4 — 1 Gießen, Neujahr 1900. 7. Jahrg. Nr. 1. Redaktion: girchenplat 11, Schloßgasse 8 Mitteld eutsche IE Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag& Uhr Abounementspreis: Die„Mitteldentsche Sonntags⸗ Zeitung“ kostet durch unsere 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Austräger frei ins Hans geliefert monatlich Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) Juserate finden in der„M. S.⸗Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Amal. Beftellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung 33/% und bei Bei mindestens mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. . N Was bedeutet dies Getöse, das in aller Ohr erklingt Gleich dem Wind in öden Thälern, der Gewitterstürme bringt, Gleich des Meeres dumpfem Brausen, dessen Groll die Nacht verschlingt? s ist das Volk es zieht heran. woher kommt es, wohin geht es? Wessen Art ist's, we Geschlecht d Zwischen Höll' und Nimmel, sagt mir, wo ist seiner Heimat Recht d Ist für Gold es zu erkaufen? Will's verdingen sich als Knecht Näher schon tönt es heran. Horch des Donners weites Rollen! Schau' zur Sonn'! Herzen steigt's empor mit Grollen Und das Heer marschiert heran. Qual und Jammer zu entfliehen, strebt es zur Glückseligkeit; Jeder Winkel ist ihm Neimat auf der Erde weit und breit. Wollt Ihr's knechten und entrechen, eilt, zu nutzen noch die Seit, Denn das Ende naht heran. Seine Band baut Eure Häuser, webt Eu'r Linnen, schafft Eu'r Brot, Bettet Euch auf weichem Pfuhle, bannt von Eurem Nerd die Not. All dies wirkt es, heut und immer Sklave Eurer Macht Gebot, Bis das Heer marschiert heran. Norch des Donners weites Rollen! Schau' zur Sonn'! Nerzen steigt's empor mit Grollen Und das Heer marschiert heran. ——ů—.———————— An unsere Lesergemeinde! * Weihnachten, das„Fest der Liebe“ liegt hinter uns. Vieltausendstimmig wurde zum neunzehnhundertsten Male die der Welt Frieden und allen Menschen Wohlgefallen verheißende Botschaft von allen Kanzeln herab verkündigt. Mit dem Feste ist auch die Friedensbotschaft verklungen Offizielle und offiziöse Vertreter des Staats⸗ christentums haben Talar und Feiertagsmiene abgestreift. Fleißig rühren sie wieder die Trommel für Deutschlands Macht und Herr⸗ lichkeit„auch“ weit über den Wassern. Sie träumen von einer Weltmachtspolitik großen Stils, einer Politik, die, wenn sie von Erfolg begleitet ist, das deutsche Volk an den Rand des Ab⸗ grundes bringen und den großen Welten⸗ brand, der jetzt noch schlummert, zur hellen Flamme anfachen wird. Aufklärung des arbeitenden Volkes über die drohende Gefahr ist dringend notwendig. Klarheit über den Zickzackkurs, der uns in bunter Reihe die Umsturzvorlage, Militär- vorlagen, Flottenvorlage, Zuchthaus— vorlage und nun wieder eine Flotten⸗ vorlage brachte, muß in den breitesten Schichten unseres Volkes geschaffen werden. Das neueste Flottengesetz liegt noch nicht im Wortlaut vor, aber seine Tendenz ist be⸗ kannt. Die ungeheueren Summen, die vor 1½ Jahren erst für neue Kriegsschiffe bewilligt wurden, sollen verdoppelt und verdreifacht werden. Aus hoffnungsvollen Aus hoffnungsvollen —— 97 N U Vorwärts!“ Manch Jahrhundert trug's die Frone, stumm, geduldig, taub und blind; Nichts entriß es seinen Sorgen; ein in Schlaf gelulltes Kind. Da auf einmal jetzt erwacht ist's, seinen Schrei beschwingt der Wind, Und im Eilschritt zieht's heran. Nört, Ihr Reichen, und erzittert! Deutschland spricht der Seiten Mund:; „Wir Enterbten lösen klirrend unsre Ketten diese 1. W Und zum Kampfe für die Menschheit stehn wir alle& im Bund Und marschier'n als Heer heran.“ Norch des Donners weites Rollen! Schau zur Sonn'! Aus hoffnungsvollen Nerzen steigt's empor mit Grol li Und das Heer marschiert heran. Kommt und lebt! „Wollt, wenn's Krieg, mit Euren Leichen nähren Ihr der Flammen Schein d Wenn es Frieden, nicht gesellen Euch zu uns, der Brüder Reih'n d Denn neues Leben tagt der Welt, die wir befrei'n, Und die Hoffnung zieht voran!“ Vorwärts ziehn wir Proletarier! Wißt! was machtvoll näher klingt, Ist des Freiheitskampfes Schlachtruf der die ganze Weit durchdringt! Vorwärts! Für der Menschheit Hoffen hoch im Sturm das Banner schwingt; Und die Welt marschiert voran. Norch des Donners weites Rollen! Schau' zur Sonn'! Aus hoffnungsvollen Herzen steigt's empor mit Grollen Und das Heer marschiert voran. Um Milliarden soll das deutsche Volk von neuem geschröpft werden. Wer dagegen mit ankämpfen will, der helfe die Arbeiter⸗ presse nach allen Richtungen verbreiten. In ganz Deutschland muß das Volk aufgerüttelt werden. Es muß ihm klar gemacht werden, was für ungeheuerliche Opfer ee en um einem verderblichen Phantom, der Weltmachtspolitik nachzujagen. Erhebt sich, wie bei- der. Zucht⸗ hausvorlage, ein Sturm der Ent rüstung, dann werden die heute noch schwankenden Par⸗ teien es nicht wagen, dafür zu stimmen. Darum, Freunde und Genossen! auf, an die Arbeit. Jeder kann zur Aufklärung bei⸗ tragen, indem er die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ in immer weitere Kreise einbürgert. Die Arbeiter in den Verbreitungsgebieten der„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ müssen alles aufbieten, ihr Organ in immer weitere Kreise einzuführen. Es gilt das Flottengesetz zu stürzen! Es gilt neue Belastungen des werkthätigen Volkes abzuwehren! Wer zu Weihnachten nicht einen neuen Abonnenten werben konnte, der suche eine be⸗ sondere Ehre darin, zu Neujahr zwei zu ge⸗ winnen. Wo es angebracht ist, müssen die Genossen von Haus zu Haus gehen, um die Arbeiter, die die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ bisher noch nicht lasen, als Abonnenten zu gewinnen. Redaktion und Verlag der„M. S. ⸗Ztg.“ werden bestrebt sein, auch im neuen Jahre nach besten Kräften die Interessen des werkthätigen William Morris. ——ä— K———AU————————4Ht, Volkes, der Kleinen in Dorf und Stadt, zu fördern. Die Parole bleibt die alte: Alles für das Volk und Alles durch das Volk! das höchste Des Volkes Wille Gesetz! Gießen, 29. Dezember 1899. Mit sozialdemokratischem Gruß! Redaktion und Verlag der„M. S.⸗Ztg.“ Weltpolitik und Weltmachts⸗ politik. Py. Von Weltpolitik sprachen die Mi⸗ nister des Reiches. Welt machts politik ist ihr wirkliches Streben. Weltpolitik bedeutet die Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge der Welt. Sie bedeutet die Ausdehnung der Produktion, soweit der Erdball reicht. Die Ueberbrückung der Ozeane. Die Erschließung und Ausnützung der Hilfsquellen der Natur in den entferntesten Weltteilen. Eine Produktionsgemeinschaft und Produktionsverteilung, die die ganze Welt um⸗ faßt. Weltpolitik bedeutet: amerikanisches Ge⸗ treide in Deutschland und deutsche Chemikalien, deutscher Rübenzucker, deutsche Konfektion in Amerika; amerikanische und ostindische Baum⸗ wolle in England und englisches beziehungs⸗ weise europäisches Garn in der ganzen Welt; australische Wolle und europäische Tuchfabriken; chinesischer Thee und englische Stahlschienen. Weltpolitik bedeutet Eisenbahnen und Dampf⸗ 8 Seite 2. Mitieldeutsche Sonntags⸗Zeitung Nr. 1. schiffe, Telegraphen, Posten, Zeitungen. Eine fütenabonale Organisation des Handels. Der Bau argentinischer Eisenbahnen mit europäischem Geld, die Internationalität der Banken und Börsen, das alles gehört zur Weltpolitik. Der Bau des Suezkanals, die europäische Bestede⸗ lung von Amerika, Australien, Afrika, das Emporblühen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der jetzige Unabhängigkeitskampf in Südafrika— es ist Weltpolitik. Die Weltpolitik ist das Aufrütteln jeder einzelnen Nation mit den Mitteln der gesamten Welt. Die Vereinigung der Nationen zu einer Völkergemeinschaft auf grund der Produktions- gemeinschaft der Welt. Die Beseitigung der Staatsschranken der Kulturentwickelung, der nationalen Borniertheit, des nationalen Eigen⸗ dünkels und der nationalen Tradition. Das Vorwärtsstreben der Menschheit durch Rivalität der Kulturarbeit zur Solidarität der Kultur⸗ interessen der Welt. Die große Kundgebung dieser Weltpolitik war das kommunistische Manifest, dessen Schlußsatz lautet: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ Anders die Weltmachts politik. Es ist der Versuch, alle Nationen dem Willen einer Regierung zu unterwerfen. Es ist der Versuch, alle Ströme der Weltproduktion von einem Punkt ausfließen zu lassen. Es ist der thörichte Wunsch, die gesamte Kultur in eine Uniform zu stecken. Es ist das Bestreben, sich zum Herrn der Welt aufzuwerfen. Es ist das wahnwitzige Beginnen, entgegen den Gesetzen der Produktions- entwickelung und der Weltkultur nach eigenem Willen die Weltgeschichte zu modeln. Man behandelt die Weltgeschichte, als wenn sie eine Dienstmagd wäre, die unter preußischer Gesinde⸗ ordnung steht. Die Weltpolitik gründet in der geschicht⸗ lich werdenden Entwickelung der Welt,— die Welt machts politik ist die Eroberung der Welt. Ihre Mittel sind Panzerschiffe und Kanonen. Ihr Weg geht durch Verhetzung der Nationalitäten, völkermörderischen Krieg, Ruin reicher Industrien, Verwüstung von Ländereien. Und was sie schließlich erreicht, ist die Aufpflanzung einer„nationalen Flagge“ an verschiedenen Enden der Welt— keine wirk⸗ liche Herrschaft, sondern das Trugbild einer Herrschaft, wie gerade das Beispiel Englands wiederum zeigt. Die Einbildung einer Herrschaft, denn sie ist nicht im stande, die widerspenstige Entwickelung zu hemmen, bis schließlich die aufgezwungene Form wie eine schwache Hülse unter dem Druck von innen platzt und ein fremdartiger, unerwarteter Zu⸗ stand sich plötzlich offenbart, der aber allmählich und gesetzmäßig herangereift war. „Die Welt soll neu verteilt werden“— er⸗ klärte Staatssekretär v. Bülow. Welche lächer⸗ liche Ueberhebung, welche verhängnisvolle Ein⸗ bildung eines Diplomaten! Länder und Völker sollen gemessen und verteilt werden, als wenn es Schafweiden und Schafherden wären! Eine neue Weltmacht soll gebildet werden, eine deutsche Weltmacht. Der Minister beruft sich auf die Geschichte. Hätte er es lieber nicht gethan. Denn diese lehrt, daß, seitdem der Staat der Klassenherrschaft besteht, wiederholt Regierungen und Dynastien den Versuch machten, eine Weltherrschaft zu begründen, der stets am letzten Ende den Ruin des Staates herbeiführte. Was den Persern nicht gelang, nicht auch dem großen Alexander, woran das römische Reich zu grunde ging ꝛc. ꝛc. bis auf die holländische und jetzt die englische koloniale Weltmacht, das will jetzt— Reichskanzler Hohenlohe versuchen! Man sagt, das gehe nicht anders, Deutsch— land müsse— es sei durch die Entwickelung seiner Industrie dazu gezwungen— große Kolonialpolitik zu treiben. O nein, dadurch dient ihr Deutschlands Industrie schlecht, daß ihr es mit allen Völkern verfeindet und in verderbliche Kriege stürzt! Deutschlands in⸗ dustrielle Entwickelung? Haben wir euch nicht dieses Wort seit einem Menschenalter fast zu⸗ gerufen? Ihr habt diese Entwickelung plan⸗ mäßig gehemmt aus Liebedienerei vor den Junkern und im Dienste eures Imperialismus! Wer war es denn, der durch Zölle das Brot verteuerte, von dem der Arbeiter sich nährt, in dessen Händen die Produktion ruht? Wer hat durch Zölle das Eisen verteuert, das wichtigste Hilfsmittel der Produktion? Wer hat durch seine„Mittelstands“- und agrarische Politik es soweit gebracht, daß nunmehr, mit einer einzigen Ausnahme, die gesamte zivilisierte Welt sich gegen Deutschland mit Zöllen ver⸗ barrikadiert dat? Und als trotz alledem Deutsch⸗ lands Industrie sich einen Weg in alle Welt⸗ teile gebahnt hatte, wie wollt ihr sie beschützen? Dadurch, daß ihr den Frieden stört, der un⸗ erläßlich ist für den Handel, und dem Volke ungeheure Marinelasten auferlegt zu den mili⸗ tärischen, die es auch schon kaum trägt! Wollt ihr wirklich die Industrie fördern? Dann macht den Arbeiter satt. Macht ihn frei. Hemmt nicht die Kulturentwickelung des deutschen Volkes. Schließt Frieden mit den Nationen, politischen und wirtschaftlichen Frieden: macht ein Ende dem Zollkrieg in Permanenz. Wenn Deutschland wirkliche Weltpolitik treiben will, so ist das erste Erfordernis: Be⸗ seitigung der Getreidezölle nach Außen, Be⸗ seitigung der Polizeiwirtschaft im Innern! Eine neue Kolonialbestialität. Der„Windhoeker Anzeiger“ berichtet in seiner letzten Nummer, daß eine Untersuchung gegen den als Leutnant à la suite der Schutztruppe stehenden Prinzen von Arenberg wegen gewisser Vorgänge bei der Tötung des Eingeborenen Willy Cain einge⸗ leitet worden ist. Prinz von Arenberg wurde vor ein Kriegsgericht gestellt, das seinen Spruch bereits gefällt hat. Dieser bedarf noch der Bestätigung durch den Kaiser. Prinz von Arenberg hat sich mittlerweile mit Heimats⸗ urlaub(11) nach Deutschland begeben. Ueber die Einzelheiten des Vorfalles, welcher den Gegenstand des militärgerichtlichen Ver⸗ fahrens gebildet hat, schweigt sich der„Windh. Anz.“ aus. Die Berliner„Volksz.“ ist indes in der Lage, diese Lücke zu ergänzen durch die Mitteilungen eines Deutschen in Süd⸗ westafrika, die ihr zufällig gerade, da die Notiz des„Windhoeker Anzeigers“ in Deutsch⸗ land bekannt wird, vor Augen gekommen sind. Was da berichtet wird, ist geradezu grauenhaft. Darnach handelt es sich um einen in Diensten des Prinzen Arenberg stehenden Ein⸗ geborenen, der bei dem Prinzen eine besondere Vertrauensstellung inne hatte, bei welcher ihm seine, Cains, Beziehungen zu den eingeborenen Landestöchtern von Vorteil waren. Die Szene, die zu dem Gerichtsverfahren geführt hat, spielte sich nach dem Briefe des deutschen Gewährs⸗ mannes der„Volksztg,“ wie folgt ab: „Nach einem Gespräch zwischen dem Prinzen und dem Diener entfernte sich Cain im Schritt, ohne sich des geringsten Vergehens bewußt zu sein, als der Prinz, Distriktschef auf einer Station hinter Windhoek, dem Posten zurief, er solle auf Cain schießen. Der Soldat schoß in die Luft. Cain ging ruhig weiter. „Haben Sie nicht gehört, Sie sollen den Kerl erschießen!“ Der Posten schießt nochmals und trifft Cain ins Bein. Darauf tritt Prinz Arenberg hinzu, zieht seinen Revolver und schießt den Cain in den Leib. Als dieser den Prinzen flehentlich fragt, warum er ihn töten wolle, er hätte ihm doch nichts gethan, schießt Prinz Aren⸗ berg nochmals. Diesmal trifft er Cain in den Kopf. Als er sieht, daß Cain noch nicht tot ist, nimmt er einen Gewehrstock, bohrte ihn in die Wunde und rührt das Gehirn so lange um, bis Calin verscheidet.“ Der Briefschreiber schildert, wie die„Volks⸗ zeitung“ weiter berichtet, die große Aufregung und Empörung, die dieser Vorfall überall her⸗ vorgerufen habe. Er sagt, an Mißhandlungen der Eingeborenen sei man ja gewöhnt, über körperliche Strafen kleineren Umfangs sehe man in Afrika hinweg, aber diese That habe eine namenlose Erbitterung und ein allgemeines Ent⸗ setzen erzeugt. Ueber die Höhe der über den Prinz Aren⸗ berg etwa verhängten Strafe verlautet bei der Heimlichkeit des militärgerichtlichen Ver fahrens nichts. Vielleicht erfährt man etwas davon, wenn das Urteil bestätigt worden ist. Hätte den prinzlichen Mörder die verdiente Strafe getroffen, so hätte man ihn doch wohl nicht auf Urlaub geschickt. Man muß unwillkürlich an die Löbtauer unbeträchtlichen Prügeleien und die dafür erkannten 53 Jahre Zuchthaus denken. Es handelte sich da allerdings weder um Prinzen, noch Offiziere, noch afrikanische Kulturträger, noch Lustmörder— es waren bloß Arbeiter. Nachschrift. Das Urteil des Kriegsgerichts gegen den Prinzen Arenberg lautet, wie man sich der„Voss. Ztg.“ zufolge in Windhoek er⸗ zählt, auf drei Jahre Festung und Ent⸗ fernung aus dem Offiziersstand. Der Gouverneur ließ sofort, nachdem der Vorfall bekannt geworden war, den Prinzen verhaften und vor das Kriegsgericht stellen, das unter Vorsitz des Majors Müller, des Oberführers der Schutztruppe, tagte. Im Gegensatz zu den bisherigen Meldungen wird der„Berl. Ztg.“ geschrieben, Prinz Arenberg sei nicht auf freien Fuß gesetzt und mit Heimatsurlaub entlassen worden, sondern habe als Gefangener auf Ehrenwort, begleitet von einem Oberleutnant der Schutztruppe, die Fahrt nach Hamburg angetreten. Dort ist er am ersten Weihnachts⸗ feiertag eingetroffen. Politische Rundschau. Gießen, 29. Dezember. Ein Urteil Wilhelm ll. über den Krieg? Der„Berliner Lokalanzeiger“ meldet aus London: Nach der„Birmingham Post“ drückte der Kaiser Wilhelm in spezieller Mitteilung an die Königin Viktoria seine große Bewunde⸗ rung für die von den englischen Truppen bewiesenen Eigenschaften aus und fügte die Hoffnung hinzu, daß die britischen Waffen bald Erfolg haben mögen. Die Mitteilung, die ein privates Dokument ist, wurde besonders durch den Kummer der Königin veranlaßt, womit sie den Verlust vieler tapferer Menschenleben aufnahm. Natürlich muß der„Birmingham Post“ jede Verantwortlichkeit für die Richtigkeit dieser Meldung überlassen bleiben. Hegt Kaiser Wilhelm II. wirklich den Wunsch, daß die englischen Waffen siegen mögen, so wird das ja wohl in irgend einer Kundgebung Ausdruck finden. Die deutsche Sozialdemo⸗ kratie hat dagegen jedenfalls im Einklange mit den Bruderparteien in anderen Ländern den dringenden Wunsch, daß die Söldner— scharen des englischen Kapitalismus in Südafrika unterliegen mögen. Neue Landsleute gekauft. Der Berliner„Lokalanzeiger“ will aus vor⸗ züglicher Quelle den Inhalt eines deutsch-eng⸗ lischen Geheimvertrages über die portu⸗ giesischen Kolonialbesitzungen kennen, der im Frühjahr des nächsten Jahres mit Zustim⸗ mung Portugals zur Ausführung kommen würde. Er behauptet, der afrikanische Besitz mit rund 2 Millionen Quadratkilometern und 13 Millionen Einwohnern solle an England fallen, der asiatische mit 20000 O.⸗K. und beinahe 1 Million Einwohnern an Deutsch⸗ land. Es handelt sich bei letzterem um 5 Gebiete: Timor mit 16 300 Q.⸗K., Goa mit 3270, Daman mit 383, Makao mit 12, Diu mit 5 Q.⸗K. Außer diesen Besitzungen in Asien soll auch noch in Afrika das Land nördlich des Zambesi an Deutschland abgetreten werden mit Ausnahme eines Streifens von 3 Meilen, den sich Cecil Rhodes für seine Eisenbahn aus⸗ bedungen hat. Der von Deutschland zu zahlende Preis beläuft sich auf 25 Millionen Mark. Der„Streifen von drei Meilen“, den sich Rhodes ausbedungen hat, wird jedenfalls der fetteste Happen in dem für Deutschland be⸗ stimmten neuen Fetzen Afrika sein. Die Spanier unser 9 Meist laßli rng Bü als irc Jahr an de länge aud, auch bürg den dige lanische Waren geiichtz le man bek er⸗ C 0 Der Lorfal chaften Unter führers zu den g tg.“ freien itlassen r auf eutnant mburg nachts⸗ l. ber. krieg! et aus drückte ung an unde⸗ ruppen tte die ischen 1. Die nt itt, der vieler t“ jede dieser Kaiser ib die wird gebung hemo⸗ kklange ändern dner⸗ us in 18 bor⸗ chen porlu⸗ en, der Nr. 1. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. und Portugtesen bieten ihre Kolonien feil, weil sie keine Lust haben, immer mehr Geld hinein⸗ zustecken, und Deutschland, das mit aller Ge⸗ walt Ueberseepolitik treiben will, kauft, wie ein Althändler alte Stiefeln, getragene Kleider ꝛc., sich neue schwarze und gelbe Landsleute und die entsprechenden„schönen Gegenden“ dazu. Die arbeitende Bevölkerung zahlt die Kosten, Krupp und einige andere Groß⸗ kapitalisten machen gute Geschäfte und Uebermenschen à la Leist, Peters und v. Arenberg haben Gelegenheit, den Afrikanern Kultur beizubringen mit— Galgen, Revolvern und Nilpferdpeitschen. Flottenagit ation mit Musik. In die“ neuen Flottenpläne soll Musik kommen! Die„Freie Vereinigung für Flotten⸗ vorträge“ hat die Firma Breitkopf und Härtel in der Seestadt Leipzig veranlaßt, ein Preis⸗ ausschreiben für ein deutsches Flottenlied zu erlassen. Der Dichter und der Komponist sollen insgesaut 1000 Mark erhalten. Die Dichter haben mit der Einsendung nur bis zum 18. Januar 1900 Zeit. Man wird diese nützliche Verwendung der zusammengeschnorrten spärlichen Gelder des Flottenvereins gewiß allgemein mit Freuden begrüßen. Wenn der Flottenverein nun noch zwei Prämien für die porträtähnlichste Büste Aegirs und eine Allegorie der Pachtung Kiau⸗ tschaus aussetzt, wird er seine Moneten los und um das erhebende Bewußtsein bereichert sein, die deutsche Poesie, Musik, Plastik und Malerei nach Maßgabe seiner Kräfte gefördert zu haben. Vom vaterlandslosen Kapital. Ueber die Nachricht, daß Krupp jetzt, trotz der in Deutschland allgemeinen Sympathien für die Boeren, Granaten für die Eng⸗ länder anfertigen soll, entrüsten sich einige Zeitungen. Lächerlich. Was will denn das besagen? England ist doch nicht„Erbfeind“, wie weiland Frankreich. Und Herr Krupp der ältere hat bekanntlich, wie aus den 1870 nach Napoleons Sturz veröffentlichten„Briefen deutscher Bettelpatrioten“ erhellt, mit Napo⸗ leon vor dessen Sturz in Korrespondenz gestanden und Geschäfte zu machen versucht, wohl auch wirklich gemacht. Mit wem macht Krupp überhaupt nicht Geschäfte? Und wenn Deutschland durch seine Diplomatie einmal wieder in einen Krieg derwickelt werden sollte, so können wir tausend gegen eins wetten, daß Kruppsche Kanonen und Geschosse unsere deutschen Soldaten verwendet würden. Sie haben ihm. Nämlich die Berliner ibren Ober bürger⸗ meister. Am Samstag vor Weihnachten, an⸗ läßlich der Enthüllung einer neuen Denkmals⸗ gruppe in der Siegesallee, hat der Kaiser dem Bürgermeister Kirschner mitgeteilt, daß er jetzt als Oberbürgermeister bestätigt sei. Herr Kirschner hat auf die Bestätigung anderthalb Jahre warten müssen. Er hat sich dadurch so an das Warten gewöhnt, daß er es auch noch länger ausgehalten hätte. Und die Stadt Berlin auch, denn es hatte sich herausgestellt, daß es „auch so ging“. Berlin mußte aber so lange bürgermeisterlos bleiben, weil der Magistrat in den Verdacht gebracht worden war, durch wür⸗ dige Einfriedigung des Friedhofs der März⸗ gefallenen und Errichtung eines Portals mit Inschrift eine Verherrlichung der Toten des großen Jahres 1848 zu gestatten und zu billigen. So unberechtigt dieser Verdacht wider die loyalitätsdurchtränkten Gemüter des Berliner Magistratsfreisinns war, so hart mußte er ge⸗ büßt werden. Erst jetzt, nachdem der Spruch des Oberverwaltungsgerichts den Bau des„revolutionären Portals“ endgittig ver⸗ hindert hat, erfolgte die Bestätigung. Jahrhundertwende am Hofe. „Zur Jahrhundertwende,“ so melden die Hofblätter,„ist diesmal die Gratulations⸗ kour beim Kaiserpaar in der Syl⸗- vester nacht, und zwar so, daß das Defi⸗ lieren(Vorbeimarschieren) der Herrschaften vor dem Kaiserpaar mit dem ersten Glocken- schlage des neuen Jahrhunderts beginnt.“ gegen Welch ein weihevoller Augenblick von„säku⸗ larer“ Bedeutung, wenn der Zug der Höflinge defiliert! Für Ordnung, Ditte und Religion zu kämpfen, geben bekanntlich unsere Scharf⸗ macher vor, wenn sie die Sozialdemokratie erbittert anfeinden. Sie soll die Feindin jener heiligen Dreieinigkeit sein. Daß die Herren sich aber an eine ganz falsche Adresse wenden, ergiebt sich aus einem Bericht, den der Super⸗ intendent Scholz über die Sittenzu⸗ stände in der Diözese Salzwedel veröffent- licht. Es heißt darin: „Von 761 getauften Kindern waren 111 unehelich, also über 14 pCt., das bedeutet wieder eine Steigerung. Was von dem Verkehr der Knechte und Mägde auf dem Lande erzählt wird, erinnert an Sodom. Die Leutenot der Landwirtschaft bringt aus dem Osten Gesinde, welches in sittlicher Be⸗ ziehung auf ziemlich tiefer Stufe steht und, losgelöst vom Elternhause, seinen fleischlichen Gelüsten nachgeht. Die Leutenot macht auch leider Herrschaften, die auf Zucht und Ord⸗ nung halten möchten, wehrlos. Die gewerbs⸗ mäßige Uẽsittlichkeit in Salzwedel hat einen Umfang angenommen, der nun auch Anderen lästig wird. Der Kreistag und die Stadtverrordneten haben sich mit dem Not⸗ stande beschäftigt, das erstere, weil das Kreiskrankenhaus, das letztere, weil das Siechenhaus in Mitleidenschaft ge⸗ zogen würde. Wenn man sich nicht auf⸗ schwingen kann, aus sittlich⸗religiösen Gründen dem Unwesen zu steuern, so sollte man es aus wirtschaftlichen Gründen thun. Solch ein Satanshaus verschlingt tausende von Mark. Die Vergnügungssucht wendet einen neuen Kniff an, um neben den öffent⸗ lichen Tanzlustbarkeiten sich amüsieren zu können. Es wird nach der Harmonika ge⸗ tanzt, es ist auch das eine Verpflanzung slawischer Sitte in unsere deutschen Gebiete.“ Die„Vergnügungssucht“ muß natürlich immer herhalten, wenn von den herrschenden unbequemen Dingen die Rede ist. Daß die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, unter denen die ländlichen Arbeiter zu leben gezwungen werden, die Schuld an den gekenn⸗ zeichneten Uebeln tragen und daß die Guts⸗ besitzer dafür die Verantwortung trifft, das will man natürlich nicht zugeben. Uebrigens ist der Reichstagswahlkreis Salzwedel⸗Garde⸗ legen noch ganz im Banne von„Religion, Ordnung und Sitte“. Umsturz wird nicht ge⸗ trieben. Bei der letzten Reichstagswahl siegte der Konservative mit der überwältigenden Majorität von 10317 Stimmen, während der Kandidat der Freisinnigen Vereinigung nur 1984, der Sozialdemokrat gar nur 1459 Stim⸗ men erhielt. Und der Gewählte ist kein Anderer als Herr von Kröcher, der so sehnsüchtig nach dem„starken Mann“ ausschaut, welcher die Sozialdemokratie an der Gurgel packen soll. Der Herr hätte alle Ursache, sich zunächst um die Dinge in seiner Heimat zu kümmern. Oder sind die heimatlichen Zustände sein Ideal? Sozialdemokraten giebts ja dort nur erst wenig. Aber wir meinen, das deutsche Volk wird sich lieber mit den Sozialdemokratie als mit solchen Zuständen befreunden. Das Wahlrecht ein Unglück. „Das allgemeine, gleiche und direkte Wahl⸗ recht halte ich auch als alter deutsch⸗sozialer Reformer für ein Unglück“ so schreibt im Sprechsal der„Deutsch⸗Sozialen Blätter“ des Antisemitenführers Liebermann v. Sonnenberg vom 21. Dezember ein sich„Nibelung“ nennen⸗ der Antisemit aus Karlsruhe.— Wer die rück⸗ ständige Antisemitische Gesellschaft nicht erst seit gestern oder vorgestern kennt, wird sich über diese Aeußerung nicht wundern. Abgethaner Revolverjournaltist. Nach mehrtägiger Verhandlung ist in Berlin der Prozeß gegen den Revolverjournalisten Gehlsen zu Ende gegangen. Gehlsen wurde wegen Erpressung zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte mit Rück⸗ sicht auf das gemeingefährliche Treiben Gehlsens gegen denselben fünf Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust beantragt. In seinem Plaidoyer führte er aus: Der Angeklagte Gehlsen habe 20 Jahre hindurch seine unheim⸗ liche Thätigkeit betrieben, jetzt werde er hoffentlich aufgehört haben, in der Oeffentlich⸗ keit eine Rolle zu spielen, er werde moralisch tot sein. Es sei verständlich, daß durch seine Preßtreibereien große Unruhe hervorgerufen wurde. Der eine Teil wurde durch die Artikel mit banger Sorge erfüllt, man fragte sich, „Wer kommt nun wohl daran?“ Der andere Teil hatte dagegen das Gefühl der Scheden⸗ freude. Es sei anzuerkennen, daß Gehlsen in einzelnen Fällen begründete Mißstände zur Sprache gebracht babe. Aber in diesen Fällen sei er nur die treibende Kraft gewesen, die das Böse wollte und doch das Gute schaffte. Auch auf politischem Gebiete habe der Angeklagte seine Chamäleons natur be⸗ wiesen. Während er Vertrauensmann der Antisemiten in Charlottenburg war, hielt er es mit seiner Ehre vereinbar, für den nationalliberalen Kandidaten gegen Entgelt zu wirken, alles dies beweise die Charakterlosigkeit Gehlsens auf politischem Gebiete. Sein son⸗ stiger Begriff von der Ehre werde durch eine ganze Reihe von Thatsachen gekennzeichnet. Ostelbischer Menschen markt. Das Organ der sich„Bund der Landwirte“ nennenden Junker⸗ und Manschettenbauern⸗ organisation bringt folgende Anzeige: 20 000 Galizier! Männer, Mädchen Burschen, für Feld-Ziegelei, Fabrik, auf Stunden⸗, Tage⸗ oder Monatslohn, auch Akkord, kann unter sehr günstigen Bedingungen stellen. Eventuell übernehme auch die Ga rantie für's Nichtfortlaufen der Leut e bis Schluß der Arbeit, wenn Aufseher durch mich gestellt werden kann. Auf Wunch sende sofort Vertragsformulare zur gefl. Durchsicht. Beste Zeugnisse zur Seite. Lands⸗ berg, Oberschlesien. Adolf Lück, Größtes reelles Arbeiter⸗Ver mittelungs⸗Bureau. Ein lehrreicher Beitrag zur Geschichte der „Leutenot“ in Ostelbien. Und ferner ein Zeichen, mit welcher Mißachtung die ländlichen Arbeiter behandect werden, die man thatsächlich als weiße Sklaven betrachtet, für deren Nicht⸗ fortlaufen ein dazu gestellter Sklavenaufseher sorgen muß. Der Krieg in Südafrika. Die Postverbindung mit Tranusvaal ist jetzt besser geworden, denn es sind der„Frkf. Ztg.“ via Delagoa⸗Bay Nachrichten aus Johan nes⸗ burg zugegangen, die bis zum 25. November reichen. Die„Standard and Diggers“ News“ veröffentlichen von ihrem Korrespondenten im Burenlager bei Ladysmith einen Brief vom 16. November, in dem unter Anderem mitge⸗ teilt wird, daß nach Aussagen eines aus der belagerten Stadt geflüchteten Schwarzen der Kapkolonie Typhusfieber in Ladysmith wüthete; die Leichen krepierter Ochsen und Pferde lägen Tage lang in den Straßen, weil sie wegen des Feuers der Buren nur schwer fortgeschafft werden könnten. Vier aus Ladysmith desertierte Unteroffiziere hätten eidlich ausgesagt, daß der größere Teil der englischen Truppen zu kapitulieren wünsche, und selbst viele Offiziere seien dafür, aber General White, Dr. Jameson, Oberst Rodes und Sir John Willoughby seien durchaus dagegen. Die Ge⸗ sundheit der Belagerer(also der Buren) sei gut, doch fehle es ihnen an Kleidern und Schuhwerk, da die Intendantur in einigen Lagern viel zu wünschen übrig lasse. Das sei zwar leicht zu erklären, da die Buren zum ersten Mal in Massen kämpfen. Einer amtlichen Meldung zufolge berichtet der englische General Methuen nach London, daß die Stärke der Buren wächst und ihre Verschanzungen fich weit ausdehnen. Methuen ermittelte die Stellung der Buren mit Hilfe berittener Infanterie zwei englische Meilen weit. Aus vier Kanonen und zwet Schnellfeuergeschützen wurde dabei auf ihn ge— schossen. Vier Pferde wurden getroffen. o e 7. 5 1 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1. Von Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise Teelicht willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗ haftigkeit hei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle zum Druck bestimmten Eine en nur auf einer Seite zu eschreiben. Prosit Neujahr! * Sylvester! Wieder ist ein Jahr dahin⸗ gesunken in den Ocean der Zeit. Ein Jahr — ein Punkt in der Ewigkeit. Aber eine mehr oder weniger lange Zeit für den Erden⸗ bürger, mehr oder weniger lang, je nachdem ihm die Glücksgöttin hold gewesen oder sie ihm abgeneigt war. Dem Glücklichen schlägt ja be⸗ kanntlich keine Stunde; wenn aber das Schicksal eine Last aufgebürdet, dem wird selbst die Stunde zur Ewigkeit. Das ist nun einmal häßlich eingerichtet in der Welt. Hans, der im Glücke sitzt, trachtet vergeblich danach, die fliehenden Stunden zu bannen, und Peter in seinem Peche seufzt über die Langweiligkeit der Zeit. Zurückschauend aber erscheint das Jahr allen, den Glücklichen sowohl wie den vom Schicksal minder Begünstigten, gleich schnell dahingegangen. Die Vergangenheit stellt sich im Geiste anders dar, als die Gegenwart und Zukunft. Deshalb wirft man auch gern an der Jahreswende einen Blick nach rückwärts, um in der Erinnerung die vergangenen Freuden und Leiden gleichsam noch einmal im Fluge zu durchleben. Aus diesem Grunde wird auch Sylbester, der letzte Tag im Jahre, allgemein in fröhlicher Stimmung verbracht. Man wünscht sich das neue Jahr wie das alte, wenn es gutes ge⸗ bracht, oder ein besseres, wenn das vergangene Jahr zu wünschen übrig ließ. Und wie sich selbst, so wünscht man auch den Angehörigen, Freunden und Bekannten beim Eintritt in das neue Jahr alles Gute. Viel Glück! Das ist der Wunsch, der aus aller Herzen kommt. Sylvester! Da überkommt auch den Griesgrämlichsten eine gehobene Stimmung. In fröhlichster Weise werden die letzten Stunden in der Familie, bei der Punschterrine verbracht, und die Wogen dieser fröhlichen Stimmung gehen um so höher, je mehr die Stunden, die Minuten schwinden, bis die Turmuhr z wölfe schlägt und das neue Jahr anhebt. Daun klirren die Gläser und von allen Lippen tönt's: Prosit Neujahr! Diesmal wird es ja zweifellos besonders hoch hergehen, soll doch nach bundesrätlicher und päpstlicher Weisung das 20. Jahrhundert am 1. Januar 1900 seinen Anfang nehmen. Wir sind sonst nicht geneigt, 11 für ein Dutzend oder 99 für 100 zu nehmen, aber— sollen wir uns und andern mit derartigen Auseinander⸗ setzungen die Sylvesterlaune verderben? Nicht um einen erstklassigen Panzerplattenorden mit korallen und Seemuscheln! Mag auch in dieser Frage jeder nach seiner Fagon selig werden. Was schadet es übrigens, wenn wir über's Jahr noch einmal das neue Jahrhundert feiern! „Die Hauptsache ist, daß sich das Jahr 1900 für alle unsere Freunde und Genossen recht gut anlassen und recht erträglich gestalten möge. Das ist unser sehnlichster Wunsch und deshalb: Prosit Neujahr! Ein teuflischer Plan. * Unter der Rubrik„Arbeiterbewegung“ konnten wir in voriger Nummer unseren Lesern noch kurz von der geplanten Aussperrung der Bauhandwerker im kommenden Jahre in Kenntnis setzen. Vielfach wurde dieser teuf⸗ lische Plan angezweifelt. Allein es besteht kein Zweifel mehr, daß thatsächlich Berliner und andere Großkapitalisten eine Aussperrung, wie sie in Dänemark stattfand, auch in Deutsch⸗ land herbeiführen wollten, um die Arbeiter⸗ organisattonen für lange Zeit lahm zu legen. Im„Leipz. Tagebl.“ findet sich folgendes ver— klausulierte Zugeständnis: Es ist richtig, daß der Arbeit geber⸗ bund eine Zentralorganisation für das Maurer- und Zimmerergewerbe ins Auge gefaßt hat, weil er sichere Beweise zu haben glaubt, daß die Bauarbeiter, nicht allein in Berlin, sondern auch in den Vororten und anderen Orten einen allgemeinen Ausstand zum Frühjahr planen. Da sich bei dem letzten größeren Ausstand der Maurer gezeigt hat, daß die Organisation der Arbeitgeber der Zentralorganisation der Raurer, die von allen deutschen Bauarbeitern unterstützt wird, auf die Dauer nicht gewachsen, so ist vom Baum eister Felisch eine ähnliche Organisation empfohlen worden. Eine all⸗ gemeine Aussperrung hat der Bund nur für den Fall einer allgemeinen Arbeits⸗ niederlegung der Bauarbeiter erwogen, ste ist aber jetzt schon vielfach auf großen Wider⸗ stand einflußreicher Firmen gestoßen und dürfte auch nach Ansicht des Baumeisters Felisch bei der schwachen Organisation der Arbeitgeber und den geringen Mitteln in den nächsten Jahren keinen Erfolg versprechen. Dem Macher Felisch ist durch die Veröffent⸗ lichung des„Vorwärts“ in die Suppe gespuckt worden. Deshalb wird vorläufig abgewinkt. Danach ist auch eine Erklärung zu bewerten, die der stellvertretende Vorftd ende des deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, der Maurermeister H. Simon in Breslau, in der„Breslauer Morgenzeitung“ veröffentlicht und in der er nicht nur den ganzen teuflischen Plan einfach leugnet, sondern auch das bekannte gute Herz der Unternehmer des Baugewerbes betont. Herr Simon sagt: Ich halte mich zu der Erklärung ver⸗ pflichtet, daß diese Nachricht(des„Vorwärts“) in allen Teilen unwahr ist. Wenn sich vor Jahresfrist ein ganz Deutschland um⸗ fassender Arbeitgeberbund für das Bau⸗ gewerbe gebildet hat, so geschah dies, um die Unternehmer durch Zusammenschließen gegen den täglich wachsenden Terrorismus der Arbeiterführer zu schützen mit der aus⸗ gesprochenen Absicht, nach Möglichkeit die Hand zu bieten zur Verbesserung der Lage der Ar beiter. Herr Simon kann eines Heiterkeitserfolges sicher sein mit seiner Versicherung, daß die Unternehmer die Hand bieten wollten zu einer Verbesserung der Lage der Arbeiter. Die Arbeiter aller Branchen werden gut thun, ihre Organisation immer mehr zu festigen und auszubauen. „Zünftiger“ Gesellen⸗Ausschuß. Demnächst wird für das Großherzogtum Hessen eine Handwerkskammer errichtet werden und haben hierüber in Darmstadt be⸗ reits Beratungen zwischen der Regierung und den Vertretern der Zünftler und der Gewerbevereine stattgefunden. Die Handwerkskammer soll ihrem Wesen nach eine Vertretung des Unternehmer⸗ thums sein nnd ist auch nicht daran zu zweifeln, daß diese vom Gesetz vorgeschriebene Unter⸗ nehmerorganisation eine zersplitterte und uneinige Gehilfenschaft unter ihre Botmäßig⸗ keit zwingen kann. Anders kann sich die Sache jedoch gestalten, wenn es den von den Zünft⸗ lern beschäftigten Gesellen und Gehilfen— denn diese allein haben nur ein Wahlrecht— gelingt, den Gesellenausschuß in ihre Hand zu bekommen. Der für die Handwerks⸗ kammer vorgesehene Gesellenausschuß muß näm⸗ lich mitwirken: 1. bei Erlaß von Vorschriften, welche die Regelung des Lehrlingswesens zum Gegen⸗ stande haben; 2. bei Angaben von Gutachten und Er⸗ stattung von Berichten über Angelegenheiten, welche die Verhältnisse der Gesellen und Lehr⸗ linge berühren. Da den Handwerkskammern insbesondere die nähere Regelung des Lehrlingswesens ob⸗ liegt, so dürfte hier der von den Zünftlern be⸗ triebenen Lehrlingszüchterei beizukommen sein. Dies tritt durch folgende Bestimmung noch schärfer hervor:„Beschäftigt der Lehrherr eine in sehr großem Mißverhältuis zu seinem Ge⸗ werbetriebe stehende Zahl von Lehrlingen, so kann die Verwaltungsbehörde die Entlassung eines bestimmten Theiles der Lehrlinge verlangen.“ Hiermit wäre also die Möglichkeit geboten, einer allzugroßen Lehrlingszüchterei der Herren Innungsmeister einen Riegel vorzuschieben. Aus Vorstehendem erhellt, daß es die Pflicht der Gewerkschaften ist, sobald die Aufforderung zur Wahl des Gesellenausschusses für die hessische Handwerkskammer erfolgt, alle Hebel der Agitation in Bewegung zu setzen, damit nur Vertreter der organisirten Arbeiter⸗ schaft als Mitglieder des Gesellenausschusses gewählt werden. Auf die Wahlsvorschriften werden wir näher eingehen, wenn die Wahlen ausgeschrieben werden. Was verjährt? Am 1. Januar 1900 verjähren von den nicht gerichtlich festgestellten Forderungen aus dem Jahre 1897 eine ganze Reihe, die sich jeder Interessant merken mag. Es sind 1. die Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker und derjenigen, die ein Kunstge⸗ werbe betreiben, für Lieferung von Waren und dergleichen; 2. derjenigen, die Land⸗ und Forst⸗ wirtschaft betreiben, für Lieferung ihrer Erzeug⸗ nisse; 3. der Etsenbahnunternehmungen, Fracht⸗ fuhrleute, Schiffer, Lohnkutscher und Boten wegen Fuhrgeldes, der Fracht, des Fuhr⸗ und Botenlohnes nebst Auslagen; 4 der Gastwirte und derjenigen, die Speisen und Getränke ge⸗ werbsmäßig verabreichen, für Gewährung von Wohnung, Belöstigung unb dergleichen; 5. der⸗ lenizen, die Lotterieloose vertreiben; 6. der⸗ jenigen, die bewegliche Sachen gewerbsmäßig vermiethen, wegen des Mietzinses; 7. derjenigen, welche die Besorgung fremder Geschäfte oder die Leistung von Diensten gewerbsmäßig be⸗ treiben, wegen ihrer gewerbsmäßigen Ver⸗ gütigungen und Auslagen; 8. der im Privat⸗ dienste Stehenden wegen Lohn, Gehalt oder anderer Dienstbezüge, sowie der Dienstberechtigten wegen etwaiger auf solche Ansprüche gewährten Vorschüsse; 9. der gewerblichen Arbeiter, Gesellen, Gehülfen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter, der Tag⸗ löhner und Handarbeiier wegen des Tage⸗ lohnes und anderer an dessen Stelle verein⸗ barter Leistungen, sowie wegen Auslagen für den Lehrling; 10. der öffentlichen Unterrichts-, Erziehungs⸗, Verpflegungs- und Heil-Anstal ten, sowie der Inbaber von Pridatanstalten solcher Art für die Ertheilung des Unterrichts, der Verpflegung oder Heilung und für die damit zusammenhängenden Aufwendungen; 11. der⸗ jenigen, die Personen zur Verpflegung und Er⸗ ziehung aufnehmen, wegen deßfallsiger Leistungen und Aufwendungen; 12 der öffentlichen Lehrer und Privatlehrer wegen ihrer Honorare mit Ausnahme der aufgrund besonderer Einrichtungen gestundeten Universitätshonorare; 13. der Aerzte aller Art, sowie der Hebammen für ihre Dienst⸗ leistungen; 14. der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, sowie aller Personen, die zur Besorgung gewisser Geschäfte öffentlich be⸗ stellt oder zugelassen sind, wegen ihrer Gebühren und Auslagen; 15. der Parteien wegen der ihren Rechtsanwälten geleisteten Vorschüsse; 16. endlich der Zeugen und Sachverständigen wegen ihrer Gebühren und Auslagen, sowie aber die Auslagen zu 1 und 2 zum Gewerbe⸗ betriebe und nicht lediglich zum Haushalte, die zu 5 zum Weiterbetriebe erfolgt sind, tritt erst vierjährige Verjährung ein.— Erst in vier Jahren verjähren die Rückstände von Zinsen, von Miets⸗ und Pachtzinsen, soweit sie nicht unter Nr. 6 fallen, von Renten, Auszugs⸗ (Alterteil⸗Leistungen, Wartegeldern, Ruhege⸗ hältern, Unterhaltungsbeiträgen und allen au⸗ deren regelmäßig wiederkehrenden Leistungen. Die Hilfe des heiligen Antonius. Der gute heilige Antonius von Padua hat sich schon wieder als Helfer in Examensnöten erwiesen. Die Lehrerinnen, die im ver⸗ gangenen Jahre die klerikale Privatlehrerinnen⸗ Bildungsanstalt von Reptschin bei Olmütz ver⸗ ließen, haben folgende von der„Wiener Ar⸗ beiter-⸗Zeitung“ in einem frommen Blättchen entdeckte Danksagung veröffentlicht: Unserm großen Wunderthäter, dem heiligen Antonius von Padua, sprechen wir hiermit für seine Hilfe bei den Reifeprüfungen unsern herzlichsten Dank aus. Schon längere Zeit hindurch pflegten wir uns mit der Bitte an ihn zu wenden, uns beim Lernen behllflich zu sein. Besonders im vierten Jahrgang erprobten wir Tach. 10 sich punderul Antonius herzliche uns Lehr die Cha trelen E belgen? Ole gebbe würdigen in 1 könnten denen A Cramen anlassen, Ein zu Nil borigen e nants Kei vom Juff nit Pist beiden Er Wiener Chrenget: duellieren die schwe kugel Kißling in die re Verblutu schossene Witwe e Sola Mordbul dienen, Der bon So ͤberfalle letzt wu beläftigt ihm ein storben Mörde keristen! keristen, und ihn erraten, Infanter machte, ber Thü Rewohnt Militär Der O 15. Inf ach den N den ungen 0 f L And stge⸗ und Jorst⸗ deug⸗ lacht⸗ Voten und wirte bon „der⸗ der⸗ näßig nigen, oder g be⸗ Ver⸗ ibat⸗ Oder ligten hlten ellen, Tag⸗ Tage⸗ erein⸗ für chts⸗ Ilten, cher der danit der⸗ 9 Er⸗ ingen ehrer mit ingen lezte lenst⸗ und die b be⸗ ühren del jüsse; digen so wie 455 , ie. t erst pier insen, nicht zun, hehe⸗ l dl gell. b. hat ölen. hel⸗ inel⸗ bel⸗ Ar⸗ chen er pull ilfe ten urch 1 0 seil. bil Nr. 1. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 3. nicht selten seine Macht und Hilfe, die oft be⸗ wundernswert waren. Ganz besonders zeigte aber unser lieber Heiliger bei den Prüfungen, wie mächtig er bei Gott ist. Wir maturierten in Prag— da unsere Privatanstalt bisher kein Oeffentlichkeitsrecht besitzt—, es prüften uns lauter unbeka nte Herren Professoren, weshalb wir uns vertrauensvoll an unseren Heiligen um Hilfe wendeten, wofür eine jede von uns irgend ein Geldopfer für seine Armen ver⸗ sprach. Und stehe! Uuser mächtiger Beschützer ließ sich nicht beschämen, denn er half uns be⸗ wunderungswürdig. Wir sagen dem heiligen Antonius von Padua dafür nochmals unseren herzlichsten Dank und versprechen, unter den uns Lehrerinnen anvertrauten Kindern stets die Ehrfurcht vor ihm zu verbreiten. Dem treuen Schutze des großen Wunderwirkers, des heiligen Antonius von Padua, empfehlen sich: Die gewesenen Zöglinge des Klosters der ehr⸗ würdigen Schwestern des heiligen Dominikus in Reptschin bei Olmütz.— Solche Erfolge könnten die schneidigen Korpsstudenten, denen Wissenschaft und selbst ein gelindes Examen ein Gräuel ist, am Ende noch ver— anlassen, katholisch zu werden. Neuer Duellmord. * Ein Duell mit tödlichem Ausgang erfolgte zu Mülhausen im Elsaß im Tannenwald am vorigen Samstag Nachmittag. Die Unterleut⸗ nants Kißling, Ernst und Schlabitz, alle drei vom Infanterieregiment Nr. 112, standen sich mit Pistolen gegenüber. Schlabitz hatte die beiden Erstgenannten gefordert, weil sie ihn im Wiener Café beleidigt haben sollen. Das Ehrengericht bestimmte, daß die Offiziere sich duellieren mußten. Die Bedingungen waren die schwersten. Schlabitz verletzte mit der ersten Kugel Leutnant Kißling am rechten Fuße, Kißling dagegen traf seinen Gegner Schlabitz in die rechte Brustseite und sofort trat innere Verblutung und rascher Tod ein. Der Er⸗ schossene war 28 Jahre alt, seine Mutter, Witwe eines Rittmeisters, lebt in München. Solange Duellanten nicht wie gemeine Mordbuben behandelt werden, wie sie es ver- dienen, hört die Duellmörderei nicht auf. Ein Soldat als Mörder. Der Fabrikant Lämmert in Köln, welcher von Soldaten des 16. Infanterieregiments überfallen und durch Bajonettstiche schwer ver— letzt wurde, als er einem von den Soldaten belästigten Mädchen zu Hilfe eilte, ist, nachdem ihm ein Bein amputiert worden war, ge⸗ storben. Zur selben Stunde wurde auch der Mörder entdeckt in der Person des Infan⸗ teristen Rokosty, der sich einem anderen Infan⸗ teristen, Namens Keßler, zu Füßen geworfen und ihn flehentlich gebeten hatte, ihn nicht zu verraten. Diesen Vorgang hatte ein dritter Infanterist beobachtet, der alsbald Anzeige machte. Die Untersuchung ergab, daß Rokosty der Thäter war und Keßler dem Ueberfall bei⸗ gewohnt hatte. Beide wurden unter starker militärischer Bewachung in Arrest abgeführt. Der Oberst und Regimentskommandeur des 16. Infanterieregiments hatte bei der Suche nach dem Thäter auf Regimentsbefehl sämtlichen Kompagnien des Regiments eröffnet, daß kein Soldat, solange der Thäter, der als Angehöriger des Regiments bezeichnet wird, nicht ermittelt sei, beurlaubt werde. Dieses Verbot, das stch auf Mannschaften wie auf Offiziere erstreckte, ist nach der nunmehrigen Ermittelung des Mörders aufgehoben worden. Kleine Mitteilungen. * Gießen. Am Mittwoch Abend 8 Uhr erfolgte auf freier Bahn zwischen den Halte⸗ stellen Großen⸗Buseck und Reiskirchen der Strecke Gießen⸗Fulda ein Zusammen⸗ stoß zweier Lokomotiven, wodurch beide erheblich beschädigt wurden. Von den auf den⸗ selben befindlichen Beamten wurden zwei schwer, drei leicht verletzt. Die alsbald in Angriff genommenen Aufräumungsarbeiten wurden am Donnerstag Vormittag beendet, sodaß die Züge wieder ungehindert verkehren können. Die Untersuchung ist eingeleitet. *r Gebildete Jugend. Der Gießener Polizeibericht meldet u. a.:„In der Nacht vom Samstag auf Sonntag trieben mehrere Stu⸗ denten in einer Wohnung der Ludwigstraße beim Zechen ihr Allotria dadurch, daß sie Flaschen und sonstige Gegenstände nach den Fenstern einer Nachbarswohnung warfen; damit nicht genug, schlug einer der⸗ selben an der fremden Wohnung eine wertvolle Fensterscheibe mittelst einer Hacke entzwei.“— Werden das später patentierte Staatsstützen werden und über die zunehmende„Verrohung der Arbeiterjugend“ raisonieren! n Schlitz. Zwecks Wahl eines Vor⸗ sitzenden muß am Sonntag Nachmittag eine Versammlung stattfinden. Es muß von vorn⸗ herein dafür gesorgt werden, daß nicht durch die Gleichgültigkeit eines Einzelnen das Auf⸗ blühen unseres jungen Vereins geradezu un⸗ möglich gemacht wird. Da unser Vorsitzender wiederholt nicht zur Stelle war, ihm also entweder das nötige Interesse oder die nötige Zeit mangelt, um seinen Posten richtig aus⸗ füllen zu können, müssen wir einen andern mit der Leitung des Vereins betrauen. Es wird um guten und pünktlichen Besuch der Versamm⸗ lung gebeten. k Marburg. Der 58 Jahre alte Land⸗ wirt Joh. Jost Scheld und dessen Tochter aus Mirinshausen, Kreis Biedenkopf, standen wegen Blutschande vor dem Landgericht. Das Urteil lautet gegen den Mann auf 1 Jahr 5 Monate Zuchthaus, gegen das Mädchen aus 5 Monate Gefängnis,— In Höringhausen, Amt Vöhl, schnitt sich eine Frau die Pulsader durch und hing sich noch obendrein auf. Der Tod trat schnell ein. a Die alte Geschichte: Ein Land⸗ briefträger wurde wegen Unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Diesmal vom Wetzlarer Schwurgericht ein Limburger Postsklave— das ist der einzige Unterschied von all den früheren und den noch kommenden Fällen. Der Entschuldigungsgrund war wieder der bekannte: der arme Mensch konnte Frau und drei Kinder nicht ernähren bei einem täg⸗ lichen„Gehalt“ von 2,20 Mark! * Verhafteter Poliz eikommissar. In Kiel wurde der Polizeikommissar Amelung wegen Verdachts des Meineids verhaftet, aber nach wenigen Tagen wieder entlassen. Die Uutersuchung wegen fahrlässigen Meineids ist eingeleitet. Amelung soll in einem Prozeß gegen den sozialdemokratischen Redakteur Lüt⸗ gens in Kiel„fahrlässig“ ausgesagt haben. Arbeiterbewegung. D. Eine Konferenz der Tabakar⸗ beiter von Gießen und Umgegend fand am ersten Weihnachtsfeiertag im Lokale des Herrn Orbig zu Gießen statt. Die Konferenz war von sechs Ortschaften besucht. Die Aufgabe der Konferenz bestand darin, Mittel und Wege zu finden, auch in denjenigen Ortschaften, wo noch keine Zahlstellen des Verbandes d. T.⸗A. bestehen, solche zu gründen. Es wurde etn Komitee von sechs Mitgliedern gewählt, dem die gesamte Agitation übertragen wurde. Weiter wurden für mehrere Ortschaften, wo noch keine Zahlstellen bestehen, die betreffenden anwesenden Kollegen als Vertraueusmänner bestimmt. Be⸗ klagt wurde die Interesselssigkeit der hiesigen Kollegen und Kolleginnen. Wie dringend not⸗ wendig der Zusammenschluß ist, zeigt folgendes eine Beispiel, dem leicht weitere beigefügt werden können. Einem Arbeiter in einer Gießener Fabrik wurde am Samstag vor Weihnachten bei der Lohnauszahlung— also gewissermaßen als Weinachtsüberraschung— erklärt, daß ihm der Herr Prinzipal den seither ausbezahlten Lohn von 60 Pfg. pro Hundert nicht mehr ausbezahle, sondern nur noch 55 Pfg. Passe ihm das nicht, so könne er gehen! Der betr. Arbeiter fügte sich. Sein Lohnausfall beläust sich von nun ab auf ca. 1,30 Mk. pro Woche. Was dem erwähnten Arbeiter passierte, kann jedem einzelnen von uns passieren, wenn wir nicht, in einer starken Organisation ver⸗ einigt, im stande sind, der Willkür der Herren Fabrikanten ein Ziel zu setzen. Nehmen wir uns deshalb ein Beispiel an der ausgezeichneten Organisation der Fabrikanten. Die wissen, daß Einigkeit stark macht— sie stehen sich gut dabei und wir müssen die Zeche bezahlen. Wer da glaubt, seinen Beitrag zur Organi⸗ sation„sparen“ zu können, ist im Irrtum. In Wirklichkeit spart er für die Fabrikanten und schädigt seine Kollegen. Hinein in die Organisation! * Ein sonderbares Resultat haben in Chemnitz die Wahlen der Vertreter zur gemeinsamen Ortskrankenkasse gehabt. Während bei der Wahl der Arbeitgeber⸗ Vertreter die Gewerkschaftsliste mit 54 gegen 13 Stimmen siegte, sind die Arbeit⸗ nehmer⸗Wahlen zu Ungunsten der klassen⸗ bewußten Arbeiterschaft ausgefallen.— Jeden⸗ falls haben sich die Arbeiter zu wenig um die Ortskrankenkasse gekümmert, weil sie zumeist noch den freien Hülfskassen angehören. Eine andere Erklärung dürfte es für den merkwür⸗ digen Wahlausfall im sozialdemokratischen Chemnitz kaum geben. Partei ⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, 31. Dezember: Schlitz. Arb.⸗Ver. Nachmittags pünktlich 5 Uhr bei Heinrich Trier. Wahl eines Vorsitzenden. Offenbach. Unser hiesiges Parteiorgan, das „Offenbacher Abendblatt“ feierte am„Heiligen Abend“ das Fest seines 25sährigeu Bestehens. Vor Weihnach⸗ ten im Jahre 1874 erschien die erste Nummer der Neuen Offenbacher Tageszeitung, wie das Blatt da⸗ mals genannt wurde. Es war ein sehr kleines Blatt und noch dazu anfangs nur ein Kopfblatt, das unter der Redaktion des Genossen Wilh. Blos gleichzeitig unter veränderten Titeln auch für Frankfurt sowie für Mainz erschien und in Frankfurt bei Gustav Laukert gedruckt wurde. Mancherlei Wandlungen, unter viel⸗ fachen Parteistürmen, machte das Blatt innerhalb der 25 Jahre durch. Im August 1875 übernahm Genosse Karl Ulrich die Redaktion und gleichzeitig wurde eine Genossenschafts⸗Druckerei in Offenbach gegründet, welche den Druck des Blattes besorgte. Unter der Leitung des Gen. Ulrich hat sich das Blatt allen Stürmen gewachsen gezeigt und überstand auch, allerdings unter den oft schwierigsten Umständen, das Sozialistengesetz. Mehr als zwei Jahre Gefängnis haben die verschiedenen verantwortlichen Redakteure insgesamt verbüßen müssen; Geldstrafen in hohen Beträgen hagelten nur so nieder. Aber die Kämpfe waren nicht vergebens und der beste Beweis, welche Erfolge von unserer Partei inzwischen hier errungen wurden, ist die erfreuliche Thatsache, daß am 23. Dezember der Antrag unserer Genossen im Stadtparlamente, die bürgermeisterlichen Bekannt⸗ machungen im Offenbacher Abendblatt zu veröffent⸗ lichen, einstimmig angenommen wurde; eine wohl⸗ verdiente Anerkennung zum 25. Geburtstage unseres Parteiorgans, dem wir ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen von Herzen wünschen. Tetzte Nachrichten. * Preußische Kultur in Ktautschou. Nachdem bekanntlich schon vor Jahr und Tag eine Verfügung über das Halten von Hunden erlassen und vor mehreren Wochen bereits der erste Preß beleidigungsprozeß stattgefu eden hat, der mit einer Verurteilung des Redaktenrs zu drei Wochen Gefängnis endete, wird jetzt über die erste Hinrichtung in Tsingtau berichtet. Der Hingerichtete war Mitglied einer chinesischen Räuberbande. Der„gepachtete“ gelbe Lands⸗ mann wurde an einen Pfahl gebunden und in Gegenwart vieler Tausende unserer schlitzäugigen „Freunde“ in Stinktau— Pardon! Tsingtau— von deutschen Soldaten erschossen. Sehr be⸗ dauerlich, daß deutsche Soldaten diesen traurigen Scharfrichterdienst versehen müssen. * Köln. Außer den Kruppschen Werken ist nunmehr auch, wie verlautet, den Akkumula⸗ torenwerken von Gottfried Hagen in Kalk bet Köln englischerseits eine Kriegs bestellung zugegangen. Bei dem letzteren Werk handelt es sich um 40 Tonnen(800 Zentner) Blei⸗ kugeln, zu deren schleunigster Herstellung das Werk eine angestrengte Thaͤtigkeit entwickelt. J 8 5 ——— 77 . f 1 8———— 5 * 8 8 5 5 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 1* . 1900. Mit des Morgens lichtem Glanze Brichst Du, neues Jahr, herein, Kommst Du auch mit Schwert und Lanze, Sollst uns doch willkommen sein. Willst Du uns mit Hoffen kirren, Werden sehen, ob sich's lohnt; Drohst Du uns mit Sporenklirren— Sind das Rasseln längst gewohnt. Bringst Du Freiheit, bringst Du Frieden— Du bei uns in Anseh'n stehst, Wenn es anders ist beschieden, Warten wir, bis daß Du gehst, Bringst Du Not und Nungerplagen, Bringst Du Leid und Kerkernacht— Werden keineswegs verzagen, Solches ward uns oft gebracht. Bringst Du Haß und Feindestücken— Immerzu! Bewehrt wir steh'n; Neues Jahr, in allen Stücken Kannst Du uns gerüstet seh'n. Grüßen Dich mit Glockenläuten! Was mit Dir empor auch stieg— Einst wirst Du uns doch bedeuten! Näher einen Schritt zum Sieg! Max Kegel. Das Abenteuer der Neujahrsnacht. Novelle von H. Zschokke. I. Mutter Käthe, des alten Nachtwächters Frau, schob am Sylvesterabend um 9 Uhr das Zugfensterchen zurück und steckte den Kopf in die Nacht hinaus. Der Schnee flog in stillen, großen Flocken, vom Fensterlichte gerötet, auf die Straßen der Restdenz nieder. Sie sah lange dem Laufen und Rennen der frohen Menschen zu, die noch in den hellerleuchteten Läden und Gewölben der Kaufleute Neujahrs⸗ geschenke einkauften, oder von und zu Kaffee⸗ häufern und Weinkellern, Kränzchen und Tanz⸗ sälen strömten, um das alte Jahr mit dem neuen in Lust und Freuden zu vermählen. Als ihr aber ein paar große, kalte Flocken die Nase belegten, zog sie den Kopf zurück, schob das Fensterchen zu und sagte zu ihrem Manne: „Gottliebchen, bleib' zu Hause, und laß den Philipp für Dich gehen! Denn es schneit vom Himmel, was es nur kann, und der Schnee thut, wie Du weißt, Deinen alten Beinen nicht gut. Auf den Gassen wird es die ganze Nacht lebhaft sein. Es ist, als wäre in allen Häusern Tanz und Fest. Man sieht viele Masken. Da hat unser Philipp gewiß keine Langeweile!“ Der alte Gottlieb nickte mit dem Kopfe und sprach:„Kätchen, ich bin damit einverstanden! Mein Wetterglas, meine Schußwunde über dem Knie, hat mir's schon zwei Tage voraus gesagt, das Wetter werde sich ändern. Billig, daß der Sohn dem Vater den Dienst erleichtert, den er einst von mir erbt. Nebenbei verdient hier gesagt zu werden, daß der alte Gottlieb vorzeiten Wachtmeister in einem Regiment gewesen, bis er bei Er⸗ stürmung einer feindlichen Schanze, die er als Erster im Kampfe für das Vaterland bestieg, zum Krüppel geschossen ward. Sein Haupt⸗ mann, der die Schanze bestieg, nachdem stie erobert war, empfing für solche Heldenthat auf dem Schlachtfelde das Verdienstkreuz und Be⸗ förderung im Range. Der arme Wachtmeister mußte froh sein, mit dem zerschossenen Bein lebendig davonzukommen. Aus Mitleid gab man ihm eine Schulmeisterstelle, denn er war ein verständiger Mann, der eine gute Hand⸗ schrift hatte und gern Bücher las. Bei Ver⸗ besserung des Schulwesens ward ihm aber auch die Lehrerstelle entzogen, weil man einen jungen Menschen, der nicht so gut als er lesen, schreiben einer von den Schulräten dessen Pate war. Den abgesetzten Gottlieb aber beförderte man zum Nachtwächter, und gab ihm seinen Sohn Philipp, der eigentlich das Gärtnerhandwerk gelernt hatte, zum Amtsgehilfen. Die kleine Haushaltung hatte dabei ihr kümmerliches Auskommen. Doch war Frau Käthe eine gute Wirtschafterin und sehr häus⸗ lich, und der alte Gottlieb ein wahrer Welt⸗ weiser, der mit wenigem recht glücklich sein konnte. Philipp verdiente sich bei dem Gärtner, in dessen Lohn er stand, sein täglich Brot zur Genüge, und wenn er bestellte Blumen in die Häuser der Reichen trug, gab es artige Trink⸗ gelder. Er war ein hübscher Bursche von sechsundzwanzig Jahren. Vornehme Frauen gaben ihm bloß seines Gesichts wegen ein Stück Geld mehr, als jedem andern, der eben solch ein Gesicht nicht aufweisen konnte. Frau Käthe hatte schon das Mäntelchen umgeworfen, um aus des Gärtners Hause den Sohn zu rufen, als dieser in die Stube trat. „Vater“, sagte Philipp, und gab dem Vater und der Mutter die Hand,„es schneit und das Schneewetter thut Dir nicht gut! Ich will Dich die Nacht ablösen, wenn Du willst. Lege Du Dich schlafen!“ „Du bist brav!“ sagte der alte Gottlieb. „Und dann habe ich gedacht, morgen sei es doch Neujahr“, fuhr Philipp fort,„und ich möchte morgen bei euch essen und mir gütlich thun. Mütterchen, hast vielleicht einen Braten in der Kücke „Das eben nicht“, sagte Frau Käthe,„aber doch anderthalb Pfund Rindfleisch, Kartoffeln und Gemüse, und Reis mit Lorbeerblättern zur Suppe. Anch zum Trunk noch ein paar Flaschen Bier. Komm Du nur, Philipp; wir könuen morgen hoch leben! Künftige Woche giebt es auch wieder Neujahrsgeld für die Nachtwächter, wenn sie teilen. Da können wir schon wohlleben!“ „Nun, desto besser für Euch! Und habt Ihr schon die Hausmiele bezahlt?“ fragte Philipp. Der alte Gottlieb zuckte die Achseln. Philipp legte Geld auf den Tisch und sagte: „Da sind zweiundzwanzig Gulden, die ich er⸗ spart habe. Ich kann sie wohl entbehren. Nehmt sie zum Neujahrsgeschenk! So können wir alle drei das neue Jahr wohlgemut und sorgenlos antreten. Gott gebe, daß wir es gesund und fröhlich durchleben! Der Himmel wird ferner für Euch und mich sorgen“. Frau Käthe hatte Thräuen in den Augen, und küßte ihn. Der alte Gottlieb sagte: „Philipp, du bist wahrhaftig der Trost und die Stütze unseres Alters! Gott wird dir's vergelten. Fahre fort, redlich zu sein und Deine Eltern zu lieben! Ich sage Dir, der Segen bleibt nicht aus. Zum Neujahr wünsche ich Dir nichts, als Dein Herz fromm und gut zu bewahren. Das steht in Deiner Macht. Dann bist Du reich genug. Dann hast Du Deinen Himmel im Gewissen“. So sprach der alte Gottlieb, ging und schrieb die Summe von zweiundzwanzig Gulden in's große Handbuch und sagte:„Was Du mir als Kind gekostet, hast Du beinahe schon ab⸗ bezahlt. Jetzt haben wir aus Deinen Erspar⸗ nissen schon dreihundertundsiebzehn Gulden empfangen und genossen“. „Dreihundertundsiebzehn Gulden!“ rief Frau Käthe mit großem Erstaunen. Dann wandte sie sich mitleidig zu Philipp und sagte mit weicher Stimme:„Herzenskind, Da jammerst mich! Ja recht sehr jammerst Du mich. Hättest Du die Summe für Dich sparen und zurücklegen können, so würdest Du jetzt ein Stück Land kanfen, für eigene Rechnung Gärt⸗ nerei treiben und die gute Rose heiraten können. Das geht nun nicht. Aber tröste Dich! Wir sind alt; Du wirst uns so lange nicht mehr unterstützen müssen“. „Mutter“, sagte Philipp, und runzelte ein wenig die Stirn,„was redest Du? Röschen ist mir zwar lieb, wie mein Leben. Aber hundert Röschen gebe ich für Dich und den Vater hin. Ich kann in dieser Welt keine Eltern mehr haben, als Euch, aber, wenn es und rechnen konnte, versorgen wollte, indem sein muß, wohl noch manches Röschen, obgleich ich von zehntaufend Röschen kein anderes, als Bittners Röschen möchte“. „Du hast recht, Philipp!“ sagte der Alte. alte, arme Eltern ehren und unterstützen, das ist Pflicht und Verdienst. Sich selbst opfern mit seinen Leidenschaften und Neigungen für das Glück der Eltern, das ist kindliche Dank⸗ barkeit. Das erwirbt dir Gotteslohn; das macht Dich im Herzen reich“. „Wenn nur,“ sagte Frau Käthe,„dem Mädchen die Zeit nicht zu lang, oder es Dir abtrünnig wird!— Denn Röschen ist ein schönes Mädchen, das muß man sagen. Sie ist freilich arm; aber an Freiern wird es ihr nicht fehlen. Sie ist tugendhaft und versteht die Haushaltung“. „Sei nur nicht bange, Mutter!“ versetzte Philipp. Röschen hat mir's feierlich geschworen, ste nehme keinen andern Mann, als mich; und das ist genug. Ihre alte Mutter hat eigentlich auch nichts an mir auszusetzen. Könnte ich heute mein Gewerbe selbstständig betreiben und eine Frau ernähren, morgen führte ich Röschen zum Altare; das weiß ich. Es ist nur ver⸗ drießlich, daß die alte Fran Bittner uns ver⸗ bietet, einander so oft zu sehen, als wir gern möchten. Sie sagt, das thue nicht gut. Ich aber finde, und Röschen findet es auch, es thue uns beiden gewiß sehr gut. Auch haben wir verabredet, uns heut' um zwölf Uhr vor der Hauptthür der Gregorienkirche zu sprechen; denn Röschen bringt den Sylvesterabend bei einer ihrer Freundinneu zu. Dann führe ich sie des nachts nach Hause“. Unter diesen Gesprächen schlug es im be⸗ nachbarten Turme drei Viertel. Da nahm Philipp den Nachtwächtermantel seines Vaters vom warmen Ofen, auf den ihn Käthe vor⸗ sorglich gelegt hatte, hing ihn sich um, nahm das Horn und den Spieß, wünschte den Eltern gute Nacht, und begab sich auf seinen Posten. II. Philipp schritt majestätisch durch die be⸗ schneiten Straßen der königlichen Residenz, auf welchen noch viel Volk umberwandelte, als wärs am Tage. Kutscher fuhren hin und her. Alles war in den Häusern hell und erleuchtet. Unsern Nachtwächter belustigte das heitere Leben. Er sang und blies im angewiesenen Stadtquartier die zehnte Stunde recht fröhlich ab, am liebsten und mit mancherlei Neben⸗ gedanken vor dem Hause unweit der Gregorien⸗ kirche, wo er wohl wußte, daß Röschen bei ihren Freundinnen war.„Nun hört sie mich,“ dachte er,„Nun denkt sie an mich, und vergißt vielleicht Gespräch und Spiel. Wenn sie nur um zwölf Uhr nicht bei der Kirchthür fehlt!“ Und als er seinen Gang durch das Stadt⸗ quartier gemacht hatte, kehrte er vor das ge⸗ liebte Haus zurück und sah nach den erleuchteten Fenstern von Röschens Freundinnen hinauf. Zuweilen sah er weibliche Gestalten am Fenster, dann schlug sein Herz schneller. Er glaubte Röschen zu sehen. Verschwanden die Gestalten, so studierte er die verlängerten Schatten an der Wand und Zimmerdecke, um zu erkennen, welcher Röschens Schatten sei und was sie thue. Es war freilich gar nicht angenehm, in Frost und Schnee dazustehen und Betrachtungen zu machen. Aber was fechten Frost und Schnee einen Liebhaber an! Und Nachtwächter lieben heutzutage so romantisch, wie irgend zärtliche Riiter der Vorwelt in Romanzen und Balladen. Er spürte den Einfluß der Kälte erst, als es elf schlug, und er von neuem die nacht⸗ wächterliche Runde beginnen sollte. Die Zähne klapperten ihm vor Frost. Er konnte kaum die Stunde ausrufen und dazu blasen. Er wäre gern in ein Bierhaus eingekehrt, um sich zu erwärmen. Als er nun durch ein einsames Nebengäß⸗ chen ging, trat ihm eine seltsame Gestalt ent⸗ gegen, ein Mensch mit schwarzer Halblarve vor dem Gesicht, in einen feuerroten Seidenmantel gehüllt, auf dem Haupt einen runden, seitwärts aufgeschlagen Hut, phantasttsch mit vielen hohen, schwankenden Federn geschmückt. Philipp wollte der Maske ausweichen. Diese aber vertrat ihm den Weg und sagte:„Du bist „Lieben und heiraten ist kein Verdienst; aber Gläsch Allagl. — 9 Statut, J. Okto unterzo — 2 — S= a Hr. S AW. e eee — — r gern Ich thue Wir der hen; bei ich he⸗ ahm ters bor⸗ ahm tern sten. Nr. 1. Alltel entsche Senntags, geitung. Seite 1. mir ein allerliebster Kerl, Du! Du gefällst mir! Wo gehst Du hin? Sag' mir's!“ Philipp antwortete:„In die Mariengasse, da rufe ich die Stunde!“ „Göttlich!“ rief die Maske.„Das muß ich hören! Ich will Dich begleiten! So was hört man nicht alle Tage. Komm Du nur, närrischer Kerl, und laß Dich hören; aber das sag' ich Dir, als Virtuose laß Dich hören, sonst bin ich nicht zufrieden! Kannst Du ein lustiges Stückchen singen?“ Philipp sah wohl, der Herr war ein wenig berauscht und vornehmen Standes, und ant⸗ wortete:„Herr, beim Glase Wein in warmer Stube besser als in solcher Kälte, die einem das Herz im Leibe erstarrt!“ Damit ging er seines Weges in die Marien⸗ gasse und sang und blies. Die Maske hatte ihn dahin begleitet und sprach:„Das ist kein Kunststück. Das kann ich auch, Du närrischer Kerl! Gib mir Dein Horn; ich will für Dich blasen und singen! Du sollst Dich halb zu Tode lachen!“ Philipp gab auf der nächsten Station den Bitten der Maske nach und ließ sie blasen und singen. Es ging ganz in Ordnung. So zum zweiten, zum dritten und zum vierten Male. Die Maske konnte nicht müde werden, Stell⸗ vertreter des Nachtwächters zu sein, und war in Lobeserhebungen seiner Geschicklichkeit un⸗ erschöpflich. Philipp lachte von ganzem Herzen über die wunderlichen Einfälle des lustigen Herrn, der vermutlich aus froher Gesellschaft oder von einem Balle kam, und sich mit einem Gläschen Wein über die gewöhnliche Höhe des Alltaglebens hinaufgestimmt hatte. E „Weißt Du was, Schätzchen? Ich hätte große Lust, ein paar Stunden zu nachtwächtern. Ist es diesmal nicht, so komm' ich in meinem Leben nicht dazu. Gib mir Deinen Mantel und breitkrempigen Hut; ich gebe Dir meinen Domino. Gehe in ein Bierhaus, trinke Dir ein Räuschchen auf meine Rechnung; und hast Du eins, so komm wieder und gieb mir meinen e zurück. Hier hast du ein paar Thaler Trinkgeld. Was meinst du, Schätzchen?“ Dazu hatte der Nachtwächter keine Lust. Die Maske ließ aber mit Bitten nicht nach, und als beide in ein finsteres Gäßchen traten, kam der Vertrag zu stande. (Fortsetzung folgt.) Sprüche zur Lebensweisheit. In allem Andern laß Dich lenken, Nur nicht im Fühlen und im Denken. * Mehr wert ist ein Irrtum, den Du selbst gefaßt, Als Wahrheit, die Du auswendig gelernt hast. * Wer das Rechte hat zu sagen, Weiß es recht auch vorzutragen. * Sitz' immer auf der linken Seit'! f Dort schlägt das Herz, auch das der Zeit. Sallet. Neu eingelaufene Schriften. Volkslexikon, Nachschlagebuch für sämtliche Wissenszweige; herausgegeben unter Mitwirkung von Fachschriftstellern von Emanuel Wurm; Verlag von Wörlein und Komp., Nürnberg. Soeben erschien das letzte, 8 ½ Bogen starke Heft. Das Werk umfaßt nun vier Bände und einen Regtsterband; letzterer enthält das Generalregister(an 100 000 Stichworte in alphabetischer Reihenfolge) und einen Nachtrag, in dem u. a. auch das neue Invaliden⸗ versicherungsgesetz mit aufgenommen wurde. Schon nach Erscheinen der ersten Bände erkannte unsere Parteipresse an, daß das Volkslexikon die ihm gestellte Aufgabe erfüllt: es liefert eine knappe, aber doch eingehende und für Arbeiterkreise verständliche Uebersicht über alle Wissenszweige, wobei es auf politischem Gebiete den sozialdemokratischen, auf naturwissenschaftlichem den darwinistischen Standpunkt einnimmt und besonders das berücksichtigt, was die arbeitende Bevölkerung interesstert. Außerdem enthält das Volkslexikon ein ganz ausführ⸗ liches Fremdwörterbuch, das in einer, bisher nirgends angewandten deutlichen Weise die Aussprache angiebt, gleichzeitig auch die Abstammung des Wortes und dessen Zusammensetzung mit anderen Sprachen, sodaß Ursprung und Bedeutung leichter verständlich werden. Zur Auffindung der einzelnen Stichworte(an 100 000) dient das Generalregister, welches als ein besonderes Bändchen erschien, um das Nachschlagen zu erleichtern. Die Kritik hat das Volkslexikon sehr günstig beurteilt. Das Volkslexikon ist durch jede Buchhandlung zu be⸗ ziehen. Es kostet hochelegant und dauerhaft gebunden in Halbfranz: Band I 6 Mk., Band II 7 Mk., Band III 6,50 Mk., Band IV 5 Mk., Generalregisterband 2,50 Mark, zusammen 27 Mk.; in Leinen: Pand I 5,40 Mark, Band II 6,40 Mk., Band III 6 Mk., Band IV 5.40 Mk., Generalregisterband 2 Mk., zusammen 24,30 Mk.— Es kann auch in 95 Lieferungen für Band I- IV und 6 Lieferungen für den Registerband à 20 Pfg. bezogen werden; auch sind die Original⸗ einbanddecken einzeln käuflich. Geschäftsgeist. Moritzche, spielst Du mit uns Feuerwehr?— Ja. Ich werd' aufnehmen de Feuerversicherungen!— Ortskrankenkasse Gießen. Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme, daß das Statut durch Beschluß der General-Versammlung vom 7. Oktober J. J. in folgenden Punkten einer Abänderung unterzogen worden ist: a)§ 8, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: b) d) 5 e)§ 18 wird ganz gestrichen. 10 Die Anmeldung muß enthalten den Vornamen und Zunamen, Tag und Ort der Geburt, sowie die Beschäftigung und derzeitigen Wohnort des Ange⸗ meldeten, den täglichen Arbeitsverdienst, welchen er zurzeit bezieht und die Angabe, ob und welche Fami⸗ lienangehörigen vorhanden sind. Bei§ 11 fällt der ganze Absatz 2 weg und kommt an dessen Stelle: Die An⸗ nnd Abmeldungen sind mittelst der jeweilig vorgeschriebenen Formulare zu bewirken. Bei§ 13, Absatz 2, soll es in Zukunft statt Kassen⸗ vorstand„Kassenverwaltung“ und statt Quittungs⸗ karte„Legitimationskarte“ heißen. § 14, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: Im Falle der Erwerbsunfähigkeit, vom 2. Tage nach dem Tage der Erkrankung ab, für jeden Arbeits⸗ tag unter Ausschluß der Sonn⸗ und gesetzlichen Feier⸗ tage ein Krankengeld in Höhe von 55% des in§ 13 festgesetzten durchschnittlichen Tagelohnes, jedoch vor⸗ behaltlich der Bestimmungen des§ 137 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 für die in§ 1, Ziffer 2, dieses Statuts bezeichneten Personen. Das Krankengeld soll jedoch bei mindestens vierzehntägiger Krankheits⸗ dauer vom Tage der Erkrankung an und für jeden gesetzlichen Feiertag, welcher nicht auf einen Sonntag fällt, vergütet werden; auch die Krankenunterstützung auf 26 Wochen ausgedeht werden, und zwar für die letzten 13 Wochen täglich die Hälfte des seither be⸗ zogenen Krankengeldes. Es erhalten demnach arbeitstäglich die Mitglieder der 115 Klasse Mk. 1.90 5 1.50 V»f]fg 7 IV. 1 77 1.— „ 9.05 0.50 7 1 9.32 lautet nunmehr wie folgt: Die Beiträge sind an jedem Montage für die be⸗ ginnende Woche fällig und werden vom Kassenboten Der Vorstand der Ortskrankenkasse Gießen. auf grund einer von der Kassenverwaltung aufge⸗ stellten Rechnung alle vier Wochen und nach näheren Bestimmungen des Vorstandes erhoben. g) S 37 erhält folgende Fassung: Für jedes Kassenmitglied wird eine Mitgliedskarte ausgefertigt, welche eine Angabe über die Höhe der Beiträge(§ 31) und der eintretendenfalls zu ge⸗ währenden Unterstützung enthält. Dieselbe wird bei der ersten Beitragszahlung dem Arbeitgeber eingehändigt, welcher solche sofort nach dem Eintrag des Beginnes der Beschäftigung an das Mitglied auszuhändigen hat. Bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses ist der Zeitpunkt des letzteren ebenfalls in die Mitglieds⸗ karte einzutragen. h) 11§ 42 lauten die zwei ersten Zeilen folgender⸗ maßen: Vorbehaltlich der Bestimmung des§ 58 über die dem Geschäftsführer, dem Rechner und soustigen Be⸗ amten zu gewährende Vergütung. i) In§ 47 heißt es nunmehr statt Rechnungsführer: „Geschäftsführer, Rechner und sonstigen Beamten“, und statt der von demselben zu stellenden Kaution: „der von dem Rechner zu stellenden Kaution“. k) In 8 58 heißt es nunmehr statt Rechnungs⸗ und Kassenführer:„Geschäftsführer, Rechner und sonstigen Beamten“; und statt die ihm für seine Mühewal⸗ tung:„die denselben für ihre Mühewaltung“; und statt der von ihm zu stellenden Kaution:„der von dem Rechner zu stellenden Kaution“. J) In 8 61 heißt es nunmehr statt Rechnungs- und Kassenführer„Geschäftsführer“. m) Bei§ 62 fallen die Worte Rechnungs- und Kassen⸗ führer weg und kommt an deren Stelle:„Rechner“. n) Dem 8 67 wird noch hinzugefügt: und ev. in einem Se jeweilig vom Vorstande zu bestimmenden rgan. o) Bei§ 68 fällt das Wort Quittungsbuch weg und kommt an dessen Stelle:„Legitimationskarte“. p) Gemäß 8 57, Absatz 8, wird in Zukunft eine Mehr gebühr von 10 Pfg. erhoben. Die Aenderungen des§ 14 treten mit Wirkung vom 1. Januar 1900 in Kraft. Schuhwaren Herren⸗ und Knabenkleider Regensehirme Stõcke Herrenuwäsche Crauvatten Haus⸗ und Küchengeräte Porzellan, Glas Steingut Emaille⸗ und Blechgeschirr Soling. Stahlwaren Spielwaren und Puppen aller Art Puppen⸗ und Leiterwagen Steh⸗, Wand⸗ u. Hängelampen Nippes⸗ und Luxuswaren Lederwaren aller Art Korb⸗ und Holzwaren Christbaum⸗ schmuck und Lichter vom einfachsten bis zum fein⸗ sten Genre kauft man zu enorm billigen Preisen in nur guten Qualitäten im Kaufhaus S. 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Frau IES SEN. dauerns zurück. Löhnberg, 5. Dezember 1899. Jost Benner. Neujahrs-, Geburtstags⸗u. Ansichts⸗ Bern. Salmen FF Marburg, Wehrderweg empfiehlt Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche! Georg Koch, Uhrmacher Flaschenbier hell und dunkel 20 ganze Flaschen Mk. 3.— 40 halbe 77 7 3.— frei ins Haus. karten in groß. Ausw. Jul. Bäcker-Ball 1899/1900. Sonntag, den 31. Dezember(Sylvesternacht) im Saale des CTafé Leib Anfang 3 Uhr. Anfang 3 Uhr. Herrenkarten à 1 Mk. sind an der Kasse zu haben. Damen ohne Karten haben keinen Zutritt. Der Vorstand. 2 Fir Magenleidende! 2 Allen denen, die sich durch Erkältung oder Ueberladung des! Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu kalter Speisen, oder durch unregelmäßige Lebens⸗ weise ein Magenleiden, wie: Magenkatarrh, Magenkrampf, Magen⸗ schmerzen, schwere Verdauung oder Ver⸗ schleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen dessen vorzügliche heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdauungs⸗ und Blutreinigungsmittel, der Bräutigam, Bleichstr, 21. ssoser grad in 1, ½, 1 Flaschen der Firma Erste Taunuscognad-Breuner. Fe eee een Fritz Scheller Söhne, Homburg. 18 18 Meiner werten Kundschaft von Gießen u. Umgegend Justus Benner Schuhmachermeister, Marktstr. 34. Anerkanntfeinsteqtarke. Nr. 1 per Flasche M. 4— 7 77 7 die herzl. Glückwünsche„:„ 27 . 75„ 1.80 zum Jahreswechsel! 3 Alleinige Niederlage: Heuchelb. Consum-Halle Inh. H. Schmidt Heuchelheim b. Gießen 92— ̃ͤ Gratulationskarten in reichster Auswahl empfiehlt H. Schneider. Buchholg. Gießen, Sonnenstraße. Hubert Ullrich'sche Kräutet-Wein. bvieser Bräuter⸗Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befun denen Bräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsore anismus 5 des Menschen, ohne ein Absührungsmittel zu sein. Bräuter⸗Wein beseitigt alle Ztörungen in den Flut⸗ gefäßen, reinigt das Zlut von allen verdorbenen, krankmachenden gloffen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Flutes.„ Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter⸗Weines werden Magen übel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen seine Anwendung allen anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zer⸗ störenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopf- 5 schmerzen, Aufstossen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren unangenehme Folgen Stuhlverstopfung wie: Beklemmung, Kollkschmerzen Herzklopfen, Schlaflosigkelt, sowie Blutanstauungen, in Leber Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidallelden) werden durch Kräuter⸗Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter⸗Wein behebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untaug⸗ lichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleich. Aussehen, Blutmangel, 3 sind meist die Folge schlechter Verdauung Entkräftung mangelhafter Blutbildung und eines krank⸗ haften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetltloslgkelt, unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Mächten, siechen oft solche Krank langsam dahin. 2— Kräuter⸗Wein giebt der geschwächte Lebenskraft einen frischen Impuls. 8 Kräuter⸗Wein steigert! den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut⸗ bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken eue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter⸗Wein ist zu haben in Flaschen à 1. 1.25 Ju. 1.75 in: Gießen, Großen⸗Linden, Wetzlar, Fron⸗ hausen, Braunfels, Butzbach, Brandoberndorf, Gladen⸗ bach, Weilburg, Groß⸗Buseck, Allendorf, Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Bad⸗Nauheim, Marburg usw. 22 in den Apotheken. 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Die ge gemacht Die be mittel in! Darum für die Milt Die di el. In Sunilhll Cute 5 Masse de gunsten 9 die Agrar zur Hand die Regie delez und sch de