ite 8. — itstr. 34. er eisen, jel. gener Werl e . 22 1 2 — Md ches ckendes 98e kranken Nr. 28. Gießen, Sonntag, den 8. Juli 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Sonnt Mitteldeutsche gs⸗Zeitung. Redaktionsschluf: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspre is: Bestellungen Juserate Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung Das neue Unfall versiche⸗ rungsgesetz. II Im Falle des Todes des Verletzten soll der fünfzehnte Teil des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens jedoch 15 Mk. als Sterbegeld gezahlt werden. Die Hinterbliebenen erhalten Rente, und zwar die Witwe und die Kinder unter 15 Jahren unter allen Umständen, die Eltern oder Großeltern, der Ehemann einer getöteten Ar⸗ beiterin und deren Kinder, sowie die elternlosen Enkel nur dann, wenn der Verstorbene der einzige Ernährer war und die Hinter⸗ bliebenen durch den Tod in den Zustand der Bedürftigkeit versetzt sind. Die Rente für die Hinterbliebenen darf zusammen 60 pCt. des Arbeitslohnes nicht übersteigen; sind Witwen und mindestens zwei Kinder des Getöteten da, die einen Rentenanspruch haben, dann sind die übrigen ausgeschlossen. Die Rente beträgt für die Witwe oder den Witwer, sowie für jedes Kind 20 pCt. Verwandte aussteigender Linie und ebenfalls elternlose Enkel bekommen ins⸗ gesamt nur 20 pCt. des Jahresarbeitsverdienstes. Hier ist also nur verändert, daß die Kinder, die nicht ganz Waisen sind, 20 pCt. statt bisher 15 pCt. erhalten und daß Ehemänner und Enkel Rente erhalten können, die bisher ausgeschlossen waren. Einige wesentliche Veränderungen sind bei der Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes eingetreten. Bisher wurde bei gewerblichen Ar⸗ beitern der Tagesarbeits verdienst zu grunde gelegt und von der Summe, die 4,.— Mk. über⸗ stieg, nur ein Drittel angerechnet. Jetzt tritt an Stelle des Tages arbeitsverdienstes der Jahres- arbeits verdienst, und tritt nur dann eine Kürzung ein, wenn derselbe 1500 Mk. übersteigt. Bei den Arbeitern der Land⸗ und Forstwirtschaft wurde bisher der Jahresarbeitsverdienst von der höheren Verwaltungsbehörde festgesetzt und nur bei Betriebsbeamten wurde der wirkliche Arbeits⸗ verdienst angerechnet. Jetzt soll außer bei Be⸗ triebsbeamten auch bei Facharbeitern, die in den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften ver⸗ sichert sind, wie Gärtner, Ziegler, Müller, Schmiede, Stellmacher, Heizer usw., der that⸗ sächliche Lohn bei Berechnung der Rente zu grunde gelegt werden. Bei der See⸗Unfallversicherung galt bisher für die Besatzung der Schiffe als Jahresarbeits⸗ verdienst der neunfache Betrag einer vom Reichs⸗ kanzler einseitig für die ganze deutsche Küste festgesetzten Monatsheuer und wurde für die Rente den Verletzten ein Geldbetrag als Ent⸗ schädigung für Kost hinzugerechnet. Die Summe wurde bei Renten für die Hinterbliebenen nicht mitgerechnet. Jetzt soll der elffache Betrag als Jahresarbeitsverdienst gelten und bei Berechnung der Hinterbliebenen⸗Renten der Betrag für Kost nicht abgezogen werden. Hierdurch erhöhen sich die Witwen⸗ und Waisenrenten erheblich, jedoch bleiben sie hinter den Renten der schlechtest ge⸗ lohnten gewerblichen Arbeiter noch immer zurück. In Hamburg, Bremen und Bremerhaven war bisher die niedrigste Witwenrente 180 Mk. und die niedrigste Waisenrente 135 Mk. Die Witwe eines Vollmatrosen bekam aber nur 90 Mk. und dessen Waisen 67,50 Mk. Nach der Novelle würden bei der jetzigen festgesetzten Heuer die Witwen und Waisen der Vollmatrosen je 154 Mark erhalten., Für die in schwimmenden Docks, sowie beim Lootsendienst, bei der Rettung von Personen und Bergung von Sachen Beschäftigten, wurde bisher der anrechnungsfähige Arbeitsverdienst von der höheren Verwaltungsbehörde festgesetzt. In Zu⸗ kunft soll für die genannten Arbeiter, sowie für die Besatzung der Schlepp- und Leichterfahrzeuge der wirkliche Arbeitsverdienst, und wenn dieser niedriger ist als der ortsübliche Tagelohn ge⸗ wöhnlicher Tagearbeiter, der letztere bei Berech— nung der Rente zu grunde gelegt werden. Dadurch ist das Grundprinzip, welches für die Berechnung der Rente gewerblicher Arbeiter gilt, in beschränktem Umfang sowohl in dem Gefetz für Land⸗ und Forstwirtschaft, wie in der See⸗ unfallversicherung eingeführt. Die Neuerungen bei Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes sind unstreitig der wichtig ste Teil der Novelle für die Arbeiter. Bei Feftsetzung einer Rente soll in Zukunft, wenn weniger als die Vollrente bewilligt werden soll, in allen Fällen der behandelnde Arzt gehört werden, und wenn dieser zu der Berufsgenossen⸗ schaft in einem Vertragsderhältnis steht, muß das Gutachten eines anderen Arztes eingeholt werden. Ist ein Verletzter in einer Heilanstalt, dann soll er nur mit seiner Zustimmung in eine andere Heilanstalt überführt werden können. Jedoch ist hier eine Einschränkung vorbehalten, indem die versagte Zustimmung des Verletzten durch die unteren Verwaltungsbehörden ersetzt werden kann. Soll ein neues Heilverfahren eingeleitet werden und der Verletzte will solches nicht über sich ergehen lassen, dann kann er Berufung beim Schiedsgericht einlegen. Er hat dann so lange Anspruch auf die bis dahin bezogene Rente, bis das Schiedsgericht entschieden hat. (Schluß folgt.) Der Krieg mit China. Ermordung des deutschen Gesandten. Schlimmer, als wir vorher erwarteten, haben sich die Verhältnisse in China entwickelt. Die Politik der„gepanzerten Faust“ hat zum that⸗ sächlichen, wenn auch nicht formell erklärten Kriege mit China geführt. Nach den in den letzten Tagen eingelaufenen Meldungen steht es fest, daß der deutsche Gesandte in Peking, Bavon v. Ketteler, am 18. Juni, im Augenblick, als er sich nach dem Tsungli⸗Yamen“ begeben wollte, ermordet wurde. Ein Dolmetscher wurde verwundet, konnte sich aber in eine Gesandtschaft flüchten. Darauf wurden die Gesandtschaftsgebäude der Mächte von den Chinesen angegriffen und fast alle zerstört. Man fürchtet, daß in Peking alle Europäer getötet worden sind.— Ueber die Vorgänge in China wird gemeldet: Prinz Tuan und General Kangsi bemächtigten sich der höchsten Gewalt; sie umzingelten mit ihren Truppen den kaiser⸗ * Chinesisches Auswärtiges Amt. die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. lichen Palast und gaben den Vizekönigen Befehl, gegen die Ausländer die Feindseligkeiten zu er- öffnen. Die Vizekönige in Süd- und Mittel⸗ China weigern sich jedoch, dem Befehl nach⸗ zukommen.— Der Vizekönig Li⸗Hung⸗Tschang erklärte dem amerikanischen Konsul in Kanton gegenüber, er erlasse sofort eine strenge Prokla⸗ mation, die die Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung in seinen Provinzen anordne— Er werde ferner die nötigen Maßnahmen treffen, um die Fremden so weit als möglich zu schützen. Ferner wird telegraphiert, der Kaiser und die Kaiserin⸗Witwe befänden sich im Palast als Gefangene; die Stadtthore sind geschlossen. Prinz Tuan und die Boxer hätten alleig die Macht in der Hand, und in den Straßen herrsche vollständige Anarchie. Seymours Expedition. Die unter dem Admiral Seymour zur Befreiung der Gesandten in Peking abgesandte internationale Truppe mußte unverrichteter Dinge nach Tientsin zurückkehren. Seymour war mit seiner Truppe nahe daran, von den Chinesen vernichtet zu werden. Erst der zu seiner Ve⸗ frriung abgesandten Abteilung gelang es, die sie umzungelnden Chinesen nach schwerem Kampfe zu vertreiben. Seymors Leute befanden sich in kläglicher Verfassung, 15 Tage lang hatten sie beständig bekämpft, dabei unter dem Mangel an Lebensmitteln derart gelitten, daß sie 10 Tage lang auf Viertelrationen angewiesen waren. Die Kolonne war nur ein kleines Stück über Lofa hinaus gelangt, als Seymour die Nutzlosigkeit jedes Versuches eines nördlichen Vorstoßes durch die in vielfacher Uebermacht den Weg versperrenden chinesischen Horden einsah. Er wollte deshalb während der Nacht nach Tientsin zurückkehren, um Verstärkungen zu holen, dabei stieß er aber auf eine starke aus regulären und irregulären chinesischen Truppen sowie Boxern gemischte Armee, die von Nordwesten aus heranzog und ihm den Rückweg verlegte. Von allen Seiten eingeschlossen, beschloß er, sich an Ort und Stelle zu verschanzen und auszuhalten, bis Entsatz käme. Die Leiden der schlecht verprovian⸗ tierten, vom Feuer der sie einschließenden Boxer unaufhörlich bedrängten Truppen wuchsen von Tag zu Tag. Wassermangel erschwerte die Pflege der Verwundeten und be⸗ förderte die Verbreitung von Krankheiten. Am schlimmsten aber war, daß die Munition anfing auszugehen, und die schreckliche Aussicht, wehrlos der Wut und Rachsucht fanatischer Chinesenhorden anheimzufallen. Mit Mühe und Not erreichte Seymour Tientsin. Eine Kaiserrede. Wilhelm II. hat bei der Parade der mobili⸗ sierten und zur Abfahrt nach China bereiten Seebataillone eine Rede gehalten, in der man die Kriegserklärung an China erblicken kann. Der Kaiser, der, wie berichtet wird, sehr erregt war, sagte unter anderem: „Mitten in den tiefsten Frieden hinein, für mich leider nicht unerwartet, ist die Brandfackel des Krieges geschleudert worden. Ein Verbrechen, unerhört in seiner Frechheit, schaudererregend durch seine Grau— samkeit, hat meinen bewährten Vertreter getroffen und ihn dahingerafft. Die Gesandten anderer Mächte schweben in Lebensgefahr, mit ihnen die Kameraden, die zu ihrem Schutze entsandt waren; vielleicht haben sie schon heute ihren letzten Kampf gekämpft. — 0 1 3 1 1 1 — n D Seite 2. Mitteldeutsche Sonnings⸗Zeitung: Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrasung und Rache Die Verhältpisse haben sich mit einer furcht⸗ baren G schwindigkeit zu tiefem Ernste gestaltet und. seiidem ich Euch unter die Waffen zur Mobilmachung berufen, noch ernster. e, m i der Marine⸗Infanterie wieder herzustellen, wird jetzt eine schwere Aufgabe, die nur durch gesch'ossene Truppen⸗ c ivilisierten Staaten gelöst werden kann. 15— 5 1 15 Chef des Kreuzergescwaderg mich gebeten, die Entsendung einer Division in Er⸗ a men. . hr 15 5 einem Feinde gegenüberstehen, der nicht minder todesmutig ist wie Ihr. Von europäischen Offizieren ausgebildet, haben die Chiesen die europäischen Waffen brauchen gelernt.. So sende ich Euch nun hinaus, um das Unrecht zu rächen, und ich werde nicht eher ruhen, als bis die deutschen Fahnen, vereint mit denen der anderen Mächte, sieg⸗ reich über den chinesischen wehen und, auf den Mauern Pekings aufgepflanzt, den Chinesen den Frieden diktieren.“ Zum Schluß sprach der Kaiser die Erwartung aus, daß die Soldaten die Fahnen„rein und ohne Makel zurückbringen“ möchten. Deutsche Rüstungen. Es ist sicher, meint die„Leipz. Volksztg.“, daß ganz ungeheuere Anstrengungen der deutschen Wehrkraft geplant sind. Hirschs Bureau erfährt, daß sämtliche transatlantische Dampfergesellschaften aufgefordert worden sind, sofort Nachricht zu geben, welche Dampfer eventuell disponibel zum größeren Truppentransport nach China seien. In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß schon in kürzester Zeit größere Truppenmassen nach China befördert werden sollen. Die Opfer. Von den an der Expedition Seymors be⸗ teiligten deutschen Truppen sind 11 Mann gefallen, 7 zum Teil schwer verwundet. 2 sind noch nachträglich gestorben.— Vom Seebataillon sind bis 29. Juni 9 todt und 11 schwer verwundet. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß diese Opfer der deutschen Weltpolitik von Geschossen aus den Kruppschen Kanonen zerfleischt worden sind. Die hochkonservative Kreuzzeitung weist darauf hin, daß es bisher den Engländern vorbehalten geblieben sei, gegen Waffen zu kämpfen, die sie selbst geliefert hatten. So sehr überwiege bei den Engländern der industrialistische Geist, daß ihnen dieser unerträgliche Widerspruch bereits zu einer landläufigen Thatsache geworden sei. Nun habe aber China u. a. auch deutsche Geschütze und Kriegsschiffe bezogen, und es sei nicht un⸗ möglich, daß die bisherigen deutschen Todten und Verwundeten von Geschossen getroffen wären, die in Deutschland hergestellt seien. Man er⸗ blickte deshalb in Deutschland in der Möglichkeit, daß deutsche Soldaten gegen deutsche Waffen kämpfen müssen und von deutschen Geschützen verwundet und getötet werden, etwas Unwürdiges, Ungehöriges, Unerträgliches, dem für die Zukunft vorgebeugt werden muß. Die Kreugzzeitung ver⸗ langt deshalb eine internationale Ueberwachung des Waffenausfuhrgeschäftes. Die Ausführungen des Blattes mögen zum Teil von dem grimmigen Neide des Junkertums auf die Milliardenprofite der westelbischen Schlot⸗ barone bei der Flottenvermehrung diktiert sein, darum bleibt indes der Hinweis auf die schmach⸗ volle Möglichkeit, daß nur des lieben Profits willen deutsche Landeskinder von Waffen getötet worden, die aus den Händen ihrer eigenen Brüder hervorgegangen sind, vollauf berechtigt. Politische Bundschau. Gießen, 7. Juli. Die Einberufung des Reichstags. Unser Zentralorgan, der Vorwärts, hat wieder⸗ holt auf die äußerst befremdliche Thatsache hin⸗ gewiesen, daß die deutsche Regierung keine Neigung verrät, angesichts der verhängnisschweren Vorgänge in China den Reichstag einzube⸗ rufen, obwohl es ihr doch lieb se'in müßte, bei der Volksvertretung einige Deckung zu suchen. Bisher hat diese Anregung keinerlei Echo ge— sunden. Jetzt endlich besckäftigt sich auch die bürgerliche Presse mit dem Gedanken. Während Was ich hoffen konnte, mit Hülse liberale und Zentrums-Organe meinen, die Ein⸗ berufung des Reichstags habe keinen Zweck, schließen sich andere Blä tten dieser Forderung an. So die Berliner Volkszeitung, welche bemerkt, daß der Reichstag schon um viel geringfügiger Dinge willen als die jetzt: in China vorliegenden zu einer besonderen Tagung einberufen worden sei. „Die Verhältmisse, wie sie sich jetzt im Ostasien. entwickelten, sind derart, daß sie eine Volksver⸗ tretung in hohem Grade angehen, und daß dis Volksvertretung nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, zu fragen: wohin aus geht's in China?..“ Energischer noch erhebt die agrauische„Deut⸗ sche Tageszeitung“ die gleiche Fordezung und verurteilt zugleich die Weltpolitik: „Unseres Erachtens wäre es geboten, daß, wenn unsere leitenden Kreise zu der Ueberzeugung gelangen sollten, daß wir in China zu weitgehenden Unternehmungen in unserem Juteresse gezwungen seien, der Reichstag darüber befragt würde, ob er sich dieser Anschauung anschließen wolle. Wir sind überzeugt, daß die Neigung, Tausende und aber Taufende deutscher Sol⸗ daten nach China zu werfen, im Reichstag nur einen geringen Widerhall sinden würde, und daß er gleich uns sich darauf beschränken würde, im sernen Osten das Norwendige zur Sühne der schnöden Gewalt⸗ that zu thun, mehr aber nicht.“ 5 Scheut sich die Regierung vor der Kritik des Reichstags? Hat sie den Mut, die Verant⸗ wortung für diesen ungeheuerlichen Krieg allein zu übernehmen? Dienstplicht über See. In Anbetracht der chinesischen Ereignisse wird die Frage sehr aktuell: Verpflichtet die allgemeine Wehrpflicht auch zum Dienst in überseeischen Ge⸗ bieten? Erst vor Kurzem ist darüber im deut⸗ schen Reichstage debattiert worden, als es sich um die Vermehrung der Truppen in Kiautschau handelte. Herr Tirpitz berief sich einfach auf den Fahneneid, der jeden Soldaten verpflichtet, zu Wasser und zu Lande dem Befehl des Kriegs⸗ herrn zu folgen. Es wurde ihm jedoch klar ge⸗ macht, daß die Fassung des Eides aus einer Zeit stamme, da Deutschland noch keine Kolonien hatte und die veränderte Lage erheische denn auch eine Aenderung der Auffassung. Leider wurde die Sache nicht zum Austrag gebracht, indem der Reichstag sich mit der Annahme einer Resolution begnügte, die besagt,„es seien Schutztruppen in Kiautschau thunlichst auf Grund freiwilliger Meldungen zu bilden und auf eine Verstärkung durch eine Chinesen⸗Kompagnie Bedacht zu nehmen“. Jedenfalls läuft der Dienst in überseeischen Ge⸗ bieten, die im Juteresse von Kapitalistengruppen erobert werden, dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht zur Verteidigung des Vaterlandes direkt entgegen und ist dringend notwendig, die Sache prinzipiell zu entscheiden. Unser Platz an der Sonne. Ein in Kiautschou befindlicher Marine⸗ soldat schildert in einem Briefe an seine An⸗ verwandten die dortigen Zustände. Die„Pfälz. Ztg.“ veröffentlicht aus dem vom 1. Mai d. J datierten Briefe folgendes: „Ich war den ganzen vorhergehenden Sommer und Winter krank gewe en, denn es ist hier in China nicht gerade am schönsten; ödes Land, schlechtes Essen(Reis und Schweine fleisch) und nichts Gescheites zum Trinken. Das Wasser ist sehr schädlich und die Wirtschaften sind uns verboten. Man muß sich halt noch an Vieles ge⸗ wöhnen und Vieles sich auch abgewöhnen. Der Dienst ist sehr leicht, aber doch schwer genug für die Klima⸗ verhältnisse; so kamen dieses Jahr etwa 40 Sterbefälle: im Bataillon vor, alle infolge von Ruhr, Darmtyphus, Darmkatarrh und Fieber. Man darf aber den Mut nicht sinken lassen, dann geht es schon. Die Zeit wird nuch herumg hen, die wir hier bleiben müssen. Es siud jetzt noch 14 Monate und 6 Wochen der Reise, eine für uns ewig lang werdende Zeit.“ Nach dem nationalsozialen Herrn v. Gerlach findet gegenwärtig in China die große„Kuchen⸗ verteilung“ statt, bei der Deutschland nicht zurück⸗ bleiben dürfe. Zu dem Stück, was wir bis jetzt abbekommen haben, dürfen wir uns wirklich guten Appetit wünschen. Schraube ohne Ende. Daß die anderen Mächte der Vermehrung der deutschen Flotte nicht müßig zusehen, sondern ihrerseits mit Vermehrung ihrer Kähne antworten würden, war vorauszusehen. So stand in der fran⸗ zösischen Deputiertenkammer am 30. Juni der Ge⸗ setzentwurf über die Flottenvermehrung zur Be⸗ ratung. Das Haus nimmt den ersten Arti über den Bau von sechs Linienschiffen und fünf Kreuzern; sowie über die Bewilligung von 118 Millionen Franken zum Bau von hatte für Torpedoboote und Unterseeboote 68 Millionen gefordert, aber die Kammer bewilligte die von Pelletan beantragte und von der Regie⸗ rung gutgeheißene Erhöhung um 50 Millionen. So geht es weiter ins End- und Uferlose zum Schaden der Völker! Geschäft und Religion. Aus Kiautschou wird berichtet: Unter den mancherlei Anfragen, die aus der Heimat an die hiesige Regierung gerichtet werden, be⸗ findet sich auch die eines Fabrikanten, der gerne chinesische Haus götzen herstellen und als Exportartikel hier einführen möchte. Er er⸗ bittet sich zu dem Zwecke der Anfertigung das Modell eines Götzen. Man denke sich unsere Lloyddampfer, die unten Kisten mit diesen „Made in Germany“!“ Hausgötzen bergen und oben Missionare nach China führen, die gegen den Götzendienst predigen.— Und dabei ist der brave Götzenfabrikant sicher ein frommer Christ, der fleißig in die Kirche geht. Pensionierte Offiziere. wurden in der deutschen Armee pensioniert: 10 Generalleutnants, 15 Generalmajore, 12 Oberste, 6 Oberstleutnants, 25 Majore, 31 Hauptleute, 17 Oberleutnants, 5 Leutnants. 121 Offiziere. Kosten pro Jahr zirka 510 000 Mark, wovon die 25 pensionierten Generäle etwa 230 000 Mark erhalten, während die 22 pensionierten Oberleutnants und Leut⸗ nants zusammen nur gegen 14000 Mark be⸗ kommen.— Der Gesamtabgang an Offizieren im zweiten Vierteljahr dieses Jahres beträgt nicht weniger als 285 Offiziere! Lebensmittel⸗Wucher. Seite versichert wird, verlangen die Wortführer des Junkertums bei den Behörden für Schweine- schmalz einen Zoll von 20 Mark per Doppelzentner gegen 10 Mark bisher. Es sind im Jahre 1899 in Deutschland 1122 673 Doppelzentner Schweineschmalz im Werte von 64 544000 Mark eingeführt worden, die einen Zoll von zirka 10 Millionen Mark eingebracht haben. Diese Steuer, die man also verdoppelt wünscht, ist lediglich von der arbeitenden Be⸗ völkerung getragen worden. Aber damit nicht genug; mit der durch eine solche Zollerhöhung verbundenen Verteuerung der ausländischen Fette wird zugleich eine entsprechende Preissteigerung der inländischen landwirtschaftlichen Fettprodukte: Schmalz und Butter herbeigeführt, da bekanntlich die deutsche Landwirtschaft nicht im stande ist, den Bedarf an Schmalz selbst zu decken. Und das ist es denn auch, was die Agrarier wollen. Die Regierung hat den agrarischen Wünschen hinsichtlich der Zollerhöhung auf Schweineschmalz bereits ihre Geneigtheit ausgesprochen. Die Steuer, die man den armen und mittleren Mann hier wieder aufladen will, würde nach vielen Millionen zählen. Wer bezahlt die Warenhaussteuer? Wie es um den„Schutz des Mittelstandes“ aussieht, der nach Ansicht der antisemitischen und sonstigen Mittelstandsretter durch die Waren⸗ „Vorwärts“ veröffentlichtes Rundschreiben, wel⸗ ches ein Dresdener Warenhaus an seine Liefe⸗ rauten richtet. In demselben wird darauf hingewiesen, daß nunmehr vom Dresdener Stadt⸗ rat eine Umsatzsteuer beschlossen worden ist, und die Firma ersucht ihre Lieferanten, ihr bei ihren Bezügen einen entsprechenden Umsatz⸗Bonus zu gewähren. Dann heißt es weiter: „Da diese Umsatzsteuer von unserem gesamten Verkaufserlös zu zahlen ist, so sind wir, der Not gehorchend, gezwungen, für die Folge nur mit solchen Lieferanten zu arbeiten, * In Deutschland gemacht. ** Prämie, Vergütung. a orpedobooten und Unterseeboten, an. Die Regierungsvorlage Wie dem„Vorwärts“ von sehr glaubwürdiger Seit dem 15. Mai, also in nur 6 Wochen. In Summa haussteuer erreicht werden soll, zeigt ein im elsssen. 10 ande irenhal Junmlöf Huschel! nhl nie Elondpu Ahnen at Steuer schlim me diejenige Antreten dez Mi Was Ein handlut entroll. Halle handelte berichtet Domäne ahielter Mittags die Aub Anttetat heit, zwe des Die die Ant bauchig ö täglic flinken N Nürm ungen — 2 — — — 2 2 — — — — —— — — = — 1 1 N * Nr. 28. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. welche uns von den einzelnen Fakturenbeträgen 2½ Prozent Umsatzsteuererlaß lürzen.“ mit bereite, sei peinlich sauber und akkurat. Es sei thöchstens möglich, daß einmal ein Wurm„in das Geschirr gefallen sei“. Davon, daß die Leute Ucberstunden nicht bezahlt bekommen haben, meinte Zeuge Nagel,„ist mir nichts bewußt“. Der Arbeiter Kupat, jetzt noch auf der Domäne beschiftigte, bekundet eidlich, fünf mal min⸗ destens(im Monat Mai) stäümnkendes Fleisch als Speise bekommen zu haben. Der Arbeiter Rüstock hatte dre im al Würmer von«ansehnlicher Länge in seinem Essen gefunden und zso ging die Beweisaufnahme weiter, wonach sich das direkte Gegenteil herausstellte von dem was Herr Nagel gesagt hatte. Zeuge Redakteur Swienty äußerte ssich über das ihm von den polnsschen Arbeitern überbrachte Fleisch, das thatsächlich in Verwesung übergegangen war und der Gerichtshof hob in der Urteilsbegründung extra hervor, das er dem Zeugen Swienty vollen Glauben schenke. Der Vertheidiger der Ange⸗ klagten, Rechtsanwalt Herzfeld, meinte, er glaube micht, daß solch stinkendes Fleisch auf den Herr⸗ schaftstisch kam. Das Gericht sprach die Angeklagten antragsgemäß frei und hob in der Urteilsbegründung hervor, daß die auf der Damäne vorhandenen Mißstände den Angeklagten das Recht geben, den Dienst ohne Kündigung zu verlassen. Und wie zärtlich besorgt waren doch die Agrarier und ihre antisemitischen Trabanten bei Beratung des Fleischbeschaugesetzes um die Ge⸗ sundheit des Volkes! Wie eiferten sie gegen die Einfuhr ausländischen Pöckelfleisches und gegen die Controlle der Hausschlachtung— natürlich nur im Interesse der Volksgesundheit! Herrn Nagels polnische Arbeiter hätten gewiß mit Ver⸗ gnügen gutes amerikanisches Fleisch gegen ihr stinkendes teutsches eingetauscht. Angesichts solcher durch diese Gerichtsverhandlung blosgelegten Zustände müßte man verlangen, nicht blos die Hausschlachtungen, sondern auch die den Landarbeitern gereichten Mahlzeiten staatlich kontrollieren zu lassen. Wenigstens bei den Rittergutsbesitzern und Domänenpächtern; ein Kleinbauer schämt sich, so seine Leute zu behandeln. Mittel gegen die Leutenot. Der Vorstand der Landwirschaftskammer für Brandenburg hat den Beschluß gefaßt, daß sämt⸗ liche in der Provin; Brandenburg beschäftigten Wirtschafts⸗(Unter)beamten und Arbeiter, die min⸗ destens 25 Jahreinderselben Wirtschaft oder bei derselben Herrschaft im Dienst oder Arbeitsverhältnis gestanden und sich während dieser Zeit gut geführt haben, von der Land⸗ wirtschaftskammer eine Aus eichnung erhalten sollen, und zwar die Unter beamten eine silberne Medaille, die Arbeiter ein Diplom. 5 Zu„guter Führung“ gehört auch, daß nicht gemurrt wird, wenn's hier und da stinkendes Fleisch zu essen giebt! Neue Bäckereiverordnung. Wie gemeldet wird, soll der Erlaß einer neuen Bäckereiverordnung für das Reich bevor⸗ stehen, die sich an die in einzelnen Bundesstaaten bereits in Geltung befindlichen anlehnt und unter anderem genaue Vorschriften über die Lage- rungen des Mehls enthält. So soll das freie Lagern von Mehl auf Mehlböden gänzlich verboten und an sehr scharfe Bedingungen ge⸗ knüpft werden. Wir möchten es wünschen, wird aber wohl so„scharf“ nicht werden.— Wie notwendig eine solche Verordnung wäre, beweist der in einer Gaukonferenz der Bäcker Südbayerns vorgelesene Brief eines in Bad Aibling be⸗ schäftigten Bäckergesellen. Darin finden sich fol⸗ gende Mitteilungen über die Bäckerei Zimmermann in Aibling(Bayern). die mit Recht als Schweinestall bezeichnet wird: „... Der Lehrling muß von 9½ Uhr abends bis nachmittags 2, sogar auch bis 3, 4 oder 5 Uhr arbeiten. Die Backstube ist schon seit 14 Monaten nicht mehr geputzt, die Semmeltücher in derselben Zeit nur z wei Mal gewaschen; eines dieser schmutzigen„Tücher“ wurde hier gewogen und hatte ein Gewicht von 1 Pfd. 400 Gramm. In der Backstube hausen die Mäuse; ein solches Tier zog man einmal aus der Brotsäure, ferner able 0 Was wird nun die-Folge seirk Die Fabri⸗ vorlag kanten werden kden Warenhäusern diesen Nachlaß te 6g gewähren müssen, da sie aber nichts von ihrem wilg?- Profit einbüßen wollen, werden ssie sich durch W Lohnkürzumgen an den Arbeitern schadbss Mun halten. Die Arbeiter müssen also schließlich ful für die Kosten der famosen Mittelftandsrettang K aufkommen. Die man aber treffen wollte, die großen Warenhäuser, machen unter Umständen noch ein gutes Geschäft, denn sie werden sich Unter die Gelegenheit zu einem Preisgufschlag eimat N nicht entgehen lassen. So hat der Arbeiter und n, be⸗ der Konsument den Schaden, der Mittelstand u, der aber richt den geringsten Nutzen, Has wird em 5 er ee sein, wo die Umsatzsteuer der- eingeführt wird.. g das Wer ist der Dummkopf! k sch Der badische Finanzminister Buchenberger, 1 dessen F 5 e wir 5 5 letzten Nummer anführten, wird wegen seiner gegn g anz vernünftigen Haltung gegenüber der un⸗ 0 det vernünftigen Forderung der Umsatzsteuer in dem Chtif, Offenbacher Antisemitenblatte fürchterlich herunter⸗ gerissen.„Hält Herr Buchenberger die Minister 1 e 1 1 1115 Warenhaussteuer eingeführt haben) vielleicht für 1 Dummlöpfe“ fragt erbost das Blatt der Herren bers Hinschel und Köhler. Nun, die Finarzminister 15 wohl nicht, die würden im Gegenteil 70 ihrem „Standpunkte ars unklug handeln, wenn sie eine 1 shnen 42 75 ee e e 70 ̃ Steuer ablehnten. ummlöpfe aber und noch 12 schlim meres sind die Abgeordneten sowie alle 90 diejenigen, die für eine solche Wai e eeintreten, angeblich, weil sie davon die Rettung em des Mittel standes erwarten. 15 Was ein königlicher Amtsrat seinen Land⸗ arbeiter bietet. Ein überaus trauriges Bild von der Be⸗ 3 handlung der Landarbeiter durch die Agrarier 11 entrollte 190 ae an d e f 5 1 Halle. Ueber die Sache, um die es sich dabei bein- handelte, haben wir in Nr. 24 der M. S. Ztg. per berichtet. Polnische Landarbeiter, welche auf der n nd Domäne Giebichenstein bei Halle besckättigt waren, 22619 erhielten mehrsach stinken des Fleisch zur te von Mittagskost verabreicht, weshalb mehrere derselben e einen die Arbeit einstellten. Der Pächter, königlicher bruch Amtsrat Nagel hatte nun noch die— Kühn⸗ 1 7 heit, zwei Arbeiter wegen e e en Be des Dienstes anzuzeigen. Vor Gericht erklärten it nicht die Angeklagten, zum Verlassen des Dienstes chöhung berechtigt zu sein, da die Behandlung uner⸗ en Jette täglich war. Sie hätten wiederholt igetung stinkendes Fleisch und Suppe mit langen wodulke: Würmern zu essen bekommen und waren ge⸗ auntlch zwungen worden, ohne Bezahlung Ueber⸗ de ist, stunden zu leisten. Als sie am Sonntag den . Und 27. Mai, 1 e wollen. bekamen, hätten sie sich an den zuständigen zünschen Polizeikommissar gewandt, der ihnen auf ihre schnulz Beschwerde entgegnet habe, das Fleisch sei ge⸗ „ Die nießbar. Zum Ueberfluß habe er noch die Be⸗ tleren merkung gemacht:„Bleibt in Eurem Polen, dann de nach braucht ihr nicht stinkendes Fleisch zu essen! Als sie das Fleisch in einer Wirtschaft vorzeigten, l habe man ihnen den Rat erteilt, es einmal dem 2 in der Nähe wohnenden Redakteur Swienty vom tand„Volksblatt“ vorzulegen; vielleicht könne derselbe nin durch Veröffentlichung der Sache Abhülfe schaffen. nen, Die Leute gingen zu dem Genossen Swienty, nein der dann das Fleisch, um sich nicht zu übergeben n ol, und um sich die Wohnung nicht zu verpesten, Liefe, schleunigft in mehrere Bogen Papier packte und daruf außerhalb auf die Fensterbank hinlegte. Am 8 Stadt andern Morgen früß wurde das Fleisch zum it, 15 Handelschemiker Dr. Lenz gesandt, der nach stalt⸗ 1 gehabter Mlersucheng ate 0 10 180 15 einen ekelerregenden Geru esaß, 9 auf bereits eingetretene Verwesung gcc schließen läßt. Das Fleisch sei als verdor b 5 t, de zu bezeichnen. Zeuge kgl. Amtsrat Wilhelm Nage 1 fol bekundet unter dem Ei de, daß das Essen u immer tadellos gewesen sei. Er und seine Und seine Frau, die das Mittagessen Frau und noch etwa 270 Personen essen auch davon. ein Haarolglas mit Inhalt, aber ohne Kork. Im Kaffee wurden Haare, eine kleine Spinne und Füße von sogen. Russen vorgefunden; aus den Knödeln zog man schon Haare.... Noch etwas haben wir zu erwähnen, näm⸗ lich, daß jeder Buyrsche in der Woche ein Handtuch be— kommt, welcher 17 bis 18 Stunden arbeitet und vor lariter Schweiß umfallen möchte.“ Da wären gewiß scharfe Bestimmungen nötig, aber sie müssen auch durchgeführt werden. Muckerei. Der pom Berliner Polizeipräsidium veröffent- lichte Bericht über die Bauthätigkeit Berlins im Jahre 1899 meldet, daß sich unter den im Laufe des Jahres ausgeführten Bauten 10 Kirchen und 11 Schulen be⸗ fanden. Dies Zahlenverhältnis ist lehrreich! Die Berliner Volksschulen sind überfüllt, es fehlt an Klassenräumen, an ganzen Schulhäusern, 420 Klassen wurden in Mietsräumen, die eigentlich zu Wohnungen bestimmt waren, unterrichtet, und 117 Klassen hatten überhaupt keine eigenen Schul⸗ zimmer.— Und da baut das stolze,„liberal“ verwaltete Berlin ganze 11 Schulen. Die Kirchen aber, die fast alle leer stehen, warden um 10 vermehrt!— Mit der Zunahme der Frömmigkeit sieht's überhaupt in Berlin bei aller Kirchenbauerei höchst windig aus. So zum Beispiel sank nach der vom„Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin“ veröffentlichten Zusammenstellung die Zahl der Taufen von 36 777 im Jahre 1892 auf 36771 im Jahre 1897, die der Konfir⸗ mationen von 23 505 auf 22 614. Auch der kirchlichen Trauungen und Begräbnisse sind es im Verhältnis zu der bedeutenden Zunahme der Berliner Bevölkerung eher weniger als mehr geworden. Wozu also das Geld für kostspielige Kirchenbauten verpulvern, für welche doch gar kein Bedürfnis vorliegt? Diäten für Reichstagsabgeordnete. Halbamtliche Blätter berichten, daß unter den Regierungen Erwägungen über die Ge— währung von Anwesenheitsgeldern an die Re chstagsabgeordneten schweben und daß die Wahrscheinlichkeit besteht, daß der Reichstag — zwar nicht in der nächsten Session, aber doch noch innerhalb der bis 1903 laufenden Legis⸗ laturperiode einen] Gesetzentwurf zur Regelung der Diäten erhalten wird. Höchste Zeit wäre es endlich; die Regierungen scheinen aber damit nicht besondere Eile zu haben. Wie Sozialdemokraten gezüchtet werden. Der christlichen Textilarbeiter⸗ organisation zu Aachen ist von den Unternehmern ein schwerer Schlag versetzt worden. Der Fabrikant Schneewind in Bingden bei Aachen hat an seine Arbeiter die Forderung gestellt, aus der erwähnten christlichen Organi⸗ sation auszutreten. Es kam zum Streik. Tapfer hielten die Arbeiter mehrere Wochen lang Stand; aus Mangel an Unterstützung mußten sie schließ⸗ lich zu Kreuze kriechen und den Revers unter⸗ schreiben, a1s der Organisation austreten zu wollen. So treibt man den Arbeitern die Frömmigkeit radikal aus. Die Unternehmer sorgen, wie sich hier drastisch zeigt, selbst dafür, daß das Klassenbewußtsein den Puffer der Frömmigkeit beseitigt, der uns bisher noch hinderte in nähere Berührung mit diesen Arbeitern zu kommen. Der Krieg in Südafrika. Während die Augen der Welt auf China gerichtet sind, hoffen die Schergen der englischen Minenpolitiker ihr Werk in Südafrika unbemerkt vollenden zu können. So rasch als sie dachten, geht es nun doch nicht. Die Buren leisten viel⸗ mehr auf allen Seiten nach wie vor energischsten Widerstand. Nach den eingelaufenen Meldungen haben in der letzten Zeit heftige Gefechte stattgefunden, in welchen die Buren den Engländern teilweise schwere Verluste beibrachten.— So griffen die Buren am 26. Juni einen Provianttransport des Generals Paget bei Lindley an. Es wurde den ganzen Tag gekämpft; die Engländer verloren 10 Tote und 54 Verwundete. In einem anderen Gefecht wurden 3 Mann getötet und 23 Mann verwundet. Weiter stieß die fliegende Kolonne des Generals Clements auf dem nach Lindley führenden Weg auf den Feind. Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Nr. 28. Es kam zu einem heißen Gefecht. Der Feind hält alle seine alten Stellungen im Norden und Osten von Senekal besetzt, mit der zu Tage tretenden Absicht, sich gegen Ficksburg zusammenzuziehen. f g i Marschall Roberts richtet seine ganze dis⸗ ponible Hauptstreitmacht gegen Dewet, der als der gefährlichste der Burenführer betrachtet wird. Die Buren entwickeln eine große Thätig- keit östlich von Pretoria. 5 Aus Laurenco Marques wird gemeldet: Sowohl die Buren, wie die Ausländer, die hier aus Transvaal eintreffen, sind fest davon über⸗ zeugt, daß man noch drei bis sechs Monate brauchen werde, um die Buren zu unterjochen. Es sei offenbar, daß, so lange Präsident Krüger aushalte, er für die Beschaffung einer genügend starken Truppenmasse Sorge tragen werde, zur Fortsetzung des Guerillakrieges in den Bergen. Eine Zusammenstellung der Verluste, die allein die Engländer in dem Burenkriege erlitten, ergiebt die gewaltige Gesamtzahl von über 81000 Mann. Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen. Wir weisen an dieser Stelle auf die am Sonntag, den 15. Juli, in Großen-Buseck stattfindende Wahlkreiskonferenz hin und ersuchen die Genossen in allen Orten des Wahl⸗ kreises, sich an derselben durch Entsendung von Delegierten zu beteiligen. Wo solche noch nicht gewählt sind, wolle man die Wahlen sofort vornehmen. Die Wichtigkeit der Konferenz für die Parteiorganisation wird alle Genossen— in erster Linie die einzelnen Ortsvereine— ver⸗ anlassen, dem Aufrufe des Kreisvertrauensmanns die nötige Beachtung zu schenken. Also auf zur Arbeit, auf zur Konferenz! Gegen den Gutscheinhandel wendet sich eine Bekanntmachung des Kreisamts Gießen. Dieses unter dem Namen Hydra⸗ Schneeball oder Lawinen⸗System bekannte Ge⸗ schäftsgebahren besteht darin, daß dem Erwerber eines Hydra Gutscheines die Lieferung eines im Werte erheblich über den Preis des Gutscheins hinausgehenden Gegenstands, vornehmlich einer Uhr oder von Stahl⸗ und Messerwaren in Aus⸗ sicht gestellt wird, sobald er von der Firma eine bestimmte Anzahl von Gutscheinen käuflich erworben, diese an andere Personen abgesetzt, und jede von diesen Personen wiederum auf ihren Gutschein die gleiche Anzahl von Gutscheinen von der Firma bezogen hat. „Die Anwendung dieses Systems muß mit Notwendigkeit dahin führen, daß die weitaus größte Zahl der Gutscheine als wertlos verfällt und der Erlös für dieselben ohne Gegenleistung dem Gewerbetreibenden verbleibt, der mit dieser unausbleiblichen Folge des Systems off nbar rechnet, während der Käufer der Gutscheine leer ausgeht und sich getäuscht findet.“ Wenn wir uns auch der amtlichen Warnung nur auschließen können, so meinen wir doch, daß damit wenig oder nichts erreicht wird. Man sollte dieses unsolide Geschäftsverfahren einfach verbieten, oder die jenes System anwendenden Firmen verpflichten, die ausgegebenen Scheine wieder zurückzunehmen. Wieseck. Zur Feier seines fünfzigjährigen Jubi⸗ läums hat der Gesangverein„Concordia“ eine größere Festlichkeit arrangiert, die am 7., 8. und 9. Juli auf dem Festplatz in Wieseck stattfindet. An dem für Sonntag geplanten Festzug werden sich eine große Anzahl aus⸗ wärtiger Vereine beteiligen. Für Montag Abend sieht das Programm, dessen Einzelheiten aus dem Inserat ersichtlich sind, großes Feuer⸗ werk vor. Der Arbeiterbildungsverein kommt am Sonntag mittags ½1 Uhr bei Wacker zusammen. Vereins⸗Abzeichen und Karten sind dort zu haben. Zu dem Wetzlarer Handschuhmacherstreik wird dem Gehilfenorgan geschrieben: Die Lage ist unverändert. Arbeitswillige haben sich bis heute auch noch nicht eingefunden, außer bei Herrn Mandler, wo ein Nichtmitglied Namens Alb. Harrig, welcher Schleusenwärter und neben⸗ bei Musiker ist, zur Zeit arbeitet. Dieser Mann füllt nun die freie Zeit, welche ihm diese beiden Berufe lassen, als Nothelfer des Herrn Mandler aus, indem er zuhause Handschuhe schneidet.— Herr Schede hier hat einen Streikenden schon vor sechs Wochen eingestellt und den von uns geforderten Tarif für Waschleder anerkannt. Der Kollege hat auch noch die Gelegenheit, sich auf Glacee einzurichten. Die Arbeiter auf Glacee haben einen Pfennig pro Paar zugelegt erhalten. — Allgemeinen Unwillen erregt das Verhalten des Herrn Derbeck, der früher in Wetzlar Kassierer der Gehülfenorganisation war und heute die gerechten Forderungen der Arbeiter mit am wütendsten bekämpft. Der Ehrenmann stellte sich sogar nebst seinen biederen Lehrbuben einem anderen Fabrikanten als Arbeits williger zur Verfügung. Die Wetzlarer Genossen machen wir nochmals auf die am Montag, den 9. in Wetzlar und am Dienstag, den 10. Juli in Krofdorf stattfindende Wahl zum Ge— werbegericht aufmerksam. Die Wahlzeit ist vormittags von 9—1 Uhr und nachmittags von 5—8 Uhr festgesetzt. Von Seiten der organisierten Arbeiter ist der Schneider Herm. Kothe aufgestellt. Sache der Genossen ist es, demselben durch lebhafte Wahlbeteiligung zum Siege zu verhelfen. Durcheinander in der Offenbacher Stadt⸗ verwaltung. Ziemlich stürmisch ging es in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Offen- bach am 28. Juni her. Der Oberbürgermeister Brink hatte verschiedentlich Beschlüsse der Ver⸗ sammlung nicht zur Ausführung gebracht, unter anderem auch den bezüglich der Erhöhung des Gehaltes seines Kollegen, des Leigeordneten Wolff, durch einen Bericht an das Kreisamt zu hintertreiben versucht. Stadtv. Ulrich griff deshalb den Oberbürgermeister mit äußerster Schärfe an. Die Zustände in der Stadtverwal⸗ tung seien durch das Verhalten des Herrn Brink ganz unhaltbare geworden, er handle geradezu unverantwortlich und ungesetzlich.— Der Bei⸗ geordnete Wolff führte eine Reihe Fälle an, in welchen der Oberbürgermeister seine Ve⸗ fugnisse überschritten und Beschlüsse der Stadt⸗ vertretung nicht ausgeführt habe. Wenn so fortgewurstelt würde, so könne der Oberbürger⸗ meister jahrelange Unruhe in die Verwaltung bringen. Stadtv. Ulrich beantragte schließlich die Wahl eines besonderen Kontrollaus— schusses, der die Thätigkeit des Oberbürger⸗ meisters zu überwachen habe. Herr Brink verteidigte sich nur sehr matt auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Anf zehnjährigen Kampf blickt unser Parteiorgan in Magdeburg, die „Volksstimme“ zurück. Dieses Jubiläum feierte die Magdeburger Partei am Sonntag durch einen großen Festkommers. Eine großartig ausgestattete Festnummer der Volksstimme schildert eingehend alle Verfolgungen und Schwierigkeiten welche das Blatt und die Partei in Magdeburg zu erdulden und zu überwinden hatte. Die Magdeburger Volksstimme ist das am schwersten verfolgte Parteiblatt Deutschlands. Nicht weniger als 12 Jahre 1 Monat 13 Tage Ge⸗ fängnis und 7096 Mark Geldstrafe wurden in den 10 Jahren über Redakteure und Verleger verhängt. An Gerichtskosten ꝛc. mußten 33 840 Mark gezahlt werden. Aber all die schweren Schläge haben nur die Lebenskraft, den Kampfesmut der wackeren Streiterin zu erhöhen vermocht. Als die„Volksstimme“ gegründet wurde, war ihr Umfang und ihr Abonnentenstand nur ein be⸗ scheidener, gegenwärtig rangiert unser Magde⸗ burger Bruderorgan hinsichtlich seines Umfanges und seiner Abonnentenzahl unter den größten und verbreitetsten Parteiblänern. nummer doch 36 Seiten stark! Möge der weitere Kampf unseres Bruder⸗ organs für die Befreiung des Proletariats von gleichem Erfolge begleitet sein! Das Berliner Gewerkschaftshaus, Engel⸗Ufer 15, bietet auch solchen Parteigenossen und Gewerlschaftsmitgliedern, die nicht als Handwecksburschen reisen, Gelegenheit zum Ueber⸗ nachten. Es sind eine Anzahl Zimmer zu je zwei Betten vorhanden, die mit ihrer Einrich⸗ tung den billigen Hotelzimmern nicht nachstehen und dabei nnr 75 Pfg. pro Bett kosten. Wir machen unsere Leser, die in Familien- oder sonstigen Angelegenheiten nach Berlin reisen, ganz besonders hierauf aufmerksam. Ein bezechter Geschworener. Ein peinlicher Vorfall hat sich in Oldenburg in der Schwurgerichtssitzung am Samstag, den 30. Juni, zugetragen. Einer der Geschworenen war nicht zurechnungsfähig, d. h. betrunken, und deshalb wurde nach dem Antrage des Ver— treters der Staatsanwaltschaft die Sitzung aus⸗ gesetzt. Der Betrunkene, der Hausmann Gram— berg aus Donnerschwee, ist nach dem„Gemein⸗ nützigen“ wegen des skandalösen Vorfalls in der Schwurgerichtssitzung am Dienstag zu 300 Mk. Geldstrafe und in die durch ihn entstandenen Kosten verurteilt worden. Gegen die Teilnehmer an den Straßen⸗ krawallen in Hannover die gelegentlich das Straßenbahner-Ausstandes dort stattfanden, wurde der Prozeß vor dem Schwurgericht in Hannover zu Ende geführt. Sieben Personen waren wegen Landfriedensbruchs und Aufruhrs angeklagt, jedoch nur ein Ayge⸗ klagter wurde dieses Vergehens für schuldig be⸗ funden, zwei wurden ganz freigesprochen, einer von diesen hatte drei Wochen in Untersuchungs⸗ haft gesessen; jetzt beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung. Das Urteil lautete gegen den Schuhmacher Breitenbach(23 Jahre alt) wegen Aufruhrs, unter Zubilligung mil⸗ dernder Umstände, auf 10 Monate Gefängnis; ferner erhielten der Dienstknecht Rennemann (21 J.) wegen Widerstands gegen die Staats⸗ gewalt 10 Monate Gefängnis, der Bierhänd⸗ ler Busse(34 J.) wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, unter Zubilligung mildernder Umstände 4 Monate Gefängnis, Arbeit-r Bivor (15 J.) und Stallbursche Schöneberg(15 J.) wegen groben Unfugs je zu 3 Wochen Haft. Freigesprochen wurden der Former Kramer und der Mechaniker Brenne. Schreckliche Feuersbrunst in den New⸗Yorker Docks des Norddeutschen Lloyd. Eine Brandkatastrophe, wie sie furchtbarer in der Geschichte New⸗Yorks noch nicht vorge⸗ kommen ist, hat sich am Samstag, 30. Juni, Nachmittags auf den Docks des nordd. Lloyd in Hoboken bei New⸗Pork ereignet und viele Hunderte von Menschenleben ver⸗ nichtet. Hoboken ist von New-Pork nur wenige Kilometer entfernt. In den stundenlang an der Kiste sich hinziehenden Piers(Pfeiler, Dämme), auf deren ausgedehnten Granitfundamenten sich zahllose aus Holz und Eisen konstruirte Waren⸗ häuser erheben und von denen Holzbauten in regelmäßigen Zwischenräumen in die See hin⸗ ausragen, herrscht in den Nachmittagsstunden reges Leben. Sonnabend war Besuchstag für die Schiffsbesatzungen. Die Docks waren des⸗ halb von Frauen und Kindern überfüllt, die ihre Ehemänner und Väter besuchen wollten. Als das Feuer nachmittags um 4 Uhr auf dem Pier Nummer 3 ausbrach, fegten die Flammen mit elementarer Gewalt über den Pier und verbreiteten sich mit so rasender Geschwindigkeit über die Kais, daß in wenigen Minuten 1750 Menschen abgeschnitten und von dem Feuermeer umzingelt waren, während in den Speichern Whiskey⸗, Oel⸗ und Petroleumfässer explodirten. Infolgedessen breitete sich das Feuer mit einer solchen Geschwindigkeit aus, daß innerhalb einer halben Stunde die Piers ein Meer von Flammen waren. Das Feuer sprang über den schmalen Wasserarm und setzte auch die Erschien ihre Fel. D——— S — = feinen e scht wen gerbronn Echleype bluldde n Mutige k nen sch Munnsch 16 Man den elllärten des Kohl Fllen, slihlt hä Vr 90 Man dieses E den bei Fgahllos Wasser an Me gestellt W = E — 9 — lurger Metlung Fapitän stäärdlie ahr L qu ihrer Aus 1 1 uuf den Et 100 fen a mt ein, dem chez, N W. i Vrule dlatz bm us, is uicht a5 im Ueber. er zu 0 ein lachtehen en. Wit en oer i reisen enburg ag, den worenen runken, des Ver⸗ ung auß. N Gram⸗ „Gemein⸗ s in der 300 Ml. standenen 2 8 Straßen. Aöstandes vor dem geführt. nsbruchz u Arge⸗ ldig be⸗ , einer suchungz⸗ anwalt l lautete 3 Jahte ing mil⸗ sängnis; nemann Staats⸗ jierhänd⸗ egen die ilderndet 1 Biobr 5 0 n Haft. mer und „Horker d. t borge⸗ 0. Jun, Auohd in nd viele n vel Ir venige an det Dämme, ten sih Woren⸗ auten il See bil unden uchtbater Nr. 28. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Kabine der„Saale“ und die äußersten Theile am„Main“,„Kaiser Wilhelm“,„Thing Valla“ in Brand. Die Bemühungen der Mannschaften, die Schiffe loszumachen, waren bei der herschenden Verwirrung vergeblich. Es gelang nur, den großen Prachtdampfer„Kaiser Wilhelm“, dessen Takellage und Holzwerk wieder⸗ holt von den Flammen ergriffen wurde, unter äußerster Anstrengunz und Lebensgefahr der Besatzung zu retten. Der„Main“ war schon fast bis zur Wasserlinie abgebrannt, als es endlich gelang, ihn flott zu machen und auf den Strom hinaus⸗ zuschleppen, dabei sah man deutlich, daß sich noch Menschen auf Deck befanden. Der„Main“ soll allein 73 Todte und sechzig Fehlende zu verzeichnen haben. 17 Personen konnten mit großer Mühe von seinem Deck gerettet werden. Das Schiff lag sieben Stunden wie ein Flammen⸗ meer da. Die Zuschauer konnten beobachten, wie viele der Opfer sich bemühten, durch die kleinen Stückpforten hinauszuklettern, aber nur sehr wenigen gelang es. Die meisten wurden verbrannt. Um 10 Uhr 30 Min glückte es einem Schlepper, ein Tau zu befestigen und der„Main“ wurde nach Weehawken geschleppt und in die dortige Bucht gebracht. Hier wurden die Flam⸗ men schließlich gelöscht. Hinterher sahen die Mannschaften des Schleppers zu ihrem Entsetzen 16 Mann von der Mannschaft der„Main“ aus dem Wrack herauskriechen. Dieselben erklärten, daß sie Zuflucht im tiefsten Grunde des Kohlenbunkers gesucht hätten, wo sie geblieben waren, bis sie eine Bewegung des Schiffes ge— fühlt hätten. Vvn der Besatzung der„Saale“ kamen etwa 80 Mann meistens Heizer ums Leben, der Kapitän dieses Schiffes verbrannte ebenfalls. Viele wur⸗ den bei der allgemeinen Flucht niedergetreten. Zahllose Menschen, die, um sich zu retten, ins Wasser sprangen, ertranken. Der Gesammtverlust an Menschenleben konnte bisher noch nicht fest⸗ gestellt werden. Während sich die Mannschaften der Ham⸗ burger und Bremer Linie hervorragend am Rettungswerk betheiligten, benahmen sich die Kapitäne mancher kleinen Fahrzeuge wahrhaft schändlich, indem sie von den in höchster Lebens⸗ gefahr Befindlichen Geld verlangten, ehe sie etwas zu ihrer Rettung thun wollten. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 5. Juli. Zusammenkunft der Genossinnen und Genossen am Sonntag den 8. Juli nachmittags auf dem Sellhof. Etwas vom groben Unfug. Ver⸗ gangene Woche zog eine Schar Studenten, einen großartigen Radau vollführend, durch die Barfüßerstraße. Einer dieser Edlen war auch mit einem Gewehr bewaffnet und wurde von einem seiner Kneipgenossen aufgefordert, zu schießen, was es koste, werde er bezahlen. Dieser ließ sich das nicht zweimal sagen, gab den Schuß ab und lief von dannen. Die Polizei erschien nun auf der Bildfläche. Allen wurde es ganz unheimlich zu Mut, aber die Lösung der ganzen Affaire sollte bald ans Tageslicht kommen, da ein Unbeteiligter die ganze Sache mit angesehen und auch bemerkt hatte, wer den Schuß abgegeben. Hoffentlich wird der Schuß recht teuer zu stehen kommen. Hätten Arbeiter einen solchen Bubenstreich verübt, so wären sie sofort hinter Schloß und Riegel gekommen. Aber bei Studenten, bei solchen, die später einmal über das Volk zu Gericht sitzen sollen, ja Bauer das ist etwas anders. Kleine Mitteilungen. Lollar. Eine Menge Ausländer nament⸗ lich Galizier sind an dem Bau der Nebenbahn Lollar⸗Londorf beschäftigt. Dies sind, wie im „Wetzl. Anz.“ zu lesen steht,„lauter herkulische Gestalten mit wenig Lebensbedürfnissen.“ Also Arbeiter nach dem Herzen unserer Patent⸗ patrioten. Billige Arbeitskräfte vom Ausland importiert, dagegen die Grenzen für Lebensmittel abgesperrt, das ist so die richtige agrarisch⸗kapita⸗ listische Politik. Und dann verlangt man vom Arbeiter noch Vaterlandsliebe, Begeisterung für Flotte und so weiter. Der reine Hohn! ** Wetzlar. Der Taglöhner Philipp Müller, der, wie wir s. Zt. berichteten, bei den Sänger⸗ feste in Waldgirmes einen unsittlichen Angriff auf eine Frau ausführte, wurde vonm Schwur⸗ gericht Marburg zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und dreijährigem Ehrverlust verurteilt. ** Büttelborn bei Großgerau. Die 35jährige Ehefrau der Heizers Balthasar Eichen— hauer tödtete am 29. Inni in einem Anfall von Geistesumnachtung das jüngste ihrer sechs Kinder einen jährigen Knaben, auf einem im Hofe stehenden Hackklotz mit einer Holzaxt. * Blutiger Streit. Beim Mittagessen geriet in der Cementsabrik in Offenbach der 21 Jahr alte Arbeiter Heinrich Schmidt aus Somborn mit dem im gleichen Alter stehenden Josef Peter in Streit, in dessen Verlauf letzterer seinem Kollegen einen Sich in's Herz beibrachte. Schmidt starb nach wenigen Minuten. Peter wurde verhaftet. * Unsittliches!] Attentat. Im Frankfurter Stadtwalde wurden in der Nähe von Niederrad wiederum mehrere Personen überfallen und vergewaltigt. Als Thäter ist der mehrfach vorbestrafte Heinrich Wirt aus Niederrad ermittelt und verhaftet worden. Arbeiterbewegung. Mainz. Infolge des neuerlichen Aus- standes der Gasarbeiter beschlossen die städtischen Deputationen, eine allgemeine Regu⸗ lierung der Löhne der städtischen Arbeiter bei der Stadtverordnetenversammlung in Vorschlag zu bringen. Bei dem Arbeitersekretariat in Frankfurt ist an Stelle des ausscheidenden Genossen Kampffmeyer Genosse Müller⸗ Berlin, der schon einen längeren Probedienst hinter sich hat, vom 1. Juli ab als Sekretär angestellt worden. Kampffmeyer wird jedoch dem Arbeitersekretariat nach wie vor als Berater und Mitarbeiter zur Seite stehen. 1 Beigelegt ist der Streik der Barbiere in Frankfurt. Die provisorischen Barbier⸗ stuben sind aufgehoben. Cassel. Sämtliche Maurer legten wegen Nichtbewilligung der Lohnforderungen die Arbeit nieder. Zu den alten Bedingungen arbeiten nur 17, abgereist sind 187, anderweitig untergebracht 103 Maurer, so daß nur noch wenige am Ort sind. Streikbrecher-Organisation. Die Meistersöhnchen im Bäckergewerbe sind im Begriff, eine Organisation zur Züchtung von Streikbrechern zu bilden. Unserm Kölner Parteiorgan fiel folgender Aufruf in die Hände: „Geehrter Herr Kollege! Der Fachverein von Bäckersöhnen zu Köln bittet um Mit⸗ teilung ob Sie geneigt sind, bei einem eventuellen Streikaus bruch in Ham⸗ burg sich den dortigen Bäckermeistern zwecks Aushilfe zur Verfügung zu stellen. Alle Kosten übernimmt die gemischte Kommis⸗ sion der Bäckermeistersöhne zu Hamburg und Altona als Ehrensache. Beiliegende Karte wollen Sie gefl. zur Rückanwort benutzen. Mit kollegialischen Gruß Der Fachverein von Bäckermeistersöhnen Köln.“ Wenn die Söhnchen einmal selbst„Meister“ werden, fragen sie sicher so wenig wie jetzt ihre Väter nach den„Herren“ Kollegen und beuten sie unter Umständen ebenso aus wie jene ihre Gesellen. Die Sache der Bäckermeister muß sehr schlecht stehen, wenn sie gezwungen sind, die eignen Söhne zu so schäbigen Diensten ins Feld zu schicken. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen Deutschlands weist in seinem Rechenschaftsbericht für 1899 eine Ein⸗ nahme von 101 217,25 Mk. und an Ausgaben 81 466,73 Mk. nach. Die Kassenbestände in den Verwaltungen und in der Zentrale beliefen 5 sich am 31. Dezember v. J. auf 74 663,25 Mk. (Vermögenszunahme rund 20000 Mk.). Die Unterstützung bei Streiks erforderte 20 522,77 Mark(1898 nur 1256 Mk.), das Fachorgan 16 026,16 Mk., 20 943,04 Mk. verblieben den Filialen als Prozente. Der Mitgliederstand hob sich von 9495(darunter 438 weibliche) auf 13 224(darunter 639 weibliche). Rechtssprechung. § Ablehnung eines ganzen Gerichts⸗ hofes. Wie wir in Nr. 13 mitteilten, ver⸗ handelte vor etwa Vierteljahrsfrist die Gießener Strafkammer gegen den Diener des bekannten Gesellschaftsvereins wegen Unterschlagung. Der Verteidiger lehnte damals die Richter wegen Befangenheit ab, weil sie sämtlich Mitglieder bes geschädigten Vereins wären. Von dem Oberlandesgericht Darmstadt, das sich daraufhin mit der Rechtsfrage zu befassen hatte, wurde entschieden, daß die Mitgliedschaft der Richter zum Gesellschaftsverein sie nicht unfähig mache, in der Sache gegen den Diener das Richteramt auszuüben. Es wurde der Angeklagte von der Strafkammer Gießen zu 2 Jahren 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Auf grund des angeblich verletzten§ 22 Absatz 1 der Straf⸗Prozeßordnung verfolgte der Verteidiger die Revision beim Reichs⸗ gericht gegen das verurteilende Erkenntnis. Das Reichsgericht hob das ergangene Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Darmstadt zu erneuter Verhandlung. § Während des Stuttgarter Möbel— arbeiterstreiks sind verschiedene Arbeiter, die von der Streikleitung Unterstützung erhalten haben, vor Beendigung des Streiks zur Arbeit zurückgekehrt. Sie sind darauf vom Kassierer auf Herausgabe der Unterstützung verklagt worden. Das Landgericht Stuttgart hat jedoch erklärt, daßsdiese Forderung auf grund des§ 152 der Gewerbeordnung unstatthaft sei. Kreis⸗Wahlverein Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 15. Juli, nachmittags 1 Uhr, im Lokale des Herrn Größer in Großen⸗Buseck: ANreis⸗ Konferenz. Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht.— Vor⸗ stands wahl. 2. Landeskonferenz und Parteitog. Referent Orbig⸗Gießen. 3. Unsere Presse. Referent Beckmann⸗Gie ßen. Die Parteigenossen allerorts im Wahlkreise werden ersucht, sich an der Konferenz zu beteiligen und die Wahl der Delegierten unverzüglich vorzunehmen. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 7. Juli: Gießen. Wahlverein abends ¼9 Uhr bei Orbig. Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 9 Uhr bei B. Keil Versammlung. Letzte Nachrichten. Eine Niederlage brachte unserer Partei die am Donnerstag statt⸗ gefundene Reichstagsersatzwahl iMühlhausen i. Els. An Stelle Buebs, der das Mandat seit 1893 innehatte, kandidirte Genosse Emmel, der kürzlich von Saargemünd nach Mühlhausen übersiedelte. Kandidat des gesamten QOrdnungs⸗ breies war der Mühlhäuser einflußreiche Groß- kapitalist Schlumberger. Wenn anch die Chancen für uns ungünstig waren, so ist unser Stimmenverlust doch ein ganz bedeutender. Nach den bis jetzt vorliegenden Zahlen erhielt: Schlumberger 17670 Emmel 7688 Stimmen. Im Jahre 1898 siegte Bueb mit über 13000 Stimmen im ersten Wahlgange gegen nur reichlich 9000 gegnerische.— § Vom Schwurgericht in Brüssel wurde der Attentäter Si pi do, der s. Zt. auf den Prin⸗ zen von Wales einige Schüsse abfeuerte, freigesprochen, ebenso seine drei Mitange⸗ klagten. Sipido wurde nur bis zu seinem 21. Lebensjahre unter Aufsicht gestellt, aber sofort freigelassen. Als das Urtheil bekannt wurde, brach die zahlreich vor dem Gerichtsgebäude ver⸗ sammelte Menschenmenge in Jubelrufe aus. 50 51 a 4 3 1 4 1 Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Anterhaltungsteil. Trutzlied. Und wir weichen nicht!— Ob Ihr aus tückischem Hinterhalt Vergiftete Pfeile schießet, Ob Ihr mit ruchloser Faust der Gewalt In eiserne Kette uns schließet: f Uns zwingt ein Gedanke empor zum Licht, Das in strahlender Schönheit durch Wolken bricht, Und wir weichen nicht! Und wir weichen nicht!— Wir tragen im Hiru ein flammend Gebot, Vom Genius der Menschheit gegeben: Euer Leben, es ist ein ewiger Tod, So erkämpft Euch ein wahres Leben!— Wir schwuren zu folgen unserer Pflicht Mit stolz erhobenem Angesicht— Und wir weichen nicht! Wir sehen in schimmernder Ferne schon Das Land unsrer Sehnsucht winlen, Wir sehen der Freiheit goldenen Thron Durch des Frührots Gluten blinken, a Wir sehen den Tag, der da bringt das Gericht, Der die Sklavenfesseln der Not zerbricht— Und wir weichen nicht! Emil Hauth. In Fesseln. 81 Novelle von Elise Schweichel. Johanna hatte die letzten Worte der Frau schon wie aus weiter Ferne kommend gehört. Sie war wieder in eine wohlthärige Betäubung gesunken. Ob Stunden oder Tage seit dieser Nacht vergangen, sie wußte es nicht, als sie endlich mit einem wonnigen Gefühl der Genesung wieder er wachte. Es war Tag, und die Sonne schien, und sie war allein, und es war alles so still und freundlich um sie her. Ein Veilchenstrauß stand auf dem Tisch an ihrem Bett. Sie lag und dachte. Und plötzlich breitete sich über das bleiche, abgezehrte Gesicht ein sanster Rosenschimmer, die hohlen, trüben Augen bekamen einen wunderbaren Glanz. Ja, ja, das war es! Wie seltsam, daß sie nicht gleich daran ged acht hatte. Sie war ja frei, ihrer Pflichten ledig. Sie lonnte Anton zu sich rufen, ihm angehören. Sie richtete sich im Bette auf und sah sich im Zimmer um. Es war die Putzstube der Bartelsschen Ehe⸗ leute, die Wand über ihrem Bette war mit Bildern veschiedener Städte, in denen sie gelebt hatten bedeckt. In der Mitte hing eine große Ansicht von New⸗ork mit seinem stolzen Hafen. Anton hatte die Absicht ausgesprochen, nach Amerika zu gehen; wer wußte, ob er nicht eben jetzt in jenem Hafen einfuhr. Während ihrer langen Krankheitszeit war gewiß schon ein Brief von ihm eingetroffen. Eine große Unruhe be⸗ mächtigte sich der Genesenden. War denn nic⸗ mand da? Warum ließ man sie denn so allein? Jetzt hörte sie außen flüsternde Stimmen, und die Augen und Ohren hingen guspannt an der sich leise öffnenden Thür, in der die breite Gestalt von Frau Bartels und hinter ihr Julius“ Kopf erschienen. Johanna streckte beiden die Hände entgegen; aber Frau Bartels schob nur Julius in die Stube und ließ die Geschwister allein. Das Wiedersehen zwischen diesen hatte trotz ihrer beiderseitigen Freude anfänglich etwas Ge⸗ zwungenes. Keines berührte das neue Verhält⸗ nis. Julius erzählte mit großer Lebhaftigkeit, daß er inzwischen ein litterarischen Erfolg gehabt. Er hätte die ganze Angelegenheit mit der Baronesse zu einer Novelle benutzt, die er in acht Tagen niedergeschrieben und glänzend bezahlt bekommen hätte. Das kleine Opus errege all⸗ gemeine Sensation, man spräche in der Stadt von nichts anderem, sein Name sei in aller Munde. Johanna war tief erschreckt. Julius erschien ihr entsetzlich rücksichtslos. Zu einer solchen Revanche hätte sie ihre Einwilligung nie gegeben. Allein Julius beruhigte sie. Er hätte keinen Namen genannt und die Sache möglichst schonend angefaßt; es wäre ein gerechtes Strafgericht, welches er vollzogen und welches nicht nur die sofortige Zahlung der verweigerten Summe zur Folge gehabt, sondern ihm auch das Fünffache derselben an Honorar eingebracht hätte. ich„Nun frage ich dich, mein Schwesterchen,“ fuhr er, durch das Bewußtsein seiner Heldenthat ermutigt fort,„ob du wegen meiner und Suschens Zukunft dir Sorge zu machen nötig hast? Ich brauche nur e nmal die Feder anzusetzen, um in einer Woche so viel zu verdienen, als du es mit deiner Nadel in Monaten kannst! Johanna hatte es auf den Lippen, zu fragen, warum er sie denn nicht öster angesetzt hätte, allein sie schwieg. Sie wußte, daß Julius sich über sich selbst täuschte, daß sein Talent kein so ausgiebiges war, um die Zukunst einer Familie darauf bauen zu können, daß es immer erst eines besonderen Anstoßes bedurfte, um zu reagieren, wie die Geyser, von denen sie gelesen, daß man einen Stein hineinwürfe, um ihre Thätigkeit herauszufordern. „Dann wirst du wohl bald heiraten?“ fragte sie. „Sobald Du gesund bist. darauf gewartet,“ Damit war das Eis gebrochen, und Julius begann jetzt, von Suschen zu sprechen, wie sehr sie sich schen reformiert hätte und wie gesetzt sie geworden wäre. Von der Bühne wäre sie abgegangen und beschästige sich jetzt mit ihrer Aussteuer, zu der sie von jener Dame, die sie erzogen, auf die Nachricht ihrer Verlobung eine hübsche Summe nebst einem erbaulichen Briefe erhalten hätte. N Das waren alles sehr gute Nachrichten, Jo⸗ hannas Zukunft aber ward mit keinem Worte gedacht. „Ist gar nichts für mich angekommen in der langen Zet? unterbrach sie endlich Julius Wir haben nur Mitteilungen.„Nichts von den Schulvor⸗ steherinnen—“ „Jawohl, von denen ist ein Brief da, der wahrscheinlich deine E tlassung enthält, denn die Affäre mit der Baronesse werden Dir die frommen Damen schon eintränken: Aber gleichviel, so findet sich etwas anderes. Der Schwester Julius Stor⸗ beck steht jetzt alles offen. Außerdem sind noch Blumen in Mengen da, die deine Schülerinnen täglich bringen, deren Duft Dir aber schädlich ist. Hier, diese Veilchen sind nur ein homöopa⸗ thische Dosis davon.“ Johanna lächelte matt. „Und sonst nichts?“ fragte sie— „Nein, sonst nichts!“ V. Johannas Genesung verzögerte sich auffallend. Es vergingen noch mehrere Wochen, bevor sie das Zimmer verlassen konnte. Frau Bartels hatte ihren Pflegling so lieb gewonnen, daß sie darüber keinerlei Ungeduld empfand. Johanna sollte auch bei ihr wohnen bleiben, denn oben war in Zukunft kein Platz mehr für sie. Das junge Paar wollte ihr bis⸗ heriges Stübchen zu seinem Schlafgemach nehmen. Suschen verstand es, sich in Johannas Herz während deren Genesung zu schmeicheln. Klug, wie sie war, wandte sie die geeignetsten Mittel hierzu an: sie schwärmte ron Julius und erschien stets sauber und ordentlich gekleidet und stets mit einer Arbeit in der Hand. Ihren katzen⸗ haften Kajolerien hätte zudem manch weniger weiches Her; als das Johannas schwerlich wider— standen. Um die Mitte des Dezember war diese endlich soweit genesen, um das junge Paar auf das Standesamt begleiten zu können. Sie und Frau Bartels waren die Zeugen. Die Braut sah höchst gesetzt und reizend aus in einem dunkel⸗ blauen Kaschmirkostüm mit grauer Pelzverbrämung und dazu passendem Hütchen. Von einer kirch⸗ lichen Trauung, die sie so sehr gewünscht, wurde der Kosten wegen Abstand genommen. Dafür sollte sie aber durch einen kleinen Ausflug nach Dresden entschädigt werden, wohin sich das n e Paar unmittelbar nach dem Zivilakt egab. 8 Johanna kehrte mit Frau Bartels nach deren Wohnung zurück, und jetzt erst überkam sie das volle Bewußtsein jenes öden Zustandes— viel⸗ leicht des schrecklichsten für eine Frau— in welchem niemand mehr ihrer Sorge, ihrer Thätig⸗ keit bedarf. So lange sie noch für ein geliebtes Wesen sorgen und schaffen kann, so lange fließt auch die warme, lebendige Liebesquelle ihres Herzens und giebt ihr für das Schwerste Mut und Kraft; aber die Quelle stockt und versiegt, wenn das Herz unfreiwillig feiern, die Hände unthätig in den Soß sinken müssen. Nicht gewohnt, an sich selbst zu denken, hatte Johanna für ihre fernere Zukunft noch keinen bestimmten Plan gefaßt. Für ihren Unterhalt war ihr nicht bange. Sie wußte, daß sie Arbeit genug finden würde. Frau Bartels that sie einen Gefallen, wenn sie bei ihr wohnen blieb. Die beiden Frauen hatten sich wie Mutter und Tochter aneinandergeschlossen. Johanna hatte eigentlich nie eine Mutter gehabt; die ihrige war immer ein unmündiges, der Leitung bedürstiges Kind gewesen. Nachdem sie die Wohnung für das junge Paar eingerichtet hatte, überließ sich Johanna einem unthätigen Leben. Eines Abends, als die beiden Frauen bei Lampe zusammen auf dem Sofa saßen, Frau Bartels emsig strickend, Johanna blaß und fröstelnd in ein Tuch gehüllt, sagte die erstere, nachdem sie das Mädchen mehrmals prüsend betrachtet f hatte: „Wissen Sie, was Ihnen fehlt, mein Kind 14 „Nun?“ fragte Johanna. „Ein bischen mehr Selbstsucht. Sie haben zu wenig davon. Das ist auch ein Fehler. Wier Frauen leiden oft daran und wir thun unsere Umgebung nicht Gutes damit, besonders nicht den Männern. Wir verderben sie, bilde ich mir ein. Sie sind auch gewiß nicht ohne Schuld, daß daß der Bruder so wenig an Sie denkt. Sie müssen mir das nicht übel nehmen, ich habe eine lange Erfahrung hinter mir, und ok gleich ich nur eine einfache Frau bin, so habe ich doch ein gut Teil beobachtet und gedacht. Sehen Sie, wir bereiten uns die bitteren Ent⸗ täuschungen meistens selbst, weil wir immer in anderen leben und dann auf einmal merken, daß es in ihnen ganz anders aussieht als wir dachten. Ich habe lange Zeit geglaubt, daß ich meinem Alten ganz unentbehrlich wäre und daß er meine Sorge und Liebe für ihn immer empfände und keine andere um sich haben möchte. Später habe ich aber doch einsehen gelernt, daß es ihm ganz gleich ist, wer ihm seine Bequemlichkeit schafft, wenn sie ihm nur geschafft wird. Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre, wie er eines Tages, nachdem er lange kopfhängerisch herumgegangen war, zu mir in die Stube trat und sagte: Weißt du, Frau, ich gehe nach Amerika. Du allein? Ich denn doch auch? sagte ich. Natürlich, natürlich, sagte er, aber ich merkte es ihm doch an, daß es ihm nicht von Herzen kam, und ich denke bis auf den heutigen Tag, daß er lieber allein gegangen wäre. Sehen Sie, so was vergißt unser eins nicht. Das bohrt fort und fort. Sie werden lachen,“ begann sie wieder, indem sie das Strickzeug in den Schoß sinken ließ und mit der abgestrickten Nadel die Fransen der weißen Tischdecke aus⸗ einanderstrich.„Sie werden lachen, aber ich muß immer das Gemütsleben von Mann und Frau mit unserem deutschen Lindenbaum und so einer Palme, wie ich sie habe wachsen sehen, vergleichen. Wie soll ich Ihnen nur das klar machen, es ist schwerer zu sagen, zals sich ausdenken. Na, der Lindenbaum das sind wir. So viel Zweige, Aeste und Aestchen, so viel Gefühle, große und kleine. Da sind die Eltern und Geschwister und deren Männer und Frauen und Kinder und Freunde und Freundinnen und Arme und Kranke für alle hatt die Frau ein Herz. Und ein großer Zweig, der allergrößte, das ist die Liebe zum Mann und zu den Kindern, wenn welche da sind, und wie ist der erst in tausend Aestchen gespalten. Und alles das zusammen macht ein lter! aug de imanrlich ien e Anz den Zünf e, sor Naung de sbungen sllon des ommen suuleiisch duc, wir suchweis slkerlichen Die 8 Uaben ett Gechichte Henn die beralte ie Neue gut, das Jitterord in die G lhten. Um d u vpersteh fut we iu der 2 een Alpen len, Nunn, J bag in; ur über nuch g e die ig 5 cob si 10 0 uf: Ne slle eine daf vn 1 1 enn ad mur N d He N 0 a0 G Tan —— — 0 hen . * — 0 ö neu zich 0 heraushauen kann, ohne den ganzen Baum zu verunstalten. 0 dere fe m viel. oben ein kleines Blätterbüschel. N kliebtez e flesßt ihres le Mul deisigt, Hände „ halle keinen nterhat e Arbeit that, fi n blieb. ter und a hatte ige war ürstiges b junge Johanna en bei n, Frau ftöstelnd nachdem settachtet Kind?“ ie haben Fehler vir thun pesondetz sie, bilde icht ohe an See nehmen, sir, und so habe gedacht. ren Ell immer in en, daß x dachten h migen z er maile nde und tet hob ez ihn Aenlichel ird. Nr. 28. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. große, gewaltige Krone, aus der man kein Stück Und jetzt betrachten Sie mal da⸗ gegen so eine Palme. Dort auf dem Bild steht eine. Ein langer, glatter Stamm und erst ganz Das ist das männliche Gemüt. Die paar Schossen die der Stamm treibt, ein paar Jugendfreunde, ein paar Liebschaften, die fallen wieder ab und es bleibt nichts als der obere Blätterbüschel: das Geschäft und die Politik. Aber das hat auch eins mit dem andern nichts zu thun; jedes Blatt hat seinen Stengel und Punktum.“ (Fortsetzung folgt.) Das Sunftwesen. Von X. N. 1 Unter denjenigen guten Leuten, die sich die Hebung des Mittelstandes im allgemeinen und namentlich die des Handwerks im besonderen angelegen sein lassen, giebt es sicher noch eine ganze Anzahl, welche eine Wiedererrichtung der alten Zünfte und Gilden nicht nur für möglich halten, sondern davon sogar das Heil und die Rettung des Handwerks erwarten. Mögen Be⸗ strebungen dieser Art bei der deutschen„Organi⸗ sation des Handwerks“ nicht auf ihre Rechnung gekommen sein, so kommen sie doch bei der zünftlerischen Agitation hier und da zum Aus⸗ druck, wir erinnern nur an den Befähigungs⸗ nachweis und Aehnliches, was an die mittel⸗ alterlichen Einrichtungen gemahnt. Die Frage, ob die Zünfte wieder zu neuem Leben erwachen können, wird jedoch durch die Geschichte derselben am zweckmäßigsten beleuchtet. Denn die Geschichte lehrt uns, daß die Zünfte veraltete soziale Gebilde sind, die in die Neuentwickelung der Gesellschaft genau so gut, das heißt genau so schlecht passen, als die Ritterorden in diese passen würden. Ein Blick in die Geschichte des Zunftwesens wird dieses lehren. Um das Wesen der städtischen Einrichtungen zu verstehen, müssen wir uns die Städte über⸗ haupt wegdenken. Die Städte am Rhein und an der Donau und zwischen der Donau und den Alpen, welche von den Römern gegründet waren, also beispielsweise Basel, Straßburg, Worms, Mainz, Köln, Trier, Regensburg, Passau, lagen in Trümmern. Der Sturm der Germanen war über sie hinweggegangen, in ihren Straßen wuchs Gras, zwischen den Trümmern weidete das Vieh des Siegers oder siedelten sich land⸗ flüchtige Leute an. Die noch vorhandene Be— völkerung wurde Beute des Siegers. Endlich erhob sich die Pfalz des Königs, der Frohnhof des Bischoss oder einzelner Großen.— Die n gew große Masse der neuen deutschen Bevölkerung er lug“ hatte einen Widerwillen gegen die Städte. Das 1 mir I Frau, 0 denn 5 agte 10 ihne auf del eins fl 0 n lach, viczelg 0 ticken d er 0 1 ier 5 fo a vad , 0 e fue iche ui i Kran 75 große göbe 110 vac 1 nacht war Hausgewerbe. ein Dorf war die Königin des Landes, das Gewerbe Auf größeren Gütern ar⸗ beiteten unfreie Handwerker für den Besitzer und nur gelegentlich für den Verkauf. Die Bewohner trieben samt und sonders Acker⸗ bau und Viehzucht oder leisteten dem König Gefolgschaft.— In die Stadt lamen sie nur zum Gottesdienst. Bei dieser Gelegenheit kaufte nan auch bei fremden Handelsleuten, die nach dem Gottesdienst ihren Kram an der Kirche an⸗ boten. Noch hatte keine Arbeitsteilung statt⸗ gefunden innerhalb des großen Volksganzen; der Bauer machte sich, so gut es ging, die Kleider, baute sein Haus, fertigte sein Schuhwerk und ein Arbeitsgerät. Eine Arbeitsteilung fand erst Eingang in den Pfalzen und Frohnhöfen, in den großen Meiereien. f Doch ehe wir dazu übergehen, müssen wir inen Blick auf die Bevölkerung werfen. f Die Bevölkerung zerfiel in Freie und Unfreie. Der Unfreie war rechtlos, er galt als Sache. Tbotete z. B. ein Unfreier einen Freien, so mußte ein Herr das Wergeld“ zahlen, weil es so an⸗ gesehen wurde, als ob ein Stück Vieh die That begangen habe. Nun entstanden aber neue Formen der Unfreiheit. Der Knecht erhielt FFF Bußgeld. Land, konnte nur noch mit dem Gute veräußert werden. Die Unfreien waren die Arbeiter. Die Geschickteren erhielten mehr Recht; für den Handwerker des Geistlichen oder Königs mußte höheres Wergeld gezahlt werden. Volle Freiheit erhielten sie selten, der Unfreie war zu Abgaden verpflichtet und hatte bestimmte Dienste zu leisten. Die freien Bauern hingegen sanken. Der große Nachbar bedrängte sie, der Kriegs— dienst erschöpfte sie, denn sie mußten ihre eigenen Waffen mitbringen und sich auch selbst verpflegen. Noch Umstände anderer Art führten ihren Ruin herbei, und so begaben sie sich in den Schutz des Grundherren, der Kirche und verloren so mehr und mehr ihre Freiheit. Auf dem könig⸗ lichen Hofe sitzen also halbfreie oder unfreie Arbeiter— Handwerker. Lohn erhielten sie nicht, höchstens Hufe Landes, Knechtshufe, deren Inhaber Schmiede, Schuster, Weber an der königlichen Pfalz waren. Ein solcher„Frohnhof“ war auch in Frankfurt; dort heißt heute noch eine Straße Frohnhofstraße. Nun gerieten aber die Städte größtenteils in die Macht der Bischöfe. Den unfreien Hand⸗ werkern, den„Dagescalken“ wurde es gestattet, auch für den Verkauf zu arbeiten, ebenso war es ein Fortschritt, daß sie sich in Klassen und Genossenschaften eine gewisse Organisation schufen, aber der Burgvogt ernannte die Vor⸗ steher dieser Klassen. Allmählich fingen die Städte an, bedeutender zu werden, durch den Handel und das Handwerk. Die Bevölkerung nahm überhaupt zu, die un⸗ geheuren Wälder wurden gelichtet, aber noch immer hatten die Städte einen ländlichen Cha⸗ rakter. Aber sie erstarkten nun und verlangten im Gefühle ihrer Kraft die Freiheit.— Doch um das Zunfiwesen richtig zu verstehen, müssen wir uns das Gildenwesen näher betrachten. Unter einer„Gilde“ verstand man ursprüng⸗ lich eine Bruderschaft, Genossenschaft, die sich zu gemeinsamem Schmaus und Trinkgelage zusammen⸗ fand. Die Gilde war gegründet zu gegenseitiger Hilfe in Notfällen, Beteiligung am Leichen⸗ begängnis, Fürsorge für Seelenmesse. Es ent⸗ standen namentlich Kaufmannsgilden. Der Kaufmann mußte von Markt zu Markt wandern, zu seinem Schutze verband er sich zu Karawanen⸗ genossenschaften, Schutzgilden. Diese Ent⸗ wickelung führte zu größerer Lebensgemeinschaft. Ein Wandergewerbe bildete sich aus. Einzelne Handwerker, so der Waffenschmied, der Gold⸗ schmied, waren besonders geschützt. Zu einer freieren Stellung gelangten besonders die Hof— handwerker der Bischöfe. Die„Grundholde“, das heißt solche Handwerker, die auf dem den Bischöfen gehörigen Grund und Boden lebten und unfrei waren, zogen nach der Stadt; waren sie ein Jahr in der Stadt, so waren sie geschützt. Das Handwerk galt jetzt noch als Kunst, es trennte von der Menge— es entstand das freie, angesehene Handwerk. Zu dieser Zeit, als freie und hörige Handwerker beieinander waren, entstand die Zunft. Es war eine soziale Genossenschaft, eine Lebensgemeinschaft. Sie hatte sogar gemeinsame Heilige. Ihr Streben richtete sich auf Erzielung gleichen Gewinnes, Regelung des Wettbewerbs, gemeinsame Beschaffung kostbaren Materials. Walkmühlen, Bleichereien, Färbereien, Tuch⸗ rahmen waren Gemeingut. Das Arbeitsfeld war noch nicht geschieden, jeder war willkommen, die Zunft stellte einen Bund auf Leben und Sterben dar. Sie erhielt nun Rechte, eigenes Gericht und allmählich wurde sie zur Zwangs gemeinschaft. Die Löhne waren sehr hoch, weil eben das Handwerk noch als Kunst be— handelt wurde. Der Handwerker erlangt ein Haus, eigenes Material. Bisher war dem Schmied das Eisen, dem Kerzenmacher das Wachs, dem Schreiner das Holz, dem Kannen⸗ gießer Zinn von dem Herrn geliefert worden, jetzt lieferte dies alles die Zunft. Ein neues Eigentum entstand, kein Grundeigentum, sondern Arbeitseigentum aus Arbeitsüberschuß. Dieses bringt den Genuß der Freiheit, der per— sönlichen Selbständigkeit, der Ehrung. Die Zünfte besaßen eine gemeinsame Kasse, beschlossen gemeinsam ihr Verhalten. Gesellen und Lehr⸗ linge traten in die Familie ein. Es war Vor⸗ sorge getroffen gegen Krankheitsfall; ein Normal⸗ arbeitstag festgesetzt, dessen Beginn und Ende die städtische Glocke verkündete. Nachtarbeit war ustersagt, der Lohn der unselbständigen Genossen durch Taxe festgelegt, die Höhe der Produktion normiert. Die Werkstatt unterlag der öffent⸗ lichen Kontrolle, keine Arbeit durfte begonnen werden, ehe die andere fertig war. Bald fanden die Zünfte militärische und politische Verwen⸗ dung, denn das Patriziat ruinierte sich. Sprüche zur Lebensweisheit. In dem Kampfe zwischen Kapital und Arbeit ist, theoretisch betrachtet, das Recht auf Seite der Arbeit; und wenn die Arbeiter falsche Mittel ergreifen, um zu ihrem Rechte zu gelangen, so ist das in erster Linie Schuld der Besitzer, welche die Anwendung der rechten Mittel möglichst ver⸗ hindern, um einen Zustand des Monopols und der Ausbeutung zu verewigen, wie er ihrem Egoismus und ihrer geistigen Trägheit voll⸗ kommen zusagt. L. Pfau. Predigt nur immer brav Geduld, so ist die Sklaverei fertig. Denn von der Geduld zum Beweise, daß ihr alles dulden müßt, hat die Gaunerei einen leichten Uebergang. Seume. 1. Der Eber sieht dem Hungertode Sich schon geweiht und ist bestürzt, Wenn seine Mast das kleine Eichhorn Um eine Eichel kürzt. 1(Russisches Sprichwort.) Schlägt ein Mensch tot den andern, So nennt's ein Jeder Mord: Doch töten sich tausend im Kampfe— So braucht man ein and'res Wort! O. Linke. * Menschenfreund. Ein jedes Winkelblättchen preist Wenn er den Armen Gutes erweist. Doch flüsternd hab ich nur vernommen, Woher sein vieles Geld gekommen. 5 E. Edel. Gemeinnütziges. Milch lange süß zu erhalten. Im Sommer, namentlich bei Gewittern, sind die Hausfrauen oft in Not damit, daß ihre Milch schnell sauer wird. Dies zu verhüten, gießt man einen Eßlöffel Wasser, mit Meerrettig ab⸗ gezogen, unter 2½ Liter Milch. Sie erhält sich dadurch, auch außerhalb des Kellers, selbst bei häufigen Gewittern, im Sommer unverändert frisch und süß, während die daneben gestellte Milch ohne dieses Mittel schnell sauer wird. Vom Kirschenessen. Bei gegenwärtiger Kirschensaison sei davor gewarnt, Kirschen mit dem Stein zu essen, da es leicht sehr gefährliche Folgen, selbst den Tod verursachen kann. Auch vermeide man, kurz nach dem Kirschenessen Wasser zu trinken, da auch das leicht schädliche Folgen für die Verdauungsorgane hat. Humoristisches. Ein neuer Sinn. Herr Nudelmeier in München beim Frühschoppen seiue Zeitung lesend:„Ausstellung des Kolossalgemäldes„Die fünf Sinne“ von Makart.“ —„Dös muß i mir halt a mal anschaugn, bin i doch neugierig, wie der Mann den„Durscht“ gemalt hat!“ * Der Schlaumeier. Richter:„Sie sind mit vier Jahren Zuchthaus, dem Verlust der bürgerlichen Ehre i⸗ rechte und der Landesverweisung bestraft. Haben Sie etwas dazu zu bemerken?“— „Ja, ich möchte zuerst die Landesverweisung ab⸗ büßen!“ 5(Lustige Vl.) Er weiß sich zu helfen. Ein braver Landmann besucht zum erstenmale die Hauptstadt. Am Bahnhofe zeigt ihm ein Schutzmann den Omnibus, der ihn zum Hause seiner Verwandten führen könne. Er besolgt den Ra,, als er aber einsteigen will, ruft ihm der Kondukteur „Besetzt!“ entgegen. „Macht nix“, antwortete der Bauer,„ich setze mich neben den Kutscher.“ Nr. 28. Miteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 8. Unserer werthen Kundschaft und verehrl. Publikum hiermit die ergebene Mittheilung, daß sich unser Geschäftslokal nur noch 17 Neuenweg 17 befindet. Unser Lager haben wir wesentlich vergrößert und stellen folgende solide, gute Waaren zu bekannt billigen Preisen zum Verkauf: Herren- und senaben-HNleider Tuche, Bulskins und Manufaksurwaaren Beitfedlern und Daunen Neuenweg 17. Anfertigung von Herrengarderohe nach Mass. Auder& Sonneborn Gießen Neuenweg 17. H. Möller JOober hessischer Kleiderbazar- Mar hurg in Hessen. H. Unterjachen. Mk. 1 Arbeiter⸗HFleider. und 19 8 8 Unterjacken I. Für Werktage. A, Hemden. Weißleinene Hemden mit und ohne Kragen von Mk. 1.20 an, Cöber⸗Hemden von Mk. 1.— an, 75 ertra schwer, 1 40 1.60, 1.80 und 2.—, mit dop⸗ peltem Bruststück. B. Hosen. Farbige Sommer: engl. Leder⸗ Hosen von Mk. 1.50 an. Zwirn⸗Hosen, ext ra schöne Muster A Mk. 2.—, 2.50 und 3.— ganz schwer. Pilot, sog. eisenfeste Hosen, in weiß braun und blau, à Mk. 3.— schwere Hamburger Lederhosen, 4 Mk. 4.—. , Röche. Grün leinene Joppen für Burschen A Mk. 1.20, für Männer à Mk. 1.50, extra schwere leinene und Zwirn. Joppen und Jaquets à 2.—, 2½ und 3 Mk. D., Blousen. Metzger⸗Blousen, von bestem Satin, à Mk. 2.50 und 3. Maler⸗Blousen, ganz lang, à Mk. 2.50 bis 3.—. Bauarbeiter⸗Blousen, blau und weiß gestreift, von Mk. 1 20 an. E, Mützen. Metzger⸗Mützen, das Neueste, gest. Jagdwesten, blau, braun, grau mit grün. u roth v. Mk. 2.— an. II. Für Sonn⸗ und Feiertage für Jedermann. A., Hosen, Buckskin⸗Hosen von Mk. 3.— an, Buckskin Hosen, extra schwer Ve⸗ lour, à 4.50 und 5.— Mk. Hochfeine Kammgarn-Hosen, von Mk. 7.— an. B. Röcke, Buckskin⸗Jaquetts(ganz mit Za⸗ nella⸗Futter) in allen Farden von Mk. 5— an. Elegante Kammgarn Jaquetts, mit u. ohne Ei faß, von Mk. 9.— an. ., Ganze Anzüge. Compl. Buckstin-Anzüge, hoch'ele⸗ gant à Mk. 12.—, 15.—, 18.—, 20.— ꝛc. bis zu den feinsten Kammgarn⸗Anzügen à 24— 36. D., Hüte. Weiche Filzhüte modernster Facons in allen Farben à Mk. 1 50 und 2.— Mk. Gesireifte Hüte à Mk. 2.—, 2 50, 3.— 2c. E. Stiefel. Schaftstiesel, prima Handarbeit, a Paar Mk. 7.—. Zug⸗Stiefel, glatt und mit Einsatz, à Paar Mk 5.—. Zug⸗Stiefel mit Doppelsohlen 2 Paar Mk. 6.50. leichte Sommer⸗Mützen mit langen Touristen⸗Schuhe v. Leder, Segel“ oder kurzem Schild, à 50 Pfg. F. Hüte. Strohhüte von 50 Pfg. an. Filzhüte, schwarz und farbig, à Mk. 1.— und 1.50. G. Stiefel. Schwere Arbeiter⸗Stiefel mit Be⸗ schlag à Mk. 7.50, schwere Arbeiter⸗Schuhe mit Be⸗ schlag à 5 Mk. extra lange Wasser⸗Stiesel, à Mk. 10 und 12. tuch, Lasting de. F. Hemden. Weiße leinene Chemisetten⸗Hemden von Mk. 2.40 an. Touristen⸗H emden für Knaben 3. Mk. 1.— und 1.20. Touristen⸗Hemden für Männer 3 Mk. 1.40, 1.50, 1.80, 2.— 2c. Neuheiten in Cravatten und Che ipsen, Sonn⸗ u. Regenschirmen Anfertigung nach Maaß. Versandt gegen Nachnahme. DSS een Unges unde und Leidende! Die Heilkraft der Elektrizität ist wunderbar! Ueber die glän⸗ zenden Erfolge des Selbstkur mit der preisgekrönten eleltrischen Induktionsmacchine(Preis 24¼ u. 28¼ Mk.) versendet gratis u. franko 48seit. Brosch. P. Freyg ang Nachfolger, Dresden A 118. 5 2 525 N 8 Tee NN Nee 8 e 2 e eee — 2 5 2 SN. e S SCN 2 2 n 2— 2 — 8 2 5 3 2 8. 33 e282 22 3 8 92.3 2 8 S 2 2 2 9 A 3 8 3 Q 8 8 2 288 9 2 0 2 2 8 1 e e VVV o roßer Nebenverdienst für jede Dame sowie Herren. 10 bis 15 Mk. vro Tag mit Leich r ig⸗ kit durch C. H. Voos, Höhscheid (Rhld)— Antwort gegen 10 Pjfg— Briefmarke. 8 5 3—— 1 g in ½, ½, ½ Flaschen der Firma Erste Taunus Cognao- Brennerei Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerkannt feinste Harke qro Flasche 1.80, 2.40, 3.—, 4.—, 5.— Mk. % ͤ und/ Flaschen verhältnis⸗ mäßig. Niederlage: Heuchelheimer Consum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim bei Gießen. Heinr. Gengnagel, Gießen Neue Bäue 10. Ant. Conr. Müller, Langgöns Colonial- u. Eisenwarenhdolg. A4AA4A4AA444A AA AAA AA emil Kalbfleisch Vildhauer Gie Grünbergerstraße 16 SSen Griünbergerstraße 16 empfiehlt sich zum Aufertigen von Grabkreuzen, Schrift⸗Tafeln und Grabeinfassungen, sowie zu allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten, in allen Steinarten. Grabdenkmäler, Monumente. Reparaturen werden schnell und billig besorgt. VVV VVV D. Kaminka Uhrmacher Giessen. Marktplatz I8. Vorteilhafte Bezugsquelle für Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. Reparaturen aller Art werden schnell, billig und gut ausgeführt. TIJTVnserate finden in der Mitteldeutschen Sonntags-Zeitung weiteste Ver⸗ breitung. Erbrechen, die bei chronisch Milz und Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein dehebt 1 jedwede Unverdaulichkelt, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, . H fende!“ 2 l L. Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen N. dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ullrich'sche K räuter-Wein. 5 Dieser Bräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig defun denen Fräutern mit gutem Wein bereitet, und slärkt und belebt den ganzen Perdauungsore anismus des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. Gräuter⸗Wein beseitigt alle störungen in den Flut⸗ gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, krankmachenden stoffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. g Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weines werden Magen“ übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen“ seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ Jstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- schmerzen, Aufst„ Sodbr„ Bläh gen, VUebelkelt mit (veralteten) Magenlelden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. Stuhlverstopfung wie. Setlenmang, Koflesender zen Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen, in Leber Pfortadersystem(Hämorrholdalleiden) werden durch 3 sind meist die Folge schlechter Verdauung, Entkräftung mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkelt, unter nervöser Abspannung und Gemütfsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Imruls. 8 Kräuter⸗Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen a 4 1.25 u. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hbausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, West- strasse 826“, 3 und mehr Flaschen Kräuter⸗Wein zu Original⸗ preisen nach allen Orten Deutschlands porto⸗ und kistefrei. i Vor Nachahmungen wird gewarnt! 0 Hubert Man verlange ausdrücklich Ullrich schen Kräuter- Wein. Mein Kräuter⸗Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100, O, Roth⸗ wein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerik. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmus⸗ wurzel à Dr. Theinhardt's Kindernahrung heit und Skropheln. 1 vorrätig in den preis Mk. l. 20 u. l. 90 Apotheken u. Drogerien. 4 5 eignet sich in hervorragender Weise als Beikost für Säuglinge namentlich bei Engl. Krank- Verlag der Mitteld. Sonntagszeitung(E. Krumm), Gießen. Verantwortl. Redakteur: F. A. Vetters, Gießen. Druck von H. Klebert, Gießen. V girch die 15 A 18 10 Durch d die Erbe