lenter, und 11 em emdedet üge sein t, mit fesneg en blechen Durchmesser brösserung,, u Leder⸗Elui n zum Um⸗ igen. Stück nur lark. — * Vachpahmg, gestattet Der neus U 9 a 105 ale Arten eltecte, gero gtes/ 0 reosboß ö kerne übe Nr. 27. Gießen, Sonntag, den 1. Juli 1900. 7. Jahrg. a Redaktion: 2 NRedaktionsschluß: Kirchenplatz 11. Schloßgasse. Mitteld eutsche erb Nachmilag 4 Uhr. — untags⸗Zeitung. Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Aus Bestellungen „ JInserate träger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Austräg er frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, die Expedition unter Kreuzband vierteljähr Das neue Unfallversiche⸗ rungsgesetz. Das kürzlich vom Reichstag verabschiedete Unfall versicherungsgesetz weist gegen⸗ über dem bisherigen Gesetze zahlreiche Verände⸗ rungen auf. Genosse Molkenbuhr bespricht die⸗ selben in einem Artikel des„Korrespondenzbl.“, den wir hier zum Abdruck bringen. Die Arbeiter⸗Versicherungsgesetze wurden in einer Zeit erlassen, als Fürst Bismarck sich alle erdenkliche Mühe gab, die Sozialdemokratie zu überwinden, und als er darauf bedacht war, die direkten Sta ts⸗ und Gemeindesteuern zu er⸗ mäßigen. Durch die Versicherungsgesetze sollten die Armenlasten herabgemindert werden. In einer solchen Zeit und mit solchen Motiven mußte er darauf bedacht sein, den Arbeitern, d. h. den Versicherten, möglichst wenig Rechte einzuräumen, weil sonst die Sozialdemokrat e in den neuen Institutionen ein Feld für ihre Orga⸗ nisation gefunden hätte, und ferner mußte er den Unternehmern möglichst weitgehende Rechle einräumen, um ihnen ein Aequivalent für die ihnen zugedachte Belastung zu geben. Die Berücksichtigung dieser politischen Ziele zwang die Schöpfer dieser Gesetze, Gebilde zu schaffen, welche von vornherein die Reform⸗ bedürftigkeit einschlossen. Nur dann, wenn allen Beteiligten weitgehende Rechte eingeräumt werden, ist es möglich, Dauerndes zu schaffen, weil dann die Uebel von innen heraus überwunden werden. Dazu kam, daß keinerlei Erfahrungen vor⸗ handen waren. Höchstens konnte man die Er⸗ fahrungen der Privat⸗Versicherungen verwerten. Sicher ist, daß Bismarck für diese Pläne so viel Reklame machte, daß selbst ein großer Bruchteil der Unternehmer zu der Ansicht kam, es solle ihnen bitteres Unrecht zugefügt werden. Um den Widerstand der Unternehmer zu überwinden, mußte einmal der schlaue Herr v. Bötticher mit der Wahrheit heraus rücken, und er that es, indem er erklärte:„Meine Herren, wir arbeiten ja nur für Sie!“ Wo solche Grundmotive bei einem Gesetze vorhanden sind, ist es selbstverständlich, daß der Teil der Beteiligten, für den nicht gearbeitet ist, die Mängel sehr bald em⸗ pfindet. Nach kurzer Dauer des Bestehens der Gesetze traten die Mängel so scharf hervor, daß dieselben von der Regierung offen anerkannt und mit dem Sammeln von Material zur Reform begonnen werden mußte. Aber nicht allein machten sich die ursprüng⸗ lichen Mängel immer stärker bemerkbar, sondern auch im wirtschaftlichen Leben trat eine solche Umwälzung ein, daß Sszialgesetze in einem Jahrzehnt veralteten. ö Im Jahre 1897 hatten endlich die Reform⸗ gedanken der Regierung so feste Gestalt an⸗ genommen, daß sie in Form eines Eutwurfs an den Reichstag kamen. In diesem Entwurfe waren die Beschwerden der Unternehmer und der Behörden im weitesten Maße berücksichtigt, während den Wünschen und Klagen der Arbeiter nur sehr wenig Rechnung getragen war; die Folgen der wirtschaftlichen Umwälzung und der Umgestaltung der Werte hatte man völlig un⸗ berücksichtigt gelassen. Was die Regierung versäumt hatte, wurde zum Teil in der Kommission, welcher dieser Entwurf überwiesen war, nachgeholt; aber mit den Kommissionsbeschlüssen wurde ein solcher Entrüstungssturm in Unternehmerkreisen entfesselt, daß die Regierung dem Machtgebot des Zentral- verbandes deutscher Industrieller folgte und die Kommissionsbeschlüsse in Aktenschränke vergrub Die jetzige Regierungsvorlage brachte zwei wesentliche Neuerungen der Kommissionsbeschlüsse von 1897: Die Erhöhung der Waisenrente auf 20 pCt. des Arbeitsverdienstes und die Organi⸗ sation territorialer Schiedsgerichte. Den größten Teil der damaligen Kon missionsbeschlüsse ließ die Regierung fallen, und die Vertreter der Mehrheitspacteien wagten nicht, dieselben wieder aufzunehmen, weil sie fürchteten, die Regierung könne sich noch einmal von den Großindustriellen zum Rückzuge zwingen lassen. Da nun die Beratungen abgeschlossen sind, wollen wir die Veränderungen kurz anführen. Wir beginnen mit dem sogenannten Mantel⸗ gesetz. Dieses Gesetz hat den Namen erhalten, weil alle vier Gesetze in diesem Gesetze ein— geschlossen sind und dessen Bestimmungen sowohl für das Gewerbe⸗ wie das land⸗ und forstwirt⸗ schaftliche, sowie sür das Bau- und das See⸗ Unfallversicherungsgesetz gelten. In diesem Ge⸗ setze ist die Organisation der Schiedsgerichte, sowie das Verfahren vor den Schiedszerichten und dem Unfallversicherungsamte teilweise geregelt. Eine Reihe von Bestimmungen über das Verfahren finden sich noch in den vier genannten Gesetzen. Die Schiedsgerichte der 65 ge⸗ werblichen und 48 landwirtschaftlichen Berufs⸗ genossenschaften werden eingehen und die Ent⸗ scheidungen den auf grund des Invaliditäts⸗ gesetzes gebildeten Schiedsgerichten überwiesen. Für den Verletzten hat diese Neuorganisation den Vorteil, daß die Bezirke der Schiedsgerichte kleiner sind, als sie es bisher bei den gewerb⸗ lichen Berufsgenossenschaften waren. So gab es z. B. Berufsgenossenschaften, die im ganzen Reiche nur zwei Schiedsgerichte hatten. Auch wird auf schnellere Erledigung der Sachen gerechnet werden können, weil die neuen Schiedsgerichte häufiger Termin ansetzen können. Die Beisitzer werden seltener als sonst aus dem Berufe des Verletzten sein, da die Gruppen nur nach Landwirtschaft, Gewerbe, Bergbau und Seeschiffahrt eingeteilt find. Auf Antrag der Berufsgenossenschaft oder des Entschädigungs⸗ berechtigten kann der Vorsitzende von der Inne⸗ haltung der Reihenfolge der Beisitzer abweichen und Beisitzer aus dem Berufe des Verletzten mitwirken lassen. Die unbedingte Unentgelt⸗ lichkeit des Verfahrens ist aufgegeben, indem das Schiedsgericht, sowie das Reichsver⸗ sicherungsamt befugt sind, den Beteiligten solche Kosten des Verfahrens zur Last zu legen, welche durch Mutwillen oder durch ein auf Verschleppung oder Irreführen berechnetes Verhalten derselben veranlaßt worden sind. Die Wahlen der Beisitzer der Arbelter werden nach§ 62 des Invaliditäts⸗Versicherungsgesetzes von den Vorständen der im Bezirk vorhandenen Orts⸗, Betriebs⸗, Bau⸗ und Innungs⸗Kranken⸗ kassen, Knappschaftskassen, Seemannskassen, sowie von den Vorständen derjenigen freien Hülfskassen 5 Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25% ,‚ bei 6mal. Bestellun lich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ¼/ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. gewählt, welche die in§ 75 4 des Kranken- versicherungsg setzes vorgesehene Bescheinigung besitzen und deren Bezirk nicht über den Bezirk der unteren Verwaltungsbehörde hinausgeht. Für die in Gemeinde⸗Krankenkassen und die nicht gegen Krankheit versicherten Per sonen ernennt die untere Verwaltungsbehörde eine entsprechende Anzahl Vertreter. Ferner bestimmt das Mantelgesetz, daß für die schwebenden Sachen, wenn eine Festsetzung der Rente bis zum 1. Oktober 1900 nicht statt⸗ gefunden hat, die Bestimmungen des neuen Gesetzes gelten, falls diese für den Berechtigten günstiger sind. Die eigentlichen Unfallversicherungsgesetze haben sehr viele Abänderungen erhalten; jedoch steht für die Versicherten die Qualität im um⸗ gekehrten Verhällnis zur Quantität. Es wird dem genauen Kenner der Novelle schwer fallen, zwei Dutzend Aenderungen herauszufinden, die er als Verbesserungen für die Versicherten be⸗ zeichnen kann. Und wenn er dann die Gesamt⸗ wirkung zusammenfaßt, dann muß er erkennen, daß es sehr wenig ist, aber auch über das Wenige kann leine ungetrübte Freude aufkommen, weil den Verbesserungen auch noch Verschlechte⸗ rungen gegenüberstehen. In der Ausdehnung der Versicherung ist soweit eine Verbesserung eingetreten, als die Versicherung ausgedehnt ist auf kleine gewerb⸗ liche Brauereien, auf die Werkstätten der Schlosser und Schmiede, das Gewerbe der Fensterputzer; ferner auf die Lagerei⸗ betriebe, wo die Waren unter freiem Himmel lagern, sowie auf die mit einem Handelsgewerbe verbundenen Fuhrwerks-, Lagerungs⸗ oder Holzfällungsbetriebe, sofern der Inhaber ins Handelsregister eingetragen ist. Hier ist also der Uebelstand beseitigt, daß Arbeiter eines Holz⸗, Stein⸗ oder anderen Händlers mit ähnlichen Waren nicht versichert waren, wenn die Waren nicht in einem Schuppen oder sonstigen Gebäude lagerten. Jedoch tritt nun wieder der Uebelstand ein, daß die Arbeiter als nicht versichert gelten, wenn der Händler nicht in das Handelsregister eingetragen ist. Ausgedehnt wurde die Versicherung auf die Be⸗ triebsbeamten, die ein Jahresgehalt von 3000 Mark und weniger haben, während das bestehende Gesetz 2000 Mark als Maximalgrenze für die Versicherungspflicht der Betriebsbeamten hatte. Durch Statut kann die Versicherung aus⸗ gedehnt werden auf kleine Betriebsunter⸗ nehmer, auf Hilfsarbeiter, sowie auf Betriebsbeamte mit einem höheren Jahresgehalt als 3000 Mark. Die Versicherung erstreckt sich bei sämtlichen Versicherungszweigen nach der Novelle auch auf häusliche und andere Dienste, zu denen versicherte Personen neben der Beschäftigung im Betriebe von ihren Arbeitgebern oder von deren Beauf⸗ tragten herangezogen werden. Neben dieser Aus⸗ dehnung steht die Einschränkung, daß der An⸗ spruch ganz oder teilweise abgelehnt werden kann, wenn der Verletzte den Unfall bei Begehung eines Verbrechens oder vorsätzlichen Vergehens sich zugezogen hat. In das Gesetz ist es jetzt aufgenommen, daß die Berufsgenossenschaften außer ärztlicher Be— d 1 d 1 3 i 1 ö SSA r— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 27. a handlung, Arzuei und sonstigen Heilmitteln, welche zur Sicherung des Erfolges des Heil⸗ verfahrens dienen, auch solche Gegenstände zu liefern haben, die zur Erleichterung der Folgen der Verletzung als Hülfmittel gebraucht werden, wie Krücken, Stützapparate und dergleichen. Man hat jetzt die völlig Erwerbsunfähigen in zwei Klassen eingeteilt, und zwar in solche, die ohne fremde Wartung und Pflege nicht be⸗ stehen können, und solche, die aus Anlaß des Unfalls nichts mehr erwerben können. Die Ersteren sollen eine Rente bis zum vollen Betrag des Arbeitslohnes haben, während für die Letz⸗ teren der bisherige Satz von 66 7/ pCt. des angerechneten Lohnes bleibt. s Vielleicht trägt die neue Klasse dazu bei, daß nun häufiger als bisher Vollrenten bewilligt werden, weil jetzt im Gesetz ausgesprochen ist, daß es schlimmere Folgen als völlige Er⸗ werbsunfähigkeit geben kann. Die Voll⸗ rente wurde in der letzten Zeit von den gewerb⸗ lichen Berufsgenossenschaften nur sehr selten be⸗ willigt, 1898 bei 44 881 Unfällen nur in 538 Fällen. Wahrscheinlich hat man so selten Voll⸗ rente bewilligt, weil man fich bei den meisten Fällen sagte, es sind schlimmere Fälle denkbar. (Ein weiterer Artikel folgt.) Politische Bundschau. Gießen, 29. Juni. Noch mehr Kähne! Wir wiesen schon in unserer letzten Nummer auf einige Anzeichen hin, die darauf hindeuten, daß in gewissen Kreisen die Milliardenflotte für die Weltmachtspläne als noch nicht ausreichend erachtet wird. Wie eifrig die Krupp und Kon⸗ sorten an der Arbeit sind, dem deutschen Volke noch weitere Milliarden abzuknöpfen, zeigt eine Mittheilung, die dem„Hann Kour.“— einem nationalliberalen Blatte— von„befreundeter Seite“ zugeht. Da wird darauf hingewiesen, daß die Krupp' sche Werft in Kiel allein acht große Schiffsneubauten gleich- zeitig auf Stapel legen kann und zugleich ver⸗ langt, den Bau der durch das Flottengesetz vor⸗ gesehenen Kriegsschiffe nicht auf 1½ Jahrzehnte zu vertheilen, sondern so schnellals irgend möglich zu vollenden. Es genüge nicht, daß ein vortrefflich ausgearbeiteter Flottenplan schwarz auf weiß und durch Reichsgesetz verbrieft im Kasten liege. Man erkennt aus Vorstehendem, daß die Kruppinteressenten ebenso wenig wie die bisherigen Flottenagitatoren sich an dem neuen Flottengesetz genügen lassen wollen. Sie sind schon an der Arbeit für weit dar⸗ über hinausgehende Pläne. Natürlich müssen auch die chinesischen Vor⸗ gänge zur Begründung weiterer ungemessener Flottenvermehrung dienen. Von der Presse der Marinelieferanten wird schon ein Liniengeschwader für die Auslandsflotte und Torpedoeoote für Kiautschou gefordert, damit der„Platz an der Sonne“ behauptet werden könne! Also un⸗ ermüdlich weiter! Flotten⸗Geheimnisse. Zu was die größere Flotte gebraucht werden soll, verriet der Abg. Oertel(Knuten⸗Oertel) in einer Versammlung des Bundes der Land⸗ wirte, die in Ebernburg in der Pfalz tagte. Der Bauernbundesführer sagte dort, die Agrarier hätten deshalb für die„gräßliche“ Flotte gestimmt, weil vom Regierungstisch aus die vertrauliche Mitteilung gemacht worden sei, der näch ste Krieg sei ein Seekrieg und werde sich gegen England richten! Diese Enthüllung des Agrariers wird allgemeines„Schütteln des Kopfes“ her⸗ vorrufen, einmal deshalb, weil die deutsche Politik in den letzten Jahren eine entschieden england⸗ freundliche war und kein Mensch einsieht, weshalb nun auf einmal Kriegsgefahr mit England vor⸗ handen sein sollte, dann aber auch, weil das Ausplaudern vertraulicher Regierungsmitteilungen bisher nicht üblich war. Hätte ein sozialdemo⸗ kratischer Abgeordneter eine derartige Indiskretion begangen, so wollten wir'mal die Patrioten über „Landesverrat“ schreien hören. Flottenzoll. Zehn Berliner Vertreter böhmischer Brauereien versandten an die Gastwirte und sonstige Bier⸗ abnehmer folgendes Zirkular: „Nachdem die Erhöhung des Zolles auf aus- ländisches Bier vom Reichstag und Bundes⸗ rat angenommen ist und am 1. Juli in Kraft treten wird, sehen sich unterzeichnete Vertreter böhmischer Brauereien gezwungen, von diesem Tage ab einhe tlich einen Zuschlag in Höhe des Mehr zolles und zwar als„Flottenzoll“ mit 3,40 Mark pro Hektoliter zu erheben. Die bisherigen Bierpreise und Konditionen bleiben bestehen.“ Hiermit ist wieder deutlich der Schwindel wiederlegt, mit den die Agrarier für ihre Schutz⸗ zölle operieren, daß nämlich das„Ausland den Zoll trage“. Das fällt dem Ausland gar nicht ein. Bei jeder Zollerhöhung ist der inländische Konsument der Geschädigte, gleichgültig, ob es sich um Bier, Fleisch oder Getreidezölle handelt. Zehnjähriges Ministerjubiläum Miquels. Seit zehn Jahren ist jetzt Herr Miquel Mi⸗ nister. Bei dieser Gelegenheit wird seine Ent— wicklungsfähigkeit recht hübsch beleuchtet. Dem Mann, der früher als Revolutionär und Orga⸗ nisator von Bauernaufständen nach seinem eigenen an Marx gerichteten Worten keine andere Rück⸗ sichten als die Zweckmäßigkeit kannte, der dann langsam mit dem Bürgertum den Krebs⸗ gang vom Demokraten zum Liberalen und schließ⸗ lich zum Nationalliberalen mitmachte, wird in der Kreuzzeitung als nunmehr geadelter Minister folgendermaßen gelobhudelt: „Für uns Konservative ist hierbei seine Wirksamkeit nach zwei Richtungen hin be⸗ sonders erfreulich gewesen; erstens hat er voll⸗ ständig vergessen, daß er früher Parteiführer ge⸗ wesen ist, und zweitens hat er für die Not der Landwirtschaft ein über ra sschendes Verständnis gezeigt. Das werden wir ihm stets danken... Wir haben den aufricht igen Wunsch, daß seine hervorragende Arbeitskraft dem Staate noch lange erhalten bleiben möge.“— Außer den Konservativen haben die Antise⸗ miten ihn ganz besonders gefeiert, Allen voran der frühere Ahlwart⸗Moniteur. So ist denn die Entwickelung abgeschlossen, — tiefer als auf das Agrariertum und den An⸗ tisemitismus kann man in der deutschen Politik nicht mehr kommen. Zur Warenhaussteuer. Nunmehr ist in Preußen das famose Gesetz zum Schutze des„Mittelstandes“— eine ziemlich hohe Umsatzsteuer für große Warenhäuser— angenommen worden. Daß aber durch diese Art Gesetzgebung dem Mittelstande nicht geholfen wird, geben jetzt auch die„Berl. Pol. Nachr.“, die dem preußischen Finanzminister sehr nahe stehen, zu. Das Organ Schweinsburgs sagt den Handel- und Gewerbetreibenden, daß es ihre Aufgabe sei, zur Selbsthilfe zu greifen und „Organisationen zu schaffen, welche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe zu der für den erfolgreichen Mitbewerb mit den Warenhäusern erforderlichen Höhe zu heben ge⸗ eignet erscheinen. Ganz besonders werden die⸗ selben durch Errichtung von Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften für preiswürdige Waren und lohnenden Ab⸗ satz zu sorgen haben. Vor allem werden sie sich aber zu derjenigen Regelung der Kreditver⸗ hältnisse, in welchen eine der Hauptkstärken der Warenhäuser liegt, einigen müssen. Sie werden sich stark zu machen haben, nur gegen Bar einzukaufen und zu verkaufen und Waren weder auf Kredit zu nehmen, noch auf Kredit zu geben.“ Allerdings ist dieser Weg der allein geeignete, dem Mittelstande zu helfen, wenn dies überhaupt möglich wäre.— Gegen die steuerpolitische Mittel⸗ standsretterei sprach sich auch der badische Finanzminister in der badischen Kammer aus, als man über Einführung einer Vermögenssteuer verhandelte. Er sagte: „Er hoffe, daß mit der Gesetzgedung das gegen 14 seitige Lastenverhältnis der Gesellschaflsklassen etwas ausgeglichen werde. Diese sozialpolitische Seite des Gesetzes möchte er nicht missen. Soweit es sich darum handle, den Mittelstand, der in seiner Erwerbsthätigleit gegen das Großkapital zurückgegangen sei, steuerlich zu entlasten, werde alles geschehen, was möglich. Unmöglich werde es aber sein, durch Mittel der Steuergesetzkebung eine dem Mittelstande nicht innewohnende Widerstandsfähigkeit zu schaffen. Ganz unmöglich endlich und auch nicht gerechtfertigt sei aber auch der schon wiederholt zu Tage getretene Wunsch, die wirtschaftlich überlegenen Großbetriebe durch die Steuergesetzgebung nach- haltig zu beseitigen.“ Und in einer späteren Sitzung erklärte er zur Warenhaussteuer, daß der kleine Kaufmann wohl infolge der Entwickelung der Großbetriebe gedrückt werde, aber die Regierung könne den Kampf gegen die großindustrielle Entwickelung durch einseitige steuerliche Maßnahmen nicht mit⸗ machen. Jeder Staat müsse es vermeiden, Maß⸗ nah men zu treffen, welche die Großindustcie im Konkurrenzkampfe mit den andern Völkern lahm zu legen geeignet sind. Beginne man gegen einen Zweig der Großindustrie steuerlich vor— zugehen, weil sie technisch vollkommener ein⸗ gerichtet sind, als die kleineren Betriebe, dann begebe man sich auf eine schiefe Ebene, wo ein Aufhalten nicht mehr möglich sei, denn dann würden alle Industriezweige mit den gleichen Wünschen kommen. Einen solchen Schritt könne ein Staat niemals unternehmen, wenn er seine eigenen wirtschaftlichen Interessen nicht schädigen wolle. Die Bedrängnis der kleinen Kaufleute sei noch auf andere Ursachen, nicht allein auf das Bestehen der Großbetriebe zurück⸗ zuführen. Es müßten auch von dem Innern des kaufmännischen Berufes selbst heraus Schritte zur Besserung geschehen.— Auch diese ganz vernünftigen Darlegungen werden die patentierten Mittelstandsretter nicht abhalten, nach höheren Steuern für die Waren⸗ häuser zu schreien. Darunter werden unter Um⸗ ständen Arbeiter⸗Konsumvereine mit betroffen und empfindlich geschädigt. Ueber die Mittelstandsretterei äußerte sich auch bei der Umsatzsteuer⸗ Debatte im preußischen Herrenhause der Oberbürgermeister Bender⸗Breslau folgend er⸗ maßen: „Ich habe das hier wiederholt gesagt und bitte, es mir wirklich zu glauben, daß in den zwanzig Jahren, in denen ich das Leben in der Bürgerschaft genau kenne, gerade dieser kleine Mittelstand unzweifelhaft moralisch ge⸗ sunken ist. Nicht wirtschaftlich! Das bestreite ich, daß es ihm schlechter geht als früher; aber er ist weniger wahr geworden, er ist viel mehr neidisch geworden und geneigt zur üblen Nachrede. Wer in den Handwerker⸗ kreisen, in den kleinen Kaufmannskreisen, die man ja vorzugsweise zum Mittelstand rechnet, eine Rolle spielen will, muß hassen können; er muß schimpfen können, er muß dreist angreifen können, er muß Behauptungen aufstellen können, die am nächsten Tage ihm als Verleumdungen nach⸗ gewiesen werden können,— dann hat er Erfolg. Ich behaupte mit der größten Be⸗ stimmtheit, daß viele Leute auf diesem Wege schlechter werden. Sehen Sie auf die Bewegung in Konitz. Ich habe dort gelebt. Es ist voll⸗ ständig unverständlich, wie eine solche Ver⸗ wilderung dort unter einer früher ruhigen und gesetzliebenden Bevölkerung hat Platz greifen können. Die Leute werden korrumpiert durch die Mittelstandsagitation. Und dieses Gesetz ist eine Blüte in dieser Bewegung.“ Wir sind nicht mit allem einverstanden, was hier der Breslauer Oberbürgermeister sagt, doch hat er die verläumderische Mittel⸗ standsagitation, deren Träger die anti⸗ semitische Presse ist, ganz richtig gekenn⸗ zeichnet. Dafür wird diese ihn jedenfalls als Juden bezeichnen. Gegnerische Anerkennung. Wie nützlich die Sozialdemokraten in den Stadtvertretungen wirken, darüber sprach sich neulich im badischen Landtage der Abg. Fieser— ein Nationalliberaler— aus I —— — ben! tteibel, bergel, d Aäbungkt gebenden das nur Dberbürg niderfpech teresse attiget audete. eltretung lobende n. tat eiter in Inte demokrat! Aber tro lauischen dafür, d dus den fern gehe Sozit Im Hug ir Handels der erf Lörper weitere blachte fundene in Schl 1898 if geringer Nanda wegen fir ung Inter g das Ma liberale fuddels fäften emoktan qu der die Geg den bis Sachst 11761 Uher licht higkeit! duch nich detholt 4 erlegen 9 nach aufmang dbettiebe une den vickdlung lärte er 1 icht ni. „ Maß⸗ 5 ͤsttie mm rn lahn 5 u gegen ich vor⸗ ner ein⸗ e, dann Ebene, ei, denn mit den n Schritt wenn et en nicht kleinen l, nicht. e zurück ⸗ Innen Schritte legungen 1 ter nicht Waren- iter un⸗ fen und i steuet⸗ use der olgender⸗ sagt und f iv den n in der kleine sch ge. besttele ger; aber st viel igt jut Adwerke⸗ kreisen, 5 lechntt, können; dreis tungen zächsten 1 0 0 5 dann hit sbten e n Wii Bewegung 2 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. und sein Urteil ist als das eines unbefangenen Beobachters beachtenswert. Er sagte:„Ich war anfangs in Karlsruhe Vertreter der dritten Klasse im Bürgerausschuß. Dann mit dem steigenden Einfluß der Sozialdemokratie sind Sozialdemo⸗ kraten gewählt worden. Jetzt ist es soweit hier in Karlsruhe, daß in der Vertretung der dritten Klasse 32 Sozialdemokraten sitzen. Ich muß den Herren das Zeugnis geben, daß sie viel besser als so manche kur zsichtige Gewerbe— treibende, wie die Städte sie auch vielfach bergen, die Sache verstehen, daß sie mit dem Bildungstrieb der Arbeiter sich über alle maß⸗ gebenden Fragen zu unterrichten suchen, daß sie auch den Mut haben, vor jedermann ihre Meinung zu vertreten, selbst gegenüber Oberbürgermeistern, wozu doch gewiß einiger Mut gehört(Heiterkeit). Da weiß ich, daß man das nur ausnahmsweise riskieren kann, auch den Oberbürgermeister selbst in das Angesichts zu widerspechen. Also sie vertreten ihre In⸗ teressen sehr gut und gehen von groß- artiger en Gesichtspunkten aus als manche andere.“ Unsere Parteigenossen in den Gemeinde— vertretungen werden sich natürlich weder durch lobende noch tadelnde Beurteilung ihrer Thätig⸗ keit seitens der Gegner in der Verfolgung der im Interesse der Gesamtheit liegenden sozial— demokratischen Forderungen irre machen lassen.— Aber trotz ihrer Anerkenung der sozialdemo⸗ kratischen Thätigkeit sorgen die Nationalliberalen dafür, daß wir durch reaktionäre Wahlgesetze aus den örtlichen Vertretungskörpern möglichst fern gehalten werden. Sozialdemokrat in der Handelskammer. Im Amtsbezirk Jever wurde unser Genosse Hug in Bant mit 35 gegen 4 Stimmen in die Handelskammer gewählt. Das ist unseres Wissens der erste Sozialdemokrat, der Mitglied dieser Körperschaft geworden ist. Hoffentlich folgen weitere nach! Einen glänzenden Sieg brachte unserer Partei die am Dienstag stattge⸗ fundene Reichstagsersatzwahl in Waldenburg in Schlesien. Genosse Sachse, der im Jahre 1898 in diesem Kreise in der Stichwahl mit nur geringer Mehrheit gewählt wurde, legte das Mandat nieder, weil der Reichstag seine Wahl wegen vorgekommener Formfehler voraussichtlich für ungültig erklärt hätte.— Die Gegner suchten unter gewaltigen Anstrengungen unserer Partei das Mandat zu entreißen. Konservative, National⸗ liberale und Zentrum einigten sich auf einen Kuddel muddel⸗Kandidaten, um mit vereinten Kräften und den schofelsten Mitteln die Sozial⸗ demokraten zu vernichten. Mit welchem Erfolge? In der Hauptwahl 1898 erhielt Sachse 11403, die Gegner zusammen 14102 Stimmen. Nach den bis jetzt vorliegenden Ziffern fielen auf: Sachse(Soz.) 13167, Ritter(kons.) 11 761 und Feige(freis.) 1336 Stimmen. Mehrere Bezirke stehen noch aus und es ist noch nicht gesagt, daß unser Genosse schon im ersten Wahlgange gewählt ist. Dessenungeachtet bedeutet die Wahl für uns einen großartigen Erfolg. Unsere Stimmenzahl ist seit zwei Jahren um 2500 gestiegen, die der Gegner zurückgegangen! Neuere Meldungen be⸗ stätigen Sachse's Wahl im ersten Wahl⸗ gange. Bravo! Außergewöhnliche Fürstenrede. Der neue Großherzog von Olden— burg hielt anläßlich seines Regierungsantritts an die Beamten eine Ansprache, welche sich in ihrem Inhalte vortheilhaft von den Reden unterscheidet, die wir sonst von hohen Stellen aus zu hören gewohnt sind. Der Redner meinte u. A.„Ich liebe ein offenes Wort und bitte Sie, mit mir zu sprechen, wie sie denken, selbst wenn es mir unange⸗ nehm ist; ob ich dann immer so handeln werde ist allerdings etwas anderes; ich kann nicht eines jeden Wunsch befriedigen, aber ich möchte doch alle hören. Die Beamten sollen mit dem Publikum leben und ihm näher treten; sie kennen deshalb seine Wünsche am besten. Meine Herren ich werde nun in der — nächsten Zeit auch viel im Lande herumkommen. Ich werde mich sehr freuen, wenn die Leute zu mir kommen; ich bin ein Freund von einem Kranz oder einer Blume, ich wünsche aber nicht besondere Empfänge und Fest⸗ lichkeiten, denn erstens schickt sich das nicht im Trauerjahr, und dann wünsche ich auch nicht, daß dafür Ausgaben gemacht werden; wenn ich aber zum Beispiel Blumen erhalte, dann freue ich mich. Ich kann keine lange Rede halten, und was ich hier sage, ist auch keine Rede, sondern nur eine Gefühlsäußerung.“ Vor⸗ aussichtlich werden also die Oldenburger ihre Fürstenliebe nicht so theuer zu bezahlen brauchen, wie die Patrioten anderwärts, wo lange Reden gehalten werden und die Empfänge mehrere Zehntausende Mark kosten. Von dem j;üngst verstorbenen Vater des Großherzogs, Peter, erzählt unser Züricher Parteiorgan, daß er der Sozialdemokratie be— sonderes Interesse entgegengebracht habe. Während des Sozialistengesetzes wäre er Abonnent des verbotenen Züricher„Sozialdemokrat“ gewesen und hätte regelmäßig den Abonnementsbetrag etwas„aufgerundet“ bezahlt. Ausländisches. Von der belgischen sozialistischen Fraktion. Die 32 sozialdemokratischen Mitglieder der belgischen Kam ner sind ihrem Berufe nach: 15 ehemalige Industrie-Arbeiter, 3 Rechtsan⸗ wälte, 2 Universitätsprofessoren, 2 Warenhaus⸗ angestellte, 2 Beamte von Konsum-Vereinen, 2 Lehrer, 2 Aerzte, 3 Journalisten, je ein Werk— führer und Industrieller.— Am Tage der Eröffz ung des Parlaments (3. Juli) beabsichtigen unsere Genossen eine Riesendemonstration zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts ins Werk zu setzen. Sozialpolitische Fortschritte in Frankreich. Der französische oberste Arbeitsrat, eine auf Anregung Millerand's geschaffene Körper⸗ schaft hat seine erste Session beendet. Die letzte Sitzung fand unter dem Präsidium des Handels- ministers Millerand statt und beschäftigte sich zunächst mit der Frage, ob die Arbeiter in staatlichen Betrieben den Gewerbege⸗ richten zu unterstellen seien. Der Arbeitsrat sprach sich dahin aus, daß alle im Dienste des Staates, der De artements und der Gemeinden stehenden Arbeiter den Gewerbegerichten unterstehensollen also z. B. auch die Eisenbahnarbeiter, auf welche besonders hingewiesen wurde. Was sagt wohl Herr v. Thielen zu dieser„Umsturzthat“? Weiter erklärte der Arbeitsrat sich für die Wählbarkeit der Frauen zu den Ge⸗ werbegerichten. Der ständigen Kommission des Arbeitsrats wurde der Auftrag erteilt, folgende Enqueten vorzunehmen: 1) über kommunale oder gewerk⸗ schaftliche Einrichtungen gegen Arbeitslosigkeit; 2) über die Arbeitsverhältnisse der von der gegenwärtigen Gesetzgebung nicht geschützten Per⸗ sonen; 3) über Mittel und Wege, Streiks zu verhüten. Obgleich der Arbeitsrat nur beratende Befugnisse hat, stellen doch seine Beschlüsse recht erfreuliche Fortschritte dar. Der Krieg mit China. Ohne daß es einer Kriegserklärung bedurft hätte, hat sich aus dem Aufstand der„Boxer“ thatsächlich der Krieg zwischen den europälschen Mächten und China entwickelt.— Die deutsche Politik der„gepanzerten Faust“ trägt die ersten nicht sehr schmackhaften Früchte. Die„Boxer“, der allchinesische Verband, auf dessen Thatkraft und Vaterlandsliebe ihre alldeutschen Kollegen mit Neid blicken sollten, haben sich im offen⸗ sichtlichen Bunde mit ihrer Regierung in letzter Stunde zur gewaltsamen Verteidigung ihrer heiligsten Güter entschlossen. Darob großer Verdruß und höchste Erbitterung im Konzert der europäischen Regierungen, die ihre Schnaps⸗, Pulver⸗ und Opiumkultur nicht schnell genug über das Weltmeer nach dem Osten verpflanzen können.— Ueber die jüngsten Ereignisse liegt zwar eine Fülle von Nachrichten vor, doch lauten dieselben einander widersprechend und gestatten keinen klaren Ueberblick über die Lage. Sicher scheint, daß der Aufstand im Wachsen begriffen ist und daß von Seiten der chinesischen Regierung nicht nur nichts zur Unterdrückung der Unruhen gethan wird, sondern daß im Gegenteil reguläre Truppen mit den Anfständischen zum Angriff auf die Europäer übergegangen sind. Be⸗ stimmtes weiß man auch noch nicht über das Schicksal der aus wärtigen Gesandtschaften in Peking. Während frühere Meldungen die Zerstörung der Gesandtschaftsgebäude und Ge⸗ fangennahme der Europäer berichteten, besagen neuere Nachrichten, daß die fremden Gesandten Peking unter dem Schutze einer Eskorte chinesischer Soldaten verlassen hätten, man wisse aber nicht, wo sie sich befinden.— Ueber den Verbleib Lord Seymours, der mit einer aus allen Nationalitäten bestehenden Truppenabteilung in der Richtung nach Peking vorrückte, liegen eben⸗ falls keine genauen Nachrichten vor.— Ein Tele⸗ gramm des amerikanischen Admirals besagt, daß Seymour gefangen sei. Vom deutschen Konsul in Tschifu wird dagegen gemeldet, Seymour be⸗ finde sich 20 Kilometer von Tientsind mit den Gesandten und werde von den Chinesen hart bedrängt.— Tientsin wurde von den vereinigten euro⸗ päischen Truppen nach hartem Kampfe besetzt. An diesem Kampfe waren 8720 Mann euro- päischer Truppen mit 36 Geschützen beteiligt. Gerüchtweise verlautet, daß 4000 Chinesen hierbei getötet wurden. Wie aus Tientsin offiziell nach London berichtet wird, soll die Stadt einen gräßlichen Anblick gewähren. Die Leichen der massakrierten Fremden aller Nationen bedecken die Straßen. Die deutsche und die englische Chartered Bank sind eingeäschert Unterdeß werden die Rüstungen von allen Mächten fortgesetzt. Aus Berlin wird gemeldet: In militärischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß außer den beiden auf Kriegsstärke gebrachten Seebataillonen weitere Truppenabteilungen in die chinesischen Gewässer entsandt werden sollen. Man spricht von 6000 Mann. Der Krieg in Südafrika. Trotz mancher Verluste, welche die Buren in den letzten Tagen erlitten, ist ihr Widerstand noch nicht vollständig gebrochen.— Von einer zweitägigen Schlacht bei Prätoria wird berichtet: Nachdem die fünftägige Waffenruhe abgelaufen war, machte die Armee Lord Roberts' einen allgemeinen Vorstoß, um Botha, der mit 8000 Mann eine fast unangreifbare Stellung auf einem Höhenzuge, 12 Meilen ostwärts von Pretoria inne hatte, anzugreifen. Die Buren leisteten an jedem Punkte hartnäckigen, zuweilen verzweifelten Widerstand, aber die britischen Truppen drangen unwiderstehlich vor, Stellung um Stellung wurde genommen und die Buren wurden auf allen Punkten mit ä empfindlichen Verlusten geschlagen. Sie kämpfen aber entschlossen. Ein Nachhutgefecht fand bei Bronk⸗ horstspruit statt. Die Buren nahmen deu Kampf entschlossen auf. Hamiltons Kavallerie und Huttons berittene Infanterie umgingen indessen die Stellung wiederum, worauf sich die Buren zurückzogen. Einen neuen Erfolg der Buren melden die Zentral New aus Standerton: Dewet umzingelte 140 Mann der Hochländerbrigade welche eine Proviantkolonne von 61 Wagen es⸗ kortierte. Die Hochländer ergaben sich zwischen Roodeval und Heilbronn den zehnfach über— legenen Buren. Nach einer englischen Meldung habe der Burengeneral Botha erklärt, er sei geneigt, die Uebergabe zu vollziehen, doch stelle sich Präsident Krüger dem entgegen.— Die Truppenmacht, die dem Präsidenten Krüger jetzt zur Verfügung steht, wird auf englischer Seite auf 15—20 000 Mann geschätzt. Krügers einziger Gedanke soll sein, den Krieg bis zu den amerikanischen Prä⸗ sidentschaftswahlen fortzuführen, da er hoffe, daß dann eine Intervention erfolgen werde. Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 27. Patrigrnussn, Trum! Denkt an die Verbreitung Eurer presse! Im politischen und wirtschaftlichen Befreiungs⸗ kampfe der unterdrückten Klassen ist die Presse mächtigste Waffe! In keinem Arbeiterheim darf die Mitteldeutsche gonntags- Ztg. fehlen! Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Ztg. erscheint wöchentlich einmal und kostet frei ins Haus ge⸗ bracht monatlich nur 25 Pfennige. Durch die Post bezogen kostet die Zeitung 90 Pfennige und unter Kreuzba.id durch die Expedition eine Mark vierteljährlich.. Unsere Postabonnenten ersuchen wir um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung keine Verzögerung eintritt.— Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß jetzt alle Briefträger Zeitungsbestellungen entgegennehmen, man also nicht gezwungen ist, sich deswegen nach dem Postamte zu bemühen. Alle Auskunst wegen Bezug der Zeitung erteilt unsere Expedition, Sonnenstr. 25 in Gießen. Man verlange Probenummern! FP!!! ̃]Ü—dI1dmn———TT Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns dle Ger willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Beschäftigung schulpflichtiger Kinder. Von der Bürgermeisterei Gießen wird amtlich bekannt gemacht, daß schulpflichtige Kinder in der Zeit von 8 Uhr abends bis 8 Uhr vormittags mit gewerblichen Arbeiten außerhalb der elterlichen Wohnung nicht beschäf⸗ tigt, oder zum Austragen von Backwaaren, Milch, Zeitungen ꝛc. verwendet werden dürfen. Zu⸗ widerhandelnde verfallen in eine Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder entsprechende Haft. Wir können dieser zum Schutze der Kinder nothwendigen Maßregel nur zustimmen. „Neutrale“ oder„politische“ Gewerkschaften. Diesen Gegenstand erörterte der Gießener Wahlverein in seiner Versammlung am 23. Juni. Der Referent Vetters bemerkte zunächst, daß die Diskussion dieser Frage hauptsächlich durch einen Vortrag Bebels, den dieser kürzlich in Berlin gehalten, angeregt worden sei. Bebel vertrat dort die Ansicht, daß sich die Arbeiter wie es die Unternehmer auch thun, ohne Rücksicht auf ihre politischen und sonstigen Ueberzeugungen zusammenschließen müßten, jede Partei politik aus den Gewerkschaften entfernen und nur Ar⸗ beiter politik treiben, politisch sich„neutral“ verhalten sollen. Aehnlich haben sich früher schon noch andere Genossen ausgesprochen; im Parteibericht zum letzten Parteitag finden wir eine Aeußerung in ähnlichem Sinne und in seinem Schlußwort in der Bernstein⸗Debatte in Hannover sprach sich Bebel schon dort dahin aus, daß die Politik aus den Gewerkschafen her⸗ ausmüsse. Der in den letzten Jahren stattge⸗ sundene Aufschwung der Gewerkschaften, wie auch vielleicht die Gründung christlicher Ar⸗ beiterorganisat onen möge dazu beigetragen haben, daß jetzt die Forderung neutraler Gewerkschaften mehr und stärker als früher erhoben wird. Was kann man unter„neutralen“ Gewerkschaften verstehen? Bisher und namentlich in den letzten Jahren haben die Gewerkschaften stets gewisse Neutralität beobachtet und nicht blos weil in Preußen das Verbindungsverbot politischer Vereine bestand, sondern weil man jedem nichtsozialdemokratischen Arbeiter den Beitritt in die Organisation ermöglichen, einen Zusammenschluß aller Arbeiter zur Erreichung besserer Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen herbei⸗ führen wollte. Thatsächlich könnte auch jeder Arbeiter sich in unseren Gewerkschaften an dem Kampfe um Besserung seiner Lage beteiligen, ohne an seiner abweichenden politischen Ueber⸗ zeugung Schaden zu nehmen. Kein Mensch ver⸗ lange bei Eintritt in die Organisation ein ge⸗ wisses politisches Glaubensbekenntnis Wenn aber die„Neutralität“ Ausschluß alles dessen, was mit den Arbeiterbestrebungen entschieden zusammenhängt, von der Erörterung in den gewerkschaftlichen Versammlungen bedeuten solle, wenn die Geweckschaften nicht über Ar⸗ beiterschutzgesetzgebung, Frauen- und Kinder⸗ arbeit, Gewerbe⸗Inspektion ꝛc, also Gegenstände, die man als politische bezeichnen kann, sprechen und dazu Stellung nehmen sollten, dann müsse man sich entschieden gegen diese Art„Neutra⸗ lität“ wenden. Die der Sozialdemokratie feind⸗ liche Stellung, die in letzter Zeit das Organ des Buchdrucker⸗Verbandes einnehme, sei ent⸗ schieden zu verwerfen und schädige auch die Ge⸗ werkschaft. Es liege für die Gewerkschaften keine Veranlassung vor, ihre bisherige Taktik zu ändern, mit der sie erfreuliche Fortschritte gemacht hätten. — In der Debatte verteidigten die Buchdrucker Krieger, Andreas und andere die Haltung des Buchdruckerorgans, während Gen. Krumm sich eben alls für Beibehaltung der bisherigen Taktik in der Gewerkschaftsbewegung aussprach. Eine Resolution wurde nicht beschlossen. (Wir kommen auf diesen Gegenstand noch ausführlicher zurück. Red.) Die Unternehmer⸗Patrioten. Bekanntlich streiken die Maurer in Gießen, weil die Unternehmer einen Mindestlohn von 35 Pfennig pro Stunde für leistungsfähige Maurer nicht zugestehen wollen; daß die For⸗ derung der Maurer eine unbescheidene wäre, oder die Unternehmer diesen Lohnsatz nicht be⸗ zahlen könnten, wird niemand behaupten wollen. Letztere erklärten ja früher sogar selbst, daß sie die gefordecten Lohnsätze zahlen könnten, sie wollten aber nicht, weil die Arbeiter gekündigt hätten. Wir haben schon einmal an dieser Stelle unfere Meinung dahin ausgesprochen, daß von Seiten der Arbeiter durchaus korrekt verfahren wurde, und daß es lediglich Schuld der Unternehmer ist, daß es zum Streik kam. Und wenn der Streik, durch welchen zweifellos die Gießener Geschäftsleute nicht unbedeutend, geschädigt werden, nicht beigelegt ist, so liegt dies wiederum an den Bauunternehmern. Den einheimischen Arbeitern lehnten die Herren eine ganz geringfügige Lohnzulage ab, Aus⸗ ländern aber, von denen die hiesige Geschäfts⸗ welt absolut keinen Nutzen hat, machen sie weit über die Forderungen der hiesigen Arbeiter hin⸗ aufgehende Zugeftändnisse. Uns lag folgender Vertrag vor: „Zwischen M. Abermann, Baugeschäft Gießen und Herrn Ferro wurde heute Nach⸗ stehendes vereinbart: Herr Ferro verpflichtet sich, Dienstag, den 19. Juni, mit mindestens 10 Gesellen und den nöthigen Handlangern an den Friedhofshochbauten in Arbeit zu treten und zwar für die ersten 14 Tage für Tagelohnpreise, wobei bezahlt werden für eine Gesellenstunde 45 Pfg., für eine Handlangerstunde 35 Pfg. Gießen, den 16. Juni 1900. Der General⸗Unternehmer Die Akkordanten M. Abermann. Chr. Ferro H. Bernasconi. Also den minder leistungs fähigen Italienern— um solche handelt es sich hier— bewilligen die Herren Bauunternehmer, über deren Patriotismus natürlich kein Zweifel besteht, 45 Pfennig Stundenlohn, während sie den deut⸗ schen Arbeitern 38—40 Pfennig nicht bezahlen wollen. Die Beilegung des Streiks wird also nur durch den bösen Willen und den Herrendünkel der Unternehmer verhindert. Auf diese Sachlage muß hingewiesen werden, da es immer noch Leute giebt, welche bei jeder Lohnbewegung von„Anmaßung“,„Frivolität“ ꝛc. der Arbeiter reden. Der oben abgedruckte Vertrag zeigt, auf welcher Seite jene Eigen⸗ schaften zu finden sind. -th. Der Wetzlarer Handschuhmacherstreik dauert noch immer fort. Anstatt daß die Herren Arbeitgeber ein paar Pfennige Lohnerhöhung, die sie ganz gut gewähren können, be⸗ willigen, lassen sie lieber den ganzen Industrie⸗ zweig zu grunde gehen. Fabrikanten durch Inserate junge Leute, die sich „im Zuschneiden von Wildlederhandschuhen aus⸗ biiden wollen“. Wir glauben kaum, daß viel junge Leute hierauf hereinfallen und Streik⸗ brecherdienste leisten werden. Denn die Löhne, die diese jungen Leute erhalten, können nur äußerst niedrige sein. Uebrigens haben selbst⸗ verständlich die Fabrikanten durch Einstellung ungeübter Leute einen weit größeren Nachteil, als wenn sie den geübten streikenden Handschuh⸗ machern eine doppelte und dreifache Lohnerhöhung, als die geforderte, bewilligen. Darauf scheint es ihnen aber gar nicht anzukommen. Die Hauplsache ist eben, daß den Arbeitern die „Macht“ gezeigt wird. Warten wir ab, welchen Erfolg die Herren von ihrer verblendeten Haltung ernten. Freie Liebe bei den„Ordnungs“ leuten. Wir teilten in unserer Nr. 24 eine Anfrage des sozialdemokratischen Abgeordneten Müller mit, die derselbe im bayerischen Land⸗ tage an den Mimister richtete, und bei der es sich um die Ausschließung der Oeffentlichkeit bei dem Kuppeleiprozeß Strauß handelte. Ma⸗ dame Julchen Strauß hatte ganz dicht beim Polizeipräsidium in München ein Haus der Freude eingerichtet, in welchem die tollsten Orgien stattfanden und auch Mitglieder der Polizei und noch höhere Personen Gäste waren. Der Mi⸗ nister erwiderte damals auf die Anfrage Müller's, daß er sich eest über die Sache informieren müsse. — Die Kupplerin Strauß bekam ein paar Monate Gefängnis, welche durch die Unter⸗ suchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Sie verschwand darauf aus München, nicht ohne vorher ihre„Ersparnisse“ von ca. 200 000 Mk. bei der Bank abzuheben.— Warum aber bei diesem Prozesse, entgegen der in Bayern sonst üblichen Praxis, die Oeffentlichkeit so gänzlich ausgeschlossen wurde, darüber wird in München jetzt viel diskutirt. Thatsache ist jedenfalls, daß eine Reihe sehr vornehmer Persönlichkeiten da⸗ durch einer nicht unbedeutenden Gefahr entgangen sind. Zwei der geladenen Zeugen, ein Baron und ein Kommerzienrat, sollen nämlich die Ab⸗ sicht gehabt haben, für den Fall einer öffent⸗ lichen Verhandlung auch die Namen der hohen Personen bekannt zu geben, die zwar Gäste in dem freien Liebesheim der Madame Strauß waren, die aber trotzdem nicht als Zeugen ge⸗ laden waren. Zu diesen nicht geladenen Zeugen gehörten u. A. ein Minister. ein Freiherr und Gesandter, ein Bürger⸗ meister, ein Herzog, und neben diesen er⸗ lauchten Herrschaften auch ein schlichter Rechts⸗ anwalt. Alle diese Hüter und Stützen der bürger⸗ lichen Sittlichkeit entgingen der öffentlichen Kennzeichnung, zu der zwei geladene Zeugen in ihrem Zorn entschlossen waren. Nicht minderes Glück hatte ein General, der, als Zeuge ge⸗ laden, kurz vor der Verhandlung militärischen Urlaub erhielt.— Nun, vielleicht kommen die Namen der Ordnungsstützen, die gewiß schon des Oefteren über Sittenlosigkeit und Verderbtheit — in den unteren Volksschichten— zeterten, gelegentlich an Tageslicht. Lex Heinze⸗Spuk. Ueber eine Sittlichkeits⸗Maßregel in Regens⸗ burg berichten süddeutsche Blätter: 5 „In einer hiesigen Kloster⸗Mädchenschule (Volks schule) wurde den Kindern, von denen in warmen Tagen manche in kurzen, sog. Halb⸗ ärmeln erschienen, dies untersagt und ihnen bedeutet, daß die Aermel ihrer Kleider bis an das Handgelenk zu reichen haben. Auch die sechsjährigen Kinder der untersten Klasse wurden nicht ausgenommen!“ Wie traurig muß es um die Sittlichkeit der⸗ jenigen bestellt sein, die nicht einmal die bloßen Arme eines Schulkindes sehen können!— Die erbärmliche Heuchelei der heutigen Ge⸗ sellschaft tritt so recht zu Tage, wenn man das in der vorhergehenden Notiz gekennzeichnete Ver⸗ halten der Münchener Ordnungsstützen mit der Regensburger Verfügung zusammenhält. 1 1 Gegenwärtig suchen die 1.— — ich e J boscl d — beit zu. Abet fig Vauplitze wieder 5 0 bisher U llözliche Neher mauerten die Vrust “bekam u mase ge iner fe hifen k unter gr 8 7 der am damer sbhaftef . in f abergläl lichte lgten J die eine zu Tag teilun Die haft g einstwei den. 9 und h Gericht kürzlich wohne und Staats Jetz „Täg! dem er befund die Re beiindet Halses, Sich, denn er und de agenb die gro 10 n sorti weft 1900 belfer fals h dei der ez lichkeit bi icht bein Haus der en Orgien olizti und Der Mi Müller ren müsse ein paur ie Unter⸗ den. 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Bei dieser Prozedur, die bisher immer gut gegangen hatte, flog nun plötzlich ein Ballen fehl und traf einen jungen Menschen, der auf dem Rande eines einge⸗ mauerten Kessels stand, so unglücklich vor die Brust, daß der Mann das Uebergewicht bekam und in den mit einer kochenden Farb— masse gefüllten Kessel stürzte, vor den Augen seiner Kameraden, die ihm nicht rasch genug helfen konnten, gesotten wurde und alsbald unter gräßlichen Qualen starb. Der Giftmord am Tenfelsee, der am Freitag und Sonnabend das Pots— damer Schwurgericht beschäftigte, hat das lebhafteste Interesse weiter Kreise erregt, da er in seiner Verquickung mit dem tollsten abergläubischen Hokuspokus das Unglaub⸗ lichste ist, was die Kriminalgeschichte der letzten Jahre gezeitigt hat. Die Verhandlung, die eine Reihe charakteristischer Sittenbilder zu Tage förderte, endete mit der Verur— teilung Jänickes zum Tode. Konitz. Die wegen Verdachtes des Meineides in Haft genommene Arbeiterfrau Rielinger ist einstweilen wieder auf freien Fuß gesetzt wor⸗ den. Fleischermeister Lewy wurde geladen und hatte ein längeres Verhör zu bestehen. Gerichtsseitig finden gegenwärtig wegen des kürzlichen Aufruhrs gegen zahlreiche Ein⸗ wohner Verhöre wegen Landfriedensbruches und Widerstandes gegen die Militär- und Staatsgewalt statt. Jetzt muß auch die antisemitische „Tägl. Rundschau“ zugeben, daß bei dem ermordeten Winter nach dem Leichen⸗ befund von einem Schächtschnitt nicht die Rede sein kann. Die tödtliche Wunde befindet sich an der rechten Seite des Halses, etwas über dem Schlüsselbein. Der Stich, der sie verursachte, war absolut tödtlich, denn er durchschnitt die große Halsschlagader, und der Verwundete mußte sich in wenigen Augenblicken verbluten. War zugleich noch die große Halsvene mit zerschnitten, so wurde beim nächsten Herzschlag Luft angesaugt, die sofortigen Stillstand der Blutbewegung her— beiführt. Die Verwundung auf der rechten Halsseite könnte dafür sprechen, daß der An⸗ greifer oon hinten den Stich führte. Jeden⸗ falls hatte die tödtliche Wunde mit einem Schächtschnitt, der unterhalb des Kehlkopfes über den ganzen Hals geführt wird, so daß er die Luftröhre und alle Blut⸗ gefäße bis auf die Halswirbel durchschneidet, nicht die geringste Aehnlichkeit. Nach den noch immer fehlenden Leichenteilen wird auch ferner eifrig geforscht. Es handelt sich um einen Arm, einen Unterschenkel mit Fuß und die Eingeweide. Eine schaurige Familientragödie spielte sich in Berlin vorige Woche ab. Die Ehefrau des in der Wrangelstraße wohnenden Klempners Sogolewski warf nach einem Streite mit ihrem Manne, nachdem sich dieser entfernt hatte, ihre vier Kinder aus dem Fenster des vierten Stockes auf den Hof hinab und stürzte sich darauf selbst hinunter. Aerzte waren bald zur Stelle, konnten aber nicht viel mehr helfen. Der älte Sohn gab noch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber bald. Die anderen Kinder waren gleich todt, das jüngste unter der Mutter erdrückt. Diese lebte noch und wurde bewußtlos mit einer Tragbahre nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Ob sie mit dem Leben da⸗ von kommen. wird, ist sehr zweifelhaft. Der ehe⸗ liche Zwist war aus einer ganz geringfügigen Ursache entstanden. Pfarrer als Vatermörder. In einem Prozeß wegen Water- und Ver⸗ wandten⸗Mordes zu Granada hat das dortige Schwurgericht das Urteil gefällt. Der Pfarrer Julian Anguita, seine Mutter Marie Garcia und deren Bruder Candido Garcia wurden zum Tode verurteilt; der. andere Bruder, Miguel Garcia, wurde freige⸗ sprochen. Der Pfaffe hatte auf äußerst raffinierte Weise seinen Vater um's Leben gebracht, um sich 0 den Besitz des väterlichen Vermögens zu etzen. Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 26. Juni. Partei⸗Versammlung. Am 7. Juli abends 9 Uhr findet im Lokale des Herrn Jes⸗ berg, Wehrdaerweg 2, eine Partei⸗Versammlung stait, in welcher Genosse Beckmann Gießen einen Vortrag halten wird. Gleichzeitig steht auf der Tagesordnung„Unsere Parteiorganisation.“ Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen, da jedenfalls betreffs der Organisation tiefeinschneidende Beschlüsse ge⸗ faßt werden dürften. Steuererhebung. Die Steuerzettel für 1900/1901 wurden den Steuerplichtigen zugestellt. Für das erste Quartal sind die fälligen Beträge in den ersten 8 Tagen nach Zustellung der Steuer⸗ zettel an die Stadthauptkasse zu entrichten. Für die folgenden 3 Quartale gelten die auf der Rückseite des Steuerzettels bezeichneten Termine. Die Kirchensteuer und Betriebssteuer sind im vollen Jahresbetrage im ersten Hebetermin, die Hundesteuer in halbjährlichen Raten, bei der ersten und dritten Erhebung zu entrichten. Vor⸗ auszahlungen für das ganze Jahr sind zulässig. Weiter werden erhoben für Abfuhr des Straßenkehrichts für denzlaufenden Meter Straßenfront bei einer Straßenbreite bis 6 Mtr. 10 Pfg. bei einer solchen über 6 Mtr 30 Pfg. pro Jahr.— Für Abfuhr des Haus mülls werden pr. 100 Mk. Mietwert 80 Pfg. jährlich erhoben. Das Kassenlokal der Stadtkasse ist nur Vormittags von 8—1 Uhr geöffnet. Alle Re⸗ klamationen sind bei den auf der Rückseite des Steuerzettels bezeichneten Stellen und nicht bei der Kasse anzubringen. Zusammenkunft. Sonntag, 1. Juli, nachmittags, treffen sich die Parteigenossinnen und Genossen in der Marbach, Wirtschaft Mut. Verhaftung. Ein junges Mädchen, wel⸗ 755 in der hiesigen Klinik niederkam und zwei inder gebar, reiste am 19. Juni mit den beiden Kindern von hier ab, mit der Angabe, die Kinder bei einer Pflegefrau in Wehrheim im Taunus unterzubringen. Am 21. Juni hier wieder ein⸗ getroffen, machte das Mädchen dem Leichen⸗ beschauer Herrn Quell die Mitteilung, die Kinder seien bei der Pflegefrau gestorben. Herr Quell ging der Sache auf den Grund und das Mäd⸗ chen erklärte, die Kinder seien nicht bei einer Pflegefrau untergebracht. Eine Anfrage der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden brachte bald des Rätsels Lösung, und folgte die Verhaftung des Mädchens auf dem Fuße. Oeffentliche Impfung. Die dies⸗ jährige Impfung der einjährigen Kinder findet am 6. Juli, nachmittags, in der Aula der Bür⸗ gerschule statt. Von der Polizeiverwaltung werden den betreffenden Eltern noch besondere Ein⸗ ladungen zugestellt. Kleine Mitteilungen. * Wetzlar. Die Opfer der Arbeit mehren) sich in unserer Gegend in der letzten Zeit gradezu erschreckend. Der in den Graukalk⸗ werken von Kempf und Hilf in Albshausen ar⸗ beitende Italiener Broggi wurde am Montag durch herabstürzendes Gestein verschüttet und sofort getödet. Die Leiche war grauenhaft ver⸗ stümmelt. * Pfäffischer Wüstling. Aus Re⸗ gensburg wird gemeldet: Der von der Staats⸗ anwaltschaft wegen Sittlichkeitsverbrechens steckbrieflich verfolgte Kooperator Rüth, geboren in Mitterteich, zuletzt in Kallmynz seelsorgerisch thätig, ist, wie das„Regensb. Tagbl.“ meldet, in der Schweiz verhaftet worden. Die Aus⸗ lieferung ist bereits erfolgt. * Dieschwarzen Pocken sind laut Mel⸗ dung der Strafanstalt Ziegenhain dort bei einem Gefangenen festgestellt worden. Die er⸗ forderlichen Sperrmaßregeln sind bereits ergriffen. — Bezüglich einer Meldung von Erkrankungen an schwarzen Blattern bei Moosham teilt das k. Bezirksamt Regensburg mit, daß auf dem isolierten Oekonomiegute Aukofen, Gemeinde Moosham, anfangs Juni drei einheimische Ar⸗ beiter an den schwarzen Blattern erkrankt sind. Die Ansteckung sei zweifellos durch einen jungen russisch⸗-polnischen Arbeiter erfolgt, der leicht an Blattern erkrankt war, dies aber verschwiegen hat. Es seien sofort Vorsichtsmaßregeln getroffen worden, insbe⸗ sondere durch Impfung aller Bewohner von Aukofen. Seit zwölf Tagen seien Neuerkrankungen nicht mehr vorgekommen. Arbeiterbewegung. Der Streik der Weißbinder in Gießen dauert noch immer fort. Die Arbeitgeber lehnten ab, vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts mit den Arbeitern wegen Beilegung des Streiks zu verhandeln. Der Holzarbeiterstreik in Frank⸗ furt wurde auch noch nicht beigelegt. Eine Versammlung der Streikenden beschloß mit großer Mehrheit, an der Forderung der neunstün⸗ digen Arbeitszeit festzuhalten und im Streik zu verharren, trotzdem mehrere Mit⸗ glieder der Streikkomission sich für Beilegung des Streiks aussprachen. 7 Eine Versammlung der Barbiere in Frankfurt erklärte die Zugeständnisse der Prinzipale für nicht genügend und beschloß weiter zu streiken. Von den Streikenden wurden pro⸗ visorische Barbierstuben eröffnet. 1 In Berlin ist ein allgemeiner Streik der Dachdecker und Berufsgenossen in der gestrigen Versammlung der Gehilfen be⸗ schlossen worden. Die Arbeit wird bei allen Unternehmern eingestellt, welche die von der Innung zugestandene Lohnerhöhung von 2½¼ Pfennig pro Stunde nicht bewilligen. Partei- Hachrichten. Kreis⸗Wahlverein Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Sonntag, den 15. Juli, nachmittags 1 Uhr, im Lokale des Herrn Größer in Großen⸗Buseck: Areis⸗ Konferenz. Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kasssenbericht.— Vor⸗ stands wahl. 2. Landeskonferenz und Parteitog. Referent Orbig⸗Gießen. 3. Unsere Presse. Referent Beckmann⸗Gie ßen. Die Parteigenossen allerorts im Wahlkreise werden ersucht, sich an der Konferenz zu beteiligen und die Wahl der Delegierten unverzüglich vorzunehmen. Der Vorstand des Kreiswahlvereins. Genosse Bueb, der frühere Reichstagsabgeordnete für Mülhausen i. E., hat in einer öffentlichen Versam m⸗ lung dortselbst die Gründe bekannt gegeben, die ihn zur Niederlegung des Reichstagsmandats veranlaßt haben. Zunächst habe ihn Arbeitsüberhäusung dazu bewogen; er ist bekanntlich Mitglied des Reichstags, Bezirkstags und Gemeinderats. Es sei ihm durchaus unmöglich 355 wesen, die drei Mandate gewissenhaft auszuüben. e⸗ sonderes Gewicht lege er auf das Amt eines Gemeinde⸗ ratsmitgliedes, weil er der„einzige Hecht im Karpfenteich“ sei. Als weiteren Punkt bezeichnete er die scharfen per⸗ sönlichen Differenzen zwischen ihm und dem Landespartei⸗ vorstand, die ihm sein längeres Verweilen an führender Stelle unmöglich machte. Er erklärte, nach wie vor für die sozia demokratischen Prinzipien kämpfen zu wollen. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 30. Juni: Wieseck. Tabakarbeiter⸗Versammlung abds. 9 Uhr bei Wacker. Dienstag, 3. Juli: Gießen, Kertelsigung Serbe. Ul bei Sebi. 1 nunserer heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt des Herrn Jürgensen⸗Herisau bei, worauf wir hiermit besonders hinweisen. U * 8 D Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 2 g Anterhaltungsteil. r Lied vom Drohnenkönig. Es war in einem Bienenstaat Ein edler Drohnenkönig, Der leckte Honig früh und spat, Hatt' Helfer gar nicht wenig. Er nippt' herum, er tippt' herum, Er machte nichts als Summ und Brumm— Der König, der war gar nicht dumm, Der feiste Drohnenkönig. Da wurden auch die Bienen llug Und sprachen:„Drohnenkönig! Du frißt zwar Honig g'rad' genug, Doch schaffst Du viel zu wenig. Wir summen Dir auf Dein Gebrumm— Wir Völker sind nicht mehr so dumm, Du fauler Drohnenkönig!“ Die Völler spießten kurz und gut Den edlen Drohnenkönig, Verzehrten ihren Zuckerhut Und hatten nicht zu wenig. Sie brachten all' die Sippschaft um, Da half kein Summ, da half kein Brumm— Die hatten halt kein Christentum, Du armer Drohnenkönig. Ludwig Pfau. In Fesseln. 71 Novelle von Elise Schweichel. Augen und Mund zusammenkneifend und die Rechnung nahe an das Licht haltend, studierte die Baronesse mit großer Aufmerksamkeit. Plötz⸗ lich ließ sie die Hand mit dem Blatte sch wer auf den Tisch sinken und schaute Johanna mit großen Augen an. „Fräulein Storbeck, ich glaube, Sie träumen! Sechzig Mark? Nur für diese Arbeit? Das sind zwanzig Thaler. Ueberlegen Sie sich das nur. Zwanzig Thaler! Mit den Mark springt man so leicht um. Sechzig, siebzig Mark sind heutzutage gar nichts. Aber zwanzig Thaler, das klingt etwas anders.“ Johanna glaubte selbst zu träumen. Sie fand nicht gleich eine Antwort. „Gnädige Frau“, sagte sie dann bescheiden, „wie man das Geld auch nennen mag, der Wert bleibt doch derselbe. Ich weiß, daß drei Mark auf einen Thaler gehen, aber auch, daß der Thaler nicht weiter reicht als drei Mark. Ohne die Zeichnung habe ich zwanzig Tage gearbeitet und zwar von früh bis spät; das macht den Tag drei Mark— kaum genug, um allen An⸗ forderungen gerecht werden zu können!“ „O, da sind Sie sehr anspruchsvoll. Ein Frauenzimmer lebt sehr gut von der Hälfte, und Tausende müssen sich mit noch weniger durch⸗ schlagen. Zu prassen hat niemand nötig. Und kurz und gut, ich zahle keine sechzig Mark. Nehmen Sie vierzig und wir sind auseinander.“ Johanna war außer sich vor Entrüstung. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt, die Zunge klebte ihr am Gaumen. „Das werde ich nicht thun“, stieß sie hervor. „Ich bin keine Betrügerin. Lassen Sie die Arbeit durch Unparteiische prüfen und taxieren. Bis die über meine Forderung entschieden, leben Sie wohl. Aber lassen Sie mich Ihnen noch eines sagen, gnädige Frau“, fügte sie vor der Thür, die sie bereits gewonnen, zurückkehrend, hinzu,„bevor Sie Tierschutzvereine und Hunde⸗ asyle gründen, lernen Sie den Menschen mensch⸗ lich behandeln.“ Außer sich eilte sie davon. Wie sie nachhause gekommen war, sie wußte es nicht. Mit keuchender Brust trat sie sogleich bei Julius ein. Es fiel ihr in ihrer Erregtheit nicht auf, daß dieser in einer etwas verlegenen Haltung mitten im Zimmer stand, und daß eine gewisse Unordnung darin herrschte. Auf- und abschreitend, sprudelte sie das Erlebte heraus; sie mußte sich durch Mitteilung erleichtern. Als sie auf ihrer hastigen Wanderung an einem der Fenster vorüberkam, bemerkte sie, daß dessen Vorhänge, gegen den sonstigen Gebrauch aus den Schnüren g⸗löst, gerade herunterhingen. Mechanisch hob sie einen der Flügel, um ihn in Ordnung zu bringen. Aber sofort ließ sie ihn wieder fallen und trat mit einem leisen Ausruf des Schreckens zurück. „O Gott, dort steht Jemand!“ Schnell gefaßt sprang dieser Jemand hervor. „Ha, ha, ha, ich bin's ja nur!“ erschallte Sus⸗ chens Stimme, während Julius die Schwester umschlang und begütigend sagte: „Mein Gott, Du hast Dich so erschreckt. Das war ein dummer Scherz von uns.“ Johanna sah starr von einem zum andern. „Das war kein Scherz, Ihr wolltet mich täuschen. Ich sollte nicht wissen, daß— Fräulein Champagner hier sei. Und ich muß sagen, ich finde Ihre wiederholte Anwesenheit in diesem Zimmer höchst unschicklich.“ „Nun, liebe Schwester, dann will ich Dir nur die Wahrheit sagen“, nahm Julius das Wort.„Suschen ist meine Braut.“ Dabei umfaßte er das neben ihm stehende Mädchen und drückte es zärtlich an sich. Johanna sah ihren Bruder weit geöffneten Argen an; dann schlossen sich dieselben. Sie ward leichenblaß und taumelte. Die Schlag auf Schlag sich folgenden Erregungen waren selbst für das starke Mädchen zu viel. Julius geleitete sie nach seinem Lehnstuhl und ließ sie in denselben nieder, während Suschen in die Küche nach Wasser lief, um der Halbohnmäch⸗ tigen die Schläfen zu netzen. Diese bog jedoch den Kopf unwillig weg. Julius flüsterte Suschen zu, daß es besser wäre, wenn sie jetzt ginge, und begleitete sie hinaus. In das Zimmer zurückkehrend, schritt er eine Weile langsam auf und ab. Endlich blieb er neben Johanna stehen. „Ist Dir jetzt besser?“ fragte er, indem er sich über sie beugte. Johanna griff nach seiner Hand und sah ihm angstvoll in die Augen. „Ist es wirklich wahr?“ hauchte sie. „Wirklich wahr. Ich wußte wohl, daß ich bei Dir auf Widerstand stoßen würde und zögerte daher, es Dir mitzuteilen. Ich gebe zu, es ist gewissermaßen eine Mesalliance. Ein Mädchen vom Theater, Ballettänzecin, die Tochter armer Leute— aber bei Dir sollte das doch am wenigsteu Ar stoß erregen, die Du durch Anton mit Gleichheitsideen durchtränkt bist.“ „Ach, das ist es nicht, das ist es nicht!“ schüttelte Johanna traurig den Kopf. „Nun, was sonst, was sonst?“ fragte Julius mit Lebhaftigkeit.„Ist es denn so unerhört, daß ich auch einmal glücklich zu sein verlange? Freilich, Du mit Deinem kühlen Herzen, die Du alles nur mit dem Verstand erwägst, Du hast Mühe, zu begreifen, daß mir das Leben, wie ich es jetzt führe, nicht genügt. Weil Du Dich zufrieden und glücklich fühlst, muß ich es darum auch sein? Und was geht Dir denn auch ab? Du kannst Dich frei bewegen, nach Belieben kommen und gehen, hast Deine ge⸗ sunden Glieder, Deine Häuslichkeit. Darüber gehen Deine Wünsche nicht hinaus. Ich glaube, Dein Puls hat noch keine Minute Deines Lebens schneller als gewöhnlich geschlagen. Ich dagegen bin durch mein Gebrechen auf meine vier Wände angewiesen, während alle Eindrücke lebhafter auf mich wirken. Ich bin ein ganz anderer Mensch, seit ich das Mädchen kenne. Sie hat neues Blut in meine Adern gegossen. Es drängen sich tausend Ideen in meinem Hirn, ich fühle mich zum Schaffen angeregt, und Du sollst sehen, was ich zu stande bringe, wenn ich erst einen Zweck habe, für den ich schaffe.“ Johanna hatte während seiner Rede mehr⸗ mals die Lippen geöffnet, aber keinen Ton hervorgebracht. Der Mund war ihr wie aus⸗ gedörrt; in ihren Schläfen hämmerte es, eine eisige Kälte durchschauerte ihre Glieder. Sie erhob sich mit Anstrengung, und als Julius noch etwas sagen wollte, winkte sie ihm mit der Hand, zu schweigen und schwankte hin⸗ aus.— Sie sollte die Stube ihres Bruders nicht 10 bald wieder betreten. In der Nacht erkrankte sie. Ein hitziges Fieber stellte sich ein und fesselte sie mehrere Wochen ans Bett. Erst. gegen das Ende derselben sah sie die Gestalten der Frau Bartels und der Wäscherin wie in einem Traum, sich abwechselnd um sie bewegen. Als sie mit klaren Sinnen endlich erwachte, saß die letztere an ihrem Bett. Es war Nacht und sie befand sich nicht in ihrem Stübchen. Frau Bartels hatte sie dem Geräusch des Hofes ent⸗ rückt und nach ihrer eigenen, nach der Straße gelegenen Wohnung im Erdgeschoß bringen lassen. Johanna war, als sie von dieser Güte hörte, bis zu Thränen gerührt. Alles, was vor ihrer Krankheit geschehen, der Schimpf, den ihr die Baronesse angethan, die leichtfertige Verlobung ihres Bruders und sein grausames Verkennen ihres innersten Wesens, alles dieses kehrte jetzt wie eine zurückgestaute Flut in breiten Sturz⸗ wellen in ihre Erinnerung zurück. Das gute alte Gesicht der Wäscherin flößte ihr einen Augenblick Widerwillen ein; aber als diese ihr nun erzählte, wie sie allnächtlich bei ihr gewacht und sich nur am Tage, wo sie ihrem Geschäfte nachgehen mußte, von Frau Bartels hatte ab⸗ lösen lassen; wie sie für Julius gesorgt, dessen. Wohnung rein gehalten und ihn beköstigt hatte, da legte Johanna ihre abgezehrte, blasse Hand in die harte knochige der braven Wäscherin. „Ach, mein gutes, liebes Fräuleinchen“, sagte diese,„Gott sei Dank, daß Sie endlich wieder bei Besinnung sind. Ach, das war doch schreck⸗ lich. Sie haben zwar immer so fromm und sanft wie ein Engel dagelegen, aber die stieren Augen und das schmerzliche Stöhnen— Sie glauben nicht, wie mir das das Herz zerriß.“ Sie wischte sich mit dem Rücken der Hand die Thränen aus den Augen. „Was macht mein Bruder und wie— wie— „Ich versteh', ich versteh'. Regen Sie sich man bloß nicht auf. Ach, ich wollt' ja auch gar nichts davon wissen; Sie wissen schon, was ich mein'. Daß ein Mann, wie der Herr Bruder, für die Suse zu schade ist, das muß jeder sehen, und ich dachte, er sponsierte nur ein bischen mit ihr, und das Fräuleinchen wären doch immer ach d. audgich f 15 27. 1 l 1 sele 9 0 i + feu, 0 0 N 00 fand bt eile ui, an 5 ligten. scan e gadienst viclung U ö dabei, und kurz und gut, ich hatt' keine Ahnung. Als ich die Geschichte endlich hört'— es war an dem Morgen, als das Fieber Sie gepackt hat, Sie glühten wie eine Kohle, und der Herr Bruder wußt' sich keinen Rat und kam uns rufen, und dabei kam's heraus— Herr Gott, als ich das anhört', ich dacht', der Schlag Das hätte das Fräuleinchen soll mich rühren. auch krank gemacht, sagt' ich gleich, und der Herr Bruder sollt' es sich doch noch überlegen, die Suse paßte nicht für solchen feinen Herrn. Aber, Gott bewahr', er wollt' nicht von ihr 1 lassen; es ging' keinem was an, sagt' er, und er hätt' es mit der Suse allein zu thun und er wollt' nur die Einwilligung von den Eltern, nachher wollt' er von den ganzen Verwandten nichts weiter wissen. t kann er ruhig sein. Wir wissen, wo wir hin⸗ gehören, und wir haben auch unsern Stolz. Na, was das anlangt, da Und die Suse hat ja auch was besseres kennen gelernt als unsereins. feinen Haus erzogen, und Sie wird noch an⸗ nehmen und Ihnen keine Schande machen. Und am Ende muß der liebe Gott doch auch wissen, was er thut, denn wir lernen dach schon in der Kinderlehr', daß alles, was er thut, zu unserem Besten dient.“(Fortsetzung folgt.) Johannes Gutenberg. In einer großen Anzahl Städte haben dieser Tage Festlichkeiten zu Ehren des Erfinders der Buchdruckerkunst anläßlich seines 500 jährigen Geburtstags stattgefunden. Besonders großartig war die Feier in Mainz, der Geburtsstadt des Erfinders; hier beteiligte sich auch unsere Partei im Verein mit den Gewerkschaften, den Mainzer und auswärtigen Buchdruckern und der gesammten Arbeiterschaft in hervorragender Weise. Aber auch vielen andern Orten haben es sich Sie ist ja doch in einem 1 l U 8 ahn lde un de dak 9 N dle au And wi g ub. Sch Der S wulle der tin der berg bela A nit v Nan nim Glenbetg, ß der S halügte, ul gane blieb uns des Ip über uhricht. llt in S nechanischt beiten be her auch bei einem Pfesse die Naber ge Seite bedr denn auck ate Gebl Anrecht. es als a alten Bi. wir Gut hlt er se hier ist e Hadverle bend si di Erft nein be Oaloschm ag un Egvieger deter e ahsihmn nen: ben Verl ker sch handen ih iz Nut eit n aeg der Lchnite high Hueber acht 0 N deo 0 ald e de sshag J kin kr! U saharg, ase Hank erin. en“, sagt ich wieder ch schu, mm und ie stieten Sk z ferriß Hand die wie— Sie sic n aut hon, was F Bruder, det fehen, chen mit och imme e Ahnung — es wal ie gtpaß und du cäuleiuchmg und da überlegeh Gutenberg als armen Mann. Nr. 27. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. unsere Parteigenossen nicht nehmen lassen, des Mannes ehrend zu gedenken, durch dessen Er⸗ findung jeglicher Fortschritt und— schließlich auch die Entwickelung der Sozialdemokratie erst ermöglicht wurde! So fand schon einige Zeit vorher in Stutt- gart eine größere Jeier zu Ehren Gutenbergs statt, an welcher sich ebenfalls die Arbeiter be⸗ teiligten. Bei dieser Gelegenheit hielt Professor Schanzenbach eine Rede, in der er das Verdienst Gutenbergs um die kulturelle Ent⸗ wicktlung der Menschheit feierte. Diese Rede dürfte auch für unsere Leser von Interesse sein und wir geben sie deshalb im Auszuge wieder. Prof. Schanzenbach sagte: Der Sprößling der mainzischen Patrizier⸗ familie der Gensfleisch, Johannes Gensfleisch ist in der Geschichte unter den Namen Gute n⸗ berg bekannt. Woher er diesen Namen hatte, ist mit völliger Sicherheit nicht zu ermitteln. Man nimmt an, daß seine Mutter, Else zum Gutenberg, die letzte ihres Geschlechts gewesen, daß der Sohn der Mutter Namen dem seinigen beifügte, und daß dieser ihm schließlich als Haupt⸗ name blieb. Alles was man von dem Geburts- haus des Meisters erzählt, beruht auf Vermutungen und über seinen Bildungsgang fehlt leider jegliche Nachricht. Urkundlich nachweisbar ist sein Aufent⸗ halt in Straßburg 1434. Hier erscheint er mit mechanischen Studien und mit mancherlei Metall- arbeiten beschäftigt, mit Anfertigung von Spiegeln aber auch mit Versuchen typographischer Art, da bei einem gegen ihn geführten Prozeß von einer Presse die Rede ift, während man bisher mit dem Reiber gearbeitet und das Papier nur auf einer Seite bedruckt hatte. Auf Grund hiervon machte denn auch Straßburg Anspruch auf die Ehre, die erste Geburtsstätte der Buchdruckerkunst zu sein. Mit Unrecht. Die genauesten Untersuchungen lassen es als ausgemacht erscheinen, daß diese Ehre der alten Bischofstadt Mainz gebührt. Hier finden wir Gutenberg im Jahre 1448 wieder; hier hat er seine Versuche sofort wieder aufgenommen; hier ist er aber, wie schon in Straßburg, in jene Geldverlegenheiten gekommen, aus denen er zeit⸗ lebens sich nicht wieder herauswinden sollte. Der Erfinder war kein Finanzgenie. Es ist all⸗ gemein bekannt, wie der reiche Kapitalist und Goldschmied Johann Fust, mit dem Guten⸗ berg um 1450 in Verbindung kam, und Fust's Schwiegersohn, der Kleriker oder Schönschreiber Peter Schöffer, den mit einer geordneten Buchführung unbekannten Mann in ihre Hände bekamen: mit gänzlichem finanziellen Ruin, mit dem Verlust seines verpfändeten Druckgeräts, seiner schönen Typen, wahrscheinlich auch der vorhandene Exemplare der sogenannten 42zeiligen lateinischen Bibel, und schließlich mit dem Verrat seines Kunstgeheimnisses ging Gutenberg aus dem Streit mit seinen Geschäftsteilhabern hervor, eines der vielen Beispiele, wo der über reiche Geldmittel Verfügende die dem Genius reifenden Früchte einerntet. Das Jahr 1458 findet Noch einmal lächelt ihm indeß das Glück: Der Mainzer Jurist und Theologe Dr. Conrad Hu mery schießt ihm das Geld für neues Druckgerät vor. Mit neuen Typen druckt er 1460 das Catholikon, ein latei⸗ nisches Realwörterbuch, und einige andere Schriften. Allein er darf sich auf diesen Druckwerken so wenig nennen wie bei seiner 42zeiligen Bibel und anderen, weil er bei seiner Verschuldung sich so⸗ sort der Gefahr der Pfändung ausgesetzt hätte. Gutenberg selbst, in seiner Erwerbsthätigkeit mann des Herzogs von Nassau. lahm gelegt, von Sorgen und Alter gebeugt, sindet ein Gnadenbrot als kurfürstlicher Hofdienst⸗ Seinen Lebens⸗ abend scheint er in der herzoglichien Residenz Eltville zugebracht zu haben; aber über seinen Todestag weiß Niemand etwas, und seine letzte stuhestätte ist nicht mehr zu finden. Welche Tragik in dem Leben eines Manes, sessen Wirken an das Goethe'sche Wort erinnert: „Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Aeonen untergehn!“ Welcher Gegensatz wischen der Armut des Erfinders und dem Reichtum seiner Erfindung! Man nennt Gutenberg den Erfinder der Zuchdruckerkunst— eine für sein Werk höchst unglückliche Bezeichnung, die freilich nicht mehr leicht zu entfernen ist, die aber mit dazu beigetr igen hat, seinen Ruhm bei der Nachwelt zu schmälern oder gar ihm denselben zu Gunsten Anderer, zum Beispiel des Harlemer Lorenz Koster, streitig zu machen. Es wäre wahrlich an der Zeit, jedem Kind in der Schule schon deutlich zu machen, daß es vor Gutenberg gedruckte Schriften gegeben hat. Wir haben aus dem 15. Jahrhundert eine stattliche Anzahl von Holztafeln abgedruckter Bücher, sogenannte Block— bücher, Fluchblätter, Spielkarten und dergleichen. Ja, Bürstenabzüge von Holzplatten finden sich in China schon im 10. Jahrhundert, und die Kunst des Druckens überhaupt, d. h. das Ver⸗ fahren, vermittelst gewisser Formen und Farben, Gestalten, Bilder, Schriftzeichen und dergleichen durch Drucken auf andere weiche Körper zu übertragen, ist gerade uralt, wie man aus den Keilinschriften von Ninive sehen kann. Was aber das großartige Erwachen des geistigen Lebens auf allen Gebieten im 15. Jahrhundert, was ins⸗ besondere der gewaltige Flügelschlag des Huma⸗ nismus verlangte, und was alle Schreibkünstler und Briefmaler, alle Graveure und Xylographen nicht verschaffen konnten, eine rasche und massenhafte Vervielfältigung der Schrift, das erstrebte der große Mainzer, darüber sann dieser rheinische Prometheus bei Tag und bei Nacht, dafür opferte er Vermögen und Ruhe und Lebensglück. Es ist eine ganz falsche Vorstellung, daß man große Ent⸗ deckungen, weltbewegende, ja weltumschaffende Erfindungen dem Zufall verdanke. Das gilt weder von dem Pulver noch von dem Kompaß, noch von dem Linnenpapier, welch letzteres un⸗ serm Bücherdruck vorangehen mußte. Die intensivste Geistes arbeit, die opferfähigste Ausdauer und Geduld, die Hingabe des ganzen Menschen machen den Erfinder, sie haben auch Gutenberg zu einem solchen gemacht. Worin bestand denn aber schließlich seine Er⸗ findung, wenn es nicht der Schriftendruck im weitesten Sinne war? Man hat gesagt, Guten⸗ berg habe die beweglichen Lettern erfunden, d. h. die Möglichkeit, durch Versetzung der einzelnen Buchstaben unendlich viele Wörter zu bilden. Auch das trifft nicht den Kern der Sache, trifft ihn nicht vollständig. Das Wesentliche der„göttlichen Kunst“, des„wunderbaren Geheimnisses“— mit solchen Benennungen beehrten die Zeitgenossen die Erfindung—, das Wesentliche ist, das weiß man jetzt, die Verwendung einzel ner beweglicher gegossener Metalltypen und vor Allem die wichtige Art der Typenbildung durch„Patrize“ und„Matrize“. Unter Patrize verfteht man den verkehrt und erhaben in Stahl ausgearbeiteten Stempel eines Buch⸗ stabens. Gutenberg selbst hat das, worin er den Kern seiner Kunst sah, in der Unterschrift eines seiner Hauptwerke, des schon genannten Catholikon, so klar wie schön ausgedrückt:„Unter dem Beistand des Allerhöchsten,“ sagt er,„auf dessen Wink der Unmündigen Zungen beredt werden und der oftmals den Kleinen offenbart, was den Weisen er verhehlt, ist dieses vortreff⸗ liche Buch„Catholikon“ im Jahre der Mensch⸗ werdung des Herrn 1460 in dem gesegneten Mainz, einer Stadt der berühmten deutschen Nation, welche Gottes Huld durch ein so hohes Geisteslicht und freies Gnadengeschenk den übrigen Nationen der Erde vorzuziehen und auszuzeichnen gewürdigt hat, gedruckt und vollendet worden, nicht mit Hilfe von Rohr, Grigel oder Feder, sondern durch das wunderbare Zu⸗ sam men stimmen, Verhältniß und Eben⸗ maß der Patronen und Formen“(5. h. der Patrizen und Matrizen). Da haben wir's: Das Schneiden und Gießen der Metalltypen, also das, was jetzt das selbständige Fach der Schriftgießerei bildet, sowie der Druck von Einzelblättern und Büchern vermittelst solcher Typen— jetzt gleichfalls ein Geschäft für sich — das bildet das Wesen der Kunst Gutenberg's seiner unsterblichen Erfindung. Alles Andere, was im Laufe der Zeit in die Säle der Druckereien eingeführt worden, die zahlreichen Hilfsmittel, deren sich die Typographie jetzt bedient, z. B. Maschinen zur massenhaften Herstellung satzfertiger Typen, Schnellpressen, Stereotypie, Galvanoplastik, Autotypie, Drei⸗ farbendruck, all diese bewundernswerten und ungeheuer leistungsfähigen Verbesserungen, an der eigentlichen Erfindung Gutenberg's haben sie nichts ändern können. Man druckt im Wesent⸗ lichen, wenn auch z. B. der Schnitt der Lettern dem Zeitgeschmack huldigen mag, heute noch so wie vor 450 Jahren. Hatte der Menschengeist in der Sprache sich für seine Gedanken einen Körper geschaffen, hatte er später in der Schrift ein Werkzeug der Mit⸗ teilung und Ueberlieferung gefunden, so war ihm jetzt erst, in der Anwendung dieser winzigen beweglichen Metalltypen, ein Universalmittel der Verständigung gegeben, wo nicht mehr bloß Einer mit dem Andern, Auserwählte mit Auserwählten, sondern wo Jeder mit Jedem geistig verkehren, Gedanken geben und empfangen konnte. Noch mehr, der Geist hatte eine Waffe gewonnen, scharf und schneidig, des Freien Wehr zu Schutz und Trutz, wie gemacht zur Eroberung der Welt. So ist und bleibt Johannes Guten⸗ berg einer der größten Wohlthäter der Menschheit, und seine Jünger sind dazu berufen, alle seiner Erfindung würdige Gaben uns zu vermitteln. Aus vollem Herzen schließen wir uns den Worten Prof. Dr. Schanzenbach's an, mit wel⸗ chen er seinen Vortrag schloß:„Wie Deine Kunst verklärter Meister, seit Jahrhunderten die Welt belehrt, erfreut, beleuchtet, wie sie des Weisen Lehre, des Forschers Entdeckung, des Dichters Schöpfung, der Völker Gesetze und Recht, des Tages Geschehnisse über den Erdkreis trägt, so möge sie auch unter uns und bei den spätesten Geschlechtern blühen und hochgehalten werden, nie ron der Lüge entweiht, nie von der Gemein⸗ heit entwürdigt, nie von knechtischer Furcht ge⸗ fesselt, all zeiteine Priester in der Wahr⸗ heit, der Schönheit, der Freiheit!“ Sprüche zur Lebensweisheit. Wir können nie sicher sein, daß eine Meinung, die wir zu erdrosseln bemüht sind, eine falsche Meinung ist; und wenn wir auch dessen sicher wären, so blieb die Erdrosselung doch ein Uebel. * Unsere Feinde vermögen nichts über uns, denn sie können uns nicht verwehren, zu denken und ehrenhaft zu handeln. Chamfort. Die wahre Regierung muß einem fruchtbaren Sommerregen gleichen, der das trockene Land befruchtet, ohne daß man ihn hört. Es haben Regenten gelebt, die die Staatsmaschine mit solchem Gepolter, Gerassel, Geräusch, Geklapper und Ungestüm herumtrieben, daß jeden Augen⸗ blick zu befürchten war, sie oder die Maschine müßten davon zertrümmert werden. F. M. Klinger. Die Zivilisation ist in den Völkern, die Barbarei in den Regierungen. Viktor Hugo. * Wo die meiste sogenannte positive Religion ist, war immer die wenigste Moralität. Man sehe die Geschichte. Humoristisches. Moderne Frömmigkeit. Englischer Gentle⸗ man(auf der Straße ein Extrablatt vorlesend):„Tau⸗ send Buren getötet und verwundet!“ Die Umstehenden(im Chorus): Dank!“ 5 Ersatz.„Wo soll das hinführen, Herr Amtsrichter! Das Volk hat keinen Funken Religion und fürchtet sich vor Hölle und Teufel nicht mehr!“—„Braucht's auch nicht— dafür haben wir Polizei und Staatsanwalt.“ * „Gott sei Gutenberg⸗G'stanzeln.(Bayrisch.) Mein Schatz is a Drucker, A wildfescher Bua, Der druckt mir auf's Goscherl Ja Busserl grad gnua. Auf's pünktlichste hält er Dös Preßgesetz ein, Wennst ein Nachdruck versuchtest— Der b'sorgets Dir fein.(Igd.) 80 51 0 1 3 35 99 1 2 — 2 — * —— — 2 2 S S e —— ö Nr. 27. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Unserer werthen Kundschaft und verehrl. Publikum hiermit die ergebene Mitheilung, daß sich unser Geschäftslokal nur noch 17 Neuenweg 17 befindet. Unser Lager haben wir wesentlich vergrößert und stellen folgende solide, gute Waaren zu bekannt billigen Preisen zum Verkauf: Herren- und senaben- Helder Tuche, Buftshins und Manusalturwaaren Seiffedlern und Daunen Auder Neuenweg 17. Anfertigung von Herrengarderobe nach Mass. & Sonneborn Marburg. Oeffentl. Partei⸗Versammlung am Sonnabend, 7. Juli, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Jesberg, Wehrdaerweg 2. a Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Beckmann⸗Gießen. 2. Unsere Partei-Organisation. 3. 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