lig in der 6 lig. Swahl, else. W n. illigen schäft U agu. N Presse in ern, te, garen, ten, ren shans arkistt* e 5 arn I Gießen, Sonntag, den 13. Mai 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. — Mitteldeuts che 7 1 Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Ahr. Abounementspreis: Bestellungen JInserate Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. — Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ½0% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Sur Deckungsfrage. Um die Kosten der Flottenvermehrung zu decken, hat bekanntlich das Zentrum der Regie⸗ rung ein ganzes Bündel neuer Steuerpläne vor⸗ gelegt, deren Ergebnisse nach den Erklärungen des Abg. Müller⸗Fulda vollkommen ausreichen sollen. Es erscheint angebracht, sich die schönen Sachen, welche da dem Volke von der ausschlag⸗ gebenden Partei bescheert werden sollen und die damit, daß sie die„breiten Massen nicht be⸗ lasten“, empfohlen werden, etwas näher an⸗ zusehen. Zunächst, schreibt Genosse Parvus, ist das überhaupt ein etwas seltsamer Stand⸗ punkt für eine angeblich demokratische Partei, in neuen Steuern das Wunschkräutlein zu sehen, das alle Schlösser öffnet. Das Volk hat der Steuern übergenug, der direkten, wie der indirekten! Und wenn uns gewiß eine progressive Eiukommensteuer lieber ist, als eine Verbrauchssteuer, so heißt das noch nicht, daß wir in der Einkommensteuer einen Volks segen erblicken. Wir wünschen die Einkommensteuer, wenn es gilt, durch diese die Verbrauchssteuern zu ersetzen, oder wenn es gilt, damit Kulturauf⸗ gaben zu bestreiten, aber an und für sich ist selbst die beste Einkommensteuer eine Last, die sich das Volk hinwegwünscht. Die Erbschaftssteuer, für welche das Zentrum plaidiert, wäre uns willkommen, wenn dadurch die Bier- oder Zucker⸗ steuer vermindert wäre, aber eine Reichs Erb⸗ schaftssteuer als Anhängsel zu den Verbrauchs⸗ steuern ist nur eine Vermehrung der Steuerlast. Eine Reichs⸗Erbschaftssteuer einzuführen, um Panzerflotten zu bauen, das läuft darauf hinaus, Krupp und Konsorten zu Erben des deutschen Volkes einzusetzen, denn das Geld für Panzerflotten fließt ja in die Taschen dieser Herren. Doch ist auch gar nicht daran zu denken, durch eine Reichs⸗Erbschaftssteuer, eine Ver⸗ mehrung der Lotteriesteuer und der Börsen⸗ stempelsteuer die Kosten der Marinebauten zu decken. Gerade in dem Augenblicke der Not wird das ganze Gebäude dieser Steuern zu⸗ sammenbrechen. Denn die ganze Deckungsfrage wurzelt ja in der Erkenntnis, daß der industrielle Aufschwung und mit ihm die Steigerung der Reichseinnahmen nicht ewig dauern kann, daß man folglich nach Mitteln sich umsehen muß, einen etwaigen Ausfall zu decken. Nun wohl, es giebt keine trügerischere Steuer, als die auf Wertpapiere. Sie schwillt schnell auf beim guten Geschäftsgang, um beim schlechten ebenso schnell zusammenzuschmelzen. Schon die Geschäftsflaue von 1891/3 hat die Einnahmen der Reichs⸗ stempelsteuern, inklussive Lotteriesteuer, von 34 auf 21,7 Millionen Mark, also um mehr als ein Drittel vermindert. Kein Mensch zweifelt daran, daß, wenn es jetzt zu einer Handelskrisis kommt, der Zusammenbruch ein viel größerer sein wird, als 1890 nach dem geringen Auf⸗ schwung der 80 er Jahre. Dazu ist es Gesetz bei jeder Steuer, daß, je größer der Steuersatz, 2 leichter Schwankungen des Ertrages ein⸗ eten. Nicht viel besser ist es um die Erbschafts⸗ steuer bestellt zur Zeit des geschäftlichen Rück⸗ gangs. In solchen Zeiten führt der Tod des SGeschäftsinhabers am häufigsten zur Auflösung des Geschäfts und die Liquidation vollzieht sich unter den ungünstigsten Verhältnissen. Von allen Steuern, mit denen man das Einkommen der Kapitalistenklasse zu treffen sucht, ist die progressive Einkommensteuer, nicht nur diejenige, die direkt auf das Ziel losgeht, sondern die einzige, die eine ausreichend breite Grundlage darbietet, um darauf fiskalisch zu bauen. Die vom Zentrum in Ausischt genom⸗ menen Steuern dagegen werden gerade in dem Moment versagen, für den man sie in Bereit⸗ schaft halten well: die Zeit der Geschäftsflaue. Mag die Regierung auch aaf die Steuer⸗ vorschläge des Zentrums eingehen— ob sie die Erbschaftssteuer acceptiert, ist mehr als zweifel⸗ haft— so wird man doch nach neuen Steuer⸗ quellen sich umsehen müssen, da die projektierten zur Deckung der Milliardenausgaben für die Flotte durchaus nicht ausreichen. Und das Zentrum wird mitthun müssen, da es, wenn es die Marinevorlage bewilligt, sich auch zur Auf⸗ bringung der Mittel verpflichtet. Staatssekretär von Thielemann proponiecte eine Saccharin⸗Steuer. Er meinte u. a., dadurch werde auch noch der Zuckerkonsum ge⸗ steigert. Daß gerade die hohe Verbrauchssteuer auf Zucker die ärmere Berölkerung veranlaßt, den Nährstoff Zucker durch ein Kohlenprodukt zu ersetzen, verschweigt er. Der Genuß von Saccharin statt Zucker ist vom Gesichtspunkte der Ernährung wie der Genuß von Lehm statt Brot. Soweit also hat die hohe Zuckerbesteue⸗ rung das Volk gebracht. Und was sieht darin die Regierung? Nur die Gelegenheit zu einer neuen Besteuerung! Nun wohl, wenn der Genuß von Saccharin etwas in fiskalischer Beziehung beweist, so ist es dieses: daß an eine Erhöhung der Zuckersteuer jedenfalls nicht mehr gedacht werden kann. Wir wollen uns jetzt nicht bei der Erörterung der einzelnen Verbrauchssteuern aufhalten— es wird, wenn die Marinevorlage bewilligt wird, eine Zeit kommen, wo wir es in aller Aus⸗ führlichkeit werden thun müssen— soviel aber jetzt schon: die Verbrauchssteuer, die am ehesten zur Deckung eines Ausfalles im Staatsbudget herangezogen werden wird, ist die Biersteuer. Mögen die Zentrumsführer reden, was und so viel sie wollen, um diese Thatsache kommen sie nicht herum: wenn sie die Marinevorlage bewilligen, so bewilligen sie für eine nahe Zu⸗ kunft eine Erhöhung der Biersteuer. Das ist die Lösung der Deckungsfrage, zu der die Entwickelung der Thatsachen drängt. Und die parlamentarischen Schlaufüchse des Zentrums wissen es schließlich nicht minder gut, als wir, nur sagen sie es nicht, denn sie gehen auf poli⸗ tischen Gimpelfang aus. An dem Militarismus und den damit verbundenen Lasten traf parlamentarisch die nationalliberale Partei die hauptsächlichste Ver⸗ antwortung. Auch da hat man dem Volke goldene Berge versprochen. Aber die Schätze sind von den Herren Bleichröder, Krupp, Stumm ꝛc. ꝛc. eingeheimst worden, dem Volke wuchsen nur die Steuern bergeshoch. Für den Ma⸗ rinismus übernimmt das Zentrum die parlamentarische Verantwortung. Und wieder verspricht man dem Volke goldene Berge. Wieder aber ist es das Volk selbst, welches das Gold zusammentragen muß, mit dem die Herren Bleichröder, Krupp, Stumm ꝛc. sich die Taschen füllen. Wenn aber je ein Schwindel in seinen ersten Anfänger schon von dem gesamen Volke aufgedeckt wurde, so ist es der Flotten⸗ rummel, und wenn je eine Partei gewarnt worden, so ist es jetzt das Zentrum— der Tag naht, an dem das Volk mit den Zentrums⸗ mannen ebenso abrechnen wird, wie mit den. Nationalliberalen. Politische Rundschau. Gießen, 11. Mai. Höfische Feste. In Berlin haben aus Anlaß der Großjöhrig⸗ keitserklärung des Kronprinzen große Festlich⸗ keiten stattgefunden. Dazu waren ein Dutzend „hoher und höchster Herrschaften“ eingetroffen. Berlin prangte in der Dekoration, für welche die freisinnigen Stadtoäter den Stadtsäckel um 50 000 Mk. erleichterten. Die bürgerliche Presse überbot sich in über schwänglichen byzantinischen Phrasen über die„unerschütterliche Festigkeit“ des Dreibundes, die deutsch⸗österreichisch⸗ungarische Freundschaft usw. Für das Volk hat das Phrasengeklingel gar keine Bedeutung. Rheinfahrt. Um für die Flotte Reklame zu schlagen, fährt gegen⸗ wärlig eine Torpedobootflotille den Rhein hinauf. An allen größeren Städten wird angelegt und den Offizieren werden von Seiten der Gemeindebehörden auf Kosten des Stadtsäckels Gastmähler hergerichtet, wobei auch manchmal für die Manschaften etwas abfällt, was diesen wohl zu gönnen ist. Die bei der Gelegenheit ge⸗ haltenenen Flottenbegeisterungsreden verraten einen Schwung, der den auf dem Gebiete des Kgarnevals hervorragend leistungsfähigen Rheinländern alle Ehre macht. In Köln bedankte sich die Besatzung der Boote für den freundlichen Empfang durch ein Feuerwerk, 1 sie dem staunenden Publikum am Montag zum Besten gab.— Auch Mainz und Mannheim sollen noch von den Kriegsfahrzeugen besucht werden, deren Reise sich vorher nur bis Köln erstrecken sollte. Zum großen Leidwesen der Straßburger Flottenfexe erlauben es, wie berichtetet wird, die Wasserverhältnisse des Rheines nicht, die Kähne bis dort hinauf zu ziehen. Man könnte sie ja per Eisenbahn nach Straßburg transportieren! Oder noch besser, auf Rädern durchs Land fahren lassen! 1 Das agrarische Zuchthausgesetz, das dem Landtage von Reuß j. L. vorlag, ist von diesem gegen die sozialdemokratischen und zwei fortschrittliche Stimmen an⸗ genommen worden. Unter der Majorität, die für das Gesetz stimmte, befanden sich auch drei fortschrittliche Abgeordnete. Wir haben schon in Nr. 15 unseres Blattes die un⸗ erhörten Bestimmungen des Knebelgesetzes wieder⸗ gegeben.§ 4 desselben lautet: „Landwirtschaftliche Arbeiter, welche die Ar⸗ beitgeber zu gewissen Handlungen oder Zugeständ⸗ nissen dadurch zu bestimmen suchen, daß sie eine kontraktwidrige Einstellung der Arbeit oder eine Verhinderung derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeitgebern untereinander verabreden, werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Die Anstifter unterliegen der gleichen Strafe, auch wenn sie keine landwirtschaftlichen Arbeiter sind.“ r — 2 2 8 * Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Dieser Paragraph steht mit dem Reichs⸗ recht in Widerspruch, ist also verfassungs⸗ widrig. Denn die hier behandelte Materie ist bereits in 8 240 des Strafgesetzbuches unter Strafe gestellt(Nötigung), und nach dem Ein⸗ führungsgesetz zum Strafgesetzbuch dürfen nur noch solche Materien durch die Landesgesetzgebung geregelt werden, die nicht Gegenstand des Straf⸗ gesetzbuches sind. Ebenfalls kollidiert die Be⸗ stimmung des Geraer Knebelgesetzes, die den Gemeindevorstand berechtigt, einen kontrakt⸗ brüchigen Arbeiter dem Arbeitgeber zwang s⸗ weise zuzuführen, mit der Reichs gesetz⸗ gebung.. Und trotzdem hat der Geraer Landtag kein Bedenken getragen, eine derartig verfassungs⸗ widrige Gesetzesvorlage anzunehmen. Sogar drei fortschrittliche Abgeordnete haben sich, bar alles Schamgefühls, auf die Seite der Reaktion geschlagen, die sich im Interesse von dritthalb⸗ tausend ländlichen Besitzern keck über alle ent⸗ gegenstehenden Bestimmungen des Reichsgesetzes hinweggesetzt hat. Es wird Sache des Reichstages sein, die Frage aufzuwerfen, ob es den Einzellandtagen gestatt⸗t werden soll, sich gesetzgeberische Kompe⸗ tenzen anzumaßen, die unzweifelhaft der reichs⸗ gesetzlichen Regelung vorbehalten sind. Polakei in Deutschland. Ueber die ungeheure Vermehrung der im Ruhrgebiet beschäftigten Arbeiter macht der „Vorwärts“ einige Mitteilungen. Im Ruhr⸗ vergbau allein sind gegenwärtig 220 000 Arbeiter beschäftigt, ihre Zahl hat im ersten Vierteljahr dieses Jahres um 18 000 zugenommen. Noch im Jahre 1895 waren nur 154 702, 1880: 80 152, 1870 nur 51391 Bergleute im Ruhr⸗ gebiet beschäftigt. Auch die Stahl- und Eisen⸗ industrie weist ein fast ebenso starkes Anwachsen ihres Arbeiterheeres auf. Diese Zunahme ist die Folge der enormen Einwanderung fremder, namentlich polnischer und tschechischer Arbeiter, die in großen Scharen durch die Versprechungen der Agenten dorthin gelockt und waggonweise eingeführt werden. Infolgedessen haben manche Bezirke ganz ihren deutschen Charakter verloren und mancher Ort mit seinen polnischen und tschechischen Geschäftsanzeigen macht den Ein⸗ druck, als befinde man sich in Böhmen oder Galizien. Allein 60 000 Polen nebst Familien sind im Ruhrbezirk vorhanden, die Eingewan⸗ derten anderer Nationalität nicht mitgerechnet. Durch diese von den„patriotischen“ Gruben⸗ baroneu hergelockten fremden Arbeitermassen wer⸗ den natürlich die auf Besserung ihrer Lage ab⸗ zielenden Bestrebungen der einheimischen Arbeiter gehemmt. Die ohnehin ungebildeten und dem Organisationsgedanken schwer zugänglichen Polen und Tschechen werden von dem Unternehmertum in möglichster Abgeschlossenheit gehalten, um als Lohndrücker gegen die deutschen Arbeiter verwendet zu werden. Daß sich unter diesen Umständen scharfe Gegensätze zwischen den ein⸗ heimischen und fremden Arbeitern herausbilden, ist ganz natürlich. Noch eine weitere Gefahr bringt der Import polnischer und russicher Arbeiter mit sich. Kürz⸗ lich schrieb die„Magdeburger Volksstimme“: „In den verschiedensten Gegenden unserer Provinz treten die schwar zen Pocken auf. So werden uns heute, außer den bereits gemeldeten Fällen in Wanzleben und Schleibnitz, noch folgende Fälle bekannt: In Quedlin⸗ burg starb ein Kind, zwei Bürgerfrauen liegen noch darnieder. In Eisleben starb ein russischer Arbeiter, der aus Erdeborn, an den schwarzen Pocken erkrankt, eingeliefert wurde. In Greußen(Sondershausen) liegen drei Ar⸗ beiterinnen daran darnieder. Die Erkrankungen kommen beinahe regelmäßig bei einge wan⸗ derten russischen Sachsengängern vor.“ Die Ursachen der Verbrechen. In einer unlängst vom preußischen Statistischen Amte aufgestellten detaillirten Statistik der rück⸗ fälligen Verbrecher zeigt sich die sehr bemerkens⸗ werte Thatsache, daß mehr als die Hälfte aller Berufsverbrecher nur im Besitz einer mangel⸗ haften oder ganz ungenügenden Schulbildung ist. Ein unverhältnismäßig großes Kontingent liefern die östlichen stark mit Volksteilen nichtdeutscher Zunge durchsetzten Provinzen; sast ein Fünftel aller Rückfälligen ist polnischer Muttersprache, davon ein erheblicher Teil gänzlich ohne Schul⸗ bildung. Das ist nicht überraschend. Daß eine bessere Volksbildung die Verbrechen vermindern würde, ist längst betont worden. Indeß ist die Be⸗ schaffenheit der Schulbildung doch nur ein sekun⸗ däres Moment. Steigt man tiefer, so wird man erkennen, daß die sozialen Verhältnisse das ur⸗ sprünglich Bestimmende sind. Nur ausgebeuteten, versklavten Massen kann schlechte Schulbildung auf die Dauer geboten werden. Jedenfalls aber zeigt die Statistik, wie gefährlich und verderblich die Bestrebungen der Junker und Schwarzkittel sind, die Schule herabzudrücken, Im Zeichen des Verkehrs! In der Budgetkommission des Reichstages, die sich gegenwärtig auf der Steuersuche für die Flotte befindet, wurde neulich über den Stempel auf Schiffs fahrkarten verhandelt, mit dessen Ertrag man auch ein paar Kähne zu be⸗ zahlen gedachte. Mit Stimmengleichheit wurde jedoch die Steuer abgelehnt. Für dieselbe trat natürlich auch Herr Müller vom Zentrum, der ja überhaupt diese Steuer, sowie die übrigen, mit denen sich jetzt die Kommission abquält, aufs Tapet gebracht hat, lebhaft ein. Dabei förderte er folgende Sätze zutage, die von den rück⸗ ständigen Anschauungen innerhalb der Zentrums⸗ partei beredtes Zeugnis ablegen: „Der Verkehrsdusel muß aufhören. Wenn der übergroße Verkehr eingeschränkt wird, so wäre dies kein Unglück, Die ganze Mensch⸗ heit ist jetzt faft ununterbrochen auf der Eisen⸗ bahn. Es wird jetzt viel zu viel gereist. Die Leute sollten lieber mehr zu Haus bleiben. Es ist gar kein Fehler, wenn der Ver⸗ kehr eingeschränkt wird.“ Vielleicht kommt der Vertreter für Höchst⸗ Usingen noch dazu, vorzuschlagen, daß jeder auf einen Flächenraum von einem Quadratkilometer „interniert“ werde, dessen Grenze zu überschreiten verboten werden muß. Natürlich müßte das nur für Arbeiter gelten, damit sie ihrem Ausbeuter nicht davonlaufen können! O, heiliges Zentrum! Nur„schneidig“ 1 Wilhelm II. hat an den Grafen Waldersee, der fünfzig Jahre im Dienst ist, das folgende Telegramm gerichtet:„Herzlichen Glückwunsch zu heute! Möge Gott Sie meiner Armee und mir noch lange erhalten und Sie Ihren fröh⸗ lichen Wagemut, Ihr unermüdliches Arbeiten und Ihren un verwüstlichen Schneid meinen Offizieren einimpfen.“ Deutsche Kultur in Afrika. Bei der Etatsberatung im Reichstage teilte Genosse Bebel mit, ihm seien schwere Verbrechen zweier Offiziere der ostafrikanischen Schutztruppe bekannt geworden, die sich dieselben gegen Ein⸗ geborene zu schulden kommen ließen. Die Namen der Beschuldigten hat er nicht öffentlich genannt, sondern sie privatim dem Kolonialdirektor mit⸗ geteilt, der erklärte, daß ihm von solchen Vor⸗ kommnissen nichts bekannt sei. Jetzt wird die Verhaftung eines Hauptmanns Kannenberg, der Stationschef in Ostafrika war, gemeldet. Er soll, wie der„Vorwärts“ hört, als er nachts durch das Schreien eines Negerkindes gestört wurde, aus dem Hause gesprungen sein und sowohl das Kind, wie die Mutter erschossen haben. Die Schwarzen müssen doch Feuer und Flamme für unsere christliche Kultur sein! Höchst unlauterer Wettbewerb. Mit welchen Schwierigkeiten und sogar Schmierigkeiten ein sozialdemokratisches Partei⸗ blatt zu kämpfen hat, mußte unser Elsässer Organ, die„Freie Presse“, an sich erfahren. Seit längerer Zeit schon waren den in der„Freien Presse“ inserierenden Geschäftsleuten von unbekannter Seite einzelne Exemplare dieses Blattes zugesandt worden, in denen das Inserat des Adressaten mit Blaustift bezeichnet und daneben auf dem Rande der Zeitung allerlei schristliche Vermerke, wie:„Inserate haben in diesem Blatte keinen Wert, weil sehr wenig Abonnenten“, oder „Keine Abonnenten! Genossen abonnieren selbst nicht! Blatt wird bald eingehen!“ enthalten waren. Durch das Gutachten eines beim Land⸗ gericht Straßburg vereidigten Sachverständigen wurde mit Sicherheit festgestellt, daß der Ab⸗ sender und Schreiber jener Randbemerkungen der Besitzer freisiunigen Straßburger Bürgerzeitung, Herr Oskar Riedel, ist. Unser Parteiorgan hat selbstverständlich gegen den schmutzigen Patron sofort eine Schadenersatz⸗ klage anhängig gemacht auf grund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Paul Göhre. Am 1. Mai trat in Berlin bei den Schneidern und Schneiderinnen Paul Göhre zum ersten⸗ mal als sozialdemokratischer Referent auf.(Die von uns in der vorletzten Nummer erwähnte Versammlung in Chemnitz, in der Göhre sprechen sollte, hat wegen seiner Erkrankung nicht statt⸗ gefunden.) Seinem Vortrage schickte er eine Bemerkung etwa folgenden Inhalts voraus: Ge⸗ nossinnen und Genossen! Es ist heute das erste⸗ mal, daß ich diese Anrede in einer großen öffentlichen Versammlung gebrauche. Heute voll⸗ ziehe ich in der Oeffentlichkeit meinen Uebertritt in die Reihen des kämpfenden Proletariats. Von Jugend auf die Bestrebungen der Arbeiter⸗ klasse mit lebhaftem Interesse verfolgend, bin ich dahin gekommen, wohin Jeder, dem es mit der Vertretung der Ar- beiterinteressen ernst ist, kommen muß: zur Sozialdemokratie! Von heute an marschiere ich als einer der Ihren in den Reihen des kämpfenden Proletariats. Der Redner ging hierauf zum Thema seines Vor⸗ trages über. Er schloß:„Wir wollen arbeitend leben und genießen, arbeitend kämpfen— oder den Tod!“—„Jeder, der es mit der Vertretung der Arbeiterinteressen ernst meint, muß zur Sozialdemokratie kommen.“ Wir em⸗ pfehlen diesen Ausspruch ihres ehemaligen Partei⸗ genossen der„Hess. Landeszeitung“ und ihren Freunden zur geneigten Beachtung. Ausländisches. Die französischen Gemeindewahlen haben am Sonntag stattgefunden. In Paris haben leider die Nationalisten, das sind die Antisemiten und Klerikalen, die Anhänger des Staatsstreiches und der Militärdiktatur, einen nicht geringen Erfolg zu ver⸗ zeichnen. Bisher waren in dem Pariser Gemeinderat vertreten: 39 Sozialisten und Radikale, 14 Republikaner, 12 Radikal⸗Sozialisten, 14 Konservative, Nationalisten und Monarchisten. Am Sonntag wurden gewählt: 13 Sozialisten, 10 Radikale, 7 Republikaner, 9 Reaktionäre und 11 Nationalisten. Von den 30 ausstehenden Stich⸗ wahlen sollen 22 den Republikanern, 8 den Nationalisten günstig sein. Der Ausschuß der sozialistischen Partei Partei fordert die Wähler auf, bei der Stichwahl für denjenigen republikanischen Kandidaten einzutreten, der in der Hauptwahl die meisten Stimmen auf sich ver⸗ einigte.— Erfreulicher als in der Hauptstadt sind die Wahlen in der Provinz ausgefallen. Nach den bisherigen Mel⸗ dungen haben die Republikaner nirgends Mandate ver⸗ loren, wohl aber neue gewonnen. Auch unsere Genossen verzeichnen in der Provinz bedeutende Erfolge; an mehreren Orten siegte die sozialistische Liste vollständig. Der Krieg in Südafrika. Die Buren setzen ihren Ruckzug nach Norden fort. Lord Roberts ist es nicht gelungen, wie er es beabsichtigt haben mag, ihren bei Dewetsdorp, Wepener und Tha⸗ banchuzstehenden Abteilungen den Rückzug abzusch neiden. Bei Thabanchu wurde tagelang heftig gekämpft. Die Engländer unter Hamilton scheinen dabei schlecht ab⸗ geschnitten zu haben. Ein Proviantwagen und die Wasser⸗ wagen der englischen Brigade fielen in die Hände der Buren. General Hamilton kam selbst in Gefahr, er zog sich deshalb nach Thabanchu zurück.— Auch bei Brand⸗ fort fand ein Gefecht statt, das die Engländer, die von zwei Seiten angegriffen wurden, zum Rückzuge zwang. Sie verloren hier 19 Tote, darunter den Kapitän Liddy. Trotzdem mußten andern Tages die Buren ihre Stel⸗ lungen bei Brandfort räumen. Lord Roberts setzt den Vormarsch auf Kroonstadt fort und hat, wie er meldet, sein Lager in Smaldeel aufgeschlagen.— Der wegen der Erplosion in Johannes⸗ burg verhaftete Begbie wurde gegen eine Kaution von 500 Pfund(10 000 Mk.) freigelassen. Er ist wegen ver⸗ suchten Mordes angeklagt.— Die Burengesandt⸗ schaft hat sich von Holland aus nach Amerika begeben. Vor ihrer Abreise richtete sie einen Aufruf an das del taälekan An Der Reit u bum g lg. Jede im Pfagse ungssta han 0 Auinderurg u det vi zanderung 5 bg Icueute; ihne diner solchen uren. Nat verdoppe begründete dutnuf, da de schwäche un Basser Fichte. mehr Gel Viten, wa vllde. Et aus. Gen. 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Die Gesandtschaft verfolge keinen anderen we“, als die Herstellung des Friedens. — Aus dem Reichstag. Der Reichstag beschästigte sich schon am 2 Mai mit den vom Zentrum zur Deckung der Flottenkosten aus⸗ getüftelten neuen Steuern. Man hat's damit ziemlich eilig. Jedenfalls möchte„man“ die Flottenvorlage noch vor Pfingsten in den„Hafen“ bringen; deshalb soll die Deckungsfrage erledigt sein, wenn der Handel in der Kommission fertig ist. Zur Beratung stand ein vom Abg. Müller⸗Fulda eingebrachter Gesetzentwurf betr. Abänderung des Reichsstempelgesetzes, in Verbindung mit der von Bassermann(natl) beantragten Ab⸗ änderung des Zolltarifs. T ieser Antrag bezwackt eine Erhöhung des Zolles auf ausländische Schaumweine und Liqueure; der erstere Erhöhung der Steuer auf Aktien, Schuldverschreibungen und Lotterielose, sowie Einführung einer solchen auf Schiffsfrachturkunden und Schiffsfahr⸗ karten. Nachdem Antrage soll die Steuer auf Lotterielose verdoppelt werden. Der Mann des„Verkehrsdusels“ begründete seine Steuervorschläge mit dem Hinweis darauf, daß es sich hier um Steuern handle, die nicht die schwächeren Schultern belasteten. Dies wurde auch von Bassermann für seinen Vorschlag ins Feld geführt. Richter(fr. Vp.) meinte, durch die Steuern würden mehr Gelder aufgebracht, als für die Flotte nötig wären, was zu neuen Militärforderungen usw führen würde. Er sprach sich für eine Vermögenssteuer aus. Genosse Bebel eikannte zunächst an, daß diese Steuern nicht den Massenverbrauch belasten. Doch keineswegs handele es sich nur um Luxussteuern. Durch die Steuern auf Schiffsfah rkarten und Schiffsfracht⸗ urkunden würde der Handel empfindlich belaster. 1898 habe der Reichstag die direkte Reichsbesteuerung im Auge gehabt, als es sich um die Mehrkosten für die Flotte handelte. Herr Gröber hat mit allem Nachdruck darauf verwiesen, daß in erster Linie eine Reichs- erbschaftssteuer bevorzugt werden müßte. Dieser Vorschlag ist allerdings nachher vollständig in den Hinter- grund gedrängt, da auf Seiten der Regierung keine Neigung dafür vorhanden ist. Eine Einkommen und Vermögens steuer vereinigt wäre jedenfalls der einzig richtige und gerechte Weg, um die Kosten der Flottenvorlage aufzubringen. Herr Richter hat davon gesprochen, daß, wenn die Vorlage angenommen würde, das Reichsschatzemt einen Ueberfluß von Mitteln haben würde. Das ist unzweifelhaft richtig. Deshalb muß ein für die Flottendeckung bestimmter Betrag an⸗ genommen und bestimmt werden, daß jede Summe, die darüber hinaus durch neue Steuern eingebracht wird, verwendet wird, um Salzsteuer und Petroleum⸗ zölle zu beseitigen. Schließlich ist auch eine Verdoppelung des Lotterie⸗ stempels gefordert. Wir sind gegen die Lotterie überhaupt nnd gegen eine Besteuerung speziell, weil wir fürchten, daß dadurch bei der Freizügigkeit, die heute in Bezug auf den Verkauf von Losen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch eingeführt ist, nur eine Einführung der Lotterie in allen Staaten die Folge sein würde. Wir sind auch gegen die Besteuerung der Lotterie, weil dadurch der der Anfchein erweckt wird, als sei das Lotteriespiel eine ganz legitime Beschäftigung. Wir haben also ganz er⸗ hebliche Bedenken gegen diese Steuervorschläge und werden sie auf das entschiedenste bekämpfen. Sie entsprechen durchaus nicht den Wünschen des Volkes. Die Junker Graf Stolberg und v. Kardorff erklärten sich natürlich für die Steuer, wie für jede, die sie nicht zu bezahlen brauchen. Ersterer bekannte sich außerdem als prinzipieller Gegner direkter Steuern, weil solche den„Grundbesitz beschwerten“, das heißt: auch die Agrarier bezahlen müßten und davon sind diese nun einmal keine Freunde. Die An⸗ träge werden der Budgetkommission überwiesen und folgt hierauf die zweite Beratung der Novelle zum Unfall⸗ versicherungsgesetz. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand werden bei leidlich besetztem Hause in den Sitzungen vom 3., 4. und 7. Mai fortgesetzt. Von den bürgerlichen Parteien wurde dieser Sache gegenüber ziemliche Teilnahmlosigkeit bekundet. Unsere Genossen Molkenbuhr, Stadthagen und Hoch suchten den viele Mängel zeigenden Entwurf nach Möglichkeit zu verbessern, alle ihre Anträge wurden jedoch von der Mehrheit abgelehnt. In seiner Sitzung am 8. Mai verhandelte der Reichstag über Dampfersubventionen. Einrich⸗ tung und Unterhaltung einer Postdampferverbindung mit Ost⸗ und Südafrika soll auf 15 Jahre cinem Unternehmer bertragen und mit 1 350 000 Mark unterstützt werden. Die Agrarier legten auch hierbei ihre unverschämte Hab⸗ gier an den Tag. Sie hatten die Regierung die Forde⸗ rung abgepreßt, daß„landwirtschaftliche Produkte des Auslandes, welche mit denen der deutschen Landwirtschaft konkurrieren“, durch die subventionierten Dampfer nicht eingeführt werden sollen. Bebel wies denn auch auf die Tollheit hin, die darin liegt, daß man hier den andel durch Staathilfe fördern will, zugleich aber Be⸗ immungen festlegt, welche den Handel einschränken. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde die Vorlage angenommen. Auch die agrarische Resolution, gegen welche nur die Freisinnigen und unsere Genossen stimmten, and Annahme.— Also, die deutschen Steuerzahler zahlen 1½ Millionen Mark an Herrn Woermann, dieser verdient infolgedessen einen schönen Batzen Geld an seinen Mantagen, deren Produkte er billig an den Markt schaffen kann, und an seinen Viehzuchtfarmen, aus denen er billiges Fleisch liefert— nach Italien und Holland. Weiter kann der Widersinn wohl kaum gehen. Von Nah und Jern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Nachträgliches zur Maifeier. Wie in früheren Jahren, so haben auch am ver— gangenen Sonntag noch Versammlungen zur Feier des Arbeiter- Weltfeftes stattgefunden. Die allgemeinen Feste finden ja überall da am ersten Maisonntage statt, wo eine allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai bisher noch nicht durchgeführt werden konnte.— Die Veranstaltung der Genossen in Daubringen, um zunächst von unserer näheren Umgebung zu sprechen war zwar nicht so zahl— reich besucht, als es wünschenswert gewesen wäre, nahm jedoch einen durchaus guten Verlauf. Ebenso in Rödgen, wo Genosse Beckmann die Festrede hielt. Ließ die Beteiligung an diesen Orten zu wünschen übrig, so war sie um so größer an dem Waldfeste, das die Gewerkschaften in Gießen arrangiert hatten. Tausende von Arbeitern zogen mit ihren Familien in den Wald, um sich bei dem herrlichen Frühlingswetter einige Stunden mit den Ihren bei Gesang und Spiel zu vergnügen. Am Abend zogen die Teilnehmer des durch keinen Mißton getrübten Festes in langem Lampion⸗ zuge der Stadt zu. Uebereinstimmend wurde stärkere Beteiligung als in früheren Jahren konstatiert. Der Wahlverein in Alsfeld hielt seine Maifeier am Sonntage im festlich dekorierten Saale des Gastwirts Pfeffer ab. In dem beifälli!n aufgenommenen Referate fütrte Genosse Wiegand den Anwesenden die Bedeutung der Maifeier vor Augen und forderte zum Anschlusse an die politische und gewerkschaftliche Organisation auf. Die Anwesenden blieben noch lange in geselliger Unterhaltung beisammen und trennten sich mit einem Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie. Sehr zahlreich waren die Genossen zur Maifeier in Heldenbergen, sowohl von dem Orte seebst, als auch von auswärts erschienen. Eine Resolution, in der sich die Anwesenden verpflichteten, für die Verwicklichung der Beschlusse des Pariser Kongresses einzutreten, fand, nach⸗ dem Genosse Repp in eingehender Weise die Forderungen der Arbeiterk asse dargelegt hatte, einstimmige Annayme. Die Zahl der Teilnehmer an dem Waldfest in Frank⸗ furt wird auf 20—25 000 geschätzt, eine Ziffer, die in früheren Jahren nicht erreicht worden ist. Diesmal war ausreichend für Bier gesorgt worden, woran es früher öfters fehlte. Bekanntlich nehmen dort bei derartigen Gelegenheiten die Genossen den Bierausschank selbst in die Hand; es wurden am Sonntag nicht weniger als 250 Hekroliter Bier konsumiert, abgesehen von den nicht unbedeutenden Quantitäten Aepfelwein. Streik der Weißbinder in Gießen. Nachdem die Unternehmer im Weißbindergewerbe die Forderungen der Arbeiter ablehnten haben letztere am Montag die Arbeit niedergelegt. Der diesbezüg⸗ liche Beschluß wurde am vorhergehenden Samstag in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung mit 164 gegen eine einzige Stimme gefaßt. Bis jetzt haben sich die Unternehmer noch zu keinerlei Zugeständnissen herbei⸗ gelassen. Sie müssen es sich dann selbst zuschreiben, wenn sie Nachteile haben; dieser Kampf konnte bei einigem Entgegenkommen seitens der Arbeit geber vermieden werden. Sie konnten die mäßigen, den heutigen Verhältnissen entsprechenden Forderungen sehr wohl bewilligen. Die Streikenden sind selbstverständlich entschlosseu auszuharrn; ihre Haltung ist musterhaft, Streikbrecher haben sich nicht gefunden. „Christliche Nächstenliebe.“ Wir lasen dieser Tage in der„Darmstädter Zeitung“: „Eine schöne That christlicher Nächsten⸗ liebe ist von Arbeitern der hiesigen„Messeler Gruben“ zu berichten. Ein jung verheirater braver Arbeiter starb an Lungen⸗ und Rippenfellentzündung rasch dahin und hinterließ seine junge Frau mit Kind in sehr drückenden Verhältnissen. Mehrjährige Krankheit der Frau hatte den sonst so sparsamen Mann zu einer Ersparnis nicht kommen lassen. Da veranstalteten die braven Mitarbeiter des Verstorbenen unter sich eine Sammlung und überreichten der armen Wittwe eine für ihre Verhäͤltnisse ganz ansehnliche Summe.“ 5 Gewiß ist das lobenswert. Aber was hier als That christlicher Nächstenliebe rühmend in der Zeitung hervorgehoben wird, das ist bei sozialdemokratischen Arbeiterm ganz allgemein üblich. Und in den Gewerk⸗ schaften werden in solchen Fällen faft regelmäßig Sammlungen veranstaltet, deren Ergebnisse den bedürftigen Hinterbliebenen ver storbener Mit⸗ glieder außer der ihnen statutarisch zustehenden Unterstützung überwiesen werden. Ein teurer Gottesmann. Vor der Strafkammer in Schwäbisch⸗Hall spielte sich in den letzten Tagen ein Prozeß ab, der das größte Aufsehen erregte. Der 58 Jahre alte evangelische Pfarrer Faulhaber gründete 1886 in Hall ein Diakonissen haus. In der Folge erweiterte sich dies Unternehmen und er richtete zugleich ein Erbauungshaus für Kurbedürftige ein. Nebenher hatte Faulhaber eine Reihe industrieller Unternehmungen gegründet, er fabrizierte Dratbörsen, Eisenbeschlagwaren, Spielwaren, Kaminhütten ꝛc. Diese Gründungen waren Pri vatgeschäfte des Pfarrers; er be— schäftigte zuletzt ca. 150 Arbeiter, die mit Hunger⸗ löhnen abgespeist wurden, Da er aber seine „Haller Industrie“ wie er seine Gründungen genannt hatte, nicht zu leiten verstand, geriet er in Zahlungsschwierigkeiten, die er durch schwin⸗ delhafte und betrügerische Manipulationen zu beheben suchte. Er mußte trotzdem den Konkurs anmelden, welcher einer Ueberschuldung von 494 186 Mk. ergab. Die Gläubiger, sehr viele kleinere Leute, erhielten 11 Prozent. Durch raffinierte Schwindeleien hatte er seine Gläubiger zu täuschen verstanden. Der Staatsanwalt führte darüber in seinem Plaidover aus: Faul⸗ habers scheinheilige Duckmäuserei, wo der Veruf Verkündigung der Wahrheit gewesen wäre, war der erste Schritt auf der abschüssigen Bahn. Be⸗ sonders anwidernd sei die perfekte Heuchelei, wie als ständige Flagge gegenüber den zahlreichen Angepumpten von„Gottes Segen geredet wurde, der sichtlich über den Unternehmungen schwebte“. Einen großartigen Einfluß hatte Faul⸗ haber auf das weibliche Geschlecht und nutzte ihn weidlich aus. Dienstmägde, Diakonissen und Angestellte wurden insgesamt um 17000 Mk. angepumpt. Seinen Neffen Herwig wollte er durch eine Heirats annonce ein reiches Weib zuschachern, dessen Geld ihn retten sollte. Das nennt der Staatsanwalt ein in fame Handlung. Seine Buchhandlung verkaufte F. zweimal innerhalb 2 Jahren. Er giebt nun an, den ersten Berkauf vergessen(?) gehabt zu haben, als er sich zum zweiten Male 30 000 Mk. dafür zahlen ließ. Der Staats⸗ anwalt beantragte schließlich eine Gesammtstrafe von vier Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Geschäftspraktiken eines pfäffischen Sozia⸗ listenfressers. Kaplan Dasbach, Reichs⸗ und Land⸗ tagsabgeordneter, Gründer und Besitzer einer Anzahl Zentrumsblätter, unter anderem auch Herausgeber der„Märkischen Volkszeitung“, die unter der Leitung dieses Pfaffen sich stets in den gemeinsten Verleumdungen und Beschimpfungen gegen unsere Partei erging, klagte vor dem Schöffengericht zu Trier gegen den Redakteur Haubrich, ebenfalls ein Zentrumsmann, wegen Beleidigung. Der Kaplan aber mußte seine Rolle sehr bald mit der des Angeklagten ver⸗ tauschen, denn es wurden ihm, sowohl vom An⸗ geklagten, als auch von einigen seiner eigenen als Zeugen vernommenen Parteigenossen eine Reihe so unlauterer Geschäftsmachina⸗ tionen nachgewiesen, daß das politische Pfäfflein moralisch vernichtet wurde, dabei erschien der Prediger der Gottesfurcht und frommen Sitte als ein so raffinierter und gewissenloser Geschäftsmann, daß thatsächlich die von einem Zeugen gethane Aeußerung, Dasbach sei reif für das Zuchthaus, gerechtfertigt erscheint. In der Verhandlung wurde u. a. festgestellt, daß von Seiten Dasbachs gegen andere ultra⸗ montane Blätter ein unlauterer Konkurrenz⸗ kampf geführt wurde. Ferner drängte sich Dasbach mit allen Mitteln in verschiedenen Zentrumswahlkreisen als Kandidat auf, wurde auch gegen den Willen der Parteileitung auf⸗ gestellt. Der Beklagte stellte ferner fest, daß Dasbach mit einem Einkommen von 52 000 Mark und einem Vermögen von 850000 Mark zur Steuer eingeschätzt sei, früher als Kaplan von St. Gervasius aber nur ein ganz geringes Vermögen besessen habe! Der beklagte Redakteur Haubrich wurde zu 200 Mk. Geldftrafe verurteilt, weil thatsäch⸗ lich eine Beleidigung vorliegt. In der Urteils⸗ begründung wird jedoch anerkannt, daß die vom Beklagten behaupteten Thatsachen der Wahrheit entsprechen. Als der wirk⸗ lich Verurteilte erscheint also nicht der 2 SSS S2 10 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. . Nr. 20. mit einer geringen Geldstrafe belegte Redakteur, sondern der Führer der Zentrumspartei Kaplan Das bach, dem eine Reihe Manöver gerichtlich nachgewiesen wurden, die man nicht anders als Gaunerpraktiken bezeichnen kann. Thüringer Wurst. Was bei der Thüringer Wurstsabrikation alles zur Verwendung kommt, daräber gab eine Gerichtsverhandlung Aufschluß, die kürzlich vor der Strafkammer in Gera gegen den Wurst⸗ fabrikanten Kaiser stattfand. Dieser war früher von demselben Gerichte wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilt worden, weil er das Fleisch einer an Leberschwund und unheilbar hektischer Unverdaulichkeit leidenden Kuh, das zwar nicht gerade gesundheitsschädlich, aber minderwertig und matt von Farbe war, zur Herstellung von Thüringer Cervelatwurst verwendet hatte, indem er einen halben Zentner dieses Fleisches auf sechs Zentner Schweinefleisch nahm. Die Wurst hatte er als Primaware zum Engrospreise von 1,10 Mk. pro Pfund verkauft. Auf die vom Angeklagten eingelegte Revision wies das Reichsgericht die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer in Gera zurück. In dieser bekundeten die als Sachverständige ge⸗ ladenen Zeugen Fleischermeister H. Weise, Vor⸗ sitzender des Bezirksvereins Sachsen⸗Altenburg und Reuß beider Linien, und Wurstfabrikant Raithel, beide aus Gera, daß öfter„mattes“ Rindfleisch in die Cervelatwurst gemengt werde; das Publikum bekomme trotzdem keine minder⸗ wertige Wurst(), weil für das„matte“ Rind⸗ fleisch mehr Schweinefleisch der Wurst zugesetzt werde, sodaß die Wurst immer guter Qualität bleibe. Auf diese Aussage hin wurde der An⸗ geklagte freigesprochen.(!)— Ueber die Qualität und die Zubereitung der amerikanischen Wurstwaren konnten die agrarischen und anti⸗ semitischen Blätter in der letzten Zeit nicht genug Schauergeschichten erzählen. Sie dürften aber heimischer Wurstlerei auch einige Aufmerksamkeit zuwenden; wie Figura zeigt, sind die Bestand⸗ teile der berühmten Thüringer Wurst auch nicht ganz einwandfrei. Es kommt den guten Leuten aber weniger auf den Schutz der Volksgesundheit, als vielmehr auf die Erzielung wucherischer Fleisch⸗ preise an. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. Marburg, 10. Mai. W. National⸗Soziales. Am 9. Mai tagte im Lokale des Herrn Hoeck eine vom national“ sozialen Verein einberufene Versammlung mit dem Thema„Die Politik der Bündler und die Flotte.“ Referent war Herr v. Gerlach⸗Berlin. Anwesend waren 75—80 Personen, zum größten Teile Studenten. Die Arbeiter Marburgs hatten es vorgezogen, die National⸗Sozialen diesmal unter fich zu lassen. Die Bürger Marburgs sind nun einmal aus ihrer Ruhe und Behaglichkeit nicht herauszubringen, sie waren nur in einigen rühmlichen Ausnahmen vertreten. Wohl verstehen die hiesigen Bürger es, Bierbank⸗Politik zu treiben, über die Verteuerung der Lebensmittel und die vielen Steuern zu räisonnieren, aber sich aufzuraffen, und am öffentlichen politischen Leben mit teilzunehmen, das wäre zu viel verlangt. In 1½ stündiger Rede unternahm es Herr v. Gerlach die Politik des Bundes der Landwirte einer scharfen Kritik zu unterziehen. Er streifte besonders die Verhandlungen des hier kürzlich abgehaltenen Provinzialtages des Bundes. Nach dem Bericht im hiesig en Amtsblatt müßte man an⸗ nehmen, als er auch in die Diskussion eingriff, es ihm mordsschlecht ergangen sei. Dem sei aber nicht so, und wenn der Bund 1 Buren gefangen hätte, so brauchte er noch keine Triumphgesänge anzustimmen. Hier sei der Bund sehr stark vertreten und ob derselbe eine Macht sei, darüber seien die die Anfichten geteilte. Heute seien es in der politischen Bewegung nur drei Grup en, welche energisch Agitation trieben, die Sozaldemokratie, das Zentrum und der Bund der Landwirte. Bei den nächsten Handelsverträgen werde es sich zeigen, ob eine Agrarpartei am Rnder sei und die Konservativen verdränge, ob Deutschland Heimatpolitik oder Weltpo⸗ litik treiben soll. Redner bespricht dann den Wunschzettel der Agrarier, hierbei betonend, daß durch die Forderungen, welche diese an die Regierung stellen, durch die Zölle auf alle möglichen Lebens- und Konsummittel für die breite Masse des Volkes die Folgen auch nicht ausbleiben werden; die größte Mehrzahl des Volkes wird hier⸗ von schwer betroffen. Die Erhöhung der Zölle sei eine Schraube ohne Ende. Nach diesem Standpunkt der Heimats⸗ politik müßten die Bündler Gegner der Flotte, Gegner der Weltmachtspolitit sein. Bekannt sei ja, daß Dr. Hahn erklärte, daß die Flotte etwas gräßliches sei, für diesmal würden die Bündler noch für die Flottenver⸗ mehrung sein, aber die Regierung müßte Konzessionen machen. Der Widerstand der Bündler gegen die Flotte sei ja bekannt. Die Bündler bildeten ein Hindernis für die zukünftige Weltmachtspolitik Deutschlands. Darum: Keine Erhöhung der Zölle, kein Fleisckeinfuhrverbot. Die Politik der Bündler muß so bekämpft werden wie die Politik der Sozialdemokratie. Die Arbeiter müßten für die Flotte gewonnen werden(wird schwer halten), ohne diese sei keine Weltmachtspolitik möglich. Eine Resolution, welche sich gegen die agrarischen Forderungen ausspricht und Böckel auffordert, für die Flottenvorlage zu stimmen, wird gegen zwei Stimmen und einigen Stimmenthaltungen angenommen. Eine Diskussion fand nicht statt.— Anerkannt muß werden die sachliche, aber vernichtende Kritit, weiche Herr v. Gerlach der Politik des Bundes der Landwirte zuteil werden ließ, und können diese Ausführungen bis auf die Darlegungen, durch welche Herr v. Gerlach die Notwendigkeit der Flottenvermehrung glaubte nachweisen zu können, von jedem Sozialdemo⸗ kraten unterschrieben werden. * Marburg. Höhere Bildung. Studenten gerieten mit Schülern einer hiesigen Lehranstalt in Streit. Letztere flüchteten, um den Mißhandlungen von Seiten der Studenten zu entgehen, in ein Restau rant. Diese verfolgten sie jedoch auch dahin, wo der Krakehl fortgesetzt, Fensterscheiben eingeworfen und auch der Wirt durch einen Wurf am Kopfe verletzt wurde. Der Wirt hat Strafantrag gegen die Studenten wegen Haus⸗ friedensbruch, Körperoerletzung usw. gestellt und soll das Verfahren bereits tingeleitet sein. Groder Uusug von diesen Leuten verübt, wird indessen erfahrungsgemäß nicht sehr hart bestraft. g ** Ortskrankenkasse Marburg. Am 26. April fand in der Aula der alten Real⸗ schule unter schwacher Beteiligung der Delegierten als auch der Mitglieder die diesjährige Früh⸗ jahrs⸗Generalversammlung der Marburger Orts⸗ krankenkasse statt. Die Jahresrechnung pro 1899, welche von dem Rendanten Nückel vorgelegt wurde, stellt sich wie folgt: Einnahme: Kassen⸗ bestand am 1. Januar 376,50 Mk.; Zinsen von Kapitalien 708,46 Mk.; Eintrittsgelder 795,—; Beiträge 40 223,50; Ersatzleistungen 612,38; sonstige Einnahmen 159,97; insgesamt 42 875,81. Ausgabe: Aerztliche Behandlung 7551,95; Arznei und Heilmittel 5232,84; Krankengelder 14 735,66; Sterbegelder 585; Wöchnerinnen⸗Unterstützung 12,—; Kur⸗ und Verpflegungskosten an Kliniken 3586,25; Ersatzleistungen 652,64; Kapitalanlagen 6708,46; Verwaltungsausgabe a) persönliche 2960,82, b) sächliche 607,98; sonstige Ausgaben 128,35; insgesamt 42 763,05. Als Bestand bleiben demnach 112,76 Mk. Dem Reservefonds konnten im Laufe des Jahres abermals 6700 Mark zugesührt werden, somit besteht das Kassen⸗ vermögen, welches bei der hiesigen Sparkasse an⸗ gelegt ist, zur Zeit aus 28 492,07 Mk., woraus hervorgeht, daß die Kasse recht gut fundiert ist und voraussichtlich im Laufe des Jahres der Reservefonds die vorgeschriebene Höhe erreicht haben wird. Der durchschnittliche Mitglieder⸗ bestand beträgt 3000, angemeldet wurden im Laufe des Jahres 3651 Mitglieder. In den Kliniken wurden verpflegt 156 Mitglieder. Sterbegeld wurde ausgezahlt in 15 Fällen. Der Geschäftsverkehr auf dem Kassenbureau wird immer größer; er betrug durchschnittlich pro Tag 56 Personen.— Von Seiten des Vor⸗ sitzenden wurde noch darauf hingewiesen, daß das neu eingestellte Personal binnen drei Tagen zur Kasse anzumelden sei. Verschiedene Arbeit⸗ geber hatten empfindlich hohe Ersatzleistungen wegen versäumter Anmeldungen zu zahlen. Zum Schluß erläuterte der Rendant Nückel noch die wichtigsten der neuen Bestimmungen des Invaliden⸗ versichecungsgesetzes. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Die Enthüllung des auf dem Markt⸗ platze errichteten Kriegerdenkmals erfolgte am Donnerstag Vormittag unter großem, bei solchen Ge⸗ legenheiten üblichen Schaugepränge. Der Himmel machte ein sehr griesgrämiges Gesicht; und die obligate„freudig bewegte Menschenmenge“ schaute ziemlich trübselig und fröstelnd drein. In den gehaltenen Reden wurde das Menschenmögliche in den Versicherungen der„Treue zu Fürst, Kaiser un) Reich“ geleistet. Stadtverordneter Kirch erhielt einen Orden. ** Sittlichkeits verbrecher aus der „besseren Gesellschaft“. Nach fünf⸗ tägiger Verhandlung verurteilte das Landgericht in Hamburg den dortigen Rechtsanwalt Dr. May jun., Sohn eines der angesehensten Bürger⸗ schaftsabgeordneten, wegen 93 Sittlichkeits⸗ verbrechen an Kindern, unter Annahme mildernder Umstände, zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. r Du füllt Pfarrer Pieper in Neunkirchen warde am Sonntag verhaftet. Er ist beschuldigt, 26 000 Mk. Gelder des Gustav Adolf⸗-Vereins, die zu Kirchenbauzwecken dienen sollten, unter⸗ schlagen zu haben. Die Unterschlagungen sollen Jahre lang zurückdatieren. * Aus dem frommen Bayern. Das Schwurgericht in Straubing verurteilte den Knecht Hölzlwimmer wegen Ermordung des Bauern Eckereder zum Tode. Die Frau des Ermordeten, mit welchen Hölzlwimmer ein Ver⸗ hältnis unterhielt, hatte ihn im Verein mit ihrer Stiefmutter und Schwester zu der That über⸗ redet. Die zärtliche Gattin erhielt 15 Jahre, ihre beiden Mitschuldigen sechs und fünf Jahre Zuchthaus. Arbeiterbewegung. Frankfurt. Am Montag legten mehr als 1000 Holzarbeiter die Arbeit nieder. Seitdem erhielten etwa 400 die Forderungen: neunstündige Arbeitszeit, 20 pCt. Lohnzuschlag, Sicherstellung des Akkordarbeiter⸗ tagelohnes, 33 ½ bis 50 pCt. Zuschlag für Ueberstunden bewilligt und arbeiten zu den neuen Bedingungen. Ein großer Teil der Ledigen ist abgereist. Partei- Hachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, 13. Mai: Großen⸗Liudeu. Versammlung aller nichtgewerb⸗ lichen Arbeiter. Näheres durch Plakate! Zahlreiches Erscheinen der Arbeiter von Großen-Linden und Leih⸗ gestern notwendig. 5 Aus Leihgestern haben wir die traurige Nachricht mitzuteilen, daß am 1. Mai der Veteran der dortigen Sozialdemokraten Genosse Konrad Seipp im hohen Alter von 72 Jahren gestorben ist. In ihm verlieren wir einen rührigen, mit außerordentlich reichem Wissen begabten Kämpfer, die Genossen in Leihgestern einen weisen Führer und Berater. Möge ihm die Erde leicht sein; ein gutes, ehrendes Andenken ist ihm gewiß. An die Parteigenossinnen und Genossen im Bezirk Alsfeld⸗Lauterbach⸗Schlitz! Auf der vorjährigen Kreislonferenz in Lauterbach wurde beschlossen, eine gemeinsame Maifeier für den ganzen oberen Bezirk des Wahlkreises in diesem Jahre in Schlitz abzuhalten. Da es noch in letzter Stunde unmöglich wurde, das Fest in Schlitz abzuhalten, findet dasselbe am Sonntag, den 13. Mai in Lauterbach im Lokale des Herrn Keutzer statt. Reichstagsabg. W. Schmidt(Frankfurt) wird hierbei die Festrede halten. Das Komitee wird alles aufbieten, um diese Feier zu einem wahren Volksfest zu gestalten, und so richten wir an alle Genossinnen und Genossen des Be⸗ zirkes das dringende Ersuchen, sich recht zahlreich an der Feier zu beteiligen und zu zeigen, daß auch in Ober⸗ hessen unseren Gegnern zum Trotz die Maifeier mit jedem Jahre imposanter sich gestaltet. Erinnerungskarten mit der Arbeiter⸗Marseillaise sind bei allen bekannten Genossen zu haben und wolle man dieselben sichtbar tragen. Also auf nach Lauterbach am nächsten Sonntag zur gemeinsamen Maifeier! Der Kreisvertrauens mann: Dechert⸗Alsfeld. Anterhaltungsteil. „ Für Freunde der Todesstrafe. Es sind jetzt zwanzig Jahre her, daß Hamil⸗ ton Duke mein Klient wurde. Es war nicht zu verwundern, daß er sich gerade an mich wendete, denn ich war nicht nur einer der erfolgreichsten Rechtsanwälte, sondern nahm auch eine einfluß⸗ reiche Stellung in der Gesellschaft ein. Doch trotzdem ich so lange sein Berater in allerlei Zivil⸗Prozessen gewesen, übernahm ich doch sehr ungern seine Verteidigung in dem Straffalle, von welchem nun die Rede sein soll, weil er in diesem Falle mein Gefühl gegen sich hatte, weil ich überzeugt war, daß er thatsächlich den Mord an seiner Gattin begangen hatte, dessen er an⸗ geklagt war. Es gab viele Gründe, welche mich . — tuteler, kl. hefti ber letzten. aud U Aupeifl begeflih, nit einer funden un eben war, Feb nit bsöligt. Fuegung, ihn dam l dehmer Nunande über dem „az u a „Pas „elt sage, daß Lber ich Sie müsse Dbwo fit schuld lbernahm beldlente. mühunge wat zu! Dults Hausdier Mord g at, sah boden el zu seiner Leichnan Tholsac mit se um ei zu ern kannt! sollte i verschie Nrczess ls ich nehr f lagen die erf Hetiet en Si „Si 8 1000 chielten eitszei, rbeiter⸗ stunden u. Ein . 4 gewerb⸗ bltei hes id Keih⸗ lachricht dortigen hohen perlieren Wissen einen e leicht u im terbach für den n Jahle Stunde „ findet erbach tagsabg. Fistrede m diese und so des Be⸗ an der f. Ober⸗ ler mit gslarten elannten fh Sonntag aun Nr. 20. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. veranlaßten, den bisher gut beleumundeten Mann für schuldig zu halten. Duke war wohlerzogen, fein gebildet, während seine Gattin eine wenig gefühlvolle, unwissende und mürrische Person war. Dessen ungeachtet war er am Anfang der Ehe voll von Ritterlichkeit und Aufmerksamkeit gegen sie, während sie immer launisch, zänkisch und unzufrieden schien. Man nahm an, daß er sie aus Liebe geheiratet habe, obwohl ich dies nie glaubte; in letzter Zeit, bevor ihr Zusammen⸗ leben zu einem so tragischen Abschlusse kam, schien er sie aber eher zu hassen und so fehlte es keines⸗ wegs an einem Motive für die schreckliche That. Da ich sein vollstes Vertrauen besaß, kam er in der letzten Zeit oft zu mir, um mir bleich und zitternd vor Aufregung, irgend einen Affront mitzuteilen, durch den sie ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Es ist deshalb begreiflich, daß ich, als diese Frau eines Tages mit einer lödtlichen Wunde in der Brust aufge⸗ funden und ihr Mann, der mit gezücktem Messer neben war, der sie ermordet habe. Als ich später selbst mit ihm sprach, wurde mein Argwohn nur bestätigt. Er war in einem Zustande wilder Erregung, als ich im Zimmer des Sheriffs mit ihm zusammentraf, um seine Information entgegen zu nehmen. Bis zu diesem Augenblick war es Niemanden gelungen, aus ihm eine Aeußerung über dem Mord herauszubringen. „Was haben sie mir zu sagen?“ fragte ich ihn, als wir allein waren. „Was soll ich Ihnen sagen?“ entgegnete er mir. „Werden Sie mir denn glauben, wenn ich sage, daß ich den Mord nicht begangen ha be? Aber ich will nicht sterben, ich darf nicht sterben. Sie müssen mich schützen, mich retten!“ Obwohl ich ihn bemitleidete, hielt ich ihn doch für schuldig und obwohl ich seine Verteidigung übernahm, war ich überzeugt, daß er den Tod verdiente. Auch wußte ich, daß meine Be⸗ mühungen vergeblich sein würden, denn der Fall war zu klar. Ein ungewöhnlicher Lärm in Mrs. Dukes Zimmer hatte die Aufmerksamkeit des Hausdieners an dem Morgen, an welchem der Mord geschah, erweckt. Als er in das Zimmer trat, sah er, wie sich eben Mr. Duke vom Erd⸗ boden erhob, das Messer in der Hand, während zu seinen Füßen der aus der Brustwunde blutende Leichnam seines Weibes lag. Dies und die Thatsache, daß er in der letzten Zeit in Unfrieden mit seiner Gattin gelebt, war wohl genügend, um ein Todesurteil gegen ihn von jeder Inty zu erwirken, Er wurde denn auch schuldig er⸗ kannt und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung sollte in sechs Wochen stattfinden. Ich machte verschiedene Anstrengungen, um eine Revision des Prozesses zu erwirken, allein ohne Erfolg, und als ich darüber Gewißheit hatte, fehlten nur noch mehr fünfzig Stunden bis zu dem dem Ange⸗ klagten gesetzten Todestermine. Als ich Duke die Erfolglosigkeit meiner Bemühungen mitteilte, geriet er außer sich. „Sie müssen zum Gouverneur gehen“, rief er heftig aus. „Sie müssen einen Aufschub erwirken.“ „Unmöglich“, antwortete ich,„dazu ist die Zeit zu kurz.“ „Nein, nein“, rief er,„es ist noch Zeit genug. Wir haben jetzt Mittwoch Früh und das Urteil wird nicht vor Freitag Mittags vollzogen. Der Zug geht in einer Stunde ab. Wenn Sie so⸗ 55 abreisen, können Sie noch rechtzeitig zurück ein.“ „Doch was soll ich für Gründe anführen?“ Bloß zum Gouverneur zu gehen ohne triftigen Grund, wird wohl wenig nützen.“ „Denken Sie über die Gründe auf dem Wege nach. Verpassen Sie nicht hier zaudernd die Zeit. Mein Leben muß gerettet werden. Gehen Sie sofort.“ Er befand sich in einem so aufgeregten Zu⸗ stande, daß es nicht möglich war, mit ihm zu diskutiren; ich ging deshalb fort und eilte fast gedankenlos durch die Straßen, nicht wissend, was ich thun sollte. Wie zufällig kam ich ge⸗ rade kurze Zeit vor Abfahrt des Zuges zur Eisenbahnstation, Ich dachte nicht weiter nach, löste eine Karte, stieg ein und fort gings nach dem Sitze des Gouverneurs, obgleich ich mir n war, daß meine Reise nur fruchtlos sein önne. Es erreignete sich jedoch ein Zufall, der die Sache ganz anders gestaltete. Auf einer der nächsten Stationen bestieg eine Dame den Waggon, in welcher ich eine liebe Verwandte von mir, eine Nichte, die ich schon einige Zeit nicht ge⸗ sehen, erkannte. Sie schien schr glücklich und erzählte mir, daß sie sich am vorgehenden Abend — mit dem Gouverneur verlobt hatte. Das traf sich ausgezeichnet, so durste ich wenigstens hoffen, daß ich bei dem Mann eine gute Auf⸗ nahme und freundliches Gehör finden werde. So geschah es, meine Nichte stellte mich selbst dem Gouverueur vor, ich berichtete demselben genau über den Fall und über die Zweifel, die dieser, so klar er auch scheine, doch bezüglich der Thäterschaft des Angeklagten übrig lasse, und ich hatte das Glück, daß er mir einen Ausschub von drei Monaten gewährte, damit Zeit genug bleibe, die Sache nochmals zu untersuchen und man eventuell die Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitstrafe vornehmen könnte, ohne daß die mittlerweile kühler gewordene Be⸗ völkerung zu sehr erbittert würde. Die Sache wickelte sich so rasch ab, daß ich, den Erlaß des Gouverneurs in der Tasche, schon bald darauf mich wieder in einem Eisenbahnzuge befand, der mich nach Hause bringen sollte. Ich fühlte mich sehr glücklich und vergegenwärtigte mir auf dem Heimwege das Gesicht, welches Duke machen würde, wenn ich ihm die frohe Botschaft verkündigte. Die Aufregungen und Strapazen der letzten Stunden hatten mich jedoch so ermattet, daß ich mitten in diesen Gedanken einschlief und als ich erwachte, machte ich zu meinem Entsetzen die Bemerkung. daß der Zug schon die Station passiert hatte, wo ich in einen anderen Train hätte einsteigen sollen, um nach Hause zu gelangen. Wenn ich auch hätte ab⸗ steigen und zurückgehen wollen, hätte mir das nichts genützt, da ich dann den Zug an der Umsteigestelle nicht mehr erreichen konnte, an diesem Tage aber kein zweiter Zug verkehrte. In meiner Aufregung stürzte ich auf den Kondukteur zu und beschwor ihn, zurückzufahren, indem ich mich anheischig machte, jeden verlangten Preis dafür zu bezahlen. Allein das war ver⸗ gebens, er hätte dies nur über Auftrag des Generaldirektors der Bahn thun dürfen und an diesen konnte man sich nicht wenden, da ein heftiger Sturm, welcher vergangene Nacht wütete, die telegraphische Verbindung mit dem Aufent⸗ haltsorte zerstört hatte. Alles, was ich unter solchen Umständen thun konnte, war, noch sieben Stunden mit dem Zuge weiter zu fahren, um dann zwölf oder fünfzehn englische Meilen weit über einen felsigen, straßenlosen Berg nach Hause zu marschieren, wo ich vielleicht gegen Mittag anlangen könnte; das war der Rat, den der Kondukteur mir gab und obwohl mich dieses „vielleicht“ nicht gerade ermutigte, blieb doch nichts anders übrig, als diesen Rat zu befolgen. Verdrossen warf ich mich in die Ecke meines Fauteuils zurück und zählte die Viertelstunden; ich glaubte diese Nacht würde nimmer enden. Was dann, wenn ich zu spät komme, wenn ich erst in einem Momente einträfe, da das Dekret des Gouverneurs in meiner Tasche bereits gegen⸗ standlos geworden? Ein Menschenleben wäre durch meine Schuld vernichtet worden und ob⸗ wohl es sich nur um einen wegen Mordes Ver⸗ urteilten handelte. hätte ich mich in diesen Falle selbft für ein Mörder gehalten. Der Tag brach an, als ich den Zug verließ und mich auf den Weg machte. Trotzdem der Anstieg äußerst beschwerlich war, fühlte ich mich doch erleichtert, ich war jetzt in Bewegung, ich bot alles auf, was in meinen Kräften stand, mochte es nun von Erfolg sein oder nicht. Die Sonne war frühzeitig aufgegangen, aber rascher als ich legte sie ihre Wanderung zurück und ihr Vorrücken auf dem Horizont trieb mich zu immer größerer Eile an. Der Gedanke, daß Duke sein Leben verwirkt habe, wenn es mir nicht gelänge, bis Mittag einzutreffen, beflügelte meine Schritte. Um zehn Uhr Vormittag war ich nur noch zwei Meilen von Meiner Stadt entfernt, und da ich den schwierigsten Teil des Weges überwunden hatte, lächelte ich befriedigt, indem ich bedachte, wie leicht mir nun der Rest des Weges werden würde und daß es mir zweifels⸗ ohne gelingen werde, die neugierigen Gaffer um das grause Schauspiel einer Hinrichtung zu bringen. Während ich aber so sorglos dahinschritt, ver⸗ wickelte sich mein Fuß in ein Schlingengewächs, ich strauchelte und fiel zu Boden. Als ich aufzustehen versuchte, fühlte ich einen heftigen Schmerz, ich hatte mir im Falle den Fußknöchel verrenkt. Ich konnte nicht aufstehen und der Schmerz wuchs zu solcher Heftigkeit an, daß es des ganzen Aufgebotes meiner Willens⸗ kraft bedurfte, um nicht ohmächtig zu werden. Fest entschlossen, auf dem Wege nicht innezuhalten, schnitzte ich mir aus einem Gesträuche einen Stock, mit dessen Hilfe ich, nachdem ich mich etwas erholt, weiterhumpelte. Es ging jedoch sehr langsam und nach einer Stunde hatte ich blos eine halbe Meile zurückgelegt und war so er⸗ schöpft, daß ich nach einer weiteren Viertelstunde meine Kräfte gänzlich schwinden sah. Nun gab es wohl, das sah ich für den armen Ducke keine Hilfe mehr, er mußte sterben, daran ließ sich nichts ändern und mit einem Seufzer der Ver⸗ zweiflung ließ ich mich auf einen Stein am Wege nieder. Die furchtbare Aufregung, welche mich ergriff, läßt sich nicht schildern. Die Uhr in der Hand zählte ich die ent⸗ fliehenden Minuten. Es fehlten deren noch fünfundzwanzig bis zu dem Momente, wo mein Klient sterben mußte, während ich das Mittel zu seiner Rettung in der Tasche hatte. In diesem Augenblicke hörte ich Schritte und eine ungeheurere Freude ergriff mich. Vielleicht gab es doch noch Rettung, wenn ich einen Boten fände, der, besser als ich zu Fuß, das Dokument überbrächte. Einige Minuten später stand ein Neger vor mir. Es war ein alter, schmutziger und stupider Bursche, der sich Anfangs ganz unfähig zeigte, mich zu verstehen. Erst als ich von einer Belohung sprach, schien sein Begriffswermögen sich zu erweitern. Als ich sagte:„Du bekommst hundert Dollars, wenn Du dieses Papier noch vor zwölf Uhr in die Hände des Sheriffs übergibst“, da stürzte er sich hastig auf das Dokument, entriß es meiner Hand und eilte damit fort. Ich sah wieder nach der Uhr. Mein Ab⸗ gesandter hatte 22 Minuten Zeit, um anderthalb Meilen zurückzulegen; ein Teil der Strecke war dicht mit Gestrüpp bewachsen, also nicht leicht passirbar. Wird es dem Manne gelingen, recht⸗ zeitig anzukommen? Die Stunde, welche verrann, bevor er zurückkehrte, schien mir ein Zeitraum von hundert Jahren zu sein. Endlich kommt er herangekeucht. „Zettel abgegeben“, rief er schon von weitem, „Gentlemann in Sicherheit!“ Ich war außer mir vor Freude, daß es mir gelungen war, meinen Klienten zu retten und meine Pflicht trotz aller Hindernisse, welche sich entgegengestellt hatten, zu erfüllen. Dieses Be⸗ wußtsein allein dünkte mich schon ein schöner Lohn, allein ich sollte noch mehr Freude erleben. Bevor noch die dreimonatliche Frist um war, erkrankte der Hausdiener, welcher als Hauptzeuge gegen Duke aufgetreten war und da er seinen Tod herannahen fühlte, legte er ein äußerst über⸗ raschendes Bekenntnis ab. Er selbst war es, welcher Mrs. Duke ermordet hatte. Sie hatte ihn dabei beteten, als er einen Teil ihrer Juwelen stehlen wollte und um nicht dem Gerichte über⸗ geben zu werden, hatte er sie erstochen und war dann in sein Zimmer geeilt. Als er bald darauf zurückkam, um sich zu überzeugen, ob sein Opfer todt sei, traf er Duke neben dem Leichnam, das Messer, welches er aus der Wunde gezogen hatte, in der Hand. In diesem Momente durblitzte der teuflische Gedanke den Kopf des Mörders, Duke als den Thäter anzugeben und sich selbst dadurch zu retten. Es war ihm gelungen und wenn ich nicht trotz aller Hindernisse meine Mission erfüllt hätte, wäre ein Unschuldiger das Opfer eines Justizirrtums geworden. n Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 20. GGG 5 GODS So 88888888888 SCO N Zur Anfertigung von Vereins- Drucksachen empfiehlt lich die Buchdr. H. Klebert, Giessen, heuenweg 28. Zur Confirmation Anfertigung nach Maaß in eigener Werkstätte Marhus Bauer Giessen Confirmanden⸗Anzüge in Tuch, Buckskin und Kammgarn von 9—25 Mk. Kirchenplatz 11. dude ld F cum kauft man gut und billig in der i Schirmfabrik Giessen, Seitersweg 9. Reparaturen und Neubeziehen schnell und billig. Snazierstöchte, gie Raule. 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Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen 5 i 2 Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu 75 heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: 8 schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ 5 dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte 5 Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Hubert UIlrich'sche Kräuter-Wein. bdieser Fräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befun denen Zräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Perdauungsore anismus des menschen, ohne ein Abführungsmittel ju sein. Bräuter⸗Wein beseitigt alle Ftörungen in den Zlut⸗ gefäßen, reinigt das Blut von allen verdorbenen, krankmachenden stoffen und wirkt fördernd auf die, 5 Neubildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen 5 übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht b seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- hmerzen, Aufst„ Sodbr Bläh„ Uobelkelt mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenlelden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. f 5 und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kollkschmer zen 5 n, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(namorrholdallelden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gellnd beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ Herzklopfe lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 8 8 2 sind meist die Folge schlechter Verdauung, Entkräftung mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zuslandes der Leber. Bei gänzlicher Appetltloslgkelt, unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter⸗Wein steigert Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu 9 115 in Flaschen a K 1.25 roßen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ulrich, Leipzig, Mest- strasse 824%, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto⸗ und kistefrei. Vor Nachahmungen wird gewarnt! 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Jusgesamt nachweislich über 2000 Pieècen zum Preise von nur 2800 Mark. Das publikum soll durch diese Mitteilung aufgeklärt werden, daß der Verkauf im Laden des Moritz Moses kein gericht⸗ licher, sondern von den Herren Wagner& Drebes erfolgt. Wo der Vorteil für das Publikum liegt, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Wenn Sie auch jetzt keinen Bedarf haben, so rate Ihnen dennoch, den Kauf in meinem wahrhaft großartigen Lager vorzunehmen. Hervorragend empfehle: Herren-Sacco- und Gehrock⸗Anzüge, Loden ete. Fahrrad⸗Anzüge, Sommer⸗Haveloks und Paletots für Männer und Jünglinge, Loden⸗Joppen. Leinen⸗ und Loden⸗Schul⸗Anzüge in hunderten Stücken. Leinene Joppen und Blousen für Kinder, Knaben, Burschen und Männer. Lustre⸗, Cachemir⸗ und Alfains⸗Saccos. r Frack⸗Anzüge und einzelne Fracks, ganz neu, keine 25 Jahre alte Schinken. Kellner⸗ Anzüge ꝛc. Büsten, Kleiderständer sowie Engros-Verkauf nur Morgens von 8—10 Uhr und Nachm. von 5—7 Uhr. H. Möller, Steinweg 22 Marsh urg Steinweg 22. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von H. Klebert, Gießen. 04. Vahle Ausübu ein sch lezung Mo einem rechteb Unter ist abe den Ti als die gegen krbring Detail We und J suchung zusamn überha hähen. 00 50 verfass Un Gcran und Schar Wenn lelt! gänz die wach 5 etun das mäßit ihr K 3