dungs. dungs, wunsch⸗ und ate ei Vorwärtsschreiten. 712 Nr. 5. Gießen, Sonntag, den 29. Jannar 1899. ie Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Jonntags⸗ Mitteldeutsche 1 Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 2 If. Abonnementspreis: Bestellungen JFuserate Die„Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung“ kostet durch unsere nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expe⸗ finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.] dition in Gießen, Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestenz b Durch die Po st bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch[ Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25ö, die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312 a.) 33½¼% und bei mindestens 12mal. ee e Jeder Briefträger nimmt Bestellungen auf die„Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung“ an und liefert dieselbe für die beiden Monate Februar und März frei ins Haus für 60 Pfg. Bei unseren Spediteuren bestellt, wird die „Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ frei ins Haus geliefert für monatlich 25 Pfg. Am zweckmäßigsten bestellt man die„M. S..“ In Gießen: Bei der Expedition, Sonnen⸗ straße 5, oder bei den Wirten C. Orbig, Rittergasse, L. Löb, Kaplansgasse, Thoma, Bahnhofstraße. In Marburg: Bei den Wirten C. Müller, Hirschberg 12, D. Jesberg, Wehrdaer Weg. In Wetzlar: Bei A. Fauth, Schleußenstr. Wir bitten den auf dieser Seite unten rechts befindlichen Bestellzettel auszufüllen und an eine der obigen Adressen zu befördern. Verlag der„M. S.⸗Ztg.“ Eure Pflicht! Eine Mahnung an das arbeitende Volk. * Wacher Kämpfer bedarf die Zeit, Kämpfer, deren Willen gestählt ist, deren Geist gelernt hat, die Wege zu erkennen, die zu einer höheren Zukunft führen. All' die Schlaffen und Schlafenden, die Urteilslosen und Urteilsfeigen, die Unwissenden und Willenserweichten, sie alle hemmen den gewaltigen Befreiungskampf, in dem das Proletariat der Welt die Erlösung erstreitet. Die Stunden rinnen unaufhaltsam, aber wehe der leeren Stunde, die nichts enthält an fruchtbarer Arbeit, die der Kultur nicht ge⸗ dient und die Menschen vorwärts, aufwärts gedrängt hat. Das ist die heiligste Aufgabe: die Zeit zu erfüllen, ihren Sinn zu erkennen, ihrem Drängen zu dienen, sie zu erfüllen mit jener mühsamen, aber auch verheißungsvollen und beglückenden Arbeit, die niemals verloren sein kann, weil sie notwendig ist für das Neue, Größere und Reinere, das werden muß. Mehr denn je ist der kulturelle Müßig⸗ gang, das blöde Hindämmern, die lärmend⸗ geschäftige Nichtsthuerei, heute das Schand—⸗ zeichen einer sinkenden Welt, einer verlorenen Gesellschaft. Mit glatten Phrasen, fahlen Scherzen und schneidigen Exerzier⸗ platzwendungen suchen die Herrschenden den Schein zu erwecken, als ob sie ihre Aufgaben erkennten, als ob sie erleuchtet wären, über das, was not thut. Sie regieren von Tag zu Tag, von Fall zu Fall, von der Hand in den Mund, vielleicht auch vom Mund in die Hand. Das Plötzliche wird das einzige Prinzip dessen, was sie handeln nennen. Täglich wird die Unschlüssigkeit, die Zerrissenheit, die Ziellosigkeit größer. Kein neuer Gedanke, kein sicheres Wo aber die Idee fehlt, da stellt sich das rücksichtslose gierige Interesse als Herr und Leiter aller Entscheidungen ein. Darum mehren sie unablässig den kultur⸗ vernichtenden Militarismus, der neuer⸗ dings im Marinismus einen gleich hungrigen Gefährten erhalten hat, und indem des Christentums frömmelnd preisen, rüsten sie in riesigem Umfange die Organisation des legitimen Totschlags. Darum thun sie nichts, um der Verelendung des Volkes, dem unter das Joch des Kapitalis⸗ mus gezwängten Proletariat das schwere Los zu erleichtern, soweit es unter den Bedingungen der heutigen Gesellschaft möglich ist. Die Sozialreform, von der man einst Hymnen sang, ist verstummt. Sie hat sich als nicht rentabel für den politischen Stimmen⸗ fang erwiesen— also weg mit dem Plunder! Der Profit darf nicht genieret werden. Dabei fühlen sie schaudernd, wie eine neue gewaltige Macht über sie hinauswächst, und ihr Haß und ihre Ohnmacht denunziert die Freiheits- kämpfer, auf deren Erfolge doch alle Hoffnung beruht, als den inneren Feind. Gegen den inneren Feind werden die Bayonette geschmiedet, die Richter und die Verwaltungsbeamten scharf gemacht. Mit blinder Leidenschaft suchen sie die Quellen zu zertreten, aus denen der innere Feind seine unüberwindliche Kraft zieht: das freie Wort, das Versammlungs⸗ und Vereinsrecht, das Reichstagswahlrecht und das Streben nach Besserung der Lebens erhaltung. Das verhaßte Koalitions recht soll an den Mauern des Zuchthauses zer—⸗ schellen. Majestäts⸗Beleidigungs⸗ Prozesse, Ausweisungen, Konfiskationen, Maßregelungen, Hau- und Hieberlasse, reaktio⸗ näre Gesetzmacherei aller Art— das sind die Ruhmesthaten des Feldzuges gegen den inneren Feind. Und nicht besser wie die Offiziere sind die Truppen. Um das Banner wider den inneren Feind scharen sich die Junker und die Großindustriellen. Eigentlich ist ihnen alles gleichgiltig. Der Inbegriff ihres Sinnens ist der Profit und nichts als der Profit. Billige und willige Knechte, billige und willige Arbeiter wollen sie. Sie suchen den inneren Feind auszuhungern. Regie⸗ rung und Staat ist ihnen nichts weiter, als Organ zur Sättigung ihrer Begierden, und die ekle Nacktheit ihrer Selbstsucht hüllt sich nur notdürftig in den Flittermantel byzantinischer Heuchelei. Einst gab es noch ein aufrechtes Bürger⸗ tum, das den reaktionären Gelüsten Widerstand leistete. Wohin ist diese Bürgerherrlichkeit ge⸗ schwunden? Der Klein bürger wird erdrückt durch die Last seiner Sorgen, und in stumpfem Groll erwartet er von Wundern und Zaubertränken die Rettung vor der kapitalistischen Konkurrenz, er erwartet, unklar und thöricht, Hilfe von einer Besteuerung der Warenhäuser, wenn nicht gar von einem Verbot der— Maschinen. ö Der Großbürger schmunzelt müde in feistem Behagen. Was geht ihn Kampf und Streit an! Hat man nicht schon genug Auf⸗ regungen mit der Frau, den Kindern, dem Dienstmädchen, von den Strapazen der Früh⸗ und Dämmerschoppen, den kleinen Krakehlereien im„Museum“,„Klub“ oder„Kasino“ ganz zu schweigen. sie die Liebe ei Emal. Bestellung lufgabe 50% Rabatt. 0 — . 2 Feinde ringsum! Wachsam und pflichtbewußt zu sein, ist jetzt die oberste Aufgabe aller derer, die an einer besseren Zukunft mitarbeiten wollen. Tagtäglich ziehen die Steifleinenen in den Amtsblättern vom Leder gegen das arbeitende Volk. Für die fetten Bissen, die ihnen in Gestalt von Inseraten zugeworfen werden, müssen sie alles loben, was von oben kommt, alles verunglimpfen, was im Interesse der unteren Volkskreise verlangt wird. Andere Blätter machen in„Unparteilich⸗ keit“. Sie schmeicheln heute nach unten und winseln morgen um die Gunst der oberen. Das Geschäft geht ihnen über alles, sie wollen Geld verdienen, viel Geld. Und für Geld ver⸗ raten sie alles, was dem arbeitenden Volke lieb und teuer ist. Wieder andere Zeitungen umschmeicheln das Volk, geben zu, daß die werkthätige Bevölkerung unter der furchtbaren Last, die uns der Milita⸗ rismus auferlegt, schier zusammenbricht. Und als Abhilfs mittel empfehlen sie dann— mehr Soldaten, mehr Kanonen, mehr Panzerschiffe. Sie wollen Deutschland größer machen, das Reich soll Kolonial⸗ politik treiben, Millionen für Sandwüsten opfern, damit es besser werde für das ar⸗ beitende Volk! Alle diese Blätter können nur bestehen, weil sie auch Eingang in den Kreisen des arbeitenden Volkes gefunden haben. Arbeiter lesen und bezahlen Zeitungen, in denen sie verhöhnt und beschimpft, in denen sie sozusagen täglich geohrfeigt werden. Und Arbeiter, die im Militarismus und Marinismus die furchtbarsten Volksgeißeln er⸗ kannt haben, bezahlen und lesen Zei⸗ tungen, die Reklame für neue Mord⸗ waffen machen! e Sie spicken die Kriegskasse ihrer schlimmsten Feinde! Es ist traurig, aber wahr, und die Wahrheit muß unter allen Um⸗ ständen gesagt werden, auch wenn sie unangenehm klingt.. And warum finden jene feindlichen Blätter auch in Arbeiterkreisen so viele Leser? Weil sie allen Stadtklatsch bringen und weil sie jeden Samstag erzählen, wer geboren, wer ge⸗ storben ist und wer sich verheiratet hat. Es wäre ja auch schrecklich, wenn in Wetzlar, Marburg EPE ˙ Acc Bestell⸗Zettel. Ich bestelle hiermit die „Mitteld. Jonntags⸗Zeitung.“ Dieselbe soll in meine Wohnung gebracht werden. (Nicht zutreffendes durchstreichen.) Ich will dieselbe abholen und zwar Wöhhhnnggs r——— r 5 ä eee eee 5 22 — — . cee eee — — ö g erwirbt sich die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ Seite 2 Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 10 Nr. 5. oder Gießen ein Droschkengaul gefallen wäre und Herr oder Frau Piepenbrink würden das nicht erfahren. Und wie schauderbar, anzunehmen, daß vielleicht Frau Schulze zum fünften Male ihren Gatten mit einem gesunden Sohn beschenkt und Frau Müller würde das nicht in der Zeitung lesen. Aus dem Haus mit all diesen Blättern! Wer sie liest und bezahlt, ver⸗ größert den Einfluß des Feindes. Pflicht eines jeden Arbeiters ist es, für Aufklärung in den Kreisen seiner Klassengenossen zu sorgen. Das beste Aufklärungsmittel ist die so zial⸗ demokratische Presse. Sorgt dafür, daß diese in keinem Arbeiterheim fehle. Gebt die M.⸗S.⸗Ztg. weiter und ladet zum Abonnement ein. Wem ein wöchentlich einmal erscheinendes Blatt nicht genügt, der bestelle das„Volksblatt für Hessen“, in Cassel erscheinend, oder das Frankfurter Parteiblatt, die„Volksstimme“. Vor allen Dingen säubert die Arbeiter⸗ wohnungen von der gegnerischen Presse! Wer nicht mit uns ist, ist wider uns. Und wer den Gegner unterstützt, ist ein Ver⸗ räter an der Sache des werkthätigen Volkes. Parteigenossen in Stadt und Land: Erfüllt Eure Pflicht! Agitiert und organisiert! Organisiert den sogenannten inneren Feind, der nichts wissen will vom brudermordenden Militarismus. Orga⸗ nisiert den inneren Feind, der unter der Purpur⸗ flagge kämpft, die in goldenen Buchstaben die Devise trägt: Für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Die Trunk sucht. el. In bürgerlichen Kreisen werden immer wieder von Neuem Klagen über die Trunksucht und deren verherende Folgen in dem arbeitenden Volke angestimmt. Die Arbeiter seien zum großen Teil selbst daran schuld, wenn sie in Not, Elend und Krankheit gerieten; denn wenn der Gatte und Vater dem Trunke ergeben sei, seinen Wochen⸗ lohn zum Teil ins Wirtshaus trage, dann müßten Frau und Kinder darben, er selbst müße in Schulden geraten und der Untergang der Familie sei unabwendbar. Woher aber stammt denn das Laster der Trunksucht? Ist sie die Ur sache der traurigen Lage der arbeitenden Klasse, oder deren Folge? Die Beantwortung dieser Frage umgehen die Leute, welche die Ar⸗ beiter anklagen, dem Laster der Trunkenheit zu fröhnen, geflissentlich. Suchen wir sie im Folgen⸗ den kurz zu geben. Es ist eine altbekannte, feststehende Tatsache, daß da, wo die Bevölkerung in den elendesten Verhältnissen lebt, die Trunksucht am ver⸗ breitetsten ist. So herrschtsie unter den am niedrigsten gelohnten Arbeitern Londons, so in vielen Gegenden Belgiens, wo zu ihrer Be⸗ kämpfung sich Parteigenossen zusammengethan haben, so unter der Landbevölkerung Oberschlesiens, so vor Allem in Rußland. Je ärmer die Leute sind, um so größer ist die geistige Armut, und um so größer ist auch der Schnapsverbrauch. Hebt sich die Lage der Bevölkerung, wie in vielen Berufszweigen augenblicklich in Deutsch⸗ land, so geht, wie die Statistik beweist, der Schnapskonsum zurück. Bricht aber, was Arco ueberall Freunde schnell. Frisch und leichtverständlich geschrieben appelliert sie an Verstand und Herz des Leses— im Gegen⸗ be zu den gegnerischen Blättern, die auf die Dumm⸗ eit und den Geldsack ihrer Abnehmer spekulieren. Jedermann aus dem Volke ist im Stande, sich durch die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ auf dem Laufenden zu erhalten, obgleich sie wöchentlich nur einmal erscheint. Frei von allem unnützen Ballast, bringt die„M. S.⸗Ztg.“ nur das, was wirklich für das schaffende Volk von Interesse ist und was jeder⸗ mann wissen muß. eee Man benütze diesen Zettel zur Anmeldung neu ge⸗ wonnener Leser. Soweit unser Vorrat reicht, liefern wir neuen Abonnenten den Anfang des Romans „Vom Stamm gerissen“ gratis nach. zu erwarten steht, eine wirtschaftliche Krise aus, sinken die Löhne, nimmt die Arbeitszeit zu, dann herrscht auch wieder der Schnapsteufel, denn der Schnaps ist, wie eine englische Schrift⸗ stellerin einmal äußerte, der einzig e Freund der Armen, Elenden, Verlassenen und Ausge⸗ gestoßenen aus der menschlichen Gesellschaft. Wo die Mittel zur Beschaffung kräftiger Nahrung fehlen, tritt der Fusel an deren Stelle. Die Folgen sind dann die Entartung des Volkes und Säuferwahnsinn, der wiederum eine Reihe Ver⸗ brechen erzeugt. Sehr zutreffend sagt Prof. Rosenthal in Erlangen:„Der Mißbrauch des Alkohols wird veranlaßt durch das in unsern sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen be⸗ gründete Bedürfnis nach Genusmitteln, haupt⸗ sächlich durch die ungenügende Ernährung eines großen Teils der Bevölkerung. Die Bekämpfung der Trunksucht muß in erster Linie geschehen durch Hebung der wirtschaftlichen Lage der unteren Volksklassen. Alles, was die Ernährung erschwert, Steuern auf notwendige Lebens be⸗ dürfnisse, wie Brot, Fleisch, Beleuchtungs⸗ mittel, u. s. w., treibt eine große Zahl von Menschen zum Alkoholgenuß und befördert da⸗ mit seinen Mißbrauch. So lange es nicht mög⸗ lich ist, das Bedürfnis nach Alkohol zu beseitigen, ist es im Interesse des Volswohles durchaus nötig, den Genuß billigen Bieres zu begünstigen.“ Genügendes Einkommen, Schutz vor Ueber⸗ arbeit und gesunde Arbeitsräume sind die wirk⸗ samsten Mittel gegen den Schnaps. Wer das Wirtshausleben der Arbeiter als verderben⸗ bringend hinstellt, vergißt, daß der Arbeiter, so lange er keine uneingeschränkte Versammlungs⸗ freiheit genießt, in dem Wirthaus die einzige Stätte findet, wo er mit seinesgleichen über sein e Lage sich beraten kann. Das will man aber ge⸗ rade, wenn nicht anderes, so mit Hilfe der Poli⸗ zei, verhindern. Die Mäßigkeitsapostel rechnen dem arbeitenden Volke vor, wie viele Millionen es jährlich für die schädlichen Spirituosen aus⸗ giebt. Man blickt mit Verachtung auf den stark berauschten, wankenden Arbeiter, der nur zu leicht der Polizei in die Hände fällt. Vornehmen Leuten kann das freilich nicht passieren. Haben sie zu viel Champagner getrunken, dann fahren sie in einer Droschke nach Hause. Wir sagten bereits, daß es vielfach die Ge⸗ sundheitsschädliche Arbeit sei, welche die Arbeiter zum Alkoholgenuß förmlich zwingt. Tapezierer und Polsterer müssen in Räumen arbeiten, wo die Luft mit Staub und kleinen Teilchen pflanz⸗ licher Stoffe so dick angefüllt ist, daß es unmög⸗ lich ist, den Raum zu übersehen. Die Folge davon sind Katarrh und Schwindsucht. Die Gesundheitsverhältnisse in den Vergolderwerk⸗ stästen sind geradezu eine Schande für unsere Zeit. Die Werkstätten sind im Winter unnatür⸗ lich geheizt und im Sommer werden, um jeden Luftzug zu rechindern, Fenster und Thüren dicht verschlossen. Längeres Verweilen in solcher Räumen ist gleichbedeutend mit direkter Ver⸗ giftung. In vielen andern Industriezweigen atmet der Arbeiter solche Mengen von Metall⸗ teilchen und andern Staub ein, daß die Zer⸗ störungen der Lungen in wenigen Jahren unver⸗ meidlich ist. In den Gießereien, in Schmieden, in den Schwitzkästen der Möbelfabriken ist der Arbeiter gezwungen, bei einer furchtbaren Hitze auszuhalten, ohne jede andere Erleichterung, als große Mengen Wasser zu trinken, welcher Genuß wieder unnatürlichen Schweiß hervorruft. Die Folge dieser Arbeit sind große körperliche Er⸗ schlaffung, und unnatürlicher Durst. Dazu kommt noch, daß vielfach außer dem Arbeiterraume kein Platz vorhanden ist, wo der Arbeiter sich waschen kann. Ist es da zu verwundern, wenn er sich in die nächste Wirtschaft begiebt, um einen Luft⸗ wechsel zu genießen und seinen vom Staube trockenen Hals mit einem Glase Bier anzufeuchten? Am Abend verläßt er seinen Arbeitsplatz, erschöpft an Geist und Körper, unzufrieden mit seinem geringen Lohn und niedergeschlagen in dem Bewußtsein, daß die Erfahrungen des ver⸗ flossenen Tages sich so lange wiederholen werden, als er im Stande ist, seinem Arbeitgeber Mehr⸗ wert zu liefern. Unter diesen Umständen ist es nicht überraschend, wenn er wieder in der Wirt⸗ schaft seine Zuflucht sucht, wo er in Gesellschaft N seiner Leidensgenossen über Arbeits- und politische Zustände sich aussprechen kann. Wer die Trunksucht wirksam be⸗ muß unsere gesell⸗ schaftlichen Verhältnisse umgestalten helfen. Es ist durchaus zwecklos, etwas anderes kämpfen will, in Vorschlag zu bringen. Die Arbeiterwohnungen müssen gesund, d. h. mit genügend Raum, Luft und Licht gebaut werden; die Arbeitszeit muß verkürzt werden, daß dem Arbeiter hinreichend Muße und Kraft zu geistigem Genuß in Lese⸗ hallen, zur genossenschaftlichen Arbeit in den Gewerkschaften und vor Allem zu einem häus⸗ lichen Leben bleibt. Gebt dem Arbeiter mehr Lohn, und er wird auf eine höhere gesellschaft⸗ liche Stufe gehoben, behandelt ihn nicht als Ausbeutungobjekt, und er wird anfangen sich als Mensch zu fühlen und zu bestätigen. Ist darauf unter der Herrschaft des Kapitalismus zu hoffen? Wir bezweifeln es nach den gemachten Erfahrungen. Rettung bringt auch hier nur der Sozialis mus. Politische Bundschau. * Gießen, den 27. Jannar. Maulkorb für Volksvertreter! Der konservative Vizepräsident im Reichstag, von Frege, erklärte das Wort„Schreck⸗ gespenst“ für unparlamentarisch. Der konservative Präsident im preußischen Abgeord⸗ netenhause, von Kröcher, erklärte das vom Abg. Richter gebrauchte Wort„Eiertanz“ gleichfalls für unparlamentarisch und rief den Abg. Richter zur Ordnung, trotzdem ein Minister vorher dasselbe Wort Richter gegen⸗ über gebraucht hatte. Aber das großartigste leistet sich doch der ehemalige Kürrassier und jetzige Zentrumsabg. Graf Ballestrem, der Reichstagspräsident. Er unterbrach den frei⸗ sinnigen Abgeordneten Wiemer, als dieser von der Oeynhausener Kaiserrede sprach, und stellte die Grenzen fest, in welchen er die Besprechung kaiserlicher Aeußerungen gestatten will. Diese Grenzen sind sehr eng gezogen und es wird Sache der Oppo⸗ sition sein, sich gegen diese Grenzen zu wehren. Gerade in heutiger Zeit muß dem Reichstag seine Eigenschaft als Zufluchts⸗ stätte für das sonst obdachlose freie Wort doppelt gewahrt werden. Das wäre ja noch 2 1 1 0 1 1 0 1 1 schöner, wenn selbst den Vertretern des Volkes 1 ein Maulkorb umgeschnallt werden sollte. Erschreckende Zeichen der Zeit. Als eine Art Mißtrauens votum des preußi⸗ schen Justizminister gegen das Reichsgericht wird im„Reichsboten“ die Ernennung des Landgerichts⸗ präsidenten Wyszomirski in Beuthen zum Reichs⸗ gerichtsrat hingestellt. Das Landgericht Beuthen hatte im September den sozialdemokratischen Vertrauensmann Dylong aus Königshütte, der ein von ihm nicht ver⸗ faßtes, aber vor der Verteilung gelesenes polnisches Wahlflugblatt in Kattowitz und Umgegend verbreitet hatte, wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Landgericht in Posen erkannte wegen Verbreitung des⸗ selben Flugblatts, das nach Ansicht der Beuthener Richter die Zoll- und Steuergesetzgebung, die Gesindeordnung und den Reichstag verächtlich gemacht haben soll, auf nur hundert Mart Geldstrafe. Auf die Revision des Angeklagen Dylong hob das Reichsgericht das Urteil des Landgericht Beuthen auf indem es an dem ⸗ selben eine ungewöhnlich scharfe Kritik üste. Das Beuthener Urteil, so erwog das Reichsge⸗ richt(i) enthalte so viele Unfertigkeiten, daß es nicht aufrechterhalten werden könne. Es lasse zu⸗ nächst jeden Aufschluß darüber vermissen, ob das Gericht selbst sich über die Grenze zwischen der Behauptung von Thatsachen und der Kritik bezw. dem Ausspruch eines Urteils klar geworden sei. Bei der Steuergesetzgebung sei zwar das Wissen des Angeklagten angenommen worden; dies könne aber das Urteil nicht tragen, zumal bei der exorbitant hohen Strafe noch andere Momente maßgebend gewesen sein müßten. Nach dem„Leipz. Tagebl.“ hatte der preußische Justizminister über dieses Urteil des Reichsgerichts Bericht eingefordert.„Wenn nun der Präsident dieses vom Reichsgericht ge⸗ tadelten Landgerichtes jetzt selbst zum Reichs⸗ gerichtsrat ernannt wird, so scheint es nicht, daß die ministerielle Nachprüfung zu seinen Ungunsten ausge⸗ schlagen ist.“ In der Zeit der Zuchthausvorlage, der Bielefelder und Oeynhäuser Reden, erscheint die Ernennung Wyszo⸗ mirskis als ein neuer Beleg für die Schneidigkeit des lersten Kavaller Vermeht dafür se edlen 9 achtensr d. D. uns do lieutena meldete In an den * nar. N hhtns, reck⸗ Der geord⸗ vom anz“ ef den m ein gegen⸗ artigste r und „, der frei⸗ er von sprach, hen er ingen eng ppo⸗ en zu 5 dem ichts⸗ Wort 5 reußi⸗ e richt gerichts feichs⸗ en hatte asmann cht ver⸗ anisches erbreilet eee e* 1 2 — höchste Nr. 5. . Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Deite 3 1 neuesten Kurses, der den Kampf gegen den Umnurz als Aufgabe betrachtet und Verwaltung wie Recht⸗ sprechung in diesem Geiste beeinflußt. Die Arbeiterschaft wird aus dem Aufstiege des Beuthener Präsidenten ihre Lehre ziehen; sein Fall ist nicht der erste, er wird auch nicht der letzte sein. 5 Kavalleristen vor! Für die Militärvorlage möchte ein Oberst a. D. v. Saldern aus Brallentien i. Pom. in einer Zuschrift an die„Kreuzztg.“„alle verab⸗ schiedeten Kavallerie-Offiziere des deutschen Heeres, welche die Mobilmachungen von 1850 bis 1870 erlebt und die Feldzüge von 1864 und 1870/71 mitgemacht haben“, mobil machen; er fordert sie „im Interesse der Waffe“ auf, die Reichstags⸗ abgeordneten ihres Wahlkreises zu ersuchen, da⸗ hin zu wirken, daß die Kavallerie⸗Regimenter, welche nach der dem Reichstage zugegangenen Militärvorlage neu errichtet we den sollen, zu fünf und nicht zu vier Schwadronen aufgestellt werden. Schon Herr v. Levetzow erklärte im Reichs⸗ tage, er als alter Kavallerie⸗Offizier finde die Forderungen der Regierung für die Kavallerie zu mäßig. Er findet nun Nachfolger. Wenn aber die Reichstags⸗Abgeordneten den Herren Kavallerie⸗Offizieren a. D. bedeuten sollten, daß in ihren Wahlkreisen hunderte ehemaliger Kaval⸗ leristen der Meinung seien, daß die Herren Kavallerie⸗Offiziere sofern sie noch weitere Vermehrungen wünschten, auch die Kosten dafür selbst tragen sollten— wie werden die edlen Herren sich dazu stellen? Nein, weit be⸗ achtenswerter als diese Stimmen zweier Offiziere a. D., die für die neue Vorlage sind, erscheint uns doch die Stimme jenes aktiven Oberst⸗ lieutenant, der, wie wir schon in voriger Nummer meldeten, sich dagegen äußert. Dieser ver⸗ nüftige Oberstlieutenant sprach wörtlich in der Zukunft aus, daß sich der Reichstag ein Ver⸗ dienst erwerben würde, wenn er das weitere zwecklose Anwachsen der Wehrlasten hindere. Freisinniges! In Nordschleswig haben sich Freisinnige an den Huldigungen für den Ausweis⸗Präsi⸗ denten von Köller beteiligt. Das erschien denn doch sogar der zahmliberalen„Kieler Ztg.“ zu stark. Sie erlaubte sich, das Unternehmen nicht schön zu finden. Darauf reckte sich der Freisinn in seiner ganzen Mannesgröße stolz auf und erklärte in einem Manifest der Schleswiger Nachrichten, die Kieler Zeitung„könnte ihnen sonst was“. Die Leiter des Schleswiger Frei⸗ sinns— die Erklärung war unterzeichnet von drei Personen names der Freisinnigen Ver⸗ einigung und fünf Personen namens der Freisinnigen Volkspartei— tanzen „voll und ganz“ vor Herrn v. Köller, ohne um die Erlaubnis ihres Parteiblattes zu fragen.— Es geht mit dem Freisinn in Riesenschritten bergab. Nationalsoziale Intrigen. Unter dieser Ueberschrift schreibt die Freis. Ztg. Eugen Richters:„Die Nationalsozialen haben bei den Landtagswahlen vollständig Fiasko 5 Sie suchen darum jetzt sich in andere arteiorganisationen einzuschmuggeln unter der Deckadresse des Liberalimus im Allge⸗ meinen. Aus mehreren Gegenden liegen dafür Anzeichen vor. Die„Hilfe“ empfiehlt ausdrück⸗ lich„nationalsoziale Aussaat“ zu machen, nament⸗ lich dort, wo sich unter der Firma des allge⸗ meinen Liberalismus Gelegenheit dazu bietet.“ — Richter sollte sich mit uns freuen, daß die um Naumann fleißig„Aussaat“ halten. Oder ist er überzeugt, daß seine Partei nicht mit ernten wird.? 5 Unternehmerreligiosität. Unserem Parteiblatt in Brandenburg a. H. hat solgender Entlassungssche in vorgelegen: A.. W. ist auf der Domäne Gattersleben, Kreis Aschersleben, 7 Jahre als Tagelöhner gewesen, er hat sich während dieser Zeit gut geführt. Gekündigt ist derselbe zum 1. April d. J., weil er außer den hohen katholischen Festtagen auch die ge⸗ wöhnlichen, die auf Wochentage fallen, feiern will. Domöne Gattersleben, 15. Januar 1899. Albert Eggeling, Amtsrat. Löwe, Inspektor. Der Arbeiter, der 7 Jahre auf dem Gute beschäftigt war und sich gut geführt hat, wird also entlassen, weil er nach den Vorschriften der Religion, in der er erzogen und die in ihm noch festsitzt, leben will. Der Streik der Bergleute am Piesberge, wo es sich gleichfalls um Beibe⸗ haltung der katholischen Feiertage handelte, dürfte noch allen im Gedächtnis sein. Die hier mitge⸗ teilte Entlassung ist ein weiterer Beweis dafür, daß dem Unternehmertum die Religion vollständig gleichgültig ist, wenn der Profit, der durch einige Feiertage geringer werden könnte, in Frage kommt. „Afrikanische Galgenskizzen“ Veröffentlicht der frühere deutsche Afrikareisende und jetzige österreichische Konsul in Sansibar, Oskar Baumann, in der„Zeit“. Der Verfasser erzählt in dem leichten Tone des amüsanten Plauderes, daß das Hängen in Deutsch⸗Ostafrika eine ganz besondere Errungen⸗ schaft der europäischen Zivilisation sei, daß die Henker sich zu wahren Künstlern herausgebildet hätten. Ein Spaziergang ins benachbarte Wäldchen endige zumeist damit, daß man einen Schwarzen in bierfroher Laune aufhängen läßt. Ein Regierungsbeamter in Kilwa habe die beim Hängen gebrauchten Stricke unter der Rubrik„Bewirtung fremder Gäste“ gebucht. Bei dieser Art von Hinrichtungen fänden sich zumeist Photographie⸗ Amateure ein, die dem baumelnden Schächer am Galgen das berufsmäßige„bitte recht freundlich“ zuriefen. Als einmal das Hängen nicht recht klappen wollte, habe ein ehemaliger Gardelieutenant gesagt: Muß bedeutend mehr geübt werden.“— Das sind die„Kulturerrungen⸗ schaften“ in den Kolonien, um die der deutsche Steuerzahler sich unzählige Millionen abdarben muß! Bei der Beratung des Kolonialetats im deutschen Reichstage werden un ere Parteigenossen mit solchen Kulturthaten scharf ins Gericht gehen. Ausländisches. In Serbien ist am Sonntag ein wackerer Genosse im Gefängnis gestorben, der 70 jährige ehemalige Archimandrit(Erzbischof der griechischen Kirche) Pelagitsch. Trotz der Bittschriften, die von angesehenen Mitgliedern aller politischen Parteien unterzeichnet waren, wollte sich der serbische König Alexander des armen gebrochenen Greises, der wegen angeblicher Majestätsbeleidung vier Jahre zu verbüßen hatte, nicht erbarmen. Schon vor 20 Jahren wurde er wegen seinen revolutionären Be⸗ teiligungen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, aber nach fünfjähriger Haft begnadigt. Als Bosnien dann unter die österreichische Oberherr— schaft kam und österreichische Behörden„Ordnung“ zu schaffen begannen, wurde Pelagitschz um Tode verurteilt, weil er mit vielen Anderen diese Ordnung nicht anerkennen wollte, sondern für ein freies, unabhängiges Bosnien kämpfte. Es gelang ihm damals, zu fliehen. Er lebte im Ausland und verfaßte mehrere sozialistische Schriften. Als Pelagitsch im Jahre 1897 wieder zu vier Jahre strengem Gefängnis verurteilt wurde, fühlte er, daß seine Lebenskräfte dem Er⸗ löschen nahe waren, daß er diese lange Strafe nicht abbüßen und seine zahlreichen Freunde nicht mehr sehen würde. Er sammelte diese um sich, empfahl ihnen in warmen väterlichen Worten die junge sozialistische Bewegung in Serbien, und nahm ruhig den letzten Abschied. Seine Bücher und sein armseliges Mobiliar stellte er der serb⸗ ischen Arbeiterpartei zur Verfügung. Er war nie verheiratet, hatte auch sonst keine Verwandten. Sein Ableben beweinen aber jetzt Tausende, die er erzogen und für die er sein ganzes Leben hindurch gekämpft hat. Er ruhe sanft. Aus dem Aeichstag. In den Sitzungen am Donnerstag, Freitag und Samstag v. W. saß der Minister Graf Pasadowsky auf der Anklagebank. Es handelte sich um die Be⸗ willigung des Etats für das Reichsamt des Innern, also auch um Posadowskys Gehalt. Es wurde in den drei Tagen über gar vielerlei geredet. Der Frei⸗ herr v. Stumm und der nationalliberale Kom⸗ merzienrat Möller-Dortmund traten wieder als enragierte Gegner der Arbeiterorganisationen auf, sie wollen nichts von einer Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Unternehmern wissen. Viel verständnisvoller steht der„Wilde“ Brauereidirektor Rösicke den Ar⸗ beiterfragen gegenüber. Als ein„warmherziger Arbeiter⸗ freund“ spielte sich der freikonservative Freiherr von Heyl-Worms auf. Zwar überragt er seinen Frak⸗ tionskollegen König Stumm in Bezug auf sozial⸗ politisches Verständnis, aber— dazu gehört auch verflikt wenig. Wenn er wollte, daß man seine zur Schau getragene Arbeiterfreundlichkeit ernst nehmen soll, hätte er seine durch nichts gerechtfertigten Ver⸗ dächtigungen der Sozialdemokratie unterlassen müssen. — Der antisemitische Abg. Vielhaben ist immer noch Gegner der Verordnung über den Bäckereiarbeiter⸗ schutz. Es sprachen noch zahlreiche Abgeordnete, die zu erwähnen sich gar nicht verlohnt. Von unseren Genossen kamen zum Wort Zubeil, Singer, Agster und Wurm. Zubeil sprach namentlich über den mangelhaften oder besser gesagt: gar nicht vor— handenen Schutz der Ziegeleiarbeiter. Singer wies die Herren Graf Posadowsky und Frhr. v. Heyl zurecht, die den Sozialdemokraten den Vorwurf machten, daß sie verschiedene Gesetze abgelehnt hätten, die den Arbeitern zugute gekommen wären. Agster trat in seiner Jungfernrede für ein schnelleres Tempo in der sozialpolitischen Gesetzgebung ein.— Am eingehendsten sprach über den Arbeiterschutz und die Fabrik⸗ inspektion Genosse Wurm. Aus seiner ausgezeich⸗ neten Rede mögen einige Sätze hier Platz finden, deren Studium wir besonders auch den geistigen Leitern der Amtsblätter in Gießen, Wetzlar und Marburg empfehlen. Gen. Wurm führte u. a. aus: Aus den preußischen Berichten der Fabrikinspektoren ersehen wir sehr wenig über die Thätigkeit der Arbeiterorganisationen, während Süddeutschland davon viel zu berichten weiß. Aber der famose Reichsbericht„vergißt“ fast alles für die Arbeiterorganisationen Bedeutungsvolle mitzuteilen. Aus Celle hat er z. B. nicht mitgeteilt, daß ein dort beabsichtigter Ausstand durch das Eingreifen des Holzarbeiterverbandes verhütet worden ist, was doch angesichts der in den höchsten Kreisen ver⸗ breiteten Anschauung, daß die Arbeitervereine Streik⸗ vereine seien, gewiß wichtig ist. Da ist Süddeutschland weit besser unterrichtet; in dem Bericht von Baden schreibt der Fabrikinspektor Dr. Wörrishofer, daß gerade durch die Arbeiterorganisationen unberechtigte und unvernünftige Streiks verhindert werden, die Zahl der Streiks sich also vermindere. Wörris⸗ hofer erkennt ferner, daß die Verteidigung mindestens der jetzigen Lebenshaltung der Arbeiter für die gesamte Volkswirtschaft von der größten Bedeutung sei, und daß gerade die Arbeiterorganisationen dafür sorgen. Ja, er spricht offen aus, daß der Fortschritt der gesamten Kultur von dem Fortschritt der immer zahlreicher werdenden Arbeiterklasse abhängt; ihm sind die Arbeiterorganisationen ein Mittel für den Kulturfortschritt. Deshalb beklagt auch Dr. Wörrishofer nicht, daß die Arbeiterorganisationen existieren, sondern daß sie zu schwach sind.. Genosse Wurm schloß indem er eine Uebersicht über die in den letzten zehn Jahren vorgekommenen Unfälle auf dem Schlachtfelde der Arbeit gab. Daraus ergab sich, daß die Unfälle mit dem geschäft⸗ lichen Aufschwung zugenommen haben. Es sei also auf allen Gebieten des sozialen Lebens nicht ein Fortschritt, sondern ein Rückschritt zu verzeichnen und von dem Aufschwung der Indust rie, von dieser Milliardenzunahme des Kapitals, von dieser großartigen Vermehrung des Unternehmergewinnes der letzten Jahre haben die Arbeiter nichts erhalten als eine größere Summe von Krankheiten, eine größere Summe von Unglücksgefahr, eine größere Summe von Elend. Das ist der soziale Zustand, den wir bei uns noch haben und den Sie bei uns noch durch eine Knebelung des Arbeiters verschlechtern wollen!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Am Montag fand die erste Beratung des schon aus den früheren Sessionen bekannten Antrages Rintelen(Zentr.) statt, durch welchen die Berufung in Straffachen eingeführt, der Voreid durch den Nacheid ersetzt, eine Strafe für die Abgabe unrichtiger, unbeeidigter Jeugenaussagen u. s. w. vorgesehen werden soll. Genosse Frohme trat für den Antrag ein und wies in seiner Begründung auf das von der Magde⸗ burger Strafkammer über unseren Genossen Müller verhängte Urteil hin, gegen das es keine Berufung gebe.— Der Antrag wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.—. a Im weiteren Verlauf der Sitzung disputierten die weinländischen Abgeordneten über Natur⸗ und Kunstwein. 5 Am Dienstag führte der Reichstag die an das Gehalt des Staatssekretärs im Reichsamt des Innern sich anknüpfende allgemeine Debatte fort, kam aber noch nicht zu Ende. Zunächst entwickelte Abgeordneter Stöcker das soziale Programm der christlich-sozialen Partei. Von unserer Seite sprachen die Genossen Horn und Hoch. In der Mittwoch⸗Sitzung wurde der bekannte Antrag betreff. Aufhebung des Jesuitengesetzes verhandelt und auch zum so und so vielten Male an⸗ genommen. Daß er diesmal die Zustimmung des Bundesrats findet, ist wohl ausgeschlossen. Die Auf⸗ hebung dieses Ausnahmegesetzes ist ein zu wertvolles Tauschobjekt zwischen Zentrum und Regierung. Man spart es auf für Zelten, wo es Großes auf Kosten des Volkes einzutauschen giebt.— Einer Kom⸗ mission wurde dann der Antrag der Sozialdemokraten überwiesen, die die obligatorische Einführung und Er⸗ weiterung der Zuständigkeit der Gewerbegerichte verlangen. — 7 5 4. N n * * 1 * 3 11 117 3 ———— ꝛ q 5 a ee e ——— 1 1 Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 5. Von Uah und Fern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Druc bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Gießener Wahlverein. n. In der am Samstag abgehaltenen Gene— ral versamm lung wurde der alte Vorstand bis auf einen Beisitzer wiedergewählt. Der Kassen⸗ bericht war von den Revisoren richtig befunden und wurde deshalb dem Kassierer Decharge er⸗ teilt. Vor der Erledigung des Geschäftlichen hielt Gen. Scheidemann einen Vortrag über die Rechtsprechung unterm neuesten Kurs, der recht beifällig aufgenommen wurde. Nächste Versammlung: Samstag, 4. Februar. Eine humoristische Abendunterhaltung findet am Sonntag im Lokale des Gen. Orbig statt. Dieselbe wird arrangiert vom Gießener Gewerkschafts⸗Kartell. Der Ueberschuß soll den streikenden Webern in Krefeld überwiesen werden. Da der Zweck des Arrange⸗ ments ein so guter ist, liegt um so mehr Ver⸗ anlassung vor, die Abendunterhaltung recht zahl⸗ reich zu besuchen. Es stehen allerlei Ueber⸗ raschungen in Aussicht. Leider dürfen wir von dem überaus zahlreichen Programm nichts verraten. An die Laternenpfähle. * Das Organ der hessischen Antisemiten bringt in einer„neuen“ Besprechung der Affaire Dreyfus neben den unvermeidlichen Dumm⸗ heiten auch folgende menschenfreundliche Arizona⸗ Kickeriade: „In Paris scheint das Trauerspiel zu Ende zu gehen, entweder das französische Volk er⸗ mannt sich und verziert seine Laternen⸗ pfähle mit den Dreyfüslern und ihren Genossen— oder es geht unter in Fäulnis und Schlamm jüdischer Herrschaft.“ In Heppenheim und Gießen sind bereits einige Gum mizellen reserviert. Schneiderversammlung in Gießen. C. P. Eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung des Deutschen Schneiderverbandes fand am Montag, den 23. Januar, im Lokale des Herrn C. Orbig statt. Redakteur Scheidemann hielt zunächst einen hoch- interessanten Vortrag über die„Moderne Kunst“, der mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen wurde. — Hierauf wurde Geschäftliches erledigt. Nach dem Berichte des Vorsitzenden ist erfreulicherweise die Mitgliederzahl der Gießener Filiale von 20 auf 40 Mitglieder im Laufe des Jahres 1898 gestiegen, hat sich demnach verdoppelt. Die Gesamteinnahme betrug 278,10 Mk., wovon 200,17 Mk. an die Hauptkasse ge⸗ sandt wurden. An Reiseunterstützung wurden 32,90 Mark an 31 Mitglieder verabfolgt. Im Laufe des Jahres wurden 23 Mitgliederversammlungen abge⸗ halten, dieselben waren durchschnittlich von 15—20 Mitgliedern besucht. Eine längere Debatte entstand über die Thätigkeit der Lohnkommission, deren Lauheit kritisiert wurde. Nachdem die Lohnkommission neu⸗ gewählt, wurden für die streikenden Weber in Crefeld 10 Mark aus der Lokalkasse bewilligt. Mit der Auf⸗ forderung an die Mitglieder, in diesem Jahre un⸗ ermüdlich weiter zu arbeiten, wurde die Versammlung gegen 12 Uhr geschlossen. Zum Frauenstudium. Der Gesamtsenat der Universität Gießen hat mit großer Mehrheit beschlossen, Frauen zum Studium zuzulassen und zwar so⸗ wohl zum Hören einzelner Vorlesungen als auch zur Immatrikulation. Diese wird jedoch nur be⸗ willigt auf Grund einer bestandenen Reife⸗ prüfung an einem Gymnasium oder an einer Realschule erster Ordnung. Die Zulassung soll auch zunächst nur in der pilosophischen und juristischen Fakulät erfolgen. Werden die„großen“ Universitäten der Gießener folgen, oder wird dort die Philisterei Trumpf bleiben? Das Gießener Amtsblatt leistete sich kürzlich folgende Zeilen über den Verband der deutschen Maurer: „Sozialdemokratische Gedenkfeier. Am 13. Januar sind 50 Jahre verflossen, seitdem die erste sozialdemokratische Maurer-Organisation in Berlin gegründet wurde. Sie erweiterte sich bald zu dem„Allgemeinen deutschen Maurerverein“, der die Seele aller großen Streikbewegungen aus⸗ gangs der sechziger und anfangs und Mitte der siebziger Jahre wurde. In Hamburg, wohin man die Leitung 1874 verlegte, wurde der Verein 1878 aufgrund des Sozialistengesetzes aufgelöst. 1891 ist wieder eine Zentralisation der Maurer Deutschlands geschaffen worden, die seitdem mehrere Millionen Mark für Streikgelder herangeschafft, im vorigen Jahre ungezählte langdauernde Streiks angezettelt hat und sich in diesem Winter für einen entscheidenden Schlag vorbereitet.“ Das ist ganz im Sinne des Königs Stumm gesprochen, dem die Organisationen der Arbeiter ein Greuel sind. Wer auch nur einen Funken sozialpolitisches Verständnis besitzt, weiß, daß die Arbeiter-Organisationen nicht ihre oberste Aufgabe darin erblicken, Streiks„anzuzetteln“, sondern Streiks zu verhüten. Die Gelehrten des Gießener Anzeiger verspotten sich selbst und wissen nicht wie. Der frühere Besitzer und Redakteur des Gieß. Anz., Scheyda, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, wie jetzt sein Blatt zusammengemurkst wird. Scheyda selbst war lange Jahre Mit⸗ glied des Verbandes der deutschen Buchdrucker, der dieselben Zwecke verfolgt, wie die Organisation der Maurer, die von den Nachfolgern Scheydas als„sozialdemokratisch“ denunziert wird. Es wäre wirklich besser, wenn der spiritus rector des Gießener Amtsblattes bei jeder Notiz erst auf dem Kreisamt Rat einholte.— Werden sich die Arbeiter, die noch Abonnenten des Gieß. Anz. sind, weiter ohrfeigen lassen? werden sie auch fernerhin ihr Geld einem Blatte zuwenden, das nur die Geschäfte des Kapitalismus besorgt? Aus Großen⸗Linden. * Es sind jetzt gerade 50 Jahre her, daß sich 54 hiesige Ortseinwohner vor Gericht wegen „Gewaltthätigkeiten, Eigentumsbeschädigung, Ehr⸗ und Körperverletzung“ vor Gericht zu verant⸗ worten hatten. Gelegentlich einer Volksversamm⸗ lung in Garbenteich hatten die Großen-Lindener „schlagende Beweise“ für die besten gehalten. Von den 54 Angeklagten wurden 25 freigesprochen und zwar, wie es im Urteil heißt, wegen mangelnden genügenden Beweises.“ 29 der Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von acht Tagen bis zu vier Monaten verurteilt. Wie uns mitgeteilt wird, sind noch einzelne der damals Verurteilten am Leben. Sie werden die Unannehmlichkeiten der Haft längst vergessen haben, aber jetzt wohl noch manchmal an jene bewegte Zeit mit sehr gemischten Gefühlen denken. Das hätte wohl vor 50 Jahren keiner von ihnen für möglich gehalten, daß Deutschland am Ende des Jahrhunderts im Zeichen der preußischen Pickelhaube stehen würde. Die Mucker am Werke. * Das Pfarrkollegium der evangelischen Geist⸗ lichkeit für Darmstädter Gemeinden hat an die Darmstädter Hoftheaterdirektion eine Eingabe gerichtet, in der die Direktion ersucht wird, den „Opernball“ von Heuberger künftig nicht mehr auf den Spielplan zu setzen. Es wird u. A. gesagt, daß das Stück unter der Linie stehe, welche das für eine Bühne Zulässige ab⸗ grenze, und daß weitere Wiederholungen eine sittliche Gefährdung des schwächeren, eine sittliche Beleidigung des höher stehenden Teils des Pub⸗ likums in sich schließe u. s. w. Diese Eingabe gegen eine Operette, die am Hoftheater(ö) aufgeführt wurde, spricht Bände. Unterzeichnet ist sie auch von Nationalsozialen. Die bürgerliche„Frankf. Ztg.“ bemerkt mit Recht zu jener Eingabe: Die Anmaßung des Mucker⸗ tums wird nachgerade unerträglich. Wenn es nach seinem Sinne ginge, müßten 99 Hundertstel unserer Bühnenlitteratur als„lasziv“ verpönt werden. Mögen doch die Leute, die an den Scherzen einer Operette Anstoß nehmen, draußen bleiben und den Theaterbesuch denen überlassen, die von einem„Opernball“ eine Schädigung ihrer Sittlichkeit nicht befürchten. Und das ist die überwiegende Mehrheit.— Erfreulicherweise hat sich die Theaterdirektion der Eingabe gegen⸗ über direkt ablehnend verhalten. Wenn sich die Geistlichen um die Sittlichkeit verdient machen wollen, dann mögen sie die Finger von mehr oder weniger wertvollen Bühnenwerken lassen, für die sie kein Verständnis haben. Dann mögen sie vielmehr die Jugendschriften ihres Amts⸗ bruders Pastor Hülle unter die Lupe nehmen, der 14jährigen Kindern über den Ehebruch, über Liebes⸗ und Lebens gemeinschaft zwischen Mann und Weib erzählt. Als Theo⸗ logen sollten doch die Herren die Geschichte vo den Splittern und Balken kennen. 5 Aus Wetzlar. s. Der hiesige„Anzeiger“ hat irgendwo eine Notiz über das Invaliditäts- und Altersversiche⸗ rungsgesetz herausgeschnitten. Natürlich wird das Gesetz, das nach jahrelanger Beitragsleistung eine Hungerrente gewährt, über den grünen Klee gelobt und nebenher auf die„sozialdemokratischen Agitatoren“ und die Sozialdemokratie im allge⸗ meinen raisonniert, da von dieser über die„an⸗ gebliche“ Geringfügigkeit der Durchschnitts⸗ sätze der Renten gesprochen werde. Der„W. A.“ giebt dann selbst die Durchschnittsrenten auf 137,80 resp. 127,69 Mark an. Das sind freilich keine Renten, wie sie die Versicherten aufgrund der geleisteten Beiträge verlangen können. Mit 127 bis 137 Mk. pro Jahr wären allerdings die Leistungen der Redaktion des „Wetzlarer Anzeigers“ glänzend bezahlt, aber ein versicherter Arbeiter, der lange Jahre Beiträge steuerte und dann im Dienste des Kapitalismus entweder invalid oder alters⸗ schwach wurde, kann eine höhere Rente verlangen. Aus Marburg. * Der erste Steuermann der seit dem 1. Januar hier vor Anker liegenden national⸗sozialen Fregatte nahm am 23. d. M. den Kurs auf Gießen und richtete seine gezogenen Geschütze auf die Mitteld. Sonntagsztg. Das Schießen scheint er aber nicht gelernt zu haben, denn seine mit Wind gefüllten Bomben verfehlen alle das Ziel. — Unsere Leser wissen, daß die Marburger Hess. Landesztg. ein militär feindliches Or⸗ gan war, bevor es in die Hände der National⸗ sozialen überging. Schon vor vier Wochen wiesen wir darauf hin, daß in den national⸗ sozialen Abonnements⸗Einladungen, die schon vor der Uebernahme der damals noch militär⸗ und marine feindlichen Hess. Ldsztg. erschienen, die Schwärmerei der Pastorenpartei für Heer und Marine hinter der Phrase: „Für Deutschlands Macht und Größe“ ver⸗ borgen werde. Warum das geschah, war für jedermann leicht ersichtlich. Die Leser der seither militärfeindlichen H. L. sollten nicht kopfscheu gemacht, vielmehr für die von nun abmilitär⸗ und marinebegeisterte H. L. zunächst eingefangen werden. Wir haben in voriger Nummer festgestellt, daß nunmehr die Nationalsozialen die echte Flagge gehißt haben. Aufgrund dieser unserer Feststellung rempelt uns nun der(jetzt noch) national⸗soziale Steuermann an. Ob wir uns darüber wun⸗ derten, daß sie das, was sie erstreben, in ihrem Blatt auch verfechten. Durchaus nicht, kühner Seefahrer! Wir haben ja voraus- gesagt, was kommen würde, vorausgesagt schon zu einer Zeit, wo die echte Flagge noch allem Anschein nach„schmückend umhüllt war mit dem Lügenmantel“, den ein gewisser Max Lorenz, jetzt auch Schwärmer für den Wasserpatriotismus, dereinst extra für die „nationale Phrase“ zugeschnitten und zusammen⸗ genäht hat. Wenn dann der Steuermann der nationalpastoralen Fregatte in Marburg redet von„manchen einseitigen, in der Parteidoktrin verrannten Sozialdemokraten“, so möge er sich gesagt sein lassen, daß sich mit solchen Redens⸗ arten Renegaten nicht reinwaschen können. Unseres Erachtens steht ein überzeugter Mann, der seiner Partei treu bleibt, gehöre er einer Partei an, welcher er wolle, tur m⸗ hoch über jenen Parteipiraten, die bald in diesen, bald in jenen Gewässern herumkreuzen. Gute Fahrt, Herr Steuermann! In Marburg giebts gefährliche Klippen. Für alle die kleinen Leute in Marburg, die es„mal probieren wollten“ mit der umge⸗ krempelten Hess. Landesztg. ist jetzt die Situation geklärt. Fort mit einem Blatt, das für den brudermörderischen und volksaussau⸗ genden Militarismus eintritt. — 05 0 Asen, d der Regie Bestimmu 0 0 1 inner di Ffir sich z r. Ki Hartman bergige Kleinm 9 ps. D psprüchwör noch Klein hat uns ri 5 hier Schm. 1 irgendwo! Mann, F des Kapitg um nur Ein Woch Alubeitszeit und Arbe jo stehen einer Drel We rschli Mit der Jahr zu mit den! und gung Gooßlapit menschli bier der K den destz irie ein 0 1 dem N. beiterbereis . a und wide 555 übe Jeht es Werdet 1 1 U rüber. 1 Daz 0 handel 1 il Stut zd. Durchs Außen lz im f drei. 8 gestelten g n 0 cue als in ber Fles el Nac den nic f kelter 0 1 Licht hide S Nr. 5. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 5. Vom vergnügten„Oberheß“ p. Das Problem der Reichstagswahl⸗ reform löst die„Oberhessische Zeitung“ in Marburg spielend wie folgt:„Es müßte zu der 9 1 8 Reichstagswahl die Bestimmung ge⸗ troffen werden, daß jeder Wahlberechtigte allerdings erst auch von Amtswegen benach⸗ richtigt würde, daß er wahlberechtigt sei, daß aber nach dem Aus zählungsergebnis des Wahltages vom Wahlkommissar alle diejenigen Stimmen, die Wahlberechtigten des Wahlkreises angehören, die nicht gewählt haben, demjenigen Kandidaten zu Gute gerechnet würden, dem von den im Kreise aufgestellten Wahlkandidaten der Wahl⸗ 11 0 0 1 18 2 * 0 4 0 24 kommissar nach Meinung der Reichs⸗ regierung als dem letzteren geeignetst Scheinenden diese Stimme giebt.“ Eine gloriose Idee! Schade, daß der Er⸗ finder dieser einfachen Lösung seine Gedanken nicht weiter ausgesponnen hat. Er hätte dann logischerweise zu dem Verlangen kommen müssen, das Wahlrecht gänzlich abzuschaffen und der Regierung resp. einem Wahlkommissar die Bestimmung zu überlassen, wer„Volksvertreter“ werden soll. Als Wahlkommissar für Marburg a würden wir den jeweiligen Chefredakteur des Oberhessen vorschlagen, denn das Marburger Amtsblatt scheint das seltene Glück zu haben, immer die tüchtigsten Leute des Jahrhunderts für sich zu gewinnen. Innerhalb zehn Jahren: —— 7 Dr. Kühne, Finking und nun gar einen Hartmann! Ein beneidenswertes Blatt, dieser vergnügte Oberheß. Kleinmeisterelend im Schmalkaldischen. ps. Das Elend im Kreise Schmalkalden ist fast sprüchwörtlich geworden. Noch vor 60 Jahren gab es hier Schmelz- und Hammerwerke, jetzt giebt es nur noch Kleineisenindustrie. Die westfälische Großindustrie hat uns ruiniert. Schlimmer wie hier kann jetzt kaum irgendwo die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft sein. Mann, Frau und Kinder— alles steht im Dienste des Kapitalismus und opfert Gesundheit und Leben, zum nur das allernotwendigste verdienen zu können. Ein Wochenlohn von 5—6 Mark setzt 14—16stündige Arbeitszeit voraus. Sind die„gewöhnlichen“ Arbeiter und Arbeiterinnen von den Kleinmeistern abhängig, so stehen diese letzteren, die meistens noch im Besitze einer Drehbank sind, direkt im Joche der Kapitalisten. Wer schlimmer daran ist, ist schwer genug festzustellen. Mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit sanken von Jahr zu Jahr die Löhne. Die hohläugigen Gesichter mit den hervorstehenden Knochen erzählen von Elend und Hunger. Und doch sind auch hier all die vom Großkapital Aus gebeuteten noch nicht zum Zusam⸗ menschluß gekommen. Durch was unterscheidet sich hier der Kleinmeister noch vom Lohnarbeiter? Durch den Besitz einer elenden Drehbank! Sie sind Prole⸗ ktarier, einer wie der andere, und sie hätten alle Ur⸗ sache, dem Rufe Folge zu leisten: Proletarier vereinigt Euch! Noch wird es versucht, durch evangelische Ar⸗ beitervereine u. s. w. den Zusammenschluß zu verhindern. Warum? Um den Kapitalisten auch fernerhin macht⸗ und widerstandslose Ausbeutungsobjekte zu sichern. Denkt über Eure Lage nach, Ihr Kleinmeister. Euch geht es genau so erbärmlich wie den Lohnarbeitern. 1 Werdet klar über Euch und verbündet Euch mit Euren Brüdern. Eher wird es nicht besser. Keine Fleischteuerung? 9 Das Schweinefleisch kostete im Klein⸗ handel nach einer Zustammenstellung der vom kgl. Statistischen Bureau in Berlin herausgegeben „Statist. Corr.“ im Kalenderjahr 1898 für den Durchschnitt des ganzen Königreichs Preußen 1,39 Mk pro Kilo, d. s. 7 Pfg. mehr 9 als im Vorjahr. Was wollen— so frägt die U„Freis. Ztg.“— angesichts dieser amtlich fest⸗ gestellten Thatsachen, daß im Durchschnitt des ganzen Jahres für das ganze Königreich das Schuweinefleich pro Kilo 7 Pfennig teurer war als im Vorjahr, alle agrarischen Ableugnungen der Fleischteuerung bedeuten!— Bedarfs übrigens der Nachweise des Statistischen Amtes? Weiß denn nicht je de Hausfrau, daß das Fleisch teurer geworden ist? 1 Gichtanfall und— Schweineseuche „Der Staatssekretär des Reichspostamts v. Pod⸗ bielski, ist an einem Gichtanfall pötzlich er⸗ krankt. Aeh, kleines Jägerleiden! Aber seine Schweine haben die Seuche. Scheußlich! Seit einigen Tagen ist in Dallmin, dem Gut des Staatssekretär v. Podbielki, und in Carve, das Herrn von Winterfeld gehört, die Schweineseuche gusgebrochen. Beide Besitzer kaufen keine Schweine aus dem Aus land, sondern haben eigene Zucht. Preßsünder und Mörder. Der Redakteur Weißmann aus Halle, wegen Preß vergehen zu mehrmonatlicher Gefäng⸗ nisstrafe verurteilt, wurde mit der Anfertigung von Vogelbauern aus Draht beschäftigt. Ein gefangener Redakteur, noch dazu ein sozialdemo⸗ kratischer, dem vom Staate aufgegeben wird, Bastillen im Kleinen herzustellen, das ist eine so kostbare Satire auf die jetzigen Zustände, daß ihr gegenüber selbst die schärfsten Pfeile, die die spottende Muse Heinrich Heine's einst gegen die Feinde der Freiheit richtete, matt und stumpf erscheinen könnten. Besser erscheint es dem Rittmeister Grafen von Stolberg- Wernigerode zu ergehen, der im September v. J. den Sergeanten Schein⸗ hardt erstochen hatte und deswegen mit zwei Jahren Festung bestraft wurde. An einem Nachmittag der vorletzten Woche konnte man, wie unserem reichsländischen Parteiorgan von glaubwürdiger Seite mitgeteilt wird, den adeligen Mörder in Begleitung eines anderen Herrn in Straßburg den Nikolausring passieren sehen. Beide Herren waren in Zivil und anscheinend auf einem Spaziergang begriffen. Seit einigen Wochen hat die Stadt Straß⸗ burg auch die Ehre, einen zweiten militärischen Verbrecher, den nach kurzer, in Freiburg i. B. verbüßter Gefängnishaft begnadigten ehemaligen Premierlieutenant von Brüse witz, in ihren Mauern zu beherbergen. Arbeiterbewegung. In Crefeld sind 5500 Weber und Hilfs— arbeiter zu unterstützen. Nicht leichtfertig sind die⸗ selben in den Ausstand getreten, sie wehren sich gegen einen Lohnabzug, der bei den gegenwärtigen hohen Preisen für Nahrungsmittel um so schwerer zu ertragen ist, der um so ungerechter ist, als die Fabri— kanten ihren Gewinn zu Millionen anhäuften, während die Arbeiter in jämmerlich dürftigen Verhältnissen dahinvegetieren. Wer im Kampfe gegen die Uebermacht des Geldsacks und der Gewinnsucht den Arbeitern beistehen will, der trage sein Scherflein bei zur Unter— stützung der ausständigen Crefelder Weber! Wer schnell giebt, giebt doppelt! Unterstützungen sind zu senden an den Kassierer des Zentralverbandes, Georg Treue, Berlin O. 34, Kronprinzenstraße 7. Kleine Mitteilungen. Hoch die vierte Kompagnie! Einer schweren Ausschreitung machten sich in Cassel am Sonntag im Schiebelerschen Lokale eine Anzahl Husaren der vierten Schwadron des Regiments Hessen-Homburg schuldig. Einer von ihnen sollte, als alle Aufforde— rungen des Wirtes zum Verlassen des Lokales nichts halfen, durch zwei Schutzleute entfernt werden. Die Kameraden ergriffen jedoch Partei für den Verhafteten und warfen mit dem Rufe:„Hoch die vierte Kom⸗ pagnie!“ die Schutzleute die Treppe hinunter. Den Schutzleuten wurde die Uniform zerrissen; ein Husar erhielt von den Beamten einen Säbelhieb über den Kopf, sodaß er schwerverletzt zu Boden sank. — Mißhandelte Schutzleute sind ein eigen Bild in unserer Zeit, da der Ruf:„Schutz vor Schutzleuten“ ertönt. Doppelt interessant aber ist es, daß hier Militär und Polizei zusammengestoßen sind, die doch gemeinsam gegen den„inneren Feind“ zu Felde ziehen sollten. Im Schiebelerschen Lokale giebt es jedoch keinen„inneren Feind“, alldieweil dort Aktien bier verzapft wird, das der„innere Feind“ boy— kottiert hat. — Durchgebrannt. Der Pastor Alfr. Meyer in Rittersmannshagen hat sich, wie die„M. Vztg.“ berichtet, heimlich auf und davon gemacht; er hatte nicht nur Frauen nachgestellt, sondern auch Sittlich— keitsvergehen mit einem 16jährigen Mädchen begangen. Der verschwundene Pastor war auch Redakteur des Kirchen- und Zeitblattes, außerdem auch Mitglied der Prüfungskommission für Predigtamtskandidaten.— Wieder eine verkrachte Stütze des heiligen Zion. — Partei⸗ Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 28. Januar: Typographia Gießen in der„Stadt Cassel“, abends 9 Uhr. Kreis⸗Wahlverein Gießen. Sonntag, den 5. Februar, vormittags pünktlich 10 Uhr, bei Orbig: Vorstandssitzung. Quittung. Für die Stadtv.⸗Wahlen sind an den Wahlv. 3 Mk. durch Gen. Bock abgeliefert. W. Alsfeld. Sozd. Wahlvereins vom 15. Januar findet fortan alle 14 Tage eine Agitationsto ur für die„M. S.⸗Ztg.“ statt. Diejenigen Genossen, welche sich hieran be⸗ teiligen wollen, werden ersucht, sich bei unserem Ver⸗ trauensmann K. Dechert zu melden. Die nächste Tour findet nächsten Sonntag, den 29. Januar, statt. Briefkasten der Expedition. Marburg ⸗Wetzlar⸗Gießen. Wir erinnern die Genossen noch einmal daran, am heutigen Sonntag fleißig Abonnenten zu werben. Die Genossen in Gießen, welche sich bereit erklärten, Abonnenten zu werben, können nach Belieben Exemplare der vor⸗ liegenden Nummer vom Freitag Abend ab in der Expedition, Sonnenstraße 5, vom Samstag ab auch bei Gen. Orbig in Empfang nehmen. Marktberichte. Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 26. Januar kostete: Butter per Pfund Mk. 0,75—0,85, Hühnereier 1 St. 6—8 Pfg., 0 Stück 0—0 Pfg., Käse per Stück 5—8 Pfg., Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,80—1,00, Hühner pro Stück Mk. 1,10—1,30, Hahnen pro Stück Mk. 1,00—1,60, Enten per Stück Mk. 1,90— 2,20, Gänse pro Pfund 50—60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 62—64 Pfg., Schweinefleisch 68—26 Pfg., gesalzen 80 Pfg., Kalbfleisch 64—66 Pfg., Ham⸗ melfleisch 50— 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 6,00 bis 6,50, Zwiebeln pro Zentner Mk. 0,00 6,50, Milch per Liter 16 Pfg. Grünberg, 21. Januar. Fruchtpreise. Weizen Mk. 16,50 00,00, Korn Mk. 13,60 00,00, Gerste Mk. 15,20 00,00, Hafer Mk. 13,80 00,00, Erbsen Mk. 00,00— 00,00, Linsen Mk. 00,—, Wicken Mk.—,.— Lein Mk.—,—, Kartoffeln Mk. 0,00 00,00, Samen Mk. 00,00 per 50 Kilogr. Cetzte Nachrieht en. Eine neue Ausweisung Helphands. Wie die„Reuß. Tribüne“ berichtet, ist Genosse Dr. Helphand, der nach seiner Ausweisung aus Sachsen in Untermhaus-Gera sich niedergelassen hatte, vom fürstl. reußischen Ministerium ausgewiesen worden. Innerhalb 24 Stunden hat er das Gebiet von Reuß j. L. verlassen. In dem Ausweisungsbefehl heißt es, daß das Ministerium erfahren habe, Dr. Helphand (Parvus) sei wegen seiner sozialrevolutionären Ge⸗ sinnung aus Preußen und Sachsen ausgewiesen. Weiter, daß nach Erkundigungen über seine hiesige Lebensweise er dieselbe Gesinnung bethätigt und er deshalb das reußische Staatsgebiet zu verlassen habe. Genosse Helphand, der in dem kleinen Reuß eine Stätte zu finden hoffte und hier, fern von jeder öffentlichen Thätigkeit, eine Zeitungskorrespondenz herausgab, muß nun wieder wandern. Köllerei ist Trumpf! 20jährige Richter. In der Reichstags⸗Debatte über den sozial⸗ demokratischen Antrag auf Aenderung verschiedener Bestimmungen des Gewerbegerichts-Gesetzes haben die Redner der nationalliberalen Partei und der Freisinnigen Vereinigung übereinstimmend den Wunsch nach Herabsetzung der Alters- grenze für die Wählbarkeit der Gewerbegerichts⸗ Beisitzer(dieselben müssen 30 Jahre alt sein) zu⸗ rückgewiesen und ins Lächerliche zu ziehen ge⸗ sucht. Die Herren sollten sich aber erinnern, daß die Richter in unseren Militärge⸗ richten zum großen Teil junge Leute von noch nicht einmal 20 Jahren sind. Und diese Militärgerichte haben über alle, auch die schwierigsten juristischen Fragen zu entscheiden und ihre Urteile verhängen Strafen von vielen Jahren Gefängnis, ja die Todesstrafe. Die Gewerbe⸗ gerichte dagegen befassen sich nur mit verhältnis⸗ mäßig unbedeutenden Gegenständen, ihre Entscheide rauben nicht Freiheit und Leben und die Richter dieser Gerichte find Sachverständige in den be⸗ ruflichen Fragen. Wenn junge Soldaten und Offiziere in Militärgerichten urteilen können, dann mit hundert⸗ mal mehr Recht junge Arbeiter in gewerblichen Schiedsgerichten. Der Antisemit Ahlwardt will jetzt Sachsen beglücken. Wie er in einem Vortrag in Leipzig vor etwa 500 Zuhörern— 25 Pfg. pro Person— erklärte, ist es sein Wunsch, zur Ausführung von„Bismarcks Vermächtnis“, „auf den vorhandenen Trümmern() des Antisemitismus ein neues Werk zu beginnen, vielleicht mit dem Zentralpunkt in Leipzig“. Er sei deshalb gekommen, um die Fühler nach dieser Richtung hin auszustrecken. Eine leitende Rolle möchte er nicht übernehmen, aber der Sache gern agitatorisch dienen. Heil! Heil! Laut Beschluß der Versammlung des Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 5. 1 bezügliche Rede hält. Diese Feier, sowie der] trank man stehend den Willkommen⸗ und Ab⸗ N ——— weite Blick, den man von der Spitze des Galt⸗ schiedstrunk in dem besten Bordeaux aus Herrn e e eee garben über meilenweite Forsten und sanft ge⸗ Harbrückers Keller. Das feurige Rot im Glase welltes grünes Hügelland bis zu dem blauen] war gleichsam das Symbol der Liebesglut, welche Uunterhaltungs⸗CTeil. Streifen, hier des frischen Haffs, dort der Ost⸗sich in den Herzen dieser beiden Menschen, die 7 see, am fernen Horizont ann 1 5 9 sich heute zum erstenmale sahen, entzünden sollte. 5 eine große Menge Königsberger herbei, un Der Wagen fuhr vor, man stieg ein, ein Fabrikausgan g. auch in diesem Jahre herrschte droben zwischen gen fuß ug Von Klara Müller.“ Bleigraue Schatten zittern durch die Luft, Aus hohen Essen quillt ein blauer Duft. Durch Steingefüge dröhnt der Hämmer Ton, Um Erzgerüst schwirrt dumpf die Transmission, Schwirrt stumpf und dumpf, noch eh' i am, Bis daß der Tag verglüht in Zorn und Scham, Bis daß die Nacht barmherzig deckt die Qual. Ein Glockenzeichen gellt im Arbeitssaal. Da stockt der Lärm— und kreischend geht das Thor: Ein Jüngling stürmt, ein Knabe fast, hervor; Im staubigen Rock, die Mütze tief im Genick, Ein frohes Leuchten noch im Kinderblick, Staunt er die Welt wie neugeboren an— Da schiebt ihn seitwärts schon sein Nebenmann. Da drängt's hervor, wie flügellahme Brut, Da wüchst und wogt des Elends graue Flut: Mit bangem Blick die blasse Mutter hier,— Zuhause weint der Säugling schon nach ihr, Das Mädel dort, Chrisanthemum am Hut, In flacher Brust erlog'ne Liebesglut,— Das frech vertraut dem nächsten Burschen nickt,— Der Mann, der stieren Auges vor sich blickt,— Und nun der Greis, der matt nachhause wankt Und für den Hungerlohn dem Schöpfer dankt. Des Landes Mark, der Großstadt Kraft und Glut Verschlingt des Elends uferlose Flut. Mit müdem Schritt, die Stirn gesenkt und schwer, Zur Heimstatt zieht der Arbeit Sklavenheer, Zu kurzer Rast, daß schlafgestärkt die Kraft Beim nächsten Morgengraun aufs neue schafft. Mit frischer Gier, mit niegestillter Wut Trinkt die Maschine ihres Herzens Blut, Vorüber zieh'n, in selisam scheuer Hast, Sie an der Arbeitsherren Prunkpalast: Den Tisch, der dort vor Ueberfülle bricht, Sie deckten ihn, doch ihnen blüht er nicht.. Zwei Männer nur, den Hammer in der Hand, Hemmen den Blick und starren unverwandt In all den Glast, der Freude gold'nen Sitz; Aus ihren Augen zuckt des Hasses Blitz. — So blickt der Leu, wenn sich die Schlange regt, Sie wissen wohl, wohin ihr Fuß sie trägt, Sie schaun ihr Ziel, so sternenlicht und weit Und um sie braut die große Einsamkeit. Die schwere Ruh.— Vom Himmel dichtgedrängt Die schwarze Wolkenmasse e N Indes am freien Horizont verloht Sturmdunklen Blicks ein blutig Morgenrot. * Aus der Gedichtsammlung„Mit roten Kressen“ Großenhain, Baumelt und 9 8 —— vom Stamm gevissen. 41 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Wie jedes Jahr feierte die Königsberger Studentenschaft ihr Galtgarben⸗Fest zur Erinne⸗ rung an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815. Der Galtgarben sowie der Hausenberg sind isolierte, kegelförmige Hügel, welche sich im Nordwesten von Königsberg einige hundert Fuß hoch erheben und mit dichtem Eichenwald bestanden sind. Auf der Spitze des Galtgarben steht ein altes eisernes Kreuz, dem Andenken jener Zeit gewidmet, neben dem alljährlich an dem Tage der Schlacht von Belle⸗Alliance die Studentenschaft einen Holzstoß anzündet, bei dessen lodernden Flammen einer der dazu erkorenen Musensöhne eine auf den Tag den alten Eichen ein buntes Treiben. Ein reicher Weinhändler, dessen Töchtern Valeska Gesangsunterricht erteilte, hatte das junge Mädchen zu der Fahrt mit seiner Familie nach dem Galtgarben eingeladen, und dieses hatte mit Vergnügen zugesagt. Nach einem herrlichen Tage war die Sonne mit fast südlicher Farbenpracht unter den Horizont gesunken. Weiche Schatten senkten sich über die Landschaft herab. Die Wälder schwammen in blauem Duft und würzige Kühle stieg aus der Ebene auf. Unter den Eichen dämmerte es nächtlich. Da flammte droben am Kreuze das altheidnische Feueropfer zum klaren Zenit auf, wie es vor Jahrtausenden aufgeflammt sein mochte, und die feierlichen Klänge des Gaudeamus umbrausten die Flamme in hellem, kräftigem Chor. Die im Walde zerstreute Gesellschaft sammelte sich um die Sänger und lauschte, alte Herren, ehemalige Studenten, sangen begeistert mit. Bei den letzten Tönen des Liedes schritt Kurt Oettinger in vollständigem„Wichs“, über der Sammet⸗ pekesche die weißseidene Schärpe, und das Barett mit lang wallender Feder auf dem Haupt, die Stufen zum Kreuze hinan, um die ihm heute zugefallene Festrede zu halten. Es war ein prächtiges Bild, wie er so vom Feuer beleuchtet dastand, der Jüngling mit den schönen durch⸗ geistigten Zügen, in der malerischen, altdeutschen Tracht, entblößten Hauptes und die Linke auf dem Griff des Schlägers ruhend. Aller Augen hingen unverwandt an ihm, und unter ihnen die Valeskas, die den geistreichen Kopf Oettingers wohl schon im Laufe des Nachmittags bemerkt, aber wieder aus dem Gesicht verloren hatte. Als er nun auch sein sonores, kräftiges Organ über die Menge hin erschallen ließ und statt der üblichen patriotischen Phrasen Gedanken, die den Nerv der Gegenwart berührten, in schöner poetischer Sprache entwickelte, da kam es wie eine Lebensoffenbarung über sie. Es war ihr, als ob sie in eine neue Phase des Daseins ge⸗ treten sei. Lautes, begeistertes Bravo lohnte den Redner. „Kennen Sie den jungen Mann?“ wandte sich Valeska an den neben ihr stehenden Wein⸗ händler, Herrn Harbrücker, der sich mit Klatschen und Bravorufen gar nicht genug thun konnte. „Und ob ich ihn kenne“, versetzte dieser. „Das ist ja der Studiosus Oettinger. Sein Vater war einer meiner besten Kunden und mein guter Freund. Muß Sie doch mit dem Sohn bekannt machen. Ein prächtiger Junge! Warten Sie, ich hole ihn her.“ Und der gutmütige, bewegliche alte Herr drängte sich schon durch die Menge, den Studenten zu, die sich zu dem jetzt folgenden Kommers im Kreise lagerten. „Ach ja, Papa, thue das“, rief ihm Ella, seine sechszehnjährige Tochter, Valeskas Schülerin, nach, indem sie sich die Hände rieb und vor Vergnügen von einem Fuß auf den andern trippelte. Als die Mutter, eine beleibte, elegant gekleidete Dame, ihr dies auffällige Benehmen verwies, schlang sie ihren Arm um Valeska und flüsterte dieser ins Ohr:„Ich möchte ihn einmal in der Nähe sehen, ich finde ihn himmlisch, auch alle meine Freundinnen sind ganz hin von ihm!“ „Valeska hatte nicht Zeit, über diesen Back⸗ fischjargon zu lachen. Schon kam Herr Har⸗ brücker mit Oettinger heran und die Vorstellung erfolgte. Auch Oettinger war wie gebannt beim Anblick des Mädchens. Bald befanden sich beide in lebhaftem Gespräch. „Na, aber nun trinken wir auch ein Glas auf die neue Bekanntschaft“, rief der Weinhändler vergnügt;„im Flaschenfutter des Wagens muß noch eine stecken. Ella, lauf“ voraus und sag' Johann, daß er anspannt. Wir kommen lang⸗ sam nach.“ Oettinger begleitete seine neuen Freunde, und am Fuße des Berges angekommen, letzter Gruß, ein letzter Blick— Kurt stand allein— die duftige Nacht hatte sie ver⸗ schlungen.——— 1 0 Die Folge dieser Begegnung war, daß Kurt schon in den nächsten Tagen der Familie Stern einen Besuch machte. Frau Stern war jeder willkommen, der um ihrer Tochter Valeska willen kam. Sie sah es für eine Huldigung an, die sie für selbstverständlich hielt, und die ihr dennoch schmeichelte. mutigt. mit einem Studenten nicht. Herr Stern seiner⸗ seits schwärmte überhaupt für neue Bekannt⸗ schaften. Aufregung und Veränderung bedurfte. Das ewige Einerlei war ihm unerträglich. Wenn er abends nachhause kam, fand er die Seinen, deren weibliche Bekannte lieber die Tagesstunden zu ihren Besuchen wählten, meistens allein und wenig geneigt, auf seine Gespräche einzugehen. Nur Valeska machte hiervon eine Ausnahme. Sie war zu lebhaften Geistes, um nicht sofort ein angeschlagenes Thema aufzugreifen und ihre Meinung mit aller ihr zu Gebote stehenden Schlagfertigkeit zu verfechten, wozu gerade in des Vaters wunderlicher Art und Weise zu dis⸗ kutieren ein besonderer Sporn für sie lag. Und die Themata selbst waren nicht weniger wunder⸗ lich. Alles und Jedes, das Nächste und Fern⸗ liegendste gab ihm Stoff, seine Betrachtungen daran zu knüpfen. Seiner Lesewut entging nichts von den Zeit⸗ begebenheiten, und so konnie er eben sowohl über die neuesten parlamentarischen Vorgänge wie über die Forschungsreisen in Innerafrika reden, und fehlte es augenblicklich an solchen Dingen, so erklärte er den Seinigen die Konkursordnung ö oder den Nutzen der Vivisektion. War Valeska daher zuhause, so spannen sich zwischen ihr und dem Vater die Debatten oft bis spät in den Abend aus, oder sie machte Musik, und dann war er unermüdlich im Zuhören. war nicht oft zuhause. Geselligkeit sehr in Anspruch genommen. Ein jeder setzte seinen Ehrgeiz darein, das schöne, liebenswürdige Mädchen bei sich zu sehen. Tussy und die Mutter waren ganz andere Naturen. Ernst und schweigsam gingen beide ihren Beschäf⸗ f tigungen nach. In Tussys junger Seele fehlte 1 alles das, was sonst das Glück dieser Jahre ausmacht: Mädchenfreundschaft, Freude an Putz seiten des Lebens kennen gelernt und gehörte nicht zu denen, die empfangene Eindrücke nicht und Lustbarkeiten; sie hatte zu früh die Schatten⸗ wieder vergessen. Trotzdem sie es in ihrem Be⸗ 1 d nehmen gegen den Vater durchaus nicht an Ehr⸗ erbietung fehlen ließ, konnte sie es ihm nicht verzeihen, daß er der geliebten Mutter das Leben so erschwerte, und oft zuckten ihre feinen Lippen wie verächtlich, wenn sie ihn über die öffentlichen Angelegenheiten kluge Reden führen hörte, wäh⸗ rend er doch sein eigenes Leben so schlecht ein⸗ zurichten verstand. Aber von diesen Vorgängen in der Seele des Mädchens merkte niemand etwas, am wenigstens Herr Stern selbst, der sich aus seiner jüngsten Tochter überhaupt nichts machte. Neben Valeska erschien sie ihm unschön Er war eine Natur, die immer der So wurde auch Kurt freundlich von ihr empfangen und zum Wiederkommen er⸗ Eine Gefahr sah sie bei dem Verkehr ——'——— .— 8 2 —— — .——— TTT— Aber Valeska Sie wurde durch die r — 2 2 — — * = — 2 . — D sichts ge Fasung⸗ anfach k und wie sah, wie Wangen sich für deren N. wunde z zu geben tl Scho Madizin vor zu zu bew wenigste zu berm 0 1 ist eine ige un dm Jugend bier gef ahrung. gerade 9 bor jede Schutze nüuglic gerade sunderz 4 4 1 und beinahe einfältig. 9 Kein Wunder also, daß er Oettingers Be⸗ suche sehr gut aufnahm. Sie gossen frisches, neues Blut in den stockenden Familienorganis⸗* mus. Der junge Mann fühlte sich offenbar bei ihnen wohl, Umstände brauchte man um seinet⸗ wegen nicht zu machen. Wenn er abends kam — und Herr Stern bat ihn dringend, doch ja abends zu kommen— so nahm er unbefangen an dem einfachen Familienmahl teil, das er durch seine von Geist und Leben sprühende Unterhaltung würzte. Das war ein ander Ding, als wenn Herrn Sterns ältester Neffe, Rudolf, 1 N 1 1 U 8 id Ab- Herrn 0 1 welche en, die solle. 1 ein stand le ber⸗ b Kurt Stern r jeder willen an, die dennoch undlich nen er⸗ Verkehr seiner⸗ elannt⸗ ner der Daz Benn er „ deren den zu in und zugehen. zahme. t sofort ind ihre ehenden ade in zu dis⸗ „ Und wunder⸗ ) Fern⸗ htungen en Zeit⸗ l über ge wie a reden, Dingen, ordnung Valeska ihr und in den id dann Valeska uch die N Ein schöne, 1. Tussy Naturen Beschäf⸗ le fehlte r Johte an Putz ace ke nicht rem Be⸗ an Eht⸗ hn nicht 93 Leben n Lippen ferlichen t, wöh⸗ cht ein⸗ Nr. 5. Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung. Seite 7. der Sohn seines verstorbenen Bruders, sich ein⸗ fand, der mittlerweile zum Mann erwachsen, durch den Tod seines jüngeren Bruders und den der Mutter in den Besitz eines hübschen Ver— mögens gelangt war und dieses Vermögen in einem Produktengeschäft fruchtbringend angelegt hatte. Im übrigen war er jedoch ein ebenso lederner Bursche, wie sein Aeußeres fade und langweilig war, und obgleich er seiner ältesten Kousine abgöttische Verehrung darbrachte, so diente er dieser doch nur als Stichblatt ihres Witzes und ihrer munteren Neckereien. Nichts aber kleidete sie reizender, als wenn sie ihren immerhin gutmütigen Spott mit jemand trieb, und so wurde der arme Bursche immer verliebter, statt sich abschrecken zu lassen. Für Tussy war er garnicht vorhanden. Sie blickte nicht einmal von ihrem Buche auf, wenn er kam. Anders mit Oettinger. Bei seinem ersten Besuche hatte sie kein Auge von ihm verwandt, sodaß es ihn fast in Verlegenheit gesetzt hatte. Sie fühlte mit dem Instinkt des Weibes, daß es sich hier um mehr als eine neue Bekanntschaft handelte, daß das Herz ihrer Schwester engagiert war, und ein eifersüchtiger Schmerz ging wie ein zweischneidiges Schwert durch ihre Seele. Nur sehr allmählich faßte sie zu Oettinger Vertrauen und mischte sich bei seinen Abendbesuchen bis⸗ weilen schüchtern ins Gespräch, das sie mehr und mehr interessierte und dem sie mit auf⸗ horchendem Ohr folgte. Es wurden meistens soziale Dinge verhandelt, von denen sie bisher nichts gewußt oder die ihr zu hoch für ihre Fassungskraft erschienen waren. Und jetzt, wie einfach klang das alles, was Oettinger sprach, und wie edel und menschlich schön war es! Sie sah, wie ihre Schwester ihm mit brennenden Wangen zuhörte, wie sie seine Ideen teilte und sich für sie begeisterte, und sie wünschte sich deren Mut, ebenfalls Fragen zu stellen, Ein⸗ wände zu erheben oder ihren lauten Beifall kund zu geben. (Fortsetzung folgt.) Erkältung und Abhärtung. (Schluß.) Schon seit langem hat sich die praktische Medizin mit der Aufgabe beschäftigt, den Körper vor zu großer Empfindlichkeit für Erkältungen zu bewahren und, wenn sie doch eintreten, wenigstens ihre nachteiligen Folgen nach Kräften zu vermindern. Das erste Erfordernis hierzu ist eine von früher Jugend an geübte, vernünf⸗ tige und maßvolle Abhärtung. Zu einer vernünftigen Hygieine sollte schon in frühester Jugend der Grund gelegt werden; aber wie sehr hier gefehlt wird, lehrt leider die tägliche Er⸗ fahrung. Und so sehen wir denn auch, daß gerade diejenigen Kinder, die am sorgfältigsten vor jedem kalten Luftzuge gehütet und zum Schutze gegen die Unbilden des Wetters mit möglichst vielen Tüchern umwickelt werden, daß gerade diese verzärtelten Sprößlinge ganz be⸗ sonders häufig von Katarrhen und Halsentzün⸗ dungen befallen werden. Diese Verhätschelung und Luftscheu setzt sich in systematischer Weise in das Mannesalter fort und wird besonders durch die bei Beamten und TTV. so sehr beliebte Ueberheizung der Bureaus, Studier⸗ zimmer und Wohnräume oder den methodischen Gebrauch zu warmer Bäder, namentlich der Dampfbäder, sowie durch mangelhafte Lüftung der Schlafräume bis zu vollständiger Erschlaffung der Haut und beständiger Neigung zum Schwitzen in bedenklicher Weise gesteigert. Es mag zugegeben werden, daß auch wetter⸗ feste Naturen und nicht in Treibhauswärme Auferzogene den Unbilden und Schwankungen der Temperatur nicht immer ungestraft trotzen, immerhin jedoch kann als Grundsatz gelten, daß die Schleimhäute um so seltener von entzünd⸗ lichen Prozessen befallen werden, je kräftiger und abgehärteter die äußere Haut ist. Daß man durch Einwirkung auf die Nerven der Haut eine Aenderung des Blutkreislaufes und der Abson⸗ derung und eine Kräftigung der Haut bewirken kann, ist unzweifelhaft. Bei vielen zu Erkältungen neigenden Personen genügt oft schon das Tragen von Wollkleidern, um den erstrebten Zweck zu erreichen; die Wolle verhütet am besten Schwan⸗ kungen in der Oberflächentemperatur der Haut, auch saugt sie von allen Stoffen am meisten Flüssigkeit auf und läßt am langsamsten wieder verdunsten. Die Aengstlichkeit der Mütter in Bezug auf die Kleidung ihrer kleinen Lieblinge ist zu be⸗ kämpfen; die Kleidung soll ausreichend schützen — gute Fußbekleidung, leichte Bedeckung der Halsgegend, Tragen einer Flanelljacke— aber nie verweichlichend einwirken. Ebenso begreift man, daß mit der Beseitigung der übermäßig hohen Zimmer⸗ und Badetemperaturen eine wei⸗ tere Ursache für die Erschlaffung der Hautgefäße wegfällt. Ganz besondere Aufmerksamkeit sollte der Hautpflege zugewendet werden. Bei Kindern mache man lauwarme Waschungen mit Salzwasser von 24 Grad Reaumur Wärme mit nachfolgender Abreibung des ganzen Körpers, bei Erwachsenen naßkalte Abreibungen der ganzen Körperoberfläche von zwei Minuten Dauer mittels großer Laken, die vorher in kaltes Wasser getaucht und tüchtig ausgerungen sind, mit nachfolgendem Frottieren mit trockenen gewärmten Laken. Durch die verschiedenen hydropathischen Proze⸗ duren, besonders durch tägliche, am Morgen vor⸗ zunehmende kalte Waschungen, Abreibungen, Wickelungen, Douchen, im Sommer durch Fluß⸗, Sturz⸗ und Wellenbäder kann die Haut in hohem Grade gekräftigt und widerstandsfähig gemacht werden. Bei skrophulösen Kindern sind Sool⸗ bäder von 20 bis 25 Grad Reaumur und 10 bis 15 Minuten Dauer angebracht. Die un⸗ geduldigen Patienten müssen freilich bedenken, daß eine seit Jahren großgezogene Erschlaffung der Haut nicht in wenigen Wochen oder Monaten völlig beseitigt werden kann. Hat aber eine Erkältung eingewirkt, fühlt man sich infolge davon unbehaglich, zum Frösteln geneigt, treten die Vorboten eines fieberhaften oder sonstigen krankhaften Zustandes auf, dann ist die gleichmäßige Wärme des Bettes gleich⸗ zeitig mit dem Genuß eines Glases Glühwein oder einer Tasse warmen Thees oder ähnlicher warmer Getränke, zeitig genug angewendet, oft das beste Mittel zur Verhütung ernstlicher Er⸗ krankung. Die früher noch viel häufiger als jetzt angewendete Schwitzkur hat ihre volle Berech⸗ n wendung von schweren örtlichen Erkrankungen, die sonst sich einzustellen drohen. Eine der häufigsten Ursachen von Erkältungs⸗ krankheiten sind kalte oder durchnäßte Füße. Gegen kalte und schweißige Füße sind die Haupt⸗ heilmittel energische, häufige Bewegung und kaltes Waschen bei peinlichster Reinlichkeit. Bei nassen Füßen ist der Wärmeverlust dreimal so groß, als wenn diese Gliedmaßen unbekleidet wären. Wenn man an der Fußbekleidung nur drei Loth Wolle durchnäßt hat, ist nach Petten⸗ kofers Berechnung zur Verdunstung des darin angehäuften Wassers ebenso viel Wärme erforder⸗ lich, als man nötig haben würde, um mehr als ein halbes Pfund Eis zum Schmelzen zu bringen. Also sorge man zunächst für gutes, wasserdichtes Schuhwerk, und wenn man wirklich nasse Füße bekommen hat, so wechsle man, um üblen Folgen vorzubeugen, sofort die Strümpfe, trockne die Füße tüchtig ab und frottiere sie; darauf be⸗ fördere man den Blutumlauf durch ausgiebige Bewegung, wodurch eine wohlthuende Wärme⸗ regelung hergestellt wird. Sprüche zur Lebensweisheit. Erkenntnis der Wahrheit und Ausübung der Pflicht sind die höchsten Gebote der Sittlichkeit. A. v. Humboldt. Gesetz ist mächtig, mächtiger ist die Not. Goethe. * Was wir ersinnen, ist des Zufalls Spiel; Nur der Gedanke ist unser, nicht das Ziel. i Shakespeare. Keine Zeit und keine Macht ist imstande, den Wunsch nach Freiheit zu unterdrücken. . Macchiavelli. Man widersetzt sich vergebens dem starken Willen der Zeit. Die öffentliche Stimmung bildet eine Volksbewaffnung, die unbesiegbar ist, und welcher das stehende Heer der Regierungs⸗ gedanken früher oder später unterliegen muß. L. Börne. * Bevor zum Anfang ein tüchtiger Grund ge⸗ legt ist, halte ich es für eitles Bemühen, über das Ende auch nur ein Wort zu verlieren. Demosthenes. ———— Humoristisches. Bureaukratisches. Schreiber:„Ich möchte Herrn Amtsvorstand ganz ergebenst um Beförderung bitten; ich bin in so schwierigen Verhältnissen und habe soeben auch noch Familienzuwachs bekommen!“ Amtsvorstand:„Ja, was ist das! Sie wollen also nach jedem Kind befördert werden. Famos kal⸗ kuliert. Da können Sie es ja mit Fleiß und Ausdauer noch bis zum Amtsvorstand bringen!“ Der kleine Karl:„Mama, darf mich der Lehrer strafen für das, was ich nicht thue?“ Mutter:„Nein, mein Kind.“ Karl:„Dann brauche ich auch meine Rechenaufgabe nicht zu machen!“ Aus einer Verteidigungsrede. Anwalt:„Sie dürfen meinem Klienten aufs Wort glauben, wenn er sagt, daß er vor dem Untersuchungsrichter die Un⸗ wahrheit gesagt hat, denn mein Klient ist ein wahr⸗ Einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum die ergebene Anzeige, daß 1 aller Art wird bestens besorgt von G. H. Ledermann, ö Schneidermeister, Marktstraße 27. NB. Anfertigung nach Maß in nur guter Ausführung. Eee er ich das Geschäft der Firma A. L. Mohr in Gießen, Lindenplatz übernommen habe. Neben den seither geführten Artikeln werde ich auch Zigarren sowie sämtliche Kolonialwaren zum Verkauf bringen. NB. Rauchfleisch, Speck, Cervelatwurst u. s. w. stets wieder vorrätig. DDr tigung und ist oft das sicherste Mittel zur Ab⸗ heitsliebender Mann!“(Simpl.) —..,.. Nur C..... ¹·¹ R——..... rr. W mes 3 1 und Repa⸗ WI f 7 Ul Il 4 Geschäfts- Uebernahme. Zleidungsstücen MWlEdel Tel kau Neue Südfrüchte: Bosinen, Corinthen, Mandeln, Feigen, rein wollenen Cheviot Restkoupons, passend zu kompl. Anzügen zu bekannt bill. Preisen. 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