bundes, der soeben Schritte thut zur Anwerbung von Lohndrückern, beschlossen hätte, mit dem Vorstand des Zentral⸗ verbands der Maurer zur Beilegung bestehender Differenzen in Verbindung zu kreten. Danach hat es fast den Anschein, als ob man die Ar⸗ better durch scheinbares Entgegenkommen nur sicher machen will, um ihnen dann plötzlich im geeigneten Augenblicke mit um so größerer Rücksichtslosigkeit entgegenzutreten. Die Arbeiter mögen auf dem Posten sein. Die Bauunternehmer rüsten sich, eine Machtprobe großen Stils gegenüber der organisierten Arbeiterschaft zu versuchen. Der Bergarbeiterstreik in Oesterreich — speziell in Böhmen— dauert jort. Die Zahl der Streikenden wird auf 90000 geschätzt. Auch in Sachsen stellen die Bergarbeiter Forderungen, vor allem verlangen sie die Acht⸗ stunden⸗Schicht. Infolge des Kohlenmangels gestaltet sich die Lage für zahlreiche industrielle Unternehmungen immer schwieriger. 2 7 Der Taubenschlagcharakter größerer Gewerkschaften wird wieder einmal gut be⸗ leuchtet von einer Statistik des Holzarbeiter⸗ verbandes. Danach waren allein in diesem Verbande ein⸗ und wieder ausgetreten: 18 229 Mitglieder im Jahre 1895 26099„ 1 555214 1 i ii e Seit Bestehen des Verbandes sind ein⸗ und wieder ausgetreten mehr als 150 000 Mitglieder! Diese Ziffern beweisen, daß der Verband für viele nur die Durchgangsstation bildet, sei es um materieller Zwecke willen, sei es, um einem moralischen Druck zu genügen, oder sei es, daß das Interresse für die Organisation nicht lange anhält, namentlich wenn es gilt, für dieselbe dauernde Opfer zu bringen. Als Abhilfsmittel gegen diese unhaltbaren Zustände werden vorgeschlagen: Scharfe Auslese der Unterstützungsempfänger bei Streiks, Streik⸗ unterstützung erst nach angemessener Karenz⸗ zeit, energisches Einkassierersystem, Ausbau des Kassenwesens, insbeson dere Einführung der Arbeitslosenunterstützung. Hessischer Landtag. Die Zweite Kammer ist am Montag wieder zu⸗ sammengetreten. Zur Beratung stand die Regierungs⸗ vorlage betr. Verlängerung des Finanzgesetzes. Genosse Ulrich nahm die günstige Gelegenheit wahr, mit der Regierung wegen verschiedener Dinge abzurechnen. Er geißelte die Politik des Finanzministers, der den Bau notwendiger Eisenbahnlinien Privaten überlasse, nach⸗ dem man die hessische Selbständigkeit im Eisen⸗ bahnwesen an Preußen abgetreten habe. Des weiteren schilderte Gen. Ulrich, wie erbitternd die neuen Stempelsteuern schon letzt, nach so kurzer Zeit des Bestehens, wirkten. In scharfer Weise wendete sich dann unser Genosse gegen das verschtedenartige Verhalten der Staat sanwaltschaften bei Erhebung öffentlicher Anklagen. In Offenbach lehnte die Staatsanwalt⸗ schaft ein Einschreiten gegen die Beleildiger des städtischen Beamten Wolff ab, der mit dem Oberbürgermeister in Fehde lebt; in Gießen erhob die Staatsanwalt⸗ schaft öffentliche Anklage gegen einen Schneider, der in der ersten Instanz von der Anklage freigesprochen war, eine Schneiderin beleidigt zu haben.— Genosse Dr. David schloß sich den Ausführungen Ulrichs an und wendete sich namentlich gegen die Art und Weise, wie das Ste mpelsteuergesetz gehandhabt wird. Abg. Molthan(Zentr.) wendet sich gegen gericht⸗ liche Urteile in Hessen, die in einem diametralen Gegen⸗ satz zum Rechts bewußtsein des Volkes stünden. Er ging speziell auf die Verurteilung der„Frankf. Ztg“, des„Mainzer Journals“ und der„Mainzer Neuesten Nachrichten“ wegen Beleidigung des Ministeriums ein. Er wünscht, daß das Prinzip der Gleichheit Aller vor dem Gesetz in Zukunft in der Praxis strenger durchgeführt werde, nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht. Genosse Cramer erklärt, daß die sozialdemokratische Partei prinzipiell der Konzesstonierung von Privat⸗ gesellschaften 31 Bahnbauten abgen eigt sei. Justizminister Dr. Dittmar bemerkt, prinzipiell sei er der Ansicht, daß eine Kritik der Justizverwaltung mit der Kritik einzelner gerichtlicher Urteile nicht verwechselt werden dürfe. Eine Verletzung des Richters durch eine Kritik dürfe nie herbeigeführt, nie dürfe die bona fides des Richters bezweifelt werden. Partei ⸗Nachrichten. Versammlungs⸗ Kalender. Samstag, den 17. Februar: Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bei Orbig. Kreis⸗Wahl⸗Verein Gießen. Vorstandssitzung bei Gen. Orbig. Sonntag, den 18. Februar: Schlitz. Nachm. 5 Uhr bei Heinr. Trier. Die Mit⸗ glieder werden dringend gebeten, pünktlich und voll⸗ zählich zu erscheinen. Montag, den 19. Februar: Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Vortrag des Kollegen Käfer⸗ Gießen. Abends ½9 Uhr Heuchelheim. In der am 7. Februar abgehal⸗ tenen Versammlung des Arb.⸗Bild.⸗V. wurde das bis⸗ herige Mitglied Wilhelm Rinn ausgeschlossen. Letzte Nachrichten. Berlin, 16. Februar. Bei den gestrigen Stadtverordneten ⸗Ersatzwahlen wurde Genosse Em. Wurm mit 1639 Stimmen gegen 72 liberale und 359 antisemitische Stimmen ge⸗ wählt; in dem andern Wahlbezirk der 3. Ab⸗ teilung kam Genosse Glocke mit dem anti⸗ semitischen Bürgerparteiler in die Stich wahl— Glocke erhielt 1240, der Liberale 331, der Kandidat der Mieterpartei, Damaschke, der „Bodenreformer“ 316, der Bürgerparteiler 736 Stimmen. Damaschke ist ein hervorragender Nationalsozialer. Seine Parteifreunde haben die größten Anstrengungen für ihn gemacht und einen sicheren Sieg erwartet. Wie bei den Reichstagswahlen, so sind die nicht Kalten und nicht Wacmen also auch bei der Stadtverord⸗ netenwahl schmählich hineingefallen. Berlin, 16. Febr. Zum Fall Aren⸗ berg(siehe unseren heutigen Reichstagsbericht) macht die„Tägliche Rundschau“ Mitteilungen, die zeigen, daß der Peinz mit mehr als einer Brutalität belastet nach Afrika ging. Sie schreibt: Herr Kolonialdirektor v. Buchka hat im Reichstag über den Eintritt des Prinzen Prosper Arenberg in den Kolonialdienst seltsame Aufschlüsse gegeben, die mit unseren eignen Mittheilungen teilweise im Widerspruch stehen, aber an deren Richtigkeit nichts ändern. Wir behalten uns vor, auf die Angelegenheit noch zurückzukommen, sobald uns der stenographische Bericht der Verhandlung vorliegt, Einstweilen können wir unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß Herr v Buchka aus den Akten des Kolonialamts so wenig mitzutheilen für gut fand. Er hätte 3. B. nicht die Thatsache verschweigen sollen, daß Prinz Aren⸗ berg in Münster der Frau seines Wachtmeisters einen Trttt vor den Leib gegeben hat und deswegen den Rat erhielt, abzugehen. Wenn Herr v. Buchka die Verantwortung für die Entsendung des von Natur nicht bösartigen, aber im angetrunkenen Z üstande stets zu Gewaltthätigkeiten neigenden Prinzen Arenberg in die Kolonien ganz allein auf sich nimmt, so mag das vom dienstlichen Gesichtspunkt aus betrachtet sehr löblich sein; aber die Verdienste des Herrn v. Richthosen um diese Entsendung hätte er deswegen nicht völlig zu verschweigen brauchen. — — Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. war, aber wie es zum Kuß und Unterhaltungs⸗ Heil * Was macht den Mann d Ob wir feine Röcke tragen, Aufgeputzt mit rotem Kragen, Ob ein Grdensstern daran; Oder ob in groben Leinen Ohne Seichen wir erscheinen; Das macht alles nicht den Mann. Ob uns lange Titel schmücken, Schmeichler uns die Hände drücken Und uns sehen freundlich an; Oder ob, aus nied'rem Stande, Uns kaum jemand kennt im Lande: Das macht alles nicht den Mann. Reichtum von den Vätern erben, Statt durch Fleiß ihn zu erwerben, Das macht auch noch nicht den Mann; Aber unablässig schaffen, Und im Wirken nie erschlaffen: Dieses, dieses macht den Mann. Wo es gilt, die Wahrheit sagen, Keine Scheu vor Menschen tragen, Scheuen selbst nicht Acht und Bann; Jedem frei ins Auge schauen, Und der eignen Kraft vertrauen: Dieses, dieses macht den Mann. Tief sich vor den Höhern bücken, Und den Niedern unterdrücken, Das macht, wahrlich! nicht den Mann. Für die Armen mutig kämpfen Und der Reichen Hochmut dämpfen: Dieses, dieses macht den Mann. Nun wohlan! wer eine Kehle Nat und eine brave Seele; Schließ sich unserm Kreise an; Bei der Menschenwürd' und Ehre, In der Tief des Rerzens schwöre Jeder:„Ich will sein ein Mann!“ Das Abenteuer der Neufahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) Röschen erzählte nun alles, was vorgefallen Gegenkuß kam, stockte Sie wieder mit der Sprache. Doch mußte es heraus. „Es ist nicht wahr!“ rief Philipp.„Ich habe Dir keinen Kuß gegeben, und von Dir keinen empfangen.“ „So hat es Dir doch gegolten“, sagte Röschen leise und schmeichelnd. Philipp rieb sich die blonden Haare auf dem Wirbel herum, damit sie nicht zu Berge steigen sollten. „Höre, Philipp, bist Du es nicht gewesen“, sagte Röschen ängstlich,„so glaub ich Dir alles Unglaubliche, das Du mir gesagt hast,— so ist es Prinz Julian in Deinen Kleidern ge⸗ wesen!“ N Das hatte dem Philipp schon lange geahnt, uud er rief:„Der Spitzbube! Er hat mich um Deine Küsse bestohlen. Nun begreif' ich! Nur darum gab er mir seine Maske, und darum wollte er eine halbe Stunde Ich sein!“— Und nun fiel ihm die Maske ein, die ihm von der Obersängerin Rollina, dann von Röschen er⸗ zählt hatte, und erneuerte sein Verhör strenger als vorher: ob und wie sie den Prinzen vor⸗ 85 gesehen? ob ihr nicht ein Mann aufgefallen ei, ein vornehmer Herr, der ihr beim Kirch⸗ gehen nachgeschlichen sei, oder der sich im Milch⸗ gäßchen Geschäfte gemacht habe? oder ob nie ein Herr oder sonst jemand zu ihrer Mutter gekommen sei, um sie mit Geld und Wohl⸗ thaten in ihrer Verlassenheit zu unterstützen? Röschens Antworten fielen sämtlich so be⸗ ruhigend aus, und trugen so sehr das Gepräge der unbefangensten Unschuld, daß Philipps Herz wieder leicht ward. Er warnte sie vor den Schleichern und vor der Barmherzigkeit der Vornehmen, und Röschen hin wieder warnte vor den Gefahren der Maskenbälle und allen durch welche mancher junge Mensch schon recht unglücklich geworden sei. Man verga sich alle in der Unwissenheit begangenen Sünden, und Philipp stand im Begriff, den Kuß ein⸗ zufordern, der ihm bestimmt gewesen, und den er nicht empfangen hatte,— als das Pärchen im besten Augenblicke durch eine fremde Er⸗ scheinung unterbrochen wurde. Es kam im vollen Lauf und Sprung ein Mensch gegen sie gerannt, der atemlos bei Ihnen stehen blieb. An Mantel, Spieß, Hut und Horn erkannte Philipp seinen Mann. Dieser hingegen suchte den Maskenträger. Philipp reichte ihm den Hut und Seidenmantel und sagte:„Gnädigster Herr, hier Ihre Sachen. In dieser Welt tauschen wir die Rollen nicht wieder miteinander; ich käme zu kurz dabei!“ Der Prinz rief:„Nur geschwind, nur ge⸗ schwind!“ warf die nachtwächterliche Amtstracht von sich in den Schnee, band die Larve und den Mantel um, und setzte den Hut auf. Rös⸗ chen sprang erschrocken zurück. Philipp bedeckte sich mit seinem alten Filz und Mantel, und nahm Spieß und Horn. „Ich habe Dir ein Trinkgeld versprochen, Kamerad“, sagte der Prinz, aber so wahr ich lebe, ich habe mein Geldbeutel nicht bei mir!“ „Den habe ich!“ antwortete Philipp und elt ihm die Börse hin.„Sie gaben ihn meiner Braut da— aber, gnädigster Herr, wir verbitten uns Geschenke der Art!“ „Kamerad, behalte, was Du hast, und mache dich geschwind aus dem Staube; Du bist hier nicht sicher!“ rief der Prinz eilig, und wollte davon. Philipp hielt ihn am Mantel fest. „Gnädiger Herr, wir haben noch eins abzu⸗ machen!“ „Flieh, sag' ich Dir, Nachtwächter! Flieh, man stellt Dir nach!“ „Ich habe keine Ursache, zu fliehen, gnädigster Herr! Aber ich habe Ihnen hier Ihre Börse—“ „Die behalte! Lauf was Du kannst!“ „Und einen Wechsel des Marschalls Blanken⸗ schwerd von fünftausend Gulden zuzustellen.“ „Der Hagel, wie kommst du mit dem Marschall Blankenschwerd zusammen, Nacht⸗ wächter?“ „Er sagte, es sei eine Spielschuld, die er Ihnen zu zahlen habe. Er will diese Nacht noch mit seiner Gemahlin auf seine polnischen Güter. „Bist Du toll? Woher weißt Du das? Wo gab er Dir die Aufträge an mich?“ „Gnädigster Herr, und der Finanzminister Bodenlos will bei Abraham Levi alle Ihre Schulden zahlen, wenn Sie sich für ihn beim 5 verwenden wollen, daß er Minister leibe!“ „Nachtwächter, Du bist vom hellen Teufel besessen! „Ich habe Ihn aber in Hochdero Namen abgewiesen!“ „Du den Minister?“ „Ja, gnädigster Herr! Hingegen habe ich die Gräfin VBonau mit dem Kammerherrn Pilzow wieder vollkommen versöhnt.“ „Wer von uns beiden ist ein ä „Noch eins! Die Sängerin Rollina ist eine Gren Buhlerin, gnädigster Herr! Ich kenne eren Liebeshändel. Sie sind der Betrogene, Darum hielt ich es für Ihre Königliche Hoheit unwürdig, sich mit ihr einzulassen, und habe für diese Nacht das Abendessen bet ihr abbestellt.“ „Die Rollina? Wie kamst Du zu der?“ „Noch eins! Der Herzog Hermann ist fürchterlich gegen Sie aufgebracht wegen der Kellergeschichte. Er wolle Sie beim Könige verklagen.“ „Der Herzog? Wer hat Dir denn das alles erzählt?“ „Er selbst. Sie sind noch nicht sicher. Zum Könige aber geht er jetzt nicht mehr, denn ich drohte ihm mit dem Zettel, den er dem Bäckermädchen gab. Hingegen wollte er sich mit Ihnen auf Tod und Leben schlagen. Nehmen Sie sich in acht vor ihm!“ „Eins sage mir, weißt Du, woher der Herzog „Er weiß alles von der Marschallin Blanken⸗ schwerd; die hat es ihm augeplaudert, und daß sie als Hexe bei dem Gaukelspiele gesessen.“ Der Prinz nahm den Philipp beim Arm und sagte:„Spaßvogel, Du bist kein Nacht⸗ wächter!“ Er drehte ihm das Gesicht gegen eine aus der Ferne her schimmernde Laterne, und erschrak, als er einen ihm vollkommen fremden Menschen sah. „Bist Du vom Satan besessen, oder Wer bift Du denn?“ fragte Julian, der vor Schrecken ganz nüchtern geworden war. „Ich bin der Gärtner Philipp Stark, Sohn des Nachtwächters Gottlieb Stark!“ antwortete Philipp ruhig. VIII. „Nun ja, den suchen wir eben! Halt Bursche!“ riefen mehrere Stimmen, und Philipp, Röschen und der Prinz sahen sich plötzlich von sechs handfesten Dienern der Hochlöblichen Polizei umringt. Röschen that einen lauten Schrei. Philipp ergriff des erschrockenen Mädchens Hand und segte:„Habe keine Bange!“ Der Prinz klopfte dem Philipp auf die Schulter und sagte:„Es ist ein dummer Streich! Ich sagte Dir nicht vergebens, Du sollest Dich zur rechten Zeit davon machen. Aber ängstige Dich nicht; es soll Dir nichts widerfahren!“ „Das wird sich nachher ergeben!“ versetzte einer der Handfesten.„Einstweilen wird er mit uns kommen!“ „Wohin?“ fragte Philipp.„Ich bin in meinem Dienst; ich bin der Nachtwächter!“ „Das haben wir schon gehört, und eben deswegen kommt Ihr mit uns!“ „Laßt ihn gehen!“ sagte Julian und suchte in den Taschen nach Geld. Da er nichts fand, flüsterte er Philipp heimlich zu, ihnen aus der Börse zu geben. Die Handfesten aber rissen die beiden aus⸗ einander und riefen:„Fort! Hier werden keine Abreden mehr genommen. Auch die Maske ist verdächtig und muß mit uns:“ „Die nicht!“ sagte Philipp.„Ihr wollt den Nachtwächter, der bin ich! Könnt Ihr es verantworten, mich aus meinen Berufsgeschästen zu nehmen, so führt mich, wohin es Euch beliebt. Diesen Herrn aber laßt gehen!“ „Das ist nicht Eure Sache, uns zu lehren, wen wir für verdächtig halten sollen!“ versetzte einer der Polizeidiener.„Marsch, alles mit „Auch das Frauenzimmer 2“ fragte Philipp. „Ich will nicht hoffen.“. „Nun, das Jüngferchen mag gehen. Für sie haben wir keinen Befehl. Aber Namen und Gesichtchen müssen wir für den Notfall kennen, und den Aufenthalt.“ f „Es ist die Tochter der Witwe Bittner im Milchtzäßchen!“ sagte Philipp, und ärgerte sich nicht wenig, als die Kerle alle das Gesicht des weinenden Röschens gegen den Schein der fernen Straßenlaterne drehten und begafften. „Geh nach Hause, Röschen!“ sagte Philipp. „Geh nach Hause; fürchte nichts fuͤr mich, ich habe ein gutes Gewissen.“ Röschen aber schluchzte laut, daß es selbst den Polizeidienern Mitleid einflößte. Der Prinz wollte diesen Umstand benutzen, um durch einen Sprung zu entkommen. Aber von den Hand⸗ festen war stand mit einem Satz vor ihm und sagte: „Holla! der hat ein schlechtes Gewissen; er muß mit uns. Vorwärts, marsch!“ „Wohin?“ fragte der Prinz. Excellenz dem Herrn Polizeiminister!“ „Hört, Leute“, sagte der Prinz sehr ernst, denn ihm war bei der Geschichte garnicht wohl zu Mut, weil er eben sein Nachtwächterstückchen nicht verraten wissen wollte,„hört Leute, ich bin diesen Augenblick nur sehr zufällig zu diesem Nachtwächter gekommen; Ihr habt mit mir nichts zu schaffen! Ich bin vom Hofe. Unter⸗ steht Ihr Euch, mich zu zwingen, mit Euch zu gehen, so werdet Ihr Euern Irrtum bereuen und morgen bei Wasser und Brot im Turme sitzen!“(Schluß folgt.) Abenteuern mit Frauenzimmern hohen Standes, weiß, daß ich— einer noch ein besserer Springer, „Direkt und schnurgeraden Weges zu Seiner Fun en 0 lüullsse kin, gal Nutri 0 00 gra „aber die 0 ehlichen scildern Der er dröhnte ge Wie dur 0 friedliche Fürchttrlie galcppiate und Mun roten bo. die Fele big leg Vun 3 lie senkte sich Feind hebt gesattelten Kurz l. auf unseren fürchterlich Pfeifen, eme di schem Han Augen star die kriechen überall zue rückbleiben sie kamen. sie sich ve. Schnellhei zurück zu Merku den ringe aufgestüls damit die 6 standen Jünglinge Das Häuschen liedergesch die Skan! Lage und Zug Vert Mit gebto Blutflecke Aublick h. einem Gre nach der! und ich ke Schreclich file Kugel faber sc enen Tt. 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Man fühlte Fürchterliches nahen. Große Klumpen Bürger galoppierten nach ihren Stellungen; Kanonen und Munitionswagen polterten über die Fels⸗ brocken vorbei und schwere Granaten splitterten die Felsen um uns hin. Doch wir blieben ruhig liegen, der Feind war zu weit entfernt. Von 3 bis 7 Uhr dauerte der Eisenhagel, dann senkte sich die Nacht mitleidig auf Freund und Feind herab. Wir legten uns neben unsere gesattelten Pferde, das Gewehr im Arm. Kurz nach 2 Uhr morgens lagen wir wieder auf unseren Posten, und nun begann der längste, fürchterlichste Tag meines Lebens. Das Dröhnen, Pfeifen, Zischen, Rasseln, Schreien, Röcheln hemmte die Denkkraft, zwang allein zu physt⸗ schem Handeln. Die Hände waren ruhig, die Augen starr auf die Linien und Haufen gerichtet, die kriechend, springend, hüpfend sich fortbewegten, überall zuckende Punkte zurücklassend. Die zu⸗ rückbleibenden Punkte wurden Haufen, je näher sie kamen. Die Linien waren gebrochen, als sie sich von dem Boden erhoben und in toller Schnellheit herankamen, um ebenso schnell wieder zurück zu eilen. Merkwürdig war die Haltung der Kämpfen⸗ den rings um mich herum. Die Hemdärmel aufgestülpt, das Hemd auf der Brust offen, damit die schwache Brise den Schweiß aufsaugte, so standen sie da, lauernd, zielend, Greist neben Jünglingen und Knaben. Das erste Ereignis war ein gefangenes Häufchen Hochländer, ungefähr 40 Mann, die niedergeschlagen vorbeizogen. Dann hieß es, die Skandinavier seien in einer gefährlichen Lage und kämpften als Helden. Ein trauriger Zug Verwundeter kam vorbei; zuerst ein Bur mit gebrochenem Arm, danach einer mit großen Blutflecken am Schenkel. Einen gräßlichen Anblick bot ein Reiter, dem der linke Fuß von einem Grauatsplitter abgeschlagen war; er suchte nach der Ambulance; wankend saß er im Sattel, und ich konnte nicht begreifen, daß er nicht fiel. Schrecklich schrie ein junger, starker Bur, den eine Kugel in den Kopf verrückt gemacht zu haben schien; er schlug um sich und rang mit seinen Trägern. Das Wasser schoß mir in die Augen beim Aublick eines sechzehnjährigen Pot⸗ chefstroomers, dessen linkes Bein durch eine Granate zerschmettert war. Er lag ganz ruhig auf der Tragbahre und lispelte:„Es ist so arg nicht, aber ich habe so schrecklich Durst“. Der arme Knabe hatte zwei Stunden in der glühenden Sonne gelegen, bevor Hilfe kam. Dann kam der Zug der Toten. Gegen 4 Uhr nahm das Geschützfeuer ab und sprachen nur noch die Mauser von Lee Metfords. Nun hatten unsere Maxims Chance. Die Engländer flohen nach allen Richtungen hin, allen voraus die Reiter. Die tapferen Hochländer versuchten immer und immer wieder durch unsere Linien zu brechen, aber sie fielen, um nie wieder aufzustehen. Die Sonne ging unter und mit ihr die Hoffnung der Engländer auf den Sieg. Dienstag Morgen war der Anblick gräßlich. Vierzig Stunden lang hatten unsere Leute in ihren Laufgräben in der Kniebeuge gesessen oder auf dem harten Boden gekniet, und nun schleppten sie sich, die gefühllosen Glieder reibend, in das Vorgelände. Da lag, tot, schrecklich anzusehen, die Blüte von Englands Söhnen. Fünfzehn Schritte von den Laufgräben entfernt lag ein junger Offizier. Er war herangekommen, den Helm schwingend, und hatte gerufen:„So, Kerle, jetzt sind wir da!“ als ihn drei Kugeln trafen. Auf fünfzig Schritte Abstand von den Laufgräben lagen die Leute der schottischen Regimenter wirklich in Haufen, die meisten tot, viele sterbend, klagend, stöhnend. Es waren lauter Riesen in merkwürdigen Haltungen, die ihnen der Tod gegeben. Um einen kleinen Ameisenhaufen herum fand ich vier große Hoch⸗ länder im ewigen Schlaf; sie hatten gedacht, dahinter Deckung zu finden, doch die Mauser⸗ kugel war durchgedrungen wie durch Kuchen. Es war sehr still, sehr still unter unseren Leuten. Die Freude über unseren Sieg erstarb auf den Lippen beim Anblick von so großem Jammer!“ Sprüche zur Lebensweisheit. Alle Kunst praktischer Erfolge besteht darin, alle Kraft zu jeder Zeit auf einen Punkt— auf den wichtigsten Punkt— zu konzentrieren und nicht nach rechts und links zu sehen.“ . Lassalle. Das Erdenleben, wie's auch sei, Ist doch nur immer Plackerei. * Wo viel Licht, ist viel Schatten. Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende alles Wissens. Goethe. . Der führt eine traurige Flinte Und besser die Kühe treibt, Der nur mit Feder und Tinte Und nicht mit seinem Blute schreibt. Karl Henckell. Gemeinnütziges. Der Diphtheritis vorzubeugen, thut man gut, auch dem scheinbar unbedeutendsten Katarrh gleich energisch entgegenzutreten. Die Dis position zu derartigen Affektionen kann durch Abhärtung vermindert werden. Kaltes Gurgeln, kaltes Waschen des Halses sind vorzügliche Präservative. Namentlich sei man bei Epide⸗ mien auf der Hut und behandle daher jeden Katarrh mit besonderer Sorgfalt. Ausgiebigste Reinlichkeit, Ventilation und peinlichste Sauber⸗ keit müssen dann geübt werden.— Ist man um den Kranken, so wasche man sich mit Karbol⸗ säure und stecke bei Bepinseln des Halses in Nase und Ohren Watte, halte den Mund ge⸗ schlossen. Man lasse bei Behandlung von solchen Kranken nie den Mut sinken, denn oft haben die schwersten Fälle einen glücklichen Ausgang, man handle daher kräftig und be⸗ sonnen. Mit Gicht behafteten Personen ist der Genuß von Aepfeln sehr zu empfehlen. Die Aepfel enthalten ein reichliches Verhältnis an Zucker, Schleim und Stärkemehl, mit dem jene Säuren und aromatischen Bestandteile ver⸗ bunden sind, welche bei Personen, die häufig animalische Nahrung zu genießen pflegen, dazu dienen, die Geneigtheit dieser Nahrungsmittel, in Fäulnis überzugehen, verhindern und als kühlende Stärkungs⸗ und antiseptische Mittel wirken und die Verdauung befördern. Solchen Personen, welche Geneigtheit zur Gicht besttzen, würde ein Spaziergang vor dem Frühstück und der Genuß eines guten Pipinapfels zu empfehlen sein, indem er wesentlich dazu beiträgt, die Anfälle dieser Krankheit zu verhindern. Humoristisches. Die Beine hoch! Seiner ersten Broschüre„Die Waffen nieder!“ hat Professor Arnold Folke jetzt eine zweite folgen lassen, die den Titel führt„Die Beine hoch!“ Der verdiente Verfasser macht darin den Vor⸗ schlag, daß alle Mitglieder der Flotten vereine sich an jedem Tage mindestens einmal in freudiger Be⸗ geisterung auf den Kopf stellen sollen. Was dabei an Geld aus den Taschen herausfällt, wird den Kassen für freiwillige Selbstbesteuerung zugeführt. Mit Recht weist Professor Fokke darauf hin, daß auch Damen, wenn sie unter sich sind, sich an diesen patriotischen Uebung en beteiligen können. Möge es bald kein deutsches Haus mehr geben, wo nicht die Broschüre fleißig gelesen und täglich in ihrem Sinne gehandelt wird.(Kladderad.) * Ausgleichende Gerechtigkeit— diese besteht — um nur ein Beispiel zu nennen— darin, daß wenn man zwar keine Excellenz einen Esel nennen darf, man dafür aber das Recht hat, jeden Esel eine Excellenz zu schimpfen. Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Das Arbeiterrecht. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben Heft 5 und 6 des „Arbeiterrecht“ von Arthur Stadthagen, Mitglied des deutschen Reichstags, erschienen. Dem Werke direkt an⸗ geschlossen ist der Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Mit vielen Beispielen und Formularen für Klagen, Anträge und Beschwerden u. s. w. Das„Arbeiterrecht“ enthält alles, was für den Arbeiter notwendig ist zu wissen und macht Textaus⸗ gaben der Gesetze erst verständlich. Das Werk wird in 92 Lieferungen von je 32 Seiten à 20 Pfg. erscheinen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Kolpor⸗ teure entgegen. Alle acht Tage erscheint ein Heft. Mit dem Bezuge einzelner Hefte kann jederzeit begonnen werden. Sonntag, den 18. Tebruar, vormittags 10 Ahr: Oeffentlsche auf Lonys Bierkeller. Tagesordnung: Haben die Arbeiter von dem guten Geschäftsgang Nutzen? Referent: Kollege E. Martersteig, Offenbach. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Einberufer. 9 Metallarbeiter Oersammlung gegenwärtig Marburg. Sonnabend, den 24. Februar, abends 9 Uhr: Oeffentliche Parteiversammlung Ungesunde u. Leidende! 7 Die Heilkraft der Elektrizität ist wunderbar! Ueber die 15 glänzenden Erfolge der Selbstkur mit der preisgekrönten elektrischen Induktions⸗Maschine(Preis 24½ u 28 ¼ Mk.) versendet gratis u. franko 48seit. Brosch. P. Freygang Nachf., Dresden 4118. bei Herrn Jesberg, Wehrdaerweg. Tagesordnung: 1. Besprechung über Abhaltung einer Märzfeier. 2. Abrechnung der Kolportage-Kommisston. 3. Neuwahl eines Mitgliedes zur Kolportage— Kommission. 4. Verschiedenes. Der Vertrauensmann. Marburg. — Sonntag, den 25. Februar, abends 3 uhr:——— Gewerkschaftsfest im Restaurant Schloßgarten. Es ladet ergebenst ein ö Das Komitee. H. Posern Marburg Aulgasse 4 Aulgasse 4 ist die beste und billigste Bezugsquelle für Schuhwaren. — Anfertigung nach Maaß.— alle Sorten Schuhe und Stiefel in guter prima Ware zu den billigsten Preisen. Besichtigung ohe Huaufricuang. Schuhwarengeschä ft Adolf Beverstein Bahnhofstr. 23, Ecke Löuengasse empfiehlt 1 Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 8. „%CO W! Kau Teitzo Marktstr. Je Gießen Marktstr J“. angenehmen Lage, durch sehr frühe und große Abschlüsse, sämtliche von uns geführten, bewährten Quali⸗ täten halb⸗ und reinwollener Kleiderstoffe zu den bekannt billigsten Preisen zu verkaufen. Für Konfirmanden: fhaus w Comp. Schwarze und farbige Kleiderstoffe Farbige Kleiderstoffe in allen modernen Reinwollene Cheviots 350, 260, 185 bis 60 Pfg. Reinwollene Crôpps 255, 170, 115 bis 75 Pfg. 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