Hecienbäne 5 Gießen — Uhrmacher, Däne 5 1 —— — 15 Jie ken 0 ä 2 11 glän⸗ trischen calls U. AIs, 2 F Sound! NKeme, aten!— ——— 1 1 Nx. 37. Gießen, Sonntag, den 9. September 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche utags⸗ bit Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr — Abonnementspre is: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.)[33 ¼/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. —. ͤ—.— ͤ———̃———————.— Die deutschen Gewerkschaften im Jahre 1899. II. Die 55 Zentralverbände verzeichneten im Jahre 1899 insgesammt eine Einnahme von 7687 154 Mk. und eine Ausgabe von 6450 876 Mark. An Kassenbestand verblieben ihnen 5 577 546 Mk., wovon allerdings auf den Ver⸗ band der Buchdrucker 2 724 101 Mk. oder pro Kopf 103,40 Mk. entfallen. Aber auch andere Organisationen weisen einen beträchtlichen Kassen⸗ bestand auf. So die Maurer 453 563 Mk., die Metallarbeiter 385 148 Mk., die Holzarbeiter 252 310 Mk., Zimmerer 194630 Mk., Porzellan⸗ arbeiter 168 058 Mk., Buchbinder 146 293 Mk., Hutmacher 1147736 Mk. In den übrigen Or⸗ ganisationen betrug der Kassenbestand weniger als 100 000 Mk. Im Jahre 1891 betrug die Gesammteinnahme der Gewerkschaften(49 Organisationen) 1 116 588 Mark. Sie ist von Jahr zu Jahr gewachsen, besonders aber in den letzten Jahren rapid in die Höhe gegangen. Wenn man jedoch die auf den Kopf der Mitglieder der einzelnen Gewerk⸗ schaften entfallende Summe betrachtet, so zeigt sich unter diesen Beträgen nicht nur eine kolossale Diffe- renz, sondern es ergiebt sich auch, daß in einzelnen Gewerkschasten eine Erhöhung der Beitragsleistung am Platze wäre. Es vereinnahmten zum Beispiel pro Kopf und Jahr: Buchdrucker 59,98 Mk., Hutmacher 32,74 Mk., Zigarrensortirer 22,74 Mark, Handschuhmacher 18,99 Mi., Steinarbeiter 18,69 Mk., Kupferschmiede 17,97 Mk., Former 17,77 Mk., Brauer 15,87 Mk., Zimmerer 15,75 Mark, Maurer 14,24 Mk., Maler 13,41 Mk., Tabakarbeiter 10,94 Mk., Glas arbeiter 10,57 Mark, Metallarbeiter 10,55 Mk., Holzarbeiter 10,28 Mk., Schuhmacher 7,43 Mk. und so weiter bis herab zu 2,07 Mk., welcher Betrag sich bei den Barbieren ergiebt. Die Beitragshöhe und dementsprechend auch die pro Kopf entfallende Jahreseinnahme wird in den Gewerkschaften, je nachdem Unterstützungen gezahlt werden, verschieden sein. Es zeigt sich jedoch auch bei den Organisationen, welche die gleichen Einrichtungen haben, eine erhebliche Differenz in der Einnahme, sodaß, sofern es nicht in dem größeren Zuwachs an Mitgliedern in der letzten Hälfte des Jahres liegt, hier eine nicht regelmäßige Beitragszahlung der Mit— glieder oder ungenügende Beitragshöhe vorhanden sein muß. Als Minimalbeitrag einer Gewertschaft muß ein solcher von 15 Pfg. gelten. Damit muß sich aber eine Jahreseinnahme von 7,80 Mark pro Kopf der Mitglieder ergeben. In den letzten Jahren haben die meisten Gewerkschaften ihre Beiträge erhöht und es zeigt sich, daß eine Beitragserhöhung keinen oder doch nur einen vorübergehenden Verlust an Mitgliedern bringt. Im Gegentheil verzeichnen die Organi⸗ sationen mit höheren Beiträgen stärkeren Zuwachs. Die Aufgaben, welche die Gewerkschaften auf den verschiedensten Gebieten zu erfüllen haben, erfordern es, daß sich die Arbeiterschaft die Verpflichtung auferlegt, im allgemeinen In⸗ teresse größere Opfer an Beitragsleistung auf sich zu nehmen. An den Ausgaben, welche die Gewerkschaften im Einzelnen machen, zeigt sich ihr segensreiches Wirken. Im Jahre 1899 ver⸗ aus gabten für: Verbandsorgan. 55 Organis. 603 558 Mk. Mien 0 201 020„ Seit in ee; a Streiks in anderen Berufen 51 1 13877 Rechtsschu ß 5 54 752„ Gemaßregeltenunterstützung 29 6 55 435„ Reiseunterstützung 5 1 304 391„ Arbeitslosenunterstützung. 20 15 304 677„ Krankenunterstützung.. 15 10 652 825„ Invalidenunterstützun g.. 4 5. Sonstige Unterstützung.. 32 15 131484„ Stellen ver mittelung. 6 5 283 Bibliptheken, 1 4 390„ Sonstige Zwecske 45 5 147 488„ Konferenzen und General⸗ versammlungen. 46 55 102 187„ Beitrag an die General- dag, 56029„ Pro eßkosten 13 7 32 Gehälter 5 11 1210 Verwaltungsmaterial.. 52 5 Lee, Den Zweigvereinen verblieben in 45 Organi⸗ sationen 1307698 Mark. In den Jahren 1891 bis 1899 wurden von den Gewerkschaften insgesammt folgende Aus⸗ gaben gemacht: Rechtsschutz 208 489 Mk., Ge⸗ maßregeltznunterstützung 498 691 Mk. Reise⸗ unterstützung 2 695 445 Mk., Arbeitslosenunter⸗ stützung 2 162 563 Mk., Krankenunterstützung 3213 242 Mk., Invalidenunterstützung 319 118 Mark, sonstige Unterßützungen 479516 Mk., zu⸗ sammen für Unterstützung 9577064 Mk. Für das Verbandsorgan wurden 3 196477 Mk. ver⸗ ausgabt, insgesammt also für Unterstützungs⸗ und Bildungszwecke 12 773 551 Mk. Dem gegenüber steht eine aus den Verbands⸗ kassen für Streiks gemachte Ausgabe von 6611995 Mk. Die thatsächliche Ausgabe für Streiks stellte sich in diesem Zeitraum be⸗ deutend höher, nämlich auf 11000 000 Mk, jedoch kam aus den Verbandskassen nur die ge— nannte Summe von 6⅛ Millionen Mark. Es soll mit dieser Gegenüberstellung nicht etwa versucht werden, zu beweisen, daß die Ge⸗ werlschaften nur Untestützungsvereine seien und nicht zum wirksamsten Mittel im Ge⸗ werkschaftskampfe, zum Streik greifen. Im Gegentheil. Der Streik ist zwar nicht ein ab⸗ solut nothwendiges Mittel, das angewandt wer⸗ den muß, um den Zweck, welchen die Gewerlschaft verfolgt, zu erreichen, denn dieser Zweck kann bei starken Gewerkschaften auch durch Verhand⸗ lung erreicht werden, aber die hohen Ausgaben, welche einzelne Gewerkschaften für Streiks ge— macht haben, beweisen, daß in diesen Organi— sationen der von den Gewerkschaften verfolgte Zweck unter allen Umständen und wenn die anderen Mittel versagen, durch die Arbeits⸗ einstellung erreicht werden soll. Es liegt uns nichts ferner, als diesen Zustand nicht als richtig anzuerkennen. Was wir beabsichtigen, ist, den Nachweis zu führen, daß den Gewerk— schaften neben der Führung des Lohnkampfes noch die Erfüllung von Aufgaben zufällt, wie sie keine andere Institution, welchen Namen sie auch tragen mag, erfüllt und erfüllen kann. Um so verwerflicher ist die Hetze, welche fortgesetzt von dem reaktionären Unter⸗ nehmertum und der in seinem Dienste stehenden Presse betrieben wird. Besonders wird da alljährlich der Versuch gemacht, aus den Ergebnissen der Gewerkschaftsstatistik nach⸗ zuweisen, daß ein großer Teil der Einnahmen von den„Agitatoren verschluckt“ würde. Es ist nun in der diesjährigen Statistik auch eine Zu⸗ sammenstellung über die Zahl der in den Ge⸗ werkschaftsvorständen angestellten Beamten gemacht worden. Aus derselben ergiebt sich, daß die Zahl der Beamten im Verhältnis zu der zu bewältigenen Arbeit sehr gering und die Besoldung nichts weniger als glänzend ist. In 8 Organisationen erhalten die Beamten über haupt keine fest bestimmte Entschädigung, in 9 Organisationen eine solche, die sie zwingt, die Organisationsarbeiten in den Feierstunden oder Nachts zu machen. In 5 weiteren Organisationen sind Beamten, welche wichtige Funktionen zu er⸗ füllen haben, nur minimale Entschädigungen zu⸗ gebilligt, wenn neben ihnen ein vollbesoldeter Beamter vorhanden ist. Alle diese Beamten opfern im Dienste und zur Wohlfahrt ihrer Kollegen und Kolleginnen die wenigen Feier- stunden, die ihnen zur Erholung dienen sollten, oder rauben sich während der Nachtstunden den Schlaf, sich so im Dienste der Organisation auf⸗ reibend und frühzeitig die körperliche Wider⸗ standskraft einbüßend. Von den voll besoldeten Beamten erhalten nur 14 ein Jahresgehalt von Mk. 2000 oder mehr. Viele müssen sich mit einem solchen von Mk. 1200 bis 1500 begnügen. Den staatlichen und kommunalen Beamten, welche ähnliche Ver⸗ waltungsarbeiten wie die Beamten der Gewerk⸗ schaften zu machen haben, werden ganz andere Gehälter geboten. Zweifellos aber ist, daß die Letzteren durch ihre Thätigkeit für die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse viel mehr für den Fortschritt der Kultur leisten, als alle Diejenigen, die sich als Träger der Kultur bezeichnen und, ausgerüstet mit Orden und Ehren⸗ zeichen bei Fest⸗ und Gelegenheitsessen nicht genug ihre und ihrer Klassengenossen Leistungen für die Uebertragung deutscher Kultur— in's Ausland zu loben wissen. Die Gewerkschaften selbst erweisen sich als im Dienste der Kultur wirkende Institutionen und müssen Alle, welche den Fortschritt wünschen, über die günstige Entwickelung, welche die Or⸗ ganisationen aufweisen, erfreut sein. An der Arbeiterklasse wird es liegen, ihre selbstgeschaffenen Institutionen für weitere Kämpfe zu stärken und zu rüsten. Es muß Alles daran gesetzt werden, die noch fernstehenden Arbeitermassen zu den Gewerkschaften heranzuziehen, um dem vaterlands— losen Protzentum eine achtunggebietende Macht entgegenzustellen und dem Schindluderspielen mit der Arbeiterklasse ein Ende zu bereiten. Politische Rundschau. Gießen, 7. September. Waldersee's Reisespesen. Dem„Oberkommandierenden“ in China, Grafen Walder see, ist, wie eine Korrespondenz meldet, während der Dauer seines Aufenthalts in Ost⸗ asien eine Renumeration von 2000 Mark pro Monat und an Repräsentationskosten eine Summe von monatlich 10000 Mark bewilligt 1 — n N 5 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 37. worden. Der etatsmäßige Arbeitslohn des Grafen in seiner Stellung als Armee⸗Inspekteur beträgt pro Jahr 30000 Mark. Mit jenen neuen Bewilligungen würde Graf Waldersee, so lange die Chinareise dauert, 174000 Mark Ein⸗ kommen beziehen. Man kann nicht gut Einwendungen gegen eine so hohe Zahlung machen. Graf Waldersee wird in China sicherlich einige Vergnügungs⸗ partieen machen wollen, um Land und Leute kennen zu lernen. Er wird die Offiziere der„ver⸗ bündeten Mächte“— vorausgesetzt daß deren noch vorhanden sind— zu Gaste laden müssen; das alles kostet Geld. Nur eine kleine Frage haben wir zu erheben: Wer„bewilligt“ denn da eigentlich derartige Summen? Es ist gewiß sehr liebenswürdig, wenn der Herr Kriegs minister deneinzigartigen General⸗ feldmarschall mit reichlicher Reisezehrung aus⸗ rüstet. Aber er sollte nicht vergessen, daß die Ausgaben, über die er verfügt, nicht eine, sondern des Reichstags Bewilligung unter⸗ liegen. Sedantag und Chinakrieg. Nach einigen Stimmen aus dem bürgerlichen Blätterwalde hatte man annehmen dürfen, daß der Rachekrieg wenigstens das eine Gute haben werde, den Sedanrummel zu beseitigen. Rück⸗ sicht auf die Gefühle des französischen Waffen⸗ bruders im Hunnenzuge sollte nach jenen Blättern den Fortfall der Feier bedingen. Eine gewisse Einschränkung des Festes des Chauvinismus ist auch nicht zu verkennen. Indessen gerade dort ist es erhalten worden, wo es ganz und gar nicht hingehört, in der Schule. Dort hat der China- krieg den Sedantag nicht beseitigt, sondern ihm neues Leben eingehaucht— er entwickelt sich weltpolitisch. Wie Berliner Blätter be⸗ richten, wurden in den dortigen höheren Schulen vielfach Festreden gehalten,„die sich mit chine⸗ ischen Verhält nissen beschäftigten.“ Ob die Redner am Beispiel der Boxer den Patriotis⸗ mus erklärten oder ob sie die Walderseeschen Vorschußlorbeeren der staunenden Schülerschar gezeigt haben? Hunnisches. Zahlreiche Briefe deutscher Hunnenkrieger werden jetzt veröffentlicht und sie beweisen, wel⸗ cher Art die„christliche Kultur“ ist, die der Kreuzzug den Chinesen beibringen soll. Un⸗ glaubliche Verrohung spricht aus allen. Das kann ja auch schließlich nicht Wunder nehmen, wenn von oben herunter und von den Pfaffen aller Sorten so wie es bisher geschehen ist, barbarisches Vorgehen gepriesen und zur all⸗ gemeinen Anwendung empfohlen wird. So heißt es in einem Soldatenbriefe, den ein Elberfelder Blatt veröffentlicht: „Ich blieb mit Gottes Hilfe wieder un⸗ verwundet und wir kamen des Nachts wieder halbtodt vor Müdigkeit in unserem Lager an. Die gefangenen Chinesen haben wir alle todtgeschossen, aber auch alle Chinesen, die wir sahen und kriegten, haben wir niedergestochen und ge⸗ schossen, die Russen spießten kleine Kinder, Frauen und alles auf!“ „Aus einem Schreiben eines Soldaten an seinen in Mühlheim a. Rh. lebenden Freund führt die„Rheinische Volksztg.“ folgende Stelle an: .„... Wir Deutsche und Russen waren immer die ersten. Wir haben unser Detache⸗ ment aus Tientsin und die europäischen Ma⸗ trosen, welche dort von den Chinesen einge⸗ schlossen waren, befreit, sämmtliche Forts, worin chinesisches Militär und Räuber, ge⸗ nannt Boxer, waren, eingenommen und alles niedergemacht, ob Soldat, Räuber, Chi nesen, Frauen oder Kinder, das war uns gleich, alles niedergestochen oder geschossen, bis die Stadt Tientsin ganz leer und in Feuer und Flammen gesetzt war, sogar der Palast des Vizekönigs brannte nieder. Nur die europäischen Viertel blieben verschont....“ Und das ist der„heilige Krieg“ unserer Militäroberpfarrer. Gegen die Weltpolitik. Das Generalkomitee der sozial⸗ istischen Partei Frankreichs hat in seiner letzten Sitzung vom 29. August auf Allemanne's Vorschlag folgende Resolution gegen die Weit⸗ politik ein stimmig votiert: „In Erwägung, daß die Kolonialexpeditionen zum einzigen Zweck haben, daß Blut der euro⸗ päischen Proletarier zu opfern dem Bedürfnis, in der Ferne neue Absatzgebiete für den durch die industrielle Ueberproduktion geschaffenen Ueber⸗ fluß zu eröffnen und dadurch innerhalb der Länder Europas die kapitalistische Herrschaft zu befestigen und zu verlängern; daß die sozialistische Partei die Pflicht hat, den Kapitalismus unter dieser wie unter allen anderen Formen zu be⸗ kämpfen; daß die Arbeiterklasse jeder Nation keinen anderen Feind kennen darf als die internationale Bourgeoisklasse, die von ihrer Ausbeutung lebt; daß der Piratenkampf, den die englische Regierung gegen die Unabhängigkeit des Transvaal führt, keine andere Ursache hat als die wachsende Gier der Spekulanten nach den Goldgruben; daß der von den Regierungen beider Welten gegen China provozierte Krieg unter dem Vorwand, die Zivi⸗ lisation zu verteidigen, nichts anderes bewirkt hat als die Erneuerung der schlimmsten Greuel ver⸗ gangener barbarischer Zeiten;— erklärt das Generalkomitee, daß alle Sozialisten verpflichtet sind, gegen die Infamie derartiger Kriege zu protestieren und deren Fortführung so weit als möglich zu verhindern; sendet seinen Bruder ⸗ gruß den Arbeitern aller Nationen, die in Asien und Afrika in Metzelei⸗Werkzeuge verwandelt worden sind; entbietet den Ausdruck seiner Soli⸗ daritätsgefühle den Sozialisten Englands, die gegenüber dem durch die Chamberlaine entfesselten Jingoismus mutig den Protest des englischen Proletariats haben verlauten lassen, und erklärt, daß einzig die soziale Revolution im stande sein wird, durch die Vernichtung der Herrschaft des Kapitals dem Verbrechen der Kolonialkriege ein Ende zu setzen und der Weit einen Zustand dauerhaften Friedens zu geben. Billige patriotische Reklame. Die Begeisterung für unsere Ostasiaten hat Erscheinungen im Gefolge, die wenig erfreulich sind. Schon während der Transporte mußte man sich wundern, wie Leute mit ihren Geschenken an ausziehende Truppen eine Reklame für sich machen; setzte doch jeder, der auch nur 100 Flaschen Mineralwasser gab, das ganze Vaterland von seinem hochherzigen Entschluß in Kenntniß. Jetzt geht die Sache weiter. In Hamburg hat vor einigen Tagen nach der Frkf. Ztg. ein Restaurateur in seinem Lokale ein Militärkonzert veranstaltet, dessen Ertrag von hundert und einigen Mark er dem Rothen Kreuz überwies. Soweit ja sehr schön. Nun aber hielt es der edle Wohlthäter auch für nötig, seinen Gästen ein Telegramm an den Kaiser vorzuschlagen, worin sich die„deutschen Männer und Frauen, die heute Abend zum Wohlthätigkeitskonzert, aus⸗ geführt von dem Trompeterkorps des.. Re⸗ giments im Hotel... versammelt sind, in tiefer Ergebenheit gestatten, die besten Wünsche zum Gelingen der China⸗Expedition übermitteln zu dürfen.“ Das Telegramm wurde expediert und prompt lief folgende Drahtantwort ein:„Herrn .„ Hamburg. Seine Majestät der Kaiser und König lassen den Teilnehmern an dem dortigen Wohlthätigkeitskonzert zum Besten der in China verwundeten deutschen Soldaten für den Aus⸗ druck treuer Ergebenheit danken. Auf aller⸗ höchsten Befehl von Lucanus, Geheimer Kabi⸗ netsrat.“ Nun wird bald jeder Wirt seine Kaiserdepesche haben wollen, die unter Glas und Rahmen auf⸗ gehängt ja eine sehr annehmbare Reklame abgiebt, und wenn das Zivilkabinet es„den deutschen Männern und Frauen“ so leicht macht, so wird es nächstens von der Maas bis an die Memel keinen Schwimm⸗, Sing⸗ und Rauchklub geben, der nicht ein solches Kleinod sein eigen nennt. Der Stiefsohn als Abgeordneter. Wie ein konservativer Ostelbier sein Abgeord⸗ neten⸗Mandat auffaßt, davon legte dieser Tage ein Prozeß in Tilsit Zeugnis ab. Der kon⸗ servative Abg. Kossack hatte eine litthauische Zeitung wegen Beleidigung verklagt, weil dieselbe geschrieben hatte: „Die Eröffnung einer litthauischen Präpa⸗ randenanstalt haben die deutschen Konservativen verzögert; ein Abgeordneter hat für Verlegung der Anstalt nach Heydekrug gestimmt, weil dort sein Stief⸗ vater ein Grundstücck besitzt, das dann einen höheren Werth erhalten würde. Diese Wendung bezog Kossack auf sich und stellte Strafantrag. Der angeklagte Redakteur erklärte sich jedoch bereit, den Wahrheitsbeweis zu erbringen und in der Verhandlung bezeugte der Reichstagsabgeordnete Smalakys, daß Kossack ihm gegenüber, als er ihn wegen seiner Abstimmung im Landtag zur Rede stellte, ge⸗ äußert habe: „Aber ich mußte doch für Heyde⸗ krug sorgen, mein Stiefvaf wohnt dort und dessen Grundstücke würden dadurch theurer!“ Der Zeuge fügte noch hinzu, es sei doch im Uebrigen für einen Abgeordneten die größte Schande, seine eigenen Interessen zu ver⸗ treten, und darüber habe er(Zeuge) sich sehr gewundert. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Rechtsbeistande zog der konservative Land⸗ tagsabgeordnete Kossack die Beleidigungs⸗ klage zurück; es wurden ihm die Kosten auf⸗ erlegt, und der angeklagte Redakteur wurde, weil der Wahrheitsbeweis erbracht war, freigesprochen. Eine feine Sorte Volksvertreter! Zwar wissen die ostelbischen Krautköpfe alle miteinander ihren persönlichen Vortheil als Abgeordnete im Auge zu behalten, so unverfroren trieb es wohl aber noch selten einer. Zur Frage der Landtagswahlbeteiligung in Sachsen. Als vor mehreren Jahren die sächsische Re⸗ aktion der Arbeiterschaft das Wahlrecht räuberte und die Dreiklassenwahl für den sächsischen Land⸗ tag einführte, erörterten unsere Genossen die Frage, ob man sich unsererseits überhaupt noch an der Landtagswahl beteiligen solle. Eine Landes⸗ konferenz beschloß die Beteiligung, trotzdem beharrten in einigen Orten die Genossen auf ihren ablehnenden Standpunkte, die aus⸗ gezeichnet disziplinierte Partei in Sachsen bot also in dieser Frage ein Bild der Zerfahrenheit. Auch in Leipzig wurde bei der letzten Wahl zum Landtage Wahlenthaltung geübt. Jetzt spricht sich die Leipziger Volkszeitung, die stets für Nicht⸗ beteiligung eingetreten ist, am Schluß eines Artikels, in dem sie nochmals ihre Gründe dafür darlegt, folgendermaßen aus: „Was wir schon in unserer ersten Darlegung betont haben, und was auch die Leipziger Partei⸗ versammlung unzweideutig dargethan hat, sei zum Schlusse nochmals gesagt: Die höchste In⸗ stanz für die Frage der Landtagswahlbeteiligung ist der diesjährige Parteitag in Mainz, der sich, wenn nicht alle Anzeichen trügen, mit erheblicher Mehrheit für die Beteiligung aussprechen wird, und dessen Entscheidung für die Leipziger Parteigenossen maßgebend sein wird, ohne Vorbehalt und ohne Klausel.“ Die Leipziger Genossen ha en, wie sich zeigt, aus den Vorgängen der letzten Jahre die Lehre gezogen, daß die nur durch Unterordnung unter die Parteibeschlüsse erreichbare Einheitlichkeit der Aktion unbedingt notwendig ist. Hoffentlich ringt man sich auch in Zwickau zu dieser Anschauung durch, damit wir bei den nächsten Landtagswahlen geschlossen gegen die sächsische Reaktion marschieren können. Im Septemberheft der„Sozialistischen Monats⸗ hefte“ treten Auer und Dr. David entschieden für die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen ein. Vom antisemitischen Bankerott. Dus Organ der badischen Antisemiten, der Deutsche Volksbote zu Heidelberg, hat sein Erscheinen ein estellt. Als Grund dafür werden Differenzen des Perlegers mit der Partei⸗ leitung und Abonnentenmangel ange⸗ geben. Letzteres ist wenigstens ein erfreuliches Zeichen von Gesundung des Volksgeistes. 1 1 9 4 4 1 1 0 * — die soz Den nder Duden g kalen l ehen 90 ee aber cli Der Vorf bien zu I. geit ind soz Schreiber da E die 5 0 zu ber 65 l0 Berteilu Rekon Da! jiiscen lo aus n nun schn di dosher K gchöten dee rar daß sie liel we lichen In theilun dank zu ber bericht klärt belgise Leopo dann ahmun Nunlb . wurde welche zum 2 aber g was wor, länglit man ab, d hinge hatte mörde der 6 nichts adi gelass ter! las f krlen, Au deul es Kör Em der Hir 10 Wei laut den it f . fler ve Lan, ten auf, de, bel sprochn, r wissen er ihrn im Aug ohl ahn ligung sche N räuberte en Land⸗ sen die ipt noch Lundek⸗ trohden ssen al die aul⸗ hen dal renhel zahl zun t sprih ür Nah. Arti dalle, harlegulg K Pan hat, c cteiligac Mai gen, 1. Ligun dung fl end fe 45 1 Iich del 1 Lehle 0 m Ligtel 19 10 Ika. 0 0 n ge n. Mal hib, 5isc . 15, d bel, 10 dafl ft, c lch . 1 1 N 0 e D Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Die sozialistische Presse ist— gesundheits⸗ schädlich. Den Kranken ist es in Krankenhäusern schon wiederholt verboten worden, sozialistische Zeitungen zu lesen. Ein solcher Fall wurde kürzlich aus Dresden gemeldet. Bisher hatten wir nicht ent⸗ rätseln können, welche Gründe zu solchem Vor⸗ gehen gegen die sozialistischen Zeitungen oder Schriften maßgebend sein konnten. Es kommt aber schließlich in die dunkelsten Sachen Licht. Der Vorstand des Verbandes Südlausitzer Kranken⸗ kassen zu Jonsdorf hat einem Kranken, der sich zur Zeit im Genesungsheim zu Jonsdorf aufhält und sozialdemokratische Schriften las, dieses Schreiben zukommen lassen: Da Sie versucht haben, sozialdemokratische Schriften an die Insassen des Genesungshauses zu verteilen, so haben Sie unverzüglich das Genesungshaus zu verlassen. Es kann auf keinen Fall zugegeben werden, daß durch Verteilung derartiger Schriften die Gemüter der Rekonvaleslenten erregt werden. Da hat man also die Erklärung! Die sozial⸗ istischen Schriften erregen die Gemüter, sie müssen also aus den Krankenhäusern heraus. Wir sind ja nun etwas anderer Meinung. Aber wenn schon die Auffassung des Vorstandes des Jons⸗ dorfer Kranken verbandes richtig sein soll, dann gehören bürgerliche Zeitungen erst recht nicht in die Krankenhäuser, denn diese sind so ungenießbar, daß sie selbst Gesunde nicht verdauen können, viel weniger Kranke. Gegenüber der bürger⸗ lichen Presse ist die sozialistische heilsame Medizin. Vom König der Belgier. In der letzten Zeit fanden sich vielfach Mit⸗ theilungen in der Presse, welche von der A b⸗ dankung des belgischen Königs Leopold zu berichten wußten. Demgegenüber wird jetzt berichtet, daß der König selbst vor Kurzem er⸗ klärt habe, er werde niemals abdanken. Das belgische Volk hätte einen derartigen Entschluß Leopolds sicher mit Freude begrüßt, und wenn dann sein Beispiel bei seinen Kollegen Nach⸗ ahmung gefunden hätte, war ihm die aufrichtige Dankbarkeit aller Völker sicher. König und Richter. Vom höchsten Gerichtshof in Stockholm wurde kürzlich ein junger Eisenbahnbeamter, welcher einen Freund ermordet und beraubt hatte, zum Tode verurtheilt. Das Gericht empfahl ihn aber gleichzeitig einstimmig der Gnade des Königs, was bisher in Schweden damit gleichbedeutend war, daß der König die Todesstrafe in lebens⸗ längliche Kerkerstrafe umwandelte. Diesmal hatte man sich indessen verrechnet; der König lehnte es ab, den Verbrecher zu begnadigen, der somit hingerichtet wurde. Noch vor dieser Hinrichtung hatte der höchste Gerichtshof einen andern Raub⸗ mörder zum Tode verurtheilt, ihn aber ebenfalls der Gnade des Königs empfohlen. Als der Ge⸗ richtshof nun erfuhr, daß seine jüngste Be⸗ gnadigungsempsehlung vom König unberücksichtigt gelassen worden war, beschlossen die Rich⸗ ter sofort, ihr letztes Todesurtheil zu kassiren und auf lebenslänglichen Kerker zu erkennen. Diese Entscheidung hat berechtigtes Aussehen erregt, weil der Gerichtshof damit so deutlich wie nur möglich bekundet hat, er könne es durchaus nicht gestatten, daß der König es unterlasse, die richterlichen Empfehlungen zu berücksichtigen. Wenn der König es nicht versteht, daß er sich in dieser Hinsicht dem höchsten Gerichtshof des Landes unterordnen müsse, wird dieser den König schon belehren, und zwar in empfindlichster Weise. Wie aus bestunterrichteter Quelle ver⸗ lautet, hat das Vorgehen des Gerichtshofes auf den König einen tiefen Eindruck gemacht. Oesterreichischer Parteitag. Unsere österreichischen Genossen halten gegen⸗ wärtig ihren Parteitag in Graz ab. Derselbe ist sehr zahlreich besucht und nimmt den besten Verlauf. Die Berichte der Parteileitung konsta⸗ tieren stetes Anwachsen der Bewegung. Als Delegierte der deutschen Partei sind die Abg. Vollmar und Segitz anwesend. Der Krieg mit China. Mit der Einigkeit der Mächte sieht es sehr brüchig aus. Fast alle Mächte tragen sich mit dem Gedanken, möglichst bald von Peking los zu kommen und ihre Truppen zurück zu ziehen. Nur Deutschland hat Lust, in Peking zu bleiben und die Ankunft des Weltfeldmar⸗ schalls Waldersee abzuwarten. Vorigen Sams⸗ tag soll sich der deutsche Kaiser bei einem Fest⸗ mahle Offizieren gegenüber dahin geäußert haben, er werde auf keinen Fall Peking aufgeben, und wenn zu dem Zweck alle Armeekorps mobilisirt werden müßten. Mit Staunen wird das deutsche Volk dieses neueste Wort des Kaisers vernehmen. Vorläufig sieht es nämlich noch nicht klar genug, um zu erkennen, wie so die Vortheile, die die Besetz⸗ ung Pekings bietet, die Mobilisrung aller Ar⸗ meekorps, die sehr viel Geld kosten würde, werth sein sollen. Noch weniger ist einzusehen, wozu man zur Besetzung von Peking alle Armeekorps brauchen soll. Es war seiner Zeit immer noch eher verständlich, wenn der Kaiser meinte, er würde lieber vierzig Millionen Deutsche„auf der Strecke“ liegen sehen, als einen Fußbreit deutschen Bodens hergeben. Daß Millionen auf die Strecke gebracht werden sollten, um ein Stück chinesischen Bodens vorläufig besetzt halten zu können, kann das Volk vorläufig noch nicht glauben. Wie aus Washington gemeldet wird, sehe man es als unvermeidlich an, daß die inter⸗ nationalen Truppen bald aus Peking zurückgezogen werden oder daß zwischen den Mächten ein Bruch eintrete. Doch werde ein Bruch nicht erwartet, da man glaube, daß, wenn die übrigen Mächte ihre Truppen aus Peking zurückziehen sollten, auch Deutschland die seinigen zurückziehen werde.(Siehe dagegen die obige Aeußerung des Kaisers.) Auch von Italien erwarte man, daß es seine Truppen zurückziehen werde, so daß diese Maßregel eine einmüthige sein würde. Von einem Beamten sei ausdrück⸗ lich erklärt worden, er sei in der Lage, zu wissen, daß Rußland seine angekündigte Ab⸗ sicht ausführen und seine Truppen zurückziehen werde, wie auch die Antworten der Mächte aus⸗ fallen würden. Ein chinesisches Edikt vom 20. August ist veröffentlicht worden. Dasselbe theilt mit, daß der kaiserliche Hof nach Taynanfu verlegt wurde und ersucht die Vizekönige, die Ruhe in ihren Provinzen wieder herzustellen. Das Edikt giebt die Ursache für die Verlegung des Hofes nicht an. Man glaubt, daß der Hof so lange in der neuen Residenz verbleiben wird, bis die Friedensverhandlungen beendet sind. Die chi⸗ nesische Presse berichtet, daß Nunglu als zweiter Friedensvermittler Li-Hung⸗Tschang beigegeben werde. Englische Blätter berichteten, einer der deutschen Fürsten habe an den Kaiser einen scharf abgefaßten Brief geschrieben, in dem er sich über die chinesische Politik des Kaisers und namentlich über den Charakter der Rache, den der Kaiser dem sogenannten Kreuz⸗ zuge nach China gegeben habe, ausspreche. Der Kaiser solle auf den Brief keine Antwort ge⸗ geben haben und jede Erwähnung der Ange⸗ legenheit in Deutschland solle verboten sein. Der Krieg in Südafrika. Lord Roberts hat die beiden südafrikanischen Republiken formell annektiert. Doch entmuth gt die„Annexion“ ihres Landes die Buren keines⸗ wegs. Sie kämpfen tapfer fort. Ueber Kämpfe der letzten Tage wird berichtet: General Buller ist 14 Meilen auf der Straße nach Lydenburg vorgerückt und hat den Krokodilfluß überschritten. Die Buren ziehen ihre Streitkräfte in den Krokodilbergen zusammen, wo sich alle Kommandos mit wenigen Ausnahmen befinden. Orerst Plumer wurde am 1. September aus— gesandt, um das östlich vom Piannaars-Rivers lagernde Kommando von Pretorius zu verjagen. Nach längerem Gefecht gelang ihm dies. Er nahm 26 Buren gefangen und erbeutete 90 Martini— gewehre, 1000 Stück Vieh und 31 Wagen. Aus Badfontein v. 3. 9. wird gemeldet: Buller hat die Buren auf den Höhen, die Lyden⸗ burg beherrschen, gestern angegriffen. Botha mit 2000 Buren befand sich bei dem Feinde, der den ganzen Tag einen Paß hielt. Bei Annäherung der englischen Kavallerie eröffnete der Feind das Feuer aus drei Geschützen schweren Kalibers und aus einem Schnellfeuergeschütz. Die Engländer besetzten mit reitender Artillerie eine Stellung auf dem rechten Flügel, von der ein Rückzug vor Eintritt der Dunkelheit unmöglich war. Die Ge⸗ schütze der Buren feuerten den ganzen Tag. In Anbetracht dessen, daß die Engländer in einem Thalkessel sich befanden, hatten sie außerordent⸗ lich geringe Verluste. Die britische Infanterie auf dem linken Flügel griff die Buren, die hinter Wasserläufen verborgen lagen, gleichfalls an.— Nach diesem Bericht scheint der Kampf bei Bad⸗ fontein für die Engländer recht ungünstig ver⸗ laufen zu sein, und die verhältnißmäßig geringen Verluste, von denen diese Meldung spricht, dürften eine absolut hohe Ziffer in sich schließen. La dybrand ist von den Kommandos unter Fourie, Grobbelaar, Leusner und Massebrock und 200 Kundschaftern aus Theron eingeschlossen worden. Die Garnison verbrannte die Vorräthe, um der Wegnahme vorzubeugen. Wenn die Stadt genommen wird, wird die Lage der Gar⸗ nison kritisch. General Hunter eilt schleunigst zum Entsatze herbei. Privatnachrichten aus Südafrika berichten, daß der Krieg seit den letzten Gewaltmaßregeln einen äußerst grimmigen Charakter angenommen hat. Besonders die Zerstörung der Eisenbahn hat die Buren äußerst gereizt und alles deutet darauf hin, daß der Kampf bis aufs Blut ge⸗ führt werden wird. ——— 2——(— Aus dem Bericht des Partei⸗Vorstandes an den XI. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.(Fortsetzung.) Das Kapitel über die Agitation müssen wir übergehen. Von dem über die Wahlen können wir auch nur einiges anführen. In dem Berichtsjahr haben in 12 Wahl⸗ kreisen Neuwahlen stattgefunden, bei denen sich die Partei betheiligte. Es sind dies die Kreise Eßlingen Württemberg, Schlettstadt-Elsaß, Germersheim-Pfalz, Deggendorf- Bayern, Calbe-Aschersleben Provinz Sachsen, Bay⸗ reuth⸗Bayern, Aurich- Hannover, Offenburg⸗ Baden, Nürnberg-Bayern, Mühlhausen⸗Elsaß, Waldenburg-Schlesien und Nordheim-Han⸗ nover. Von den aufgeführten Kreisen wurde der 5. württembergische Kreis Eßlingen-Kirchheim von der Partei in der Stichwahl erobert. Das Man⸗ dat gehört zum Besitzstand der Volkspartei, die bei der Hauptwahl am 27. Oktober v. J. erst an dritter Stelle rangirte. Die Partei behaup⸗ tete die beiden Mandate von Nürnberg und Waldenburg. Das erstere war durch den am 4. April erfolgten Tod des Genossen Oertel er⸗ ledigt, das letztere war durch die Mandats⸗ niederlegung des Genossen Sachse frei gewor- den. Die freiwillige Niederlegung erfolgte des⸗ halb, weil die Kassirung der Wahl wegen Ver⸗ letzung des Wahlgesetzes durch den konservativen Wahlvorstand erfolgt wäre. Genosse Südekum wurde in Nürnberg mit fast derselben Stimmen⸗ zahl, die Genosse Oertel bei den Wahlen 1889 auf sich vereinigte, gewählt. Dieser Umstand verdient um deßwillen als ein Zeichen guter Parteidisziplin hervorgehoben zu werden, als die Gegner gehofft hatten, die durch den Tod des Genossen Oertel nothwendig gewordenen Aus⸗ einandersetzungen würden die so sehnlich ge⸗ hoffte Spaltung und gegenseitige Bekämpfung der Genossen herbeiführen. Der Ausfall der Wahl im Kreise Walden⸗ burg ist ein erfreuliches Zeichen der Erstarkung der Partei in Schlesien. Am 26. Juni wurde der Kreis zum ersten Mal im ersten Wahlgang erobert mit einem Mehr von 36 Stimmen über die Stimmzahl, die Genosse Sachse 1898 bei der Stichwahl erhielt. Das will viel sagen, wenn man in Betracht zieht, daß seit dem letzten Aus⸗ stand, veranlaßt durch die immer schroffer zum Ausdruck gelangenden Herrengelüste der Gru— i. Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 37. benverwaltungen, an 3000 Bergleute den Staub der Heimath von den Pantoffeln geschüttelt und sich anderweit ein gastlicheres Heim gesucht ha⸗ ben. Der Sieg des Genossen Sachse im ersten Wahlgang gewinnt umsomehr an Bedeutung, als das Zentrum keinen Kandidaten aufstellte, sondern seine Wähler aufforderte, für den Gru⸗ bendirektor Ritter zu stimmen. Aber weder das soziale Uebergewicht des Herrn Generaldirektors noch die Beeinflussung durch die„Schwarze Garde“ vermochte die braven Bergarbeiter in ihrer Klassenerkenntniß wankend zu machen. Minder glücklich war die Partei in der Ver⸗ theidigung der Mandate von Calbe⸗Aschersleben und Mühlhausen. Ist uns auch der Verlust der beiden Mandate nicht gleichgiltig, so liegt doch kein Grund vor, dieserhalb den Kopf hängen zu lassen. Der Wahlkreis Calbe⸗Aschersleben gehörte und gehört keiner der beiden Parteien unbestritten. Der Ausgang der Wahlschlacht in Mühl⸗ hausen ist von verschiedenen Seiten aus partei⸗ genössischen Kreisen als eine schwere Niederlage der Partei bezeichnet worden. Der Nichteinge⸗ weihte konnte es nicht fassen, daß der Kreis der 10 Jahre im Besitz der Partei sich befunden hatte, einen Stimmenrückgang von 6000 Stim⸗ men aufwies. Die Eingeweihten wußten, daß kommen würde, wie es gekommen ist. Das hat die verantwortlichen Stellen— die Vertreter der organisirten Genossen des Wahlkreises Mühlhausen, den Landesvorstand von Elsaß⸗ lothringen und die Parteileitung—, Partei⸗ Vorstand und die Kontroleure, aber nicht ab⸗ gehalten, einem der Partei unwürdigen Zustand ein Ende zu bereiten. Es stand fest, daß der Mühlhauser Wahlkreis unter der Führung Bueb's, dessen Thätigkeit nur in einer ab und zu gepflegten Harranguirung der indolenten Masse zur Förderung des ödesten Protestler⸗ thums bestand, nie eine Hochburg der Sozial⸗ demokratie werden würde, für die er fälsch⸗ licherweise vielfach gehalten wurde. Mit stets steigendem Interesse und Erfolg wenden sich die Genossen der Betheiligung an den Landtagswahlen den Kleinstaaten zu. Bei einer Reihe von Nach- und Ergänzungswahlen erzielten die Genossen schöne Erfolge. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Landes⸗Konferenz der Sozialdemokraten Hessens. Durch eine mächtige rothe Fahne mit der Aufschrift:„Hoch die Sozialdemokratie“ war schon auf weithin das Lokal des„Darmstädter Hof“ in Isenburg kenntlich gemacht, in welchem am vergangenen Sonntag die hessische Landeskonferenz tagte. Auch sonst war der etwas düstere Saal hübsch und sinnreich mit Guir⸗ landen, Sprüchen, Gewerkschafts-Emblemen de— korirt. Auf dem Podium war ein großes, mit Trauerflor umgebenes Bild unseres„Alten“ aufgestellt, rechts und links die Büsten von Marx und Lassalle.— Nach Begrüßung der Delegirten durch Gen. Werstein-Isenburg trug der Ar- beiter-Gesangverein„Vorwärts“ ein Lied vor. — Anwesend sind 90 Delegirte aus 70 Orten, außerdem das Landeskomitee sowie die Landtagsfraktion mit Ausnahme des Abg. Rauh. In das Bureau werden gewählt Ul- rich, Raible-Isenburg und Liebmann⸗ Mainz. Vor Eintritt in die Tagesordnung ge— dachte Ulrich mit warmen Worten unseres Vorkämpfers Liebknecht. Was Liebknecht für uns gewesen, habe er nicht nöthig, näher aus⸗ einanderzusetzen, da dies allgemein bekannt sei. Stets sei der Verstorbene unter Hintenansetzung seines eigenen Ichs allezeit ein Kämpfer und Offizier in der großen Arbeiterarmee gewesen, der immer kampfesmuthig und kampfesfreudig seine Schuldigkeit gethan habe. Für uns gäbe es keine feierlichere Ehre, so wie er zu kämpfen und in derselben Richtung wie er zu wirken. Die Versammlung ehr endenken des Ent⸗ schlafenen durch Erh n den Plätzen. Zur Geschäftsordnung wird hierauf be⸗ schlossen, daß fernerhin auf den Landeskonfe⸗ renzen die Landtagsabgeordneten Sitz und Stimme in allen sie nicht direkt angehenden An⸗ gelegenheiten haben sollen. Ferner wird auf Antrag Cramer beschlossen, den Antrag des Wahlkreises Gießen betr. Aufstellung eines Kommunal-Wahlprogramms von der Tagesord⸗ nung abzusetzen. Genosse Ulrich erstattet hierauf den Bericht des Landes komi⸗ tees. Die Konferenz, führt er aus, sei die zweite, die nach der Einführung der Einheits⸗ marke zusammentrete. Habe er voriges Jahr sagen können, daß wir anfingen, zu marschiren, so müsse er heute feststellen, daß wir bereits ein gutes Stück marschirt seien. Aber man dürfe damit noch nicht zufrieden sein, weiterer Ausbau der Organisation sei nothwendig. Das Landes- komitee bemüht sich, allen Anforderungen gerecht zu werden. Beschwerden sind nicht eingelaufen. Zur Einleitung der Wahlagitation sei ein vom Landeskomitee geliefertes programmatisches Flugblatt in 60 000 Exemplaren in den Land⸗ tagswahlbezirken zur Vertheilung gelangt, die für uns in Betracht kamen. Dieses Flugblatt habe seine Wirkung nicht verfehlt, was am besten dadurch bewiesen wurde, daß die Gegner in un⸗ verkennbarem Aerger darüber herfielen, Grund für uns, zufrieden zu sein. Doch trug die Wahl⸗ agitation nicht die erhofften Früchte, statt zwei, haben wir nur ein Mandat neu errungen. Das Mandat für Gießen-Land sei nur dadurch uns nicht zugefallen, weil die Genossen in Heuchel⸗ heim, dieser festen Burg der Sozialdemokratie, diesmal versagt hätten. Es sei ein Fingerzeig für kommende Wahlen, sich nicht zu sehr von dem Gedanken leiten zu lassen, daß wir unter Umständen gewännen, das sei ein Fehler, der sich in Heuchelheim bitter rächte. Sei auch die Nichtgewinnung des Kreises zu bedauern, so sei doch anderseits freudig zu konstatiren, daß die Zahl der für uns abgegebenen Stimmen be⸗ deutend zugenommen habe. Um eine ständige Agitation zu betreiben, empfehle das Landes⸗ komitee die Herausgabe eines Landeskalen⸗ ders.— Der Kassirer Orb giebt im Anschluß hieran den Kassenbericht. Für die Zeit vom 21. September 1899 bis 26. August 1900 betrugen die Einnahmen Mk. 3249.40, die Aus⸗ gaben Mk. 1619.99. Somit verbleibt ein Kassen⸗ bestand von Mk. 1629.41. Der Wahlkreis Gießen lieferte Mk. 120.— an die Landeskasse, bezog von dieser jedoch Mk. 150.05. Aus dem Verkauf der Marken ergiebt sich, daß wir in Hessen mindestens 4500 organisirte Parteimitglieder haben, 500 mehr als voriges Jahr. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit der Kassenführung. Fast alle Redner sprechen sich in der Debatte für Ausgabe des Kalenders aus, nur Einzelne meinen, daß es damit eigentlich für dieses Jahr schon zu spät sei. Letztere Ansicht wird von Busold-⸗Friedberg vertreten, der sich außer— dem über ungenügende Unterstützung seines Kreises beklagt.— Der Antrag, noch in diesem Jahre den Kalender in 150000 Exemplaren gratis zu verbreiten, findet einstimmige An- nahme. Berthold-Darmstadt referirt hierauf über den Ausfall der Landtags⸗ wahlen. Bei den Landtagswahlen vor sechs Jahren vermochte unsere Partei nur 48 Wahl⸗ männer durchzubringen, die letzte Wahl brachte uns deren 127. Auf die Vorkommnisse in den einzelnen Wahlbezirken eingehend, bedauerte Redner, daß die 15 im 8. rheinhessischen Bezirk (Mainz⸗Land) gewählten Wahlmänner zur Wahl der Abgeordneten nicht erschienen seien. So etwas mache keinen günstigen Eindruck und wirke nach Außen hin nachtheilig. Nach kurzer Debatte werden folgende Anträge angenommen: Die Konferenz beschließt, unter Berücksich⸗ tigung der Lehren der verflossenen Landtags- wahlen ist es Pflicht aller Genossen, energisch in den Wahlkampf einzutreten und dafür zu sorgen, daß die von uns gewählten Wahlmänner auch dann zur Abgeordnetenwahl gehen, wenn wir in der Minderheit geblieben sind. Das Landeskomitee wird beauftragt, einheit- liche Formulare zum Erwerb der hessischen Staatsangehörigkeit drucken zu lassen und da⸗ rauf hinzuwirken, daß die Naturalisation aller Orten als ständige Agitationsarbeit betrieben wird. Genosse Dr. David spricht hierauf über den Parteitag in Mainz und den inter⸗ nationalen Kongreß. Leider müssen wir Raummangels halber von einer ausführlicheren Wiedergabe der ausgezeichneten Rede Davids Abstand nehmen. Er besprach die auf dem Mainzer Parteitage und dem Pariser Kongresse zur Verhandlung kommenden Gegenstände und empfiehlt Betheiligung am internationalen Kon⸗ greß. Letzterem stimmt die Kon enz zu und wählt als Delegirte David und Ulrich. Eine vom Gen. David beantragte Resolution, welche den Parteitag ersucht, allen Parteigenossen die Betheiligung an den Landtags wah⸗ len zur Pflicht zu machen, findet ebenfalls ein⸗ stimmige Annahme.— Der Antrag der Mainzer Genossen, betreffend Einführung eines einheit⸗ lichen Mitgliedbuches, findet, nachdem sich meh⸗ rere Redner wegen der hohen Kosten dagegen ausgesprochen, in dem Beschlusse seine Er⸗ ledigung, daß das Landeskomitee beauftragt wird, der nächsten Landeskonferenz eine Vor⸗ lage, in der dem Wunsche nach Revision des Organisationsstatuts und der Einführung eines einheitlichen Mitgliedsbuches Rechnung getragen werde, zu unterbreiten. Ferner wird der Antrag:„Das Landeskomi⸗ tee wird beauftragt, eine Konferenz der sozial⸗ demokratischen Gemeinderäthe für Hessen zu arrangiren“ angenommen.(Damit ist auch dem Gießener Antrag betr. Aufstellung eines Kommunal⸗Wahlprogramms Rechnung ge⸗ tragen.) Ein weiterer Beschluß geht dahin, bei der nächsten Aenderung des Organisations⸗ statuts festzusetzen, daß dem Landeskomitee ein Pfennig mehr als bisher für die einzelne Marke zu bezahlen und diesen Betrag an den Partei⸗ vorstand abzuführen.— Die Wahl des Landes⸗ komitees ergiebt die Wiederwahl seiner bis⸗ herigen Mitglieder.— Genosse Ulrich schloß hierauf die Konferenz mit einem begeistert auf⸗ genommenen Hoch auf die internationale Sozial⸗ demokratie. Im Gießener Sozialdem. Wahlverein besprach man in der letzten Versammlung das Organisationsstatut und die sonstigen, dem Mainzer Parteitag vorliegenden Fragen. Der vom Parteivorstand vorgeschlagenen Aenderung des Statuts wurde im Allgemeinen zugestimmt. In nächster Versammlung am 15. September steht zunächst die Berichterstattung über die Landeskonferenz(Ref. Vetters) auf der Tages⸗ ordnung, außerdem sollen die zum Parteitag ge⸗ stellten Anträge besprochen werden. Gießener Gewerkschaftskartell. „g. Ohne Entschuldigung fehlten in der Sitzung vom 4. September die Deligirten der Holzarbeiter, Tapezierer, Dachdecker, Weißbinder, Steinhauer, Kutscher und Küfer; außerdem von den Glasern, Metallarbeitern und Fabrikarbeitern je ein Deligirter. Die Delegirten werden ersucht, pünktlicher ihrer Pflicht nachzukommen. Es liegt eine Zuschrift der Regierung an die Tabakarbeiter betr. Haus arbeit vor. Da jedoch die von den Tabakarbeitern eingesandte Beantwortung nicht im Wortlaut vorliegt, mußte von einer eingehenden Besprechung abgesehen werden. Den streikenden 500 Sattler n in Be rlin werden 20 und den ausständigen Münchener Schreinern 50 Mark Unterstützung zugewiesen. Den Metallarbeitern wird auf Antrag des Delegirten Krausch vorläufig der Beitrag zum Streikfonds erlassen, da sie. 3. von der eigenen Gewerlschaft sehr in Anspruch genommen sind. Die diesjährige Generalversammlung sämmt⸗ licher Gewerkschaften findet am Sonntag den 21. Oktober ds: J. statt. Bock ersucht die Delegirten, in ihren Gewerkschaften eine Aus⸗ sprache über die Konsum⸗Vereine herbeizuführen und zur Gründung einer solchen Stellung zu nehmen. Antisemitisches. Vorigen Sonntag hielt der„Hessische Bauern- bund“ seine Generalversammlung und zugleich Stiftungsfest in Gießen ab. Der Besuch war mangelhaft, obwohl die Herren Hirschel und Köhler den von ihnen vor Jahren hinausge⸗ drängelten Abg. Böckel als„Zugstück“ sich ver⸗ schrieben hatten. Böckel erzählte der Versamm⸗ lung über den Burenkrieg, der jedenfalls mit der Lage der hessischen Bauern in allernächster Beziehung steht! Bemerkens⸗ werth ist noch, daß einer Annäherung an den Bund der Landwirthe das Wort geredet wurde. Vor wenigen Wochen bezeichnete Herr Hirschel diesen noch als„Windbeute bund“ und nahm Veranlassung, vor demselben zu war⸗ nen. Ob wohl die hessischen Kleinbauern diese u. Sen slischen. i s perden? um nichts ministet der ant Hert Mit Bel ges hi V Af g Part Dann Da! ar Bech Und Un Ihr Donn Ju de Dies des Hur densenig gichnen Veilborge sie erker Mi war lich. wurde sch, keinen So be der 2 Mai; samml innu 0 Rüste fügst Schau. Lon z Prom sohee schellte banda die Rt dann erst Ritt soll a Ersatz zeige hohen Au 0 37. esse de und N Kox zu und 4 h. im welche sen die wah⸗ 10 ein⸗ aint einheit 0 meh⸗ gegen ine Er⸗ uftragt e Vor- on des g eines tragen eskomi⸗ sozial⸗ Hessen ist auch g eines 9. ge⸗ dahin, sations⸗ itee ein e Marke Partei⸗ Landes⸗ ner bis⸗ h schloß ert auf⸗ Sozial⸗ rein ing das n, dem n. Der nderung estimmt. ptember ber die Tages⸗ itag ge⸗ in der ten der ißbinder, dem bon arbeiten versucht, tung an eit vol. t, nue gesehen Berlin ch enet cwiesen. Antrag Beitrag von del ommen 10 die ine Aus r Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Schwenkung mitmachen und sich den adligen ost— elbischen Großgrundbesitzern und Junkern, den Kanitz, Klinkowström und Konsorten ausliefern werden? Zum Schluß schwor man— weil man weiter nichts zu thun hatte— dem neuen Finanz- minister Gnauth Fehde, falls er nicht nach der antisemitischen Pfeife tanze. Wonach sich Herr Gnauth zu richten hat. Christliche Kultur. Mit Behagen druckte neulich der amtliche „Wetzlarer Anzeiger“ folgende„feine“ Dichtung eines Hunnenkriegers ab: „Was watschelt dort im Sand herum? Ick gloob', det sind Chinesen! Wart't, Jungekens, sind wir erst ran, Dann seit Ihr mal gewesen. Dann hau'n wir Euch die Jacke voll, Ihr miserablen Tröpfe, Beschneiden Euch die Krallen fein Und zwicken ab die Zöpfe. Und habt Ihr keine Zöpfe mehr, Ihr gottvergess'nen Lümmel, Dann seid Ihr futsch und kommt nicht mehr In den Chinesenhimmel!“ Dieser Erguß ist für den Bildungsgrad des Hunnendichters nicht nur, sondern auch für denjenigen des„gebildeten“ Bürgerthums be⸗ zeichnend, welches in dem„Wetzl. Anz.“ sein Leiborgan erblickt. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Vom Innungsrnmmel. Mit der„Hebung“ des Handwerks durch Zwangsin nungen hapert es ganz bedenk— lich. An vielen Orten, wo solche gegründet wurden, kamen die Handwerker zu der Ein⸗ sicht, daß ihnen eine derartige Organisation keinen Nutzen bringt und lösten sie wieder auf. So beschlossen auch am Mittwoch die Mitglieder der Tapezierer-Zwangsinnung in Mainz in einer zahlreich besuchten Ver⸗ sammlung mit großer Mehrheit die Zwangs- innung aufzulösen. Ein ostelbisches Strandidyll. Das ostpreußische Seebad Cranz, an der Küste des frommen Samlandes gelegen, war jüngst an einem schönen Sonntag Abend der Schauplatz eines merkwürdigen Ereignisses. Von zwei Burschen wurden in später Nacht die Promenadenbänke herausgerissen und über die hohe Strandmauer hinabgeworfen, daß sie zer— schellten. Einige handfeste Arbeiter machten dem vandalistischen Treiben ein Ende und nahmen die Rüpel fest. Im Scheine des Mondes wurde dann festgestellt, daß die Verüber der nächtlichen Zerstörungtshaten ein Landrath und ein Rittmeister waren.— Der Amtsvorsteher soll auf Bitten der beiden Herren sich mit dem Ersatz des Schadens begnügt und von einer An- zeige abgesehen haben. Natürlich! Bei so hohen Herren! Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. Sonntag, 16. September: Flugblatt- Verbreitung im Wahlkreise. Laut Beschluß der letzten Partei-Versamm⸗ 1 lung soll am 16. September in einem Theile unseres Wahlkreises eine Flugblett⸗Ver⸗ breitung vorgenommen werden. Pflicht der Parteigenossen ist es, sich an dieser Verbreitung möglichst zahlreich zu betheiligen. Ausgabe des Materials am Sonnabend 15. Septbr., abends 9 Uhr iu der Wirthschaft des Herrn Daniel Jesberg. Der Vertrauensmann. Zusammen kunft der Parteigenossen am Sonntag 9. September auf Spiegelslust. Treff- punkt nachmittags 3¼ Uhr bei Jesberg. Der Vertrauensmann. abgehaltenen 1 G. Parteiversammlung. In der am Sonnabend, den 1. September, Partei⸗Versammlung stand als erster Punkt die Abrechnung der Kolportage-Kommission auf der Tagesordnung. Dieselbe hatte eine Einnahme von 246,25 Mk. und eine Ausgabe von 217,29 Mark. Ueber den 2. Punkt„Kommunalpolitik“ hielt Genosse Abel einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag, in welchem er darauf hin⸗ wies, wie nothwendig es sei, daß endlich auch einmal hier in Marburg ein Anfang gemacht werde, sich eingehender mit den kommunalen An⸗ gelegenheiten zu befassen. Diese müßten einen ständigen Punkt der Tagesordnung unserer Ver⸗ sammlungen bilden. In der lebhaften Diskussion erklärte sich der Referent bereit, die städtischen Angelegenheiten genauer zu verfolgen und gele⸗ gentlich darüber zu berichten. Außerdem wurde noch eine Kommission zu diesem Zwecke gewählt. Zum dritten Punkte„Parteitag“ wurde be⸗ schlossen, denselben nicht zu beschicken und dafür an demselben Sonntag eine Flugblattverbreitung im Wahlkreise vorzunehmen. Nachdem noch als 4. Punkt die Lokalfrage erörtert wurde und unter „Verschiedenes“ einige Mittheilungen gemacht wor⸗ den waren, schloß die sehr gut besuchte Ver⸗ sammlung. St. Arbeiter⸗Gesangverein. Am Donnerstag den 30. August Abends fand im Lokale des Gen. Jesberg dahier die Gründung eines Arbeiter⸗Gesangvereins statt, welcher den Namen„Eintracht“ erhielt. Demselben traten bereits 40 Mitglieder bei, darunter 30 Sänger. Vom hiesigen Buchdrucker⸗Bezirksverein wurden dem jungen Vereine eine Anzahl Liederbücher der früheren Buchdrucker⸗Sängerabtheilung„Vor⸗ wärts“ bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Die Leitung des Gesang⸗Vereins wurde Herrn Pauli, einem Sohne des hiesigen Kapellmeisters Pauli, übertragen. Wir hoffen, daß es demselben ge⸗ lingen wird, einen tüchtigen Sängerchor heran⸗ zubilden; der Mangel eines solchen hat sich hier, speziell bei festlichen Gelegenheiten oft recht fühl⸗ bar gemacht.— Die Gesangsproben finden an jedem Donnerstag Abend im Vereinslokal(Jes⸗ berg) statt und ersuchen wir die Genossen um recht zahlreiche Betheiligung. Alle diejenigen aber, welche Lust und Liebe an einem frischen, fröhlichen Männergesang haben, ersuchen wir, dem Verein beizutreten, wenn nicht aktiv, so doch wenigstens als passive Mitglieder. Das Auf⸗ nahmegeld wurde auf 50 Pfennig, der Monats⸗ beitrag auf 30 Pfg. festgesetzt.— Wir wünschen dem Verein bestes Gedeihen und— Eintracht! Kleine Mitteilungen. * Launsbach. Von mehreren Arbeitern aus Lollar, welche sich am Montag auf der Nach⸗ kirchweih in Launsbach vergnügten und den um 8 Uhr von dort abgehenden Zug der Berlin⸗ Metzer Bahn zur Heimfahrt benutzen wollten, versuchte einer vor dem Zuge noch das Geleis zu überspringen. Er wurde zu Boden geworfen und ihm ein Arm abgefahren. * Langgöns. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Burgermeisterwahl erhielt Anton Rompf 158 und Conr. Wenzel 142 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Die Wahlbetheiligung war eine sehr lebhafte. * Brandkatastrophe. Am Dienstag Nacht brach im„Deutschen Hof“ in Aschaf fenburg Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Leider sind auch drei Menschenleben zu beklagen, 2 Dienstfrauen und ein Arbeiter fanden in den Flammen ihren Tod. Arbeiterbewegung. + Die streikenden Lederarbeiter in Mainz haben an die Bevölkerung ein Flug⸗ blatt ergehen lassen, in dem sie mittheilen, daß durch den Ausstand in den Mainzer Leder⸗ werken inklusive der Kinder und Frauen 1400 Personen brodlos seien. Die traurigen, gesundheitsschädlichen Zustände in den Werk⸗ stätten der Lederwerke und das rücksichtslose Vorgehen der Leitung der Werke habe beiter in den Streik getrieben. Die i Ir ren der Direktion auf das 9817 f g 1 1 115 indem 117 5 0 ihre eine Preisliste der rühmlichst bekannten Samenhandlung 0 5 ö Eingabe auf Abhilfe der Mißstände keine Ant⸗ Ar⸗ wort ertheilt worden sei. Am Schlusse des Flugblattes erklärte die Lohnkommission Fol⸗ gendes: Wir haben zu Anfang des Streikes durchaus nicht auf der absoluten Annahme unserer Forderungen in vollem Umfang beharrt, sondern waren zu einem Vergleich über unsere Forderungen bei einigem Entgegenkommen der Lederwerke jeder⸗ zeit bereit. Wir stellen keine unerfüllbaren For⸗ derungen, aber wir verlangen als Menschen zu leben und behandelt zu werden. T Die Ziegler der Firma Holzmann in Hainstadt a. M. erlangten eine Lohnerhöhung von 10 Pzt. Für jeden Arbeiter bedeutet diese Lohnerhöhung eine durchschnittliche Mehreinnahme von 2 Mark pro Woche. Die Aussperrung der Hamburger Werftarbeiter dauert noch fort. Das Unter⸗ nehmerthum sucht durch falsche Darstellung des Sachverhaltes die öffentliche Meinung irre zu führen und so den Ausgesperrten die Sympathien des Publikums zu entziehen. 2000 der Ausge⸗ sperrten sind abgereist, so daß noch 4000 zu unterstützen sind. Unterstützung wird allein von Metallarbeiter-Verband aufgebracht. Rechts spreehung. Das Streikpostenstehen kein grober Unfug. Eine erfreuliche Ausnahme von der allgemach üblich gewordenen Bekämpfung der Arbeiter bewegung durch den Paragraphen vom Gro⸗ ben Unfug machen die Gerichte in Wiesba⸗ den. Dort waren, wie die Bürgerzeitung für Düsseldorf mittheilt, im April 40 Maurer we⸗ gen Streikpostenstehens mit polizeilichen Straf- mandaten belegt, vom Schöffengericht aber freigesprochen worden. In der Ur⸗ theilsbegründung hieß es, daß es keinem Men⸗ schen verboten werden könne, so lange er sich anständig betrage(und daß sich die Streik⸗ postensteher anständig benommen hatten, wurde von den Schutzleuten bestätigt), überall auf der Straße zu gehen und zu stehen, wo er wolle; Die Polizei sei nicht befugt gewesen, den Strei⸗ kenden das Postenstehen zu verbieten. Was aber den groben Unfug angehe, so müsse vor Allem das Publikum in seiner Allgemeinheit durch die unter Anklage stehenden Vorfälle belästigt worden sein, was aber hier nicht der Fall sei. Gegen dieses Urtheil legte die Staatsanwalt⸗ schaft Berufung ein, ebenso aber auch der Ver⸗ theidiger mit dem Antrage, auch die Kosten der Vertheidigung den Angeklagten zu ersetzen. Das Landgericht Wiesbaden verwarf die Beru— fung der Staatsanwaltschaft und legte der Staatskasse die Kosten beider Instanzen wie auch der Vertheidigung auf.— Das Urtheil ist sehr zu begrüßen, aber— eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 8. September: Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löb, „Wiener Hof“. Gießen. Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig. Montag, 10. September: Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Gießen. Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. Folgende Wahlvereins⸗Versammlungen finden stat:: In Lauterbach: Samstag, den 8. Septembr. abends 9 Uhr bei Gastwirth Kaut; in Schlitz: Sonntag, den 9. Septembr., nachmittags 3 Uhr bei Gastwirth Heinrich Schmid; in Alsfeld: Sonntag, den 16. Septembr., nachmittags 3¼ Uhr auf der Pfefferhöhe. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Einzahlung der Beiträge; 2. Berichterstattung von der Landeskonferenz; 3. Verschiedenes. Wegen der bevorstehenden General-Versamm⸗ lung werden die Mitglieder sedlch. ersucht, die noch restierenden Beiträge zu entrichten und in den Ver⸗ sammlungen recht zahlreich zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Quittung. Für die Familie des erkrankten Ge⸗ nossen M. in B. gingen bei uns weiter ein: Holzarb.⸗ Verb. 5.—. Brauer⸗Verb. 10.— Sammell. der Buch⸗ drucker 9.05. Bereits quittirt: 18.80. Summa 42.85. Red. d. M. S.⸗Ztg. Unserer heutigen Gesammt⸗Auflage liegt Friedrich Huck, Erfurt, bei, worauf wir hiermit auf⸗ merksam machen. j 1 0 N ö ö Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 37. Anterhaltungsteil. Dunkle Mächte. 31 Roman von Elise Langer. 155 Es war ein köstlicher Herbsttag.„Unter den Linden“ wogte es von Spaziergängern, als Brandt, an jeder Hand ein Kind, vom Schloß⸗ platze her in den Menschenstrom einlenkte. Er fühlte sich glücklich, wieder die Straße zu wan⸗ deln, die für ihn so reich an Erinnerungen der verschiedensten Art war, und dieses Glücksgefühl wurde noch durch den Gedanken verstärkt, daß er, endlich der kleinlichen Sorgen ledig, einen bedeutenden Wirkungskreis erobert hatte. Er— obert? Nein, er hatte nichts dazu gethan, man hatte ihn gesucht, war auf ihn aufmerksam ge⸗ worden; man bedurfte seiner im Vaterlande. Stolz erhobenen Hauptes schritt er dahin, die Kleinen auf dies und jenes aufmerksam machend. Er war bis in die Nähe der Friedrichstraße gekommen, als plötzlich drei Herren vor ihm stehen blieben, die augenscheinlich von einem ge⸗ meinsamen Diner in einem der eleganten Restau⸗ rants herkamen. Ihre weinseligen Mienen sprachen dafür „Was, sehe ich recht? Brandt, alter Junge, bist Du es wirklich?“ redete ihn der mittelste an, ein gutgenährter, stutzerhaft gekleideter Herr mit wasserblauen Augen in einem von Bart⸗ koteletten umrahmten schwammigen Gesicht. Ein Lebemann vom Scheitel bis zur Sohle. Brandt erkannte und begrüßte einen alten Freund in ihm, mit dem er einst für Freiheit und Gleichheit geschwärmt hatte. Seinen langsam voranschrei— tenden Gefährten lebhaft Abschied zuwinkend, hing sich Herr Benno Lorch an des Wiedergefun— denen Arm, wobei er die kleine Emmy fast niedergetreten hätte. Jetzt erst gewahrte er die Kinder, und sich vorbeugend betrachtete er sie mit komischem Erstaunen. „Deine Göhren? Ist's möglich? Ha, ha, ha! Und gleich eine ganze Garnitur. Also auch ins Garn gegangen? Schau, schau, wer hätte das vom tollsten unserer Tollköpfe gedacht.“ Da es nicht möglich war, in dem Gedränge auf diese Weise weiter zu kommen und Brandt das laute Gespräch genirte, so schlug dieser vor, in die Konditorei von Kranzler hineinzugehen, wo sie sich ihre Erlebnisse mittheilen könnten, während die Kinder eine kleine Erfrischung zu sich nähmen. Herr Lorch war es zufrieden, und in dem stark besuchten Lokal fand sich glücklich noch ein Tischchen frei. „Und Du,“ setzte Brandt das Gespräch fort, nachdem er die Kinder plazirt und seine Be— stellungen gemacht hatte,„hast Du Dich nicht verheirathet? Du siehst eigentlich darnach aus, so verteufelt patent, wie einer, der in der Wolle sitzt.“ Brandt ließ einen ironisch musternden Blick über die behäbige Gestalt des Jugendfreun— des gleiten. „Ja, sieh Freundchen, bei mir hieß es: Vogel, friß oder stirb. Du erinnerst Dich meiner streng konservativen Familie. Als der Rummel damals hier zu Ende war und meine juristische Karriere natürlich verpfuscht, denn an eine Staatsan⸗ stellung war doch nicht mehr zu denken, da stellte mir mein Alter die Alternative: entweder ins Kontor mit Dir oder weiter keinen Groschen. Was war da zu machen? Ich hing das Stu— dium an den Nagel, schwur alle Politik ab und wurde Kaufmann. Und so kam ich denn auch zu einer Frau, der Tochter meines Prinzi— pals, und durch sie zu einer ganz leidlichen Po- sition als Chef des Bankhauses J. B. Lorch & Kompagnie.“ „Ich gratuliere, das hast Du gut gemacht. Und was ist aus den Anderen geworden? Zum Beispiel aus dem— wie hieß er doch gleich, wir nannten ihn immer den logisch verrückten Ostpreußen.“ „Dem Kolweit? Nu, der ist so verrückt ge— blieben, wie er war. Denke Dir, mit Mühe und Noth hatten wir ihm eine Stellung an einer Zeitung verschafft, einem sehr anständigen, zahlungsfähigen Blatt— in der Provinz, Brom— berg oder da so herum— ja, was glaubst Du? Nach einem Monat ist er wieder hier— hat Alles hingeworfen: es sei ein Lumpenblatt, ver- leugne das große Jahr 48, stieße in das Horn der Reaktion u. s. w. Und was that er jetzt? Na, Du wirst es nicht für möglich halten. Er wurde Maurer, effektiv Maurer, Lassalleschwär⸗ mer, sozial verrückt, wie er logisch verrückt ist. Wollte die Arbeiterverhältnisse aus eigener Er⸗ fahrung kennen lernen. Blödsinn! Diente von der Pike an, ließ sich duzen, nach Schnaps und Tabak schicken von den Herren Gesellen. Be⸗ greifst Du das? Pfui Teufel! Hatte aber bald genug. Jetzt ist er wieder Journalist. Scheint aber nicht viel los zu sein. Sieht Dir aus, wie der echte, verkommene Litterat. Dabei schleppt er sich mit einem Frauenzimmer— einer ganz hübschen Person— soll eine lange Lieb⸗ schaft sein.“ Brandt hatte dem Bericht zerstreut zugehört. „Schade um das große Talent. Siehst Du ihn mitunter?“ „Wen, den Kolweit? Wieso?“ „Weil ich Dich bitten möchte, uns einmal zusammenzubringen. Ich könnte dem armen Kerl vielleicht eine Stellung an meiner Zeitung, dem„Norddeutschen Beobachter“, geben.“ Und nun erzählte Brandt seinem erstaunten Freunde, was ihn eigentlich in die Heimath geführt. Dieser hatte von dem neuen Blatte gehört. „Das soll doch aber trotz seiner radikalen Allüren ein Regierungsorgan sein. Du hast also auch Vernunft angenommen und die frucht— lose Opposition aufgegeben. Das ist recht, Kerl⸗ chen, kann ich nur billigen.“ Brandt protestirte heftig. Er hätte seine po⸗ litische Ueberzeugung nicht geändert und in der Redaktion vollkommen freie Hand. Beweis da⸗ für, daß er daran dachte, Kolweits Mitarbeiter- schaft zu gewinnen. Lorch war es im Grunde gleichgiltig, wie es sich damit verhielt, und ließ das Thema um so lieber fallen, als er von Brandts häuslichen Ver⸗ hältnissen und seinem Leben in Genf noch etwas zu hören wünschte. Brandt gab nur flüchtig Auskunft, denn die kleine Emmy war mit ihrem Kaisertörtchen nicht so völlig beschäftigt, um nicht, sobald sie von Genf reden hörte, die Augen groß auf den Vater zu richten. Es passirte ihr dabei sogar, daß sie den Löffel an dem Mäulchen vorbeiführte, so daß der süße Schaum einen weißen Streifen auf der runden Wange zog. Charles, der es bemerkte, streckte sofort sein Zünglein aus, um ihn abzulecken, und die Kleine neigte dem Bruder gefällig das Köpfchen hin, wobei die Kinder ein schalkhaftes Lächeln austauschten. Diesen allerliebsten kindlichen Vorgang hatte eine Dame bemerkt, die sich jetzt aus einer der Fensternischen erhob, und ihren Handschuh zu⸗ knöpfend, einen Augenblick an dem Tische stehen blieb, um sich die Kinder näher anzusehen. Sie kehrte den beiden Herren, welche diesen gegen— übersaßen, dabei den Rücken zu. Es war eine große, schlanke Gestalt in einem enganliegenden violetten Sammetpaletot. „Donnerwetter, das war ja die Saldeck,“ rief Benno Lorch.„Schade, daß ich sie nicht früher gesehen habe. Eine unserer größten Schön— heiten, Kerlchen.“ „Saldeck? Du Saldeck?“ „Helma? Das weiß ich nicht. Wie kommst Du darauf? Die ich meine, und sie war's, wie ich glaube, ist seit Kurzem verheirathet an einen Lüderjahn von Offizier. Muß eine schöne Ehe sein. Ha, ha, aber sie—“ und Lorch küßte seine Fingerspitzen mit verliebten Augen. Brandt war von einer merkwürdigen Un— ruhe ergriffen. Wenn dies die Dame wäre, die er nun schon wie zu seinem Haushalt gehörig betrachtet hatte. Ihn so zum Besten zu haben! — Eine verheirathete Frau! Aber es konnte ja gar nicht sein. Lorch mußte sich getäuscht haben, und Saldecks gäbe es eine große Zahl. So beruhigte er sich. Aber er brach auf. Es war nun Zeit, die Kinder nach Hause zu bringen. Dem Freunde mußte er jedoch versprechen, am Abend noch mit ihm zusammenzutreffen, und so nahm man nur einstweilen voneinander Ab— schied. kennst sie? Helma von III. Während des Abends, an dem Brandt ver— schiedene seiner alten Freunde wiedergesehen hatte, ohne sich jedoch an ihnen sonderlich zu erquicken, denn sie waren alle mehr oder weniger zu verknöcherten Doktrinären geworden, war ihm die Dame bei Kranzler und ihre Namensver⸗ wandtschaft mit seiner Korrespondentin nicht aus dem Sinne gekommen. Für ihn selbst hätte sich da vielleicht ein pikantes Abenteuer angesponnen, aber für seine Kinder konnte er keine in irgend welchen unklaren Verhältnissen stehende Person brauchen. Spät in der Nacht nach Hause kommend, galt sein erster Blick seinen beiden ruhig schlafenden Lieblingen, deren Bettchen zu beiden Seiten seines Lagers standen. Von diesen süßen Schlaf⸗ genossen würde er sich nun bald trennen müssen, denn, sei es nun diese oder eine andere Dame, er mußte die Kinder auch nachts ihrer Obhut anvertrauen. Es war ein Umstand, den er sich jetzt erst klar machte. Lange Zeit fand er keinen Schlaf, und als er endlich entschlummerte, hatte er die tollsten Träume, in denen Lorch und der violette Sammetpaletot die Hauptrollen spielten. „Wenn eine Dame nach mir fragt, führen Sie sie in den Salon und benachrichtigen Sie mich“, sagte Doktor Brandt zu dem Dienstmäd—⸗ chen, als dieses den Frühstückstisch abräumte, worauf er sich mit seinen Zeitungen in sein Arbeitszimmer begab. Noch nie war er so ge— reizt über das Gelaufe der Druckerjungen ge— wesen, die die Hausglocke in ewiger Bewegung hielten. Endlich erschien statt ihrer das Dienst— mädchen in der Thür. „Die Dame, Herr Doktor. Hier die Karte.“ „Wahrhaftig, Helma von Saldeck.“ Das Arbeitszimmer lag neben dem Salon. Schnell erhob er sich und trat auf die Thür zu, blieb aber doch einen Augenblick stehen, ehe er sie öffnete. Das Erste, was er sah, war der violette Paletot. Die Dame stand wie gestern von ihm abgewendet und betrachtete vorgebeugt die auf einem Seitentischchen stehenden Photographien der Kinder. Das Blut schoß ihm ins Gesicht. Aber noch ehe er ein Wort der Anrede fand, wendete sich die Dame um und schritt lebhaft auf ihn zu. „Das nenne ich ein sonderbares Zusammen— treffen. Ich habe diese Kinder gestern gesehen und auch Sie. Ich habe doch die Ehre, mit Herrn Doktor Brandt zu sprechen? Nicht wahr, Sie waren gestern bei Kranzler?“ Brandt verbeugte sich stumm. Er war keines Wortes mächtig. Ihre Worte bestätigten seinen Verdacht, daß er zu einer Mystifikation aus⸗ ersehen worden, aber ihr Gesicht widersprach völlig dieser Annahme. Er hatte es sich ganz anders gedacht. Es ließ sich in keinen Schön- heits⸗Typus einreihen, es war durchaus indi⸗ viduell, ja unregelmäßig und doch so harmonisch, daß selbst die sammetbraunen Augen mit den dunklen Wimpern und Brauen keinen auffallen⸗ den Kontrast zu dem aschblonden Scheitel bil⸗ deten, der sich über der weichgerundeten Stirn aufbauschte. Nase und Mund hatten etwas Festes, Energisches, besonders der Letztere, der geschlossen einen kleinen, trotigen Bogen bildete und das runde Kinn etwas hervortreten ließ, während der Rede aber, und besonders, wenn er lächelte, das ganze Gesicht in Liebreiz tauchte. Die sonst blasse, aber keineswegs kränkliche Farbe der Wangen hatte jetzt einem sanften Roth Platz gemacht. „Verzeihen Sie mir, Herr Doktor, daß ich Ihnen so formlos entgegentrete. Es ist wirklich ganz gegen die Etikette, aber die ist, wie ich gleich sagen muß, meine schwache Seite. Ich freute mich so sehr, als ich die Kinder wieder erkannte—“ „Vor allen Dingen bitte ich Platz zu nehmen, gnädige Frau,“ sagte Brandt, einen Sessel zurechtrückend. g 8 „Gnädige Frau? Wie, dachten Sie wirk⸗ lich—“ „Auch Sie wurden gestern gesehen und mir als Frau von Saldeck bezeichnet.“ „So hat man mich mit meiner Schwester ver— wechselt, mit der ich große Aehnlichkeit haben soll. Der Familienzug. Wir sind zwar nur Stiefschwestern, aber zugleich Kousinen.“ Und. Brandts mißtrauische Blicke gewahrend, fuhr sie fort:„Da muß ich Ihnen denn gleich meine etwas verzwickten Familienverhältnisse aus⸗ einandersetzen. Mein Vater war der vor zwei Jahren verstorbene Oberst von Saldeck. Meine Mutter starb, als ich zwölf Jahre alt war. Bald darauf heirathete mein Vater zum zweiten Mal — die Schwester meiner Mutter, die er— doch das gehört nicht hierher. Diese hatte inzwischen auch geheirathet und war Wittwe geworden. Eine Tochter aus dieser Ehe, meine fast fünf Jahre jüngere Kousine, wurde also meine Stief⸗ schwester, der ich— ich kann es wohl sagen— Mutter gewesen bin, denn Mama hatte nur Sinn für Vergnügen und Toiletten. Ganz kürzlich hat sich diese Schwester nun mit einem Vetter, Leutnant von Saldeck, vermählt. Sie sehen, wir sind noch nicht zu der Verwerflichkeit der Fa⸗ milienheirathen vorgedrungen. Meine Schwester ist also eine Frau von Saldeck. Es wird Ihnen. nicht schwer werden, Herr Doktor, sich über die Richtigkeit meiner Angaben zu informiren.“ u. Sie zaslte si lte 5 bein, 0 0 Toll. der Bal Erlaube bewegt meinem alb J och e nent lehrt, U meinen 5 Mag“ die h Da id, her der Al. die Bol ein gri Da Julier scirfu Italie geben. Vagne verurt vom 6 gell Minis der Verl Sträf Rücke aufg er is baris lichen Geset gescha E * Ein dauer gelle und e er wa ner g das 0 lich das 1 37. 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Erlauben Sie mir nur die eine Frage: was bewegt Sie, eine solche Stellung wie die in meinem Hause anzunehmen, die doch ganz außer- halb Ihrer gesellschaftlichen Sphäre liegt?“ „Meiner gesellschaftlichen Sphäre, wie Sie es nennen, habe ich für immer den Rücken ge— kehrt, weil ich erkannt habe, daß ich in ihr weder meinen Beruf, noch mein Glück zu finden ver— mag.“ g(Fortsetzung folgt.) Die Humanität des italienischen Straf⸗ vollzugs. Da in Italien die Todesstrafe abgeschafft ist, herrscht vielfach die Meinung, daß jenseits der Alpen sehr humane Zustände in Bezug auf die Vollziehung der Strafen obwalten. Dies ist ein großer Irrthum. Das Journal J. Tribunali zählt alle die in Italien anwendbaren Strafen und Strafver- schärfungen auf, die ein prächtiges Kulturbild Italiens an der Schwelle des 20. Jahrhunderts geben. Bresci konnte nur zu lebenslänglichem Bagno und verschiedenen Strafverschärfungen. verurtheilt werden. Die erste Verschärfung, die vom Gerichte ausgesprochen werden muß, ist die Zellenhaft, deren Maximum zehn, das Minimum fünf Jahre beträgt. Sogleich nach der Verurtheilung wird der zur Kerkerstrafe Verurtheilte mit der schwarz⸗gelb gestreiften Sträflingskleidung versehen, auf der auf dem Rücken seine Nummer aufgenäht wird. Er hat aufgehört, ein Individuum der Welt zu sein, er ist eine Nummer geworden. Die alte bar⸗ barische Sitte der Brandmarkung im buchstäb⸗ lichen Sinne ist mit der Einführung des neuen Gesetzes, das auch die Todesstrafe aufhob, ab- geschafft worden. Die schwerste Strafe ist die verschärfte Einzelhaft, die ebenfalls bis zehn Jahre dauern kann. Der Sträfling wird in eine dunkle Zelle von zwei Meter Länge und Höhe und einem Meter Breite gebracht, in der er wahrhaftig begraben ist. Denn während sei⸗ ner ganzen Strafzeit öffnet sich die Thür nicht; das Essen, nur Wasser und Brot, wird ihm täg⸗ lich einmal durch eine kleine Luke gereicht; das Tageslicht bekommt er nie zu sehen. Er kann nie ein menschliches Wort hören, ein. fremdes Antlitz sehen; der Wärter, der ihm das„Essen“ bringt, darf nicht mit ihm sprechen; der Sträfling kann ihn aber auch nicht sehen, er selbst aber kann zu jeder Zeit genau be— obachtet werden. Sein Lager besteht aus einem flachen, 50 Zentimeter breiten Brett, das wenig über dem Boden angebracht ist. Decken und ähnliche Luxusartikel giebt es hier nicht. In diesen Marterkammern gehen selbst eiserne Naturen zu Grunde; wenn die Sträf— linge diese Strafe noch aushalten, so sterben sie, ans Tageslicht gebracht, wie die Fliegen. Um diese Hölle noch furchtbarer zu machen, giebt es noch drei Arten der Strafverschärfung, nämlich die Zwangsjacke, die Eisen und das Zwangsbett. Wie diese Dinge beschaffen sind, werden wir weiter unten sehen. In ganz Ita⸗ lien giebt es vier solcher Strafanstalten, die noch mit diesen dunklen Kerkern versehen sind, und zwar in Santo Stefano, Nisida, Civita⸗ vezchia und Portolongone. 5 Die gewöhnliche Zellenhaft unterscheidet sich von der Geheimhaft nur dadurch, daß der Sträf— ling eine etwas größere Zelle mit etwas Tages⸗ helle vom Korridor erhält. Bett, Essen, Sprach—⸗ verbot, Strafverschärfungen sind die gleichen wie in der Dunkelhaft. Während des Winters wird ihm eine Decke verabfolgt. Jede Art von Zeitvertreib durch Ar⸗ beiten, Lesen oder Schreiben ist auch hier untersagt, und für den wegen Rebellion Verurtheilten ist die Zwangsjacke sogar obliga— torisch. Versucht ein Sträfling mit dem Kopf gegen die Mauer zu rennen, so wird er in eine gepolsterte Zelle gebracht, mit einer besonderen Zwangsjacke bekleidet und die Hände ihm auf dem Rücken kreuzweise über einander gebunden. Die als Straf-Verschärfung angewendete Zwangsjacke ist ähnlich wie die vorerwähnte. Die Eisen sind starke eiserne Zangen, mit denen die Hände dicht an den Fußknöcheln an— geschlossen werden, so daß der Sträfling immer in sitzender Stellung verbleiben muß. Nachts werden diese Fesseln etwas gelockert. Die Kettenkugeln, mit denen früher die Füße der Gefangenen beschwert wurden, sind abgeschafft. Das Zwangsbett ist ein massiver Holzbock, an dessen Fußende eine guillotinenähnliche Vor- richtung zum Einspannen der Füße angebracht ist, die Hände und Arme werden an der Seite festgeschnallt, so daß der Sträfling sich nicht mehr bewegen kann. Diese Strafverschärfung ist die schwerste und darf nur auf besonderen Befehl des Direktors erfolgen und wird gewöhnlich nur gegen offene Aufrührer im Gefängniß angewendet. Endlich können in ganz schweren Fällen auch alle diese Strafverschärfungen, il laffaro genannt, an⸗ gewendet werden, aber nur auf höchstens zwan— zig Tage, denn länger würde selbst der kräftigste Körper diese Martern nicht ertragen. Gewöhnlich werden die Strafverschärfungen vom Minister, nur in besonderen Fällen, wo der Augenschein nothwendig ist, auch vom Zucht⸗ hausdirektor angeordnet, der dem Minister auch über die Führung der Sträflinge Bericht er⸗ stattet, worauf diesen bei guter Note gewöhn⸗ lich schon nach zwei Jahren gestattet wird, zu arbeiten. Aus dem Ertrage der Arbeit wird ein kleiner Fonds angelegt, aus dem der Häftling nach weiterem Verlauf einer gewissen Frist sein kärg⸗ liches Mahl etwas verbessert bekommt. Er kann in der Woche für persönliche Bedürfnisse, Wein ausgenommen, 60 Centesimi ausgeben. Passanante, der erste Attentäter auf König Humbert, hat nach seiner Einkerkerung in den Turm von Portoferrajo die schwerste dieser Strafen acht Jahre lang ausgehalten, aber 1889 mußte er als gebrochener Mann, eine Ruine noch, irrsinnig geworden, nach dem leichten Ge— fängnisse von Montelupo überführt werden. Dasselbe Schicksal steht auch dem jetzigen Attentäter Bresci bevor, ein langsamer, sicherer, furchtbarer Tod. Diejenigen bürgerlichen Zeitungen, die jetzt wie besessen nach Wiedereinführung der Todes- strafe in Italien sich heiser schreien, können sich also bei dem schrecklichen Schicksal, das dem Gaetano Bresci bevorsteht, beruhigen. Die christliche Blutgier der„menschenfreund⸗ lichen“ kapitalistischen Presse wird in den wahr⸗ haft mittelalterlichen Surrogaten der Todes- strafe eine wollüstig grausame Befriedigung finden. Sprüche zur Lebensweisheit. Du darfst es mir glauben, mein theurer Vater, ein Kaiser, dem die Wahrheit planmäßig vorenthalten wird, ist sehr übel dran. Er ist nicht in der Lage, sich ganz selbstständig zu unterrichten und sieht sich genöthigt, nicht blos zu vernehmen, was ihm vorgetragen wird, son⸗ dern auch seine Entscheidungen lediglich nach solchen Berichten zu treffen. Gordianus III.(röm. Kaiser 238244 n. Chr.) an seinen Schwiegervater Timasitheus. * Die Geschichte ist meistens die Schande des Menschengeschlechts. Seume. Treibet die Fuccht aus, dann ist Hoffnung, daß der gute Geist einziehen werde. * f Geld und Geist. Und mögt Ihr auch in Ehrfurcht schier ersterben Vorm goldnen Kalb— ich sag Euch Eines dreist: Mit wenig Geist schon läßt sich Geld erwerben, Doch mit enormstem Geld kein Fünkchen Geist. Vor einem Erler. Bei einem Antiquare hing Der Kurfürst wohlgerathen, Und jeder, der voruͤberging, Blieb stehen vor dem Laden. Und ein Gewoge gab es bald, Ein Drängen vor dem Erker, Und stündlich ward von Jung und Alt Der Andrang immer stärker. Früh morgens bis zum Ladenschluß Ein Kommen war's und Gehen, Es hat's mit heimlichem Verdruß Der Antiquar gesehen. Und wie sie wieder gaffend steh'n, Da schrie er in den Haufen: „Ja, hängen will ihn jeder seh'n, Doch keiner will ihn kaufen.“ Friedrich Stoltze. . Allerlei. Der Fluch der sizilianischen Schwefelarbeiter. Ein Franzose, Herr Gaston Vullier, bereiste vor einigen Jahren die Insel Sizilien und ver⸗ öffentlichte, wie die Züricher„Post“ mittheilt, bei Hachette in Paris ein Buch„La Sicile“, worin er auch seine Beobachtungen im Innern der Insel schilderte. Er konstatirt viele Züge von Gutherzigkeit bei den Bewohnern, sprach auch von ihren Leiden und theilt einen Refrain mit, den die armen, unglücklichen Arbeiter der Schwefelbergwerkre singen. Er lautet auf Deutsch:„Verflucht sei die Mutter, die mich gebar; verflucht der Pathe, der mich taufen ließ; o, besser wäre gewesen, Christus hätte mich ein Schwein werden lassen, dann würde ich doch am Ende des Jahres geschlachtet worden sein.“ . Humoristisches. Der ehrliche Dackl.„Mir scheint, Ihr Hund stiehlt!“—„Nur Eßwaaren— in Geldsachen ist er vollkommen verläßlich!“ * Qualifikation. Erster Referendar:„Was ist eigent⸗ lich der Kollege Mayer für ein Mensch?“— Zweiter Referendar:„So ein Dutzend⸗ und ein Durchschnitts⸗ mensch.“— Erster Referendar:„Der Glückliche, da wird er sicher Richter!“ * Sein Sehnen. Frau:„Vierhundert Mark hast Du für den Hund gegeben? Ist er das auch werth?“ — Neugeadelter Bankier:„Weißt Du, Rosalie, so einen Stammbaum möcht' ich haben wie der!“ Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtiger 8 Erscheinungen behalten wir uns vor. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. ist soeben erschienen: Erster Nachtrag zum Arbeiterrecht von A. Stadthagen, enthaltend: Das neue Unfallver⸗ sicherungsgesetz(Gewerbe⸗, Bau⸗, See- Unfallversiche⸗ rungsgesetz und Unfallversicherungsgesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft) in ausführlicher Darstellung. Die No⸗ velle zur Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. Die Novelle zum Kraukeuversicherungsgesetz vom 30. Juni 1900. 110 Seiten Oktav. Preis gut geheftet 75 Pfennig. Durch alle Buchhandlungen und Kolpor⸗ teure zu beziehen. Die sozialistischen Monatshefte.(Admi⸗ nistration Berlin W. Gleditschstr. 23) haben soeben das Septemberheft ihres 2. Jahrganges erscheinen lassen. Dasselbe bringt ein hochinteressantes Portrait von Wilhelm Liebknecht, das ihn als Freischärler des badischen Aufstandes darstellt, noch einem alten Oel⸗ gemälde aus dem Jahre 1849. Im Uebrigen ist das Heft zum größten Theil den Verhandlungsgegenständen des Mainzer Parteitages und des Pariser internatio⸗ nalen Kongresses gewidmet, die in einer Reihe von Ar⸗ tikeln behandelt werden. Wir heben aus dem Inhalte hervor: Dr. Eduard David: Parteitag und inter⸗ nationaler Kongreß.— Kurt Eisner: Liebknechts Erbe.— Dr. Conrad Schmidt: Sozialismus und Ethik.— Wolfgang Heine: Zur Abänderung des Organisationsstatuts der sozialdemokratischen Partei.— Ignatz Auer: Zur Wahlbetheiligung in Preußen.— Max Schippel: Die Handels- und Wirthschafts⸗ politik und die Arbeiter.— Eduard Bernstein: Der Sozialismus und die Kolonialfrage.— Paul Goehre: Weltfrieden, Militarismus und stehendes Heer ꝛc.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pfg; pro Quartal 1.50 Mk. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postanstalten(Post⸗Zeitungs⸗Katalog Nr. 7217), sowie direkt durch die Expedition Gleditschstr. Nr. 23, Berlin W.(Zusendung in offenem oder ge⸗ schlossenem Kouvert.) Probehefte auf Verlangen gratis und franko durch die Expedition. 82823 r —— 2 Nr. 37. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. XXXXNXNX NN „Wiener Hof“ Unterzeichneter empfiehlt seine schönen Lokalitäten, schönen Garten, sowie guten bürgerlichen Mittag s⸗ tisch.— Auch sind noch für einige Tage schöne Vereinszimmer frei. Achtungsvoll Louis Löb. marburg. Gesang verein„Eintracht“ Donnerstag, den 13. September, Abends 9 Uhr, im Vereinslokale(Jesberg) erste Uebungsstunde. Das Erscheinen der aktiven Mitglieder unbedingt erforderlich. Der Vorstand. Einen sten 1 ferren- Anzüge oblange d. Vorrat reicht 2. 10 u. 12 Mk N F arkus Bauer, Giessen I Kirchenplatz I gegenüb. d. Stadtkirche. e end ds 1 N e Ne N N e S 2 2— 21—— 1. a* 2— 1 2 8— 318— 4 22 5 2 S e— 28 2 A2 s 8 1 D 188 22 3 22 8 8 2 3 S 8 . a S 5 2„ 2883 83— 288 2„5 S FP 2 2 882 22 2 85 2 G, 3, 8 20 2 8282 S SE S 2 2 2 S E—* 1 2 8— 2 22 23 722 28 2 F. 8 — 2 F SSS SS— 2 SSA 22 2 2 i 5 . 32 3 2— — 2 2 S 1— = 2 SSI. S Benner, uh machermeister, GIESSEN Mlarktstr. 34. empfichit sein reichhaltiges Schuhwarenlager in gediegenen soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. 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A 2— Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ 5 schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung. zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren 9 erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs- und Blutreinigungsmittel, der Huber“ Ullrich'sche Käuter-Wein. Dieser Aräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig! befun denen Aräutern mit gutem Wein bereitet, und slärkt und belebt den ganzen Verdauungsor anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Bräuker⸗Wein beseitigt alle Ztörungen in den hlut⸗ gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, f krankmachenden Stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen, übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Zlähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. f und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kolikschmerzen Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstanungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidalleiden) werden durch; Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug lichen Stoffe aus dem Mogen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, ö Entkräftung sind meist die Folge schlechter Verdauung,? 0 N mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und demüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. 1 Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten;! Lebenskraft einen frischen Impuls. 2 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à/ 1.25 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. 88 Auch versendet die Firma„Hubert UIIrich, Leipzig, West- strasse S824“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kistefrei. e Vor Nachahmungen wird gewarnt! Man verlange ausdrücklich Hubert Ullrich schen Kräuter- Wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel àà 10 Verlag der Muteld. Sontiagszeuung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. 6 — dr 0 Aus tre Durch d die Exp. — Zu liege wih latte Risen Aus a um zu wie d Aus. Frei fahr und z Berat sich d lden Sach die aufei volle 0 sind! kein wieti. Ueber den Part. Hons den dugei tine 0 niß 0 der! kati Ge Der 9 Port Dang sch