raffen, awatten, — — 2 — — ö Wolkengasse 2 besohlt gut Hecker 8 Anacker, Deren eee [Wolkengasse 20. besohlt billig. 12 — 2 2 — 0 4 2 — 2 8 E mmerhose u⸗Hemd, Mark „Buxkinhose enjoppe in n Farben eltuchschuhe Mar 0 gederhost gestreift für 2-H lark ein Jacket 1 ugsitei 1 Helbschus. ark 1 Zugstiese elsohlen t gereift hose „ Nate Aang em leichen Anzug, Man aug 0 Mar 740 clol 101⁰ eon 71 00 7100 e- Au 711 22755 4 f, * Gießen, Sonntag, den 7. Oktober 1900. E* Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche ntags⸗Zeitun Nedaktionsschluß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. —— Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt un Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, Bestellungen Juserate d Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und] mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Ein Gedenktag. Am 1. Oktober war ein Jahrzehnt ver⸗ flossen, seitdem jenes Schandgesetz, durch welches Bismarck die junge Arbeiterbewegung vernichten wollte, nicht mehr auf der deutschen Arbeiter- schaft lastet. Wohl ist es richtig, daß in der ersten Zeit des Sozialistengesetzes die Partei⸗ organisationen, ihre Presse, überhaupt alles, was bis dahin von der organisirten Arbeiterschaft geschaffen war, rücksichtslos vernichtet wurde. Die Partei wurde aufgelöst. Was man aber nicht vernichten konnte und niemals durch den Polizeiknüppel wird vernichten können, das ist der Geist, der in unseren Organisationen lebt, und ohne den sie nur leere Formen, tönendes Erz und klingende Schellen wären. Es ist das sozialistische Denken der Arbeitermassen, das stets wieder die Einzelbestandtheile zu macht⸗ vollen Organisationen zusammenschweißt. Unter den schwierigsten Verhältnissen, unter den ungeheuerlichsten Verfolgungen, unter der Gefahr für jeden einzelnen, jahrelang im Ge⸗ fängniß schmachten zu müssen, umkläfft von einer Meute der infamsten Spitzel und Schurken, welche die Welt jemals gesehen hat, baute sich die Partei wieder auf. In jener Zeit wurde der leise und ehrfurchtsvoll geflüsterte Begriff: „die Partei“ geboren. In jener Zeit kam die Arbeiterschaft erst recht zum Bewußtsein dessen, was das Wort Solidarität besagt. Sie lernte die Macht der Solidarität kennen und die Pflichten der Solidarität erfüllen. Und es war ihr ein heiliger Ernst mit der Erfüllung dieser Pflichten. Wie trefflich die neue Organisation arbeitete, zeigt schon das Kassenwesen derselben. Die Einnahmen betrugen bis zum Fall des Sozialistengesetzes 677 138,36 Mk., die Ausgaben 654 565,36 Mk. Keine mit allen Garantien der peinlichsten Kontrolle um— gebene staatliche Finanzverwaltung hat jemals besser gearbeitet, als die Organisation der ver⸗ fehmten und verfolgten Arbeiterschaft. Eine der furchtbarsten und gefürchtetsten Waffen, welche sich die Organisation der Ge⸗ ächteten geschmiedet hatte, war das herrliche Kampfblatt derselben, der„Sozialdemo 1 0 Vollständig frei von jeder Einschränkung durch staatliche Zwangsgesetze war er allein in der Lage, jedes Ding beim rechten Namen zu nennen. Und das that er auch. Zuerst in der Schweiz, später in England gedruckt, wurde er in einer Auflage von Zehntausenden verbreitet und durch die„rothe Feldpost“ mit der Sicherheit eines Regierungsinstituts verbreitet. Gewaltig waren die Opfer, welche die Ar⸗ beiterschaft im Kampfe bringen mußte. Gegen 900 Aus weisungsbefehle waren er⸗ gangen. Allein auf Grund des Sozialisten⸗ gesetzes waren gegen 1000 Jahre Gefäng⸗ nißstrasen verhängt worden, wozu noch etwa 600 Jahre Gefängniß kamen, die in den Majestätsbeleidigungs⸗Prozessen nach den 1882er Attentaten ausgesprochen wurden. Wie viel Noth und Tod, Herzeleid und Wunden werden durch diese Zahlen mit ausgesprochen! Aber auch das Wachsthum der Partei entsprach diesen Opfern. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen wuchs in den 12 Jahren des Sozia⸗ listengesetzes pon 437 900 auf 1427 000. Statt nur neun Reichstagssitzen im Jahre 1878, hatte unsere Partei deren 35 im Jahre 1890 inne. Aus der kleinen Partei war eine mächtige Volksbewegung geworden, die mit keinen Polizeimitteln mehr aufzuhalten war. Seit zehn Jahren ist das Sozialistengesetz gefallen, der Geist aber, aus dem es geboren, der Geist der Ausbeutungs⸗ und Unterdrückungs⸗ sucht, er lebt auch heute noch und macht sich täglich bemerkbar. Es fehlte auch nicht an Versuchen, neue Knebelgesetze über die Arbeiter⸗ klasse zu verhängen; an dem„guten Willen“ der Herrschenden lag es nicht, wenn die U m⸗ sturz⸗ und Zuchthaus vorlage nicht Gesetz wurde. Aber auch ohnedies sind die Opfer, die unser Kampf in den verflossenen zehn Jahren erforderte, kaum geringer gewesen als während des Sczialistengesetzes. Trotz alledem geht es vorwärts auf der ganzen Linie! Un⸗ entwegt strebt unsere Partei dem Ziele des Sozialismus zu: der Befreiung der Arbeiter⸗ klasse aus politischer und wirthschaftlicher Knecht⸗ schaft. Dankbar gedenken wir jezt aller derer, die ihre Freiheit, Existenz, Gesundheit für dieses hohe Ziel aufopferten, unsere Aufgabe aber muß es sein, in der Foctführung des Kampfes die⸗ selbe Ausdauer und Thatkraft zu zeigen; immer muß unsere Loosung sein: Vorwärts! von der„kleinen aber veinen! Partei. Kürzlich hielten die Antisemiten Sachsens, die unentwegt unter der Firma„Deutsch-soziale Reformpartei“ zu Herrn Zimmermann halten, in Riesa ihren Parteitag ab. Dabei kamen ganz erbauliche Dinge über die Ursachen der Spaltung zur Sprache. Herr Zimmermann nahm den Mund ge⸗ waltig voll. Er gab zwar zu, daß der Antise⸗ mitismus„Schlappen erlitten habe“, behauptet aber, die seien nur den„anderen“ zu verdanken. Die Juden hätten Mißbehagen über die Spaltung empfuaden. Liebermanns zarte Rücksichtnahme auf die Konserva⸗ tiven habe drastische Resultate gezeitigt.„Wir müssen kräftig genug werden, um Parteigeschäfte zu machen.“ Schacherpolitik ist also das Ideal der Deutsch⸗Sozialen. Sonst schimpft man doch über das Schachern der Juden. Die Rothen, so meinte Herr Zimmermann weiter, bedauern von Herzen Liebermanns Ausscheiden.„Lieber⸗ mann sei ihnen als Gegner sehr willkommen ge⸗ wesen.“ Zimmermann nicht minder, wie wir ihm versichern können. Vertrauens voll schaut Herr Zimmermann in die Zukunft. Er meinte, der Antisemitismus habe in Deutschland ge⸗ waltig() an Boden gewonnen, aber andere hätten Nutzen daraus zu ziehen gesucht. Der Konitzer Mord, die Eröffnung des Riesenwaaren⸗ hauses Tietz in Berlin seien bezeichnend für die Gesammtlage. Wer jenes Unternehmen unter⸗ stützt, würde bald bekannt werden, dem deutschen Michel wird die Schlafmütze von den Ohren gezogen. Bezüglich der Stellung der Antise⸗ miten zur sozialen Gesetzgebung erklärte der Redner, daß diese nach wie vor unterstützt werde. Allerdings müsse nun einmal aufgehört jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33½0% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% ꝓ Rabatt. werden mit der„einseitigen Arbeitnehmerpolitik“, es müsse auch etwas für die kleinen selbständigen Existenzen gethan werden. Der lebhafte Beifall, der bei diesem Theile der Zimmermann'schen Rede ertönte, veranlaßte den also Ausgezeichneten nun noch zu einem packenden Vergleich, mit dem er seine Rede schloß.„Wie die Cymbern und Teutonen sich zusammenketteten und sich auf den Feind stürzten, so wollen auch die Deutsch⸗ Sozialen sich zusammenketten und den furcht⸗ baren Kampf zum Heile des deutschen Volks⸗ thums durchkämpfen“. Ein grimmiges Wüthen steht uns also noch bevor. Der Abgeordnete Gräf erzählte:„In der Fraktion sei seit 2 Jahren ein ersprießliches Zusammenarbeiten nicht mehr möglich gewesen, da Liebermann und Raab das per sönliche Regiment angestrebt hätten. Wir regten uns dagegen. Die Folge war, daß selbft im Reichstag Reibungen vorkamen und die Thätigkeit lahm gelegt wurde. Unser An⸗ sehen schwand damit. Die Versuche, die Abgg. Werner, Bindewald und Dr. Vielhaben aus der Partei hinauszudrängen, seien ein weiterer Schritt gewesen, desgleichen der Ver⸗ such, unseren hochverdienten Dr. Giese aus der Geschäftsstelle zu verdrängen, die er unter großen Opfern halte. Die beständige Rücksichtnahme nach rechts und links, die Liebermann wollte. lähmte ebenfalls.“ Herr Klemm hat sich dem Zimmermann schen Flügel angeschlossen, weil Liebermann durch seine Rücksichtnahme auf die Konservativen die Partei auf den todten Punkt gebracht habe. Herr Lotze endlich hat in der Sezession die Gewähr gefunden für eine Gesundung der Partei und warb im übrigen eifrig um die Gunst des Bundes de: Landwirthe, der zum Leidwesen der Zimmermänner mehr mit den„anderen“ sym⸗ pathisirt. Gleich den Liebermännern will auch Herr Lotze das Programm des Bundes der Landwirte vertreten. Mit diesem Anerbieten unbedingter Gefolgschaft an die Brotwucherer schließt der Bericht der Deutschen Wacht, dem wir die vorstehenden Citate entnehmen. Was hier mitgeteilt wurde, bestätigt im wesentlichen, was auch schon früher über die Ur⸗ sache der Spaltung bekannt geworden ist. Lieber⸗ mann v. Sonnenberg wollte die Antisemiten ganz ins Schlepptau der junkerlicher Reaktion spannen und dagegen wehrten sich die Kleinbürger, die der Partei angehören. Ihr Hauptverlangen ist reaktionäre Mittelstandsgesetzgebung, daneben wollen sie aber auch den Bauern helfen, durch ein Mittel, welches diesen nichts nützen kann, durch den Brotwucher. Herr Zimmermann, der neben Liebermann nicht genügend zum Worte kommen konnte, machte sich zum Führer der Opposition gegen die„anderen“ und har nun glücklich das Ziel seines Strebens erreicht. Er ist das geistige Haupt der„kleinen aber reinen“ deutschsozialen Reformpartei, von deren Reinheit jetzt wieder die Abonnements⸗Einladung deß Deutschen Wacht des Heern Zimmermann Zeugnir ablegt, in welcher der Abdruck einer zusamen⸗ hängenden Schilderung des Konitzer Mordes„die sich spannend wie ein Roman liest“ als„Beitrag zur Klärung von einem Eingeweihten“ angekündigt wird. e — 2 — —. 1 1 3 11 9 1 10 1 1 e 1 1 —.——— 2 — 1 ———9 31 4 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. Die alberne Blutmordfabel als Mittel zum Abonnentenfang. Es ist wirklich was Schönes um den Antisemitismus und Herr Gräfe hatte recht als er deklamirte: Denn das Schnöde muß doch weichen Emer Sache hoch uud hehr! Politische Bundschau. Gießen, 5. Oktober. Schwenkung der deutschen Chinapolitik. Eine erfreuliche Wandlung scheint in Deutsch⸗ land in Bezug auf die chinesischen Angelegen⸗ heiten Platz zu greifen. Aus einem an den Kaiser von China gerichteten Telegramme Wil⸗ helms II. geht hervor, daß der bisherige Rache⸗ kurs verlassen und der Frieden mit China baldigst herbeigeführt werden soll. Das er⸗ wähnte Telegramm des deutschen Kaisers ist die Antwort auf ein solches des Kaisers von China, in welchem die Ermordung der Europäer be— klagt und Sühne dafür angeboten wird. Im Weiteren wird auf die freundschaftlichen Be⸗ ziehungen Chinas mit Deutschland hingewiesen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Friede sobald als möglich herbeigeführt und all⸗ seitige Eintracht für ewige Zeiten ermöglicht wird.— Im Antwort⸗Telegramm spricht sich der deutsche Kaiser zunächst über das Sühne⸗An⸗ gebot aus. Dann heißt es: „Ich mache nicht Eure Majestät persön⸗ lich verantwortlich für die Unbill, die gegen die bei allen Völkern für unantastbar ge⸗ achteten Gesandtschaften verübt ist, noch für die schwere Kränkung, die so vielen Nationen und Konfessionen und den Unterthanen Eurer Majestät, die meinem christlichen Glauben angehören, zugefügt ist. Aber die Rathgeber des Thrones Eurer Majestät, die Beamten, auf deren Häuptern die Blutschuld des Ver⸗ brechens ruht, das alle christlichen Nationen mit Entsetzen erfüllt, müssen ihre Schandthat büßen, und wenn Eure Majestät sie der ver⸗ dienten Strafe zuführen, so will ich dies als eine Sühne betrachten, die den christlichen Nationen genügt. Wollen Euere Majestät Ihren kaiserlichen Arm dazu leihen und hierbei die Unterstützung der Ver⸗ treter aller beleidigten Nationen genehmigen, so erkläre ich mich meinerseits damit ein verstanden. Auch würde ich die Rückkehr Euerer Majestät nach der Hauptstadt Peking zu diesem Zweck gern begrüßen. Mein Generalfeldmarschall Graf Waldersee wird Befehl erhalten, nicht nur Euere Majestät nach Rang und Würde ehrenvoll zu empfangen, sondern auch Euerer Majestät jeden militärischen Schutz zu gewähren, den Sie wünschen und dessen Sie vielleicht auch gegen die Rebellen be⸗ dürfen. Auch ich sehne mich nach Frieden, aber nach einem Frieden, der die Schuld sühnt, das begangene Unrecht in vollem Umfang und nach jeder Richtung hin wieder gut macht und allen Fremden in China die volle Sicherheit bietet an Leib und Leben, Hab und Gut, be⸗ sonders aber zu freier Ausübung ihrer Religion.“ Damit wird das Rundschreiben des Grafen Bülow, in dem die Auslieferung der Schuldigen gefordert war, nicht anerkannt. Was die völkerrechtliche Seite der Frage an⸗ geht, meint die„Münch. Post“, so schließt sich Wilhelm[l jetzt emer Ansicht an, die bisher ausschließlich von der sozialdemokratischen Partei mit allem Nachdruck vertreten wurde, indem er nämlich dem chinesischen Kaiser die Bestrafung der Schuldigen überläßt. Peinlich wird in manchen Kreisen in dem Schreiben des deutschen Kaisers abermals die Verquickung des Verlangens blutiger Genugthung mit dem oft wiederholten Hinweise auf Christen⸗ thum und christliche Gesinnung wirken. Indeß entspricht das Schreiben des Kaisers in dieser Hinsicht nur der in vielen von seinen Reden ausdrücklich vertretenen Weltanschauung. Neuer agrarischer Raubzug. Ueber die Wuusche der Agrarier in Bezug auf die Erhöhung der Getreidezölle schwirren geradezu unheimliche Nachrichten in der Luft. Und die Gefahr liegt sehr nahe, daß der Reichstag in seiner jetzigen Zusammen⸗ setzung diese agrarischen Forderungen erfüllt. Die agrarische Kommission des wirthschafr⸗ lichen Ausschusses, welcher die extremsten Agrarier, wie z. B. Graf Kanitz, Frhr. von Wangenheim, v. Frege u. A. angehören, hat sich dahin geeinigt, eine Erhöhung des Weizen⸗ und Rog genzolls von 3,5 Mk auf 8 Mk. in einem Generaltarif und auf 6,5 Mk. in einem Minimaltarif zu beantragen, d. h. der Zoll soll 8 Mk. denjenigen Ländern gegenüber betragen, mit denen keine ũandels verträge zu Stande kommen, und mindestens 6,5 Mk. auf Grund solcher Verträge. Auch eine ent⸗ sprechende Steigerung des Gerstenzolls wurde beschlossen. Da nun auch ein Zoll von 6.50 Mk. zu hoch ist, um mit den Exportländern Handels⸗ verträge zu Stande kommen zu lassen, so bedeutet dieser Beschluß einen allgemeinen Zoll von 8 Mk., oder wie der„Vorwärts“ ausrechnet, einen jährlichen Tribut von 1080 Millionen Mark, den die arbeitende Bevölkerung an eine kleine Anzahl großer und mittlerer Grundbesitzer zu zahlen hat. Pro Kopf der Bevölkerung 20 Mk., ür jede fünfköpfige Arbeiterfamilie eine weitere Steuer von 100 Mark das Jahr, das bedeutet der 8 Mark⸗Zoll! Diesen 8 Mark⸗ Hungerzoll fordert nicht blos ein einzelner Junker, sondern das ist die Forderung, welche die von Reichs wegen als anutliche Ver⸗ treter der„deutschen Landwirthschaft“ berufene landwirthschaftliche Kommission des wirthschaftlichen Ausschusses aufstellt, der an⸗ geblich eingesetzt wurde, um Handels ver⸗ träge vorzubereiten! Diese land wirthschaftliche Kommission ist nicht der wirthschaftliche Ausschuß, nicht die Regierung. Aber es ist die Verkörperung der kleinen, doch mächtigen Partei, des Junkerthums, das erhalten werden muß als sicherste Stütze des Staates, und sei's auf Kosten der Armen und Aermsten. Noch höher soll der Tribut ge⸗ steigert werden, den die Proletarier den Nach⸗ kommen der Raubritter zahlen müssen. Wahr⸗ haftig, die Räubereien des wegelagerischen Adels im Mittelalter waren armselige Spielereien gegenüber der planmäßigen Auswucherung des Volkes durch die heutige Junkersippe. Zur Wahlrechtsreform in Hessen. Wie die„Kl. Pr.“ aus Darmstadt berichtet, wäre der neue Wahlgesetzentwurf soweit ge⸗ fördert, daß er demnächst das Gesammtministerium beschäftigen, und in nicht zu ferner Zeit den Stunden zugestellt werden wird. Es soll ein direktes Wahlrecht mit bestimmten Garantien geboten werden. Wie diese„be⸗ stimmten Garantien“ aussehen, ist nicht gesagt. Wir müssen deshalb warten mit einer Be⸗ sprechung derselben, bis wir sie vor uns haben. Soviel steht aber schon heute fest, daß unsere Abgeordneten jeder Schmälerung oder Ver⸗ schlechterung des Wahlrechts energisch entgegen⸗ treten werden. Noch mehr Zölle. Eine Erhöhung des Tabakzolls hat, wie die„Köln. Volksztg.“ schreibt, der national⸗ liberale Abg. Bassermann in Aussicht genommen. Derselbe hat die Absicht, eine Erhöhung des Zolles von 85 Mk. auf 125 Mk. pro 100 Kilo⸗ gramm zu beantragen. Das rheinische Blatt meint, dem Antrag liege die Spekulation auf die Pfälzer und badischen Tabakbauern zu Grunde, denn im Interesse der Jenaer Wähler des Herrn Bassermann liege er nicht. Der nationalliberalen Fraktion im Ganzen aber dürfte ein solcher An⸗ trag den Verlust einiger Mandate bei den nächsten Reichstagswahlen kosten. Das gute Herz der Agrarier. Wenn im Frühjahre die Saaten grünen und die Bäume blühen, halten die frommen Gläubigen Kirchengebete und Bittgänge ab, um reschen Erntesegen vom Himmel zu erflehen. Die frommen Beter sollten aber eigentlich um schlechte Ernte bitten, wenn sie das„In⸗ teresse der Landwirthschaft“ wahrnehmen wollten. Zu dieser Schlußfolgerung kommt man, wenn man folgende Notiz der agrarischen Deutschen Tageszig liest: „Trübe Aussichten erwecken die aus Amerika einlaufenden Berichte über den dortigen Obstertrag. Es scheint, daß die reiche Ernte der Jahre 1888, 1892 und 1896 sich wiederholen wird und daß die Preise beträchtlich fallen werden, da die in Aussicht stehende außergewöhnlich starke Ernte außer den im letzten Jahre zugänglichen Märkten sich weitere Absatzgebiete suchen muß. Fast überall scheinen die rothen Aepfel vor⸗ zuherrschen, es wird daher eine weit größere Menge zur Ausfuhr gelangen, da die rothen Sorten im Ausland die besten Preise erzielen. Ueber die Aussichten der Aepfelernte in Michigan, Illinois und Missouri lauten die Berichte außergewöhnlich günstig.“ Man sollte meinen, die ganze Menschheit müßte sich freuen, wenn die Natur ihren Segen so reichlich spendet, daß schließlich auch dem Armen ein ihm sonst versagter Genuß möglich wird. Aber weit gefehlt. Was Ernährung der Menschheit, was Genußmöglichkeit für dieselbe! Worauf es ankommt, das ist der Profit für die Agrarkapitalisten. Möge die Menschheit ruhig hungern, wenn sie nur hohe Preise herausschlagen! Den reichen Segen der Natur, der so viele beglücken könnte, verwünschen und verfluchen sie, weil sie für ihr schäbiges Profit⸗ interesse zittern! Das ist die ökonomische„Moral“ des Kapitalismus!— Diese tritt aber noch deutlicher und abschreckender in einem Aufrufe zu Tage, den der konserv ative Land⸗ ta gsabgeordnete für Charlottenburg, Herr Ring, als Vorsitzender einer Vereinigung der Milchproduzenten für Berlin, erläßt. Unter Berufung auf den Namen Gottes redet er der Verthenerung der Milch das Wort und als Mittel dazu preist er an, daß die „Milchzentrale“ zur Verhütung einer„Milch⸗ schwemme“ die Milch aufkaufen und eventuell ausgießen soll, die sonst noch von außen nach Berlin geführt wird, um den hohen Preisen der Milchzentrale Konkurrenz zu machen.. Um den Gewinn der Agrarier zu steigern, will man also zu dem allerdings in der Geschichte nicht mehr ganz unerhörten Mittel greifen, Nahrungsmittel, die den Preis drücken könnten, zu vernichten! In einer Gesellschaft, in der Millionen darben und Tausende hungern, well man Lebensmittel zerstören, damit die Be⸗ sitenden noch besser leben können. In den Rinnsteinen Berlins soll die Milch fließen, die Tausenden von siechen Proletarierkindern fehlt! Aber was gilt das Leben der Arbeiterbrut gegen das Wohlergehen der Großgrundbesitzer! Wer will den Leitern der Milchzentrale einen Vor⸗ wurf machen? Sind sie nicht respektable Herren, die nur das thun, was das Gesetz erlaubt? Ist die„überflüssige“ Milch nicht ihr Eigenthum? Haben sie sie nicht redlich bezahlt? Also haben die Berliner Arbeiter, deren Kinder sterben, weil die Milch zu theuer ge⸗ worden ist, gar keinen Grund zur Beschwerde. Die Verjüngung im Offizierskorps geht weiter und damit wachsen die Pensions⸗ Ausgaben in's Ungemessene. Pensionirt wurden in der deutschen Armee seit 15. August dieses Jahres: 2 Generalleutnants, 6 Generalmajore, 7 Oberste, 4 Oberstleutnants, 14 Majore, 21 Hauptleute, 10 Oberleutn ants und 9 Leutnauts. In Summa 73 Offiziere, Kosten per Jahr ca. 260,000 Mark. Ohne Pension sind ausgeschieden: 23 Leutnants Somit beträgt der Gesammtabgang an Offizieren in den letzten 6 Wochen 96. Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Die Mansfelder Gewerkschaft hat wiederum acht tüchtige, langjährige Arbeiter aus ihrem Dienst entlassen, weil diese dem ———— FFEXr e 4— 222 it größere le rothen e erzielen. erute in lauten die ustig“ Menschet ten Sigen auh den b nöglich hrung der t dieselbe! ofit für Mens heit e Preise er Natur, schen und es Ptoft⸗ , Moral“ aber noch in einem tibe Land⸗ irg, Herr igung der 1, etläßt. tes redet das Wort daß die „Milch⸗ en und noch von vird, un Konkurrenz u steigern, Geschichte el greifen, U könnten, Ischaft, in 6 hungern, t die Be⸗ Ju den ließen, dir em fihlt brut gegen ger! Mil inen Bol lle Herten luubt? 0 igent hum tet, deten cheuet ge schwerde sorpẽ ensions, Safin n eee E Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. Deutschen Berg⸗ und Hürtenarbeiter⸗ Verbande angehören. Es handelt sich dabei um Familienväter, welche zwanzig Jahre ihre Kräfte für diese Gesellschaft geopfert haben. Bei dem Kaiserbesuch aber, am 12. Juni dieses Jahres, prangten am Gewerkenhaus folgende tief empfundene Verse: Ehre Dir, Bruder Hüttenmann, Der in des Ofens verzehrender Glut Schmelzet das schwer erworbene Gut. Der aas des Schiefers schwarzem Gestein Läutert so Kupfer als Silber rein, Daß uns schönes und blankes Geld Willig zahlt die ganze Welt. 1899 betrug der reine Ueberschuß der Ge⸗ sellschaft zwölfeinhalb Millionen! Darum: 8 Ehre Dir, Bruder Hüttenmann, Den man aufs Pflaster setzen kann. Professor Delbrück über den Mainzer Parteitag. Im Oktoberhefte der preußischen Jahr⸗ bücher bespricht Delbrück den sozialdemo⸗ kratischen Parteitag. In der Einleitung fällt er folgendes Urtheil: Die interessanteste unter den deutschen Parteien ist heute zweifellos die sozialdemokratische. Sie ist die einzige, die Probleme in sich birgt, die einzige, die die Möglichkeit einer Entwickelung bietet, und sie ist zugleich nach der für den Reichstag abgegebenen Stimmenzahl von allen die stärkste. Die anderen Parteien sind alle mehr oder weniger im Stadium der Versteinerung. Es ist möglich, daß sie gelegentlich einer Keisis vollig in die Brüche gehen und Neubildungen an ihre Stelle treten, aber es ist nicht mehr möglich, daß sie aus sich heraus eine That, einen Gedanken, eine Persönlichkeit produ⸗ ziren. Man weiß von vornherein ganz gegau, wie sie sich zu jeder auftauchenden Frage verhalten werden, darum haben sie auch keine Talente mehr; sie haben sie nicht nöthig; sie brauchen nur noch Orgeldreher. Die konservative Partei halt schon lange gar keine Parteitage mehr ab; die nationalliberale hat seit der Frankfurter Blamage auch genug davon; die srei⸗ sinnige lebt überhaupt nar noch hinter verschlossenen Thüren; die große H eerschau des Centrums, der Katholikentag war von einer geistigen Oede, beinahe wie eine Reichstagssitzung; der einzige Partei- tag, dem es der Mühe werth war, zu folgen, war der sozialdemokratische, der einzige, der durch das, was dort geredet und be⸗ schlossen ist, in der inneren Geschichte Deutschlands eine gewisse Bedeutung haben wird. Delbrück gehört ebenfalls zu unseren Gegnern; in seinen weiteren Ausführungen sagt er auch manches, gegen das wir Einspruch erheben müssen. Aber trotzdem sticht obige Beurtheilung recht vortheilhaft ab von der anmaßenden Schulmessterei, die sich die nationalsozialen Herren unserer Partei gegenüber erlauben. Ueber das Waarenhaus Tietz, das vorige Woche in Berlin eröffnet wurde, und das in vieler Beziehung alle bisher bestehenden Bazare in den Schatten stellt, schreibt Genosse Calwer in der„L. Vtg.“: Das Waarenhaus Tietz in der Leipziger Straße wird für viele Wochen ein Hauptanziehungspunkt des Berliner Publikums sein. Das Zuströmen in den ersten Monaten ist zunächst auf die bloße Neugier zu⸗ rückzuführen. Aber die Organisation und Anlage des neuen Riesenbazars wird wohl bald wieder den Beweis von der Ueberlegenheit des Groß⸗ betriebes im Detailhandel erbringen. Es sind eine Reihe neuer Verkaufsgrundsätze bei Tietz aufgestellt worden, deren Durchführung diese Ueberlegenheit noch fühlbarer als bisher machen wird. Zunächst will das Warenhaus Tietz den Massenverkauf von Lebensmitteln, namentlich von Konserven, zu den billigsten Preisen aufnehmen und hat dazu umfassende Vorbereitungen getroffen, die auf eine scharfe Konkurrenz für die Kolonial⸗ und Konservenhandlungen in Berlin schließen lassen. Sodann wird im weitesten Maße gekaufte Waare umgetauscht, was bekanntlich in kleineren Geschäften oft sehr schwierig ist. Dort heißt es: gekauft ist gekauft, während Tietz durch sein Ent⸗ gegenkommen das kaufende Publikum stark an⸗ ziehen wird. Endlich ist es für die Käufer einer deutschen Großstadt neu, die schnellste Zusendung der gekauften Waren in die Wohnung gratis zu erhalten. Eine Stunde nach Einkauf soll die Ware an der gewünschten Stelle der Stadt sein. Um diese Leistung vollführen zu können, ist ein großer Wagenpark, alles Selbstfahrer, und ein ganzes Corps von Radfahrern eingestellt worden, die nichts anders thun, als die gekauften Waaren den Käufern zuzuführen und die eingegangenen Bestellungen zu effektuiren. Alle diese Neuerungen müssen ja erst erprobt werden, ehe sie als be⸗ währt angesehen werden können. Jedenfalls wird das Waarenhaus Tietz ebenso wie bisher Wertheim und alle anderen nichts versäumen, um die Um⸗ wälzung auf dem Gebiete des Detailhandes zu beschleunigen und die Mittelstandspolitiker zu belehren, daß der wirtschaftliche Fortschritt aller gesetzlichen Eingriffe, wie z. B. des Waarenhaüs⸗ steuergesetzes, spottet, daß alle Versuche, diese Ent wickelung zu unterdrücken, ausschließlich dazu führen, die Konkurrenz der Waarenhäuser noch zu verstärken. Hinzugefügt sei noch, daß die Bedienung des Publikums durch nicht weniger als 2700 An⸗ gestellte erfolgt, unter denen sich allein 500 Hausdiener und Laufburschen befinden. Zwölf Automobilen und vierzig Radfahrer besorgen den Außendienst. Es werden monatlich etwa 200 000 Mark Gehalt ausgezahlt. Theorie und Praxis der Mittelstandsretter. Gegen die Waaren häu ser zu eifern und für die Waarenhaussteuer einzutreten, gehört mit zum eisernen Bestande konservativ-antisemitischer Agitation. Auch die fromme„Kreuzzeitung“, das edle Junkerorgan, das seit Langem so ehrlich als möglich mit Gott für König und Vaterland kämpft, hat im Kampfe gegen die„jüdischen Waarenhäuser“ ihr gutes Theil geleistet. Das hinderte aber das Blatt nicht, in seiner Nummer 438 vom 19. September 1900 im redaktionellen Theile eine gut hundert Zeilen lange Reklamenotiz für das Waaren haus Hermann Tietz, das kürzlich in Berlin er⸗ öffnet wurde, zu bringen. Natürlich geschieht dies nur gegen gute Bezahlung. Kann das Blatt auch keinen Juden leiden, so nimmt es doch seine Inseratengelder gern! Dafür wird zwar das Programm der Mittelstandshebung preisgegeben, aber das schadet ja nichts; bis zur Wahl haben das die Rettungsbedürftigen des Mittelstandes längst wieder vergessen, sie werden dann wiederum mit den rückstäudigen Phrasen von Befähigungsnachweis, Waarenhaussteuec ꝛc. abgefüttert und leisten den Kreuzzeitungsleuten getreulich Wahlgefolgschaft. Rückgang des Autisemitismus. Wir lesen in der Sächs. Arb.„Ztg.“: Mit den sächsischen Antisemiten geht es rasend berg— ab. Die Zelten, wo noch die gesamte Amtspresse Propaganda für die Reformer machte, sind längst vorüber, und von den kleinen morschen Schifflein, die noch auf der halbausgerrockneten antisemitischen Pfütze existiren, sinkt eins nach dem anderen. In ihrer letzten Nummer kündigt auch die Kamenzer Zeitung ihr Ende an. Das Blättchen wurde vor 14 Jahren gegründet und wurde mit der trüben antisemitischen Flut gehoben. Jetzt liegt es auf dem Trocknen und zeugt als wertloses Wrack vom verflossenen Glanze der antisemitischen Partei. Politik in Kriegervereinen. Im Wahlkreise Wanzleben, in dem eine Ersatzwahl zum Reichstage vorzunehmen ist, wurde den Kriegervereinen nachstehendes Zirkular zugestellt: Kreis⸗Krieger⸗Verband Wanzleben. An sämmtliche Vereine des Kreis-Krieger— Verbandes. Aus Anlaß eines Spezialfalls machen wir im Interesse des Vereins, wie jedes einzelnen Mitgliedes desselben, kameradschaftlich darauf aufmerksam, daß es sich mit den Satzungen der Kriegervereine durchaus nicht verträgt, wenn Mitglieder derselben bei Wahlen einem Sozialdemokraten ihre Stimme geben. Wir ersuchen in der nächsten Generalversammlung besonders darauf auf— merksam zu machen. i Mit kameradschaftlichem Gruß! Der Vorstand des Kreis-Krieger⸗Verbands. Bürgermeister Rössing, Vorsitzender. Helf, was helfen mag! Zwar ist den Krieger⸗ vereinen in den Statuten verboten, sich mit Politik zu befassen, aber nach der famosen Logik der Kämpfer für Thron, Altar usw. ist die „Zerschmetterung“ der Sozialdemolratie keine Politik. Ob übrigens diese Beeinflussung etwas nützen wird, ist fraglich. Wie sich bei den Landtagswahlen in Gotha zeigte, wissen auch die Kriegervereinler, soweit sie Arbeiter sind, ihr Interesse wahrzunehmen, indem sie sozialdemo⸗ kratisch wählen. Auch im Kreise Wanzleben wird es eine ganze Anzahl geben, die sich durch das Rundschreiben nicht abhalten lassen werden, ein Gleiches zu thun. Zur Alkoholfrage veröffentlichte der Vorwärts folgende Zuschrift: „Nach Ablehnung des Kölner Antrags, die Alko⸗ holfrage auf die Tagesordnnng des nächsten Partei⸗ tags zu setzen, vereinigten sich in Manz eine Anzahl von Genossen und Genossinen, um sich über die weitere Behandlung der Frage schlüssig zu werden. Man war allgemein der Anschauung, daß die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs von seiten der Partei nicht übergangen werden dürfe und daß man dafür sorgen müsse, daß der Par⸗ teitag zu der Frage Stellung nehme. Nur Ge⸗ nosse Braun⸗Nürnberg war der Meinung, daß die Partei als solche sich mit der Bekämpfung des Alkoholismus nicht zu beschäftigen habe. Er beantragte, dafür zu sorgen, daß in der Presse und den Vereinen auf die Schädlichkeit des Alkoholmißbraauchs hingewiesen, aber von dem Bestreben, die Frage auf dem Parteitag zu behandeln abgesehen werde. Der erste Absatz des Antrags wurde genehmigt, der zweite abge⸗ lehnt. Dagegen wurde der Antrag Braun-Königs⸗ berg angenommen, daß der Antrag, der Partei⸗ tag solle sich mit der Alkoholfrage beschäftigen, das nächste Jahr wiederholt und bis zum nächsten Parteitag lebhaft dafür agitirt werden solle. Genosse Ulrich⸗Stuttgart erklärte sich bereit, die Presse und die Redner mit Material zur Be⸗ kämpfung des Alkoholmißbrauchs zu versehen und auf alle Anfragen betreffs der Alkoholfrage Auskunst zu geben: Die Adresse des Genossen Ulrich ist Stuttgart, Reinsburgstraße 48.“ Belgische Heeresreform. Wie belgische Blätter melden, beabsichtigt die Regierung der Kammer bald nach ihrem Zu⸗ sammenteitt einen Entwurf betreffend die Reor⸗ ganisation des Heerwesens vorzulegen. Danach soll der allgemeine persönliche Dienst nur in Kriegszeiten geleistet werden. In Friedens- zeiten soll das Stellvertretungssystem beibehalten werden, jedoch mit der Maaßgabe, daß Die— jenigen, die sich vertreten lassen, drei Monate hindurch den Dienst praktisch kennen lernen, ohee jedoch in der Kaserne zu wohnen. Wie die Einjährig⸗Freiwill gen in Deutschland sollen sie sich auch selbst beköstigen. Für die Milizen soll die Dienstzeit in der Weise ermäßigt werden, daß bei den Fußwaffen die Dienstzeit zwei Jahre, bei der Kavallerie drei Jahre dauert. Der Krieg mit China. Ein französisches Blatt brachte eine Notiz, wonach nunmehr jede Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich, Deutschland und Rußland beseitigt erscheine. Rußland habe eingewilligt, seine Gesandten und seine Truppen so lange inPeking zu lassen, wie es dieUmstände erheisch— ten; dafür habe Deutschland zugegeben, daß die Bestrafung der Hauptschuldigen zwar eine Hauptfrage bilde, es aber unnöthig sei, aus ihr eine Vorbedingung für den Eintritt in Ver⸗ handlungen mit China zu machen. England hat aber bisher noch nicht auf das Rund⸗ schreiben des Grafen Bülow geantwortet. Kämpfe. EineSchanghaier Meldung be— sagt: Die Forts von Lutai sind wahrscheinlich genommen, weil die Truppen zwischen Lutai und Schanghaiwang kämpfen. Ein Angriff auf Schanghaiwang vom Lande wie vom Meere aus wird erwartet. In den starken Forts be— finden sich 20000 Mann. Der Oberbefehlshaber. Französische Blätter schreiben: Der deutsche Feldmarschall, ranghöher und älter als die übrigen verbünde— ten Generale, wird natürlich bei den Berath— 1 0 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. ungen der Truppenführer den Vorsitz einneh⸗ men, aber er wird keine unmittelbaren Befehls- haberrechte über die nichtdeutschen Truppen und ihre Führer auszuüben haben, nur bei Stim⸗ mengleichheit im Kriegsrath wird seine Stimme ausschlaggebend sein. Zugleich läßt die Londoner Daily Mail sich aus Schanghai melden, daß die französi⸗ schen, russischen und amerikanischen Offiziere sich weigerten, sich unter den Oberbefehl des Grafen Waldersee zu stellen, so lange noch keine kriegerischen Operationen begonnen hätten. Rückzug. Die Vorbereitungen für die Zu⸗ rückziehung der amerikanischen Truppen sind begonnen worden. Wie man hört, wird ein Regiment Infanterie, eine Schwadron Ka⸗ vallerie und eine Batterie Artillerie in Pe⸗ king zurückgelassen zum Schutze der amerikani⸗ schen Interessen. Der Rest der Truppen wird nach Manila auf den Philippinen gehen. Auch die englischen und russischen Truppen werden zum Theil aus Peking zurückgezogen. Der Krieg in Südafrika. Neuere Depeschen beweisen, daß die Buren durchaus nicht entmuthigt sind, sondern den Kampf sogar im Oranje-⸗Freistaat fortsetzen. Am Donuerstag griffen die Buren eine britische Patrouille in der Nähe von Heidel⸗ berg an; ein britischer Offizier und ein Ge⸗ meiner wurden gefangen genommen, ein Ge⸗ meiner wurde getödtet, vier andere wurden ver wundet. In Komatipoort fand eine furchtbare Explosion statt, während englische Solda⸗ ten Munition, die von den Buren im Stich gelassen war, vernichteten. Zwanzig Gordon— Hochländer wurden getödtet. Was den Engländern noch bevorsteht, ergiebt sich aus einer Nachricht der Morning Post aus Pretoria! Barend Vorster, eines der schlimmsten Mitglieder der alten Volksraad⸗ Partei hat im Distrikt Zoutpansberg eine Re⸗ publik hergestellt. Botha sei mit 2 000 Bu⸗ ren abmarschirt, um sich Vorster in Pieters⸗ burg anzuschließen. Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Zur Bürgermeisterwahl. Im „Gießener Anzeiger“ liest man: Ueber die Neubesetzung der Stelle des Oberbürger⸗ meisters ist bisher nicht mehr zu erfahren, als daß die Vorschlagskommission zwar mehr⸗ fach berathen hat, über ihren Antrag an die Stadtverordneten aber noch nicht ins Reine gekommen ist. Infolge der langen Geheim⸗ nißthuerei der Kommission haben in den letzten Tagen private Besprechungen einer An- zahl von Stadtverordneten stattgefunden, wo⸗ bei zu erkennen gegeben wurde, daß man den geeigneten Mann in einem Juristen aus Oberhessen gefunden zu haben glaubt, der auch bereits bei den Berathungen der Kommis— sion in die engere Wahl gekommen sein soll. — Wie wir hören, hat die Kommission sämmt— liche Bewerber aus Hessen, unter denen sich sehr fähige und für diesen Posten geeignete Männer befinden, nicht berücksichtigt, sondern drei bisherige Verwaltungsbeamte preußi— scher Städte vorgeschlagen. Das Vorgehen der Kommission hat unter den übrigen Stadtver— ordneten eine Unzufriegenheit, sogar Erregung hervorgerufen, die gewiß nicht unberechtigt ist; Ob man aber im entscheidenden Augenblick gegen die Vorschläge der Kommission wirklich ernsthaft opponiren wird und einen„preußischen“ Bür⸗ germeister ablehnt, muß erst noch abgewartet werden. — Parteiversammlung. Für Gießen ziemlich schwach besucht war die Versammlung, in welcher am Dienstag unser Delegirter, Ge— nosse Orbig, über den Parteitag Bericht er— stattete. Referent bezeichnete es als ein Zei— chen von Festigkeit der Partei, daß dieser Par— teitag ruhiger als seine Vorgänger verlief. Auch die Berichte des Vorstandes und der Reichs- tagsfraktion veranlaßten keine erheblichen Dis⸗ kussionen, ein Beweis, daß man mit der Thä⸗ tigkeit dieser Körperschaften einverstanden war. Redner verbreitete sich dann eingehend über die weiteren Berathungsgegenstände und ihre Erledigung vom Parteitage. Unsere Leser sind durch den Bericht in den beiden letzten Nummern der„M. S.⸗Ztg.“ über die Mainzer Verhand—⸗ lungen unterrichtet, so daß wir hierauf nicht weiter einzugehen brauchen. An die Ausfüh⸗ rungen des Referenten knüpfte sich eine kurze Diskussion, an der sich die Genossen Krumm und Vetters betheiligten.— Mit den Beschlüssen unseres Arbeiterparlaments erklärte sich die Versammlung einverstanden. Nach Erledigung einer Beschwerdesache wurde dieselbe geschlossen. — Das Stiftungsfest des Schnei⸗ der verbandes, das am Samstag im Cafee Leib stattfand, erfreute sich eines guten Besuchs und verlief zur Zufriedenheit der Theilnehmer. Trotzdem sind wir der Meinung, daß bei sol— chen Veranstaltungen etwas mehr in Deklama⸗ tionen, humoristischen Gesangsvorträgen ꝛc. ge⸗ boten werden müßte, damit auch diejenigen, die am Tanzen wenigen Vergnügen finden, auf ihre Rechnung kommen! Mit geringen Opfern an Zeit und Mühe ist das erreichbar.—(In der letzten Nummer waren in der das Fest betref⸗ fenden Notiz einige Satzfehler bei der Kor- rektur übersehen worden, welche die freundlichen Leser wohl von selbst berichtigt haben werden). — Das Schwurgericht verurtheilte am Samstag nach zweitägiger Verhandlung den 30 Jahre alten Julius Friedrich Th. Ree, einen Sohn des in Bleichenbach gestorbenen ev. Pfarrers, Dekans und Kirchenraths, wegen Meineids zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren. Nach dem Tode des Vaters sank der Angeklagte, der schon vorher ein lüderliches Leben geführt hatte, immer tiefer. Er ver⸗ praßte den Rest des väterlichen Vermögens und war dann auf Borg und Mildthaten angewie⸗ sen. Am 6. und 7. März hat er in einer Pri⸗ vatklagesache vor dem Schöffengericht Orten— berg falsch geschworen, um der Verklagten, bei der er häufig Unterkunft fand und die er auch angeborgt hatte, ein obsiegendes Urtheil zu verschaffen. Eine verrückte Komödie. Der Abgeordnete für Gießen, Bürgermeister Köhler von Langsdorf hat sich einen Aufruf geleistet, der bei allen vernünftigen Menschen, die ihn zu lesen bekommen, ungeheuere Heiterkeit entfesseln dürfte. In demselben wird mit geradezu hündischer Schweif⸗ wedelei die Königin von Holland vergöttert, weil sie es angeblich gewagt habe, den greisen ee eee ee, Rachen der englischen Bluthunde zu entreißen.“ Köhler bittet— im Namen des hessischen Bauern⸗Bundes—„alle Volksge⸗ nossen“, einerlei welcher Partei sie angehören, sollen am 8. Oktober nach König im Oden⸗ wald wallfahrten, um der dort zu Besuch weilen⸗ den Königin von Holland eine Ovation darzu⸗ bringen. Am Schluß läßt sich der Teutone Köhler in folgenden Tönen vernehmen: Darum legt denn Gott seinen sichtlichen Segen auf diese königliche Jungfrau! Der göttlichen Jeanne D'Arc, der völker⸗ befreienden Jungfrau von Orleans vergleich— bar, wird fortan ihr lichtes Banner den Völ⸗ kern voranschweben, die nun ihrer rechten Führer verlustig sind, und Gott wird dem Rechte trotz alledem zum endlichen Siege ver— helfen!— So kommt denn Alle, Alle herzu, und huldigt Ihr Alle, der Gottgesandten, die Einzig vor Allen!!! das Banner der Gerechtigkeit aufpflanzte, die fürderhin es hochhält, der Edelsten und Tapfersten, Ihrer Maj. der Königin Wilhelmine von Holland!“ Die an dem südafrikanischen Kriege und Allem, was damit zusammenhängt, ganz un— schuldige Königin wird gar nicht wissen, mit was sie eigentlich eine solche Ehrung verdient hat, sintemalen in Holland die Königin nichts oder nur ganz wenig in die Regierungsgeschäfte hineinzureden hat, diese vielmehr ganz in die Hände der verantwortlichen Minister gelegt sind. — Unser Offenbacher Parteiorgan hat ganz Recht, wenn es zu dieser Komödie sagt: Die ganze Aktion scheint mehr dem Reklamebedürfniß des Bauernbundes als der großen Burenbegeisterung entsprungen zu sein. Viel wird dabei nicht her⸗ auskommen. Aus Wetzlar. Nach Naumann— Stöcker! Kaum hat ein Theil oder vielmehr eine Richtung der„poli⸗ tischen Pastoren“ seine Konferenz in Leipzig be⸗ endet, haben wir jetzt das Vergnügen, uns ein ähnliches Schauspiel in nächster Nähe anzu⸗ sehen. Nächste Woche halten die Christlich⸗So⸗ zialen, die Stöckerianer, hier ihren Parteitag ab. Am Dienstag Abend findet eine öffentliche Volksversammlung statt, in der über die Be⸗ kämpfung der Sozialdemokratie ꝛc. verhandelt werden soll. Herr Stöcker steigt selbst zum Volke herab, um zum so und sovielten Male die Sozialdemokratie zu vernichten. Wir kön⸗ nen unserer Vernichtung ruhig zusehen. — Ein neuer Landtagskandidat. Mit der Kandidatur des ostpreußischen Regie⸗ rungspräsidenten a. D. von Tieschowitz ist es nichts. Er hat aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt. Statt seiner tritt Herr Bergwerks besitzer Roth als Kandidat aller„nationalen“ Parteien auf und im Wetzl. Anz. wird für den königstreuen, patriotischen, religiösen, nationa⸗ len ꝛc. Mann gehörig die Pauke geschlagen. Wie dieser gute Mann über die Arbeiterbewe⸗ gung denkt, resp. was er davon versteht, geht aus einer Rede hervor, die er früher hier ge— halten hat. Bei dem Jubiläum eines Berg⸗ beamten erklärte er, daß„Gott sei Dank die Bergleute ein festes Bollwerk gegen die böse Sozialdemokratie bildeten und sich fern hielten von den grünen Jungen, die am Bier⸗ tisch Politik trieben.“ Das schlechte Zeugniß, was er da den Bergleuten ausstellt, nämlich, daß diese ihre Klassenlage noch nicht erkannt haben, verdienen dieselben leider zum großen Theil. Wird Herr Roth gewählt, woran nicht zu zweifeln ist, so findet er als Abgeordneter Kollegen, die ebenfalls von der Sozialdemo⸗ kratie als von grünen Jungen redeten. An Bedeutung und Ansehen haben aber da⸗ durch die Frege, Klimkowström ꝛc. nicht ge— wonnen. Alsfeld. =n. Bei allen fortschrittlichen kommunalen Einrichtungen, deren sich unser Gemeinwesen er⸗ freut, als da sind Wasserleitung, elektrische Be⸗ leuchtung u. s. w. macht sich das Fehlen einer Fremden⸗ Herberge unangenehm fühlbar. Am 1. Januar d. J. stellte der seitherige Her⸗ bergsbesitzer seinen Fremdenverkehr ein und es hat sich noch Niemand gefunden, der die Herberge übernehmen wollte, trotzdem in dem Aus⸗ schreiben der Stadtverwaltung noch ein Zuschuß von 100 Mark in Aussicht gestellt wird. Vor einigen Wochen war sogar ein schon bejahrter Wanderer, der nirgends Obdach finden konnte, in einer Straße auf einem Haufen Holz ein⸗ geschlafen, zahlreiche Kinder umstanden den Schlafenden, dessen sich schließlich ein Bürger erbarmte, indem er ihm Nachtlager gewährte. Oft genug sieht man hier des Abends müde Handwerksburschen von Wirthschaft zu Wirth⸗ schaft hinken und vergeblich Unterkunft suchen. Höchste Zeit wäre es, daß die Stadtverwaltung einmal energisch eingriffe und diese Mißstände abstellte. Dazu ist aber nur Aussicht vorhanden, wenn die Arbeiter und Minderbemittelten end⸗ lich einmal Leute aus ihren Kreisen, die Verständniß für die Wohlfahrt der Gesammt⸗ heit haben, in den Gemeinderath entsenden.— Hoffentlich gelingt dies bei den nächsten Wahlen. Das Grubenunglück von Dux, ein Ver⸗ brechen des Kapitalismus. Ueber die schreckliche Katastrophe in Dux, die bisher 81 Bergleuten das Leben ge⸗ kostet hat, berichtet die„Wiener Arbeiter⸗Ztg.“: Uebereinstimmend wird von mehreren Seiten angegeben, daß die Arbeiter seit mehreren Tagen Gase verspürten, und der uns vorliegende Be⸗ richt erklärt, woher diese Gase kamen. Infolge eines Wassereinbruches war die Förderung un— möglich. Der Profit war in Gefahr, und um ihn zu retten, scheute man sich nicht, die ganze Belegschaft zu gefährden. Ein alter, seit Jahren. nicht mehr benützter Gang wurde geöffnet, ohne daß man es für nothwendig hielt, vorher die S — — — 8 bartein entlich die Ve⸗ cchandel bst zum en Male Vir kön⸗ ehe n. ndidat Dank dit gen die sich fern am VBier⸗ geugniß, nämlich, t erkannt n großen ran nicht eordneter ldemo⸗ ten. An aber da⸗ icht ge 1 ge nmunalen sen el⸗ che Be⸗ i einet fühl bat. rige Hel in und es Herberge em Aus U Zuschuß vird. Wu bejahte en konne, Holz ein nden del Bürgel gewähre 3 milde 0 Nr. 41. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. beiter, die lieber einige Schichten als ihr Leben opfern wollten, weigerten sich, zu arbeiten. Man bewog sie aber— wie das geschieht, ist ja be— kannt— weiter zu arbeiten.... eine halbe Stunde später war das Unglück geschehen. Aber noch immer wäre das Unglück nicht so groß ge— wesen, wäre wenigstens sonst alles in Ordnung gewesen. Aber man hatte selbst angesichts der großen Gefahr nicht über sich gebracht, die paar Kreuzer zu opfern, um die Grube anständig zu berieseln und so die Entwickelung des Kohlenstaubes zu verhindern, man hatte es nicht über das Herz gebracht, bei der Bewältig⸗— ung des Brandes für die nothwen⸗ dige Ueberwachung zu sorgen. Und so nahm die Katastrophe diesen ungeheuren Umfang an, der sie den größten Katastrophen anreiht. Der Frisch Glück-Schacht gehört der Brüxer Bergbaugesellschaft; der Name scheint das einzige zu sein, was die Gesellschaft für die Sicherheit in dem gefährlichen Schachte vorkehrte. Das sind dieselben Leute, die die Bergarbeiter nach heldenmüthigem Widerstande wieder in das Joch gezwungen, sie um die Früchte des dreimonat— lichen Kampfes geprellt haben.— Unter den Ver⸗ unglückten befinden sich auch mehrere unserer Parteigenossen, die sich die Organisation der Bergarbeiter angelegen sein ließen. Die um Naumann. „Parteitag“ nennen die paar putzigen Männchen, so sich„nationalsozial“ nennen, ihr diesjähriges„Kränzchen“ in Leipzig. Schade daß die„Partei“ noch fehlt, und daß die großen Worte im umgekehrten Verhältniß zur Zahl der Parteigenossen stehen. Um das„soziale“ Gerede dieser Herren bekümmert sich schon längst Niemand mehr; Leute, die Arbeiterschutz wollen und bei Wah⸗ len den Scharfmachern Vorspann leisten, die den Brodwucher bekämpfen und Hoch schutzzöll⸗ nern nach ihren schwachen Kräften Reichstags— mandate verschaffen helfen; die die Arbeiterbe— wegung unterstützen wollen und im Verdächtigen und Beschimpfen der Arbeiterklasse und ihrer Führer getrost mit Herrn Stöcker und den Seinen in Wettbewerb treten, könnten solche Leute können nicht verlangen, daß man ihre Sozialpolitik ernst nimmt.— Das sehen wohl die Herren auch selbst ein, daß auf diesem Ge- biete der Gimpelfang geringe Erfolge aufzu- weisen hat und deßhalb wird mit um so größe- rer Inbrunst die nationale Flöte von diesen politischen Rattenfängern geblasen. Es ist zwei⸗ fellos, daß in Kreisen, die für das Chinaaben— teuer schwärmten, allmählich eine katzenjammer⸗ liche Stimmung einzieht. Der Rückgang der Kurse, das Stocken in einer ganzen Anzahl Industriezweige, die Unsicherheit der ganzen wirthschaftliche Lage, dies alles noch verschärft und zum Theil veranlaßt durch den„Kreuz— zug“ nach China, erweckt in weitesten Kreisen Unbehagen und Angst. Dazu kommt in immer stärkerem Maße der Widerwille gegen das By— zantiner⸗ und Streberthum, das aus Deutsch⸗ land eine Kinderstube gefüllt mit Idioten und Hurraschreien machen will. Gerade in den ge— bildeten Schichten des Volkes, welche sonst alle die phantastischen Weltmachtspläne billigen und schüren helfen, nimmt man doch hier und da Anstoß an der Proklamirung vormittelalter— licher Kriegsgebräuche und ihren verheerenden Folgen auf die Kultur. Und so zieht denn auch Herr Damaschke in Leipzig gegen die„Hunnenpolitik“ des Pfar⸗ res Naumann zu Felde. Ihm wird ungemüth— lich bei dem blutigen Geschreibsel des Pardon— verweigernden christlichen Parteigenossen Nau— mann und sanft bittet er, doch beschließen zu wollen, daß der„Parteitag“ den Hunnenartikel der„Hilfe“ zur Privatsache Naumanns erklä— ren möge. Aber Herr Damaschke kam schön an, die Herren Naumann, Sohm, Gregory, v. Ger— lach usw. bewiesen ihm klar und deutlich, daß Christenthum und Hunnenmoral recht hübsch unter einem Dache wohnen können.„Wenn ein Staat den Krieg für nöthig er⸗ achtet, so sei vom Standpunkt des Christenthums nichts dagegen ein⸗ zuwenden, versichert Herr Sohm ganz ge— müthlich und nun war auch Herr Damaschke so Stellung zu dem Hunnenartikel der Hilfe zu nehmen. Und diesem mannhaften Beschluß stim⸗ te die verehrte Versammlung einmüthig zu. So sieht die Gesellschaft aus, die die„Erb— schaft“ der Sozialdemokratie in der Arbeiter— bewegung antreten will. Sie unterschätzen doch das Kultur⸗Niveau der Arbeiter um ein Er— kleckliches, wenn sie glauben, dieselben auf den Standpunkt der„Hilfe“ und ihrer Ma— cher herunterziehen zu können. Nicht im Krieg erwächst dem Volke Heil, sondern im fried-⸗ lichen Wettbewerb der Völker gedeiht Frei— heit und Wohlfahrt. Pflicht der Arbei⸗ ter ist es, der völkerverhetzenden Thä⸗ tigkeit dieser Partei von Pfaffen und Pro— fessoren zu zeigen, daß sie nicht geneigt sind, ihnen zu Liebe aus einer Partei der Näch⸗ stenliebe und Brüderlichkeit eine solche von Hunnen und Barbaren zu gestalten. Das mögen sich die paar anmaßenden, schulmeistern— den, wunderlichen Christen gesagt sein lassen. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 4. Oktbr. Die„Hessische Landeszeitung antwortete auf unsere berechtigte Kritik ihrer Berichte über den„Mainzer Parteitag“, wir stem⸗ pelten Jeden zum Volksverräther, der nicht unserer Meinung sei. Das stimmt nicht. Wir nehmen es keinem Gegner übel, unsere Be— schlüsse und die Partei zu kritisiren, wie er Lust hat. Was man aber verlangen kann, we— nigstens von einem anständigen Gegner, ist ein wahrheitsgemäßer Bericht. Wenn aber in den Berichten vom„Waschen schmutziger Wäsche“ gesprochen wird, so ist dies eben eine Unwahrheit. Oeffentliche Versammlungen. Die Schreiner hielten am 29. September und die Zimmerleute am 30. September im Lokale des Herrn Müller öffentliche Versammlungen ab mit der Tagesordnung:„Warum organisiren wir uns?“ Beide Versammlungen, in welchen Refe- renten aus Frankfurt anwesend waren, hatten einen guten Besuch aufzuweisen, die der Schrei— ner hätte aber doch noch etwas besser besucht sein können. Die Referenten erledigten sich ihrer Aufgabe in gewohnter Weise: Die Anwesenden auffordernd, in die Organisationen einzutreten, und mit für eine bessere Lebensweise der Ar— beiter zu kämpfen. Etwas aus Schilda. Unsere Polizei giebt sich die größte Mühe, etwaiger Verbrecher habhaftig zu werden. Hat sie solche erwischt, so werden diese fürsorglich in das— Arbeits— haus gesteckt, damit ihnen Gelegenheit geboten wird, bei der Dunkelheit, wenn alle Katzen grau sind, wieder zu entspringen. Ein Schwindler, welcher schon sehr viel auf dem Kerbholz hat, suchte hier die ersten Hotels auf, spielte Karten, machte Bekanntschaft mit den Reisenden, erfuhr dessen Namen, sowie die Firma, bei welcher dieser beschäftigt war, telegraphirte dann an den Herrn Chef:„Die Geldverlegenheit sei groß usw.“ und hatte auch meistens den gewünschten Erfolg. Als der Schwindler aber hier auf dem Postamte zu auffällig sich benahm, schöpfte der Postbeamte Verdacht, requirirte die Polizei und ließ ihn festnehmen. Alles Sträuben des so gründlich Hineingefallenen und seine Versiche— rung, er sei ein rechtschaffener Mensch, half nichts; er mußte mit zur Wache. Die Polizei hatte einen guten Fang gemacht. Bis hierher hatte sich die Sache ganz gut gemacht. Der Knallefekt kommt aber nach. Anstatt den Schwindler ins Gefängniß zu stecken, wurde er in das— Arbeitshaus gebracht, wo er dann auch glücklich in der Nacht wieder ausgebrochen ist. Am andern Morgen wurde dann die Polizei— mannschaft, soweit es eben angängig, auf— geboten, um auf den Frevler zu fahnden, der die Gutmüthigkeit der Polizei so sehr miß— braucht hatte. Das Erwischen ging sehr rasch, das Ent wischen aber noch viel schneller von statten. Durch ein Haus in der Wettergasse in die Gärten hinein über Hecken und Sträucher verschwand der Missethäter, von wo aus dann der so glücklich Erwischte nicht mehr zu finden war. Diese Geschichte ist thatsächlich in Mar— gerührt, daß er dem Parteitag empfahl, keine burg passirt, nicht etwa der Chronik von Schilda entnommen.— Wie nachträglich ver⸗ lautet, soll der Schwindler in Cassel gefaßt wor⸗ den sein. Aus der besseren Gesellschaft. Vor einigen Tagen kam ein Herr, der besseren Ge- sellschaftsklasse angehörig, mit der Bahn nach unserer Musenstadt, um sich hier auf seine Art zu vergnügen. Der Biedere hatte aber die Rech⸗ nung ohne den— Droschkenkutscher gemacht. Auf den Vorplatz des Bahnhofes herausgetreten, trat der Geschniegelte und Gestriegelte an einen Droschkenkutscher heran mit dem Bemerken:„er möchte'mal in ein Haus gefahren werden, wo viele Mädchen sind.“ Der Droschkenkutscher, etwas unerfahren, wußte eigentlich nicht so recht, was der„feine Herr“ wollte. Ein Marburger Original, welches am Hauptbahnhof seine Zu⸗ fluchtsstätte aufgeschlagen hat, hörte das Ge⸗ spräch der Beiden und meinte zu dem Droschken— kutscher:„Du, fahre den Herrn nach der Ent— bindungsanstalt, da sind viele Mädchen.“ Gesagt, gethan. In einigen Minuten war der Kutscher an dem betreffenden Hause angelangt, erhielt für seine Fahrt einen halben Thaler und der Herr verschwand in der— Entbindungsanstalt. Der Kutscher verschwand im Nu von der Bild⸗ fläche. Jedenfalls wird der Wollüstling ein sehr verdutztes Gesicht gemacht haben, als er diese Räume betrat. Abends traf dann der Herr un⸗ seren biederen Rosselenker und machte ihn ge— hörig den Schweinehund, wie er überhaupt sich so etwas erlauben könnte. Daß der Kutscher sich natürlich von dem so gründlich Hereinge— fallenen keine Grobheiten sagen ließ, kann man sich wohl denken und soll es auch bei bloßen Zärtlichkeiten nicht geblieben sein. Kleine Mittheilungen. * Weilburg. Der Bergverwalter Faß⸗ bender der Hirzenhain-Lollarer Eisenwerke wurde infolge Scheuwerdens der Pferde aus seinem Wagen geschleudert und starb bald darauf. * In Ronhausen bei Marburg brach ein Maurergerüst, auf dem drei Arbeiter standen, zusammen. Die Leute wurden zum Glück nicht schwer verletzt; einer fiel mit der Hand in eine Dunggabel. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 6. Oktober: Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löbe, „Wiener Hof“. Vortrag des Genossen Vetters über Heinrich Heine. Gießen. Metallarbeiter abends ½9 Uhr bei Orbig. Gießen. Brauer und Küfer. Monatsversammlung abds. /9 Uhr bei Thoma, Bahnhofstr. 43. Montag, 8. Oktober: Gießen. Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen. Sonntag, den 21. Oktober, Nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn Löb,„8 um Wiener Hof“ in Gießen Parteiversammlung. Tagesordnung: 1. Jahres⸗ und Kassenbericht des Kreisvertrauensmannes. 2. Berichterstattung vom Par- teitag in Mainz. 3. Neuwahl des Kreisvertrauensmannes. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Briefkasten. A. 100. Aber lieber Freund, meinen Sie, wir hätten sonst weiter nichts zu thun? Zu unserm Leidwesen wird uns mehr als genug zum„rathen“ aufgegeben.— Ein Schulkind erbarmte sich Ihrer Schmerzen und brachte „Mittelstand“ heraus. Deutscher Metallarbeiter⸗Verband Zahlstelle Gießen. Samstag, den 6. Oktober, Abends /9 Uhr, im Lokale von Orbig, Rittergasse. Mitgliederversammlung. Vortrag des Herrn E. Krumm. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Gießener Stadttheater Sonntag, den 7. Oktober Auf eigenen Füßen. Große Gesangsposse in 6 Bildern von J. Pohl und N. Wilken, Musik von Conradi. Dienstag, den 9. Oktober 1. Volksvorstellung Uriel Acosta. Trauerspiel in 5 Akten von Karl Gutzkow. Mittwoch, den 10. Oktober Vasantasena. Ein indisches Drama des Königs Sudraka in 5 Akten von Emil Kohl. Freitag, den 12. Oktober Die offizielle Frau. Sensationsschauspiel in 4 Akten. Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 8 Unterhaltungs⸗Theil. 5 e Dunkle Mächte. 71 Roman von Elise Langer. Am Abend, nachdem er das Brautpaar ein⸗ geladen hatte, sagte er beim Thee zu Fräulein von Saldeck: Ich werde Sie bitten, nächsten Donnerstag uns ein kleines hübsches Souper herzurichten, wie sie es so trefflich verstehen. Ich habe Freund Kolweit, von dem ich Ihnen schon erzählt, und seine Braut, Fräulein Maihöfer, eingeladen. Die Dame kenne ich nicht. Kolweit aber ist ein lieber Kerl, bei all seinen Erfahrungen und seiner Gelehrsamkeit ein wahres Kindergemüth. Er wird Ihnen sicherlich gefallen.“ Fräulein von Saldeck gang mit der größten Bereitwilligkeit auf seine Wünsche ein und ver⸗ sprach, ihr Bestes zu thun. Die Unruhe, welche Brandt erfaßt hatte und deren wahre Ursache, nämlich, daß er in seinen „reizenden Hausgeist“ verliebt sei, er sich nicht eingestehen wollte, war von Fräulein von Saldeck nicht unbemerkt geblieben und sofort richtig ge⸗ deutet worden. Sie war mit ihren dreiund⸗ zwanzig Jahren nicht unerfahren in der Liebe. Eine tiefe Herzensneigung hatte sie bereits in ihrer ersten Jugendblüthe der Eifersucht und den Intriguen ihrer frivolen Stiefmutter zum Opfer fallen sehen, und die Eiseskälte, welche sich seitdem um ihr Herz gelagert, hatte sie vor den mannigfachen Versuchungen b schützt, denen sie in ihren Kreisen ausgesetzt gewesen. Aber um so schärfer hatte sie das Treiben derselben beobachtet, was zu ihrer völligen Abwendung von ihnen geführt hatte. Brandts Persönlichkeit hatte gleich bei der ersten Bekanntschaft einen starken Eindruck auf sie gemacht, der sich im Laufe ihres Zusammen⸗ lebens beständig steigerte. Die leidenschaftliche Zuneigung, die auch er für sie gefaßt zu haben schien, erfüllte sie mit einem Glücksgefühl, dem sie auf ihrem Zimmer, nach abgethanen Tages⸗ geschäften, mit den schlafenden Kindern daneben und einer Handarbeit oder einem Buch im Schooß, still lächelnd nachhing. Sie war ehrlich genug, sich zu gestehen, daß es ein erstcebenswerthes Ziel wäre, in diesem Hause Anker zu werfen. Waren doch die Verhältnisse wie dazu geschaffen. Alles stimmte vortrefflich. Brandt war, wie sie wähnte, frei, sie stand allein in der Welt, er brauchte eine Hausfrau, eine Mutter für seine Kinder. Alter, Lebensstellung, alles paßte zu⸗ sammen. Sie hätte kein Weib sein müssen, wenn sie nicht an eine Heirath gedacht hätte. Mittlerweile kam der Donnerstag heran. Käte Maihöfer war über die ihr von Kol⸗ weit überbrachte Einladung von Doktor Brandt anfangs ein wenig erschrocken. Sie hatte von der geistigen Bedeutung dieses Mannes, von dem sie neuerdings so viel sprechen gehört, eine sehr hohe Vorstellung und dachte trotz ihres vierjährigen Umgangs mit Kolweit zu bescheiden von sich selbst, um nicht immer ein wenig Scheu zu empfinden, wenn es galt, aus ihrem ge⸗ wohnten Kreise herauszutreten. Diesmal kam sie jedoch leicht darüber hinweg. Sollte sie doch an ihres Bernhards Seite, dessen Gattin sie nun bald sein würde, sich in das fremde Haus begeben. Als sie zu dem Besuche geschmückt, in ihrem feinen grauen Kaschmirkleide, das sie sich zur Aussteuer angeschafft hatte, in die Wohnstube trat, wo Kolwelt sie bereits erwart⸗te, umringten die Geschwister sie voll Bewunderung. Auch der Vater kam aus seiner Hinterstube herbei, um seine Tochter in ihrem neuen Staate zu sehen. Er war durch die bevorstehende Heirath faft ebenso aufgeregt, wie Lehnchen und Fritz, während die Mutter ihre gewohnte Ruhe bewahrte. Unter allseitigen Wünschen, sich gut zu unterhalten, machte sich das Paar zu Brandt auf den Weg. Dort stand alles zu seinem Empfang bereit. Gleich nach der Begrüßung im Salon, wo ein lustiges Kaminfeuer brannte, und die Kinder noch anwesend waren, um den Gästen vorgestellt zu werden und dann zu verschwinden, öffneten sich die Flügelthüren und zeigten im Neben⸗ zimmer den einladend servirten Tisch. Brandt reichte Fräulein Maihöfer, Kolweit der Re⸗ präsentantin der Hausfrau den Arm. Die kleine Tafelrunde befand sich bald in lebhaftem Ge⸗ spräch, zu dem die in kurzem stattfindende Ver⸗ mählung des Brautpaares den nächsten Stoff lieferte. Ueber die Wohnungsfrage, den Ein⸗ kauf der Möbel und wo sie am geschmackvollsten und preiswürdigsten wären, wurde lebhast hin und her gesprochen. Die Damen machten den günstigsten Eindruck aufeinander, und jeder der beiden Herren war von seiner Nachbarin entzückt. Kolweit betrachtete mit naiver Bewunderung die elegante Erscheinung Helmas, die heute noch durch ein reizendes Hauskostüm gewarn, sowie ihr ruhiges Walten bei Tisch, ohne daß sie die Hilfe des Dienstmädchens, dessen Anwesenheit Brandt nicht liebte, in Anspruch nahm. Brandt seinerseits fand entschiedenes Wohlgefallen an der leicht aufgebauten Gestalt, dem frischen, freundlichen Gesicht und heiteren Wesen der Braut seines Freundes, der sich einer harmlos übermüthigen Fröhlichkeit überließ. Brandt ent⸗ faltete eine glänzende Unterhaltungsgabe, er war unernüdlich im Erzählen, von Genf, von seinem Flüchtlingsleben, wobei er seine satirische Ader ergötzlich spielen ließ. Die anregende Unter⸗ haltung, die ausgesuchten Schüsseln und der reichlich genossene Wein hatten die fröhlichste Stimmung erzeugt. Es war schon spät, als man sich trennte. Kolweils erste Frage, als er mit seiner Braut auf die Straße trat, war:„Nun, wie hat Dir Freund Brandt gefallen?“ „Ehelich gestanden, gar nicht“, erwiderte Käte trocken. „Wieso? Was hast Du gegen ihn?“ „Das ist ein gefährlicher Mensch. Hast Du denn nicht bemerkt, wie er das Fräulein mit⸗ unter ansah? Der Blick hat mir nicht ge⸗ fallen.“ „Er ist natürlich in sie verliebt, das ist nicht zu verwundern. Ein reizendes Mädchen. Vielleicht werden sie noch ein Paar.“ „Hm, ich weiß nicht. Kurz und gut, er flößt mir kein Vertrauen ein. Bernhard, fie Dich nur gut mit ihm vor.“ „Du ahnungsvoller Engel Du,“ scherzte Kolweit und drückte den Arm, der in dem seinigen ruhte, zärtlich an sich. VI. Die materiellen Verhältnisse der Familie Maihöfer wurden dahin geordnet, daß man das Geschäft an eine bisherige Gehilfin mit kleiner An⸗ und vierteljährlicher Abzahlung verkauste, welche Summe zur theilweisen Unterhaltung der Wirthschaft bestimmt wurde. Das Fehlende steuerte das junge Paar bei, welches außerdem Fritz zu sich nahm, für dessen Erziehung es ganz und gar sorgen wollte. So wurde denn Hochzeit gemacht. Die standesamtliche Trauung war dazumal noch nicht eingeführt und die freie Gemeinde noch nicht als gleichberechtigt Religionsgesellschaft vom Staate anerkannt. Das Paar mußte sich wohl oder übel in der Kirche trauen lassen. Um jedes Aufsehen zu vermeiden, wählte man hier⸗ zu eine frühe Morgenstunde. Fräulein Käte trug ein einfaches schwarzes Seidenkleid. Allen übrigen Schmuck ersetzte das frische Roth ihrer Wangen und der Glanz ihrer feuchtschimmernden Augen. Ein schmales Myrtenkränzchen umschloß die weiße Stirn. In Herrn Maihöfers Augen war die Trauung in der Kirche null und nichtig, und so hielt er, um dem Ehebündniß die rechte Weihe zu geben, zu Hause noch eine feierliche Ansprache an das junge Paar. Als Gäste und Trauzeugen waren nur zwei alte Freunde der Familie und Doktor Brand zugegen. Fräulein von Saldeck hatte der auch an sie ergangenen Einladung nicht folgen können, weil Emmy seit einiger Zeit kränkelte und sie das Kind nicht allein lassen wollte. Brandt hatte es sehr eilig, die Redaktionsarbeit dränge. Er aß einen Bissen von dem dargebotenen Frühstück, trank 9 Abschied von der Mutter war für Käte tief er⸗ greifend. Ihre stumme Umarmung sagte mehr, als des Vaters salbungsvollsten Segensworte. Zu Kolweit sagte Frau Maihöfer nur:„Lassen Sie ihre Frau nicht vereinsamen“, und dieser verstand, was sie meinte. Ein fester, treuer Blick gab Antwort darauf. Brandt war in der folgenden Zeit vielfach verstimmt. Die fortdauernde Kränklichkeit Emmys machte ihn um das zarte Pflänzchen besorgt. Kein Mittel wollte anschlagen. Der Arzt meinte, das Kind vertrüge das Klima nicht. Der Winter war auch ausnehmend rauh, sodaß die täglichen Spaziergänge, auf die Brandt besonders hielt, eingestellt werden mußten. Darunter litt nun wieder der kräftige Charles, denn das Fräu⸗ lein durfte sich von Emmy nicht entfernen, und Brandt hatte am Tage keine Zeit, mit ihm aus⸗ zugehen. Zuweilen kam Frau Kolweit mit Fritz und holte den Knaben zu einem Spaziergange ab. Brandt war der jungen Frau äußerst dankbar dafür, aber der gehoffte gesellige Ver- kehr wollte unter diesen Umständen nicht ins Geleise kommen. Kolweits Einladungen schlug Doktor Brandt meistens Emmy wegen aus; so übertrieben diese Aengstlichkeit auch Käten er⸗ schien, so stimmte sie die väterliche Liebe, die sich darin verrieth, doch milder gegen ihn. Die Abende waren für Brandt jetzt um so böser, als Helma nur immer rasch den Thee besorgte und dann wieder zurück an das Bettchen der kleinen Patientin eilte, die sanft und ge⸗ duldig war, aber das Fräulein stets um sich haben wollte. Je mehr er nun Helma ent⸗ behren mußte, je heftiger wurde seine Leiden⸗ schaft für sie. Eine Zeitlang suchte er diese zu bekämpfen und sich durch die großstädtischen Zer⸗ streuungen zu betäuben. Aber der Zauber wurde dadurch nicht gebrochen. Sie selbst ahnte seinen Zustand und saß ihm mit bang klopfendem Herzen und rasch wechselnder Farbe bei ihren einsamen Mahlzeiten gegenüber. Seine Blicke schienen sie zu verzehren und jeden Augenblick erwartete sie ein Liebesgeftändniß. Daß es nicht erfolgte, war ihr ein Räthsel. Das ganze Haus war mit einer Schwüle erfüllt, die immer unerträglicher wurde. Eines Abende, als sie ihm Gutenacht wünschte, sah er sie mit düster glühenden Augen an, sprang von seinem Stuhle auf und that einige Schritte auf sie zu. Dann aber blieb er plötz⸗ lich stehen. Seine Brust hob und senkte sich rasch. Sie sah ihn groß und fragend an. Er griff sich an den Hemdkragen, als glaubte er zu ersticken, dann winkte er nur stumm, daß sie sich entfernen sollte und schritt hastig nach seinem Zimmer. Während Helma sich vergebens den Auftritt zu erklären suchte, stürmte er fort, zum Hause hinaus, abgerissene Worte murmelnd:„Tollheit — was hat sie— alberne Prätensionen— heirathen, ha, ha, ha!“ Er lachte laut auf, sodaß sich die Vorübergehenden nach ihm um⸗ drehten. Eine Zeitlang irrte er in den Straßen umher. Dann lenkte er seine Schritte wieder heimwärts. Ein Gedanke führte ihn zurück. War er nicht der Herr im Hause? Standen ihm nicht alle Räume offen? Konnte er nicht sein Töchterchen zu jeder Zeit, wann es ihm be⸗ liebte, besuchen, zumal jetzt, da es krank war? Sollte ihm, dem Vater, das Zimmer seiner Kinder verschlossen sein, weil der Weg dahin durch das Zimmer Helmas führte? War er nicht ein Thor gewesen, bisher so zarte Rück⸗ sichten zu nehmen? (Fortsetzung folgt.) Gesundheitspflege in der herbstlichen Jahreszeit. Von Dr. Otto Gotthilf. Schon wieder ist der Herbst gekommen. Wohl bringt er noch schöne, herrliche Tage, oft sogar die klarsten des ganzen Jahres, wo man von der Berge weitschauenden Gipfeln das erg re eee 1 ein Glas Wein und entfernte sich. Kolweit war natürlich heute von der Arbeit befreit. Der 0 als — beben nter 6 bring 1 die 5 Haut rufen, Reist Kanth die 5 hen enz 165 geben sch wappf Witte s liche! 99 wir z dahin regen, gamer Zirtul Hierff erwät G5 if mit d Beson nie, k Wich Kleid Elter Stren fernh viele gilt Wir hau dere als Ern oder Sup sind 0 J nit we 0 sein fan eb nien dar mar, aber Oder f in! Wo naß re 00 die Da 0 der — S 52 . dd Nr. 41. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. * Der hebende Naturschauspiel der aufgehenden und gegen die Witterungseinflüsse nur um so em- sich der Vorsitzende oft nicht enthalten, vor⸗ 3 lief er, untergehenden Sonne in seiner ganzen berückenden] pfindlicher. Was Wunder, wenn dann beim wurfsvolle Worte an die wenigen An wesen den de nehr, Schönheit am besten genießen kann. Aber er geringsten Luftzuge Schnupfen und Husten als zu richten, einen Tadel über den schlechten euswort bringt auch naßkalte Nebel, die so leicht durch] ungebetene Gäste bei diesen Luftscheuen sich ein⸗]Besuch auszusprechen. Der Vorwurf kommt „ Lassen die Poren der Kleidung bis auf die empfindliche] stellen! Man bedenke wohl: Noch haben wir eben an die unrichtige Ad resse, an die⸗ d dieser Haut dringen; und die oft sehr kühlen Abende[den ganzen langen Winter vor uns und wissen jenigen, die ihn in keiner Weise verdienen. Hier ler, treuer rufen bei noch sommerlich gekleideten Leuten] nicht, welche rauhe Witterung und furchtbare[mag er die richtigen Schuldigen erreichen, die meist Schnupfen, Husten und andere Erkältungs-] Kälte er uns vielleicht bringen wird. Da heißt] Saumseligen, die sich um eine Fülle von Freude i vielnach krankheiten hervor. Schon zwickt und zwackt es es beizeiten, jetzt in der Uebergangsperiode, sich] und Anregung bringen, durch eine Trägheit, die enn die privilegirten Rheumatiter in den Gliedern, tüchtig abhärten, sonst kann man später, wenn das Neue scheut. Ihnen allen rufen wir zu: nu besotgt schon hört man hier und da munkeln von In⸗erft Schnee und Eis kommt, gar nicht mehr[Kommt Alle, kommt so oft Ihr könnt! dit meinte fluenza und Diphtheritis. Wenn man daher hinaus in die frische Luft, sondern wird von] 2. Man komme pünktlich. Ein Haupt⸗ cht. Der sich nicht schon jetzt in Stubengefangenschaft be⸗] Woche zu Woche immer mehr stubensiech, und übel des Versammlungswesens ist gegenwärtig sadaß die geben und dadurch sehr bald winterlich stuben⸗] wenn dann im Winter eine Gelegenheitskrank⸗[die Schwierigkeit, zur rechten Zeit zu be⸗ b besonderz siech werden will, so muß man beizeiten sich heit, z. B. Influenza, sich einstellt, so fallen die ginnen. Eine sträfliche Nachlässigkeit unter lit wappnen und wehren gegen die Unbilden der Luftscheuen„wie Fliegen“ um. Darum nur, ist eingerissen, man will allen, die kommen, gern das Ftüu⸗ Witterung durch Befolgen des hygienischen Grund⸗ muthig hinaus, auch in den Herbstnebel! Nur den ganzen Bortrag bieten, man will auch dem nen, und satzes; vorsichtig abhärten, warm anziehen, täg⸗ muß man draußen nicht stille stehen, sondern Referenten nicht zumuthen, vor leeren Bänken t ihm aus liche Bewegung draußen im Freien! a sich möglichst kräftige Bewegung michen. Dann zu beginnen. So zieht sich die Wartezeit m nit dit Bei Beginn der kälteren Jahreszeit müssen] wird sogar die Nebelluft sehr gut bekommen. mindestens eine Stunde hin. Sind die, welche dont wir zur Erwärmung unseres Körpers besonders Man betrachte doch einmal die auch im sich rechtzeitig einstelleu, auf diese Weise öfters u üer dahin streben, den Stoffwechsel energisch anzu- Herbst im Freien kampirenden Zigeunerfamilien, durch allzu langes Warten gestraft, dann machen regen, den Blutkreislauf gehörig zu fördern um deren Kinder halb nackt in dieser sogenannten e Ver⸗ en? ge zu„Kin f nannt. sie es den anderen nach, welche ja auch noch icht ins namentlich in den Extremitäten die leicht stockende„giftigen Luft herumspringen, ohne daß sie je⸗ eine Stunde später zurechtkommen. Der Referent 0 ü Zirkulation in schnelleren Fluß zu bringen.] mals dem Apotheker etwas für„Hustensäftchen“] macht es eben so. Und zum Schluß klagen 5 2 Hierfür gibt es drei Mittel: warme Kleidung, zu verdienen geben. Dasselbe sah man im alle über die späte Stunde, die da oft ein Alten en. erwärmende Nahrung und körperliche Bewegung.] größten Maßstabe im Jahre 1873 auf dem] Hinderniß für interessante Diskussionen bildet. cb dir Es ist gesundheitlich ganz falsch, sich jetzt noch[ Biederizer Anger bei Magdeburg. Mit dem[Das Mittel gegen diesen Uebelstand ist da ein⸗ ebe die sch mit dünner Sommerkleidung brüsten zu wollen.] Oktober⸗Quartalwechsel erreichte nämlich die[ fach: Man komme pünktlich. 3. Man halte a f Besonders bei nebeligem Wetter versüume man Wohnungsnoth eine solche Höhe, daß der Magist⸗[keine lauten Privatgespräche während „* 10 nie, wollene Unterkleider anzulegen. Von größter[rat von Magdeburg sich genöthigt sah, für die[von der Nednortribüne oder vom Vorstandstisch 7 Ther Wichtigkeit ist das sofortige Wechseln nasser[Obdachlosen, trotz der nebeligen Herbstwitterung] aus gesprochen wird. Bei dieser Mahnung 1 1 800 Kleidung, namentlich der Strümpfe; wenn die vorläufig Zeltwohnungen im städtischen Glacis denken wir nicht an diejenigen, welche die Ge⸗ g und ge. Eltern darauf bei ihren Kindern mit aller einzurichten, wo sich dann so etwas, wie ein] legenheit wahrnehmen, um während des Vor⸗ um sch Strenge halten, so werden sie manche Erkrankung großes Zigeunerbiwak entwickelte. Weit entfernt trages den Stadtklatsch breitzutreten. Daß 0 fernhalten und sich und ihren kleinen Lieblingen] aber, etwa Krankheit zum Ausbruche zu bringen, dieser Unfug nicht in Versammlungen gehört, ie Laden. viele schwere Stunden ersparen. Gerade hier übte dies Leben vielmehr den günstigsten Ein⸗ braucht nicht besonders betont zu werden. Man a 1 z gilt das Wort: Kleine Ursachen,— große fluß auf den Gesundheitszustand aller aus und enthalte sich aber auch der Kritik, besonders der 8 ichen Zer⸗ Wirkungen! vekam namentlich der„armen zarten“ Kinder- eingehenden, während ein Redner spricht. Jeder 1 auber wurde Wärmespendende Nahrung besteht welt so vortrefflich, daß man sehr wohl von den es treibt, seine Meinung dem Nächstsitzenden 0 ante ann hauptsächlich in Fleisch und Fett. Daher sind einer improvisirten Ferienkolonie reden konnte.] mitzutheilen, mag wohl denken: was schaden die 1 leßfeden derartige Speisen jetzt wieder mehr zu genießen] Der dortige Kreisphysikus, Medizinalrath Dr.] paar Worte? Ich spreche so leise; man hört es 31 e bei ihren als im Sommer. Ebenso leisten zur sofortigen] Voigt, schrieb damals an Dr. P. Niemeyer: nicht. Aber so denken manchmal mehrere hundert. 9 seine Buck Erwärmung sehr gute Dienste: morgens Kaffee[„Bestimmt weiß ich, daß von sämmtlichen In⸗JUnd Hunderte leiser Stimmen zugleich ergibt 1 Augendlic oder Kakao, zum Frühstück Bouillon, mittags sassen dieses Lagers jeden Alters und Geschlechts ein Getöse, ein mächtiges Summen und Surren, 1 Daß e Suppen und abends Thee. Diese Genußmittel nicht ein einziger erkrankte. Bei den Kindern welches die Aufhorchenden verhindert, den Redner 1 Das gane sind wirksamer, gesünder, nahrhafter und billiger, konnte man sogar aus der Röthung der vorher zu hören. Dieser, ob Referent, ob Vorsitzender, 1 die immet als Bier und Wein. blassen Gesichter den ganz positiven Nutzen dieses[und Diskussionsredner, muß die Stimme aufs E Das beste und nachhaltigste Erwärmungs⸗ Zeltlebens nachweisen.“ äußerste anstrengen, um noch einigermaßen durch⸗ 4 ct wünsche, mittel aber 15 und bleibt körperliche Be⸗ 8 Kune Denn unbewußt erhebt in dem all⸗ Augen an, wegung. er so glücklich ist, ein Gärtchen N n gemeinen Lärm jeder einzelne die Stimme mehr e einge sein eigen zu nennen, möge darin jetzt die um⸗ N ler kei.“ und mehr und mehr, um wenigstens sich fact 1 jeh er plz: fangreichen Herbstarbeiten vornehmen, selbst bei Regeln für Versammlungsbesucher. zu hören. Ein ahnungsloser Fremder würde 1 ente sch. Nebel und Regen. Auch Holzhacken möge 1. Man gehe in die Versammlung. glauben, daß dieses Tosen ein tobender Wider⸗ 9 an an, Et niemand unter seiner Würde halten; ging doch Erste und Grundbedingung allzs übrigen; denn spruch gegen den Redner sein soll, während es 1 Jau er darin der alte Gladstone, der„englische Bis-“ was nützen weitere gute Rathschläge denjenigen, häufig die friedfertigste Stimmung bedeutet, seine 10 „daß se ch marck!, mit gutem Beispiel voran. Im Zimmer die nicht da sind, um sie zu befolgen? Handelt[ Zustimmung schnell den Nächstsitzenden bekannt a nuch inen. aber werden regelmäßige Uebungen mit Hanteln es sich um eine Gewerkschaftsversammlung, so] zu geben. Jat jemand etwas zu sagen, so 1 25 oder Stäben stets gute Dienste thun. Freilich sei es Ehrensache der Angehörigen, des Gewerks, melde man sich zur Diskussion. Eine lange den ute! darf man darüber das Spazierengehen draußen sich so zahlreich als möglich einzufinden; nicht] Rede ist dabei weder möglich, noch auch nur un haue in der frischen freien Luft nicht vernachlässigen. als seien Andere weniger willkommen, welche, erwünscht, eine kurze Anfrage, ein neues Gegen⸗ Tolhet! Wohl scheuen sich ängstliche Gemüther vor der ohne direkt betheiligt zu sein, den Gang der argument, wohl auch eine zustimmende Er⸗ astonen— naßkalten herbstlichen Nebelluft, jedoch mit Un⸗ Angelegenheit kennen lernen wollen. Bei Sachen gänzung kann in wenigen Worten gesprochen 8* auf, recht. Viele bleiben jetzt schon in den wenig der Politik oder des allgemeinen Interesses gehe] werden und ist oft von großem Interesse und In un oder gar nicht gelüfteten Zimmern und verlassen] man, um zu hören und zu lernen. Ist eine] von Wichtigkeit für den beabsichtigten Erfolg. 0 Slßen die Wohnung nur, wenn es durchaus sein muß. Versammlung leer aus Mangel an Theilnahme 0 tb vice Das ist ganz falsch, denn dadurch werden sie seitens derer, die man erwartet hatte, dann kann 1 Vin furl 3 Br ̃ ˙ r ̃˙. ̃ ˙¹i⸗ꝛ»aL ia rr 0 7 90 een 6 0 2 Ci 4 N 0 7 5 4 f f 5 S N % Gesang-Jerein„Eintracht“ Verkehrskarte ff??? m es 9 3 n Posten e 5 z kunt da Giessen. von Giesse. n e herren-anæugne, e 4 mer Jahn Samstag, den 13. Oktober, Abends 8 Uhr, nur 10 Pfa. solange d. Vorrat reicht 2. 10 u. 12 Mk. N 8 9 6 Bac 5 ee Markus Zauer, Giessen f te Ri f f für Gießen und Oberhessen: 0 i Kirchenplatz Il e es H. Schneider. 8 gegenüb. d. Stadtkirche. N ˖% 28. Stiftungsfestes,„ 9 5 ieee 80 verbunden mit Theater, Konzert und Tanz, wozu Dürg!. Gesetzbuch, 0 8, Ü-w ̃ m 9 l ien freundlichst einladet Der Vorstand. großes, schönes Format in eleg. 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