f 7 N N t. 16. Gießen, Sonntag, den 15. April 1900. 7. Jahrg. . 5 — Redaktion: 2 K Redaktionsschluß: f g Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eut che Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 0 a e ö 8 Abonnementspreis: Bestellungen JIuserate Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ö5gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ½¼/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 500% Rabatt nd Größ Auswal, en, 80 6. e 9 e, ö ib. „ * 0 e rühlings ruf. Wiedererstanden sind Farbe und Duft; Wiedergekehrt sind der Zugvögel Schwärme, Wohlklangerfüllt ist die würzige Luft! Alles, was Odem hat, dehnt seine Schwingen, Alles, was niedrig, strebt hoffend empor; Alles, was Stimme hat, läßt sie erklingen, Schallend und wirbelnd im weckenden Chor: Wachet auf! Wachetl auf! Vachel auf! Die Johr duldend der Liebe und Freiheit entbehrt— Der Frühling, der Frühling ist wiedergekehrt! Wachet auf! Wachet auf! Hört die Gewässer:„Es ist mir gelungen“, Murmelt vergnügt dee lebendige Bach, Da er dem Joche des Frostes enlsprungen, Als ihm der Lenz seine Fesseln zerbrach. RNeißend und stürmisch, geschwellt von den Bächen, Toset und schäumet der Waldstrom einher; Hört Ihr die donnernden Wogen nicht sprechen Weit übers Land von der Quelle zum Meer: Wachet auf! Wachet auf! Wachet auf! Die Ihr Leben und Liebe und Freiheit begehrt, Der Frühling, der Frühling ist wiedergekehrt! D ene sind das Licht und die Wärme, 0 Hört den Gesang, der in grünenden Wäldern Laut aus gefiederten Kehlen erklingt; Höret das Preislied, das über den Feldern Zubelnd die Lerche dem Sonnenlicht singt! Hört des Nosses lustschnaubende Nüstern, Hört seiner Angeduld stampfenden Huf; Hört aus dem Dröhnen, dem Singen, dem Flüstern Einzig allein den verheißenden Ruf: Wachet auf! Wachetl auf! Wachet auf! Der Euch Leben und Liebe und Freiheit gewährt, Der Frühling, der Frühling ist wiedergelehrt! Wachet auf! Wachet auf! Höret die rufende Stimme der Winde, Die aus den wogenden Lüften ertönt; ö sie vom Süden spricht, weich und gelinde, Ob sie von Westen her rültelnd erdröhnt: Wo wir auch perlende Stirnen umfachen, Wo wir auch stöhnende Herzen umweh'n— Aeberall seh'n wir die Armen erwachen, Aleberall seh'n wir die Kämpfer ersteh'n. Wachet auf! VNachet auf! Wachel auf! Die Ihr müde und einsam und liettenbeschwert, Der Lenz, der Befreier ist wiedergekehrt, Wachet auf! Wachet auf! 5 ˖ Wachel auf! Wachet auf! A. Scheu. Arbeiter! vüstet zum Weltfeiertag des Proletariats! CECE Die Erfolge unserer Kolonialpolitik. Mit unseren„herrlichen“ Kolonien war es schon immer ein rechtes Elend. Zahlen, zahlen und immer wieder zahlen war das einzige, was wir von dieser Art Weltmachtspolitik, die ja jetzt noch erweitert, ja überhaupt Trumpf werden soll, hatten. Ein Reichs zuschuß von über 100 Millionen, das war bisher der Erfolg, den wir auf dem Gebiete der Kolonialpolitik ver⸗ zeichnen konnten. Das traurige, hoffnungslose Bild versuchte man an maßgebender Stelle dadurch einigermaßen erträglich zu machen, daß man eine bedeutende Besserung der Verhältnisse und schnelle Entwicke⸗ lung in Kamerun ankündigte. Es schien auch wirklich, als sollte die Prophezeiung wenigstens zum kleinen Teil eintreffen. Bei den bisher ge⸗ machten traurigen Erfahrungen der vollständigen Ergebnislosigkeit und den fortwährenden Zu⸗ schüssen ist es begreiflich, daß man von schönen Erfolgen sprach, als man in Kamerun wenigstens so halbwegs günstige Ergebnisse mit Pflanzungen erzielte und sogar in allerletzter Zeit einen kleinen Ueberschuß verzeichnen konnte. Im Jahre 1898/99 wurden aus Kamerun 245 876 Kilogramm Kakao ausgeführt zum Werte von 313 115 Mk. Der kleine Erfolg, der ganz verschwindet, wenn wir ihn neben den riesigen Zuschuß stellen, wurde im letzten Bericht überschwänglich gepriesen und dadurch große Hoffnungen erweckt: „Der Plantagenbau hat im letzten Jahre“, so hieß es in der Denkschrift der Regierung über Kamerun,„einen geradezu glänzenden Auf⸗ schwung genommen. Es wird auf sämtlichen Plantagen mit größtem Eifer gewirtschaftet. Nach den in den älteren Pflanzungen vorliegen⸗ den Resultaten ist auch, von ganz unberechen⸗ baren Faktoren abgesehen, die Rentabilität des Kakaobaues unbedingt gesichert. Auf diesen haben sich die sämtlichen Pflanzungen mit aller Nacht geworfen. Zur Zeit ist der ganze südliche und westliche Abhang des Kamerunberges an Plan⸗ tagen⸗Unternehmungen, die sämtlich in Betrieb sind, vergeben. Es arbeiten auf diesen Pflanzungen gegenwärtig ca. 4000 Arbeiter gegen noch nicht 2000 Arbeiter im letzten Berichtsjahr. Beinahe 3000 sind Eingeborene des Kameruner Schutz⸗ gebietes. Die angebaute Fläche am Kamerun⸗ derge hat sich gegen das Vorjahr von 1300 auf 2500 Hektar gehoben. Davon entfallen 2200 Hektar auf Kakao.“ 8 Das war Musik in den Ohren der Kolonial⸗ schwärmer und Wasser auf ihre Mühlen. Was wir jedoch jetzt aus Kamerun hören, klingt ganz anders. Das neueste, was gemeldet wird, ist ein Sammelsurium von Hiobsposten. Man höre: Der Aufstand der Stämme des nördlichen Binnenlandes wächst, der Betrieb der Pflanzungen am Kamerungebirge ist aufs äußerste gefährdet und teilweise bereits eingestellt. Der Mangel an Arbeitskräften macht sich immer fühlbarer. Die Versuche, aus dem Baliland Arbeiter heran⸗ zuziehen, sind bisher völlig gescheitert. Was vor einigen Jahren Dr. Zintgraff, Dr. Esser und anderen gelungen war, aus Bali Arbeitskräfte herbeizuschaffen, ist jetzt infolge des Aufstandes der Eingeborenen nicht mehr möglich. Eine vor einigen Monaten unternommene Expedition scheiterte an der feindseligen Haltung der das zu passierende Gebiet bewohnenden Stämme. Ihr Führer, Herr Courau, mußte das Wagnis mit dem Leben bezahlen. Auch ein neuerlicher, vor einigen Wochen unternommener Versuch, mit einer wohlausgerüsteten Expedition das Baliland zu erreichen, erschloß das Rekrutierungsgebiet der so heißersehnten Plantagenarbeiter nicht: alle Zugänge zum Hinterlande erwiesen sich als ge⸗ sperrt, die Expedition mußte vor dem Feuer der Eingeborenen den Rückzug antreten. Es besteht gar keine Aussicht mehr, aus dem Schutzgebiet selbst Arbeitskräfte zu erhalten. Die kolonial⸗ freundliche Presse äußert die Befürchtung, daß, falls nicht eine gründliche Aenderung Platz greife, das Schicksal Kameruns als Pflanzungskolonie für die nächsten Jahre besiegelt sei. Eine gründliche Aenderung ist nötig, das heißt mit anderen Worten und etwas deut⸗ licher: ein ganz besonders fetter Zuschuß, sonst ist alles verloren. Das sind ja nette Aus⸗ sichten, die aber erst in ganzer Schönheit zutage treten, wenn wir sie mit dem bisherigen Reichs⸗ zuschuß für Kolonien vergleichen, der weit über 100 Millionen beträgt. Die„Kölnische Volksztg.“ meldet über das neuerliche Kolonialelend: Der Aufstand hat sich den ganzen Mungo⸗ Fluß entlang schon unterhalb Mundame bis Malende erstreckt. Alle Dörfer sind verlassen, Frauen und Kinder im Urwald versteckt, und die Männer ziehen bewaffnet, raubend und plündernd durch das Land. Unter diesen Um⸗ ständen ist an einen regelmäßigen Betrieb der Plantagen nicht mehr zu denken. Auf einer Pflanzung werden kaum noch zweihundert Schwarze beschäftigt, nachdem die siebenhundert im vorigen 12 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 16. Jahre zugeführten Bali⸗Leute wieder heimgekehrt sind. Es ist gar keine Aussicht mehr, das Ar⸗ beiter aus irgend welchem Teile des Schutz- gebietes selbst zu gewinnen sind und die Pflanz⸗ ungen sind auf die spärliche Zufuhr der mit Monopolgebühren und Anwerbungsgebühren be⸗ lasteten Wei⸗Leute, aus dem Gebirge angewiesen. Es ist zu erwarten, daß Tausende von Hektaren, die in den letzten Jahren mühsam gerodet wurden, in der Frühjahrsregenzeit wieder mit üppig verschlungenem Unkraut bestanden sein werden. Das ist der vollständige Bankerott der deut⸗ schen Kolonialpolitik und des dort eingeführten schneidigen preußisch⸗ militärischen Systems im Verkehr mit den Eingeborenen. Die Hoffnungslosigkeit der gegenwärtigen Situation kann nicht besser beleuchtet werden, als durch folgende Stelle aus der im Dezember vorigen Jahres veröffentlichten Denkschrift über die Schutzgebiete in Südafrika: „Die bereits von den verschiedensten Seiten in der Oeffentlichkeit zum Ausdruck gebrachte Meinung, daß Kamerun die beste un⸗ serer Kolonien sei, dürfte bald zu allgemeiner Anerkennung gelangen. Die beste unserer Kolonien steht vor der Vernichtung, wenn nicht energisch zugegriffen, das heißt aufs neue Millionen geopfert werden. Das ist ein bitterer Kelch, der jetzt mitten im Weltmachtstaumel verabreicht werden muß. L. Vztg. Politische Bundschau. Gießen, 13. April. Zum Fleischwuchergesetz. Gegen das Fleische in fuhr verbot hat sich nach der Darmstädter und Lübecker auch die braunschweigische Regierung erklärt. Der Minister Hartwich erklärte im braunschweigischen Landtag: Der braunschweigische Bevollmächtigte zum Bundesrat sei angewiesen, allen hygiei⸗ nischen Maßregeln für das in⸗ und ausländische Fleisch zuzustimmen, aber den darüber hinaus⸗ gehenden handelspolitischen, vom Reichskanzler als unanehmbar bezeichnten Anträgen seine Zu⸗ stimmung zu versagen. Als tendenziöse Erfindung bezeichnet es die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, das auswärtige Amt habe die Bewegung gegen die Kommissionsbeschlüsse zum Fleischschaugesetz veranlaßt und ein vertrauliches Schreiben dieser⸗ halb an die Handelskammern gelangen lassen. Die Interpellation der Konservativen im Abge⸗ ordnetenhause zum Fleischschaugesetz lautet wört⸗ lich wie folgt:„Ift der Herr Ministerpräsident bereit, darüber Auskunft zu geben, in welcher Weise er seinem in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 27. April 1898 abge⸗ gebenen Versprechen bezüglich der Fleischschau im Deutschen Reiche gegenüber den jetzigen Beschlüssen des Reichstags nachzukommen gedenkt?“— Kraftprobe der Junker. Eine Proklamation an die Mitglieder der Bundes der Landwirte„zur Klärung der Lage“ erläßt„der engere Vorstand, Frhr. v. Wangen⸗ heim, Dr. Nösicke und Dr. Hahn.“ Nicht um das bisher eingeführte geringe Quantum Pöokel⸗ fleisches(ca. 5 Prozent der gesamten Einfuhr von Fleischprodukten), sondern um eine General⸗ probe für den Entscheidungskampf um die Wieder⸗ errichtung eines ausreichenden Schutzes der Pro⸗ duktion der deutschen Landwirtschaft durch den neuen Zolltarif handle es sich.„Die Stellung⸗ nahme der Regierung läßt klar erkennen, wie wenig sie geneigt ist, der deutschen Landwirtschaft eine gleiche und gerechte Behandlung zuteil wer⸗ den zu lassen.“ Nach allen Erfahrungen bei dem Fleischbeschaugesetz könne die Berücksichtigung, welche die Landwirtschaft bei den nächsten Handels⸗ verträgen verlangen kann,„nach der Entwickelung, die die Dinge jetzt genommen haben, nur dann erreicht werden, wenn diejenigen Aageordneten, welche die landwirtschaftlichen Interessen im Reichstage zu vertreten berufen sind, jede gou⸗ vernementale und persönliche Rücksichtsnahme schwinden lassen und rein sachliche Politik treiben, eine Politik, vor der die Negierung, der Linken gegenüber, wie die letzte Zeit es wiederholt ge⸗ zeigt hat, stets kapitulierte. schwache Hoffnung noch vorhanden, den Unter⸗ gang der deutschen Landwirtschaft und des deut⸗ schen Mittelstandes, zu dem die Gesetzgebung des deutschen Reiches Schlag auf Schlag treibt, zu verhindern.“— Bisher hat danach also der Bund der Landwirte keine sachliche Politik be⸗ trieben. Diese Erklärung hat ihre Spitze offen⸗ bar gegen diejenigen Elemente im Bunde, welche kompromißlerisch gesonnen find. Man kann nur wünschen, daß die extremen, wie sie der„engere“ Vorstand repräsentiert, die Oberhand behalten. Um so schwerer kann die Regierung die agrari⸗ schen Forderungen bewilligen, um so eher erleidet die dem deutschen Volke so gefährliche Politik des Bundes, welche die Auspowerung der wirt⸗ schaftlich Schwachen auf die Spitze treiben würde, gründlich Fiasko. Großgrundbesitzer und Kleinbauer. Wie mit dem Kleinbauer von dem Groß⸗ grundbesitzer umgesprungen wird, geht aus zwei Briefen hervor, welche der Landrat des schlesischen Kreises Sprottau, v. Klitzing, an den Ge⸗ meindevorstand des Ortes Waltersdorf richtete. Von letzterem hatte der Landrat eine Jagd ge⸗ pachtet und war wegen des Wildschaden⸗ ersatzes mit dem Gemeindevorstand in Differenzen geraten. Nach dem Jagdvertrag mit dem Gemeinde⸗ vorstand soll ein Wildschaden, durch gemeinschaftliche Schätzung des Gemeindevorstehers und des Pächters resp. eines Beauftragten des letzteren unter Zu⸗ ziehung des Beschädigten festgestellt“ werden, und bei mangelnder Einigung ein Obmann entscheiden, dessen Zuziehung der Beschädigte sogleich am Schätzungstermin beantragen kann. Die Kosten für diesen Obmann soll derjenige Teil, Pächter oder Beschädigter, zahlen, dessen Schätzung am weitesten von der durch den Obmann festgestellten Taxe abweicht. Jede andere Art der Schadens⸗ stellung, auch der Rechtsweg, soll nach dem Vertrag ausgeschlossen sein. Nach diesem Vertrag sollte am 3. November 1899 ein Wild⸗ schaden abgeschätzt werden. Da aber kein Vergleich erzielt wurde, bat der geschädigte kleine Land- wirt um Anberaumung eines neuen Termins. Von dem Landrat und Großgrundbesitzer erhielt nun der Gemeindevertreter folgendes Schreiben: „Wenn es sich um denselben Schaden handelt, der schon einmal abgeschätzt wurde, so liegt zur Ansetzung eines neuen Termins nicht der geringste Anlaß vor. Durch Ihre höchst unmanierliche Grobheit, welche jede Verhandlung unmöglich machte, haben Sie es ganz allein verschuldet, daß ein Vergleich nicht zu Stande kam, oder richtiger gesagt, eine Erklärung von Ihnen nicht erlangt werden konnte. Beide Taxatoren sind ganz ruhig und höflich gewesen. Sie aber haben ohne jeden Grund in Ihrer bekannten flegelhaften Weise jede Erklärung abgelehnt. Sie hatten das wohlgegründete Recht, gleich im Termin die Zuziehung und Entscheidung eines Obmannes zu beantragen. Das haben Sie nicht gethan. Somit kann ich nur annehmen, daß die nach befstem Wissen und Gewissen vorgenommene Schätzung der Herren Taxatoren richtig war. Zu dieser Annahme habe ich um so mehr Anlaß, als die Herren Taxatoren von mir den festen Auftrag haben, alle Schätzungen möglichst reichlich zu bemessen. Auch habe ich mich schon einmal, wie Sie sehr wohl wissen werden, persönlich davon über⸗ zeugt, daß die Schätzunen der genannten Taxatoren nicht nur sachgemäß, sondern sehr reichlich sind, daß Sie aber belieben, für Ihre Person unangemessene Forderungen zu stellen. Landrat von Klitzing.“ Um zu Gelde zu kommen hat sich schließlich der Bauer mit der Abschätzung zufrieden gegeben, obwohl diese keineswegs dem wahren Werte des Schadens entsprochen haben soll. Darauf ist ihm folgender Brief zugegangen: Nur dann ist eine Nieder⸗Zauche, 29. November 1899. Anliegend erhalten Sie 16,85 Mk. für Wild⸗ schaden. Das Nähere wollen Sie aus der gleichfalls beiliegenden Berechnung ersehen. Zu Ihrer Information will ich Ihnen den letzt liquidierten Schaden— d. i. Wasserrüben⸗ schaden— erläutern. Herr Inspektor Weiß hatte Ihnen abgeschätzt: 28 Ztr. à 50 Pfg. gleich 14 Mk. Sie for⸗ derten außerdem noch 7 Mk. Fuhrlohn; also 14 und 7 Mk., das sind 21 Mk. Der zuge⸗ zogene Kreistaxator schätzte den Schaden auf 16,70 Mk. „Nach§ 4 des Jagdvertrages hat im vor⸗ liegenden Falle derjenige die Kosten des Ob⸗ mannes zu tragen, dessen Forderung am weiteften von der durch den Obmann festge⸗ setzten Taxe abweicht. Die hiesige Forderung— 14 Mark— weicht von der Taxe des Obmanns nur um 2,60 Mk. ab. Ihre Forderung weicht von der Taxe des Obmannes um 4,30 Mk. ab. Folglich haben Sie den Obmann zu bezahlen. Laut beiliegender Nota fordert der Obmann 15,60 Mk., der Wasserrübenschaden beträgt 16,70 Mk., somit bleibt Ihnen 1,10 Mk., nachdem der Obmann von hier aus befriedigt wurde. In Ihren Interesse bedaure ich diesen Ausgang, muß mich aber im vorliegenden Fall strikt nach Recht und Gesetz halten. von Klitzing. So bekam also der Bauer seine Mark und noch zehn Pfennige und wird nun wohl zufrieden sein. Er wird sich nicht abhalten lassen, bei den nächsten Wahlen, wenn der Herr Landrat zum gewöhnlichen Volke herabsteigt, und die Gemein⸗ samkeit der Interessen der Großgrundbesitzer und des Bruder Bauer betont, seine Stimme für die Edelsten und Besten abzugeben. Das neueste„Attentat“. Wie wir bereits in der letzten Nummer mit⸗ teilten, schoß der Klempnerlehrjunge Sipido aus Brüssel einen oder zwei Schüsse auf den Prinzen von Wales ab. Der Prinz war eben in den vom Brüsseler Nordbahnhofe nach Köln abgehenden Zug eingestiegen, als die That er⸗ folgte. Sipido war vorher l eine Wette mit einem Kollegen eingegangen, daß er auf den Prinzen schießen werde. Diese Schüsse wurden aus einem alten Revolver, den der Attentäter für ganze drei Mark erstanden hatte, abgegeben. Der Bahnhofsvorsteher verhinderte den Jungen an weiterer Schießerei. Obwohl man es hier zweifellos nur mit einem blödsinnigen Streich eines dummen Jungen zu thun hat, bemüht sich selbstverständlich die reaktionäre Presse, der Ar⸗ beiterbewegung eins auszuwischen und die That des Verrückten ihr zur Last zu legen. Hierzu schreibt uns ein Freund: 92 Gesegnet sei die Bombe! k. Wem fällt nicht dieser Ausspruch Arthur Meyers ein, wenn er in unseren kapitalistischen Blättern die Attentatsgeschichte auf den Prinzen von Wales liest. Die That eines krankhaft erregten 16jährigen Jungen wird kühn und dreist zu einer Anarchisten⸗ that umgelogen. Die scharfsinnigsten Unter⸗ suchunzen werden in spaltenlangen Artikeln über die Parteistellung des Knaben angestellt und mit „heißem Bemühen“ versucht, ihn der Welt als Anarchisten oder was noch angenehmer wäre, als Sozialisten hinzustellen. Unsere Leser kennen die Motive dieser Partei⸗ schnüffelei, was nützt unseren„Staatserhaltenden“ das schönste Attentätchen, wenn man nicht ein Ausnahmegesetzchen gegen die Arbeiterklasse darauf aufbauen kann? Wo in der Welt hat je ein Tollkopf ein derartiges Verbrechen begangen, welches nicht Anlaß zu einer Hetze gegen die Arbeiterparteien gegeben hätte? Die Macher selbst glauben ja nicht daran, daß derartige „Dumme⸗Jungenstreiche“ von irgend einem Menschen gebilligt oder gar gefördert werden könnten, dem„dummen“ Volke aber bringt man bei jeder derartigen, sehr oft tragisch⸗komischen Mordgeschichte das Gruseln bei. Mit allen ehrlichen Menschen bedauern wir derartige Vorgänge; wie wir den Mord„im Tul petition sammel Numme dach Flotte Hechte „Voru. Als ihren Le „Nase jubelte es jet landet ganzen bilte“, Um Zeitung ihr Ver becken! Arbeite im Vel 80000 bonserr diesen drei gebrac N durch Werke haupt essiert Brosch bewie 10 0 ie 1 0 schris krumm * preise zwei langen Prisse wer n die die derart runger ces d 16. Wld. b der schen. en letzt üb chüzt; le for⸗ also ö zuge⸗ u auf n bor⸗ g an festge⸗ weicht 0 M. e dez haben gender „der somit der I gang, strikt itzing. k und rieden ei den t zum emein⸗ r und ir die mit⸗ pido den eben Köln t er⸗ mit f den rden täter geben. ungen bier reich 1 f r Ar⸗ That Hierzu Itthur fiche tinzen haft wird sten⸗ Unter⸗ rüber id mit lt als wäre, hartei, eden . ein darauf je eln auge, n die Nachel cartige einem erden 0 mall ischen 1 vit in Nr. 16. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Großen“ den Krieg für adscheulich und ver⸗ dammenswert halten, ebenso scharf verurteilen wir den Mord gegen einen einzelnen Menschen, sei er, wer er will. Gerade in dem Zeit⸗ alter der Gewalt- und Eroberungs⸗ politik, der Schneidigkeit, der sehr niedrigen Einschätzung von Menschenleben wo es den Profit gilt, ist es die Pflicht der Sozialdemokratie, auf die Heiligkeit jeglichen Menschenlebens hinzuweisen. Zu den Menschen rechnen wir aber außer den Fürsten und Prinzen auch die jährlich 7—8000 Opfer der Industrie, sowie die von den Leist, Wehlan usw.„geattentateten“ Neger. Nochmals Flottenpetitionen. Trotzdem die Unterschriften für die Flotten⸗ petitionen mit so wenig lauteren Mitteln„ge⸗ sammelt“ werden— wir führten in der letzten Nummer einige Beispiele dieser Art an— geht die Geschichte doch nicht recht vom Flecke. Die „Flottenbegeisterung“ im Volke scheint trotz allem Geschrei nicht weit her zu sein. So wird dem „Vorw.“ aus dem Ruhrgebiet geschrieben: Als vor einigen Wochen die„Rh.⸗W. Ztg.“ ihren Lesern die Petitionsbogen für die Münchener „Massenbitte“ für eine Weltflotte zusandte, da jubelte das Kohlenorgan über den Schlag, den es jetzt den Reichsnörglern versetzen werde. Jetzt landet der müde Greis wieder im Hafen mit ganzen 7000 Unterschriften der„Massen⸗ bitte“. Um das gräßliche Fiasko dieser flottentollen Zeitung voll zu ermessen, muß man wissen, daß ihr Verbreitungsgebiet das dicht bevölkerte Ruhr⸗ becken ist, mit seinen Hunderttausenden abhängiger Arbeiter. Bei der letzten Reichstagswahl sind im Verbreitungsgebiet der„Rh.⸗W. Ztg.“ über 80 000 Stimmen für die nationalliberal⸗frei⸗ konservative Partei abgegeben worden. Und von diesen hat die„Massenbitte“ im Zeitraum von drei Wochen nur 7000(und wie) auf die Beine gebracht. Noch schlimmer wird aber die Blamage da⸗ durch, daß besonders in diesem Bezirk die großen Werke(Krupp, Baare ꝛc.) liegen, die zweifellos hauptsächlich an den Flottenlieferungen inter⸗ essiert sind. Es ist den Arbeitern in unzähligen Broschüren, Flugblättern und Versammlungen „bewiesen“ worden, daß gerade sie als Stahl⸗ und Eisenarbeiter großen Vort-il hätten, wenn die Flotte bewilligt würde; es gäbe viel Arbeit und viel Verdienst. Und doch nur 7000 Unter⸗ schriften! Beweis, daß das Volk vom Flotten⸗ rummel nichts wissen will! Fürstliche„Lohnbewegung“. Wenn infolge der gesteigerten Lebensmittel⸗ preise und teueren Wohnungsmieten Arbeiter zwei oder drei Pfennig mehr Stundenlohn ver⸗ langen, so zetert gewiß die ganze Kapitalisten⸗ Presse über die Begehrlichkeit, Genußsucht und wer weiß was sonst noch für schöne Eigenschaften, die die Arbeiter angeblich haben sollen. Gegen derartige Bekämpfung berechtigter Forde⸗ rungen sticht das Verhalten vorteilhaft ab, wel⸗ ches dieselbe Presse einer„Lohnbewegung“ in München gegenüber einnimmt, wo unseres Erachtens die„Arbeitsverhältnisse“ solche sind, daß sie einer Besserung ganz und gar nicht be⸗ dürfen. Die Zivilliste in Bayern soll nicht mehr zur Bestreitung der Ausgaben des kgl. Hauses ausreichen. Nach der„Münch. Post“ hat das bayerische Volk jetzt für diesen Posten das nette Sümmchen von 5 402 683 Mark aufzubringen. Damit läßt es sich gewiß auch bei sehr hohen Ansprüchen auskommen. Eine Erhöhung dürfte umsoweniger von Noten sein, als sich die Bedürfnisse des Königs Otto, der seit Jahrzehnten geisteskrank ist und überhaupt nichts von der Oeffentlichkeit weiß, gewiß nicht gesteigert haben.— In einem Artikel über diesen Gegenstand erklären die nationalliberalen„Münch. Neuest. Nachr.“, daß die beiden„großen“ Par⸗ teien in der Abgeordnetenkammer(das Zentrum und die Liberalen) schon längst geplant hätten, die Zivilliste zu erhöhen, und sie führen als Grund dafür„das Sinken des Geld⸗ wertes, die in allen Verhältnissen wahrzunehmende Steigerung der Preise, die eingetretene Er⸗ höhung der Gehälter und Löhne u. s. w.“ an. Wie verständnisvoll hier ein Kapitalisten⸗ Organ Gründe anerkennt, die es sicher als haltlos erklären würde, wenn es sich um eine Lohn- bewegung von Arbeitern handelte! Erbärmliche Kriecherei! F Vierzig Millionen Mark zahlt das deutsche Volk jährlich seinen 22 Königen, Großherzögen, Herzögen und Fürsten an Zivil⸗ listen und Apanagen. Im Durchschnitt beträgt das Einkommen der 22 Herren also mehr als 1 500 000 Mk. Ein Arbeiter muß mit durch⸗ schnittlich 800— 1000 Mark pro Jahr aus⸗ kommen. [Etwas vom Kanonenkönig Krupp. T. Die Zeitschrift„Woche“ bringt in ihrer letzten Nummer ein„Faksimile der Handschrift Alfred Krupp's“, des Vaters des jetzigen Be⸗ sitzers des Riesen⸗Eisenwerkes an der Ruhr. Allem Anschein nach hat Herr Alfred Krupp anders über Kapital und Arbeit gedacht als sein Sohn, das beweist des Ersteren Ausspruch, welchen wir, der Vollständigkeit halber, genau citieren wollen. Nachdem Herr Krupp das Stammhaus seiner Eltern kurz erwähnt(das nebenbei gesagt, eine kleine Arbeiterwohnung war) und die Sorgen und Mühen, uuter denen seine Eltern den Grund⸗ stein zu dem späteren Riesenwerk gelegt, geschildert, sagt er wörtlich: Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet!“ Schön, bei⸗ nahe gonz sozialistisch! Aber ist dies heute bei Krupp der Fall? Nein und abermals nein! Wohl mag er seine Arbeiter nicht schlechter bezahlen und behandeln als andere Unternehmer, aber zum Segen ist die Arbeit jedenfalls nur Herrn Krupp geworden nicht seinen Arbeitern. Er verdient durch die Arbeit seiner Leute, und nicht durch seine eigene 7½ bis 8 Millionen Mk. pro Jahr, seine Arbeiter 3—4 Mk. täglich, wo da der Segen ist, brauchen wir nicht weiter aus⸗ einander zu setzen. Wie wird aber der Segen erst kommen, wenn die neue Flotten⸗Borlage Gesetz wird. Hier wird Krupp Hunderte von Millionen verdienen, wodurch dem deutschen Volke, den Arbeitern, Handwerker nu. Bauern der Brodkorb noch höher als bisher gehängt werden wird. Evangelische Glaubensstärke. k. Das„Casseler Sonntagsblatt“ schreibt in einem Artikel über die„Los von Rom⸗Bewegung“ in Oesterreich folgende köstliche Sätze, über die Glaubensstärke der Geistlichen in Oesterreich: „Es würden noch mehr Pfarrer zu uns(das heißt zu den Protestanten) herüberkommen, wenn ihnen ihre Existenz bei uns gesichert wäre.“ Da die Existenzfrage vorläufig noch nicht gelöst ist, werden sie wohl noch einige Zeit„bei Rom“ bleiben müssen; fließen aber reichlich Gelder, werden die frommen Herren Rom den Rücken kehren. Christus starb für seine Ueberzeugung; oben geschilderte Nachfolger werden dies nicht thun: sie werden die Lehre verkünden, die die beste Existenz ermöglicht. Klug sind die Herren, wir möchten beinahe mit Herrn Stöcker sagen: „Schlaue Teufel!“ Ostpreußische Schulzustände. Als Beweis für die schweren Mißstände, die in vielen notleidenden, leistungsunfähigen Schul⸗ verbänden noch herrschen, hat der Abgeordnete Ernst am vergangenen Donnerstag im preuß. Abgeordnetenhause zwei charakteristische Fälle zur Sprache gebracht. Diese beiden Fälle betreffen die kathoiischen Schulgemeinden in Filehne und in dem Dorfe Dratzig, nicht weit von Filehne. In Filehne sind schon seit Jahren zwei Klassen der fünfklassigen katholischen Schule ausgemietet, weil das alte Schulhaus zu klein ist. Da kein anderes Lokal zu haben war, wurde ein früheres Tanzlokal in einer Kneipe gemietet. Darin werden die beiden Klassen unterrichtet, während vorn die Kneipe nach wie vor weiter be⸗ steht. Nun schweben seit sechs Jahren Ver⸗ handlungen mit der königlichen Regierung zu Bromberg wegen eines Neubaues; seit zwei Jahren sind diese aber abgebrochen, obgleich die katholische Schulgemeinde sich zu bedeutenden, ihre Kräfte fast übersteigenden finanziellen Opfern bereit er⸗ klärt hat. Ju Dorfe Dratzig ist das katholische Schulhaus vor drei Jahren abgebrannt. Nur ein Zimmer kann noch benutzt werden. Die übrigen fünf Klassen sind in Stuben untergebracht, die von Bauern gemietet sind. Die nur sechs Fuß hohen Stuben sind gänzlich ungeeignet und der Aufenthalt ist für die Kinder, die eng zusammen⸗ gepfercht sitzen müssen, durchaus gesundheitsge⸗ fährlich. Die arme Gemeinde hat sich bereit erklärt, die 3000 Mk. Feuerkassengelder zum Neubau herzugeben und auch sämtliche Spann⸗ dienste zu leisten. Die königliche Regierung in Bromberg hat diese Offerte acceptiert. Trotzdem ist aber bisher nichts geschehen. Für die Flotte Milliarden, für die Schule— abzuwarten, so bemerkt die Volkszeitung zu dieser Schilderung. Das Zentrum wird aber trotzdem die Milliarden für die Flotte bewilligen. „Fall Oertel“. Bürgerliche Blätter erzählen ihren gläubigen Lesern allerhand Schauergeschichten über die Ur⸗ sache des tragischen Todes unseres Genossen Oertel und über einige Differenzen, die in Nürn⸗ berg innerhalb der dortigen Parteigenossen vor⸗ handen sein mögen. Die Dinge werden so dar⸗ gestellt, als ob Oertel von Seiten der Partei bei der beabsichtigten Uebernahme der„Fränk. Tagespost“ in den Parteiverlag übervorteilt und dadurch„in den Tod getrieben“ worden sei, wie das Offenbacher Antisemitenblatt seinen Lesern vorlügt. Wir halten uns verpflichtet, hier der Darstellung über den wirklichen Sachverhalt Raum zu geben, die im„Vorw.“ veröffentlicht wurde. Es heißt da: „In den Reihen der Nürnberg⸗Fürther Ge⸗ nossen wurde bereits im Laufe des vorigen Jahres angeregt, die Uebernahme der„Frk. Tagespost“ und ihrer Ableger in den Parteiverlag herbei⸗ zuführen. Bereits auf dem Parteitag in Han⸗ nover fand eine Besprechung über diese Angelegen⸗ heit zwischen den nordbayerifchen Delegierten und dem Schreiber dieser Zeilen statt, der auf Wunsch der Beteiligten zugezogen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde der Termin, an dem, und die Bedingungen, unter denen die Ueberführung der Blätter in den Besitz der Nürnberg-Fürther Genossen stattfinden sollte, vorläufig festgestellt. Genosse Oertel, der durch geschäftliche Verhält⸗ nisse— Neubau seines Hauses und Ueberführung der Druckerei in dasselbe— verhindert war, nach Hannover zu kommen, war von den Ab⸗ sichten der Nürnberg⸗Fürther Genossen unter⸗ richtet. Gegen Ende November fand dann in Nürnberg selbst eine Zusammenkunft dortiger Genossen statt, an der Genosse Oertel selbst und Schreiber dieser Zeilen mit teilnahmen und auf der die Bedingungen der Uebernahme endgültig und einstimmig festgestellt wurden. Diese Be⸗ dingungen waren: 1) Zur Uebernahme des Verlags der Blätter bildet sich aus den Kreisen der Nürnberg⸗Fürther Genossen eine offene Handelsgesellschaft; 2) die Uebergabe der Blätter findet am 1. Juli 1900 statt; 3) Genosse Oertel erhält als einmalige Ab⸗ findung die Summe von 5000 Mark in Bar ausbezahlt; 4) zwischen der neuen Handelsgesellschaft und dem Genossen Oertel wird ein Druckvertrag ab⸗ geschlossen, der vorher von Fachmännern geprüft und dem die Bestimmungen des Tarifes des deutschen Buchdruckerverbandes zu grunde zu legen sind und in dem Oertel der Druck der Blätter auf vorläufig fünf Jahre gesichert sein sollte. Mit diesen Bedingungen, von denen die Ziffern 3 und 4 in ihrer Formulierung von Oertel selbst herrühren und von den Genossen widerspruchslos acceptiert wurden, war Oertel vollständig ein verstanden. Er erklärte dagegen ausdrücklich, daß er den Verlag des Parteiorgans von der ersten Stunde der Ueber⸗ nahme desselben an nur als ein Provisorium betrachtet habe, das aufhören müsse, wenn die Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 16. 8 Genossen den Verlag selbst übernehmen wollen. Dies der einfache Sachverhalt.“ Ferner steht fest, daß die Familie Oertel in finanzielle Schwierigkeiten gar nicht kommen konnte, da ihr hinreichend Einnahmen durch den Druck der„Metallarb.⸗Ztg.“ und vier Partei⸗ zeitungen garantiert waren. Der Krieg in Südafrika. Im) allgemeinen zeigen die Bewegungen der beiderseitigen Streitkräfte, daß die Buren in der letzten Zeit bedeutend an Terrain gewonnen haben. Zu gleicher Zeit hat das launische Kriegs⸗ glück der Burensache eiuen schweren Schlag versetzt. General Villebois Mareuil, der zu den besten und erprobtesten Führern und Ratgebern der Buren zählte, ist in einem Ge⸗ fecht mit den Truppen Methuens gefallen. Dieser„Sieg“ der Engländer über die nur 70 Mann starke Burenabteilung wurde mit siebenfacher Uebermacht errungen. Villebois und 7 Buren wurden getötet, 8 verwundet und 54 gefangen genommen; auf englischer Seiee wurden 4 Mannn getötet, 6 verwundet. Demgegenüber stellt sich die englische Schlappe (über die wie in der letzten Nummer berichteten) schlimmer heraus, als es vorher den Anschein hatte. Dabei fielen den Buren nicht nur eine Menge Lebensmittel in die Hände, sie haben außerdem auch alle geheimen Papiere der Engländer erbeutet, darunter die Pläne für den Einmarsch in den Oranjefreistaat und in Transvaal ꝛc. Eine weitere schwere Nieder- lage erlitten die Engländer bei Redders⸗ burg. Hier mußten sich 600 Engländer einer überlegenen Burenstreitmacht ergeben.— Lord Roberts scheint in Blomfontein von den Buren so ziemlich eingeschlossen zu sein. Wegen Mangel an Pferden und Wasser und auch wegen Erkrankung vieler Soldaten ist er nicht im stande, größere Bewegungen zu unternehmen. Weiter bestätigt sich, daß in einer großen Schlacht bei Meerkatzfontein südlich von Brandfort die Buren unter General Dewet einen bedeutenden Sieg errungen haben. Die Engländer verloren 600 Tote und 900 gerieten in Gefangenschast.— Neueren Meldungen zufolge soll Mafeking von den Buren genommen sein.— Seit dem 9. November 1899 sind jetzt seitens der Engländer an Offizieren und Mannschaften 146 413 Mann nach Südafrika gesandt worden. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Kleine Fortschritte. Die Stadtverordnetenversammlung in Offen⸗ bach, in der bekanntlich unsere Genossen in der Mehrheit sind, stimmte in ihrer letzten Sitzung dem Antrage auf Gewährung unentgelticher Hebammenhülfe und Totenbestattung zu. Diese Gemeindeeinrichtung ist als Unter⸗ stüstung nicht anzusehen.— Wer unentgeltliche Hebammenhülfe oder die unentgeltliche Bestattung eines Toten beanspruchen will, hat nach den Bestimmungen eine Bescheinigung auf der Bürger⸗ meisterei zu erwirken, die er der Hebamme bezw. dem Begräbnisordner vorzulegen hat.— Die Hebamme erhält bei Rückgabe der Bescheinigung mit dem Vermerk über die erfolgte Entbindung 10 Mk. aus der Stadtkasse.— Die Unentgelt⸗ lichkeit der Beerdigung tritt nicht ein, wenn ein über das Notwendige hinausgehender Auf⸗ wand stattfindet; insbesondere darf nur ein ganz einfacher, nicht über 25 Mk. kostender Sarg von dem Bestattenden angewandt werden. Das sind zwar kleine, aber doch ganz erfreuliche Fort⸗ schritte. Anderen Gemeindeverwaltungen können derartige Einrichtungen zur Nachahmung em⸗ pfohlen werden.— Auch in Höchst a. M. wurde kürzlich eben⸗ falls die Einführung unentgeltlicher Beerdigung beschlossen. Von Wetzlar sind ähnliche Be⸗ schlüsse nicht zu melden, dort wird von dem altbewährten„vaterländischen Sinn der Stadt⸗ vertretung erwartet“, daß sie die Gemeindegelder für Denkmalsbauten verpulvert. Ein Mißtrauensvotum. In der Stadtverordneten-Versammlung in Offenbach kam in der letzten Sitzung der von uns bereits erwähnte Antrag, ein Mißtrauens- votum gegen den Oberbürgermeister Brink betreffend, zur Beratung. Am 21. Dez. v. J. hatte die Stadtverordneten⸗Versammlung einen Beschluß gefaßt dahingehend, daß die städtischen amtlichen Bekanntmachungen auch im„Offenb. Abendblatt“ veröffentlicht werden sollten. Von Seiten des Oberbürgermeisters mar dieser Be⸗ schluß nicht ausgeführt worden. Das Verhalten des Herrn Oberbürgermeisters wurde in der Debatte scharf getadelt und folgender Antrag mit allen gegen 9 Stimmen und 2 Stimmen⸗ enthaltungen angenommen: Die Versammlung erblickt in der Nichtaus⸗ führung ihres Beschlusses vom 21. Dez. 1899 betr. Veröffentlichung der Bekanntmachungen im „Offenbacher Abendblatt“ eine absichtliche Ver⸗ letzung ihrer durch die Städteordnung gewähr⸗ leisteten Rechte, gegen welche sie hiermit aus⸗ drücklich Protest erhebt. Sie erklärt, daß ihr ohnehin nur sehr schwaches Vertrauen in die Unparteilichkeit der Geschäftsführung des Herrn Oberbürgermeisters Brink durch diese Nichtaus⸗ führung des Beschlusses völlig erschüttert ist, und sieht darin nichts als eine parteiische Stel⸗ lungnahme gegen die derzeitige Mehrheit der Stadtverordneten. Die Versammlung hält es aber gerade in⸗ folge dieser Stellungnahme des Herrn Ober⸗ bürgermeisters Brink für nöthig, zu erklären, daß es im Interesse der weitesten Verbreitung aller Bekanntmachungen und der Gleichberechtigung aller Bevölkerungsklassen dringend geboten ist, daß die Bekanntmachungen der Stadtverwaltung, gleichzeitig wie in der„Offenb. Zeitung“ auch im„Offenb. Abendbl.“ erscheinen und beschließt deshalb: „Alle Bekanntmachungen der Bürgermeisterei sind der„Offenb. Ztg.“ und dem„Offenb. Abendbl.“ zu gleicher Zeit zum unentgeltlichen Abdruck zu übermitteln. Der Ausführung dieses Beschlusses etwa entgegenstehende Ver⸗ tragsbestimmungen sind durch die Bürger⸗ meisterei alsbald zu beseitigen bezw. zu kün⸗ digen.“ Der Oberbürgermeister erklärte hierauf, daß dieser Beschluß die Befugnisse der Stadtverord⸗ ueteu überschreite und er ihn beanstanden werde. Denkmalswut. . Wetzlar. Saßen da neulich in einer Weinstube in Wetzlar eine Anzahl auserwählter Herren der„besten Gesellschaft“ zusammen. Sie tranken Wein und waren nicht etwa blos daz u zusammengekommen, sondern sie hatte die heilige Pflicht zusammengeführt, einem„dringenden Be⸗ dürfnisse“ abzuhelfen. Was konnte das sein? Wollte man den geplagten Mitmenschen,„die mühsam kaum ihr täglich Brod erbeuten“ ihr Dasein erleichtern? Vielleicht verhandelte man über den Bau guter und gesunder Arbeiter⸗ wohnungen? Oder über die Unentgelt⸗ lichkeit der Lehrmittel in den Volksschulen? Ach nein, mit solchen und ähnlichen plebejischen Dingen brauchen sich diese Herren nicht zu be⸗ fassen. Sie haben doch gute und gesunde Wohnungen; sie können auch die Lehrmittel für ihre Kinder bezahlen. Was uns aber in Wetzlar dringend not thut, das ist ein Denkmal. Natürlich für Bismarck, den Götzen der Kraut- und Schlotjunker, den„Züchter der Millionäre.“ Für ihn muß Wetzlar ein Denkmal, eine„Säule“ haben! Ob dieser Idee allgemeine Begeifterung. Schwierigkeiten macht nur die Platzfrage. Aber die wird gewiß in befrie⸗ digender Weise gelöst werden, obgleich kaum noch ein Winkel zu finden ist, in dem nicht irgend einer in Stein gehauen oder in Erz gegossen dasteht. Auch die Mittel dafür sind reichlich vorhanden. Jeder der Anwesenden bewilligte 2—3000 Mark dazu— daß heißt war damit einverstanden, daß diese Summe die Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung bewilligen solle. Wozu wäre denn soust die Stadtverordneten⸗Versammlung da? Daß die Arbeiter und die minderbemittelten Bürger in Wetzlar den Beschlüssen in der Wein⸗ stube begeistert zustimmen, ist wohl selbstver⸗ ständlich. Hoffentlich fällt keinem der alte Spruch ein: Wer ein Denkmal braucht, der verdient keins; Und wer ein Denkmal verdient, der braucht keins! Acht Menschen verbrannt! In Leipzig ereignete sich am Samstag abend 7 Uhr ein schrecktiches Brandunglück Das Gebäude Webergasse 12 in dem die Celluloid⸗ warenfabrik von Engelmann& Richter und die Buchdruckerei von E. Barth betrieben wird, ist vollständig ausgebrannt. Ueber die Ursache des Brandes wird gemeldet: Der Lehrling Lasalle von der Celluloidwarenfabrik war damit beschäftigt, etwa 200 leere Holzkistchen, die in Unordnung auf der Kellertreppe lagerten, im Kellerraume aufzuschichten. Er bediente sich dabei einer Pe⸗ troleumlampe mit Gasballon. Nach seiner Aus⸗ sage sind nun einige dieser Kisten auf die Lampe gefallen, haben diese zertrümmert und zur Explosion gebracht, wobei auch die im Keller umherliegende Holzwelle in Brand geriet; eine größere Quan⸗ tität Celluloidabfälle und Spähne, die im Keller lagen, wurden vom Feuer ergriffen und mit explosivartiger Geschwindigkeit teilte sich nun das Feuer vom Keller aus dem mit Kisten und Materialien gefüllten Hausflur und der in die oberen Stockwerke führenden hölzernen Treppe mit. Der Lehrling Lasalle, der wunderbarerweise unverletzt blieb, hatte noch die Geistesgegenwart, nach oben zu eilen und den in der Barthschen Buchdruckerei noch anwesenden Personen„Groß⸗ feuer“ zuzurufen, was diese aber überhört zu haben scheinen. Lasalle lief dann so schnell er vermochte durch einen anderen Ausgang zum öffentlichen Feuermelder in der Sternwartenstraße und meldete Großfeuer. Die sofort erschienenen Feuerwehrleute waren soeben im Begriffe, die große Schiebeleiter zu besteigen, um von oben in das Gebäude einzudringen, als eine gewaltige dumpfe Detonation ertönte, die nicht nur die Fenster und Fensterrahmen, sondern auch Mauer⸗ stücke der Vorder⸗ und Hanterfront herausschleuderte. Dies ereignete sich etwa 3—4 Minuten nach dem Eintreffen der ersten Löschzüge. Das ganze innere Gebäude stand nunmehr vom Keller bis zum Dache in Flammen. Die hölzerne Haupttreppe war vernichtet. Die getroffenen Borbereitungen zur Rettung der Menschenleben waren vergeblich. Die bedauernswerten Opfer der Katastrophe dürften schon vorher durch die sich bei der Explosion der Celluloid waren entwickelnden intensiven Kampher⸗ dämpfe erstickt, worden sein. Gegen/ 9 Uhr war die Kraft des Feuers gebrochen; nur schritt⸗ weise aber konnte man ins Innere dringen, da es von starken Kampherdämpfen noch angefüllt war. Auch herrschte darin noch eine enorme Hitze. Der Katastrophefsind zum Opfer gefallen: der Buchdruckereibesitzer Barth mit seinen zwei Söhnen Werner und Fritz, 10 und 7 Jahre alt, die den Vater vom Geschäft abholen wollten, die Buchhalterin Martha Elitzsch, der Buchhalter Faber, ein Knabe Torau, ferner die Frau des Hausverwalters Däther, die mit ihrem 6jahrigen Pflegekinde in ihrer Mansarden wohnung den Tod fand, während ihr Mann vom 3. Stock herab⸗ sprang, wobei er sich so schwer verletzte, daß er am andern Tage ebenfalls starb, Das fürchter⸗ liche Unglück hat also neun Menschenleben ver⸗ nichtet. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 12. April 1900. Lohnbewegung. Der Gesellenausschuß der Schreinerinnung hatte zum 31. März eine Versammlung einberufen, die den Zweck hatte, Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie die Lebenslage der am Orte arbeitenden Schreiner gehoben werden kann. Beschlossen wurde zehn⸗ stündige Arbeitszeit, Abschaffung von Kost und Logis beim Meister, ein Minimallohn s 2 o 9 5 eee 2 2 ieee Meister Ein 9. Aptil dieselbe Wahl de übergegal Worten stier füt ind bett Jenossen Nach kur angenom sationen Forderut J. Mai die Arbe beitzruh mit alle Abend es ohne durch A ö marken Porteige Pfg. ent wurde n. reitunge Punlt 2 nossen stand d noch in müsse, Arbeite Fälle he Parrig Zeitung unbeding abgehen gebracht Ein Luchdrn Maschi 2 ll Ehren d. garten v stat, we Gefeiert eh J Wu N 1 Ahl en und in die Treppe nerweise genwart, uthschen „Gtoß⸗ hört zu hnell er g zum tenstraße hienenen ffe, die oben in wallige nut die Mauer⸗ leuderte, nach dem ze innere bis zum pltreppe itungen ageblich edürsten sion 10 zampher⸗ 9 U 1 schrit⸗ gen, 0 gefüllt enorme gefallen: nen zwei che al, lten, di 11 rigen 0 700 eu daß er fürchte, Nr. 16. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Zeitung“ nicht abonnirt hätten. Mark. Diese Forderungen sollen der Schreiner⸗ innung schriftlich eingereicht werden.— Leider ist die Organisation der Holzarbeiter— wie auch der übrigen Gewerkschaften am Orte— eine sehr schwache. Erst dann werden Erfolge zu erringen sein, wenn alle am Orte arbeitenden Holzarbeiter sich der Organisation anschließen. Darum:„Hinein in die Gewerkschafts⸗Organi⸗ sationen“.— Wie verlautet, hat schon eine Aus- schußsitzung der Innung mit dem Gesellen⸗Aus⸗ schuß stattgefunden. Viel Entgegenkommen zeigten die Meister allerdings nicht, sie sind nur geneigt, die zehnstündige Arbeitszeit und zehn Prozent für Ueberstunden zu bewilligen. Ein Geselle war der Meinung, daß es schon äußerst schwer hielt, mit 16 Mk. Wochenlohn eine Familie zu ernähren. Der Meister Rose platzte heraus:„Wer keine Kinder ernähren kann, soll sich auch keine anschaffen.“ Gewiß ein„geist⸗ reicher“ Ausdruck; ein homerisches Gelächter nicht nur der Gesellen sondern auch der übrigen Meister war die Folge. Eine Parteiversammlung faud am 9. April im Lokale des Herrn Müller statt, dieselbe war leider nur schwach besucht. Nach Wahl des Bureaus wurde zu Punkt 1, Maifeier, übergegangen, Genosse Wolff schilderte in kurzen Worten die Entftehung und Bedeutung der Mai⸗ feier für das gesamte internationale Proletariat und betonte, daß es auch Pflicht der hiesigen Genossen sei, den Weltfeiertag würdig zu begehen. Nach kurzer Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„In Erwägung, daß die Organi⸗ sationen am Orte nicht so stark sind, um einer Forderung auf allgemeine Arbeitsruhe für den 1. Mai den nötigen Nachdruck zu geben, sehen die Arbeiter Marburgs von der allgemeinen Ar⸗ beitsruhe am 1. Mai ab, verpflichten sich aber, mit aller Kraft für die Fest⸗Versammlung am Abend zu wirken. Diejenigen Genossen, denen es ohne große Opfer möglich ist, sollen den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern. Als Beitrag für Mai⸗ marken soll jeder an diesem Tage arbeitende Parteigenosse eine Maimarke von mindestens 30 Pfg. entnehmen Eine dreigliederige Kommission wurde noch gewählt, welche die nötigen Vorbe⸗ reitungen für das Fest zu treffen hat.— Unter Punkt 2, Verschiedenes wurde von einem Ge⸗ nossen betont, daß, wenn auch der Abonnenten⸗ stand der„M.⸗S.⸗Ztg.“ ein guter wäre, doch noch immer mehr Gewicht darauf gelegt werden müsse, daß unser Organ noch mehr von den Arbeitern gehalten würde, so seien dem Redner Fälle bekannt, wo besonders tüchtig sein wollende Parteigenossen die„Mitteldeutsche Sonntags⸗ Hier müßte unbedingt Wandel geschaffen werden und besonders abgehende Abonnenten durch Aufklärung dahin gebracht werden, das Organ weiter zu halten. Ein Arbeiterjubiläum. Der in der Buchdruckerei von Fr. Sömmering beschäftigte Maschinenmeister Daniel Sandmeister feierte am 2. April sein 50jähriges Berufsjubiläum. Zu Ehren des Jubilars fand am 1. April im Schloß⸗ garten von seiten der Buchdrucker eine Festlichkeit statt, welche auf das schönste verlief. Daß der Gefeierte sich auch außerhalb Marburgs großer Sympathien erfreut, bewies die große Anzahl von Zuschriften und Telegramme. Von Seiten der Buchdrucker, als auch seines Prinzipals wurden dem Jubilar wertvolle Geschenke gewidmet. Die gesamten Buchdruckerei⸗Besitzer widmeten ein künstlerisch ausgeführtes Diplom. Kleine Mitteilungen. ** Gießen. Dee Stadt Gießen kauft von dem Buderus'schen Eisenwerk den oberhalb des Bahnhofs Gießen liegenden Hochofen mit dazu gehörigem Gelände, die sogenannte Lahnhütte, für 240,000 Mk. * Mainz. Wie wir der„M. V.⸗Z.“ entnehmen, haben die Sammlungen für die Butenberfeier bisher 34000 Mk. ergeben, so daß der Festzug gesichert ist. Ebenso soll ein Kostümfest stattfinden; ob aber auch ein Volksfest ist jedoch fraglich. -h. Wetzlar. Die Handschuhmacher in Wetzlar, welche sämmtlich ihrer Organisation an⸗ gehören, haben beschlossen in eine Lohnbewegung einzutreten. Dieselben haben ihre Forderung am 8. April eingereicht. Auf einer Fabrik hatte am 7. April schon eine Maßregelung eines Kollegen stattgefunden und kündigten am 9. April deshalb sofort alle Handschuhmacher(11 Mann) dieser Fabrik. Auch ist am Montag schon den Ar⸗ beitern von sämmtlichen Fabrikanten bis auf einen eine Antwort zugegangen, welche dahin lautet„daß es den Herren Fabrikanten momentan nicht möglich ist, auf die gestellten Forderungen einzugehen.“ Die Herren Fabrikanten hatten sich in diesem Fall schon am 8. April geeinigt. Bezeichnend ist, daß schon am 9. April allen Frauen und sonstigen weiblichen Angehörigen der Arbeiter, welche mit Handschuhnähen beschäftigt wurden, die Arbeit entzogen wurde, trotzdem noch keine weitere Kündigung erfolgt war. * Miltärbefrerungsprozeß. In Elberfeld spielte sich in letzter Zeit ein Pro⸗ zeß ab, der so recht charakteristisch für unseren Militärstaat ist. Auf der Anklagebank saßen 27 Leute, die alle der besitzenden Klasse ange⸗ hören. Ein Teil ist beschuldigt, durch Simulation von Krankheiten und Gebrechen versucht zu haben, sich vom Militärdienst zu befreien, der andere Teil hat hilfreiche Hand geleistet oder den Helfern Schlepperdienste verrichtet. Sämmt⸗ liche Angeklagte mit Ausnahme des Retakteurs Hüls und dessen Vater, wurden im Sinne des § 143 des St.⸗G.⸗B. für schuldig erachtet und demnach Dr. Ziel zu 10, Sackermann, Ber⸗ ger und Borlingshaus als gewerbsmäßige Helfer des verstorbenen Strucksberg zu je 9 Monaten Gefängniß und alle 4 Genannten zu je 2 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Von der Untersuchungs⸗ haft kommen bei Dr. Ziel 9, Sackermann 8, Berger 8½ und Borlingshaus 7 Monate in Anrechnung. Von den übrigen Angeklagten wurden 7 zu je 3 und 11 zu je 2 Monaten Gefängniß und Tragung der sehr erheblichen Kosten verurteilt. Die Verhandlung dieses Prozesses hatte 13 Tage beansprucht. ** Die„Harmlosen“. Das Reichs⸗ gericht hob das freisprechende Erkenntniß gegen v. Kayser, v. Kröcher etc. wegen gewerbsmäßigen Glückspiels auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. * Raubmordprozeß Gönc zi. Nach viertägigen Verhandlungen gegen das Ehepaar Gönczi in Berlin wegen Raubmordes wurde Gönzi in zwei Fällen zum Tode und Ver⸗ lust und der bürgerl. Ehrenrechte verurteilt. Die Ehefrau wurde freigesprochen.— Es handelte sich hier um die vor ca. 2 Jahren verübte Er⸗ mordung der beiden Frauen Schulze, Mutter und Tachter. Gönczi, der seit den Morde ver⸗ schwunden war, wurde endlich in Rio de Janeiro (Brasilien) ergriffen und ausgeliefert. Er läugnete hartnäckig jede Schuld, doch war das Beweis⸗ material gegen ihn so erdrückend, daß die Ver⸗ urteilung erfolgte. Arbeiterbewegung. In Mainz haben nun auch die Kisten⸗ schreiner ihre Lohnbewegung zu ihren Gunsten beendet. Ohne daß es zum Streik gekommen ist, setzten sie eine zehnprozentige Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit auf 9/ Stunden durch. Ueberstuuden sollen mit 25 Prozent Aufschlag vergütet werden.— Die Mainzer Holzarbeiter werden in diesem Frühjahr so recht den Nutzen einer guten Organisation wahrge⸗ nommen haben. Ohne eine solche wären die bisherigen Erfolge nicht zu verzeichnen. Eine Besserung war in Mainz auch dringend not⸗ wendig. Seit Jahren waren dort durch den Fabrikanten⸗Ring und den Mangel einer wider⸗ standsfähigen Organisation bei den Arbeitern die Arbeitsverhältnisse im Schreinergewerbe ge⸗ radezu traurige geworden.— An den Mainzer Holzarbeitern ist es jetzt, dafür zu sorgen, daß das Errungene nicht wieder verloren geht. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, 15. April: Gesangverein Eintracht(Mitglieder des Arbeiter⸗ Sängerbundes des Rhein⸗ und Maingaues) abends 8 Uhr Familien⸗Abend im Vereinslokal. Montag, 16. April: — Ausflug nach Heuchelheim(Zum grünen Baum). Donnerstag, 19. April: Singstunde. Nürnberger Kandidatenfrage. Verschiedene Blätter melden, für die Reichs⸗ tagskandidatur in Nürnberg sei Dr. L. Arons in Aussicht genommen. Demgegenüber ist zu bemerken, daß die Nürnberger Genossen noch gar nicht beschlossen haben. Briefkasten der Redaktion.) Berichtigung. Unsere letzte Nummer weist ver⸗ schiedene Druckfehler auf. Im Nachruf für Genossen Oertel muß es selbstverständlich heißen: wurde.. 1898 (statt 1868) in den Landtag gewählt.— Ferner leerten die Brauer auf ihrem Feste nicht manches Faß Reben⸗, sondern Gerstensaft. In Bezug auf eine Wendung in dem Bericht über dieses Fest wird uns noch mitgeteilt, daß die Herren von der Aktienbrauerei durch unabwend⸗ bare Familienverhättnisse verhindert waren, dieses Fest, wie sie es stets gethan, zu unterstützen. K. W.⸗Alsfeld. Sch. erhielt in Nidda 1899 41 Stimmen. Briefkasten der Expedition. Quittungen. Fr. W. Abch. 2.—. Zm. Noh. 4.—. Sgfr. Abck. 9.60 Lg. Schtz. 14.40. Sch. Gbck. 8.40. Wgnr. Nsch. 4.—50. Kl. Rdgn. 15.70. Kr. Ang. 2.80. Gge. Hdbgn. 8—. Fchs. Dbgn. 9.80. Fellgsh.—.60. Str. G. 4.—. Z. Nos. 3.—. Cchr. Fr. 2.20. cht. Gbg. 6.—. Fth. Wtzlr. 30.—. Mtz. Ob. 1.40. B. Dog. 5.60. Sch. Derschlog 1.—. Gst. B. 8.75. Fch. Gbg. Pf. Wtzb. 14.—. Sg. Hest. 2.—. L. Weck. 37.—. R. G. 2.40. Pf. G. 3.60. Dth. Egst. 4.60. Dl. S. 2.—. B. Rdgn. 2.—. Bek. Vtzbg. 3.—. Hm. Lbg. 5.15. Ggr. Mog. 31.40. Anterhaltungsteil. — Das freie Wort. Sie sollen alle singen Nach ihres Herzens Lust; Doch mir soll fürder klingen Ein Lied nur in der Brust: Ein Lied, um Dich zu preisen, Du Nibelungenhort, Du Brot und Stein der Weisen, Du freies Wort! Habt Ihr es nicht gelesen: Das Wort war vor dem Rhein! Im Anfang ist's gewesen, Drum soll's auch ewig sein. Und eh' Ihr einen Schläger Erhebt zum Völkermord Sucht unsern Bannerträger, Das freie Wort! Ihr habet zugeschworen So treu dem Vaterland, Doch seid Ihr all' verloren Und haltet nimmer Stand, So lang in West und Osten So lang in Süd und Nord Das beste Schwert muß rosten: Das freie Wort! Ach! es will finster werden. Wohl fin ster überall, Doch ist die Nacht auf Erden Ja für die Nachtigall. eraus denn aus der Wolke, ie, Sänger, Euch umflort, Erst predigt Eurem Volke Das freie Wort! Laßt Eure Adler fliegen, Ihr Fürsten, in die Welt, Und sie nicht müßig liegen Auf Eurem Wappenfeld! O jagt einmal die Raben Aus uusern Landen fort Und sprecht: Ihr sollt es haben, Das freie Wort! Gg. Herwegh. Das blaue Wunder. Novelle von H. Zschokke. „Wo fehlt's?“ fragte Doktor Falk und legte Hut und Stock weg. „Der Herr weiß es!“ seufzte sie mit leiser Stimme kläglich,„ich leide viel; schon seit einigen Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 16. Tagen leid ich. Es ist nicht anders, als wenn mein Stündlein gekommen wäre. Und das wäre doch schrecklich!“ Der Doktor faßte gedankenlos ihren Puls und sagte, ohne zu wissen, was? vor sich hin: „Er geht etwas voll!“ Im Geist war der gute Mann noch immer bei Suschen zu Hause. „Das dachte ich wohl!“ seufzte hochbeängstigt die Jungfrau.„Finden Sie mich gefährlich, lieber Falk?“ „In Ihren Jahren nicht mehr!“ sagte der Doktor aus Langerweile. „Nun, das wäre doch etwas Trost!“ versetzte sie freundlicher.„In der That bin ich in meinen besten Jahren; meine Kräfte nicht geschwunden. Die Natur muß sich selber helfen. Meinen Sie nicht, lieber Falk? Wenn's nicht not thut, nur keine teuren Arzneien. Seit China, Rhabarber und Mixturen Kolonialwaren geworden sind, ist nicht auszukommen. Daß sich der Herr erbarme! Aber, lieber Falk, mir ist doch nicht wohl!“ Die Tante ließ ihrer Zunge nun freien Lauf, sprach von hunderttausend Dingen, die weder zum Uebel⸗ noch Wohlsein gehören, alles nach ihrer lieben Gewohnheit. Der Doktor aber trommelte sinnend auf den Tisch und hörte gar nicht zu; ebenfalls nach seiner lieben Gewohnheit. Endlich ward ihm die Zeit zu lang. „Aber was fehlt Ihnen?“ rief er. „Ach, der Appetit! Ich habe seit zwei Tagen keinen Löffel Suppe essen mögen; ich habe Kopf⸗ weh zum Sterben.“ 5 „Vielleicht den Magen verdorben, Tante, mit irgend einer philosophischen Gänseleberpastete?“ „Ei, Du gerechter Himmel, Falk, kein Ge⸗ danke daran!— das kommt unmöglich vom Magen. Ich lebe so einfach, so mäßig. In allem Ernst, ich wüßte nicht, daß ich seit vielen Wochen etwas Schwerverdauliches genossen hätte. — Auch hab' ich zuweilen Zahnweh; zuweilen Uebelkeiten, Herzweh, Erbrechen—— gerechter Himmel, sehen Sie mich doch nur an, Falk, und trommeln Sie nicht beständig den Zopfenstreich, da werden Sie sehen, wie blaß ich bin, wie eingefallen meine Augen! Mir ist gewiß nicht wohl!“ „Meinetwegen“, rief der Doktor ärgerlich, der hier einen Singsang hörte, welcher ihn an Suschens Zustand erinnerte;„so sind Sie in — 55 Umständen!“— Er nahm Stock und ut.— „Ei, Du gerechter Himmel!“ kreischte Jung⸗ frau Sarah Waldhorn, daß man's in den nächsten drei Straßen ohne Mühe bis ins dritte und vierte Stockwerk hören konnte.„Ei, Du gerechter Himmel, das wäre mir doch ein blaues Wunder!“ Als der Doktor diese lebhaften Töne des jungfräulichen Waldhorns hörte, überlief es ihn eiskalt. Er besann sich, daß er in Unmut und halber Zerstreuung eine Albernheit ohnegleichen ausgestoßen hatte; aber eine Albernheit, die keine züchtige Jungfrau verzeiht; zumal eine Jungfrau, die ihre mühsame Würde siegreich den fünfziger Jahren entgegenführte, die keinem andern Mäd⸗ chen auch nur einen Blick, einen Händedruck im Pfänderspiel verziehen hätte; die aus lauter Heiligkeit zusammengesetzt— genug, eine Jung⸗ frau, wie eben Jungfrau Sarah Waldhorn war. „Ich will das Unwetter austoben lassen und mein Heil in der Flucht suchen, eh die ganze liebe Nachbarschaft zusammenströmt!“ dachte Falk, öffnete behende die Thür und rannte davon. 6. Krankenbesuche. Diesmal hätte er fast auf der Straße seinen eigenen Schwager, den berühmten Advokaten Zange, über den Haufen geworfen, wenn Herr Zange, langbeinig, hoch, vierschrötig, wie er war, nicht wie ein echter Goliath seinen Mann ge⸗ standen hätte. So lief's zum Glück für beide mit einem blauen Fleck in der Seite ab, als sie zusammenstießen. „Holla! Herr Bruder!“ rief der Advokat, indem er sein breites, fleischiges Gesicht schmerz⸗ haft verzog.„Wären Sie nicht mein leibhaftiger Schwager: für den mörderischen Ueberfall auf offener Straße hing' ich Ihnen einen verdammten Prozeß an den Hals! Wenn Sie mir eine Rippe zerbrochen haben, müssen Sie sie mir un⸗ entgeltlich wieder herstellen, und ich verlange nichts, als das Schmerzensgeld von Ihnen.“ „Thut mir leid, bitt' um Verzeihung!“ stam⸗ melte der Doktor und wollte davon. Der Ad⸗ vokat aber hielt ihn beim Arm.„Woher denn, Doktorchen, wohin so eilig? Woher?“ „Von der Tante Waldhorn! Sie ist sterbens⸗ krank!“ erwiderte der Doktor. „Sterbenskrank, Herr Bruder? Sterbens⸗ krank? Gott befohlen, auf Wiedersehen, Herr Bruder!“ rief der Advokat und steuerte mit großen Schritten dem Hause der Tante zu. „Wenn der Doktor selbst bekennt, sie sei sterbenskrank“, murmelte Herr Zange unterwegs für sich,„so ist's richtig. Sie fährt ab. Es kann nicht fehlen. Wenn sie nur nicht schon von Sinnen ist, sodaß sie kein Testament mehr machen kann! Wer weiß, ob der Philosoph sich nicht schon für seine Braten und Pasteten bei ihr bezahlt gemacht, oder ob der Oberprediger ihre Seele weggeschnappt hat. Nun, die gönn' ich ihm gern, läßt er mir nur das Geld!“ Er trat atemlos zur Tante ins Zimmer. Die Magd war eben beschäftigt, der Kranken ein Riechfläschchen unter die Nase zu halten. Wirklich sah die arme Sarah einer Sterbenden ziemlich ähnlich, denn sie hatte sich nur kaum von einer Anwandlung von Ohnmacht erholt, von der sie nach der Flucht des Doktors befallen wurde. Herr Zange legte sogleich die Falten seines Gesichts zum Ausdruck des tiefsten Schmerzes zusammen, und seine Atemlosigkeit kam ihm dabei gut zu statten. Er schien vor Schrecken und Wehmut nicht reden zu können. Aber sein Herz hüpfte vor Freuden, denn er fand ja die Tante noch fähig genug zum Testament, und bei dem allem zum seligen Ende ziemlich fertig.„Jetzt“, dachte er, jetzt oder nie muß das Eisen geschmiedet werden. Wollen sehen, ob wir nicht den Pro⸗ fessor mit seinen Braten und den Paftor mit seinem Himmelreich durch einen erlaubten Pfiff aus dem Sattel heben können!“ Sobald Sarah fähig war, wieder an der Unterhaltung teilzunehmen, fing er diese mit einer Schilderung seines Schmerzes an, die Tante — die liebe Herzenstante— den Engel von Tante so schwach zu sehen. Nach diesem riet er ihr, statt des Doktor Falk einen anderen Arzt zu nehmen. „Sehen Sie, er ist ein armer Teufel— hofft vielleicht zu erben, und giebt sich zur Rettung Ihres teuren Lebens nicht alle Mühe, die wohl nötig wäre. Menschen find schwach. Besser ein neutraler Mann, als einer, der Partei nimmt. Und das begreifen Sie: ein Doktor, der zugleich Erbe ist, der ist Richter in eigener Sache.“ Die Tante schüttelte den Kopf. „Ich will eigentlich nichts gegen ihn sagen!“ fuhr Herr Zange fort, den das Kopfschütteln hoch erfreute, weil er daraus schloß, der Doktor sei nicht Richter in eigener Sache, weil er nicht zu erben bestimmt sei.„Gar nichts, liebfte himmlische Tante! Er ist sonst ein ganz guter Kauz. Aber die andern da haben mich arg⸗ wöhnisch gemacht, der Oberprediger und der Professor.. pfui, es sind Unmenschen! Sich auf jemandes Abfterben zu freuen, um des bis⸗ chen Geldes willen.“ „Auf mein Absterben?“ fragte die Tante mit dem sehr kläglichen Gesicht einer von aller Welt Verlassenen. „Ich hab's schon längst bemerkt; es hat mich schon längst geärgert; doch wollt' ich der guten Tante keinen Verdruß machen!“ fuhr der Advokat eifriger fort, als er seine Sache auf gutem Wege sah. „Aber ist's auch wahr?“ fragte die Tante, welche, neben ihrer ungeheuren Leichtgläubigkeit doch zuweilen Zweifel in diejenigen setzte, die ihre Person selbst betrafen. „Wahr? Und wenn ich ein Lügner wäre vom Morgen bis zum Abend: gegen Sie, Tante, hab' ich nie zu lügen das Herz gehabt, am wenigsten in diesen Augenblicken! Eigentlich sind es aber nur alberne Reden von den beiden Vettern.“ b 11 8 Reden? Was? Albern heißt das 0 9 „Nun ja! Zum Beispiel, der Oberprediger sagte noch neulich: die Leichenpredigt habe er schon seit zehn Jahren auf die Tante fertig; aber die Tante habe ein zähes Leben, und die Predigt werde ihm von den Würmern verzehrt.“ „Ei, gerechter Himmel, das hätt' ich dem Oberprediger nicht zugetraut! Aber das weiß ich wohl, ein Erzheuchler ist er bei all seiner Kopfhängerei.“ „Darauf sagte der Professor: Es kommt auf die Hinterlassenschaft an. Ist sie danach, so geb' ich am Begräbnistage einen Leichen⸗ schmaus mit den leckersten Bissen und lasse ein Dutzend Flaschen vom schönsten Champagner springen.“ „Ei, da muß ich mein blaues Wunder hören!“ schrie Sarah.„Wartet nur mit Euern Flaschen und Predigten! Ich bin noch lange nicht zum Sterben. Ihr sollt Euch die Augen wischen!“(Fortsetzung folgt.) Sprüche zur Lebensweisheit. „Es ist eine durch den Verlauf der Geschichte vielfach bestätigte Erfahrung, daß herrschende Klassen sich nicht damit begnügen, die Unter⸗ drückten ihrer materiellen Vorteile zu berauben, sondern daß sie ihnen auch noch... den Stempel der Dummheit Albernheit, gemeinen Besinnung, kurzum der Erbärmlichkeit und Lächerlichkeit auf⸗ zudrücken suchen. Es scheint, als ob das Gewissen der Herren einer Rechtfertigung für ihr Unrecht in der Gerinzschätzung ihrer Untergebenen be⸗ dürfte. Auch die Frauen sind in der Vergangen⸗ heit stets in Sklavenfesseln gehalten worden, auch sie sind... tausendfach gezwungen gewesen, sich vor den Augen ihrer Herren verächtlich zu machen und zu prostituieren und man hat denn auch die populäre Theorie von ihrer geistigen Inferiorität, ihrer moralischen Unzurechnungsfähigkeit zur Rechtfertigung ihrer Unterdrückung gemißbraucht.“ Dr. Paul von Gizyki. Und etwas lebt noch in des Weibes Seele, Das über allen Schein erhaben ist Und über alle Lästerung— es heißt Weibliche Tugend.(Don Carlos.) Humoristisches. Abgeordneter Heinze. Nun wissen wir's doch, wem wir die Lex Heinze zu danken haben! Nach der italienischen Zeitung„Giorno“ ist der Hauptagitator für das Zustandekommen des Gesetzes im deutschen Reichstag niemand anders als—„Herr Heinze, einer der eifrigsten Katholiken der Zentrumspartei!“ * Ja so! Leutnant:„Was liefen Sie denn noch gestern Abend hinter einem Mädel her— und noch dazu hinter einer so alten Schachtel!... Schämen Sie sich!“— Soldat:„Entschuldigen, Herr Leutnant, das war die— Frau Hauptmann, die ich hab' vom Theater heimführen müssen!“(Fl. U Im Zorn.„Lump elender! Dir zünd' i doch noch Dei' Haus an!“—„Und bei Dir lösch' i, wenn's brennt, Spitzbub, ver—sicherter!“ a 1 Neu eingelaufene Schrifken. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. „Ju freien Stunden“, Illustrierte Romanbiblio⸗ ö thek für das arbeitende Volk in Wochenhesten à 10 Pfg⸗ Lieferung 11 und 12 sind soeben erschienen und enthalten die Forisetzung des spannenden Romans„Das Erbe des Nabob“ und die kleinen Stizzen:„Die Aus- söhnung“ und„Ein Frauenopfer;„Dies und Jenes“;„Witz und Scherz“. Wir bitten unsere Leser, dieser wirklich guten Romanbibliothek für ihre Frauen und Kinder in ihrer Familie eine Stätte zu bereiten an Stelle der oft so wertlosen bürgerlichen Unterhaltungslitteratur, die durchgängig teurer und schlechter ist als„In Freien Stunden“. Jeder Kolporteur, jeder Buchhändler(auch die Post zum Vierteljahrspreis von 1,20 Mk., Postzeitungskatalog Nr. 3777) nimmt Bestellungen auf diese 10 Pfg. Hefte an. Man versuche es wenigstens mit einem Probe⸗ Abonnement auf„In Freien Stunden“. 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Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. 1 3 Druck von H. Klebert, Gießen. lässigt! Turnen gi fähigkeit. zielung 9 Geschech. Entschloss und Selb im Kleide sinn und denn nut gesunder solcher ju der Schl nicht fei gesehen junger J degelmäßf biet an! hat stets anständis ihm abef sondern abends gänge dabon r Der weibliche deullichst richt ei allen M und da Ausbild pfehlen. turnel um die wird kei Hurralu in der! Die sändige Lie Bete Bestrebl o finde lungen Auge lackern der Arb lch noc weiß luster. „ 65 Beilage zur Witteldeutschen Jonntags-Seitung. Ur. 16. Das Turnen und die Arbeiter. Ein Artikel der„Schw. Tagw.“ beklagt mit Recht, daß sich viele Arbeiter der Turnerei gegen⸗ über sehr gleichgültig verhalten; es sollte gerade in unsern Kreisen der Nutzen derselben mehr ge⸗ würdigt werden. Dann wird ausgeführt: Welches sind die Zwecke und die Folgen eines geregelten Turnens? In erster Linie befördert es die Ge⸗ fundheit. Denn es kommen hauptsächlich die Atmungsorgane, die den Tag über durch den Aufenthalt in vielfach schlecht ventilierten Fabrik⸗ lokalitäten und derartigen Räumen stark vernach⸗ lässigt werden, wieder zu ihrem Rechte. Das Turnen giebt dem Körper Kraft und Widerstands⸗ jähigkeit und ist von größtem Wert für die Er⸗ zielung der dem weiblichen wie dem männlichen Geschlecht notwendigen Charaktereigenschaften Mut, Entschlossenheit, Willenskraft, Geistesgegenwart und Selbstoertrauen. Das Turnen ist„Arbeit im Kleide der Freude.“ Es fördert den Froh⸗ sinn und bewahrt uns die Heiterkeit des Gemüts, denn nur in einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist. Leider sündigen viele Väter solcher junger Leute beiderlei Geschlechts, welche der Schule entwachsen sind, dadurch, daß sie sie nicht fleißig zum Turnen anhalten. Wo ist, ab⸗ gesehen von der Fortbildungsschule, z. B. ein junger Mensch besser untergebracht, als wenn er regelmäßig die Turnstunden besucht? Er wird hier an Pflicht und Ordnung gewöhnt, denn er hat stets der leitenden Persönlichkeit gegenüber anständig und ruhig sich aufzuführen. Es steht ihm aber nicht nur der Turnplatz zur Verfügung, sondern sobald das Wetter günstig wird, werden abends oder Sonntags Spiele oder kleinere Turn⸗ gänge an passende Plätze ausgeführt. Er wird davon reichlichen gesundheitlichen Gewinn haben. Der Wert der turnerischen Uebungen für das weibliche wie männliche Geschlecht geht wohl am deutlichsten daraus hervor, daß der Tul nunter⸗ richt ein verbindlicher Unterrichtsgegenstand in allen Mädchen⸗ und Knabenschulen geworden ist, und daß die meisten Aerzte die Turnerei zur Ausbildung des menschlichen Körpers warm em- pfehlen. In den Turnvereinen, die dem Arbeiter⸗ turnerbund angehören, wird eifrig gearbeitet, um die Turnerei zu heben und zu pflegen. Hier wird keine Zeit mit Flottenagitation und sonstigen Hurrakunststückchen vergeudet, wie da und dort in der Deutschen Turnerschaft.— Diesen Ausführungen wird gewiß jeder ver⸗ ständige Arbeiter zustimmen müssen. Wenn aber vie Beteiligung der Arbeiter an den turnerischen Bestrebungen heute noch eine sehr schwache ist, so findet dies auch seine Erklärung in der über⸗ langen Arbeitszeit. Ein Mensch, der sich am Tage vielleicht 12 Stunden und noch mehr ab⸗ rackern mußte, dann noch einen langen Weg von der Arbeitsstelle zurückzulegen hat, dürfte schwer⸗ lich noch viel Neigung zu turnerischen Uebungen haben. Selbst wenn er in der Vollkraft seines Lebens steht, nach einer Arbeitsleistung, wie sie heute den meisten Arbeitern täglich zugemutet wird,„liebt er sich bald die unbedingte Ruh'!“ Also Verkürzung der Arbeitszeit, damit geistige und körperliche Ausbildung ermöglicht werde! — 282. Cinc neue Zigarrenmasch ine. In der technischen Presse ist augenblicklich viel von einer neuen Zigarrenmaschine die Rede, Gießen, Jonntag, den 15. April 1900. die nach Ansicht der Sachverständigen das Pro⸗ blem gelöst haben soll, den Wickelmacher teilweise und den Roller ganz zu ersetzen. Ohne auf die wirtschaftliche und gewerkschaftliche Seite der Neuerung einzugehen, halten wir es für angezeigt, die Funktionen der Maschine und ihre technische Leistungsfähigkeit zu schildern. Wir überlassen es den berufenen Kreisen, die Einwirkung dieser Maschine auf die Arbeitsverhältnisse in der Zigarrenindustrie zu erörteen und gewerkschaft⸗ liche Maßregeln gegen eventuelle Folgen der Einführung beizeiten zu ergreifen. Die neue Zigarrenmaschine ist eine Vervollkommnung der schon vor mehreren Jahren erfundenen Maschine von Jean Reuse. Das Prinzip der Maschine läuft darauf hinaus, daß der Wickel in der Maschine um seine Achse gedreht wird, wobei das Deckblatt, mit der Hand herangeführt, sich spiralförmig auf den Wickel aufrollt. Vier längs laufende schmale Backen, die in ihrer Be⸗ wegung die Zigarre ihrer ganzen Länge nach anfassen, ahmen die Bewegung der Handthätig⸗ keit des Wickelmachers nach. Ein übermäßiges Zusammenpressen der Zigarren wird vermieden. Das eine Backenpaar faßt den Wickel, drückt ihn zusammen, dreht ihn ein wenig, läßt ihn dann los, um ihn dem anderen ebenso arbeiten⸗ den Paar zu übergeben, und so dreht sich der Wickel beständig um seine Achse, während er die endgültige Form erhält und ihm zugleich das Deckblatt zugeführt wird. Ein kleines Messerchen kerbt die vordere Seite des Deckblattes, während es von den Greifern erfaßt und eingerollt wird, ein, um eine glatte Spitze zu erzielen. Die schwierige Herstellung des Spitzenformens ist in der neuen Maschine durchaus vereinfacht und wesentlich verbessert. Das Deckblatt muß für die Maschine eine besondere Form haben, die man ihr auf einer kleinen Nebenmaschine giebt. Die Hauptmaschine rollt frische, weiche Hand⸗ wickel genau so gut ein, wie trockene Formwickel. Das zarteste Deckblatt, das mit der Hand nicht mehr zu verarbeiten ist, kann durch die Maschine anstandslos aufgerollt werden. Der Deckblatt⸗ verbrauch ist nicht größer als bei der Hand⸗ arbeit, dagegen beim Einrollen von frischen Hand⸗ wickeln geringer. Die Leistungsfähigkeit des Arbeiters wird verdreifacht, und wenn auch die Maschine tüchtige und aufmerksame Bedienung verlangt, so ist die Lehrzeit des Arbeiters doch eine wesentlich kürzere als für Erlernung der Handarbeit. Namentlich gelernte Zigarrenarbeiter können sich in kurzer Zeit mit dieser Maschinen⸗ arbeit vertraut machen. R. Calwer. Aleines Feuilleton. Wovor sich die Kinder fürchten. Professor Macdonald vom Erziehungsamt in Washington hat eine Reihe von interessanten Untersuchungen über die Ursachen, die in Kindern Furcht erregen, angestellt. Zu diesem Zweck hat er Hunderte von Listen verteilt, die alle möglichen Ursachen der Furcht enthielten. Eltern, Lehrer und andere Leute, aber auch die Kleinen selbst bezeichneten darin die Dinge, die den Kindern Furcht einflößen. Das Resultat ergab, daß das Gewitter am meisten gefürchtet wird, nächstdem kamen Reptilien, dann Fremde, Dunkelheit, Feuer, Tod, Haustiere, Krankheit, wilde Tiere, Wasser, Insekten, u. s. w. Auch diese Statistik zeigte, daß die Mädchen bedeutend 7. Jahrg. mehr Dinge fürchten als die Knaben. Das Ver⸗ hältnis der Mädchen zu den Knaben in der Furcht vor Ratten und Mäusen war, um auch ein Zahlenbeispiel anzuführen, wie 75 zu 13. Es ergab sich auch, daß die Neigung zur Furcht sich bei Knaben vom 7. zum 15. Jahre vergrößert und dann abnimmt, während sie sich bei den Mädchen vom 4. zum 18. Jahre vermehrt, ehe sie dann abnimmt. Die Furcht vor Donner und Blitz, Reptilien, Räubern und übernatürlichen Wesen vermehrt sich mit dem Alter. Eine be⸗ sondere Nachfrage bezog sich auf die Geisterfurcht bei Kindern. Man fand, daß die häufigste Quelle ihres Wissens von Geistern, in Geschichten, die von anderen Kindern erzählt wurden, zu suchen ist. Einige leiteten ihre erste Kenntnis von Bildern her, eine kleinere Zahl von Spielen oder aus ihrer eigenen Einbildungskraft; die weitaus wenigsten hatten von Geistern zuerst durch die Eltern gehört. Fast ein Drittel aller geprüften Kinder hatte dabei die Vorstellung, daß Geister weiß wären, und nur verhältnis⸗ mäßig wenige glaubten, daß sie wie menschliche Körper oder daß sie wesenlos oder wie Ver⸗ storbene wären; vereinzelt fanden sich auch die Vorstellungen, daß sie lange Arme oder Hände hätten, und daß sie Skelette wären. Was die Attribute der„Gespenster“ betrifft, so wurde häufig angegeben, daß sie Grabesstimmen und hohle Augen haben. Die verbreitetste Vorstellung von der Macht der Geister war, daß sie Kinder verjagen und fangen. Andere Begriffe waren, daß sie schnell dahingleiten, erscheinen und ver⸗ schwinden, alle möglichen, geheimnisvollen Dinge thun, den Tod vorhersagen und den Leuten Schaden zufügen. Auf die Frage, wann Geister erscheinen, antworteten die Meisten, wenn es dunkel und man allein ist. Als Ort, wo die Seister erscheinen, wurde ven den Meisten der Friedhof bezeichnet. Große Schornsteine. Nach der Mit⸗ teilung der„Zeitschrift des bayrischen Dampf⸗ kesselrevisions⸗Vereins“ ist der 140 Meter hohe Schornstein der Halsbrücker Hütte bei Freiberg in Sachsen noch immer die„höchste Esse“ der Welt. Sie hat oben 2,5 Meter lichte Weite und 25 Ctm. Wanddicke. Unten beträgt die lichte Weite 5,28 Mt. und die Wanddicke 1,5 Mt. Ihr kommt in der Höhe am nächsten der Schornstein der Merchernicher Bleihütte bei Enskirchen an der Eisenbahn Köln⸗Trier. Er ist 134 Mt. hoch und hat oben 3,5 Mtr., unten 7,5 Mtr. äußeren Durch⸗ messer. Hinter diesen beiden Riesen bleibt der kürzlich erbaute Dampf⸗Schornstein für die elek⸗ trische Zentrale der Metropolitan Street Railway Company in New⸗York mit seiner Höhe von 107 Mtr. allerdings zurück, dagegen hat er eine von unten bis oben sich gteich bleibende lichte Weite von 6,71 Mtr., so daß der cylindrische Hohlraum des ganzen Schornsteins bei einer Grundfläche von 35,3 Quadratmeter einen Rauminhalt von 3783 Kbm. hat. Der äußere Durchmesser dieses Schornsteines beträgt oben 7,22 und unten 11,84 Mtr., die Wanddicke demnach oben 0,5 unten 2,6 Mtr., die jedoch in dem Teile von 27 bis 104 Mtr. einen ringförmigen Hohlraum ein⸗ schließt, innerhalb dessen Außen⸗ und Innenwand durch zahlreiche Rippen verbunden sind. Die Kraftanlage ist für eine Höchstleistung von 70000 Pferdekräften bestimmt und würde die Schorn⸗ steinhöhlung für das stündliche Verbrennen von 52 T. Kohlen oder für den Verbrauch von 0,743 Kgr. Kohlen auf die Pferdestärkenstunde berechnet sein. Zur Confirmation Anfertigung nach Maaß in eigener Werkstätte Marhus Bauer Giessen N Kirchenplatz 11. Confirmanden⸗Anzüge in Tuch, Buckskin und Kammgarn von 9— 25 Mk. D. Kaminka 5 Uhrmacher Giessen. Marktplatz I8. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt. EKEITITELITETRNKTL TIA Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 16. SSS Neu eröffnet. Neustadt 14. I Erste Giessener Volksküche empfiehlt guten Mittagstisch und Abendessen, von 35 Pfennig an, sowie kalte und warme Speisen zu N 2 jeder Tageszeit. Kaffee 5 Tasse von 6 Pf. an. Indem ich bemüht sein werde, meine werthen N 2 2 Neustadt 14. 2 2 2 zufrieden zu stellen, bitte ich, mein Unternehmen gütigst zu * unterstützen. Hochachtungs voll Friedrich Volz. 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Dieser Fräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befun denen Bräutern mit gutem Mein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsors anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Bräuker⸗Wein beseitigt alle gtörungen in den ßlut⸗ gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, Krankmachenden stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- sohmerzen, Aufs tossen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbreoh die bei ohronisoh(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. Stuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen wie: Beklemmung, Kolikschmerzen Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(namorrhoidallelden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und geling beseitigt. Kräuter-Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug- lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. 2 Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Lebenskraft einen frischen Impuls. 2 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à& 1.25 u. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗ Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, West- strasse 824“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. D Vor Nachahmungen wird gewarnt! 22 Man verlange ausdrücklich 5 Hubert Ullrich schen Kräuter- Wein. 5 Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenennn zg amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel 32 10,0 5 Fräuter⸗Wein giebt der geschwächten 5 Frankfurter Schuhlager atłssEN. Sur Nonfirmation empfehle mein großes Lager— zu bekannt billigen Preisen. Umtausch esfaftet. Nase Conde ½,/ Flaschen der Firma 1 Erste Taunus Cognac- Brennerei Fritz Scheller Söhne, Homburg. f Anerkannt feinste Marke qro Flasche 1.80,* , 72 A 374 Flaschen verhältnis⸗ mäßig. Niederlage: eee, Consum- Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim bei Gießen. Heinr. Gengnagel, Gießen W 55 Bäne 8 Berni. Stahmer Marburg, Wehrdaerweg empfiehlt Flascheubier hell uud dunkel 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe Flaschen Mk. 3.— frei ins Haus Billige gchlafstellen. 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