Gießen, Sonntag, den 5. August 1900. 7. Jahrg. uf Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 28 Mitteldeutsche lgs⸗ eitu Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unseref nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) Bestellungen Juserate finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung 33/0 und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Bei mindestens Die Hunnen als Vorbilder für deutsche Soldaten. Wilhelm II. hat am vorigen Freitag in Bremerhaven vor dem Auszug der zweiten nach China bestimmten Truppensendung wieder eine Rede gehalten, die in ihrem wahren Wortlaut erst einige Tage später bekannt wurde, weil sich die offiziösen Telegraphenbureaus offenbar scheuten, sie in ihrem wirklichen Text zu veröffentlichen. Allerdings ist die Rede geeignet, allgemeines Staunen in der ganzen Welt zu erregen. Nach dem Berichte der„Nordwestdeutschen Zeitung“, der jedenfalls von einem Ohrenzeugen stammt, sagte der Kaiser: „Die Aufgabe, zu der ich Euch hinaussende, ist eine große. Ihr sollt schweres Unrecht sühnen! Denn ein Fall in der Art, wie es die Chenesen gethan haben, die es gewagt, tausendjährige alte Völkerrechte umzuwerfen und der Heiligkeit des Gesandten, der Heilig— keit des Gastrechts in so abscheulicher Weise Hohn zu sprechen, ist ein Vorfall, wie er in der Weltgeschichte noch nicht vorgekommen ist, und dies hat sich noch dazu ein Volk geleistet, welches stolz ist auf seine vieltausendjährige Kultur! Aber Ihr könnt daraus ersehen, wohin eine Kultur kommt, die nicht auf dem Boden des Christentums aufgebaut ist; jede heidnische Kultur, mag sie noch so schön und herrlich sein, wird bei der ersten Kraftprobe erliegen. .... Kommt Ihr vor den Feind, so wird der selb geschlagen! Pardon wird nicht geg ben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer Euch in die Hände fällt, sei Euch verfallen! Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Ueberlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch Euch in einer Weise bethätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel auzusehen! Ihr werdet mit einer Uebermacht zu fechten haben; doch dies sind wir gewohnt, unsere Kriegsgeschichte beweist es! Ihr habt es ge⸗ lernt aus der Geschichte des Großen Kur— fürsten und aus Eurer Regimentsgeschichte. Hestet neuen Ruhm an Eure Fahnen; der Segen des Herrn sei mit Euch! Die Gebete der Euren, eines ganzen Volkes be⸗ gleiten Euch auf allen Euren Wegen! Meine besten Wünsche für Euch, für das Glück Eurer Waffen! Eure Leistungen werden Euch folgen, wohin es auch se! Und Go'tes Segen möge an Eure Fahnen sich heften und dieser Krieg den Segen bringen, daß das Christeutum in jenem Lande seinen Einzug hält, damit solch traurige Fälle nicht mehr vorkommen! Dafür steht Ihr mir mit Eurem Fahnen eid! Und nun glückliche Reise! Adieu, Kameraden!“ Natürlich beschäftigt diese Rede lebhaft die gesamte Presse und merkwürdiger Weise liefern und ohne Pardon empfehlen. die Organe der Ordnungspresse vom Schlage der„Post“,„Kreuzzeitung“ und die„parteilosen“ Byzantiner die schärfsten Kritiken. Von der Seite wird an dem Kaiserwort fälschend herum gedeutelt und gesagt, der Kaiser habe nur darauf hinweisen wollen, daß die— Chinesen keinen Pardon gäben! So meint die„Kreuzztg.“: „Schon die allgemeine Erfahrung daß eine Armee, die selbst Grausamkeiten ausübt, an der Manneszucht schweren Schaden leidet, und die Wahrheit, daß es eines Christen nicht würdig ist, ähnliche Schandthaten wie die Chinesen zu begehen, macht die Auslegung(nämlich, daß der Kaiser. wie es thatsächlich geschehen, die Soldaten aufgefordert habe, keinen Pardon zu geben) zur Unmög⸗ lichkeit.“ Und der fromme„Reichsbote“ meint: „Ausgeschlossen erscheint uns eine Auslegung, die hierin eine Aufforderung zu einem schonungslosen Rache⸗ und Vernichtungskriege gegen die Chinesen erblickt, gleich als wolle der Kaiser gegen diese infolge ihrer eigenen Rechtsbrüche nun eine Kriegführung ohne Humanität Das kann der Kaiser den Soldaten, denen er eben Manneszucht und Christentum ans Herz gelegt hat, nicht gesagt haben, die Schonung von wehrlosen Feinden, die sich selbst gefangen geben, ist sogar ein Artikel der Genfer Konvention, der sich am wenigsten die deutsche Kriegführung wird entziehen wollen.“ 5 Die ebenso fromme christlich⸗katholische„Ger⸗ mania“ hingegen sagt: „Diese kräftigen, entschiedenen Worte un⸗ seres Kaisers werden im ganzen deutschen Volke lebhaften Wiederhall finden.“ Der„Vorwärts“ meint: „Man darf nicht erschrecken über die Konsc quenz die ser christlich⸗militärischen Weltanschauung, wenigstens nicht mehr erschrecken. Die Mahnung, nicht Pardon zu geben, hat ja der Kaiser schon einmal an seine Sol⸗ daten gerichtet— in noch scharferer Form. Damals waren es nicht Chinesen, denen der Kaiser die Vernich⸗ tung androhte, sondern deutsche Volksgenossen, wir So⸗ zialdemokraten. Den Rekruten schärfte er damals ein, daß sie— wenn er es befehle— auch auf Vater und Mutter schießen müßten. Dagegen klingt die jetzige Aufforderung mild— sie ist nicht die erste und nicht die äußerste Konsequenz dieser straffen christ⸗ lich-militärischen Weltanschauung Wilhelms II.“ Im direkten Gegensatz zu der neuen Rede steht aber, was der Kaiser vei der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem sagte: „Die welterlösende Kraft des Evangeliums treibt uns an, ihm nachzufolgen, sie mahnt uns in glaubensvollem Aufblick zu dem, der für uns am Kreuze gestorben, zu christlicher Duldung, zur Bethätig ung selbst⸗ loser Nächstenliebe an allen Menschen Was die germanischen Völker geworden sind, das sind sie geworden unter dem Panier des Kreuzes auf Gol⸗ gatha, des Wehrzeichens der selbstaufopfernden Nächstenliebe. Wie ror sast zwei Jahrtausenden, so soll auch heute von hier der Ruf in alle Welt erschallen, der unser sehnsuchtsvolles Hossen in sich birgt: Friede ui de Jeder sorge in seinem Stande und Berufe, daß Alle, die den Namen des gekreuzigten Herrn tragen, in dem Zeichen dieses hochgelobten Namens ihren Wandel führen, zum Siege über alle aus der Sünde und der Selbstsucht stammenden finsteren Mächte.“ N 2. Aus mancherlei Gründen unterlassen wir es, weitere Kritiken an die Bremerhavener Rede zu knüpfen, unsere Genossen werden sich ihre e genen Gedanken machen. Wir raten aber ebenfalls unseren Freunden, in den jetzigen Zeiten bei Besprechung dieser Dinge die größte Vorsicht obwalten zu lassen. * * Ueber die Hunnen findet man in Schlossers Weltgeschichte fol⸗ gende Beschreibung: f d Die Hunnen waren ein wildes asiatisches Reitervolk. Ihre Raubzüge waren furchtbarer als die irgend eines anderen Volkes jener Zeit; sie zerstörten aus bloßer Freude am Zerstören, schieppten die Menschen mit sich in die Sklaverei fort und ließen sie Hunger und Miß⸗ handlungen aller Art erleiden. Dop elt furchtbar wurden diese verheerenden Züge dadurch, daß die Hunnen den Affen, denen sie an Gestalt ähnlich waren, auch an Schamlosigkeit glichen, weshalb das weibliche Ge— schlecht, welchen von den meisten germanischen Stämmen selbst auf ihren Raubzügen mit Achtung behandelt wurde, ganz besonders ihren Mißhandlungen ausgesetzt war.... Alle Hunnen woren beritten, lebten unter Zelten oder Hütten, zeichneten sich durch Raubgier, Wildheit und rohe Sinnlichkeit aus. Uebrigens versäumt Schlosser nicht, hinzu⸗ zufügen, daß sich der Hunnenkönig Attila(oder Etzel, wie er gewöhnlich genannt wird) auch sehr für die Kunst und die Künstler interessierte. Ermordung des RNönigs von Italien. War die Aufregung in der Oeffentlichkeit in⸗ folge der Vorgänge in China und der Rede des Kaisers ohnehin eine nicht geringe, so stieg die⸗ selbe auf den Höhepunkt, als in den Morgen⸗ stunden des 30. Juli folgende Meldung von Monza bei Mailand aus verbreitet wurde: „König Umberto wurde nach der Preis⸗ verteilung bei einem Wettrennen, als er um 10 Uhr 30 Minuten den Wagen bestieg, von drei Schüssen getroffen, von denen einer durch das Herz ging. Der König starb um 11 Uhr 30 Minuten. Der Mörder heißt Gaetano Bresei und stammt aus Prato in Toskana. Ec wurde alsbald verhaftet und nur mit Mihe der Volkswut entrissen. Der Mörder gestand zynisch sein Verbrechen ein.“ König Umberto war am 14. März 1844 in Turin geboren. Den Thron hatte er am 9. Januar 1878 bestiegen. Er war bereits zweimal das Ziel von Attentaten gewesen. Am 17. November 1878 versuchte ein gewisser Passanante in Neapel einen mißglückten Mordanschlag auf das Leben des Königs. Am 23. April 1897 stieß der durch Hunger irrsinnig gewordene Schmiedgeselle Acciarito mit einem Dolche nach dem König, als er zum Derby⸗ Rennen fuhr. König Umberto hat nichts gethan, wodurch er etwa den Zorn des Volkes besonders gegen sich herausgefordert hätte, erfreute sich im Gegen⸗ teil infolge seiner persönlichen Eigenschaften einer größeren Beliebtheit, als mancher seiner Kollegen. Man weiß deshalb auch nicht, was die Veran- lassung zu der grausigen That sein soll, der der König jetzt zum Opfer gefallen ist, und über die Personalien des Mörders liegen noch keine näheren Angaben vor Er wäre vor wenig Wochen von Amerika zurückgekehrt. Die Mit⸗ teilung unseres Mannheimer Paxteiorgans, daß Bresci in Mannheim als Gypsfigurenanfert'ger thätig und als solcher einer der gefährlichsten Ausbeuter seiner jugendlichen Landsleute gewesen sei, wird als unrichtig bezeichnet. Aber für unsere„Ordnungs“presse stand es natürlich ohne Nachricht über Person und Beweggründe des Mörders fest, daß er„Anarchist“ und bei einer„Verschwörung“ beteiligt sei. Jedes Kreisblättchen— auch der„Gießener Anzeiger“ war von der Partie— sprach von einer„offen bar anarchistischen That“. Noch heute wird von 45 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 32. dieser Sorte Presse in noch stärkerem Maße derselbe Schwindel geübt, der sich bei dem Nobiling⸗Attentat im Jahre 1878 als wirk⸗ sam erwies, um Maßregeln gegen die um ihre Befreiung ringende Arbeiterklasse durchzudrücken. Auch damals log das Wolffsche Telegraphen⸗ bureau in die Welt hinaus, Nobiling habe. sich als Sozialdemokrat bekannt, obwohl er durch einen Schuß in den Kopf, den er sich sofort nach dem Attentat beibrachte, besinnungs⸗ los bis zu seinem Tode war! Resultat dieser schamlosen Hetze, die damals gegen unsere Partei losbrach, war das Sozialistengesetz, das uns vernichten sollte. Zwar schlug es uns manche Wunde, viele Opfer mußten gebracht werden, aber stärker und zahlreicher als je stand die deutsche Sozialdemokratie am Ende der zwölf⸗ jährigen Schandgesetz-Periode da! Und sollte der reaktionären Meute einmal der wiederholte Versuch gelingen, sollte die herrschende Klasse aus den sozialistengesetzlichen Erfahrungen nichts gelernt haben und uns mit neuen Umsturz⸗ und Zuchthausgesetzen knebeln wollen— wir sind gerüstet, wir fürchten uns nicht und werden trotz aller Unterdrückungsgesetze unsere gerechte Sache zum Siege führen!— Die Hetze hat bereits begonnen. Die Presse des Rückschritts von den „angesehenen“ Zeitungen bis herunter zu den erbärmlichsten Kreisblättchen schreit nach Maß⸗ regeln zur„Bekämpfung des Anarchismus“. Natürlich werfen die kapitalistischen Soldschreiber Anarchismus und Sozialdemokratie in einen Topf. Bekämpfung des Anarchismus! Wer hat ihn denn großgezogen? War es nicht preu⸗ ßische Polizei unter Puttkamer, welche ihn mit allen Mitteln und mit dem Gelde der deutschen Steuerzahler unterstützte? Wir erinnern vorläufig nur an die Ihring, Naporra, Schröder, Haupt, Wohl⸗ gemuth und andere Polizisten, die mit Wissen ihrer höheren Vorgesetzten sich an der anarchistischen Agitation beteiligten. Die Sozialdemokratie hat mit dem Anarchismus gar nichts zu thun, steht im Gegensatz zu ihm und hat ihn stets bekämpft. Sie verurteilt auch den Mord in jeder Form, den Ein zelmord sowohl, als den Massen mord im Kriege, auch den Duellmord, der fast täglich von den„Gebildeten“ verübt wird. Sozialismus und Anarchismus. xy. Die verabscheuungswürdige, an dem König von Italien verübte Mordthat wird nicht verfehlen, daß man das Berbrechen eines— an⸗ geblichen— tollen Anarchisten dem Sozialismus zuzuschreiben versuchen wird. Daher ist es gut, wenn jeder Arbeiter sich klar über den Unter⸗ schied von Sozialismus und Anarchismus wird. Der Sozialismus ist„Vergesellschaftung“, der Anarchismus Leben außer der Gesellschaft, „Führer⸗ und Gesetzlosigkeit“, der Wortbedeu— tung nach. Der Sozialismus ist zunächst das Gegenteil vom Individualismus. Bisher hat die individualistische Weltansicht geherrscht, dahin lautend: Ich bin für mich da, die Welt ist für mich da und die Gesellschaft auch. Der Individualismus ist zugleich Egoismus, er giebt dem Stärkeren das Recht über den Schwächeren. Der Sozialismus sagt: Der Mensch ist ein Glied der menschlichen Gemein⸗ schaft, er muß sich nach dieser Gemeinschaft richten und nimmt nur den Platz ein, den er in der Gemeinschast nach seiner Leistung bean— spruchen darf. Diese Gemeinschaft ist aber auch ihm gegenüber verpflichtet, sie muß ihm ein menschenwürdiges Dasein geben. Der Arbeiter, der seine Pflicht erfüllt, steht dem Kaufmann, dem Gelehrten völlig gleich und die Organisierung der Arbeit ist Sache der Ge⸗ meinschaft. * Zu Nutz und Frommen derjenigen unserer Genossen die sich bisher weniger mit den anarchistischen Theorien beschäftigten, verös»atlichen wir gern diesen Artikel; ein⸗ zelnen Sätzen, auf oc wor ciel eicht später noch zurück- kommen, können wir nicht zanz zustimmen. Red. Der Anarchismus steht auf einem ganz an⸗ deren Boden. Der geistige Vater des Anar⸗ chismus ist Rousseau, denn dieser stellte die „Gesellschaftslosigkeit“ als den idealen Zustand hin. Er behauptet, die Menschen seien in dem ältesten Zustand, im Naturzustand, zugleich völlig gesellschaftslos und dabei am tu zendhaftesten und glücklichsten gewesen. Aus dem Naturzustand sei der Mensch in die Gesellschaft getreten. Im Zustand der Gesellschaft sei aber mit ihm eine Verschlechterung vor sich gegemgen, Garantieen gegen die Gefah en der Gesellschaft hätte erst der„Gesellschafts vertrag“ gegeben. Diese Ansicht ist durchaus falsch. In dem Naturzustand herrscht das Recht des Stärkeren, nach welchem der große Fisch den kleinen frißt. Dieses Recht herrscht auch weiter in der indi⸗ vidualistisch gebildeten Gesellschaft, aber durch die Entwickelung der Gesellschaft zum Sozialis⸗ mus(Evolution— Entwickelung) wird das Recht des Stärkeren allmählich aufgehoben werden. Eine plötzliche Revolution wird nie und nimmer zu diesem Ziele führen, daher tritt jetzt an Stelle der revolutionären Ansicht jetzt die evolutionistische, welche von der Entwickelung der Menschheit, an der wir kräftig weiterarbeiteu müssen, die Besse⸗ rung erwartet. Was ist nun Anarchismus? Der Anarchis⸗ mus will die Gesellschaftsordnung ohne Staat, ohne Lohnsystem und mit denkbarster„Selbst⸗ bestimmung des Einzelnen“(Autonomie der Indi⸗ viduen). Diese freieste„Selbstbestimmung des Einzelnen“ ist der größte Unsinn, den man sich denken kann, und von der größten Gefahr, wenn nicht jeder Einzelne ein Gott ist. Der Anar⸗ chismus zeigt hier, daß er nichts ist als ein Individualismus, der auf die Spitze getrieben ist, er ist also geradezu das Gegenteil vom Sozialismus. Der Anarchismus ist abzuleiten von Rousseau, bestimmt ausgedrückt wurde er erst von dem Franzosen Proudhon.(1809— 65.) Proudhon stellte den Satz auf:„Eigentum ist Diebstahl“, aber den Privatbesitz will er trotzdem nicht auf⸗ heben; Gewinn darf nicht beim Handel genommen werden, deshalb, so meint er, kann er nur in der Anarchie gedeihen. Der neuere Anarchismus wurde von dem Russen Bakunin begründet, er ist auch der Urheber der Theorie, daß die Anarchie nur durch Gewalt zu erreichen sei. An Bakunin schließt sich Netschajew, der eigentliche Prediger der„Propaganda der That“. Netschajew will auch die Räuber daran teilnehmen lassen,„denn sie seien eine der ehrenhaftesten Formen des russischen Volkslebens“. Tag und Nacht, so lehrt er, darf der Anarchist nur einen Gedanken, einen Zweck haben: die unerbittliche Zerstörung. Und hierdurch, durch die That, d. h. den Mord, soll für den Anarchismus Propaganda, Stim⸗ mung in der Volksmenge gemacht werden! Der Fürst Krapotkin lehrte sodann, die Menschen der Zukunft würden nach Vernichtung des Staates, einer neuen und höheren Moral fol⸗ gend, in der Anarchie leben können. Wie die Menschen angesichts dieser gravenhaften Moral von der„Propaganda der That“ zu einer neuen und höheren Moral gelangen können, sagt er nicht. Es bedarf auch keiner neuen Moral. Wenn die Menschheit einst im sozialen Staat befolgen wird, was ihre großen Denker jetzt schon gelehrt haben, so wird es jedenfalls gut sein. In Deutschland suchte später Most den Anar⸗ chismus einzubürgern, mit kläglichem Erfolg, denn er fand eine Arbeiterschaft vor, die sehr wohl das Unsittliche und Gefährliche und die Aussichts⸗ losigkeit der anarchistischen Lehre zu beurteilen weiß. Die Arbeiter können ihr Ziel nur durch einen ruhig fortschreitenden Kampf erreichen, aber dieser muß ein Kampf mit ehrlichen und sittlich zulässigen Mitteln sein, nicht durch die brutale That eines Eiazelnen, sondern durch die Organisation der Gesamtheit muß das Ziel er⸗ reicht werden. Diese Organisation muß vor allem einen wirtschaftlichen Kampf erstreben und einen Bildungsfortschritt, es ist ein friedlicher Kampf mit den Mitteln bes Rechts und des In dieser Organisation ge stigen Fortschritts. sieyht der Einzelne sich gefördert durch den An⸗ sthluß an die Gemeinschaft. Der Anarchismus hat besonders in den Ländern Eingang gefunden, in welchen das Volk zur leidenschaftlichen Empfindung neigt und zu⸗ gleich von bedeutender Stupidität ist. Leidensch aft und sittliche Rohheit verbinden sich hier mit Unbildung; es sind die Völker mit sogenannter Halbkultur, in welchen der Anarchismus gedeiht. Der Anarchismus gedeiht deshalb nur in der Heimlichkeit und in der Ver⸗ schwörung, der Sozialismus untersteht der Oeffentlichkeit. —— Politische Bundschau. Gießen, 3. August. Zur Ermordung Umbertos schreibt unser Münchener Parteiorgan: Die Scharfmacherpresse jubelt. Nach so vielen Enttäuschungen und kläglich mißlungenen Versuchen, die große internationale Union zur Ausrottung des„Anarchismus und des ver⸗ wandten Sozialismus“ zu Stande zu bringen, endlich einmal, endlich ein Lichtblick! Ein Attentat, ein wahr⸗ und leibhaftiges Attentat! Der König todt und der Mörder verhaftet! Kein Schwindel. Keine alexandrinische Bomben⸗ komödie. Keine plumpe, schlecht vorbereitete und gleich miserabel ausgeführte Farce, wie das „Belgrader„Attentat“ auf Milan, das dem Vielgeliebten freilich wenigstens zur Konfiskation des Vermögens der serbischen„Landesfeinde“ verhalf. Kein Dummerjungenstceich, wie Sipido's Schießerei auf den edlen Prinzen von Wales. Nein, ein in allen Theilen wohlgelungenes, prächtiges, unvergleichliches Attentat, das gar nicht schnell und reichlich genug„fruktifizirt“ werden kann. Die Stumm'sche Post hat es nicht übers Herz bringen können, den üblichen lamentablen Nekrolog ohne einen wilden Racheschrei abzu⸗ schließen. Sie schreibt: Die Nachricht von der Ermordung des Königs von Italien hat in hiesigen(Berliner) politischen Kreisen Entsetzen und Empörung über diese neueste Aktion anarchistischer Blutgier hervorgerufen. Man verhehlt sich nicht, daß nach den bisherigen Mordanschlägen der Caserio, Lucheni und Bresci jeden Augenblick ein neues Attentat ihrer Genossen erwartet werden kann, dem im Interesse des allgemeinen Wohles und der Sicherheit aller Volker bei Zeiten vorgebeugt werden muß. Noch ist mit keinem Worte angedeutet, ge⸗ schweige denn erwiesen, daß Bresci der fanaiische Anarchist ist, als den ihn die Scharfmacher⸗ presse hinstellt, und schon beginnt das hochnot⸗ peinliche Verfahren contra„Anarchismus und verwandte Strömungen“. Deutsche Kulturverbreitung in Afrika. Einem aus zuverlässiger Quelle stammenden Privatbriefe aus Kamerun entnimmt der„Ham⸗ burger Korresp.“ folgende Mitteilungen: Vor dem Tode des Herrn v. G.... sind zwei Fälle hintereinander vorgekommen, wie sie sich seit der Okkupation durch die deutsche Re⸗ gierung noch unter keinem Richter ereignet haben. 1. Mpundo Akwa erhielt im Disziplinarwege durch Herrn v. G. 25 Hiebe, weil er sich einem Matrosen vom„Habicht“ gegenüber Prinz genannt hatte. 2 Viktor Manga, der zweite Sohn Mangas, erhielt ebenso 25 Hiebe auf Befehl des Herrn v. G., weil er den Material⸗ verwalter Herrn O. nicht ordentlich ge⸗ grüßt, seinen Hut nicht vom Kopfe abgenommen hat. Bevor die 25 Hiebe an dem Viktor voll⸗ streckt waren, ging Manga sofort, nachdem er davon Kenntnis hatte, daß sein Sohn 25 Hiebe kriegen sollte, zu Herrn v. G. und bat ihn des⸗ halb um Verzeihung. Seiner Bitte wurde jedoch von Herrn v. G. kein Gehör geschenkt. Diese beiden brutalen Thaten haben die Bewohner der Dualla in hohem Grade peinlich berührt. Von den Einwohnern Duallas hatte niemand geträumt, daß Mangas Sohn 25 Hiebe bekommen kann, weil dieser doch der angesehenste von allen Häuptlingen ist. Auf diese Art denkt man den Afrikanern deutsche Kultur und Sitte am besten beizubringen. 0 5 1 Thun 55 Berlinel“ f Halle Steff belamen die Natio! cchellen Puof. D. aden dri Also chwärmer b. Gerlac loriert. 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G. hat keinen Pardon ge— geben, die Dualla auch nicht. Ordenssegen sür„Flottenprofessoreu“. Auch die Professoren, welche sich während der Flottenagitation für die uns bitter notwendige Flottenverstärkung ins Zeug legten, haben jetzt ihren Lohn in Gestalt von Orden erhalten. Die Berliner Professoren Sering, v. Drygalski, v. Halle, Rathgen-Marbure, Stoerk⸗ Greifswald, Privatdozent v. Wenkstern⸗ Berlin bekamen den Roten Adler⸗Orden vierter Klasse; die Nationalökonomen Wagner und Schmoller erhielten den Kronenorden zweiter Klasse und Prof. Delbrück⸗ Charlottenburg den Kronen⸗ orden dritter Klasse.— Also ist für die nationalsozialen Flotten⸗ schwärmer wieder nichts abgefallen und Sombart, v. Gerlach, Naumann bleiben noch immer un— dekoriert. Wirtschaftliche Folgen des Kriegszustandes. Von allen Seiten kommen Meldungen über Geschäftsstockungen infolge des chinesi⸗ schen und südafrikanischen Krieges. Den von uns in den vorhergegangenen Nummern in dieser Beziehung gebrachten Mittheilungen müssen wir leider noch einige hinzufügen. So wird aus Geldern(Bezirk Düsseldorf) mitgetheilt, daß die Firma Buschmann und Rothe, Seidenwaren— geschäft, ihren sämtlichen Arbeitern gekündigt hat.— Die Achatschleifereien in dem Oberstein⸗Idarer Bezirk stehen vor der Betriebseinstellung, weil durch den südafrika⸗ kanischen Krieg die Preise der Rohdiamanten gewaltig gestiegen sind. Den Fabrikanten ist nicht möglich, Schleisware zu annehmbaren Preisen zu erstehen. Ein Geschäft hat bereits die Arbeiter entlassen, und wenn sich die Dinge nicht ändern, ist die allgemeine Einstellung aller Betriebe zu erwarten. Aehnliches wird aus Hanau, Amsterdam und Antwerpen gemeldet. Auch in der Strohhutfabrikation werden nach⸗ teilige Einwirkungen der chinesischen Wirren ver⸗ spürt. Aus Lindenberg bei Lindau in Bayern wird berichtet:„Durch die Exeignisse in China wird eine sehr bedeutende Industrie in ihrem Betriebe beihnahe lahm gelegt, und wenn diese Unruhen noch ein paar Monate andauern, so werden Strohhüte, Strohgeflichtskörbe und alle aus Stroh gefertigten Gegenstände mit enormen Preisen bezahlt werden müssen. Auch wenn die chinesischen Wirren in Bälde beseitigt wären, müßte man wohl noch einige Monate zusehen, bis der Markt sich erholt hätte.“ Vom freien Willen der Freiwilligen geben Soldatenbriefe, die unsere Parteiorgane zu veröffentlichen in der Lage sind, ein zutreffendes Bild. Hier einer davon. Datiert vom 8. Juli 1900 erhielt der Oeko⸗ nom Viktor Strauß in Erling bei Andechs einen Brief von seinem Sohne, der im ersten Jahre im 13. Infanterie⸗Regiment 2. Kompagnie (Ingolstadt) dient. Der Brief hat solgenden Wortlaut: Innigstgeliebte Eltern! Es ist diesmal ein schwerer Augenblick, wo ich zur Feder greife, um Euch eine schmerzliche Rachricht zu schreiben. Wie Ihr wissen werdet, ist in China Krieg und da muß das dritte Armeekorps hinein. Ich weiß nicht, muß ich heute noch oder morgen fort, gestern wuürken wir es erst inne. Wir lommen nur abteilungs⸗ weise hinein wegen des Transportes. Ich bin beim ersten Transport, muß jede Stunde bereit sein, um gleich sortzukommen. Ich wünsche deshalb Euch von ganzem Herzen Gesundheit und Glück, denn es ist mir nicht vergönnt, Euch, lieb ste Eltern, zuvor noch einmal zu schen. Deshalb auf diesem Weße(in herzliches Lebewohl. So Goit es will, werde ich bald wieder gesund und glüclich zu Euch zurücktehren. Meine Sachen werde ich noch schicken, wenn ich noch so viel Zeit habe. Nochmals ein herzliches Lebewohl, auf ein glückliches Wiedersehen! Es grüßt Euch vielmals Euer Sohn Andreas Strauß. Die Eltern des Soldaten waren tief un⸗ glücklich, als sie erfuhren, daß ihr Sohn in den Krieg nach China ziehen müsse. Als sie durch die Zeitung erfuhren, daß die China-Freiwilligen alle in München wären, fuhren sie am letzten Sonntag nach der Hauptstadt, um sich über die näheren Woerhältnisse zu erkundigen. In der Kaserne trafen sie denn auch ihren Sohn und erfuhren von ihm, daß er eigentlich selbst nicht vecht dei pie er unter das Kanonenfutter kam. Der junge Soldat ist der einzige Sohn seiner Eltern, eine Schwester ist krank und der Vater befindet sich in sehr mißlichen finanziellen Verhältnissen, weil im vorigen Sommer das Anwesen der Leute samt allen Habseligkeiten an Mobiliar und Fahrnissen eingeäschert wurde. Die Lage der Arbeiter. Wie in den Berichten der süddeutschen Ge⸗ werbe⸗Inspektoren so wird auch in den soeben erschienenen der sächsischen über hohe Woh⸗ nungs mieten und andauernden Mangel an kleinen und billigen Wohnungen geklagt. Der Wert der Consum-Vereine für die Ar⸗ beiter wird von den Gewerbe-Inspektoren an⸗ erkannt. In Folge des Arbeitermangels sind mehrfach Lohnerhöhungen eingetreten, aber in Uebereinstimmung mit den bayrischen Berichten konstatiren auch die sächsischen durch die Bank, daß durch das Steigen der Preise der Lebens⸗ mittel(Kartoffeln, Fleisch, Kohle, Petroleum) und der Wohnungen die Lohnsteigerungen wieder wett gemacht worden seien, so daß die Lebens⸗ oltung d Leber keine Auf besserung erfahren habe. Lehrreiche Zahleu. Für Steuerzahler ist folgende Zusammen⸗ stellung interessant, die die Nationale Korre⸗ spondenz den Angaben des Statistischen Amts des Reichs entnimmt: Der Netto⸗Ausgabedarf des Reichs beziffert sich in Millionen Mark abgerundet folgender— maßen: e e Heerwesen 383,9 490,9 639,4 693,8 Marine 49,2 462 97,3 115,1 Auswärtige Vertreter und Kolonien 6,6 12,1 27,2 42,6 Raichsschuld 0,7 48,3 72,3 777 Innere Verwaltung 5,4 16,5 46,6 56,9 Zusammen 445,8 614,0 882,8 987,1 Auf den Kopf der jeweiligen Reichs⸗ bevölkerung berechnen sich diese Ausgaben in der gleichen Reihenfolge der Jahre wie folgt: Mk. Heerwesen e ee ee, ee Marine„ i 05 Auswärtige Veatreter und Kolonien, ee e Reichsschuld„ eee Innere Verwaltung„ eee ee eee Zusammen Mf. 9, 127 16,7 17,03 Man ersieht hieraus, daß seit 1875 die Ausgaben um mehr als das Doppelte ge⸗ stiegen sind. Und da dieselben in der Hauptsache durch die indirelten Steuern und Zölle auf⸗ gebracht werden, so sind dadurch die arbeitenden Klassen am schwersten belastet. Eine Familie von fünf Köpfen muß gegenwärtig etwa 90 Mark, 26 Mark mehr als im Jahre 1890 an in⸗ direlten Steuern aufbringen! Wohlgemerkt, nur für die Reichsausgaben, die Ausgaben der Einzelstaaten, Gemeinden ꝛc. bleiben hier außer Betracht. Auch der Kaffee wird teuer. In den Preiserhöhungen für Nahrungs- mittel und für die zur Befriedigung der allge⸗ meinen Lebensbedürfnisse notwendigen Dinge be⸗ steht gegenwärtig ein wahres Wettlaufen. Brot, Fleisch und Fleischwaren, Butter, Zucker, Kohlen, Holz und zahlreiche andere Produkte sind in letzter Zeit verteuert worden; jetzt kommt die Nachricht, daß nun auch der Kaffee eine Ver⸗ teuerung erfahren wird. Ene Preiserhöhung des Kaffees wird sich namentlich in ärmeren Volkskreisen sehr fühlbar machen, wo bei schmalem Verdienst neben Kartoffeln und Kaffee— dieser allerdings meist reichlich mit Surrogaten ver⸗ mischt— oft Tag für Tag das einzige Ge— nußmittel bilden. Beispiele des gemeinsten Unternehmerterro⸗ rismus. Ein Herr C. Menzel, Besitzer einer Glas⸗ fabrik in Lommatzsch in Sachsen hatte seine Ar— beiter unter der Androhung der Entlassung auf⸗ gefordert, aus dem Glasarbeiter-Verband auszu- treten.— Die Arbeiter fügten sich auch bis auf einen der Anmaßung des Unternehmers. Der eine Standhafte hatte bei der Firma 222.68 Mark Schulden, da ihn der Unternehmer früher um diesen Betrag aus einer anderen Stellung „ausgelöst“ hatte, natürlich nur, weil er den Arbeiter gut gebrauchen konnte. Um so wütender war Herr Menzel deshalb über die„Frechheit“ dieses Arbeiters, den er entlassen mußte, wenn er seine Drohung erfüllen wollte. Der Ent- lassene hatte kaum anderweitig Stellung gefunden, als Herr Menzel ihm folgenden Steckbrief nach⸗ sandte: „Wir brachten in Erfahrung daß der Glasmacher N. N., den wir wegen sozialistischer Agitation und rüpel⸗ haften Betragens aus seiner Stellung entließen, in Ihrem Werke beschäftigt ist. Da wir N. aus seiner früheren Stellung mit 300 Mark auslösten, trotzdem er aber bei uns sehr gut ver⸗ diente, blieb er doch immer in einem Vorschuß von 2—300 Mark, und erlauben wir uns die ganz ergebene Anfrage, ob Sie uns zur Erlangung unseres Guthabens an N. welches 222,68 Mark beträgt, behüflich sein würden. Falls sich N. nicht zur Rückzahlung des Vorschusses verstehen sollte, würden wir uns veranlaßt sehen, unter Verzicht auf unser Guthaben denselben ohne Weiteres über die Grenze bringen zu lassen. Indem wir hoffen, in dieser Angelegenheit auf Ihre geschätzte Unterstützung rechnen zu dürfen, empfehlen wir uns, zu Gepe diensten stets gern bereit mit vorzüglicher Hochachtung ergenst (gez.) Karl Menzel u. Söhne E. Menzel.“ Dieser Steckbrief macht dem christlichen Ge⸗ müt des auf den Ruin seines ehemaligen Aus⸗ beutungsobjekts sinnenden Herrn Unternehmers alle Ehre! Interessant ift auch, daß der Herr thut, als ob die Behörde nichts Eiligers zu thun hätte, als seinen Weisungen zu folgen. Keine nationalsoziale Kandidatur. Vor einiger Zeit hieß es, daß die National⸗ sozialen bei der bevorstehenden Nachwahl im Kleise Wanzleben mit einem eigenen Kandi⸗ daten auftreten und diese Wahl gewissermaßen zu einer„Krastprobe“ benutzen würden. Jetzt erklärt die„Hilfe“ diese Nachricht, die auch wir in der vorletzten Nummer brachten, für un- richtig. Die Trauben sind den Flottenphan⸗ tasten offenbar zu sauer. Demission des hessischen Finanzministers. Wie die„N. hess. Volksbl.“ berichten, hat sich Finanzminister Küchler wegen eines Hals⸗ leidens einer Operation unterzogen, die gut glückte. Sein Zustand ist befriedigend. Dem genannten Blatte zufolge hat der Finanzminister schon vor der Operation seinen Abschied vom Großherzog erbeten. Vielleicht bestimmten den Minister auch seine Konflikte mit dem Land⸗ tage in Sachen der Nebenbahnvorlage und der Gehaltsfrage der Volksschullehrer zur Einreich⸗ ung des Entlassungsgesuches. Antisemitische Charakterlosigkeit. Für jüdisches Geld scheinen die Anti⸗ semiten diesseits und jenseits der Vogesen in gleicher Weise empfänglich zu sein. Soviel die französischen Judenfresser in Betracht kommen, lieferte den Beweis dafür der Prozeß, der in voriger Woche vor dem Schwurgericht von Draguignan in Algier gegen den Antisemiten⸗ führer Max Régis und zehn seiner Genossen verhandelt wurde. Dieselben waren beschuldigt, im September 1899 sich in der Villa Antijuive in Algier eingeschlossen und von dort auf die Polizeibeamten geschossen zu haben. Im Laufe der Verhandlung erklärte nämlich der als Zeuge vernommene Polizeikommissar Delatte, zwei der mitangeklagten a“gerischen Antisemiten, Conein und Bailloc, hätten an den Präfekten Lutand ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihn um Ver— zeihung für all das Böse baten, das sie gegen Algerien sich zu schulden halten kommen lassen, und in dem sie offen heraussagten, sie bedauerten, Vertrauen zu Max Régis gehabt zu haben, für den sie jetzt nur noch Verachtung empfänden. Trotz der heftigen Proteste der beiden auf diese Weise kompromittierten Antisemiten fuhr Herr Delatte ruhig fort:„Sie empfanden nichts als Verachtung ihm gegenüber. Was hätten Sie erst gesagt, wenn Sie gewußt hätten, daß 1 2 Seite 4. 2 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 8 Nr. 32. Herr Régis Geld von Juden erhielt?“ In ungeheuerster Erregung sprang Régis empor und schrie den Richtern zu:„Man beschimpft mich“, während seine Advokaten den Zeugen heftig bedrohten. Dieser ließ sich aber nicht aus seiner Ruhe bringen, sondern fuhr fort, gegen Régis gewendet:„Herr Emile Weil hat Ihnen 500 Franks ausgezahlt.“ Und zum Beweise dafür legte Delatte dem Gerichts⸗ hofe ein photographiertes Schriftstück vor. Dar⸗ aufhin wurde der Zwischenfall noch erregter. Die antisemitischen Helden bestritten natürlich diese Thatsachen. Aber Aehnliches ist den deutschen Gesinnungsverwandten des Herrn Regis schon öfters nachgewlesen worden; bekannt⸗ lich hat der antisemitische Reichstagsabgeordnete Werner den gegen ihn erhobenen Vorwurf, einem jüdischen Journalisten gegen Bezahlung Berichte geliefert zu haben, noch nicht zu ent⸗ kräften vermocht— Der oben erwähnte Prozeß endete übrigens mit der Freisprechung der Angeklagten. Der politische Tod, den diese Freisprechung für diese Krakehler zur Folge haben wird, trifft sie weit schwerer, als eine Verurteilung mit nach⸗ folgender Amnestie Die Geschworenen haben offenbar— vielleicht ohne es zu wollen— der Republik einen großen Dienst geleistet.„Das Lächerliche tötet“— in Frankreich wenigstens. Der Krieg mit China. Nunmehr liegen weitere Meldungen vor, wonach die Gesandten in Peking noch am Leben sein sollen. Die englische Admi⸗ ralität erhielt folgendes Telegramm des Gesandten Mac Donald: Die englische Gesandtschaft in Peking wurde vom 20. Juni bis 16. Juli von allen Seiten durch chinesische Truppen mit Gewehr⸗ und Artilleriefeuer ange⸗ griffen. Seit dem 16. Juli herrscht Waffen⸗ stillstand, doch ist eine strenge Absperrungs⸗ linie durch chinesische Truppen auf beiden Seiten der Stellung gezogen und die chinesischen Barri⸗ kaden sind dicht bei den unsrigen. Alle Frauen und Kinder sind in der Gesandtschaft. Bis jetzt sind 62 Personen getötet, darunter Ka⸗ pitän Strou von der Matrosen⸗Abteilung; ferner liegt dieselbe Anzahl im Hospital, darunter Ka⸗ pitän Hollydey von der Matosen⸗Abteilung. Die übrigen Mitglieder der Gesandtschaft sind sämt⸗ lich bee guter Gesundheit. Nach telegraphischer Meldung des deutschen Konsuls in Tientsin vom 27. Juli traf dort eine Mittheilung des japanischen Ge⸗ sandten in Peking ein, wonach die in Pe⸗ king eingeschlossenen Feemden sich fortgesetzt gegen die chinesischen Truppen verteidigen und an der Hoffnung festhielten, sich bis Ende Juli behaup⸗ ten zu können; bis dahin werde die Ankunft der Entsatztruppen erwartet. Der japanische Ge⸗ sandte erwähnt außerdem, die Chinesen hätten seit dem 18. Juli aufgehört, die Stellung der Fremden zu beschießen. Diese Angabe wird auch vom Kommandanten des in Peking befind⸗ lichen japanischen Detachements unterm 22. Juli bestätigt. Der belgische Vizekonsul in Tientsin meldet: Ein am 27. Juli hier eingetroffener Brief des zweiten Sekretärs der deut schen Gesandschaft bestätigt, daß die belgische Ge⸗ sandtschaft niedergebrannt worden, aber die Mit⸗ 1 8 am 23. Juli noch wohlbehalten gewesen eien. Aus Tientsin wird berichtet, daß der Vor- marsch auf Peking sofort angetreten werden solle.— Ueber den Oberbefehl über die Expedition konnten sich die Mächte noch uicht einigen. Der Krieg in Südafrika. 1 Von Kapstadt ging die Meldung ein, daß sich der Burengeneral Dewet erboten habe, sich zu ergeben unter der Bedingung, daß seinen Mann⸗ schaften gestattet werde, unbelästigt nach ihren Wohnsitzen zurückzukehren. Feldmarschall Robects weigerte sich, auf ein derartiges Auerbieten ein⸗ zugehen und verlangte Dewets bedingungslose Uebergabe. Die Nachricht, daß der tapfere Führer des Guerillakrieges sich ergeben wolle. ist vermutlich eine englische Siegesente.— Naß einer anderen Meldung hätte sich am 30. Juli General Prinsloo bei Fourierburg mit 5000 Buren bedingungslos ergeben. Die 5000 sind jedoch nach einem weiteren Telegramm Robert's bedenklich zusammengeschrumpft, das feststellt, daß 986 Buren gefangen genommen wurden und daß ein Neunpfünder in die Hände der Engländer fiel. Roberts fügt hinzu, einige der Führer in entlegenen Teilen der Berge zö⸗ gerten noch, herbeizukommen und erklärten, daß sie mehr oder weniger unabhängig von Prinsloo seien. Lord Roberts ertheilte Hunter den Be⸗ fehl, die Feindseligkeiten sofort wieder aufzu⸗ nehmen und Prinsloo anzukündigen, daß er per⸗ sönlich dafür verantwortlich gemacht werde, daß jedes bei seiner Truppe befindliche Geschütz aus⸗ geliefert werden müsse. Ferner wird aus Pretoria gemeldet: Lord Roberts wurde vom General Botha zum Rück⸗ zuge gezwungen und kehrte mit völlig desorgani⸗ siertem Train und vielen Kranken nach Pretoria zurück. Der gesamte Vormarsch ist aufgegeben. General Delarey schlug Heckmans beritten⸗ In⸗ fanterie und schloß den General Baden-Powell in Rustenberg ein. —— Jon Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Zum Gießener Maurerstreik. m. Am 30. Juli fand eine Versammlung der streikenden Maurer statt, welche den Bericht der Lohnkommission über den Stand des Streiks entgegennahm. Dieser wurde als ein günstiger bezeichnet und beschlossen, in dem Ausstand zu beharren, trotzdem die Arbeitgeber keine Neigung zur Einigung zeigten, wozu von Seiten der Ar⸗ beiter jederzeit die Hand geboten wurde. Der Beschluß verpflichtet weiter die ledigen Kollegen zur Abreise und fordert die Verheirateten auf, möglichst auswärts Arbeit zu nehmen. Weiter verpflichtete sich die Versammlung, die bis jetzt arbeitswilligen Kollegen mit allen zu Gebote stehenden rechtlichen Mitteln auf ihr unschönes Verhalten aufmerksam zu machen und nichts un⸗ versucht zu lassen, sie zu solidarischem Handeln ihren streikenden Kollegen gegenüber zu bewegen. Aus Heuchelheim. L. Wie wir hören, haben die hiesigen Gast⸗ wirte beschlossen, die diesjährige Kirmes früher als sonst, schon am 12. August abzuhalten. Das trifft sich insofern ungünstig, als am gleichen Tage das Gewerkschaftsfest in Gießen stattfindet, an dem nicht nur zahlreiche Gießener, die zu den regelmäßigen Besuchern der hiesigen Kirmes gehören, teilnehmen, sondern das auch viele Heuchelheimer Arbeiter besuchen. Aus Lollar. —. Eine sehr rege Beteiligung hatte das Stiftungsfest aufzuweisen, welches die hies. Verwaltungsstelle des deutschen Metallar⸗ beiter-Verbandes am vergangenen Sonn⸗ tage beging. Zum erstenmale waren die hies. Gesangvereine, deren Mitgliedschaften sich fast nur aus Arbeitern zusammensetzen, eingeladen worden, doch hatten von den vier Vereinen nur zwei der Einladung Folge geleistet. Fast voll⸗ zählig war die„Germania“ vertreten, deren exakt ausgeführte Liedervorträge allgemeinen Beifall ernteten. Begeisterte Aufnahme fand die Festrede des Genossen Krumm, der in trefflichen Worten die Bedeutung der Organi⸗ sation aud eu mdersetzte, das solidarische Zu⸗ sammenhalten und den kulturellen Wert der Arbeiterbewegung feierte. Er ermahnte, die Organisation immer weiter auszugestalten und nicht derselben den Rücken zu kehren, wenn ein Vorteil erreicht oder irgend eine nebensächliche Differenz unter den Mitgliedern ausgebrochen sei!— Von keinem Mißton getrübt, verlief unser Fest zu Aller Befriedigung. Manch dürfte auch von dem Nutzen des Verbandes überzeugt worden sein. N Vom Eisenbahnzug überfahren. Ein grausiger Unglücksfall mit tödtlichen Ausgange ereignete sich am Dienstag Mitlag auf der Station Nauheim. Dort versuchte ein etwa 15 Jahre altes Mädchen, auf den um 12 Uhr 55 Minuten nach Frankfurt abgehenden Personenzug zu springen, als sich derselbe bereits in Bewegung befand. Hierbei kam das Mädchen zu Fall und wurde vom Zug überfahren, dessen Räder den Körper der Unglücklichen buchstäblich in zwei Theile zerschnitten. Die Verunglückte ist die Tochter eines Dachdeckermeisters in Weil⸗ burg. Konsumvereine. Das immerwährende Höherschrauben der Preise der notwendigsten Lebensmittel hat die Minderbegüterten veranlaßt, auf Mittel zur Ab⸗ wehr zu sinnen. Es hat deshalb auch in Frank⸗ furt, Mainz und Offenbach eine leohafte Be⸗ wegung zu Gunsten der Konsumvereine stattge⸗ funden. Vorige Woche sprach Genosse El m in mehreren Versammlungen; auch Frau Dr. David-Mainz sprach in Frankfurt uber das Thema: Wie erhöhen wir unser Ein⸗ kommen? vor zahlreichen Zuhörern, worunter auch viele Frauen. Von ihren Ausführungen geben wir Nachstehendes wieder: In der Ein⸗ leitung ihres Vortrages gab die Rednerin zu⸗ nächst eine eingehende Schilderung der Entwick⸗ lung des englischen Konsumvereinswesens, das aus einer von 28 armen Rockdaler Webern ins Leben gerufenen genossenschaftlichen Gründung hervorgegangen ist. Heute beziehen etwa acht Millionen Emwohner Englands, das ist etwa ein Sechstel der gesammten Bevölkerung, ihre Waaren durch Konsumvereine. Der Jahres⸗ umsatz ist auf 900 Millionen Mark gestiegen, der letztjährige Reingewinn betrug 140 Millionen Mark. Der größte englische Konsumverein in Leeds zählt 45000 Mitglieder und besitzt muster⸗ giltige Einrichtungen, die einen gewa tigen Verkehr ermöglichen. Die englische Großeinkaufsgesell⸗ schaft eine Vereinigung der Konsumvereine, be⸗ sitzt u. A. zwei Schuhfabriken mit je 2500 Ar⸗ beitern, Webereien, Spinnereien, eine eigne Handelsflotte u. s. w. Der Traum der 28 Rockdaler Weber ist also glänzend in Erfüllung gegangen. Fragen wir uns nun, woher diese wirtschaftliche Ueberlegenheit herstammt, die im Stande war, den kapitalistischen Zwischenhandel und die kapitalistische Produktion völlig zu ver⸗ drängen, so finden wir, daß infolge der durch die Konsumvereine geschaffenen Zentralisation des Handels große Ersparnisse an Spesen gemacht werden, auch der Gewinn, Tasche des Unternehmers Vereinsmögen zu Gute. Die Konsumsvereins⸗ der sonst in die fließt, kommt dem die Esseng wandern. Fi t ein 8 Elberfe lt Verfa ncht vurh Mittel. onen! außdrü verord! Erklär figung. hin beit Volks Nachdem wutde! verpei wohlerse gewaltig tglich bruck kar sagt u. e Die ihm 5 Aberspn fung chi den r is Ges don Nee durfen! at 0 derwalth Alergtö unn ire Iker bewegung stellt sich der Gewerkschafts- und Arn⸗ beiterbewegung zur Seite. Diesen gegenüber hat sie den Vorzug, daß sie von ihren Anhängern keinerlei Opfer verlangt. lau, der 70,000 Peitglieder zählt, in Leipzig und an mehreren Orten. Für Frankfurt wurde die Schwierigkeit der Grün gung eines Konsum⸗ verens anerkannt, dan hier der Zerspluterung des Detailhandels ein Gegengewicht geschaff en worden ist in großtapitalistischen Waarenhäusern. An⸗ gesichts der neuerdings vesonders start in Schwung gekommenen Trust⸗ und Ringbildungen, namentlich im Kohlenhandel in ihrer ganzen Tragweite fühlbar machen, ist der Zusammen⸗ schluß des kaufenden Publikums geradezu Not⸗ wendigkeit.„Der Zusammenschluß der Großen schreit nach einem Zusammenschluß der Kleinen. Vereinzelt sind wir nichts, vereinigt aber riesen⸗ stark.“ Die Rednerin schloß mit dem Wunsche, daß auch in Frankfurt baldigst ein Konsumverein Was Deutschland an⸗ langt, so schilderte die Rednerin im Einzelnen 1 die Einrichtungen der Konsumvereine in Bres⸗ 1 1 ins Leben treten möge mit den gewaltigen Vor⸗ theilen, wie sie sich überall gezeigt haben zum Segen des konsumirenden Publikums. Die Ver⸗ sammlung beschloß nach kurzer Debatte, die kon⸗ sumvereinbewegung energisch zu unterstützen.— Der in Bockenheim bereits bestehende Kon⸗ 1 1 0 1 die sich 0 11 1 großen ind nie molke Wan telt „ 00 e St f 0 haben Regt Ein 12 92. 0 F Ar. 32. Than 10 0 sum⸗Verei n e. Eröffnung d Mit ö r 1 i 6 f i us 5 ist, einen e 15 2 0 teldeutsche Sonntags⸗ 3 5 1 5 a d in d P„Zeitung. 5 d deer de b e in Seni J bee 5 e u L i achgier. n Straubin f von 5 u der tscher e giebt der licteitsverbrech in Bayern w dem Schwurgeri 5 gehereg i artiges von S gießereien!„Verein ist im Zu en, Meineid egen schwer 81 Arbeit Seite 5 Mae b e Erne wd d. 9 belle beruht wunde Holkbild ge g e ö ohn e die„Ss nterzeichnet newald wir ortschrittlich gest e, ü ild han ahneweg ung N e e e h Mitgli richten d es: en.] der S geschrieb 1 recht“ v er Zu vereinbart wurde 91 uf güt⸗ ungute itglieder das dri 4 ei ler schen Fe en:„Unte om Strande J bü chlag auf Akt art, ferner e 9% stündi u Weil. umseitig ringende Ersuch usere sämtlichen die hübsches G Fabrik kürsirt den Arbeit end N Einfü 10 bis 15 Er Form genannt en, keine ie fortschrittli eschichtchen seit eini ern schlages icherstellu nführung v 1555 eee ae Sie g e. oe dec e e Bee lun n 1 rna f en U ühlswei 25 in F ükfurt. 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Der Fabriken düstere Nacht 80 mich müde und elend gemacht, at mich gefesselt, gebunden. 2 Meine brausende Jugendkraft, Himmelstürmende Leidenschaft) Alles, alles ist verschwunden.= In der Arbeit ruh'lose Pein: Dringt das Getriebe der Räder hinein, Donnernd bricht's an den Wänden, Bald wie stöhnender Grabgesang, Bald wie ein Schrei, so gellend und bang: „Knechtschaft, wann wirst Du enden?!“ Otto Krille. Die kleine Fee. Von Armand Dubarry. Deutsch von Wilh. Thal. Sie war 18 Jahre alt, hieß Rose Berni und bewohnte ein Stübchen im fünsten Stock in einem Hause der Rue Saint⸗Antoine. Kränklich, empfindsam und etwas überspannt, war sie doch reizend. Ihre regelmäßigen Züge, ihre hübschen blauen Augen, ihre weißen Zähne, ihre kastanienbraunen Haare, die so fein und üppig waren, ihre sanst⸗ Miene, ihre einfache und doch geschmackvolle Kleidung, ihr bescheidenes Auftreten machte sie zu einer ebenso angenehmen wie sympathischen Person. a Sie war eine sehr geschickte Blumenmacherin, eine unermüdliche Arbeiterin, wurde ebenso sehr wegen ihrer Gewandtheit wie ihres Mutes ge⸗ rühmt und ihre Nachkarn nannten sie überein⸗ stimmend die kleine Fee. a Was ihr Benehmen anbetraf, so sanden die bösesten Zungen nichts an ihr zu tadeln. Zwei Jahre hindurch hatte sie, ohne sich zu beklagen, ohne aufzuhören, eine reizende Hin⸗ gebung, eine unerschütterliche Liebe zu zeigen, ihre kranke Mutter unterstützt, und als die arme Frau, von der Krankheit aufgerieben, gestorben war, wäre sie beinahe vor Kummer ebenfalls gestorben. f Ihre Trauer dauerte seit sechs Wochen und das Leid, das sie empfand, schien infolge der Einsamkeit, in der sie lebte, nicht geringer zu werden, als eine ihrer Nachbarinnen und Be— kannten, Gabrielle Berthaus, ebenso wie sie eine Arbeiterin und obendrein Mutter eines Kindes von 16 Monaten mit Namen Lucette, in das Hospital ging, in dem sie am Typhus starb. Als ihre Freundin das Hotel Dieu auf⸗ gesucht, übernahm Rose Berin die Aufsicht und Obhut des für den Augenblick so ganz verlassenen Kindes; und als sie den Tod Gabrielles erfuhr, beschloß sie, die Waise zu erziehen. Sie widmete sich rückhaltlos dieser Thätigkeit, die ihren Geist glücklicherweise von der trüben Erinnerung an ihre Mutter ablenkte. Was sie mit Begeisterung gethan, das that sie mit freudigem Entschluß für ihr Kleines, verdoppelte ihre Arbeitsstunden und mit großer Energie gelang es ihr, ihre Bürde ohne Wanken zu tragen. b Währenddessen war ein Setzer von 28 Jahren, ein fleißiger, arbeitssamer Mensch, Namens Felix Ablon, in die von Gabrielle früher bewohnte Stube gezogen und bald in freundschaftlichen Verkehr mit Rose getreten, deren Ausdauer bei der Arbeit ihn rührte. a Rosa erzählte ihm ihr Leben, interessierte ihn und flößte ihm nach und nach eine Liebe ein, die sie bald teilte. Es war Felix Ablon zur Gewohnheit ge⸗ worden, der Blumenmacherin jeden Abend einen Besuch abzustatten, ihr die Zeitung vorzulesen, während sie eine Bestellung ausführte, mit ihr und der kleinen Lucette Sonntag ins Bois de Vincennes spazieren zu gehen und an diesem Tage in ihrer Gesellschaft in einem billigen Restaurant von Saint⸗Maudé zu speisen. Nachdem er ihr zwei und einen halben Monat eifrig, aufrichtig und respektvoll den Hof gemacht, hielt er um ihre Hand an, und die kleine Nachbarin, die über den Antrag herzens⸗ froh war, willigte ein, sich Madame Ablon zu nennen. Der Monat März begann; man setzte den Hochzeitstag auf den 15. April sest und bereitete sich beiderseits durch notwendige Einkäufe auf die Ehe vor. II. Der März ging zu Ende und der April begann, und merkwürdigerweise erfand Felix Ablon, anstatt seine Thätigkeit und Ungeduld beim Herannahen des Tages, der seine teuersten Wünsche krönen sollte, zu verdoppeln, trotzdem er vorher Feuer und Flamme gewesen war, Ausflüchte, um die Heirat zu verschieben und machte durch seine wohlberechnete Langsamkeit die Feier der Ehe an dem festgesetzten Tage un⸗ möglich. Liebte er seine hübsche Zukünftige weniger? Nein. Er war nur schwach von Charakter und ließ sich von seinen Arbeitskollegen beeinflussen. Nun aber hörten diese, seit sie seine Absichten kannten, nicht auf, ihn wegen seiner„Einfalt“ und se ner„Seelengröße“ zu hänseln. „Du bist recht gutmütig“, sagte der Eine ironisch,„daß Du ein Mädchen mit einem Kind heiraten willst!“ „Und die Kinder der Anderen adoptierst!“ „Du hast wohl viel Geld?“ höhnte ein Dritter. „Ihr irrt Euch“, versetztetzte er entrüstet; „Rose ist ein Muster von Tugend, und die kleine Lucette ist ein Kind, das sie angenommen hat und dessen Mutter im„Hotel Dieu“ ge— storben ist. „Hahaha! Die liebe Unschuld!“ erwiderte man ihm von allen Seiten unter lautem Lachen. Diese grausamen Sppötteleien erschütterten schließlich sein Vertrauen— denn er kannte Lucettes Geschichte nur durch Rose Berni— und sein schöner Eifer erlosch, zur Verwunderung und zum lebhaften Kummer der Arbeiterin, die sich sein Benehmen nicht zu erklären vernnochte. Als der Zweifel erst einmal in seinem Geist eingedrungen war, fragte er sich, ob die Mutter— schaft Gabrielles nicht etwa eine Fabel war, die die Blumenmacherin erfunden, um einen Fehl- tritt zu verdecken, er fragte sich, ob er nicht trotz der ausgezeichneten Auskünfte, die er über die„kleine Fee“ erhalten, einer Intrigantin gegenüber stände und eines Abends, als er über den Spott seiner Kameraden gereizter als sonst nachhause zurückkehrte, teilte er Rose Berni mit, er würde sie nur dann heiraten, wenn sie das Kind fortgeben wollte, das sie bei sich großzog. „Mich von meinem Kinde trennen!“ rief die Blumenmacherin empört,„lieber würde ich sterben!“ „Nun gut, behalte Dein Kind“, versetzte der Setzer bitter,„alles ist aus zwischen uns, Du wirst mich nicht mehr wiedersehen.“ Damit entfernte er sich. Rose glaubte, er würde wiederkommen; man glaubt so gern, was man wünscht; doch er hatte eiligst seine Dachkammer verlassen, um sich in einem anderen Stadtviertel einzulogieren, und sie sah ihn am Abend nicht wieder. Tiefbetrübt fühlte sie, daß sie fern von ihm nicht leben könnte und bat ihn in rührenden Briefen, die sie ihm in seine Werkstatt schickte, ihr nicht weiter zu zürnen, wieder nach der Rue Saint⸗Antoine zurückzukehren, an ihre Ehrenhaftigkeit, ihre Aufrichtigkeit, ihre Ergeben⸗ heit zu glauben. Zuerst antwortete er nicht. Trotzdem schrieb auch er ihr eines Sonntags, von Gewissensbissen gequält, folgenden Brief: Liebe Rose! Ich will Dich gern heiraten, aber ich will nicht lächerlich erscheinen. Ich behaupte nicht, daß das kleine Mädchen Dir gehört, aber ich sage, wenn Du diese Waise hartnäckig bei Di: behälst, so bringst Du die Leute auf den Ge⸗ danken, Du närest wirklich ihre Mutter. Du bist nicht reich genug, als daß man annehmen könnte, Du opferst Dich aus Mitleid den Kindern der andern. Jetzt sage ich es Dir zum letzten Mal, wenn Du nicht thun willst, was ich wünsche, so reise ich morgen nach Rouen, wo man mir eine vorteilhaste Stellung anbietet, und es ist aus zwischen uns; wir werden uns nie wieder sehen. Auf Wiedersehen oder Adieu. 1 8 Felix Ablon.“ Nachdem sie diese Worte gelesen, über deren Tragweite sie sich unmöglich einer Illusion hin⸗ geben konnte, blieb Rose Berni wie versteinert, dann geriet sie in Aufregung, fast toll, weinte und sprach abwechselnd, nahm die kleine Lucette aus ihrer Wiege, wickelte das unschuldige Wesen, das in tiefem Schlafe lag, in einen schwarzen Shawl und verließ ihr Zimmer. Es schlug zehn Uhr. Sie bog in die Rue de. Rivoli ein, erreichte in der Mairie des vierten Arrondissements vor— über, die Rue du Roi de Sccile, in der sie nur wenige Passanten bemerkte, durchschritt die Rue de la Verrene, sodann die Rue de Lombards, ruhte sich atemlos auf dem Boulerard Sebastopol und kam nach dem Square des Innocents, an dessen Gitter sie Halt machte. Das Wetter war finster und die Gegend öde. Sie kämpfte eine kurze Zeit einen inneren Kampf; ihre Augen verschleierten sich; ihr Hirn kochte, ihr Herz schnürte sich zusammen; endlich endlich entfloh sie entsetzt und erschreckt, und stieg um halb 12 Uhr atemlos wieder ihre fünf Etagen hinauf; die kleine Lucette hielt sie⸗ nicht mehr in ihren Armen. Sie verbrachte eine schreckliche Nacht. Am Morgen schickte sie sich, schamerfüllt wie eine Verbrecherin, an, mit beklommener Brust⸗ und roten Augen, fortzugehen, um nach dem nächsten Postbureau zu eilen und Felix Ablon durch eine Depesche von ihrem Entschlusse, seinem Wunsche nachzukommen, zu unterrichten, als zwei Polizeiagenten bei ihr erschien und ihr befahlen, sie zu begleiten. „Wohin?“ fragte sie entsetzt. „Zum Polizeikommissar.“ „Weshalb?“ „Das werden Sie schon erfahren; vorwärts!“ An demselben Tage schickte sie der Kommissar ins Depot und am nächsten Tage wurde sie in das Gefängnis von St. Lazare überführt. III. Zwei Monate verstrichen. Die Justiz ist langsam und kümmert sich wenig um die Qualen der Angeschuldigten, die sie hinter Schloß und Riegel hält. Gefangenschaft, der Untersuchung, der unauf- lichen moralischen Marter wurde Rose Berni dem Zuchtpolizeigericht vorgeführt. Sie war des unter den Paragraphen 349 des Straf- gesetzbuches fallenden Vergehens,„der Aussetzung eines Kindes unter sieben Jahren an einem ein⸗ samen Orte“, argeklagt. N 1 Der Gerichtssaal war zum Erdrücken mit Zuhörern angefüllt und in der Nähe der Schranken stand in einem Winkel, abgemagert, bleich und zitternd, der Setzer. N Als, von Polizisten begleitet, die kleine Fee erschien, blaß, zuternd und lebhaft bemüht, iht überströmendes Gesicht zu verbergen, ging eine Bewegung der Sympathie durch das Publikum, das die Richter und der öffentliche Ankläger teilten.. Ein von Felix Ablon angenommener Advokat entfaltete während dieser Zeit auf dem Ver⸗ teidigungspulte die Papiere und Noten, mit denen seine Mappe vollgestopft war. ö 2 — — — — 2 Vorweg 1 itt. 0 sugh det uz ich w auch an Sut⸗Der wahen. Nach diesen neun Wochen der nicgte sie, achte ich nacht. nertte ich Gitter a Lucette fallen ur auch vo dem Th Sandha einigen wankend das ich krsteckte Ein Her und büt Augenbl enlfloh Als sch auf Das — 1 0 1 1 1 1 9 c ihr Linthg, er nich unmag Brief; f ich ug te nich aber ih bei Df. den G* ter. Nu nehmen AKinden sion hiy, ersteinet, l weint le Luceth ge Wesen, chwarzen erreichte dents vor⸗ er sie nut t die Rue dombards, sebastopol cents, ay egend öde, n inneren ihr Him ; endlich erschrech, ieder ihr hielt sie t. füllt wi ner Brut nach den lx Ablon sse, deinen als zwa 1 befahlel, orwärts! Kommisel nde sie i ühtt. Justiz i die Duale Nr. 32. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. Das Verhör begann unter tiefem Schweigen. Rose antwortete zuerst mit schwacher, gebrochener Stimme, doch nach und nach wurde sie kühner und erzählte mit einer Einfachheit und Bewegung, die das Publikum rührte, wie sie sich von ihrer Adoptivtochter getrennt hatte.„Ich wußte nicht, wohin ich meine Schritte lenken sollte“, gestand sie, ihre Augen mit ihrem Taschentuche trocknend, „und war fest entschlossen, mich von meiner lieben Kleinen zu trennen; doch ich hatte den Kopf verloren. Der Gedanke, daß Herr Felix Ablon abreisen wollte, um mich für immer zu verlassen, machte mich toll. Trotzdem kann man mir nicht vorwerfen, Lucette nicht geliebt zu haben, denn ich erzog sie, als wäre sie mein eigenes Kind gewesen. Als ich die schlafende Kleine forttrug, küßte ich sie und bat sie um Verzeihung. Auf dem Boulevard Sebastopol setzte ich mich auf eine Bank. Ein Polizist ging vorüber; ich hatte die Idee, ihn anzusprechen und ihn zu fragen, wo man die Findelkinder hinbringt; ich hätte ihm gesagt, ich hätte das Kind eben auf der Straße oder unter einem Thorweg aufgehoben; doch die Furcht hielt mich zurück. Ich ging weiter und wollte eigentlich nach der öffentlichen Entbindungsanstalt gehen; doch ich wußte nicht, wo sie liegt. Ich dachte auch an das Hotel de Dieu. In der Rue Saint⸗Denis erwachte Lucette und fing an zu weinen. Ich sang ihr leise etwas vor, und wiegte sie, um sie wieder einzuschläfern; so er⸗ reichte ich den Square Innocents, wo ich Halt machte. Der Schmerz erstickte mich. Bald be⸗ merkte ich einen Sandhaufen, den Arbeiter am Gitter aufgeschichtet haben, und dachte, daß Lucette hier nicht Gefahr laufen würde, zu fallen und sich zu verletzen; vielleicht würde sie auch von den Leuten bemerkt werden, die aus dem Theater kamen. Ich setzte das Kind auf Sandhaufen und zog mich zurück. Nach einigen Minuten wurde ich in meinem Entschlusse wankend und nahm das Kind wieder an mich, das ich von neuem auf die Erde setzte; dann versteckte ich mich in einer Thürnische. Ein Herr erschien, stieß einen leisen Schrei aus und bückte sich zu Lucette nieder. In diesem Augenblick erfaßte mich ein Schwindel und ich ih Als Rose ihre Erzählung beendet, setzte sie sich auf die Anklagebank und schwieg zitternd. Das Drama»der Kindesaussetzung endete folgendermaßen. Der Passant war, anstatt sich um die Kleine zu kümmern, schnell verschwunden, und gegen 12—1 Uhr hatte ein Laternenanzünder, der gegen den Sandhaufen gestoßen und Lucette entdeckt hatte, sich beeilt, die verlassene Kleine nach dem nächsten Polizeibureau zu bringen, und eine schnelle Unt ersuchung hatte die Verhaftung der Blumenmacherin herbeigeführt. Zehn Zeugen, Männer und Frauen, Nach⸗ barn und Nachbarinnen der Angeklagten, sagten nach der Beweisaufnahme aus und erklärten, daß die„kleine Fee“ ein Muster von Geschick⸗ lichkeit, Klugheit und Mildthätigkeit wäre, daß sie das Kind der unglücklichen Gabrielle Berthaus aus freiem Herzen aufgenommen und sich von dem Kinde nur deshalb so plötzlich getrennt hätte, um ihren Bräutigam, den sie wahnsinnig liebte, nicht auf immer zu verlieren. Diese günstigen Zeugnisse machten der Ver⸗ handlung schnell ein Ende. „Es ist nicht nötig, die Sache ist erledigt“, sagte der Präsident zu dem Advokaten, der sein Pincenez auf die Nase setzte, die weiten Aermel seiner Robe zurückschlug und sich zu plaidieren anschickte. Der öffentliche Ankläger machte ein zustim⸗ mendes Zeichen und deutete damit an, daß er die Anklage fallen lasse. Der Gerichtshof beriet sich eine Minute, dann teilte der Präsident in einer kurzen und wohlwollenden Ansprache mit, daß die Arbeiterin ohne Strafe und Kosten von der Anklage frei⸗ gesprochen wäre. Die Menge applaudierte und drängte sich um die„kleine Fee“, der die Polizisten die Frei⸗ heit zurückgaben. Auf dem Treppenflur des Gerichtsgebäudes trat der Setzer tiefbewegt an die Arbeiterin heran und flüsterte, den Kopf senkend: „Rose, kannst Du mir verzeihen?“ „Ich liebe Dich!“ versetzte Rose mit thränen⸗ überströmtem Gesicht und reichte ihm eine Hand, die er ehrfurchtsvoll drückte. „Wir werden uns in der nächsten Woche verheiraten!“ erklärte er in festem Tone, dann richtete er sich auf und sagte, seiner Braut mit strahlendem Blick den Arm bietend: „Komm, ich bitte um die Ehre, Dich nach⸗ hause begleiten zu dürfen!“ Sprüche zur Lebensweisheit. Faulheit und Dummheit und die aus beiden gemischte Furcht sind die Quellen des meisten Unfugs, den Bosheit und Uebermut anrichten. Wo keine Sklaven sind, kann kein Tyrann ent⸗ stehen.. Niemand ist vor den Anderen ausgezeichnet groß, wo die Anderen nicht sehr klein sind. * Die geheime Geschichte der sogenannten Großen ist leider meistens ein Gewebe von Niederträch⸗ tigkeiten und Schandthaten.(Seume.) Einem Menschen, der seinen Bruder un⸗ besonnen zum Himmel weist, sollte man die Erde zur Hölle machen und zwar ohne Aussicht auf den Himmel. . Allerlei. Unterschied. Wer alles Fremde haßt wie Gift, Wie Sünde und wie Schande, Wer es, wo er es immer trifft, Ausrotten möcht' im Lande, Wer stets nur, was landsmännisch ist, Und nie will andres lesen, Der heißt bei Christen Nationalist Und Boxer bei den Chinesen.(Kladd.) Luther und die Judenhetzer. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus zitiert in seinen Veröffentlichungen eine Stelle aus Luthers Schriften, die sich gegen den Blutaberglauben ausspricht, und in der es dann weiter heißt: „Unsere Narren, die Bepste, Bischoff, Sophisten und Munchen, die groben Esels⸗ kopffe, haben bisher also mit den Juden gefaren, daß, wer ein guter Christ were ge⸗ wesen, hette wol mocht ein Jude werden. Und wenn ich ein Jude gewesen were, und hette solche Tolpel und Knebel gesehen, den Christen⸗ glauben regirn und leren, so were ich eher ein Sau worden, denn ein Christen.“ Dem erwidert das Organ der„Beopste, Bischoff, Sophisten und Munche“, die„Köln. Volkszeitung“, indem es in sanfter Kränkung bemerkt, solche Ecinnerungen wären nicht zeit⸗ gemäß. Wir finden, daß das Gegenteil der Fall ist, sowohl wenn wir an Konitz, als wenn wir an China denken. .—̃—.—oà•awaumñ̃—.—.ß 8 bemselben ihre völlige Wiedergenesun Kurvorschrift, lehrt auch Kneihpkur, Massage, 1 0 Krankenkost und Schutz ö 00 000 Familien eingebürgert, er beste Beweis für dessen Vorzüglichkeit. ca. 2000 Seiten, 720 Abbildungen. viele 25 er Krankheiten zkc. Hat sich in wenig Jahren in bunte Tafeln und ente »gsehen und auseinan Zu bez. durch alle Buchh AP 2 Bilz jährlich Hunderte von Patienten all As approbierte Uerzte. Platz für 150 Kurgäste. Unser Comptoir ist vor wie nach Bahnhofstraße 40 parterre. Nraafel 300,500 5 Bilz, Das gene Katurheilbuch, schon verkauft. 100. elufl. Mit goldener . 2 ebällle und Ehren diplom ausgezeichnet. Tausende Kranke verdanten Das Werk giebt für jede Krankheit genaue bare bur te Modelle, an welchen man alle inneren Organe er nehmen kann. Preis geb. M. 12.50 und M. 16.—. andl. u. F. C. Bilz Berlag, Leipzig. 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Konzert, Kinderspiele und Tauz. Abends: Lampionzug— Grosses— nach dem Schloßgarteu, dortselbst Tanzkränzchen. Karten à 1 Mk.(1 Dame frei) für Nachmittag und Abends sind bei Kommissionsmitgliedern zu haben. 885 5 Eintritt zum Waldfest für Herren 30 Pfg., für Damen 15 Pfg. 2 Hierzu ladet freundlichst ein die ee ee e NB. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest in den Räumen 22 44; n FF auf der„Pulvermühle“ in Giessen, Vokal⸗ und Instrumental⸗Konzert, Kinderspiele mit Preisver⸗ 8 8 T teilung, P Abends: Fackelpolonaise und Tanz. 28 2 3 2„ Aufang 2 Ahr. Festrede von F. A. Vetters. Einteitt 20 Pfg. 2 75 25 2888 1 2 Befreundete auswärtige Gewerkschaften und Vereine sind freundlichst eingeladen.— Be 892 S 2 2 A jungünstiger Witterung findet das Fest im Saale des Cafe Teib statt. 9 2 2 2 3 3 823„ 2— Das Gewerlschafts⸗Kartoll. 2 85 8 88 J— ausn S ASZ„ 2 222 2 2 28. 2 ce S Die Gewerkscast der 2 7 28— 1 V 71, Millonen Mark Y 22 3 N 3s—.. 35 F 3 2 N und Weißbinder 2 g 82 SSS 3 8 2 2 von Gießen und Umgegend ca. baare Geldgewinne, darunter R S 83 S A spricht hiermit allen hiesigen Haupttr.: werden in comb. 14 Zieh- — S= 2 S A S und auswärtigen Genoff n 480 000 e e 28 8 53s 8 i a 240 000 Nächste gr. Gewinnziehung Gewerkschaften, Arbeiterver— 180 000 Türk. Staats-Eisenbahnloose 160 000 Am 1. August 1900. 135 000 Die Teilnabme erfolgt gegen monatlichen 7 950 Beitrag nur 4 Mark 48 000 Pe zwanzigsten Anteil. einen u. s. w. die sie während j J des Streiks in materieller und Dr. Theinb dt 8 sonstiger Hinsicht unterstützten ; ihren besten Dank aus. 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