N 2 agen umen t zer⸗ Kopf. t mit Gießen, Sonntag, den 15. Juli 1900. 7. Jahrg. arrgewlap il. Scleßgass Mitteld euts che Donnerttag Nachnitag 4 Ur 9 5. 94 25 4 Abonnementspreis: Bestellungen NJuserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und] Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung NN Candes⸗ Konferenz der Sozialdemokraten Hessens. Auf Beschluß des Landes-Komitees findet die diesjährige Landes⸗ Konferenz der Sozialdemokraten des Großherzog- tums Hessen in Neu⸗Isenburg Sonntag, 2. September, vormittags 10 Uhr, im Saale„Zum Darmstädter Hof“ statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Geschästsbericht des Landes⸗Komitees.— Referent: Genosse Ulrich-Offenbach. 2. Rechnungs⸗Ablage.— Referent: Genosse Orb⸗Offenbach. 5 3. Der Ausfall der Landtagswahlen.— Refe⸗ rent: Genosse Berthold-Darmstadt. 4. Der bevorstehende Parteitag in Mainz und der internationale Kongreß in Paris.— Referent: Genosse Dr. David⸗Mombach⸗ Mainz. 5. Einlaufende Anträge. 6. Wahl des Landes⸗Komitees. Parteigenossen! Sorgt allerorts dafür, daß die Landes⸗Konferenz zahlreich besucht wird. Diskutiert die Tagesordnung und sendet die nötigen Anträge rechtzeitig an den mit⸗ unterzeichneten Genossen Ulrich ein! Offenbach, den 11. Juli 1900. Das Landes komitee. C. Ulrich, Vorsitzender J. Orb, Kassierer Gr. Marktstr. 25. Geleitsstr. 14. PPP Das neue Unfallversiche⸗ rungsgesetz. III. In den ersten zwei Jahren nach Rechtskraft des ersten Bescheides kann, wie bisher, jederzeit eine Neufestsetzung der Rente stattfinden. In den folgenden drei Jahren kann jährlich nur einmal eine Neufestsetzung erfolgen. Kürzere Fristen sind nur dann zulässig, wenn solche zwischen der Berufs genossenschaft und dem Ver⸗ letzten vereinbart sind. Nach Ablauf von fünf Jahren kann eine Neufestsetzung nur auf Antrag durch das Schiedsgericht erfolgen. Erkennt das Schiedsgericht den Antrag als begründet an, dann setzt es auch den Termin fest, von wann die neue Renle gelten soll. Auf Antrag kann das Schiedsgericht schon vor der Verhandlung durch Berfügung eine anderweitige Festsetzung anordnen. Renten bis zum Jahresbetrag von 60 Mk. sollen in vierteljährlichen Beträgen am Beginn des Vierteljahres im voraus und höhere Renten in monatlichen Beträgen im voraus durch die Post ausbezahlt werden. 2 Das Recht auf Rente ruht, wenn der Be⸗(9 recht egte eine Freiheitsstraf. on mehr als einem Monat verbüßt. Für Ausländer ruht das Recht auf Rente, solange sie nicht in Deutschland ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, und für den Deutschen, wenn er ins Ausland geht und es unterläßt, der Berufsgenossenschaft seinen Aufent⸗ haltsort mitzuteilen. Renten bis zum Betrage von 15 pCt. der Vollrente können auf Antrag des Berechtigten durch Kapitalzahlung abgefunden werden. Durch die Kapitalzahlung verliert der Berechtigte jeden weiteren Anspruch, auch dann, wenn sein Zu⸗ stand sich erheblich verschlimmert. Ausländer können, wenn sie dauernd Deutschland verlassen, auf ihren Antrag mit einer Summe in der Höhe des dreifachen Jahresbetrages abgefunden werden. Die Versicherten und deren Hinterbliebenen verlieren jeden Schadenersatzanspruch an den Unternehmer auch für den Fall, wenn sie einen Anspruch auf Rente nicht haben. Nur wenn sie nachweisen können, daß der Unternehmer den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat, bleibt ihnen der Schadenersatzanspruch auf grund des Bürger- lichen Gesetzbuchs. Ist der Unfall durch straf⸗ bare Fahrlässigkeit h ebeigeführt, dann haben zwar die Krankenkassen ind Berufsgenossenschaften einen Regreßanspruch, aber die Versicherten nicht, auch nicht die Hinterbliebenen der durch Unfall Getöteten, selbst wenn sie nur deshalb keine Rente bekommen, weil sie nicht nachweisen können, daß der Getötete ihr einziger Ernährer war oder weil sie noch nicht in einer Lage der Be⸗ dürftigkeit sind. Die unehelichen Kinder keines Mannes be— kommen weder Rente, noch haben sie einen Schadenersatzanspruch. Der Schadenersatz ist ausgeschlossen, weil der Mann versichert war, und die Rente, weil sie keine ehelichen Kinder sind. Nur die unehelichen Kinder, deren Mutter getötet wird, haben Rentenanspruch. Im allgemeinen sind die Rechte der Berufs⸗ genossenschaft verstärkt worden. Das Recht, Rente zu bewilligen oder zu versagen, ist gegeben für die Fälle, wo der Unfall sich bei Begehung eines Verbrechens oder vorsätzlichen Vergehens ereignet hat. Die Berufsgenossenschaften können in den Fällen, in denen der Verletzte aus Anlaß des Unfalls unverschuldet arbeitslos ist, die Rente bis zum Betrage der Vollrente erhöhen. Solcher Freiheiten sind den Berufsgenossenschasten eine ganze Anzahl eingeräumt. Dahingegen haben sie jetzt einen gesetzlichen Anspruch auf die Vorschüsse durch die Post: 14 bis 15 Monate muß die Post die Renten auszahlen, bevor sie für die ersten 12 Monate das Geld bekommt. Da das Reich die Gelder durch Anleihen beschaffen muß, bedeutet dieser Vorschuß eine Liebesgabe von einigen Millionen Mark für die Berufsgenossen⸗ schaften. f Unangenehm wird es von den Unternehmern empfunden werden, daß sie den Reservefonds in den ersten drei verstärken sollen und zwar in Jahren einschli f der Entschädigung 9 drei Jahren 1 pCt. wenig läufiger Rechnung 6 gesammelt hat. Die Durchfül schelften 1 der Unfallperhütungsyyr— g osseleschaften C Pf t 9 U bisherigen Age. der Einschätzung in eine die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ¼0/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. ist dem Vorstande das Recht gegeben, Geldstrafen bis zu 1000 Mk. über Unternehmer und 6 Mk. über Arbeiter wegen Nichtbefolgung der Vor⸗ schriften zu verhängen. Wenn aber der Vorstand keinen Gebrauch von seinem Strafrecht macht und allgemein gegen die Vorschriften verstoßen wird, daan haben die Behörden kein Mittel, die Durchführung zu er⸗ zwingen. Groß ist die Zahl kleiner und lediglich redaktioneller Veränderungen. Obwohl 22 Para⸗ graphen dadurch aus dem allgemeinen Gesetz ausgeschieden sind, weil man das Mantelgesetz gemacht hat, so ist doch die Paragraphenzahl um mehr als 40 gestiegen. Also 60 neue Para⸗ graphen und doch so geringfügige Verbesserungen! Die Reform hat keine neuen Grundsätze gebracht. Nicht der gewaltigen Umwälzung des wirtschaft⸗ lichen Lebens hat man Rechnung getragen, son⸗ dern sich damit begnügt, einige Unklarheiten aufzuklären und die größten Ungerechtfertigkeiten ein wenig zu mildern. Aber man hat auch stets den Grundsatz preußisch-deutscher Gesetzmacherei beobachtet, wonach jeder Uebelstand als Handels⸗ objekt betrachtet wird, und nur in die Beseitigung alter Uebel einwilligt, wenn neue dafür geschaffen werden. Die Zeit zu wirklicher, großer Reform wäre so günstig wie nie gewesen; aber von einer Regierung, die Zuchthausgesetzentwürfe und ähn⸗ liche Dinge bringt, und von einem Reichstage, dessen Mehrheit nur Großes leistet, wenn Liebes⸗ gaben für Agrarier bewilligt oder Volksrechte begraben werden sollen, war trotz der günstigen Zeit nicht mehr zu erlangen. Pflicht der organi⸗ sierten Arbeiter ist es, überall ein wachsames Auge zu haben und die Beseitigung großer Uebelstände energisch zu fordern. Noch ehe die jetzt beschlossene Reform durchgeführt ist, muß Material zu neuen Reformen gesammelt werden. Da die Arbeiter auf die Gestaltung der Statuten der Berufsgenossenschaften keinen Einfluß haben, müssen sie ihre Wünsche in der Gesetzgebung zum Ausdruck bringen. Politische Bundschau. Gießen, 13. Juli. Die Einberufung des Reichstags anläßlich der chinesischen Wirren wird nun auch von bürgerlichen Zeitungen gefordert. Selbst Stumms Organ, die„Post“ meint, der Reichstag müssse einberufen werden, wenn die cinesische Expedition mehr Geldmittel beansprucht, als der Regierung bewilligt wurden.— Eine Sitzung des Bundesrats-Ausschusses für auswärtige An⸗ gelegenheiten soll sich mit dieser Frage beschäftigt gabe haben. Ursachen des chinesischen Aufstandes. Nach cinem amtlichen russischen Bericht stellten die europä schen Gesandten in Peking am 21. Mai folgende Forderungen an die chinesische Regierung: 1. Verhaftung aller Mitglieder der Ver⸗ einigung der Boxer, welche auf den Straßen Unord⸗ Machtmitteln höhere Gefahrenklasse nung veranlassen und Druckschriften und Aufrufe verbreiten, die Drohungen gegen die Ausländer ent- halten; 2. Verhaftung solcher Personen, die ihre Räume den Aufrührern zu Versammlungen hergeben Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 29. Gleichstellung Aller mit Rebellen, welche den Auf⸗ stand schüren. 3. Strenge Bestrafuug der Polizeibeamten, welche die Repressiomaßnahmen sahrlässig angewandt oder sich des Einverständnisses mit den Aufständischen schuldig gemacht haben... 4. Hinrichtung aller Personeu, die sich eines Anschlags auf Leben und Eigentum(Mord, Brand⸗ stiftung schuldig machen. 5. Hinrichtung derjenigen Personen, welche die Handlungen der Boxer leiten und sie mit Geld⸗ mitteln unterstützen. 5 6. Benachrichtigung der Bevölkerung Pelings, der Provinz Tschili und der anderen nördlichen Provinzen von diesen Maßnahmen.. Diese Note war eine Art Ultimatum. Wenn die chinesische Regierung diese Forderungen nicht ersüllte, so würden die fremden Truppen ins Land gerufen werden— was ja dann auch geschah. Die Forderungen, die von den Gesandten in aller Harmlosigkeit gestellt wurden, dürften in der Weltgeschichte nicht ihresgleichen haben. Die Gesandten beanspruchen damit, als chinesische Oberregierung zu gelten, sie diktieren— als Ausländer— den nationalen Gewalten ihre Bedingungen, sie fühlen sich als Herren und Herrscher, als unumschränkte Diktatoren. Man denke sich einmal, daß in Deutschlan) eines Tages die Gesandten Englands, gegen welches doch bei uns in der letzten Zeit nicht wenig gehetzt wurde, mit derartigen Forderungen an die deutsche Regierung herantreten würden und die Hinrichtung der lautesten Hetzer ver⸗ langten! Der bloße Gedanke daran läßt den Wahnsinn solcher Forderungen klar zu Tage treten. Kein Wunder, daß sich die Chinesen ihrer Haut wehrten. Die unkorigierte Kaiserrede. Ursprünglich soll die Wilhelmshavener Rede Wilhelms II. etwas anders gelautet haben, als wie sie auch von uns in der letzten Nr. wieder⸗ gegeben wurde. Wilhelmshavener Blätter geben die betreffenden Stellen— wahrscheinlich auf Grund aufgenommener Stenogramme— in folgender Fassung: „Verbrechen, Frechheit, schauder⸗ erregende Grausamkeit herrscht jetzt in China. Mein Vertreter ist durch schänd liche Hinterlist dahingerafft worden in der Blüte seiner Jahre. Dem deutschen Recht ist Hohn gesprochen, das deutsche Volksbewußtsein ist ver⸗ letzt und verlangt eine exemplarische Be⸗ strafung aller Uebelthäter. Ich hoffe zwar, den Frieden wiederherzustellen mit dem Schwert und Rache zu nehmen, 5 5 die Welt noch nicht gesehen at. Am bemerkenswertesten scheint uns in diesem ursprünglichen Wortlaut der in der offiziellen Veröffentlichung erheblich gemilderte Satz, daß der Kaiser erklärt, Rache nehmen zu wollen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. China⸗Koller. Das Berliner„Kleine Journal“, das Organ des Kirchenbauers Frhrn. v. Mirbach, ein Blatt, von dem man behauptet, daß es bei Hofe viel gelesen wird, leistet sich angesichts der chinesischen Wirren folgenden sehr christlichen Erguß: „Mit eiserner Hand müssen die Bezopften niedergeworfen werden. Die Blutthaten von Peking schreien nach Rache. Wie die alten Konquistadoren Chile und Peru nieder- warfen, wie Lord Roberts die fanatisierten Indier der Mutiniti zertrat, so müssen die vereinten Truppen der Kulturstaaten Furcht und Angst um sich her verbreiten. Peking muß in Rauch aufgehen, Hinrichtung muß auf Hinrichtung folgen, kein Alter, kein Geschlecht darf Schonung finden, mit uner⸗ bittlicher Rächerhand muß das Volk im Reiche der Mitte lernen, die„Fremden“ zu fürchten, wie es noch nie gethan, und der Ruf:„ein Weißer“ muß zum Schreckens- ruf werden, der den Eingeborenen Chinas in Zukunft vor Angst erstarren lassen wird.“ Es wird aber nichts davon gesagt, daß nunmehr die Redakteure des„Kl. Journ.“ selbst mit„gutem“ Beispiel vorangehen und das Schwert um ihre Lenden gürten, um auf die von ihnen proklamierte Art den Chinesen die christliche Kultur, Religion und Gesittung beizubringen. Vom„Segen“ der Weltmachtpolitik. Die chinesischen Wirren machen schon ihren verderblichen Einfluß auf die heimische Industrie geltend. Der internationale Handel, durch den ungewissen Ausgang des blutigen Dramas im fernen Asieu beunruhigt, hält mit seinen Auf⸗ trägen möglichst zurück, weiß doch Niemand, welchen Umfang die gegenwärtigen kriegerischen Verwickelungen nehmen werden. Die hauptsäch⸗ lich ins Ausland exportierenden Fürther Spiegel⸗Industriellen haben die Ar⸗ beitszeit bereits durchschnittlich auf die Hälfte reduziert. Von der Maßregel sind an die 1000 Arbeiter betroffen. Also müssen immer wieder die Arbeiter für die verfehlte Politik unserer Staatsmänner büßen. Auch der Burenkrieg macht sich unsern Arbeitern unangenehm bemerkbar. So meldet die Leipz. Volksztg., daß in der dortigen Musik⸗ in dustrie schon seit längerer Zeit infolge des südafrikanischen Krieges eine äußerst ungünstige Geschäftskonjunktur zu verzeichnen war. Jetzt haben in den Polyphon⸗Musikwerken Lceipzig⸗ Wahren zahlreiche Entlassungen von Holz⸗ und Metallarbeitern stattgefunden. Dem Vernehmen nach soll der gesamte Betrieb wesentlich eingeschränkt werden. Es ist deshalb aufs neue einer weiteren Anzahl Arbeitern be⸗ reits gekündigt worden. Unter den Entlassenen und Gekündigten befinden sich auch viele Ver⸗ heiratete. „Ausländisches Büchsenfleisch ist gesundheits⸗ schädlich“, behaupteten bei Beratung des Fleischbeschaugesetzes die Agrarier und ihre antisemitischen Nachbeter. Der Schwindel wird am besten durch eine Mitteilung widerlegt, die der„Freis. Ztg.“ aus Bremen zugegangen ist. Darnach ist der„Nordd. Lloyd“ nicht im stande gewesen, seinen ganzen Bedarf an Büchsenfleisch für den Truppentransport nach China in Bremen selbst zu decken. Auch in den Listen der Waren für die Verproviantierung der Marine ist Büchsenfleisch aufgeführt.— Während das Büchsenfleisch als gesundheitsschädlich im deutschen Reich verboten wird, wird es also als Nah- rungsmittel für die deutsche Marine nicht als gesundheitsschädlich erachtet. Angriff auf die Krankenkassen. Welcher Art die geplante„Reform“ des Krankenkassengesetzes sein wird, zeigt ein amt⸗ liches Aktenstück, welches der„Vorwärts“ in der Lage ist, zu veröffentlichen. Jedenfalls, um Material zu einer„Denkschrift“ und für die Beratungen im Reichstage zu erhalten, stellt der Potsdamer Regierungspräsident an seine unter⸗ gebenen Behörden eine Reihe von Fragen dahin⸗ gehend, welche Bestimmungen des Gesetzes sich in der Praxis als abänderungsbedürftig erwiesen hätten. Einige der 13 Punkte, über die Aus⸗ kunft verlangt wird, geben wir nachstehend wieder: 4. Sollen den Arbeitgebern unter Er⸗ höhung des aus eigenen Mitteln zu bestreitenden Anteils an den Beiträgen auf die Hälfte in der Verwaltung der Kassen die gleichen Rechte wie den Arbeitern ein⸗ geräumt werden? 5. Empfiehlt sich ein Anschluß der Orts⸗ Krankenkasseu an die Gemeindever⸗ waltung in der Weise, daß ein Gemeinde⸗ beamter— diese vorbehältlich der Erstattung der Gehälter durch die Kassen— von der Gemeinde angestellt werde? 9. Haben sich die Befugnisse der Auf⸗ sichtsbehörden als unzulänglich er⸗ wiesen? In welcher Beziehung ist eine Verstärkung der Aufsichtsbehörde notwendig? 10. Sollten die Hilfskassen als gleich⸗ berechtigte Träger der Krankenversicherung beibehalten oder nur noch als Zuschußkassen zugelassen werden? 100. Sodann sind in einer Nach⸗ weisung diejenigen Ortskrankenkassen aufzuführen, bei denen Vorstands⸗ mitglieder sich ols Angehörige der sozialdemokratischen Partei bemerk⸗ lich gemacht haben; es ist hier unter kurzer Darlegung des Thatbestandes anzugeben, ob und in welcher Weise ein Mißbrauch der Verwaltung zu sozialdemokrati⸗ schen Parteizwecken in die Erscheinung getreten ist. Insbesondere sind etwaige Streitigkeiten mit den Aerzten, Apotheken, Kranken— häusern usw., sowie Veruutreunngen von Kassengeldern, die mit solchem Mißbrauch zusammenhängen, anzu⸗ führen. Geradezu unerhört ist die Frage nach der Veruntreuung von Kassengeldern! Bekanntlich sind die in den Händen von Sozial⸗ demokraten befindlichen Krankenkassen mustergiltig verwaltet und von Veruntreuungen hat man nirgends etwas gehört. Weit gescheiter hätten die Herren am grünen Tisch gethan, wenn sie einmal eine Statistik über die von Unter⸗ nehmern begangenen Krankengeld-Unterschla⸗ gungen eingefordert hätten— die Krankenkassen erleiden dadurch erhebliche Verluste, daß zahl⸗ reiche Arbeitgeber die Krankenkassenbeiträge ihren Arbeitern zwar abziehen, aber nicht an die Kassen abführen, wofür in unserem heutigen Blatte Beispiele angeführt sind. Vie„Denlschrift“ wird, wie die zur Zucht- hausvorlage, ein Muster von„Objektivität“ sein! Mülhausen. Wie wir schon in der vorigen Nummer mit⸗ theilten, hat die Ersatzwahl im oberelsässischen Kreise Mülhausen mit einer Niederlage für uns geendet und zwar einer so schweren, wie sie fast einzig in der Parteigeschichte dasteht. Dieser für weite Parteikreise überraschende Ausgang kommt für Kenner der dortigen Verhältnisse keineswegs unerwartet. Genossen, welche mit diesen vertraut sind, waren auf eine Niederlage gefaßt, wenn man auch einen so riesigen Stim⸗ menverlust nicht erwartete. Eine Einbuße von ca. 6000 Stimmen ist bei unserer Partei etwas ganz unerhörtes. Gegner und Genossen suchen nach den Ursachen, welche dieses Resultat zei⸗ tigten. Im Lager der Gegner herrscht natürlich Jubel und die ganze Woche fütterten die„Post“ „Kreuzztg.“ und andere reaktionäre Organe ihre Leser mit Triumpfartikeln über die„endgültige Vernichtung der Sozialdemokratie“,„Sieg des Reichsgedankens“,„Beweis des wachsenden Ver⸗ ständnisses für die Weltpolitik“ und Aehnlichem. Das ist natürlich Blödsinn. Von unserer Seite wurde ein Kandidat prä⸗ sentirt, der als Reichsdeutscher bei den lokalpatriotischen Elsässern wenig Sympathien genoß, während auf der Seite des Kuddel⸗ muddels ein geborener Elsässer und dazu einer der reichsten Mülhäuser Fabrikanten stand, der über bedeutenden Einfluß verfügt und von dem ganzen Ordnungsklüngel, den Pfaffen, Unter⸗ nehmern und Beamten nachhaltig unterstützt wurde. Dazu kam das schmähliche Ver⸗ halten Buebs und seines Anhangs, der mit keinem Worte für die Kandidatur Emmels ein⸗ trat.— Uebrigens sind wir ganz der Mei⸗ nung, die in einer Zuschrift an den Vorwärts zum Ausdruck kommt, nämlich, daß wir uns zur Abwechselung auch einmal eine Niederlage leisten können! Diese wird die elsässer Genossen zu energischer, systematischer Agitation veranlassen, deren Erfolge dann auch dort nicht ausbleiben werden. f Reichstagsersatzwahlen. Am Freitag, den 6. Juli, fand in dem hannoverschen Wahlkreise Einbeck- Northeim eine Ersatzwahl statt, welche durch die Ungültig⸗ keitserklärung des Mandats des bündlerischen Abgeordneten Harriehausen notwendig ge⸗ worden war. Die Wahl ergab kein endgültiges Resultat, es kommt vielmehr zur Stichwahl zwischen dem Nationalliberalen Jorns, der 5282, und unserem Genossen Fischer, der 3626 Stimmen erhielt. Außerdem wurden für den Kandidaten des Bundes der Landwirte, Lüders 3559, und für den Welfen v. Hake 2161 Stimmen abgegeben.— Bei der Haupt⸗ führigst zwar 9 keinen! hat sei valiven semiten Kandid semiter Fi Stimn möglid in Cas Fer liberale wahl notwen dez M mit 88 lossen ahl kafsch und 7 Unsere die W. Uäter geben, rauch krati⸗ kung leiten uken⸗ ingen schem anzu⸗ 9 der ern! 50 zial⸗ rgiltig man hätten un sie nt er⸗ schla⸗ nkassen zahl⸗ ihren Kassen Blatte Zucht⸗ sein! er mit⸗ sischm ge für wie sie Dieser ASgang ültnisse e mit derlage Stim⸗ e von etwas suchen t zei⸗ tütlich Post ie ihre gültige 9 des f Ver⸗ lichem. i prä⸗ ei den pathien zͤddel⸗ einer 0, der u dem Unter? erstitt Ver- er mit 8 ein⸗ ö Mei⸗ wärts 1 zul leiten 72N N sen zu N bleiben dein 1 thein malle fach, ig, e 1 „, da , de 00 f lle/ 11 Gau A eee, Nr. 29. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. wahl im Jahre 1898 erhielt unser Genosse 4159, die gesamten Gegner 10573 Stimmen. Ein Sieg unseres Genossen ist natürlich ausgeschlossen, da in der Stichwahl, die am 16. Juli stattfindet, sich voraussichtlich alle gegnerischen Stimmen auf den nationalliberalen Kandidaten vereinigen werden. * Auch im Kreise Hofgeismar-Rinteln hat infolge der Mandatsniederlegung des Antisemiten Vielhaben eine Ersatzwahl stattzufinden. Als Nachfolger Vielhabens, der 1898 mit 6035 Stimmen im ersten Wahlgange gewählt wurde, haben die Antisemiten oder vielmehr hat Herr Liebermann v. Sonnenberg im Verein mit einem Dutzend Parteiführern den Fabrik⸗ besitzer Vogel aus Oberweiler(bei Lörrach i. B.) bestimmt. Das Vorgehen Liebermanns hat zum Krach in der antisemitischen Partei geführt. Die „Deutsche Wacht“ des Herrn Zimmermann er⸗ klärt nämlich, daß sie„diese von Herrn v. Lieber⸗ mann betriebene Aufstellung“ bedauert und daß für sie jede Empfehlung der Kandidatur aus⸗ geschlossen sei. f Im Jahre 1894 veröffentlichte nämlich Herr Vogel in den„Deutsch⸗sozialen Blättern“, auch einem antisemitischen Blatt, verschiedene Artikel, in denen ein Herr Welcker, damals Redakteur der„Deutschen Wacht“ und Reichstagskandidat der Antisemiten im Jahre 1898, der ehren— rührigsten Dinge bezichtigt wurde. Das hat zwar Herrn Welcker in der antisemitischen Partei keinen Abbruch gethan, aber auch Herr Vogel hat seine Freunde behalten.— Die Konser⸗ vativen, die bei der letzten Wahl mit den Anti⸗ semiten stimmten, haben diesmal ihren eigenen Kandidaten aufgestellt, sodaß der Sieg des Anti⸗ semiten im ersten Wahlgange ausgeschlossen ist. Für unsere Partei sind 1898 zirka 3000 Stimmen abgegeben worden und es ist sehr möglich, daß unser Kandidat, Genosse Garbe in Cassel, in die Stichwahl gelangt. * Ferner ist durch die Beförderung des national⸗ liberalen Abg. Dr. Heiligenstadt eine Neu⸗ wahl im Kreise Wanzleben(6. Magdeburg) notwendig geworden. Der bisherige Inhaber des Mandats wurde 1898 in der Stichwahl mit 8870 Stimmen gegen 6974 unseres Ge⸗ nossen Gerlach gewählt, nachdem in der Haupt⸗ wahl 7151 nationalliberale, 6409 sozialdemo⸗ kratische, 2050 Stimmen der Freis Vereinigung und 70 Zentrumsstimmen abgegeben waren. Unsere Genossen werden mit größtem Eifer in die Wahlbewegung eintceten. Eine weitere Ersatzwahl steht im Kreise Westhavelland bevor. Das Mandat des konservativen Landrats v. Loebell ist wegen amtlicher Wahlbeeinflussung für ungültig erklärt worden, und hier ist für unsere Genossen alle Aussicht vorhanden, den Kreis, den wir schon einmal erobert hatten, wieder zurückzugewinnen. Der Landrat siegte 1898 in der Stichwahl mit nur 160 Stimmen Mehrheit, sein Mandat ver⸗ dankte er dem schofeln Verhalten der Freisinnigen. Die japanische Sozialdemokratie, die in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht hat, wird, wie unser Zentralorgan meldet, ebenfalls auf dem Pariser internationalen Arbeiterkongresse vertreten sein. Genosse Murai, der Generalsekretär der sozialistischen Arbeitervereine Japans, ist auf der Reise nach Paris zum Kongreß in San Francisco (Nordamerika) eingetroffen. Er spricht fließend englisch und wird in den Vereinigten Staaten verschiedene Vorträge über die Bewegung in Ivpan halten. Schon zu dem letzten(Londoner) internationalen Kongresse wurde die Beteiligung de japanischen Sozialdemokratie gemeldet; soviel wer wissen, war dieselbe damals aber nicht ver⸗ treten. Der Krieg mit China. Ueber das Schicksal der Europäer in Peking schwebt noch immer Dunkel. Auf die Nachrichten von der Ermordung aller Fremden und Einäscherung der Gesandtschaftsgebäude folgten andere, aus chinesischer Quelle stammende, welche berichten, daß alle Fremden in Peking wohlbehalten seien. Diesen wird hinzugefügt, daß der Prinz Tsching mit seiner Armee die Gesandischaften gegen den Prinzen Tuan und die Boxer schütze.— Ebenso bedarf die Nach- richt, daß der Kaiser und die Kaiserin-Witwe ermordet oder zum Selbstmord gezwungen wurden, noch der Bestätigung.— Gegen Peking kann vorläufig nichts unter⸗ nommen werden. Es bleibt den internationalen Truppen nichts anderes übrig, als gute Witte— rung abzuwarten. Man befindet sich augenblick— lich in vollständiger Regenzeit, es ist keine Mög⸗ lichkeit, durch den Morast, der während dieser Zeit das Thal zwischen Tientsin und Peking erfüllt, irgendwelchen Transport von Truppen, Geschützen oder Gepäck zu bewerkstelligen. Ueber die Kämpfe um Tientsin berichtet der Chef des deutschen Kreuzergeschwaders aus Taku: Tientsin wird täglich aus den Befestigungen des Arsenals im Westen, den Batterien im Norden und dem Fort in der Chinesenstadt be⸗ schossen; die häufigen Angriffe auf die Fremdenniederlassungen sind bisher, meist unter schweren Verlusten der Chi- nesen abgewiesen worden. Unsere Truppen hatten keine, die der übrigen Nationen nur geringe Verluste. Ein amerikanischer Transportdampfer mit 1200 Mann und ein französischer mit 1400 Mann und einer Feldbatterie sind eingetroffen. Londoner Abendblätter vom 9. Juli berichten aus Tientsin unter dem 6. Juli: Die Chinesen machten heute früh einen erneuten heftigen Angriff. Die Verbündeten antworteten mit dem Feuer dreier Zwölspfünder vom Kriegsschiff Terrible und zwangen die Chinesen nach einem siebenstündigen Kampfe, sich zurück- zuziehen. Ueber die Haltung der Mächte ver⸗ lautet, sämtliche Mächte wollten Japan freie Hand lassen, indessen Rußland, Frankreich und Deutschland, jene Mächte, die nach dem chinksisch⸗japanischen Kriege ihr Gewicht in die Wagschale legten, seien dagegen. Japan ist, wie die Dinge einmal liegen, der einzige Staat, der rasche Hilfe bringen kann; Hilfe nicht für Peking, vielleicht aber für Tientsin oder für jenen Ort, in welchem sich die vereinigten Truppen nach ihrem voraussichtlichen Rückzug von Tientsin verschanzen werden. Die Vereinigten Staaten lassen durch ihre Gesandten den übrigen Mächten erklären: Die Regierung der Vereinigten Staaten erkennt das Vorhandensein des Kriegszustandes nicht an; sie hat Truppen und Schiffe nicht entsandt, um gegen China Krieg zu führen, sondenn um nach den amerikanischen Bürgern und ihren Interessen zu sehen, die gesetzmäßige Regierung zu unter⸗ stützen, die Ordnung herzustellen und aufrecht zu erhalten und nach Wiederherstellung des Friedens wieder fortzugehen. Die Vereinigten Staaten sagen ab. Sie wollen den Rache⸗ und Eroberungskrieg nicht mitmachen.— Die deutschen Panzer schiffe haben am Sonn⸗ tag den Hafen von Kiel verlassen und werden in ca. 40 Tagen in den chinesischen Gewässern eintreffen. Der Krieg in Südafrika. Nachrichten aus den südafrikanischen Bergen sind wenig eingelaufen. Die Buren setzen den Kleinkrieg fort. Es gelang ihnen, wie eine in London eingelaufene Depesche Lord Robert's meldet, den General Rundle und einige Offfziere gefangen zu nehmen. Ueber weitere Kämpfe wird berichtet: Am 4. Juli machten die Buren einen ver⸗ zweifelten Versuch, Ficksburg wieder zu besetzen. Um Mitternacht fand ein heftiges Gefecht statt, das stundenlang dauerte; auch bei Senekal wurde gekämpft. General Hutton wurde in Heilbron von einer großen Anzahl Buren angegriffen. Es gelang ihm, sie ohne große Schwierigkeiten zurückzu⸗ schlagen. Nach einer Meldung aus Pretoria vom 8. Juli machten die Buren einen erfolglosen Angriff auf die britische Eskorte zwischen Standarton und Heidelberg. Der Feind griff den Obersten Mahon in der Nähe von Spring an. General Hutton traf mit Verstärkungen ein und trieb die Buren zurück. Eine Patrouille vom 7. Dragonerregiment hatte ein Geplänkel mit dem Feind. Die Buren sind sehr rührig in der Umgebung von Rustenberg. Der Staatssekretär des Oranje-Freistaats Blignant nebst einigen anderen Mitgliedern der Regierung soll sich ergeben haben. Präsident Stejn, der sich in die Berge geflüchtet hätte, soll aufgefordert werden sich zu ergeben.— Präsident Krüger hat erklärt, der Kampf werde fortgesetzt, solange noch 500 Buren am Leben blieben; es werde den Engländern nie gelingen, das Burenvolk zu unterdrücken. Die Burengesandten sind gestern in Paris mit Jubel empfangen worden. Ueber 20000 Personen waren auf dem Bahnhofe versammelt. Die nationalistische Jugend war mit ihrer Fahne erschienen. Zahlreiche Personen warfen den Dele⸗ gierten Blumeasträuße in den Wagen. In der Amsterdamer Straße forderte die Menge einen Hauseigentümer auf, eine englische Fahne zu entfernen. Hochrufe auf die Buren und auf Krüger wurden fortwährend ausgebracht. Die Menge drängte sich an den Wagen heran und drückte den Burendelegierten die Hände. Bessiseher Landtag. Zweite Kammer. Am Donnerstag, den 5. Juli, trat die Kammer zu einer voraussichtlich nur kurzen Tagung zusammen. Einer der wichtigsten Beratun sgegenstände bildet der Gesetzentwurf betreffend die Gehälter der Volks⸗ schullehrer. Nachdem die Wahl des Abg. Schubart für den Kreis Beerfelden Hirschhorn-Wimpffen für gültig erklärt und die Regierungsvorlage betr. die Verwendung der Uebe: schüsse aus den Eintritts- und Studiengeidern bei der Technischen Hochschure aus den Etatsjahren 1898 bis 1901 im Betrage von 42 320 Mk. angenommen war, wird in die Beratung dieses Gesetzentwurfs eingetreten. In dieser Sache hat die zweite Kammer bereits beschlossen, und zwar wurde am 31. Mai der Antrag Backes ein⸗ stimmig angenommen, dessen Skala um 277 100 Mk. über die Regierungsforderung hinausging.(Siehe Nr. 24 der M. S.⸗Ztg) Die erste Kammer hat diesem Be⸗ schlusse nicht zugestimmt und so mußte hierüber nochmals verhandelt werden. Die Verhandlung bot Vieles des Interessanten. Namens des Finanzausschusses, der die Vorlage vor der Plenarsitzung nochmals beraten hat, giebt Abg. Möllinger die Erklärung ab, daß selbiger empfiehlt, auf dem früheren Standpunkt stehen zu bleiben und den Antrag Backks hoch zu halten. Abg. Schmeel erklärt, daß er und seine national⸗ liberalen Parteigenossen keine Veranlassung haben, von dem früheren Beschluß abzugehen. Um jedoch die Er⸗ klärung des Ministers, daß die Finanzlage augenblicklich eine so schwierige sei, näher zu prüfen, bittet er um eine kurze Vertagung des Hauses, in die hierauf eingetreten wird.— Abg. Ulrich betont nach der Pause, er warne dringend vor Nachgiebigkeit, die er tief bedauern würde. Es komme ihm so vor, als ob der Antrag Molthan nur bestellte Arbeit sei, denn man ersehe jetzt, daß bereits der erste Regierungsentwurf so weit wie dieser gehe. Man könue jetzt nicht mehr zurück und müsse den Lehrern Rechnung tragen. Für die oberen Schulen sei hinreichend gesorgt, deshalb stehe er auf dem Stand⸗ punkt, für die unteren Volksklassen das Geforderte zu bewilligen. Man möge ruhig das Gesetz scheilern lassen und auf dem bisherigen Beschluß stehen bleiben. Die Regierung werde dann schon gezwungen sein, die gewünschten Forderungen zu bewilligen. Abg. Molthan weist den Ulrichschen Vorwurf der bestellten Arbeit zurück. Er sucht seinen Umfall mit dem Hinweis auf die bestimmte Erklärung der Regierung, welche den Beschluß der Kammer für unannehmbar er⸗ klärt hate, zu beschönigen. Um das Gesetz nicht zu Fall zu bringen, hätten sich seine Parteifreunde auf seinen Antrag verständigt. Ministerialrat Eisenhuth tritt für den Antrag Molthan ein. Bleibe man bei dem ersten Beschluß, so erweise man den Lehrern einen schlechten Dienst. Die Beratung wird am 6. Juli fortgesetzt. Vorher bewilligt die Kammer die Regierungsforderung von 50 000 Mark für Anbohrung neuer Salzquellen in Bad Salzhausen. Abg. Schmidt verwahrt nochmals seine Partei⸗ genossen dagegen, mit dem Antrag Molthan bestellte Regierungsarbeit verrichtet zu haben. Er werde gern für den Antrag Backes stimmen, wenn— die Regierung dafür wäre! ö ö Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 29. Abg. Backes stellt fest, daß die Regierung schon dreimal in den letzten Jahren eine Erhöhung der Volks⸗ schullehrergehalte der Finanzlage wegen ablehnen mußte, während man für andere Beamtenkategorien jederzeit Geld übrig habe. Sein neuer Antrag erhöhe die Forde⸗ rung Molthans nur um 55 000 Mk.; er bitte die Regie⸗ rung dringend um Bewilligung. Abg. Dr. Gutfleisch ist gegen den neuen Antrag Backes und hofft von der Regierung, daß sie in Zukunft ihre Schuldigkeit thue. Es sei nicht immer gesagt, daß derjenige immer der beste Freund der Lehrer sei, der aus einer Prinzipienreiterei praktisch für dieselben nichts herausschlage. 5 Staatsminister Rothe erklärt wiederholt, daß die Regierung fest bleiben werde und über den Antrag Molthan nicht hinaus könne. 5 Abg. Ulrich betont, daß er sich von der Regierung ein„Niemals“ nicht eatgegenschleudern lasse, viel mehr Berechtigung habe die Kammer, wenn sie dies der Re⸗ gierung gegenüber thue. Die ganze Vorlage habe in und außer dem Hause viel Unheil gestiftet. Als Vertreter des Volkes haben die Abgeordneten das Recht der freien Abstimmung und brauchten dem leider nicht anwesenden Finanzminister nicht zu folgen. Den meisten Lehrern gehe es kümmerlich und die elben könnten keine guten Lehrer im Interesse des Volkswohls sein. Die Vorteile der Volksbildung seien so bedeutende, daß man absolut für deren Sicherstellung sorgen müsse. Werde die Vor⸗ lage nicht Gesetz, so fällt das Odium der Ablehnung auf die Regierung und die erste Kammer allein, es komme nur darauf an, daß die Kammer einig und beständig sei, dann brauche man nicht nachzugeben. Mit Recht werden dann die Lehrer auch mit der Zeit den ge⸗ wünschten Höchstgehalt von 3500 Mk. erreichen. Ministerialrat Eisenhuth betont nochmals, daß die Regierung von ihrem Standpunkt nicht abgehen könne, eine schwankend: Regierung dürfte sich das Haus wohl auch keine wünschen. Abg. David eeklärt noch, daß man die Regierung durch standhaftes Zusammeahalten zum Nachgeben zwingen müsse. Darauf wird in namentlicher Abstimmung der ver⸗ änderte Antrag Backes, der mit 55 100 Mk. über den Antran Molthan hinausgeht, mit 29 gegen 13 Stimmen angenommen. Abg. Backes erklärt, daß er nach Lage der Dinge moralisch(I) gezwungen sei, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu schädigen, auf seinen Antrag zu verzichten. Abg. David wird, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu schädigen, gerade auf seinem früheren Stanpunkt beharren und macht der Regierung den Vor⸗ wurf, daß sie das von allen Seiten gebotene Entgegen⸗ kommen und den einstimmigen Beschluß dee Kammer so wenig beachtet habe. Man hätte in der Kammer fest bleiben sollen, so hätte man der Regierung den Ernst der Situation gezeigt Seine Partei werde aus mora⸗ lischen Gründen auf ihrem gefaßten Standpunkt beharren. Staatsminister Rothe stellt nochmals fest, daß die Regierung gethan habe, was möglich war. Die Abgg. Dr. Schmidt, Schmeel, Graf Oriola, Köhler⸗Langsdorf, Brentano und Wolf treten für den Antrag Molthan ein, während die Abgg. Bär, Schröder und Weidner bei dem früheren Beschluß verharren, wobei Letzterer bemerkt, daß er sich schämen würde, wenn er jetzt zurücktreten würde, nachdem man so lange für eine Sache gekämpft habe. Abg. Ulrich weiß nicht, wie man eine Schädigung der Lehrer in einem Verharren auf dem bisherigen Standpunkte erblicken könne. Er werde festbleiben und bedauere nur, daß dies die nationalliberale Partei nicht auch thue. Was solle man denn im Lande von der Kammer denken, wenn sie sich wie Wachs kneten lasse. Die Vorlage müsse und werde wiederkommen und das heute Versäumte kann dann durch die Bestimmung rück⸗ wirkender Kraft nachgeholt werden. Jedenfalls werden die Lehrer Herrn Backes für seinen unverantwortlichen Rückzug keinen Dank wissen. Die namentliche Abstimmung ergab, daß die Kammer mit 22 gegen 18 Stimmen auf dem abgeänderten Antrag Backes stehen blieb. Die Vorlage ist demnach gescheitert. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Der sozialdemokratische Wahlverein in Gießen nahm in seiner General-Bersammlung am 7. Juli zunächst die Abrechnung des Kassirers entgegen, die von den Revisoren als richtig und mit den Büchern und Belegen übereinstimmend erklärt wurde. Die Vor⸗ standswahl ergab die Wiederwahl der Genossen Beck⸗ mann und Petersen als Vorsitzender und Kassierer, als Schriftführer wurde Genosse Dürr bestimmt. Zu der Kreiskonferenz wählte die Versammlung die beiden Erst— genannten und den Eenossen Baum. Im Weiteren diskutirt die Versammlung einen Antrag des Gen. Bock, der dahingeht, für die Mitglieder des Kreiswahlvereins ine Unterstützungskasse einzurichten, aus welcher ihnen bei Sterbe⸗ und sonstigen Notfällen eine Beihülfe gewährt werden soll. Der Antragsteller hofft, daß die Gewährung derartiger Unterstützungen mit einem monat⸗ lichen Extrabeitrag von 10 Pf. ermöglicht werden könne. Es wird beschlossen, diesen Antrag der Kreiskonferenz zu unterbreiten. —g. Das Gießener Gewerkschaftskartell beschloß in seiner Sitzung am 3. Juli, in Zukunft die Namen aller in ber Sitzung fehlenden Delegirten in der „M. S.⸗Ztg.“ zu veröffentlichen, um dieselben dadurch zu größerer Pünktlichkeit anzuhalten. Einige eingelaufene Unterstützungsgesuche werden wegen der beiden örtlichen Streiks zurückgelegt. Zur Handwerks“ ammer wurde Petersen, als Stellvertreter Männche gewählt.— Der Herr Fabrikinspektor hat dem Vorsitzenden Bock gegenüber den Wunsch geäußert, er möchte mit dem Car⸗ tell Fühlung haben und beabsichtigqt zu diesem Zwecke an einer der nächsten Sitzungen theilzunehmen.— Der Kassierer Baum theilt mit, daß bis jetzt für die streiken⸗ den Weißbinder 378,65 Mk. eingegangen sind. Busch giebt einen eingehenden Bericht über die Lage des Maurer⸗ streiks. wonach diese den Umständen nach als günstig zu bezeichnen ist. Ende Juli oder Anfang August soll ein Waldfest gefeiert werden und Näheres hierüber in der am 17. Juli stattfindenden Cartellsitzung besprochen wer⸗ den, zu welcher hoffentlich sämtliche Delegirte anwesend sein werden. Sozialpolitische Gesetzgebung und Unter⸗ nehmertum. -m. Gegen die paar kümmerlichen Reformen, welche in Deutschland auf sozialpolitischem Ge⸗ biete infolge des Drängens der Arbeiter ein⸗ geführt wurden, arbeitet das Unternehmertum unermüdlich und ist bestrebt, die Lage der Ar- beiter als eine so rosige hinzustellen, daß sie weiterer Verbesserun zen nicht bedürfe. Am klarsten trat dieses Bestreben bei dem Inkraft⸗ treten der Bäckereiverordnung zu Tage, die zu beseitigen oder wenigstens wirkungslos zu machen sich die Unternehmer alle Mühe geben, denn die Bäckermeister halten es für eine große Un⸗ gerechtigkeit und als einen willkürlichen Eingriff in ihre„Freiheit“, wenn ihnen durch gesetzliche Bestimmungen verboten wird, länger als zwölf Stunden täglich ihre Arbeiter ausbeuten zu dürfen. Und so werden denn auch die Bestim⸗ mungen vielfach übertreten, um so mehr und um so leichter, je weniger die Mehrzahl der Arbeiter auf ihre Beobachtung und Innehaltung Wert legt. Strafen, welche Gerichte in einzelnen Fällen gegen Unternehmer verhängt haben, sind so niedrig bemessen, daß sie geradezu ermunternd für die Unternehmer wirken müssen, neue Ueber⸗ tretungen zu begehen. Ebenso gelinde fallen die Urteile und Strafmandate wegen Uebertretung und Vergehen gegen die Versicherungs⸗ gesetze aus. Dafür lieferte die Verhandlung des Gießener Schöffengerichts am 6. Juli ein Beispiel. Der Vorsitzende der Baugewerksberufs⸗ genossenschaft, Stadtverordneter und Weißbinder⸗ meister L. Petri ll war durch amtsrichterlichen Strafbefehl in eine Geldstrafe von 8 Mark ge⸗ nommen worden, weil er zwei seiner Arbeiter bei der hiesigen Ortskrankenkasse in eine nied⸗ rigere Lohnklasse angemeldet hatte, als sie nach ihrem Arbeitsverdienste gehörten. Trotzdem hatte er aber den Arbeitern die Beiträge der höheren Klasse angerechnet, also ihnen mehr am Lohn abgezogen, als er an die Kasse abzuführen hatte. Auf Antrag des Amtsanwalts erkannte das Gericht, da nicht erwiesen sei, daß Petri absichtlich gehandelt habe, auf eine Mark Geldstrafe! Noch ein weiterer Fall verdient in der Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Der Vorstand der hiesigen Ortskrankenkasse stellte gegen den früheren Vorsitzenden, Bauunternehmer Winn, Strafantrag wegen Vergehens gegen§ 82 des Kr.⸗V.⸗G. Winn hatte einem seiner Arbeiter höhere Beiträge abgezogen, als er nach dem Statut berechtigt war, also mehr, als er an die Kasse ablieferte. Trotzdem nun mehrere bei der Amtsanwaltschaft namhaft gemachte Zeugen bereit waren, eidlich zu bekunden, daß auch ihnen Winn höhere Beiträge in Abzug gebracht hatte, wurde doch keine Anklage erhoben, weil der Beweis, daß W. absichtlich die höheren Beiträge ab⸗ gezogen habe, nicht zu erbringen sei. Dieser Auffassung wird kaum jemand aus Arbeiterkreisen beitceten.— Derartige Urteile und Auslegungen, wie die angeführten, sind geeignet, allen möglichen Durch⸗ stechereien Thür und Thor zu öffnen und die im Gesetz aufgenommenen Strafbestimmungen bedeutungslos zu machen. Wir wären in der Lage, noch eine ganze Anzahl ähnlicher Fälle anzuführen. Dean Arbeitern aber ist dringend zu raten, sich in der gewerkschaftlichen und politischen Organisation Aufklärung über die gesetzlichen Bestimmungen zu versch affen, damit sie nicht noch mehr, als es ohnehin schon der Fall ist, der Profitwut zum Opfer fallen. Aus Wetzlar. Als Nachfolger des jetzigen Bürgermeisters, der mit dem Ablauf seiner Wahlperiode in den Ruhestand tritt, wählten die Stadtverordneten, wie der„W. Anz.“ mitteilt, einstimmig den bis⸗ herigen Bürgermeister in Treptow(Bez. Stettin) Otto v. Zengen— Bei der Ergänzungswahl zum Gewerbegericht wurden am 9. Juli im Bezirk Wetzlar Herr Bierbrauereibes. G. Allmen⸗ roeder als Arbeitgeber- und Herr Schneider Herrm. Kothe als Arbeitnehmer-Beisitzer ge⸗ wählt. Von den Arbeitern wurden 215 Stimmen abgegeben. -th. Freigesprochen wurde in der Strafkammersitzung vom 4. Juli der Schneid⸗ müller K. Weimer aus Ehringshausen. Er war wegen Wechselfälschung angeklagt. Derselbe verbüßt gegenwärtig eine fünfjährige Zuchthaus⸗ strafe und erschien in Sträflingskleidung vor Gericht. Weimer legte früher immer eine außer⸗ gewöhnliche Frömmigkeit an den Tag.— Die Generalversammlung der Orts⸗ krankenkasse fand am Samstag unter Be⸗ teiligung von 22 Vertretern statt. Verschiedene Statutenänderungen wurden vorgenommen. Die Krankengeldsätze wurden wie folgt fest esetzt: 5 Klasse erhält jetzt 1,25 Mk. Krankengeld. 2. u. 3.„ erhalten 1 0,75 U„ 4. 1 erhält 1 0,50 1„ Beiträge bleiben wie bisher. Allgemeine Heiterkeit erregte der Vorschlag des Vertreters Dertel, einen Polizeibeamten als Kranken⸗ Kontrolleur fest anzustellen. Gegen diesen merkwürdigen Vorschlag opponierte sogar Herr P. Müller, der doch sonst gute Freundschaft mit Polizeileuten hält. S. Der Streik der hiesigen Hand⸗ schuhmacher ist noch nicht beendet. Die Musterkolonne arbeitswilliger Handschuhmacher hat sich um ein weiteres Exemplar vermehrt. Ein gewisser M. Teichmann, seines Zeichens Gerbergeselle und zur Zeit als Taglöhner in einer hiesigen optisch⸗mechanischen Werkstätte be⸗ schäftigt, bringt es fertig, nachdem er sein Tage⸗ werk vollbracht hat, noch Streikarbeit zu ver⸗ richten. Es kommt dem ehrenwerten Herrn dabei sehr zu statten, daß in der optischen Werkstätte die englische Arbeitszeit existiert, also um 4 Uhr Feierabend ist. Zu bemerken ist noch, daß dieser „Ritter der Arbeit“ längere Zeit Vorstandsmit⸗ glied der hiesigen Filiale des Gerberverbandes gewesen ist. Purzelbäume vor Vergnügen schlägt Herr Hirschel, der patentirte Schützer des Heidelinde über die Wahl des Groß⸗ kapitalisten Schlumberger und unsere Nieder⸗ lage in Mülhausen. Und er begleitet die Mit⸗ theilungen über dieses Ereigniß in seiner„Volks⸗ wacht“ mit einem halben Dutzend„Bravos“ für die— allerdings nicht teutschen— Wähler Schlumbergers. Nun, gönnen wir ihm das Ver⸗ gnügen, er hat ja einige Ursache dazu; Fälle, wie der Mülhäuser kommen selten vor. Wenn es sich um eine antisemitische Schlappe handelte, machte man gewiß weniger Aufhebens, da ist man derartiges längst gewohnt, auf der Seite sind die Niederlagen seit Jahren gewissermaßen permanent! Wie gesagt, wir können diesen Ver⸗ lust wohl noch ertragen. Desto schmerzlicher empfinden wir es, wenn uns Hirschel sagt: „Emmel ist neben dem Scheidemann, Vetters usw. bezeichendste Erscheinung dieser Gattung. Eine menschliche Drehorgel, in die einfach die Berliner Leitung eine Walze setzt. Eine wie die andere, kein Geist kein Witz, dafür die gehörige Dosis Unverschämtheit und Gewissenlosigkeit.“ Zerknirscht im Gefühle unserer geistigen Im otenz, erklären wir hiermit feierlich Herrn Hirschel als das größte Geistes licht des 20. Jahrhunderts in⸗ und außerhalb Offenbachs, als ein Muster von Wahrheitsliebe, Bescheidenheit und Gewissenhaftigkeit und sein Organ, Schularzt fälihe du Sch Hfigung Außerden für Sch der Volk scaftsbad projektiert Schulbad feht im! Schulbad der koi fir Off des Min Formelle Von Himmelf keitsverb Schwur der Kar und ze Schrifts und 5 Dubstah Vori Nitgerm sahnssce der von Fegeleie Herichen Alegentl Dampfer spottet. Mahal lesende glegeh, Wake me Aus 2 2 2 —.— 29. — fis hen dlüchen t no , der sterz, n den neten, n bis⸗ lettin) wahl Gegick e n⸗ leider men der cneid⸗ war erselbe chaus⸗ g bor außer⸗ 1 rts⸗ 35 Be⸗ jiedene „Die t: engeld. meine treters als stellen. onierte gute an d⸗ Die macher mehrt. eichens ner in lte be⸗ Toge⸗ 1 ele dabei lte 4 Uhr dieser wemit⸗ bandes icühet Froß⸗ Nieder⸗ ie Mit⸗ Volls⸗ 3“ für Wähler a5 Per- File, Wenn andelte da ist 1 Seile mmußen en Vel, Nr. 29. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. die„Volkswacht,“ als literarisches Meisterwerk ersten Ranges, das nie geschwindelt. Und das schwören wir bei dem gesunden Verstande des Grafen Pückler: wenn uns wieder mal Einer kommt, der unsern Hirschel der Ehrabschneiderei, Verleumdung oder ähnlicher Sachen bezichtigt, den werden wir.. Sozialpolitisches aus Offenbach. Die Offenbacher Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung, in der bekanntlich unsere Genossen in der Mehrheit sind, genehmigte die Stelle eines Wohnunngs⸗Inspektors. Man hofft dadurch den Auswüchsen und Mißständen auf diesem Gebiete kräftig zu Leibe rücken zu können. — Auf Veranlassung der in Offenbach amtirenden Schulärzte wurden 2000 Mk. bewilligt, um kränklichen und schwächlichen Kindern während der Schulferien Beaufsichtigung und Be⸗ köstigung mit Milch und Brod zu gewähren.— Außerdem wurden noch 3000 Mk. bereitgestellt für Schulbäder der Knaben und Mädchen der Volksschulen, die iu einem dortigen Gesell⸗ schaftsbade eingerichtet werden sollen. Für später projektiert man die Einrichtung eines eigenen Schulbades von Seiten der Stadt. In einem jetzt im Bau befindlichen Schulhause ist das erste Schul bad mit vorgesehen. Auch die Errichtung einer kommunalen Apotheke steht demnächst für Offenbach bevor, da die Konzession seitens des Ministeriums ertheilt wird, wenn noch einiges Formelle seine Erledigung gefunden hat. Gerechte Strafe. Von den Niederräder Burschen, die am Himmelfahrtstag Morgen das scheußliche Sittlich— keitsverbrechen verübten, wurden vom Frankfurter Schwurgericht der Arbeiter Winterstein, sowie der Karl Kirsch zu 5 Jahren Zuchthaus und zehn jährigem Ehrverluste verurtheilt. Schriftsetzer Thoma erhielt 3 Jahre Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust; dessen Bruder wegen Diebstahls 6 Monate Gefängniß. „Gebildete“ Rüpel. Vorigen Samstag erschien bei dem Ober⸗ Bürgermeister in Mainz eine Deputation der technischen Hochschule in Darmstadt, um wegen der von den Darmstädter Studenten verübten Flegeleien Abbitte zu leisten. Die„feinen“ Herrchen benahmen sich bei der Rheinfahrt, die gelegentlich der Gutenbergfeier stattfand, auf dem Dampfer in einer Art, die aller Beschreibung spottet. Nachdem sie ungeheure Quantitäten Alkohol konsumirt hatten, belästigten sie mit⸗ reisende Damen in so unfläthiger Weise, daß sie schließlich mit Gewalt vom Schiff entfernt werden mußten.— Die Herren erlangten die Verzeihung des Festausschusses und der Stadtvertretung und damit ist die An⸗ gelegenheit erledigt. Mit Arbeitern, die sich Aehnliches hätten zu Schulden kommen lassen, wäre man wohl anders verfahren! Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Parteiversammlung. Am Sams⸗ tag, 7. Juli fand bei D. Jesberg eine öffent⸗ liche Parteiversammlung statt, welche, trotzdem viele Genossen sich am Gauturnfest in Kirchhain betheiligten einen recht stattlichen Besuch aufwies. Nach der üblichen Büreauwahl begrüßte der Vorsitzende, anstelle des abwesenden Vertrauens⸗ mannes, die Ver sammlung, speciell den Gen. Krumm⸗ Gießen, welcher statt des durch Krankheit verhinderten Gen. Beckmann ⸗Gießen das Reserat über das Thema„Weltpolitik“ über⸗ nommen hatte. Gen. Krumm entledigte sich seiner Aufgabe in geschickter Weise in ungefähr einstündiger Rede und erntete dafür lephaften Beifall der aufmerlsamen Zuhörer. Eine Dis⸗ lussion über das Referat wurde nicht gepflogen. — Nach kurzer Pause ging man zum zweiten Punkt der T.⸗O.„Partei⸗Organisation in Mar⸗ burg“ über. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß in letzter Versammlung der Wunsch geäußert worden sei, wieder einen Wahlverein zu gründen, um dadurch unsere Bewegung zu fördern, den Versammlungsbesuch zu heben usw. Verschie⸗ dene Redner traten aber energisch für Beibe⸗ haltung des jetzigen freien Organisationssystems ein, da bei einer ev. Gründung eines Wahlver⸗ eins viele Genossen demselben fern bleiben würden, um die Existens ihrer Familien nicht zu gefährden. Die Versammlung erklärte sich schließlich für die Beibehaltung des bestehenden Systems. Ein Antrag auf Erhöhung des halb— jährigen, freiwilligen Beitrags von 25 Pfg. auf 50 Pfg. wurde abgelehnt; viele Genossen ent— hielten sich der Abstimmung. Es soll aber zu⸗ künftig ein regerer Markenverkauf als seither stattfinden. Der Vorsitzende brachte nun die Agitation in unserem Kreise zur Sprache und beantragte eine neungliedrige Kommission zu bilden, welche sich der Aufgabe unterziehen soll, in nächster Zeit eine rührige Agitation, besonders auf dem Lande, zu entfalten. Die Bildung dieser Kommission soll eine freiwillige sein, und forderte er die Anwesenden auf, sich bei dem Vertrauensmann hierzu zu melden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Sodann empfahl Vorsitzende auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung„Lokalfrage“ zu setzen, da diese Frage hier nachgerade zu einer brennenden ge— worden sei. Auch versprach er, dem Wunsche mehrerer Genossen bereitwilligst entgegenkommend, eine Besprechung unserer kommunalen Angelegen⸗ heiten ebenfalls auf die T.⸗O. der nächsten Ver⸗ sammlung zu setzen, Gen. Abel erklärte sich bereit, das Referat hierüber zu übernehmen. Die nächste Bersammlung verspricht also, ebenso wie die letzte, wieder eine recht interessante zu werden; hoffentlich wird der Besuch auch ein recht zahl⸗ reicher sein. Der Vorsitzende wünschte alsdann die Meinung der Versammlung darüber zu hören, was mit dem vorhandenen Ueberschuß der Kol— portagekommission geschehen solle; es sei der Wunsch geäußert worden, den größten Teil dieses Geldes verzinslich anzulegen, um bei der nächsten Reichstagswahl Geldmittel bereit zu haben. Dieser Idee traten mehrere Genossen entschieden entgegen, betonend, daß es unsere Pflicht sei, den auf den Parteitagen und auch schon hierorts gefaßten Beschlüssen nachzukommen, wenigstens 10 Prozent unserer Reineinnahmen an den Partei⸗ vorstand abzuführen, dann hätten wir auch bei Wahlen und dergl. von dort Unterstützung zu er⸗ warten. Ebenso müßten nach Frankfurt Beiträge geleistet werden, der Rest könne dann für hiesige Bedürfnisse bereit gehalten werden. Hiermit war die Versammlung einverstanden. Nach Er⸗ ledigung einiger Internita wurde die Versamm⸗ lung gegen 12 Uhr mit einem kräftigen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Kleine Mitteilungen. lter Sünder Der 1 jährige Lehrer Kurzrock von Altenhafungen wurde von der Strafkammer in Kassel wegen Sittlich⸗ keits vergehen, an Schulkindern begangen, zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt. ** Gerüsteinsturz. Während eines Ge⸗ witters stürzte in Schönberg infolge heftigen Sturmes das an der Kirche errichtete Gerüst um und traf den an der Kirche beschäftigten Stein⸗ hauer Wetzel aus Heppenheim so unglücklich, daß er sofort verstarb. Wetzel ist 46 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und 6 Kinder. Ein aus Fehlheim gebürtiger Mann erhielt eine Verletzung am Kopfe, während die übrigen am Bau be⸗ schäftigten Arbeiter mit dem Schrecken davonkamen. Arbeiterbewegung. In Gießen dauert der Ausstand der Maurer noch immer fort. Die Holzbildhauer in Mainz traten in eine Lohn bdewegung ein. Sie verlangen 9fündige Arbeitszeit, Einführung eines Minimal— lohnes von 24 Mk. und Anerkennung der Stellen— vermittelung. 1 Für beendigt wurde der Maurer streik in Wiesbaden erklärt. Die Forderungen der Arbeiter konnten hier nicht durchgesetzt werden. Mit den Arbeitern des Gas werkes hat die Stadt Mainz eine Lohnerhöhung und Festsetzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden für Feuerarbeiter vereinbart. Bei der Verhandlung hierüber sprach sich in der Stadtverordneten- Sitzung der Stadtverordnete Dr. Rautert dahin aus, daß sich die Gasarbeiter eines unge⸗ zogenen Verhaltens und einer„Nötigung“ schuldig gemacht hätten, weil sie kurz vor dem Gutenberg⸗ feste in Streik eintraten. Demgegenüber bemerkt unser Mainzer Parteiorgan, daß die Gasarbeiter schon seit drei Jahren um Regelung ihrer Arbeitsverhältnisse gebeten haben nnd weist es entschieden zurück, wenn der erwähnte Dr. Rautert erkläre, die Arbeiter hätten nach dem Grundsatze„das Geld oder das Leben“ gehandelt. Natürlich, in den Augen der Bourgeois sind Arbeiterforderungen immer unberechtigt.— Auch die städtischen Metallarbeiter ver⸗ langen nunmehr eine Reduktion der Arbeitszeit auf 9 Stunden. Maurer⸗Aussperrung in Frank⸗ furt a. M. Die Baufirma Ambrosius hat etwa 20 Maurern gekündigt und ausgesperrt, weil sie den bekannten Revers nicht unterschrieben, dem Maurerverband nicht mehr anzugehören. Auf die Nachricht von dieser Maßregel kündigten nun die übrigen Maurer, zirka 20-30, der Firma ihrerseits, so daß kein Verbandsmitglied bei derselben mehr in Arbeit steht. Eine gütliche Vermittelung, welche die hiesige Verbandsleitung anbot, wurde rundweg und kurz abgeschlagen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Hannover. Die hiesigen Maurer beschlossen mit 1185 gegen 80 Stimmen den so⸗ fortigen Streik. Die Gesellen verlangen einen Stundenlohn von 50 Pfg. gegen bisher empfangene 45 Pfg. Eingesandt. „Niemand kann zween Herren dienen“, heißt ein Bibelspruch, und dieser ist auch bei den Mitgliedern der Turngemeinde in Marburg angebracht. Und warum? Diese Frage soll in Nachstehendem beantwortet werden. Wie setzt sich der Mitgliederbestand der Turngemeinde in Marburg zusammen? Da kann man sagen, daß er fast nur aus Arbeitern besteht und zwar aus Arbeitern, von denen viele gewerkschaftlich organisiert sind, einige in den Partei⸗Versammlungen das Wort führen. Nun frage ich: Ist es von Mitgliedern der Turngemeinde, die sich doch zum Teil zur Sozialdemokratie bekennen wollen, ehrlich gehandelt, wenn sie außer der sozialdemo⸗ kratischen Partei noch einem konservativen Turn⸗ verein angehören? Daß die Turngemeinde eine reaktio⸗ näre Vereinigung ist, geht schon daraus hervor, daß sie zum„Deutschen Turner⸗Bund“ gehört, welcher jahraus, jahrein über den„Arbeiter⸗Turner⸗Bund“ schimpft, ferner beteiligt sie sich an den„patriotischen“ Festen und Fest⸗ zügen und hilft mit„Hurra“ schreien. Da werden mir jetzt die Mitglieder antworten:„Ja, ich gehöre nur zur Turngemeinde, weil ich gerne turne“. Das ist aber nur eine Ausrede. Wenn ich Sozialdemokrat bin, und das will ein Teil der Mitglieder der Turngemeinde ja sein, und gerne turne, dann soge ich auch frei heraus, daß ich ein freier Turner sein will, mich zum„Arbeiter⸗Turner⸗ Bund“ bekenne und von jetzt ab in der Turn gemeinde dahin wirken werde, daß sie zu einem Arbeiter⸗Turnverein umgewandelt wird; und ich glaube, wenn das geschieht, wird sich die Mitgliederzahl verdoppeln, wenn nicht ver⸗ dreifachen. Wollen die Mitglieder aber nicht dahin wirken, dann mögen sie ruhig bleiben, wo sie sind, aver auch unseren Partei⸗Versammlungen fern bleiben. Denn für solche„Genossen“, die heute Sozialdemokraten sein wollen und morgen konservativ, wird sich die sozialdemo⸗ kratische Partei bestens bedanken. Die letzte Partei⸗Versammlung legt ein gutes Zeugnis ab davon, daß es auch ohne die Mitglieder der Turn⸗ gemeinde geht. Die„Genossen“ der Turngemeinde waren nämlich auf dem Gauturnfest in Kirchhain und schrieen feste„Hurra“. Wollen die Mitglieder der Turngemeinde aber Sozialdemokraten bleiben, dann mögen sie letz' ere in einen Arbeiter⸗Turnverein umwandeln und die Arbeiter- bewegung in Marburg ist ein gutes Stück vorwärts ge⸗ kommen, und unsere Gegner werden Achtung vor uns haben. Frei Heil! R. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 14. Juli: Gießen. Wahlverein abends ½9 Uhr bei Orb'ig. Gießen. Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Ocbig. Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löb, „Wiener Hof“. Heuchelheim. Arb ⸗Bild.⸗Verein abends 9 Uhr bei J. v faff Versammlung. Montag, 16. Juli: Gießen. Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Dienstag, 17. Juli: Gießen. Kartellsitzung abends ½9 Uhr bei Orbig. Briefkasten der Expedition. Quittungen in nächster Nummer. U —— . 2 DD Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 29. Seite 6. Anterhaltungsteil. Glaube. Du Glaube wohnest nicht in Kirchenhallen, Und an Altären bist Du nie gediehen; Du schüchtern Kind willst dem Gedräng entfliehen Und unbelauscht Dein einsam Sprüchlein lallen. Du suchst die Wälder, wo die Wasser fallen, Du liebst den Himmel, wo die Sterne ziehen; Die Brust nur, der des Zweifels Kraft verliehen, Magst Du, ein stiller Friedenshauch, durchwallen. Wo Priester droh'n und Gift und Galle sprühen, Da stehst Du traurig an des Tempels Pforte; Da nahst Du nicht, wo feige Knechte beben. Wo freie Seelen für die Wahrheit glühen, Schwebst Du daher und sagt mit festem Worte: Wer Ew'gen lebt, der wird auch ewig leben. L. Pfau. In Fesseln. 91 Novelle von Elise Schweichel. Johanna hatte mit steigender Ueberraschung zugehört. Solche auf das geistige Gebict hinüber⸗ greifende Vergleiche hätte sie der Frau nach deren schlichten Aeußerungen nicht zugetraut. Während sie ihr zuhörte, hatte sie an ihren eigenen Er⸗ fahrungen die Richtigkeit des Bildes geprüft. In Bezug auf Julius stimmte es merkwürdig; in Bezug auf Anton war es jedoch grundfalsch. Anton hätte bei aller Männlichkeit das Gemüt einer Frau, meinte sie. Ihre Gedanken weilten immer und immer wieder bei ihm, und sie ergriff jede Gelegenheit, sich von Frau Bartels von Amerika und deren Leben daselbst erzählen zu lassen. Diese Gespräche regten sie an und gaben ihr neuen Lebensmut. Sie begann, sich nach Arbeit umzusehen, die ihr alsbald von allen Seiten zu⸗ strömte. Um das junge Paar, welches nach wenigen Tagen von seinem Dresdener Ausflug zurück- gekehrt war, kümmerte sie sich so wenig wie möglich. Sie überließ die Glücklichen sich selbst und vermied es bei ihren seltenen kurzen Besuchen näher in ihre Wirtschaft zu sehen. Nach der Zärtlichkeit, mit der sie einander überhäuften, war das Glück ein überschwängliches, sie selbst dabei überflüssig. Dem Rate der Frau Bartels folgend, begann sie mehr an sich selbst zu denken. Die Hoffnung einer Vereinigung mit Anton faßte immer tiefer Wurzel in ihrem Herzen. Von Tag zu Tag harrte sie eines Briefes, der ihr seinen Aufent⸗ haltzort anzeige. Dann konnte sie ihn zu sich rufen und die grenzenlose Sehnsucht stillen, sich sich endlich einmal an eine stärkere Brust lehnen, ihr vereinsamtes Herz in ein anderes ergießen. Um die Neujahrszeit traf der ersehnte Brief ein. Er war aus Liverpool datiert und kurz vor dem Auslaufen des Schiffes geschrieben, welches Anton nach Amerika trug. Er hatte die Eisendistrikte Englands durchstreift, die großen Betriebe sich angesehen, auch einige Zeit in einer der größten Maschinenfabriken Birminghams ge⸗ arbeitet. Er war wie berauscht von dem er⸗ weiterten Blick, der sich ihm nach allen Richtungen erschloß, von dem Neuen und Großartigen, das ihm auf jedem Schritt entgegentrat und ihm einen ganz andern Begriff von Welt und Leben gab. Und wer, wer hatte ihn hinausgeschickt, wider seinen Willen hinausgeschickt und ihm so zu dem Besten, was dem Menschen werden kann, verholfen. Sie Johanna hatte es gethan und er dankte ihr es tausendmal. Jetzt wollte er aber auch den erwachten Durst nach Erweiterung seiner Kenntnisse durch eigne Anschauung nach Herzens lust stillen, Amerika nach allen Richtungen durch⸗ streifen, abwechselnd arbeitend und ein Wander⸗ leben führend. Zwei Jahre hatte er sich vorge— setzt. Alles, alles wollte er sehen, zuerst das Wunderwerk der Pacifiebahn. Vom Gestade des Stillen Oceans wurde er ihr die nächsten Grüße schicken. Johanna ließ das Blatt kraftlos sinlen. Zwei Jahre! Es schien ihr eine Ewigkeit. Aber konnte sie ihn jetzt zurückrufen, von ihm fordern, daß er den weltweiten Sinn mit ihr in vier enge Wände einschlösse? Wie lange würde ein solches Glück dauern? Nein, sie mußte ab⸗ warten, bis er selbst nach dieser Enge Verlangen trüge. Als sie an diesem Abend schlafen ging, legte sie den Brief zwar unter ihr Kopfkissen, wie sie es mit dem ersten gethan, allein sie hatte nicht den Mut, ihn wieder zu lesen. Sie mußte über sich selber lächeln, als sie sich bei ihrer Nacht⸗ toilette im Spiegel sah, daß sie gelaubt, Anton werde sie noch mit diesen kurzen, krausen Locken sehen, die, seit ihr das Haar nach der Krankheit ansgegangen, in üppiger Fülle wuchsen und sie reizend kleideten. Sie schämte sich fast der kleinen Eitelkeit. In dieser Stimmung empfand sie es fast wie eine Wohlthat, als Julius sie eines Tages bat, ihm eine kleine Summe vorzustreckn. Er käme mit seiner Arbeit nicht so rasch vorwärts, wie er gehofft, und Suschen verbrauche viel Geld. Es wäre deshalb schon zu Scenen zwischen ihnen gekommen, aber sie verstände es bei ihrer Jugend nicht besser, sie müßte erst lernen, ökonomisch wirtschaften; man müßte Geduld mit ihr haben, und zwar um so mehr, als sie sich in delikaten Umständen befände. Johanna holte freudig ihre geringen Er⸗ sparnisse herbei. So war sie doch wieder einem Menschen notwendig und noch dazu dem geliebten Bruder; so hatte doch ihr Leben, ihre Arbeit wieder einen Zweck. Für ihre Aussteuer, falls sie deren jemals bedürfen sollte, hatte sie ja noch Zeit genug, zu sparen. Von nun an steuerte Johanna regelmäßig zu dem Haushalt ihres Bruders bei. So vergingen Winter und Sommer. Ende August erblickte der erwartete kleine Erdenbürger das Licht der Welt. Es war eine kleine Erden⸗ bürgerin, und die Arme, welche das Kind ins Leben trugen, waren die Johannas. Bis die junge Mutter ganz genesen, war sie seine Pflegerin. „Wie du den Wurm nur so lieb haben kannst,“ sagte eines Suschen, zu ihrer Schwägerin.„So eine garstige, rote Padde!“ „Was thut das? Ich denke, wie es später sein wird, und überhaupt giebt ja ein Kind so viel zu denken.“ „Ach, mit deinem ewigen Denken!“ sagte Suschen, die behaglich auf dem Sofa lag. Julius hatte jetzt sein großes, schönes Arbeits— zimmer zum Schlaf⸗ und Wohnzimmer hergeben und das kleine Hinterzimmer beziehen müssen. Sie übergab das Kind, welches sie auf dem Schoße gehalten, der Frau Champagner und ging. Diese hatte sich ihrer Nichte nur als Hilfe in der schweren Zeit angeboten, sonst sich voll⸗ kommen ferngehalten. Sie war sogar aus dem Hause fortgezogen, um Julius durch ihren An⸗ blick kein Aergernis zu geben. Jetzt mußte er sich die Gegenwart der Frau freilich gefallen lassen, aber es war ihm jedeswal ein Stich ins Herz, wenn er sie im Zimmer traf. Das Wort richtete er nie an sie. ö Hatte Suschen die Beschäftigung mit der Wirischaft bei den unzureichenden Geldmitteln schon früher für Plage gehalten, so ward ihr die verdoppelte Arbeit, die Kuhelosigkeit bei Tag und Nacht, welche das Kind verursachte, zur unerträglichen Last. Sie müßte wenigstens von Zeit zu Zeit eine Zerstreuung haben. Gleich einem Tier in einer Höhle u leben, wie sie sich ausdrückte, konnte sie nicht. Da sie kein Geld hattte, um sich Vergnügungen zu verschaffen, wollte sie durch ihre Bekanntschaften am Theater wenigstens dieses mitunter besuchen. Julius konnte ihr dies nicht verweigern, er mußte selbft einsehen, daß es ein schweres Leben für das junge Frauchen war. Er begleitete sie sogar einige Mal ins Thater; allmählich aber ging sie öfter allein und dann gewöhnlich hinter die Coulissen. Da Julius dies nicht gerne sah, verschwieg sie es ihm. Eines Abends, gegen Ende April, Johanna f war schon zu Bette gegangen, klopfte es an ihre Thür. 7 blick,“ hörte sie Julius sagen. Hastig warf sie ihre Röcke über und öffnete. Ein Licht in der Hand, stand Julius mit verstörten Mienen vor ihr. „Denke dir, Suschen ist noch nicht aus dem Theater zurück,“ sagte er.„Es ist zwölf Uhr. Das Kind ist sehr unruhig, ich weiß nicht, was ich mit anfangen soll. Die Champagner ist um zehn Uhr gegangen. Willst du nicht so gut sein, heraufzukommen?“ „Sogleich, ich will mich nur anziehen,“ war die Antwort. Zähneklappernd zündete sie ihre 0 an, befestigte ihre Kleider und eilte Julius nach. Ihr Erstes war, das schreiende Kind zu be⸗ ruhigen, indem sie ihm seine Flasche bereitete und es neu bettete. Julius wanderte während dessen von einem Fenster zum andern und schaute und horchte hinaus. „Unbegreiflich, unbegreiflich, wo sie nur bleibt,“ murmelte er unaufhörlich. „Sie wird mit ihren Bekannten vom Theater in einem Restaurant sitzen und gar nicht wissen, wie spät es bereits geworden. Beruhige dich nur, sie muß doch jeden Augenblick kommen.“ Allein, es verging ein Augenblick nach dem andern, es wurde ein, zwei Uhr, und Suschen kam nicht. Der Verdacht, daß sie überhaupt nicht zurückkehren würde, bemächtigte sich beider Geschwister mit gleicher Stärke. „Habt Ihr in den letzten Tagen etwas mit⸗ einander vorgehabt?“ fragte Johanna wie beiläufig.. „Vorgehabt?“ lachte Julius bitter auf.„O ja, mehr als genug. Und zwar immer wegen des leidigen Geldpunktes und des einförmigen Lebens, das wir führen. Ach, Hans, Hans, sie kommt nicht wieder zu mir zurück,“ brach er in ein erschütterndes Weinen aus, während er sich in seinen Stuhl warf. Johanna eilte auf ihn zu, lehnte seinen Kopf an ihre Brust und suchte ihm seinen Verdacht auszureden, während ihr selbst die Thränen von den Wangen tropften. Er lauschte begierig ihren Worten, aber seine Verdachtsgründe waren größer als ihre Trost⸗ gründe. Verzweiflungsvoll sprang er auf. „Nein, nein, sie kommt nicht wieder. Es ist bereits zwei Uhr vorbei. Und so— so mich zu verlassen! In dieser Situation, ohne ein Wort— ohne auch nur ein einziges Abschieds⸗ wort!“ „Komm laß uns suchen,“ sagte Johanna, froh, ein Mittel gefunden zu haben, ihn zu beschäftigen. „Hast du denn schon überall nachgesehen? Liegt nichts auf deinem Schreibtisch zwischen den Papieren? Und halt, sie würde doch nicht ge⸗ gangen sein, ohne ihre Wäsche und Kleider mit⸗ zunehmen. Wenn diese da sind, so hast du ihr mit deinem Verdacht großes Unrecht gethan. Mit Augen, die aus ihren Höhlen zu quellen schienen, folgte Julius der Schwester, welche die Lampe ergriff, um Kommode und Schr eink zu untersuchen. Alle guten Sachen fehlten, nur altes geflicktes Zeug sand sich vor. Tief aufstöhnend sank Julius auf den nächsten Stuhl. Johanza stand wie vernichtet. ein Wort. Es war, als ob die Nacht ewig währen wollte. Endlich tagte ein regnerischer Morgen. So früh es sich thun ließ, ging Johanna zu ihrem Hauswirt, um ihn zu bitten, die geeig⸗ neten Nachforschungen nach ihrer Schwägerin anzustellen. und bezeugten den Geschwistern das innigste Mit⸗ gefühl. Herr Bartels erinnerte sich jetzt, gestern zwischen fünf und sechs Uhr ein Koffer forttragen gesehen zu haben. Er hätte sich zwar gewundert, aber doch kein Recht gehabt, zu inquirieren. Er hatte in Amerika die Freiheit des J. uns achten gelernt.(Fortsetzung folgt.) „rr 2 * „Ich bin es, Hans, bitte, auf einen Augen⸗ Keines sprach Herr Bartels zeigte sich sogleich bereit. Er wie seine Frau waren tief erschrocken 2 —— — — meinde, bllegien Peualtige Anunächst langen nutzten h N Köhl! litt in Als diese sch die! tb lam Vebetsch mit Wei Als dal Machte üblerwäl zwei hir Die wissem tine Ern sattezwa Meistern 10 Hatig gi den dieser B u große fe, 5 Mitelsa Halbacht ien de hen zu er bein id Neid ahh N ibanehn lh, kei nchen. war le ihre Julius zu be⸗ ete und dessen ite und Hebt, Theater wisen, ich nur, ich dem uschen erhaupt beider As mit⸗ 4 wie f.„O wegen örmigen uns, sie rach er rend et n Kopf Zerdacht en von ber seine Tuost⸗ uf. Eb if so nich hne ein bschieds⸗ a, froh astigen. 0 Legt hen den licht g ider n t du iht than⸗ 5 fuel vaache de nt 1 lten, nut 1 nächste es ph en ville Sr Nr. 29. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Das Junftwesen. Von X. Y. (Fortsetzung.) Um den kolossalen Aufschwung zu verstehen, müssen wir bedenken, wie gering bevölkert Deutschland war. Ungeheuere Waldungen be— deckten es noch in 1050. Die Stadt hat noch immer den Eindruck einer ländlichen Nieder⸗ lassung gemacht. Unter den Mauern eines königlichen oder bischöflichen Hofes lagen die Gutshöfe mit den Hütten der Handwerker, alle noch mit Stroh, Holz und Schindeln gedeckt; darüber Kirchen und Pfalzen mit gleicher Deckung, dazwischen Weinberge, Gärten, selbst Feld inner⸗ halb des Mauerrings. Das Land war fast wertlos. Allmählich gingen die Bürger zu Handel und Verkehr über. Stadtluft macht frei— nach einem Jahr. Der Schultheiß drängte den königlichen Vogt bei Seite, sie gaben sich Bürgermeister. Es gab Pfalzstädte, Bischofs⸗ städte, Burgstädte, Landstädte. Ein neuer Stadt- adel war entftanden, unter dem die Zünfte standen und welcher letzteren die Meister liefecte. Die Zünfte standen noch außerhalb der Ge— meinde, sie hatten an Rat- und Schöffen⸗ kollegien keinen Anteil. Darüber entstanden gewaltige Kämpfe von furchtbarer Grausamkeit Zunächst unterlagen die Zünfte, dann aber drangen sie mehr oder weniger durch. Sie be⸗ nutzten hier und da die Zwietracht der Patrizier. In Köln nötigten sie sogar letztere zum Ein⸗ tritt in die Zünfte. Allen voran die Weber. Als diese aber zu übermütig wurden, verbanden sich die übrigen Zünfte mit den Patriziern und es kam im November 1371 zu der fürchterlichen Weberschlacht, bei welcher 33 hingerichtet, 800 mit Weib und Kind der Stadt verwiesen wurden. Als dann daraufhin die Patrizier, wieder zur Macht gelangt, die Zünste zu unterdrücken suchten, überwältigten letztere die Verschworenen, ließen zwei hinrichten und die anderen festsetzen. Die Zunft war also eine gewerbliche, in ge— wissem Sinne sozialistisch gestaltete Vereinigung, eine Erwerbs genossenschast, verbunden mit Bei— trittszwang. An einer bestimmten Zahl von Meistern wurde meistens nicht festgehalten. Zweck dieser Vereinigungen war, eine gleich— mäßig gute Beschaffenheit der Waren bei geringer Massenerzeugung herbeizuführen. In Bethätigung dieser Bestrebung gelangte das Kunsthandwerk zu großer Blüte und entwickelte sich ein ehren⸗ fester, wohlhabender, seines Verdienstes sicherer Mittelstand. Neueintretende mußten sich unter Beobachtung allerhand Formeln mit den Prin- zipien der Genossenschaft einverstanden erklären, ihnen zuschwören. In Frankfurt z. B. lautete der beim Eintritt zu leistende Schwur:„Lieb' und Leid zu teilen, bei der Stadt und wo es ohne Not geschehe“. Keiner sollte die Arbeit übernehmen, die schon ein anderer übernommen habe, keiner dem anderen einen Knecht abspenstig machen. II. Die Wiedereinführung der Zünste wird von den kleinen Handwerkern, weil sie glauben, daß die Zunft sie vor der Konkurrenz der großen Kapitalisten schützen könne, die, ohne das Ge⸗ werbe gelernt zu haben, mit Hilfe ihres an⸗ geworbenen Personals sich der Produktion und des Verkaufs bemächtigen. Mit einem Wort: Der Schwache sucht Schutz vor dem Starken, und zu den Schutzmitteln rechnet er auch die Zunft oder Innung. Es hat auch eine Zeit gegeben, wo die Zunft das Anwachsen des Einzelnen über die Genossen verhinderte und den reichgewordenen Zunftangehörigen zwang, aus ihr auszutreten. Aber selbst der kühnste Träumer wird sich nicht einbilden, daß man der Zunft diese Form wiedergeben kann. Auch wollen unsere Zünftler die Zunft nicht in dieser Weise wieder einführen, sondern in der Form, wie sie in der letzten Zeit ihres Bestehens war, zur Zeit der Entartung und Erstarrung, als sie nur noch der kapitalistischen Erwerbssucht Einzelner diente. Doch auch diese Zeit kommt nicht wieder; diese schöne Zeit, wie sie die älteren Leute noch gesehen haben, wo die Zunftmitglieder niemand zur Auzübung ihres Handwerks zuließen, den sie nicht wollten, wo die Gesellen zu langen, laugen Wanderjahren verpflichtet waren, um sie recht lange von dem selbständigen Betrieb fern⸗ zuhalten, wo man ganze Bevölkerungsklassen für „unehrlich“ erklärte, um ihre Mulieder über⸗ haupt von dem Handwerksbetrieb ausschließen zu können. Diese späte Form, welche die Zunft angenommen hat, als ihre Blütezeit vorbei war, wollen unsere Zünftler wieder eingeführt haben, aber um des Himmels willen nicht die Zunft in ihrer ältesten und eigentlichen Form. Die Zunst zu ihrer Blütezeit hat, wie schon vorher gezeigt, manches, was jetzt dem modernen Sozialismus angehört, vor allem die Ab- hängigkeit des Einzelnen von der Ge— samtheit, die genossenschaftliche Regu⸗ lierung der Arbeitszeit und Beschaffung des Materials, die Gemeinsamkeit der Pro- duktion. Der Einzelne war der Gemeinschaft verpflichtet, er genoß aber auch ihren Schutz. Der Geselle in der ältesten Zeit war der Genosse des Meisters, der Name besagt dieses schon, denn„Geselle“ kommt von sala und bedeutet der Saalgenosse. Er ist dem Meister zugesellt; der Name Meister kam übrigens nur dem Vorsteher der Zunft zu. Das Lehrlingswesen spielte keine Rolle. Die ses Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen nützte ersteren auch sonst. Denn die Zünfte hatten in der ältesten Zeit keinen Anteil an der Stadt⸗ verwaltung, diese war in den Händen der„Ge— schlechter“. Die Zünfte erstarkten allmählich und verlangten Anteil an der Stadtverwaltung, worüber es, wie schon bemerkt, in einzelnen Städten zu furchtbaren, blutigen Kämpfen kam. Die Gesellen halfen den Meiftern in den Straßen die Schlachten mit schlagen, wie sie zu Hause auch das Schicksal der Zunftgenossen teilten. Das Verhältnis änderte sich aber allmählich; die Zünfte wurden kapitalistisch, der eine wurde reicher, der andere ärmer. Früher sah man darauf, daß die Zunft recht viele Mit⸗ glieder habe, jetzt suchte man recht viele draußen zu halten, um die Arbeit für sich kap talistisch auszubeuten. Der Zunftzwang erhielt eine andere Bedeutung. Früher mußte jeder, der ein Hand⸗ werk betreiben wollte, einer Zunft beitreten, man vervot ihm das Handwerk nur dann, wenn er nicht zünftig werden wollte. Auch jetzt mußte jeder der Zunft beitreten, wenn er das Hand⸗ werk betreiben wollte, aber man ließ nicht jeden zu, man verlangte ein Meisterstück von dem Bewerber, also einen Befähigungs- nachweis, sowie„Abstammung von ehrlichen Leuten“. Zuerst war der Zunftzwang ein Mittel, recht viele Genossen zu haben, dann recht wenig.— Ferner trennten sich Meister und Geselle. Die Gesellen wurden zum wandernden Volt, sie hörten auf, Haus⸗ und Schicksals⸗ genossen zu sein, sie wohnten allerdings noch im Hause des Meisters, aber das Verhältnis wurde ein kühleres, sogar gegensätzliches. Immer allgemeiner gelangte die Arbeits- teilung zur Einführung. Denn die Zünfte haben lange vor der Maschinenarbeit die Teilung der Arbeu besorgt: wer z. B. Handschuhe aus Leder machte, durfte an manchen Orten keine Sammethandschuhe anfertigen; die Schuhmacher zerfielen je nach Art und Material der Schuhe in verschiedene Abteilungen, ebenso die Schmiede u. s. w. Nun wachten die Zünftler ängstlich darüber, daß ihnen keiner in das Handwerk pfuschte. Es gab immerhin noch Handwerker, die, ohne zünftig gelernt und das Meisterrecht erworben zu haben, außerhalb der Zunft ihr Gewerbe betrieben. Man suchte ängstlich nach solchen Pfuschern, die man„Böhnhasen“ nannte, weil sie sich aus Furcht vor den Ueberfällen der Zünftigen, die öfters solche„Haseniagden“ ab⸗ hielten, auf den Speicher, die„Böhn“(Bühne) des Hauses zu verstecken pflegten. Das Zunftwesen erstarrte und die Mitglieder der Zunft wurden so engherzig, daß jede gedeih⸗ liche wirtschaftliche Weiterentwickelung zur Un⸗ möglichkeit wurde. Schon im 18. Jahrhundert waren sie zu einem Hemmnis für die gewiß einfachen Lebensbedingungen der damaligen Ge⸗ sellschaft geworden und die ersten, die dieses einsahen, an ihre Auflösung dachten, waren die preußischen Könige. Es gab eine Zeit, wo die Zünfte sich der Stadt gegenüber verhielten wie gegenwärtig die Sozialdemokraten gegen die bürgerliche Gesell— schaft. Der bürgerlichen Gesellschaft von damals, der„Stadt“, der„Gemeinde“, bestehend aus Kaufleuten Geschlechtern, standen drohend die „Organisierten“, d. h. die Zünfte, gegenüber. Nur hatten sie ursprünglich sich nicht selbst organisiert, sondern die unfreien Arbeiter waren bereits von den großen Herren organisiert worden, sie waren aber frei geworden und zur Macht gelangt nur durch ihre Organisation. Sie erzwangen sich die Zulassung zur Gemeinde, aber sie wurden dann von dieser doch nicht als vollbürtig behandelt, die Zünftler spielten eine traurige Rolle in ihrer Verbindung mit den Geschlechtern, dem Patriziat. Mit dieser traurigen Rolle befreundeten sie sich, und weil auch sie der kapitalistischen Selbstsucht anheimfielen, ver⸗ knöcherten sie in trauriger Weise. Berichtigung. Im vorhergehenden Artikel in unserer letzten Nummer ist in der ersten Zeile des dritten Absatzes ein Fehler stehen geblieben. Statt„Wesen“ muß es dort heißen: Um das Werden der städtischen Einrichtungen zu verstehen ꝛc. Sprüche zur Lebensweisheil. Es giebt keinen Sklaven, der nicht von ehe⸗ maligen Hörigen, keinen König, der nicht von ehemaligen Sklaven abstammte, da ja der Zeit⸗ lauf und das Schicksal alle menschlichen Ver⸗ hältnisse durcheinander schüttelt und rüttelt. Giordano Bruno. * Es kommt eine Zeit, wo es deutlich hervor⸗ tritt, daß die duldende Unterwerfung größere Uebel hervorbringt, als die des Widerstandes sind; wo die Furcht selbst eine Art von Mut erzeugt; wo ein krampfhafter Ausdruck der Wut und Verzweiflung im Volke Tyrannen als War⸗ nung dienen sollte, die Geduld der Menschheit nicht auf eine zu vermessene Probe zu stellen. Macaulay. * Ueb' immer Treu' und Redlichkeit, Die Worte sind ja schön; Doch Untreu' und Unredlichkeit Wird dennoch fortbesteh'n. Humoristisches. Einigkeit. Einig seid Ihr über China, Mächte! Da ist keine, die nicht China mochte. * Der Prozeßhausl. Bekannter:„Was fangen Sie nun mit dem vielen Geld an, was Sie in der Lotterie gewonnrn haben, Huberbauer?“ Huberbauer:„Was werd' ich damit anfangen— an Prozeß werd' ich anfangen!“ * Neugierde. Einem kleinen Jungen wurde gesagt, daß sein eben angelangtes Schwesterchen vom Himmel gekommen sei. Er betrachtete das Kind nachdenklich, dann flüsterte er ihm zu:„Bitte, sag' uns doch gleich, wie es im Himmel aussieht, bevor Du es vergißt.“ Neu eingelaufene Schriflen. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor— Von der„Neuen Zeit“(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 40. Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Miquel.— Die Neutralisierung der Gewerkschaften. Von K. Kautsky.— Das Rheinisch⸗westfälische Kohlensyndikat. Von Otto Hué.— Pariser Weltausstellung 1900. Von Dr. Felicie Nossig.— Das Stimmrecht der Frauen in Schweden. Von Maria Cederschiöld.— Die Betriebsunfälle von 1887 bis 1897. Von A. Winter.— Litterarische Rund⸗ schau: Dr. Lazarus Schweiger, Philosophie der Geschichte, Völkerpsychologie und Soziologie in ihren gegenseiti zen Beziehungen. Korfiz-Holm, Arbeit.— Feuilleton: Ent- stehung neuer Arten durch aktive Anpassung. Von Kurt Grottewitz. — Auch auf die im selben Verlage erscheinende „Gleichheit“, Zeitschrift für die Interessen der Ar⸗ beiterinnen, machen wir unsere Leserinnen wiederholt aufmerksam. Die„Gleichheit“ erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfg., durch die Post bezogen leingetragen in der Reichspost⸗Zeitungsliste für 1900 unter Nr. 3122) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfg.; unter Kreuzband 85 Pfg. Nr. 29. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. befindet. Unser Lager haben wir wesentlich Herren- und Unserer werthen Kundschaft und verehrl. Publikum hiermit die ergebene Mittheilung, daß sich unser Geschäftslokal nur noch 17 Neuenweg 17 vergrößert und stellen folgende solide, gute Waaren zu bekannt billigen Preisen zum Verkauf: ienabben- Heider Tuche, Bustskins uni Manufalfurwaaren eftffedsern und Daunen Auder Neuenweg 17. & Sonneborn Gießen Anfertigung von Herrengarderobe nach Mass. Neuenweg 17. Kreis Wahlverein Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 15. Juli, Nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Größer in Großen⸗Buseck: Kreis⸗Konferenz. Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht.— Vorstandswahl. 2. Landeskonferenz und Parteitog. Referent Orbig⸗Gießen. 3. Unsere Presse. Reserent Beckmann-Giesien. Die Parteigenossen allerorts im Wahlkreise werden ersucht, sich an der Konferenz zu beteiligen und die Wahl der Delegierten unverzüglich vorzunehmen. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. n 5 Einen grossen Posten u ferren- Anzüge solange d. Vorrat reicht z. 10 u. 12 Mk. Markus Zauer, Giessen II Kirchenplatz II gegenüb. d. Stadtkirche. 2 NN dd de 5 288 2 8 N 2 7 2 U e 72— 2 r n U —— 5DTCTT Justus Benner, Schuhmachermeister, Marktstr. 34. GIESSEN Marktstr. 34. empfi hit sein reichhaltiges Schuhwarenlager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. Spezialität: Arbeiter-Schuhe und Stiefel. Anfertigung nach Maß, sowie Reparaturen in eigener Werk⸗ —— 5 nt und Hullig.— E 5 S e e , NIIiana Frauen ud Mütter besonders geeignet zum täg- lichen Genuss namentlich bei Schwächezustanden alleri Art. 2 F Vorrätig in den * . — 8———— KK——— Das neue Naturheilbuch, schon verkauft. 100. Aufl. N. Mebäslle und yrendiplom ausgezeichnet. Tausende Kranke vec ——— Bilz, KRARurvorschrift, lehrt auch Aneippkur, Massage, Heilgymnastik, Krankenkost und 0 egen Krankheiten ꝛc. Hat sich in wenig Jahren in 800 000 Familien eingebüre er beste Beweis für dessen Vorzüglichkeit. ca. 2000 Seiten, 720 Abbildungen d bunte Tafeln und zerlegbare bunte Modelle, an welchen man alle inneren Orga (dsehen und auseinander nehmen lann. Preis geb. M. 12.50 und M. 16.—. gu bez. durch alle Buchhandl. u. F. E. Bilz Verlag, Leipzig. 2 un e Noaturbeslanstalt(bchloß Lößnitz) Dresde 1 lahrlich Dunderte von Patienten aller Art mit es approbierte Aerzte. Platz für 150 Kurgäste. Prospekte fr gut ei di preis Mk. I.60 und 2.50.0 potheken u. Drogerien. W 8 1 ker bdesmsesdenihre völlige Wiedergenesung. Das Werk giebt für jede Krankheit genaue D. Kaminka Ahrmacher Giessen. Marktplatz I8. Vorteil hafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Gewerkschafts⸗Be⸗ wegung und Politische Parteien. Bon August Bebel. Preis 15 Pfg. Preis 15 Pfg. Parteiorganisatioren e halten Partiepreise. Zu beziehen: 5 Buchhandlung Schneider Sonnenstraß; 25. Arbeiter⸗AGleider I. Für Werktage. A., Hemden,. Weißleinene Hemden mit und ohne Kragen von Mk. 1.20 an, Cöber⸗Hemden von Mk. 1.— an, 1 ertra schwer, 140 1.60, 1.80 und 2.—, mit dod⸗ peltem Bruststück. B. Hosen. Farbige Sommer engl. Hosen von Mk. 1.50 an. Zwirn⸗Hosen, xera schöne Muster A Mk 2.—, 2.50 und 3.— ganz schwer. Pilot, sog. eisenfeste Hosen, in weiß braun und blau, à Mk. 3.— schwere Hamburger Lederhosen, a Mk. 4. . Röcke. Grün leinene Joppen für Burschen aA Mk. 1.20, für Männer 3. Mk. 1.50, extra schwere leinene und Zwirn⸗ Joppen und Jaquets à 2.—, 2¼ und 3 Mk. D., Blousen,. Metzger-Blousen, von bestem Satin, A Mk. 2.50 und 3. Maler⸗Blousen, ganz lang, à Mk. 2.50 bis 3.—. Bauarbeiter-Blousen, blau und weiß gestreift, von Mk. 1 20 an. E., Mützen. Metz er⸗Mützen, das Neueste, Leder⸗ Mosel Cognac 1, ½, ½ Flaschen der Firma 5 Erste Taunus Cognac- Brennerei Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerkannt feinste Marke qro Flasche 1.80, 2.40, 3— Mk. in — 5 g 28 8 5 Altus Sommer Mützen mit langen ½ und ½ Flaschen verhältnis⸗ chte 1 mäßig. Niederlage;— Heuchelheimer Strohhüte von 80 Pfg. an. Consum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim bei Gießen. Filzhüte, schwarz und farbig, à Mk. 1.— und 1.50. G. Stiefel. Schwere Arbeiter⸗Stiefel mit Be⸗ schlag à Mk. 7.50, schwere Arbeiter⸗Schuhe mit Be⸗ schlag à 5 Mk. extra lange Wasser⸗Stiefel, a Mk. 10 und 12. Heinr. Genguagel, Gießen Neue Bäue 10. Ant. Conr. Müller, Langgön⸗ H. Möller oOber hessischer Kleiderbhazar. Marburg! mn Hessen. H. Unter jacken. Gestrickte und gewebie Unterjacken von Mk. 1 an, gest. Jagdwesten, blau, braun, grau mit grün. u roth v. Mk. 2.— an. II. Für Sonn⸗ und Feiertage für Jedermann. A, Hosen. Buckskin-Hosen von Mk. 3.— an, Buckskin Hosen, extra schwer Ve⸗ lour, à 4.50 und 5.— Mk. Hochfeine Kammgarn-Hosen, von Mk. 7.— an. B. Röcke. Buckskin⸗Jaquetts(ganz mit Za⸗ nella⸗Futter) in allen Farben von Mk. 5.— an. Elegante Kammgarn Jaquetts, mit u. ohne Einfaß, von Mk. 9.— an. ., Ganze Anzüge. Compl. Buckstin⸗Anzüge, hochele⸗ gant à Mk. 12.—, 15.—, 18.—, 20.— ec. bis zu den feinsten Kammgarn⸗Anzügen à 24— 36. D., Hüte. Weiche Filzhüte modernster Facons in allen Farben à Mk. 1.50 und⸗ 2.— Mk. Gestreifte Hüte 4 Mk. 2.—, 2.50, 3.— 2c. E. Stiefel. Schaftstiesel, prima Handarbeit, a Paar Mk. 7.—. Zug⸗Stiefel, glatt und mit Einsatz, a Paar Mk. 5.—. Zug⸗Stiefel mit Doppelsohlen 3. Paar Mk. 6.50. Touristen⸗Schuhe v. Leder, Segel⸗ tuch, Lasting te. F. Hemden. Weiße leinene Chemisett e n⸗Hemden von Mk. 2.40 an. Touristen⸗Hemden für Knaben a. Mk. 1.— und 1.20. Touristen⸗Hemden für Männer 3. Mk. 1.40, 1.50, 1.80, 2.— ꝛc. Neuheiten Aufertigung nach Maaß. in Cravatten und Chlipsen, Sonn- u. Regenschirmen Versandt gegen Nachnahme Colonial⸗ u. Eisenwarenholg. 5 für aden A beiter unentbehrlich ist: Gewerbeordnung 40 Pfg Strafgesetzbuch 40„ Juvalidenversiche⸗ rungsgesetz 40„ sämtlich vom 1. Januar 1900 ab —— 2 gültig. Vorrätig in der Buchhandlung Sehneider 1 BAue 5. GIESSEN. Neuen Baue 5. Gießen, Sonnenstr. 25. Zu melden Sonnenstraße 25. DS SD Sr DD D eee Tüchtiger Ungesunde und Leidende! N 3 80 Die Heilkraft der Elektrizität ist wur derbar! Ueber die glän⸗ Zeitungsträger zenden Erfolge des Selbstkur mit der preisgekrönten eleltrischen 2 Induktionsmaschine(Preis 24¼ u. 28 ½ Mk.) versendet gratis u. gesucht. franko 48seit. Brosch. P. Freyg ang Nachfolger, Dresden A 118. S Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von H. Klebert, Gießen. 3 — 1 Georg och, Uhrmacher — Die Mitt Austrät Durch die die Erped — Zude Rabe und Mi gnügend Ringe g Ahängit Hewuche ditser R werden, ten if feines um 3 bie Pr ümmerl fobriken Pfennig Der Absicht der vo trug, zu erh lands würde Zucker Mark b wird da alegt. Der org on do herobge Et hat ut en He u das 9 hattit eg. 5 Uirken fern, Nugsuh hulstän