Nr. 2 Gießen, Sonntag, den 7. Januar 1900. 7. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche untags⸗Zeit Redaktions schluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr Abounementspreis: Bestellun gen Juserate Die„Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die Hgespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312.) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Arbeiter! Werbt neue Streiter für die Interessen des werkthätigen Volkes! Immer wird dieser Ruf wiederholt werden; und mit Recht kann man sagen, daß diese Mahnung nie mehr angebracht war als jetzt. Die Krisen im politischen Leben sind die äußeren Erscheinungen des Interessenkampfs, den Schlot⸗ und Krautjunker mit einander kämpfen. Auf beiden Seiten ist Neigung zum Friedensschluß, sobald sich eine Grundlage für die Teilung des Raubes findet, den man an den Arbeitern verüben will. In diesem Kampfe dürfen die Arbeiter nicht ruhig zusehen; denn ihre Taschen sind es, nach welchen die beutegierigen Finger ausgestreckt werden. Die ganze Arbeiterklasse muß mobil gemacht werden. Die beste Waffe und das beste Agitations⸗ mittel in diesem Kampfe ist die Presse. Darum, Arbeiter, werbt neue Abonnenten für die Mitleldeutsche Sountags⸗Zeitung. —.;— Fb TT Die drohende Erhöhung des Heringszolles. el. Im Musterstaate der Sozialreform und Sozialpolitik werden die Gesetze nicht zum Schutze der Konsumenten, d. h. der breiten Masse des arbeitenden Volkes, sondern zu gunsten der Produzenten erlassen. Schreien die Agrarier laut, flugs ist die Regierung zur Abhilfe der Notlage mit einem„kleinen“ Mittel zur Hand; jammern die zünftigen Handwerker, die Regierung präsentiert ihnen ein Innungs⸗ gesetz und den Befähigungsnachweis, beklagen sich die Detaillisten über die Konkurrenz der großen Warenhäuser und den sogenannten un⸗ lauteren Wettbewerb, die Regierungen sinnen auf Mittel und Wege, wie die Großbazare durch hohe Besteuerung beseitigt werden können. Was anderes aber bedeutet das, als dem ar⸗ beitenden Volke die Lebensmittel und Bedarfs⸗ artikel verteuern? Und auf diese Verteuerung alles dessen, was zu des Lebens Notdurft ge⸗ hört, scheint unsere zukünftige Zollpolitik hin⸗ auszulaufen. Schrieben doch noch vor kurzem die„Berliner Polit. Nachrichten“, daß der in Ausarbeitung begriffene neue Zolltarif nicht sowohl nach Rücksichten des Kon⸗ sums als nach Rücksichten der Pro— duktion aufgestellt werde, und daß letzteren die Rücksichten des heimischen Ver⸗ brauchs nachstehen müssen. Wenn aber das arbeitende Volk, nicht etwa eine gleiche Bevorzugung, ach nein, nur Ell— bogenfreiheit im Kampfe mit dem Kapttalis⸗ mus, im Kampfe um bessere Existenzbedingungen fordert, dann wird diese Forderung unter dem Beifall der Junker und der Bourgeoisie als dreiste Herausforderung schroff zurückgewiesen. Mit welcher Fürsorge Regierung und Reichs⸗ tag sich der Produzenten annehmen, dafür bietet die Debatte in einer Sitzung der Petitions— kommission des Reichstags Anfang Dezember ein lehrreiches Beispiel. Fischereigesellschaften in Altona, Geestemünde, Elsfleth und Glück⸗ stadt hatten um eine Erhöhung des Zolles für gesalzene Heringe von 3 auf 6 Mark für die Tonne(150 Kg.) nachgesucht. Bereits 1897 hatten konservative und antisemitische Abgeord⸗ nete einen Antrag auf Erhöhung des Herings⸗ zolles eingebracht. Im Jahre 1898 lagen ähnliche Petitionen wie heute vor, aber der Reichstag beschloß am 30. April 1898 ohne Debatte Uebergang zur Tagesordnung, während dieses Mal das veränderte Verhalten der Kom⸗ mission durch eine Erklärung des anwesenden Regierungsvertreters hervorgerufen wurde. Und was wußte dieser Herr als durchschlagende Gründe vorzubringen? Nachdem er die„Not⸗ lage“, wie sie die Fischereigesellschaften schildern, als richtig anerkannt und betont hatte, daß die gedeihliche Förderung dieser Gesellschaften Auf⸗ gabe der Regierung sei, damit die 30-35 Millionen Mark, welche jetzt jährlich ins Aus⸗ land fließen, künftig in die Taschen deutscher Unternehmer gleiten, bemerkte er, die Erweite— rung der Heringsflotte sei vor allem im Interesse der Landes verteidigung von großer Bedeutung, ein Stamm see⸗ befahrener Mannschaften stehe dann im Mobil⸗ machungsfalle für den Ersatzbedarf der Marine sogleich zur Verfügung. Aus diesem Gesichtspunkte gewähre die Reichsregierung aus dem Fonds zur Förderung der Hochsee— fischerei den Heringsgesellschaften Geldbei⸗ hilfen. Aber mit der Zeit ist die Zahl der Gesellschaften gestiegen und die Beihilfe wird entsprechend geringer. Durch die Zollerhöhung würde eine Preis- steigerung eintreten und der ärmeren Be⸗ völkerung ein unentbehrliches Nahrungsmittel verteuert werden. Eine Zollerhöhung von 3 auf 10 Mark, nach Wunsch der Gesellschaften, würde jeden Hering um ¼ Pfg. verteuern, eine Erhöhung auf 6 Mark für die Tonne um , Pfg. Die älteste der Gesellschaften hat sich jetzt gegen die Erhöhung ausgesprochen und als Grund die befriedigenden Erträge der letzten Jahre angegeben. Aber auf diese eine Stimme will und wird man nicht hören, und so wird uns der neue Zolltarif mit einer Erhöhung des Heringszolles beglücken, wenn die Erhöhung nicht schon eher durchgesetzt wird. Damit er⸗ langen die Gesellschaften Schutz gegen die aus⸗ ländische Konkurrenz und höhere Preise für ihre Ware, die Regierung ihrerseits Menschen⸗ material für ihre neuen Kriegsschiffe. Die Tonne gesalzene Heringe kostet 7—20 Mark, der Zoll verteuert sie um 15—45%, die billigen Heringe, welche die Armen kaufen, aber am meisten. Ein Hering ist je nach der Größe mit /—¼ Pfg. an Zoll belastet. Nun werden auf den Kopf der Bevölkerung jährlich 3,5 Kilogramm Heringe gegessen, vom arbeiten⸗ den Volk aber viel mehr als von den Reichen, die nur hin und wieder einen der teuren Sorten als Delikatesse verzehren. Die Zollerhöhung würde die gesalzenen Heringe mit 45 135% des Preises belasten und die ärmsten Leute, namentlich in katholischen Gegenden, treffen. Das Proletariat hätte dann 10 Millionen Mark zu den 3,4 Millionen an Zoll für Heringe mehr zu zahlen; denn Deutschland bleibt auf ausländische Zufuhr angewiesen. Es scheint, daß der Zolltarif unter dem Gesichtspunkt revidiert wird: welche Wirkung, im günstigen oder ungünstigen Sinne, hat er auf die Vermehrung unserer„herrlichen“ Flotte. So muß das deutsche Volk doppelt bluten: als Konsument, indem es für die gleiche Ware künftig das doppelte oder gar dreifache zahlt, als Arbeiter, indem die Mannschaft der Fischer⸗ flotte entweder bei den Unternehmern frohndet, oder sich auf den Kriegsschiffen niederkartätschen läßt. Wie herrlich weit haben wir's doch am Ende des Jahrhunderts gebracht im christlichen Deutschland. Dient man jetzt dem Meeres gott mehr, als dem Gott der Landesheerscharen? Man sagt, die Schiffsbauten schaffen dem Arbeiter Arbeitsgelegenheit. Wenn sie aber Zollerhöhungen und damit höhere Lebensmittel⸗ preise zur Folge haben, welcken Vorteil hat der Arbeiter dann davon? Eine Vermehrung der Flotte liegt einzig und allein im Interesse der Gewalthaber und der Bourgeoisie, die aus den Kosten für die Schiffe sich die Taschen füllt. Das Volk muß Gut und Blut opfern. Macht und Reichtum für die Herschenden, Hunger und Elend für die Armen. Politische Rundschau. Gießen, 5. Januar. Kaiser und Flottenfrage. In einer Neujahrsansprache hat der Kaiser gesagt:„Wie mein Großvater für sein Land— heer, so werde auch ich für meine Marine unbeirrt in gleicher Weise das Werk der Reorganisation fort⸗ und durchführen, damit auch sie gleichberechtigt an der Seite meiner Streitkräfte zu Lande stehen möge und durch sie das deutsche Reich auch im Aus⸗ lande in der Lage sei, den noch nicht er⸗ reichten Platz zu erringen. Mit beiden vereint, hoffe ich, in der Lage zu sein, mit festem Vertrauen auf Gottes Führung den Spruch Friedrich Wilhelms I. wahrzumachen: Wenn man in der Welt etwas will dezidieren (entscheiden), will es die Feder nicht machen, wenn sie nicht von der force(Macht) des Schwertes souteniert(unterstützt) wird!“ Wenn wir diese kaiserlichen Ausführungen richtig verstehen, so wäre die demnächst im Reichstag zu behandelnde Flottenvorlage, die viele Millionen kosten wird, thatsächlich, ganz wie unsere Redner behauptet haben, nur die winzige Einleitung einer unabsehbaren Flotten- und Ueberseepolitik. Unseres Erachtens hat sich der Kaiser mit seiner Rede entschieden in Widerspruch gesetzt mit allem, was die ver— antwortliche Regierung noch im vorigen Jahre vertreten hat. Nicht mehr ist die Rede von der Beschränkung der Flotte auf die unbedingt notwendigen Aufgaben und auf die für diese Aufgabe unerläßliche Stärke, sondern wenn die —— Seite 2. Wittekdeutsche Senntags⸗-Jzüung Nr. 2. Flotte„gleichberechtigt an der Seite der Streit⸗ kräfte zu Lande stehen soll“, so deutet das auf die Absicht hin, sie ebenso zu einer Flotte ersten Ranges zu machen, wie wir ein Landheer ersten Ranges besitzen, das heißt, eine Marine zu schaffen, welche der englisch en gleich, wenn nicht überlegen ist. Die Rede des Kaisers wird vort eussichtlich in den kon⸗ menden Marinedebattey, eine wesentliche Rolle spielen. Für die Oppositionsparteien sind die kaiserlichen Ausführungen von, allergrößtem Wert. Die Minister, die die jetzige Flotten⸗ vorlage verteidigen sollen, beneiden wir nicht um ihre Aufgabe. Ueberseepalitik. In Deuts Y⸗Südwestafrika wurden im letzten Jahre 21 Schwarze hein gerichtet und 233 zu Prügelstrasen verurteilt. Das Ansehen des Reiches ist infol natürlich riesig gestiegen und der H 5 gewaltig zugenommen. Nur fehlen noch einig Dutzend Panzerschiffe, um Heuker und Prügel meister ausreichend zu schützen. — In der Delagobay haben englische Kriegsschiffe den deutschen Reichspostdampfer „Bundesrat“ und das Hamburger Handelsschiff „Hans Wagner“ mit, Beschlag belegt, weil die beiden Dampfer angeblich Kriegsmaterial für die Buren bezw. Mannschaften für dieselben an Bord hatten. Deutscherseits wird das ent⸗ schieden bestritten. Die deutsche Regierung hat sich sofort mit der englischen in Verbindung gesetzt und die Freigabe der Schiffe verlangt. Auf den Ausgang dieser Affäre kaun mau sehr gespaunt sein. Die englischen Schiffsführer hätten thatsächlich eine große Dummheit be⸗ gangen, wenn sie unberechtigterweise die Be⸗ schlagnahme vollzogen hätten. Der neue Flottenplan schon veraltet. Aus Paris wird gemeldet: „Der Ministerrat beschästigte sich mit einem Gesetzentwurf bezüglich der Verteidigung der Küste und der Kolonien. Die zu diesem Zweck nötigen Ausgaben werden auf 120 Millionen geschätzt. Die Arbeiten sollen innerhalb 2½ Jahren ausgeführt werden. Die Ausgaben sollen durch die im Budget für die Vermehrung der Flotte vorgesehenen Mittel gedeckt werden. Die betreffenden Kredite sind bereits in das Budget eingestellt worden.“ Ferner wird vom„Petit Parisien“ gemeldet, der französische Ministerrat habe außer jenen Forderungen für Verteidigung der Küsten und der Kolonien eine neue Flottenvorlage Diese Flottenvorlage fordere„die beschlossen. Herstellung von 12 großen Kriegsschiffen, einigen Torpedojägern und einer bedeu— tenden Anzahl von Torpedobooten. Die Kosten werden auf mehr als 400 Mil⸗ lionen veranschlagt. Die betreffenden Gesetzes— vorlagen sollen der Kammer bereits zu Beginn der nächsten, am 9. Januar beginnenden Ses⸗ sion unterbreitet werden.“ Die Franzosen sind also im Begriff, den zu erwartenden deutschen Flottenpläuen durch ein noch schnelleres Tempo ihrer Flotten— rüstung zuvor zukommen. Der Effekt der neuen, für das Wohl Deutschlauds als unum— gänglich gepriesenen Marineforderungen der Herren Tirpitz und Bülow ist mithin zwar eine absolute Verstärkung, aber eine relative Schwächung— und auf das Verhältuis der Kräfte allein kommt es an— der deutschen Wehrkraft. Selbst das flottenbegeisterte„Berliner Tage— blatt“ überschleicht ob dieser französischen Ueber— raschung ein bängliches Zweifeln.„Unter diesen Umständen, scheint es, befindet sich der deutsche Reichstag immer mehr in der Zwangslage, die deutsche Flottenvermehrung zu bewilligen, ob— wohl der beabsichtigte Vorsprung Deutschlands vor den übrigen Mächten bereits nahezu illusorisch geworden sein dürfte.“ Wir zweifeln nicht, daß die Rickertgarde in wachsendem Flottenverständnis ohne Zögern beim Reichstag eine Revidierung der ange⸗ kündigten Tirpitzpläne behufs Ueberholung der französischen Forderungen beantragen wird. Die Bedeutung des geplanten Doppellt⸗ geschwaders ist beretts„nahezu illusgrisch“ ge⸗ worden. Wohlan, wir sind„in der Zwangs ⸗ lage“, drei und hier Doppelgeschwader 311 bauen. Und so fort von Zwangslage zi! Zwangslage, von Beschwader zu Geschwader. Der helle Wahnsin n! Ein neuzeitliches Gefecht, Infolge der modernen Feuerwaffen ist ein heutiges Gefecht von einem solchen in früherer Zeit so verschieden, vie Tag und Nacht. Recht charakteristisch ist folgender Brief, der aus dem Burenlager bei Ladyfmith an die„Köla. Volks⸗ zeitung“ gerichtet wurde: 10. Nos. Gestern waren wir im Feuer. Am Morgen um 6 Uhr ritten wir mile dem alten Kommandanten de Meillion fort und waren uach einer Stunde auf einem Kopje ganz in der Front und dicht bei Ladyfmith. Gegenüber auf dem Kopze in Entfernung von 1200 Mtr. lagen die Engländer und schossen mit Eranaten und Gewehren auf uns. Wir lagen sicher hinter großen Blöcken und feuerten eifrig bis Mittag 1, Uhr. Die englischen Kugeln gingen immer dicht über unsere Köpfe. Der Feind war nur durch das Fernglas erkennbar. Ich hatte mir ein gutes erbeutetes englisches gekauft. Um 1 Uhr wurde die Hitze so groß, dass beide Seiten schwiegen. Von 3 bis 5 wurde dann wieder geschossen. Fern auf den Bergen standen die großen Kanonen und beschossen sich gegenseitig über unsere Köpfe hinweg. Auf unserer Seite waren nur 3 Mann von 800 gefallen.— Als wir abends zurückkamen, waren wir recht kaput von der Hitze und haben darum heute einen Ruhetag ge⸗ macht. Zugleich putzen wir unsere Gewehre und setzen unsere Sachen in Stand. Von allgemeinem Interesse für solche zukünftige Gewehrgefechte war die Beobachtung, daß der Feldstecher eine viel größere Rolle spielen muß, als bisher. Jeder Unteroffizier der deutschen Armee sollte mit einem guten Fernglas ausgerüstet sein. Außerdem sollte jede Kompagnie ein Fernrohr auf Stativ mitführen, da es von ö größter Wichtigkeit ist, die Stelle aufzufinden, wo der Feind eigentlich liegt. Rauch sieht man ja⸗ keinen mehr, der Knall verhallt aus eine Ens⸗ fernung von 1200 Meter und mehr; so hört man nur die Kugeln pfeifen und weiß nicht, woher sie kommen. Wenn der Feind mit dem Glas aufgefunden ist, muß sich die Truppe systematisch einschießen, d h. man muß erst auf Punkte wie Sandhaufen u. s. w. schießen, wo man die aufschlagende Kugel mit dem Feldstecher be⸗ obachten kann. Erst wenn auf diese Weise die Stellung des Feindes und die Entfernung bestimmt ist, kann ein Massenfeuer von Wirkung sein, sonst wird nur alle Munition umsonst verknallt. Also in einem neuzeitlichen Krieg stehen sich die Heere gegenüber ohne sich zu sehen. Kein Rauch, kein Knall glücklich der, der durch ein gutes Fernglas den Feind zu Gesicht be⸗ kommt. Wenn nicht die Vernunft den Krieg beseitigt, so wird er durch die fortschreitende Waffentechnik zur Unmöglichkeit gemacht werden. Helf, was helfen mag. Die Marinevorträge der„Freien Vereinigung für deutsche Flottenvorträge“ ziehen nicht, der Besuch ist mehr als kläglich, trotz aller Lockungen, trotz des Massenverbrauches von Freibillets. Die gähnende Leere erschreckt die Verherrlicher des Wasserpatriotismus, die Marineprofessoren und ⸗Pastoren. Also helfe, was helfen kann! Die Soldaten der Garnison werden deshalb in die Flottenvorträge kommandiert. Sie sollen die öden Säle in ihres Kommißgehorsams⸗ zwange füllen helfen. Am Mittwoch hat ein Oberlieutenant Kretzschmar im Saale der Ber⸗ liner Aktienbrauerei Friedrichshain gesprochen. In den Blättern wird hervorgehoben, daß viele Soldaten der Berliner Garnison anwesend waren. Wie aus der„Nordd. Allgem. Ztg.“ hervorgeht, sind auch die Mitglieder der Berliner Jugendwehr, die sich zum großen Teil aus der 5 0 aus der Schule entlassenen Jugend rekrutiert, aufgeboten worden, um die Stärke der„Volksbewegung“ zu markieren. Auch An- gehörige von Kriegervereinen zählt die „Nordd. Allg. Ztg.“ als Besucher des Mariue⸗ Abends auf. Angelockt wurden alle durch die Ankündigung einer Vorführung von Licht— bildern aus der Marine. Wie jämmerlich steht es um die Flotten⸗ politik, wenn sie durch kommandierte Soldaten, Kriegervereine und Jugendwehren„gerettet“ werden muß! der„Begeisterung“ täuschen? Der edle Prinz von Arenberg. Seine Durchlaucht der Prinz von Arenberg, über dessen bestialische That wir in voriger Nummer berichteten, ist am ersten Weihnachts⸗ feiertag in Hamburg eingetroffen, ist daselbst in einem vornehmen Hotel abgestiegen und be⸗ sichtigte dann Sehenswükdigkeiten der Stadt. Während der Ueberfahrt von Afrika nach Deutschland soll Se. Durchlaucht durchaus guter Dinge gewesen sein und huldvoll geäußert haben,„aus der Sache werde nicht viel“. Von Hamburg geruhte daun der Leutselige Herr sich nach Berlin zu begeben, allwo er ebenfalls in ein standesgemäßes Hotel einkehrte. Hier wurde er bon dem Vertreter eines Berliner Blattes regelrecht interviewt(ausgefragt). Der Prinz eröffnete die Unterredung mit dem Redakteur mit folgenden Worten: „Ich weiß, weshalb Sie kommen, Sie wollen mich ausfragen. Ich kann aber gar nichts fagen, es ist mir dies streng verboten. Die Sache liegt in kompetenten Händen und bald wird alles aufgeklärt sein.“ „Aus Ihren Worten, Durchlaucht, geht deutlich hervor, daß Sie die Affaire Willy Cain doch wesentlich anders darstellen werden, als ei bisher geschehen ist?““ „Ja selbstverständlich! Ich habe erst gestern die verschiedenen Zeitungsberichte gelesen. Es ist ja unglaublich, was da alles behauptet wird. Ich werde als Popanz, als Wau⸗Wau für kleine Kinder hingestellt. Ich kann Ihnen nichts weiter sagen, als das eine: Ich war provoziert und gereizt und habe so gehandelt, wie ich als Ehrenmann und Offizser handeln mußte“ „Wie ist es aber mit den Behauptungen, daß Cain in ganz willkürlicher Weise,, ohne vorheriges Gerichtsverfahren auf grausame Art getötet wurde?“ „Auch darüber kann ich mich des näheren nicht äußern. Es wird alles aufgeklärt werden. In Europa kann man unsere kolonialen Ver⸗ hältnisse unmöglich beurteilen. Was dort nur schneidig ist, wird hier grausam genannt, was zielbewußt ist, wird hier als willkürlich beurteilt.“ „Zielbewußt?! Gestatten Durchlaucht die Frage, was Ihnen als Ziel vor Augen ge⸗ standen hat?“ „Ja, das läßt sich nicht so ohne weiteres beautworten. In der Hauptsache muß es aber unser aller Ziel sein, den preußischen und militärischen Geist in unseren Kolo⸗ nien einzubürg ern.“ Dem Prinzen schien es jetzt, als habe er schon zu viel gesagt. Bevor der Interviewer noch eine weitere Frage stellen konnte, verab⸗ schiedete er sich mit den Worten:„Es thut mir leid, Ihnen nicht länger Rede stehen zu können. Ich muß noch Toilette machen und aufs Kolonialamt fahren.“— Wir zweifeln nicht daran, daß der katholische Prinz ganz recht hat mit der Behauptung: „aus der Sache wird nicht viel“. Wer sich der Fälle Wehlan, Peters erinnert, wer da weiß, wie in Deutschland Duellmörder bestraft werden, der wird mit dem Mörder überzeugt sein, daß nicht viel aus der Sache wird. Was hat er denn auch gethan? Du lieber Gott, er hat einen Afrikaner, der allerdings eine an⸗ gesehene Persönlichkeit war, kaltblütig in der grausamsten Weise getötet. Aber auf das Warum kommt es an. Und das hat ja der Prinz genügend erklärt: Er wollte preußische Schneidigkeit in den Kolonien einführen, preußische Schneidigkeit und militärischen Geist. Na, und dem Mann soll viel passieren? Ja, wenn er einen Streikbrecher Streik— brecher genannt hätte, dann wären ihm einige Monate sicher. Aber wie der Fall nun einmal liegt, wird nicht viel daraus werden. Der Prinz ist übrigens in Berlin in Haft genommen worden. Gar so unangenehm wird es in seinem Haftlotal nicht sein und an guten Speisen und Getränken fehlt es ihm gewiß auch nicht. Wen soll dieser blöde Humbug 1 1 1 — dunneh ihm eile Geldstra ü 21. Ine del Zech kammel tand Urdnung mungen, beitern! behbrdli Weise u die al strengste öligster lichen wiederh haben e ve fahr. einande als das pausen. die So! Wie di Beltiel Bewuf aber t. ihr fl Rebisio ließ, s tenze Die Leib u denden dasjen die Ge üͤbelth werbe traf. Abhan überhe Vieles Zeche jugend Namp Augse Straf dazu gegen alls, Wide licher Hun sten berz hauf ö * cb sriger elf 0 stadt. Na b ert Von b sich ls in Wurde lattes mit Sie gar bolen. und geht Cain. „ als gestern; Es Wird. 1 für Ihnen, War delt, izüer ungen, ohne e Alt heren erden. Ver⸗ dort usam d hier ht die en ge⸗ titeres 5 aber u und Kolo. abe er viewer berab⸗ ö thut en zu und holsche tung. er sich Wel da bestraft gcgen „Was K Gott, ine al in del f das in der ih fahrer 1 1 Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. wird, war der Prinz v. Arenberg bis vor wenigen Jahren Offizier im 4. westf. Kürrassierregiment in Münster. Er mußte damals seinen Abschied nehmen wegen Soldatenmißhandlungen. Dann war er allerdings gerade der richtige, den man nach Afrika schicken mußte, um dort preußische Schneidigkeit heimisch zu machen. Eine Begnadigung! Der Referendar Esser aus Ratingen bei Düsseldorf hatte sich im verflossenen Frühjahr im Ratinger Busch Arbeiterinnen gegenüber in sittlicher Beziehung schwer vergangen. Die Sache wurde von der Düsseldorfer Strafkammer mit drei Monaten Gefängnis geahndet. Nunmehr ist der Referendar infolge eines von ihm eingereichten Gnadengesuches zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Milde bestrafte Gesetzesverächter. In einem Prozeß gegen die Vetriebsbeamten der Zeche„Unser Fritz“, der vor der Straf⸗ kammer in Essen verhandelt wurde, sind ganz fkandalöse Verstöße gegen die Gewerbe⸗ ordnung festgestellt worden. Die Schutzbestim⸗ mungen, die das Gesetz den jugendlichen Ar⸗ beitern gewährt, sind jahrelang und trotz behördlicher Verwarnungen in gröblichster Weise mißachtet worden. Schutzbestimmungen, die an sich allzu geringfügig find und deren strengste Einhaltung nur ein Mindestmaß der nöligsten Gesundheitsbewahrung für die jugend⸗ lichen Arbeiter bietet. Trotzdem schamlos wiederholte Ueberschreitungen. In 14 Monaten haben 33 jugendliche Arbeiter 687 Ueberschichten verfahren. Sie mußten 18 Stunden hinter⸗ einander arbeiten, d. h. 10 Stunden länger als das Gesetz erlaubt. Die nötigsten Ruhe⸗ pausen wurden ihnen geraubt und selbst um die Sonn⸗ und Feiertage wurden ste betrogen. Wie die Dinge lagen, mußten die angeklagten Betriebsbeamten zugeben, daß sie das volle Bewußtsein ihres ungesetzlichen Thuns besaßen, aber trotz behördlicher Verwarnung setzten sie ihr strafbares Beginnen fort, und als eine Revision die Aufhebung des Nestes befürchten ließ, schritten sie zur Fälschung der Schich⸗ tenzettel und der Lohnlisten. Die Milde des Urteils gegenüber di Leib und Leben zahlreicher junger Leute gefäh denden Machenschaften übersteigt doch selbst dasjenige Maß, was man bei Verstößen getzen die Gewerbeordnung gewöhnt ist. Die Haupt⸗ übelthäter wurden wegen Uebertretung der Ge⸗ werbeordnung zu 300 bezw. 50 Mark Geld⸗ strafe verurteilt. Das sind Summen, deren Abgang die betreffenden wohlhabenden Herren überhaupt nicht fühlen und die zweifellos um vieles niedriger sind als der Profit, der der Zeche aus der ungesetzlichen Ueberarbeit der jugendlichen Arbeiter erwuchs. Wenn Arbeiter im kulturell wertvollen Kampfe um Hebung ihrer Lage eine geringe Ausschreitung begehen, so trifft sie schwerste Strafe, so wird oft ihre ganze Existenz und dazu ihre Gesundheit zerrüttet. Wie leicht da⸗ gegen gehen die Unternehmer und ihre Beamten aus, wenn sie in schnöder und systematischer Widersetzlichkeit Leben und Gesundheit jugend⸗ licher Menschen zu grunde richten!— Aus Hunger hat ein Arbeiter in Sagan in Schle⸗ stien einen Hund gestohlen, geschlachtet und verzehrt. Urteil: Zwei Jahre Zucht- haus! Wie jetzt bekannt —. 2 Des Kaisers Reisen. Einen kleinen, nicht uninteressanten Uebere blick gewähren die einzelnen Armee befebln über die Reisen des Kaisers in 1899. Man findet hier als Ausgabeorte, abgesehen von Berlin und Potsdam, noch folgende Städte ꝛc.: Bremen, Kiel, Hubertusstock, Friedrichs ruh, Weimar, Karlsruhe, Wartburg, Straßburg, Straßburg, Urville, Wiesbaden, Cummersdorf, Pröckelwitz, Hannover, Helgoland, Eckernförde, Travemünde, Orskog, Molde, Drontheim, Merok, Aalefund, Bergen, Olden, Wilhelmshaven, Wilhelmshöhe, Arolsen, Metz, Neuhof, Ebers⸗ walde, Swinemünde, Danzig, Rominten, Marienburg, Hamburg, Letzlingen, Kaiser Wil⸗ schloß Göhrde, Blankenburg, also 40 Orte.— Man vergesse nicht, daß aus diesen 40 Orten allein Armee befehle ergingen. Die Zahl der Orte, die der Kaiser im vorigen Jahre besuchte, ist zweifellos viel größer. Ausländisches. Belgien. Im Brüsseler Volkshause wurde am Sonntag vor Weihnachten ein sozialdemo⸗ kratischer Agrar⸗Kougreß abgehalten. Ge⸗ nosse Bandervelde war Vorsitzeader. Nach eingehender Diskussion nahm der Kongreß nach⸗ stehende Beschlüsse an: 1. Es soll eine Schrift herausgegeben werden, in welcher das Verhältuis der Bauern und Landarbeiter zu den Junkern(Seigneurs), Grundbesitzern, der Kirche und dem Staat ge⸗ schichtlich dargestellt werden soll. 2. Vornahme von Studien bezüglich einer genossenschaftlichen Bewirtschaftung des Grund und Bodens und der für die Bauern daraus resultierenden Vorteile. 3. Die Genossen auf dem Lande werden verpflichtet, in die landwirtschaftlichen, bäuer⸗ lichen Vereine einzutreten, um dort Einfluß zu gewinnen. 4. Die Partei wird einen sozialistischen Kalender für die Landbevölkerung heraus⸗ geben. 5. Wo der Großgrundbesitz vorherrscht, werben Landarbeiter⸗Organisationen gebildet. 6. Der Kongreß bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß die sozialdemokralischen Ge⸗ meinderäte den Ankauf von landwirtschaft⸗ lichen Maschinen, die dann von der Gemeinde den Bauern zur Verfügung gestellt werden, unterstützen mögen. 7. Allen Sozialisten, welche an dem letzten Gemeinderats⸗Wahlkampfe mit beteiligt waren, wird empfohlen, Konsumgenossenschaften zu begründen. 8. Der Kongreß erklärt die Idee, in be⸗ sonders hierfür geeigneten Baugemeinden Koope⸗ rativgenossenschaften zur Probuktion von Ge⸗ flügel und Eiern zu begründen, für realisierbar. Zum Schluß hielt Vandervelde einen sehr interessanten Vortrag über den Agrarsozialismus. Desterreich. Endlich ist der Zeitungs⸗ stempel gefallen, eine ganz mittelalterliche Steuer. Für unsere Partei ist der Fall dieses Stempels von größter Bedeutung, wird doch jetzt die Presse wesemlich billiger und infolge⸗ dessen in viel weitere Kreise dringen als seither. Um sagen zu können, was die Aufhebung des Zeitungsstempels für uns bedeutet, müßten wir die ganze Leidensgeschichte der österreichischen Presse erzählen. Nur auf einen Punkt sei hier hingewiesen. Der Zeitungsstempel war schon nach seiner Höhe eine ungeheuerliche Steuer: ein Kreuzer(I,7 Pfg.) für jedes Exemplar. Das heißt, ein Blatt mit einer Auflage von 20000 Exemplaren hat im Tage 200 Gulden, im Jahre 73000 Gulden oder hundertein⸗ undzwanzigtausend Mark an Stempel⸗ steuer zu bestretten. Dabei trifft die Steuer gerade die finanziell schwächeren Blätter am schwersten. Ein Beispiel: die bürgerliche„Neue Freie Presse“ mit zwei Ausgaben täglich zahlt von 9 Kreuzern, die sozialdemokratische „Arbetterzeitung“ mit einer Ausgabe von 5 Kreuzern je 1 Kreuzer Steuer, die eine ein Neuntel, die andere ein Fünftel ihrer Bruttoeinnahme. Und wie oft mußte unser Wiener Organ den Stempel zweimal zahlen! Jedesmal, wenn eine Ausgabe der Zensur verfiel und eine zweite Ausgabe veranstaltet werden mußte. Diese kleine Reform ist zunächst das einzig erfreuliche, was zu berichten ist. Im übrigen wursteln die österreichischen Ministerien aus der Hand in den Mund weiter und zwar jämmerlich genug. Damit soll nicht etwa gesagt sein, als wenn bei uns, das heißt in Preußen⸗ Deutschland, die Ministerien mustergültig re⸗ gierten. Ach nein! Der Krieg in Südafrika. In England herrschte zum Jahreswechsel großer Jubel. Es war nämlich die Nachricht Sieg über die Buren davongetragen hätte. Der Feind sei geschlagen und geflohen. Wie eine kalte Douche mag folgende Depesche gewirkt haben, die am 3. Januar aus Südafrika in London eintraf:„Heute Morgen erhielt die Lage bei Colesberg eine unerwartete Wendung. Es zeigte sich, daß die Buren während der Nacht zurückgekehrt waren und ihre früheren Stellungen wieder eingenommen hatten. Heute machten sie schuell ihre Anwesenheit be⸗ merkbar. Ihre Schnellfeuergeschütze, die wir gestern vernichtet zu haben glaubten(1), er⸗ öffneten das Feuer auf unsere Kavallerie. Die Geschütze der Buren wurden mit großer Ge⸗ nauigkeit bedient, aber die Geschosse explodierten nicht und das Feuer war unwirksam. Wir halten noch alle Stellungen, die wir gestern nahmen. Vereinzeltes Schießen dauert fort Die Buren sind zweifellos sehr verstärkt, seit wir sie gestern schlugen.(111)— Allem Anschein nach haben die Engländer diesmal etwas weniger Hiebe bekommen als seither und da haben sie sich eine Nacht lang eingebildet, sie hätten gesiegt. Es wird ein entscheidender Schlag in diesen Tagen erwartet. Das neue Jahr hat für die Engländer in Südafrika schlecht begonnen. Es ist ihnen nämlich ein Güterzug mit 26 Wagen voll Vorräten bergab ins Burenlager davongelaufen. So'n Pech! Die Engländer behaupten, der von ihnen in der Delagoa⸗Bay gekaperte deutsche Dampfer „Bundesrat“(siehe oben unter: Ueberseepolitik) habe fünf große Kanonen, 50 Tonnen Ge⸗ schoß und 7000 Sättel an Bord gehabt. Unter den Passagieren sollen sich 180 ge⸗ schulte Artilleristen befinden.— Wenn sich diese Behauptungen als wahr herausstellen sollten, dann wäre das Verhalten der Engländer begreiflich. Allerdings entspricht dasselbe nicht dem Buchstaben des Völkerrechts, weil die Delagoa⸗Bay, im portugiesischen Besttz befindlich, neutrales Gebiet ist. Aber kein Mensch ist im Zweifel, für wen das Kriegs⸗ material und die„180 geschulten Artilleristen“ bestimmt sind. Wir zweifeln keinen Augenblick daran,— die Richtigkeit der englischen Be⸗ hauptungen vorausgesetzt— daß jede andere Nation im selben Falle genau so gehandelt und die„neutralen“ Schiffe gekapert haben würde. Es ist geradezu lächerlich, daß so viele Men⸗ schen wegen der englischeg Schiffskaperei, ge⸗ radezu aus dem Häuschen kommen, die gegen die, Krieg genaunte, Menschenschlächterei an sich gar nichts einzuwenden haben, vielmehr jeden Augenblick bereit sind, auf Kosten anderer Leute alle gewünschten Mordwerkzeuge zu be⸗ willigen.— Man verstehe uns nicht falsch. Wir entschuldigen das Kapern der Schiffe keineswegs, aber wir finden es vom Stand⸗ punkte der wie in einer Maufefalle festsitzenden Engländer erklärlich. Noch eins: Wenn wir zum Schlusse sageg, daß wir den Eng⸗ ländern aufrichtig die schönsten Prügel wünschen, so ist das so zu verstehen, daß wir wünschen, die unersättlichen englischen Kapitalisteu, die durch ihren Verwaltungsausschuß, eben die englische Regierung, jenen un verantwortlichen brulalen Bruderkrieg angezettelt haben, möchten einen unvergeßlichen Denkzettel be⸗ kommen. Jeder gefallene Soldat, sei er ein Bur, der für sein bedrohtes Vaterland kämpft, sei er ein Engländer, der in den Krieg gehetzt wurde und auf Kommando morden muß, thut uns gleich leid. Schlimm genug, daß das internationale Proletariat noch nicht stark genug ist, Kriege, die immer nur im Juteresse des Kapitalismus oder ehrgeiziger Gewalthaber liegen, unmöglich zu machen. * 4* Eine Bestellung der Buren in Berlin. Daß es die Buren verstanden haben, sich bei Zeiten für alle Eventualitäten zu sichern und sich das nötige Kriegsmaterial zu ver⸗ schaffen, ist ja bekannt. Diese Taktik wird z. B. auch dadurch illustriert, daß in Berlin schon im Junt vorigen Jahres Bestellungen auf Gewehre und Munition eingegangen sind. Die deutsche Waffen- und Munitionsfabrik in helm⸗Kanal, Port Viktoria, Vlissingen, Jagd⸗ eingetroffen, daß General French einen großen Berlin, Dorotheenstraße, bekam schon Anfang ——ʒ—— —— — Seite J. eldeutsche Sonutaus⸗Zeitung. Nr. 2. Juni 1899 von der Regierung der Südafri⸗ kanischen Republik einen Auftrag über 3000 Mausergewehre und drei Millionen Patronen zum Preise von 600000 Mark für die letzteren und 60000 Mk. für die Gewehre. Der Auf⸗ trag wurde effektuiert und Ende September ging die Sendung mit dem Dampfer„Kaiser“ nach Südafrika ab. Inzwischen brach jedoch der Krieg aus und da man eine Beschlagnahme vermeiden wollte, so zog man die Sendung nach Berlin zurück, wo die Gewehre gegenwärtig auf dem Packhof in Moabit liegen. Die Ber⸗ liner Firma dürfte bei der Sache also kein glänzendes Geschäft gemacht haben. Pon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen. St ö ie Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Dle Nenjahrsnacht. * In Gießen ist die Sylbesternacht, trotz— dem auf bundesrätlichen Befehl das neue Jahr- hundert sozusagen feldmarsch mäßig gepackt an⸗ treten sollte, ohne besonders schlimme Ereignisse verlaufen. Es ging entschieden ruhiger zu, als in früheren Jahren. Wahrscheinlich ist das darauf zurückzufühzen, daß die Händler, welche Feuerwerkskörper verkaufen, schon am Sonntag Nachmittag schließen mußten, während sich in früheren Jahren, wenn Sylvester auf einen Wochentag fiel, bis in die Nacht hinein die radaulustigen Massen, die die Straßen bevöl— kerten, immer mit frischer Munition versorgen konnten. In Haft genommen wurden 5 Per⸗ sonen, zur Anzeige gebracht wurden wegen Feuerwerkerei 35, wegen Radau ohne Feuer⸗ werk 5 Personen. Körperverletzungen erlitten 2 Personen, davon 1 mehrere ungefährliche Messer⸗ stiche. Wenn wir also sagten, es sei entschieden ruhiger als früher hergegangen, so soll damit nicht gesagt sein, es wäre nicht Spektakel und Unfug genug getrieben worden. Ganz im Gegen— teil. Uns hat's vollauf genügt. i In Marburg ist am Neujahrsmorgen ein Kutscher erschossen worden. Die H. L.⸗Z. berichtet darüber: Der Kutscher Möhl, in Diensten bei dem Fuhrwerksbesitzer Mätthäi, Zwischenhauserstraße, geriet in der Neujahrs— nacht mit einem Fremden in eine unbedeutende Differenz. Wie es heißt, wollte der Fremde gefahren werden, was Möhl ablehnte, weil er nicht frei sei. Gegen halb 7 Uhr ging Möhl vom Stalle aus durch Zwischenhausen, wo er mit dem Fremden wieder zusammentraf. Hier soll es nun zwischen beiden abermals zum Streit gekommen sein, in dessen Verlauf der Fremde einen Revolver zog und mehrere Schüsse auf Möhl abfeuerte. Dieser lief fort und stürzte in der Nähe eines Cafes zusammen. Er hatte eine tödliche Verletzung in den Unter⸗ leib erhalten und mußte in die Klinik geschafft werden. Der Fremde, welcher sich in der Nähe befand, erhielt vom Publikum, das sich rasch angesammelt hatte, eine tüchtige Tracht Prügel und wurde verhaftet. Er ist aus Hanan ge⸗ bürtig und ein Sohn des Besitzers der be— kannten großen Diamantschleiferei Huy. Er hielt sich schou seit mehreren Wochen hier auf. — Wie die Frkf. Ztg. aus Marburg gemeldet wird, ist Huy Student und Möhl Vater von sieben Kindern. — In Frankfurt a. M. ging es wieder sehr lebhaft zu. 220 Personen wurden in der Neujahrsnacht verhaftet. — In Offenbach soll es auch nicht an Spektakel gefehlt haben. Kurz nach Mitternacht hat sich der in der Geleitstraße wohnende Wirt Gerlach, ein ehemaliger Schriftgießer, durch einen Revolverschuß das Leben genommen. Der Grund zu diesem Selbstmord ist unbekannt.— Zur selben Zeit ist im Main der Portefeuille⸗ arbeiter Ilbert ertrunken. Ein neues Lehrerbesoldungsgesetz. * Der nunmehr veröffentlichte Gesetzentwurf über die Gehalte der Volksschullehrer setzt in Artikel 1 den Mindestgehalt der definitiv angestellten Lehrer auf Mk. 1000 fest. Der Gehalt steigt von 3 zu 3 Jahren bis zu einem Höchstbetrage von Mk. 2800, der vom 31. Dienst⸗ jahre ab bezogen wird. Sofern ein Lehrer den ihm zustehenden Gehalt nicht bereits aus dem Einkommen der von ihm bekleideten Lehrerstelle bezieht, wird ihm der fehlende Betrag aus Staatsmitteln als Dienstzulage ausbezahl. Bei mangelhafter Dienstführung bleibt es dem Ministerium des Innern vorbehalten, die Zu⸗ lage ganz oder theilweise zu versagen oder in längeren Fristen oder nur in widerruflicher Weise eintreten zu lassen. Nach Art. 2 hat jeder definitiv angestellte Lehrer außer dem ihm zukommenden Gehalt eine angemessene Wohnung, womöglich mit Garten oder eine Mietsentschädigung an⸗ zusprechen. Diese wird von der Kreisschul⸗ kommission festgesetzt. Der Genuß der Dienst⸗ wohnung oder die dafür gewährte Miethtzent⸗ schädigung kommt im Falle der Penstonierung eines Lehrers bei Bestimmung des ihm gebüh— renden Ruhegehaltes im Betrage von Mk. 200 in Anrechnung. Nach Art. 3 beginnen die definitiv ange⸗ stellten Lehrerinnen mit einem Gehalt von Mk. 1000 und kommen mit Zulage von 3 zu 3 Jahren nach dem 22. Dienstjahr auf Mark 2000. Diese können nur die für die unver⸗ heiratheten Lehrer in der betreffenden Gemeinde festgesetzte Mietsentschädigung in Anspruch nehmen. Das Gesetz soll mit dem 1. April 1900 in Wirksamkeit treten. Wer muß ein Firmenschild haben? * Es herrscht noch viel Unklarheit über die am 1. Januar in Kraft getretene gesetzliche Bestimmung betr. die Anbringung von Firmen⸗ schildern an Ladengeschäften. Nach§ 152 der G.⸗O. sind Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben oder Gast⸗ und Schankwirt⸗ schaft betreiben, verpflichtet, ihren Familien⸗ namen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder am Eingauge des Ladens oder Wirtschaft in deut⸗ lich lesbarer Schrift anzubringen. Kaufleute, die eine Handelsfirma führen, haben zu⸗ gleich die Firma in der vezeichneten Weise an dem Laden oder der Wirtschaft anzubringen; ist aus der Firma der Familiennamen des Ge⸗ schäftsinhabers mit dem ausgeschriedenen Vor⸗ namen zu ersehen, so genügt die Anbringung der Firma. Auf eine Frage, ob die im Schau⸗ fenster angebrachten, von außen gut zu sehenden Firmenschilder genügen, ist, wie der„Konfek⸗ tionär“ mitteilt, amtlicherseits die Antwort erteilt worden, daß solche Schilder nicht ge⸗ nügen. Der Name des Inhabers muß mit einem voll ausgeschriebenen Vornamen außen am Hause oder am Eingang sichtbar ange⸗ bracht sein, wie das der Paragraph deutlich genug vorschreibe. Nach dem Buchstaben des Gesetzes. „Vom Lande“ wird folgende Historie be⸗ richtet, die sich mancher zu gestrenger Herr Be⸗ amter merken dürfte. Kommt da auf die Post zu H. ein Auslaufer um 20 Zehnpfennigmarken zu kaufen. Er zählt die fälligen zwei Mark in Zehnpfennigstücken auf, die aber von dem Be⸗ amten mit dem Bemerken zurückgewiesen werden, daß die Post nicht verpflichtet sei, mehr als eine Mark in Nickel auf einmal anzunehmen. Stillschweigend entfernt sich der Auslaufer, kommt aber gleich darauf wieder und verlangt eine Zehnpfennigmarke. Sie wird ihm natür⸗ lich ausgehändigt, wie auch— trotz des wieder— holten Protestes seitens des Postbeamten— die übrigen neunzehn, denn der Auslaufer muß sich doch seines Auftrages erledigen und zwar thut er dies unverdrossen und pflichtgetreu. Der Postbeamte kann dagegen nichts machen, er mußte ebenso unverdrossen und pflichtgetreu die zwanzig Marken verabfolgen. Das nächste Mal dürfte er wohl nicht mehr einen ähnlichen Einspruch erheben. Ungesetzliche Polizeiverordnung. * Wir berichteten s. Z., daß im Kreis Wetzlar eine Polizeiverorduung erlassen wurde, durch die Vereine und auch Privatgesellschaften(5) verpflichtet sein sollten, jede Tanzlustbarkeit so⸗ wohl, als auch alle Theilnehmer an derselben vorher anzumelden. Wir stellten sofort fest, daß diese Verordnung ungesetzlich sei und empfahlen, daß es die beteiligten Kreise auf eine Klage ankommen lassen sollten. Das ist geschehen und die Wetzlarer Strafkammer hat uns frecht gegeben, indem sie jene Polizeiver⸗ ordnung für ungesetzlich erklärte. Der große Bruder Preußen. + Der„Frkf. Ztg.“ wird aus Thüringen berichtet: Ueber die preußische Eisenbahnpolitik macht sich in den thüringischen Kleinstaaten eine wachsende Mißstimmung bemerkbar. Die mittelthüringische Presse ist verdrossen darüber, daß die preußische Eisenbahndirektion in Erfurt die Genehmigung zu den Vorarbeiten für die Bahnlinie Pößneck⸗Knau abgelehnt habe. Der Magistrat der Stadt Pößneck hat jetzt das Sachsen⸗Meiningensche Staats ministerium mit der Sache besaßt. Der„Saalfelder Anzeiger“ schreibt hierzu, die Gründe der Ablehnung kenne Jeder. In Knau könne die sächsische Bahn Gelegenheit zum Auschluß und damit vielleicht Vorteile haben. Das müsse natürlich Preußen unter allen Umständen verhindern.„Dafür hat man ein einiges Reich erstritten, dafür haben Sachsen und Thüringer ihr Blut auf den Schlachtfeldern Frankreichs vergossen, daß das große Preußen seine Stammesgenossen, die dabei mitgeholfen, in Fragen des Verkehrs⸗ wesens hindert und schädigt! Sind dazu die alten Schlagbäume gefallen, daß sich Preußen wieder neue aufrichtet, den kleineren Staaten und Gesellschaften durch Geschäftsdrückereien und Beschwernisse ihre Bahnlinien überdrüssi macht und sie dann zu eigenem Nutzen erwirbt? Wo bleiben die Kleinstaaten, wenn das Vater⸗ land von ihnen Opfer verlangt, das große Preußen ihnen aber die Einnahmequellen ab⸗ schneidet?“ Scharf tritt auch die reußische Presse gegen das preußische Eisenbahnsystem auf. Das„Pößnecker Tageblatt“ schreibt u. a.: „So kann es nicht weitergehen. Die vitalsten Interessen der Angehörigen anderer Staaten werden einfach unberücksichtigt gelassen, un⸗ bekümmert darum, ob dadurch die Weiterent⸗ wickelung ganzer Bezirke empfindlich aufgehalten wird oder nicht.“ Auch der„Vogtländ. Anz.“ in Plauen, das Hauptblatt des Vogtlandes, nimmt sich jetzt in schärfster Weise der Sache an. Es wird nicht mehr allzulange dauern, bis auch das gesamte Eisenbahnwesen verpreußt ist. Die Lobgesänge auf die„deutsche Einheit“ hören sich immer possierlich an. Kleine Mitteilungen. ** Gießen. In der hiesigen katholischen Kirche wurde der Opferstock erbrochen und be— raubt. * Vom Kasernenhof. Wie uns aus zuverlässiger Ouelle mitgeteilt wird, sind am Dienstag, den 2. Januar, auf dem Kasernen⸗ hof zwei Rekruten infolge von Ueber⸗ anstrengung beim Dienst unwohl geworden so daß beide in das Lazarett geschafft werden mußten. Der eine Rekrut hat stundenlang bewußtlos gelegen. Es wäre sehr erwünscht, wenn über das Vorkommnis, das in der ganzen Stadt besprochen wird, amtliche Aufklärung gegeben würde. d. Wieseck. Der hiesige Arbeiterbildungs⸗ Verein feierte seine diesjährige Weihnachtsver⸗ losung, verbunden mit Unterhaltung, am 30. Dezember im Lokale des Geuossen Wacker. Die zur Verlosung angekausten Gegenstände fanden allgemeinen Beifall, namentlich die beiden Prachtbilder von Marx und Engels. Die Feier nahm den schönsten Verlauf. Die treff— liche Musikkapelle unterhielt die Anwesenden bis in die früheste Morgenstunde aufs Beste. Wir wünschen dem Arb.⸗Bild.⸗Verein auch in Zu⸗ kunft ein kräftiges Blühen und Gedeihen. d. Wieseck. Der Gefangverein„Jugen d⸗ grund“ hielt eine sehr gelungene Sylvester⸗ feier, verbunden mit Bratisverlosung ab. Gute Musik, exakt aufgeführte Theaterstücke und sonstige Unterhaltung versetzten die Theilnehmer in beste Stimmung. Einen nachhaltigen Ein⸗ druck rief ein jüngerer Genosse durch den Vor⸗ trag des Löbtauer Zuchthausliedes bei den Er— Widga⸗ Innern! einen l. keice 9 pesen bedeutend die ulehe ihre Mut e nh Vormünt it eb da auszuwe eich die daß, W dem Bez gerichtes Vormün E 1 1900 fl. buch gef in Kraf Gläubig ist. In der Sch des Zah Zeit, u erheben, innerha das At hefehls Hand. Frist nu der Zuf * 1 0 U 8 der r gewählt ging di Beobac seits m an den semite chen be⸗ aue am rnel⸗ ebel⸗ den erden ang lscht, Inzel rung gs zel⸗ 30. cel. fände Die e, U bi⸗ Wir u- end g Gute And mer Eun⸗ Nr. 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. schienen hervor. Auf die gelungene Feier kann der Verein Jugendgrund stolz sein. 3 ** Vilbel. Der Arbeiter Johann Klös von hier wurde am 1. Januar auf der Ober⸗ mainbrücke in Frankfurt a. M. von der Elek⸗ trischen Bahn überfahren und sofort getötet. * In Atzbach und Wetzlar sind während des Gottesdienstes am ersten Weihnachtsfeiertag plötzlich innerhalb vier Minuten 20 Kinder und 2 Erwachsene in der Kirche ohnmächtig zusammengebrochen. Zu Hause wurden weitere 20 Personen von Obnmachtsanfällen heim⸗ gesucht, während fast alle anderen Besucher des Gottesdienstes über Kopfschmerzen zu klagen hatten. Es lag Vergiftung durch Kohlen⸗ oxidgas vor, das aus der Rohrleitung im Innern der Kirche infolge des Schneegestöbers keinen rechten Abzug gefunden hatte. * Das hessische Vormundschafts⸗ wesen wird mit dem 1. Januar 1900 eine bedeutende Erweiterung erfahren. Während die unehelichen Kinder seither in Hessen durch ihre Mutter genügend vertreten galten, müssen sie nach dem bürgerlichen Gesetzbuche sämtlich Vormünder haben. Aufgabe der Amtsgerichte ist es daher, in nächster Zeit diese Vormünder auszuwählen und zu verpflichten. Wie umfang⸗ reich diese Aufgabe ist, ergiebt sich z. B. daraus, daß, wie dem„Frkf. J.“ mitgeteilt wird, in dem Bezirke eines einzigen Starkenburger Amts⸗ gerichtes allein aus diesem Grunde etwa 500 Vor münder neu zu bestellen sind. ** Mahnverfahren. Mit dem 1. Januar 1900 trat eine durch das Bürgerliche Gesetz⸗ buch geschaffene Aenderung im Mahnverfahren in Kraft, welche ebenso angenehm für den Gläubiger, wie unangenehm für den Schuldner ist. Im Mahnverfahen hatte bisher bekanntlich der Schuldner, vom Tage der Behändigung des Zahlungsbefehls an gerechnet, zwei Wochen Zeit, um gegen den Befehl Widerspruch zu erheben, und der Gläubiger bekam erst, wenn innerhalb 14 Tagen kein Widerspruch erfolgte, das Attest der Vollstreckbarkeit des Zahlungs⸗ befehls(die sog. Vollstreckungsklausel) in die Hand. Vom 1. Januar 1900 ab wird diese Frist nur noch eine Woche betragen, vom Tage der Zustellung an gerechnet. ** Zwickau, 3. Jan. Heute haben sich in Lengenfeld drei Mädchen erschossen. * Die flattirte Leber. Gelegentlich der Eröffnung des hessischen Landtags am 20. Dez. fand in Darmstadt eine Hoftafel statt, nach welcher sich der Großherzog von dem Kammerpräsidenten Kreisrath Haas die neu⸗ gewählten Abgeordneten vorstellen ließ. Es ging dieser„feierliche Akt“, wie der„Alzeyer Beobachter“ berichtet,„wie gewöhnlich beider⸗ seits mit einigen Worten ab, bis Serenissimus an den Vertreter von Wörrstadt, den Anti⸗ semiten Wolf kam, der den Fürsten mit „Herr Großherzog“ anredete und ihm bemerkte, daß er sich häufiger„in unserer Provinz“ sehen lassen müsse, um hier beliebter zu werden. Auf die Antwort, daß er ja öfter in Mainz weile, auch Worms, Alzey u. s. w. schon be⸗ sucht habe, erklärte der redselig gestimmte Herr Abgeordnete, daß dieses nicht lauge, denn der „Herr Großherzog“ müsse mit einem eignen Wagen manchmal die Provinz nach den ver— schiedensten Richtungen hindurchfahren und sich so populär zu machen suchen, denn die Rhein- hessen wollten mehr an der Leber flattirt sein, sonst— doch weiter kam der Sprecher nicht, da der Großherzog sich bei dem letzten Worte umgekehrt und entfernt hatte.“— Auf die rednerischen Leistungen des Antisemiten Wolff im Landtag kann man gespannt sein. Herr Köhler wird einen scharfen Konkurrenten an Wolff bekommen. Edle Handlungsweise? * Im Gieß. Anz. wird folgendes schwülstige Eingesandt veröffentlicht: „Eingesandt. Den Arbeitern der Firma Carl Emmelius hier, wurde heute eine schöne Ueberrasch— ung zu teil. Die Inhaber der Firma, Louis und Heinrich Emmelius, deren Wohlthätigkeitssinn all⸗ gemein bekannt ist, hatten den Beschluß gefaßt, ge⸗ legentlich der Jahrhundertswende denjenigen Arbeitern ihrer Fabrikbetriebe Gießen, Alten-Buseck, Franken⸗ bach und Daubringeu, welche auf eine längere, un⸗ unterbrochene Arbeitsthätigkeit zurückblicken können, eine Anerkennung zukommen zu lassen und diese durch eine Geldprämie zum Ausdruck zu bringen. Dieser Beschluß wurde heute in die That umgesetzt. Je nach Dauer der Arbeitsthätigkeit erhielten die Ar⸗ beiter Prämien von 50 Mk., 40 Mk., 30 Mk. und darunter bis zu 5 Mk., was zu einer Gesamtzuwen⸗ dung von nahezu 4000 Mk. führte. Es bedarf keiner Schilderung des E indruckes, den die Form dieser Zuwendung bei den Arbeitern hervorrief.“ Die Redaktion des Amtsblattes fügt dem uoch hinzu: „Auch wir können nicht umhin, den Inhabern ge— nannter Firma wegen ihrer edlen Handlungsweise unsere Anerkennung zu zollen, und hoffen, daß die⸗ selbe nicht allein ein weiteres Bindemittel zwischen ihnen und den älteren Arbeitern bildet, sondern auch den jüngeren als Sporn dient und sie zu der Er⸗ kenntnis führt, daß treue Dienste stets gebührende Anerkennung finden.“ Natürlich kommen wir sofort wieder in den Verdacht gewerbsmäßiger Nörgelei, wenn wir uns erlauben, die edle Handlungsweise der be⸗ treffenden Zigarrenfabrikanten ein wenig zu beleuchten. Das soll uns aber nicht abhalten, unsere Pflicht zu thun.— Der Satz: „Es bedarf keiner Schilderung des Eindrucks, den die Form dieser Zuwendung bei den Arbeitern hervorrief“ zeigt zur Genüge, von wem diese edle That im Amtsblatt ausposaunt wurde. Ein Al⸗ mosen macht auf einen anständigen und ehr⸗ lichen Menschen stets einen niederdrückenden Eindruck. Und nichts anderes als Almosen sind derartige Zuwendungen an Arbeiter, denen man ihre bescheidenen Forderungen auf Lohnerhöhungen ablehnt. Die edle Handlungsweise hat nach den Angaben im„G. A.“ einen reellen Wert von 4000 Mark. Die Firma Emmelius gehört aber, wie im ganzen Kreis Gießen bekannt ist, zu denjenigen Firmen, die ihren Arbeitern die niedrigsten Löhne zahlen. Unter diesem Gesichts winkel betrachtet, hapert es mit der edlen Handlungs⸗ weise schon sehr. Die Firma Emmelius zahlte ihren Arbeitern in einer ihrer Fabriken bis zum Sommer 1899 an Rollerlohn für 100 Stück Zigarren sage und schreibe 29 Pfg.! Die Arbeiter erzielten damit bei angestrengtester Thätigkeit einen Wochen verdienst von etwa 8,75 bis 10,40 Mk. Das ist für die heutigen Zeiten ein ganz kläglicher Lohn. Auf die Bitten der Arbeiter, statt der 29 Pfg. doch 32, also drei Pfennige mehr zu zahlen, wurde ihnen zunächst ablehnender Bescheid, später gab es einen Pfennig() Zulage! Die Forderung der Arbeiter war durchaus berechtigt und angesichts der glänzenden Lage, in der sich die Gießener Zigarrendustrie befindet, hätten die Herren Emmelius die bescheidene Forderung bewilligen müssen. Das wäre recht und billig, aber noch lange keine besonders„edle Handlungsweise“ gewesen. Viel weniger können wir darin eine beson⸗ ders edle Handlungsweise erblicken, wenn den Arbeitern ein winziges Teilchen dessen, was ihnen als rechtmäßig verdienter Lohn hätte gezahlt werden sollen, in Form eines Gnadengeschenkes verwilligt wird.— Es ist bedauerlich genug, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen, die in der Tabakindustrie thätig sind, sich noch nicht der bestehenden Organisation angeschlossen haben. Dann würden ste in der Lage sein, Almosen zu⸗ rückzuweisen und anständige Löhne zu fordern und nötigenfalls auch zu erzwingen. Sie würden es sich dann auch nicht einen Tag gefallen lassen, daß man Fabrik-Oefen mit Ket⸗ ten verschließt, um den Arbeitern die Möglichkeit zu nehmen, ihre kärglichen Speisen zu erwärmen. Organisierte Arbeiter würden es auch ent⸗ schieden zurückweisen, wenn ihnen ihre Arbeit⸗ geber den Pastor Hülleschen„Arbeiterfreund“ aufhängen wollten, ein Blatt, das seine Arbeiter— freundschaft dadurch dokumentiert, daß es die Arbeiterbewegung fortgesetzt verdächtigt und verleumdet, und für die Zuchthaus⸗ vorlage noch schwärmte, als diese schon ab⸗ gelehnt war, ein Blatt, das aber die„Wohl⸗ thätigkeit“ der Fabrikanten unausgesetzt in allen Tonarten besingt. Wir nehmen an, daß der„Gieß. Anz.“, dessen Objektivität unter der neuen Redaktion wir gerne anerkennen, den Lobgesang auf die Firma Emmelius nicht aufgenommen hätte, wenn er über die thatsächlichen Verhältnisse genau unterrichtet gewesen wäre. Wir fühlen uns durchaus nicht berufen, die Interessen der Fabrikanten zu wahren. Aber das ist nur eine Anstandspflicht, festzustellen, daß diejenigen Zigarrenfabrikanten, die ihren Arbeitern zwar keine Geschenke von einigen Mark geben, ihnen aber höhere Löhne zahlen, durch die Notiz im„Gieß. Anz.“ entschieden zurückgesetzt sind. Wenn bei ihnen jeder Arbeiter nur 1 Mk. pro Woche mehr verdient als bei Em melius, so macht das jährlich 52 Mk. rechtmäßig ver⸗ dienten Lohn aus für die Arbeiter; davon wird nicht geredet. Wenn aber bei der Firma Emmelius den Arbeitern pro Jahr 52 Mk. weniger Lohn gezahlt und dafür beim„Jahr⸗ hundertwechsel“(1) ein Gnadengeschenk von einigen Mark in die Hand gedrückt wird, so soll das eine besonders erwähnenswerte edle Handlungsweise sein? Uns fehlt dafür jedes Verständnis. Aber darüber sind wir uns vollständig klar: Wer es ehrlich mit den Arbeitern meint, muß jede denselben zugedachte almosenartige Zu⸗ wendung verwerfen. Gnadengeschenke sind nicht die geeigneten Mittel, die Arbeiter sittlich zu heben. Wenn die Firma Emmelius ein gutes Werk an ihren Arbeitern thun will, möge sie alle Löhne um mindestens 10 Prozent aufbessern, auf be⸗ sondere Geschenke werden dann die Arbeiter gern verzichten. Partei⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 6. Januar: Gießener Wahlverein abends 9 Uhr bei Orbig Sonntag, den 7. Januar: Verband der Fuhrlente und Kutscher nachm. halb 4 Uhr bei Orbig. Dienstag, den 9. Januar: Kartellsitzung abends 9 Uhr bei Orbig. Sonntag, den 14. Januar: Tabakarbeiter um 3 Uhr bei Gastwirt (Referent: G. Beckmann ⸗Gießen.) Wieseck. Wacker. — Unser Frankfurter Parteiblatt wird vom 1. Januar ab in eigener Druckerei hergestellt. Für alle Angestellten wird die achtstündige Arbeitszeit eingeführt. Das Blatt soll erweitert werden. — Unser Offenbacher Parteiorgan ist gleichfalls erweitert worden und durch die Aufstellung einer Rota⸗ tionsmaschine in die Lage versetzt worden, täglich mit einer Beilage zu erscheinen. — Das Nürnberger Parteiblatt nebst Druckerei und Verlagsgeschäft— bisherige Firma: Wörlein und Komp.— geht am 1. Juli in Parteibesitz über. Tetzte Nachrichten. Paris. Der Staatsgerichtshof verurteilte Vuffet und Deéroulède zu zehnjähriger Ver⸗ bannung, Guérin, der sich bekanntlich wochen⸗ lang in Paris verbarikadiert hatte, zu zehn⸗ jähriger Festungshaft. Alle wurden schuldig befunden, gegen die Sicherheit des Staats ge— wühlt zu haben. Gießener Stadttheater. Sonntag, den 7. Januar 1900. Abends 8 Uhr: Cireusleute. Montag, 8. Jan.: Elfte Volksvorstellung. Der Hypochonder. Dienstag, 9. Jan.: 2 A 4 A. Freitag, den 12. Jan.: Iphigenie auf Tauris. — ———— ä——j—— b— Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 2. Anterhaltungs⸗ Das Dorfhospital. Nahe am Friedhof, im engen Thal weitab vom Getöse der Reichen, Umspielt von der Sonne letztem Strahl, Liegt des Dorfes Armenspital, Bewohnt von wandelnden Leichen. Fast bis zur Erde hänget das Dach; Trüb sind die Fenster, die kleinen. Singen die Lerchen den Morgen wach, Dringt aus dem engen, dumpfen Gemach Nur trostloses Flehen und Weinen. Und drinnen, o Jammer, halte den Mund, Da liegen die Aermsten der Armen, An Seele und Nörper zu Tode wund, Flehn sie alle aus Herzensgrund: „O Vater, habe Erbarmen!“ Und rings, wohin das Auge blickt, Ein Modern, ein Klagen, ein Stöhnen, Mir war's, als sei ich der Welt entrückt; Als ich in den Abgrund des Elends geblickt— Ein Meer ohne Ufer voll Thränen. Die Sonne ging unter; ich aber schritt Rasch durch die Felder, die kleinen; Doch folgten mir bang auf jeden Tritt Die Seufzer der Armen, sie kamen mit: Noch lange hört' ich ihr Weinen. Das Abenteuer der Neujaßrsnacht. Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) Philipp fror erbärmlich; eine warme Stube hätte ihm wohlgethau, ein gutes Trinkgeld nicht minder. Er bewilligte dem jungen Herrn also die Amts vertretung auf eine halbe Stunde, nämlich bis zwölf Uhr; dann sollte er zur Hauptpforte der Gregorienkirche kommen und Mantel, Horn und Spieß gegen den langen roten Seibdenmantel, Larve und Federhut aus⸗ tauschen. Auch nannte er ihm noch vier Straßen, in denen er die Stunden abzurufen habe. „Herzensschatz!“ rief die Maske entzückt. „Ich möchte Dich küssen, wenn Du nicht ein Schmierfinke wärst. Nun, es soll Dich nicht gerenen. Um zwölf Uhr stelle Dich bei der Kirche ein und h le zum Trinkgeld Dir ein Bratengeld. Juchheh, ich bin Nachtwächter!“ Die Kleider wurden vertauscht. Die Maske vervachtwächterte sich, Philipp band die Larve vor, setzte den mit einer funkelnden Schleife ge⸗ zie ten Tederhut auf und wickelte sich in den langen, feuerroten Seidenmantel. Als er seinen Stellvertreter verließ, fiel es ihm aber doch aufs Herz, der junge Herr könnte vielleicht aus Uebermuth die nachtwächterliche Würde ent⸗ weihen. Er drehte sich noch einmal um und sagte:„Ich hoffe, Sie werden meine Gut⸗ mötigkeit nicht mißbrauchen und Unfug treiben. Das könnte mir Verdruß zuziehen und mich um den Dienst bringen.“ „Was denkst Du denn, närrischer Kerl?“ rief der Stellvertreter.„Meinst Du, ich wisse nicht, was meines Amtes sei? Dafür iaß mich sorgen. Ich bin ein Ehristenmensch, so gut als Du. Packe Dich, oder ich werfe Dir den Spieß zwischen die Beine! Um zwölf Uhr bist Du unfehlbar bei der Gregorienkirche und giebst mir meine Kleidung wieder. Adieu! Das macht mie Teufelsspaß.“ f Trotzig ging der neue Nachtwächter seines Weges. Philipp eilte, ein nahegelegenes Bier⸗ haus zu erreichen. III Indem er um die Ecke des königlichen Pa⸗ lastes bog, fühlte er sich von einer maskierten Person berührt, die soeben vor diesem Palaste aue einem Wagen stieg. Philipp blieb stehen und fragte nach Maskenart, nämlich mit ge⸗ dämpfter, leiser Stimme:„Was steht zu Befehl?“ „Gnädiger Herr, Sie sind in Gedanken hier vor dem Portal vorübergegangen!“ erwiderte nic Maske.„Wollen Ihre Königliche Hoheit nicht— „Was? Königliche Hoheit?“ sagte Philipp lachend,„ich bin keine Hohheit. Wie kommen Sie zu dem Einfall?“ Die Maske verbeugte sich ehrfurchtsvoll und schielte nach der strahlenden Diamantenschleife auf Philipps Federhut.„Ich bitte um Gnade, wenn ich Maskenrecht verletze. Aber in welches Gewand Sie sich hüllen mögen, Ihre edle Ge⸗ stalt wird Sie immer verraten. Belieben Sie gefälligst vorzutreten. Werden Sie tanzen, wenn ich fragen darf?“ „Ich? Tanzen?— Nein! Sie sehen ja, ich habe Stiefel an!“ antwortete Philipp. „Also spielen?“ fragte die Maske weiter. „Noch weniger; ich habe kein Geld bei mir!“ erwiderte der Nachtwächtergehilfe. „Mein Gott, verfügen Sie doch über meine Börse, über alles, was ich bin und habe!“ rief die Maske und bot dem bestürzten Philipp einen vollen Geldbeutel an. „Aber wissen Sie denn, wer ich bin?“ fragte A und schob die Hand mit dem Geldbeutel zurück. Die Maske flüsterte mit einer graziösen Ver⸗ beugung:„Königliche Hoheit, Prinz Julian!“ In diesem Augenblicke hörte Philipp seinen Stellvertreter in einer benachbarten Gasse ver⸗ nehmlich und laut die Stunde rufen. Jetzt erst merkte er die Verwandlungen. Prinz Julian, in der Residenz als ein junger, wilder, liebens⸗ würdiger und geistvoller Mann bekannt, hatte den Einfall gehabt, die Rollen mit ihm zu ver⸗ tauschen.„Nun“, dachte Philipp,„spielt er den Nachtwächter gut, so will ich ihm auch in meiner Prinzenmaske keine Schande machen, und zeigen, daß ich wohl eine halbe Stunde lang Prinz sein kann. Es ist seine Schuld, wenn ich viel⸗ leicht einen Bock schieße.“— Er wickelte sich fester in den feuerroten Mantel, nahm die Geld börse an, steckte sie eiu und sagte:„Maske, wer sind Sie? Ich gebe Ihnen morgen Ihr Geld zurück.“ „Ich bin der Kammerherr Pilzow!“ „Gut, gehen Sie voran! ich folge Ihnen“. Der Kammerherr gehorchte, flog die breiten Marmorstufen hinan, Philipp ihm behende nach. Sie traten in einen unermeßlichen Saal, von tausend Kerzen erleuchtet, deren Strahlen sich an den Wänden in einer Menge Spiegel, an der Decke in den schweren Krystallleuchtern brachen. Ein buntes Gewühl von Masken wogte durcheinander, Soltane, Tirolermädchen, Papagenos, geharmischte Ritter, Nonnen, Ga⸗ lar teriehändler, Liebesgötter, Mönche, Frauen, Juden, Perser und Meder. Philipp war eine Weile ganz verblüfft und geblendet. Solch ein Schauspiel hatte er sein Lebtag nicht gehabt. In der Mitte des Saales wogten hundert Tänzer und Tänzerinnen in den harmonischen Wellen der Musik. Philipp, dem die milde Wärme wohlthat, die ihn hier anhauchte, war von Verwunderung so gelähmt, daß er kaum mit einem Kopfnicken dankte, wenn unter den Vorbeischwärmenden ihn einige Masken bald neckend, bald ehrerbictig, bald zutraulich grüßten. „Befehlen Sie zum Frühstück?“ flüsterte ihm der Kammerherr zu, der nun, beim Licht be⸗ sehen, als Bramine dastand. „Lassen Sie mich nur erst auftauen!“ ent⸗ gegnete Philipp.„Mich friert verzweifelt“. „Aber ein Glas warmen Punsch?“ sagte der Bramine, und sührte ihn in ein Seiten⸗ kabinet. Der Pseudo⸗Prinz ließ sich nicht bitten. Ein Glas nach dem anderen ward geleert. Der Punsch war gut, und bald ergoß sich sein Feuer durch alle Adern Philipps. „Wie steht's Bramine? Sie tanzen heute nich!“, fragte er den Kammerherrn, als sie in den Saal zurücktraten. Der Bramine seufzte und zuckte die Achseln. „Für mich ist Spiel und Tanz vorbei, das Lachen ist vorüber. Die einzige, die ich zum Tanz fordern möchte... die Gräfin Vonau .. ich glaubte, sie liebe mich... denken Sie sich meine Verzweiflung... unsere Häuser waren einig... plötzlich bricht sie gänzlich mit mir ab.“ „Ei, das ist das erste was ich höre!“ rief Philipp.. „Mein Gott, Sie wissen's nicht? Die ganze Residenz spricht davon“, seufzte der Kammer⸗ herr.„Schon seit vierzehn Tagen haben wir gebrochen. Sie erlaubt mir nicht einmal mich zu rechtfertigen. Drei Briefe schickte sie mir unerbrochen zurück. Sie ist eine geschworene Feindin der Baronesse Reizenthal. Ich hatte ihr gelobt, jeden Umgang mit dieser zu meiden. Denken Sie mein Unglück: Als die Königin Mutter nach Freudenwald zur Jagdpartie fährt, machte sie mich zum Kavalier der Baro⸗ nesse— was sollte ich thun? Konnte ich wider⸗ sprechen? Gerade am Namenstage der gött⸗ lichen Bonau mußte ich unerwartet fort... fie erfuhr alles... sie verkannte mein Herz 1 „Wohlan, Bramine, benutzen Sie den Augen⸗ bick! Die allgemeine Freude versöhnt alles. Ist die Gräfin nicht hier?“ „Sehen Sie sie nicht dort drüben, links. die Karmeliterin neben den drei schwarzen Masken? Sie hat die Larve abgelegt. O mein Prinz, Ihr gnädiges Fürwort bet ihr Philipp, den der Punsch begeistert hatte, dachte: da ist ein gutes Werk zu thun, und machte sich ohne Umstände zur Karmeliterin; Die Gräfin Bonau betrachtete ihn eine Weile ernst und errötend, als er sich ihr zur Seite niedersetzte. Sie war ein schönes Mädchen, doch bemerkte Philipp bald, sein Röschen sei noch zehntausendmal schöner. „Meine Gräfin...“ stammelte er und geriet in Verlegenheit, als sie ihren hellen, schwärmerischen Blick auf ihn lenkte. „Prinz“, sagte die Gräfin,„Sie waren vor einer Stunde beinahe zu mutwillig!“ „Schöne Gräfin, ich bin dafür jetzt desto ernsthafter!“ „Desto besser; so brauche ich Sie nicht zu fliehen, Prinz!“ „Schöne Gräfin, eine Frage nur erlauben Sie mir: thun Sie auch in diesem Nonnen⸗ kleide aufrichtige Buße für ihre Sünden?“ „Ich habe nichts zu büßen.“ „Aber doch Gräfin, ihre Grausamkeiten Ihr Unrecht gegen den lieben Braminen, der dort drüben von Gott und aller Welt verlassen teht.“ 5 Die schöne Karmeliterin schlug die Augen nieder und ward ein wenig unxuhig. „Wissen Sie auch, schöne Gräfin, daß der Kammerherr an der Freudenwalder Geschichte so unschuldig ist, wie ich? b „Wie Sie, Prinz?“ sagte die Gräfin, und runzelte die Stirn.„Was sagten Sie mir erst vor einer Stunde?“ „Sie haben recht, liebe Gräfin, ich war zu mutwillig! Sie selbst sagen es ja. Nun schwör' ich, der Kammerherr mußte auf Befehl der Königin Mutter nach Freudenwald, mußte gegen seinen Willen dahin, mußte beständig der Ka⸗ valier der ihm verhaßten Reizenthal sein „Der ihm verhaßten?“ sagte spöttisch und bitter lächelnd die Gräfin. f „Ja, er haßt, er verachtet die Baronin. Glauben Sie mir, er hat gegen die Baronesse fast alle Grenzen des Anstandes verletzt, er hat sich durch sein Betragen vielen Verdruß zuge⸗ zogen. Ich weiß es. Und das alles that er für Sie. Nur Sie liebt er, nur Sie betet er an. Und Sie— Sie könnten ihn verstoßen?“ „Wie kommt es, Prinz, daß Sie sich für Pilzow so lebhaft interessieren? Sonst war's doch nicht so?“ „Es geschieht, Gräfin, weil ich ihn vorher nicht kannte, noch weniger seine traurige Lage, in die sie ihn stürzten. Ich schwöre Ihnen, er ist unschuldig. Sie haben ihm nichts zu ver⸗ zeihen, aber wohl er Ihnen.“ a „Still!“ lispelte die Karmeliterin mit er⸗ heiterten Mienen.„Man achtet auf uns. Kommen Sie hinweg von hier!“— Sie band ihre Larve vor, stand auf und gab dem ver⸗ meinten Prinzen den Arm. Beide gingen den Saal entlang, dann in ein leeres Seitenkabinett. Hier führte die Gräfin bittere Klage gegen den Kammerherrn; aber es waren nur Klagen eifer⸗ A 10 gedämp st das selles Mehr! glück reiben eich bi es mir keinen alles das B Hände haben, Ph war schkleb kent! kennt Ihnen 1 wahr kümme unbek 1 Sie Sie! bon. gebe soll 9 0 150 hüten 2 und oh der“ bor War er h. verlo schwe ding, ella 90 dec terin; Weile Seite chen, u sei und hellen, n bor desto cht zu auben unen⸗ , der classen Augen Nr. 2. Mitteldeutsche Sonntaags⸗Zeitung. Seite 7. füchtiger Liebe. Sie trocknete eine Thräne ab. Da trat schüchtern der zärtliche Bramine herein. Es entstand tiefe Stille. Philipp wußte hier nichts besseres zu thun, als er führte den Kammerherrn zur Kameliterin, legte beider Hände ineinander, ohne ein Wort zu sagen, und überließ sie ihrem Schicksal. Er selbst ging in den Saal zurück. 85 Hier stieß ihn ein Mameluck an, und sagte hastig:„Gut, Domino, daß ich Sie finde! Ist das Rosenmädchen hier im Kabinett?“— Der Mameluck trat hinein, und kam den Augenblick wieder zurück.„Auf ein Wort allein, Domino!“ und führte Philipp in einen entlegenen Teil des Saals ans Fenster.. „Was steht zu Befehl?“ fragte Philipp. „Ich beschwöre Sie“, sagte der Mameluck mit gedämpfter, aber fürchterlicher Stimme,„wo ist das Rosenmädchen?!“. „Was geht mich das Rosenmädchen an 2“ „Aber mich desto mehr;“ entgegnete der Mameluck, dessen gepreßte Stimme, dessen un⸗ ruhige Bewegungen eine schreckliche Gärung seines ganzen Junern verrieten.„Mich desto mehr! Es ist mein Weib. Sie wollen mich unglücklich machen. Prinz, ich beschwöre Sie, treiben Sie mich nicht zum Wahnsinn! Lassen Sie von meinem Weibe!“ „Von Herzen gern!“ 0 trocken. 1a habe ich mit Ihrer u schaffen?“ f 600 Prinz! Prinz!“ rief der Mameluck; „ich bin zum Aeußersten entschlossen, und sollte es mir das Leben kosten. Verstellen Sie sich keinen Augenblick länger vor mir! Ich habe alles endeckt. Hier, da— sehen Sie— hier das Billet, das Ihnen das falsche Weib in die Hände drückte, und Sie, ohne es gelesen zu haben, im Gedränge verloren.“ a 2171 Philipp nahm den Zettel. Mit Bleistift war von einer weiblichen Hand darauf ge⸗ schrieben:„Wechseln Sie die Maske! Alles kennt Sie. Mein Mann beobachtet Sie. Mich kennt er nicht. Wenn Sie artig sind lohn ich's Ihnen.“ 37 f „Hm!“ brummte Philipp.„Das ist, so wahr ich lebe, nicht au mich gerichtet! Ich be⸗ kümmere mich wenig um ihre Gemahlin!“ „Himmel und Hölle, Prinz, machen Sie mich nicht rasend! Wissen Sie, wen Sie vor sich haben? Ich bin der Marschall Blauken⸗ schwerd. Daß Sie meinem Weibe nachstellen, ist mir seit der letzten Redoute am Hofe nicht unbekannt.“. „Herr Marschall“, versetzte Philipp, nehmen Sie mir's nicht übel, die Eifersucht blendet Sie! Wenn Sie mich recht kennten, Sie würden von mir so tolles Zeug gar nicht denken. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, Ihre Gemahlin soll Ruhe vor mir haben 10 „Ist das Ihr Ernst, Prinz?“ „Vollkommen!“ „Geben Sie mir den Beweis!“ „Wie verlangen Sie ihn?“ f 5 „Sie haben sie bisher abgehalten, ich weiß es, zu ihren Verwandten nach Polen mit mir zu reisen. Bereden Sie sie jetzt dazu.“ „Von Herzen gern, wenn Ihnen daran ge— legen ist!“ R „Alles, Königliche Hoheit, alles! Sie ver⸗ hüten entsetzliches, unvermeidliches Unglück.“ Der Mameluck plauderte noch ein langes und breites, bald weinerlich, bald flehend, bald drohend, daß dem guten Philipp bange ward, der Mensch könne in seiner Tollheit mit ihm vor aller Welt Händel beginnen. Und das war ihm eben nicht gelegen. Er war froh als er von ihm loskam. Kaum hatte er sich in der Masse der übrigen verloren, kuiff ihn eine weibliche Maske, die schwarz beflort, in tiefen Trauerkteidern, einher⸗ ging, freundlich in den Arm und flüsterte: „Schmetterling, wohin?— Flößt Ihnen die berlassene Witwe kein Mitleid ein?“ Philipp erwiderte gar höflich:„Schöne Witwen finden der Tröster nur zu viel; darf Ich mich zur Zahl Ihrer Tröster zählen?“ „Warum sind Sie so ungehorsam, und wechselten die Maske nicht?“ sagte die Witwe, antwortete Philipp Gemahlin indem Sie mit ihm seitwärts ging, wo sie sich freier mit ihm unterreden konnte.„Glauben Sie denn, Prinz, daß Sie hier nicht von jedem erkannt werden?“ „Die Leute“, versetzte Philipp,„sind doch ungewiß und irren sich in mir.“ „Wahrhaftig nicht, Prinz; und kleiden Sie sich nicht auf der Stelle anders, so verlasse ich Sie für den ganzen Abend. Denn ich möchte 99957 Mann keinen Anlaß zu einem Auftritte gehen. Jetzt wußte Philipp, mit wem er es zu thun hatte.„Sie waren das schöne Rosen⸗ mädchen! Sind die Rosen so schnell verblüht?“ „Was ist nicht vergänglich? Besonders Männertreue! Ich sah wohl, wie Sie mit der Karmeliterin davonschlichen. Bekennen Sie nur Ihre Flatterhastigkeit. Sie können nicht mehr leugnen.“ „Hm!“ versetzte Philipp trocken.„Klagen Sie mich nicht an, sonst klag' ich Sie auch an.“ „Zum Beispiel, schöner Schmetterling?“ „Es gibt, zum Beispiel, doch keinen treuern Mann, als den Marschall.“ „Das ist er wohl! Und ich habe unrecht, wahcelich großes Unrecht, Sie zu viel angehört zu haben. Ich mache mir Vorwürfe genug. Er hat leider unser Verhältnis ausgespürt.“ „Seit der letzten Redoute am Hofe, schöne Witwe!“ „Wo Sie so ausgelassen und unvorsichtig waren, schöner Schmetterling!“ „Machen wir's wieder gut; Trennen wir uns! Ich schätze den Marschall. Ich mag ihn um meinetwillen nicht leiden sehen.“ (Fortsetzung folgt.) Das Scharlachsteber. Eine Skizze aus der Kinderstube. Von Karl Ewald. Dienstag morgen erkrankte Karl am Schar⸗ lach und am Mittwoch kam Elsa an die Reihe. Sie lagen im Kinderzimmer und niemand durfte es betreten,— am allerwenigstens Hans. Der Doktor kam jeden Tag, die Vorhänge waren heruntergelassen, es war alles höchst feierlich. Am Abend nahm die Mama Hans zu sich und erklärte ihm, wie die Sache stand. Es würden viele Tage vergehen, ehe Karl und Elsa wieder herauskommen könnten und man müsse sehr vorsichtig sein, denn das Scharlach⸗ fieber sei eine schrecklich ansteckende Krankheit. Sie sei so assteckend, daß niemand von Karl und Elsas Teller oder mit ihren Löffeln essen, niemand sich mit ihren Schwämmen wäschen oder sich mit ihren Handtüchern abtrocknen dürfe. Hans war äußerst ergriffen. Er starrte die verschlossene Thür an und hätte sich ihr um nichts anf der Welt genähert. Er horchte, aber es kam kein Laut von dort. Die Zeit verging und die beiden Patienten begannen zu genesen. Hans konnte hören, wie sie da drinnen lachten und spielten. Man kaufte ihnen Tusch⸗ kästen, Bilder und Zinnsoldaten. Sie bekamen Beefsteaks mit Spiegeleiern, Bier und Wein. Eines Tags guckte Hans durchs Schlüsselloch ins Zimmer und sah, daß die beiden am Tische feht und malten und daß es ihnen an nichts ehlte. „Sie sind gesund?“ fragte er. „Es geht ihnen besser“, sagte die Mutter, „aber sie schälen sich und da ist die Ansteckung am größten. Darum müssen wir auf dich gut aufpassen...“ Hans lag in seinem Bett und dachte dar über nach. Als er schlief, träumte er vom Beefsteak mit Spiegeleiern, den Tuschkästen und Zinnsoldaten. Aber gleich dar auf erwachte er wieder und dachte nach. Mitten in der Nacht, als alle schliefen, stieg er aus dem Bett und schlich sich barfuß an die Thür. Er öffnete sie und blickte hinein. Da lagen Karl und Elsa und schliefen ihren süßesten Schlaf. Auf dem Tisch standen die Tusch⸗ kästen und Zinnsoldaten. Er ging zum Waschtisch, nahm ihren Schwamm und wusch sich tüchtig, trocknete sich mit ihrem Handtuch ab, schlich sich in sein Bett zurück und schlief guten Muts, voller Hoffnung und mit schönen Träumen ein. Sprüche zur Lebensweisheit. Lesefrüchte aus den Werken Friedrich des Zweiten(des alten Fritz). Kein Gefühl ist unzertrennlicher von dem Wesen des Menschen als das Gefühl der Frei⸗ heit. Der gebildetste wie der roheste, alle sind auf gleiche Weise davon durchdrungen. Wie wir ohne Fesseln geboren sind, also verlangen wir auch ohne Zwang zu leben. Dieses Frei⸗ heitsgefühl hat die größten Männer hervorge⸗ bracht und die Republiken gegründet, deren Verfassung auf der Anerkennung der Gleichheit der Menschen beruht und sie dem Naturzustand näherbringt. 1 Alle Staaten haben einen gewissen Kreislauf von Ereignissen durchmachen müssen, bevor sie zu ihrer höchsten Höhe gelangten. Die Mo⸗ narchien sind mit langsameren Schritten dahin gekommen als die Republiken und haben sich auch weniger darauf zu erhalten gewußt; und wenn sich auch mit Recht behaupten läßt, daß die vollkommenste Regierungsform immer die gut verwaltete monarchische ist, so ist es doch nicht weniger gewiß, daß die Republiken den Zweck ihrer Einrichtung am schnellsten er⸗ füllt und sich am besten erhalten haben, weil gute Könige ste ben, Gesetze aber unsterb⸗ lich sind. * Ein Fürst soll nichts weniger sein als ein unumschränkter Gebieter des unter seiner Re⸗ gierung stehenden Volkes. Er ist vielmehr nur der erste Diener des Staates. Gemeinnütziges. Fleckwasser für Fettflecke, Choko⸗ ladenflecke, Harz und Wachsflecke. 1. 3 Teile Aether, 3 Teile Alkohol und 1 Teil Salmiakgeist werden in einer Flasche um⸗ geschüttelt. 2. 48 Gr. gereinigtes Benzin, 210 Gr. starken Spiritus schüttle man in einer gut verkorkten Flasche gut um. Nach 8 Tagen füge man noch 80 Gr. Salmiakgeist hinzu und schüttle alles zusammen un. Man befeuchtet ein Läppchen mit dieser Flüssigkeit und reibe damit den Fleck, bis die Unreinlichkeit beseitigt ist, dann reibe man mit einem Stoffläppchen so lange, bis der Fleck ganz verschwunden ist. — Fleckwasser für Wäsche:, Klg. Chlorkalk rühre man mit ½ Ltr. Wasser zu Brei und füge noch/ Ltr. Wasser hinzu. In ½ Ltr. kochendem Wasser löse man/ Klg. Glauber⸗ salz auf und lasse es erkalten und gieße alles nach einer Stunde zusammen. Am anderen Tage seiht man es durch Leinwand und füllt die Lösung in Flaschen zum Aufbewahren. Humoristisches. Furchtbar. Eines Tages übergab Frau Schulze ihrem Mann einen Brief, mit der Bitte, ihn erst zu öffnen, wen er auf dem Bureau wäre.— Ein wenig überrascht nahm er den Brief und begab sich eilig auf sein Comptoir; denn die Sache war ihm etwas unbehaglich. Der Brief lautete so:„Ich bin genötigt, Dir etwas zu sagen, was Dir großen Schmerz bereiten wird. Es ist nicht meine Schuld; aber Du mußt alles wisseu, was auch kommen mag. Die ganze letzte Woche habe ich gewußt, daß dieser schwere Augenblick kommen mußte. Jetzt können meine Lippen es nicht länger verschließen. Ich kann nicht mehr schweigen, und ich flehe Dich an, mir keinen allzu großen Vorwurf daraus zu machen, sondern Du mußt mir helfen, das Unglück mit mir ge⸗ meinsam zu tragen.“ Der kalte Schweiß trat Herrn Schulze auf die Stirn. Er war auf das Furchtbarste gefaßt. Dann las er weiter: Die Kohlen sind nämlich alle. Sei so gut und be⸗ stelle sofort nach. Ich habe Dich wohl zehnmal daran erinnert, aber Du hast es stets vergessen. Darum schreibe ich Dir.“ Diesmal vergaß Herr Schulze nicht. (Simplic.) —— Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 2. Ortskranken Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme, daß das Statut durch Beschluß der General⸗Versammlung vom 7. Oktober l. J. in folgenden Punkten einer Abänderung unterzogen worden ist: a)§ 8, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: Die Anmeldung muß enthalten den Vornamen und Zunamen, Tag und Ort der Geburt, sowie die Beschäftigung und derzeitigen Wohnort des Ange⸗ meldeten, den täglichen Arbeitsverdienst, welchen er zurzeit bezieht und die Angabe, ob und welche Fami— lienangehörigen vorhanden sind. b) Bei§ 11 fällt der ganze Absatz 2 weg und kommt an dessen Stelle: Die An⸗ und Abmeldungen sind mittelst der jeweilig vorgeschriebenen Formulare zu bewirken. a c) Bei§ 13, Absatz 2, soll es in Zukunft statt Kassen⸗ vorstand„Kassenverwaltung“ und statt Quittungs⸗ karte„Legitimationskarte“ heißen. d)§ 14, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: Im Falle der Erwerbsunfähigkeit, vom 2. Tage nach dem Tage der Erkrankung ab, für jeden Arbeits⸗ tag unter Ausschluß der Sonn⸗ und gesetzlichen Feier⸗ tage ein Krankengeld in Höhe von 55 des in§ 13 festgesetzten durchschnittlichen Tagelohnes, jedoch vor⸗ behaltlich der Bestimmungen des§ 137 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 für die in§ 1, Ziffer 2, dieses Statuts bezeichneten Personen. Das Krankengeld soll jedoch bei mindestens vierzehntägiger Krankheits⸗ dauer vom Tage der Erkrankung an und für jeden gesetzlichen Feiertag, welcher nicht auf einen Sonntag fällt, vergütet werden; auch die Krankenunterstützung auf 26 Wochen ausgedeht werden, und zwar für die letzten 13 Wochen täglich die Hälfte des seither be⸗ zogenen Krankengeldes. Es erhalten demnach arbeitstäglich die Mitglieder der 55 Klasse Mk. 1.90 0 s 70 77 1.50 7 III. 57 77 1.20 7 IV. 77 0 1 „ V. 7 57 0.65 „ 80 e)§ 18 wird ganz gestrichen. f)§S 32 lautet nunmehr wie folgt: Die Beiträge sind an jedem Montage für die be⸗ ginnende Woche fällig und werden vom Kassenboten kiasse Gießen. Bestimmungen des Vorstandes erhoben. g)§ 37 erhält folgende Fassung: währenden Unterstützung enthält. Mitglied auszuhändigen hat. karte einzutragen. maßen: Vorbehaltlich der Bestimmung des dem Geschäftsführer, dem Rechner un amten zu gewährende Vergütung. „der von dem Rechner zu stellenden Kaution“. Beamten“; und statt die ihm für seine Mühewal⸗ dem Rechner zu stellenden Kaution“. Kassenführer„Geschäftsführer“. führer weg und kommt an deren Stelle:„Rechner“. Organ. o) Bei§ 68 fällt das Wort Quittungsbuch weg und kommt an dessen Stelle:„Legitimationskarte“. p) Gemäß 8 57, Absatz 8, wird in Zukunft eine Mehr⸗ gebühr von 10 Pfg. erhoben. 1. Januar 1900 in Kraft. auf grund einer von der Kassenverwaltung aufge⸗ stellten Rechnung alle vier Wochen und nach näheren Für jedes Kassenmitglied wird eine Mitgliedskarte ausgefertigt, welche eine Angabe über die Höhe der Beiträge(§ 31) und der eintretendenfalls zu 6e Titltts kasten 9 0 5 sanzlkaren Dieselbe wird bei der ersten Beitragszahlung dem Arbeitgeber eingehändigt, welcher solche sofort nach dem Eintrag des Beginnes der Beschäftigung an das Bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses ist der Zeitpunkt des letzteren ebenfalls in die Mitglieds⸗ h) Bei 8 42 lauten die zwei ersten Zeilen folgender⸗ 58 über die soustigen Be⸗ i) In 8 47 heißt es nunmehr statt Rechnungsführer: „Geschäftsführer, Rechner und sonstigen Beamten“, und statt der von demselben zu stellenden Kaution: k) In 8 58 heißt es nunmehr statt Rechnungs⸗ und Kassenführer:„Geschäftsführer, Rechner und sonstigen tung:„die denselben für ihre Mühewaltung“; und statt der von ihm zu stellenden Kaution:„der von 6 68 17 0 U U m) Bei§ 62 fallen die Worte Rechnungs- und Kassen⸗ n) Dem 8 67 wird noch hinzugefügt: und ev. in einem anderen jeweilig vom Vorstande zu bestimmenden Die Aenderungen des§ 14 treten mit Wirkung vom Journal“ Marburg, Wehrderweg empfiehlt Flaschenbier hell und dunkel frei ins Haus. liefert die Beru. Sluimes 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe 77 7 3.— Pl. Ottmaunsche Buchdruckerei Kl. Wohnung für 2—3 Personen. ziehen den 1. Februar. Stein straße 63. Loose empfichli W. Schimmel, Heuchelheim. Zu be⸗ zur hessischen Landes⸗Lotterie Bürgerliches ) In 8 61 heißt es nunmehr statt Rechnungs- undsmit volkstümlichen Erläuter. eleg. gebunden uur Mk. 2.30, ohne Kommentar 80 Pfg. Buchhandlg. Sebneider, Sonnenstr. 25. verkaufen. 2 lose-Cognaf , ½, ½ Flaschen der Firma. PrsteTaunuscognac- Brenner. Fritz Scheller Söhne, Homburg. Anerbanntsfeinsteq Marke. Nr. 5 per Flasche M. 88 Ausstattung. Jedes Bändchen bildet ein abgeschlossenes Ganzes und ist geheftet. Auswahl des Besten aus allen Litteraturen in trefflicher Bearbeitung und gediegener 7 1 7* 7 3 77 7 2.40 7 4 7„„ 3.— , 5 77 7 1.80 „ 6 per Literfl.„ 2.— „ 7 77„ 1.80 Alleinige Niederlage: Heuchelh. Consum-Halle Der Vorstand der Ortskrankenkasse Gießen. H. Posern Marburg Wiedeneftäufer IIe eeete 18 Fi Bezugsquelle für Südfrüchte: Ach wann. 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