888 —— N . Nr. II. 1 1 1 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Medaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ koftet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellun gen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 5 Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung 33¼% und bei Bei mindestens mindeftens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Zur Gemeindesteuer reform in Bessen. II. oa. Wir haben im vorigen Artikel gesehen, wie fadenscheinig der„Grundsatz der Leistung und Gegenleistung“ ist, mit dem die Regierung die Beibehaltung der kommunalen Grund- und Gewerbesteuer einerseits und die Aufhebung der kommunalen Kapitalrentensteuer andererseits zu rechtfertigen sucht. Sie führt aber noch ein anderes Argument gegen die gemeindliche Besteuerung des mobilen Kapitals ins Feld. Die Begründung weist darauf hin, daß die Kapitalrentner auch in Preußen geringer be⸗ steuert seien, als bei uns. Zöge man diese wackeren Leute noch weiterhin zur kommunalen Ergänzungssteuer heran, so riskiere man, „daß jede derartige Mehrbelastung die nicht seßhaften Rentner aus dem Lande treiben, und hierdurch nicht allein deren seitherigen Wohnsitzgemeinden, sondern dem ganzen Lande einen Schaden zufügen würde, der den für die einzelnen Gemeinden aus der Besteuerung der Kapitalreute etwa zu erhoffende Vorteil weit übersteigen dürfte.“ Mit diesem Schreckgespenst des aus dem schönen Hessenlande flüchtenden Rentners hat die Regierung schon bei der Staatssteuerreform ängstliche Gemüter einzuschüchtern versucht. Schon damals ist ihr erwidert worden, daß die Steuerbelastung in Preußen keineswegs durchweg geringer ist, wie in Hessen. In Preußen giebt es außer den staatlichen und kommunalen auch noch Kreis- und Provinzial⸗ steuern. Die Kommunalsteuern sind stellenweise außerordentlich hoch, so z. B. in Frankfurt a. M., wo noch obendrein durch eine gepfefferte Miet⸗ steuer die Wohnungen exorbitant teuer sind. Ein Rentner, der z. B. aus Darmstadt nach Frankfurt zöge, um Steuern zu sparen, würde aus dem Regen schön unter die Traufe geraten. Ueberhaupt bildet die Steuerbelastung nur einen relativ geringen Faktor im Ausgabebudget eines Rentners; viel schwerer fallen die Preise für die Wohnung, Lebensmittel ꝛc. ins Gewicht. Die verschiedene Höhe derselben an den ver⸗ schiedenen Plätzen giebt in erster Linie den Ausschlag bei der Wahl des Wohnsitzes für diejenigen Rentner, die sich nach einer etwas knappen Rentendecke strecken müssen. Außerdem aber sind die Rentner durchaus nicht so„beweglich“, wie die Regierung es hin⸗ stellt. Ein Umzug kostet Geld, viel Geld. Das allein würde wohl die meisten schon abhalten, nur um einer verhältnismäßig geringen Steuer⸗ differenz auszuwandern. Die Rentner selbst werden zugeben müssen, daß es nicht mehr wie recht und billig ist, wenn sie so gut wie andere Leute mit fundiertem Einkommen auch fernerhin zur kommunalen Besitzsteuer herangezogen werden Und dann ist es das einzig Richtige, die neue staatliche Vermögenssteuer auch zu Gemeindezwecken aus⸗ zunützen. Damit fiele denn auch das seitherige ebenso umständliche wie veraltete Verfahren bei der Grund⸗ und Gewerbesteuer-Veranlagung fort. Nach dem Vorschlag der Regierung dagegen würde das komplizierte Steuerkapitalien⸗ system, das man nun glücklich für die staat⸗ liche Besteuerung aus der Welt geschafft hat, für die gemeindliche Besteuerung konserviert bleiben. Das würde den Behörden die doppelte Veranlagungsarbeit verursachen; dem Publikum aber würde neben den vielen Scherereien auch fernerhin die Unmöglichkeit erwachsen, den Steuerzettel auf seine Richtigkeit kontrollieren zu können. Außerdem aber sind die den Groß— grundsteuerkapitalien zu grunde liegenden Boni⸗ tierungen und Ertragsschätzungen der Aecker total veraltet, und die Schablonen, nach denen die einzelnen Gewerbe zur Steuer heran— gezogen werden, waren von jeher ein Hohn auf Vernunft und Gerechtigkeit. Darum, fort mit diesem ganzen unerquicklichen Krempel. Möge an seine Stelle auch für die kommunale Be⸗ steuerung ein modernes, auf sachgemäße Fest⸗ stellung des Besitzstandes abzielendes Verfahren treten! Die Regierung hat selber das Gefühl, daß die in der Vorlage vorgesehene„Reform“ ganz unzureichend ist und jedenfalls keine dauernde Ordnung des Gemeindesteuerwesens bedeuten kann. Am Schluß der allgemeinen Begründung wird erklärt,„daß der vorliegende Gesetzentwurf nur einen interimistischen Charakter tragen soll“. Eine endgültige Regelung könne erst dann vorgenommen werden, wenn Er⸗ fahrungen über die Wirkungen der Staats⸗ steuerreform vorliegen. Nun, wenn diese Gemeindesteuer⸗„Reform“ nur eine vorläufige sein soll, dann ist's besser, sie unterbleibt vorderhand ganz. Denn das einzig neue, was sie bringt, der Wegfall der kommunalen Kapitalrentensteuer, würde, wenn er einmal durchgeführt wäre, später das schlimmste Hindernis sein für eine endgültige Reform nach dem Muster der Staats- steuer. Befreit man jetzt die Kapitalrentner von der kommunalen Ergänzungssteuer, mit der Motivierung, daß die Gemeinde ihnen keine eutsprechende Gegenleistung gewähre, so kann man nach einigen Jahren nicht kommen und sie zur kommunalen Vermögenssteuer heranholen. Man würde sich also mit dieser„interimistischen Reform“ nur den Weg erschweren, demnächst zu einer endgiltigen, befriedigenden Reform zu gelangen. Unserer Meinung nach brauchte die Regierung sich nicht davor zu fürchten, schon jetzt eine gründliche Umgestaltung vorzunehmen. Hat sie das Risiko der Reform in Bezug auf das Staatssteuerwesen auf sich genommen, so braucht sie auch in Bezug auf das Gemeindesteuerwesen nicht länger davor zurückzuschrecken, den neuen Weg zu betreten. Kann sie sich aber dazu noch nicht aufraffen, nun so soll sie wenigstens keinen Schritt nach rückwärts thun. Die sozialdemo— kratische Fraktion wird sich unter keinen Um⸗ ständen dazu herbeilassen, ihn mitzumachen. Nach Artikel 9 der Vorlage sollen auch in Zukunft die allerkleinsten Einkommen von 1-300 Mark kommunalsteuerpflichtig sein. Es wäre ein unerhörtes Vorgehen, diese Aermsten der Armen nach wie vor mit Umlagen zu be— lasten; den Rentnern aber, denen das Steuer⸗ zahlen doch wahrhaftig nicht so wehe thut wie jenen, einen Steuererlaß zu gewähren. Davon kann aber gar keine Rede sein. Wenn die Ge⸗ meinden die 465000 Mark Kapitalrentensteuer entbehren können, wie die Regierung meint, nun, dann sollen sie dieselben trotzdem einziehen und dafür diejenigen entlasten, die jeden Groschen Steuer, den sie zu zahlen haben, sich vom Munde abdarben müssen. Unberührt von der„Reform“ sollen nach der Vorlage auch die indirekten Gemeinde⸗ steuern bleiben. Nachdem die Regierung die Staatssteuerreform durch die Bepackung mit neuen indirekten Steuern(Gebühren, Stempeln u. s. w.) verunstaltet hat, kann man ja nicht von ihr erwarten, daß sie den städtischen Oktrois an den Kragen geht. Die Gemeinden können die indirekten Einnahmen nicht entbehren— mit diesem Argument sucht man sich über alle sozialpolitischen Bedenken hinwegzusetzen. Dem gegenüber müssen wir zum Schluß doch noch auf ein Feld hinweisen, aus dem die Gemeinde manche Hunderttausende von Mark Steuer herausholen könnte. Wir meinen die Extrabesteuerung des Baugeländes. Das einträgliche Geschäft der städtischen Bodenspekulanten ist zu bekannt, als daß wir es hier näher zu erörtern brauchten. Der Wertzuwachs, den der Baugrund in aufblühen⸗ den Gemeinwesen ganz ohne Zuthun des Besitzers erfährt, ist ein ausgezeichnetes Objekt für eine Sonderbesteuerung, und zwar für eine gründliche. Denn wodurch entsteht dieser Wertzuwachs? Lediglich durch den Fort⸗ schritt des Gemeinwesens, durch verbesserte Ver⸗ kehrseinrichtungen, Errichtung von Schulen und Anstalten zur Pflege von Kunst und Wissen⸗ schaft, Bequemlichkeits- und Wohlfahrtseinrich⸗ tungen verschiedenster Art. Ist es da nicht recht und billig, daß die Gesamtheit sich auch einen Teil dieses Wertzuwachses zurücknimmt? Das könnte z. B. geschehen durch eine Zu— wachssteuer, die bei jedem Weiterverkauf zu erheben wäre. Die einzige deutsche Stadt, in der das heute schon geschieht, ist— Kiautschou! Dort besteht neben einer Bauplatzsteuer von 6 pCt. des Wertes noch eine besondere Zu⸗ wachssteuer, wonach der Mehrerlös bei jedem Weiterverkauf mit 33/ pCt. in die Kasse des Gouvernements fließt. Noch besser wäre es freilich, wenn die Ge⸗ meindeverwaltungen sofort bei Erweiterung der städtischen Baupläne das neu einbezogene Ge— lände erwürben. Dann brauchten sie nicht später für Bauplätze zu städtischen Schulen, Krankenhäusern ꝛc. Hunderttausende an Bauplatz⸗ spekulanten zu bezahlen. Auch hätten sie Ge⸗ lände zur Errichtung von Wohnungen für ihre Beamten, Angestellten, wie für die wenig be⸗ mittelten Bevölkerungsklassen überhaupt. Auf diese Weise könnte der Wohnungsverteuerung mit Erfolg entgegengearbeitet und die Frage der kommunalen Wohnungsfürsorge gelöst werden. Aber, da wird ja noch mancher Tropfen ins Meer und manche Mark in die Tasche der Grundstückspekulanten fließen, bis auf diesem Gebiete gründlich Wandel geschaffen ist. Um so mehr sollte bei Gelegenheit der Kommunalsteuer⸗ reform versucht werden, wenigstens einen kleinen Schritt in dieser Richtung vorwärts zu kommen. Durch die Umwandlung der Grundsteuer in eine in kurzen Zeiträumen stets nur zu veranlagende Vermögenssteuer, würde wenigstens der Wert— zuwachs sofort einer Besteuerung unterworfen werden. Das wäre schon etwas, wenn auch wenig. Das weitere muß nachfolgen. Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗-Zeitung. Nr. 11. Und es wird nachfolgen. Die Regierenden mögen wollen oder nicht— sie werden den Gang der Entwickelung nicht aufhalten. Dafür wird die sozialdemokratische Bewegung schon sorgen. Gott schütze unsere Schweinewirtschaft. In der Denkschrift zur Flottenvorlage ist von nichts anderem die Rede, als den Handels⸗ interessen Deutschlands, die unter allen Um⸗ ständen geschützt werden müssen. Diese Phrasen werden in allen Tonarter variiert. Daß die industrielle Entwickelung Deutschlands in der That schwer bedroht wird, wenn der Handel mit deutschen Waren beeinträchtigt wird, unter⸗ liegt gar keinem Zweifel. Aber die Gefahr droht nicht von kriegerischen Angriffen und ist nicht abzuwehren durch den Bau von Panzer⸗ schiffen, sondern die Hauptgefahr liegt in unseren innerpolitischen Zuständen: Das Junker⸗ tum, dessen ökonomische Macht schon seit langer Zeit gebrochen ist, bleibt nach wie vor die aus⸗ schlaggebende Macht, weil es eben das reaktio⸗ näre Element ist, auf das sich die reaktio⸗ näre Regierung stützt. Die agrarischen Gelüste, deren erfolgreiche Vertreter die preußi⸗ schen Junker sind, gefährden nun aber in aller⸗ erster Linie die Handelsbeziehungen Deutschlands und damit die industrielle Entwickelung, Ein Beispiel dafür, was alles auf diesem Gebiete geleistet wird, liefert ein Geheimerlaß des Freiherrn von Rheinbaben, jetzt Minister des Innern, den er als Regierungspräsident von Düsseldorf erlassen hat, und den unser Genosse Kunert im Reichstage an Tageslicht förderte. (Siehe unsern Reichstagsbericht.) Der Erlaß verbietet den Behörden, den amerikanischen Konsuln Aufschlüsse über die Handhabung der Nahrungsmittel⸗Gesetze und über den Stand der Seuchen im Inlande zu geben. Warum das? Sehr einfach: Man will den Agrariern zu Liebe die Einfuhr von Fleisch, Konserven und dergleichen gänzlich verbieten; an dieser Einfuhr ist Amerika in erster Linie interessiert. Um nun für dieses Gebahren einen Vorwand zu finden, schützt man Gründe der Volksgesundheit vor, will glauben machen, daß in Deutschland die Gesetze zum Schutze der Konsumenten auf das strengste durchgeführt werden, daß Tierseuchen im In⸗ lande nicht vorhanden sind und daß einzig vom Auslande Gefahr für den deutschen Konsumenten droht. In Wirklichkeit steht die Sache ganz anders: In Deutschland werden die Gesetze über Untersuchung der Nahrungsmittel sehr lässig gehandhabt und die Seuchenherde im Innern breiten sich stetig aus. Hier der Beweis für die letztere Behauptung. 1899 war die deutsche Grenze nahezu voll⸗ ständig gesperrt. Trotzdem hat, soweit die Seuchenstatistik zurückreicht, bis 1886, nach dem Jahresbericht des deutschen Landwirtschafts— rats die Maul⸗ und Klauenseuche in Deutsch⸗ land noch niemals in solcher Ausdehnung geherrscht wie 1899. Während im dritten Vierteljahr 1898 nur 9400 Gehöfte verseucht waren, waren es im letzten Vierteljahr fast 54 000 Gehöfte!! Man darf ruhig behaupten, daß der Schutz des konsumierenden Publikums in dieser Be⸗ ziehung ein durchaus ungenügender ist, un— genügender als in anderen Ländern. Den indirekten Beweis hierfür liefert eben der Ge⸗ heimerlaß: Ständen die Dinge anders, so brauchte man sie ja nicht zu vertuschen. Die Folgen dieser Politik der Täuschung und der Brüskierung Amerikas treten auch deutlich hervor: Frankreich und Italien haben vor kurzem sehr vorteilhafte Verträge mit den Vereinigten Staaten geschlossen, dagegen wird gemeldet, daß infolge der Beschlüsse der Kommisston zum Fleischbeschaugesetz die Mashing⸗ toner Regierung die Verhandlungen wegen eines Handels vertrages mit Deutschland vorerst abgebrochen habe. Das Ergebnis ist also: Man verteuert den Konsumenten das Fleisch den Agrariern zu Liebe und infolgedessen gefährdet man die Handelsbeziehungen mit Amerika, einem der wichtigsten Absatzmärkte für deutsche Industriewaren. Vor einiger Zeit hat der geniale Satiriker des Simplicissimus T. T. Heine diese Zustände in einem Bilde verspottet: Jungfer Germania breitet ihre Hände über die nationalen Schweine aus und wehrt den fremden Schweinen den Uebergang über die deutsche Grenze; auf dem Panier der Germania aber steht: Gott schütze unsere Schweinewirtschaft. Politische Rundschau. Gießen, 9. März. Allerlei zur Flottenvorlage. Auf das Jahr 1848 und die damalige Be⸗ geisterung für die Schaffung einer Flotte be⸗ rufen sich die Flottenschwärmer mit Vorliebe. Die„Frankf. Ztg.“ vervollständigt die Flotten⸗ erinnerungen an 1848, indem sie einen Antrag aus den Drucksachen der deutschen National⸗ versammlung zu Frankfurt a. M. des Abg. Karl Vogt(von Gießen) zum Abdruck bringt, welcher lautet wie folgt: „Die Nationalversammlung möge beschließen, im Vertrauen auf den Patriotismus der deutschen Fürsten dieselben zu ersuchen, die Hälfte der ihnen auf ein Jahr bewilligten Zivillisten und Apanagen als frei⸗ willigen Beitrag zur Gründung einer deut⸗ schen Flotte auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen.“ Der Antrag hat damals keinen Erfolg gehabt. Ob eine ähnliche Anregung jetzt auf mehr Erfolg rechnen dürfte, wagen wir zu be⸗ zweifeln. Der Patriot Krupp. Der„Vorwärts“ beantwortet in der Sonn⸗ abendnummer die von der„Frankfurter Ztg.“ aufgeworfene Frage, ob es richtig sei, daß Krupp die Patente für Herstellung seiner neuesten Panzerplatten an das Ausland verkauft habe. Außer nach Amerika und Rußland hatt Krupp sein Patent aber auch nach Eng⸗ land verkauft. Nachdem am 29. September 1898 Shoeburyneß die Erbrobung einer nach dem Krupp⸗Harven⸗Prozeß gehärteten 300 Millimeter starken Panzerplatte stattgefunden hatt, ist im Mai 1899 nach einem Zeitungs⸗ ausschnitt aus einem Marine⸗Organ unter der Ueberschrift: Ein Sieg der deutschen Panzer⸗ Industrie, berichtet, daß die englische Marine das Kruppsche Patent erworben habe, trotz⸗ dem dieses dem englischen Nationalstolz schwere Opfer bereitet habe. Dieselbe Macht, an die man als möglischen Feind bei der jetzt betriebenen Flotten⸗ agitation denkt, wird also durch Krupp mit den Mitteln versehen, sich mit dem zur Zeit denkbar größten Schutz gegen die heutige Artilleriewirkung der Kriegsschiffe zu versehen.— Geldverdienen und Patriotismus sind zweierlei. Wasserscheue Studenten. Der von den Vertretern aller Fakultäten der deutschen Universitäten an ihre Kom⸗ militonen gerichtete Aufruf zum Beitritt in den „Flottenausbau⸗Verein deutscher Studenten“ hat bei den Studierenden der Breslauer Uni⸗ versttät gar keinen Anklang gefunden. Trotzdem derselbe 14 Tage lang am„Schwarzen Brett“ ausgehangen und die Liste zum Einzeichnen der Beitrittserklärung ebenso lange im Sekre⸗ tariat ausgelegen hat, haben sich, der„Bresl. Ztg.“ zufolge, nur zwei Juristen ent⸗ schließen töauen, als Mitglieder beizutreten.— Die müssen dereinst Justizminister werden. Agrarisches Selbstporträt. „Die„Deutsche Tagesztg.“ läßt ihren Flotten⸗ ärger reichlich ausströmen. Sie sagt u. a.: „Wie bei der letzten Flottenvorlage, so be⸗ ginnt auch jetzt wieder das häßliche, wider⸗ liche Treiben, daß jeder, der nicht mit „Hipp, hipp, hurra!“ den Flottentaumel mitmacht, für einen unpatriotischen, „vaterlaudslosen Gesellen“ erklärt wird. Das Häßlichste und das Widerlichste an der ganzen Erscheinung ist der Umstand, daß diejenigen Blätter, welche im Besitze von Flotteninteressenten und bestimmt sind, deren wirtschaftliche Interessen zu vertreten, unter den Schreiern die lautesten sind. Gerade solche Leute sollten sich doch peinlichst zurückhalten....“ Die„Deusche Tagesztg.“ hat ganz recht. Aber wie naturgetreu schildert sie zugleich ihr eigenes Wesen! Sie selbst ist immer voran gewesen, demjenigen, der den Spektakel des Militarismus nicht mitmachen wollte, den Makel der„Vaterlandslosigkeit“ anzuhängen, und niemand hat je weniger als unsere Agrarier daran gedacht, sich„peinlichst zurückzuhalten“, wenn es nicht um„Liebesgaben für die In⸗ dustrie“ ging, sondern um Liebesgaben für die Landwirtschaft, Zollerhöhungen und sonstige kleine Mittel. Bei der Gesellschaft heißt's eben auch: Wie's trefft, bald so, bald so. Politik des Wahnsinns. Wohin die unverschämten Forderungen der Agrarier bezüglich der Grenzsperre und Schutz⸗ zölle führen, geht mit erschreckender Klarheit aus folgender Meldung hervor, die von Washington, dem Sitz der Regierung der Ver⸗ einigten Staaten von Nordamerika, kommt: „Da die Vereinigten Staaten ihrerseits stets betont haben, daß keine fremde Macht das Recht hade, Amerika bezüglich der in Beratung be⸗ findlichen Gesetze Vorschriften zu machen, so hat das amerikanische Staats⸗-Departement es auch nicht für opportun gehalten, gegen das deutsche Fleischschaugesetz, so sehr das⸗ selbe auch in Amerika mißfällt, Vorstellungen zu erheben. Indessen sammelt das Staats⸗ Departement Informationen bezüglich der Verfälschung deutscher Waren und der unter dem deutschen Vieh herrschenden Krank⸗ heiten und das Ackerbau⸗Departement läßt die deutschen Weine analyhsieren.“ Nordamerika rüstet sich also, ein Einfuhr⸗ verbot amerikanischer Fleischwaren in Deutsch⸗ land durch eine Beschränkung der deutschen Wein⸗ und Warenausfuhr zu beantworten. Die Absatzgebiete, die uns dann noch— besonders in England und seinen Kolonien— bleiben, werden uns die Weltmachtspolitiker mit ihrem Flottenspektakel gefährden. Zur Einführung von RMaschinen⸗ gewehren erfährt die„Schles. Volksztg.“, daß eine Anzahl von Offizieren und Oberjägern des Oelser Jägerbataillons zum schlesischen Fel dartillerie⸗ regiment Nr. 6 nach Breslau kommandiert worden ist, um dort im Reiten und Fahren ausgebildet zu werden. Sie sollen zur Führung der mit vier Pferden bespannten sechs Maschinen⸗ gewehre bestimmt sein, die bei den Jägern schon zum diesjährigen Manöver zur Einführung ge⸗ langen sollen. Ein Ausbildungskursus im Schießen mit Maschinengewehren wird sich auf der Spandauer Schießschule dem Reit⸗ und Fahrkursus anschließen.— Nachher wird also der Menschenmord mit Maschinerie betrieben. Wieder ein großer Kultus fortschritt. Hoch die Kultur! Die neue Felddienstordnung giebt die Mindestmaße für Exerzierplätze bekannt und zwar betragen sie: Für ein Kavallerie-Regiment 1000 Meter im Quadrat gleich 100 Hektar. Für ein Infanterie⸗ Regiment 1500: 1000 Meter gleich 150 Hektar. Für eine Infanterie⸗ oder Kavallerie-Brigade 1500 Meter im Quadrat gleich 225 Hektar. Für eine Kavallerie⸗Division 3500 Meter im Quadrat gleich 2225 Hektar. Bedenkt man, daß die mittel- und süddeut⸗ schen kleinbauern nur etwa 7 Hektar besitzen, so ergiebt sich, daß auf dem Areal für den Uebungsplatz eines einzigen Kavallerie⸗Regi⸗ ments ungefähr 15 Bauern, auf demjenigen eines Infanterie-⸗Begimens 21, auf jenem für eine Kavallerie⸗ oder Infanterie⸗Brigade 32, auf dem Uebungsfeld einer Kavallerie⸗Diviston Nebensteil, und Schil Mit de b danach in gahlreie Haben, st 1 Im w lich über bands del die Regie! Druckereie Gehilfen! — hach Gegen einsger J schluß ge großherzo lenden Energ befürwort und Nati merken. 0 1 Die Demut der einen freisprecht fessoren. denen die die Mann ind porü begeistert en Etif Aber 10 na subli bar f eilt Di 1 Gelln 9 Mitteldeutsche SonntagsZeitung. Seite 3. N 317 Bauern ihr Brot finden könnten. Und alles das, was diese großen Flächen hervor⸗ 0 8. bringen, wird in den Boden gestampft. 0 i Eine urdeutsche Familie. esitz Ueber die Herkunft der Familie Hohenlohe, tm die nach der Behauptung des Prinzen Alexander (Sohn des Reichskanzlers) im Reichstag eine so„urdeutsche“ sein soll, daß die von unserem 9 dag Parteigenossen Singer behauptete Internatio⸗ nalität gar nicht in Frage kommen könne, äußert sich ein altes französisches genealogisches 0 l Werk dahin: 1 00„Hohenlos“ oder„Holasch“ ist ein altes 0 1 gräfliches Haus des Kaiserreiches und hält den t 1 ersten Rang unter den Häusern des Franken⸗ 10 n landes. Die Grafen des Hohenlos sind ver⸗ 1 wandt mit den besten Häusern Deutschlands. en Sie behaupten, aus Italien zu stammen, wo 9 5 sie den Namen„Alta fiama“ oder den der le Ju⸗„Flaminicus“ führten, die mit dem Namen für die Hohenlos übereinzustimmen scheinen, da sie die⸗ sonstige selbe Sache(iama⸗ Flamme, Lohe) bedeuten. b eben Diese Grafen besitzen fruchtbare Ländereien zwischen dem Herzogtum Wirtemberg und dem Frankenlande und wären sehr mächtig, wenn bn d sie nicht in mehrere Zweige geteilt wären. en der Gegenwärtig(d. h. zur Zeit der Herausgabe Na des genannten genealogischen Werkes) ist ihr 1 Haus zusammengesetzt aus den Zweigen von * Nevenstein, Walburg, Foedelbach, Langenburg el Be und Schillingsfürst. nt. Mit dem„Urteutschtum“ der Hohenlohes ist (5 stets es danach nicht weit her. Daß die Hohenlohes 3 Recht in zahlreichen europäischen Staaten Grundbesitz ung be⸗ haben, ist ja bekannt. 9 fat Liberale Arbeiterfreunde. 79103 Im weimarischen Landtag wurde kürz⸗ r das lich über eine Petition des Buchdruckerver⸗ lun 0 bands debattiert, in der verlangt wurde, daß 9 5 die Regierung ihre Drucksachen nur in solchen i 1 Druckereien herstellen lasse, in denen die zwischen 10 12 Gehilfen und Prinzipalen vereinbarten Löhne 91.— nach dem„Tarif“— bezahlt würden. ran Gegen die Stimmen der Freisinigen und t läßt eineger Nationalliberalen wurde der Be⸗ 5 schluß gefaßt, das Gesuch der Buchdrucker der infuhr⸗ großherzoglichen Staatsregierung zur empfeh- deutsch⸗ lenden Berücksichtigung zu überweisen. euschen Energisch hatte Gen. Baudert die Petition . Die befürwortet. Das Verhalten der Freisinnigen onder und Nationalliberalen mögen sich die Arbeiter bleiben, merken. t ihrem Die tapferen Akademiker. Die deutschen Professoren ducken sich in len Demut vor der Büttelgewalt des Ministers, der einen Universitätslehrer maßregelt trotz des Aal freisprechenden Erkenntnisses der Berliner Pro⸗ Sale fessoren. Die Zeiten der Göttinger Sieben, ll denen die wissenschaftliche Freiheit heilig war, 1 10 1 die mannhaft gegen die Reaktion sich auflehnten, nan 1 sind vorüber. Der moderne deutsche Professor Jahr begeistert sich für Heer und Marine, und leckt Führung den Stiefel, der ihm einen Fußtritt versetzt. iche, Aber selbst die Studenten haben gelernt sich fu scho zu ducken, haben es darin sogar zu einer kaum ung ge. 17 1 150 Fertigkeit gebracht, wie folgendes suß in ßheweist: Nachdem bekannt geworden war, daß sich 0 beim Direktorium der„Akademischen Lesehalle“ it⸗ In in Berlin ein Antrag eingelaufen, eine Sympathie⸗ ird, alle adresse an Dr. Arons zu richten, ließ der Rektor trieben. der Universität, Professor Fuchs, den Vorsitzenden des Direktoriums zu sich rufen und erklärte ihm, er werde gegen Jeden das Disziplinar⸗ lt de verfahren eröffnen, der für diesen Antrag spreche, R 111 und die Folge war, daß die Herren der Tapfer⸗ be keit besseren Teil erwählten und— schwiegen. i Wo ist der Geist hin, der einst die deutschen etel! Burschenschaften beseelte? Wo ist die idealistische, fanterlk begeisterungsfähige akademische Jugend hin? Ei le, nun, sie ist zu grunde gegangen in dem Sumpfe Gig der bürgerlichen Behäbigkeit. Eine Klasse, die Hella jedes politische Ideal eingebüßt hat, kann auch Jeter in 555 begeisterungsfähige Jugend mehr hervor— 5 ringen. fü Zum Teufel ist der Spiritus bac Das Phlegma ist geblieben. e Fleischwucher. Der Ausschuß des deutschen Handelstags hat einstimmig folgende Erklärung beschlossen: — 2 —— — SS. „Die Reichstagskommission für das Gesetz, be⸗ treffend die Schlachtvieh⸗ und Fleisch⸗ beschau, hat Beschlüsse gefaßt, nach denen die Einfuhr von eingepöckeltem und Büchsen⸗ fleisch sofort, die Einfuhr von frischem Fleisch von 1904 ab verboten werden soll. Die Kommission ist mit diesen Beschlüssen weit hinausgegangen über das allseitig anerkannte Bedürfnis sanitären Schutzes. Jenes Verbot würde die Fleischernährung breiter Schichten des deutschen Volkes erschweren, insbesondere die Lebenshaltung und Leistungsfähigkeit der industriellen Arbeiter beeinträchtigen und dadurch die Entwickelung und Wettbewerb unserer Industrie empfindlich schädigen. Jenes Verbot würde ferner geeignet sein, die Handels- beziehungen des deutschen Reiches und das weitere Aufblühen unserer Schiffahrt auf das Nachteiligste zu beeinflussen. Gegen diese Be⸗ schlüsse der Reichstagskommission legt der Aus⸗ schuß des deutschen Handelstags einstimmig Verwahrung ein Namens der Industrie, des Handels und der Schiffahrt unseres deutschen Vaterlandes.“ Die Agrarier, denen die Regierung so außer⸗ ordentlich entgegenkommt— siehe den Geheim— erlaß Rheinbabens— werden immer unver⸗ schämter. Durch Zölle wollen sie das Brot immer mehr verteuern, durch Sperrung der Grenzen die Fleischpreise in die Höhe schrauben. So sorgen sie für ihren Geldbeutel, schädigen aber den Arbeiter aufs empfindlichste. Der Krieg in Südafrika. Es ist leider nicht mehr daran zu zweifeln, daß sich die Lage der Buren immer schwieriger gestaltet. Freilich haben die Engländer keine Ursache auf ihre„Siege“ gerade stolz zu sein. Die Erfolge der Buren waren Siege, in helden⸗ mütigem Kampfe errungen gegen ungeheure Uebermachten. Aber wer fragt bei diesen Menschlächtereien, die man Kriege nennt, nach dem„wie“? Der Große unterdrückt den Kleinen auf dem Schlachtfeld, wie der Riesen⸗ betrieb den Kleinbetrieb auf dem Arbeitsfeld verschlingt. Von einer Intervention der übrigen Mächte verlautet noch nichts. Im englischen Abgeord⸗ netenhaus wird schon die Frage erörtert, ob man den südafrikanischen Republiken ganz oder nur halb die Kehle zudrücken soll. Die englischen Sozialdemokraten, die sich von vornherein gegen den Krieg aussprachen, protestieren jetzt wieder gegen die Fortsetzung desselben. Aus dem Reichstag. Bei der zweiten Beratung des Etats für das aus⸗ wärtige Amt stellte unser Genosse Gradnauer die Regierung zur Rede wegen der eigenartigen Rolle, die sie vor, während und nach der internationalen Friedenskonferenz gespielt hat. Gar nichts habe die Regierung seither über die Konferenz verlauten lassen. Etwa deswegen, weil die Friedenskonferenz gar zu schlecht zu den Flottenplänen paßt? Es gab Leute, die mit sehr starker Zuversicht auf die Konferenz blickten. Andere hatten ja von vornherein große Zweifel, noch andere, und dazu gehört meine Partei, meinten, daß diese Konferenz einen sehr starken Stich ins Groteske, Komödiantenhafte haben würde. Jedenfalls hätte uns die Möglichkeit gegeben werden müssen, die Resul⸗ tate zu prüfen. Aber sie verhandelte hinter verschlossenen Thüren. Was bekannt wurde, waren die denkbar dürf⸗ tigsten Depeschen, aus denen man sich kein Bild über die Stellungnahme der einzelnen Regierungen machen konnte. Gradnauer geißelte dann das Verhalten der Regierung, die das Friedensmanifest des Zaren „freudig“ begrüßt, dann zur Konferenz aber einen Pro⸗ fessor geschickt habe, der in einer Broschüre Friedeus⸗ konserenzen als kindisch und zwecklos bezeichnet hatte. Aehnlich wie die deutsche, hätten sich auch andere Regierungen verhalten. Gerade die ziollisiertesten Per⸗ sonen rüsten am meisten. Alle Regierungen, die sich bemüht haben, eine Friedens konferenz zu stande zu bringen, sahen ruhig zu, wie der Krieg gegen die Buren mutwillig vom Zaune gebrochen wurde. Das ist geradezu ein skandalöses Verhalten der Regierungen. In derselben Zeit, wo im Haag die Konferenz tagte, ist bei uns der Staatssekretär des Reichsmarineamts zu den Großindustriellen gereist, um zu fragen, ob genügend Material vorhanden sei, damit die Regierung neue Rüstungen vornehmen könne. Der milltaristische Zustand kann nicht durch die heutigen Regierungen beseitigt werden. So lange das kapitalistische System im Innern unseres Reiches und zwischen den Völkern besteht und so lange man diesem System nicht zu Leibe geht, ist es nicht möglich, die Friedensbestrebungen zu verwirklichen. Was ich aber hoffe und wünsche, ist, daß die Regierung in Zukunft mit offenen Karten spielen möge. Dann werden wenigstens die Völker wissen, von den heutigen Re⸗ gierungen haben wir nicht zu hoffen und zu erwarten, daß die Kriege je beseitigt werden. Sie werden wissen, die heutigen Regierungen können nichts besseres schaffen, es wird bleiben bei dem heutigen System der Rüstungen und Verwüstungen.(Lebhafter Beifall bei den So⸗ zialdemokraten.) Staatssekretär von Bülow: Wir haben unsere Rüstungen zu Lande und zu Wasser immer nur zu dem Zweck vervollständigt, um unser Territorium und unsere wohlerworbenen Rechte gegen feindliche Angriffe zu schützen; von unserer Seite ist der Frieden nicht gestört worden. Für das Gegenteil können wir aber keine Garantie übernehmen und gegen eine nicht ausgeschlossene Möglichkeit müssen rechtzeitig Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Die Veröffentlichung der Haager Konferenz⸗ beschlüsse werde erfolgen, sobald die Ratifikation derselben stattgefunden habe. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch in hervorragender Weise Genosse Bebel, der der Regierung gehörig die Meinung sagte, und Genosse Kunert. Letzterer geißelte die Nachgiebigkeit der Regierung den Junkern gegenüber und verlas als trefflichen Beweis dafür einen Geheimerlaß, den wir in unserm heutigen zweiten Artikel näher besprechen, und den wir hier im Anszug wiedergeben: „Der Regierungs-Präsident. B 2323 Geheim! Düsseldorf, 24. Juli 1899. Nach dem Zirkular vom 10. Juni 1894(Min.⸗Bl. f. d. inner. Verw. S. 102) können Anfragen und Er⸗ suchen, welche seitens der in Deutschland bestellten, mit dem Exequatur versehenen Konsuln ausländischer Staaten innerhalb der Grenzen ihrer amtlichen Aufgaben und ihres Amtsbezirks an die diesseitigen Verwaltungs⸗ behörden gerichtet und von diesen unmittelbar beantwortet werden, sofern es sich nicht um Fragen von allgemeiner Bedeutung handelt. Gegenüber den amerikanischen Konsuln, für welche die vorangeführten Grundsätze gleichfalls Geltung haben, ist indessen von allen zur Beeinträchtigung diesseitiger Interessen geeigneter Mit⸗ teilungen abzusehen Als Mitteilungen, die unter keinen Umständen den amerikantschen Konsuln zu machen sind, bezeichne ich z. B. statistische Angaben über Zuwiderh andlungen gegen das Nahrungsmittelgesetz und seine Neben⸗ gesetze, insbesondere über die Herstellung und den Vertrieb gesundheitsschädlicher Nahrungs⸗ und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände einschließlich Spielwaren, über die Verfälschung und Vertrieb derartiger Waren, über Trichinen⸗ und Finnenfunde in einheimischem Fleische und über den Stand von Menschen- und Tier⸗ Kank heiten Ich ersuche, diese Angelegenheit als streng ver⸗ traulich zu behandeln und die nachgeordneten Behörden mit entsprechender Weisung unter ausdrücklicher Betonung der streng vertraulichen Behandlung zu versehen. An die Landräte und Oberbürgermeister. Freiherr von Rheinbaben.“ Genosse Kunert besprach diesen musterhaften Geheim⸗ erlaß ausführlich und kam zu dem Schluß, daß der „Geheimcharakter“ desselben für ein schlechtes Gewissen spreche. Dieser Geheimerlaß sei das Produkt einer zweideutigen und treulosen Politik. Dienstagssitzung. Der Reichstag nahm nach längerer Debatte den freisinnigen Antrag, die Petitionen betreffend das Vereins- und Versammlungsrecht dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, gegen die Stimmen der Rechten an. Unsere Genossen Stolle, Herzfeld, Baudert, Heine und Frohme schilderten die willkürliche Handhabung der Versammlungs- und Vereinsgesetze. Ueber die Petition betreffend die Ein⸗ führung des Befähigungsnachweises für das Baugewerbe entspann sich eine lebhafte Debatte. Schließ⸗ lich wird sie mit großer Mehrheit dem Reichskanzler teils zur Berücksichtigung, teils als Material überwiesen. Von Nah und Lern. Gleichberechtigung Aller. * Die Eingabe der hessischen Judenschaft an die Zweite Kammer der Stände, wegen Gleichstellung aller Bürger des Staates, hat auch dem Zentrum nicht gefallen, wie ——ů— Nationalliberalen Seite 4. Mitieldeutsche Sountags⸗Zeitung. wir schon vor 14 Tagen in unserm besonderen Artikel, der von verschiedenen hessischen Blättern nachgedruckt wurde, voraussagten. Das„Kath. Volksblatt“ schreibt in Bezug auf diese Eingabe: „Die Wahrheit ist die, daß das christliche Volk sowohl getaufte als ungetaufte Juden nicht gern als Richter und Staatsanwälte sieht. Und mit dieser nicht unbegründeten Abneigung hat die Regierung bisher gerechnet.“ In den Kultur⸗ kampfjahren würde das klerikale Blatt kaum so etwas geschrieben haben. Wie denn, wenn die nationalliberalen Kulturpauker dem Zen⸗ trumsblatt antworten würden: Die Wahrheit ist, daß das protestantische Volk ratho⸗ liken nicht gern als Richter und Staatsauwälte sieht u.. w. Unseres Erachtens kann man sich kaum eine größere Feindschaft denken, als wie sie z. B. zwischen den Zentrumskatholiken und den Mitgliedern des evangelischen Bundes besteht. Welches wäre denn das schlimmere Uebel: sich als Protestant vor einem freigesinnten Richter jüdischer Religion oder vor einem vermuckerten römisch⸗katholischer Religion verantworten zu müssen? Man erfülle die sozialdemokratische Forderung: Wahl der Richter durch das Volk. Dann werden nur Leute Recht sprechen, die allgemeines Vertrauen genießen. Die reli⸗ giöse Ueberzeugung der Richter ist dann deren Privatsache. Objektive Berichterstattung. * Dem Gießener Anzeiger war ein derart parteiischer und direkt verlogener Bericht über die nationalsoziale Gimpelfangs⸗ Versammlung zugegangen— zweifellos von einem Angehörigen der Handvoll National⸗ sozialen in Gießen—, daß sich das genannte Blatt zur Aufnahme der folgenden Berichtigung verstehen mußte: „Ihr Bericht über die nationalsoziale Ver⸗ sammlung enthält einige Unrichtigkeiten. Ich beschränke mich darauf, zwei Punkte richtig zu stellen, auf die ich besonderen Wert lege. 1. Es ist unwahr, daß ich dem Refe⸗ renten Weinhausen den Vorwurf gemacht haben soll, er hätte den politisch⸗sachlichen Kampf gegen die Nationalliberalen zu nobel geführt. Wahr ist, daß ich gesagt habe: „Ich kann die Ansicht des Referenten nicht teilen, die Leist'schen Ausführungen deshalb nicht bis ins Detail zu beleuchten, weil genannter Herr nicht anwesend ist. Das soll vielleicht ein besonders nobles Ver— halten sein; für politisch klug kann ich es nicht ansehen. Durch das Referat über den Leist'schen Vortrag im„Gieß. Anz.“ sind die Darstellungen des Herrn Professors in weite Kreise gedrungen, es ist deshalb dringend erforderlich, seine schiefen Darstellungen aus⸗ führlich zu erörtern. Daß Herr Leist der heutigen Versammlung trotz besonderer Ein⸗ ladung ferngeblieben, ist nicht unsere Schuld; sein Fortbleiben zwingt uns, ihn in con— tumaciam zu verurteilen.“ Etwas anderes habe ich nicht gesagt. 2. Unwahr ist ferner, daß ich auf die „persönlich-maßlose An⸗ griffe“ gemacht haben soll. Ich habe die ge⸗ nannte Partei allerdings scharf angegriffen — das hat auch der„Gießener Anzeiger“ kurz vor den letzten hessischen Landtagswahlen ge— than—, ich habe mich aber nicht mit einzelnen Personen beschäftigt. Ph. Scheidemann.“ Ein feiner Unterschied. * In der Marburger nattonalsozialen Ver⸗ sammlung gab infolge einer Aeußerung Scheide manns Herr Erdmannsdörffer folgende Er— klärung ab: In der Gießener Versammlung, die eine Vereins versammlung war, sei es ganz korrekt gewesen, gegnerische Resolutionen nicht anzunehmen, zumal wenn sie so spät eingebracht werden, wie es am Montag für gut befunden wurde. Er werde gegebenen Falles gerade ebenso handeln wie damals. Wir sind überzeugt, daß Herr Erdmanns⸗ dörffer in diesem Punkt seine Anschauungen ebenso ändern wird, wie er sie geändert haben dürfte in bezug auf die Schuld der Juden an der Cholera. Aendert er seine Anschauungen nicht, daun werden die Arbeiter den national⸗ sozialen Versammlungen grundsätzlich fernbleiben müssen. Die Versammlung am Montag dürfte wohl dem Marburger Führer der National⸗ sozialen mindestens die Ueberzeugung beigebracht haben, daß in Zukunft— wenn die Arbeiter fernbleiben— im„Sprienskasten“ oder im „Schiefen Balken“ zu Gießen Raum genug sein dürfte für diejenigen, die noch auf die Ein⸗ ladungen zu den„öffentlichen Versamm⸗ lungen“ mit„freier Diskussion“ des„National⸗ sozialen Vereins“ hineinfallen. Die Sittlichkeit auf dem Lande⸗ Vor dem Landgericht München II(Land) wurde gegen drei Bauerndienstmädchen aus dem Dachauer Moos wegen Nötigung und Vergehens wider die Sittlichkeit verhandelt. Sie haben auf dem Felde bei der Arbeit einen Dienstknecht überfallen, ihm mit Gewalt die Hose hinabgezogen und Unfug mit ihm getrieben. Der Staatsanwalt hielt die Klage aufrecht, der Verteidiger plädierte auf Freisprechung, da es sich nur um einen der derben Scherze handle, die in der dortigen Gegend oft vor⸗ kämen. Das Gericht schloß sich dem Antrag des Verteidigers an und erkannte auf Frei⸗ sprechung. Da ist dem„Ländlich, sittlich“ ein⸗ mal in bemerkenswerter Weise Rechnung ge— tragen. Aber die Unschuld auf dem Lande wird durch solche„Scherze“, die öfters vor⸗ kommen, in eigentümlicher Weise illustriert. Die Frömmigkeit scheint da nicht veredelnd zu wirken. Was sagt die sündhafte Stadt da⸗ zu, von der das sündhafte Landvolk fern⸗ gehalten werden soll, damit es seine Sitten⸗ reinheit nicht verliere? Kleine Mitteilungen. *** Studentinnen in Gießen. Vom 1. April ab werden an der Gießener Universttät Frauen als Zuhörerinnen zugelassen. Die Erlaubnis muß in jedem einzelnen Fall vom Rektor erteilt werden, an den die Gesuche zu richten sind. Neben der Angabe, welches Fach hauptsächlich gewählt ist, sind dem Gesuch bei⸗ zulegen: Ausweise über die wissenschaftliche Vorbildung, ein Lebenslauf, die etwa schon auf Hochschulen empfangenen Studienausweise und die Quittung des Quästors. Die Aufnahme⸗ gebühr beträgt 10 Mk., für Frauen, die schon an einer Universität hospitiert oder studiert haben, 5 Mk. Versagt der Rektor die Auf⸗ nahme, so kann die Entscheidung des Senats angerufen werden. ** Gießen. Als Ergänzung zu unserm Artikel(vorige und heutige Nummer) über die Gemeindebesteuerung in Hessen teilen wir noch folgendes mit: Vertreter von Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen, Worms, Bingen und Alzey traten am Dienstag mit einigen Mitgliedern der Zweiten Kammer in Darmstadt zusammen, um sich über das hessische Kommu⸗ nalsteuergesetz auszusprechen. Besondere Be⸗ schlüsse wurden nicht gefaßt. Man kam mit der Regierung überein, das von ihr vorgelegte Gesetz als ein interimistisches in Kraft treten zu lassen. Auch das Kapitalrenten⸗ steuergesetz gab Veranlassung zu einer längeren Debattte. Die Regierung soll die Frage prüfen, ob das Gesetz fallen gelassen werden oder ob man es den Gemeinden über⸗ lassen soll, die Kapitalrentensteuer als eine Steuereinnahme für die Kommunalverbände zu verwenden. * Bad Nauheim. Die am 17. Oktober 1899 begonnene Bohrung nach einer neuen Heilqueree förderte einen außerordentlich starken, 32 O Celsius warmen, stark kohlensäure⸗ haltigen Soolsprudel mit hohem Salzgehalt zu Tage. Die Bohrung ist 208 Meter tief. Der Sprudel ist 16 ¼ Ctm. stark und springt einen Meter hoch. Mit dem neuen Sprudel ist ein neuer Soolstrom angebohrt. Die alten Heil⸗ quellen sind nicht gestört. Nauheim besitzt jetzt die drei bedeutendsten kohlensäurereichsten Thermalsprudel der Welt. ** Offenbach a. M. Von sozialdemo⸗ kratischer Seite war seinerzeit in der Stadt⸗ verordnetenversammlung die Anregung gegeben worden, die Kosten für Beerdigungen auf die Stadtkasse zu übernehmen. Der Anregung konnte mitten im Nechnungsjahr keine Folge gegeben werden; zum Beginn des neuen Rechnungsjahres gedenkt man aber einen Anfang zu machen. Nach einem an die Stadtverordneten gerichteten Antrag sollen für Gewährung der unentgeltlichen Bestattung 5000 Mk. und weiterhin für Gewährung un⸗ entgeltliger Hebammenhülfe ebenfalls 5000 Mk. in den Etat eingestellt werden. Das ist sozialdemokratische Kommunalpolitik. Den fleißigen Offenbacher Genossen, die einen schweren Kampf zu kämpfen haben, ein Bravo. r Mainz. Am Dienstag stürzte sich der Thür mer der Stephanskirche, Joh. Scheppler, der an der Influenza erkrankt war, in einem Fieberanfall zum Thurmfenster hinaus. Er wurde mit zerschmetterten Gliedern todt auf— gefunden. ** Die Mucker und die Katzen. Gegen eine Katzenausstellung, die in der Charwoche unter dem Protektorat des Großherzogs in Darmstadt veranstaltet werden soll, wurde in der Samstag⸗Sitzung der evangelischen Landessynode für Hessen lebhafte Beschwerde geführt. Die Frommen nehmen Anstoß daran, daß die Ausstellung in der Charwoche stattfindet. Es fielen scharfe Aeußerungen und sogar einige Ordnungsrufe. Der Präsident des Oberkon⸗ sistoriums erklärte, er habe sich bereits mit einer Vorstellung an den Großherzog gewendet, um womöglich„das die christlichen Gemüter schwer bedrückende Aergerniß“ abzuwenden. Unser organisirten Frommen nehmen nachgerade an den harmlosesten Dingen Aergernis.„Wahr⸗ haft„christliche Gemüter“ müßten frei von solcher Kleinigkeit sein“, meint die„Kl. Pr.“ Hoffentlich kommt kein bösartiger Kater hinter die Absichten der Mucker. So ein ver⸗ liebtes Tier wäre in dem für die Katzen so bedeutsamen Monat März im Stande, aus Rache auf den Dächern der Frommen die skandalösesten Liebesszenen aufzuführen. Denn das unterliegt für uns keinem Zweifel: die Katzen pfeifen sicher auf die Lex Heinze. ** Wiesbaden. Gegen eine hiesige Groß⸗ handlung ist ein Verfahren wegen Steuerhinter⸗ ziehung eingeleitet worden. Die zu zahlende Nachsteuer nebst Strafe beziffert sich zusammen auf rund 100 000 Mk. a * Der wegen iti brechen verhaftete Pfarrer Schlatterer in Konstanz wurde wegen Verbrechens gegen§8 174 und 175 des Reichs-Strafgesetzbuches zu 2 Jahren Gefängnis, der mitangeklagte 18jährige Gymnasiast Dietsche zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt. * Heessel(Hannover). Der gewiß seltene Fall, daß ein ganzes Dorf auf Abbruch verkauft wird, hat sich im hannoverschen Kreise Neuhaus ereignet. In dem Grund und Boden des Dorfes Heessel befindet sich ein mächtiges Thonlager. Eine Hamburger Gesell⸗ schaft hat kurz vorher das ganze Dorf auf Abbruch gekauft, um das Lager ungehindert ausbeuten zu können. Arbeiterbewegung. Mainz. Die Tüncher und Maler haben nun von der Innung die Antwort auf ihre eingereichten Forderungen erhalten. Die Innung will die zehnstündige Arbeitszeit ge⸗ währen, lehnt aber die Festlegung eines Mindest⸗ lohnes von 42 Pfg. für die Stunde, sowie eine allgemeine Lohnerhöhung von 7 Pfg. für die Stunde ab. Sie will nur eine Lohnerhöhung von 2 Pfg. pro Stunde zugestehen. So wurde denn in einer Versammlung das Angebot der Innung abgelehnt und mit 303 gegen 8 Stim⸗ men der Streik erklärt. . Berlin. Die Anssperrung der Tischler ist doch nicht in dem angekündigten Maße erfolgt. Nach Angaben des„Vorwärts“ arbeiten noch ca. 6000 Holzarbeiter. g — d zugele asellt hatt sttaft * — polit U. Dr. Gießen, hat Vortrag gehe Gimpelfallen. Antsblatt v schlesen Dar weiteren Kre Gimpel werkschaft ach seiner A gemacht, zur demokkalische tenen Arbeit schasten bine stützungst einige Zeit worhen, so da er seine leiteten de müsse ein gesczliche Be Müglied, de dle geleistet kosten— z will Profess die Ireihei gegenüber tion sfrei Ohne hetaus z srebungen Minderh. thtigkeit z. Abeltern 1 se nach ge Die N mannsdörff beriefen 0 sannlung denn We Ver puff aber nl hatten, Herr gegen i chaflicen dann 3 5 iche der einige erkon⸗ 5 mit endet, emüter enden. gerade Wahr⸗ i bon 5 Pr.“ Kater n ber⸗ zen so „ as el die Denn : die ze. Groß⸗ hinter⸗ ählende immen sber⸗ rer i zen 98 hes zu jährige angnis seltele bruch schen ich ein 15 uf auf hudert . . kr. 11. 3 — Mitteldeutsche Tonntags⸗Zeitung. Seite 8. Rechtssprechung. § Gießener Gewerbegericht. Der Spenglergeselle Güttler hat den Spenglermeister Rosenberg wegen kündigungsloser Entlassung verklagt. Der Kläger wird kostenpflichtig ab⸗ ewiesen, da Rosenberg beschwört, mit dem Kläger bei dessen Einstellung vereinbart zu haben, daß Kündigung ausgeschlossen sein soll. 8 Mainz. Der frühere Unterofftzier Peter Braun vom 118. Inf.⸗Regt. in Worms, jetzt in Frei⸗Weinheim wohnhaft, war vor dem Schwurgericht der Anstiftung zum Mord-⸗ versuch angeklagt. Die Wirtin Vogtmann in Worms, bei der der Angeklagte verkehrte, hatte im vorigen Jahre wiederholt den Ver— such gemacht, ihren Ehemann zu vergiften. Sie wurde deshalb auch zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Schwurgerichtsverhandlung erklärte sie, daß Braun ihr die Giftmittel ver⸗ schaft habe. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, worauf das Gericht auf Frei— sprechung erkannte. § Berlin. Hier wurde ein Briefträger, der zugestandenermaßen ein Kreuzband nicht strast. hatte, mit drei Monaten Gefängnis be— raft. Politiseher Gimpelfang. n. Dr. Leist, Professor der Rechtsgelehrsamkeit in Gießen, hat kürzlich im natlonalliberalen Verein einen Vortrag gehalten über das seltsame Thema: Politische Gimpelfallen. Er hat seinen Vortrag später im Gießener Amtsblatt veröffentlicht, und dadurch erst sind seine schiefen Darstellungen und reaktionären Absichten in weiteren Kreisen bekannt geworden. Gimpelfallen sind nach Herrn Leist die Ge⸗ werkschaftsorganisationen. In diesen werden nach seiner Ansicht die Arbeiter aufgehetzt und unzufrieden gemacht, zur Begehrlichkeit erzogen und für die sozial⸗ demokratische Partei eingedrillt. Um nun die unerfah⸗ renen Arbeiter, die„Gimpel“, zunächst in die Gewerk⸗ schaften hineinzubekommen, hätten die letzteren Unter⸗ stützungskassen eingeführt. Habe ein Arbeiter erst einige Zeit Beiträge gezahlt und dadurch Rechte er⸗ worben, so sei er dauernd in der Gimpelfalle gefangen, da er seine erworbenen Rechte ebenso wenig wie die ge⸗ leisteten Beiträge preisgeben wolle. Diesem Zustand müsse ein Riegel vorgeschoben werden. Es müßten gesetzliche Bestimmungen eingeführt werden, daß jedem Mitglied, das aus einer Gewe.kschaft austreten wolle, die geleisteten Beiträge— abzüglich der Verwaltungs⸗ kosten— zurückgegeben werden müßten. Im übrigen will Professor Leist„gegenüber der Koalttionsfreiheit die Freiheit der Einzelnen und der Minoritäten, gegenüber der Assoziations freiheit die Dissozia⸗ tion s freiheit stärken“. Ohne daß Herr Leist den Mut findet, das offen heraus zu erklären, würde die Verwirklichung seiner Be⸗ strebungen selbstverständlich dahin führen, daß jederzeit die Minderheit einer Gewerkschaft die Mehrheit zur Un⸗ thätigkeit zwingen kann. Die Unternehmer könnten den Arbeitern ungehindert das Fell über die Ohren ziehen, sie nach Herzenslust ausbeuten.— Die Nationalsozialen, deren großer Führer Erd⸗ mannsdörffer dem Leistschen Vortrag beigewohnt hatte, beriefen nun für vorigen Montag eine öffentliche Ver⸗ sammlung ein, zu der sie den Redakteur der„Hilfe“, Herrn Weinhausen⸗Berlin als Referenten bestellten. Herr Professor Leist wurde besonders eingeladen, kam aber nicht, wie wir mit Bestimmtheit vorausgesehen hatten. Herr Weinhausen trat den Leistschen Ausführungen entgegen und begründete die Notwendigkeit des gewerk⸗ schaftlichen Zusammenschlusses der Arbeiter, schilderte dann— häufig allerdings total falsch— die Ge⸗ schichte der gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Organisation und hieb zwischendurch auf das„unprak— tische“,„utopistische“ u. s. w. Verhalten der Sozialdemo⸗ kratie. Der Vortrag war herzlich langweilig, wurde aber von dem Dutzend anwesenden Nationalsozialen geräusch⸗ voll beklatscht. In der Diskussion sprach unser Genosse Scheid e⸗ mann. In einstündiger Rede ging er ausführlich auf die Leistschen Leistungen und auf die Rede Weinhausens ein. Auf ihn habe es den Eindruck gemacht, als ob Herr Leist in professoraler Zerstreutheit seine Manuskripte verwechselt hätte und jetzt, wo die Professoren⸗Kollegen Leists die Arbeiter für die Flottenvorlage zu ge⸗ winnen suchten, jene Rede gehalten hätte, die zur Befür⸗ wortung der Zuchthaus vorlage vor einigen Monaten hätte vom Stapel gelassen werden müssen. Wenn man Herrn Leist als Professor anklage, so müsse man ihm mildernde Umstände zubilligen, weil er nationalliberal sei; klage man ihn als Nationalliberalen an, so komme seine Eigenschaft als ordentlicher deutscher Professor mil⸗ dernd in Betracht. Ihm(Redner) sei Professor Leist persönlich unbekannt, die Person bleibe also aus dem Spiel. Scheidemann zerpflückte nun in ausführlichster Weise den Vortrag Leists und kam zu dem Schluß, daß in den Zeiten der lex Arons ein deutscher Professor am besten thue, sich nicht in die Politik zu mischen. Gegen die Regierung— den Verwaltungsausschuß der herrschenden Klassen— dürfe sich kein Beamter, kein Universitätslehrer wenden, sonst fliege er, und abhängige Leute, die geräuschvoll für das eintreten, was oben jeweilig gewünscht werde, kommen leicht in den Verdacht, daß sie den Mantel nach dem Winde hängen. Die Zeiten der Göttinger Sieben seien vorbei, von einer Gelehrtenrepublik könne man nicht mehr reden. Redner bespricht kurz die Fälle Arons und Schiller und erinnert an einen weiteren tapferen Mann, den man in Gießen seiner ehrlichen Gefinnung, seines festen Charakters wegen habe die Hungerpeitsche fühlen lassen: Professor Noack. Dann wendet sich Scheidemann gegen die Partei Weinhausens, die er für ein Zwitterding erklärt. Die Arbeiter lachen über die Sirenengesänge der National⸗ sozialen und bleiben was sie sind: Soztaldemokraten. (Langanhaltender Beifall.) Da Herr Weinhausen in seinem Schlußwort nach berühmten Mustern dem Gen. Scheidemann verschiedene Sätze unterschob, die dieser gar nicht gesagt hatte, kam letzterer noch einmal in einer persönlichen Bemerkung zum Wort. Das Schlußwort Weinhausens empörte einen Genossen derart, daß er schnell eine Resolution formu⸗ lierte und diese dem Vorsitzenden Erdmannsdörffer ein⸗ reichte, in der gesagt wurde, daß die Versammlung mit den Ausführungen des Herrn Weinhausen nicht ein⸗ verstanden sei, vielmehr in der Sozialdemokratie die einzig ehrliche und richtige Vertretung des klassenbewußten Proletariats sieht. Diese Resolution unterdrückte der nationalsoziale Vorsitzende, indem er sich hinter formellen Einwänden verschanzte und sofort die Versammlung schloß. Er wollte seinem Partei⸗Stammtisch in Gießen die Blamage ersparen, daß in einer von der nationalsozialen Partei einberufenen Versammlung die Neun⸗Zehntel⸗ Mehrheit die nationalsoztalen Weisheiten zurückwe ist. Genosse Scheidemann machte jedoch dem durch seine Juden⸗Cholera-Broschüre bekannten Herrn Erdmanns⸗ dörffer einen Strich durch die Rechnung, indem er durch ein Hoch auf die Sozialdemokratie, in das mehr als neun Zehntel der Versammlung begeistert einstimmten, den klipp und klaren Beweis erbrachte, daß die Natio⸗ nalsozialen in Gießen kaum drei Skatpartieen besetzen können. Die Arbeiter gehen den Nationalsozialen ebenso wenig in die Gimpelfallen, wie den Nationas⸗ liberalen. Als das Hoch verklungen war, hörte man von dem nationalsozialen Stammtisch her Herrn Pfarrer Schlosser rufen: Jesuitenstreiche, Jesuitenstreiche, Jesuitenstreiche! Unter allgemeiner Heiterkeit ging dann die von den Nationalsozialen arrangierte und für die Sozialdemokratie so glänzend verlaufene Versammlung auseinander. ** * Aus Marburg schreibt uns unser W.⸗Korrespondent: Am Dienstag tagte im Saale des Café Quentin eine öffentliche nationalsoztale Versammlung mit der Tages⸗ ordnung:„Bürgertum und Sozialdemokratie“. Der Referent, Herr Weinhausen⸗Berlin, führte aus: In Marburg bedeute die Sozialdemokratie nicht das, wie in den Industriestädten(I!), nur bei den Wahlen kämen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Geltung. Auf⸗ gabe der Nationalsozialen sei es, Aufklärung bis in die kleinsten Dörfer über das Wesen der Sozialdemokratie zu schaffen. Auch die Gewerkschaftsbewegung in Mar⸗ burg sei nicht sehr bedeutend, nicht wie draußen im Lande, wo die Wogen so hoch gehen. Redner geht auf die Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen ein, bespricht die Entwickelung derselben bis zum heutigen Tage und kommt zu dem Resultat, daß die bedeutendsten und größten, über 500 000 Mitglieder zählenden Gewerk⸗ schaften im sozialdemotratischen Lager ständen, eine Be⸗ hauptung, für welche Redner den Beweis nicht erbringen konnte. Redner verbreitet sich noch des weiteren über die Sozialdemokratie von früher und jetzt; sie sei bedeu⸗ tend„zahmer“ geworden. Die Pfaffenfresserei habe ziemlich aufgehört, auch würden keine so„blutrünstigen Brandreden“ mehr gehalten. Im heutigen Alltagsleben seien eben nüchterne Menschen für eine praktische Gegen⸗ wartsarbeit erforderlich. Die sozialdemokratische Arbeiter⸗ schaft müsse national werden und das Bürgertum sozial, dann sei die Garantie für den Fortschritt gegeben.— Genosse Vetters betonte, daß die Arbeiter⸗ schaft sich nicht auf ein Paktieren mit dem Bürgertum einlassen könne. Was die blutrünstigen Reden anbelange, so wären diese nicht von Sozialdemokraten, sondern von den Liberalen gehalten worden; er erinnere nur an den jetzigen Finanzminister von Miquel, den früheren Atheisten, Kommunisten und Bauernaufwiegler, ebenso an den roten Becker, den bekannten Oberbürgermeister von Köln. Das, was bis jetzt für die Arbeiter gethan, sei bitter wenig. Redner erinnere nur an die Bäckerei⸗ Verordnung, welche den Meistern ein Dorn im Auge sei und an der solange herumgedoktert würde, bis nichts mehr davon übrig bliebe.— Herr Scheffer-Marburg (nationalsozial) schilderte darauf in anschaulicher und sehr objektiver Weise die verschiedenen bürgerlichen Par⸗ teien. Er bedauerte lebhaft, daß die Nationalsozialen bei den Sozialdemokraten so wenig Entgegenkommen finden und trat zum Schluß für die Flottenpolitik ein. — Gen. Scheidemann gab zunächst die Erklärung ab, daß er leider auf die in Aussicht gestellte öffentliche Abrech⸗ nung mit dem Redakteur Erdmannsdörffer zunächst ver⸗ zichten müsse, da er demnächst als Zeuge in dem Prozeß Erdmannsdörffer⸗Hirschel vernommen werde, und es des⸗ halb wohl nicht opportun sei, die Angelegenheit jetzt zu diskutieren. Redner wendet sich dann eingehend gegen Weinhausen und Scheffer, begrüßt es jedoch, daß die Nationalsozialen durch ihre Atitation in den Schichten der Studierenden soziales Verständnis zu wecken suchten. Die Sozialdemokraten könnten nur schwer an diese Kreise heran. Die Studierenden— außer etwa 40 oder 50 Arbeitern bestand die Versammlung fast nur aus Stu⸗ denten; das„Bürgertum“ war durch 5 oder 6 Herren vertreten— sollten aber nicht mit dem zufrieden sein, was ihnen über die Sozialdemokratie gesagt werde, sie möchten vielmehr ernsthaftes Quellenstudium betreiben. Die besten unter ihnen, diejenigen, die logisch zu schluß⸗ folgern gewöhnt und befähigt sind und den Mut der Ueberzeugung besitzen, würden Sozialdemokraten werden. Scheidemann wendet sich dann energisch gegen den Marinespektakel.— Nach einem kurzen Schluß wort des Referenten schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Partei ⸗Nachrichten. Versammlungs⸗ Kalender. Montag, den 12. März: Schneider bei Orbig. Dienstag, den 13. März: Gießener Wahlverein abends halb 9 Uhr bei Orbig. Tagesordnung: Die Kanalisation in Gießen, speziell die Kostendeckungsfrage.— Gäste werden hier⸗ durch besonders eingeladen. Sonntag, den 18. März: Schlitz. Bersammlung bei H. Trier um 5 Uhr. Eingesandt. Heuchelheim, 5. März 1900. Daß bei Frost, Schnee und sonstigem Unwetter jeder Mensch danach strebt, ein warmes Unterkommen zu haben, ist wohl selbstverständlich. Täglich kann man die Beobachtung machen, daß besonders bei Einnahme der Mahlzeiten jedermann nach Möglichkeit ein warmes Zimmer aufsucht. Ganz anders aber sieht es hier in Heuchelheim bei den Schulkindern aus. Schreiber dieses hat mehrere Mal gesehen, wie Kinder frierend und zitternd während der Schulpause ihr Früstück in Wind und Wetter verzehrten; auf die Frage, ob sie ihr Brot nicht im Schulzimmer essen könnten, wurde ihm von seinem eignen Kinde gesagt: das dürfen wir nicht. Sollte die Antwort des Kindes auf Wahrheit beruhen, so wäre wohl die Frage angebracht, ob die maßgebenden Körper⸗ schaften nicht in der Lage sind, hier eine Aenderung eintreten zu lassen? AI. Briefkasten der Redaktion. Hess. Lds.⸗Zitg. Das mir gemachte Kompliment, in der Marburger Versammlung taktisch„äußerst ge⸗ schickt“ gewesen zu sein, lehne ich dankend ab. Ihnen wünsche ich aber aufrichtig, daß mit der Alterszunahme gleichzeitig eine Abnahme taktischer Ungeschicklichkeit parallel laufen möge. Herrn Erdmannsdörffer⸗Marburg. In der unter Ihrer Verantwortlichkeit erscheinenden Zeitung wird gesagt, ich hätte Herrn Scheffer„ironisch“ An⸗ erkennung wegen seines„schönen Vortrags“ gezollt. Ich betone, daß meine Anerkennung der Schefferschen Rede, was Objektivität und Form derselben anlangt, ebenso durchaus ehrlich gemeint war, wie meine an anderen Stellen geäußerten Urteile, daß Herr Weinhausen langweilig sprach und daß Ihnen zuzu⸗ hören dann am angenehmsten ist, wenn Sie den Mund halten. Ph. Sch. F.⸗W. Rhein.⸗Westf. Arb.⸗Ztg., Dortmund, Alle Exemplare unserer heutigen Aus⸗ 3 T 7 1 2 abe enthalten einen Prospekt über die „Kurmethode Weidhaas“, über Asthma⸗, Brustleiden⸗, Atemnot⸗, Lungenbluten⸗ und Magenleiden⸗Behandlung. —— Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. eee 22 1 * * Veränderte Welt. Die Menschheit ist dahinter kommen, Trotz aller Gaukelei der Frommen, Daß mit dem Leben vor dem Grabe Man endlich Ernst zu machen habe. Zerbrochen ist des Wahne⸗ Kette, Die Erde sei nur Uebungsstätte, Nur Voltigierb bock sei das Leben, Aufs Roß werd' uns der Himmel heben. Auf freiem, grünem Erdengrunde Wird jeder bald schon hier, zur Stunde, Bevor das Grab ihn deckt mit Schollen, Sein Rößlein weiden, tummeln wollen. Lenau. „Die Probier“. Von Dr. L. Thoma.“ Ursula Reischl steht auf dem Hausanger hinter dem Hofe und thut Mist breiten. Es ist ein schöner Herbsttag, und die Nach⸗ mittagssonne brennt so heiß herunter, daß die Ursula oftmals die Arbeit aussetzt und ein bissel Umschau hält, um zu rasten. N Sie wischt sich mit dem Aermel die Schweiß⸗ tropfen von der Stirne und fährt mit der Hand ein paar Mal unter der Nase auf und ab. Dann nimmt sie wieder eine Gabel voll Mist und schüttelt ihn bedächtig auf den Anger. Mit einem Male tönt ein schriller Pfiff vom Hofe herüber, und dann noch einer. Die Urschel schaut um und steht, daß ihr der Vater winkt. Sie stößt die Mistgabel in den Boden und geht bedächtig auf das Haus zu. „Wos geit's?“ fragt sie, als sie näher ge⸗ kommen ist. „Der Brandlbauer is do mit sein Nazi und schaut 8˙ Sach o. Mach, daß d' in d' Stuben neikimmst,“ „Is scho recht“, sagt die Urschel und geht mit dem Vater in das Haus. Vor der Küchenthüre bleibt sie stehen und schlipft mit den bloßen Füßen in ein Paar Pantoffeln. Dann tritt sie hinter dem Bauern in die Stube und schaut bolzengerade, aber doch ein bissel schlüchtern, auf die fremden Leute. Am Tische sitzt der Brandlbauer; ein stäm⸗ miger Alter mit grauen Haaren und glattrasir⸗ tem, braunrotem Gesichte. Neben ihm sein Nazt im Feiertagsgewand. Lustige kleine Augen, Stumpfnase, großen Mund, hinter dem eine Reihe gesunder Zähne heraussteht. In den gut entwickelten Ohr⸗ wascheln trägt er Sterne aus Goldblech. Die Brandlbäuerin sitzt neben der Reischlin auf der Ofenbank. Man sieht nicht viel von ihren Zügen, weil sie durch das große schwarze Kopftuch verhüllt sind. Auf dem Schoße hält ste den bei Besuchen unerläßlichen Handkorb und darüber gebreitet einen Shawl. „Da is d' Urschel“, sagt der Reischlbauer, „S' Good“, ruft der Nazi, und der Brandl⸗ bauer sagt:„Jetzt geh mi in Stall naus“, damit steht er auf, und die Gesellschaft setzt sich in Bewegung zur Hausthür hinaus über den Hof.. Im Pferdestall, der sehr reinlich gehalten ist, sieht der Brandlbauer mit Wohlgefallen das hohe Gewölbe und die fetten Hinterteile der strammen Gäule. „Achti?“ fragt er. „Ja“, sagt der Reischl,„und baner is im Feld d'außt.“ „San neuni“, meint der Brandl und streicht dem nächststehenden Gaul mit der Hand be⸗ dächtig über den Rücken. „J hab allaweil Glück g'habt im Stall“, * Aus dem„Simplicissimus“. fährt der Reischl fort;„is anetta fünf Johr, daß mi koaner mehr verreckt is. No, s' Fuatta ist guat; an Habern ban i selm.“ „Baust selm?“ fragt der Brandl und schaut dem Rotschimmel prüfend in das Maul. Währenddem führen auch die zwei Bäuerinnen ein eifriges Gespräch unter der Stallthüre. „Und mit die Anten(Enten) is mi gor net viel auf g'richt“, meint die Reichlin;„erst gesting hon i zu der Brummerin g'sagt, Brum⸗ merin, sag i, wann mi denkt, was mi an a so an Anten hifuattert hab i g'sagt, nacha is leicht g'schaugt, sag i. Des muaß ma net moan, hab i g'sagt, daß da Profit so groß is, sag i.. Do host recht, Reischlin, aba do is mi an Anten no liaba, wia so a Henn'...“ Die Brandlbäuerin wird durch ihren Ehe⸗ mann unterbrochen, welcher mit seinem Nazi und dem Reischl unter die Thür tritt und sagt:„Jetzt schau mi an Kuahstall o.“ Sie gehen darauf zu. Der Nazi dreht hie und da den Kopf nach der Ursula um, welche mit der Mitterdirn hinterdrein geht. So oft er umschaut, rennt die Ursula ihrer Begleiterin den Ellenbogen in die Hüfte, und alle Zwei halten die Hände vor die Mäuler, damit man nicht hören soll, wie sie gar so herzhaft lachen müssen. Im Kuhstall kommen auch die Weiber zum Reden. Die Reischlin giebt die Vorzüge einer jeden Kuh bekannt; sie erzählt, wie viel Milch eine jede giebt und ob sie zwei⸗ oder dreistrichig ist. „Die Scheck sell doben is mi de allaliaba, Brandlin. J hab schon oft zum Bauern g'sagt, Bauer, sag i, die Scheck is mi de lia⸗ beste. Wann i anort nei geh dazua zum Melken, habt si si so staad. Da braucht's gar nix, sag i. A so a rechtschaffen's Vieh is, hab i g'sagt daß's grad a Freud is, sag i...“ Der Stall ist eingehend besichtigt, und der Brandlbauer hat dem letzten Ochsen den Schweif aufgehoben und seine Qualitäten gemustert. „Reisch“, sagt er jetzt,„mi g'fallt de Sach. Und indem mei Peter an Hof kriagt und der Nazi heiraten will, halt i für eahm um die Ursula o.“ „Miiis recht“, erwiderte der Reischl,„und wenn wi aushandeln, übergiebt i an Hof.“ Die Ehe ist ein Vertrag, wie ein anderer auch. Soll er richtig werden, dann müssen die Leute wissen, wo sie daran sind. Deswegen muß man sich vorher alles ge— nau anschauen, damit man nicht hinterher aus- geschmiert ist. Vorsicht ist besser als Nachsicht, und für die Reu' giebt der Jud' nichts. Ich wüßte noch viele Sprüchwörter, um das zu entschuldigen, was ich jetzt beschreiben möchte, aber nicht sagen darf. Kurz und gut, der Nazi ist der Meinung, daß man keine Katz' nicht im Sack kauft, und während die Eltern die Uebergabe des Hofes besprechen müssen, hat er eine andere Prüfung vor, die nicht weniger wichtig ist. Es wird kein Wort darüber verloren. Das ist einmal so der Brauch. Die Eltern haben nichts dagegen, und die Ursula auch nicht. Sie thut wohl ein bissel geschämig nnd schaut recht spaßig aus ihrem Kopftuchel heraus. Aber dann fährt sie sich ein paar Mal mit dem Rücken der Hand unter der Nase auf und ab, und geht, ohne daß es ein Zureden gebracht hätte langsam die Stiege hinauf, den Gang hinunter, in die Kammer. Der Nazi maschiert tapfer hinterdrein; sie läßt die Thür offen, er lehnt sie zu und das Andere ist nicht mehr recht zum Erzählen. Wir müssen die Zwei schon chein lassen und wieder zu den Alten hinuntergehen, die in der Stube eifrig verhandeln. Die Bäuerinnen sitzen auf der Ofenbank und horchen zu, wie die Mannsbilder den Austrag besprechen und das Abstandsgeld. Nur hier und da redet die Reischlin ein Wort mit, wenn ihre besonderen Interessen in Frage kommen. derfa, und acht Anten und vier Gäns...“ „Zu wos brauchst denn gor so vüll Henna?“ „Zu wos mi de Henna braucht? De braucht mi scho. J möcht Oar(Eier) handeln, daß mi a wenig a Geld in d' Hand kriagt. Bald braucht mi des und bald braucht mi des an⸗ dere. J mog net, daß mi geht wia der Hua⸗ berin. Reischlin hat's g'sagt, balst amol über⸗ giebst, sagt's nacha nimmst da was g'scheits aus, hat's g'sagt. J bin aa so dumm g'wen, sagt's, und hob nachgeben, hat's g'sagt, und jetzt kon i wegen an jeden Oa zu der Bäurin laffa, sagt's, und muaß no recht schö bitten aa, hat's gesagt. Und des mog mi gar net...“ „No, no, Reischlin, wegen de Henna z'tragen mir uns net. Also, Reischl, nacha kriagt's Oes fufzehntausad Mark Abstandsgeld...“ „Ja, aba de Taub'n muß i aa kriage“, fällt ihm die Reischlin ins Wort;„an Tauben⸗ kobel muß i aa hamm, daß mi im Fruhjohr mit die junga Tauben handlen ko. Des gieb's gor nit, daß i de Taub'a herlaß...“ „No, vo mir aus“, brummt der Brandl⸗ bauer,„also Oes kriagt's drei Zimmer zu da Wohnung, an Austrag, wia ma's g'sagt hamm, und fufzehtausad March Guatsabstand...“ „Ja, und acht Anten und vier Gäns; des sell gieb's gor it...“ „Jessas ja, Du kriagst Deine Anten scho. Also sechstausad March zahl i bei da Hozet, fünftausad auf Liachtmeß und viertausad auf Micheli's nächst Johr. Is a so recht?“ „Mi is recht“, sagt der Reischl. „Nacha mach ma's moring notorisch. Oes kembts um achti in da Fruha auf Dachau zum Ziaglerbräu. Bal i no net bin, fragt an Bräumooster Engart, der woaß nache, wo i bi.“ Im Rahmen der Thüre erscheint in diesem Augenblick der Nazi. Und hinter ihm die Ursula. Er schlenkert ruhig in die Mitte der Stube vor und dreht den Hut in den Händen; sie macht sich zu der Ofenbank hin und zupft an ihrem Kopftüchel. Ihre Ankunft erregt kein Aufsehen. Der Brandlbauer erklärt seinem Stamm⸗ halter, daß man sich herunten geeinigt hatte. Da zieht der Nazi seinen Geldbeutel, nimmt bedächtig seinen Silberthaler heraus und giebt ihn der Ursula als Darangeld, zum Zeichen, daß auch oben alles in Ordnung befunden. worden sei, und daß nunmehr der Vertrag als richtig und fertig gelte. „So, und jetzt pfüat Enk“, sagt der Brandl. und geht mit seinen Leuten zum Hofe hinaus. Sie drehen sich nicht um, und die Anderen schauen ihnen nicht nach. Die Ursula schlieft wieder aus ihren Pan⸗ toffeln und geht auf den Anger. Sie zieht die Mistgabel aus dem Gras⸗ boden und fängt gemächlich die Arbeit an, wo sie aufgehört hat. Währenddem ist der Brandl zügig dahin⸗ gegangen; wie sein Weib einmal neben ihm her stapft, stoßt er ste an und sagt:„Hast as g'seg'n, Bäurin, de oa Sau is guat trachti! Mi müassen schaug'n, daß d' Hozet bald is, sinscht vokaft da Reischl no g'schwind de kloan Fackeln(Ferkel.)“ Bei Ohm Krüger. In der„Frankf. Ztg.“ erzählt Dr. Winter⸗ werb von einem Besuch in Pretoria, der Resi⸗ denz Ohm Krügers, des Präsidenten der Buren⸗Republick. Es heißt dort: ... Abgesehen davon, daß Ohm Paul in jedem Fremden einen Spion seines Todfeindes Cecil Rhodes erblickt, spricht er weder deutsch, noch englisch, noch französisch— nicht einmal. holländisch, sondern nur die Burensprache. Ein Dolmetscher ist also unbedingt erforderlich. Sein kleines, einstöcktges Haus liegt in der westlichen Hälfte der Kirchstraße. Von einer „Fufzehn(fünfzehn) Henna muaß i behalten 1 schmalen Veranda und schattigen Bäumen um⸗ geben, macht das Heim Ohm Pauls den Ein⸗ druck eines behaglichen Landhäuschens. Der Eingang ist von zwei Marmorlöwen, sowie von vier Transvaal⸗Kriegern mit weißen Pickel⸗ hauben, hohen Reitstiefeln und gezogenen Säbeln bewacht. kursbaal dun hat g erschte gen 0 miete rack alle eltertek ant lic nih nit ein grober schelung, em gra ict gera Biedermar Der Paul, der suß, Jagt eine Zeit Zehe ang öteund Wer sst War, das K., sagte „Das sst! dle käme Nah diese lle hre Hebenawü eine Stu geräumig. Wand 0 Hausherr Sesel un Pfeife. stand ei zwischend herrscher jährliche 6000 M Kaffee r es den Herr Jr Woh denten daß er a Wer er Augen n sch in Mads se nit einer cho. Hozet, d auf Oes iu zum gt an i bi.“ diesem Irsula. Stube n; sie pft an tamm⸗ ttt. immt giebt ichen, funden rag als Braudl hinaus. Inderen Pan⸗ Gras⸗ au, lob dahil⸗ a hast g krachti ald 1, 7 loan Wintel⸗ T Res⸗ 1 der zaul i. pfeindes deutsch, einma rache derlich. i del f iel ien Ul en ll „ Del 4 sobie „Pidel ogenel Nr. 11. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Die Besuchszeit ist— man höre und staune — früh Morgens zwischen 4—6 Uhr. Das souveräne Staatsoberhaupt von Transvaal legt sich des abends um 7 Uhr ins Bett um morgens früh um 3 Uhr wieder aufzustehen. Also vor 5 Uhr in der Frühe traten wir an unter der Führung des mit Krüger sehr intim befreundeten Volksraadsmittlieds Vorster, der nicht nur englisch, sondern sogar etwas deutsch versteht. Mit mir waren noch drei Herren, zwei in Burenkreisen sehr hoch ange⸗ sehene Advokaten und ein Deutscher, Herr K., dem ich während meines Aufenthaltes in Transvaal sehr viel verdankte. Die drei Buren hatten keine besondere Toiletten gemacht. Sie erschienen in ihren Werktagskleidern und zogen noch nicht einmal Handschuhe an. Ich meinerseits wollte zuerst einen ganz neuen Frack anlegen. Nachdem mir aber von kom⸗ pententer Seite klar gemacht war, daß ich mich damit lächerlich machen würde, begnügte ich mich mit dem schwarzen Gehrock. Herr K., ein großer Mann von äußerst stattlicher Er⸗ scheinung, war ganz in grau gekleidet. Mit seinem grauen Gehrock und Cylinder machte er nicht gerade den Eindruck eines deutschen Biedermannes. Der Empfang war sehr komisch. Ohm Paul, der in einer Ecke des großen Zimmers saß, sagte kein Wort nachdem er Herrn K. eine Zeit lang stumm vom Scheitel bis zur Zehe angesehen hatte, frug er plötzlich seinen Freund Vorster:„Wie ist die Keer!?“ (Wer ist der Mann?) Nachdem ihm erwidert war, das sei eiu deutscher Ingenieur mit Namen K., sagte Ohm Paul, natürlich in Burisch: „Das ist ein Deutscher? Der sieht mir eher aus, als käme er von meinem Freunde Rhodes!“ Nach dieser Bemerkung, die seinem Scharfblick alle Ehre machte, war der Burenherrscher sehr liebenswürdig, und die Audienz dauerte über eine Stunde. Der Empfangssalon ist sehr geräumig. Die Möbel sind einfach. An der Wand hängt das lebensgroße Oelbild des Hausherrn. Ohm Paul saß in einem breiten Sessel und rauchte beständig aus einer kurzen Pfeife. Auf einem kleinen Tische neben ihm stand eine mächtiggroße Kaffeetasse, die er zwischendurch zum Munde führte. Der Be⸗ herrscher von Transvaal erhält neben einem jährlichen Gehalt von etwa 160 000 Mk. noch 6000 Mk. Kaffeegeld, damit er seine Gäste mit Kaffee regaliren könne. Gewöhnlich aber muß es den Gästen genügen, zu sehen, wie der Herr Präsident den Kaffee selber trinkt. Wohl jeder hat eine Abbildung des Präsi⸗ denten Krüger gesehen und dabei festgestellt, daß er abschreckend häßlich ist. Das ist er auch. Aber er gehört zu den Menschen, durch deren Augen man in ihre Seele sehen kann. Ich sah ihn später, als er die Session des Volks⸗ raads schloß. So lange er stumm dastand mit einem breiten Gesicht und struppigen Bart, ein blaues Band über die gebeugte Brust sah er wirklich aus wie ein Affe. Aber dann fing er an zu reden, und seine Rede glich einem Bach, der plötzlich anschwillt. Erst sprach er langsam und bedächtig, dann bewegt und heftig, zuletzt im höchsten Pathos. Ich verstand nicht, was er sagte. Aber ich fühlte, daß es etwas Bedeutendes war. Die feurigen Augen, die hinter den buschigen Brauen hervorblitzen, zeigten zur Genüge, daß dieser häßliche Körper der Sitze einer großen Seele ist. Ohm Paul ist der Typus eines Buren. Die Buren sind und wollen sein: Bauern. Daraus ergeben sich ihre Vorteile und Fehler. Die Bauern, zumal die deutschen Bauern, sind konservativ. Allem Fortschritt im guten und bösen Sinn stehen sie feindlich gegenüber. Auch den Fortschritten der Industrie und des Ver⸗ kehrs waren die Buren durchaus abhold. Lange Zeit hindurch verboten sie sogar durch strenge Gesetze das Suchen nach Gold. In dem Kriege, der zur Zeit da drunten tobt, ist zweifellos die Sympathie der ganzen Welt auf Seiten der Buren. Rechtfertigt die Goldsucht der Engländer den Krieg? Wahr⸗ haftig nein! Dem Kriege, dem jetzt Tausende zum Opfer fallen, liegt kein edler Zweck zu Grunde! Wiedas Voll der alten Hellenen ausstarb. Ein amerikanischer Gelehrter versucht in Lippincott's Magazine von Neuem nachzuweisen, daß das ruhmreiche Volk der alten Hellenen im achten Jahrhundert vollkommen ausstarb und daß infolge dessen die heutigen Griechen überhaupt keine Griechen sind, und zwar soll die Vernichtung des alten Volkes durch die Pest geschehen sein. Als Beweis wird ange⸗ führt, daß der Körperbau der alten Griechen ein ganz anderer war, als der der heutigen Griechen. Nach den Beschreibungen der Dich⸗ tung und den Darstellungen in der Bildhauer⸗ kunst waren die Griechen des klassischen Zeit⸗ alters groß und kräftig, die Nase dieser Rasse war so eigentümlich, daß noch heute das ge⸗ legentliche Vorkommen einer ähnlichen bei anderen Völkern als griechisch bezeichnet wird, denn mit Ausnahme seltener und vereinzelter Zufälle hat kein anderes Volk, weder unter den Nationen des Altertums, noch denen der Neuzeit, einen ähnlichen Bau der Nase. Der alte Grieche war blond, sein Haar bestand aus dichten, anliegenden Locken, seine Augen waren blau. Der heutige Grieche besitzt keine dieser körperlichen Eigenschaften mit Ausnahme des lockigen Haares, das aber dunkel ist. Es kann gesagt werden, daß kein Volk der indo⸗euro⸗ päischen Völkergruppe einen vollständigeren Gegensatz zu der allgemeinen Auffassung von dem Typus der alten Griechen darstellt, als die heutigen Griechen. In anbetracht dieser Thatsachen ist es nicht zu verwundern, daß bereits eine Anzahl deutscher Gelehrter die Behauptung aufgestellt haben, daß die heutigen Griechen keine Griechen sind und daß die alten Griechen fast so vollständig von der Erde ver⸗ schwunden sind, wie etwa die berühmten Ur⸗ vögel Neuseelands. Auch geschichtliche That⸗ sachen lassen sich zugunsten dieser Annahme anführen. Im achten Jahrhundert wütete eine Pest in Griechenland, und Slaven und Albanier wanderten ein, um die entvölkerten Gegenden zu besetzen. Diese Pestepidemie ist wahrscheinlich der Grund des Verschwindens der alten grie⸗ chischen Bevölkerung und ihres Ersatzes durch Slaven und Albanier gewesen, sodaß zwischen der alten und der heutigen Bevölkerung Griechen⸗ lands keine innere Verwandtschaft besteht. Dadurch wird vielleicht auch das weniger Heldenhafte in der heutigen griechischen Be⸗ völkerung verständlich. Sprüche zur Lebensweisheit. Haben Sie die Gnade! heißt wirklich: Ich verdiene zwar das Zuchthaus, aber Sie werden mir schon einen anderen guten lukrativen Posten geben, den ich nicht verdiene. Seume. * Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muß auch thun. Goethe. * Zu erwarten, daß Einer etwas thue, wozu ihn durchaus kein Interesse auffordert, ist wie erwarten, daß ein Stück Holz sich zu mir be⸗ wege, ohne einen Strick, der es zöge. Schopenhauer. Humoristisches. Ein ehrlicher Mann.„Hören Sie mal, Thompson“, bemerkte Brown, als er in den Straßen Newyorks einem Bekannten begegnete,„es sind schon sechs Monate verflossen, seit Sie jene fünf Dollars von mir geliehen haben!“—„Sieben“, korrigierte Thomp⸗ son mit ernstem Gesicht.—„Nun ja, sieben“, zischte Brown,„und Sie versprachen, sie mir nach einer Woche wiederzugeben. Sie versprachen es hoch und teuer, ja⸗ wohl, jene fünf Dollars in sieben Tagen zurückzuerstatten und nicht in sieben Monaten!“—„Ich weiß“, ant⸗ wortete Thompson traurig und zog dabei ein Notizbuch aus der Tasche.„Jener Fünfdollarschein war Serie F, Nummer 672 929, Emmission vom Jahre 1887. Ich habe dies genau aufgezeichnet, und dann habe ich das Geld ausgegeben. Seit der Zeit aber habe ich mich vergebeus bemüht, den Schein wieder zu bekommen!“ „Aber“, brüllte Brown,„ein anderer würde denselben Zweck erfüllen!“„Nein“, versetzte Thompson mit weh⸗ mütigem Kopfschütteln,„ich bin ein Mann von Wort. Als Sie mir den Schein gaben, sagte ich zu Ihnen, „ich werde Ihnen dies zurückerstatten“, und das war meine ehrliche Absicht. Brown, lieber Freund, sobald mir Nummer 672 929, Serie F, Emmission 1887 wieder unter die Augen kommt, will ich versuchen, sie zu kriegen und Ihnen wieder zu geben, denn ein einmal gegebenes Versprechen halte ich unter allen Umständen.“ v Malice. Frau:„Wie lange sollen wir denn mit unserer Marie warten? Sie ist doch schon achtzehn Jahre alt!“— Mann:„Bis der Richtige kommt!“— Frau:„Ich hab' nicht so lange gewartet!“ Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungenkbehalten wir uns vor. Ein neues Schriftenverzeichnis hat soeben die Buchhandlung„Vorwärts“, Berlin SW., Beuth⸗ straße 2, herausgegeben. Dasselbe enthält in systematischer Ordnung: Parteischriften, Nationalökonomisches, Ge⸗ schichtliches, Naturwissenschaft, Gedichte, nomane, Dramen, Photographien, Gesetze, Gelegenheitskauf und Flug⸗ schriften. Neu aufgenommen sind die fachgewerblichen Schriften und die neu erschienenen Kunstblätter, worunter die Kupfer⸗Radierungen von Bebel, Liebknecht und Singer zu dem außerordentlich billigen Preis von 1,50 Mark pro Stück besonders empfohlen sind. Jeder unserer Leser dürfte in dem Verzeichnis das seinem Geschmacke Entsprechende finden und namentlich Vereine sollten nicht versäumen, an der Hand dieses Katalogs ihre Biblio⸗ theken zu vervollständigen. Auf Bestellung versendet die Buchhandlung das Verzeichnis gratis und franko. Wie der Zweck der Arbeit das Gemeinwohl so muß auch dies eines leistungsfähigen und reellen See Warenhauses weck sein. Jeder Arbeiter und Handwerker ist bestrebt, das Los seiner Familie zu verbessern und erreicht dies Jie zweifellos, indem er die Ausgaben für den Haushalt durch Einkauf billiger und guter Lebens— mittel vermindert. Wir garantieren für vorzügliche Qualität unserer Waren bei billigsten Preisen.— Man verlange Preisliste der Kölner Consum- Anstalt(. F. Hackenberg Nachfolger), Giessen, Bahnuhofstraße 27 u. Lindenplatz 12 Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 11. Confir- manden- Kleider! Wenn Sie einen Sohn zu konfirmiren haben, so fragen Sie Ihren nächsten Nachbar, welcher im verflosseneu Jahre dieselbe Freude hatte. Dieser Mann wird Ihnen, wenn er glaubwürdig ist, was man voraussetzt, sagen: In den oberhessischen leider-Haza N 4 g. Möller Marburg, r da gehe hin! da wirst Du reell bedient, da kannst Du Dir unter 100 und aber 100 Anzügen, vom billigsten bis zum feinsten, ebenso einzelne Röcke, Ho⸗ sen, Westen, Hüte, Stie⸗ fel, Cra vatten, Hemden, Kragen re. ꝛc. für Land und Stadt passend aussuchen. Nach Maaß werden die feinsten Anzüge in eigener Werkstätte von bewährten Kräften unter Direktion eines tüchtigen Zuschnei⸗ ders angefertigt und auf Verlangen nach 12 Stun⸗ den abgeliefert. Nock, Hose und Weste Mk. 7.— 1 Paar Stiefel„ 5.— 1 feiner Hut e Die sehr beliebten blauen Diagonal ⸗ und Kamm ⸗ arn⸗ Anzüge sind in rachtware am Lager. Bei dieser Gelegenheit em⸗ pfehle mein enormes La⸗ ger in: 5 Herren⸗ Anzügen, Röcke, Hosen, Westen Kirchenrõcken und 8 Hochzeits⸗Anzügen als Spezialität. Sommer ⸗Lodenjoppen f. Haus, Comptoir, Garten, Jagd Leichte Joppen aus grün. Jagdleinen, Piqué, Lister ꝛc. Kinder⸗Anzüge in allen Qualitäten. Strohhüte Touristen u. Normal⸗ Hemden. Nad fahrer⸗Hemden ꝛe. Großes Lager sämtlicher Arbeiter-Kleider in Leder, Manchester u. s. w., sowie eisenfeste Hosen u. Röcke. Tur Confirmation von 9 Confirmanden⸗Anzüge in Tuch, Buckskin und Kammgarn 25 Mark. Anfertigung nach Maas in eigener Werkstätte. Markus Bauer, Giessen Hirchennlale II. Geschäfts⸗Empfehlung. 4 1 Den verehrten Bewohnern von. 0 Gießen und Umgegend hierdurch zur gefl. Kenntnis⸗ nahme, daß ich ein 9.5 1 Maurergeschäft eröffne und empfehle mich zur Ausführung aller ein⸗ schlägigen Arbeiten.. Hochachtungsvoll Nilhlelmm Rum FTI. Maurermeister, Heuchelheim. 6 6 . 0 Marzfeier Marburgle Sonntag 18. März, vormittags 11 Uhr, im Lokale des Herrn Jesberg Fest- Versammlung. Festredner: Genosse Scheidemann⸗Gießen. Nachmittags: Zusammenkunft in Ockershausen im Lokale des Herrn Metzig. Abschiedefeier für Genosse Scheidemann. Der Vertrauensmann. Sees SGGOGGssssessssse Confirmanden⸗ Stiefel undd-Schuhe in jeder Preislage, empfiehlt zu außerordentlich billigen aber festen Preisen das N. Empfehle einen großen Posten bonfümanden— Anzüge zu den außergewöhnlich billigen Preisen von 10, 12 und 15 Mk. per Stück. Ad FREMSbpogf Ecke Vahnhofstraße und Reustadt. Deutsch-amerikanische Schuhgeschäft 8 Adolf Beverstein Bahnhofstraße 23. Ecke Löwengasse. S ⏑,X?evsee eο,ũ,ũ ,,jL0us sees 8„ Gesangsvorträge und Deklamationen ernsten und heiteren SG e nee. nn Festrede belt 9 0 Fest 0 2 Redakteur F. A. Vetters. Zur Konfirmation empfehle Alle Sorten Uhren von den billigsten bis zu den feinsten, Hellen, Armbänder, Broschen, Ohrringe usw. Garantie für jede bei mir gekaufte Uhr, sowie für sämtliche Reparaturen. Wilhelm Hause Marktstr. 32. Uhrmacher. Marktstr. 32. 2 Se eοοοο ο οο ο οο, eee esse in i Flaschen der Firma empfehle mein reichhaltiges Konsirmandenstiefel in jeder Preislage 4 und reicher Auswahl, Arbeitssehuhe und Stiefel, Sonntags⸗ stiefel, sowie alle sonstigen Schuhwaren in den besten Qualitäten zu billigsten Preisen. Anfertigung nach Maß, sowie Reparaturen werden in eigener Werkstätte rasch, gut und billig ausgeführt. 8 Juh. H. Schmidt e 10 enen Ba ktst K 1 4 5 St us Be mer 8 J ase Tagel . a deTaunusCbgnad- Breuer. Für Arbeiter u. Landleutef“ Saher Sönne. Anerkannt feinsteqstarste. pro Flasche N. 1.30, 2.40, Schuhwarenlager. e Heuchelh. Consum-Halle Heuchelheim b. Gießen. Heinr. Gengnagel, Gieß en Ungesunde u. Leidende! Die Heilkraft der Elektrizität ist wunderbar! Ueber die glänzenden Erfolge der Selbstkur mit der preisgekrönten elektrischen Induktions⸗Maschine(Preis 24½ u. 28 ½ Mk.) ver sendet gratis u. franko 48seit. Brosch. 2 Freygaua Nachf., Dresden 4118. D. Raminka Uhrmacher Giessen. Marktplatz 18 Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold- und Silberwaren. Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt. Zern. Saimer Marburg, Wehrdaerweg empfiehlt Flaschenbier hell und dunkel 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe 77 7. frei ins Haus. Zur Confirmation empfehle alle Sorten Mesangbücher — zu billigsten Preisen. H. Schneider, Gießen Sounenstr. 25. Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von A. Heppeler, Gießen. Marzfeser Giessen! Sonntag, den 18, März, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Orbig. CGeselliger Fumilienabend. — Die Mittel Die Jahre. krieges! bewahth des Jah Aber Klassen⸗ mit der schreite Stürme schichte Abe Kampf, die Sac schuere wird er er ruhe ung de Kapita Eit Rat ist und Leben!