kr. 12. 15 chienenen in Berlin ger folgen zu cbreitung 3.40 em ft ausge⸗ zmöglich. „ haben ger o Stück, issen, die igels⸗Re⸗ zahl vor⸗ leitung.“ Rätsel in Brief. in imit. — 8 1 ufenstr. 7 1 Henner Söhne; Natfe 2.40, f. able lage Hall flbt. Oißen. Gießen 10 Gießen, Sonntag, den 1. April 1900. rr 7. Jahrg. Nr. 14. f Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 4 Mitteldeutsche 8 6 Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 8 Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Bestellungen Iuserate M nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.)] 33 ½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Haltet zusammen! Mehr wie je ist es heute die Pflicht aller Minderbemittelten und Besitz⸗ losen, sich zusammenzuschließen und gemein⸗ sam ihre Interessen gegen die Anmaßungen der besitzenden und herrschenden Klassen zu vertreten! Auf allen Gebieten macht sich immer mehr die Ueberhebung der Reaktion bemerkbar. Die beste Waffe im Kampfe gegen Volksentrecht ung und Volksbedrückung ist die Presse! Die Mitteldeutsche Sonntags ⸗Seitung, die seit Jahren unerschrocken für die Nechte des werkthätigen Volkes eingetreten ist, wird auch in Zukunft diese ihre Auf⸗ gabe nach jeder Richtung hin erfüllen. Je größer aber die Verbreitung einer Zeitung ist, desto größer ift ihr Einfluß. Deshalb muß es die Aufgabe aller Kleinen in Dorf und Stadt sein, dem Organ, das ihre Inter⸗ essen vertritt, der Mitteldeutschen Lonn⸗ tags-Zeitung, immer neue Abonnenten zu zufuhren. Die M. S.⸗Ztg. erscheint jede Woche einmal und kostet monatlich frei ins Haus ge⸗ bracht nur 25 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Bestellungen werden enigegengenommen in der Expedition in Gießen, Sonnenfstraße 25, sowie bei allen Austrägern, Postanstalten und Landbriefträgern. Verteuerung der Cebens⸗ mittel. Konservative, Junker, Agrarier, Zentrums leute— Schnapphähne ärgster Art— sind wieder einmal an der Arbeit, dem deueschen Volke die Lebensmittel zu verteuern, um ihre eigenen Taschen besser fullen zu können. Zunächft soll durch ein Einfuhrverbot ausländischen Fleisches dem Volke die Fleischkost verteuert werden. Das Fleischschaugesetz ist in der zweiten Lesung mit dieser folgenschweren Bestimmung angenonemen worden. Und die Regierung? Wenn sie nicht furchtete, daß das Ausland für diese Emfuhrb schränkung schwere Wieder⸗ vergeltung üben könnte, würde sie wahrscheinlich ohne Zaudern diese Schröpfung des arbeitenden Volkes sanktionieren. Aber es steht zu befürchten, daß die deutsche Ausfuhr von Industriewaren von Amerika und anderen Staaten sehr beschränkt wird, falls die Lebens mitteleinsuhr aus diesen Staaten unterbunden wird. Darum schwankt die Reichsregierung noch und wagt es nicht, den agrarischen Gelüsten sofor“ nach zugeben. Das ist bezeichnend und zeigt aufs neue, wie volks⸗ schädlich die Wirtschafts politik der Herrschenden, der Regierung und Besitzenden, ist. Ganz abgesehen von der Schädigung, die Repressalien des Auslandes unserer Industrie zufügen würden, muß die Verteuerung von Lebensmitteln den Kousum von Industrieartikeln im Reiche selbst einschränken. Geringerer Absatz von Waren hat aber Arbeitslosigkeit zur Folge; Arbeitslosigkeit schränkt den Konsum noch mehr ein, und so muß denn die beabsichtigte Verteue⸗ rung der Lebensmittel wie eine Schraube ohne Ende wirken— schwere Krisen sind demnach die Folgen dieser geradezu kopflosen Wirtschafts⸗ politik. Das Verbot der Fleischeinfuhr ist jedoch nur der erste Vorstoß der gewissenlosen Volksausbeuter, die Erhöhung der Getreidezölle— also eine schwerere Brotsteuer— ist ebenfalls geplant und soll beim Abschluß neuer Handels- verträge im Jahre 1904 folgen. Andere land⸗ wirtschaftliche Produkte sollen ebenfalls mit höheren Zöllen belegt werden— kurz, es ist ein Raubzug auf die Taschen des Volkes geplant, wie er frecher kaum gedacht werden lann. Dagegen muß das ganze arbeitende Volk Front machen. Es hat um so mehr Ursache dazu, weil es jetzt schon ungeheure Summen als indirekte Steuern aufzubringen hat, die seinen Lebensunterhalt stark beeinträchtigen. Hier ein Beispiel. Ein mit Frau und drei Kindern lebender Arbeiter, der ein Jahresein⸗ rommen von 1248 Mark hatte, buchte genau, was die Familie verbrauchte und konnte danach berechnen, wieviel er Konsumtions⸗, d. h. indirekte Steuern gezahlt hatte. Die Berechnung stellt sich folgendermaßen: Brot(Preiserhöhung durch den Zoll 4 Pfg. per Kilogramm) 1092 Kilogramm— 42,68 Mk. Zoll. Fleisch(Zoll 15 Pfg. per Kilogramm) 208 Kilb gramm= 31,20 Mk. Zoll. Speck(Zoll 20 Pfg. per Kilogramm) 26 Kilogramm= 5,20 Mk. Zoll. Schmalz(Zoll 10 Pfg. per Kilogramm) 55 Kilogramm— 5,50 Mk. Zoll. Reis(Zoll 4 Pfg. per Kilogramm) 46 Kilogramm= 1,84 Mk. Zoll. Salz(Steuer 12 Pfg. per Kilogramm) 32 Kilogramm— 3,84 Steuer. Kaffe(Zoll 40 Pig per Kilogramm) 28 Kilogramm— 11,20 Mk. Zoll. Zucker(Steuer 20 Pfg. per Kilogramm) 30 Kilogramm— 6 Mk. Steuer. Hering(Zoll durchschnittlich 1 Pfg. per Stück etwa 250 Stück= 2,50 Mk. Zoll. Bier(Steuer 1 Pfg. per Liter) 370 Liter = 3, 70 Mk. Steuer. Branntwein(Steuer 28 Pfg. per Liter) 20 Liter= 5,60 Mk. Steuer. Petroleum(Zoll 6 Pfg. per Liter) 160 Liter= 9,60 M. Zoll. Tabak(Zoll 85 Pfg. per Kilogramm) etwa 10 Kilogramm= 8,50 Mk. Zoll. Zigarren(Zoll durchschnittlich 1 Pfg. per Stück) etwa 200 Stück= 2 Mk. Zoll. Das ergiebt eine Summe von nicht weniger als 139 Mark 36 Pfennigen an indirekten Steuern. Aber damit ist die ganze Höhe dieser Last noch nicht erreicht. Es kommen noch viele kleinere Beträge für andere mit Zöllen belastete Konsumartikel hinzu, die sich nicht nachweisen lassen. Diese Rechnung ist noch günstig, denn die Zollauflage hat eine Preis steigerung zur Folge, die über den Betrag des Zolles in der Regel — hinausgeht. Oder glaubt man etwa, die kapi⸗ talistischen Warenverkäufer zahlen den Zoll aus ihrer Tasche? Nicht einen Pfennig! Es wird alles auf die Konsumenten abgewälzt. Gerade deshalb wollen ja die Lebensmittelverteuerer höhere Zölle oder ein Eiufuhrverbot, damit ihren Waren keine Konkurrenz gemacht wird, im Gegen⸗ eil, daß stärkere Nachfrage entsteht, denn bei stärkerer Nachfrage lassen sich die Preise steigern. Deutlich erkennbar ist das dem Volke bei der diesjährigen Kohlennot geworden. Müßte die Regierung nicht den aufbrausenden Unw llen des Volkes als einen wohl zu beachten⸗ gen Faktor in Rechnuag ziehen, sie ließe es sich vielleicht ganz gern gefallen, wenn duch ein volksverräterisches und volksfeindliches Parlament neue Steuern dem Volke aufgewälzt würden. Höhere Zölle füllen die vom Militarismus stets bis auf den Grund geleerten Staatskassen. Jetzt will die Regierung eine große Flotte, aber es fehlt dazu an den Mitteln, und die Steuerentdecker in der Regierung kauen sich an den Fingernägeln herum und sinnen, wo sie die Mittel sür die Flotte hernehmen sollen. Da haben die beutesüchtigen Lebensmittelverteuerer das einfache Mittel an der Hand: Höhere Zölle— Fleischeinfuhrverbot ꝛc. dc. Sie kalkulieren so: Höhere Zölle liefern der Regierung höhere Summen, die sie zur Durch⸗ führung ihrer Pläne verwenden kann— und wir„scheren unser Schäfchen“ durch die infolge höherer Zölle ꝛc. bedingte Preiserhöhung unserer Waren, ergo ist beiden Teilen geholfen! Das ist verdammt einfach. Bleibt nur das eine Be⸗ denken, ob sich das Volk das bieten läßt. Nun, es ist den werkthätigen Klassen schon manches geboten worden, aber die Folgen blieben nicht aus. Die Zeiten großer Arbeitslosigkeit und Brotteuerung Anfang der neunziger Jahre sind noch nicht vergessen. Und ist in den letzten Jahren auch ein Wirtschaftsaufschwung zu ver⸗ zeichnen gewesen, so ist doch die gegenwärtige Situation keine günstige, die Konjunkturen be⸗ ginnen ab uflauen. Um so vermessener ist es, in dieser schwanken Periode die Krisis geradezu heraufzubeschwören durch eine Verschlechterung der Lebenslage des arbeitenden Volkes, nur um den gewinngierigen Agrariern, Junkern ꝛc. den Beutel zu füllen. Wer hiergegen nicht energisch auftritt, ver⸗ geht sich mit an dem Volke und an sich selbst, denn das Gewährenlassen der Beutepolitiker treibt uns in heillose soziale Kämpfe, in eine unhalt⸗ bare politische Situation, ins Elend. Jeder stehe seinen Mann und werfe sein Gewicht in die Wagschale! Wie ein Mann muß sich das arbeitende Volk gegen die Lebensmittelverteuerung auflehnen. Nieder mit den Beutepolitikern und Volksaussaugern!(Tabakarbeiter.) Polttische Bund chau. Gießen, 30. März. Reaktionäre Pläne. Daß die„Ordnungs“ Pa dt ien aller Schat⸗ tierungen in ihrer Mehrheit dem Reichstags— Wahlrechte nicht besonders grün sind, ist eine 2 2 10 aufspielt, f Herzens einer Verschlechterung zustimmen. Oef⸗ Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. ö bekannte Sache. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß auch in den Reihen des Zentrums, das sich immer als Schützer des allgemeinen Wahlrechts es viele giebt, die im Grunde ihres fentlich hütet man sich ja, als Gegner des wichtigsten Volksrechtes aufzutreten— ja selbst der Knuten⸗Oertel machte es am Freitag im Reichstage nicht, wie der„Vorwärts“ feststellt. Sind aber die Herren unter sich, dann sprechen sie sich etwas offener aus. So berichtet die „Kreuzztg.“ über die Hauptversammlung des konservativen Vereins der Provinz Brandenburg u. a.:„General der Infanterie . D.. Massow⸗Frankfurt betonte zur Be⸗ kämpfung des Pessimismus die Pflicht der Dank⸗ barkeit gegen Gott und unser Herrscherhaus und regt dann die Hinaufsetzung der Wahl⸗ fähigkeit von 25 auf 30 Jahre an.— Professor Kropatscheck hält eine Reform des Wahlrechts ebenfalls fürdringend wünschenswert, glaubt aber nicht, daß eine Hinaufsetzung des Alters der Wahlfähigkeit jetzt durchzusezen und wenn auch, von der erhofften Wirkung sei.“ Welcher Art die„Reform“ sein soll, die der Chefredakteur der„Kreuzztg.“ als „wünschenswert“ bezeichnet, geht aus dem Be⸗ richt nicht hervor. Für das Proportional⸗ Wahlrecht wird Herr Kropatschek kaum eingetreten sein; er wird vielmehr die„Reform“ im säch⸗ sischen Sinne verstehen. Die Arbeiterschaft wird sich bei Zeiten auf die Verteidigung unseres wichtigsten politischen Rechtes gegen die junker⸗ lichen Angriffe einzurichten haben.— Aber auch die Rechte des Reichstages sind bedroht. So haben sich angesichts der erfolgreichen„Ob⸗ struktion“, die bei Bera ung der„Lex Heinze“ von der Linken angewendet wurde, Abgeordnete der Rechten und vom Zentrum Hr. Grö ber für eine Aenderung der Geschäfts⸗Ord⸗ nung des Reichstages nach der Richtung hin ausgesprochen,„daß die Abgeordneten, welche einen Antrag auf namentliche Abstimmung stellen, als anwesend mitgezählt werden.“ Mit andern Worten, die Minderheit soll des Mittels beraubt werden, durch das sie sich gegen Vergewaltigung seitens der Mehrheit schützen kann. Zwar leistet das Zentrum in dieser Frage Herrn Gröber nicht allgemein Heeresfolge; so wendet sich die„Köl⸗ nische Volkszeitung“ entschieden gegen eine Aenderung der Geschäftsordnung indem sie er⸗ klärt, daß Gröber wohl mehr im eigenen Namen als in dem seiner Partei gesprochen hat;„denn letztere dürste in ihrer Mehrheit sich doch wohl schwerlich der Einsicht verschließen, daß eine Aenderung der Geschäftsordnung, welche heute von Zentrum und Rechte gegen Sozialdemo⸗ kratie und Freisinnige unternommen würde, ein andermal bei anderer Konstellation der Par⸗ teien auf Kosten des Zentrums durchge⸗ führt werden könnte. Das Beschreiten des vom Abg. Gröber angedeuteten Weges erscheine daher überaus bedenklich.“ Immerhin werden aber durch solche Vorschläge und durch Aeuße⸗ rungen, wie die oben angeführten, die rückschritt⸗ lichen Pläne des„arbeiterfreundlichen“ Zentrums ebenso wie die der edlen Junker offenbar und die Arbeiter zur Vorsicht gemahnt. Gute Geschäfte. Die Kosten des Panzermaterials werden sich bei den in der ueuen Flottenvorlage vorgeschlagenen Schiffsbauten gegenüber den früheren Preisen sehr erheblich steigern. Nach einer Anlage zum mündlichen Bericht der Budgetkommission des Reichstags stellen sich, wie die„Kölnische Volkszeitung“ mitteilt, die Kosten des Vertikal⸗Panzermaterials für ein Linienschiff auf 5 922 000 Mk.(2 552 600 Kilo zu 2,32 Mk.), Kostensteigerung für das Schiff 392 000 Mk., also Kosten für 28 Linienschiffe rund 166 000 000 Mk. Bei den großen Kreuzern sind die Kosten für Schiffskörper und Panzermaterial zusammen angegeben(pro Kreuzer 8 480 000 statt 6974261 Mk,); es werden für 20 große Kreuzer etwa 40 600 000 Kilo Panzermaterial= etwa 92800 000 Mk. erforderlich sein, macht zusammen rund 260 000 000 Mk. allein für Panzermaterial, noch abgesehen von den kleinen Kreuzern, bei welchen die Mehrkosten für Panzermaterial des einzelnen Kreuzers auf 13 900 Mk. angegeben sind.— Der Deutsche Michel wird also, falls die Flottenvorlage bewilligt wird, noch etwas tiefer, als bisher angenommen wurde. in die' Taschen greisen müssen, damit die Riessnprofite des Stumm und Krupp noch mehr gesteigert werden! Erfreuliche Wirkung der„Obstruktion“? Der Beschlußunfähigkeit des Reichstages, welche den Sieg der Obstruttion ermöglichte, schlagen verschiedene Blätter vor, durch Gewäh⸗ rung von Diäten an die in Berlin anwesenden Mitglieder des Reichstages zu steuern. Dann würde die Obstruktionspolitik hinfällig.— Be⸗ kanntlich hat der Reichstag schon soundsov el Mal dem Antrage anf Zahlung von Tagegeldern an seine Mitglieder zugestunmt, im Bundesrate würde derselbe aber jedesmal abgelehnt. Jetzt wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Bundes⸗ rat angesichts der jüngsten Vorkommnisse seinen ablehnenden Standpunkt aufgegeben habe. Uns könnte es nur freuen, wenn bei dieser Gelegenheit eine unserer Programmforderungen verwirklicht würde. Einstweilen glauben wir aber noch nicht recht daran. „Verrohung.“ Immer und immer wieder taucht in der bürgerlichen Presse die Behauptung über die Vermehrung der Rohheitsverbrechen auf, und im deutschen Reichstage ist nun schon zum zweiten Male über dies Thema debattirt worden und zum zweiten Male finden sich Leute, die die Stirne haben, die Prügelstrafe zu empfehlen. Die amtliche Statistik gibt keinenfalls Belege dafür, daß die Roheitsverbrechen in starker Zu⸗ nahme begriffen sind und besonders ist im Lichte der Statistik die vage Behay ptung, daß die Industriearbeiter das größte Kontingent an solchen Verbrechern stellen, durchaus falsch. Wo die Land⸗ arbeiter zur Industrie herangezogen werden, da ist in der That eine Zunahme bemerkbar und sie ist erklärlich: Leute, die plötzlich in ein anderes Milieu versetzt werden, plötzlich in ganz andere Lebens⸗ verhältnisse kommen, sind infolge der Ueber⸗ reizung zu Roheiten geneigt und auch wohl deshalb, weil die ungewohnte Ungebundenheit, der Mangel des Zusammenhanges mit der„öffent- lichen Meinung“, dessen sie sich in dem Dorfe wo Jeder den Andern kennt, bewußt sind, störend auf ihre Begriffe wirkt. Länder dagegen mit alteingesessener Industrie, wo schon Generationen der Industrie leben, weisen einen stetigen Rück⸗ gang dieser Roheitsverbrechen auf. Kann also von einer Verrohung der großen Volksmasse auf keinen Fall die Rede sein, so bildet die Sehnsucht nach der Knute, wie sie bei den Oertel und Konsorten im Reichstage sich äußert, ein bedenkliches Symptom der Verrohung. Herr v. Buchka, der Kolonial⸗ direktor, hat sich energisch gegen die Prügelstrafe in den Kolonien gewendet, für Neger sei dieselbe nur ein Mittel, die Gesittung zu ver⸗ hindern. Vor kurzer Zeit wurde von kon⸗ servativer Seite behauptet, daß der Mißbrauch der Peitsche das Schlimmste sei, was man einem Kutscher nachsagen könne. Gegen Menschen aber wollen die Oertel, Himburg, Werner, v. Kar⸗ dorff und Graf Stollberg die Knute anwenden! Es ist eine Schmach, wir wiederholen es, daß diese Patrone überhaupt den Deutschen Reichstag mit derartigen Anträgen belästigen dürfen. Schutz vor Schutzleuten. Unser Frankfurter Parteiorgan berichtet: Am 23. Oktober v. Is. hatte der Wirt des Hauptbahnhofbiertunnels Anton Nick in Frankfurt a. M. sein Lokal bis 2 Uhr nachts offen gehalten obgleich er nur bis 12 Uyr polizeiliche Erlaubnis hatte. Nach 2 Uhr kam der Wachtmeister Altstädt und erklärte dem Wirt, in zehn Minuten hätte jeder das Lokal zu verlassen. Als die anwesenden Haus⸗ burschen Görgen und Adam nach der Thüre gingen, erklärte der Wachtmeister, niemand dürfe hinaus. Alle wurden aufgeschrieben. Adam gab dem Wachtmeister auf dessen Verlangen seinen Militärpaß. Adam sagte unter Eid aus, der Wachtmeister habe mit den Worten:„Das sind Dreckspapiere“, seine Legitimation zerrissen, auf die Erde geworfen und ihm einen Stoß vor die Brust gegeben, daß er zu Boden gefallen sei. veschwert habe, sei er verhaftet worden. Nek, der auch verhaftet wurde, hat auf der Wache eine halbe Stunde lang auf dem Wachtmeister warten müssen. Als dieser kam, habe er seine Taschen leeren, die Weste ausziehen und die Hosenträger abknöpfen und auf den Tisch legen müssen. Dagegen habe er protestiert, da er sich in Gegenwart anderer doch geschämt haben würde, wenn seine Hosen hecunterfielen. Darauf⸗ hin habe der Wachtmeister erklärt:„Der Kerl. wird geschlossen und dabehalten!“ Der Wacht⸗ meister erkläcte, er habe den Nick nur deshalb verhaftet, weil dieser den Görgen und Adam befreien wollte. Daß er den Nick oder den Adam gestoßen und geschlagen, den MR litärpaß zerrissen habe, das bestreitet er sowohl wie auch die Schutzleute. Dem stehen die eidlichen Aus⸗ sa gen von acht anderen Zeugen gegenüber. Nur weil sich Nick„nicht fügte und Aufreizung machte“, deswegen wollte er ihn einliefern und über Nacht behalten. Die Hosenträger habe er dem Nick deshalb abverlangt, damit sich die ser nicht erhänge! Der Staatsanwalt beantragte Vertagung, die jedoch das Gericht kurzerhand ablehnte. Im weiteren Verlauf der Verhand⸗ lung drehte es sich um die Frage, ob der Wacht⸗ meister betrunken war oder nicht, er selbst be⸗ streitet es. Nach etwa zweistündiger Berhand⸗ lung beantragte der Staatsanwalt eine Geld⸗ strafe von 20 Mark(1! Red.) gegen Nick. Das Gericht erkannte aber auf Freisprechung. Die Verhaftung des Nick sowie auch jener zwei Zeugen sei unzulässig gewesen. Das Venehmen des Wachtmeisters wurde vom Gerichte als gänzlich ungehörig bezeichnet. „Bildung und Besitz.“ Es wird gemeldet: Ein schlechtes Resultat ergab die Prüfung der Bewerber um die Be⸗ rechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienst für den Regierungs⸗Bezirk Köln. Von den 40 jungen Leuten, die sich zur Prüfung ge⸗ Prüfung zurück; von den verbleibenden 34 haben nur acht die Prüfung bestanden. Also nur ein Fünftel von den Söhnen„besserer Stände“ genügte den mäßigen geistigen Anforderungen, die in diesem Falle an sie gestellt wurden! Wir sind überzeugt, daß, wenn man auf die Ausbildung von Proletarier⸗Kindern gleich große Mühe verwendet hätte, als auf die in Rede stehenden Prüflinge, ein bedeutend besseres Re⸗ sultat erzielt worden wäre! Prämie für Streikbrecher. Eine Prämie, die teilweise 20 Mark und teilweise zwei Schichtlöhne beträgt, erhielten, wie aus Zwickau berichtet wird, jene Bergarbeiter, die beim Streik sich nicht auf seiten ihrer kämpfenden Brüder gestellt haben. Man muß es den Werkbesitzern lassen, sie haben das Ver⸗ halten der Arbeitswilligen niedrig genug taxiert. Während sie, die Werkbesitzer, durch die Nieder⸗ zwingung der Arbeiter Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende verdienen, geben si enen, die ihnen zu dem Profitzug verhalfen, 20 Märker. Wie Feuer müßte den prämürten Arbeitern das Geld in den Händen brennen, wenn sie daran denken, wofür sie das Geld erhalten haben, und wie niedrig selbst die Grubenbarone ihre schofle Handlungs weise einschätzen. Ausland. Frankreich. Gegen den französischen Handelsminister, uns rn Genossen Millerand, wenden sich die Reaktionäre in der Kammer in wiederholten Vorstößen. Man möchte ihn gern noch vor der Eröffnung der Weltausstellung, die am 15. April stattfinden soll, stürzen. Aus geringfügigen Anlässen werden Mißtraueusvoten beantragt. Bisher hat Millerand noch stets den Erfolg davon getragen. Auch am Diensstag, als die Reaktionäre wegen der Arbeiterunruhen in der französischen Kolonie Martinique bei denen Als er sich über diese Behandlung meldet hatten, traten sechs vor der mündlichen Stadlber 2 Be gehten N 4 Aeberme güsse ve au viel, urablüs Ichann kommen Auf de gloße 1 gehe a Ein. 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Seite 3. und die Sozialdemokraten drei Viertel der 36 auf Schwarze vom Militär geschossen wurde— noch nie haben die Reaktionäre so viel Eifer für Arbeiter entwikkrlt!— interpellierten, wurde der Vertrauens⸗Antrag mit 285 gegen 239 Stimmen angenommen Es war also wieder einmal Nichts! Wahlsiege in Dänemark. b Bei den Gemeinderatswahlen in Koppenhagen gewannen uusere Genossen fünf und die Partei der Linken vier Sitze, sodaß jetzt die Radikalen Stadtverordnetensitze einnehmer. Der Krieg in Südafrika. Bedeutende Zusammenstöße Haben nach den letzten Nachrichten micht stattgefunden. Die Buren wertheidigen sich hartnäck'g gegen die englische Uebermacht, deren Vordringen durch heftige Regen⸗ güsse verzögert wird. Trotzdem werden die Buren an vielen Stellen zurückgedrängt. Sie arbeiten unablässig an der Befestigung von Prätoria und Johannisburg.— Unter den gefangenen Buren kommen viele Erkrankungen und Todesfälle vor. Auf den Transportschiffen befindet sich eine große Anzahl Kranker. Es heißt, die Schiffe gehen am Cnde der Woche nach St. Helena ab. Einer der besten Generäle der Buren, P. J. Joubert, ist Dienstag Nacht infolge eines Magenleidens gestorben. Diese Nachricht er⸗ regt nach der„Frif. Ztg.“ überall Teilnahme, da Joubert wegen seiner Gerechtigkeit und Ehren⸗ haftigleit allgemein beliebt war. — 222 Aus dem Reichstag. Der Etat für Kiautschau— unserm„Platz an der Sonne“— wurde am Mittwoch(21./.) bewilligt. Bei der Beratung diefes Titels wurde besonders die Frage erörtert, ob ein Deuischer gezwungen werden könne, außer⸗ halb Deutschlands, also auch in einer Kolonie, seiner mulitärischen Dienstpflicht zu genügen. Von unse n Ge⸗ nossen Bebel wurde diese Frage auf 6 rund der Ver⸗ fassung verneint, ebenso von Abg. Eickhoff(Fr. Vp.); auf konfervativer Seite jedoch vertrat man die Ansicht, daß der Soldat hi gehen müsse, wohin er geschickt werde. Es wird eine Resolmion angenommen, durch welche die Regierung ersucht wird, in Kiaulschou thuulichst Frei⸗ willige zu verwenden. In der Donnerstagsitzung nahm Genosse Singer Veranlassung auf eine Etateüdersch reitung hinzuweisen, welche durch die Reise des Staats sekretärs nach Jerusalem entstanden ist. Singer erklärte, daß es sich hier um eine Privatreise des Kalsers handele und wenn hierzu hohe Beamte eingeladen würden, so habe auch der Kaiser die Kosten zu tragen. Der Antrag Singers, den Etat an die Kommission zur nochmaugen Brerichterstattung zurück zu verweisen, wiid angenommen.— In der nun folgenden zweiten Beratung des Gesetzes über die Patentanwalte die sich bis Freitag ausdehnte, er⸗ griffen unsere Genossen Heine, Singer und Schmidt (Frankfurt), erstere wiede holt das Wort: 8 1 des Ent⸗ wurfes bestimmt: Bei dem kaiserl. Patentamt wird eine Liste der Patentanwälte geführt. Nach 8 2 Abs. 4 soll die Eintragung in die Liste versagt werden, wenn er(der Patentanwalt) sich eines unwürdigen Ver⸗ haltens schuldig macht.“ Gegen diese Bestimmung wendeten sich unsere Genossen, indem sie mit Recht an⸗ führten, daß auf Grund dieser Bestimmung einem An⸗ gehörigen der Sozialdemokratie die Eintragung als Patent- anwalt verweigert werden könne. Sie beantragten deshalb dem betr. Absatz folgende Fassung zu geben: „Wenn er sich durch sein Veryalten der Achtung un⸗ wüldig gezeigt hat, die sein Beruf erfordert. Politische, wissenschaftliche, künstlerische und religiöse An⸗ sichten oder Handlungen konnen nicht als ein Ver⸗ harten angesehen werden, weiches dieser Achtung unwürdi⸗ macht.“ Diesen Antrag zogen unsere Genossen zu Gunsten eines ähnlichen des Abg. Schmidt(Warburg) zurück und mit diesem Zusatze wird das Gesetz gegen die Stimmen den Gefängnissen sur die Sträflünge meyr eine Erholung, als eine Strafe sei. Nun, ich habe selbst das Gegenteil erfahren und meine, es soll e z. B. jeder Richter vor Antritt seines Amtes erst ein paar Monate zur Probe im Gefängnis zubringen müssen(Heiter eit); dann würden nicht mehr solch harte Urteile gefällt werden, wie heute. Die Kost in den Gesängnissen enthält nur die allern twendigsten Nahrungsstoffe, sodaß ein kräftiger Mensch, der besonders nahrhaste Kost braucht, unfehlbar an seiner Gesundheit Schaden ehmen muß. Sehr viele Gefangene holen sich von einer längeren Gefängnisstrafe den Keim des Todes. Besonders schlimm sind die Zu⸗ stände in den kleinen Gesängnissen. Hier herrscht nicht die Ordnung und Reinlichkeit, die in den großen allerdings vorhanden ist. Als ich in dem sohr kalten Winten 1070/71 in Leir zig in Untersuchungshaft saß, wurde nur einmal aum 5 Uhr früh geheizt, sodaß ich mir einen schweren Darmkatarrh zuzog, und wie groß die Reinlichkeit war, geht daraus hervor, daß ich an einem Tage 81 Flöhe fing.(Heiterk it.) Ich möchte Herrn Abg. Oertel wirklich einmal das Vergnügen— wie er es nennt— Können, ein paar Monate in einem solchen Gefängnis zubringen zu dürfen.— Man ist immer mehr von den harten Strasen des Mittelalters abgekommen, ohne daß es der Menschheit etwas geschadet hätte. Nach 1807 wurde als eine der ersten Reformen auch die Prügelstrase beim Militär abgeschafft und nun soll sie in dem Strafvollzug wieder eingeführt werden. In den Kolonien dagegen soll sie zu gleicher Zit abgeschafft werden, welch“ merk⸗ würdiger Widerspruch! Man soll lieber nach den Ursachen der Rohheit suchen, als neue Strafarten in Vorschlag zu bringen. Wenn die Prügelstrafe einmal angewendet werden soll, muß dies natürlich auch für die höheren Klassen eintreten. Ich glaube, nachdem Sie gesehen haben, wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, wird es Ihnen gegebenen Falles auch etwas Angst werden, die Prugelstrafe ernsthaft und unp teiisch anwenden zu lassen. Sie wird aber nicht unp rieiisch gehandhabt werden. Desha b sind wir gegen die Prügelstrafe, aber auch schon aus allgemeinen, menschlichen und Humanitätsrücksichten. Nach weiterer Debatte wird Uebergang zur Tagesordnug beschlossen Am Montag wurde in die erste Beratung der See manns Ordnung eingetreten. Hierbei vertraten unsere Genossen Metzger und Schwarze Lüseck die Interessen der Seeleute. Die sachlichen Darstessungen des Letzteren, der selbst zur See war, wurden selbst von Gegnern anerkannt. Dienstag wurde wieder einmal über die Diatenfrage verhandelt. De Vertreter aller Parteien sprachen sich für Gewährung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten aus.— Die weiteren Titel des Etats wurden Mit woch erledigt, worauf sich das Haus bis 24. April vertagt. — 9 8 Von Nah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenbaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Komunales ans Gießen. .- Aus der Etatsberatung der Stadt Gießen. Der städtische Haushaltungs⸗ plan für 1900/1 weist emiges Erfreuliche auf. Zuerst die Fürsorge für Arbeiter die im städti⸗ schen Dienst arbeitsunfähig werden. Nach 10 jähriger Thätigkeit im Dienst der Stadt erhalten sie bei eintretender Invalidität 40 Pzt. ihres Arbeits derdienstes als Invalidenpension lein⸗ schließlich der Bezüge aus den staallichen Ver— sicherungsanstalten). Dieser Satz steigt für jedes weitere Jahr um 1 Pzt. bis zum Höchstbetrage von 70 Pzt. nach insgesamt 40 jähriger Dienstzeit. Ebenso ist für die Witwen und Waisen Fürsorge getroffen, erstere erhalten 20 Pzt. des Jahresver zienstes des Mannes und für jedes Kind bis zum vollendeten 15. Lebens- jahre 10 Pzt. jedoch höchstens 200 Mk. pro Familie. Weiter ist eine Polizei Verord⸗ nung erlassen worden, durch welche schulpflich⸗ tigen Kindern die gewerbliche Thätigkeit, wie der Sozialdemo te angenommen Es folgen Petitionen. die früher abgebrochene Dis kussi über Wiedereinf rung der Pri e wird sortigesetzt. Hierzu hat d n. ordnung beantragt. t für den Kommissions⸗Antrag ein ur 0 n die Prügelstrafe aus, die er mit Rec eine Schande für die Civilisation bezeichnete. Der lonservative Amtsrichter Abg. Himburg brachte es fertig für diese mittelalterliche Strafart einzutreten. Der Herr meinte, die Stellung der Sozialdemokratie zu dieser Frage sei schwankend gewesen. Dies gab Genossen Bebel Veraonlassung sich in einer ausgezeichneten Rede gegen jene Aeußerung und gegen die in dieser Petuion in Erscheinung tretende Barbarei zu wenden. Er führte Acußerungen von Autoritäten auf dem Gebiete des Strafvollzugs an, die sich sämtlich gegen die Prügel strafe aussprechen. Weiter erkläre Bebel: Man befür⸗ worlel de Prügelstrase deshalb, weil der Aufenthalt in 18 FA horlichen und klo perlichen id Lehrer traten Entw cke 5 Elektrizitätsn rkes R zal satior ungen für Kunf usgaben denen wir jederzeit gerne zustim N e ee Wifsenschäft, o Backwaaren, Zeitungen austragen u. s. w. in der Zeit nach 8 Uhr Abends und vor 8 Uhr Morgens untersagt wird Dieser grobe Unfug i ö dutzende von Kindern in [Veranstaltungen der — Zu bedauern ist dagegen die Ablehnung eines Antrages unseres Genossen Krumm, der verlangte, daß in den nächstjährigen Etat erhöhte Mittel eingestellt würden zur besseren der städtischen Arb e Feen e 55 müsse in erster Linie dafür sorgen daß gabel 11 dat fen f 1 bent chalten, no ihre Familie wenigstens⸗ 3 05 5 18 5 en menschenwürdig leben bunten. 1 Mk. jährlich sei dies aber un⸗ 00“ Den Herren Stadtvätern leuchtete dies 55 nicht ein.— Im Weiteren wandte sich unser zenosse gegen die Bewilligung von Mk. 2500 . öffentliche Festlichkeiten(Kriegerdenkmal) u. s w ies gab Herrn Kirch Veranlassung, Krumm zu einer„Motivirung“ seiner Ablehnung auf⸗ belordern, Dieser Wunsch wurde prompt und 1 erfüllt. Für notleidende Veteranen 0 ihre Angehörigen führte K. aus, bewillige auch noch eine höhere Summe, aber für zweck⸗ lose Denkmalsbauten, die oft mehr zur Verherr⸗ lichung ihrer Urheber dienten, wie zur Ehrung für die Veteranen, bewilligen wir grund sätzlich nichts.— Der weitere Verlauf der Debatte gab unserm Genossen noch Gelegenheit, auf den ge⸗ ringen Einfluß der Stadtverordneten⸗Versammlung auf die Kommissionsbeschlüsse hin uweisen, sowie auch die Erhöhung der Hundesteuer zu tadeln. Im Allgemeinen zeigte die Etatsberatung wieder wie notwendig eine Vertretung der„Kleinen“ im Stadtparlamente ist und daß die Besitzlosen sich 1 175 e müssen, um den Einfluß ädtischen Angele i der e gelegenheiten zu erhalten, K i Ein furchtbarer Lustmord, er aller Wahrscheinlichkeit nach am letzte Donnerstag begangen worden i op algen Schmöckwitz und Zeuthen(Kreis Teltow) ent⸗ deckt. Ewa 30 Meter abseit der Lau dstraße welche die genannten Orte verbindet, fand man im Kieferndickicht die Leiche der 43 jährigen Frau Lina des Schiffers Ferdinand Grasnick aus Gosen bei Eichwalde, welche seit dem oben angegebenen Tage verschwunden war. Die Kleidung war der Ermordeter vom Leibe gerissen worden, sodaß der Körper fast völlig entolößt war, die Arme der Toden waren auf dem Rücken zusammenge⸗ schnürt, im Munde trug sie einen Knebel. Ein Messerschnitt, der durch den Hals geführt worden war und den Kopf bis zur Wirbelsäule vom Rumpf getrennt hatte, hat den Tod der bedauerns⸗ werten Frau herbeigeführt. Nach Lage der Sache kann es als sicher gelten, daß ein Lustmord vor⸗ liegt. Von den Thatern— es müssen mehrere Personen an der Schandthat beteiligt sein— sind Spuren, die deren baldige Ermittlung wahrscheinlich erscheinen lassen könnten, bisher nicht festgestellt Es sind zwar verdächtige Per⸗ sönlichkei en bemerkt worden, doch sehlt jeder direkte Hinweis darauf, daß sie wirklich mit der Blutthat in Verbindung gebracht werden können. Reehtssprechung. Ein ungeheuerliches Urteil. § Wiederum ist in Deutschland ein Geschwo⸗ ren nurteil gefällt worden, das geeignet ist, das Röchisbewußtsein des Volkes auf das Tisist zu erschüttern: in Wis mar wurde unser Partei- genosse Holst wegen eines angeblichen Meineids zu dreijähriger Zuchthausstrafe und fünsfjährigem Ehrverlust verarteilt In Wismar hatten, wie dem„Vorwärts“ über den erschü ß ternden Fall geschrieben wird, die Polizeiorgane s et längerer Zeit versucht, die f Sozialdemokraten im Lokal Hansa“ durch den Nachweis gesetzwidriger en zu behindern. Die Gerichte konnten polizeilichen B mühungen nicht durch Ver⸗ führenden Sozialdemokraten be⸗ de sich ein gereiztes Verhältnis zoltzeiorganen und den —* hend . N 1 D ellern m Spatab Inü „„ Schluß des aus der die Wir Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. e leidigt worden. Es wurden die Tischler Wallen⸗ berg und Steinbrügger angeklagt. Der jetzt wegen Meineids verurteilte Händler Holst, Mit⸗ glied des Bürgerausschusses in Wismar, der sich unter jener Menge befunden hatte, erschien als Zeuge vor dem Schöffengericht. Er bekundet, gehört zu haben, daß Steinbrügger die inkrimi⸗ nierten Rufe ausstieß; nicht aber könne er des⸗ gleichen bezüglich Wollenberg bekunden. Das Schöffengericht verurteilte Steinbrügger zu 20 Mark Geldstrafe und sprach Wollenberg frei, da die Polizeibeamten sich geirrt haben könnten. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft kam die Angelegenheit vor die Strafkammer in Schwerin. Die Strafkammer verurteilte beide Angeklagte zu je einer Woche Gefängnis und verhängte auf An⸗ trag der Staatsanwalischaft über Holst wegen dringenden Verdachts des Meineids die Unter⸗ suchungshaft. Die Geschworenen in Güstrow hatten also zu entscheiden, ob Holst Wollenbergs Rufe ge⸗ hört habe oder nicht. Die Bejahung der Frage, ob jemand etwas gehört habe und sich bewußt sei, daß er es gehört habe, kann nur dann mit untrüglicher Sicherheit erfolgen, wenn der Be⸗ treffende selbst einem Dritten gegenüber zuge⸗ standen hat, daß er etwas gehört habe. Holst hatte nicht beschworen, daß Wollenberg sich an jenen Rufen nicht beteiligt habe, er hatte be⸗ schworen, daß er nichts davon gehört habe. Der Gegenbeweis ist von dem Schwurgericht in keiner Weise erbracht worden. Er konnte auch gar nicht erbracht werden. Es ist vor dem Schwurgericht widerspruchslos festgestellt worden, daß zur Zeit, als die Rufe erschallten, großer Lärm vor der„Hansa“ herrschte. Die Polizisten haben selbst mitgeteilt, daß Holst, der von den Fortgehenden umgeben war, in die Leute hineingeredet und sie aufgefordert habe, ruhig nach Hause zu gehen, damit sie sich keine Un⸗ gelegenheiten bereiteten. Holst war also in den kritischen Minuten anderweit derart in Anspruch genommen, daß andere Eindrücke, selbst, wenn sie an sein Ohr gelangt sein sollten, nicht die Bewußtseinschwelle zu überschreiten vermochten. Zum mindesten aber ist die Möglichkeit nicht abzustreiten, daß Holst die Rufe nicht gehört hat, und diese Möglichkeit mußte zur Freisprechung genügen. Dazu erschwerte die Dunkelheit der Nacht dem Angeklagten das Er⸗ kennen der rufenden Personen. Die Beratung der Geschworenen dauerte nur wenige Minuten. Eine wirkliche gründliche Beratung scheint überhaupt nicht stattgefunden zu haben; die kurze Frist konnte kaum viel mehr als das Einsammeln der Stimmen und die Fest⸗ stellung des Resultates zulassen. Die Geschwo⸗ renen sprachen den Angeklagten des wissentlichen Meineids schuldig, obschon der Verteidiger Dr. Herzfeld die Unmöglichkeit einer Verurteilung in eindringlichster Rede nachgewiesen hatte. Dieses Urteil, das aus bestem Gewissen der Geschworenen gefällt sein mag, ist ein Fehl⸗ spruch schlimmster Art. Wie es zu ihm kommen konnte, das wird noch näher darzulegen sein. Kleine Mitteilungen. F. Wetzlar. Vorige Woche wurde vom hiesigen Schöffengericht der Flaschenbierhändler Heinrich K. aus Gießen zu einer Geldstrafe von einer Mark verurtheilt, weil er„im Umherziehen“ Flaschenbier verkauft hatte, welches ca. 5 Prozent Alkohol⸗Gehalt hatte. Nach einer Polizeiordnung vom vorigen Jahre soll das im Umherziehen verkaufte Flaschenbier nicht mehr als 2 Prozent Alkohol habeu. Ein solches edles Getränk ist aber einfach ungenießbar. Trinkbares Bier muß mindestens 5 Prozent Alkoholgehalt haben. Die in Rede stehende Polizeiverorduung kommt also einem Verbote des Flaschenbierhandels gleich. Die Gründe, die zum Erlaß dieser Ver⸗ ordnung geführt haben, sind uns unbekannt. Wir sind der Meinung, daß das Urteil erfolg⸗ reich angefochten werden kann. th. Leun. Arbeiter⸗Risiko. Der Bergmann Heinrich Söhn von hier wurde vorige Woche bei der Arbeit in der Grube durch herab— fallen des Gesteins so schwer verletzt, daß er nach der Gießener Klinik verbracht werden mußte. Der Verunglückte starb jedoch schon auf dem Wege dorthin. Der erst 30jährige Mann hinterläßt eine Wittwe mit mehreren Kindern.— So muß der Arbeiter sein Leben auf's Spiel setzen. Un) während er sich mit Hungerlöhnen abspeisen lassen muß, heimsen die Kapitalisten riesige Profite ein.— Höchste Zeit wäre es, daß die Bergarbeiter endlich auch einmal zur Erkenntnis ihrer Lage kämen! * Mainz. In einer Zentrums ⸗Ver⸗ sammlung sprach der Reichstagsabgeordnete für Mainz, Dr. Schmitt(Ztr.) über die politische Lage. Dr. Schmitt sprach sich für die Lex Heinze und für die Flottenvermehrung aus; das Fleischbeschaugesetz erklärte er jedoch für unan⸗ nehmbar. ** Mainz. Wie aaderwärts, wurde auch hier eine Vereinigung von Arbeitgebern des Bau- gewerbes unter der Bezeichnung„Verband bau⸗ gewerblicher Unternehmer in Manz“ gegründet, der es sich zur Aufgabe stellt, die gemeinsamen Interessen der Arbeitgeber zu wahren und zu vertreten und bei Differenzen mit den Arbeit- nehmern auf eine friedliche() Regelung der⸗ selben hinzuwirken. Dieser Vereinigung gehören bis jetzt sämtliche Bauunternehmer, Maurer- und Zimmermeister von Mainz und der näheren Um⸗ gegend an; es ist jedoch in Aussicht genommen, auch weitere Kreise des Baugewerbes für die Be⸗ strebungen des Verbandes zu interessieren. Diese Zeitungsnotiz sollte die Bauarbeiter zur weiteren Ausgestaltung ihrer Organisation anfeuern, denn bekanntlich sind die Bestrebungen der Arbeitgeber⸗ Verbände den Arbeitern gegenüber nicht so sehr „friedlich“. Arbeiterbewegung. f Nauheim. Die Maler, Weißbinder und Lackierer von Friedberg und Nauheim haben dieser Tage die Arbeit niedergelegt, nachdem die Herren Meister auf die Forderungen der Ge⸗ hilfen keine Antwort gegeben haben. Die Situation, in der sich die Unternehmer befinden, ist eine sehr ungünstige, da die Arbeit drängt und fast sämt⸗ liche Arbeiter, 140 an der Zahl, die Arbeit niedergelegt haben. Zuzug ist fernzuhalten. Der Streik der Tischler in Berlin beendet! In einer am Sonntag in Berlin stattgefundenen von über 3000 Mitgliedern be⸗ suchten Generalversaumlung des deutschen Holz⸗ arbeiterverbandes, wurde nach einem Refecat des Verbandsvorsitzenden Kloß mit mehr wie 2000 Stimmen beschlossen, die Vergleichs vorschläge des Einigungsamtes des Berliner Gewerbegerichts anzunehmen und den Streik als beendigt zu er⸗ klären Die Vertrauenspersonen haben Montag Vormittag vor dem Einigungsamt des Gewerbe⸗ gerichts die Erklärung abgegeben, daß die Orts⸗ verwaltung des deutschen Holzarbeiterverbandes die Vergleichsvorschläge annehme. Die Arbeit ist am Mittwoch wieder aufgenommen worden. — Obhgleich nicht alle Forderungen der Arbeiter durch den Vergleich erfüllt sind, so kann man letzteren doch als einen ehrenvollen Abschluß des Kampfes bezeichnen. Es werden Kommissionen gebildet, denen Arbeiter und Unternehmer zu gleichen Teilen an zehören, die in Zukunft Streitig⸗ keiten zu entscheiden haben.— Verschiedene Redner wandten sich am Sonntag gegen die Vergleichs⸗ vorschläge; es streiken auch noch ein Teil der Holzbildhauer, Möbelpolierer und Maschinen⸗ arbeiter. In Tuttlingen tobt der Kampf der 2000 Schuhmacher gegen das protzige Fabrikanten⸗ tum weiter. Die Fabrikanten erlassen eine Er⸗ klärung, wonach sie es unter ihrer Würde halten, auf das„revolutionäre Flugblatt“ der Arbeiter, das von„Gemeinheiten, Lügen und Entstellungen strotze“, einzugehen. Natürlich! Die Arbeiter lügen ja immer, wenn sie erklären, mit Hunger⸗ löhnen nicht exiftieren zu können. In Straßburg haben die Schneider die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Man zählt bisher 250 Streikende. ————̃— S222 Dessiseher Landtag. Zweite Kammer.(Sitzung von 27. März). Die seithecigen Präsidenten Haas und Schmidt werden durch Zuruf wiedergewählt. Der erste Präfident Haas dankt für das ihm wiederholt geschenkte Vertrauen. Bei der Beratung brtr. Forderungen für die Land⸗ stände er uchen die Abgg. David und Ulrich die Re⸗ gierung um Einführung von Freifahrkarten für die Abgeordneten— durch ein Abkommen mit den Eisenbahnverwaltungen könne dies leicht geschehen— damit man bei Beratung mancher wichtigen Fragen sich per⸗ sönlich an Ort und Stelle begeben könnte. Der Vorsitzende sagt Prüfung der Angelegenheit zu. Die Beratung über die von Seiten der Regierung geforderten Mk. 70 000 für die evangelische Kirche, Mk. 35 000 für die katolische Kirche und Mk. 600 für die altkatolische Kirche in Offen⸗ bach wird nach eingehender Debatte auf morgen ausge⸗ setzt. Die Abgeordneten Da vid, Ulrich uud Gut⸗ fleisch nehmen Weranlassung, ihren Standtpunkt festzu⸗ legen. Die geforderten Summen würden doch keine Zufriedenheit herstellen, man habe zudem auch für die bewilligten Beträge kein Recht mitzureden.— Der Staats⸗ minister Rothe verteidigt die Forderung vom ethischen Standpunkte, zudem die von ber Kirche anerkannte Selbst⸗ besteuerung ihre Grenzen habe. Abg. Schönberger bemängelt, daß die Kirche von ihrem Recht, mehr Steuern zu erheben, keinen Gebrauch miche. Die Abg. Weidner und Brunner treten für die Vorlage ein. Abg. Ulrich erklärt, so lange die Kirche nicht daran denke, aus eigenen Mitteln ihre Verpflichtungen zu decken, dürfe man weitere Gelder nicht be⸗ willigen und den Staat nicht stärker in Anspruch nehmen. Mit demselben Recht könuen auch freireligiöse Gemeinden, Mennoniten und selbst Juden Staatszu⸗ schüsse zur Ausübung ihrer kirchlichen Gebräuche bean⸗ spruchen, die man nicht das Recht habe, abzulehnen. Historisch richtig sei auch, daß die Kirche ohne Staats⸗ hilfe selbstständig existire. Auch in dem Gesetz von 1875 seien die Verpflichtungen des Staates gegen die Kirche genau festgelegt. Eine gesunde Kirche habe zudem nicht nothwendig, die staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beim§ 144(Forderungen für die Verwaltungskosten der Steuer ꝛc.) treten nach einer ausführlichen Geschäfts⸗ ordnungsdebatte die Abgg. David und Schröder für die schlechtbezahlten Steuerkommissariats⸗Ge⸗ hilfen ein. Nach einer zustimmenden Erklärung des Finanzministees wird der Betrag von Mk. 53,151 für diese Beamten bewilligt. In der Sitzung wird die Regierungsvorlage über die Einführung einjähriger Budgetperioden ohne Debatte gegen die Stimme des Abg. Schröder angenommen. Es folgt Fortsetzung der Beratung betreffend die Nachtrags forderungen für die Landeskirche. Abg. Schmidt begründet die Forderung in ausführlicher Weise. Abg. Gutfleisch verlangt eine definitive Scheidung der Kirche und des Staates auf finanziellem Boden durch regelmäßige Bewilligung eines gewissen Betrages. Staatsminister Bothe vertheidigt vorlage. Abg. David verlangt, daß bei Bewilligung von Geldern Seitens des Staates an die Kirche man auch das Recht haben müsse, die Eintheilung der Pfarrbezirke zu kontrolliren. Schließlich wird die Regierungsvorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Abgg. Möllinger und Gutfleisch angenommen. die Regierungs⸗ Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Marburg, den 28. März 1900. Die am 23. März abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten gestaltete sich beim 1. Punkte recht lebhaft. Stadtverordneten⸗Vor⸗ steher Dörffler geißelte in scharfen Worteu das Vorgehen derjenigen Redner aus der Saalbau⸗ Versammlung vom 12. März, welche sich mit dem Fällen der Bäumen in der Schwanenallee be⸗ schäftigte. In höchst beleidigender Weise seien verschiedene Redner gegen die Stadtverordneten als auch den Magistrat vorgegangen, dieses sei ganz energisch zurückzuweisen. Gebildete Leute hätten hier von„Schwarzerbörner Streichen“, von„Vandalismus“ und von„Steinigen des Magistrats“ gesprochen. In gleichem Sinne spricht der Oberbürgermeister und verlieft im Auftrage des Magistrats eine Erklärung, welche besagt, daß es dem gesunden Sinn der Bürgerschaft an⸗ heim zu stellen sei, zu entscheiden, ob es seitens der Redner anständig war, eine Behörde, welche nach pflichtmäßigem Ermessen Beschlüsse, die den Rednern nicht einmal genauer bekannt waren, gefaßt hat, mit Beleidigungen zu über⸗ häufen. Seitens des Magistrats wird indessen davon abgesehen, Strafanträge zu stellen.— Der zweite Punkt betraf den„Bericht des Magi⸗ strats“ über die Verwaltung und den Stand der „Gemeinde- Angelegenheiten“. Erwähnenswert hieraus ist, daß im November 1899 die Ein⸗ Nr. 14. urden 5 du Sn Anregunge nährigen won Position 5 900 Ml. zu strei würden! unmöglic ac 5 ländni fe 79 tierte am Caspar! „teilig einer kur! Rezilator debselben der„Low besonders riefen. Pa 8 Kartel Metal ordnung: Lohndewes Leihg lung find. im Lokale 4 un rringung dieselbe. Hierzu Gießener Reiche hausen i. daß er in mandat ging eine mit dem mehrere 0 Milhause Landeskom Dabei hat — r Steuern Zeidner cht daran gen zu cht be⸗ Auspruc eireligiöse Staalszu⸗ iche bean⸗ zzulehnen. e Staats⸗ von 1875 die Kirche dem nicht nehmen. ingslosten Geschäfts⸗ öder für rts⸗Ge⸗ rung des 3, 151 für age über le Debatte men. sfend die kirche. führlicher initive ates auf ung eine gierungs⸗ jung von man auc artbezirle gsporlage der Abgh⸗ urg⸗ 1900. itzung ich beim 10 br tteu das zaalbau⸗ mit dem aller be⸗ ise feen ordneten ieses fei K Leue wach N 9 de g sprich Auftrage besogt aft al⸗ 0 seitens f e 1 Nr. 14. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. wohnerzahl 17085 Personen betrug. Das Ver⸗ mögen belief sich auf 4 349 064 Mk., Schulden 3 301 600 Mk., Aktiv.⸗Vermögen mit 1047 464 Mk., die direkten Steuern brachten 203 000 Mk., eingeschätzt waren nur 186 000 Mk. Die neue Realschule kostet 300 000 Mk. Im übrigen wurden zu dem diesjährigen Etat von Seiten der Stadtverordneten noch eine ganze Reihe von Anregungen vorgeschlagen, welche in dem dies⸗ jährigen Etat noch zu berücksichtigen sind. Stadt⸗ verordneter Seebinger stellt einen Antrag, die Position zu dem Passus„Fingierte Steuern unter 900 Mk. bis 3000 Mk.“ im nächstjährigen Etat zu streichen und nicht zu erheben, hiervon würden nur solche Leute getroffen, welchen es unmöglich wäre, die Steuer aufzubringen. Für diesen Antrag, welcher sozial⸗politisches Ver⸗ ständnis zeigte, waren nur drei Mann zu haben. l. Rezitation. Im Schloßgarten rezi⸗ tierte am verflossenen Sonntag Herr Buchdrucker Caspar Heyer aus Cassel über das Tema: „Freiligrath als Dichter und Mensch“. Nach einer kurzen Biographie des Dichters brachte der Rezitator eine Anzahl der schönsten Dichtungen desselben zum Vortrag, wovon„Die Weber“, der„Löwenritt“ und„Von unten herauf“ ganz besonders gefielen und großen Applaus hervor— riefen. Päartei⸗Hachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Dienstag, 3. April: Kartellsitzung abends 9 Uhr bei Orbig. Samstag, 7. April: Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig. Tages⸗ ordnung: Bezirkskonferenz und Wahl eines Deleg. Die Lohnbewegung der Spengler. Verschiedenes. Leihgestern. Eine öffentliche Volksversamm⸗ lung findet am Freitag, den 13. April, nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Ph. Arnold statt. Tagesordnung: Nutzen und Zweck der gewerkschaftlichen Organisation und Erringung besserer Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen durch dieselbe. Hierzu sind besonders sämtliche Arbeiter des Gießener Braunstein⸗Bergwerks eingeladen. 6——— 2 Reichstagsabgeordueter Genosse Bueb(Mül⸗ hausen i. E.) veröffentlicht im„Expreß“ eine Erklärung, daß er in der ersten Hälfte des April sein Reichstags⸗ mandat niederlegen werden. Dieser Erklärung ging eine längere Auseinandersetzung voraus, die Bueb mit dem soztedem. Landeskomitee hatte. Er veröffentlichte mehrere Erklärungen in der gegnerischen Presse Mülhausens, in welchen er gegen die Beschlüsse des Landeskomitees und einer Kreiskonserenz polemisierte. Dabei hat Bueb nicht besonders gut abgeschnitten. Briefkasten der Redaktion. F.⸗Wetzlar. Ihr Wunsch wird Berücksichtigung finden. Ein Teil der Einsendungen nicht verwendbar. Zur Beachtung! Alle Zuschriften für die Mitteld. Sonnt.⸗Ztg. wolle man bis auf weiteres an die Expedition H. Schneider, Gießen, Sonnenstr. 25, gelangen lassen. Briefkasten der Expe dition. Quittuugen. Fth. Wtzlr. 20.—. Ichs. Dbgn. 9.80. 3. Nö. 5.—. L. Trh. 2.20. D. Egst. 4.60. Fbch. Gbg. 2.20. Wtr. Lbch. 7.20. Wzl. Lgdf. 4.80. gr. Mbg. 33.80. Br. Mbg. 10.—. fflr. Fdbg. 25.—. Schm. Nba. 12.—. Kr. G. 11.30. Lg. Hchst. 2.—. Br. Rögn. 1.—. Hoch. Kzbch. 4.40. Kch. Kfd. 8.40. lch. Nöfl 10.40. Schm. G. 85.—. Mz. Obsch. 1.40. Kft. Wmr. 7.20. B. Rögn. 3.—. Wbm. Ich. 3.—. Th. Rhe. 4.—. Schw. Ndm. 3.—. R. Hchhm. 26.60. Das Inserat Lesser Berlin in unserer letzten Nummer ist aus Versehen aufgenommen worden. Cetzte Nachrichten. Wie aus Berlin gemeldet wird, ist in dem Befinden des Abg. Lieber eine Verschlim⸗ merung eingetreten. Noch vor einigen Tagen wurde bekannt gegeben, Lieber wolle sich zu einer vollständigen Genesung in seinen Wohnort Camberg begeben. Tod Benedettis. Der Diplomat Graf Vincent Benedetti, der bei der Kriegser⸗ klärung 1870 eine Rolle spielte, ist am Mitt⸗ woch in Paris im Alter von 83 Jahren gestorben. Krieg in Südafrika. Am Rietflusse wurde dem General Roberts ein großer Proviant⸗Transport von den uren weggenommen. 3000 Ochsen fielen in die Hände der Buren. Anterhaltungstoeil. Das blaue Wunder. Novelle von H. Zschokke. ä e eren anf Kerb it. Der junge Doktor Falk sah hin, das nied⸗ liche Suschen sah her, wie es seit ziemlich langen Zeiten unter jungen Leuten Sitte geworden ist. Der Doktor war ein schöner Mann, hatte zwei Universitäten, dann die Spitäler von Wien, Mailand und Pavia besucht, und so viel gelernt, daß er, so gut wie irgend einer seiner Zunft die Kranken nach dem neuesten medizinischen System ins bessere Leben befördern konnte. Aber solche Geschicklichkeit erwirbt man nicht umsonst; Doktor Falk hatte beinahe seine ganze väterliche Erbschaft daran gesetzt.„Hm!“ dachte er,„komm' ich nach Hause, so heirat' ich ein reiches Mädchen, das gern Frau Doktorin wird, und es ist uns beiden geholfen!“ Allein der Kopf denkt, das Herz lenkt! Das hübsche Suschen hatte den vollkommensten Beruf, Frau Doktorin zu werden. Nur— das Geld ging ihr ab. „Das wird sich auch endlich finden, liebes Suschen!“ sagte der Doktor, und drückte dem weinenden Mädchen einen Kuß auf die Lippen. „Siehst Du, ein Doktor muß heiraten, sonst hat man zu ihm kein Vertrauen. Du bringst mir also Kredit, und durch den Kredit Patienten, und die Patienten bringen Geld, und vermögen sie es nicht, so bringen es die Erben. Zudem ift Jungfrau Sarah Waldhorn ja Deine Tante, sie ist hoch in den Vierzigen; sie ist reich genug, daß uns der siebente Teil ihres Vermögens aus aller Not helfen kann. Darauf hin muß man schon etwas wagen.“ Lieber Himmel, was wagt ein junges Mäd⸗ chen nicht für einen frommen Anbeter? Leib und Leben. Suschens Mutter hatte nichts ein⸗ zuwenden, so wenig als der Vater; denn beide waren nicht mehr am Leben, und der Herr Vor⸗ mund freute sich der anständigen Versorgung des Mündels. Aus gleichem Grunde freute sich Tante Sarah, die sonst von dem Hochzeitmachen der jungen Leute nicht viel hielt, die aber, so lange Suschen unvermählt war, noch dem Herrn Vormund zum Besten der armen Waise Geld⸗ zuschüsse machen mußte. Und Jungfrau Sarah Waldhorn war ein wenig geizig, oder, wie sie es nannte, sie hatte nichts übrig. Genug, Suschen verwandelte sich in eine Frau Doktorin, und der Herr Doktor sah fleißig zum Fenster hinaus, ob, bei seinem vermehrten Kredit, die Kunden kommen wollten? Doch kamen sie leider sehr spärlich. Und das war schlimm. Staat dessen versammelte sich allerlei kleine Gesellschaft in seinem Hause; alle Jahre erschien ein vorher nie gesehenes munteres Söhn⸗ chen oder Töchterchen, um Herrn und Frau Doktor Falk die süßen Vater⸗ und Mutterfreuden vermehren zu helfen. Der Herr Doktor kratzte sich zuweilen bedenklich hinter den Ohren, aber was half's. Wegjagen konnte man doch die kleinen Falken nicht. Man schnitt nun zwar nicht schmälere Bissen, denn leben mußte man doch— aber die Frau Doktorin kochte etwas magere Suppen. Dennoch schlug es bei allen wohl an. Vater und Mutter und ihre vier Kinder blühten und gediehen; es war eine Lust zu sehen. Man saß auf hölzernen Bänken und Strohstühlen so weich, als auf gepolsterten Sophas; schlief auf Laubsäcken recht sanft und ging in keinen kostbaren Kleidern einher, man war zu⸗ frieden, wenn sie sauber und geschmackvoll waren. Darauf verstand fich denn Suschen vollkommen. Alles war in ihrem Hause so schön, so nett, daß jedermann geschworen hätte, der Doktor habe die beste Einnahme von der Welt.„Wie's nur die Leutchen anfangen mögen!“ rief Tante Sarah oft,„es ist ein blaues Wunder!“ Freilich gab's auch trübe Tage, wenn die Kasse leer war, und man wochenlang keinen harten Thaler im Hause gesehen hatte. Doch dann tröstete man sich so gut man konnte, wenigstens damit, daß Tante Waldhorn reich und kränklich und alt war. Und war die Not am höchsten, so war immer die Hilfe am nächsten. Ein wahres, liebes Sprichwort. 2. Hoffende Erben. Der Doktor und Suschen rechneten inzwischen viel zu kühn auf die Erbschaft von der Tante. Denn vorausgesetzt, aber nicht zugegeben, die teure Jungfrau wäre dem Tode nahe gewesen, so blieb doch noch die Frage, ob denn auch Jung⸗ frau Waldhorn ihre Nichte nebst Gemahl zum Universalerben erklären möchte? Zwar hatte dies seufzende Liebes- und Ehepaar die Erbschaft am nötigsten; allein es war noch eine andere Nichte nebst Gemahl, nämlich dem Advokaten Zange, und zwei Neffen vorhanden, nämlich der Oberprediger Waldhorn und der Professor der der Philosophie gleichen Namens. Alle hatten so viel rechtliche Ansprüche, als Suschen und ihr Mann. Alle hofften mit derselben Sehn⸗ sucht auf die baldige Himmelfahrt der Jungfrau. Der Philosoph Waldhorn hatte wohl dazu die wenigste Ursache. Er war reich genug, ließ sich seinen Braten und Wein gut schmecken, und philosophierte dabei ganz vortrefflich. Ein Beweis von seinem Scharfsinn ist sein nun zwar ver⸗ gessenes, damals aber unsterbliches Werk in fünf Bänden:„Der Weltweise unter den Uebeln des Lebens“, worin er bewies, daß es eigentlich in der Welt gar keine Leiden gäbe; daß aller Schmerz nur Einbildung sei, und man alles von der angenehmen Seite betrachten müsse. In der That betrachtete er die Tante immer von der angenehmen, nämlich von der Geldseite. Er machte ihr fleißig Besuche, lud sie oft zu seinen Gastmahlen, schickte ihr allerlei fette Bissen in die Küche, und war daher auch ihr herzaller⸗ liebster Neffe.„Ich habe zwar nichts übrig“, sagte sie zuweilen,„aber sollt' ich einmal mit Tode abgehen, so will ich an Sie denken, liebster Neffe!“— Das hörte der Philosoph gern. Er hoffte, die Erbschaft allein an sich zu ziehen, und alle seine Nebenbuhler zu verdrängen. Wohl wär's ihm mit seiner Philosophie ge⸗ lungen, wenn nicht sein Vetter, der Oberprediger Waldhorn, vermöge der Theologie großen Einfluß auf die Tante gehabt hätte. Sie war äußerst fromm und gottesfürchtig, und verachtete die Eitelkeit der Welt; besuchte die Betstunden der Frommen, wo das geistliche Waldhorn oft über⸗ laut ertönte; nahm gern den Besuch des heiligen Vetters an, der mit ihr betete und ihr ziemlich deutlich machte, daß sie ohne seine Hilfe kaum selig werden könne. Wenn sie seufzend, und mit naßgeweinten Augen aus den Erbauungsstunden des Herrn Vetters kam, versicherte sie ihn, daß er der Retter ihrer Seele, ihr allergrößter Wohl⸗ thäter sei: daß sie ihm noch in ihrem letzten Stündlein danken werde. Das hörte der Theolog recht gern.„Die Universalerbschaft kann mir nicht entgehen!“ dachte er,„oder es wäre, wie die gottesfürchtige Tante zu sagen pflegt, ein blaues Wunder!“ Wohl hätte er nicht falsch gerechnet, wenn nicht sein Vetter, der Advokat Zange, vermöge seiner Rechtsgelehrsamkeit, für die Tante einer der wichtigsten Menschen gewesen wäre. Jungfer Sarah verachtete den Mammon der Welt zwar von Herzen, und bedauerte die irdisch gesinnten Weltkinder, die daran hingen. Doch aus eben dem Grunde suchte sie nach nach allen Kräften die Weltkinder von besagtem Mammon, oder den Mammon von ihnen abzuziehen. Sie lieh näm⸗ lich Geld auf artige Zinsen und auf Pfänder aus, und arbeitete so redlich für das Seelenheil derer, die von ihr Geld borgten, daß diese immer ärmer wurden.„Selig sind die Armen!“ rief sie, wenn sie sich Zins auf Zins zahlen ließ; „käm' es auf mich an, die ganze Stadt müßte bettelarm sein, um das Himmelreich zu ererben, oder es wär' ein blaues Wunder. Je weniger man hier im Leben hat, um so größer ist die Begierde nach dem da droben.“ Nun geschah es oft, daß die fromme Jung⸗ frau in ihrem Liebes⸗ und Tugendeifer zu weit ging, und wegen Unterpfänder und Zinsen, oder mit bösen Schuldnern in Streit und Prozeß Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 14. geriet. Ohne Hilfe des Advokaten Zange, der in der Stadt als der beste Rechtsverdreher be⸗ kannt war, wäre sie oft um Zinsen und Kapital gekommen. Aber liebreich, wie sie, hartherzig und klug, wie er war, konnt es nicht fehlen. Eher mußte eine verschuldete Familie von Haus und Hof vertrieben werden, als ein ausgeliehener Gulden Gefahr laufen, verloren gehen. „Ich wäre eine arme, verlassene und ver⸗ lorne Person, liebster Vetter“, sagte sie oft zum Advokaten Zange,„wenn Sie sich nicht meiner annähmen! Was ich habe, dank' ich Ihnen. Aber die Zeit wird ja auch kommen, wo ich Er hoffte, die Erbschaft allein an sich zu ziehen, Das Leben wär' ein schöner Besitz. und einst den rechten Zeitpunkt schon zu treffen, Wenn man nicht täglich ein bischen stürbe; wenn's Testament gemacht werden müsse. Die Eichen spaltet nur selten ein Blitz; (Fortsetzung folgt.) Sie werden allmählich morsch und mürbe. L. Fulda. rüche zur Lebensweisheit.. die der 50 Humoristisches. Seit Pythagoras den Göttern 100 Ochsen 4 Wach der See für einen Gedanken geopfert hat, zittera alle e Azncht deen ge emen ee 8 pflegt Herr Moritz Preisgerecht zu seinen Angestelten zu Ochsen vor jedem neuen Gedanken und Pede sagen, wenn er sie engagiert,„Sie 1 85 2 daß stieren dagegen durch lautes Gebrüll. L. Börne. ich Sie kurz bei Ihrem Vornamen nenne, Ihr Familien * 555 5 1 7 zu lang. 1 5 doch damit einver⸗ Die Welt, so alt sie immer sei, standen?“ er nun eines Tags ieselbe Rede einem 5 5 neu engagierten Jüngling hält, sagt dieser:„Halten Sie An Trug und Täuschung bleibt sie neu. das wie Sie wollen Herr i I Sie vergelten kann.“ Das hörte der Jurist gern. J. Raimund. also Anastasius nennen. Zapp ist mir viel zu lang.“ . Ersffnung der Abteilung für Putz. Infolge rechtzeitiger großer Absch Stroh⸗Damen⸗Hüte 58, 75, 90 Stroh⸗Mädchen⸗Hüte 48, 65, 88 Pfg. re. Garnirte Damen⸗Hüte 125, 175, 250 Pfg. ꝛc., lüsse sind wir auch in dieser gaison in der Lage, Außerordentliches zu bieten. Pfa. ꝛc. Garnirte Mädchen⸗Hüte 95, 125. 150 Pfg. ꝛc., Capott⸗Damen⸗Hüte 250, 375, 390 Pfg. ꝛc., Trauer⸗Hüte 195, 250 300 Pfg. ꝛc. in Blumen, Federn, Reiher, Agraffen, Große Auswahl Tüllen, seid. Gaze, seid. 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Von Scharfmacherkreisen ausgehend, macht jetzt eine ganz gemeine Verleumdung der Kranken⸗ kassen Verwaltungen die Runde durch die Presse. In Anknüpfung an die in Vorbereitung befind⸗ liche Revision des Kranken-Versicherungsgesetzes wird ausgeführt, daß die Verwaltungskosten der Krankenkassen im Verhältnis zu den Aus- gaben für Aerzte und Arzneien viel zu hoch seien. Dann heißt es weiter: „Die Sozialdemokratie, welche ja bei einer großen Zahl von Orts⸗Krankenkassen ihre An⸗ hänger durch Verleihung der Beamtenstellen ver⸗ sorgt und deshalb ein großes Interesse an möglichst hohen Verwa tungskosten bei der Krankenversiche— rung hat, hat häufiger darauf hingewirkt, die Kosten für die Aerzte und die Arzneien herunter⸗ zudrücken. Es sind ja nach dieser Richtung die sonderbarsten Manipulationen vorgenommen wor⸗ den. Davon aber, daß die Sozialdemokratie die Minderung der Verwaltungskosten auch nur ein⸗ mal in Anregung gebracht hätte, hat man nie gehört. Es wird deshalb Zeit, daß von Gesetzes⸗ wegen hierauf hingewirkt wird.... Zu wünschen wäre jedenfalls, daß die Zahl der Kassen ver⸗ mindert würde. Gerade weil so viele Kassen eristieren, sind die Verwaltungskosten so hoch geworden. Auch sind ja größere Kassen leistungs— sähiger als kleinere. Wenn mit einer solchen Vereinfachung der Kassenorganisation auch die Zahl der Stellen vermindert wird, welche die Sozialdemokratie für ihre Agitatoren in den Kassen zur Verfügung hat, so schadet das gar nichts. Im Gegenteil, es kann nur gewünscht werden, daß ein Mißstand beseitigt wird, bei dem eine auf den Umsturz des Staates hin arbeitende Partei staat⸗ liche Einrichtungen zur Versorgung ihrer Agitatoren und zur Erweite⸗ rung ihrer Propaganda benutzt.“ Diesen frechen Verdrehungen stellt der„Vorwäcts“ folgendes zur Klarstellung des wirklichen Sachverhalts entgegen: Die Verwal— tungskosten sämtlicher Berliner Orts-Krankenkassen betrugen im Jahre 1898 nach dem autlichen Bericht im Gemeindeblatt 8 Prozent der Gesamtausgabe und sind sonach wesentlich niedriger, wie die Verwaltungskosten der von den Unter- nehmern allein verwalteten Berufsge- nossenschaften und der staatlich ver⸗ walteten In validen versicherung. Bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften betrugen nämlich die Verwaltungskosten im Jahre 1897 nach den dem Reichstag zugegangenen Nach— weisungen 10,2 Prozent, in dem Zeitraum von 1886 bis 1896 sogar 11 Prozent, bei den landwirtschastlichen Berufsgenossenschasten 11,3 Prozent im Jahre 1897 und 15,2 Prozent in dem Zeitraum von 1886 bis 1896. Bei der Invalidenversicherung betrugen gleichfalls nach den dem Reichstag zug gangenen amtlichen Nachweisungen für 1897 die Ver waltungskosten 12,1 Prozent der Gesamtausgaben abzüglich der Kapitalanlagen. Dabei darf man aber nicht vergessen, daß für die Berufsgenossenschaften die Post auf lange Fristen die Zahlungen über⸗ nimmt und daß die Hälfte der Invalidenver⸗ sicherungs⸗Anstalten die Einziehung der Beiträge den Kraukenkassen übertragen haben und dafür nur eine die wirklichen Kosten lange nicht er⸗ reichende Vergütung bezahlen. Das bedeutet für diese beiden Versicherungsemnrichtungen ganz wesentliche Ersparnisse an Verwaltungskosten, die den Krankenkassen nicht zu gute kommen. Daß größere Kassen leistungsfähiger sind wie kleinere und deshalb eine Verminderung der Zahl der Kassen wünschenswert wäre— das ist eine Binsenwahrheit, die gerade wir nun schon lange genug predigen. Nur schade, daß man das in Regierungs- und Unternehmerkreisen nicht eingeschen hat bei der Schaffung der Innungs⸗ kassen. Bei den Berliner Innungskassen betrugen nach der schon genannten Quelle im Jahre 1898 die Verwaltungskosten 14,23 Prozent der Aus⸗ gaben, also beinahe doppelt soviel wie bei den Ortskassen. Natürlich haben wir nichts dagegen einzu⸗ wenden, wenn Mittel gefunden werden, die Ver— waltungskosten der Krankenkassen zu verringern, aber die gegebenen Zahlen zeigen, daß es bei allen anderen Kasseneinrichtungen noch notwen- diger ist, wie bei den Ortskrankenkassen. Ost genug ist von uns die Forderung erhoben worden, alle drei Zweige des Versicherungswesens zu vereinigen, gerade mit dem Hinweis auf die Möglichkeit der Verrin zerung der Verwaltungs- kosten. Daß den Kassen zum Vorwurf gemacht wird, auf Verringerung der Arzneikosten hinzuwirken, darüber braucht man bei der notorischen Aus— wucherung der Kranken und ihrer Kassen durch das heutige Apothekenwesen wirklich kein Wort weiter zu verlieren. Aber eines sei noch gesagt! Wenn man es heute unangenehm empfindet, daß die sozial⸗ demokratischen Arbeiter in der Ver waltung der Ortskassen von ihren gesetzlichen Rechten Gebrauch machen, so haben sich die herrschenden Kreise das selbst zuzuschreiben. Gerade die soztal— demokratischen Arbeiter waren anfangs durchaus nicht geneigt, in die Oetskassen einzutreten. Sie hatten sich ihre freien Hilfskassen ge— schaffen und wollten mit den Unternehmern in den Ortskassen durchaus nichts zu schaffen haben. Erst die systematische Bekämpfung der freien Hilfskassen und die Bevorzugung der Ortskassen durch das Krankenversicherungs-Gesetz und seine Handhabung zwangen die Arbeiter geradezu massenhaft in die Ortskassen. Hat man vielleicht erwartet, diese an Selbstoerwaltung gewöhnten Elemente würden sich von den Unternehmern willenlos gängeln lassen? Das Unternehmertum maßregelte mit Hilfe der Gesetz jebung die freien Hilfskassen, die man als„sozialdemokratische Organisationen“ denun— zierte; die Arbeiter mußten dem Druck nachgeben und in die einst so gehätschesten Ortskassen ein⸗ treten; seit einigen Jah ren sieht das Unter— nehmertum, daß es die sozialdemolratischen Ar— beiter virstanden haben, auch in den Ortskassen noch ihre Rechte zu wahren, und nun werden wiederum die Ortskassen fast als sozialdemo⸗ kratische Einrichtungen verschrieen. Das der wirkliche Sachverhalt. Was will man nun eigentlich? Das Krankenversicherungs-Gesetz enthält über die Verwaltung der Kassen strenge Borschriften, die Aufsichtsbehörden üben scharfe Kontrolle und die Arbeiter thun in den Kassen nur was Rechtens ist. Thäten sie anders, so böte das Gesetz Mittel genug, sie daran zu hindern. Das ist den Hetzern gegen die Krankenkassen sehr wohl bekannt. Die Hetzerei läuft deshalb auch auf etwas anderes hinaus: nicht um die Herab— setzung der Verwaltungskosten ist es dem Unter— nehmertum zu thun, sondern um eine weitere Einschränkung des ohehin sehr geringen Selbstverwaltungs rechts der Ver⸗ sicherten, wie man sie z. B. in Sachsen schon mehrfach auf dem Verwaltungswege versucht hat. Das ist die Absicht und dafur will man scharf machen! Die Zwangskassen sollen auch noch eine Zwangsverwaltung bekommen Die Arbeiter mögen das Treiben der herrsch— süchtigen Klique scharf beobachten! Wie richtig diese Auffaͤssung des Vorwärts ist“ beweist die Stummsche Post, die in einem Artikel, in dem sie sich gegen die Beschlüsse der Gewerbe-Ordnungs-Kommission wendet, schreibt: „Wir haben nicht die Besorgnis, daß sich die Regierung durch die in Rede stehenden Reso⸗ lutionen zu unbedachten Schritten fortreißen lassen könnte; in einer Zeit, wo sie durch eine Novelle zum Krankenkassen-Ge⸗ setz der sozialdemokratischen Macht- stellung einen Schlag zu versetzen beabsichtigt, wird sie nicht auf der anderen Seite diese Machtstellung zu ördern geneigt sein. Die„Berliner Politischen Nachrichten“ wollten noch nicht wissen, was geplant sei, die „Post“ weiß bereits, daß ein Schlag geplant ist. Es ist also so, wie wir voraussagten: nicht um die Herabsetzung der Verwaltungskosten wird es sich handeln, sondern um die Selbst⸗ verwaltung der Kassen. Die versicherten Arbeiter werden sich beizeiten auf planmäßigen Widerstand einzurichten haben.— Uleines Feuilleton. Wie oft Postkarten ohne Aufschrift durch die Briefkasten eingeliefert werden und in infolgedessen sowie wegen Fehlens der Angabe des Absenders unanbringlich bleiben, geht daraus hervor, daß neuerdings während eines einzigen Vierteljahrs in fünf Ober-Postdirektionsbezirken zusammen gegen 5000 Postkarten ohne Ausschrift haben vernichtet werden müssen. Für das ganze Reichs-Postgebiet macht dies sür en Vierteljahr gegen 40 000, für ein Jahr gegen 100 000 Post⸗ karten ohne Adresse aus, die entgültig unbestell⸗ bar bleiben. Wird dazu noch die gleichfalls sehr große Zahl von Postkarten gerechnet, deren Aus⸗ bändigung wegen ungenügender oder unrichtiger Aufschrift nicht erfolgen kann, so ergiebt sich, daß eire große Zahl von Postkarten nur urch Perschulden der Absender nicht an den Empfänger gelangt. Es kann sonach nur dringend angeraten werden, bei der Ausfertigung von Postkarten vor den Mit⸗ teilungen auf der Rückseite stets zuerst die Adresse niederzuschreiben und diese so genau als möglich (nach Straße, Hausnummer u. s. w.) anzugeben. Der Journalismus in einer bela⸗ gerten Stadt. Herbert C. Oliver, der bei dem„Diamond Fields Advertiser“ in Kimberley angestellt ist, schildert in einem Briefe an seinen Vater, einen Londoner Journalisten, seine Er⸗ fahrungen während der Belagerung:„Bewun⸗ dernswert ist die Art, wie die Herausgeber des „Diamantfelder- Anzeiger“ bestrebt waren, die Zeitung während der viermonatlichen Belagerung regelmäßig erscheinen zu lassen, um so mehr, wenn man in Betracht zieht, wie vollständig wir von der Außenwelt abgeschnitten waren. Nur gegen Ende der Belagerung mußte das Erscheinen 4 oder 5 Tage eingestellt werden, da die mili⸗ tärischen Behörden das Blatt in Bann gethan hatten, weil es die vollen Thatsachen der Leiden des Volks und das Elend, den Schaden und Verlust, der durch den Hundertpfünder der Buren bei Kamfersdam verursacht worden war, enthüllt hatte. An manchen Tagen allerdings war die Zeitung nur noch dem Namen nach eine Zeitung, ein Gemisch von alten Ausschnitten aus vielen alten Nummern der„Tit-Bits“ und andern Zeitschriften. Ebenso nahm man seine Zuflucht zu der Bibliothek in Kimberley, und man schrieb immer wieder die Geschichte des früheren Transvaalkriegs und der Belagerungen. Auch Beiträge der Einwohner wurden angenommen, und wir hatten einige wunderbare Ergüsse in Prosa und Poesie; besonders die letztere war höchst gelungen. Indessen die Einwohner be⸗ zahlten ihre 25 Pfennige und bekamen ihre Zeitung,— so wie sie eben war. Hin und wieder erhielten wir einige interessante Neuig⸗ keiten, so als ein Expreßreiter eine ziemlich neue Nummer der„Cape Times“ brachte, für die, so viel ich weiß, 100 Mk. bezahlt wurden. Es war ein wirklich amüsanter Anblick, wie der Chef- redakteur, der Redakteur und die Berichterstatter eifrig die Zeitung studierten, mit fast atemloser Spannung; selbstverständlich waren Schere und Kleistertopf bald in vollster Thätigkeit, und die Leser des„Diamanten-Anzergers“ fanden am nächsten Morgen, daß sie diesmal eine ausge⸗ zeichnete Zeitung bekamen. Natürlich wurde der Umfang des Blattes verkleinert.“(Vorw.) Seite 10. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. Zur Confirmatio Tonfirmanden⸗Anzüge in Tuch, Buckskin und Kamagarn von 9—25 Mk. 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