4 rie 1 7 Nr. 3. Gießen, Sonntag, den 14. Januar 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Mitteldeutsche 8 5 5—— 5 N 101 5 4 7 e — 5 n 7 Redaktionsschluß; Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche SonntagsZeitung“ kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellun gen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Beftellung gewähren wir 25% ,q bei 6 mal. Bestellung 33%% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Die beste Rüstung— Nacht⸗ wächterpolitik? * Es ist unglaublich, wie viele Nachtwächter auf der Welt kerumlaufen. Trotzdem der nationalsoziale Redakteur Erdmannsdörffer, Verfasser mehrerer Werke von epochaler Be⸗ deutung, kürzlich ganz ausdrücklich festgestellt hat, daß derjenige Nachtwächterpolitik treibt, der die allermodernste Flottenpolitik nicht mit⸗ macht, giebt's immer noch Millionen, die nichts von der Schweinburgerei wissen wollen. Wirk⸗ lich ein klassisches Beispiel für die Richtigkeit des Sprichworts: Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Ja, die Dummheit ist in der That grenzenlos. Ein haarsträubendes Beispiel dafür: Im Jahres- bericht der Hamburger Handelskammer wird gesagt, es sei „die gründliche Bildung der Deutschen auf wissenschaftlichem und technischem Gebiete die beste Rüstung sür den wirt⸗ schaftlichen Wettstreit“. Man sollte es nicht für möglich halten! Im Handelskammerbericht einer der mächtigsten Seehandelsplätze der Welt, in einem Bericht, erstattet von der Organisation Hamburger Kauf⸗ herren, die mit der ganzen Welt Handel treiben, solche— Nachtwächteransichten. Es ist unerhört. Herr Erdmannsdörffer ist eine Autorität in puncto Weltpolitik. Seit dem Erscheinen seiner Juden⸗Cholera⸗Broschüre ist sein Ruf für alle Zeiten begründet. Und der Erklärung dieses Mannes gegenüber, daß zur Sicherung alter und neuer Futter plätze in erster Linie neue Kriegsschiffe nötig sind, erlauben sich die armseligen Hamburger Pfeffer⸗ säcke davon zu schwafeln, daß die Hauptsache die wissenschaftliche und technische Durch— bildung der Deutschen sei; mit anderen Worten: die Güte und Billigkeit unserer Waren sichere uns die Absatzmärkte. Also die reinen Nachtwächter. Es ist die höchste Zeit, daß Herr Erdmannsdörffer, der in Marburg nahe dem Schützenpfuhlgraben wohnt, also die Ueberseepolitik aus erster Quelle kennt, baldmöglichst nach Hamburg geschickt wird, um den dortigen Kaufherren Mores zu lehren. Es wird ihm ein leichtes sein, den internationalen Krämern den Nachweis zu liefern, daß es auf die Treffsicherheit der Ka⸗ nonen, auf die Zahl der Kriegsschiffe und auf die Dicke der Panzerplatten viel mehr ankommt, als auf billige, gute Waren Ja, diese ungezählten Dummköpfe, die sich immer noch nicht für die neuen Flottenpläne begeistern wollen! Aber wir wissen, woran es liegt. Die Flotten⸗ und Weltmachtspolitiker agitieren nicht populär, genug. Sie ver⸗ gessen, daß sie sich an ungeschliffene Nachtwächter wenden, denen man schon deutlich kommen muß, wenn man sie überzeugen will, wie dringend Not uns eine große Flotte thut. Populär müßten die Weltmachtspolitiker reden und schreiben. An drastischen Beispielen müßten sie den Nachweis führen, welche große Bedeutung Panzerschiffe und Kanonen als christliche Kulturhebel haben. Zu Hundert⸗ tausenden würden ihnen dann die Arbeiter Ge⸗ folgschaft leisten. Menschenfreundlich, wie wir sind, wollen wir den Wassermännern einen Fingerzeig geben, wie sie überzeugend argumen— tieren könnten. Also aufgepaßt: Deutschland ist auf die Ausfuhr industrieller Erzeugnisse angewiesen, ebenso wie es der Einfuhr landwirtschastlicher Produkte bedarf. Wir sind also lebhaft beteiligt an dem großen Weltmarkt, angewiesen auf den Verkehr mit aller Herren Länder. Das Reich ist auf dem Weltmarkt, was der Geschäftsmann im Kleinen ist. Der Schuh⸗ macher kann keine Stiefeln als Hosen oder Ueberzieher anziehen, er kann auch keine Pan⸗ toffeln essen, er muß seine Schuhwaren ver⸗ kaufen, um seinen Bedarf an Kleidungsstücken, Speise und Trank beschaffen zu können. Dem Tischler, dem Fleischer, dem Bäcker, allen anderen Geschäftsleuten geht es ebenso. Sie müssen ihre eigenen Erzeugnisse verkaufen, um die Produkte anderer erwerben zu können. Nun glauben unzählige Menschen, daß bei diesem unaufhörlichen Handel, diesem unent⸗ behrlichen Warenaustausch derjenige den größten Absatz findet und die besten Geschäfte macht, der seinen Konkurrenten durch billigere und bessere Waren aus dem Felde schlägt. Das ist eine ganz falsche, nachtwächterliche Ansicht. Ist sie schon irrig im kleinen Geschäftsverkehr, so ganz und gar nachtwächterlich beim Welt⸗ handel. Nicht die Wohlfeilheit seiner Waren sichert dem Geschästsmann die Kunden, sondern seine Schneidigkeit, durch die er ihnen imponiert, durch die er ihnen Furcht einflößt. Ein Beispiel aus dem praktischen Leben möge das klärlich beweisen. Im Haushalt des Herrn E. werden die Kaffeebrötchen nicht etwa deshalb von dem Bäckermeister K. bezogen, weil sie besonders gut schmecken und wohlfeil sind, — i bewahre. Wer kann nur so nachtwächterlich schlußfolgern. Nein— im Vertrauen!— Herr E. und viele andere beziehen ihre Brötchen nur deshalb von dem betreffenden Bäcker, weil er einen großen Hund Namens Tyras im Haus⸗ flur stationiert hat, der alle Kunden zähne⸗ fletschend angrinst, als wollte er sagen: unter⸗ stehe dich nicht, zu einem anderen Bäcker zu gehen, sonst zerreiße ich dir die Hosen und kneife dich in die Beine. So weit, so gut. Die Sache wurde aber für Herrn E. kritischer. Nämlich ein zweiter Bäcker, Herr Y., empfindet die Konkurrenz des Bäckers X. immer mehr. Er faßte einen heroischen Entschluß, er will in ernsthaften Wettbewerb mit X. treten. Nun werden alle unvernünftigen Nacht⸗ wächter annehmen, der ehrsame Bäckermeister würde jetzt etwas mehr Milch und anstatt der schlechten Margarine gute Naturbutter bei der Herstellung der Brötchen verwenden, um sie wohlschmeckender zu machen. Und um neue Kunden zu erwerben, würde er anstatt der von seinem Kollegen X. für 30 Pfennig gelieferten 10 Brötchen deren 11 geben? Ja, Kuchen! Der zweite Bäcker ist ein pfiffiger Mann, der längst den Titel Wirklicher Geheimer Ober⸗Kuchenrat verdient hätte, er hat seinen Verstand an der berühmten Juden⸗ Cholera⸗Broschüre geschärft. Er denkt nicht daran, mehr Milch oder gar Naturbutter zu verwenden, um wohlschmeckendere Brötchen liefern zu können. Dagegen schafft er sich zwei bissige Hunde an, ganz polizeiwidrig gemeine Viecher, sogenannte Doppelnasen mit kreuzweise übereinanderstehenden Zähnen. Natürlich war Herr E. zunächst in der schlimmsten Verlegenheit. Aber als vernünftiger Mensch wußte er, was er zu thun hatte. Zwar sind die Brötchen des Bäckers Y. abscheulich im Geschmack, es wurden auch wiederholt ganz verdächtige kleine schwarze Pillen darin gefunden, aber du lieber Gott, es wird doch Herrn E. niemand zumuten, daß er sich von zwei Ködern die Hosen zerreißen und die Beine zer⸗ beißen läßt. Man kann sich doch immer noch leichter an dem einen Tyras vorbeischleichen, als an den beiden Doppelnasen des jetzigen Lieferanten Y. Und schlimmsten Falls können doch auch die zwei Köder einmal zu Hilfe kommen, wenn der Thyras die Festigkeit des E. schen Hoseustoffes ausprobieren will. Nun, weiter brauchen wir die schöne Ge— schichte wohl nicht auszumalen. Die Leser werden die Theorie der Flottenapostel begriffen haben. Wie sich die Bäcker die Kundschaft gegenseitig durch große Hunde abjagten und an sich sesselten, so sollen nach dem Rezept unserer Weltmachtspolitiker eisengepanzerte Kriegsschiffe, mit den furchtbarsten Mordwaffen ausgerüstet, uns die Kundschaft in überseeischen Ländern gewinnen. Selbstverständlich müssen wir also mehr Schiffe haben. Wenn uusere gelben und schwarzen Brüder von Adam her, die sich noch in Afrika, Asien, Australien und anderen, zur Abrundung unseres lieben Vaterlandes so schön geeigneten Gegenden wohlfühlen, nicht unsere Waren, sondern lieber englische oder französische kaufen, so müssen wir ihnen im Interesse der Kultur durch einige wohlgezielte Kanonenschüsse zeigen, wie das ihnen von den Missionaren gepredigte Christen⸗ tum in der Praxis gehandhabt wird. Das müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn durch niedergebrannte Dörfer, durch aufgehängte Männer und mit der Nilpferdpeitsche gezüchtigte Weiber der Bande nicht plausibel gemacht werden könnte, daß sie von uns kaufen muß, daß sie sich von uns„kultivieren“, von uns pachten lassen muß.— Wer zweifelt noch daran, daß wir uns die Bissen am Munde abziehen müssen, um Kriegs⸗ schiffe bauen zu können? Wo sind die Nacht⸗ wächter, die's immer noch nicht begreifen??? Politische Rundschau. Gießen, 12. Januar. Der preußische Landtag ist am Dienstag wieder eröffnet worden. In der vom Fürsten Hohenlohne verlesenen Thron— rede wurde eine Vorlage betr. die Besteuerung der großen Warenhäuser, sowie die Wieder⸗ vorlegung des abgelehnten Mittellandkanal⸗ projektes angekündigt.— Ob jetzt die Junker die Kanalvorlage annehmen werden, ist mehr als zweifelhaft. Zweifelhaft schon deshalb, weil es sich um ein wirkliches Kulturwerk handelt. Sicher dagegen ist es, daß die sogen. Erdrosselungssteuer für die Warenhäuser An— nahme findet. Angeblich handelt es sich bei dieser Steuer um den Schutz des Mittelstandes. ——— ä —— Seite 2. Witieldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 3. In Wirklichkeit ist diese Steuer zu vergleichen mit dem thörichten Verhalten derjenigen Arbeiter, die sich vor vielen Jahrzehnten gegen die auf⸗ kommenden Maschinen am besten dadurch zu schützen glaubten, wenn sie dieselben zertrüm⸗ merten. Die Erdrosselungssteuer bringt den Krämern keinen Pfennig Vorteil. Was man den Warenhausbesitzern an neuen Steuern auferlegt, werden die Konsumenten tragen müssen und im übrigen werden sich die Kapita⸗ listen schadlos halten an ihrem— Personal. Muster⸗Patrioten. Vor Wochen bereits trat die Behauptung auf, daß Krupp neue Geschütze und Munition für England verfertige. Die Behauptung blieb unwidersprochen und ihre Richtigkeit ist unzweifelhaft. Unser Parteiorgan in Essen, der„Weckruf“, weiß neuerdings bemerkenswerte Einzelheiten über die Unterstützung des krieg⸗ führenden England durch die größte Waffen⸗ firma des Buren⸗ begeisterten Deutschland beizubringen. Der„Vorwärts“ ist außerdem in der Lage, durch unmittelbare zuverlässige Mitteilungen aus Essen zu versichern, daß Krupp für die Engläuder 45000 Srahl⸗ schrapnels anfertigt. Diese Thatsache steht außer allem Zweifel. Während ganz Deutsch⸗ land den übermütigen Raubkrieg Englands be⸗ klagt, scheut sich der reichste Mann Preußens, ein König im Reiche des Besitzes, nicht, aus der Lieferung von Kriegsmaterial fur den Friedensbrecher großen Privatgewinn ziehen zu wollen. Herr Krupp liefert furchtbarste Mordwerkzeuge, die bestimmt sind, auch seine, zahlreich in den Reihen der Buren kämpfenden deutschen Landsleute niederzukartätschen. Derselbe Mann ist Oberregisseur des Flottenspektakels. Das von ihm aus⸗ gehaltene Blatt, die„Berliner Neueste Nach⸗ richten“, erklären alltäglich als unerläßliche und höchste Patriotenpflicht die Bewilligung ungeheurer Marinevermehrungen, an deren Herstellung niemand so interesstert ist, wie der Besitzer der Germania⸗Werft, eben der sel be Herr Krupp. Dieser Patriot wird aber als einwandsfreie Geschäftsführung in Anspruch nehmen, daß er im selben Augenblick, wo er am Bau der deutschen Flotte verdient, auch für Kriegsflotten anderer Staaten liefert, die bestimmt sind, unseren See⸗ soldaten den Tod zu bereiten. Nun das Gegenstück: Aus England wird berichtet, daß dortige Firmen entlarvt sind, die Kriegsmaterial für die Buren verfrachteten. Hier wie dort also— Muster⸗ patrioten. Vielleicht ist es angesichts dieser Thatsachen zeitgemäß, daran zu erinnern, wie die deutschen „Patrioten“ sich 18 70 verhielten, als die Kriegs⸗ anleihe ausgeschrieben wurde. Sie hielten zu⸗ erst den Beutel zu, weil sie noch nicht wußten, wie der Krieg mit dem„Erbfeind“ ausfiel, weil sie noch keine Sicherheit hatten, wieviel Prozente sie verdienen würden. Erst als die ersten Schlachten stegr eich für Deutschland ausgefallen waren, entdeckten diese Prozeutpatrioten wieder ihre„Vaterlaudsliebe“ und zeichneten nun im Ueberfluß. Der Profit war gesichert. Wenn uns ein Kapitalist mit seinem Patrio⸗ tismus imponieren will, dann lachen wir ihn aus. Wir wissen, daß sein Patriotismus nur bis an den Geldbeutel geht. Wenn der Profit in Frage gestellt ist, pfeift so ein Geldmensch auf sein Vaterland. Die echten Patrioten sind wir— wir wollen unser Vaterland vor Kriegen bewahren. Wir wollen Zustände im Vaterland einführen, die es jedem möglich machen, sich wohl darin zu fühlen! Deshalb nennt man uns vaterlandslose Gesellen. Wir lachen darüber, wissen wie doch, daß uns die Zukunft gehört. Flottenagitatiou im Heere. Flottenpolitit unter den Truppen versucht nach einer Mitteilung der„Chemnitzer Volks⸗ stimme“ Gymnasiallehrer Dr. Rassow in Elberfeld zu betreiben. Rassow hat eine Flugschrist über Deutschlands Seemacht ver⸗ trieben. In einem Zirkular an die Kom⸗ pagnie⸗Chefs der Regimenter, welches die „Chemnitzer Volksstimme“ abdruckt, fordert er auf, das Flugblatt an die Soldaten der Kompagnie zur Weiterverteilung in die Heimat⸗ reise gelegentlich des Weihnachtsurlaubs zu verteilen. 8 Herr Rassow wurde früher in einem nationalsozialen Blatt als„unser Spezialist in Marineangelegenheiten“ bezeichnet. Es war also einem Nationalsozialen vorbehalten, zu dem allerbedenklichsten Mittel in der Flotten⸗ propaganda zu greifen. Was waren das doch für unschuldige Lämmer, die den Postunter⸗ beamten s. Zt. den Ottopfennig abknöpften, gegen diese Nationalsozialen, die unseren Brüdern in den Waffen die Begeisterung für den Wasser⸗ militarismus durch die Offiziere eintrichtern lassen wollen. Politik in Kriegervereinen. Währenddem der Nationalsoziale Dr. Rassow es für angebracht hält, die Politik sogar in die Kaserne zu tragen, fangen hier und da Kriegervereinsvorstände an, sich gegen die Ver⸗ suche, ihre Vereine mehr und mehr politisch auszunützen, Front zu machen. So veröffent⸗ licht die„Deutsche Tageszeitung“ das Schreiben eines Kriegervereinsvorsitzenden, in dem es heißt: Vom Vorstande des Deutschen Kriegerbundes, Herrn General der Infanterie z. D. v. Spitz, wird mir ein gedrucktes Rundschreiben zugesandt, in dem ich auf⸗ gefordert werde, für ein politisches Tageblatt mit aller Energie die Werbearbeit zu betreiben Wenn das Blatt nichts anderes wäre als ein Vereins⸗ blatt, das sich nur mit Kriegervereinsangelegenheiten beschäftigte, so ließe sich nichts dagegen sagen. Ein politisches Tageblatt muß sich aber mit Fragen der Parteipolitik befassen. Mag dies noch so vorsichtig und unparteiisch geschehen, es wird in den großen Fragen, die die Zeit beschäftigen, irgendwie Partei ergreifen müssen, und zwar auch in solchen Fragen, wo innerhalb der Kriegervereine verschiedene Meinungen herrschen können. Wahrscheinlich handelt es sich um die Scherl⸗ sche„Feldpost“, die jetzt den Kriegervereinsmit⸗ gliedern vielfach aufgezwungen wird. Neue Kaiserworte. Am Dienstag hat der Kaiser die Rektoren der technischen Hochschulen empfangen und sich dabei sehr anerkennend über die Leistungen der deutschen Technik ausgesprochen. Er sagte u. a. nach einem Telegramm der„Frkf. Ztg.“, daß die technischen Hochschulen auch berufen seien, große soziale Aufgaben zu lösen. Diese wären „bisher nicht so gelöst, wie ich wollte. Sie können auf die sozialen Verhältnisse vielfach großen Einfluß ausüben, da Ihre vielfachen Beziehungen zur Arbeit und zu Arbeitern und zur Industrie überhaupt eine Fülle von Anregung und Einwirkung ermöglicht. Sie sind deshalb auch in der kommenden Zeit zu großen Aufgaben berufen. Die bisherigen Richtungen haben ja leider in sozialer Beziehung vollständig versagt. Ich rechne auf die technischen Hochschulen! Die Sozialdemokratie betrachte ich als eine vorübergehende Erscheinung, sie wird sich austoben. Sie müssen aber Ihren Schülern die soztalen Pflichten gegen die Arbeiter klar machen und die großen allgemeinen Aufgaben nicht außer Acht lassen. Also ich rechne auf Sie!...“ Mit dem Kaiser erkennen wir gerne an, daß die deutsche Technik sich sehen lassen kann. Man betrachte— um nur zwei Leistungen zu nennen— den Frankfurter Hauptbahnhof und die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid! Auch wir wünschen, daß den Söhnen der besitzenden Klassen, die die Hoch⸗ schulen bevölkern, ihre sozialen Pflichten klar gemacht werden, obwohl wir nicht viel Hoff⸗ nung haben, daß die Jungen besser werden wie die Alten. Wenn dann der Kaiser der Ansicht Ausdruck gab, daß die Sozialdemokratie eine vorübergehende Erscheinung sei, so lassen wir auch darüber mit uns reden. Gewiß, die So⸗ zialdemokratie wird sich dereinst in Wohl⸗ gefallen auflösen, nämlich dann, wenn ihre Aufgaben erfüllt, ihre Ztele verwirk⸗ licht sind. Ob unsere Partei während des Zettabschnittes von jetzt bis zur Erreichung ihrer Ziele richtig gekennzeichnet ist als eine „vorübergehende Erscheinung“, darüber kann man verschiedener Meinung sein, je nachdem man den Zeitabschnitt läuger oder kürzer bemißt. Uns kann es nur erwünscht sein, wenn wir unsere Ziele möglichst schnell erreichen. Bezahlte Flottenbegeisterung. Viktor Schweinburg, bis vor wenig Wochen oberster Flottenspektakelmacher, ärgert sich, daß man ihn abgesägt hat und fängt an, allerlei aus der Schule zu plaudern. Da erfährt man denn, daß der Korvettenkapitän a. D. Gercke, als Stellvertreter des Sekretärs im Flottenverein ein Gehalt von 10000 Mark bezieht und gleich einen Kontrakt für fünf Jahre abgeschlossen hat. Soll denn in den nächsten fünf Jahren noch einmal die Flotte verdoppelt werden? Auf der Höhe eines Jahrhunderts. Nach einer Zusammenstellung der Berliner freisinnig⸗demokratischen„Volks⸗Zeitung“ sind im Jahre 1899 305 Fälle von Majestäts⸗ beleidigungen zur Aburteilung gelangt, die ein Endergebnis von rund 100 Jahren Ge⸗ fängnis„erzielten“. Da diese Liste nur lückenhaft ist, dürfte die wirkliche Zahl noch beträchtlich höher sein.— Gedanken sind zollfrei. Mächtige Verwandeschaft. Der Prinz von Arenberg wurde, wie die „Tägl. Rundsch.“ jetzt verrät, auf die Kolonien losgelassen, weil er einflußreiche Verwandte hatte. Der Prinz hatte wegen Mißhandlungen den Dienst in einem westfälischen Regiment quittieren müssen. Darum soll der Kolonial⸗ minister v. Buchka auch Einspruch gegen seine Verwendung in den Kolonien erhoben haben. Indessen, so schreibt die„Tägl. Rundschau“: „Dem Prinzen standen so mächtige ver⸗ wandtschaftliche Verbindungen zur Seite, daß er auch gegen den Willen des Kolonial- direktors in die Schutztruppe eintreten durfte. Und diese mächtigen verwandtschaft⸗ lichen Einflüsse machten es sogar möglich, daß der Prinz in der Schutztruppe bleiben konnte, nachdem er in Windhoek einen heftigen Zusammenstoß mit Major Müller provoziert hatte. Nach der nunmehr von ihm verübten Unthat dürften dem Prinzen allerdings seine einflußreichen verwandtschaftlichen Beziehungen nichts mehr helfen, da in hiesigen maßgeben⸗ den Kreisen der Abscheu über die Greuelthat des Prinzen ebenso heftig wie allgemein ist. Man nimmt im Gegenteil mit ziemlicher Gewißheit an, daß der Kaiser das auffallend milde Urteil des Kriegsgerichts nicht bestätigen und daß ein zweites Urteil erheblich schärfer ausfallen wird. Sehr bedrückt durch das Verbrechen seines Vetters zeigt sich der(Zentrums⸗)Reichs⸗ tagsabgeordnete Prinz Franz von Arenberg, der bis her seine mächtige Hand über ihn gehalten hat und nunmehr wegen seiner, wenn auch indirekten Beteiligung an dem neuen Kolonialskandal Bedenken trägt, das Kolonialreferat, das er seit mehreren Jahren im Reichstag übernommen hatte, beizubehalten. Auch soll er, was wir begreiflich fänden, ge⸗ willt sein, die Vorstandschaft der Abteilung Berlin⸗Charlottenburg der Deutschen Kolonial- gesellschaft niederzulegen.“ Daß man den Prinzen anscheinend jetzt fallen läßt, ist ein kleines Zeichen der Besserung. An dem Dr. Peters haben die Kolonialleute bis zum letzten Augenblick trotz seiner grauen⸗ haften Schandthaten festgehalten. Bessere Krankenfürsorge auf dem Lande. Einen Antrag mit staatssozialistischer Färbung hat das Zentrum im badischen Landtag ein⸗ gebracht. Der Autrag ersucht die Regierung, in das Budget des großh. Ministeriums des Innern für 19001901 Mittel einzustellen zu dem Zwecke, denjenigen Gemeinden, welche ohne Arzt sind, Zuschüsse zu be⸗ willigen. Diese Zuschüsse sollen mit Gemeinde⸗ — mitteln zusammen dazu verwandt werden, mit benachbarten Aerzten Verträge abzuschließen, wonach dieselben gegen Zahlung einer jährlichen Reisekostenvergütung aus der Gemeindekasse die werden. Jagen soziall Verstaat Im demokra Apoth: die Nel zehnten werden stellt, bo anzustel lich ko Da staltfink Foltsch zu berz demokra zahl i aufweist konserbe die Sor ain sozi hin, un der St „Recht. dagege In außero⸗ gewähl. 9454— fast ein Da der di urch! Euch seschla D. * ligts lagen zu iht hesett „den flotte noch frei ie die lonien handte ungen iment onial⸗ seine haben. hau“: ber⸗ „ daß nial⸗ streten schaft⸗ öglich, eiben tigen hoztert rübten seine ungen geben⸗ üelthat ein ift. licher fallend sätigen härfer seiles Reichs enberg, er ihn seiner, dem t, das Jahre halten. el ge⸗ teilung llonial⸗ 9 jekt serung. salleute grouel⸗ Nr. 3. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Einwohner der ärztelosen Gemeinde zu den gleichen Gebühren behandeln, wie an ihrem Wohnstitz. 5 In der Begründung des Antrags heißt es u. d.:„Der ärztliche Dienst auf dem platten Lande an Orten, die nicht Wohnsitz eines Arztes sind, läßt viel zu wünschen übrig. Die Kosten für einen ärztlichen Besuch stellen sich hier leicht auf das Fünf⸗ und Sechsfache dessen, was dafür am Sitze des Arztes zu bezahlen ist. Die Scheu vor diesen Kosten veranlaßt einer⸗ seits die Bewohner solcher Orte, die Herbei⸗ holung eines Arztes möglichst lange zu ver⸗ schieben, wodurch der Erfolg des ärztlichen Eingreifens nicht selten gefährdet wird. Auf der anderen Seite aber geraten bei längeren Krankheiten, die einen häufigeren ärztlichen Besuch unvermeidlich machen, durch die dadurch verursachten Kosten die betreffenden Familien oft in so erhebliche Schulden, daß sie damit Jahre lang zu kämpfen haben, während im Interesse der völligen Wiederherstellung des erkrankt gewesenen Familiengliedes gerade dann eine gewisse Schonung und eine bessere Ver⸗ pflegung geboten wäre.“ Der Antrag hat Aussicht, angenommen zu werden. Wenigstens ist er ein teilweises Zugeständnis der Berechtigung unserer sozialistischen Programmforderung auf Verstaatlichung des gesamten Aerztewesens. Im hessischen Landtag haben dte Sozial⸗ demokraten bekanntlich den Antrag gestellt, das Apothekenwesen zu verstaatlichen, damit die Medikamente weit billiger— oft zum zehnten Teil des jetzigen Preises— abgegeben werden können. Außerdem ist der Antrag ge⸗ stellt, vom Staat zu besoldende Bezirksärzte anzustellen, die die Behandlung Kranker gänz⸗ lich kostenfrei zu besorgen hätten. Ausländisches. Dänemark. Bei den jetzt in Dänemark stattfindenden Stadtratswahlen ist ein großer Fortschritt für die gesammte Opposttionspartet zu verzeichnen, aber besonders ist es die Sozial⸗ demokratie, die Riesenfortschritte in der Stimmen⸗ zahl und in der Erringung von Mandaten aufweist.„Frederiksborg Amtstidende“, ein konservatives Blatt, schreibt:„Den Sieg trägt die Sozialdemokratie davon. Es bläst zur Zeit ein sozialdemokratischer Sturm durch das Land hin, und es zeigt sich nun aus dem Steigen der Stimmen der Sozialdemokratie, daß die „Rechte“, was sie auch unternommen hätte, dagegen nicht aufkommen konnte.“ In der That ist der Stimmenzuwachs ein außerordentlicher. In 25 Städten, die bis jetzt gewählt haben, betrug die Stimmenzahl 1894: 54544820, 1900: 15 417-13 829, d. h. also fast eine Verdreifachung der Stimmenzahl! Das ist die Folge der brutalen Aussperrung der dänischen Arbeiter im vorigen Jahre. Da⸗ durch haben die Kapitalisten auch diejenigen zur Einsicht gebracht, die vor der Aussperrung noch geschlafen haben. Der Krieg in Südafrika. „Die Lage der Engländer hat sich um nichts gebessert. Infolge der fortgesetzten Nieder⸗ lagen ist das Vertrauen der englischen Soldaten zu ihren Führern arg erschüttert. Das ver— bessert ihre Aussichten keineswegs. Die schlimme Lage, in der sich England infolge des afrikanischen Krieges befindet, suchen die Russen in Asien auszunützen. Dieselben haben dort Truppenverlegungen vorgenommen, die darauf hindeuten, daß Rußland nicht gewillt ist, die„schöne Gelegenheit“ ungenützt vorüber gehen zu lassen. Wiener Zeitungen besprechen die Auslassungen der russischen Blätter und bezeichnen sie als eine Botschaft dafür, daß Rußland entschlossen sei, England in Indien den Todesstoß zu versetzen. Die Londoner Blätter verlangen wegen des Vorrückens der russischen Truppen in Afgha⸗ nistan die Mobilisierung der Flotte. Die Engländer hätten vor dem Beginne ihres mißglückten Raubzugs nach Südafrika an das Sprichwort denken sollen: Spiele nicht mit dem Feuer! Dasselbe Wort sollten übrigens auch die deutschen Flottenapostel etwas mehr beachten. Kriegs⸗Kontrebande. Wir machten in voriger Nummer auf das Geschrei aufmerksam, das deutsche Wasserpoli⸗ tiker wegen der Beschlagnahme des deutschen Dampfers„Bundesrat“ durch ein englisches Kriegsschiff erhoben und sprachen unsere Ansicht dahin aus, daß, wenn es wahr set, was die Engländer in Bezug auf die an Bord des „Bundesrat“ befindliche Kriegskontrebande be— haupten, wahrscheinlich jede andere Kriegsmacht genau so gehandelt hätte, wie die englische. Nach und nach kommen auch verschiedene „große“ bürgerliche Blätter zu dieser Ansicht. Recht interessant ist eine Episode aus dem deutsch⸗französischen Kriege, die in der„Frankf. Ztg.“ in Erinnerung gebracht wird. Das ge⸗ nannte Blatt schreibt: „Angesichts der hochgradigen Aufregung über die Beschlagnahme des Dampfers„Bundesrat“ dürfte der Hinweis auf einen anderen deutsch⸗englischen völkerrechtlichen Streitfall von Interesse und geeignet sein, einer nüchternen Auffassung die Wege zu bahnen. Ich meine einen Fall aus dem deutsch⸗fran⸗ zösischen Kriege. Damals mußte das flottengewal⸗ tige England es sich gefallen lassen, daß man deutscherseits sechs englische Handelsschiffe nicht nur beschlagnahmte, sondern sogar zerstörte, obwohl die Berechtigung zu diesem Akte juristisch sehr zweifelhaft war und eine neutralitäts widrige Handlung seitens der betreffenden Schiffseigentümer bezw. Kapitäne gar nicht in Frage kam. Ende Dezember 1870 hatte nämlich die deutsche Kriegsleitung diese sechs mit Kohlen beladenen Schiffe bei Duclair fortgenommen und in die Seine versenkt, um die Passage eines französischen Kanonenbootes, welches unseren Truppen viel geschadet hatte, zu verhindern. Der englische Bot⸗ schafter in Berlin bezeichnete in einer Note vom 30. Dezember dieses Verfahren als durchaus unverantwortlich. Fürst Bismarck dagegen berief sich zur Rechtfertigung desselben auf das sogen. ius angariae, welches den Kriegführenden neutralen Schiffen gegenüber zustände: Ein Kriegführender habe das volle Recht, neutrale Schiffe in den inländischen Gewässern des Feindes mit Beschlag zu nehmen, wenn dies die Selbstverteidigung fordere; die Entschädigungspflicht falle nicht ihm, sondern dem Aufenthaltsstaate zu. Nur aus freundschaftlichen Ge⸗ fühlen für England wolle man in diesem Falle von seinem Rechte abgehen und eine Entschädigung bewilligen. Der Konflikt endete damit, daß die deutsche Regie⸗ rung nach einer Schätzung der englischen den geschädigten Interessenten 7073 Pfund Sterling(etwa 145 000 Mk.) zahlte(vergl. Staatsarchiv 21 Nr. 4498 fg.).“ Wenn damals die englische Regierung so verrückt gewesen wäre, der sechs von deutscher Seite aus in den Grund gebohrten Schiffe wegen uns mit Krieg zu überziehen, daun hätte sie ungefähr so gehandelt, wie jetzt schwach⸗ köpfige Wasserpolitiker deutscherseits gehandelt sehen möchten— England gegenüber. Freigabe gekaperter Schiffe. Die Verhandlungen, die zur Zeit zwischen der deutschen und der englischen Regierung wegen der Beschlagnahme deutscher Dampfer gepflogen werden, nehmen nur einen langsamen Fortgang. Daß sie bis jetzt nicht ohne Erfolg geblieben sind, beweist die Freigabe der Dampfer„General“ und„Herzog“, indeß muß Wunder nehmen, daß die Freigabe des „Bundesrath“ sich unendlich verzögert. Selbst⸗ berständlich wird die englische Regierung für den durch die Störung des deutschen Dampfer⸗ verkehr verursachten Schaden Ersatz leisten. Deutscherseits wird aber wohl auch Wert darauf gelegt werden, von der englischen Re⸗ gierung Sicherheit gegen eine Wiederholung von Mißgriffen zu erhalten, deren sich die englischen Marinebehörden in letzter Zeit schuldig gemacht haben. Aus dem Reichstag. Am Dienstag hat das Reichsparlament seine Arbeiten wieder aufgenommen. Zu einer längeren De⸗ batte kam es nur wegen der im Leitartikel unserer vorigen Nummer ausführlich behandelten Petitionen um Erhöhung des Heringszolles. Uusererseits sprach Genosse Wurm gegen die Verteuerung des Herings, dieser Proletariernahrung.— Das Haus ging gemäß dem Antrag Pachnicke über die Petition zur Tagesord⸗ nung über. Dagegen stimmten nur die Anti⸗ semiten und etwa drei Konservative. Am Mittwoch wurde beraten der Titel Reichs⸗ amt des Innern. Gen. Fischer-Berlin beschwerte sich über die tendenziöse Art der Berichterstattung seitens mancher Gewerbeinspektoren. Die geringsten Verstöße der Arbeiter, manchmal auch nur deren Erstreben besserer Arbeitsbedingungen, würden aufgebauscht und entstellt, die Arbeitgeber aber würden entschuldigt. Wertvoll sei das amtliche Zugeständnis in den Berichten, daß in Ostpreußen Löhne von 11 bis 15 Pfennigen pro Stunde bezahlt werden. Fischer verlangt die Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf die Hausindustrie. Graf Posadowsky sucht die Art der Bericht⸗ erstattung zu entschuldigen. Dem Konservativen Oertel, der die Bäckereiverordnung wieder angriff, antwortete Graf Posadowsky, daß Verhandlungen schwebten, die darauf hinausliefen, die Verordnung zu modifizieren. Gen. Wurm verlangt die Vermehrung der Gewerbe⸗ inspektoren, deren Zahl viel zu gering sei. Bedauerlich sei, daß die Gerichte die Fabrikanten, die sich um die Arbeiterschutzbestimmungen nicht kümmerten, mit geradezu lächerlich geringen Strafen belegten. Demgegenüber erklärte Graf Posadowsky, daß die Staatsanwälte angewiesen worden sind, gegen zu geringe Strafen Berufung einzulegen. Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen, Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streugfte Gewißsen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsenvungen nur auf einer Seite zu beschreiben.. In freien Stunden. * In wie vielen Arbeiterwohnungen trifft man leider noch die schauderhaftesten Hinter⸗ treppenromane an! Hier liegen die Hefte eines Dreyfus⸗Schwindelromans, dort die Hefte einer blutrünstigen Geschichte, die von„Kathinka, der kühnen Räuberbraut“, oder von ähnlichen schönen Dingen erzählen. Auf jeder Seite eines jeden Heftes wird natürlich irgend jemand abgemurkst, ertränkt, erdolcht, erschossen, totgeschlagen oder vergiftet. Schlimmerweise werden aber die Leser dieser Schundromane mit vergiftet. Jedes erzieherischen Wertes bar vergiften diese Räubergeschichten Herz und Gemüt. Anstatt zu bilden, tragen sie zur Verdummung der Leser bei. Statt den Geschmack zu läutern, zu verfeinern, wird derselbe direkt verdorben. Wie vielen bedauernswerten Menschen haben diese Hintertreppenromane schon die Köpfe verdreht, wieviel Unheil ist schon daraus erwachsen! Jeder aufgeklärte Arbeiter sollte solche Schundlitteratur von seinem Hause fernhalten. Das Bedürfnis nach Unterhaltungslitteratur kann auf billige Weise befriedigt werden, seit⸗ dem die Buchhandlung„Vorwärts“ in Berlin ihre illustrierten Unterhaltungsromane„In freien Stunden“ herausgiebt. Jede Woche erscheint ein illustriertes Heft mit 26 Seiten Text zum Preise von 10 Pfg. Je 26 Hefte bilden einen Halbjahrsband, zu dem für wenig Geld eine gute, künstlerisch ausgestattete Ein⸗ banddecke bezogen werden kann. Wir empfehlen den Bezug der Hefte aufs beste. In dem neuen Jahrgang beginnt der Abdruck eines der besten Romane des berühmten ungarischen Romau⸗ schriftstellers Maurus Jokai: Der Erbe des Nabob mit Illustrationen des Pariser Malers Leop. Braun. Der Roman schildert in prächtiger Form die Verlotterung und Blasiertheit des faullenzenden ungarischen Mag⸗ natentums, er kündigt aber auch das Erwachen des nationalen Bewußtseins und nationaler Pflichterfüllung an— der notwendigen Voraus⸗ setzung für das soziale Erwachen jedes Volkes. Und über dem ganzen Roman liegt der Sonnen⸗ schein prächtigen Humors und heiterer Satire ausgegossen.— Außerdem enthält jedes Heft kleine Skizzen, Humoresken u. s. w. Das Abonnement auf„In freien Stunden“ kann jederzeit von Heft 1 ab begonnen werden. Wer sich in seinen freien Stunden an guter Unter⸗ haltungslektüre erbauen will, der versuche es unter allen Umständen mit einem Probe⸗ abonnement. Großes Hundesterben. * Die Wirkung der erhöhten Hunde⸗ steuer wird für diejenigen, die sie im hessischen Landtag beschlossen haben, nicht die erwartete sein. Kenner der Verhältnisse behaupten, daß Seite A. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 3. etwa die Hälfte aller Hunde bereits abgeschafft sei, die Erhöhung also finanziell gar keinen Effekt haben wird. Die Erbitterung aber, welche diejenigen ergriffen hat, die ihren seit⸗ herigen Liebling opfern mußten, weil sie die verdoppelte Steuer nicht bezahlen können, ist eine tiefgehende und nachhaltige. Eine große Rohheit ist es allerdings, wenn Hundebestitzer, wie das in größeren hessischen Städten vor⸗ gekommen ist, ihren Hunden einfach Maulkorb und Zeichen ausziehen und sie auf die Straße jagen. Warum erweisen sie ihren seitherigen Hausgenossen nicht den letzten Liebes dienst und übergeben ihn gegen die übliche Gebühr dem Wasenmeister zum Töten? In Gießen haben zahlreiche Leute ihre Hunde nach ben benach⸗ barten preußischen Dörfern verschenkt. Die Muckerei wird zur Landplage. * Aus Lich wird dem„Gieß. Anz.“ ge⸗ schrieben: „Zur wahren Landplage wird eine Anzahl junger Männer, die angeblich einen sogenannten Bibelkursus im hiesigen christlichen Vereinshaus absolvieren. Mittags und abends durchqqgeren sie die Stadt, mit bedruckten Zetteln in den Händen, jedem Begegnenden sich herandrängend, fast den Weg versperrend, um die Zettel los zu werden. Nicht genug damit, sie gehen in Häuser, sogar abends. Sie sind dabei so zudringlich, daß sie Aergernis erregen. Trotz Auffordern, die Wohnung zu verlassen, weichen sie erst auf Wiederholung der Auf⸗ forderung. Wir wollen den Leuten ihr Ver⸗ gnügen gönnen, sie sollen aber den seines Wegs gehenden in Ruhe lassen und diejenigen Häuser verschonen mit ihren Besuchen, wo sie zur Genüge wissen, daß sie draußen bleiben sollen. Durch derartiges Benehmen wird kein anständiger Mensch für ihre Ideen ge— wonnen. Hoffentlich wird die Polizei, die wohl von einem derartigen Treiben keine Kenntnis hat, Veranlassung nehmen, ein solches unqualifizierbares Benehmen in seine Schranken zu verweisen.“ In Lich ist die Muckerei geradezu systematisch aufgepäppelt worden. Je„frömmer“, das heißt je mehr die Muckerei zur Schau getragen, also geheuchelt wird, um so mehr Aussicht, Waisenkinder aus Frankfurt in Pflege zu er— halten. Verunglückte Flottenagitation. Dem Flottenvereinsausschuß zu Hannover ist eine kleine unangenehme Geschichte passiert, die schon um deswillen Erwähnung verdient, weil auch sie zeigt, wie die Flottenbegeisterung im Volke hervorgerufen werden soll. Un im Norden der Provinz Hannover die nötige Stimmung zu machen, hatte der genannte Ausschuß einen Wanderredner gewonnen, der außer glänzenden gedruckten Empfehlungen des Ausschusses, mit einem Vortrag:„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“, sowie mit einer Kiste voll Sichtbildern ansgerüstet war. Aus zwei Städten liegen nun Berichte über das Auftreten dieses Patrioten, Röpe ist sein Name, vor. Aus diessen Berichten geht hervor, daß der Mann es lieber mit der Gegenwart als mit der Zukunft hält, und daß jene für ihn nicht im Wasser, sondern im— Grog liegt. In Lüneburg hatte der Herr Ober— bürgermeister auf Grund der glänzenden Empfehlungen aus Hannover eine große Ver— sammlung von Damen und Herren einberufen, die jedoch auf das Erscheinen des Reduers vergeblich warteten. Nur seine Bilderkiste war angelangt, und kurz vor der festgesetzten Stunde noch ein Eilbrief, aus dem hervorging, daß der Herr Wanderredner sich nicht„in nüchter— ner Verfassung“ befinde. Von dieser be⸗ trüblichen Thatsache setzte dann auch schließlich der Oberbürgermeister die Versammlung nach langem vergeblichen Harren in Keuntnis, und zugleich wurde dem Ausschaßz in Hannover Mitteilung gemacht. Am tollsten muß es in der Stadt Dannenberg hergegangen sein. Dort mußte, nach einem Berichte der„Deutschen Volkszeitung“, der Flottenredner wegen„Dis— positioasunfähigkeit“— so naunte es der Vor⸗ sitzende— abbrechen. Nach Absingen eines patriotischen Liedes löste sich die Versammlung auf, und der Eintrittspreis von 20 Pfg. wurde an der Kasse zurückbezahlt. Jammerlappeu. Nationale Blätter, die natürlich monarchisch bis in die Knochen sind, ergehen sich zur Zeit über die steinalte Großmutter des deutschen Kaisers in allerhand Scherzen. Eines dieser Blätter wartet mit folgendem Witz auf: „Schon kurz vorm Sylvesterpunsche war die Nachricht aus London— über Kalau— zu uns gedrungen, daß Königin Viktoria von einem heftigen Unwohlsein ergriffen worden sei; sie habe Bullern im Magen. Leider müssen wir unseren Lesern heute mitteilen, daß Königin Viktoria immer noch nicht von diesem Leiden befreit ist, trotzdem sie sich seit Wochen beständig auf der Retirade be⸗ findet.“ Das erlauben sich diese traurigen Bauch— rutscher einer alten Frau gegenüber, weil sie wissen, daß man ihnen deshalb nichts anhaben kann. Wenn es weniger gefahrlos, aber weit notwendiger ist, einmal ein ernstes Wort der Kritik oder Abwehr zu sagen, da ersterben diese feigen Gesellen in unterthänigster Unterthänigkeit. Ein hineingefallener Oberpatriot. Die Verbindung von Geschäft und Patriotismus hat Herrn Scherl, dem ober— patriotischen Herausgeber des Berliner Lokal⸗ Anzeigers, zu dessen Unternehmungen auch die Herausgabe der„Feldpost“, Organs für den Kriegerbund, gehört, einen komischen Streich gespielt. Die Expedition der„Feldpost“ sandte ein Rundschreiben an Verlagsfirmen, in dessen Eingasg es heißt: „Kaiser⸗Wilhelm⸗Dank, Verein der Soldaten⸗ freunde. I. Vorsitzender des Verwaltungs- rates: von Werder, General der Infanterie und General-Abjudant Sr. Majestät des Kaisers.„Wirke im Andenken an Kaiser Wilhelm den Großen.“ Wilhelm II.— Ge⸗ schäftsstelle der„Feld⸗Post“. Das Schreiben weist dann auf das Heran— nahen von Kaisers Geburtstag hin und empfiehlt mit Rücksicht auf die vielen festlichen Veranstaltungen der Kriegervereine, Theater- stücke, Fespiele, Prologe, Reden und Toaste ge⸗ rade in der„Feldpost“ zu annoncieren, die in jedem zum Bunde gehörigen Vereine ge— lesen und auf allerhöchsten ausdrücklichen Wunsch vom Offizierskorps des Herres und der Marine gehalten werde und fast in jeder Kompagnie vertreten sei. Dieses Rundschreiben ist auch an den sozialdemokratischen Verlag von Adolf Hoffmann in Berlin ver⸗ sandt worden, über welchen der„Vorwärts“ berichtet: Wir finden da im Verlazsverzeichnis der für die„Feldpost“ umworbenen Firma z. B. folgende nette Sachen, Kouplets: Darum immer daruf und drunter—'Nechter Roter geht nicht unter:“„O Aegir, Herr der Fluthen“; „Die Ferienkolonie“;„Der Kampf für Religion, Ordnung und Sitte“; Im Zickzackkurs.“ Lieder: Gruß an den 1. Mai“;„Des Prole⸗ tariers Leben“. Duette:„Streik-Duett“;„Die letzten Rekruten“. Ensemblescenen:„Eine lustige Flugblattverbreitung, oder der geprellte Gen— darm“. Männerchöre:„Frei soll der Mensch! Frei muß er sein!“;„Die heilige Alliance der Völker“. Theaterstücke:„Ravachol oder das Sozialistenfieber“;„O welche Lust Soldat zu sein“;„Die Ausweisung am Weihnachts— abend“ ꝛc. Die tipferen Krieger würden die Augen schön aufgesperrt haben, wenn sie in ihrem Leiborg ꝛa all diese lustigen Programmnummern angekündigt gesehen hätten. Einem invaliden Arbeiter war von der Versicherungsanstalt die Rente verweigert worden, weil ee es ablehnte, sich einer Operation zu unterwerfen. Nachdem auch das Schiedsgericht den Antragsteller ab⸗ gewiesen hatte, hob das Reichsversich'rungsamt die Vorentscheidung auf und sprach dem Kläger eine Rente zu, indem ausgeführt wurde: Zur Duldung einer Operation, wenn dieselbe auch nicht sehr schmerzhaft und gefährlich sei, er⸗ scheinen die versicherten Arbeiter nicht ver⸗ pflichtet, sobald diese Operation in den Bestand oder die Unversehrtheit des Körpers eingreift oder die, wie jede die Chloroformierung erheischende Operation, nicht ohne Lebensgefahr vorgenommen werden könne. Die Verletzten selen aber gehalten, sich die erforderlichen Ver⸗ bände anlegen zu lassen, die verordnete Medizin einzunehmen, sich einer gebotenen Massage zu unterwerfen und sich den Magen ausspülen zu lassen. Ein Riesenschiff. Am Mittwoch ist der neue Doppelschrauben⸗ schnelldampfer„Deutschland“, welchen die Ham⸗ burg⸗Amerlka⸗Linie bei dem„Vulkan“ in Stettin bestellt hat, vom Stapel gelaufen. Dieses Schiff soll der größte, schnellste und komfortabelste Passagierdampfer werden, der bisher erbaut worden ist und auch die erst wenige Monate alte englische„Oceanic“ übertreffen. Die „Deutschland“ hat 208 ¼½ Meter Läuge über Deck, 20,42 Meter Breite und 13,31 Meter Tiefe, verdrängt voll beladen 23 Millionen Kilogramm Wasser und hat einen Gehalt von 16000 Registertonen, während der auf derselben Werft erbaute„Kaiser Wilhelm der Große“ nur 197½ Meter Länge und 14000 Tonnen Gehalt hat. Das Schiff ist völlig aus bestem Stahl. Es hat vier durchgehend stählerne Decks. Durch Querschotten ist es in 17 wasser⸗ dicht verschließbare Abtheilungen geschieden, derart, daß es noch schwimmfähig bleibt, selbst wenn zwei benachbarte Räume volllaufen. Für den Fall, daß Wasser eindringt, sind 12 Dampf⸗ pumpen an Bord, welche zusammen 4000 Tonnen pro Stunde ausschöpfen. Die Ma⸗ schinen. und Kesselanlage ist gleichfalls vom Vulkan geliefert. Im Ganzen hat der Damfer 68 Dampfmaschinen, worunter 5 Dynamos zur Erzeugung des Stromes für 2000 elektrische Lampen. Die beiden Bronzeschrauben, die 7 Meter Durchmesser haben, werden von zwei sechszylindrigen Vierfach-Expansions⸗Hammer⸗ maschinen von zusammen 33000 Pferdekräften getrieben, 16 Kessel liefern den Dampf; sie zerfallen in vier Gruppen, jede mit einem Schornstein von 4 Meter Durchmesser und 34½ Meter Höhe. Das Schiff kann in seinem Innern beherbergen: 467 Passagiere 1. Klasse in 263 Kabinen, 300 2. Klasse in 99 Kabinen und 990 im Zwischendeck. Daß Gesellschafts⸗ und Speisesäle in genügender Zahl und gut ausgestattet da sind, versteht sich von selbst. Die Besatzung besteht aus 525 Mann. Uebrigens ist die Deutschland so erbaut, daß sie mit einer beträchtlichen Anzahl Geschütze versehen und im Kriege als Kreuzer verwendet werden kann. Kleine Mitteilungen. ** Gießen. Die Ehefrau des früheren Restaurateurs Jaskowsky hat sich am Sonntag Abend in der Lahn ertränkt. ** Offenbach. Vor der Darmstädter Strafkammer hatte sich am Mittwoch der ver⸗ antwortliche Redakteur des„Offenb. Abendbl.“, Genosse Louis Quessel, zu verantworten. Er hat in einer Polemik mit der ultramontanen „Starkenburger Provinzialzeitung“ kräftigen Artikeln Raum gegeben, durch die sich der Pfarrer Stumpf von Dieburg beleidigt fühlte. Das Gericht nahm die Beleidigung durch die Form als erwiesen an und verurteilte den noch nicht vorbestraften Angeklagten zu einer Geldstrafe von 400 Mk. Als straf⸗ mildernd kam in Betracht, daß die inkrimi⸗ nierten Artikel nur Antworten auf ebenso beleidigende Angriffe der„Starkenburger Provinzialztg.“ waren. Pfarrer Stumpf gab zu, Aktionär jenes Zentrumblattes zu sein, gab auch zu, daß ihm jede Nummer des Blattes vor dem Druck erst vorgelegt werden müsse, bestritt aber, der Verfasser jener Angriffsartikel zu sein, auf die das„Offenbacher Abendblatt“ dann antwertete. Unser Parteiblatt hatte übrigens den Namen des Pfarrer Stumpf nicht genannt, sonzern, da es einen Gtistlichen als Verfasser der Schimpfartikel vermutete, von „frommen Gimpelfängern“ u. s. w. gesprochen. agen L Rolf 0 diner gel ages e Gruß Art zun abe. 1115 bel * 0 zeichen schiben notar nehr, 0 pesende: 1 6 Fuunkfut gegen de Beleidigb sich um zum Pf zugesandt Frau S herabsetze klagte S stündige rteilung Geldstra NK 9 ihrem l Frankfu N. die! stimme⸗ 9. Lind Armeeko Burenm das neu 0 ein Sold regimen sprechen Wurden In Gymne den k wegen an ei Scheuen von O liebsam * stürzte in den beiden und S den T Rochus ** gebene Berlin, k bon selben roße“ Innen hestem hlerne sasser⸗ eden, selbst Für ampf⸗ 4000 Ma⸗ dom amfer g zur teische die 7 zbei umer⸗ cäften ; sie einem ) 34½ seinem Klasse inen hafts⸗ d gut selbt. rigen einer id im W N Nr. 3. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. * Seinen Verletzungen erlegen ist in Marburg der Kutscher Möhl, auf welchen von dem Studenten Huy geschossen wurde. Der verhaftete Thaͤter liegt ebenfalls in der Klinik schwer darnieder, da er von dem empörten Publikum übel zugerichtet worden war. *r Neue Duellmorde werden aus Allenstein und Potsdam gemeldet. * Herr Wolf. Gleich allen anderen in Hessen erscheinenden Blättern brachten wir vor einigen Tagen aus dem„Alzeyer Beob.“ die Notiz, daß der neue Abg. Wolf bei dem Gala⸗ diner gelegentlich der Eröffnung des 31. Land⸗ tages den hessischen Landesfürsten mit„Herr Großherzog“ angeredet und denselben in komischer Art zum Besuch der rheinischen Pfalz eingeladen habe. In einer Zuschrift an das genannte Blatt bestreitet Herr Wolf den Vorgang. * Die Beglaubigung von Hand⸗ zeichen( 7) von Personen die nicht schreiben können, muß jetzt gerichtlich oder notariell vorgenommen werden, und nicht mehr, wie seither, durch einen oder zwei an⸗ wesende Zeugen. * Folgen einer Pfarrwahl. In Frankfurt klagte der Prediger Heinrich Schmidt gegen den Pfarrer Anton Peter Urspruch wegen Beleidigung der Frau des Ersteren. Es handelt sich um anonyme Briefe, die bei der Wahl U. s zum Pfarrer an der Paulskirche der Kommission zugesandt wurden. U. soll behauptet haben, Frau Sckmidt sei die Verfasserin jener ihn herabsetzenden Briefe gewesen. Daraufhin klagte Schmidt wegen Beleidigung. Die drei⸗ stündige Verhandlung endigte mit der Ver⸗ ürteilung des Pfarrers Urspruch zu 100 Mark Geldstrafe. i ** Das verbotene Burenlied. Bei ihrem letzten Konzert auf dem Goethplatz in Frankfurt a. M. spielte die Husareukapelle u. A. die Burenhymue. Jetzt hat, wie die„Volks⸗ stimme“ berichtet, der kommandirende General v. Lindequist allen Kapellen des achtzehnten Armeekorps untersagt, Burenhymnen und Burenmärsche zu spielen. Weiter kann man das neutrale Taktgefühl nicht wohl treiben. * Karlsruhe, 8. Jan. Heute starb ein Soldat der VI. Kompagnie des Leibgrenadiee⸗ regiment an der Genickstarre. Die ent⸗ sprechenden Schutzmaßregel in der Kaserne wurden sofort getroffen In Rastatt wurde laut„Rast. Tagebl.“ Gymnasialprofessor Ignaz Scheuermann, der den katholischen Unterricht, ertheilt, wegen Sittlichkeitsvergehen, begangen an einem 12jährigen Mädchen, verhaftet. Scheuermann war vor nicht allzulanger Zeit von Offenburg nach Rastatt wegen einer un⸗ liebsamen Affaire versetzt worden. ** Mainz, 8 Januar. In der Boppstraße stürzte an einem Neubau der Seitenbau ein, in dem sich das Treppenhaus befindet. Die beiden Maurer, Georg Kreibel aus Bretzenheim und Stofft aus Ober-⸗ Saulheim wurden aus den Trümmern gezogen und sterbend ins Rochushospital verbracht. ** Ein Scheusal. Die dem Trunke er⸗ gebene Zigarrenarbeiterin Antonie Eckard in Berlin, eine frühere Schauspfelerin, ist verhaftet worden, weil sie ihr uneheliches Kind, ein Mädchen von 4 Jahren, das von ihr zum Betteln angehalten wurde, zu beseitigen suchte, indem sie es mit zusammengeschnürten Beinen in ein Loch steckte und mit Sand und Schnee verschüttete. Das Kind ist gerettet worden. ** Wie viel kostet ein Schuß? 6890 Mark kostet ein Schuß mit dem neuesten von Krupp hergestellten Geschütz, und zwar kommen auf das Geschoß selbst 2600 Mark, auf die Ladung Pulver von 485 Kilogramm 760 Mark. und auf die Abnutzung des Geschützes 3440 Mark, in Summa 6800 Mark. Die Herstellung eines solchen Geschützes kostet einschließlich der nicht unbeträchtlichen Montagekosten 329 600 Mark; mit dem 93. Schuß wird es un⸗ brauchbar. Das Geschoß eines 34 Centi⸗ meter⸗Kaliber⸗Geschützes erreicht bei einer An⸗ aufgestellt ist, während 1870 im deutsch-fran⸗ zösischen Kriege bei unseren Belagerungsge⸗ 1 0 0 8,5 Kilometer die größte Schußweite etrug. Arbeiterbewegung. Berlin. Eine Massenversammlung der Bäcker Berlins hat am Dienstag beschlossen, gemeinsam mit den Bäckereiarbeitern anderer Städte folgende Forderungen an die Meister zu stellen: Abschaffung von Kost und Logis beim Meister, Mindestlohn von 21 Mark pro Woche, Bezahlung von Ueberstunden mit 50 Pfennig pro Stunde. Werden die Forderungen nicht bewilligt, so soll gestreikt werden. Es wäre wirklich an der Zeit, wenn die Bäcker, diese schlechtest gestellten aller Ar⸗ beiter, sich endlich einmal aufrüttelten. Nament⸗ lich könnte es den Bäckern in einer gewissen kleineren Stadt nichts schaden, wenn sie sich ernsthafter mit ihren sozialen Verhältnissen be⸗ schäftigen würden. Mit dem Singen von Kneip⸗ und Kriegsliedern werden keine besseren Verhältnisse geschaffen, ebenso wenig mit dem den Studenten nachgeäfften Salamanderreiben. 8 4 2 8 N A. 2 a 9 5 Partei⸗ Nachrichten. Gersammlungs⸗Kalender. Samstag, den 13. Januar: Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig. Lauterbach. Wahlverein 8¼ Uhr bei Wirt Keutzer. Wegen der wichtigen Tagesordnung bittet der Vor⸗ stand die Mitglieder, daß sie sich recht zahlreich ein⸗ finden. Sonntag, den 14. Januar: Wieseck. Tabakarbeiter um 3 Uhr bei Gastwirt Wacker.(Referent: G. Beckmann⸗Gießen.) Daubringen. Arb.⸗Bild.⸗Verein nachmitt. 3 Uhr bei Gastwirt Schäfer. Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 7 Uhr bei Gastwirt Heinr. Volkmann Generalversamm⸗ lung. Tagesordnung: Rechnungslage. Vorstands⸗ wahl. Verschtedenes.— Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Sonntag, den 21. Januar: Friedberg. Wahlverein nachm. 3 Uhr bei Gast⸗ wirt Ihl zur„Stadt Newyork“, Hagstraße 11. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Verschiedenes. Alle Mitglieder haben zu erscheinen. Der Vorstand. Friedberg. Alle diejenigen, die noch eine Forde⸗ rung an den Wahlverein haben, möchten sie umgehend bis zum 17. d. M. an den Kassierer F. Hohmann, Hospitalstr. 22, II, richten, da die Abrechnung erfolgen muß.— Quittung. Vortrag von M. durch H. 44 Pfg., Versteigerung einer Zigarre durch H. v. H. 2,75 Mk., Bauchredner von H. 1,20 Mk. Ferd. Hohmann, Friedberg, Hospttalstr. 22. Hessen und Waldeck. Das Agitationskomitee für das ehemalige Kurfürstentum Hessen und Waldeck beruft den Provinzialparteitag auf Sonntag, 4. Februar, nach Helmarshausen bei Carlshaven. Die provisorische Tagesordnung lautet: Bericht der Agitationskommission;; Agitation und Organisation; Bericht über die Presse; die Gemeindewahlen; Anträge der Delegierten. Briefkasten der Expediion. Quittungen. H. Gr. L. 1.—. Sch. Gr. B. 4.80. Opf. Lbg. 4.—. Wgl. Lgdf. 3.20. Sch. Dschlg. 1.—. Obg. G. 6.20. L. Bg. 1.—. Vkm. Hchm. 25.60. Rdgn. Br. 4.—. Bekr, Vtzbg. 4.20. B. Dbg. 3.60. Dog. Alsfeld 23.35. Gge. Hdͤbge. 8.20. F. Dbgn. 9.80. Rg. Etbch. 31.50. Kft. Angbch. 10.60. Grgr. Mbg. 35.40. Fth. Wtzlr. 30.—. Lchr. The. 2.40. Pf. G. 4. Br. Rogn. 1.60. Krgr. G. 28.12. Dthfr. Egstr. 5.20. Wtr. Lbch. 7.60. FIrch. Gbg. 3.—. Mhl. G. 50.—. Kr. Aug. 9.40. Schr. Wok. 3.—. Lg. Sch. 11.60. Z. Otbg. 6.— Hp. Rohm. 6.60. Tetzte Nachrichten. Berlin, 11. Januar. Im preußischen Abgeordnetenhaus stand heute auf der Tages⸗ ordnung die Interpellation der Konser⸗ vativen betreffend die Maßregelung der fangsgeschwindigkeit von 1200 Metern ein Ziel, welches in einer Entfernung von 30 Kilometern Landräte wegen ihrer Abstimmung gegen die Abg. von Köller bezeichnete Kanalvorlage. die Maßregelung als eine Verfassungs⸗ verletzung. Er sprach in großer Erregung dann auch von dem„erbärmlichen Kanal“.— Der Reichskanzler bestritt eine Verletzung der Verfassung. Die Regierung habe sich von rein sachlichen Rücksichten leiten lassen.— Nach⸗ dem schon ein halbes Dutzend Redner gesprochen hatten, gelang es erst dem Abg. Richter, den Säckelminister von Miquel aus dem Bau zu locken. Schlau, wie immer, sprach er„einer⸗ setts und anderersetts“ eigentlich nichts. Das Ministerium hafte für die Maßregel, die gegen die Landräte ergriffen wurde, solidarisch; er sei aber der unschuldigste. Das ist es, was wir aus seiner langen Rede entnommen haben. Nachdem noch der Abg. v. Kardorff(freikons.) erklärt hatte, daß seiner Ansicht nach eine Ver⸗ fassungsverletzung vorliege, wurde die Besprech— ung geschlossen. Wirklich ein Schauspiel für Götter, hören und sehen zu müssen, wie die Konservativen für den Schutz der Verfassung eintreten müssen. Leute derselben Partei, deren Presse der Re⸗ gierung wiederholt den Staatsstreich, also den offenen Verfassungsbruch, angeraten hat, wenn es gegen die Arbeiter gehen sollte. London. Privatdepeschen zufolge soll Lord Methuen(sprich: Metthju⸗en) irrsinnig geworden sein. Daß M. krank sei, wurde wiederholt gemeldet. M. ist bekanntlich einer der englischen Befehlshaber in Südafrika. Marktbericht. Gießen, 6. Januar.(Marktbericht.) Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 0.70 bis 0.80 Mk., Hühnereier p. St. 9— 10, 2 St. 00—00 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeier p. St. 00 bis 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St 5— 6 Pfg., Erbsen p. Ltr. 20 Pfg., Linsen p. Ltr. 30 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.90— 1.00, Hühner per Stück Mk. 0.90 1.10, Hahnen per Stück Mk. 0.80— 1.20, Enten per Stück Mk. 1.80— 2.20, Gänse per Pfund Mk. 0.46— 0.60, Ochsenfleisch per Pfund 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62— 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60— 72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 64 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50—60 Pfg. Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 4.25— 4.50, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 5.50— 6.00, Milch per Liter 16 Pfg. wegen unregel⸗ Beschwerden waer d stellung der„M. S.⸗Ztg.“ bitten wir an die Expedition, Sonnenstraße 25,(Buchhandlung) zu richten. In Gießen muß die„M. S.⸗Ztg.“ bis spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag Nachmittag erfolgt. less, Stadttheater. Sonntag, den 14. Januar 1900. Abends 8 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Volksstück mit Gesang in 11 Bildern von Kalisch. Musik von Conradi. Montag, den 15. Jan.: Letztes Gastspiel von Franziska Ellmenreich. Holalsische. Lustspiel in 4 Akten von Schönthan u. Kadelburg. Dienstag, 16. Jan.: Zwölfte Volksvorstellung. Die goldene Eva. Lustspiel in 3 Akten von Schönthan und Koppel⸗Ellfeld. Mittwoch, 17. Jan.: Cireusleute. Komödie in 3 Akten von Schönthan. Freitag, den 19. Jan.: Gebildete Menschen. Volksstück in 4 Akten von Victor Leon. —— —.] ¼—k;! V!!! Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 3. r 5. ngs⸗ eil. *. Seitdem die Mutter heimgegangen. Seitdem die Mutter heimgegangen Und friedlich ruht, Von allem Sorgen, allem Bangen, In Grabeshut, Ist mir, als müßt' ich flüsternd bitten: O Welt sei still, Da Mutter, die so viel gelitten, Doch schlafen will. Emil Claar. Das Abenteuer der Neufahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) Die Witwe betrachtete Philipp eine Weile sprachlos. „Haben Sie“, fuhr Philipp fort,„wirklich einige Achtung für mich, so reisen Sie mit dem Marschall nach Polen zu Ihren Verwandten. Es ist besser, daß wir uns nicht so viel sehen. Eine schöne Frau ist schön; eine treue, tugend⸗ hafte Fran ist noch schöner.“ „Prinz!“ rief die bestürzte Marschallin. „Ist das Ihr Ernst? Haben Sie mich je ge⸗ liebt, oder belogen?“ „Sehen Sie“, sagte Philipp,„ich bin ein Versucher ganz eigener Art. Ich suche die Tugend und Treue unter den Weibern, und finde sie so selten. Die Treueste und Tugend⸗ hafteste kann mich allein fesseln— darum fesselt mich keine. Doch nein, daß ich nicht lüge! Eine hat mich gefesselt. Aber es thut mir leid, Frau Marschallin, das sind eben Sie ge⸗ rade nicht!“ „Sie sind in einer abscheulichen Laune, Prinz!“ sagte die Witwe, und das Zittern ihrer Stimme und das Auf⸗ und Abwogen ihres Busens verriet, was in ihr vorging. „Nein“, erwiderte Philipp,„ich bin, so wahr ich lebe, in der ehrlichsten Laune von der Welt! Ich möchte gern einen dummen Streich wieder gut machen. Ich hab' es Ihrem Manne auch gesagt.“ „Wie?“ rief die Witwe erschrocken,„Sie haben dem Marschall alles offenbart?“ „Nicht eben alles, nur was ich wußte.“ Die Witwe wandte sich in heftiger Bewegung rechts und links. Sie rang die Hände. End⸗ lich fragte sie:„Wo ist mein Mann?“ Philipp zeigte auf den Mamelucken, der in demselben Augenblick mit langsamen Schritten daherkam. „Prinz!“ sagte die Witwe mit einem Tone unauslöschlichen Zornes,„Prinz! Verzeihe Ihnen Gott, ich kann Ihnen nie verzeihen. Solcher Abscheulichkeit hielt ich nie das Herz eines Mannes fähig. Sie sind ein Verräter! Mein Mann ist ein Ehrenmann im Mamelucken⸗ kleide, Sie sind ein Mameluck im Ehrenkleide. In dieser Welt sehen Sie mich nicht wieder!“ Mit diesen Worten wandte sie ihm schnell und stolz den Rücken, ging auf den Mamelucken zu, und verlor sich mit ihm, wie man sah, in eine sehr ernste Unterredung. Philipp lachte heimlich sür sich in den Bart und dachte dabei:„Mein Stellvertreter, der Nachtwächter, mag sehen, wie er zurecht⸗ kommt. Ich spiele meine Rolle in seinem Namen so übel nicht. Wenn er nur morgen so ehrlich fortfährt, wie ich angefangen habe.“ Er trat zu den Tanzenden, und erblickte mit Vergnügen die schöne Karmeliterin in den Reihen der Tänzerinnen an der Seite ihres überglücklichen Braminen. Dieser ward des feuerfarbenen Domino kaum gewahr, so warf er ihm eine Kußhand, zu, und bezeichnete pan⸗ tomimisch die Höhe seiner Seligkeit. Philipp dachte bei sich:„Schade, daß ich nicht für zeit⸗ lebens Prinz bin! Die Leute sollten bald alle mit mir zufrieden sein. Es ist in der Welt nichts leichter, als ein Prinz zu sein. Mit einem Worte vermag er mehr, als der beste Aberglauben Nutzen zu ziehen. Advokat mit einer langen Rede. Er hat das Vorrecht, geradezu zu gehen und frei von der Leber weg zu sprechen. Ja, wenn ich Prinz wäre, dann wäre mein Röschen für mich ver⸗ loren. Nein ich möchte nicht Prinz sein!“ Er sah nach der Uhr, es war erst halb zwölf Uhr. Da kam der Mameluck in Hast auf ihn zu, zog ihn auf die Seite, und gab ihm ein Papier.„Prinz“, rief der Mameluck, „ich möchte zu Ihren Füßen fallen, und Ihnen im Staube danken. Ich bin versöhnt mit meiner Frau. Sie haben ihr Herz gebrochen, aber es ist gut, daß es geschah. Sie will noch diese Nacht abreisen. Sie will auf den Gütern in Polen bleiben. Leben Sie wohl! In welcher Stunde es auch sei, ich erwarte Ihre Befehle, wenn es darauf ankommt, für Ihre Königliche Hoheit in den Tod zu gehen. Mein Dank ist ewig. Leben Sie wohl!“ „Halt!“ rief Philipp, da der Marschall schnell davon wollte.„Was soll ich mit dem Papier?“ Der Marschall antwortete:„Es ist meine Spielschuld von voriger Woche, die ich fast ver⸗ gessen hatte, und jetzt bei der Abreise nicht ver⸗ gessen möchte. Ich habe den Wechsel auf Eure Königliche Hoheit übertragen.“ Damit ver⸗ schwand der Marschall. * Philipp schielte in das Blatt, las da etwas von fünftausend Gulden, steckte das Papier zu sich und dachte:„Schade, daß ich nicht Prinz bin!“ Indem wisperte ihm jemand ins Ohr: „Königliche Hoheit, wir sind beide veraten! Ich erschieße mich!“— Philipp sah sich mit großen Augen um, und erblickte einen Neger. „Was wollen Sie, Maske?“ fragte Philipp ganz gelassen. „Ich bin der Oberst Kalt!“ antwortete flüsternd der Neger. „Die unselige Marschallin hat dem Herzog Hermann geplaudert, und dieser speit jetzt Feuer und Flammen gegen Sie und mich.“ „Meinethalben!“ versetzte Philipp. „Aber der König erfährt alles!“ seufzte der Neger ängstlich;„vielleicht werde ich diese Nacht schon verhaftet und morgen auf die Festung ge⸗ bracht. Ich erhänge mich lieber!“ „Davon haben Sie keinen Nutzen!“ sagte Philipp... 5 „Soll ich mich lebenslänglicher Schande preisgeben? Ich bin verloren: Der Herzog wird blutige Genugthuung fordern. Sein Rücken ist gewiß noch blau von der Tracht Schläge, die ich ihm gab. Ich bin verloren und das Bäckermädchen dazu. Ich springe von der Brücke und ertränke mich noch diese Nacht.“ „Behüte Gott!“ sagte Philipp,„Was hätten Sie und das Bäckermädchen davon?“ „Ihre Königliche Hoheit scherzt, und ich bin in Verzweifelung. Ich flehe unterthänigst, gönnen Sie mir nur ein paar Augenblicke unter vier Augen!“ Philipp folgte dem Neger in ein einsames Seitengemach, wo wenige Kerzen einen düstern Schein verbreiteten. Der Neger warf sich, wie gelähmt anf ein Sofa nieder und seufzte laut. Philipp fand auf einem Tische Erfrischungen nebst feinen Weinen und ließ sich's schmecken. „Ich begreife nicht, wie Ihre Königliche Hoheit so ruhig bei der verdammten Geschichte sein kann!“ sagte der Neger.„Wäre nur der Schelm, der Neapolitaner Salmoni, noch hier, der den Geisterbeschwörer spielte; der Kerl war voll Ränke von den Zehen an bis zum Scheitel, und hätte uns vielleicht durch eine List retten können. Jetzt hat er sich aus dem Staube gemacht.“ „Desto besser!“ erwiderte Philipp, und füllte sein Glas von neuem.„So schieben Sie alle Schuld auf ihn. Er ist fort.“ „Wie auf ihn schieben? Der Herzog weiß, daß Sie, ich, die Marschallin und das Bäcker⸗ mädchen dabei beteiligt waren, um aus seinem Er weiß, daß Sie den Salmoni zur Geisterbannerei dangen; daß ich mein Bäckermädchen, in das er verliebt war, abrichtete um ihn in die Falle zu locken; daß ich der Geist war, der ihn zu Boden warf und ihn durchbläute. Hätte ich den Spaß nicht zu weit getrieben! Aber ich wollte ihm die Liebe zu meinem Mädchen ein wenig ausklopfen. Gift l ein verdammter Streich. Ich nehme t 1 „Nehmen Sie lieber ein Glas Wein; er ist gut!“ sagte Philipp und nahm mit großer Eß⸗ lust ein frisches Stück Torte.„Und überhaupt“, setzte er hinzu,„muß ich Ihnen offen gestehen, lieber Oberst, daß Sie für einen Obersten sehr feig sind, und sich da einer Narrengeschichte willen gleich erschießen, ertränken, vergiften und aufhängen wollen. Es wäre schon an einem zu viel. Zweitens muß ich Ihnen sagen, daß ich aus Ihrem ganzen Geschwätz noch immer nicht klug werde.“ „Königliche Hoheit halten zu Gnaden, ich weiß nicht, wie mir der Kopf steht. Der Kammerjunker des Herzogs— er ist mein alter Freund,— vertraute mir diesen Augen⸗ blick, die Marschallin sei, wie vom Teufel ge⸗ plagt, vor wenigen Minuten zum Herzog ge⸗ treten, und habe ihm gesagt: der Streich im Hause des Bäckers hat Ihnen Prinz Julian gespielt, der Ihnen seine Schwester nicht gönnte. Die Hexe, die Sie sahen, war ich selbst, als Abgeordnete der Prinzessin, um Zeugin Ihres Aberglaubens zu sein. Prinz Julian hat das Verzeichnis Ihrer Schulden, das sie in die Gruft warfen, aus welcher Sie die Schätze heben sollten, sowie Ihr schriftliches Versprechen gegen das Bäckermädchen, das Sie nach der Vermählung mit der Prinzessin, als Mätresse zu sich nehmen und adeln lassen wollten. Und der Geist, der Sie abprügelte, war Oberst Kalt, der Handlanger des Prinzen. Darum ging es mit Ihrer Vermählung den Krebsgang. Machen Sie sich keine Hoffnung länger; Sie warten vergebens.— So hat die Marschallin dem Herzog gesagt, und ist verschwunden.“ Philipp schüttelte den Kopf und dachte: „Das sind ja recht saubere Geschichten! Solcher Streiche schämt sich ja jetzt der gemeinste Pöbel. Was Teufeleien und kein Ende!“ „Nein“, rief der Oberst,„rasender, und pöbelhafter kann man nicht handeln, als die Marschallin. Das Weib muß eine Furie sein. — Gunädigster Herr, retten Sie mich!“ „Wo ist denn der Herzog?“ fragte Philipp. „Der Kammerjunker sagte, er sei schnell aufgestanden und habe bloß gerufen:„Ich gehe zum König!— Denken Sie, Prinz, wenn der zum Könige geht und unsere Geschichte nach seiner Art ausmalt!“ „Ist denn der König hier?“ „Allerdings! Er spielt im Nebenzimmer mit dem Erzbischof und dem Polizeiminister Karten.“ f Philipp ging mit großen Schritten durch das Kabinett. Hier war guter Rat teuer. „Königliche Hoheit“, sagte der Neger,„retten Sie mich! Es gilt Ihre eigne Erre! Es wird Ihnen leicht sein. Uebrigens bin ich auf alles gefaßt, nnd bei der ersten Gefahr über die Grenze. Ich packe ein. Morgen erwarte ich Ihre letzen Befehle über mein, Verhalten.“ — Mit diesen Worten verschwand der Neger. VI. „Es ist die höchste Zeit, das du wieder Nachtwächter wirst!“ dachte Philipp bei sich selber.„Du verwickelst dich und deinen Stell⸗ vertreter inheillose Händel, aus denen dich und ihn weder seine, noch meine Klugheit rettet.— Das also wäre der Unterschied zwischen einem Nachtwächter und einem Prinzen? Dafür gebe ich noch keinen Heller. Lieber Himmel, wieviel tolle Dinge geschehen bei den Erden⸗ göttern hier unterm Hofhimmel, wovon wir uns bei Nachtwächterhorn und Webstnhl, bei Spaten und Leisten nichts träumen lassen! Man bildet sich ein, die Götter führen ein Leben, wie die Engel, ohne Sünden, ohne Sorgen. Saubere Wirtschaft! Ich habe in einer Viertelstunde hier mehr lose Streiche gut zu machen, als ich in meinem ganzen Leben begangen habe.“ 4. „So einsam, mein Prinz?“ flüsterte hinter ihm“ eine Stimme.„Ich preise mich glücklich, Ihre Königliche Hoheit einen Augenblick allein zu treffen.“ e Königlt tausend geworde zu well Sie der Schulde ö Philip 85 Warten tausend „N walten W günstig Haus Sie d Gulder tungen N 00 er Fi Steife berdrä zu win 5 f Partei a é dh l Abri Kann mische mmer , ich Der mein luger⸗ el Je⸗ 0 ge⸗ ch im Julian önnte. t, als Ihres t das in die schätze rechen ch der üttesse Und Oberst darum gang, Sie hallin 10 achte: öolcher zimmer iinister durch . retten 0 wird f alles her die ute 0 alten. Negel⸗ wieder de sic Stel ic d fei. eine Daft Nr. 8. Mitteldeutsche Gonutags⸗Zeitung. Seite 7. Philipp sah sich um. Es war ein Berg⸗ 0 0 in Gold, Seide und Juwelen.—„Was wollen Sie?“ fragte Philipp. g „Nur einen Augenblick gnädiges Gehör!“ antwortete der Knappe.„Es ist dringend, das Resultat Ihnen vielleicht lieb 15 5 „Wer sind Sie denn, Maske, wenn ich fragen darf?“ g 3 „Graf Bodenlos, der Finanzminister, Ihrer Königlichen Hoheit zu dienen!“ versetzte der Kna pe, und lüpfte die Larve, um ein Gesicht zu zeigen, das mit den kleinen Augen und mit der kupferroten Nase eine neue Larve zu sein chien. 5„Nun, Herr Graf, was steht zu Befehl?“ fragte Philipp weiter. f 5 „Darf ich freimütig reden? Ich ließ mich schon dreimal bei Ihrer Königlichen Hoheit melden, und genoß nickt die Gnade, vorgelassen zu werden. Und doch— Gott ist Zeuge!— nimmt am ganzen Hofe niemand an Ihrer Königlichen Hoheit Wohl und Weh so lebhaften Anteil, als ich.“ „Herr Graf, ich bin Ihnen verbunden!“ versetzte Philipp.„Aber was wollen Sie? Machen Sie's kurz!“ „Darf ich vom Handelshause Abraham Levi reden?“ sagte der Bergknappe. „So viel Sie wollen!“ 1 „Es hat sich an mich wegen der fünfzig⸗ tausend Gulden gewendet, die Sie ihm schuldig geworden sind. Es droht, sich an den König zu wenden. Und Sie wissen, welches Wort Sie dem Könige gaben, als er Ihre letzten Schulden zu bezahlen befahl?“ g „Können die Leute nicht warten?“ fragte Philipp. i N 5 ö „So wenig, als die Gebrüder Goldschmidt warten wollen, die von Ihnen fünfundsiebzig⸗ tausend Gulden zu fordern haben.“ „Mir gleich! wenn die Menschen nicht warten wollen, so muß ich...“ „Keine verzweifelten Entschlüsse, gnädister Herr! Ich bin im stande, alles wieder ins Ge⸗ leise zu bringen, wenn...“ „Wenn denn, wenn?“ „Wenn Sie mir Ihre Gnade schenken, wenn Sie mich nur einen Augenblick anzuhören ge⸗ ruhen. Ich hoffe, alle Ihre Schulden ohne Mühe zu decken. Das Haus Abraham Levi hat un geheuere Einkäufe von Getreide veran⸗ staltet, so daß dasselbe sehr im Preise gestiegen ist. Ein Verbot der Kornausfuhr gegen die benachbarten Staaten wird den Preis um das Doppelte und Dreifache in die Höhe schnellen. Dann gibt man dem Abraham Levi Ver⸗ günstigungen, und alles ist in Ordnung. Das Haus streicht die Schulden, übernimmt für Sie die Zahlung der fünfundsiebzigtausend Gulden, und ich überreiche Ihnen die Quit⸗ tungen. Alles aber hängt von dem Umstande ab, daß ich noch einige Jahre an der Spitze der Finanzen bleibe. Gelingt es dem Baron Greifensack, mich aus dem Ministerium zu verdrängen, so bin ich außer stande, so für Sie zu wirken, wie es mein heißester Wunsch wäre. Es steht bei Ihrer Königlichen Hoheit, die Partei des Greifensack zu verlassen, und unser Spiel ist gewonnen. Für mich ist es einerlei, ob ich im Ministerium bleibe, oder nicht. Ich sehne mich nach Ruhe. Aber es ist mir Eurer Königlichen Hoheit wegen nicht gleichgütig. Kann ich die Karten nicht nach Gefallen mischen, so hab ich verloren.“ (Fortsetzung folgt.) Rpothenle und Aberglaube. Die Charlottenburger Polizeidirektion hat unlängst in den dortigen Apotheken nach un⸗ echtem Hirschtalg fahnden lassen. Sie hat dabei überall statt Hirschtalg Rindertalg bekommen. Ob Bestrafung dieserhalb erfolgt ist, haben wir nicht erfahren. Als dieses Vor⸗ gehen der Charlottenburger Polizei in der Oktobersitzung des Vereins der Apotheker Ber⸗ lins zur Sprache kam, erregte es dort allgemeine Heiterkeit. Man gibt ja überall, in Berlin wie anderwärts in den Apotheken, wenn Hirsch— talg verlangt wird, Rindertalg oder Hammel⸗ talg, der nach der Meinung der Apoteker(auch nach Hagers Handbuch der pharmaceutischen Praxis) dieselben Dienste thut und leichter zu beschaffen ist. Damit der Käufer aber keinen Zweifel in die Echtheit des Erhaltenen setze, giebt man für 10 Pfg. nur ein kleines Täfelchen. Wir wollen hier die Sache aber einmal von einer ernsteren Seite betrachten. Denn der Hirschtalg ist nicht der einzige Stoff, für den in den Apotheken dem Käufer etwas anderes gegeben,„substituiert“ wird. Das „Substituieren“ ist eben eine schwache Seite der Apotheker, wie neulich ein Apotheken⸗Besitzer Rathe aus Rastede in der„Apotheker⸗Zeitung“ bekannte. Als rote Krebsbutter erhält man da allgemein mit Alkanna rot gefärbtes Schweine⸗ schmalz. Dieses wird überhaupt statt der ver⸗ schiedensten Fettarten gegeben, die von ununter⸗ richteten Leuten noch vielfach in den Apotheken gegen alle möglichen Leiden zum äußerlichen oder innerlichen Gebrauch verlangt werden, als da sind: Menschenfett, Bärenfett, Löwenfett, Wolfsfett, Dachsfett, Fuchsfett, Murmeltierfett, Bieberfett, Storchfett, Reiherfett, Schlangenfett, Aeschenfett, Schneckenfett usw., aber für 10 Pfennig immer nur 10 bis 20 Gramm. Auch wenn jemand am 1. April nach der Apo⸗ theke geschickt wird, um für 10 Pfg. Mückenfett zu holen, erhält er dort meist ebenfalls ein paar Gramm Schweinefett dafür, und wenn er es, nachdem er für seine Leichtgläubigkeit zu Hause ausgelacht worden ist, zurückbringt, verweigert man meist die Rücknahme. Schreiber dieses hat als Apothekerlehrling täglich viele Mal so Schweinefett, oder Rinder⸗ talg für alles Mögliche gegeben, und dabei ein recht ernsthaftes Gesicht machen müssen, damit das Publikum keinen Zweifel in die Echtheit des Erhaltenen setzte: denn es kommen viele Landleute in die Apotheke und bei denen stehen die verschiedensten Fette und ähnliches Zeug noch in hohem Ansehen. Dabei sagte man ihm: „Das ist ja alles gleich, aber die Leute sind einmal so dumm, darum brauchen wir jedoch auch nicht so dumm zu sein.“ Und nicht nur bei den Fetten machen die Apotheker ihre Substitutionen. Da wird statt Fuchslungensaft Süßholzsyrup gegeben(nach Hacher), statt Rettigsaft Zuckersyrup, dem eine Spur Senfspiritus zugesetzt ist, statt Veilchen⸗ saft mit Alkanna rotgefärbter Zuckersaft, statt Altheesalbe ein mit Curcuma gefärbtes Fett⸗ gemisch(alles nach Hager), statt grüner Kräuter— salbe ein mit Curcuma und Indigo grün ge⸗ färbtes Fettgemisch, das keine grünen Kräuter gesehen hat. Professor Dr. Bock in Leipzig hat in den siebziger Jahren in der„Gartenlaube“ viele dieser Substitutionen in seinen„Plaudereien aus der Apotheke“ mitgeteilt; auch Rosegger schildert in seinem Buch.„Als ich jung war“ sehr drastisch, als er um Hasenöl in die Apo⸗ theke geschickt wurde. Aber der Unfug geht immer noch in gleicher Weise fort. Jeder Apotheker sagt sich, weise ich die Leute ab, so gehen sie zu meinem Kon⸗ kurrenten, und der giebt ihnen alles, und der Konkurrent denkt ebenso. Daher geben beide immer etwas, wenn auch das unsinnigste Zeug verlangt wird. Selten findet sich ein weißer Rabe, der keinen Konkurrenten hat, und sagt den Leuten:„Das ist ja Unsinn, was Sie da wollen.“ Die Polizei ist zwar sehr besorgt darum, daß Turnvereine keine Politik treiben, aber daß in den Apotheken Tag für Tag armen Leuten viele Tausende in einer Weise abgenommen werden, die mehr oder weniger als Betrug be⸗ zeichnet werden muß, darum kümmert sie sich höchst selten. Wenn ein Kaufmann statt Kuh- butter Margarine giebt, ja wenn er nur die Kuhbutter mit einem geringen Prozentsatz Margarine oder einem anderen Fett versetzt, so wird er streug bestraft und zwar sehr mit Recht; wenn aber der Apotheker statt des verlangten Hirschtalg Rindertalg giebt, oder ähnliche Sub⸗ stitutionen vollführt und sie dabei zehnmal teurer berechnet, da findet selten ein Staats⸗ anwalt den Betrugsparagraphen. Ist aber das eine strafbar, so ist es auch das andere. Und diese Nichtanwendung des Strafgesetzes er⸗ folgt gegenüber denselben Apothekern, denen vom Staat durch ihr Monopol und ihre Taxe schon so sehr viele Vorteile gewährt werden, denen in der Einrichtung der Krankenkasse eine wahre Goldgrube erstanden ist, gegen die sich freilich die meisten von ihnen im höchsten Grade unkoulant zeigen. Fragt man aber, woher es kommt, daß am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in der Stadt der Intelligenz ebenso wie in der Lüneburger Heide und in der Wasserpolackei noch täglich solche unnützige Dinge in der Apotheke verlangt werden, so müssen wir sagen, weil in der Schule die Kinder zwar vieles Ueberflüssige vom Wal⸗ fisch des Noah bis zum Schlachtroß von Sadowa lernen, aber über die einfachsten Vorgänge im nenschlichen Organismus und im täglichen Leben fast gar nicht unterrichtet werden. Sprüche zur Lebensweisheit. Lesefrüchte aus den Werken Friedrich des Zweiten(des alten Fritz). Die Lebensgeschichte eines Monarchen soll ein Verzeichnis von Wohlthaten sein, die er über sein Volk verbreitet hat. * Könige sind Menschen wie andere Menschen und genießen nicht des ausschließenden Vorzugs, in einer Welt vollkommen zu sein, in welcher nichts es ist. Sie bringen ihre Furchtsamkeit oder Entschlossenheit, ihre Thätigkeit oder ihre Trägheit, ihre Laster oder ihre Tugenden mit auf den Thron, auf welchen der Zufall ihrer Geburt sie setzt; und in einem erblichen Reiche müssen notwendig Fürsten von den verschte⸗ densten Charakteren aufeinander folgen. Es wäre ungerecht, zu verlangen, daß alle Fürsten ohne Fehler sein sollten, da kein Mensch es ist. Gemeinnütziges. Ein gutes Desinfektionsmittel für Krankenzimmer ist folgendes: In ein Gefäß(Topf oder Krug) gieße man 1 Liter kochendes Wasser, verbinde einen Theelöffel voll Terpentinöl damit durch Hineinträufeln, und der schönste Tannengeruch durchströmt das Zimmer. Jeder Ansteckungsstoff wird durch dieses täglich zwei bis dreimal zu wiederholende Verfahren unschädlich gemacht. Bei Brukt⸗ kranken ist die Wirkung überraschend günstig. Dabei ist das Mittel sehr billig, da ein Quan⸗ tität Terpentinöl für 10 Pfg. die ganze Woche hindurch ausreicht. Humoristisches. Englische Zeitungsberichte. Englischer Offizier in Transvaal:„Inmitten des Kampfgetriebes kommt einem doch jedes objektive Urteil abhanden. Man hat das bedrückende Gefühl einer Niederlage, und dann stellt sich heraus, daß wir einen großen Sieg er⸗ fochten haben.“(Simplic.) Regierungskunst. Serenissimus:„Man muß in der auswärtigen Politik Dummheiten machen, um die Aufmerksamkeit von der inneren abzulenken, und dann muß man in der inneren Politik Dummheiten machen, um die Aufmerksamkeit von der auswärtigen abzulenken.— Das ist das ganze Geheimnis der Re⸗ gierungskunst.“ Unterm Zuchthauskurs. Schutzmann: „Sie... wissen Sie nicht, daß Streikpostenstehen ver⸗ boten ist?“ Arbeiter: boch setzen.“ „Nu, mein Gutester, ich kann mer ja Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. In freien Stunden. Der neue Halbjahrsband der von der Buchhandlung„Vorwärts“ herausgegebenen illustrierten Romanbibliothek liegt nunmehr komplett vor. Ein prächtiges Buch— äußerlich und, was die Hauptsache ist auch innerlich. Die bisher erschienenen sechs Halbjahrsbände gereichen jeder Bibliothek zur Zierde. Wer Unterhaltungslitteratur kauft, vergesse die„Freien Stunden“ nicht. Seite 8. — losek Loggat . Fritz Sceller Söhne, Homburg. Anerkannt feinsteq Marte. Nr. 1 per Flasche M. 8 I 2 I 1 5 1 3 7 7 2. 40 . 5 7 9 3.— 7 5„ 77 1.80 E 6 per Literfl. 7 2. 5 7„„ 1.80 Alleinige Niederlage: Heuchell. Consum-Halle Inh. H. Schmidt Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Kl. Wohnung für 2—3 Personen. Zu be⸗ ziehen den 1. Februar. Ste in straße 63. 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Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung 8 zugezogen haben, sei hiermit ein 1 Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren;! erprobt sind. Es ist dies das bekannte f Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ullrich'sche K Täuter-Wein. Dieser Aräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig; befun denen Fräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsor- anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Bräuter⸗Wein beseitigt alle Ztörungen in den Blut⸗ gefüßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Flutes. 1 Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Vobelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so! heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 5 Stuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen wie: Beklemmung, Koliksohmerzen Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(nämorrhoidalleiden) werden durch; Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt; jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung,! mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter! nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 5 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. 5 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à. 1.25 u. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert UIIrich, Leipzig, West- strasse 824“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. 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