— *. = 2 S eeeseessse sees ess — Nr. 7. Gießen, Sonntag, den 11. Februar 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgaffe. Mitteldeutsche Sonntags- bit Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Abonnementspreis: Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung“ kostet durch unsere i ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband werteljährlich 1 Mark. Austräger frei ins Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312a.) Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung 33/% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% ͤ Rabatt. Rüstungen! pv. Alle Welt rüstet. Europa ist zu einem Kriegslager geworden. Noch nie standen solche Massen unter Waffen. Es sind ganze Städte gebaut worden, die nichts enthalten als Kasernen, die von Soldaten überfüllt sind. Es wurden, wenn man alles zusammenrechnet, Milliarden zum Kasernenbau verbraucht. und noch soviel für Festungen. Fast vier Millionen junge Männer werden fortwährend im Gebrauch der raffiniertesten Mordwerkzeuge des Krieges ein⸗ geübt, während mindestens fünfmal soviel als Reserve für den Krieg bereit gehalten werden. Ueber 150000 widmen sich, abgesehen schon von den englischen Werbemannschaften, dem Kriegshandwerk berufsmäßig als Offiziere und drei⸗ bis viermal soviel Unteroffiziere stehen ihnen bei. Zu diesem gewaltigen Volk der Kasernen kommt jenes der Kriegsschiffe, das zwar minder zahlreich ist, aber den Völkern im Verhältnis viel teurer zu stehen kommt. Schwimmende Ungeheuer werden gebaut, Wun⸗ derwerke der mechanischen Kunst, die zu nichts nütze sind, als nur, um sich gegenseitig und um mit Gütern beladene Handelsschiffe zu zerstören. Die Völker bezahlen diese Kriegsspielzeuge Stück für Stück mit 16—25 Millionen Mark. Fabriken und Eisenhütten mit zahlreicher Ar⸗ beiterschaft sind Tag und Nacht thätig, um Gewehre, Kanonen, Panzerschiffe, Sprengstoffe zu verfertigen. Das Kruppsche Werk allein ist eine Industriestadt. Was ließe sich nicht alles erreichen, wenn man diese geschickten, fleißigen Arbeitshände, diese großartigen maschinellen Vorrichtungen zur Erzzugung der Güter des Lebensbedarfes, von Maschinen, welche den Landbau erleichtern und dessen Erträge steigern, verwenden wollte! Statt dessen bauen ste Mordinstrumente für die vier Millionen Sol⸗ daten des stehenden Heeres, die das Brot anderer verzehren! Welche Summen don Scharfsinn, Fleiß und Wissenschaft werden auf⸗ gewendet, um eine neue Schieß vorrichtung oder einen neuen Sprengstoff zu erfinden, die geeignet wären, in kürzerer Zeit größere Menschenmassen in einen blutigen Brei zu verwandeln! Wie wird eifrig studiert und geforscht, um eine bessere Methode des Massenmordes zu entdecken! Ist das die Kultur, die wir erreicht haben? Wissen wir am Ende des neunzehnten Jahr⸗ hunderts nichts besseres zu thun, als nach Mitteln zu sinnen, um uns gegenseitig zu ver⸗ nichten? Was ist denn das für eine Ordnung der Dinge, die solche Zustände gebiert? Besinnen wir uns doch auf uns selbst! Sind wir wirklich nur dazu da, um Steuern zu zahlen und Soldat zu spielen? Sollen wir die neuen Rüstungen und die neuen Steuern geduldig hinnehmen wie Regenwetter und Hagel⸗ schlag, die unvermeidlich sind? Noch niemals in der Geschichte fand eine solche Verschwendung von menschlicher Arbeit und menschlichem Gut statt, wie in unserer Zeit. Niemals haben die Regierungen die Völker zu so kolossalen nutzlosen Arbeiten an⸗ gehalten, wie in unserer Zeit. Der Bau der ägyptischen Pyramiden war ein Kinderspiel im Vergleich zu den modernen Kriegsrüstungen. Zu welchem Zweck das alles? Was giebt es zu verteidigen? Was gilt es zu erringen? Fragen wir die Militärs, die es ja am besten wissen müssen! In einem Buch, das für die deutsche Armee höchst autoritär ist und auf seinem Vorderblatt die Widmung an den Chef des deutschen Generalstabs trägt, in dem unter der Redaktion des Generalleutnants v. Pelet⸗ Narbonne herausgegebenen Sammelwerk:„Das Militärwesen in feuer Entwickelung“, finde ich folgende Auskunft auf die uns interessterende Frage: „Zukunftskriege werden wohl meistens durch Gewinnsucht herrschender Kreise eines Staates, handels politische Differenzen oder Pläne, durch Konkurrenz bei der Erwerbung neuer Märkte für die heimische Industrie oder durch die Not⸗ wendigkeit für einen Staat, seiner zu zahlreich gewordenen Bevölkerung mehr Wohnraum zu gewinnen, entstehen.“ Das sollen also die Gründe sein der enormen Kriegsrüstungen. Prüfen wir diese Gründe! Die„Gewinnsucht herrschender Kreise“— ja gewiß, das sehen wir ja jetzt an England! Sollen wir nun zu dem Zwecke rüsten und das Volk mit Steuern belasten, um eine beute⸗ gierige Kamarilla zu ihren Schandthaten auf⸗ zumuntern?!! „Handelspolitische Differenzen oder Pläne.“ Das klingt anders und ist doch im Grunde genommen dasselbe: die Gewinnsucht der herr⸗ schenden Kapitalistenklasse. Es ist der ewige Zank und Hader der kapitalistischen Kliquen, die sich gegenseitig in der Ausbeutung der Völker stören. Es ist der Widerstreit zwischen dem Verlangen nach Schutzzöllen für das eigene Land, um die Konsumenten durch teuere Preise ausbeuten zu können, und dem Schrei nach Freihandel für das Ausland, um auf Kosten der eigenen Konsumenten die fremden Produ⸗ zenten durch Schleuderpreise unterbieten zu können. Die Völker Europas wünschen nichts sehnsüchtiger, als den handelspolitischen Frieden, die Beseitigung des Wirrwars der Schutzzölle, unter dem Europa in seiner Gesamtheit jetzt nicht minder leidet, als im Ausgang des vorigen Jahrhunderts jedes einzelne Land unter den Binnenzöllen. Diese kapitalistische Handelspolitik ist es nur noch, die die Nationen von einander trennt und ste daran hindert, in gemeinsamer Thätigkeit auf grund einer aus der Natur der Verhältnisse sich ergebenden Arbeitsteilung das Werk der Kultur und des allgemeinen Wohlstandes zu fördern. Dient der Militarismus dieser kapitalistischen Handels⸗ politik, dann um so mehr Grund, ihn zu be⸗ seitigen. Um gerecht zu sein, wollen wir hervorheben, daß handelspolitische Differenzen zwischen euro⸗ päischen Industriestaaten kaum je zu einem Krieg führen werden. Dazu ist die Gemeinsam⸗ samkeit der wirtschaftlichen Interessen denn doch bereits zu groß. Und so kam es bei deu ver⸗ schiedenen unblutigen Zollkriegen der letzten Zeit keinem Menschen in den Sinn, deshalb zum militärischen Krieg zu hetzen. Viel gefähr⸗ licher ist in der Beziehung der dritte Punkt der Begründung:„Konkurrenz bei der Er⸗ werbung neuer Märkte“. Neue Märkte! Wo? Bei den Mongolen, bei den Negern! Da drüben, über dem großen Ozean, wohnt ein armes Volk von Bauern. Es haust in elenden Hütten, ist in Lumpen gekleidet und ernährt sich von einer Handvoll Reis. Was soll dies Volk von Bettlern kaufen können? Aber darauf kommt es gar nicht au. Die europäische Industrie sucht bloß nach einer Gelegenheit, ihren Ueberschuß an Kapital los⸗ zuwerden. In China sollen Eisenbahnen gebaut werden— das verschlingt viele Millionen, die sonst in Europa die Kassen der Banken drücken. Die Verzinsung garantiert der chinesische Staat, und fehlt es diesem an Geld, so holt er es sich aus den europäischen Banken. Das europäische Geld kommt unter die Kulis, die sich dafür Opium und Schnaps kaufen und die mit euro⸗ päischem Gelde erbaute Eisenbahn benutzen werden, um haufenweise der Küste zuzuströmen, von wo aus man sie auf europäischen Dampfern wird nach Europa überführen, damit sie den heimischen Arbeitern Konkurrenz machen. Das sind die neuen Märkte, die man mit militärischer Gewalt erschließt und die den Grund abgeben, besonders für die Marinerüstungen. Schließlich der letzte Grund, der Menschen⸗ überschuß, den man los werden muß! Ein Ueberschuß an Gütern und ein Ueberschuß an Menschen! Warenmassen, die man mit Gewalt loszuwerden suchen muß, und überzählige Menschen, die für sich keinen Lebensunterhalt finden! Trotz der horrenden Kindersterblichkeit unter der proletarischen Bevölkerung, trotz der Krankheiten und des durch die Not erzeugt en Siechtums, die die Arbeiter frühzeitig zu Gra be führen, noch immer allzuviel Menschen! Erst beutet man die Arbeiter mit aller Kraft aus, und als infolgedessen enormes Elend auf der einen Seite eutsteht, enormer Reichtum auf der anderen, sodaß die Arbeiter darben, während die Unternehmer nicht wissen, wo sie ihr sich stetig mehrendes Kapital unterbringen sollen, dann legt man den Arbeitern Steuern auf, läßt sie die Lasten des Militarismus und Marinismus tragen, um das von ihnen im Schweiße ihres Angesichts erzeugte Kapital nach China zu verschleudern und sie selbst ihrer Heimat zu berauben! Was braucht man„neue Märkte“ weit in in der Ferne zu suchen— man bessere die Lage der europäischen Arbeiter, man befreie sie von den Kriegsrüstungen, und in Europa selbst eröffnet sich ein„neuer Markt“, der alles über⸗ steigt, was je in den Kolonien erreicht worden; man lasse jedem zukommen, was er verdient, und mit der Ueberproduktion an Gütern ver⸗ schwindet die Ueberproduktion an Menschen; und tritt die Sozialpolitik in den Vordergrund, so bekommt auch die Handelspolitik einen an⸗ deren Inhalt und ihre Aufgaben werden fried⸗ lich gelöst. Doch dieses Programm widerspricht der„Gewinnsucht der herrschenden Kreise“, dem Ausbeutungsinteresse des Kapitals. Die Kriegsrüstungen des modernen Europa sind das Ergebnis der kapitalistischen Wirtschaft. Und ist der Militarismus dem Kapitalismus unentbehrlich geworden, so haben wir um so mehr den Militarismus zu bekämpfen, um den Kapitalismus zu beseitigen. Genossen! Agitiert allerorts für die Arbeiterpresse! 9 = — * 2 N WNitteldentsche Sonntags-Zeitung. Nr. 7. Politische Rundschau. Gießen, 9. Februar. Klassenjustiz. In einem Aufsatz, den der Berliner Professor Paul Oertmann in der juristischen Fachzeitschrift „Das Recht“ veröffentlicht, finden sich die fol⸗ genden Bemerkungen, die sich gegen die Aus⸗ dehnung des Prinzips des freien richterlichen Ermessens wenden: „Der Gesetzgeber würde, wenn nicht der Form, so doch der Sache nach abdanken und die richterliche Willkür dafür auf seinen Thron erheben. Und das wäre ein gefährliches, ja verhängnis volles Experiment. Sind auch unsere Richter glücklicherweise über den Verdacht erhaben, bewußt im Solde egoistischer Sonderinteressen der besitzenden Volksklassen zu stehen, so kann doch schließlich kein Mensch aus dem beherrschenden Einfluß seiner Umgebung heraus, und so würde auch ein durch den studierten Richter ganz frei gefundenes Recht sicherlich im großen und ganzen vorwiegend den Neigungen und Interessen der sozialen Gruppen entsprechen, aus denen unser Juristen⸗ stand hervorgeht. Wie wir wissen, daß einstens in Rom die Plebejer gegen einen ähnlichen Zustand willkürlicher Anwendung des unsicheren Gewohnheits⸗ rechts das geschriebene Wort der Zwölftafeln als Palladium ihrer politischen und wirtschaftlichen Frei⸗ heit ertrotzten, so sehen auch in unserer Zeit voller sozialer Gärungen und Mißtrauens die Besitzlosen ihre Rechte durch ein Gesetz bestimmten Inhalts immerhin leichter gewährleistet, als durch ein System ungehemmter richterlicher Machtbefugnis.“ In diesen Sätzen liegt die wissenschaftliche Anerkennung des von uns tausendfältig beobach⸗ teten und erörterten Begriffs der Klassenjustiz. Der Richter ist gebunden an die Einflüsse seiner Klasse, so sehr er auch nach Gerech⸗ tigkeit streben mag. „Schwerste Strafe.“ Eine überaus harte Strafe hat vor einigen Tagen das Amtsgericht in Itzehoe über einen Angeklagten verhängt, der sich während des Streits der Lederarbeiter in Wilster zu einer Thätlichkeit gegen einen Arbeitswilligen hinreißen ließ. Der Arbeiter H. Tiedemaan passierte eines Tages die Rumfletherstraße, wo ihm Arbeits⸗ willige(also Streikbrecher) begegneten. T. will von denselben bedrängt worden sein und versetzte einem einen Stoß, sodaß derselbe in den Graben fiel. Verletzt oder mißhandelt wurde der Arbeitswillige nicht. Weiter hat T. in einem Tanzlokale, in dem die Arbeits⸗ willigen skandalierten, einem derselben einen Faustschlag auf den Kopf versetzt. T. hat zwei Jahre Gefängnis erhalten und ist sofort in Haft genommen worden. Der Fall erinnert in der Härte der Beur⸗ urteilung an das Löbtauer Urteil. Es wird niemand das Verhalten des Angeklagten billigen, aber vergebens sucht man ein Beispiel, wo weit schlimmere Rohheiten aus gebildeten Kreisen mit gleicher Härte bestraft wurden. Hier aber geht auf zweit Jahre die Familie, die aus Frau und vier Kindern besteht, ihres Ernährers verlustig, weil sein Vergehen unglück⸗ licherweise mit einem Streik in Zusammenhang gebracht werden konnte. Wäre dieser Umstand, der für eine sozialpolitisch aufgeklärte Rechts⸗ sprechung ein mildernder U nstand sein müßte, nicht vorhanden gewesen, wer weiß, ob es auch nur zu einem Strafantrag gekommen wäre. Gehaltserhöhung für den Kaiser? In nationalliberalen Kreisen scheint mau geneigt zu sein, eine Erhöhung der Zivilliste für den König von Preußen herbeizuführen, die er in Form eines Reichszuschusses als deutscher Kaiser erhalten soll. Wenigstens euthält die „Berl. Borsen⸗Ztg.“ eine dahingehende Notiz, in der für eine Art Reichszivilliste plaidiert wird. Zur Zeit erhält der deutsche Kaiser jährlich 18 Millionen Mark zu seiner Verfügung, nachdein kurz nach seinem Reglerungsantritt eine Erhöhung der Bezüge um 2½ Millionen stattgefunden hat. Man itt berechtigt, auf die gründung einer neuen Erhöhung gespannt Es wird doch niemand erustlich be⸗ streiten wollen, daß man mit einem jährlichen Einkommen von 18 Millionen Mark sehr gut leben kann. Süddeutsche Begeisterung. Tief beschämend, meint ironisch unser Müachener Parteiblatt, sei es, daß Kaisers Geburtstag im Bundesstaat Bayern ohne großes Geräusch begangen wurde. Um das, was hurrabegeisterte Festesser redeten, kümmerte sich niemand, und selten genug erblickte das spähende Auge einen„Reichszipfel“ langweilig, anscheinend influenzakrank, herunterhängen. Wie das gekommen, darüber wird der„Frkf. Ztg.“ folgendes geschrieben: Die bayerischen Zivil⸗ staatsminister haben eine zemeinsame Ver⸗ fügung erlassen, wonach die staatlichen Gebäude nur mehr an den Geburts- und Namens⸗ tagen des Prinzregenten und des Königs Otto, sowie am Frohaleichnamstage beflaggt werden sollen. Infolgedessen wurden an Kaisers Geburtstag die staatlichen Gebäude, mit Aus⸗ nahme der militärischen, nicht beflaggt. Ja, an einigen Staatsgebäuden, an denen die Fahnen bereits ausgesteckt waren, wurden sie wieder eingezogen.— Die nationalliberale Presse Bayerus befindet sich wegen dieses be⸗ zeichnenden Vorkommaisses natürlich in hellem Aufruhr. Das bildungsfeindliche Zentrum. Im preußischen Abgeordnetenhaus hat bei der Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung wieder ein Zentrums mann, der Abgeornete Pleß, dem Hasse des Zentrums gegen die Volksbildung Ausdruck gegeben. Er meinte in Uebereinstimmung mit seinem Kollegen v. Eynathen in dee Sitzung am Mittwoch: schnittsgeister. Deshalb dürften vor allem in den ländlichen Schulen nicht zu viel Gegenstände ge⸗ lehrt werden. Die jungen Letue brauchten nur ein beschräntes Wissen: Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion. Der gegenwärtige Unter⸗ richt auf dem Lande aber sei geeignet, den jungen Landmann mit selnem natürlichen Beruf unzufrieden zu macheu.“(Bravo! im Zentrum.) Ja freilich, beschränktes Wissen und beschränkte Köpfe, das ist's, was diese lichtscheue Gesellschaft braucht, um herrschen zu können. Ein gebildetes Volk duldet keine Pfaffenherrschaft, das wissen die schwarzen Volksverdummer und daher ihr Haß gegen eine gute Volksbildung. Von den Notleidenden. Für die Notstandsparade der Agrarier (Generalversammlung des Bundes der Land⸗ wirte im Zirkus Busch), die in der nächsten Woche, wie alljährlich üblich, in Berlin ab⸗ gehalten wird, werden schon die Vorbereitungen getroffen. Für die pommerschen Mitglieder des„Bundes der Landwirte“ findet laut An⸗ kündigung der Geschäftsstelle des Bundes für Pommern am Tage der Generalversammlung, nachmittags 5 Uhr, ein Mittagessen bei Dressel(dem„feinsten“ Lokal Berlins), Gedeck 4 Mark, statt. Danach scheint die Not der Landwirtschaft, wenigstens in Pommern, ja noch einigermaßen erträglich zu sein. Wie viel wirliche Bauern werden aber in der Lage oder auch nur geneigt sein, sich an diesem Not⸗ standsdiner zu 4 Mk.(der Wein, der bei diesem Diner getrunken wird, kostet natürlich viel mehr als 4 Mk.) zu beteiligen? Für die„gnädigen Herren Bauern“ im Bunde der Landwirte ist das Dressel⸗Essen überaus bezeichnend. Sklavenhandel in Kamerun. Der Präsident der Basler Kamerun⸗Mission, Missionar Bohner, der 1892 auf Ansuchen der deutschen Regierung ein Gutachten über den Sklavenhandel in Kamerun eingereicht hat, legt in der Monatsschrift des evankalischen Afrika⸗ Vereins„Afrika“ dar, daß sich seit 1892 im Sklavenhandel in Kamerun nichts ge⸗ ändert hat:„Es besteht in Kmerun nicht nur noch die Haussklaverei, sondern auch der Binnen⸗Sklavenhandel mit allen seinen Greueln steht immer noch im Schwange. So lange die Händler des [Julandes von ihren Geschäftsfreunden an der „Die meisten Menschen seien und blieben Durch⸗ Küste für einen Sklaven Waren im Wert von 50—1 Mk. erhalten können, lohnt es sich ja für sie, im Innern Leute wegzufangen, oder von andern aufzukaufen und in den Handel zu bringen. Dem Bauern an der Küste aber und dem Händler ist die Arbeitskraft für seine Zwecke um solch geringen Preis sehr erwünscht. Außerdem hat der Ankauf von Sklaven für den dem Europäer nur zu oft verschuldeten Händler einen großen Vorteil. Denn wenn ihm von der Regierung auch alles gepfändet und zwangsweise versteigert wird, so bleiben ihm doch seine Sklaven; mit ihnen kann er sich immer wieder in die Höhe arbeiten. Aus diesen Gründen werden noch immer den Wuri, Mongo, Lungasi und Sanaga herunter Sklaven in die Kolonie eingeführt und in derselben auch als Zahlmittel verwertet. Neben diesem Sklaven⸗ handel besteht in der Kolonie ein abscheulicher Menschenwucher, der in der Verpfändung von Menschen an Geld verleiher besteht.“ Bekanntlich hat der Afrikareisende Krause wiederholt behauptet, daß auch im deutschen Togogebiet noch Sklaveahandel betrieben wird. Die Regierung hat das bestritten. Es wird ihr sicherlich im Reichstag Gelegenheit gegeben werden, sich über die vom Missionar Bohner mitgeteilten Erfolge unserer herrlichen Kolonialpolstik in Kamerun auszusprechen. Zur Flottenvorlage. Der Umfang der Flottenbau-Pläne und die Tragweite derselben im Vergleich mit dem Bisherigen läßt sich aus der Flottengesetznovelle und ihren marine- und etatstechnischen Betrach⸗ tungen nicht ohne weiteres gewinnen. Um einen Vergleich anstellen zu können, muß man neben den Zukunfts⸗Sollbestand den heutigen Bestand bezw. auch den vor dem Beginn der eigentlichen Flottenära stellen. Die Berliner„Volksztg.“ giebt darüber folgende instruktive Tabelle: Linien⸗ große kleine schiffe Kreuzer Kreuzer Der Bestand unserer Flotte be⸗ trug 1897 S 10 23 Das Flottengesetz von 1898 erforderte eine Erhöhung um 7 2 7 Der neue Entwurf erfordert eine weitere Erhöhung um 19 8 112 Demnach wird der Sollbestand enn 20 45 Die Vermehrung beträgt gegen 1897. 10 22 Prozentual beträgt die Ver⸗ mehrung gegen 1897 Das bedeutet: Die Schlachtflotte wird gegen 1897 mehr als verdreifacht, die Großkreuzer⸗ flotte wird gegen 1897 verdoppelt, die Kleia⸗ kreuzerflotte wird gegen 1897 nahezu ver⸗ doppelt. Im Jahre 1897 berechnete man den Preis eines Linienschiffes auf 20 Millionen Mark, 216% 100 95,5% eines großen Kreuzers auf 15„„ eines kleinen Kreuzers auf 4,6 1„ Legt man diese Sätze für die Wertberechnung der Flotte zu grunde, so hatte die deutsche Flotte 1897 folgenden Wert: 12 Linienschiffe. 240 Millionen Mark, 10 große Kreuzer. 150 15 15 23 kleine Kreuzer 105,8 5 5 Summa 495,8 Millionen Mark. Die Flotte in ihrem Sollbestand auf grund der neuen Pläne wird folgenden Wert haben: 38 Linienschiffe 760 Millionen Mark, 20 große Kreuzer.. 300 8 72 45 kleine Kreuzer 205,4 75 5 Summa 1265,4 Millionen Mark. Dazu kommen die Preissteigerungen für technische Verbesserungen, Materialien und Ar⸗ beitslöhne in Höhe von 10 Prozent mit 126,54 Millionen Mark. Demgemäß beträgt der Wert der Panzer⸗ und Kreuzerflotte nach dem neuesten Plan: 1 Milliarde 391 Millionen 940 000 Mark. Es würde also fast eine Verdreifachung des Wertes der Kriegsflotte eintreten. Dabei hat die„Volkezig.“ noch außer Ansatz gelassen, daß Aclag 10 der Malk. Kreuzel! ale S. daun esetz! 105 1903 6 der Beg Summe werden Auzsich werden in zwei es d Hinzuzi baues berdreif Daz hinausg perso 1900 Flotten also 6. offtzerk gebrach 153 au sollen angeste dingt 200 E lle borher samml. das do cn! aktihe leutnar die ner Museu 100 81 Teil d Jäger 11 7 Hach gl Besu⸗ die Re , Da Flotter geiflie finden De absoln Männe b 1e Stapel Krause itschen setrieben ell. Cs tcgeuheit un ertlichen 01 5 und die nit dem ezlobelle Bellach⸗ Im einen in neben Bestand entlichen Ilksztg.“ elle: e kleine r Kreuzer 23 17 1 15 —— 0 95,5% en 1897 obkeeuzel⸗ die Kleic⸗ J bel en Pttiß n Marl, U 0 deutsche 1 Marl, auf und i Mul, 1 1 3 —+ Jarrk. en Ma. für Agel I T 1 Und 90 1 15004 lt hoben: Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. die Schiffsbaukosten sich mit rapider Schnellig⸗ keit steigern und daß in dem neuen Flotten⸗ plan das Linienschiff 25 Millionen kosten soll, während es in dem Plan von 1898 nur auf 20 Millionen und bei den letzten Abschlüssen auf 22 Millionen veranschlagt war. Der große Kreuzer soll 18 Millionen kosten, während er vor zwei Jahren auf 15 Millionen Mark ver⸗ anschlagt war, für den kleinen Kreuzer erhöht sich der Anschlag von 4,6 auf 5,5 Millionen Mark. Auf den Linienschiffen und den großen Kreuzern sollen die schwere Artillerie und für alle Schiffsklassen die Munitionsausrüstung verstärkt werden. In dem geltenden Flotten⸗ gesetz ist bekanntlich die Summe der einmaligen Ausgaben für Schiffsbauten von 1898 bis 1903 auf 356 700 000 Mark limitiert. Aus der Begründung erfahren wir, daß die limitierte Summe um 33 Millionen Mark überschritten werden muß, wenn der bis 1903 damals in Aussicht genommene Bauplan innegehalten werden soll. Um so viel stellt sich also schon in zwei Jahren die Rechnung höher. Wie wird es da nach 16 Jahren erst aussehen! Unter Hinzuziehung dieser Verteuerungen des Schiffs- baues ist zweifellos mit erheblich mehr als verdreifachtem Wert zu rechnen. Dazu kommt eine über die Verdoppelung hinausgehende Vermehrung des Marine⸗ personals. Während es nach dem Etat von 1900 28204 Köpfe zählt, macht der neue Flottenplan eine Verstärkung von 35511 Köpfen, also 63715 Mann erforderlich. Das See⸗ offizierkorps soll von 1195 auf 2407 Köpfe gebracht werden, das ärztliche Personal von 153 auf 341 Köpfe vermehrt werden. Jährlich sollen im Durchschnitt 60 Seeoffiziere mehr angestellt werden. Die Flottenvermehrung be⸗ dingt die jährliche Anstellung von ungefähr 200 Seekadetten und 1000 Schiffsjungen. Der blutig leere Saal. Ueber eine in Marburg abgehaltene und vorher mit großem Tamtan angekündigte Ver⸗ sammlung des deutschen Flottenvereins berichtet das dortige nationalsoziale Organ:„Im deut⸗ schen Flottenverein sprach gestern Abend ein aktiver preußischer Offizier, ein Ober⸗ leutnant Roeper, in voller Uniform über die neue Flottenvorlage. Der große Saal des Museums war blutig leer. Noch keine 100 Zivilisten waren anwesend. Den größeren Teil des Publikums machten Soldaten des Jägerbataillons aus, die den Hintergrund des Saales besetzt hielten. Was wir erlebten, ist nach allen Richtungen bedauerlich: der sch wache Besuch, das Abkommandieren der Soldaten, die Rede eines aktiven Offiziers!...“ Daß die guten Nationalsozialen ein neues Flottenfiasko bedauerlich finden, ist be⸗ greiflich. Aber ob sie es auch lehrreich finden? Der blutig volle Saal. Da ausgewachsene und vernünftige Menschen absolut nicht in größerer Anzahl in die Wasser⸗ männerversammlungen kommen, so haben die ganz pfiffigen ollen ehrlichen Seemänner, die ihre Weisheit nicht vor leeren Stühlen vom Stapel lassen wollen, einen Ausweg gefunden, der ihrer wassermännischen Intelligenz alle Ehre macht: sie arrangieren hier und da Versamm⸗ lungen für Schulbuben und Schulmädchen. Einen Bericht über eine derartige Versammlung in Darmstadt veröffentlicht die„Frkf. Ztg.“: „Die Flottenvorlage ist angenommen— von der Darmstädter Schuljugend beiderlei Geschlechts nämlich, die der Leiter der Marine⸗Ausstellung am Samstag zur Entgegennahme eines Vortrages über die Flotte mit obligater Lichtbildervorführung und daran anschließend zu einer Meinungsäußerung über die neuesten Marineforderungen eingeladen hatte. Die Versammlung, die unter Aufsicht der Lehrer und Gouvernanten stattfand, war imposant: an die 1200 Jungen und Mädchen„hingen mit atemloser Spannung an den Lippen des ebenso liebenswürdigen wie un⸗ ermüdlichen Redners“.„Ohne jede Aufforderung“ wurde die„Wacht am Rhein“ gesungen, und Herr Gymnasialdirektor Dr. Mangold stellte den begeisterten Vaterlandsrettern in Kniehosen und kurzen Kleidchen und Hängezopf die Schuljugend seiner jungen Tage als leuchtendes Beispiel vor, die lange Zeit trocknes Brot statt Wecken zum Frühstück aß, um die gesparten Pfennige zur Flotten vermehrung beisteuern zu können. Eine Diskussion wurde nicht beliebt, die Flottenvor⸗ lage, nachdem die Deckungsfrage in so überraschend einfacher Weise gelöst war, einstimmig mit einem „jubelnd aufgenommenen Hoch auf unsere deutsche Flotte“ angenommen. Nun wird sich ja wohl der deutsche Reichstag an diesem illustren Kleinparlament am großen Woog ein Beispiel nehmen.“ Die Schmerzen, die der blutig leere Saal in Marburg dem nationalsozialen Führer Erdmannsdörffer bereiteten, sind hoffentlich durch den blutig vollen ⸗Saal in Darm⸗ stadt wesentlich gemildert. Tabak⸗ und Biersteuer! Die konservative„Kreuz-Zeitung“ sagt nun auch ihre Meinung, wie sie sich die Aufbringung der Flotten⸗Milliarden denkt: „Daß dieser Weg(nämlich Aufnahme größerer Anleihen) seine Bedenken hat, läßt sich freilich nicht leugnen. Dasselbe gilt aber auch von allen anderen Vorschlägen, die bis⸗ her gemacht worden sind, wie Erhöhung der Matrikular⸗Beiträge, Reichs⸗Erbschaftssteuer u. s. w. Obwohl sich nun aber alle Welt gegen jede Erhöhung oder Neueinführung von indirekten Abgaben verwahrt, müssen wir doch sagen, daß es Massenartikel giebt, die eine gewisse Mehrbelastung sehr wohl zu ertragen vermöchten, ohne die„schwachen Schultern“ in fühl⸗ barer Weise zu drücken. In erster Reihe gehört hierher der Wein und das Bier, und unter gewissen Voraussetzungen wäre ohne Zweifel auch der Tabak zu nennen. Davon wollen die Mehrheitsparteien, vom Zentrum bis zur Sozialdemokratie, freilich nichts wissen, und wir sind weit entfernt, in diesem Sinne auf einen günstigen Um⸗ schwung zu rechnen.“ Die Regierungsbegründung zur Flottenvor⸗ lage hütet sich sorgfältig, neue Verbrauchssteuern anzukündigen. Die Regierung sucht den Schein zu erwecken, als ob neue Steuern überhaupt nicht nötig werden durch die Bewilligung der Marinevermehrungen. Wenn das konservative Hauptorgan dieses Spiel nicht mitmacht, son⸗ dern die Unvermeidlichkeit vermehrter Besteuerung von Bier und Tabak ausspricht, so scheint es fast, als sei es bemüht, die Aus⸗ sichten der Vorlage, die ihm bekanntlich gar nicht mehr behagt, zu verschlechtern. Flottenagitation in der Synagoge. Die Magdeburger Zeitung teilt mit, daß in der dortigen Synagoge der Rabbiner Dr. Rahmer zur Feier des Geburtstages des Kaisers die Festpredigt hielt, der er den Königs⸗ psalm 72 zu Grunde legte und den Nachweis führte, daß das dort gezeichnete Fürstenideal in Kaiser Wilhelm II. seine Verwirklichung fände. Er nahm alsdann aus dem Vers 8: „Er herrsche von Meer zu Meere“ Veranlassung, die Gemeinde aufzufordern, die Flotten⸗ pläne des Kaisers aufs kräftigste zu unter⸗ stützen. Der Magdeburgische Flottenverein — und das ist das Beste an der Geschichte— wünscht die Drucklegung der Predigt zur Ge⸗ winnung von israelitischen Mitgliedern zu be⸗ nützen.— Wie wäre es, wenn die israelitischen Mitglieder einen Panzer bauten und diesen dann auf den Namen„Rabbi Rahmer“ tauften? Pardon! taufen, das ginge ja nicht, also— beschnitten? Der Krieg in Südafrika. Im englischen Unterhaus ist es zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen zwischen den Gegnern des jetzigen Kriegs und den Anhängern des Ministers Chamberlain. Letzterer erklärte natürlich den von ihm angezettelten Vergewal⸗ tigungsversuch den Buren gegenüber für gerecht und notwendig. In wenigen Wochen würden 200000 Mann in Südafrika stehen. Für uns am interessantesten dürften folgeade Aeußerungen Chamberlains sein:„Eine der Lehren des Krieges ist die Erkenntnis der ungeheuren Verteidigungskraft, die irregulären oder freiwilligen Truppen innewohnt, wenn sie für die Verteidigung ihres Landes kämpfen. Diese Lehre darf bei der Prüfung der militärischen Lage nicht außer acht gelassen werden.“ 5 Nachrichten vom Kriegsschauplatz sind in letzter Zeit nur spärlich eingelaufen. Einige Telegramme lassen wir hier folgen: London, 7. Febr. Das Kriegsamt be⸗ stätigt, daß General Buller am 5. Februar den Tugelafluß wieder überschritten hat und sich auf dem Marsch nach Ladysmith befindet. London, 7. Febr. Aus dem Lager bei Sterkstroom meldet die„Central News“ von heute morgen: Die Buren rückten heute früh gegen unsere Stellungen vor. Gleichzeitige Angriffe wurden gegen unsere Vorposten bei Penhök und bei Birds River Siding unter⸗ nommen. Das Feuern ist jetzt im Gange. Lorenzo Marquez, 7. Febr. Einer aus dem Hauptquartier der Buren hier eingetroffenen Nachricht zufolge haben die englischen Trup⸗ pen am 5. Februar unter dem Schutze einer heftigen Kanonade den Tugelafluß an zwei Stellen überschritten. An einer Furt sollen die Engländer zurückgeschlagen sein. Das Artilleriefeuer hat gestern wieder begonnen. Aus dem Reichstag. Immer noch Lex Heinze. Einer der wichtigsten Paragraphen des ganzen Ge⸗ setzes, das den Namen Lex Heinze trägt, ist der§S 182 a. Derselbe bedroht die Arbeitgeber, die ihre Arbeiter⸗ innen zur Duldung unzüchtiger Handlungen bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahr. Die Regierung will lieber das ganze Gesetz fallen lassen, als den§S 182 a, der in der Kommission an⸗ genommen wurde, acceptieren. Unser Genosse Heine wies darauf hin, daß für uns das Gesetz nur dann einen Wert hätte, wenn dieser Paragraph darin enthalten sei. Die Fälle, wo die Mädchen zur Duldung solcher unzüchtigen Handlungen gezwungen werden, kämen nicht bloß in Fabriken, son⸗ dern besonders auch auf dem Lande vor. In einem Falle aus meiner Praxis hatte sich ein Werkmeister in seiner Kabuse für diese Zwecke ein Bett aufstellen lassen, und alle Mädchen, die Urlaub oder eine kleine Lohn⸗ erhöhung erreichen wollten, mußten dort ihre Gegen⸗ leistung erst abgeben. Heine führt weitere Fälle an und ersucht um Annahme des§ 182 a. Genosse Bebel ergänzte die Ausführungen Heines. In Breslau ließ sich ein Besitzer, der an einer geheimen Krankheit litt, behandeln und mußte auf die Frage, mit wem er zuletzt Umgang gehabt, erklären, er hätte mit vielen weiblichen Personen Umgang gehabt, abe r sein Inspektor habe ihm den ganzen Hof ver⸗ wüstet. Dieser, der selbst an einer geheimen Krankheit litt, war ihm also zuvorgekommen. Mit geringer Mehrheit wurde schließlich der§ 182 4 angenommen. Gegen denselben stimmen die freisinnigen Parteien und fast sämtliche Nationalliberale, sowie die Reichspartei und ein großer Teil der Konservativen. Am Mittwoch wurde die Lex Heinze in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Am Donnerstag begann die erste Lesung der neuen Flottenvorlage. Anstelle des schwer er— krankten Abg. Dr. Lieber(Zentrum) wird dessen Partei⸗ genosse Dr. Schädler als Redner der ausschlaggebenden Partei genannt. Ueber den Verlauf der Donnerstags⸗ Sitzung werden wir unter„Letzte Nachrichten“ kurz berichten. Von Aah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Der hessische Landtag. * Eine wahrhafte Volksvertretung ist der hessische Landtag nicht. In der Ersten Kammer sitzen die„geborenen“ Gesetzgeber, Prinzen, Barone und Grafen, sowie„berufene“! Gesetz⸗ geber, Professoren und Geistliche.— Und die Zweite Kammer? Das indirekte Wahlverfahren begünstigt alle möglichen Wahlmanöver, macht es möglich, daß Leute„Volksvertreter“ werden, die außer einigen Bürgermeistern niemand hinter sich haben. Außerdem ist die Einteilung der Wahlkreise die denkbar ungerechteste. Kein Seite 1. itteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 7. Wunder also, wenn die Zusammensetzung der Zweiten Kammer sehr viel zu wünschen übrig läßt. In derselben sitzen nicht weniger als 8 Bürgermeister und 2 Beigeordnete, zusammen schon 10 Abgeordnete unter der 50 Mann starken Volksvertretung, die der Bestätigung der Regierung bei Antritt oder Wlederantritt ihres Amtes bedürfen, demnach von der Regie⸗ rung nicht in dem Maße unabhängig sind, wie das bei einem Volksvertreter eigentlich selbstverständlich sein sollte. Zu diesen 10 Bürgermeistern und Beigeord⸗ neten kommen noch weitere 6 Abgeordnete, die Beamte sind; demnach besteht die Zweite Kammer zu einem Drittel aus Leuten, die ein großes Juteresse daran haben, es mit der Re⸗ gierung nicht zu verderben. Beamte sind ebenso wenig die richtigen Leute für eine Volks⸗ vertretung, wie Bürgermeister. Die letzteren schon deshalb nicht, weil sie ihr ganzes Können in den Dienst der Gemeinde stellen sollen. Da giebt es so viel zu thun, daß keine Zeit übrig bleibt für das arbeitsreiche Amt eines Parlamentsriers. Speziell bäuerliche Vertreter sitzen nach unserer Schätzung mindestens 16—17 im Lanb⸗ tage; die Landwirtschaft ist also, was die Quantität anlangt, sehr reichlich vertreten. Mit der Befähigung hapert's allerdings sehr. Es ist eben thöricht, wenn die ländlichen Wähler nur deshalb einen Bauersmann oder Bürger⸗ meister wählen, weil er ein Bauer ist. Darauf kommt es im Landtag nicht an. Dort wird nicht danach gefragt, was jemand in der Land⸗ wirtschaft leistet, sondern ob er die Lebensver⸗ hältuisse der kleinen Leute kennt und ob er befähigt ist, die Interessen seiner Wähler ge⸗ schickt und energisch zu vertreten. Wer ehrlich urteilen will, muß sagen, daß die geschicktesten Abgeordneten im hessischen Landtag die Soztal⸗ demokraten waren. Flottenagitation in Hessen Wie die Flottenbegeisterung in Mainz ge⸗ fördert wird, dürfte aus folgender Thatsache zu erkennen sein. Die preuß.⸗hess. Eisenbahn⸗ direktion hat ihren Beamten und Arbeitern durch vertrauliches Zirkular empfohlen, die Flottenausstellung in Darmstadt zu be⸗ suchen, wofür ein halber Tag Urlaub ohne Lohnabzug in Aussicht gestellt wird. Gleich⸗ zeitig wird id dem Rundschreiben darauf hin⸗ gewiesen, daß es sich dringend empfehle, dem Flottenverein als Mitglied beizutreten, zumal der Jahresbeitrag nur 1 Mark betrage. Den Herren Ressortchefs wurden Listen zu„frei— freiwilligen“ höheren Beiträgen vorgelegt und sollen recht ansehnliche Jahresbeiträge gezeichnet worden sein.— Wenn nun die bedauerns⸗ werten Eisenbahner, die bei unmenschlich langer Arbeitszeit nur kärglichen Lohn haben, nicht begeisterte Flottenapostel werden, ist ihnen nicht zu helfen. Folgen der Radfahrsteuer. Der„Segen der hessischen Steuer-Reform“ fäugt an, sich immer fühlbarer für die ar⸗ beitende Bevölkerung zu gestalten. In den letzten Tagen sigd nämlich eine Anzahl Offen⸗ bacher Arbeiter-Radfahrer denunzirt worden, weil sie Sonntags ohne 5 Mark⸗Stempel⸗ karte gefahren sind. Die Steuerbehörde macht sich die Sache sehr leicht. Der Denunzirte er⸗ hält sein Strafmandat und kann, wenn er damit nicht zufrieden, den ordentlichen Richter anrufen. Dort muß er nun den Beweis liefern, daß er sein Fahrrad als Transportmittel zur Aroeitsstätte benützt. Gelingt dieser Beweis, daun wird Freisprechung erfolgen müssen, wenn nicht findige Amtsanwälte noch die Frage von den Schöffen definiren lassen, ob die Benutzung notwendig, das heißt, ob nicht blos eine vor⸗ übergehende Benutzung des Fahrrades statt⸗ findet, um die Steuerdefraudation zu legalistren. Welche juristische Spaziergänge lassen sich da nicht alle machen 1 2— Wir bestreiten ent⸗ schieden, daß es in der Absicht der Gesetzgeber gelegen hat, die Befreiung von der Stempel⸗ steuer nur dann eintreten zu lassen, wenn der Arbeiter sein Rad auf dem Wege nach und von der Arbeitsstelle benutzt. Beuutzt der Arbeiter sein Rad an einem Sonntag zu irgend einer Tour, dann läßt sich doch kaum aus den Gesetzesbestimmungen heraus⸗ definiren, daß er dazu die Fahrradsteuer zu entrichten verpflichtet sei. Das wäre eine recht kleinliche Auslegung des Artikels 56 des Stempeltarifes und wäre es angebracht, wenn die obere Steuerbehörde den unteren Organen dementsprechende Anweisung erteilte. O. A. Sewerbegerscht in Wetzlar. * Im Jahre 1899 wurden im ganzen 31 Sitzungen abgehalten, davon nur eine einzige unter Teilnahme von Beisitzern. In 30 Fällen wurden die Klagen durch Vergleich erledigt, sedaß eine Zuziehung der Bessitzer sich erübrigte. Die korrigierte Nationalhymne. Die Flottenvorlage wirft ihre Schatten sogar auf die patriotischen Lieder der Volks⸗ schule. In mehreren Städten ist bei Schul⸗ feiern aus dem bekannten:„Heil Dir im Siegerkranz“ folgende Strophe weggelassen worden: „Nicht Roß nicht Reisige Sichern die steile Höh', Wo Fürsten stehn. Liebe des Vaterlands, Llebe des freien Mann's Gründen den Herrscherthron Wie Fels im Meer,“ Der„Kladderadatsch“ meint dazu:„Der „freie Mann“, der seine Liebe zum Herrscher⸗ hause laut anpreist, ist schon längst verdächtig. Er ist doch jedenfalls ein Freisinniger, wahr— scheinlich aber ein verkappter Demokrat, der wohl das Königtum als Dekoration beibehalten, ihm aber keinen Einfluß auf die Staatsgeschäfte mehr verstatten will....“ Das genannte Blatt schlägt dann in dankenswertem patrio⸗ tischem Eifer folgenden Ersatz vor: „Rosse und Reisige Schirmen die steile Höh', Wo Fürsten stehn. Höflinge neigen sich, Schweichler verbeugen sich, Nie sind am Fuß des Throns Nörgler zu sehn.“ Der Vorschlag ist schon ganz hübsch; wert— voller wäre aber doch noch die Erwähnung etlicher Geschwader. Vielleicht findet sich noch ein Dichter, der diesem Mangel abhilft. Wie die Buren schießen. Von der Schießkunst der Buren, so berichtet die„Vossische Ztg.“, konnten sich Beamte der Ludwig Loeweschen Waffenfabrik auf einem Berliner Schießplatz überzeugen. Vor etwa vier Jahren trafen fünf Herren aus Transvaal hier ein, um einen größeren Abschluß von Ge⸗ wehren der oben erwähnten Fabrik für Trans⸗ vaal zu bewirken. Bei Tegel wurden die Gewehre eingeschossen und die Buren begaben sich selbst dorthin, um das Einschießen zu über⸗ wachen. Ein höherer Beamter der genannten Fabrik war ebenfalls anwesend und ließ die besten Schützen unter den Waffenarbeitern nach der 500 Meter entfernten Figurscheibe schießen. Die geübten Schützen trafen fast alle Zentrum. Dies schien aber auf die Buren wenig Eindruck zu machen. Wortlos nahm der älteste der Buren, ein 70 jähriger Herr, eines der Gewehre und schoß der Figur erst das rechte und dann das linke Auge aus. Ein weiterer Schuß traf die Figur unter dem dritten Uniformknopf. Fast in derselben Weise zielten und schossen die übrigen Buren. Ein fat unglaubliches Schießkunststück aber leistete einer der Herren, indem er um den Kopf der Figur herum im Schnellfeuer einen förmlichen Kranz von Ge⸗ schossen bildete. Das Erstaunlichste aber dabei war, daß die sechs Kugeln in genauen Ab⸗ ständen in dem Scheibenholz steckten, als wären die Distanzen mit dem Centimetermaß vorher abgemessen worden. Als man den Buren über ihre Treffsicherheit Komplimente machte, er⸗ klärten sie, daß daheim fast jeder Stammes⸗ genosse so gut schieße. Rechtssprechung. § Das Jenser„Volksblatt“ berichtet: „Der Student Karl U. hier hat in der Nacht vom 8. zum 9. November v. J. an der Ecke der Gartenstraße den Schuhmacher Hermann H. hier mit seinem Gehstock ehne jede Veran⸗ lassung über den Kopf und die linke Hand geschlagen, sodaß er sich in ärzliche Behandlung begeben mußte. Der kleine Fisger der linken Hand war derart verletzt, daß nach ärztlichem Gutachten noch Monate zu dessen Heilung nötig sein werden, selbst eine dauernde Unbraus bar⸗ f keit des verletzten Gliedes nicht ausgeschlossen ist. Dem Angeklagten konnten als Mil derungs⸗ gründe nur dessen bisherige Unbescholtenheit und hochgradige Trunkenheit zugebilligt werden. Nach Verlesen der ärztlichen Zeugnisse erfolgt Verurteilung des Angeklagten zu 150 Mark Geldstrafe event. 50 Tagen Gefängnis; beantragt waren 100 Mk. Der Verletzte strengte behufs seiner Privatausprüche Zivilklage an, infolge⸗ dessen er nicht als Nebenkläger auftrat.“ Wie der„Berl. Ztg.“ berichtet wird, ist die dem Manne von dem akademischen Rowdy, der im juristischen Staatsexamen steht, zugefügte Verletzung sehr schwer. Außer zwei ca. 7—8 Centimeter langen Kopfwunden war die Hand derartig zerschlagen, daß nicht nur der kleine Finger vollständig steif geblieben ist, sondern daß seinerzeit der Trauring dem Manne vom Finger abgesägt werden mußte. Ein Arbeiter, der sich solcher That schuldig gemacht hätte, wäre jedenfalls nicht so glimpflich davon⸗ gekommen.(Vergleiche die Notiz:„Sch werste Strafe“ unter Pol. Rundschau.) § Vor dem Münchener Militäruntergericht kam ein Sergeant vom Infanterieleibregiment wegen Beschimpfung der ihm unterstellten zum Dienst einberufenen Volksschullehrer zur Ver⸗ handlung. Die einschlägigen Vorgänge kamen vor mehreren Wochen beim Militäretat im Landtag zur Sprache. Aus der Gerichts ver⸗ handlung ging hervor, daß der Sergeant zu den Lehrern gesagt hatte:„Thut Euren Weih⸗ wasserschädel in die Höhe.“„So nun saget Muh!“ Der Sergeant wurde freigesprochen, da er wegen der Sache schon disziplinarisch bestraft sei.— Bekauntlich ist ein Unteroffizier nach der Ansicht eines bekannten Zentrums⸗ abgeordnelen für die Soldaten der„Stellver⸗ treter Gottes“. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Am Samstag referierten die Genossen Krumm und Orbig im sozialdemo⸗ kratischen Wahlverein über ihre Thätigkeit als Stadtverordnete. An die Referate schloß sich eine eingehende Diskusston. Mit der Aunahme einer Resolution, in der die Versammlung ihr Einverständnis mit den Referenten ausdrückte, fand die interessante Versammlung ihren Schluß. * Hinter verschlossenen Thüren will am Freitag, den 9. Februar, der Professor Dr. Leist für die Mitglieder des nationallibe⸗ ralen Vereins einen Vortrag halten über „Politische Gimpelfallen“. Schade, daß wir nicht mit anhören können, wie die natio- nalliberalen Flotteninteressenten, die in politischem Gimpelfaug machen, von dem Herrn Referenten verurteilt werden. Denn zweifellos sollen doch— darauf läßt wenigstens der Ausschluß der Oeffentlichkeit schließen— die nationalliberalen Gimpelfänger beleuchtet werden. Na, wir wünschen den Herren viel Vergnügen, mögen sie sich gegen⸗ seitig trösten über das Mißgeschick, daß die Natlonalliberalen in Oberhessen von den So⸗ zialdemokraten auf den Aussterbeetat gesetzt worden sind. ** BHegnadigter Hehler. Im Gnaden⸗ wege hat der Großherzog die von der Gießener Strafkammer seinerzeit gegen den Kaufmann Isaak Mendelsohn wegen gewerbsmäßiger Hehlerei erkannte einjährige Zuchthansstrafe in Gefängnis von gleicher Dauer umgewandelt. Die gegen Mendelsohn erkannte Strafe war die nach dem Gesetz niedrigste. ** Schwer verletzt wurde am Montag der Arbeiter Stein von Niederbessingen bel Lich auf dem Gießener Bahnhof. Der Unglück liche wurde von einem heranbrausenden Schnell⸗ zug erfaßt, zur Seite geschleudert und so schwel 1 daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. J 1 Nr, 7. 1. Oel 100% 5 0 Togu. hel, 15 u tilt blende Tröger über 15 lusses. faleln l 1 Andell mächtiztel demjenige er. hält nach de der fel! Ein G0 in der Lal dicser, bil Haupssach sterten. einander arbeiter h der gelle Redner Vetsamm in einem die Arbei beschimpf icht ius Verband L. N der Fabr. den Tag Tröger in berschi waren le da die 2 Sonntag gelesen Meuaufn ** 9 Kriegssd auch nic der Eint so doch b In seine er die die Engl kam in hätten Der He wenn speziell! 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In der Diskusston kam es zu Anseinandersetzungen zwischen dem Bevoll⸗ mächtizten des oben genannten Verbandes und demjenigen des Tabak⸗Arbeiter⸗Verbandes. Letz⸗ terer halt es für richtiger, daß sich die Zigarren⸗ macher dem Taba karbeiterverband anschließen, der jetzt in Wieseck über 200 Mitglieder zähle. Sein Gegner hält es für gleichgültig, ob die in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiterinnen dieser oder jener Organisation angehörten, die Haupssache sei, daß sie sich überhaupt organi⸗ sierten. Frau Tröger bedauert diese Aus⸗ einandersetzungen, die der Vorsitzende der Tabak⸗ arbeiter begonnen habe, gewiß nicht zum Vorteil der gemeinsamen guten Sache. Von einem Redner wurde sodann noch gerügt, daß die Versammlungen der Fabrik- und Hilfsarbeiter in einem Blatt bekannt gemacht würden, das die Arbeiterbewegung jahrelang verleumdet und beschimpft habe, während in der M. S.⸗Ztg. nicht inseriert wurde. Dem Tabak ⸗Arbeiter⸗ Verband traten 15 neue Mitglieder bei. L. Wieseck. Im Auftrage des Verbandes der Fabrik-, Land⸗ und Hilfsarbeiter hielt in den Tagen vom 2. bis zum 4. Februar Frau Tröger aus Offenbach vier Versammlungen in verschiedenen Orten ab. Die Versammlungen waren leider nur mäßig besucht(kein Wunder, da die Bekanntmachung nicht in der„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ erfolgte, die von den Arbeitern gelesen wird. Rd.), doch fanden im ganzen 22 Neuaufnahmen statt. * Krofdorf. Hier wird der Mangel an Kriegsschiffen ganz besonders empfunden, wenn auch nicht von der überwältigenden Mehrzahl der Einwohner, die sozialdemokratisch sind, so doch vom Herrn Bürgermeister Lichtenthaeler. In seiner Rede zu Kaisers Geburtstag beklagte er die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer und rief entrüstet aus: Wem kam in diesen Tagen nicht der Gedanke: Ach, hätten wir doch genügend Schiffel Der Herr Bürgermeister werden entschuldigen, wenn wir uns die Bemerkung erlauben, daß speziell vielen Krofdorfern, denen die vorhandenen Kriegsschiffe vollauf genügen, der Gedanke kam: wer mag die Lockspitzelet angezettelt haben, durch welche die Engländer allem An⸗ schein nach zur Beschlagnahme der deutschen Schiffe veranlaßt wurden? Bemerkenswert ist ferner, daß es der Herr Bürgermeister von Krofdorf für unerlaubt hält, Worte des Kaisers zu kritisieren. Ein wahres Glück, daß Herr Lichtenthaeler Bürgermeister von Krofdorf und nicht irgendwo Landgerichtspräsident oder Staatsanwalt ist. W. Marburg. Die hiesige königliche Polizei wird bekanntlich am 1. April aufge⸗ löst, an deren Stelle tritt dann städtische. Zum Polizeikommissar wurde der bei dem Infanterie⸗ Regiment Nr. 116 in Gießen stehende Feldwebel Fauré(ein gebürtiger Marburger) ernannt. Augeublicklich ist Faure bei dem königl. Polizei⸗ Präsidium in Kassel beschäftigt. Das Gehalt dieser Stelle beträgt 2500 Yk. ** Auf dem Maskenball erschossen. Eine tragische Szene hat sich in einem Vallsaal in Kiel abgespielt: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde die neunzehujährige Tochter des Gefängnisvorstehers Streich, F äulein Helene Streich, im Ballsaal von einem Meuchelmörder erschossen. Es war in der Maskerade des plattdeutschen Vereins„Jungs holt fast“ und die junge Dame saß neben ihrer Mutter am Kaffeetisch, während die Musik zur Polonaise aufspielte. In diesem Augenblick krachte ein Schuß, und das unglückliche Mädchen sanuk, gerade ins Herz getroffen, tot vom Stuhl. Der Mörder hatte den todbringenden Schuß durch ein offenstehendes Fenster auf sein. Opfer abgefeuert und war dann entflohen. Noch während der Nacht wurden die Briefschaften der Ermordeten untersucht, und es fanden sich darunter Drohbriefe, die von dem in Kiel in Stellung befindlichen Apothekergehilfen Pflüger herrührten. Dieser hatte das junge, bildschöne Mädchen mit Anträgen verfolgt und war ab⸗ gewiesen worden. Er wurde in seiner Woh⸗ nung verhaftet, leugnet jedoch entschieden, die That ausgeführt zu haben. Arbeiterbewegung. * Die wirtschaftlichen Folgen des öster⸗ reichischen Bergarbeiterstreiks machen sich immer mehr auch für die deutsche Industrie bemerkbar. Die großen Industrieorte an der böhmisch⸗sächsischen Grenze, die ihren Kohlen⸗ bedarf nur aus dem Teplitzer Gebiete bezogen, decken jetzt infolge des Streiks ihren ganzen Bedarf aus den Braunkohlengruben der Ober⸗ und Niederlausitz, wo täglich böhmische Händler eintreffen und große Mengen Preßkohlen auf⸗ kaufen. Die Steinkohlenpreise sind erheblich gestiegen. Die großen Glasfabriken von Walther in Moritzzorf bei Leipzig haben wegen Kohlen⸗ mangel den Betrieb eingestellt. In den erz⸗ gebirgischen Industriestädten ist die Kohlen⸗ kalamität aufs höchste gestiegen. In Anna⸗ berg Buchholz sind sämmtliche Vorräthe ver⸗ griffen, nur einige größere Fabriken haben noch auf wenige Tage Vorrat. Die großen Bür⸗ stenfabriken in Schönheide haben ihre Riesen⸗ betriebe auf ein Minimum reduziert. Die Elektrizitätswerke in zahlreichen erzgebirgischen Fabrikorten haben die Lichtabgabe eingeschränkt. Schon hat die Kohlennot auf die bisher ver⸗ schont gebliebenen Industriestädte Thüringens übergegriffen. In Poeßneck hat die dortige Flanellfabrik mit 400 Arbeitern den Betrieb ganz, zahlreiche andere Fabriken haben ihn teilweise einstellen müssen. Aus Apolda und Gera wird eine rapide Abnahme der Kohlen⸗ vorräte gemeldet.— Der Streik in Böhmen fängt also an, geradezu verhängnißvoll für die deutsche Industrie zu werden. Die Lage ist noch immer unverändert. — Auch unter den sächsischen Berg⸗ arbeitern gärt es. Eine große Bergarbeiter⸗ versammlung beschloß einstimmig die Ausnutzung der gegenwärtigen Lage und die Einsetzung einer Kommisston zur Aussprache und zur Unter⸗ handlung mit den böhmischen Revieren. In 8 bis 14 Tagen soll eine neue Versammlung der Berg⸗ arbeiter über den Eintritt in die Streikbewegung beschließen. Die Zahl der in den sächsischen Kohlenbergwerken beschäftigten Bergleute be⸗ trägt 24000. Sollte sich der böhmische Streik auf die sächsischen Gruben ausdehnen, so würde die ganze sächsisch⸗thüringische Industrie, die jetzt schon wegen des Kohlenmangels furchtbar leidet, völlig lahm gelegt werden. — Der Bergarbeiterstreik im Wurm⸗ revier, der vor 14 Tagen ausgebrochen, dauert fort, doch soll die Zahl der Ausständigen zurückgegangen sein. Eine Aussicht auf baldige Verständigung zwischen Unternehmern und Arbeitern ist noch nicht vorhanden.— Wie eine neuere Meldung aus Aachen besagt, ist der Streik im Wurmgebiet beendet. Partei ⸗Nachrichten. Versammlungs⸗ Kalender. Sonntag, den 11. Februar: Daubringen. Arb.⸗Bild.⸗Verein nachmitt. 4 Uhr bei Gastwirt Schäfer. Samstag, den 17. Februar: Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bet Orbig. Briefkasten der Redaktson. A. L. in B. Die gewünschte Adresse: Frau Paula Thiede, Berlin NO, Frankfurterstraße 63, IV. W. D. in B. Zu 1: Ortsbürger wird jener Einwohner auf Antrag bei dem Bürgermeister, der die Entscheidung des Gemeinderats herbeizuführen hat. Wird das Aufnahmegesuch abgelehnt, so ist Berufung an den Kreisausschuß zulässig. Wenn ein Einzugsgeld vor⸗ gesehen ist, so muß selbiges entrichtet werden; durch 20 jährigen Aufenthalt ist das Ortsbürgerrecht nicht ohne weiteres erworben.(Sehen Ste die Land gem.⸗Ordn. nach.)— Zu 2: Dilese Frage ist strittig; ich bin der Meinung, daß Sie kein Patent zu lösen brauchen, doch empfehle ich Ihnen, mit dem Steuerbeamten Rücksprache zu nehmen.— Zu 3 gebe ich Ihnen keinen Rat, em⸗ pfehle Ihnen vielmehr dringend, Ihr unschönes Vor⸗ haben zu unterlassen. H. B.⸗B. Die dort gültige resp. neu eingeführte Stockbuchordnung habe ich nicht zur Hand. Doch scheinen Sie im Recht zu sein. Beschwerde ist zu richten an das zuständige Amtsgericht. W.⸗M. Um den Bericht noch bringen zu können, mußte ich bedeutend kürzen. Ihr Vorschlag betr. der neuen Rubrik ist beachtenswert, doch verschieben wir lieber eine derartige Ref. bis zum Quartalswechsel. Besten Gruß. Letzte Nachrichten. Der Flottenvorlage erster Tag. Berlin, 8. Febr.(Reichstag.) Admiral Tirpitz tritt lebhaft für die Vorlage ein. Dr. Schädler(Zentrum) erklärt: Wir stehen vor einem völligen Umsturz des Flottengesetzes hon 1898. Einen solchen können wir nicht mit⸗ machen und darum sind wir, das erkläre ich im Namen aller meiner Freunde, für das Gesetz in der Form und dem Umfange wie es uns vorliegt, nicht zu haben.(Beifall; Gelächter und große Bewegung.) Abgeordneter v. Levetzow(kons.) hat zwar Bedenken wegen der Landwirtschaft, tritt aber doch für die Vorlage ein. Unser Genosse Frohme erklärte sich mit aller Entschiedenheit gegen die Flotten⸗ vorlage. Mit der Thronbesteigung des jetzigen Kaisers habe die neue Flottenära be⸗ gonnen. Die Flottenpropagandisten haben sich auf die Ueberzeugung, Wünsche und Forderungen eines Monarchen berufen können, gerade deshalb hat bie Flottenpropaganda so über⸗ aus häßliche Züge aufzuweisen, sie ist geradezu eine Ausschweifung des Byzautinismus zur Verherrlichung der Weltpolitik. Ueber die Ziele des Kaisers gibt ein Blatt Auskunft, das bei Hofe die Lieblingslektüre bilden soll. Da heißt es u. A.:„Auf dem hohen Meere herrscht kein Herzog, kein König, auf dem Meere gibt es nur die eine Parole: ein Reich und ein Kaiser!“ Das heißt: Ihr Bundesfürsten, Du Reichstag bist gar nichts! nur daß Du die Flotte zu bewilligen hast. Wir werden die Vorlage ablehnen gerade mit Rücksicht auf die Interessen des Volkes und die wahrhaftesten nationalen Interessen, die sich an das That⸗ sächliche halten, nicht aber thörichten Phantasien nachjagen. Eine Auflösung des Reichstags zu fürchten, hatte meine Partei den allerletzten Anlaß. Wem es auf die Sicherung der wahrhaft kulturellen Güter der Nation ankommt, der hat dabei nichts zu be⸗ sorgen.(Lebhafter Beifall links.) Der Nationalliberale Bassermann ist für die Vorlage. Der bayerische Bauern⸗ bündler Hilpert ist für Kommisstonsberatung, wie die Vorlage vorliegt, billigt er sie nicht. Ein Volksurteil. * Während die nationalsozialen und pro⸗ fessoralen Flottengigerl und die Geschäfts⸗ patrioten von der Begeisterung schwindeln, mit der das„ganze Volk“ für die größere Flotte eintritt, hat die sozialdemokratische Partei am Mittwoch in Berlin das Volk versam⸗ melt und urteilen lassen. In 19 von vielen Tausenden Männern besuchten Ver⸗ sammlungen wurde eine gleichlautende Reso⸗ lution angenommen, in der die Flottenvor⸗ lage entschieden verurteilt wird. In einer Versammlung, wo Herr v. Gerlach unserm Redner entgegentrat, fand sich außer dem ge⸗ nannten Nationalsozialen noch— ein Mann! der für die Flottenvermehrung stimmte. Mit dem können nun die um Naumann Staat machen. N Einwickelpapier. „Wie der Vorw. erfährt, wollen die Wasser⸗ männer am 15. Februar im ganzen Reich eine Flugblattverbreitung zu gunsten der Vermehrung der Kriegsschiffe vornehmen. Die Flottenapostel glauben damit„das Volk“ ködern zu können. — Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 7. Hasensalat. Von Johannes Trojan. Morgens in den Garten trat Liese, klein und niedlich, Saß ein Häschen im Salat, Schmaust und that sich gütlich. Liese sprach:„Du armes Tier, Wart einmal, indeß ich Lauf in's Haus und hole dir Sum Salat den Essig. Kommt zurück schon mit dem Krug— Niemals lief sie schneller— Essig gießt sie jetzt genug Auf den Hasenteller. „Lieselchen, ich danke dir“, Sprach der kleine Fresser, „Eigentlich doch schmeckt es mir Ohne Essig besser.“ (Aus Jakobowski's Liederheft.) Das Abenteuer der Neujahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) Eine hohe, lange Maske trat mit schnellen Schritten dem Philipp entgegen und rief: „Halten Sie einen Augenblick, ich habe mit Ihnen ein Wörtchen zu sprechen! Ich suche Sie schon lange!“ „Nur geschwind“, entgegnete Philipp,„denn ich habe keine Zeit zu verlieren!“ „Ich wollte, ich müßte keine mit Ihnen verlieren! Ich habe Sie lange genug gesucht. Sie sind mir Genugthuung schuldig! Sie haben mir eine tödliche Beleidigung zugefügt!“ „Daß ich nicht wüßte!“ „Sie kennen mich nicht?“ rief der Herzog, und zog die Larve ab.„Nun wissen Sie, wer ich bin, und Ihr böses Gewissen muß Ihnen daß übrige sagen! Ich fordere Genugthuung. Sie und der verfluchte Sal moni haben mich betrogen!“ „Davon weiß ich nichts!“ antwortete Philipp. „Sie haben die schändliche Geschichte im Keller des Bäckermädchens angestellt. Auf Ihr Anstiften hat sich der Oberst Kalt an meiner Person vergriffen.“ „Kein wahres Wort!“ „Wie, kein wahres Wort? Sie leugnen? — Die Marschallin Blankenschwerd hat mir erst vor wenigen Minuten alles entdeckt. Sie war Augenzeugin bei der Geisterkomödie, die Sie mit mir spielten.“ „Sie hat Eurer Durchlaucht ein Märchen aufgebunden. Ich habe an Ihren Händeln keinen Teil gehabt. Wenn Sie Geisterkomödie mit sich spielen ließen, war es Ihre Schuld.“ „Ich frage Sie, ob Sie mir Genugthuung geben wollen? Wo nicht so mache ich Lärm. Folgen sie mir auf der Stelle zum König! Entweder Sie schlagen sich mit mir,— oder zum König!“ „Eure Durchlaucht...“ stotterte Philipp verlegen,„ich habe weder Lust, mich mit Ihnen zu schlagen, noch zum Könige zu gehen!“ Das war Philipps voller Ernst; denn er befürchtete, die Larve abziehen zu müssen und in empfindliche Strafe wegen der Rolle zu fallen, die er wider seine Absicht hatte spielen müssen. Er machte daher gegen den Herzog allerlei Ausflüchte, und sah nur immer nach der Thür, um irgend einmal den Augenblick erwischen und davonspringen zu können. Der Herzog hingegen bemerkte die Aengstlichkeit des vermeinten Prinzen, und ward da durch mutiger. Er nahm zuletzt den armen Philipp beim Arm, und wollte ihn zum Saal führen. „Was wollen Sie von mir?“ rief Philipp in eistung, und schleuderte den Herzog zurück. „Zum König!“ antwortete der Herzog wütend.„Er soll hören, wie schändlich man an seinem Hofe einem fürstlichen Gast begegnet.“ „Gut!“ sagte Philipp, der sich nicht mehr zu helfen wußte, als wenn er den Charakter des Prinzen wieder annähme. So kommen Sie! ich bin bereit. Zum Glück hab ich den Zettel bei mir, auf welchem Sie dem Bäcker⸗ mädchen eigenhändig die Versicherung aus⸗ fiel! „Possen! Larifari!“ erwiderte der Herzog. „Das war einer von den Späßen, die man wohl mit einem dummen Bürgermädchen treibt. Zeigen Sie ihn nur dem Könige! Ich werde mich darüber ausweisen.“ Indessen schien es dem Herzog doch mit dem Ausweisen nicht gar Ernst zu sein. Er drang gar nicht weiter darauf, Philippen zum König zu führen, und das war dem Philipp schon recht; desto ungestümer bestand der Herzog darauf, daß sie sich beide in den Wagen setzen und, der Himmel weiß wohin, fahren wollten, um die Ehrensache mit Pistolen und Säbeln abzumachen. Das war nun dem bedrängten Philipp gar nicht gelegen. Er stellte dem Her⸗ zog alle bösen Folgen dieses Schrittes vor. Jener aber in seinem Grimme ließ sich durch nichts von seinem Verlangen abwendig machen; versicherte, er habe schon Fürsorge für alles getroffen, und werde nach Beendigung ihres Geschäfts noch in der Nacht abreisen. „Wenn Sie nicht“, fuhr der Herzog fort, „der feigste Mensch in Ihrem Lande sind, so folgen Sie mir zum Wagen, Prinz!“ „Ich bin kein Prinz!“ antwortete Philipp, der sich zum Aeußersten getrieben sah.) „Sie sind es! Jeder hat Sie hier auf dem Balle erkannt! Ich erkenne Sie am Hut! Sie hintergehen mich nicht!“ Philipp zog die Larve ab, zeigte dem Herzog sein Gesicht und sprach:„Nun, bin ich der Prinz?“ Herzog Hermann, als er das wildfremde Gesicht erblickte, prallte zurück und stand wie versteinert. Seine geheimste Angelegenheit einem Unbekannten verraten zu haben, vermehrte seine Bestürzung und Verlegenheit. Ehe er sich noch von derselben erholen konnte, hatte Philipp schon die Thür in der Hand, und weg war er. XI. Sobald sich Philipp im Freien besand, nahm er blitzschnell Hut und Seitenmantel ab, wickelte jenen in diesen, und so, beides unter dem Arm, sprang er die Gasse entlang, der Gregorien⸗ kirche zu. Da stand Röschen schon in einem Winkel neben der hohen Kirchenpforte und harrte sein. „Ach Philipp, lieber Philipp!“ sagte sie zu ihm, sobald sie ihn erkannte, und drückte seine Hand;„welche Frende hast Du mir doch ge⸗ macht! O, wie glücklich sind wir! Sieh, ich habe keine Ruhe mehr bei meinen Freundinnen ge⸗ habt. Gottlob, daß Du da bist! Schon seit beinahe einer Viertelstunde stehe ich hier und friere. Aber ich denke vor Freuden gar nicht an die Kälte, die ich leide.“ „Und ich, liebes Röschen, danke Gott auch, daß ich wieder bei dir bin. Hole der Geier all den Schnickschnack der großen Herren! Nun, ich erzähle Dir schon ein andermal von den tollen Auftritten die ich gehabt habe. Sage mir, Herzenskind, wie geht es Dir denn? Hast Du mich noch ein wenig lieb?“ „Ei, Du bist nun ein großer Herr geworden, Philipp, und da kommt es mir wohl zu, zu fragen, ob Du mich noch ein wenig lieb hast?“ „Wetter, woher weißt Du denn schon, daß ich ein großer Herr war?“ „Du hast es mir ja selber gesagt. Philipp, Philipp, wenn Du nur nicht stolz wirst, nun Du so entsetzlich reich bist! Ich bin ein armes Mädchen, und nun freilich zu schlecht für Dich. Aber, Philipp, ich habe schon bei mir gedacht, wenn Du mich verlassen könntest, sieh, ich wollte lieber, Du wärest ein Gärtner geblieben! Ich würde mich zu Tode grämen, wenn Du mich verlassen könntest.“ „Röschen, sage mir, was schwatzest du denn da? Ich bin eine halbe Stunde Prinz gewesen, und es war doch nur Spaß; aber in meinem Leben mache ich solchen Spaß nicht wieder. Nun bin ich wieder Nachtwächter, und so am wie vorher. Ich habe da wohl noch fünftausend Gulden bei mir, die ich von meinem Mamelucken bekommen— die könnten uns beide aus der Not helfen— aber leider, sie gehören mir nicht.“ „Du sprichst wunderlich, Philipp!“ sagte Röschen, und gab ihm die schwere Geldbörse, die Sie vom Prinzen erhalten hatte.„Da nimm Dein Geld wieder! Es wird mir doch im Strickbeutel fast zu schwer.“ „Was soll ich mit dem vielen Gelde? Wo⸗ her hast Du das, Röschen?“ „Du hast es ja in der Lotterie gewonnen, Philipp!“ „Was? Hab' ich gewonnen? Und man hat mir doch auf dem Rathause gesagt, meine Nummern wären nicht herausgekommen! Sieh, ich habe gesetzt und gehofft, es könnte eine Terne für uns zur Aussteuer geben. Aber der Gärtner Rothmann sagte mir, als ich den Nachmittag zu spät auf das Rathaus kam: ‚Armer Philipp, keine Nummer!— Juchhe, also doch gewonnen! Jetzt kauf' ich den größten Garten, und Du bist meine Frau. Wie viel ist's denn geworden?“ „Philipp, hast Du dir ein Räuschchen in der Neujahrsnacht getrunken? Du mußt besser wissen, wieviel es ist. Ich habe bei meinen Freundinnen nur unter dem Tische heimlich in die Vörse hineingeschielt, und mich recht er⸗ schrocken, als ich ein Goldstuck neben dem andern blitzen sah. Da dachte ich: nun wunderts mich nicht, daß der Philipp so unbändig war. Ja, recht unbändig bist Du gewesen. Aber es war Dir ja nicht zu verargen. Ich möchte Dir selber um den Hals fallen und mich recht satt weinen vor Freuden.“ a „Röschen, wenn Du fallen willst, ich mag es wohl leiden. Aber hier ist ein Miß verständnis. Wer hat Dir das Geld gebracht und gesagt, es sei mein Lotteriegewinn? Ich habe ja das Los noch zu Hause im Kasten, und kein Mensch hat es mir abgefordert.“ „Philipp, treib keine Possen! Du hast's mir vor einer halben Stunde selber gesagt und mir selber das Geld gegeben.“ „Röschen, besinne Dich! Diesen Morgen sah ich Dich beim Weggehen aus der Messe, da wir miteinander unsere Zusammenkunft für diese Nacht verabredeten. Seitdem sahen wir uns nicht wieder.“ „Außer vor einer halben Stunde, da ich Dich blasen hörte, und ich Dich zu Steinmanns ins Haus hineinrief. Aber was trägst Du denn unter dem Arm für ein Bündelchen? Warum gehst Du bei der kalten Nacht ohne Hut?— Philipp, Philipp! nimm Dich wohl in acht! Das viele Geld könnte Dich leicht⸗ sinnig machen. Du hast gewiß in einem Wirts⸗ hause gesessen, und hast Dir mehr zu gute gethan, als Du solltest? Nun? Was hast Du da für ein Bündelchen? Mein Himmel, das sind ja wohl Frauenzimmerkleider von Seide? Philipp, Philipp, wo bist Du gewesen?“ „Gewiß vor einer halben Stunde nicht bei Dir. Du willst Dich, glaub' ich, über mich lustig machen? Antworte mir, woher hast Du das Geld?“ „Antworte mir erst, Philipp, woher hast Du diese Frauenzimmerkleider? Wo bist Du gewesen?“ Da beide ungeduldig waren, Antwort zu haben, und keine Antwort gaben, fingen sie gegeneinander etwas mißtrauisch zu werden und zu zanken an. 5 II. Wie es gewöhnlich in solchen Rechtshändeln geht, wo ein liebendes Pärchen mit einander streitet, so ging es auch hier. Sobald Röschen das weiße Schnupftuch hervornahm und ihre Augen trocknete und das Köpfchen wegwandte, und einen Seufzer nach dem andern aus der Tiefe der Brust ausstieß, hatte sie offenbares Recht und er offenbares Unrecht. Und er ge⸗ stand sein Unrecht, indem er sie tröstete und bekannte: er sei auf dem Maskenball gewesen, und was er unter dem Arme trage, sei kein weibliches Gewand, sondern ein Seidenmantel nebst Larve und Federhut. n . aber berni sicherung, feinen Ste wenigen? scheinen, u wächterma Nun g ihr Abent⸗ auf. Wan daß der arliges il nun die! beichten, los gelan nach We bange we 7 Von Ein; fuhrwe eben ein daher kan sagte:„ aus dem Hur ein duch, daß 0 den Ihlenhe Gelee. u nausfahr „Jetzt der Keuff eine Kol Rädern 10 nige Fr. 190 a icht auf bunmer . 9 vieder. arm ausend elucen 19 der N mix agte wut i„Da r doch 8 Wo⸗ ounen, an hat ir Sich, Lerne zärtner mittag hlibh, nen! d Du den?“ in der besser einen eimlich cht er⸗ andern i lich 0 5 war te Dir t satt h mag iduts, gesagt, jn das Hensch hast? t und Norgen Messe, ft für en ir da ich mann i Du lchen! t ohle ) wohl leicht⸗ Wirts⸗ u gute t S8 el, dag Seide? icht bei er ml alt Du er haf it Du 4 1 hort Ä gen sie 5 Alb handel ue öschel p ihte 1 Nr. 7. Wütteldeutische Genntags-Zeitung. Seite 7. Nach diesen reumütigen Geständnissen aber begann erst das strengste Verhör über ihn. Ein Maskenball, daß weiß jedes Mädchen in einer großen Stadt, ist für unverwahrte Herzen ein gefährlicher Irrgarten und Kampfplatz. Man stürzt sich in ein Meer anmutiger Gefahren, und geht manchmal darin unter, wenn man kein guter Schwimmer ist. Röschen hielt ihren Freund Philipp aber gerade nicht für den besten Schwimmer; es ist schwer zu sagen, warum? Also mußte er zuerst erklären, ob er getanzt habe? Auf das Verneinen hin fragte sie, ob er keine Abenteuer und Händel mit weiblichen Masken gehabt habe? Das ließ sich nicht verneinen. Er bekannte allerlei; doch setzte er jedesmal hinzu, die Frauenzimmer wären insgesamt von vornehmer Abkunft ge⸗ wesen und hätten ihn für einen andern gehalten. Röschen wollte zwar ein wenig zweifeln; doch unterdrückte sie den Argwohn. Als er aber auf Ihre Frage: für wen man ihn gehalten habe, und von wem er seine Maske geliehen? immer den Prinzen Julian nannte, schüttelte Sie doch das ungläubige Köpfchen; und noch unwahrscheinlicher war ihr sein Geschichtchen, daß der Prinz Nachtwächterdienste gethan, während Philipp guf dem Balle gewesen. Er aber vernichtete alle ihre Zweifel mit der Ver⸗ sicherung, der Prinz— denn dafür halte er seinen Stellvertreter— werde, laut Abrede, in wenigen Minuten bei der Gregorienkirche er⸗ scheinen, und die schöne Maske für den Nacht⸗ wächtermantel eintauschen. Nun ging dem erschrockenen Röschen über ihr Abenteuer im dunklen Hausgange ein Licht auf. War es ihr doch damals schon aufgefallen, daß der vermeinte Philipp so etwas Fremd⸗ artiges in seinem Wesen gehabt hatte. Da nun die Reihe an sie kam, alles haarklein zu beichten, wie sie zu dem Gelde für das Lotterie⸗ los gelangt wäre, stotterte sie lange und suchte nach Worten herum, daß dem Philipp ganz bange ward.(Fortsetzung folgt.) Den Noehlen wagen. Eine Straßenstudie. Von Dr. Ludwig Thoma(München).“ Ein großes, schwer beladenes Kohlen⸗ fuhrwerk fuhr auf dem Tramwangeleise, als eben ein Wagen der elektrischen Straßenbahn daher kam. Der Kutscher des Kohlenfuhrwerks sagte:„Wüst, ahö, wüst“ und fuhr so langsam aus dem Geleise, als wäre die elektrische Bahn nur eine Straßenwalze. Er bewerkstelligte auch, daß er grade noch mit dem hinteren Rade an den Wagen stieß. Das Rad brach und der Kohlenwagen senkte sich krachend mitten in das Geleise. „Du Rammel, Du g'scheerter, kannst net nausfahren?“ schrie der Konduktör. „Jetzt nimma, Du Rindviech!“ antwortete der Kutscher. Und er hatte ganz Recht, denn eine Kohlenfracht kann man nicht auf drei Rädern wegbringen. Der Konduktör legte dem Fuhrmann noch einige Fragen vor. Ob er glaube, daß er das nächste Mal aufpassen wolle; ob er vielleicht nicht aufpassen wolle und ob noch ein solcher dummer Kerl Fuhrmann sei. Dies alles brachte den Kutscher nicht aus seiner Ruhe. Er stieg ab und stellte fest, daß das Rad vollständig kaput sei. Und da er in Folge dieser Thatsache die Meinung gewann, daß sein Aufenthalt von längerer Dauer sein werde, zog er die Tabakspfeife aus der Tasche und begann zu rauchen. Erst jetzt faßte er den Konduktör näher in's Auge, und als er ihn genug besichtigt hatte, erklärt er dem sich ansammelnden Publikum, daß er nicht aufpasse, weder auf die Tramway, noch auf den Konduktör. Und dann lud er die Altiengesellschaft, sowie deren sämtliche Bedienstete zu einer intimen Würdigung seiner In diesem Augenblick drängte sich ein Schutzmann durch die Menge und stellte sich vor den Wagen hin. Rückseite ein. * Aus dem„Simplicissimus“. „Was giebts da? Was ist hier los?“ fragte er. „A hinters Radl is los,“ sagte der Kutscher. „So? Das wer'n wir gleich haben,“ er⸗ widerte der Schutzmann, und ich glaubte, daß er ein Mittel angeben wolle, wie man umge⸗ 0 Wagen am schnellsten auf die Räder ilft. Der Schutzmann zog ein dickes Buch aus der Brusttasche, öffnete es und nahm einen Bleistist heraus, der an dem Deckel steckte. Mährend er ihn spitzte, kam wieder ein elekt⸗ rischer Wagen angefahren. Der Lenker des⸗ selben machte großen Lärm, als er nicht vor⸗ wärts konnte, und der Schaffner blies heftig in sein silbernes Pfeifchen. „Was ist denn das für ein unverschämtes Gefeife? Wollen S' vielleicht aufhören zu feifen?“ fragte der Schutzmann und blickte den Schaffner durchdringend an, während er den Bleistift mit der Zunge naß machte. „So,“ sagte er dann, indem er sich wieder zu dem Kutscher wandte,„jetzt sagen Sie mir wie Sie heißen thun.“ „Matthias Küchelbacher.“ „Mat- thi—as Kü—chel—bacher. Wo thun Sie geboren sein?“ „Han?“ „Wo Sie geboren sein thun?“ „Z' Lauterbach.“ „So? In Lau—ter—bach. Glauben S' vielleicht es gibt nur ein Lauterbach? Wollen S' vielleicht sagen, wo das Höft ist? Thun S' ein bissel genauer sein, Sie!“ Inzwischen hatte sich die Menge, welche den Wagen umstand immer mehr vergrößert. Ein Herr in der vordersten Reihe untersuchte mit sachverständiger Miene den Schaden. Er bückte sich und sah den Wagen von unten an; dann ging er vor und faßte die lange Seite scharf in's Auge und dann bückte er sich wieder und klopfte mit seinem Stockeu auf die drei ganzen Räder. Und dann sagte er, es sei bloß eines kaput und wenn es wieder ganz wäre könne man sofort wegfahren. Die Umstehenden gaben ihm Recht. Ein Arbeiter sagte, man müsse versuchen, ob man den Wagen nicht wegschieben könne. Er spuckte in die Hände und stellte sich an das hintere Ende des Wagens. Dann sagte er:„öh rück! öh rück!“ und schüttelte den Wagen, und spuckte immer wieder in seine Hände, bis ihn die Schutzleute zurücktrieben. Diese entwickelten jetzt eine große Thätigkeit. Sie gaben Acht, daß die Zuschauer sich anständig benahmen und in einer graden Linie standen. Das war nicht leicht. Wenn sie oben fertig waren, drängten unten die Neugierigen wieder vor und deshalb liefen sie hin und her und wurden ganz atemlos dabei. Noch dazu mußten sie Acht geben, daß jeder Schutzmann, der hinzukam, seinen Platz erhielt wenn ein Vorgesetzer erschien, mußten sie ihm alles erzählen, und wenn ein neuer Tramwaywagen daherfuhr, mußten sie dem Konduktör etuschärfen, daß er nicht durch die anderen Wagen durchfahren dürfe. Ich weiß nicht, wie die Sache ausgegangen ist, weil ich nach zwei Stunden zum Abendessen gehen mußte. Aber ich las am nächsten Tage mit Befriedigung in den Blättern, daß der Polizeidirektor, der Minister des Innern und unsere zwei Bürgermeister am Platze erschienen wären. Dem Volle gewidmet. * Neue Lieder der besten neueren Dichter für's Volk. Zusammengestellt von Dr. L. Jakobowski.— 160 Seiten. Preis 10 Pfg.— i. * Goethe. Mit Porträt und Ein⸗ leitung. Nr. 1 der Sammlung:„Deutsche Dichter, in Auswahl für's Volk. Herausgegeben von Dr. L. Jakobowski.— 160 Seiten. Preis 10 Pfg.— Herr Jakobowski hat sich mit der Heraus⸗ gabe dieser beiden Heftchen, denen bald weitere folgen sollen, ein großes Verdienst erworben. Er hat sich das schöne Ziel gesteckt: das Volk mit den besten deutschen Dichtern ver— traut zu machen. Möchte ihm das ge⸗ lingen! Wie mancher, der jetzt seine freien Stunden beim Kartenspiel zubringt, würde lieber ein gutes Buch zur Hand nehmen, wenn er eine Ahnung davon hätte, welch hohen Genuß ein gutes Dichtwerk bietet. Zunächst muß das Verständnis geweckt werden, und das versucht Dr. Jakobowski mit seinen Darbietungen. Es ist unglaublich, welche Fülle des Schönen er für 10 Pfennig bietet. Sein Liederheftchen enthält Hunderte Gedichte moderner Poeten. Sein Goetheheft enthält außer einer Lebensbeschreibung Goethes und 28 Gedichtchen noch:„Götz von Berlichingen“,„Italienische Reise“,„Faust“,„Aus meinem Leben“,„Ge⸗ spräche mit Eckermann“, Sprüche u. s. w. Die Heftchen machen auch äußerlich einen sehr vorteilhaften Eindruck. 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Der Oberamtmann befürwortete die Sache und forderte dann die Anwesenden zu einer Aeußerung auf. Nach längerem Schweigen erhob sich der Bürgermeister einer Waldgemelnde und sagte:„Die Anstellung eines Arztes ist unnötig, weil meine Bauern drei Stadien haben. Im ersten brauchen sie keinen Arzt, weil sie nicht wissen, was ihnen fehlt, im zweiten hoffen sie eben auf eine Besserung und im dritten ist es zu spät, weil dann alles nichts mehr hilft.“ Allseitige Zustimmung erfolgte, und so werden in Zukunft die beteiligten Gemeinden in ihren drei Stadien ohne Doktor auskommen. Gemeinnütziges. Die Abhärtung der Kinder durch kühle Waschungen erfordert, wie der„Prakt. Wegweiser“, Würzburg, schreibt, eine genaue Individualisterung, den! nicht jedes Kind ver⸗ trägt eine kalte Abwaschung wie das andere. Bei blutarmen und nervösen Kindern können kalte Abwaschungen eher das Gegenteil be⸗ zwecken und die beaßsichtigte Abhärtung steigert nur die Nervosität und regt noch mehr auf. Min benütze deshalb lauwarmes Wasser mit 18 bis 21 Grad Reaumur und gehe erst nach längerer Zeit mit der Temperatur Grad um Grad herunter bis höchstens zu 15 Grad R. Dabei bleibe man. Diese Abwaschungen sollen morgens und womöglich auch abends gemacht werden. Der Schlaf ist dann sehr ruhig und kräftigend. Freilich darf zuvor nicht das Abend⸗ essen eingenommen worden sein. Das sollte doch ungefähr zwei Stunden früher geschehen. Räumungs- Das deutsch- amerikanische Schuhwarengeschäft Adolf Beverstein Bahnhofstr. 23, Ecke Löwengasse empfiehlt lle Sorten Schuhe und Stiefel 7 e in guter prima Ware zu den billigsten Preisen. Besichtiquum ohne Hurtig. Achtung Achlenneg. Tabak⸗ Arbeiter und ⸗ Arbeiterinnen. Sonntag, 11. Februar, nachm. 3 Uhr: Oeffentl. Versammlung im Lokale des Herrn Germer„Zum grünen Baum“ Heuchelheim. Tages⸗Ordnung: Wie verbessern wir unsere Lage? Referent: Frau Tröger aus Offenbach a. M. Zu zahlreichem Besuche ladet ein Der Einberufer. Oeffeutliche Volksversammlung in Büdingen⸗Großendorf Sonntag, den 11. Februar 1900, nachmittags 3 Uhr im Lokale des Herrn Wilhelm Seipp. Tages⸗Ordnung: Die polilische Lauge 1 Referent: Redakteur Philipp Scheidemaunn in Gießen. Freie Diskussion. Der Einberufer. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist im Erscheinen begriffen Seu ο˖,HjCsx, Arbeiterrecht nebst Fähher dann dn Hilgeflche besetzbuc in 22 Lieferungen à 20 Pfg. durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Die ersten Hefte sind erschienen. Jede Woche erscheint 1 Heft. Empfehlenswertes Werk. Die früheren Auflagen von Stadtsagens„Arbeiterrecht“ sind längst Nur 4 rage Ad Inventur- .. Verkauf Bern. 6 Schulstraße 6 in jeder Art. 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Fir Magenleidende! 2 ö J 45 Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte 5 Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Huber: UIlrich'sche LTäuter-Wein. Dieser Bräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig besun denen Bräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Perdauungsor⸗ anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Bräuter⸗Wein beseitigt alle störungen in den Flut⸗ gefäßen, reinigt das Zlut von allen verdorbenen, krankmachenden gloffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Flutes. a Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen eine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ 17 Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufs tossen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger cuftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. 5 Stuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen wie: Beklemmung, Kolskschmerzen Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(namorrholdalleiden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt. durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, f Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung, 2 5 mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und demütfsverstimmung, sowie haufigen schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke .. Kopfschmerzen 2 Aufertigung nach Maaß. 1 0 dahin. FKräuter⸗Wein giebt der geschwächten b it fi U le ö 1 97 85 ba e D, e 115 75 5— 5 en petit, beförder erdauung un rnährung, regt den 2 11 l No 13 A Ent El 5 Stofswechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken eue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und? Dankschreiben beweisen dies. Hilksarbeiter und-Arbeiterinnen nachmittags 3 Uhr: Jelsammlung Versammlung bekannt gemacht vergriffen. Der Vorstand. Terpand der Fabrik-, Lan- und Sonntag, deu 18. Februar, bei Herrn C. Orbig, Rittergasse Die Tages⸗Ordnung wird in der Kräuter⸗Wein ist zu 1 5 in Flaschen aA, 1.25 1 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, 5 Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. 3 in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert UIIrich, Lelpzig, West- strasse 824“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. r Vor Nachahmungen wird gewarnt! 2 Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrich schen Kräuter- Wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile 5 sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, 5 125 talmus⸗ 8 Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, wurzel à3 10,0. Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur Ph. Scheidemann, Gießen. Druck von A. Heppeler, Gießen. — Die„Miteld usträger 5 die h. die Erpedit —— Bebe! * Drei Redekamp, gewütet, bi berwiesen Osern nicht Den 9. am dritten. Richter un der bürger. halten, die uber deren dennoch— Kraft. Cs denen die e leͤrische Lag deßhald au in die Wa Mit ju preußischen eine Gener ihn selbst: Graf 9 gestern, dit Anke lehne wird imme dese werde men— Herzen, ist sle dadure Kaen weil sie ei fänpfen, Vertrau 1 7 in Aufs än Freunde 0 100 dien e hersiche die dul dagegen. in Jeutru