410600 — 5 . 9289202030220 — N 0 N Gießen, Sonntag, den 2. Dezember 1900. 7. Jahrg Redaktion: N ö Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteldeutsche kitun N Redaktions schluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nel men Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedi Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen NFJuserate alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. tion in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 5 Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.)[33 ½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Klassenhevrsehaft. 2240 Millionen Mark und etwas dar⸗ über beträgt der Reichshaushalt für 1901. Dabei ist für die einmaligen außerordentlichen Aus- gaben eine Anleihe von 97 Millionen vorgesehen. Bei den fortdauernden Nusgaben figürirt na⸗ türlich in erster Linie das Reichs heer mit etwa 560 Millionen Mark; dazu kommt die Ma⸗ rineverwaltung mit etwa 80 Millionen. Bei den einmaligen Ausgaben kommen für die Verwaltung des Reichsheeres noch 90 Millionen und für die Marineverwaltung noch 72 Mil- lionen in Anschlag; dazu kommt der außerordent— liche Etat mit 30 Millionen für das Reichsheer und etwa 60 Millionen für die Marine. Die osten der Kolonialverwaltung sind in den Aus- gaben des Auswärtigen Amtes enthalten, die sich auf etwa 40 Millionen belaufen. In diesen Riesensummen zeigt sich, was ein so vollendeter Militärstaat wie das deutsche Reich kostet. Die anderen Institutionen erfordern dem gegenüber winzige Beträge. Der ganze Reichstag kostet 700 000 Mark, die Reichsjustizverwaltung etwas über 2 Millionen. Interessant ist zu sehen, wie der Klassenstaat diese ungeheure Last auf das Volk vertheilt. Recht deutlich kann man da sehen, wie die Haupt— last auf die„schwächeren Schultern“ abgewälzt isl. Aus Zöllen und Verbrauchssteuern kommt ein volles Drittel der ganzen Einnahmen, näm⸗ lich 810 Millionen Mark; die Zölle ergeben 478 Millionen, in diesen sind die Summen für Fleisch⸗ und Getreidezölle enthalten, die nach Bismarcks bekannter Behauptung„das Aus— land“ zahlt. In Wahrheit zahlt sie die Masse der einheimischen Konsumenten in Gestalt hoher Lebensmittelpreise; diese Masse muß die Ab⸗ gaben an den Staat und zugleich den Gewinn der agrarischen Kornwucherer aufbringen. Diese Zölle und die damit verbundene Theuerung wer— den natürlich von den kleinen und mittleren Leuten am schmerzlichsten empfunden. Und da spricht man von einem Getreidezoll von 10 Mk.! Die Tabakssteuer bringt 11 Millionen, mit denen hauptsächlich„die Pfeife des armen Mannes“ belastet ist; die Zuckersteuer ist auf 111 Millionen veranschlagt. Die drückende Salzsteuer bringt 48 Millionen. Die ge— sammte Branntweinbesteuerung bringt 128 Millionen, mit denen das Volk in seiner Masse belastet ist, während die Junker und großen Schnapsbarone die bekannte, von ihnen geleugnete„Liebesgabe“ von über 40 Millionen einstreichen. Die Brausteuer ist auf etwas über 31 Millionen veranschlagt. Das ist be— kanntlich den Steuerfeinden, den Flotten-⸗ und Weltmachtsschwärmern zu wenig; sie wollen be— kanntlich da die deutsche Steuerschraube kräftiger anziehen und damit das Volksgetränk, das Bier, vertheuern und verschlechtern. Die Post hat über 420 Millionen beizusteuern. Die Matrikularbeiträge— die Beiträge der Einzel— staaten zur Reichsverwaltung— sind mit etwa 571 Millionen angesetzt. Wenn man diese Summe übersieht, so er⸗ kennt man, daß die Reichsregierung allerdings „heidenmäßig viel Geld“ hat, daß ihr aber auch gar nichts übrig bleibt. Sie leidet bei alledem an Geldmangel, weil die ungeheuren Ansprüche des Militarismus zu Wasser und zu Lande kaum zu befriedigen sind. Und es werden noch mehr Ausgaben kommen, die das Reich in eine endlose Pumpwirthschaft hineintreiben. Die Schulden betragen ja jetzt schon 2,5 Mil⸗ liarden. Die chinesische Affaire wird schon be— wirken, daß noch mehr Schulden gemacht wer— den müssen. Daß die Sozialdemokratie, als Vertreterin der armen und arbeitenden Klassen, eine Politik mit einem solchen Finanzsystem bekämpfen muß, liegt auf der Hand. In den Jahrzehnten, wäh⸗ rend der sich die neue Steuer- und Zollpolitik herausgebildet hat, sind die Lasten für die große Masse des Volkes unausgesetzt gewachsen; die herrschenden Klassen haben es verstanden, sich mehr davon freizuhalten. Die Klassenherrschaft kommt in dem Reichsetat voll und ganz zum Ausdruck. Die„Finanzreformen“ des Herrn Miquel können nur dazu dienen, diese Klassenherrschaft zu verewigen. Das Volk aber seufzt nach Er⸗ leichterung seiner Lasten. Sie wird ihm stets von den bürgerlichen Parteien versprochen und stets werden die Lasten nur vermehrt. Wohin treiben wir mit dieser Finanz- und Steuerpolitik? Wahrscheinlich zur allgemeinen Erschöpfung, wenn das Volk nicht energisch ge— nug ist eine Umkehr zu erzwingen. Politische Rundschau. Gießen, 29. November. Ein lehrreiches Rechenexempel. Eine Zusammenstellung der„Volkszeitung“ über die gesammten Schulden des Reiches und der Einzelstaaten ergiebt, daß die Staatsschulden in Deutschland gegenwärtig ca. 13,5 Milliarden betragen. In einer größeren Zahl von Einzelstaaten— erfreulicher Weise nicht in allen— herrscht die gleiche Pumpwirth— schaft wie im Reiche. So steuert jetzt Preußen lustig auf die siebente Milliarde los, in Bayern sind 1,5 Milliarden staatlicher Schulden vor— handen. Nimmt man einen durchschnittlichen Zinssatz von 3,5 Proz. an, so haben das Reich und die Einzelstaaten ihre Schulden mit etwa 450 Mil- lionen Mark jährlich zu verzinsen, es müssen mithin an staatlichen Schuldzinsen ca. 1233 000 Mark, also nahezu 1,25 Million Mark täg— lich(J) bezahlt werden! Rechnen wir den Arbeitsdurchschnittsver— dienst eines Arbeiters pro Tag auf 2,50 Mk. — was, wie jeder Sozialstatistiker weiß, be— sonders unter Berücksichtigung ländlicher Ver— hältnisse, viel zu hoch gegriffen ist— so ergiebt sich, daß 500 000 Arbeiter im Deut⸗ schen Reiche Jahr aus Jahr ein arbeiten müssen, um lediglich die Zinsen der Reichs⸗ und Staatsschulden zu verdienen! Wie könnte Deutschland in der Welt, ohne aus⸗ wärtige Pachtungen, Besitzungen und Verwicke⸗ lungen, dastehen, wenn diese halbe Million Arbeitskräfte für produktive Zwecke thätig sein könnte! Ministerverantwortlichkeit. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs- tages hat den angekündigten Antrag auf Aus⸗ dehnung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit des Reichskanz⸗ lers eingebracht. Danach soll ein Staatsge- richtshof eingesetzt werden, der aus 24 vom Reichstag zu wählenden Abg. bestehen solle. Der Gerichtshof solle erkennen dürsen nicht nur auf Absetzung des Reichskanzlers, sondern auch auf Verlust des Rechtes zur Bekleidung jedes anderen Amtes, sowie auf Schadenersatz. Fällt dem angeklagten Reichskanzler auch eine im allgemeinen Strafgesetz vorgesehene Hand⸗ lung zur Last, so hat der Staatsgerichtshoß außerdem die Bestimmungen dieses Gesetzes gegen ihn anzuwenden. Das Recht der Begna⸗ digung oder Strafmilderung zu Gunsten des Verurtheilten darf nur auf Antrag des Reichs- tages ausgeübt werden. Eine Beschränkung der Redefreiheit im Reichstage verlangt das Berliner Organ des Bundes der Landwirthe. Das agrarische Blatt schlägt vor, die Geschäftsordnung„in vernünf⸗ tigen Grenzen“ zu ändern, oder bis der Reichs⸗ tag dauernd beschlußfähig und außerdem ent⸗ schlossen ist,„das ungebührliche Vordrängen der Sozialdemokraten“ mit allen geschäftsordnungs⸗ mäßigen Mitteln zurückzuhalten. Hunnenbriefe. In letzter Zeit sind trotz des Verbotes das an die Soldaten in China ergangen ist, nämlich von ihren Erlebnissen keinerlei Mittheilungen nach Deutschland gelangen zu lassen, zahlreiche Briefe veröffentlicht worden. Sie stimmen be— züglich der Schilderungen der Hunnenthaten durchaus überein, so daß letztere nicht, wie es im Reichstage geschah, als Uebertreibungen, als Soldatenrenommistereien abgeleugnet werden können. Aus einem in Peking am 29. 9. ab⸗ gesandten Briefe eines Chinafreiwilligen, den der„Würzburger Anz.“ veröffentlicht, sei Fol⸗ gendes angeführt: „Bis jetzt hatten wir eine schwere, schwere Zeit. Nichts zu essen, nichts zutrin⸗ ken und jeden Tag 40 Kilometer marschirt, von Tientsin bis Peking 160 Kilometer. Alles ist zerschossen und verwüstet. Die Dörfer sind niedergebrannt, da steht auch kein ganzes Haus mehr. Die todten Chinesen liegen so herum und verwesen, die ganze Luft ist verpestet von den erschossenen Chinesen. Wird auch keiner begraben. Von Straße ist keine Spur. Wir gehen den ganzen Tag auf Rauben, Morden Und Plün dern aus Vier uh; habe ich und noch ein Kamerad auf einem steilen, 700 Meter hohen Berge erschossen, und wälzten sie den Berg herunter in unser Lager, wo wir dann den Kirchweihmontag feierten. Diese Woche hatten wir ein kleineres Gefecht, wobei 200 Boxer und chinesische Soldaten ge— e ind Bis jetzt hat mir noch keine feindliche Kugel was zu Leid gethan. Wenn es Gottes Wille ist(), werde ich auch so durch- kommen. Von meinen Kameraden schlummert schon so Mancher in der Erde.... Bis jetzt habe ich 17 Boxer erschossen, Iain dem Straßenkampf. In der Festung da schoß Einer auf mich auf 20 Meter und traf mich nicht. Ich hatte ihn aber gleich mit einem Schuß durch den Hals zu Boden gestreckt und vor lauter Wuth stach ich ihm das auf⸗ gepflanzte Seitengewehr in den Rücken und drückte noch einen Schuß los, wo er dann ganz zerfezt vor mir lag, daß ihm die Gedärme zum Balg'rausliefen. Wir sind überhaupt furchtbar grausam gegen die Kerls. Wer uns in die Finger kommt als Gefangener, ist eine Leiche. Alles wird kalt gemacht.“ Christliche Kultur! Ueber die Folgen des Rachekrieges schreibt man dem„Vorwärts“ aus Baden: Unsere Handelsbeziehungen zu Ching und Japan haben die rasche Folge gezeitigt, daß die auf dem Schwarzwal de eingebürgerte Industrie der Strohflechterei, welche besonders in den 8Sᷣder Jahren einen wesentlichen Theil der r e e ALK e cd S O, Y 10 10 1 rr 1 1 1 Seite 2. Mitteldeutsche Sonntagszeitung. hausindustriellen Thätigkeit jener Bevölkerung bildete, auf den Aussterbeetat gerieth. Infolge dessen ist die von der Regierung eingerichtete Flechterschule vor Kurzem aufgehoben worden. Krisis in der Industrie. Gegenwärtig wird aus vielen Orten Ge⸗ schäftsstockung, die hauptsächlich in Jo der Chinawirren eingetreten ist, gemeldet. Beson⸗ ders in Dresden soll die Arbeitslosigkeit eine enorme sein. Ein Freund der„Sächsischen A.⸗Zt.“ zählt an einem Ort, wo Arbeitsangebote angeschlagen sind, Montag 720, Dien stag 630, Mittwoch 790, Donnerstag 920, Freitag 1240 Arbeitslose. Und das betrifft nur eine einzige Stelle, es handelt sich sicher also nur um einen Bruchtheil der sämmtlichen Arbeitslosen in Dresden. Eine genaue, Arbeits⸗ losenzählung würde jedenfalls ein trübes Bild von Arbeitslosigkeit ergeben. In einem Berichte der„Kleinen Presse⸗ heißt es: In Rons dorf und Wermelskirchen, den Hauptsitzen der Bandindustrie herrscht große Arbeitslosig⸗ keit. Schon im vergangenen Sommer suchten beschäftigungslose Wirker Arbeit bei Landwir⸗ then, im Forstbetrieb und bei Thalsperren⸗ bauten. Die Stadtverordneten haben sich bereits mit der Nothlage befaßt und Schritte gethan, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen.— Auch auf dem großen Walzwerk Peine bei Hildesheim sind größere Arbeiterentlassungen vorgenommen worden und jetzt erhielten wieder eine große Anzahl Arbeiter ihre Kündigungen. Wie ver⸗ lautet, soll im Laufe der Zeit noch mehr Ar⸗ beitern gekündigt werden. Und aus Leipzig wird berichtet: Der Ge⸗ schäftsgang in der Maschinenindustrie ist hier zur Zeit ein sehr stiller und die Aus⸗ sichten keineswegs vertrauenerweckend. Gieße⸗ reien und Maschinenfabriken sind wenig beschäf⸗ tigt; ein großer Theil derselben sah sich ge⸗ zwungen, zu Arbeiterentlassungen zu schreiten, ein anderer, die Arbeitszeit wesent⸗ lich zu verkürzen. Die Aussichten für die In⸗ dustrie landwirthschaftlicher Geräthe und Ma⸗ schinen für das kommende Jahr sind keineswegs günstig; der schwierige Geldstand und die schlech⸗ ten Ernten, namentlich im Süden Rußlands, haben die Kaufkraft des Landmannes ganz be⸗ denklich geschwächt. Autisemitischer Volksvertreter an der Arbeit. Liebermann v. Sonnenberg, der Führer der einen Hälfte der Antisemiten im Reichstag, hat wiederum einen Antrag auf Verbot der Einwanderung ausländischer Ju⸗ den eingebracht. Soll dadurch der Mittelstand gehoben werden? Sozialdemokratische Wahlerfolge. Bei den Stadtverordneten wahlen in Leipzig behaupteten unsere Genossen die früher innegehabten fünf Sitze. Die sozial⸗ demokratische Gesammtstimmenzahl stieg aller⸗ dings nur von 7506 im Jahre 1898 auf 7529. — Die Esatzwahl in Rixdorf brachte wieder unseren Genossen in 9 Bezirken den Sieg; in 6 Bezirken wurde allein Genosse Pahl als Haus⸗ besitzer gewählt. Es muß nunmehr in 5 Be⸗ zirken wieder eine Ersatzwahl vorgenommen werden. Vielleicht erhalten durch diese Verzöge⸗ rungspolitik unsere Rixdorfer Genossen noch die nöthige Zahl Hausbesitzerkandidaten.— Auch in Breslau errangen unsere Genossen bei den Stadtverordnetenwahlen beachtenswerthe Erfolge.— In Löbtau bei Dresden gingen unter überaus starker Betheiligung die Ge— meindewahlen, an denen sich nicht weniger als 94 Prozent der Wahlberechtigten betheiligten, vor sich. Gewählt wurden die Genossen Walther, Fleißner und Künzel, sowie zwei Ersatzmänner. Während für unsere Kandidaten 566 bis 581 Stimmen abgegeben wurden, erhielten die Geg— ner 436 bis 478.— Bei den Stadtverordneten— wahlen in Dessau hat die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg zu verzeichnen. Der Hessische Landtag beginnt am 6. Dezember wieder mit seinen Ver- handlungen. Auf der Tagesordnung stehen llei— nere Vorlagen. Der Abg. Ulrich hat in der Zweiten Kam⸗ mer einen Antrag, betreffend die Errichtung einer technischen Mittelschule in Offenbach, eingebracht, welcher verlangt, die] war Herr W̃ ˖ e Vorsi eingebracht, welcher gt, Herr v. Wangenheim, der Vorsitzende Kammer wolle beschließen, die Großh. Regie- ö ö 5 f 11 rung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Vor- lage zu machen, durch welche in Offenbach als der ersten Industrieschule des Landes, eine technische Mittelschule errichtet wird. Deut seher Re ĩehst ag. Erst am Freitag wurde nach viertägiger Ver⸗ handlung die Chinadebatte zu Ende geführt, so daß die 12 000 Mark-⸗Geschichte erst am Sams⸗ tag zur Erörterung gelangte.— Zum Rachezug sprach am Donnerstag zunächst Payer von der süddeutschen Volkspartei, welcher der Regierung einige bittere Wahrheiten zu hören gab. Der Herr Reichskanzler sowie der Kriegsminister haben die Kaiserreden, wie er meint, nicht eigent⸗ lich nicht vertheidigt, sondern nur zu erklären und zu entschuldigen gesucht, und für eigenes Verhalten gewissermaßen eine vis⸗major(höhere Gewalt) als mildernden Umstand angeführt. Als unerhört bezeichnete er mit Recht den Zu- stand, daß man heute noch nicht wisse, was für Politik wir betreiben, denn die vom Kanzler vertretene Politik vertrage sich nicht mit einer Uebernahme der Verantwortlichkeit für die Re⸗ den des Kaisers, in denen eine ganz andere Politik vertreten werde. Seine Frage nach dem Bundesrath, der doch in Deutschland der eigentliche Träger der Sou- veränität an Stelle des Kaisers sei, rief den bayrischen Bevollmächtigten zum Bundesrath, Grafen v. Lerchenfeld, auf die Tribüne. Doch gab er nur die Erklärung ab, daß der diplomatische Ausschuß des Bundesraths, der im Sommer zusammengetreten sei, sich mit der Reichspolitik durchaus einverstanden erklärt und auch nicht daran gezweifelt habe, daß der Reichs- tag dasselbe thun werde. Er bemerkte noch, daß auch die bayrische Regierung kaum Einspruch erheben würde, wenn bei der Bewilligung der geforderten 150 Millionen das Wort Indem⸗ nität, das in diesem Falle keine staatsrechtliche Bedeutung habe, in die Vorlage hineingeschrieben werde. Der Pole v. Dziembowski wider⸗ sprach der Weltpolitik der Regierung im All- gemeinen nicht, richtete aber einige scharfe Spitzen gegen sie; dieselbe Regierung, welche an den chinesischen Boxern die Verletzung des Gast⸗ rechtes so energisch räche, handle selbst nicht besser gegen die Dänen; hier habe der Kanzler Gelegenheit, auch gegen die preußischen Boxer Front zu machen. Nun ergriff Herr Stöcker das Wort, um unter dem Beifall der Junker, die der konser⸗ vative Geheimrath Wagener früher einmal in Ochsen von Geburt und Ochsen aus Prinzip eintheilte, seine Lügen in alter und neuer Ver⸗ brämung gegen unsere Partei vorzubringen. Daß dem reichsfeindlichen und vaterlandlosen Bebel nur eine Schafherde folgen könne, ist eine Schimpferei, die aus diesem Munde Nie- manden verunglimpfen kann. Als er seine Ver⸗ leumdungen der Pariser Kommune vorbrachte, rief Genosse Richard Fischer ihm zu:„Das ist eine bewußte Lüge!“ Zwar trug ihm das einen Ordnungsruf ein, aber Fischer hatte damit der Empfindung aller anständigen Leute in drasti⸗ scher Weise Ausdruck gegeben. Nach einigen unbedeutenden Bemerkungen des Welfen Hodenberg erhielt unser Gen. Singer das Wort. Eine eigentliche Abrech⸗ nung mit dem abgedankten Hofprediger, diesen typischen Vertreter des Muckerthums, der wie alle seines Gleichen die Wahrheit nicht leiden kann, nahm er noch nicht vor; die besorgte Bebel am anderen Tage mit einer Gründlichkeit, die den abgebrühten Pfaffen gänzlich zum Schwei⸗ gen brachte. Indessen wies er doch die hand- greiflichsten Lügen des Predigers der Nächsten⸗ liebe zurück. Im Uebrigen führte er der Ma⸗ jorität zu Gemüthe, wie sie durch ihren Be⸗ willigungseifer selbst die Mißachtung verschuldet habe, welche die Regierungen dem Reichstage angedeihen lasse. Der Kriegsminister hat die Vorlegung der Hunnenbriefe verlangt, um die Urheber der Greuelthaten, falls sie sich bestä⸗ tigen, zu bestrafen. Wir wissen ja, was bei solchen Untersuchungen herauskommt; im ge⸗ heimen Gerichtsverfahren werden Diejenigen be- straft, welche die Dinge zur Kenntniß der Oef— fentlichkeit gebracht haben. Unser Redner erin⸗ nerte hierbei an den Befehl, daß nur noch offene Postkarten aus Ostasien in die Heimath befördert werden sollen. Abg. Bachem legt noch einmal die Stellung des Zentrums dar, also der Par⸗ tei, die nach dem treffenden Ausdruck ihres Führers sulminante Reden hält, um dann doch alles zu bewilligen. Der letzte Redner des Tages des Bundes der Landwirthe, die nur mit ver⸗ drossener Miene unserer Weltpolitik folgen. Freitag, der 23. war vorläufig der letzte Tag der Debatte über den Khakifeldzug; die Vorlage wurde an eine Kommission verwiesen. Der erste Redner des Tages * .. war der Aldeuische Herr Hasse, Wey g ut dem= 9 Ali. der Reichstag in Ermangelung eines echten National⸗ Sozialen begnügen muß. Er tä e die Hoffa dieser Waffervatrioten, die ihm in der Sich cht 1 un sern Genossen zum Siege verhalfen, auch keineswegs sprach er doch die Befürchtung der andern Parteien, daß die Neuformationen für Ostasien sich zu einer ständigen Kolonialarmee auswachsen werden, als eine ganz besondere Hoffnung aus. So weaig aber die weltpolitischen Pläne dea Beifall des Volkes finden, so wenig erregten sie auch die Aufmerksamkeit des Reichs⸗ tags. Das hohe Haus war vielmehr von einer ganz ungemeien Unaufmerksamkeit, die auch der freisinnige Herr Schrader nicht brechen konnte; bemerkenswerth war seine Aeußerung über die Kamarilla(Einflußreiche Gesellschaft von Günstlingen eines Monarchen) in der Umgebung des Kaisers, üder die sich schon am Tage vorher der Bändler Wangenheim beschwerte. Eine Kamarilla haben wir ja immer gehabr; ihre Mitglieder sind aber stets aus den Kreisen hervorgegangen, die dem Beschwerde führenden Herrn v. Wangenheim be⸗ sonders nahestehen. Das Bild der unaufmerksamen Ermüdung, sowie des Ueberdrusses, das der mit Chinareden gesättigte Reichstag darbot, änderte sich aber sofort, als Bebel die Tribüne betrat. Voll jugendlichen Feuers, mit lebhaftem Temperament schleuderte er den Regierungen und den Mehrheitsparteien seine wuchtigen Anklagen entgegen, die das Haus mit größter Aufmerksamkeit an⸗ hörte, wenn sie auch mehrfach lebhaft dagegen pro⸗ testietten. Aber nichts von allem, was sie in der vier⸗ tägigen Debatte an Beschimpfung und Verleumdung unserer Partei vorgebracht, blieb den Gegnern geschenkt. Zunächst geißelte unser Genosse die Art und Weise, mit der das hohe Haus die Erklärung, des bayrischen Be⸗ vollmächtigten, Grafen von Lerchenfeld, aufgenommen, eine Erklärung, die nichts weniger bedeutete, als eine schallende Ohrfeige für den Reichstag; aber seit das Zentrum Regierungspartei geworden, kann es sich eben den Luxus einer eigenen Politik nicht mehr gestatten. Besonders erregt zeigte sich der Kriegsminister, als Bedel aufs Neue die Hunnenthaten und die Kaiserreden kritisirte. Es wurde den Vertheidigern der Chinapolitik nichts erlassen. Was sie immer bei dieser Debatte vorgeführt hatten, unterwarf unser Ge⸗ nosse eingehender Kritik. Auf das Verlangen des Kriegsministers, die Namen der Hunnenbriefschreiber zu nennen, sagte er: Dazu habe er gar keinen Grund. Die Briefe haben in der Presse gestanden, und wenn die deutsche Staatsanwaltschaft oder die Preßadiheilung des Kriegsministeriums sie für unwahr hält, so hätte sie jeden Augenblick die betreffenden Blätter zur Verantwortung ziehen können. Kein deutscher Staatsanwalt hat bisher Anklage er⸗ hoben, weil die Staatsanwälte das Gefühl hatten, daß diese Hunnenbriefe leider wahr sein müßten. Der Kriegsminister hat weiter erklärt, man könne in keiner Weise den Kaiser verantwortlich machen, daß Weiber und Kinder niedergemetzelt worden seien. Ich frage ihn: Ist seitens des Oberkommandos in China nicht der kaiserliche Befehl weitergegeben worden: „Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht?!“ Das wollen wir wissen.(Großer Lärm.) Wenn der Kriegsminister diese Frage nicht klipp und klar beantwortet, so ziehe ich daraus den Schluß, daß ein solcher Befehl gegeben worden ist. Wenn der Kriegsminister die Verantwortung für den Kaiser abgelehnt hat, so bin ich in der Lage, einen Hunnenbrief vorzulesen, der in der Fränkischen Tages⸗ post veröffentlicht worden ist. Redner verliest den aus Taku vom 5. Oktober datirten Brief in dem es am Schlusse heißt: Alles, was uns in den Weg kommt, ob Mann, Frau oder Kind, wurde hingeschlachtet. Wie da die Weiber schrieen! Aber des Kaisers Befehl lautet: Es wird kein Pardon gegeben! Wir haben Treue und Gehorsam geschworen, und das halten wir auch.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben hier in aller Form die Bestätigung, daß die Soldaten nur einem höheren Befehle gefolgt sind, und Sie können sich denken, wie dieser Befehl von fanatisirten, aufs Aeußerste erregten Soldaten ausgelegt wird. Hier handelt es sich nicht um einen Aufschneider, denn der Betreffende bedauert ja ausdrücklich, daß er so habe vorgehen müssen.(Abg. Stöcker: Nennen Sie doch den Mann!) Das ist eine sehr naive Forderung. Der Brief liegt vor mir.(Zum Kriegsmmister gewendet.) Verklagen Sie doch die Zeitung, wenn Sie glauben, daß der Brief unwahr ist. Der Reichskanzler hat die Verantwortungen für die kaiserlichen Reden in Bremer⸗ haven vom 3. Juli übernommen und gemeint, sie seien ihrem ganzen Inhalte nach nur dadurch veranlaßt worden, daß der Kaiser damals nicht nur gewußt habe, daß sein Gesandter bereits ermordet sei, sondern auch geglaubt, daß die übrigen Gesandten bereits ermordet seien. Das ist nicht der Fall. Der Kaiser sagte: „Vielleicht haben die Gesandten der anderen Mächte schon heute ihren letzten Kampf gekämpft.“ Der Reichskanzler meint, der Kaiser hätte in Bremerhaven als Soldat und nicht als Diplomat gesprochen. Allein der Kaiser spricht nie als Soldat und nie als Viplomat, er spricht nur als Kaiser und ist eine viel zu selbstbewußte Persönlichkeit, als daß er auch nur einen Augenblick anders vor das Volk treten will, wie als Kaiser. Er trägt dann aber die Verantwortung nicht nur vor dem Reichstag, sondern vor der ganzen Welt und vor der Geschichte. Bei der Rede am 27. Juli mußte der Kaiser wissen, daß die Gesandten außer dem Freiherrn von Ketteler so gut wie gerettet seien. Die deutsche Kultur in die Welt tragen, ist eine schö ae und große Aufgabe, aber es kommt auf die Art an, wie man zu fremden Völkern kommt. . Augen dul der Aabeh, 1 geben dafi deer An Aeltben! Jalalge. Ou uusfen w. 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Stöcker eine falsche Dar⸗ Rellung der ersten Bebel'schen Rede vor nnd ruft ihm zu: Sie haben entweder während meiner Rede geträumt, oder Sie sird nicht dagewesen! Jede Religion ist ihrem Wesen nach intolerant. weil sie jeden anderen Glauben ausschließt. Der Protestantismus war gerade so intole⸗ rant wie der Katholizismus, vom ersten Augenblick seines Bestehens an; kein intoleranterer Mensch als Luther, Melanchthon, Calvin! Herr Stöcker hat uns wieder Vaterlandslosigteit vorgeworfen. Gegen diesen ewig wiederholten Vorwurf sind wir allmählich abgestumpft. Auch die ersten Christen waren vaterlandslose Gesellen, und auch Ihr Gott ist ein internationaler Gott, nicht ein speziell deutscher Gott. Ich verlange nichts von Ihnen als Gerechtigkeit; urtheilen Sie auf Grund der Thatsachen, nicht Ihrer Leidenschaft! Sie sind eben nicht gewöhnt, die Wahrheit zu hören! Bebel wandte 12 dann gegen das, was Stöcker über die Pariser ommune und die Erschiezung des Erzbischofs von Paris gesagt hatte und widerlegte es eingehend. Die bürger⸗ ichen Parteien, die sich auch noch als arbeiterfreundlich bezeichnen, vertheuern den Arbeitern die Lebensmittel! Bedcuerlich genug, daß es noch deutsche Arbeiter giebt, die für sie immen. Denen mogen die Gbtter ihre Dummheit verzeihen!— Reichskanzler v. Bülow und der Kriegsminister v Goßler suchten die Ausführungen Bek els zu entkraften. Ersterer meinte, die Reden des Kaisers in Wüheshaven wären unter dem Eindruck der Nachricht von der Ermor dung aer Europäer in Peking gehalten worden. Er glaubt auch nicht, daß die Schilderungen der Hunnenbriefe auf Thatsa chen be⸗ ruhen. Aber Herr v. Bülow konnte so wenig wie der Kriegs minister, der nach ihm sprach, den gewaltigen Ein⸗ druck der Bek el'schen Anklagen verwischen. Auf die Frage Bebels, ob der Besehl gegeben worden sei, keinen Pardon zu geben, gab auch v. Goßler keine klare Antwort. Daraufhin erklärte Bebel, daß er aus dem Ausbleiben dieser Antwort schließen müsse, daß ein solcher Befehl gegeben worden sei. Damit schloß die Chinadebatte; die Voralge wurde der Ker mission überwiesen. Samsrag kam endlich die Interpellation unserer Ge⸗ nossen wegen der 12000 Mark- Affaire zur Verhandlung. Wie schon mitgetheilt, fragten unsere Genossen den Reichskanzler, welche Maßregeln er gegen den Staats- sekretär unb den Direktor des Reichsamts des Innern wegen des an den Verbond der Judustriellen gerichteten Ersuchens um eine Geldspende zur Betreibung der Agitafion sür die Zuchthaus vorlage ergreifen wobe Mit vornehmer Sachlichkeit begründete Auer die Vorlage und wirkte dadurch um so vernichtender. Dem Eindruck seiner Rede schien sich selbst der Reichskanzler nicht ganz ent⸗ ziehen zu können. Wenigstens war ein ähnliches Urtheil aus seinen Worten herauszulcsen. Auers Rede wurde eine große Abrechnung mit der Regierungspolitik der letzten Jahre, die in sklavischer Abhängigkeit von dem Zentralverband der In dustriellen sich befand und dadurch zur unverhüllten Klassenpolitik wurde. Auer wies darauf⸗ hin, wie es sich bei der Zuchthausvorlage darum handelte, ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter zu scheffen, dessen ausgesprochener Zweck es war, den Armen, den Enterbten das Koalitionsrecht zunehmen; der Aermsten einzige Waffe stumpf zu machen! Für ein solches Gesetz die Agitation zu betreiben, dazu erscheint der Direktor des Reichs amts des Innern mit dem Klingelbeutel vor der Thüre der Groß⸗ industriellen! Das ist eine sehr traurige Er⸗ scheinung! Die Scharfmacher verstehen es, zu rechter Zeit Geld aus dem Beutel zu thun.— Necht um eine persönliche Bestech ung handelt es sich, sondern um Schlimmeres. Nicht ein Einzelner ist gestrauchelt, das wäre menschlich begreiflich— wir haben is hier mit Ersche imumgen auf einem weiten Gebieten der Re⸗ giesung, zu thun. Redner stellt den großen Einfluß, den der Zentralverband der Industriellen auf die Regierung besitzt, fest, weist daraufhin, wie stets die Regierungsvertreter auf den Generalversammlungen des Zentralverbandes erscheinen und sich der Scharfmacher⸗ organisation zur Verfügung stellen, wahrend sie nie geit haben, der Versammlung einer Gewerkschaft beizuwohnen und wenn es sich um noch so wichtige Dinge handelt. Selbst die lauen sozial⸗ resormatorischen Beftrebungen des früheren Ministers v. Berlepsch und des Staatssekretärs Rottenburg gingen dem hochnäsigen Zentralverband zu weit, dessen bezahlte Agitatoren die Regierung beschimpften.— Um die Ungeheuerlichkeit des Falles zu verschlelern, behauptete man, die Veröffentlichung des Bueck'schen Briefes sei eine freihändlerische Intrig ne. Ein thörichterer Einwand kann gar nicht gemacht werden. Wenn es nur darauf ankäme, die moralische und ethische Grundlage des Reiches zu untergraben, dann könnte es uns ja nur recht sein, wenn so fadenscheinige Vertreter im Ministerium säßen! Das Gegentheil hätten wir thun müssen. Denn Sie(nach rechts) haben als Schutzzölluer das größte Interesse daran, daß auf den Bundesraths bänken Vertreter sizen, die wenig sie den Ansch 15 der Unabhängigfeit haben. Sie müssen dafür sorgen, daß die Bundes rathsbänke nicht du Armen⸗Sünder⸗Bänkchen werden! 0 5 Auer schloß: Alle ehrlichen Leute müssen mit uns einstimmen in den Ruf: Fort mit einem e daß solche Vorgänge zeitigt und ii den Personen, die sich derartiges zu schul 115 kommen ließen!— Lebhafter Beisall unserer 5 nossen folgte den Auer'schen Ausführungen.) 13 Reichskanzler erklärte in seiner Antwort., nicht seiner Verantwortung hätte sich dieser„Mißgriff 55 5 ereignen können. Es sei strenge Anweisung an 175 belr. Ressort ergangen, sich nie wieder in solche 10 einzulassen. Aber der Pferdefuß kam nach. 0 nicht; Nesrasung der Schuldigen denkt der Reichskanzler ni 5 ste bleiben im Amk. Und weshalb? Graf Bilow suchte sich den Anschein zu geben, als glaube er an das Märchen von der Intrigue, die es auf den Sturz Posadowsky's abgesehen babe. Von den Nednern der bürgerlichen Parteien erklärte sich nur Munckel von der freisinnigen Voskspartei mit den Aus⸗ führungen Auers einverstanden. Alle anderen aber, Büsing, v. Levetzow und ganz besonders der freiwillige Regierungsvertreter, der Führer der varbeiterfreundlichen“ Centrumspa tei, Herr Lieber, suchten das Verhalten des Grafen Posadowsky zu be⸗ schönigen. Letzterer ergriff nicht das Wort, trutzdem er vom Genossen Schön lank direkt provozirt wurde. Als nach den wirkungsvollen Ausführungen Schönlank's der Prösident die Diskussion schloß, da niemand mehr auf der Rednerliste stehe, rief Singer unter großer Heiterkeit des Hauses:„Und wo bleibt Po⸗ sadowsky?“ Und im Chorus schallte es aus den Reihen der Sozialdemokratie zurück:„Er schweigt!“ Graf Posadowsky ader verließ„gebückt“ den Saal Am Montag kam eine Interpellation des Grafen Oriola über die Milirärpensionsnovelle zur Berathung Es handel sich darum, den Kriegsinvaliden aus dem Jahre 1870 die spärliche Pension zu geben, die ihnen zukommt Jeder Invalide, der seine Bedürftigkeit nachweist, soll 120 Mk. jährlich, oder 10 Mark monat⸗ lich oder 33 ½ Pfg. pro Tag erhalten. Der Reicheschatz⸗ sekretär Frhr. v. Tuielmann erklärte jedoch, daß für diese Session die gewünschte Vorlage noch nicht ver⸗ sprochen werden könne, für die Kriegsinveliden ist eben das Geld nicht so schnell zu haren, wie für das aktive Heer. Mit Reckt wies unser Genosse, der Abgeordnete v. Vollmar, darauf hin, daß wir uns Frankreich gegenüber wegen dieser Schabigkeit, mit der wir unsere Ir validen behandeln, geradezu schämen müßten; bei dem Wohlwollen des Herrn Schatzsekretärs, der noch immer Erwägungen anstellt, können die armen Invaliden verhungern. Dann wurde in die erste Berathung der Seemanns⸗O n dnung eingetreten, die am Dienßag zu Ende geführt wurde. Von nunserer Selte sprachen Schwartz⸗Lübeck und Molkenbuhr zu diesem Gegenstande. Der Krieg mit China. „Einigkeit“ der Mächte. Mehr als je hapert es jetzt mit der gerühmten europäischen Einigkeit. Rußland zieht alle seine Truppen bis auf eine Schutzwache in Peking aus Petschili zurück und beginnt auch mit der Räumung den Mandschurei. Der amtliche russische Regierungs- bote drückt die Hoffnung aus, daß alle russt⸗ schen Truppen schon in der ersten Hälfte des nächsten Jahres sich wieder in ihren früheren europäischen Garnisonen befinden werden. Auch die„Köln. Ztg.“ knüpft an die Meldung von der Zurückziehung der russischen Truppen die Ver- muthung, daß Rußland wie Amerika sich an den weiteren Zwangsmaßregeln gegen China zur Bestrafung der Rädelsführer nicht be— theiligen will. Vier Nationen, Japan, Amerika, Rußland und Frankreich sind dafür, daß die Forderung der Todesstraße für die von den Gesandten in Peking als Schuldige bezeichneten Prinzen und Beamten in die Forderung einer geringeren Strafe geändert wird. Japan außerdem die früheren Beschlüsse durch die For- derung einer besonderen Sühne für die Ermordung des japanischen Kanzlers. Auch auf England wird Deutschland bei der Durch— führung der„unabänderlichen Entscheidung“ kaum rechnen können. Der Washingtoner Be- richterstatter der„Morning Post“ erfährt, es seien Verhandlungen im Gange zwischen den Vereinigten Staaten und England bezüglich der von China zu fordernden Ent- schädigung. Die seit acht Tagen schwebenden Verhandlungen strebten eine Verständigung in Gestalt gegenseitiger Zusage an, keinem Schritte beizutreten, der geeignet wäre, China bankbrüchig zu machen und dadurch den Zerfall des Reiches herbeizuführen. Ohne bestimmte Bedingungen zu formiren, würde die Verständigung die Umrisse einer gemäßi gen Politik und die Einladung an andere Mächte zum Beitritt enthalten. 1 15 Chinesischer Hof. Auswärtige Blätter verbreiten allerhand Mittheilungen über die schlechte Lage des chinesischen Hofes in Sin- ganfu; die Verpflegung soll sehr mäßig, der Schutz kaum genügend sein, fremdenfeindliche Generäle hätten das Heft in der Hand. Wenn es so ist, so wird die Unsinnigkeit der von den Mächten gestellten Friedensbedingungen noch deutlicher. Der Krieg in Hüdafrika. Krüger in Europa.. Der Präsident der Buren, Paul K rüger, ist am Donnerstag voriger Woche in Marseille gelandet und zwar unter den begeisterten Kund— gebungen der versammelten Menschenmenge, die fortwährend Hochrufe auf ihn und die Buren ausbrachte. Dr. Leyds landete zuerst; ihm folgte Krüger, der entblößten Hauptes die Mit⸗ glieder des Empfangskomitees begrüßte. Die Vorsitzenden des Komitees hielten Ansprachen, in denen sie Krüger willkommen hießen. Krü⸗ ger hielt hierauf eine Rede in holländischer Sprache, welchen tiefen Eindruck hervorgerufen hat. Als der Wagen zum Hotel fuhr, pfiffen etwa 20 Engländer vom Balkon eines anderen Hotels aus. Die entrüstete Menge versuchte in das Hotel einzudringen; die Thore wurden jedoch geschlossen. Nachmittags empfing Krüger den Maire von Marseille, den Sozialdemokraten Flaissieres, der ihm die theilnehmenden Gefühle der Stadt⸗ bevölkerung für die Buren und ihr Unglück aus⸗ sprach und den Wunsch daran knüpfte, daß die Transvaalfrage eine gerechte Lösung finden möge. Präsident Krüger dankte ihm und be- merkte, er vertraue auf Gott und sein gutes Recht.— Auch in den Städten, die Krüger auf dem Wege nach Paris berührte, wurde er be⸗ geistert empfangen. Samstag kam er in Paris an und Hunderttausende empfingen ihn mit großem Jubel. Er wurde dort von dem Ein— führer des diplomatischen Korps, Crozier, im Na⸗ men des Präsidenten der Republik begrüßt, ebenso vom Präsidenten des Gemeinderathes. Der Wagen Krügers wurde von Kürassiren es⸗ kortirt. Am Sonntag wurde Krüger vom Prä⸗ sidenten Loubet empfangen, Abends erwiderte Loubet den Besuch. ** d. Noch immer finden lebhafte Kämpfe in Transvaal und dem Oranjefreistaat statt. Von zwei sehr ernsten Gefechten, die bei Barberton und Edinburg stattfanden, wird berichtet, daß sie nicht als eine Nieder- lage der Buren bezeichnet werden können. Das heißt wohl auf Deutsch, daß die Engländer sehr schlecht abgeschnitten haben. Weiter wird gemeldet: Am Montag machten die Buren gleichzeitig einen Angriff auf die Stationen Balmoral und Wilgeriver. Das Ge⸗ fecht bei Balmoral dauerte 6 Stunden. Der latz wurde von vier Kompagnien vertheidigt. ie Buren besetzten in der Dunkelheit die ehe⸗ maligen Schanzen und stellten einen 14⸗Pfün⸗ der auf einer Kopje auf. Das Feuer des Ge⸗ schützes zerstörte das Hotel und beschädigte die Station. Die Garnison brachte eine Haubitze ins Feuer und beschoß die Buren glücklich. Beide Theile hatten schwere Verluste. Die Buren nah⸗ men 2 Offiziere und 30 Mann gefangen, ließen sie aber wieder frei, als sie sich zurückzogen. Bei Wilgeriver leistete die englische Garnison den Buren ebenfalls energischen Widerstand, so daß die Buren sich nach großen Verlusten zu⸗ rückzogen. Ueber die Verluste der Engländer wird in diesem Falle gar nichts gesagt. Von englischer Seite will man nun auch in Südafrika recht hunnenmäßig vorgehen. Daran hat's zwar bisher dort sowieso nicht ge— fehlt, es sei aber jetzt der Befehl gegeben, daß alle Kriegskorrespondenten Trans⸗ vaal verlassen müssen. Es muß eine nette Kriegsführung sein, die die Zeitungkorrespon⸗ denten fürchtet! Arbeiterbewegung. Die Zahl der Gewerkschaftskar⸗ telle im deutschen Reiche betrug am 1. Oktober 1900 320. Die Zunahme seit dem 1. April 1900 beträgt 13, während 5 Kartelle wegen Mangels jeglicher Adressen gestrichen werden mußten. Die bisherige Statistik der Gewerkschaftskartelle zeigt eine ununter⸗ brochene Vorwärtsentwichlung und aus den Berichten derselben ist auch zugleich eine festere Gestaltung und Ausbreitung des örtlichen Einflusses erkennbar. Die Zahl der Kartelle betrug im Februar 1894 103. Im Verlaufe der aufsteigenden Wirthschaftsepoche 1895-1900 hat sich also die Zahl der Kar⸗ telle verdreifacht und in noch höherem Verhältniß dürfte die Zahl der Gewerkschafts⸗ mitglieder, die sie umfassen, gewachsen sein. Die Maurer in Halle streiken schon seit einigen Wochen. Die Zahl der Ausständigen beträgt über 600. Differenzen der Buchdrucker mit der „Leipziger Volkszeitung“. Ein bedauerlicher Streit hat sich zwischen dem Buchdrucker Verbande und der Geschäfts— rr = — — Ä—— r 2 L NK Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 49. leitung unsers Leipziger Parteiorgans entwickelt Zum großen Gaudium der bürgerlichen Presse, der natürlich jede Streitigkeit in unsern Reihen Behagen verursacht, hat eine Buchdrucker ⸗Ver⸗ sammlung in Leipzig den Str eik in der Druckerei der Volkszeitung proklamirt. So erbittert wird der Kampf schon geführt, daß die Buchdrucker den Boykott über das Blatt verhängt haben und ihre Kollegen auffordern, das Blatt nicht zu abonniren, beziehungsweise das Abonnement aufzu geben!— Die Ursache des Konfliktes, der nun, nachdem schon jahrelang ein gespanntes Verhältniß zwischen den Buch⸗ druckern und der Leipziger Volkszeitung bestand, zum Ausbruch kam, ist kurz folgende. Vor einiger Zeit sind im Leipziger Geschäft, wie in so mancher anderen Druckerei Setzmaschinen angeschafft worden. Dadurch wurden Leute überflüssig und es mußten Entlassungen statt⸗ finden. Nun arbeiteten dort etwa 30 Mitglieder des Verbandes der Buchdrucker und 17 der „Gewerkschaft“, der infolge der bekannten Streitigkeiten im Verband s. Zt. neugegründeten Buckdrucker ⸗Organisation. Zuerst entließ die Geschäftsleitung der V. Ztg. zwei Mitglieder der Letzteren, worauf zwei Verbandsmitglieder folgten. Als Entlassungsgrund sei diesen, die nicht die Jüngsten, d. h. die zuletzt im Ge⸗ schäft Eingetretenen waren, mit angegeben worden, daß sie keine Thätigkeit in der Partei entfalteten. Dagegen wendeten sich die Buchdrucker und verlangen, daß die nothwendigen Entlassungen nach„Anciennität“ erfolgen, also zuerst die entlassen werden sollen, die zuletzt eingetreten sind. Ueber diesen Grundsatz läßt sich gewiß streiten, es sind sehr wohl Fälle möglich, in denen seine Anwendung eine Härte, Ungerechtigkeit, sogar Unmenschlichkeit bedeuten würde. Und will man einem Parteiunter⸗ nehmen verübeln, daß es Arbeiter berücksichtigt, die wegen ihrer Thätigkeit als Parteigenossen von bürgerlichen Geschäften gemaß⸗ regelt worden?— Trotzdem sind wir der ren daß bei einigem Entgegenkommen von eiden Seiten der Konflikt auf gütlichem Wege leicht gelöst werden kann un) hoffen wir, daß dies baldigst geschieht. Wie schon bemerkt, giebt dieser häusliche Streit, der zum Theil auch mit in den Differenzen der Buchdrucker untereinander wurzelt, der bürgerlichen Presse Stoff zu Angriffen auf die Sozialdemokratie und zu höhnischen Ausfällen über„sozialistische Theorie und Praxis“; sie redet von Stumm schen Praktiken und so weiter. Das ist natürlich Blödsinn, denn zwischen Maß⸗ regelungen organisirter Arbeiter seitens kapitalist⸗ ischer Unternehmer und dem Vorgehen der Ge⸗ schäftsleitung der„L. V.⸗Ztg.“ ist ein ganz gewaltiger Unterschied.— Mit besonderem Ver⸗ gnügen fällt die nationalsoziale„Hess. Landes⸗ zeitung“ über den Bissen her. Ehe die„Hess. Landesztg.“ die Sozialdemokratie verlästert, sollte sie lieber erst einmal in ihrer eigenen Partei Ordnung schaffen. Mindestens sollte sie ihre Agitatoren. die für Organisation und Freiheit der Arbeiter reden, darüber belehren, daß man dann nicht bei Lohnkämpfen die Sache der Streikbrecher führen darf, wie es ihr Parteigenosse, Werk⸗ meister Bärrn, in Frankfurt gelegentlich des dortigen Schreinerstreiks gethan hat! Der⸗ selbe nationalsoziale Agitator machte sogar früher einem seiner Werkmeister⸗Kollegen Vorhalte, weil er einen bekannten Sozialdemokraten als Arbeiter eingestellt hatte. Wende sich also die Marburgerin mit ihren Schulmeistereien an die ihr gewiß be⸗ kannte Adresse! — Von Nah und Fern. Gießener Angelegenheiten. — Im Sozialdemokr. Wahl verein sprach am Samstag in gut besuchter Versamm⸗ lung Gen. Vetters über die Entwickelung un⸗ serer Partei in den letzten 25 Jahren. An der Hand der Auer'schen Schrift„Von Gotha bis Wyden“ schilderte er die Kämpfe und Verfolg⸗ ungen, die die deutsche sozialistische Arbeiter⸗ bewegung durchfechten mußte, um zu der heut⸗ igen Stärke zu gelangen. Ueberblicke man aber, was trotz der entgegenstehenden ungeheueren Schwierigkeiten von den Arbeitern geleistet wor⸗ den sei, müsse uns das zu weiterer emsiger Ar- beit anspornen und in sicherer Erwartung des endlichen Sieges hoffnungsfreudig in die Zu⸗ kunft blicken lassen!— Im Weiteren wurden die Reichstagsverhandlungen über die China⸗ politik, namentlich die Haltung der bürgerlichen Parteien in dieser Frage besprochen. Hierbei be⸗ mängelte Genosse Krumm die Bemerkung der M. S.⸗Ztg. über die Frankfurter Stadtverord⸗ netenwahl, nach seiner Ansicht wären die Frank⸗ furter Genossen durchaus richtig verfahren. Ge⸗ nosse Vetters kann sich mit dem Vorgehen der Frankfurter nicht befreunden.(Siehe den heut⸗ igen Artikel darüber.)— Ferner wurde angeregt, erläuternde Vorträge über klassische Theater⸗ stücke, wenn solche in den Volks vorstel⸗ lungen gegeben werden, zu arrangiren. Sollte sich dies nicht in größerer Oeffentlichkeit er⸗ möglichen lassen, müsse wenigstens innerhalb des Vereins das Nöthigste gethan werden. Bei der Aufführung von Lessings„Nathan der Weise“ habe sich gezeigt, daß ein großer Theil des Publikums kein Verständniß für die herr⸗ liche Dichtung habe. Genosse Krumm erklärt sich bereit, einen Vortrag über Heinrich Heine zu halten. — Städtischer Kohlen verkauf. Nach einer Bekanntmachung der Bürgermeisteramtes findet die Kohlenabgabe im Hospitalhofe, Sel⸗ tersweg 11, täglich von Morgens 11 Uhr bis Nachmittags 1 Uhr in Mengen von nicht unter einem und nicht über fünf Zentnern an Fa⸗ milien, deren Einkommen nicht über 1500 Mark beträgt, statt. Wer Kohlen beziehen will, muß sich einmalig eine Bescheinigung auf der Bür⸗ germeisterei ausstellen lassen. Vorläufig stehen 2000 Zentner zur Verfügung. Weiterver⸗ kauf ist untersagt. Preis 1,15 und 1,25. Mark. —z. Ortskrankenkasse.(ECingesandt.) Herr Bauunternehmer Winn hatte bekanntlich, als er noch Vorsitzender der Ortskrankenkasse war, in dieser Eigenschaft Werthpapiere ange- kauft, bei deren Wiederverkauf die Kasse einen Verlust von etwa 800 Mark erlitt. Da er bei Ankauf dieser Papiere den Gesammtvorstand nicht befragt hatte, machte der neue Vorstand Herrn Winn für den Schaden verantwortlich und beschloß, von ihm Ersatz zu fordern. Seit Langem aber hört man nichts mehr davon, auch in der letzten Generalversammlung wurde nichts davon erwähnt. Ueber die Ersatzpflicht des Hrn. W. kann man gewiß verschiedener Meinung sein, immerhin sollte über den Stand der Angelegen⸗ heit der Generalversammlung Mittheilung ge- macht werden. 1 — Parteigenossen! Der schon längstz erwartete Landkalender ist nun endlich einge⸗ troffen und harrt der Verbreitung. Mögen sith deshalb, um letztere prompt zu erledigen, die Genossen in möglichst großer Zahl zur Ver- fügung stellen! Auch an die Freunde auf dem Lande ergeht die Mahnung, hierbei mitzuwirken und ohne daß die Kalender verschleudert wer⸗ den, für deren weiteste und zweckmäßigste Ver⸗ breitung zu sorgen. Aus Wetzlar. * Schöffengericht. Wegen Vornahme einer öffentlichen Kollekte ohne behörd⸗ liche Genehmigung hatte sich Genosse Vetters am Freitag vor dem Schöffengericht in Wetzlar zu verantworten. Dieser Uebertretung soll er sich in einer Versammlung in Gleiberg, die am 23. September stattfand, dadurch schuldig gemacht haben, daß er, nachdem mehrere Ver⸗ sammlungsbesucher beim Verlassen des Lokals Geldstücke zur Deckung der Tageskosten auf den Tisch niederlegten, einen Teller aufstellen ließ. Er erhielt deswegen einen auf 6 Mk. lautenden Strafbefehl, gegen den er Widerspruch erhob. In der Verhandlung führte er aus, diese Teller⸗ sammlung sei keine öffentliche Kollekte im Sinne der angezogenen Verordnung, sie habe sich nur auf einen begrenzten Personenkreis erstreckt, auch sei nicht die geringste Aufforderung zur Bei⸗ tragsleistung ergangen. Das Gericht wies den Einspruch zurück und hielt den Strafbefehl auf⸗ recht. Nach Ansicht des Gerichtes liege eine öffentliche Kollekte vor. Allerdings könne man in diesem Falle über den Begriff der Oeffent⸗ lichkeit verschiedener Meinung sein.„Aber Sie können ja von dem Rechtsmittel der Berufung Gebrauch machen, es soll mich freuen, wenn es dann zu ihren Gunsten ausfällt“ meinte der Herr Vorsitzende. Wir folgen seinem freund⸗ lichen Rathe. b ö — Aus dem Vogelsberg. Vorigen Sonntag fanden zwei vom Kreis⸗ wahlverein veranstaltete Versammlungen in Bleichenbach und Ortenberg statt. Sie waren ziemlich gut besucht. Mit Aufmerksamkeit verfolgten die Zuhörer die Ausführungen des Genossen Vetters, der über die„Weltpolitik“ sprach und dabei den ganzen Chinarummel so⸗ wie die Hunnengreuel gehörig geißelte. Er wies zunächst auf den sich immer mehr verschärfenden Gegensatz zwischen der besitzenden Klasse und der großen Masse der minderbemittelten und besitz⸗ losen Bevölkerung hin und zeigte an der Hand vieler Beispiele, wie auf allen Gebieten die be⸗ sitzende Klasse ihre Herrschaft ausübt. So wie durch die Flottenvermehrung die dem Volke durch indirekte Steuern abgenommenen Milliarden den Panzerplattenfabrikanten, den Herren Krupp und Stumm als Millionenprofite in die Tasche fließen, so haben durch die Kolo⸗ nial⸗, China- und Weltmachtspolitik nur einzelne Kapitalisten Vortheile, das Volk aber wird em⸗ pfindlich geschädigt. Letzteres müsse sich deshalb aufraffen, sich mehr um die Politik und die öffentlichen Angelegenheiten bekümmern, damit von den Regierungsleuten nicht blos die Inter⸗ essen der Besitzenden wahrgenommen würden. Wie wenig sämmtliche bürgerliche Parteien die Rechte des Volkes zu wahren wissen, zeige die matte Haltung, die sie gegenüber dem ver⸗ fassungswidrigen Verhalten der Regierung in der Chinafrage einnehme. Nur die Sozial⸗ demokratie tritt, wie sie es stets gethan und thun muß, für die Sache der Minder⸗ bemittelten, Ausgebeuteten und Unterdrückten ein; jeder vernünftige Mensch müsse sich ihr an⸗ schließen, damit endlich Gerechtigkeit und Wahrheit zum Siege gelange, Freiheit und Wohlfahrt für Alle herbeigeführt werde! Mit vielem Beifall wurden die Aus⸗ führungen des Redners aufgenommen. Abends in Ortenberg brachte sogar einer der Zuhörer ein von der ganzen Versammlung begeistert auf⸗ genommenes Hoch auf den„Referenten und seines Gleichen“ aus, das natürlich Genosse Vetters ebenso höflich als bestimmt ablehnte. Es sollte gewiß der Sache gelten! Wir können mit dem Verlaufe der Versammlungen sehr zu⸗ frieden sein. Auch die Landkalender wurden überall gut aufgenommen. Zur Frankfurter Stadtverordnetenwahl. Als wir in der letzten Nummer das Vorgehen der Frankfurter Genossen, welche bei der Stadt⸗ verordnetenstichwahl gegen Freisinn und Demo- kraten Stellung nahmen, als verfehlt bezeich⸗ neten, gingen wir von der Annahme aus, daß unsere Genossen sich hierüber mit den Zünft⸗ lern und sonstigen Reaktionären verständigt, sich mit diesen Elementen verbündet hätten, um die Demokraten für ihr unehrliches Verhalten gegen die Sozialdemokratie zu strafen. Diese Auffas⸗ sung lag nahe, denn der Frankfurter Freisinn nebst Demokratie haben seit Jahren unsere Partei in Sachen der Stadtverordnetenwahl in einer Weise behandelt, die die Entrüstung aller ehrlich denkenden Leute hervorrufen muß. Im⸗ mer traten die Herren in ihrer Presse und Ver⸗ sammlungen dafür ein, daß auch die Sozial⸗ demokratie als die stärkste Partei Frankfurts in der Stadtverordnetenversammlung vertreten sein müsse, doch jedesmal, wenn damit Ernst ge⸗ macht werden sollte, wußten sie es zu vereiteln. Wenn auf Grund dieser Erfahrungen unsere Genossen mit allen Mitteln die sie unterdrückende Mehrheit zu brechen suchten, war das begreiflich, trotzdem wird man ein Zusammengehen mit Parteien rechts vom Freisinn auch bei Stich- wahlen aus allgemeinen Gründen nicht billigen können.— Aber unsere Genossen erhielten in diesem Falle ohne jede Aufforderung ihrerseits die Unterstützung des rebellisch gewor— denen Kleinbürgerthums, das sich aus allen mög— lichen Parteien, größtentheils aus verärgerten, mit der Vetternwirthschaft im Stadthause un- zufriedenen Demokraten und Fortschrittlern zu⸗ sammensetzte. Nun mußten selbstverständlich un⸗ sere Leute diese Kandidaten ebenfalls empfehlen. Von einem sozialdemokratisch⸗zünftlerisch⸗natio⸗ nalliberalen Bündniß, von dem die„Frkf. Ztg.“ schrieb, ist also gar keine Rede. Mit umso grö⸗ ßerer Freude begrüßen wir deshalb den Eintritt Quarck's in das Frankfurter Stadtparlament, damit ist nun endlich einmal Bresche gelegt und wir hoffen, daß bald weitere unserer Genossen nachfolgen. Wir sind überzeugt, Quarck wird die Interessen des Proletariats nach jeder Rich⸗ tung hin vertreten. mgfüf 00 Pe durch ei 10 eilt we 5 all ü b 120 mange imer 9 lch, wen 05 full 0 big Macher beachthe ihpen gu lch in& sulfinde Herren! fühlt, enn sie Vor i bre u erf bereits ganz an Juumeh, ellen g am 14 elöffnet dem 15 der Gal mit del du in uit) de. baheuter Mit In! 15 Mot Von ar beschei Milienb bobstel 13 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 ———— 0 0 0 0 1 0 1 5 steng Heamte r Alb g Me cht n bern a lic schun, un e die N Gelee Ein Haier fab b ihn, Mug welth Maj ungen d veltpolitit⸗ ummel so. „er niz wärfenden sse und der dad besth der Hand en die he. 1 ausilt nommenen r Minder⸗ drückten sich ihr an⸗ keit und Freiheit tbeigeführt die Aus⸗ n. Abends Zubörer tert auf⸗ enten und ch Genosse t ablehnte. Vir können en sehr zu⸗ r wurden enwahl. Vorgehen der Stadt⸗ und Demo⸗ hlt bezeich⸗ e aus, daß den Zünft⸗ andigt, sch en, um die alten gegen ese Auffas⸗ r Fteisim ten unsere tenwahl in tung aller füngniß', Nr. 49. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Gewerkschastshaus in Frankfurt. Der Neubau des neuen Gewerkschafts⸗ hauses in Frankfurt, zu welchem am 22. September der Grundstein gelegt wurde, schreitet rüstig vorwärts und ist bereits bis zum zweiten Stockwerk emporgeführt. Er befindet sich in der Nähe der Allerheiligenstraße, am Städtischen Schwimmbad und wird von der Firma Junior ausgeführt. Das Haus soll einen großen, etwa 1500 Personen fassenden Saal enthalten, der durch eine Vorrichtung in zwei kleinere abge— theilt werden kann. Für kleinere Gewerkschaften sind außerdem mehrere größere Zimmer, 100 bis 120 Personen fassend, vorgesehen. Der Lo⸗ kalmangel, der unseren Freunden in Frankfurt immer viel Schwierigkeiten machte, wird end— lich, wenn das Gewerkschaftshaus fertig ist— es soll am 1. Oktober 1901 eingeweiht werden — bis zu einem gewissen Grade beseitigt sein. Mancher Saalbesitzer wird allerdings dadurch benachtheiligt. Arbeiterfeste, die einigen von ihnen gute Einnahmen brachten, werden natür⸗ lich in Zukunft im eigenen Lokal der Arbeiter stattfinden. Daß es soweit gekommen, haben die Herren durch Verweigerung der Lokale herbei⸗ geführt, brauchen sich also nicht zu beklagen, wenn sich die Arbeiter selbst geholfen haben! Konsumvereins bewegung. Vor kaum einem Jahre gründete sich auch in Frankfurt ein Konsumverein, der sich recht erfreulich entwickelte. Jetzt zählt derselbe bereits 1200 Mitglieder und verfügt über das ganz ansehnliche Stammkapital von 50000 Mk. Nunmehr soll an die Errichtung von Verkaufs- stellen gegangen werden. Eine solche wird schon am 1. Dezember in der Bornheimer Vorstadt eröffnet; einen zweiten Laden will man mit dem 15. Dezember in dem Arbeiterviertel an der Galluswarte aufmachen. Durch Verbindung mit der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft, die in Frankfurt in Bälde eine Filiale errichtet, wird der Konsumverein seinen Mitgliedern ganz bedeutende Vortheile gewähren können. Mit Protektion von hochstehender Stelle. In den Bayer. Verkehrsblättern Nr. 22 vom 15. Nov. befindet sich folgendes Inserat: Dame ö von aristokrat. Herkunft, Anfang der 40er, mit bescheidenen Lebensansprüchen, ohne lästige Fa⸗ milienbeziehungen, aber mit Protektion von hochstehender Stelle, wünscht Ehe mit gesetztem streng bürgerlichem mittlerem bayer. Staats⸗ beamten. Baarvermögen 15 Mill. Ernster stil⸗ ler Charakter bevorzugt. Zuschrift sub. G. 2102 an Haasenstein u. Vogler A.⸗G. München. Wer hat Lust?“ Der Zugreifende heirathet nicht nur ein Baarvermögen von 15 Mill., son⸗ dern auch eine 40 Jahre alte Dame von aristo⸗ kratischer Herkunft, ohne lästige Familienbe⸗ ziehungen. Und wenn er noch nichts ist, so kann er in Folge der eingegangenen Ehe durch die Protektion seiner Gattin an hochstehenoer Stelle doch noch etwas werden. Mit dem Tode gesühnt. Ein alter Veteran traf bei Gelegenheit dos Kaiserbesuches im Wupperthal, wie aus Elber⸗ feld berichtet wird, einen Arbeiter und fragte ihn:„Na, gehst Du auch nach Elberfeld?“ Der Angeredete gab eine Antwort, die den ehren⸗ werthen Mann veranlaßte, den Arbeiter wegen Majestätsbeleidigung zu denunzieren. Die Verhaftung des Arbeiters erfolgte, derselbe sitzt noch heute in Untersuchungshaft. Am Dien⸗ stag nahm der Veteran nun einen Strick und er⸗ hängte sich in seiner Wohnung. Da erkennbare Motive zum Selbstmord nicht vorliegen, so nimmt man an, daß die Reue über seine That und die Verachtung, die ihm manche seiner Mit⸗ bürger infolge seiner That entgegenbrachten ihn in den Tod getrieben.— Harmlosen⸗Prozeß in Berlin. Wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels verur- theilte das Gericht die„Harmlosen“ v. Kayser zu 3 Monaten, v. Schachtmeyer zu 2 Monaten, Wolff zu 4 Monaten Ge⸗ Wolff außerdem zu 3000 Mark Geldstrafe. Bei v. Kayser und v. Schachtmeyer wurde die Strafe als durch die Untersuchungs⸗ haft verbüßt angesehen. Ihr Leichtsinn wurde bei der Strafbemessung berücksichtigt. Der Ge⸗ richtshof fand keiuen Anlaß, Wolff die Ehren⸗ rechte abzusprechen. 5 Prozeßz⸗ Sternberg. Die Zeugenvernehmung in diesem Skandal⸗ prozesse dauert noch immer fort. Der Mitange⸗ klagte Direktor Luppa ging flüchtig und wird steckbrieflich verfolgt. Auch der Polizeikommissar Thiel begab sich auf die Flucht, wurde aber noch rechtzeitig erwischt und verhaftet. Wahlkreis Marburg⸗Kirchhain. St. Marburg, den 30. November 1900. — Amtsmüde. Wie wir vernehmen, be⸗ absichtigt unser Oberbürgermeister, Herr Schü⸗ ler, am 1. April n. J. von seinem Amte zu⸗ rückzutreten. — Kommunales. Die von den hiesigen städtischen Behörden beschlossene Nachtschutz⸗ wache hat, dem Vernehmen nach, nicht die Ge— nehmigung des Regierungspräsidenten erhalten. Derselbe verlangt dagegen die ständige Anstel— lung von 16 Schutzleuten nebst einem Wacht⸗ meister außer dem Kommissar. Obwohl dies eine nicht unerhebliche Mehrbelastung der Steuerzahler bedeutet, erscheint eine Vermeh⸗ rung unserer Schutzmannschaft, besonders der Nachtpolizei nicht ganz unbegründet. Bisher konnte man hier erfreulicherweise mit verhält⸗ nißmäßig wenig Polizisten auskommen. Mar⸗ burg brauchte bei 20000 Einwohnern nur zehn Schutzleute und einen Kommissar, während in anderen Städten in der Regel auf je 1000 Ein⸗ wohner ein Schutzmann entfällt. Aber die häu⸗ figen, von unserer„gebildeten Jugend“ verübten nächtlichen Skandale, deren Einschränkung den paar schon älteren Nachtwächtern noch immer nicht gelingen wollte, weiter auch die in letzter Zeit häufiger vorgekommenen Einbruchsdieb— stähle lassen leider eine Vermehrung der Polizei zur besseren Durchführung speziell des nächtlichen Sicherheitsdienstes als nothwendig erscheinen. Damit soll aber ums Himmelswillen nicht gesagt sein, daß die Polizei im Stande sei, eine Verringerung der Rohheits⸗ delikte und der Eigenthumsvergehen herbeizu⸗ führen. Wir wissen, daß die Ursachen dieser Erscheinungen in sozialen und wirthschaftlichen Mißständen begründet sind, deren Beseitigung sich unsere Partei zur Aufgabe gemacht hat. — Bezeichnend bleibt es immerhin, daß viele Derjenigen, die später als Lehrer und Erzieher des Volkes sein sollen, durch ihr Benehmen die in Rede stehende Maßregel mit veranlaßt haben. — Universitäts frequenz. Die Zahl der Studierenden auf hiesiger Universität be⸗ trägt in diesem Wintersemester 1102 inkl. 49 Hörern, darunter 6 Damen, gegen 1153, dar— unter 11 Damen, im vergangenen Sommer- semester. Dieselben vertheilen sich auf die Fa⸗ kultäten wie folgt: Theologie 82, Jurisprudenz 345, Medizin 217, Philosophie 409. Hierunter befinden sich aus Oesterreich-Ungarn 6, Frank⸗ reich 2, Großbritannien 20, Italien 3, Nieder⸗ lande 2, Rumänien 1, Rußland 10, Schweiz 7, Türkei 1, Amerika 11, Asien 3. Alle übrigen sind Deutsche.— Der Lehrkörper besteht aus 48 ordentlichen, 17 außerordentlichen Professo— ren, 30 Privatdozenten und 2 Lektoren für eng— lische resp. französische Sprache. Kleine Mittheilungen. *„Noth der Landwirthschaft.“ Bei dem Champagner geriethen in Fried⸗ berg mehrere Großbauern hintereinander und bearbeiteten sich die Köpfe mit Champagner⸗ flaschen, so daß Verschiedene ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten.„Sehr verbunden“ zogen sie heimwärts. — Selbstmord. Der Schüler Lerch des Friedberger Gymnasiums erschoß sich aus Furcht vor Strafe, die ihm wegen Verstoß gegen die Schulvorschriften angedroht war. ** In Selters legte der Gemeindeeinneh— mer Jost sein Amt wegen vorgerückten Alters nieder. — Deserteur. Einem nach Butzbach eingezogenen Rekruten mochte es in der Ferien- kolonie so wenig gefallen, daß er wieder aus⸗ rückte. Trotzdem man durch einige Mann in den Dörfern der Umgebung nach ihm fahndete, ist man seiner nicht wieder habhaft geworden. An unsere Leser! Durch Zusammentreffen verschiedener un⸗ günstiger Umstände beim Drucke unserer letzten Nummer war die Korrektur der vierten und fünften Seite unterblieben, weshalb es denn auch in einem großen Theile der Auflage auf diesen beiden Seiten von Druckfehlern wimmelte. Schon die Ueberschrift des Artikels über die Bürgermeisterwahl in Lang⸗Göns mußte nicht„Bundeskrieg“ sondern„Antisemitischer Bruderkrieg“ heißen, denn ein„Bundes⸗ krieg“ ist selbst den Antisemiten nicht gut mög⸗ lich! Im gleichen Artikel hatte ein Satz durch Umstellen einer Zeile jeden Zusammenhang ver⸗ loren. Derselbe— dritte Spalte, letzte Zeile— muß richtig heißen:„Nichts als nackter Egoismus! Gegenseitiges Ueber⸗ tölpeln!“ Die übrigen zahlreichen Fehler— wegen der um Nachsicht bitten— werden unsere Leser selbst korrigirt haben. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 1. Dezember. Giessen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löb, „Wiener Hof“. Vortrag v. Krumm. Gießen. Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig. Wieseck. Arb.⸗Bild.⸗Verein, abends 9 Uhr: Versamm⸗ lung bei Emil Schäfer. Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein Versammlung bei B. Reil. Montag, 3. Dezember: Gießen. Schneider. Abends 9 Uhr bei Orbig. Versammlung. Vortrag:„Die Gewerkschafts bewegung“. Dienstag, 4. Dezember: Gießen. Gewerkschaftskartell abends 9 Uhr: Sitzung bei Orbig. Briefkasten. D. 100 Bss. Wir werden dem Gen. U. die An⸗ gelegenheit unterbreiten. F. Z. in B. Sobald der Schul vorstand das Zimmer füt die Gesangsübungen zur Verfügung gestellt 5 kann unseres Erachtens der Leher nichts daran ändern. Gießener Stadttheater Sonntag, den 2. Dezbr.: Letztes Gastspiel von Carl William Büller: Pech⸗Schulze. Große Posse mit Gesang in 3 Akten von Salnigré, Musik von Lang. Dieustag, den 4. Dezbr.: 7. Volksvorstellung: Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Akten von Schiller. Mittwoch, den 5. Tezbr.: Ein Volksfeind. (Theatervereins vorstellung.) Freitag, den 7. Dezbr: Johauuisfeuer. Schauspiel in 4 Akten von Herm. Sudermann. Samstag, den 8. Dezbr.: Erstes Gastspiel des Schlierseer Bauerutheaters. An die große Zahl der Lungen⸗Kraunken wendet sich eine Broschüle, welche Herr Ernst Weide⸗ mann in Liebenburg a. H. geschrieben hat. Der Verfasser stellt in dieser Schrift eine große Reihe von ärztlichen Urtheilen und Aussprüchen von geheilten und gebesserlen kranken Lungenleidenden zusammen, welche sich auf die Erfolge beziehen, die in der Behandlung dieser Krankheiten mit dem russischen Knöterichthee ge⸗ macht worden sind. Auch der skeptische Leser gewinnt aus dem reichen Material, das hier vorgeführt wird, die Ueberzeugung, daß in dem russischen Knöterich (Polygonum avic) thatsächlich ein Mittel gegeben ist, welches nicht nur bei den leichteren Erkrankungen der Luftwege, bei Katarrhen, Heiserkeit, Athemnoth c. lindernd wirkt, sondern welches selbst bei verschiedenen Lungenkrankheiten öberraschende Erfolge gezeitizt hat. Jedenfalls verdient die Schrift, die gern gratis und franco abgegeben wird, die eingehende Beachtung aller de rer, die im Volke ausklärend wirken können, namentlich also von Erziehern, Geistlichen und Lehrern ꝛc. Um der leidenden Menschheit von Bezug des wirklich echten Knöterichthees zu ermöglichen, versendet Ernst Weide⸗ mann diesen selbst. Jedes von ihm herrührende Packet kostet 1 Mark, trägt als Garantie der Echtheit die Buch- staben E. W. in der Schntzmarke, so daß sich jeder vor werthlosen Nachahmungen schützen kann und wolle man jedes Packet ohne den Namen E. Weidemann zurückweisen. Um im Publikum Vertrauen zu erwecken, haben sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weidemann'sche Proschüüre theilw ise abgedruckt haben() und damit ihren angeblich russischen Knöterich in den Handel bringen wollen. r eee 12 S SD SSA O W el 10 10 10 r„ e, n Seite 6. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 49. N Dunkle Mächte. Roman von Elise Langer. (Schluß.) XIII. Die Wohnung der Baronin von Romberg war glänzend erleuchtet und alles, darin zum zum Empfang eines kleinen Kreises auserwähl⸗ ter Gäste zur Feier des Polterabends bereit. Was Brandt aus seiner Häuslichkeit in das neue beim hinüberzunehmen gedacht hatte stand bereits an Ort und Stelle. Man konnte sich kein köstlicheres Arbeitszimmer denken, als das⸗ jenige, welches ihn im Hause seiner künftigen Gattin erwartete. Ein Smyrnateppich über den ganzen Boden, schwere Draperien vor Thüren und Fenstern dämpften jeden Laut. Die mit kostbaren dunklen Tapeten bekleideten Wände schmückten schön gerahmte Kupferstiche nach be⸗ rühmten Gemälden. Schreibtisch und Bücher⸗ schrank waren Meisterwerke der Kunsttischlerei. Eine Chaiselongue nebst Lehnstühlen und Ses⸗ seln, zierliche Tischchen mit Rauchservicen, klei⸗ nen Kunstgegenständen usw. waren geschickt über den Raum vertheilt. Auf dem großen Teppich lagen überall kostbare Felle umher. Es war ein so sybaritisch eingerichtetes Zimmer, wie es sich ein für sinnliche Eindrücke so empfäng⸗ licher Mann wie Brandt nur wünschen konnte. Charles, der sich bis dahin hartnäckig ge⸗ weigert hatte, allein bei der häßlichen neuen Mutter, wie er Frau von Romberg nannte, zu bleiben, sollte heute Abend dorthin über⸗ siedeln. Die nagelneue Garderobe, die ihm der Vater hatte anfertigen lassen, und die Ida unter Thränen eingepackt hatte, war schon vorausge⸗ schickt worden, nur der blaue Sammetanzug mit dem breiten Spitzenkragen, den er heute tragen sollte, war zurückgeblieben. Ida kleidete heute zum letzten Male ihr liebes„Charlche“ an, wobei sie den Knaben immer und immer wie⸗ der ans Herz drückte. Sie begriff jetzt, warum das Fräulein nicht wiedergekommen war. Sie hatte gewiß schon etwas von der neuen Madame gewußt. Für den Herrn Doktor hatte Ida alles zurecht gelegt, sodaß er nur nach den Kleidern zu greifen brauchte, wann er nach Hause kam, um Toilette zu machen und Charles zu holen. Dieser wurde schon sehr ungeduldig, Papa blieb heute so lange aus. Ebenso ungeduldig harrte seiner Frau von Romberg. Die Gäste erschienen nach einander. Gegen zehn Uhr waren sie voll⸗ zählig beisammen— auf den Bräutigam war⸗ tete man vergebens. Die Morgenzeitungen brachten die Nachricht von einem Morde. Als der Portier des Hauses Lindenstraße 10, der die im ersten Stock befind- lichen Redaktionsräume des„Norddeutschen Be- obachters“ allabendlich zu reinigen hatte, diese um neuneinhalb Uhr betrat, war ihm in dem Zimmer des Chefredakteurs, in welchem noch das Gas brannte, ein schauerlicher Anblick ge⸗ worden. Dr. Oskar Brandt hatte auf dem Fuß⸗ boden, sein Haupt in einer Blutlache gelegen. Eine Revolverkugel war ihm über dem linken Auge ins Gehirn gedrungen und hatte seinen Tod, wie es schien, augenblicklich herbeigeführt. Ein Selbstmord war völlig ausgeschlossen, da die Waffe, aus der die tödtliche Kugel gekommen, nicht bei der Leiche vorgefunden wurde. Dr. Brandt mußte eben im Begriff gewesen sein, den Heimweg anzutreten, da er bereits mit dem Paletot bekleidet war. Betreffs der Person des Mörders fehlte jeder Anhalt. Da sich in dem Hause nur Geschäftsräume befanden, die zur Zeit des Mordes, welcher etwa um achteinhalb Uhr stattgefunden haben mußte, bereits ge- schlossen waren, so hatte auch Niemand den Schuß gehört. Die Tragik des Ereignisses wurde durch den Umstand erhöht, daß Dr. Brandt am Vorabend seiner Vermählung das Opfer irgend eines Mordbuben geworden war. Die Zeitungen nützten den Umstand in ausgiebigster Weise aus, und im Publikum wurde der sensationelle Fall aufs Lebhafteste besprochen. Im Hause Kolweit erregte die Kunde von Brandts Ermordung Bestürzung, Grausen und Mitleid. Ja, auch Mitleid. Denn dem tragi⸗ schen Geschick gegenüber, welches ihn ereilt hatte, vergaßen die beiden edlen Naturen alles Un- recht, das er ihnen durch seine Treulosigkeit und Unwahrhaftigkeit zugefügt hatte. Nur um Hel⸗ mas Willen, an der er sich so schwer versündigt, schien es ihnen, als ob ihn die gerechte Strafe getroffen hätte, wenn sie auch das Werkzeug verabscheuen mußten. Wer der Mörder sein konnte, war auch ihnen ein Räthsel. Alle per⸗ sönlichen Beziehungen zu Brandt hatten seit dem Austritt Kolweits von der Redaktion selbst⸗ verständlich aufgehört. Man kannte Niemand aus den Kreisen, in denen er gegenwärtig ver⸗ kehrte, aber unwillkürlich kam man auf den Gedanken, daß irgend ein Kavalier, dem er die reiche Parthie weggeschnappt, sich auf diese Art an ihm gerächt hätte. Wie würde Helma die Kunde von der Mord- that aufnehmen? Frau Käte war in den letzten Tagen nicht bei ihr gewesen. Der vergrößerte Hausstand, die Ueberwachung der Knaben und des Geschäftes nahmen ihre Zeit vollauf in An⸗ spruch. Heute aber eilte sie noch spät Abends zu der Freundin. Helma wußte schon Alles. Frau Bertram hatte ihr am Morgen die Zeitung, die sie mit mehreren Hausbewohnern zusammen hielt, ins Zimmer gebracht und ihr die betreffende Notiz gezeigt, ohne zu ahnen, wie nahe der Ermordete ihr gestanden. Sie gedachte das Fräulein da⸗ durch ein wenig zu zerstreuen und sich mit ihr in Muthmaßungen über die Motive der That und der Person des Mörders zu ergehen. In dieser letzteren Voraussetzung hatte sie sich nun freilich getäuscht. Helma hatte gelesen und das Blatt stumm zurückgegeben, die Bemerkungen der Frau einsilbig beantwortend. Auch Frau Käte fand sie wortkarg und kalt. Sie saß bei zur Anfertigung erhalten hatte. Die Arbeit fältete sie die Seide bald in einer, bald in der anderen Weise, so daß sie zerknittert und un⸗ dem traurigen Gegenstand ab, der die Freun⸗ den Anschein gab. Sie fragte, wie Helma ihr Leben ferner einzurichten gedächte, und nun wurde diese gesprächiger. Sie wollte sich ein Stübchen miethen und sich die Nahrung selbst bereiten. In die Schlipsanfertigung hoffte sie sich bald einzuarbeiten, so daß sie drei Dutzend den Tag schaffen könnte. Das würde gegen 50 Mark den Monat machen und für Kost und Logis ausreichen. Von dem Kinde wollte sie sich unter keinen Umständen trennen. Käte hörte ihr mit blutendem Herzen zu. Dieses schöne, liebens⸗ würdige Wesen auf eine so tiefe Stufe des Da⸗ seins herabgedrückt zu haben, war in ihren seligen, der auf so grausige Weise für seine Sünden hatte büßen müssen. Niedergeschlage⸗ ner denn je verließ sie das arme junge Weib. Mittlerweile hatte die Polizei ihre Nach⸗ forschungen nach dem Mörder anzustellen be⸗ gonnen. Man wußte, daß Dr. Brandt sich viele Feinde durch seine Fahnenflucht gemacht hatte, namentlich unter den Sozialisten, die er durch falsche Vorspiegelungen an sich gelockt und die sich, als sein Verrath ruchbar wurde, von ihm abgewendet hatten. Man forschte nach ihren Na⸗ men, und bald war es Kolweit, auf den sich der Verdacht lenkte. Fast das ganze Redaktionsper⸗ sonal wurde vernommen. Verschiedene Herren sagten aus, daß wiederholt sehr erregte und scharfe Auseinandersetzungen zwischen Brandt und Kolweit stattgefunden hätten, bis es Letz⸗ terem eines Tages gelungen wäre, einen Brief aus dem Ministerium abzufangen, worauf der Bruch zwischen ihnen erfolgt sei. Es blieb auch nicht unerwähnt, daß Kolweit durch seinen plötz⸗ lichen Rücktritt von der Redaktion in sehr schwie⸗ rige pekuniäre Verhältnisse gerathen wäre, da er kurz vorher auf seine Anstellung hin gehei⸗ rathet und mit der Frau auch zugleich deren ganze Familie zu ernähren hätte, so daß die That sehr wohl auf einen Racheakt gedeutet werden könnte. Zu all diesem kam der üble Leu⸗ mund, in welchem Kolweit als Revolutionär und der Polizei und ihren Organen stand, und schließlich ergab nach der Untersuchung des Wundkanals die Richtung desselben das weitere Verdachtsmoment, daß der Mörder beträchtlich kleiner als sein Opfer, etwa von der Statur Kolweits, gewesen sein mußte. So wurde seine Verhaftung verfügt. Vom Abendtisch, an dem er sich mit seiner Frau und den drei Knaben eben niedergelassen hatte, wurde er hinweggeholt. Das Staunen der kleinen Tafelrunde darüber war noch größer als ihr Schreck, denn um was es sich handelte, ahnte Niemand. Bleich, aber ruhig nahmen die der Lampe, an den Schlipsen arbeitend, die sie ging ihr nicht von der Hand. Mit steifen Fingern ansehnlich wurde. Frau Käte lenkte bald von din doch tiefer zu erregen schien, als sie sich Augen nicht die geringste Schuld des Unglück-⸗ Gatten voneinander Abschied. Frau Käte hatte damit zu thun, Fritz zu beruhigen, der den Schwager wie einen Vater liebte und in Thränen über seine Verhaftung zerfloß. Das Furchtbarste stand ihr noch bevor, nämlich die Nachricht, daß ihr Mann in dem Verdacht der Thäterschaft des an Brandt verübten Mordes stand. Seine Vernehmung bestätigte die Zeugenaussagen in Betreff seines Verhältnisses zu dem Ermordeten, sein Alibi konnte er nicht nachweisen, da er um die Zeit der That seinen einsamen Abendspazier⸗ gang gemacht hatte. So blieb er in Untersuch⸗ ungshaft und seiner Frau wurde der Zutritt zu ihm verwehrt. Die Sache war ins Publi- kum gedrungen und machte ungeheures Auf⸗ sehen. Das Meierhöfersche Geschäft wurde von. früh bis spät von Neugierigen nicht leer, sodaß Käte sich dort nicht mehr sehen lassen konnte. Die stumme Verzweiflung der Mutter und die Zornesausbrüche des Vaters stürmten auf sie ein. Die Eltern der Pensionäre nahmen ihre Söhne sofort aus einem Hause, auf welchem ein solcher Verdacht ruhte. Alles zusammen warf Käte, die sich in der letzten Zeit schon nicht wohl gefühlt hatte, auf das Krankenlager. Als Kolweit dem Untersuchungsrichter nach Verlauf einiger Tage wieder vorgeführt wurde, kündigte dieser ihm an, daß er aus der Haft ent⸗ lassen sei und gestattete ihm Einsicht von einem Briefe zu nehmen, welcher wie folgt lautete: „Sehr geehrter Herr! Ich lese in der Zeitung, daß man Herrn Bernhard Kolweit als des Mordes an Dr. Oskar Brandt verdächtig, verhaftet hat und beeile mich, diesen verhängnißvollen Irr⸗ thum aufzuklären. Ich, die von Dr. Oskar Brandt um ihre Ehre Betrogene, zu Grunde gerichtete, ich war es, die den Eidbrüchigen am 16. d. M. Abends zwischen acht und neun Uhr in seinem Redaktionszimmer niederschoß. Wenn es dem Manne gestattet ist, der Rächer seiner Ehre zu sein, so hat das betrogene Weib ein doppeltes Recht dazu. Der Folgen meiner That war ich mir bewußt. Ich schwieg nur, so lange ich mit der Welt noch nicht abge⸗ schlossen hatte. Die Waffe, die aus dem Nach⸗ lasse meines Vaters stammt, wird man in. meinem Zimmer, Friedrichstraße 8, 3 Treppen bei Frau Bertram, Lehrerswittwe, in einem Koffer finden. Die Kugel wird genau in den Lauf passen. Wenn Sie diesen Brief empfangen, liegt das end dieses Lebens hinter mir. Ich entziehe mich dem irdischen Richter nicht aus Furcht, sondern weil ich ihn in dieser Sache nicht für kompetent halte und mein Kind nicht in dieser Welt voll Lüge und Verführung zurücklassen portwagen. 2 1 2 S2 S222 e 22e Wuppen⸗ und Kinder 2 will. Ich vertraue mich einem höheren Richter 8 an. Helma von Saldeck.“ Auf diesen Brief hin hatte sich ein Krimi⸗ nalbeamter sofort in das bezeichnete Haus be⸗ 9 eben, deren Bewohner er in heller Aufregung fand. Als sich heute, bis zu einer späten Mor⸗ genstunde in dem Zimmer ihrer Einwohnerin nichts rührte und auch auf ihr wiederholtes Klopfen keine Antwort erfolgte, hatte Frau Bertram, nachdem sie sich mit ihren Nachbarin⸗ nen über diesen Umstand berathen, einen Schlosser kommen und die Thür nach der Küche öffnen lassen. Ein fürchterlicher Dunstgeruch schlug den Eindringenden entgegen. Man stürzte nach dem Fenster, um es aufzureißen, mußte aber erst Kissen und Decken entfernen, mit denen es verstopft war und welche die Stube so ver⸗ dunkelten, daß man im ersten Augenblick nichts unterscheiden konnte. Erst als es gelungen war, Luft und Licht einzulassen, sah man das Ent⸗ setzliche. Auf dem Bette mit dem Kinde im Arm, bleich und schön wie ein Marmorbild, lag Helma da, eine Leiche. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Sie hatte ihr Werk gründlich gethan. Wie an dem Fenster jeder Luftzug abgeschlossen gewesen, so fand man die Ritzen der Thüren mit aller⸗ hand Wäschestücken sorgfältig verstopft. Die da⸗ mals noch gebräuchliche Klappe des Ofens war geschlossen, dagegen stand dessen Thür weit offen, und innen glimmten noch hier und da die zu einem Berge aufgehäuften Kohlen durch ih⸗ ren weißen Ascheüberzug. Ein Luftzug konnte sie wieder anfachen, während das blühende Dop⸗ pelleben durch ihren Gifthauch unwiederbringlich erloschen war. Da Frau Bertram in ihrem Haushalt nur Torf zur Feuerung verwandte, so mußte Helma sich die Kohlen bei ihren Ausgän⸗ gen, wahrscheinlich in kleinen Mengen, zusam⸗ mengetragen haben, bis sie davon genug zu haben geglaubt. Auf dem Boden des Kleider⸗ fe Lu de 1 fc . en Nr. 49. Mitteldeutsche Fonutags⸗Zeitung. — Seite 7. schrankes fand man noch einige Nohlenreste. Dort hatte sie sie also verborgen gehabt. Alle Angaben des Briefes wurden durch die vorgenommene Untersuchung bestätigt. Auch Frau Bertrams Aussagen stimmten damit über⸗ ein. Den Brief hatte Helma selbst am Abend vorher zur Post befördert, zusammen mit einem an Frau Kolweit. Dieser enthielt nur zwei Zeilen: „Ihr großen, edlen Herzen! Nehmt meinen heißen Dank für alles, was Ihr an einer Unglücklichen gethan habt und in beweglichem Christbaumschmuck unzerbrechlich, unverbrennbar, großartiger Effekt. Puppen⸗Heilanstalt. seinem Munde das ntseßliche. Nuf welche Nr Helma den Tod gefunden, erfuhren die Gat⸗ ten erst durch Erkundigungen, die Kolweit an Ort und Stelle einzog. Daß Frau Käte all diesen Stürmen Stand hielt und auch das zarte Leben, welches unter ihrem Herzen keimte, ungefährdet blieb, ver— dankte sie ihrer gesunden physischen und morali⸗ schen Natur. Als sie Kolweit das süße Geheim- niß zuflüsterte, zog dieser sie an seine Brust und rief:„In allem Unglück doch ein Glück!“ Den Fortgang der Pensionäre brauchten sie schmerzen, schwere Verdauung oder Ver 90 OS 1 5 1 37775 2808 8 1 ee ben, sei hiermit ein gutes ittel len 1 , 8 2 FTC i in einem 5 robt sind. Es ist dies das bekannte 8 1 uu in den dee— 8 e erdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der 1 J 2 2 5 i 7 5 1 85 S 52 5 Hubert Ullrich'scbe Kräuter-Wein. 8 Fur 1 ert Ullrio räuter-Wein. 0 * 8 8 W᷑̃ U ch Ddieser gräuter⸗ Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig N — 0 1 8 eihna ten! besun denen Zräutern mit gutem Wein bereitet, und 22 8 8 5. empfehle stärkt und belebt den ganzen Verdauungsorg anismus B nicht f 5 2 8 2— Ailderbücher, Jugendschristen, des Menschen, ohne ein Abführungsmittel zu sein. 7 bt in dieser S 2 ü i Bräuter⸗Wein beseitigt alle störungen in den Flut⸗ — Geschenkbücher u. s. w. in 5 zurücklassen 8 3 roßer Auswahl zu billi sten gefäßen, reinigt das glut von allen verdorbenen, 1 ren Richter S„ 5 2 9 1 5 9 krankmachenden§toffen und wirkt fördernd auf die 7 1 Saldeck“ 0— 22 2 Preisen. 5 5 Neubildung gesunden Flutes. ö* 4 grimi⸗ S SS Ferner Photographie 2 Nah; Diuurch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen, 1 1* 5 8. D 2 2 men und Ständer Bilder 8 2 übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht et a. a 13 be⸗ D* A 7„ seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ a 4 Aufregung 2 2—— Haussegen lose 1110 gerahmt. örenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- Aufteg 2 2 3 0. Sohmerzen, Aufstoesen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkelt mit päten Nor⸗ 5 Buchhandlung Erbrechen, die bei ohronlsohen(veralteten) Magenlelden um so 1 1 8 2 Schneider heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. N E 8 5 f„ Stuhlyerstopfung wie. Seslenmang,kelltaefergen 8 Gießen e e ee eee ee ia ee e 955 mu g. i Pfort t a a 0 Sonnenstraße 25. Aude Wen rasch ud Leden bee Arduber-Wein bene 8 slhel Uhrmacher, Gießen, Mäusburg 15 Hause Maàausburg 15 2 8 7 Leb den Magens, durch Genuß mangelhafter, heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: jedwede Unverdaullohkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe 1 Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, Entkräftung haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitloslgkelt, unter nervöser Abepannung und demütheverstimmung, sowie häufigen Kopfachmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Stoffwechsel kräftig an, Fritz das Geschäft übernahm und zu einer jetzt blühenden Firma entwickelte. Frau Maihöfer starb bald nach der Geburt des zweiten Enkelchens, aber durch das Glück ihrer Tochter von ihrem Vorurtheil gegen die Ehe bekehrt. Herr Maihöfer erlebte noch bessere Zeiten und die Freude, seinen Band freireligiöser Gedichte gedruckt zu sehen. Charles wurde von seiner Mutter reklamirt und erwuchs unter ihren Augen an den heimath⸗ lichen Gestaden des Genfersees. Helma und ihr tragisches Geschick wurde Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des 6 5 verdaulicher, zu! Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ aus dem Magen und Gedärmen. sind meist die Rolge schlechter ne 5 mangelhafter Blutbildung und eines kran 2 — Kräuter⸗Wein giebt der geschwächten! enskraft einen frischen Impuls. 8 Kräuter⸗Wein steigert Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den beschleunigt und verbessert die Blut⸗ verzeiht Eurer Helma.“ nicht zu bedauern. Kolweit fand mehr und mehr nicht vergessen. Alljährlich an ihrem Todes tage 1 . 5 a Gelegenheit, sein Talent zu verwerthen. Auch pilgerte das Ehepaar Kolweit hinaus nach dem Frau Käte erschrak heftig. Sie wußte noch das Geschäft nahm einen immer größeren Auf- fernen Friedhof und bekränzte einen Grabhügel 1 nichts von den neuesten Ereignissen, aber sie[schwung. Bald trat Lenchen in dasselbe ein und Jan der Kirchhofsmauer, der ein schlichtes Kreuz 1 ahnte Unheil. Als dann ihr Gatte plötzlich er⸗ erwies sich als eine so wirksame Hilfe, daß die[mit den Ramen Helma und Emmy trug. Af schien, frei und von jedem Verdacht gereinigt,[ Schwester mehr und mehr entlastet wurde und 1 vergaß sie über die Freude einen Augenblick ihrer anwachsenden Familie leben konnte. Sie 1 2 alles Andere. Dann abe behielt sich nur die Oberaufsicht vor, bis endlich 1 e e xx xxx 1.—— e 5 Se Für Arbeiter und Landleute 0 4 0 empfeble mein reichhaltiges d. 1 8 uhr Schuhwaarenlager 1 — 8* 5— 00 in gediegenen, soliden Qualitäten zu billigsten Preisen. 1 2 2— Arbeitsschuhe und Stiefel, 5 Sonnenstraße 25 sowie sämmtliche Winterschuhwaaren 4 2 empfiehlt seine aufs Reichhaltigste ausgestattete 2 n reicher Auswahl und jeder Preislage. Aufertigung nach Maaft. 1 0 2 4 e. Werkstätte 56 und billig. 2 Große Weihuachtsausstellung O e eee Kess en 8 2 2 5 i. 8 11 9. 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