8. sonie ahier ti Kunden gd, 0 ater, d I em zemveder zuͤge fein] lt feinen, Udhecth ven urchmeser, serung, der- zum Un⸗ . tüdd nut rk. — Jachnahme. stattet. Arten ometel, ö — = Nr. 25. Gießen, Sonntag, den 17. Juni 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abounementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.] jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) Bestellungen IJIuserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33¼0%% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Der Idealismus des Junkertums. II. -m. Dem in der vorigen Nummer dieses Blattes vorgeführten„Idealismus“ des Junker⸗ tums wurde durch die französische Revo⸗ lution ein heilsamer Dämpfer aufgesetzt. Mit dem Falle der Bastille in Paris krachte auch das ganze pfäffisch⸗feudale Europa in allen Fugen. Klar erkannte das Junkertum, daß von Frank- reich aus seiner Herrlichkeit der Untergang drohte. Wie die Junker immer die ganze Staatsmaschinerie in ihren Dienst stellen, wo sie die Macht dazu haben, brachten sie es auch fertig, das halbe alte, morsche Europa zum Kriege gegen die junge französische Republik zu hetzen. Aber sie hatten sich verrechnet. Das waren keine armen, miß⸗ handelten, luschenden Bauern, das waren Helden der Freiheit, und die ganze Junkerbagage lief nach der ersten Begegnung mit ihnen wie die Hasen davon. Das Jahr 1806 brachte den Haupthort des Adels, Preußen, an den Rand des Verderbens. Das verhätschelte, dickgefütterte Junkertum, wel⸗ ches sich als Hauptstaatsstütze immer ge⸗ berdet, setzte sich in dieser Zeit der Not ein unvergängliches Denkmal der Schande. Die Träger der„alten, historischen“ Namen, die von Pruschenk, von Benkendorff, von Romberg, von Knobelsdorf, von Ingersleben, von Kleist, von Reichardt, von Thiele, von Hanke und wie das Junker⸗ gesindel sonst hieß, bewiesen eine Feigheit, wie man sie in der Welt selten getroffen hat. Die fast unüberwindlichen starken Festungen, wie Magdeburg, Glochau, Spandau, Er⸗ furt u. s. w., fielen ohne Schwertstreich dem Feinde in die Hände. Ein Gutes hatte der Verrat der Junker im Gefolge; auch dem Blödesten gingen die Augen auf, daß mit dieser Sippe dem Staate nicht wieder auf die Beine zu helfen sei, und so kam man denn in Preußen, in welchem brave Männer wie Stein und Hardenberg mittlerweile Einfluß gewonnen hatten, zu dem Entschluß, die Leibeigenschaft der Bauern aufzuheben.—— Vom 9. Oktober 1807 datierte das Edikt, welches mit Martinitag 1807„alle Gutsunter⸗ thänigkeit im ganzen preußischen Staate“ aufhob. Die Junker, welche von ihrem„Laufen“ im Kriege wieder zu Atem gekommen waren, ge⸗ rieten außer Rand und Band. Den Unter⸗ gang der preußischen Monarchie hätten die„Königstreuen“ ertragen, aber die Aufhebung der Leibeigenschaft!! Das brachte den ganzen Schwarm in Bewegung. Sie schrieen, genau wie heute die Mirbach, Kanitz und Kon⸗ sorten über die„Not der Landwirt⸗ schaft“, hielten Versammlungen ab, protestierten, drohten, schimpften, und zwar so toll und dreist, daß die Führer der Junker von der Marwitz und Genossen zur Abkühlung auf die Festung Spandau kamen. Erbaulich lesen sich die Eingaben der Nim⸗ mersatte aus damaliger Zeit. Die pommer⸗ schen Junker schreiben:„Die Leibeigenschast ist der pommerschen Londesart angemessen“. Die ostpreußischen Feudalen meinen:„Es ver⸗ dient erwogen zu werden, daß nicht alle Menschen eine vollkommene Freiheit, wenn sie mit Armut verbunden ist, ertragen können“. Diese edle Ge⸗ sellschaft verlangte nebenbei die Kleinigkeit,„die befreiten Bauern sollten fünfjährigen Zwangsgesindedienst verrichten. Der Junker von der Recke erklärte auf einer Adelsversammlung: Lieber noch drei Schlachten wie Jena und Auerstädt, als wie die Aufhebung der Leibeigenschaft usw. usw. Leider blieb die Schnorrerei der Edelsten nicht ohne Erfolg. Schon am 14. Sept. 1811 erschien das sogenannte„Regulierungs⸗Edilt“, welches unter anderem anordnete, daß die Bauern, die jetzt als freie Eigentümer auf ihren Höfen saßen, zur„Entschädigung“ für die fortgefallene Leibeigenschaft an ihre bisherigen Herren einen Teil ihres Ackers(¼— ½) abtreten sollten; wer die Bescheidenheit preußischer Junker kennt, wer ferner beachtet, daß die ganze Ver⸗ waltung des Staates in ihren Händen lag, der wird sich ein Bild machen können, wie diese „Entschädigung“ ausgefallen ist.—— Dann kamen die sogenannten Freiheits- kriege. Nie ist das Wort Freiheit mehr miß⸗ braucht worden, wie zur Bezeichuung der Zu- stände, welche den Kriegen 18131815 folgten. Die Blaublütigen bekamen wieder Oberwasser. Wer dachte noch an Versprechungen, die man den Bauern in der Not gemacht hatte? Bereits am 29. Mai 1816 erschien die berüchtigte Deklaratiou, welche die„Befreiung aus der Hörigkeit“ bedeutend einschränkte. Nur die Bauernhöfe, welche 1. spannfähig waren, d. h. groß genug, um mit Pferden bearbeitet zu werden; 2. in den Steuerkatastern enthalten waren; 3. seit bestimmten„Normaljahren“ immer „besetzt“(das heißt mit gutsunterthänigen Bauern besiedelt) gewesen waren, sollten abgelöst werden. Alle diesen drei Be⸗ dingungen nicht entsprechenden Höfe waren damit endgültig den Junkern in den weiten Rachen geworfen! Das schlimmste aber war, daß die fortgejagten Bauern, um nicht verhungern zu müssen, sich für ein Spottgeld ihren Peinigern als Knechte verdingen mußten. So hatten sich die Gäuche für die Aufhebung der Leibeigenschaft schadlos gehalten; zwar war die Leibeigenschaft aufgehoben, in Wirklichkeit sorgte aber die„Gesetzgebung“ und der Wort— bruch des Königs Friedrich Wilhelm III. dafür, daß die„Unterthänigkeit“ einer großen Anzahl Bauern nach wie vor fortdauerte. Was den Bauern in der Zeit der Not versprochen wurde, stibitzten ihnen nach den„Freiheits- kriegen“ die Junker mit einer Geriebenheit hinweg, die dem verschlagensten Jesuiten alle Ehre machen würde. Der Adel hatte es fertig gebracht, daß auch nach der Aufhebung der Leil⸗ eigenschaft die Frohnden bestehen blieben. Und um Ablösung der Frohnden und anderer bäuerlicher Lasten drehten sich von da ab und noch heute die Gesetzgebung und die politischen Parteikämpfe. Was diese Frohnden, Zehnten usw. für das Volk bedeuteten, dasür einige Ziffern: Vor der Ablösung wurde in Baden der jähr⸗ liche Zehnt auf 2 545 000 Gulden geschätzt; die bäuerlichen Lasten Hannovers hatten einen Kapitalwert von 75 Millionen Thaler. In Württemberg wurden 1839 die Zehnten für den Staat auf 1 212 000 Gulden, für Pri⸗ vate auf 70 Millionen Gulden Kapital- wert geschätzt. Aber auch diese Summen ge⸗ nügten dem schmarotzenden Adel noch nicht. Dr. Gnupp schrieb noch 1893 in eiuer Zeitungsfehde gegen den Fürsten von Hohenlohe-Langen- burg:„Die Standesherren haben bis zu 1848 im Kampfe gegen die wohlwollenden Bestrebungen des Königs von Württemberg die Ablösung der auf Grund und Boden ruhenden feudalen Lasten verhindert.“ In Preußen, diesem großen Sammelbecken des Adels, wurden die Ablösungen natürlich noch splenditer bemessen. Der Agrarstatistiker Meitzen giebt darüber folgende Ziffern: Bis 1872 wurden 84965 neue Eigentümer mit 1 458 827 Hektar Land angesetzt, ferner dis Leistungen von 1 581906„Pflichtigen“ reguliert und 6350 881 Spann- und 23 576 520 Hand⸗ Dienst⸗Tage aufgehoben. Die Entschädigung hierfür betrug: 55 957 183 Thaler Kapital, 5 832 281„ Geldrenten, 422 074 Heltar Land, 379 714 Scheffel Roggenernte. Alles zusammen in Kapital umgerechnet, er⸗ giebt mindestens 213961035 Thaler. Goethe sagt von der Kirche, sie habe einen guten Magen, welcher Länder und Völker auffressen könne, ohne Beschwerden zu em⸗ pfinden. Der Magen des Junkertums kann mit dem der Kirche ruhig in Wettstreit treten! Wir werden in einem weiteren Artikel die Unersättlichkeit der Sippe derer von und zu noch des näheren erörtern; und wer von unseren Lesern dann noch nicht an den„Idealis⸗ mus“ des Adels glaubt, der mag ruhig als Landarbeiter nach Ostelbien gehen und Studien an der Quelle machen. Politische Rundschau. Gießen, 15. Juni. Bewilligung der Milliarden⸗Vorlage. So ist denn am Dienstag die Flottenvorlage zur Annahme gelangt. Ueber die Bewilligung der Panzerkähne werden die Stumm und Krupp besondere Freude empfinden. Und sie haben allen Anlaß dazu. Bringt ihnen doch dieser Raubzug, wie Liebknecht sich treffend aus⸗ drückte, mehrere Hundert Millionen Profite ein! — Die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes will nichts von der Flottenvermehrung wissen, auch die meisten Wähler der Mehrheitspar⸗ teien nicht. Wo war Begeisterung für die Wasserpolitik? Höchstens wo der Flottenkoller von interessierten Strebern künstlich gezüchtet wurde, wo man sich begeistern mußte. Von einer„Volksbewegung“ zu gunsten der Vorlage kann gar keine Rede sein. 5 Die Annahme der Vorlage ist ermöglicht worden durch Verrat des Zentrums, das inner— halb sechs Monaten einen grassen Gesinnungs- wechsel vollzog. Gelingt es ihm auch trotzdem, noch eine Weile seine Truppen zusammenzuhalten, bald wird auch der letzte Arbeiter den Bauern Seite 2. Mitteldeutsche Sanntags⸗Zartung⸗ fang erkennen und das Proletarfat wird mit den Beutepolitikern abrechnen! Antisemitische Mittelstandsretterei. Bei dem löblichen Bestreben, neue Steuer⸗ N quellen zur Deckung der Flottenkosten zu suchen, fanden die Flottenschwärmer, daß auch eine Ver⸗ teuerung des ausländischen Bieres die„schwachen Schultern“ nicht belaste, und flugs schlägt dann auch die Regierungsvorlage eine Zallerhö hung auf ausländische Biere von 4 Mk. auf 6 Mk. per Doppelzentner vor. Hier kommt nun haupt⸗ sächlich das böhmische Bier in Frage, von dem namentlich in Sachsen viel eingeführt und dort, wie auch anderwärts haupt sächlich von Angehörigen des„Mittelstandes“ und auch von Arbeitern getrunken wird. Da die Zoller⸗ höhung nicht blos das Bier, sondern auch die Bierfässer trifft, steigt der Zollbetrag durch die beschlossene Zollerhöhung auf 10 Mk. per Hektoliter, was den Liter gegen die jetzigen Preise um reichlich 3 Pfg. verteuert. Daß da⸗ bei immer der Konsument der Geschädigte ist, konstatirt auch ein Fachmann, welcher der „Frankf. Ztg.“ darüber schreibt:„Die geplante Zollerhöhung von 2 Mk. per 100 kg gleich 3 bis 3,80 Mk. per Hektoliter(Bruttozoll je nach der Größe der Gebinde) macht auf das hier meist übliche Ausschankmaß von ¼0 Liter 1 Pfg. per Glas. Schwer werden die Wirte diese Erhöhung von 1 Pfg. eintreten lassen können. Entweder der Ausschankpreis bleibt unverändert— und das ist das Wahrscheinlichste — dann trifft also den Wirt die ganze Last der Zollerhöhung, und dieser Stand gehört, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, wahrlich schon heute nicht zu den Beneidenswerten. Oder die Wirte sehen sich außer Stande, die neue Belastung auf sich zu nehmen— sie erhöhen den Ausschankpreis auf das Mehrfache der Steuer, vielleicht um 5 Pfg.“ Für diese Belastung der Konsumenten, die in diesem Falle wohl vorwiegend dem„Mittelstande“ angehören, trat auch der antisemitische Abgeordnete für Alsfeld⸗ Lauterbach, Herr Bindewald,„vom Stand⸗ punkte nationaler Wirtschaftspolitit“ ein, obgleich vor ihm Brauereidirektor Abg. Roesicke sich gegen die Vorlage aussprach, der außerdem betonte, daß in den Kreisen der norddeutschen Brauer keinerlei Unzufriedenheit über diese Bier⸗ einfuhr herrsche! Wie also die Herren Binde⸗ wald und Genossen hier den„Mittelstand“ ge⸗ schützt haben wollen, bleibt ganz unverftändlich. Sie haben durch ihre Abstimmung höchstens zu seiner Belastung beigetragen. Agrarier⸗Politik. Während sonst die Junker für Absper rung der Grenzen eintreten, verlangen sie in einer Resolution, die der Reichstag am 7. Juni an⸗ nahm, von der Regierung, daß die Grenzen für den erforderlichen Zuzug fremdländischer Arbeiter geöffnet werden. Also zuerst sperrt man die Einfuhr von Lebensmitteln ab, um Wucherpreise zu erzielen, dann sorgt man noch für zahlreichen Zuzug fremder„Arbeits⸗ williger“, die durch ihre Bedürfnißlososigkeit die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter noch weiter herabdrücken.— Uebrigens hat eine italienische ministerielle Zeitung die Italiener vor Aus⸗ wanderung nach dem ostelbischen Junkerparadis im Hinblick auf die dortigen Arbeitsverhältnisse gewarnt. Auch katholische Arbeiter gelangen zur Erkenntnis. Die katholischen Arbeiter fangen an, die Zentrum spolitik und ihre Folgen sehr unangenehm zu empfinden. Auf dem Kongreß der christlichen Gewerkschaften, auf dem überhaupt in diesem Jahre ein erfrischender Ton als früher herrschte und sich, wenn auch noch schwächliche Versuche bemerkbar machten sich von dem Einfluß des Pfaffentums zu emanzipieren, fand die Zentrumspolitik bitteren Tadel, wenn man sich auch scheute, die Schuldigen offen zu nennen. Auf niemand anders, als auf das Zentrum, konnte es gemünzt sein, wenn der Gewerkschafts⸗ sekretär Braun ausführte, daß Alles, was dem Arbeiter durch die staatliche Arbeiter⸗ versicherung geboten, ihm durchdie ver⸗ teuerten Lebensmittel zehnfach wieder genommen werde. Ob das Zentrum, das eben bei der Flotten⸗ vorlage mit derselben einen Expressungsversuch zur Erlangung höhere nicht, so dürfte sich das alsbald schwer an ihm rächen. Um seinen agrarischen Anhang bei guter Laune zu erhalten, opfert das Zentrum gleichzeinig die Arbeiter⸗ und die allge⸗ meinen Volksinteressen. Es zeigt sich immer deutlicher, daß bei der Schärfe der wirt⸗ schaftlichen Interessengegensätze so verschieden⸗ artigs Elemente, wie sie im Zentrum zusammer⸗ gefaßt sind, auf die Dauer nicht zusammenge⸗ halten werden können. Und der Verrat an den Arbeiterinterressen wird die Arbeiter zuerst dem Zentrum entfremden. Wahlrechtsräuber. Für die Beschneidung des Wahlrechts treten wieder die„Hamburger Nachrichten“ ein, indem sie meinen, die Regierungen würden gut thun, wenn sie die durch den Reichstagsbeschluß über die Anwesenheitsgelder gebotene Gelegen⸗ heit benützten, um wenigstens den Versuch zu machen, die Beseitigung des geheimen Abstimmungs modus durchzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit des Gelingens sei zwar sehr gering, aber auf einen Hieb fällt kein Baum, und wenn die Sache immer wieder in Angriff genommen respektive die Beseitigung der geheimen Abstimmung als Bedingung jeder Gegenleistung auf diesem Gebiete mit Ernst und Nachdruck bezeichnet werde, so besteht doch vielleicht Aus⸗ sicht,„daß wir endlich von dem Uebel befreit werden“. Hoffentlich werden die reaktionären Wünsche nicht so schnell verwirklicht. Derartige Auslassungen mahnen uns aber, auf der Hut zu sein. Lob aus Gegner⸗Munde. Während die Konservativen, Zentrumsleute und Antisemiten und ihre Preßorgane unsere Partei wegen ihres Vorgehens bei Beratung der Lex Heinze nicht genug herunterreißen konnten und sich auch jetzt noch nicht beruhigen, lobt der ebenfalls konservative Hans Delbrück die Sozialdemokratie ganz außerordentlich. Er bedauert, daß die bürgerlichen Heinzegegner diesen Sieg der Sozialdemokratie verdanken, und die deutsche Bildung wie der deutsche Liberalismus sich aus eigener Kraft nicht haben behaupten können, und fährt dann fort: „Die allgemeine Erregung der litterariischen und künstlerischen Kreise in Deutschland gab den unentbehrlichen Untergrund ab, aber den Sieg verlieh erst die Entschlossenheit und taktische Geschicklichkeit der sozial⸗ demokratischen Fraktion. Kunst, Wissenschaft und Bildung haben sich in Deutschland unter die Fittiche der Sozialdemokratie flüchten müssen! Es hilft nichts, die Augen gegen diese That⸗ sachen verschließen zu wollen: im Gegenteil, je bestimmter man sie ausspricht, desto deut⸗ licher erkennt man die Situation und findet leichter den richtigen Weg in die Zukunft. Jeder Gedanke, mit Scharfmacherei und Um⸗ sturzbewegung der Sozialdemokratie etwas anhaben zu wollen, muß jetzt schwinden. Wir sind jetzt soweit, diese Partei schon gar nicht mehr entbehren zu können; alle die Kreise in Deuischland, die jetzt mit Dankbarkeit auf den Obstruktionsfeldzug im Reichstag blicken, würden sich für die So⸗ zialdemokratie erheben, wenn man ihr mit neuen Ausnahmegesetzen zu Leibe gehen wollte.“ Letzteres möchten wir bezweifeln. Die So⸗ zialdemokratie verläßt sich aber nie auf fremde Hülfe, sie ist gewohnt, ihre Kämpfe allein zu fuhren und wird so zum Siege gelangen. Verdient Anerkennung. Das hessische Ministerium hat den ihm unterstehenden Behörden empfohlen,„zur Unterstützung der vom Tarifverband verfolgten ersprießlichen Bestrebungen“, Druckarbeiten nur in solchen Buchdruckereien herstellen zu lassen, Getreidezölle gemacht gat, diesen Wink verstehen ird? Wenn .. welche den deutschen Buchdruckertarif schristcß 1 anerkannt haben, welche also die Löhne zahlen die zwischen den Prinzipalen und Gehilfen ber⸗ einbart wurden. Das Vorgehen des Ministerium ist gewiß nur zu billigen und anzuerkennen. Ausländisehes. Die Stimmenverteilung bei den belgischen Wahlen. Bei den jetzt vollzogenen Kammerwahlen haben sich die Stimmen im Lande also verteilt: Katholiken 992 300, Liberale und Fortschrittler 476 644, Sozialisten 464813, christliche Demokraten 48 045, Unabhängige 9818, klerikale Dissidenten 10 376 und sozialistische Dissidenten 3572 Stimmen. Die Sozialisten haben seit 1894 140000 Stimmen gewonnen.— Der Generalrat der sozialdemokratischen Partei hat beschlossen, in eine energische Agitation— im Parlament und auf der Straße— für das allgemeine Wahlrecht einzutreten. Im Parlament solk eventuell zum Mittel der Obstruktion ge⸗ griffen werden. Zu den Wahlen in Italien. Nach den nunmehr vorliegenden vollständigen Nachrichten über den Ausfall der Wahlen in Italien bestätigen sich die Erfolge unserer Ge⸗ nossen und der bürgerlichen Radikalen. Wenn auch die Regierung noch über die Mehrheit der neuen Kammer verfügt— die letzten Wahlen bedeuten für sie und die Gewaltpolitik des Generals Pelloux eine gründliche Niederlage. Von den 1½ Millionen abgegebenen Stimmen gehören den ministeriellen Kandidaten nur 650000. Für die Sozialdemokraten wurden 170 000 Stimmen abgegeben, was gegenüber den vorigen Wahlen eine Zunahme von 70 pCt. bedeutet. Von unseren Genossen, die in der alten Kammer mit 16 Mann vertreten waren, sind 32 gewählt, also doppelt so viel wie bisher. Rebellion in China. Aeußerst bedrohlich haben sich in den letzten Wochen die Verhältnisse in Ostasien gestaltet. Ein starker Geheimbund in China, von den Europäern die„Boxer“ genannt, haben in den Provinzen südlich von Peking einen Aufruhr entzündet. Dieser hat schon weit um sich ge⸗ griffen; die den Rebellen entgegengeschickten Re⸗ gierungstruppen konnten oder wollten nichts gegen sie ausrichten, und so drangen dieselben bis in die Nähe von Tientsin vor. Die Bahn⸗ linie Peking⸗Tientsin wurde teilweise zerstört, eine Anzahl Ortschaften niedergebrannt und Europäer ermordet.— Uebrigens soll ein Teil der chinesischen Regierung, namentlich die Kaiserin⸗ Witwe, die Boxerbewegung unterstützen. Von allen Mächten wird die Entwickelung der Dinge im Reiche der Mitte natürlich sehr ernst verfolgt, will doch keine bei der„Aufteilung“ Chinas— von der man schon seit Jahren spricht— zu kurz kommen. Rußland treibt doppeltes Spiel. Während es mit den Mächten öffentlich gemein⸗ same Schritte unternimmt, ist es unter der Hand bestrebt, Anlaß zur Landung einer großen Truppenmacht zu finden und sich den Hauptteil der Beute zu sichern. Die Ausschiffung einer größeren Truppenabteilung ist von den anderen Schiffen, die vor Taku liegen, verhindert worden, und Japan macht seine Flotte mobil. So ist denn die Möglichkeit vorhanden, daß aus den gegenwärtigen Unruhen schwere internationale Konflikte entstehen. Von der Gesellschaft der„Boxer“ wird mit⸗ geteilt, daß sie sich erst vor einem Jahr gebildet und sehr rasch an Ausbreitung gewonnen habe. Sie sei die reine Verkörperung der chinesischen Reaktion, von fanatischem Hasse gegen alles Fremde beseelt. Ursprünglich zum Schutze gegen die Briganten gegründet, änderte sich ihr Zweck, als sie durch die wachsende Zahl ihrer Anhänger an Macht gewann. Sie legte der Bevölkerung Abgaben auf, die drückender als die Plünderungen der Räuber empfunden wurden. Die ersten Differenzen zwischen den„Boxern“ und den Christen seien entstanden, als sich die Missionare dieses Raubsystem nicht gefallen lassen wollten. Jetzt nenne sich die Sekte: Faust des E292 1 Mit k Pele f duch Putengele für Fortse gar einigt Ju kite ind 2, Delbhszi 5 Offtker nommen. eta Daß dem ich aus bahn z volständi Nähe von Wäre den Male al der Oper Rete des gesammel borrücken viedelhet sch sich osten de Burenstt der Kan neuem von ein bei De und 2 Nachd gentrume der„Der miederum zahl Ste iicwächet dies die führun! sowie eh und rar De 8 Bebel! der neuen bemiltelte glich v weise ein führen, dter der when g. laß en bu Shy E einzel hächtenz nd der der hes 0 den f bas val llassen V. Jahlen, U ber⸗ tum en. ischen wahlen erteilt. little rifliche lelikale sdenten en seit En. Putei in fur daz amet, ion ge⸗ ündigen hlen in rer Ge⸗ Wenn heit der Vahlen At des derlage. timmen 1 nut wurden genüber 10 pb. in det waren, bidher. lehten estaltet. n ben in den lufruhr sich ge ten Re⸗ ih sieselben Bahl⸗ zerstc, t und ein Tel gaiserin⸗ . Von r Dinge verfolgs, ina— t. 3 Spill gemeil, el Hand große pte N eine“ anderel worde, 80 i. Nr. 25. Mittel eutsche Sountags⸗Zeuung. Seite 3. Patriotismus und Friedens, von welcher Be⸗ zeichnung die gebräuchliche: Faustkämpfer oder Boxer stammen soll. Ihr Programm sei, die (alte) Maadschuh⸗Dynastie hochzubringen und die Fremden auszurotten. Möglich, daß dieser Fremdenhaß eine Folge der Raubpolitik und Ausbeutung ist, welche von den enropäischen „Kulturnationen“ in China ausgeübt wird. Der Krieg in Südafrika. Mit der Besetzung von Johannesburg und Pretoria durch Lord Roberts ist der Krieg noch durchaus nicht beendet; Präsident Krüger und Burengeneral Botha haben sich im Gegenteil für Fortsetzung des Kampfes ausgesprochen. So⸗ gar einige Erfolge der Buren werden gemeldet. In einem Gefechte bei Roodeval wurden 15 Mann und 2 Offiziere des vierten Bataillons des Derbyshire⸗Regiments getödtet, 71 Mann und 5 Offiziere verwundet, die übrigen gefangen ge⸗ nommen. Roodeval liegt im Norden des Oranje⸗ freistaats zwischen Kroonstad und Brandfort. Daß dem Vorgange Bedeutung zukommt, ergiebt sich aus der writeren Meldung, daß die Eisen⸗ bahn zwischen Amerika Station und Roodeval vollständig zerstört ist und die Buren in der Nähe von Honningsspruit stehen. Lord Roberts wäre demnach von der Verbindung mit dem Meere abgeschnitten. Er wird die Fortführung der Operationen nach Osten zu, wo Krüger die Reste des Burenheeres im Gebiet von Lydenburg gesammelt hat, aufschieben müssen, da er nicht vorrücken darf, ohne seine Verbindungslinie wiederhergestellt zu haben. Jedenfalls ergiebt sich sich aus diesen Nachrichten, daß im Nord⸗ osten des Freistaats eine nicht unbeträchtliche Burenstreitmacht den Kampf fortsetzt. Es scheint, der Kampf in dem unterworfenen Freistaat von neuem beginnt. Eine weitere Meldung berichtet von einer empfindlichen Niederlage der Engländer bei Donkerpoort. Hier hätten sie 750 Tote und Verwundete sowie 150 Gefangene verloren. Aits dem Reichstag. Nachdem die Regierung die Flotte mit Hilse des Zentrums„im Hafen“ hatte, handelte es sich um Lösung der„Deckungsfrage“. Dabei ist es der Regierung wiederum leicht gemacht, da das Zemrum ja eine An⸗ zahl Steuerarten ausgetüftelt hat, die ongeblich die „schwächeren Schultern nicht belasten“ sollen. Es sind dies die Erhöhung der Stempelabgaben und Ein⸗ führung von solchen auf Kuxe und Schiffsfrachturkunden sowie erhöhte Zollsätze auf Schaumweine, fremde Biere und Branntweine. Die Freisinnigen Siemens, Richter und Genosse Bebel wandten sich mit Entschiedenheit gegen einzelne der neuen Steuern, die trotz allem Gerede doch die un⸗ bemittelten Volksschichten belasten. Wollte man letzteres wirklich vermeiden, sagte Bebel, so mußte man gerechter⸗ weise eine direkte Reichseinkommensteuer ein⸗ führen.„Der Weg der indirekten Besteuerung war aber der allerbequemste, da kann man die Last ab⸗ wälzen auf Schultern, die sie wieder auf andere abwälzen, sodaß ein erheblicher Teil der Lasten doch gerade von den Schwachen aufgebracht werden muß. Wenn man die einzelnen Steuervorschläge durchgeht, so kann man höchstens von der Besteuerung des Champagners und der Flaschenliköre behaupten, daß sie zu Lasten der besitzenden Klassen fallen. Aber die Summe, die durch diese Steuer aufgebracht wird, ist im Verhältnis zu den Kosten der Flotte ganz minimal. Alles andere, was vorgeschlagen ist, trifft die unteren Volks⸗ klassen, so z. B. die Besteuerung von Rum und Kognak in Fässern. Dieser Rum wird von weiten Schichten der Küstenbe völkerung, von den Arbeitern in Hamburg und Bremen in großen Massen konsumiert. Was die Erhöhung der Steuer auf Bier anlangt, so hat der Vertreter von Sachsen in der Kommission erklärt, doß in den sächsischen Grenzbezirken ein erk eblicher Teil des böhmischen Bieres auch von der Arbeiterbevöllerung konsumiert wird. Weiter wird eine Erhöhung der Börsensteuer verlangt. Man hat aus unserem Widerstand gegen diese Steuer Veranlassung genommen, der sozialdemotratischen Partei vorzuwerfen, sie schütze die Großkapitalien. Wenn Sie die Börse für ein un⸗ moralisches Institut halten, dann schaffen Sie doch Ge⸗ setze dagegen. Sie wissen aber doch selbst ganz genau, daß die Börse für die heutige Gesellschaft eine Lebensnotwendigkeit ist, und wir bekämpfen jede Besteuerung des Handels und Verkehrs, einerlei, welches Organ sie trifft. In Berlin ist die Zahl der Bank⸗ geschäfte in den letzten Jahren von 444 auf 381 zurück⸗ gegangen. Das liegt daran, daß eben durch die Börsen⸗ gesetzgebung es den kleinen Unternehmern unmöglich geworden ist, ihre Existen; aufrecht zu erhalten. Auch das Börsenpersonal hat sich mit aller Entschiedenheit gegen eine neue Besteuerung der Börse gewandt. Es ist eine Eigentümlichkeit gerade dieses Personals, daß es so einseitig geschaut ist, daß es in einem anderen Handels⸗ zweige schwer ein Unterkommen findet. Volle 71 Prozent aller Börsengeschäste werden unter 6000 Mark gemacht, das heißt von kleinen Rentiers, Geschäftsleuten, Handwerkern. Also auch durch diese Art der Be⸗ steuerung werden die kleinen Leute ganz erheblich belastet. Redner wies ferner auf die Riesenprofite hin, welche Stumm und Kirupp infolge der Flottenvermehrung einheimsen. Für jedes Werk betrage nach genauen Be⸗ rechnungen der Reingewinn 10 Millionen Mark; wie aber biese Unsiunmen einstreichen. zahlen auf grund ber neuen Steuervarschläge noch keine 1000 Mark zur Flotte.„Wenn der ganze Reichstag nach seinem Vermögen zu der Flottenvorlage beisteuern müßte, so müßte er 700 000 Mark zahlen. Nach den neuen Sreuervorschlägen zahlt eher der ganze bdeutsche Reichstag keine 7000 Mark zur Flottenvorlage. Wenn also jemals die Versprechurgen, die man der Oeffentlichkeit gegenüber gegeben het, nicht gehelten worden sind, dann in Bezug auf bie Deckungsfrage. Auch hier sind die einzigen, die betrogen sirb, die deut schen Wähler.“ Herr Gröber vom Zentrum verteidigte natürlich die Steuervorschläge seiner Partei. Der Schützer ver⸗ brecherischer Pfaffen glaubte auf grund der Bebelschen Ausführungen gegen die Erhöhung der Stempelsteuer unsere Partei als„Schutztruppe der Börse“ bezeichnen zu 11 75 was von Bebel als„unverschämt“ bezeichnet wurde. Singer wies am andern Tage bei Fortsetzung der Debatte jene einfältige Beschuldigung der Sozialdemo⸗ kratie mit der Bemerkung zurück, daß letztere von allen Parteien sich am reinsten von Börsengeschästen wisse. Keine Partei habe sich auch schärfer gegen die Miß⸗ bräuche an der Börse ausgesprochen. Dagegen waren die Herren der Rechten in der Kommission von einer geradezu unheimlichen Sachkenntnis in Bezug auf Börsengeschäfte, die darauf schließen ließ, daß sie die Börsengeschäste nicht vom Hörensagen kennen. Wenn er einen bekannten Spruch variieren wolle, würde er sagen: Der Junker kann die Börse nicht leiden, doch spielen thut er an ihr gern! Trotz vieler wichtiger, sachlich gar nicht zu wider⸗ legender Einwände gegen die neuen Steuervorschläge werden dieselben, wie vorauszusehen war, nach den Kom⸗ missionsbeschlüssen angenommen. Die Interpellation unserer Genossen, die kleinen Zuchthausgesetze betreffend, kam am 11. Juni zur Verhandlung. Wir haben den Wortlaut der Anfrage bereits in Nr. 22 unserer Zeitung mitgeteilt. Es handelt sich hierbei um Gesetze und Verordnungen, welche in Bezug auf den Arbeitsvertrag und das Koa⸗ litionsrecht, also eine Materie, die nur der Reichsgesetzgebung unterliegt, in den Bundes⸗ staaten Lübeck, Anhalt und Reuß j. L. erlassen worden sind. Genosse Stadthagen begründete die Interpellation in längeren Aus⸗ führungen, die zunächst darthun, daß die er⸗ wähnten Gesetze nicht nur mit der Reichs⸗ verfassung, dem Reichsstrafgesetz und anderen Reichsgesetzen im striktesten Widerspruche stehen, sondern auch gegen die persönliche Freiheit verstoßen.„Im bürgerlichen Gesetzbuch ist der ländliche Arbeitsvertrag ausdrücklich anerkannt worden als Vertrag zwischen freien, rechtlich gleichstehenden Leuten. Voraussetzung des freien Arbeitsvertrags ist aber, daß durch Ver⸗ letzung des Vertrags nicht gegen die Person, die Freiheit des Betreffenden vorgegangen werden darf. Daher ist es eine vom tiefsten kulturellen Tiefstande ihrer Urheber zeugende direkte Auflehnung gegen das Reichsgesetz, wenn Anhalt und Reuß die ländlichen Arbeiter wie ein Stück Vieh zu ihrer Arbeitsstelle zurückführen wollen. Der Graf Klinckowström zuckt mit den Achseln. Allerdings, die Be⸗ strebungen des ostpreußischen Adels, die Tage⸗ löhner, die Instleute in Hörigkeit zu bringen, sind alt; schon im Jahre 1834 ging eine dahin zielende Petition der Provinzialstände an den damaligen König von Preußen, der es aber ab⸗ lehnte, darauf einzugehen. Wir müssen gegen diese Gesetze ganz besonders deshalb Front machen, weil sie sich als Aus nahmegesetze schlimmster Art gegen die Aermsten der Armen qualifizieren. Das Reichsstrafgesetzbuch kennt keinen Fall, daß eine an sich erlaubte Handlung dadurch, daß sie von mehreren zu⸗ sammen geschieht, strafbdbar wird. Man sagt, Verträge müssen gehalten werden. Werden etwa in Reuß und Anhalt die Gutsbesitzer bestraft, die ihre Hypothekenschulden nicht bezahlen oder aber der Leutnant, der seine Weinschulden nicht bezahlt? Herr v. Wangenheim, einer der geist⸗ reichsten und tüchtigsten Leute der konservativen Partei(große Heiterkeit), sagte im preußischen Abgeordnetenhause am 16. Mai d. J., daß die ländlichen Arbeiter, wenn sie nicht gerade lieder⸗ liche Frauen besäßen, Ersparnisse machen könnten. Ich schlage ihm vor, diese Worte etwa in einem märkischen Dorfe vor den Ohren der vielgeplagten Tagelöhnerfrauen zu wiederholen. Eine solche Beschimpfung liegt wahrlich nicht im Interesse des sozialen Friedens. Die traurige Lage unserer ländlichen Arbeiter leuchtet deutlich namentlich aus den Schnitter⸗ verträgen hervor. Selbst im Auslande ist die se traurige Lage bekannt geworden; ich erinnere Sie an die jüsgste Verfügung der italienischen Regierung. Aus der Göttinger Gegend teilt Herr Sohnrey mit, daß dort Landarbeiter in der Mähzeit von drei Uhr morgens bis abends zehn Uhr gegen einen Tagelohn von 50 Pfennigen abrackern müssen. Was über die Differenz zwischen Schweineställen und ländlichen Arbeiterwohnungen von dem vornehmsten Gutsbesitzer gesagt worden ist, das stimmt nicht nur für Ostpreußen, sondern auch für Brandenburg. Die Aermsten der Armen sollen nun noch durch eine partikulare Ausnahme⸗ gesetzgebung bedrückt werden. Man sucht solches Vorgehen durch die angebliche„Not der Land⸗ wirtschaft“ zu entschuldigen. Die Landarbeiter haben es recht, recht schlecht; aber es giebt Groß⸗ grundbesitzer, die Millionen, ja Milliarden im Vermögen haben.(Widerspruch rechts.) Sehen Sie sich doch, ehe Sie mir widersprechen, die amtliche Statistik an. Von jenen überreichen Großgrundbesitzern wird am lautesten das Geschrei nach Ausnahmegesetzen gegen die Aermsten erhoben.“ Dann ging Stadthagen auf das ungesetzliche Vorgehen des Lübeckischen Senats ein, der Be⸗ stimmungen der verscharrten Zuchthausvorlage erneuerte und Streikpostenstehen unter Strafe stellen wolle. Darnach würden die Arbeiter be⸗ straft, wenn sie von ihren reichsgesetzlichen Be⸗ fugnissen Gebrauch machten! Was gedenke der Reichskanzler gegen diesen ossenbaren Ver⸗ fassungsbruch zu thun?„Ich möchte den Reichskanzler bitten“, schließt Gen. Stadthagen, „recht stramm vorzugehen im Interesse der Einheit des Reiches sowohl wie der Armen und Unterdrückten.“ Staatssekretär Nieberding, der die Inter⸗ pellation beantwortete, erklärte zunächst, daß allerdings Reichsrecht über Landesrecht gehe. Im weiteren bemühte er sich, die Gesetze von Anhalt und Reuß als dem Reichsrecht nicht zuwiderlaufend hinzustellen. Dies zu entscheiden, sei Sache der Gerichte. Der Reichskanzler könne den Wünschen der Interpellanten nicht entsprechen! Entgegengesetzter Meinung waren jedoch die Abgg. Bassermann, Spahn, Müller⸗ Meiningen und Rösicke-Dessau, die sämtlich dem Herrn Staatssekretär klar machten, daß diese Gesetze allerdings einen Einbruch in die Reichs⸗ gesetzgebung darstellten. Müller ⸗ Meiningen bezeichnete die Bestrebungen, den Kontraktbruch kriminell zu bestrafen, als einen Ausfluß des feudalen Herrenbewußtseins; ebenso wie diejenigen auf Beschränkung der Frei⸗ zügigkeit. Unsere Genossen Heine, Schwarz (Lübeck) und Baudert ergänzten noch die Ausführungen Stadthagens. Schwarz hält dem Bundes bevollmächtigten für Lübeck entgegen, daß dort wohl Ausschreitungen vorgekommen seien, die aber von Arbeitswilligen verübt wurden, welche die Unternehmer mit Revolvern und Knitteln bewaffneten!—— Diese Debatte hat wieder bewiesen, wie man stets bemüht ist, den Arbeitern ihre kümmerlichen Rechte noch mehr zu beschneiden und sie der schrankenlosen Ausbeutung preiszugeben! In seiner Sitzung am 12. Juni— der letzten in dieser Session— nahm der Reichstag den Gesetzentwurf betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten in der dritten Lesung mit großer Mehr⸗ heit an. Von unseren Genossen, die diesem Gesetze gegenüber geteilter Meinung waren, sprachen Zubeil, Wurm und Baudert.— In der nun folgenden dritten Beratung der Flotten vorlage beteuerte zunächst Herr v. Stumm, daß man nirgendwo bessere und billigere Panzerplatten haben könne, als bei ihm und Krupp, daß ihre Profite nicht so hoch seien, wie be⸗ hauptet werde, und daß man überhaupt froh sein müßte, Krupp zur Fabrikation von Panzerplatten bewegt zu e 2 0 L 3 i 1 1 1 2 2 n (Ztr.) dagegen aus. einige von den Vorrednern aufgestellte Behauptungen. Auf der einen Seite wolle man durch die Flotte den Handel fördern, auf der andern schränke man aber durch Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. haben.„Knuten“⸗Oertel erklärte, aus reinem Patrio⸗ tismus für die„gräßliche“ Flotte stimmen zu wollen, und kündigte für die nächsten Jahre eine weitere agra⸗ rische Wucherpolitik an. Gegen die Vorlage sprachen sich nochmals unsere Genossen Liebknecht und Bebel aus. Liebknecht, der während seiner Rede dreimal zur Ord⸗ nung gerufen wurde, bestritt, daß die Vergrößerung der Flotte zum Schutze des Handels notwendig sei und wies schlagend nach, wie sich der deutsche Handel und die deutsche Arbeit ohne Flotte Bahn gebrochen hätten. Und wegen seiner Industrie, seiner Arbeit werde Deu⸗sch⸗ land im Ausland geachtet, nicht wegen seiner Schiffe! Weiter wandte sich der Redner gegen die Ansicht, als werde durch den Bau der Panzerschiffe das Interesse der Arbeiter wahrgenommen. Tausend Mittel und Wege gebe es, diese 5000 Millionen Mark in kult ur⸗ fördernder Weise zu verwenden. Wie notwendig mehr Volksaufklärung in Preußen sei, zeige die Konitzer Ritualmord⸗Hetze, die man als eine Schande für Deutschland bezeichnen müsse. Die Sozialdemokrateu lehnten die Flottenvorlage ab.— Abg. Müller⸗Fulda erklärte, daß es mit den früheren Angaben über die hohen Profite Stumms und Krupps an den Panzer⸗ platten seine Richtigkeit habe. v. Kardorff und Sattler(ntl.) sprachen sich für die Vorlage, Szmula Bebel wandte sich noch gegen die Zollpolitik den Handel ein! Den deutschen Arbeitern könne man nicht weiß machen, daß sie ein Interesse an der Flottenvermeheung haben.— Der Reich 3kanzler giebt längere geschichtliche Darlegungen, um die Not⸗ wendigkeit einer großen Flotte zu beweisen; der Anti⸗ semit Gräfe erklärte mit seiner Partei für die Vorlage (jedenfalls zum Schutz des Mittelstandes) stimmen zu wollen und Staatssekretär v. Bülow suchte durch eine Ansprache das Haus in eine gewisse Hurrastimmung zu versetzen.— Die nun folgende namentliche Gesamtabstimmung er⸗ giebt die Annahme der Vorlage mit 201 gegen 103 Stimmen Der Präsident giebt hierauf die Ge⸗ schäftsübersicht, worauf der Reichstag vom Reichskanzler geschlossen wird. Von Nah und Fern. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich 1 Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. .- Von mehreren Seiten wird gewünscht, daß baldigst eine Wahlkreis⸗Konferenz stattfinden möge. Indem wir den Genossen im Wahlkreise dies zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die einzelnen Organisationen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen und ihre etwaigen Anträge in Bezug auf Tagesordnung, Zeit und Ort der Konferenz an den Vorsitzenden des Kreiswahlvereins, Genossen G. Beckmann in Gießen, Grünbergerstr. 44, gelangen zu lassen. Dieser wird dann unter thunlichster Berücksich⸗ tigung der geäußerten Wünsche eine Konferenz einberufen. Ortskrankenkasse Gießen. Der Recheuschaftsbericht für 1899 ist er⸗ schienen. Aus demselben geht hervor, daß die finanzielle Entwickelung der Kasse erfreulicher⸗ weise als eine durchaus günstige bezeichnet werden kann. Bei anhaltend günstigem Stand stellt der Vorstand höhere Leistungen ab 1901 in Aussicht.— Als durchschnittliche Mitglieder⸗ zahl für 1899 verzeichnet der Bericht 38 75 gegen 3666 im Vorjahre.— Die Einnahmen be⸗ trugen inkl. Kassenbestand von 1898: 118 395,38 Mark; die Ausgaben: 107 524,76 Mk., sodaß ein Kassenbestand von 10 870,62 Mk. verbleibt. Im Jahre 1898 waren die entsprechenden Zahlen bedeutend niedriger; es betrugen die Einnahmen 75 102,95 Mk., die Ausgaben 60 402,95 Mk. Von den Aus gabeposten heben wir besonders hervor: Aerztliche Behandlung: 11 747,85 Mk.: Arznei und Heilmittel 10 869,94 Mk.; Kranken⸗ geld: 29 879,84 Mk.; Wöchnerinnenunterstützung: 658.— Mk. Der angesammelte Reservefonds beträgt 87 083,21 Mk.— Am Dienstag, 19. Juni, abends 9 Uhr, findet im Lenzschen Felsenkeller die Generalversammlung statt, in welcher die Rechnungsablage erfolgen und über Ankauf eines Gebäudes beschlossen werden solll. Hessische Krankenkass. Zu der Generalversammlung der„Freien Vorreinigung der Krankenkassen in Hessen,“ die am Sonntag im Café Leib in Gießen tagte, waren über hundert Teilnehmer aus allen Teilen Hessens erschienen.— Nach dem Geschäftsberichte gehören der Vereinigung gegen⸗ wärtig 45 Orts⸗ 23 Betriebs- und 4 Innungs⸗ krankenkassen an. Beschlossen wurde unter anderm, eine Petition an das Ministerium zu richten, um Erhöhung der von der Invalidenversicherungs⸗ anstalt an die Ortskrankenkassen für Erhebung der Invaliden⸗Beiträge und Ausstellung der Quittungskarten zu zahlenden Entschädigungen. Hierfür wird jetzt den Krankenkassen nur 1% gewährt; die Petition verlangt, daß 8„ gezahlt werden sollen. Der wichtigste Punkt der Tages⸗ ordnung, die Abänderängsvorschläge zum Kranken⸗ versicherungsgesetz kam gar nicht zur Verhandlung, weil sich der hierfür bestimmte Referent Herr Ostermayer aus Worms weigerte, das Referat zu halten. Nach langer Geschäftsordnungdebatte wird beschlossen, eine außerordentliche General⸗ versammlung nach Darmsta dt einzuberufen und dort die von einer hierzu eingesetzten Kommission gemachten Vorschläge zu beraten. Ferner wird beschlossen, dem Viktoria⸗ Melita⸗ Verein, der sich die Errichtung von Heilstätten zur Aufgabe gemacht hat, beizutreten. Schließlich wird der seitherige geschäftsführende Ausschuß wiedergewählt. Schwurgerichtsverhandlungen in Gieszen. Gegen den Landwirt und Bürgermeister Kreuder aus Vadenrod wird am 12. Juni wegen Vergehens im Amte verhandelt. Ihm wird zur Laft gelegt, das Protokoll von einer Holzversteigerung gefälscht und dadurch sich einen Vermögensvorteil im Betrage von 6 Mk. zum zum Schaden der Gemeinde verschafft zu haben. Die Geschworenen verneinen die Schuldfrage, worauf K. freigesprochen wird.— Schlimmer ergeht es am 12. Juni der Ehe⸗ frau G. Schmidt aus Nieder⸗Ohmen, die be⸗ schuldigt ist, vor dem Schöffengericht zu Grün⸗ berg am 19. April einen Meineid geleistet zu haben. Dort hat sie beschworen, daß bei einem nächtlichen Lärm vor ihrem Hause der Fuhrmann K. nicht mit dabei gewesen sei. Nach Aussage des Vorsitzenden des Schöffengerichts in Grün⸗ berg, sowie auch der Schöffen, habe die Ange⸗ klagte in jener Verhandlung den Eindruck erweckt, als halte sie mit der Wahrheit zurück um den K., mit dem sie ein Verhältnis unterhielt, zu entlasten. Welch' traurige Familienverhältnisse in der Schmidt'schen Familie obwalten müssen, erhellt durch den Umstand, daß ihr eigener Ehe⸗ mann, mit dem sie 20 Jahre verheiratet ist, Anzeige gegen sie wegen Meineid erstattet hat. Die Angeklagte wird von den Geschworenen für schuldig befunden und zu 2 Jahren Zucht⸗ haus und fünfjährigen Ehrverlust verurteilt.— Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wird am 13. Juni gegen die Franziska Mussotter wegen Kindesmord verhandelt. Der Wahlspruch der Geschworenen lautete auf Nichtschuldig, worauf Freisprechung erfolgte. Wieseck. s. Am Samstag Abend(16. Juni) hält der Arbeiterbildungsverein eine Ver⸗ sammlung bei Wirt Gustav Schneider ab. In dieser Versammlung soll zu der Wahl eines Beigeordneten Stellung genommen und eventuell ein Kandidat aufgestellt werden. Alle Mitglieder, namentlich aber die Wahlberechtigten werden ersucht, zahlreich und pünktlich um 9 Uhr am Platze zu sein. Der Handschuhmacherstreik in Wetzlar dauert fort. Der erste und einzige Arbeits willige ist der einstige Vorsitzende des Ortsvereins der Handschuhmacher in Bernau namens Georg Frebes, zur Zeit Werkführer in einer der vom Streik be⸗ troffenen Firmen. Gerade er war es, dem noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit die Forderungen der Kollegen zu gering erschienen. Sonderbare Schwärmer, der den Titel eines„Arbeitswilligen“ höher schätzt wie seine Ideale. Die Fabrikanten suchen durch Inserate Streichbrecher, sie sichern denen, die der Organi⸗ sation nicht angehören, dauernde Stellung zu. Jedoch war ihr Bemühen bis jetzt ohne Erfolg, da die Handschuhmacher zu 93 Prozent organi⸗ siert sind.-r. Ein grosfes Schadensener wird aus Harburg gemeldet: Am Sonnabend mittag entstand in einer Oelfabrik Feuer, das sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete und eine ganze Reihe benachbarter Baulichkeiten in Flammen setzte. Obwohl auch von Hamburg mehrere Löschzüge zur Hilfeleistung herbeikamen, wurden außer der Oelfabrik noch eine Palm⸗ kernfabrik, eine Salpeterfabrik, ein Speicher und ein großer Lagerplatz, worauf große Mengen Mehl lagerten, völlig zerstört. Auch eine Anzahl von Wohnhäusern, die zu dem gefähr⸗ deten Viertel zwischen Schloßstraße und Bahn⸗ hofstraße gehörten, wurden beschädigt. Erst nach sünfstündiger angestrengter Arbeit war man gegen Abend des Feuers Herr. Der Schaden wird auf mehr als vier Millionen Mark geschätzt. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist noch nichts Bestimmtes ermittelt worden. Aus Konitz, Infolge der antisemitischen Hetzereien ist es in Konitz am Sonntag zu neuen Ruhestörungen gekommen, gegen die die Polizei und Gen⸗ darmerie machtlos war. Im Laufe des Nachmittags wurde die Synagoge völlig demoliert. Kriminalkommissar Wehn wurde thätlich angegriffen und mußte flüchten. Abends rückte eine Kompanie des 14. Infanterie⸗Regi⸗ ments aus Graudenz ein und säuberte die Straßen. Es wurde das Standrecht proklamiert. Danach herrschte Ruhe. Der Kronzeuge der Antisemiten in der Mord⸗ affaire, der Gasarbeiter Masloff, ist, wie nun⸗ mehr gemeldet wird, unter dem Verdacht des Meineids in Haft genommen worden. Die Aussagen die er unter seinem Eid in der Mord⸗ affaire vor dem Unterfuchungsrichter wiederholt gemacht hat, waren für den Schlächter Lewi und dessen Söhne in so hohem Grade belastend. daß sie sicher zur Verhaftung derselben unter dem Verdacht des gemeinsam mit anderen an dem Gymnasiasten Winter begangenen Mordes geführt haben würden, wenn sich die Aussagen nicht als unhaltbar und unbegründet erwiesen hätten. Masloff hat seine Angaben fortwährend abgeändert und sich dabei in so schroffe Wider sprüche verwickelt, daß der Verdacht des Meineids gegen ihn sich immer mehr ver⸗ dichtete und nunmehr zu seiner Verhaftung geführt hat. Die offizielle Eröffnung der Untersuchung gegen den Fleischermeister und Stadtverordneten Hoffmann„wegen an dem Gymnasiasten Ernst Winter begangenen Totschlags“ bestätigt sich; bereits kurz vor Pfingsten war die Vorunter⸗ suchung eingeleitet, aber streng geheim gehalten worden. Der Pfarrer als Denunziant. Vor dem Kölner Schöffengericht endete ein Aufsehen erregender, von dem katholischen Pfarrer Drießen eingeleiter Prozeß gegen eine Anzahl Bürger des zu Köln gehörenden Vorortes Ner⸗ heim, die in der Kirchenvorstands⸗Wahlversamm⸗ lung groben Unfug verübt haben sollen, mit Freisprechung sämmtlicher Angeklagten. Das Urteil besagt nach einer Meldung der Volks⸗ Zeitung, die Behauptungen der Anzeige beruhen auf Unwahrheit. Es sei bedauerlich, daß ein Geistlicher unbescholtene Bürger in so frivoler Weise vor Gericht zerre und einen beschränkten Menschen dazu benutze, die Denunziation mit seinem Namen zu decken. Die Denunziation sei um so frivoler, als der Urheber ein Mann sei, der das Amt eines Friedens apostels begleitet. Dem Pfarrer Drießen wurde vom Gericht mehrmals mit sofortiger Bestrafung wegen ungebührlichen Benehmens gedroht. Etwas sehr Seltenes. Schier unglaublich klingt die Meldung, daß bei den Straßenkrawallen in Hannover zwei Schutzleute, die ruhige Passanten ge⸗ schlagen haben, nicht belobt, sondern unmittelbar Hagen bes 1. Ei lit einen leidigen ute Ge 1 1 sind! ud gepf Priester um das Denonstra Dane au vun ihrem han sie n einer wollen w Hater hi Aus Nat spärlich National. am Dien Har Pre Anlzruhe Lubezzei sumlung arg ihr „Mit N der nig de uud anke Ianers dongteß facht e die Marb 9 le Mart heit n Str bahz 5 8 nach der That auf der Straße verhaftet 15 wurden. Man glaubt die Fundamente des Staates wackeln zu sehen, wenn man dergleichen liest. Und doch ist die Meldung wahr. Und der Staat steht auch noch, denn die Schutzleute ist ez rungen 25 se des öllig wurde Abends -Regi⸗ traßen. Danach Mord⸗ nun⸗ ct des Die Mord⸗ derholt Lei lastend, unter eren an Mordes Aussagen rwiesen ährend roffe erdacht hr ber⸗ haftung suchung rdneten Ert t sih; orunter⸗ 900 alten ar ein Pfarrer Anzahl 68 Ner⸗ ersamm⸗ 10 75 5 Vollz⸗ bah daß e flvoltt gräntten on 15 iat f Raum o elt te von esnafung 1 Meldung, 1555 nen ge. ieh haftet ante 1 s Und ala Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. haben— Offiziere geprügelt und sind dann durch eine Militärpatrouille festgenommen worden. Die Rechtlosigkeit des Publikums gegen prügelnde Schutzleute ist wirklich nicht so schlimm, wie boshafte Nörgler es darstellen. Uebergriffen der Polizisten gegen das Publikum folgt die Verhaftung auf dem Fuße— vorausgesetzt, daß das Publikum aus Offizieren besteht. Sonst allerdings. Die Gläubigen unter sich. Während einer„Heiligsprechung“ die am 26. Mai in der Peterskirche in Rom vor sich ging ist es zwischen deutschen und französischen Priestern zu Prügeleien gekommen. Von der katholischen Presse wurden diese Radauscenen erst in Abrede gestellt; mußten aber nachträglich be⸗ stätigt werden. Nach der„Köln. Volksztg.“ sind folgende annmutige Dinge festgestellt und von Zeugen beschworen: „1. Ein junger französischer Priester hat einen deutschen Priester in St. Peter ohne beleidigende Ursache geschlagen; 2. der deusche Gesang:„Großer Gott, wir loben dich!“ u. A., sind von den Franzosen niedergebrüllt und gepfiffen worden; 3. französische Priester haben sich auf die Bänke gestellt, um das allgemeine Zeichen zu diesen Demonstrationen zu geben; 4. eine deutsche Dame aus Dorsten wurde durch Franzosen von ihrem günstigen Platze gedrängt, ind ee m man sie mit Nadeln stach.“ Käme solches in einer sozialdemokratischen Versammlung vor, wollten wir einmal das Geschrei der frommen Blätter hören! Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 14. Juni. National⸗ Soziales. Eine äußerst spärlich besuchte Versammlung, einberufen von National⸗Sozialen Verein für Marburg, tagte am Dienstag im Lokale des Café Quentin. Herr Professor Dr. Rade berichtete über den in Karlsruhe stattgefundenen Kongreß. Die„Hessische Landeszeitung“ ist mit dem Besuch der Ver⸗ sammlung sehr unzufrieden, indem selbige ein⸗ gangs ihres Berichtes schreibt: „Mit geteilten Gefühlen nur können wie von der gestrigen Versammlung berichten. So wichtig das Thema des Abends, so interessant und anregend die Ausführungen des Herrn Pfarrers Dr. Rade über den evangelisch⸗sozialen Kongreß waren, so schlecht war die Versammlung besucht, ein trauriges Zeichen für eine Stadt wie Marburg. 1 Ja! Ja! Auch die National⸗Sozialen werden die Marburger Philister aus ihrer Interesse⸗ losigkeit nicht herauszureißen vermögen. Strafkammer. Wegen Sittlichkeits⸗ Ver brechen wurde der Gastwirt Thomas Geßner aus Gladenbach zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Hundeausstellung. Die Leser dieser Zeitung werden auf die am Sonntag, 17. Juni, stattfindende Hundeausstellung aufmerksam ge⸗ macht. Wie aus beteiligten Kreisen verlautet, hat der Kyneologische Verein keine Mühe gescheut, die Ausstellung zu einer imposanten zu gestalten. Angemeldet find annähernd 500 Hunde. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfg. Arbeiterrisiko. In der Rohlederschen Schreinerwerkstätte ereignete sich am Donners⸗ tag ein gräßlicher Unglücksfall, indem ein an einer Kreissäge beschäftigter Arbeiter sich der⸗ maßen die Hand verletzte, daß seine Ueber- führung in die Klinik notwendig wurde. ** Die Schülerfrequenz in den städti⸗ scen Schulen stellt sich wie folgt: a) Knaben⸗ schule 560 Schüler, 58 Schülerinnen; b) Mäd⸗ henschule 634 Schülerinnen, 28 Schüler.(Es kommen in beiden Schulen Mischklassen in Be⸗ tracht); c) Ketzerbachschule 93 Schüler, 85 Schülerinnen; d) katholische Schule 63 Schüler, 6 Schülerinnen; e) israelitische Schule 11 chüler, 13 Schülerinnen. Insgesamt 755 Schüler, 861 Schülerinnen. Zusammengezählt 1616, gegen 1593 im Vorjahr. Damals waren es 717 Schüler und 876 Schülerinnen. Kleine Mitteilungen. * Bei den Gewerbegerichts wahlen in Koblenz siegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 377 gegen 373 Stim men, welche die Christlichen erhielten. ** Unfall auf dem Rhein. Sonnabend vormittag kenterte bei Oberlahnstein ein Nachen mit fünf Strombauarbeitern. Zwei Arbeiter ertranken. ** Großes Grubenunglück. Eine furchtbare Explosion fand in den Gruben von Gloucester(umerika) statt. 230 Arbeiter wurden verschüttet. 175 konnten gereitet werden. Bis jetzt sind erst 4 Leichen geborgen. Arbeiterbewegung. Der Streik der Weißbinder und Maurer in Gießen dauert noch fort. Von beiden Berufen ist eine große Anzahl abgereist, von den Maurern allein über 200. Berlin. Die Differenzen der Bäckerei⸗ arbeiter mit ihren Arbeitern wurden vor dem Gewerbegericht als Emigungsamt beigelegt. Damit ist der Streik, der in den letzten Tagen unvermeidlich schien, abgewendet worden. Straßzenbahnerkämpfe in Berlin und Unter⸗ nehmer⸗Ehrenwort. Am 21. Mai d. J. war es, daß die Direktion der Berliner Straßenbahn auf die Einwirkung des Berliner Oberbürgermeisters hin mit den Ausständigen ein Abkommen schloß und damit den Streik beendigte. Es war nicht allzuviel, was die Angestellten, die der Gesellschaft durch ihre erschöpfende Arbeit reichen, mühelosen Ge⸗ winn in den Schooß warfen, erreicht hatten. Aber maßvoll begnügten sie sich mit dem Wenigen und reichten die Hand zum Frieden. Und heute bereits bricht die Gesellschaft, er⸗ mutigt durch die Scharfmacherei des Herrn Mi⸗ nister v. Thielen, den feierlich geschlossenen Ver⸗ trag. Durch Handschlag hatten die Direktoren bei den Einigungsverhandlungen versprochen, daß wegen der Lohnbewegung Nie⸗ mand gemaßregelt werden sollte. Was gilt auch ein Handschlag dem Unter⸗ nehmertum? N Die Maßregelungen sind jetzt erfolgt, der Rachefeldzug der Berliner Straßenbahn⸗Gesell⸗ schaft hat begonnen, die Schreckensherrschaft ist etablirt. Man will die Angestellten einschüchtern, daß ihnen künftig die Lust verginge, sich gegen die Interessen des Kapitals aufzulehnen. So sta⸗ tuirte man ein Exempel, griff eine Anzahl der Angestellten heraus und setzte sie auf die Straße. Bis jetzt hat die Direktion der„Großen Berliner“ zehn Antzestellte gemaßregelt. Auf dem Bahnhof in der Kreuzbergftraße sind fünf Mann entlassen worden lauter Kommissions⸗ mitglieder und Vertrauens männer— die Einsetzung von Beschwerdekommissionen ge⸗ hörte auch zu den feierlich versprochenen Zuge⸗ ständnissen!— die 5— ein gleichlautendes tlassungsschreiben erhielten.— 5 1 81 en Kämpfen hatten aber die Straßenbahner den Wert einer guten Organisation zur Genüge kennen gelernt, wovon folgender Auf⸗ ruf Zeugnis ablegt:„Kollegen! Es wird Euch bekannt sein, wie bei Beratung einiger Petitionen der Eisenbahnangestellten, die um Erhöhung ihrer Gehälter baten, der Herr Minister v. Thielen jede Erfüllung der Bitte ablehnte. Das Resultat der Verhandlungen im Abgeordnetenhause war, daß die Beamten und Arbeiter jede Hoffnung aufgeben müssen, eine Besserung ihrer dürftigen Gehaltsverhältnisse erwarten zu können. Auch gelegentlich des Streiks der Straßenbahn⸗Ange⸗ stellten sind von den Herren v. Thielen und v. Rheinbaben Ansichten geäußert, die klar zeigen, was wir von jener Seite zu erwarten haben. Es bleibt uns mithin nichts anderes übrig, als uns zu organisieren, um unsere Lage zu ver⸗ bessern. Viele unserer Kollegen sind bereits dem Verband der Eisenbahner beigetreten. Leider steht noch ein großer Teil der Organisation fern. An diese wenden wir uns mit der Bitte: Kol⸗ legen, holt das Versäumte nach! Laßt Euch als Mitglieder in den Verband der Eisenba hner Deutschlands aufnehmen! Es versammelten sich deshalb im Zirkus Schuh⸗ mann in der Nacht zum Mittwoch etwa 5000 Straßenbahnangestellte, um zu den neuen Fragen endgültig Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende des Centralverbandes der Handels-, Verkehrs⸗ und Transportarbeiter sprach über die Maß⸗ regelung von Beamten seitens der Direktion und schlug schließlich vor, die Arbeit vorläufig nicht niederzulegen, sondern eine Einigung auf neuer Grundlage anzubahnen und die strikte Zurück⸗ nahme der Maßregelungen zu verlangen. Die Versammlung verhielt sich vollständig ruhig. Die Vorschläge des Vorsitzenden wurden angenommen. Von der Direktion wurde die Wiedereinstellung der Gemaßregelten zurückgewiesen. Ver⸗ handlungen finden noch statt. Der Straßenbahnerstreik in Han- nover, bei welchem arge Tumulte stattgefunden haben, die aber nicht von den Streikenden, son⸗ dern vom Janhagel hervorgerufen waren, hat ein für die Angestellten ungünstiges Ende genommen. Letztere verhielten sich auch geradezu kläglich. Auch hier hat der Eisenbahnminister Thielen zu gunsten der Direktion eingegriffen, wodurch derselben der Sieg ermöglicht wurde. Für die Folgen ihres Verhaltens werden die Angestellten büßen müssen. Deutscher Metallarbeiterverband. Soeben ist die Abrechnung des Hauptkassierers der größten deutschen Gewerkschaft, des Deutschen Metallarbeiterverbandes, für das verflossene Jahr 1899 erschienen. Nach der Abrechnung belaufen sich die Einnahmen insgesamt auf 1 288 046,04 Mark, darunter ein Vermögensbestand von 391 360,66 Mk. vom Schlusse des letzten Rech⸗ nungsjahres. Die Ausgaben belaufen sich auf 469 326,73 Mk., darunter befinden sich Posten für Agitation 7301,87 Mk., für die Drucklegung der„Deutschen Metallarbeiter⸗Zeitung“ 72 694,62 Mark, Beitrag an die Generalkommission 7630,84 Mark, Gesamtkosten der letzten ordentl. General⸗ versammlung 15 005,02 Mark, übernommene Schulden vom aufgelösten Deutschen Gold⸗ und Silberarbeiterverband 27900 Mk., Streikunter⸗ stützung an andere Berufe 7500 Mk. usw. Der Kassenbestand beträgt(Mai 1900) die Summe von 385 148,31 Mark. Der Mitgliederbestand beläuft sich jetzt auf 85 013. Die meisten Mit⸗ glieder zählen folgende Ortsverwaltungen: Berlin 16683, Hamburg 4495, Nürnberg 5091, München 3716, Magdeburg 2652, Frankfurt 1648, Stuttgart(Sitz des Hauptvorstandes) 1113, Mannheim 1089, Halle 1034, Breslau 1020 usw. Bekanntlich hat die letzte General⸗ versammlung beschlossen, vom 1. Juli d. J. die Arbeitslosenunterstützung zu zahlen, und ist da⸗ durch der Beitrag auf 30 Pfennig pro Woche erhöht worden. Der deutsche Holzarbeiterverband hatte über die Frage der Beitragserhöhung eine Urabstimmung veranstaltet, deren erfreuliches Ergebnis die„Holzarbeiterzeitung“ jetzt veröffent⸗ licht. Es beteiligten sich an der Abstimmung 42 343 Mitglieder. Davon stimmten für die Erhöhung des wöchentlichen Beitrags auf 25 Pfennig 34919 Mitglieder oder 82,47 pCt. der Abstimmenden, und gegen die Erhöhung 742 4 oder 17,53 pCt. der Abstimmenden.— Ein äußerst erfreuliches Resultat! 1 Ein Arbeitersekretariat wird zum 1. Sept. in Hamburg errichtet. Es sollen z wei Sekretäre mit je Mk. 2500 Jahresgehalt ange⸗ stellt werden. Partei- Pachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 23. Juni: Gießen. Sozialdemokratischer Wahlverein abends /9 Uhr Versammlung bei Orbig: Sitzung der Vretrauensmänner. 9 Uhr: Versamm⸗ lung. Vortrag: Politische oder neutrale Gewerkschaften. . 5 5 U 0 4 5 i l i —— l 2 7 2 N — 6 N Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 25. n Anterhaltungsteil. Sommer. Ob glühender der Sonne Strahl auch werde, Mußt fleißig immerfort die Hände regen, Darfst nimmermehr jetzt träger Ruhe pflegen, Nicht mutlos stehn mit zaudernder Gebärde. Auf! Biete Trotz der wartenden Beschwerde, Bestehe sie! Natur ist allerwegen Dir helfend nah; sieh', wie der Wolke Segen Erquickt die durst'ge, ausgedorrte Erde. Die Fluren sieh', in reifen Kornes Glanz, Des Schnitters harrend, goldenhelle prangend Die Hügel sieh in ihrer Reben Kranz. Das alles, fleiß'ger Mensch, sollst Du empfangen Zum Lohn für Deine Mühe voll und ganz— Umsonst nicht war Dein Hoffen und Verlangen. 2 K. Frohme. In Fe sse ln. 51 Novelle von Elise Schweichel. Il. Im Theater wurde der Tannhäuser gegeben. Es war eine Stunde vor Anfang der Vorstellung. In der Garderobe des Ballettkorps wogte, hüpfte, flatterte, schwätzte und lachte es durcheinander. Das ganze Ballettkorps war im Begriff, sich in einen Hofstaat der Liebes göttin zu verwandeln. Hier zupften die jungen Damen geschäftigt an ihren kurzen, luftigen Röckchen oder nestelten die Goldgürtel um die schlanken Taillen, dort be⸗ fanden sich andere bei dem wichtigen Geschäft des Schminkens. Noch andere, die schon völlig fertig waren, trippelten auf den äußersten Fußspitzen mitten durch das Gewirre hindurch, während laute Zurufe und Gespräche hin- und herflogen. In dem Mittelpunkte einer Gruppe, in wel⸗ cher es am lautesten zuging, stand Suschen Champagner, die Nichte der Wäscherin. „Na, na, Champagnerchen. so arg wird's nicht sein,“ rief eine ihrer Kolleginnen. „Höre einer, wie die renommiert,“ eine andere. „Die Eroberung ist auch danach: ein lahmer Dichter!“ ließ sich eine Dritte spöttich vernehmen. „Ihr Affen, was ihr wißt!“ schmetterte Sus⸗ chens helle Stimme dazwischen.„Lahm! Er denkt nicht daran, lahm zu sein. Er hinkt ein bischen, das ist alles; und wenn ich mit ihm allein bin, und er mich haschen will, da versichere ich euch, ist er flink genug auf den Beinen.“ Ein schallendes Gelächter antwortete ihr. Suschen warf selbstgefällig den Kopf in den Nacken und drehte sich auf der Fußspitze um sich selbst, daß die leichten Gazeröckchen ihre Hüften wie Wellenschaum umspielten. „Ihr werdet euch heute selbst überzeugen; er kommt hier hinter die Coulissen, er hat es mir versprochen,“ fuhr sie fort.„Es ist nur die Schwester, die ihm einredet, daß er lahm ist, damit sie ihn ganz für sich hat. Sie hütet ihn wie ein Drache. Aber ha, ha, wir sind doch schlauer, als sie. Wir haben unsere kleine Korre⸗ spondenz hinter ihrem Rücken. Wißt ihr, wie wir es machen? Ich habe es ausgeheckt, es ist ein Hauptspaß. Meine Tante darf natürlich auch nichts merken.“ „Nun, nun“rief es ungeduldig im Kreise. „Wir wohnen nämlich in der Dachstube über ihm,“ sagte Suschen im Flüsterton.„Da lasse ich ganz einfach mein Brieschen an einem Faden bis zu seinem Fenster hinab, und er knüpft mir ein anderes an, das ich heraufziehe.“ Sie lachte ausgelassen. Die Mädchen sahen Hie voll Bewunderung an. Reizend war sie, das mußte ihr der Neid lassen. Die schwarzen Schelmenaugen schossen förmlich Straßenbündel unter den langen Wim⸗ pern hervor, zwischen den übermütigen Korallen⸗ lippen blitzte der Perlmutterglanz der Zähne und in Kinn und Wangen kamen und verschwanden allerliebste Grübchen gleich ebensoviel lustigen Teufelchen. Das duftige weiße Nymphengewand, . welches Arme und Schultern unbedeckt ließ, zeigte Formen von Fülle. Ihre ganze Erscheinung atmete lebensfreudige Sinnlichkeit. Eben ging der Inspizient im Saale herum, jede einzelne der Balletteusen mit kritischen Blicken betrachtend, ob alles an ihrer Erscheinung in Ordnung sei. Als er zu Suschen kam, fand er, daß sie sich nicht gut geschminkt hätte, denn er machte sich mit dem„reizenden Racker“, wie er sich ausdrückte, gern etwas zu thun. Suschen remonstrierte anfangs, dann aber streckte sie, wie eine Katze, die gekraut sein will, mit halb⸗ geschlossenen Augen das Köpfchen vor und ließ die Operation an sich vollziehen. In diesem Augenblick wurde das erste Zeichen für die Dar⸗ steller gegeben und mit einem zierlichen entrechat folgte Suschen lachend den Kolleginnen. An demselben Nachmittage saß Johanna emsig zeichnend in ihrer Stude. Auf dem Hofe war es sonntäglich still. Der schöne Herbsttag hatte die Handwerker mit ihren Frauen und Kindern ins Freie gelockt. Nur Herr und Frau Bartels, die des Herumschweifens auf ihrem Wanderleben müde geworden waren und sich niemals ohne Not von Haus und Hof entfernten, saßen auf der Bank vor dem geöffneten Hofthor, den Papier- drachen zuschauend, welche die städtische Jugend in allen Größen und Farben zu Hunderten von den Wiesen aufsteigen ließ, und welche mit ihren Schnüren den sonnigen Himmel wie mit einem Netz übe spannten. Johanna hatte, der Sonntag zu ihrer Muster⸗ zeichnung benutzend, verschiedene Blätter, die sie aus einer bekannten Kunsthandlung entliehen, auf einem dicht ans Fenster gerückten Tische ausgebreitet. Die Zeichnung genau nach den Angaben der Baronesse zu machen, dazu konnte sie sich nicht entschließen. Das war zu abge⸗ schmackt, zu lächerlich. Sie wollte aus der Ornamentik der Renaissance etwas zusammen⸗ stellen, was die Idee ihrer Auftraggeberin in mehr künstlerischer Weise verkörperte. Die Tier⸗ köpfe sollten nur als Ausläufer schön geschwun⸗ gener Arabesken dienen, in deren Mitte, aus einem Bündel Akanthusblätter, sich die Figur eines Engels mit Palmenzweig erheben sollte. Die Zeichnung machte ihr jedoch große Schwierig⸗ keiten, und morgen solle sie den Entwurf einreichen. Anton war ein so guter Zeichner, er könnte ihr gewiß raten und helfen. Wie es sich oft im Leben trifft, war derjenige, an den sie gedacht, nicht weit. Gleich darauf ertönte die Glocke zur Wohnung und Anton trat herein. Bald saßen sie zusammen über den Kunst⸗ blättern. Anton besah, was Johanna gemacht hatte und ließ sich ihren Plan auseinandersetzen. Ueber die Idee der Baronesse spottete er weidlich, dann aber ergriff er den Stift, und die rauhe Arbeiterhand führte ihn mit solcher Sicherheit und Eleganz, daß Johanna sich ganz geborgen fühlte. Das Mittelstück ihm überlassend, machte sie sich an die Zeichnung der Eckstücke, und so saßen sie eine lange Zeit, Jedes scheinbar in seine Arbeit vertieft und nur hin und her ein Wort, welches auf diese Bezug hatte wechselnd. Nach Julius hatte Anton gar nicht gefragt, worüber Johanna sich schweigend gewundert. Plötzlich trat jener herein. Er war zum Aus⸗ gehen und mit einer gewissen Koketterie gekleidet. Unter dem breit übergeschlagenen Hemdkragen trug er ein hellseidenes Halstuch in einen Byron⸗ knoten geschlungen, in dem ein Koralleanadel steckte. Zu dem weißen Hals, dem goldbraunen, buschigen Haar und deu melancholischen blauen Augen kleidete ihn dies vortrefflich. „Wie schön er ist!“ dachte Johanna un⸗ willkürlich. „Du willst wohl ausgehen, Julius? Allein?“ fragte sie dann, während die Männer sich flüchtig die Hände gaben. Julius war augenscheinlich in einiger Ver⸗ legenheit. Er knöpfte eifrig an seinen hellen Glacéhandschuhen. „Ja, mein Kind. Ich muß es doch wieder einmal versuchen. Du bist ja beschäftigt. Ich fühle mich heute ganz kräftig, und nötigenfalls nimmt man ein Droschke.“ „So willst du lange ausbleiben?“ „Ich weiß es nicht. habe schon lange keine Musik gehört.“ Das ist ja ganz merkwürdig,“ sagte Johanna. Anton zeichnete schweigend fort. „Nun halte mich aber mit deiner Verwun⸗ derung nicht auf, Hänschen, sonst versäume ich die schönste Zeit.“ „Ich halte dich nicht auf. nur vorsichtig. Hast du den Ueberzieher?“ „Ich habe alles. Adieu, liebes Kind. Adieu, Anton. Das ist hübsch von dir, alter Junge, daß du meiner armen geplagten Schwester hilfst.“ Er klopfte ihm wohlwollend auf die Schulter. Anton murmelte etwas, ohne sich nach ihm umzudrehen. Als Julius gegangen, schwiegen die Beiden eine Zeit lang. Johanna aber zeichnete nicht, sondern sah sinnend zum Fenster hinaus. „Sagen Sie, Anton, ob ihm auch nichts zu⸗ stoßen wird?“ fragte sie dann in besorgtem Ton. Anton war den Stift hin und fuhr sich wild durch das dunkle Haar. „Immer nur Julius und immer nur er!“ rief er.„Hat den in Ihren Gedanken nichts anderes neben ihm Platz?“ Er sprang erregt auf, um im Zimmer auf. und abzuschreiten; bei der Kleinheit desselben mußte er sich jedoch bald wieder setzen. „Was ist Ihnen, Anton?“ fragte Johanna bestürzt. Anton antwortete nicht, sondern sah sie nur mit großen, beredten Augen an, die ihren Blick; wie ein Magnet zu fesseln schienen, Wie sehr sie sich auch Mühe gab, ihn loszureißen, sie ver⸗ mochte es nicht. Mit einer Art Neugier sah sie zum erstenmal, daß Antons Augen eigentlich nicht braun, wie sie geglaubt, sondern von einer dunklen Goldfarbe waren, und er seinerseits sah, wie wunderbar große Pupillen sie hatte, und wie durchsichtig klar das Blau ihres Auges war. Mit der Verstellungskunst des Weibes vermochte Johanna trotz ihrer Verlegenheit eine unbefangen lächelnde Miene zu zeigen, während in Antons Gesicht der ganze Ernst und Leidenschaft, die er empfand, sich ausprägte. Als es Johanna end⸗ lich gelang, den Blick zu senken, da errbtete sie bis unter das Haar, und ihre Hand griff un⸗ sicher umher, nach dem Federmesser, nach dem Bleistift. Anton fing die schlank, weiche Hand mit seinen beiden rauhen Händen. „Sie fragen was mir ift, Johanna?“ sagte er mit vor Erregung zitternder Stimme.„Ich bin eifersüchtig, rasend eifersüchtig auf Julius. Ich will Ihrem Herzen auch was gelten. Jo⸗ hanna, liebe, einzige Johanna, Sie müssen es doch wissen, daß Sie mir alles in der Welt sind, von meiner frühesten Erinnerung an. Wie lange habe ich das Wort auf den Lippen— Johanna — Teure—“ Er konnte nichts weiter sagen, aber er preßte ihre Hand, als wollte er sie zerbrechen. Johanna war sehr blaß geworden. „Sprechen Sie das Wort lieber nicht aus, Anton. Wir müßten sonft aufhören, Freunde zu sein.“ Die glühenden Augen auf sie gerichtet, saß er mit schwer atmender Brust vorgebeugt da; dann ließ er den Kopf in die Hände, die Jo⸗ hanna freigegeben hatten, sinken. Johanna schwoll das Herz. Sie hatte es sich so leicht gedacht, war so fest entschlossen gewesen, ihre Liebe, wenn der Augenblick gekommen sein würd, zu verleugnen, um den schmerzlichen Kampf abzukürzen. Jetzt vermochte sie es nicht. Nicht einmal den Trost ihrer Gegenliebe sollte sie ihm gewähren? Sie legte ihre Hand leicht auf sein lockiges Haupt. „Anton,“ sagte sie sanft,„hören Sie mich. Wenn ich über mich frei bestimmen könnte, so würde ich Ihnen und keinem andern angehören. Aber ich bin nicht frei. Ich darf nicht an mich denken. Meine erste Pflicht gehört Julius. Ich kann mich nicht von ihm trennen. Ich habe es der Mutter auf dem Totenbette gelobt.“ „Wenn es nur das ist!“ jubelte Anton auf. „Liebes, süßes Herz, was quälen wir uns denn? i Sei ganz ruhig. Viel⸗ N leicht gehe ich heute einmal in die Oper. Ich Aber sei doch lche Situ, Julius n Ohrratter n Ihrem st eile un stelle nichtz ver daß Sie Ole, waz ton bei Feile zu. Von Im tine Rei Vir gebe wieder, Bed Tiiump welche! Otganis hat, fo die Spu Rur Ey berheißer daß heil Nolwend ung a Auf der bunt denen Vi haben, e dau, da ub if ug bus 2. schulter, ich ihm Beiden te nicht, n Ton. sch wild ur er!“ n nichtz g erregt ten; bei och bald Johanna sie nur en Blick Die seht sie ver⸗ x sah sie ich nicht dunklen sah, wie und wie es war. vermochte befangen Antons t, die er ina end⸗ ötete sie riff un⸗ nuch dem hand mit 70 age e. 00 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Er ann ja bei uns wohnen. Mein Gott, ein Zimmer wird immer für ihn da sein.“ „Aber Sie vergessen die Abneigung, die zwischen Euch herrscht. Jeder von Euch könnte und würde freilich seinen eigenen Weg gehen. Aber ich? Würde ich nicht zwischen Euch zerrieben, zerdrückt, elend werden? Ihr Männer seit Ego⸗ isten,“ lächelte sie.„Würden Sie mit der Hälfte der Liebe und Sorgfalt Ihrer Frau vorlieb nehmen? Sie sind schon jetzt eifersüchtig auf Julius, wie würden Sie es erst sein, wenn Sie ein Recht auf mich hätten?“ „Das ist alles nicht stichhaltig,“ sagte er, das Haar von der Stirne zurückschüttelnd.„Ich lasse mich nicht abweisen. Wenn Sie mich nur halb so lieben wie ich Sie, und mein sein wollen — so soll mir alles andere recht sein.“ „Anton, Sie denken heute zum erstenmal da⸗ rüber; ich— ich will es Ihnen gestehen— ich habe oft über die Möglichkeit eines solchen Zu⸗ sammenlebens nachgedacht. Es wäre eine schreck— liche Situation.— Sie ich weiß es— achter Julius nicht— weder sein Talent noch seinen Charakter. Sie sind so streng und konsequent in Ihrem Denken und Thun. Das ist es. Er ist eine Künstlernatur und daher unberechenbar. Nun stellen Sie sich vor, daß er auch zeitweilig nichts verdiente, denn er ist ja ein kranker Mensch, daß Sie für ihn zu sorgen hätten— begreifen Sie, was ich dabei leiden würde? Nein, nein, schon bei dem Gedanken schnürt sich mir die Kehle zu.“(Fortsetzung folgt.) Von der Pariser Weltausstellung. Im„Hamb. Echo“ veröffentlicht Genosse S. eine Reihe Artikel über die Weltausstellung. Wir geben in folgendem seine Ausführungen über „Das soziale Haus“ wieder, die unsere Leser gewiß interessieren werden. Bedeutet diese Pariser Weltausstellung einen Triumph des Kapitalismus, indem sie uns zeigt, welche Leistungen das Zeitalter der kapitalistischen Organisation der menschlichen Arbeit aufzuweisen hat, so finden wir auf ihr doch zugleich auch die Spur einer werdenden neuen Organisation. Nur Spuren vorläufig, gewiß, aber doch viel⸗ verheißende Anfänge, die für manchen Beschauer das heilige Dogma von der unerschütterlichen Notwendigkeit des kapitalistischen Unternehmer⸗ tums arg ins Wanken bringen können. Auf dem rechten Seineufer, gerade gegenüber der bunten Nationenstraße, auf der die verschie⸗ denen Völker ihre Repräsentationsgebäude errichtet haben, erhebt sich ein großer, weithinleuchtender Bau, das Heim für„soziale Oekonomie, Hygieine und öffentliches Unterstützungswesen“, zugleich auch das Heim für die zahllosen internationalen Kongresse, die in den Monaten Juni, Juli, August und September in Paris abgehalten werden sollen. Es ist ein mächtiges, schlichtes, aber durch seine glückliche Gliederung und schöne Form sehr wirksames Gebäude, das Raum für nicht weniger als zwölf verschiedene Ausstellungs⸗ gruppen bietet. Was uns zunächst an ihm interessiert, ist die Thatsache, daß es ausschließ⸗ lich von Arbeiterkorporationen unter Aus schluß des kapitalistischen Unternehmertums errichtet worden ist. Frankreich besitzt seit langer Zeit eine Organisationsform der Arbeit, die wir in anderen Ländern nur spärlich oder gar nicht antreffen: es ist die aus der Gewinnbeteiligung hervorgegangene Assoziierung von Arbeitern und Kleinmeistern der verschiedenen Gewerbe, die darauf bedacht sind, durch selbständige Erwerbung und Verwertung der Arbeitsmittel den Unter⸗ nehmergewinn, wenn nicht auszuschalten, so doch allen ihren Mitgliedern möglichst gleichmäßig zukommen zu lassen. Bürgerliche Oekonomen haben darin das Mittel zur Lösung der sozialen Frage sehen wollen; davon kann nun allerdings nicht die Rede sein, aber ein gewisses Interesse wird niemand diesen Versuchen, eine zweckmäßigere Organisation der gesellschaftlichen Arbeit zu schaffen, absprechen können. Sie sind doch auch an ihrem Teile gleichsam ein lebendiger Protest gegen die Schäden des kapitalistischen Systems. Im Innern des Gebäudes finden wir in vielen kleinen, zum Teil unzweckmäßig eingerich⸗ teten Räumen ein überreiches Material, das sich auf folgende Fragen und ihre Lösungen bezieht: Kinderarbeit und ihr Schutz; Löhne und Ge⸗ winnbeteiligung; Produktivassoziationen und Be⸗ rufsverbände, Gewerkschasten; landwirtschaftliche Genossenschaften und landwirtschaftliches Kredit⸗ wesen; Arbeiterschutzvorrichtungen und Regelung der Arbeitszeit; Wohnungswesen der Arbeiter; Konsumgenossenschaften, ihr Wesen, ihre Be⸗ deutung und ihre Ausdehnung; Einrichtungen zur intellektuellen und moralischen Hebung der Arbeiter; Versicherungswesen; öffentliches und privates Arbeiterwohlfahrtswesen; Hygieine; öffentliches Unterstützungswesen. Man sieht schon aus diesen Titeln, daß das Ganze deutlich jenen Geist der„Humanität“ aufgeprägt erhalten hat, den wir bei uns zuhause in mannigfachen Modi⸗ fikationen bei allen möglichen und unmöglichen Leuten kennen zu lernen Gelegenheit haben, von einem Stumm, Krupp, Heyl und Hitze auf der einen bis zu einem Rösicke und Freese auf der anderen Seite, und wie er in Frankreich seinen besten Ausdruck fand in dem„Sozialen Museum“ des Grafen Cambrun. Für denjenigen, der in der endgültigen Durchfechtung des Klassenkampfes die Ueberwindung des Kapitalismus gewährleistet sieht und nur in ihr, hat dieser Charakterzug nichts gerade Verlockendes, er erlaubt ihm aber andererseits ein wesentlich kühleres und darum wohl auch gerechteres Urteil. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Gebäude die Vorführungen der Arbeiterschutzge⸗ setzen in verschiedenen Staaten. Dem deutschen Reiche hat man dabei den Ehrenplatz, gleich rechter Hand am Haupteingange eingeräumt. Ein Spezialkatalog von nicht weniger als sechs⸗ zehn Seiten dient als Führer durch die vom Reichsversicherungsamt im Verein mit dem kaiser⸗ lich statistischen Amte in Berlin eingerichtete Ausstellung. Es giebt da in der That recht Vieles und recht Interessantes zu sehen. Inmitten einer Reihe von Modellen, durch die eine Reihe von Krankenhäusern und Arbeiterheilstätten hübsch dargestellt werden, lenkt ein mächtiger, goldbron⸗ zierter Obelisk die Blicke des Beschauers auf sich: er stellt die Entschädigungsleistungen der Arbeiter⸗ versicherung im Jahre 1899 dar, 304,5 Millionen Mark gemünzten Goldes, wie mit stolzen Ziffern dort angegeben ist; daneben finden wir einen gemalten Obelisken im Maßstabe von 1: 6, der die Entschädigungen der Arbeiterversicherung von 1885 bis 1899 versinnbildlicht; sie betragen 2,4 Milliarden Mark. An den Wäuden sieht man eine große Zahl von statistischen Kurven, von Uebersichten und Nachweisungen, auf den Tischen liegen und stehen Modelle aller Art umher und in Glasschränken hat man eine ganze große Bibliothek mit der Literatur über unsere Sozial⸗ gesetzgebung zusammengetragen. Aber man zeigt nur die Lichtseite! Ausländische Politiker und Berichterstatter machen einen förmlichen Sport daraus die deutschen Ausstellungsobjekte nicht nur, sondern auch die deutschen Einrichtungen und Zustände mit einem von keinerlei Sachkennt⸗ nis getrübten Urteile zu loben nicht zum wenigsten diese soziale Abteilung, und die meisten deutschen Besucher tuten fröhlich in dasselbe Horn; aber es wäre doch gut, wenn die Leute einmal einen Blick in die Berichte der Arbeitersekretariate oder in die Akten des Reichsversicherungsamtes werfen würden, um zu sehen, welche grausamen Schäden dem viel gerühmten Werke unserer sozialen Gesetz⸗ gebung anhaften. Es ist müssig, sich auf die beliebten Vergleiche einzulassen mit anderen Ländern, es ist ebenso müssig, wie sich mit dem Spruche trösten zu wollen, daß alles Menschen⸗ werk Stückwerk sei. Wer seine Augen tüchtig aufmacht und sich recht umschaut, wird hier die Ueberzeugung verstärkt fühlen, daß man das Uebel an der Wurzel anpacken müsse.— Jeder Sozialdemokrat aber, der die Säle durch⸗ wandert, wird sich der Befriedigung nicht ver⸗ schließen, daß es doch seine Partei war, die am gründlichsten zur Schärfung des sozialen Gewissens beigetragen hat und somit wohl auch ihr gutes Teil hat an der intellektuellen Urheber⸗ schaft dieses Ausstellungszweiges. Sprüche zur Lebensweisheit. In Staaten, wo die Herrscher alles, die politischen Institutionen nichts zu bedeuten haben, kann unter Umständen tiefer Fall ganz unmittel⸗ bar auf großartige Erhebung folgen. Duruy. * Das Volk läßt sich nie bestechen, wohl aber aber hinter das Licht führen, und nur dann scheint es das Böse zu wollen. Rousseau. * Nur der Bürgersinn kann über Ehre be⸗ stimmen. Nun ist dieses Geistes überall sehr wenig; also ist nur sehr wenig wahrhaft ge⸗ würdigte Ehre. Seume. * Unschuld und Rechtschaffenheit halte ich für die beste aller Religionen. Gemeinnügiges. Aufbewahrung der Butter. In der Milchversuchsstation Thun ist ein Versuch über die Frischerhaltung der Butter angestellt worden. Gleichgroße Mengen Butter wurden ranzig: Im Zimmer bei 12 Grad Reaumur in 1 Tag, in luftiger Milchkammer bei 8 Grad Reaumur in 4 Tagen, daselbst in kaltem Wasser in 13 Tagen, unter Wasser in 15 Tagen, in dem Gefäß mit Salz eingeknetet in 29 Tagen. Die Butter, die bei 11 Grad Reaumur in 1 Tage ranzig wurde, war von geringer Haltbarkeit. Warnung. Vor dem Genuß des jetzt in voller Blüte stehenden Goldregen sei hiermit ge⸗ warnt. Aus Döhren in Hannover werden zwei Vergiftungsfälle durch den Genuß von Goldregenblüten gemeldet. Die fünfjährige Tochter des Arbeiters Bergmann und der gleichalte Sohn des Sattlers Möbis verstarben in Folge des Genusses von Goldregen. Gewährschaft bei Tieren. Die Ver⸗ käufer landwirtschaftlicher Haustiere wollen es ja beherzigen, daß man jetzt für alle Eigenschaften eines Tieres, die man während des Handels oder Kaufabschlusses dem Käufer zusichert, eine Haftung von 6 Wochen übernehmen muß. Man hüte sich deshalb, für etwas Garantie zu leisten oder etwas zuzusichern, was den thatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Will der Käufer an den Verkäufer auf Grund derartiger Zusagen einen Anspruch erheben, dann muß schon vor Ablauf der 42 Tage Klage bei dem zuständigen Gericht erhoben werden, da die gerichtliche Zu⸗ stellung längstens am 42. Tage in die Händen des Verkäufers sein muß. Humoristisches. Popularität. Fürst:„Nun, wie schmeckt es Dir, mein Lieber?“— Holzknecht:„Arbeit und Gebet und die Liebe zu meinem gnädigen Landesfürsten würzen mir die rauhe Kost.“— Fürst:„Braver Mann! Wer hat Dir diese goldenen Worte in den Mund gelegt?“— Holzknecht(auf den Hofmarschall deutend):„Der Herr da hint' und fünf Mark hat er spendiert.“ * Ein Vorschlag zur Güte.„Ins Hoftheater möch'st, Alte? Woaßt was, da gehn ma lieber ins Hofbräuhaus, dös is a was Königlich's...“ * Antisemitisches. Erster Antisemit:„Höre einmal, Du predigst immer:„Kauft nicht bei Juden“, und doch sehe ich Dich fortwährend in jüdischen Geschäften aus- und eingehen!“— Zweiter Antisemit:„Wer sagt, daß ich dort kaufe?“— Erster Antisemit: „Was thust Du dann dort?“— Zweiter Antisemit: „Ich pumpe!“ Neu eingelaufene Schriflen. Die Wohuungsfrage und die Sozialdemo⸗ kratie. Ein Kapitel sozialdemokratischer Ge⸗ meindepolitik von Louis Cohn. München 1900. M. Ernst. Eine kurze instruktive Schrift über die ver⸗ schiedenen Fragen, die gemeinhin unter dem Gesamt⸗ begriff der Wohnungsfrage zusammengefaßt werden. Die Schrift will ein Wegweiser durch die Speziallitteratur sein und übt an den Vorschlägen der bürgerlichen Sozial⸗ reformer Kritik auf grund des sozialdemokratischen Partei⸗ programms. Sie wird in erster Linie den Vertretern der Sozialdemokratie in den Gemeinden ein wertvolles Orientierungsmittel bieten, verdient aber darüber hinaus die weiteste Verbreitung in den Reihen derer, die über den gegenwärtigen Stand der brennenden Frage einen Ueber⸗ blick sich verschaffen wollen. Klarheit und Uebersichtlichkeit sind die Hauptvorzüge der empfehlenswerten Schrift. — 282 e 5 f 0 1 3 1 ) f —— —— 2 8 Nr. 25. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. Großes Lager in Taschen⸗ uhren, Weckern, Regula⸗ teuren, sowie in Uhrketten, Gold⸗ u. Silberwaren moderner, besserer Kon⸗ struktion u. Haltbarkeit zu trotzdem sehr billigen Preisen. Fr. Schupp Uhrmacher. Lollar. Für jede bei mir gekaufte Uhr 2 Jahre schriftl. Gar. Reparaturen all. Arten wer⸗ den billigst, prompt und unter Garantie in eigener Werkstatt ausgeführt. Ver⸗ sand nach auswärts. Um⸗ tausch gestattet. Sohlitz. Samstag, den 16. Zuni ds. Js., Abends 9 Uhr, Versammlung in der„Heimath“. Tagesordnung: 1. Mitgliedskarten und Beitragszahlung. 2. Wahl eines Vorsitzenden, eines Schriflführers und eines Hülfskassirers. a Die Mitglieder werden dringend gebeten alle zu erscheinen, da noch mehrere wichtige Punkte vorliegen. Der Vorstand. J. A.: Adam Lang, Schriftführer. dodge Vildhauer Grüubergerstraße 15 Glessen CGrinbergerstraße 16 empfiehlt sich zum Ansertigen von Grabkreuzen, Schrift⸗Tafeln a und Grabeinfassungen, sowie zu allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten, in allen Steinarten. Grobdenkmüler, Monumente. Reparaturen werden schnell und billig besorgt. in jeder Preislage, empfiehlt zu außerordentlich billigen aber festen Preisen das Deutsch-amerikanische Schuhgeschäft Adolf Beverstein gahnhofstraße 23 Ecke Töwengasse. rr rere Unges unde und Lei dende] Die Heukraft der Elektrszirät ist wunderbar! Ueber die glän⸗ zenden Erfolge des Selbsikur mit der preisgekrönten 1 1 Induktionsma chine(Preis 24¼ u. 28½½ Mk.) versendet gratis u. franko 48seit. Brosch. P. Freygang Nachfolger, Dresden A 118. FFT Bilz Das neue Naturheilbuch, schon verkauft. 100. Aufl. Mit goldener 2 Medaslle und Ehrendiplom ausgezeichnet. Tausende Kranke verdanken emselben ihre völlige 1 Das giebt für jede Krankhett genaue Kurvorschrift, lehrt auch Kneibpkur, Massage, Sn 00 Krankenkost und Schutz bege Krankheiten ꝛc. Hat sich in wenig Jahren in 00% Familien eingebürgert, er beste Beweis für dessen Vorzüglichkeit. ca. 2000 Seiten, 720 Abbildungen, diele bunte Tafeln und zerlegbare burte Modelle, an welchen man alle inneren Organe „ sehen und auseinander nehmen kann. Preis geb. M. 12.50 und M. 10%%. Bu bez burch alle Buchhandl. u. F, C. Bilz: Verlag, Leivsig. Auch ing nt e Bilz Naturheilanstalt(Schloß Lösfnitz) Dresden⸗Radebenl behande! jährlich von Patienten aller Art mit gutem Erfolg. 555 8 approbierte Aerzte. Platz für 150 Kurgäste. Prospekte frei durch die ektion. Dr. Theinhardt's Kindernahrung eignet sich in hervorragender Weise als Beikost für Säuglinge namentlich bei Engl. Krank- heit und Sxropheln. — 9„ Vorrätig in den* Apotheken d. Drogerien. 0 Preis Mk. l. 20 u. l. 90. eee D. Kaminka Uhrmacher Giessen. Marktplatz I8. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt. G Für Arbeiter- Bildungs-Vereine eto. Einige komplette Jahrgänge der „Neuen Zeit“ eleg, gebunden, billig abzugeben. Expebition der Mittelo. Sountags⸗Zig. Mosel Cognac in ½, ½, ½/ Flaschen der Firma g Erste Taunus Cognac- Brennerei Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerkannt feinste Marke qro Flasche 1.80, N 72 und 3—4 Flaschen verhältnis⸗ mäßig. Niederlage: Heuchelheimer Consum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim bei Gießen. Heinr. Gengnagel, Gießen Neue Bäue 10. Ant. Conr. Müller, Langgöns S N N NN e h 8 e r Einen grossen Posten N N See 22 N m ferren- Anzüge N G N N N 2 3. 2 n 8 oblange d. Vorrat reicht z. 10 u. 12 Mk. e N 8 N N K Gi 8 5 8 Markus Bauer, lessen N J Sn 8 iu Ksrchenplatz ll 8 8 gegenüb. d. Stadtkirche. 8 D= N N der 5 7 8 r Pr. Theinhardt's Kindernabrung enthält alle zur normalen Ent- wicklung der Säuglinge er- forderlichen Nährstoffe. Vorrätig in den preis Mk. l. 20 u. l. 90 Apotheken u. Drogerien. Colonial⸗ u. Eisenwarenhdlg. Für cen Arbeiter unentbehrlich ist: Gewerbeordnung 40 Pfg Strafgesetzbuch 40„ Invalidenversiche⸗ rungsgesetz 40„ sämtlich vom 1. Januar 1900 ab gültig. Vorrätig in der Buchhandlung Sehneicdler Gießen, Sonnenstr. 25. FFF einzel-NHummern der Mitteldeutschen Jonntags⸗Zeitung kauft man für 10 Pfg. in den Buchhandlungen Sonnenstraße 25 und Wallthorstraße 21. Fir agenledende! Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdanlicher, zu 5 heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ 5 schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung 5 zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Hubert UIlrich'sche K Täuter-Wein. Dieser Fräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig besun denen Fräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Perdauungsorg anismus⸗ des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu fein. EBräuter⸗Wein beseitigt alle Ztärungen in den Slut⸗ gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Flutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen“ 8 5 übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht aer 8 seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ 5 störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Usbelkelt mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenlelden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 1 Stuhlversto fun und deren unangenehme Folgen 8 1 9 wie: Beklemmung, Kollkschmer zen Unerazklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(Hämorrholdallelden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulschkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. 2 Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die 1 schlechter Verdauung, 1 mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appstitloslgkelt, unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 1 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 2 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. 8 Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à. 1.25 u. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Frou⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ulrich, Leipzig, West- strasse 82“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ 2 preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. nr Vor Nachahmungen wird gewarnt! 2 5 Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrich schen Kräuter- Wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile 5 sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100, 0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel àà 10,0. 1 5 2 2 5 Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von H. Klebert, Gießen. Mit sweite 2 U Wie geulsen, ttetun Klasse Sie will get in welch nag, b. wird, so über d lichen verbreit kann, i Geno Pflic breit Pflicht möglich zielle O die Sac ubeiten Frunde Partei ur Auf, unserem Arbeite kerliere fuser, Katt fü Ubeitz Ales d nen 9