en, erung. 5 ingen, raue. Mrs. wahl. onstigen eisen. C rr Nr. 22. Gießen, Sonntag, den 28. Mai 1899. 6. Jahrg. Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. 2 Mitteldeutsche buntags⸗Zeitung. Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag& Uhr D Abonnementspreis: Bestellun gen 1 Inserate Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. Die Scharfmacher. oa. Die Herren Sozialistentöter haben in der letzten Session des Reichstags keine Seide gesponnen. Zahlreiche Debatten haben statt⸗ gefunden, bei denen die Organe der Scharf⸗ macher und der Reaktionäre eine„Vernichtung“ der Sozialdemokratie entdeckt haben wollten. Das mußten sie ihren Brodherren zu Liebe thun. Aber der Augenschein lehrte, daß die Sozial⸗ demokraten kampfesfroh und wachsam wie immer auf ihren Posten waren und daß sie sich nach wie vor des Vertrauens der großen Masse des Volkes erfreuen. Der Eiertanz der Mehrheit in der Militärfrage, die Zickzackpolitik des Centrums, die unverhohlene Arbeiterfeindlichkeit der Junker haben alles gethan, um die Position der Sozialdemokratie zu verstärken. Die Unternehmer wissen nicht recht, was sie machen sollen. Die ewigen Tiraden des Herrn von Stumm, daß man die Sozialdemokratie mit den schärfsten Repressivmaßregeln über⸗ winden könne, werden ihnen nachgerade auch bis zum Ueberdruß langweilig. Stumm ist ausgelacht worden und sein getreuer Schild— knappe Kardorff mit ihm. Herr von Heyl und Herr Röĩsicke wollen den Arbeitern einige kleine Zugeständnisse machen; Herr von Heyl glaubt damit der Sozialdemokratie mehr Schaden zufügen zu können, als mit den Gewaltmitteln des Herrn von Stumm. Er wird sich täuschen; die Sozialdemokratie freut sich im Gegenteil sehr über seine Anträge, weil die Heyl und Genossen sich damit in einen strikten und dauernden Gegensatz zu den Stumm und Genossen gesetzt haben. Stumm ist auch ganz wütend über den „Abfall“ der Heyl und Genossen; mit seinen Angriffen gegen dieselben hat er nur die Heiter⸗ keit des Reichstags hervorrufen können. Der Reichstag ist am 18. Mai in die Ferien gegangen, ohne daß von den Plänen der Scharf— macher und Sozialistentöter auch nur ein Titelchen erreicht worden ist; es soll nach Pfingsten nur noch das Notwendigste erledigt werden und dann ruht die Thätigkeit des Reichs⸗ tags bis zum 10. November. Die Zuchthaus⸗ vorlage kann also vor November nicht mehr kommen. Wird sie dann kommen? Darauf können wir weder mit Ja noch mit Nein ant⸗ worten; indessen darf man wohl annehmen, daß die Schwierigkeiten, die der Vorlage in den Vorbereitungsstadien begegnet sind, inzwischen ewachsen sind. Der Reichstag wird eine Vor⸗ age, welche den Wünschen der Stumm und Genossen entspricht, nicht annehmen; das steht heute fest. Zugleich wird aber die Gefälligkeit der Regierung gegen den„König Stumm“ kaum so groß sein, daß sie den Reichstag auflöst, weil er nicht nach Stumm'schen Herzenswünschen be⸗ schließt. Da müßte ja die Regierung mit der Zuchthausvorlage als Parole sich in den Wahl⸗ kampf begeben und das wird sie kaum wollen. Die Behandlung der Materie selbst ist eine außerordentlich schwierige und die Herren Ge⸗ heimräthe mögen sich dabei die Köpfe nicht übel zerbrochen haben. Aber sie scheinen zu einem irgendwie geeigneten Resultat nicht gekommen zu sein, denn sonst müßte doch irgend eine Nach⸗ richt über den Inhalt des famosen Werkes durch einen der tausend bekannten Kanäle in die Dieeffentlichkeit gesickert sein. n hat n vernommen, gar nichts, und das ist in diesem Man hat nichts Direkt durch][ Druckerei, Schloßg. 13, f Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.] Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. owie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewäbren wir 25%, bei 6mal. Bestellung jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312.) 33¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt. Falle das Erfreulichste. Ob es in diesem Sommer in den Hundstagen gelingen wird, das Ei auszubrüten, erlauben wir uns stark zu be⸗ zweifeln, denn wenn bisher kein neuer Gedanke gekommen ist, dann kommt er doch jetzt erst recht nicht. Indessen— Ueberraschungen sind nicht aus⸗ geschlossen. Immerhin kann im November eine Vorlage da sein. Wenn sie aber angenommen wird, dann ist sie keine Zuchthausvorlage im Sinne der Stumm und Genossen. Die Reaktionäre werden selbstverständlich vom Kampfe gegen die Sozialdemokratie nicht ablassen; die Junker sind erschreckt, weil der Sozialismus in die Landbevölkerung eindringt, und sie treiben unablässig zu einer Gewaltpolitik gegen die Sozialdemokratie. Ob eine solche Politik wiederkommen wird, wissen wir nicht; wir wissen nur, daß die Sozialdemokratie mit den alten verbrauchten Mitteln nicht überwunden werden kann. Die Stumm und Genossen nehmen aus dieser Session die Ueberzeugung mit, daß die Reihen ihrer Anhänger sich lichten, während die Sozialdemokratie in der Ausbreitung begriffen ist. Das mag dem Selbstherrscher in Neun⸗ kirchen viel Kummer bereiten. Uns bereitet es ben so viel Vergnügen. Zur hessischen Gewerbe-Inspektion. J. 8. In einem stattlichen Band vereinigt, sind dieser Tage die Berichte der hessischen Gewerbeinspektoren für das Jahr 1898 erschienen. Nach der gesetzlichen Neuregelung ist das Großherzogtum vom 1. Juli v. J. ab in vier Aufsichtsbezirke eingeteilt: Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen. Der Darmstädter Inspektion ist ein Assistent, den Inspektionen Offenbach und Mainz je eine Assistentin beigegebeu. Die Mainzer Beamtin hat gleichzeitig den oberhessischen, die Offenbacher Assistentin den Darmstädter Gewerbeinspektor zu unterstützen, sodaß nunmehr im ganzen Großherzogtum weibliche Gewerbeaufsicht eingeführt ist. Die Anstellung der weiblichen Inspektoren hat sich außer⸗ ordentlich gut bewährt. Hoffentlich wird in absehbarer Zeit jeder Bezirk eine Assistentin zur Verfügung haben. Da für den Gießener Beamten, der unseres Erachtens mit Arbeiten überhäuft ist, über Kurz oder Lang Hilfe beschafft werden muß, so dürfte es sich mit Rücksicht auf die vielen Cigarrenfabriken, in denen Hunderte weiblicher Arbeiter beschäftigt werden, gewiß empfehlen, eine Assi⸗ stentin anzustellen. Es giebt allerlei Mißstände auf den Arbeitsstätten, die die Arbeiterin bei dem Inspektor nicht zur Sprache bringt, einer Frau gegenüber wird sie kein Hehl daraus machen.— Wir müssen uns auf eine Besprechung des von Ge⸗ werbeinspektor Engeln⸗Gießen erstatteten Berichts für Oberhessen beschränken. Eine Würdigung der übrigen drei Berichte gestatt t uns der beschränkte Raum nicht. Herr Engeln hat im Ganzen 940 Betriebe in Ober⸗ hessen ermittelt, die der Gewerbeaufsicht unterstehen, außerdem sind noch 18 Bergbetriebe vorhanden, die von besonderen Beamten revidiert werden. Vergegen⸗ wärtigt man sich, daß im Jahre 1897 nur 565 der Aufsicht unterstehende Betriebe ermittelt wurden, so wird man dem Gewerbeinspektor Recht geben müssen, wenn er sagt, daß nicht nur die Errichtung einer be⸗ sonderen Inspektion in Gießen notwendig war, sondern auch, daß die In dustrie in Oberhessen eine weit größere Bedeutung erreicht hat, als gewöhnlich ange⸗ nommen wird. Etwa ein Drittel aller Betriebe wrdeu inspiziert. Wegen Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorschriften mußten vielfach Anzeigen erstattet werden. Die ländlichen Orts⸗ Bei mindestens polizeibehörden, die um Aufklärung angegangen wurden, zeigten sich häufig nicht genügend unterrichtet über die Aufgaben der Gewerbeinspektion. Größere Unternehmer waren dem Gewerbeinspektor gegenüber zuvorkommender als kleinere. Von den letzteren werden besonders die Bäckermeister genannt. Das finden wir sehr begreiflich. Der Gewerbeinspektor hat den Eindruck gewonnen, daß die oberhessische Industrie im weiteren Emporblühen begriffen ist. In den 940 der Gewerbe-Aufsicht unterstehenden Betrieben Oberhessens waren beschäftigt: Erwachsene männliche Arbeiter 8833 Jugendliche 5 5 863 Arbeiterinnen über 21 Jahre 1491 7 von 16—21 Jahren 947 Jugendliche Arbeiterinnen 404 Zusammen also Arbeiter: 12538 Davon kommen mehr als die Hälfte allein auf den Kreis Gießen, nämlich 6371. Von den in ganz Oberhessen beschäftigten 2842 weiblichen Arbeitern entfallen auf den Kreis Gießen allein drei Vierteile, nämlich 2140. Und hiervon sind wiederum allein in der Cigarrenfabrikation des Kreises genau 2000 Arbeite⸗ rinnen beschäftigt. Die Ermittelungen des Gewerbeinspektors über die namentlich im Kreis Gießen heimische Eigarrenindustrie dürften unsere Leser am meisten interessiren. Es wurden im Jahre 1898 in der oberhessischen Cigarrenindustrie beschäftigt: Stadt Gießen, 19 Fabriken: Männliche Arbeiter Arbeiterinneu erwachsene jugendliche erwachsene jugendliche 365 35 746 98 Umgebung von Gießen, 33 Fabriken: 369 32 1003 153 Im übrigen Oberhessen, 13 Fabriken: 58 17 28 3 Insgesammt also: 792 84. 7 6NÆU00 254 876 2031 Arbeiter. Arbeiterinnen. Diese Ziffern lassen deutlich genug erkennen, welche Bedeutung die Cigarrenindustrie für Oberhessen, ganz besonders aber für den Kreis Gießen hat. In Wirk⸗ lichkeit ist die Cigarrenindustrie für Gießen jedoch noch bedeutsamer als obige Ziffern erscheinen lassen. Denn Hunderte von weiteren Arbeitern und Arbeiterinnen Gießener Cigarrenfabrikanten arbeiten in den in den be⸗ nachbarten preußischen Dörfern errichteten Fabriken, die der Aufsicht des oberhessischen Gewerbeinspektors nicht unterstehen. Der Vergleich mit den Berichten früherer Jahre zeigt, daß sich die Cigarrenindustrie fortgesetzt weiter entwickelt hat. Dabei besteht die Tendenz, neue Fabriken auf dem Land zu errichten.— Recht bemerkenswert ist das, was Herr Engeln in seinem Bericht über die Einigkeit der Cigarren fabri⸗ kanten im Kreis Gießen sagt: „Es ist üblich in den hiesigen Zigarrenfabriken, daß die Lehrlinge einen dreijährigen Lehrkontrakt eingehen, welcher sie verpflichtet, nicht nur diese drei Jahre un⸗ unterbrochen auszuhalten, sondern ihnen auch bei Kon⸗ traktbruch die Aufnahme in einer anderen Zigarrenfabrik fast unmöglich macht. Einesteils werden zuweilen in dem Vertrag Konventionalstrafen vorgesehen, andernteils nehmen die Zigarrenfabriken einen Kontraktbrüchigen nicht auf. Im ersten Jahre verdient ein solcher Lehrling etwa bis 50 Pfg. pro Tag, im zweiten Jahre 0,90 bis 1,20 Mark, im dritten Jahre bis 1,50 Mark. Unverkennbar liegt in solchen Kontrakten eine gewisse Härte, wenn es auch auf der anderen Seite dem Fabrikbesitzer nicht zu verdenken ist, daß er sich seine Mühe belohnen läßt. Gute Behandlung und angemessener Verdienst halten strebsame Arbeiter auch ohne Kontrakt.“ 7 — —— Seite 2. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 22. Von der„Mühe der Fabrikbesitzer“ kann überhaupt keine Rede sein. Für die Fabrikanten hat der Vertrag nur die Bedeutung, sich für drei Jahre billige Arbeits⸗ kraft zu sichern. Denn sobald die sogenannten Lehrlinge die Geheimnisse der Cigarrenfabrikation begriffen haben — und das geht sehr schnell—, sind sie im Stande, im Accord weit mehr zu verdienen, als ihnen ihr„Lehr“⸗ fabrikant im Tagelohn für dasselbe Quantum zahlt. Gebunden durch den„Kontrakt“ genannten Sklaven⸗ brief müssen die jungen Leute die drei Jahre lang bei demselben Fabrikanten für ein Butterbrod frohnden. Das ist ein geradezu skandalöses Verhältnis. Wohl nirgends wäre es deu Arbeitern so leicht gemacht, sich eine gute Organisation zu schaffen, wie den Cigarrenarbeitern im Kreis Gießen. Sie arbeiten stets in größerer Zahl zusammen, die Fabriken befinden sich in einem verhältnismäßig kleinen Bezirk, die Cigarren⸗ industrie blüht, die Unternehmer stecken Jahr für Jahr hohe Gewinne ein— die Arbeiter aber stehen gleich⸗ giltig bei Seite, bescheiden sich mit den kärglichsten Löhnen und laben sich sogar hier und da von ungeschliffenen Werkmeistern noch auf das ordinärste behandeln. Lernt von Euren Fabrikanten, die den Wert der Organisation längst eingesehen haben. (Ein weiterer Artikel folgt.) 3—— Politische Rundschau. Gießen, den 26. Mai. Sozialistische Friedens⸗Demonstration. Am Sonntag Abend fand in Amsterdam als Protest gegen die im Haag tagende Friedens⸗ konferenz der Diplomaten ein von der Arbeiter⸗ partei Hollands veranstaltetes internationales Friedensmeeting statt. Der große Saal war von einer nach Tausenden zählenden Menge dicht besetzt, die mit bewundernswerter Geduld den Ausführungen der ausländischen Redner folgte. Aus Deutschland war Molkenbuhr gekommen. Außer ihm traten noch der Belgier Ansele, und der Holländer Troelstra als Redner auf. Die Versammlung verlief, abge⸗ sehen von einer schnell beseitigten Störung durch einen Auarchisten, in höchst würdiger, eindrucks⸗ voller Weise. Friedens⸗Komödie. Während in Haag die Delegierten von 26 Staaten anscheinend die Friedenspfeifen rauchen, wird überall flott weiter gerüstet. Ueber neue Befestigungen in den Reichs landen berichten die„Münch. Neuest. Nichr.“: Wie für die Festung Metz drei Außenwerke zur Ausführung gelangen, so ist auch für die Festung Diedenhofen, welche bisher aller Außenwerke entbehrte, die Anlage eines Forts auf der das umliegende Gelände weithin beherrschenden Höhe von Gentringen, ungefähr 4 Kilometer nordwestlich von Diedenhofea, in Aussicht genommen. Ein auf dem linken Moselufer erscheinender Feind kann nach Ausführung dieses Forts die Festung nicht eher unter Feuer nehmen, als bis das Fort gefallen ist. Die französische Presse drängt mit Rücksicht auf diese neuen deutschen Befestigungen an der Reichsgrenze auf die baldige Ausführung der schon längst beabsichtigten ausgedehnten Befestigung von Nancy und wirft der französischen Regierung vor, daß sie unrichtigerweise ihr ganzes Augenmerk auf Küstenbefestigungen lenke und darüber den schlimmsten Feind Frankreichs— Deutschland — vergesse. Der Zar drangsaliert inzwischen Finland weiter, dem er die garantierte Verfassung weg⸗ stibizt und ihm für die genommenen Rechte allerlei neue Pflichten auferlegt. Uebrigens lauten die Nachrichten über die Friedenskomödie in Haag recht ungünstig. Allerlei Formalitäten und Eifersüchteleien tragen nicht wenig dazu bei, recht gespannte Verhält⸗ nisse zu zeitigen. Ang blich soll die Konferenz monatelang zusam men sein. Schade für das Geld, welches die glatten Diplomaten in dieser Zeit kosten. Ihre Acbeit ist von vorn herein zur Uafruchtbarkeit verdammt. Koloniale Herrlichkeiten. Einem Privatbriefe aus Deutsch-Südwest— Afrika entnimmt der„Vorwärts“ einige An⸗ gaben über die Lage der Angestellten an der dortigen Staatsbahn, die nur zu geeignet sind, vor der Auswanderung in jene Gegend dringend zu wirnen. Es heißt in dem Briefe: „Was unsere Arbeit, Löhnung und Ver⸗ pflegung hier weiter im Innern des Lande, anbetrifft, läßt alles sehr zu wünschen übrig, denn es herrschen hier traurige und tolle Zu— stände und Unzufriedenheiten. Es rücken alle Monate Leute aus; es ist hohe Zeit, daß hier bald eine Aenderung in den Lohnverhältnissen und der Verpflegung geschaffen wird! Z. B. bekommen sämtliche Ausländer bei freier Ver⸗ pflegung 120, 150 bis 180 Mark monatlich, wogegen wir Deutschen nur 55 bezw. 83 Mark erhalten, wo wir noch dazu alle verantwortlichen Posten bekleiden.“ Das Fahrpersonal an der Bahn hat nach der Schilderung des Briefschreibers z. B. 14 bis 16 Stunden Dienst— in den Tropen!—; ein Zugführer bekommt 83 Mark Monatslohn. Dazu macht der Schreiber einige Angaben über die Preise, die diese Bezahlung erst ins richtige Licht setzen. Eine Flasche Bier,/ Liter, kostet z. B. 1.50 Mk., eine Flasche Cognac 5 Mk., ein Rollmops 1 Mk., ein Faß Salzheringe, ent⸗ haltent 24 Stück, 7 bis 10 Mk., ein paar Schuhe, die in Berlin(der Schreiber ist Berliner) 5 Mk. kosten, 20 Mk. Für Wäschewaschen bezahlte er für 1 Jackett, 1 Hose, 2 Hemden, 1 Unter⸗ hose und 2 Paar Strümpfe 2.50 Mk., 1 Platte Taback für 25 Pfg., 1 Schachtel Streichhölzer für 5 Pfg. und für 1 Mk. Seife. Die schwarzen Waschweiber wollen auch nur Silber haben, da man für Nickel nichts zu kaufen bekommt. „In Swakopmund sind die Hafenarbeiter bereits aufrührerisch geworden, es sind auch nicht mehr viele von ihnen hier; alles rückt aus. Sämtliche Waffen sind ihnen abgenommen worden, die Truppe hat jeden Augenblick bereit stehen müssen, wie gesagt, es herrschen hier heillose Zustände.“ Es wird dann in dem Briefe, der aus dem vorigen Monat dieses Jahres datiert ist, noch mitgeteilt, daß von dem Transporte, mit dem der Schreiber Ende vorigen Jahres hingekommen ist, schon 6 Mann am Fieber gestorben sind und schließlich der Freund, an den der Brief gerichtet ist, dringend gewarnt, sich nicht etwa euch zur Uebersiedelung verlocken zu lassen. — Dieser Warnung können wir uns nur an⸗ schließen. Erwähnt sei übrigens, daß man auch höchst „kulturelle“ Ansichtspostkarten aus der Kolonie schickt; auf einer sieht man z. B. in„fein künstlerischen“ Ausführung„kettengefangene Buschleute in Windhoek.“ Dies photographische Bild wird als ein„Gruß aus unseren Kolonien“ mit unbeabsichtigter Ironie bezeichnet. Aus Deutsch⸗China. Ein Seesoldat, der mit dem ersten Trans- port im November 1897 mit nach Kiautschau gekommen, schreibt an seine Eltern: Es ist jetzt wohl gewiß, daß ich noch ein Jahr hier bleiben muß. Am letzten Sonntag sind 27 Mann unserer Kompagnie, welche abgelöst werden sollen von unserem Ersatz, öffentlich vor der Front namhaft gmacht. Von diesen 27 Mann sind 19 dienstuntauglich, die ent⸗ weder eine schwere Krankheit gehabt haben oder noch krank sind. Die übrigen 8 sind die Aeltesten von unserem Ersatz, 1875 oder 1876 geboren. Gegen das Reichstagswahlrecht macht im Deutschen Wochenblatt J. Heckler ein Centrumsmann, einen Vorschlag. Man solle die gesamte Wählerschaft in drei Altersklassen teilen, die jüngste oder dritte Klasse enthalten die Wähler vom 25. bis 40. Lebensjahre, die mittlere oder zweite die Wähler zwischen dem 40. und 55. Lebenjahr und die älteste oder erste Kasse der Reichstags-Wähler vom 55. Lebensjahre ab aufwärts. Nach Maß⸗ gabe der Stärke der Altersklassen habe der Wähler in dee zweiten Klasse danach das do p⸗ pelte und der Wähler der ersten Klasse das dreifache Stimmrecht des Wählers der jüng⸗ sten Klasse. Die offiziöse Münchener Allg. Ztg. meint, daß diese Vorschläze Beachtung ver⸗ dienen.() Es wären aber nicht bloß das Alter, sondern auch die Besitz verhältnisse bezw. Steuer⸗ leistungen, Verheiratung, Bildungsgrad und anderes mit zu berücksichtigen.— Mit ähnlichen Vorschlägen kam schon neulich das Organ des Zentralverbandes deutscher Industrieller, die „Berliner Neuesten Nachrichten.“ Die Herren sind wieder einmal recht eifrig daran, in allen Tonarten die Beschneidung des Reichstagswahl⸗ rechts zu fordern. Wie deutsche Seeofsiziere sein sollen. Die Hochkonservative und streng christliche „Kreuzzeitung“ veröffentlicht an leitender Stelle (als Eingesandt) einen Artikel über die Fecht⸗ weise zur See, aus dem wir einiges zur Kenn⸗ zeichnung des deutschen Marinis mus her⸗ ausheben. Wir erfahren daraus, welche Eigen⸗ schaften nach der Auffassung in Jun kerkreisen deutsche Seeoffiziere haben müssen. Da liest man: „In einer Flotte braucht man keine Musteroffiziere, die korrekt und glatt ihre Pflicht erfüllen. Nelson war im gewöhnlichen Leben ein Wüstling und ein Trunkenbold, aber auf dem Deck seines Admiralschiffes wurde er zum Stiere, der rücksichtslos draufging. Tegetthoff liebte das Spiel und am Tage von Lissa soll er über den Durst getrunken haben, allein auch er ging scharf wie eine Bulldogge los. Zur See hat dies jederzeit die größten Erfolge gegeben und daher brauchen wir zu Flottenführern rücksichtslose Wagehälse im Stile eines Blücher, denen man erforderlichenfalls berechtigte Eigentümlichkeiten mit Verstand zu gute halten muß. Nur solche Menschen führen Flotten gut und nur solche Menschen namentlich sind im stande, eine schwächere Flotte zum Siege zu führen. Es ist keine Frage, daß der Marineoffizier kühner und namentlich unbekümmerter sein muß als sein Kamerad auf dem Lande. Gerade in Marine sind solche Elemente wohl vor- handen, es handelt sich nur darum, ihnen durch Zustimmung Halt und Rückgrat zu geben und sie in die Stellungen zu bringen, wo sie wirken können. Je mehr solche Offiziere wir in der Flotte haben, desto besser wird sie sein, und hätten wir sie nicht, so müßten wir sie züchten.“ So zu lesen in der Morgenausgabe der Kreuzzeitung vom 19. Mai 1899. Was wird das Reichsmarineamt zu dieser Charakteristik der Offizierstugenden und zu diesen Vorschlägen sagen? Wir wollen auch nur durch die kleinste kritische Randbemerkung die Wirkung dieses konservativen Marine-Kannibalismus nicht abschwächen. Material zum Zuchthausgesetz. Das„Hamburger Echo“ veröffentlicht folgende Ver rufserklärungen, durch die hinterlistigerweise ehrenhafte Arbeiter an freiwilliger Arbeit ge⸗ hindert werden sollten: Hamburg, 17. Mai 1899. Kein Wir teilen Ihnen hierdurch ergebenst mit, daß die in der umstehenden Liste aufgeführten Schiffszimmerleute, die bisher bei Herren Holtz, Renck jr. und Harms in Hamburg(Elbe) beschäftigt waren, in einen Streik ein⸗ getreten sind. Diese Leute forderten eine Lohnerhöhung von 40 Pfg. pro Tag und schlugen die von den Arbeit⸗ gebern angebotene Lohnerhöhung von 20 Pfg. pro Tag aus. Wir bitten, die genannten Schiffszimmerleute so lange nicht einzustellen, bis wir Ihnen Nachricht geben, daß diese Angelegenheit geordnet ist. Hochachtungsvoll Verband der Eisenindustrie Hamburgs. gez. J. A.: Thielkow, Sekretär. Die schwarze Liste weist die Namen von 15 bezw. 12 und 5 Arbeitern auf, die auf den ge⸗ nannten drei Werften in Harburg beschäftigt waren. Der zweite Vehmbrief lautet: Hamburg, 17. Mai 1899. Hern Soeben erhalten wir von der Flensburger Schiffs⸗ baugesellschaft die Mitteilung, daß dort gestern 55 Stemmer die Arbeit niedergelegt haben und voraussicht⸗ lich sich noch mehr Arbeiter diesem Streik anschließen werden. Wir werden ersucht, nicht nur diese jetzt schon Streikenden(siehe umstehende Liste) von der Arbeit aus⸗ unserer Tee N. oben, Acht und fi dumm wied. nitten N fadigung. f Ua un aber al flit des An fine Unter b er zunte sült. Die Keune zeit ladet und deantwoltl Straftamm Uunständen sprechun Gegen Pückler! Angemeldet feier Unge Wbetalität schen erkeg Ballet“ „Vir 65 dem Juebesor denokr dur Gra Rois unk im fehr af wür uten Alten le Hefühler fenen Al Der He uihle he U i f u pern eines A ß der sein 96 lch gr us noc * dale n 8 r für g 1 Sale Hecht. lin — fern. her gen. keisen man: eine t ihre lichen old, wurde fging. e bon zaben, ogge die daher lose man keiten solche solche ächere Gage, etlich mera) serer bor⸗ nen grat ingen, fiziere ird sie sten der wird eristil lägen leinste dieses nicht . gende lwweise it ge⸗ 899. daß die gerleute, ums in gk ell⸗ öhung Abel 6 ü so lange ( gebe, lelät. 1 on 15 den ge hafte 180 20 n, alkschb cle l 13. ü 0 Nr. 22. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 3. zuschließen, sondern auch alle sonst sich meldenden Arbeiter der genannten Werft abzuweisen. Hochachtungsvoll Verband der Eisenindustrie Hamburgs. gez. J. A.: Thielkow, Sekretär. Diese schwarze Liste weist die Namen von 55 Arbeitern der Flensburger Schiffswerft auf. Hier werden nicht nur Streikende, sondern die thätigen Arbeiter einer ganzen Werf ins— geheim und hinterlistig in Verruf erklärt, ohne daß sie eine Ahnung davon haben, wer sie an freiwilliger Arbeit hindert. Ein verrückter Majestätsbeleidiger. Wegen Majestätsbeleidigung und Gehorsams— verweigerung war der Knecht Keune vor einiger Zeit vom Kriegsgericht zu drei Jahren und einem Monat Gesängnis verurteilt und aus dem Heere ausgestoßen worden. Im Arrest— haus zu Elberfeld beging er wiederum eine Majestätsbeleidigung und wurde deswegen am 28. November zu einer Zusatzstrafe von einem Jahr und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum wieder im Arresthause, beging er zum dritten Male eine ganz grobe Majestätsbe— leidigung. Wegen dieser stand er am 1. Februar in Elberfeld vor der Strafkammer. Diese fing nun aber an, an der Zurechnungsfähig— keit des Angeklagten zu zweifeln und ordnete seine Unterbringung in eine Irrenanstalt an, wo er zunächst einige Monate beobachtet werden sollte. Die Beobachtung hat nun ergeben, daß Keune zeitweilig an heftigen Wutausbrüchen leidet und daß er dann für sein Thun nicht verantwortlich gemacht werden kaun. Die Strafkammer in Elberfeld erkaunte unter diesen Umständen vor einigen Tagen auf Frei— sprechung. Dresch⸗Gräfliches. Gegen die Freisprechung des Dresch-Grafen Pückler hat die Staatsanwaltschaft Revision angemeldet. Das freisprechend Urteil hat wegen seiner Ungewöhnlichkeit, wegen seiner erstaunlichen Liberalität in den verschiedensten Lagern Auf— sehen erregt. So schreibt die katholische„Köln. Volksztg.“: „Wir möchten denn doch niemanden raten, es dem Herrn Grafen Pückler nachzumachen. Insbesondere möchten wir keinem Sozial⸗ demokraten raten, in ähnlicher Weise, wie der Graf gegen die Juden, gegen die Bour— geois und Unternehmer zu wüten. Es würde ihm sehrübel bekommen, und kein Gerichts— hof würde nach seinen„idealen Zielen“ und „guten Willen“ fragen und die Entschuldigung gelten lassen, daß er sich„leicht von seinen Gefühlen hinreißen“ lasse und deshalb„in seinen Ausdrücken nicht gerade wählerisch“ sei. Der Herr Graf war vor dem Glogauer Ge— richte persönlich erschienen und verteidigte sich da in der ihm eigentümlichen Art. Es steht zu vermuten, daß der Gerichtshof infolge seines Auftretens die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte„nicht das Bewußt⸗ sein 1 habe, es könnte der öffent— liche Friede gestört werden. Man kann das aus noch etwas anders ausdrücken.“ Was wir über das Urteil gegen den Grafen Pückler und über zahlreiche Urteile gegen Sozialdemokraten denken, wollen wir für uns behalten. ee Aus dem Reichstag. Arbeiterfreunde. Unsere Genossen haben bei jedem einschneidenden Paragraphen des neuen Invaliditäts- und Alters⸗ Versicherungs⸗Gesetzes Verbesserungsauträge im Interesse der Arbeiter gestellt und dieselben jedesmal mit wahrer Engelsgeduld eingehend begründet. Nieder⸗ stimmen! aber hieß die Parole bei den bürgerlichen Parteien und so stimmten sie gegen jeden Verbesserungs⸗ vorschlag der Sozialdemokraten. Was bedeutet für sie auch dieses Gesetz. Es ist Ihnen unangenehm genug, daß sie Beiträge für Ihre Arbeiter mitbezahlen müssen. Wozu nun noch Einrichtungen treffen, die den Arbeitern zu Gute kommen würden? Was wissen sie auch, wie es einem invallden Arbeiter zu Mute ist, der sich sein Leben lang im Dienste des Kapitalismus abgerackert hat und im Alter hilflos dasteht? Für sie selbst er⸗ zeugen„ihre“ Arbeiter den erforderlichen Mehrwert, der es ihnen gestattet, ein sorgenloses Dasein bis an's Ende zu führen. Und für ihre Verwandten, ihre Söhne, Brüder und Vettern, die Offiziere und Beamten, ist durch auskömmliche Pensionen, die das arbeitende Volk durch indirekte Steuern aufbringen muß, gleichfalls hin— länglich gesorgt. Gerade die Verhandlungen über das neue Invaliditäts- und Alters-Versicherungs-Gesetz werden Tausende Arbeiter zu der Ueberzeugung bringen, daß es ein Wahnsinn ist, wenn Arbeiter einem anderen Vertreter ihre Stimme geben, als einem Sozialdemokraten. Mehr Sozialdemokraten in den Reichstag— das ist die Lehre, die aus dem Verhalten aller sozialisten— gegnerischen Parteien in Reichstag zu ziehen ist. Bis zum 6. Juni ist der Reichstag in Ferien gegangen. Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose. V. Ein„Tuberkulose-Kongreß“, wie er kurz⸗ weg genannt wird, hat am Mittwoch im Reichs— tagsgebäude zu Berlin seine Verhandlungen be— gonnen. Trotzdem der Byzantinismus recht wenig angenehm berührt, der sich auch an diese, rein humanitären Zwecken dienende Veran— staltung knüpft, begrüßt die Arbeiterschaft Deutsch— lands dies Ereignis mit Freuden, und sie wünscht den Kongreßteilnehmern guten Erfolg für ihre Bestrebungen. Ist doch die Krankheit, deren Bekämpfung sich der Kongreß zur Aufgabe gemacht hat,— die Tuberkulose, oder mit ihrem deutschen Namen: die Schwindsucht— eine„Volks“ krankheit in jeder Bedeutung dieses Wortes, eine„Volks“ krankheit namentlich auch in dem Sinne, daß die Seuche mit ganz besonderer Schärse unter dem Proletariat wütet. Weil die Schwindsucht, die Proletarierkrank— heit“ ist, weil für ihre Eutstehung und Aus⸗ breitung wirtschaftliche Verhältnisse— Unter⸗ ernährung, Ueberarbeit, Wohnungsnot, Mangel an guter Luft u. s. w.— von hervorragender Bedeutung sind, deshalb ist ja leider ein voller Erfolg der Bestrebungen, welchen der Kongreß dient, solange nicht zu erwarten, als nicht die Ursache dieser wirtschaftlichen Verhältnisse, die kapitalistische Gesellschaftsordnung, bdeseitigt ist. Aber das ehrliche Streben, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, wird doch immerhin einigen Erfolg erzielen, und dieser Erfolg wird, wiederum weil es sich um„die Proletarier— krankheit“ handelt, zumeist dem Proletariat zu gute kommen. Und daß ehrliches Streben in diesem Sinne den Kongreß und insbesondere die Kongreßleitung beseelt, dafür bürgt uns allein schon der Umstand, daß man bereitwilliger, als dies sonst zu geschehen pflegt, auch die Mit⸗ wirkung der Arbeiterschaft selbst und ihrer Verkreter auf dem Kongreß zugelassen hat. Die Arbeiterschaft hat die ihr dargebotene Hand de pan sie hat zahlreiche Vertreter — Mitglieder von Krankenkassen und Invalidi⸗ tätsanstalten— zum Kongreß entseudet, welche sich dort mit den versammelten Männern der Wissenschaft und Verwaltungsbeamten vereinigen werden zu gemeinsamer Arbeit für die Aermsten der Armen: die erkrankten Proletarier. Die Gießener Ortskrankenkasse ist durch den Kon— trolleur Beckmann vertreten. Wie diese Vertreter der Arbeiterschaft ihre ganze Kraft für das Gelingen des Werkes ein⸗ setzen, so hegen auch wir den aufrichtigen Wunsch, daß die Thätigkeit des Kongresses von Erfolg gekrönt sein möge. Bei dem großen Interesse, das der Tuber- kulofe-Kongreß überall findet, werden unseren Lesern einige Angaben über die Verbreitung der Schwindsucht in Deutschland willkommen sein. Wir entnehmen diese Nachweise einer graphischen Darstellung, die eigens für den, Tuberkulose⸗ Kongreß angefertigt und im„Vorwärts“ reprodu⸗ ziert wurde. Die geringste Anzahl von Schwindsuchtsfällen kommt auf Mecklenburg sowie einige Thüringische Staaten und Hohen⸗ zollern, und zwar sind es 25 Schwindsuchtsfälle auf je 1000 Krankheitsfälle Demnächst kommen Ostpreußen, Posen, Pommern, einige Thüringische Staaten und Württemberg mit 25—30 Schwind⸗ suchtsfällen, sodann Westpreußen, Schlesien, Brandenburg, Provinz Sachsen, Schleswig⸗Hol⸗ stein und einige kleinere Thüringische Staaten mit 30—35 Schwindsuchtsfällen, alsdann ist Hannover, Anhalt, Bayern und Baden, sowie die Pfalz mit 35—30 Schwindsuchtsfällen auf je 1000 Krankheitsfällen zu verzeichnen. Hier⸗ auf folgt mit 40 bis 50 Schwindsuchts⸗ fällen auf je 1000 Erkrankungen Braunschweig, Westfalen, die Rheinprovinz, das Großherzog— tum Hessen und Elsaß-Lothringen. Ueber 50 Schwindsuchtsfälle auf 1000 Krank⸗ heitsfälle kommen in Berlin, dem Königreich Sachsen, in der Provinz Hessen-Nassau, Lippe, Oldenburg und Hamburg. Inwieweit bei diesem Auftreten der Lungen⸗ schwindsucht klimatische Ernährungs- und Ar⸗ beitsverhältnisse mitsprechen, ist nicht ohne weiteres zu sagen, auffallend jedoch ist die Thatsache, daß in den dichtbevölkerten Industrie— bezirken im Westen und Südwesten, sowie in den Großstädten Berlin und Hamburg die Lungenschwindsucht ihre verhältnismäßig stärkste Verbreitung zeigt. Es ist zu hoffen, daß die jetzt stattfindenden Verhandlungen des inter— nationalen Tuberkulose-Kongresses einen weiteren Schritt auf dem Wege der Bekämpfung der gefährlichen Volkskrankheit bedeuten. Von Nah und Lern. Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streagste Gewissen haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben. Vorträge im Wahlverein. * Wir machen auch an dieser Stelle noch ein⸗ mal auf die am heutigen Samstag im Wahl- verein stattfindenden Vorträge aufmerksam. Zahlreicher Besuch ist erwünscht und anugesichts der wichtigen Themata auch geboten. Die Wirte wehren sich. * Zur hessischen Licenzsteuervorlage, die, wie wir schon gemeldet, von der Regierung als Ersatz für die Weinsteuer in Aussicht genommen ist, hat der Rhein-Main-Gastwirthe-Verband (18 Vereine mit ca. 2000 Mitglieder) vorsorg— lich Stellung genommen und eine Denkschrift an die Großherzogliche Regierung und Zweite Kammer gerichtet, in welcher— unter Dar— legung der Gründe— gegen eine so einseitige Steuer, die weder dem Sinne noch dem Wesen einer Reform entspricht, aufgetreten wird. Der Verband erblickt in einer Licenzsteuer lediglich eine Doppel- und Sonderbesteuerung eines ein— zelnen Gewerbes, was um so ungerechter er— scheint, als zugleich für alle anderen hessischen Gewerbe, darunter weit einträglichere, die Ge— werbesteuer aufgehoben werden soll. Außerdem müßten die Gastwirte genau so wie alle übrigen Gewerbetreibenden zu den für die ausfallenden Steuern geplanten Ersatzmittel, der Vermögens- steuer, Einkommen- u. Stempelsteuererhöhung ꝛc. ihren redlichen Teil beitragen; und dazu noch die Licenzsteuer, das sel eine große Ungerechtig— keit. Sobald die Vorlage offiziell angekündigt wird, soll der Verbandsvorstand einen außer— ordentlichen Verbandstag der Gastwirte des Großherzogtums nach Darmstadt einberufen, um die weitere Agitation einzuleiten.— Wie gegen die Weinsteuervorlage, so werden auch gegen die in Aussicht stehende Licenzsteuer die Sozialdemokraten die zuverlässigsten Kämpfer sein. Das wird natürlich die tapferen Gastwirte nicht hindern, auch in Zukunft den Sozialdemokraten die Säle zu verweigern und die sozialdemokratischen Zeitungen zu boykottiren, weil das—„oben“ so gewünscht wird. Der Schnaps. Von 414 Branntweinbrennereien, mit denen Hessen gesegnet ist, waren im Jahre 1897/8 248 in Thätigkeit und lieferten an reinem Alkohol 18097 Hektoliter, womit die Produktion gegen die des Vorjahres um 744 Hektoliter zurückgeblieben ist. Die Ausfuhr ins Ausland war eine unerhebliche. Die Gesamteinnahme an Branntweinsteuer betrug nach Abzug der Vergütungen 1155 616 Mark. Das hessische Schulpanama, das von unseren Genossen in den beiden letzten Sitzungen des Landtags zur Sprache gebracht wurde und zu einer gründlichen Niederlage des obersten Leiters des hessischen Schulwesens, des — —— — Seile 4. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Nr. 22. Ministerialraths Soldan, geführt hat, wird noch immer in der Presse lebhaft besprochen. So fordert die„Frankfurter Zeitung“ ziemlich un⸗ verblümt den Rücktritt Soldans. Das Blatt schreibt:„Für uns geht aus den Worten des Herrn Minssterialrat Soldan zur Evidenz her⸗ vor, daß dieser Herr bei seiner Untersuchung mit einer so geringen— sagen wir einmal— Gründlichkeit verfahren ist, daß er in seinem Bestreben, die Sache nicht allzusehr in die Oeffentlichkeit kommen zu lassen, starke Unter— lassungssünden begangen hat, die geeignet er scheinen, das Vertrauen in die Unparteilichkeit dieses obersten Leiters der hessischen Schul— abteilung arg zu erschüttern. Die Lehrerschaft allgemein ist empört über die Art und Weise, wie die ihr vorgesetzte Ministerialabteilung mit ihr in so hochernsten Dingen umzuspringen be⸗ liebt, und die Eltern der Schüler vermissen jede Garantie für die gerechte und unparteische Behandlung ihrer Kinder. Wenn der Centrums— abgeordnete Dr. Schmitt, der letzte Redner in der Debatte, frei heraus erklärte, die Regierung werde aus der zweitägigen Verhandlung die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Autorität der oberen Schulabteilung dermaßen erschüttert ei, daß eine ersprießliche Thätigkeit unter den een Verhällnissen nicht möglich sei, so hat er damit der Bevölkerung aus dem Herzen ge— sprochen.“ Ganz unsere Meinung! Wenn die „Frankf. Ztg.“ sich aber dem Wahn hingiebt, daß mit der Eutfernung des Herrn Soldan das Protektionssystem verschwinden würde, dürfte sie sich schwer täuschen. So lange die höhere Bildung ein gehässiges Vorrecht der Besitzenden ist, so lange nicht die Befähigung, sondern der Geldsack die Thore der höheren Lehranstalten erschließt, so lange werden auch die Fälle „Dettweiler“ und„Solban“ nicht aufhören. Dummheit und Unfähigkeit werden sich auf den Bänken der Gymnasien und Universitäten breit machen, während das proletarische Genie im harten Kampfe um's Brot verkümmert und 1 diesem Unrecht, das gegen die ganze Arbeiterklasse verübt wird, verschwindet das durch den Fall„Dettweiler“ an einer Anzahl Bourgeols-Jünglinge begangene, zur Nichtigkeit. Zum Fall Dettweiler wird der Berliner freisinnig-demokratischen „Volkszeitung“ aus Hessen geschrieben: „Niemand stand der Regierung bei, als der freisinnige Abgeordnete Metz, der den Vater Dettweiler zu entschuldigen über— nahm. Dem sozjaldemokralischen Abgeord— neten Ulrich war es ein Leichtes, Herrn Metz daraufhin in den Sand zu strecken. Ulrich entgegnete, den Gefühlen eines Vaters, der sich bewußt sein mußte, daß er hoher Schul— beamter sei, ständen die Interessen hunderter Väter gegenüber. Hessen sei bisher im Schul— wesen ein Musterland gewesen, dieser gute Ruf und die Autorität der Schulbehörde müßten durch strengste Bestrafung der Schul— digen aufrecht erhalten bleiben. Der frei— siunige Abgeordnete Metz blieb der ein— zige Verteidiger der Oberschulbehörde! Die zweitägige Debatte endigte mit einer grün d— lichen Schlappe der Regierung und ein Wechsel in der Leitung des Kultusdeparte— ments steht bevor. Auch die Ministersessel der Herren Rothe und Küchler sollen wackelig geworden sein. Die Hessenverdrossenheit hat durch diesen Skandal, der weit über die Grenzen unseres Großherzogtums hinaus Aufsehen erregt hat, vermehrte Nahrung er— halten und der Freisinn hat sich(die übrigen freisinnigen Abgeordneten sichwiegen sich bei der Schulskandal— Debatte aus) nicht mit Ruhm bedeckt. Was der Berl. Volksztg. über den allerdings nur noch dem Namen nach bestehen— den hessischen Freisinn geschrieben wird, stimmt vollkommen. Die platte Unfähigkeit ist dort Trumpf. Daß die Universitäts stadt Gießen gerade den„freisinnigen“ Vertreter in der hessischen Kammer sttzen hat, der für die „neue Pädagogik“ der Dettweiler, Ahlheim und Soldan eine Lanze brach, ist eine grausame Ironie bes Schickfals. Wir haben's allerdings — nicht nur immer gesagt: wieviel Stümper in Hessen— mögen sich auf Grund der„neuen Pädagogik“ bis in die Hörsäle der Universitäten durchdettweilern, die vielleicht als Handwerks gesellen ganz brauchbar gewesen wären. Aber was wird heutzutage Alles als Aerzte, Juristen u. s. w. auf die arme Menschheit losgelassen! Aufstachelnng zur Unzufriedenheit. * Seit einigen Tagen werden in Gießen die Steuerzettel an die Steuerpflichtigen ver⸗ ausgabt. Es herrscht darob keineswegs eitel Freude. Im Gegenteil sollen sehr staats⸗ erhaltend gesinnte Leute, die ein wenig hinauf⸗ geschraubt wurden, ganz respektwidrig raison⸗ nieren. So viel Unzufriedenheit wie jetzt die Gießener Schutzleute durch Verausgabung der neuen Steuerzettel säen, könnte nicht durch 100 sozlaldemokratische„Hetzer“ in ebensoviel Ver— sammlungeu gesät werden. Wir haben herzlich gelacht, als ein feister Bürgersmann, dem der neue Steuerzettel in unserer Gegenwart über— geben worden, in hellem Zorn ausrief:„Do werrd'mer jo groad bollezeilich uffgereizt!“ Was würde der gute Mann erst sagen, wenn ihm klar würde, daß er jährlich auch noch einmal rund 100 Mark indirekte Steuer zahlen muß, die auf keinem Steuerzettel quit— tiert werden! Die neue Pädagogik. Ein Dichter hat sich an dem„Fall Dettweller“ entflammt und seiner Begeisterung in einem längeren Gedichte Ausdruck verliehen. Das Pocôm, welches der„Darmst. T. A.“ veröffent— licht, beginnt mit den Worten: Hott sunst en Bub en Spatz im Hern Un lernt aach net en Brocke, Daucht' nix, ging in die Schul net gern, So blieb im Glanz er hocke; Jetzt kimmt er vorwärts sicherlich, Dhat er nor klug zum Vatter sich En Owerschulrat wähle. Der Schluß des poetischen Ergusses lautet: Un frehkt mol Aaner der Herr Rat, Ob des Vafahre richtig, Ob so e Bub dann einst im Staat En Mann werd grad und dichtig, So lächelt de Herr Rat un spricht: „Mein Bester das versteh'n Sie nicht, ' ist neueste Pädagogik!“ Schulbildung und Verbrechertum. Die vielfach erörterte Frage über die Be— ziehungen der Schulbildung zum Verbrechertum ist von der Pädagogischen Gesellschaft in Preußen statistisch untersucht worden. Demzufolge ergab sich, daß in den östlichen Provinzen, wo die Schulpflicht nicht streug befolgt wird, sich eine viel größere Verbrecherzahl jährlich zeigt als in den westlichen Gegenden. Es kommen auf 1000 000 Einwohner in Westpreußen 1926 Ver⸗ brecher, in Posen 1783, in Ostpreußen 1673, in Ober⸗Schlesten 1605, in Pommern 1385, hin⸗ gegen in Westfalen 1053, Hessen-Nassau 1006, Rheinland 964, Hohenzollern 715. Im gleichen Verhältnisse ist auch eine Abnahme der Verbrechen gegen Staat, Religion und Ordnung zu ver⸗ zeichuen. Davon entfallen auf 100 000 Ein⸗ wohner in Westpreußen 489, in Posen 322, in Pommern 265, in Ober-Schlesien 250, in Ost⸗ preußen 236, hingegen in Westfalen 178, in Hannover und Sachsen 170, Rheinland 160, Hohenzollern 103. Bemerkenswert ist ferner, daß seit 1890 auch in den Ost-Provinzen mit der Ausgestaltung der Schulen ein stetiger Rück— gang der Verbrechen zu konstatieren ist.— Das wird uun wieder aufhören, da die Agrarier im Abgeordnetenhause wegen ihrer„Leutenot“ nach dem Rezept, daß der dümmste Kuecht am besten Mist streut, eine beträchtliche Verminderung der Schulstunden im Osten durchgesetzt haben. Mit der geringen Verstandes- und Gemütsbildung geht im Osten die entsetzliche wirtschaftliche Lage der Albeiterfamilien Hand in Hand und erzeugt so die Klasse derer, die gegen die bürger— lichen Gesetze verstoßen. Zur Abhilse empfehlen die Agraxier, die an allem schuld sind, dann die Einführung der Prügelstrafe. Aber nicht für sich. Die Nachtwächter in Eschwege. * Der Geuosse Hugo in Eschwege sollte den Bürgermeister Vocke daselbst beleidigt haben und wurde vom Schöffengericht zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Strafkammer sprach ihn auf seine Berufung frei. Es handelte sich um den Vorwurf amtlicher Wahlbeein⸗— flussung, geübt gegenüber den städtischen Nachtwächtern. Der Bürgermeister Vocke gab in der Verhandlung selbst zu, daß er am Tage der 93er Reichstags-Stichwahl geschriebene äußerlich kennbare Stimmzettel in seinem Büreau für den konservativen Kandidaten v. Christen ausgegeben und bei der her Nach⸗ wahl an 16 Nachtwächter und städtische Arbeiter je 1 Mark gegeben habe. Mit der Wahl sollte dies Geschenk aber nichts zu thun haben. Warum er das Geld gegeben, dafür gab der Herr Bürgermeister eine Aufklärung, die seine eigene Verwaltung in merkwürdigem Lichte er⸗ scheinen läßt: „Am Morgen nach der Stichwahl“ sagte er, kam ich zur Wache, um mich zu befragen, ob nichts vorgekommen sei. Da fand ich die Leute bei trockenem Brod und schwarzem Kaffee und als ich kurze Zeit da war, fiel einer in Ohnmacht. Dieses veranlaßte mich, zu fragen, wodurch das wohl komme. Da be— kam ich zur Antwort:„Dem geht es nicht gut, es wird durch Not sein.“ Und warum habt Ihr nicht einmal Milch zum Kaffee? „Weil wir uns keine kaufen können“, war die weitere Anwort.„Wollten wir besser leben, so würde uns nur wenig von unserem Gelde für die Nachtwache übrig bleiben.“ So der Herr Bürgermeister über seine eigenen Beamten. Und von derartig entlohnten Leuten verlangt man dann noch Begeisterung für die konservative göttliche Weltordnung! Ein Wohlthäter der Menschheit. Die nationalliberale und katholische Presse verbreitet seit einiger Zeit die Nachricht, daß der Reichstagsabgeordnete und Großindustrielle Freiherr Heyl zu Herrusheim aus Worms für die Zwecke der Lungenheilstätten-Bewegung 3,000,000 Mk. gezeichnet hat. Herr v. Heyl wurde natürlich ob dieser freigebigen Schenkung von dieser gesinnungstüchtigen Presse über— schwänglich als Wohlthäter der Menschheit ge— priesen. Jetzt teilt aber die„Köln. Ztg.“ mit, daß an der ganzen Drei-Millionen-Schenkung kein wahres Wort ist. Verschiedene Blätter, die die Stiftungs-Notiz veröffentlichten, haben dieselbe seither nicht widerrufen, sie betrügen also ihre Leser bewußtermaßen. Keine lausige Versicherung. Unter der Spitzmarke:„Eine lausige Ver— sicherung“ druckten wir neulich aus der Nau— mannschen Hilfe eine Notiz ab, wonach die Leipziger Bäckerinnung eine Versicherung gegen Ungeziefer abgeschlossen hat, deren Prämienhöhe sich nach der Zahl der beschäftigten Gesellen und Lehrlinge richtet. Jetzt wird im Auftrage der Leipziger Bäcker-Innung„be— richtigt“, daß sich die Versicherung nicht auf Flöhe und Läuse, sondern insbesondere auf „Schwaben und Russen“ bezieht. Wir wollen trotzdem wünschen, daß der Krieg gegen die bei der Versicherung ausgeschlossenen Flöhe und Läuse nicht weniger energisch geführt wird als gegen sonstiges Ungeziefer, insbesondere Schwaben und Russen. Dienstboten⸗Futter. Wie man in feinen Häusern die Dienstboten abfüttert, dafür liefert die in Leipzig im Verlage des Modenhauses Polich erscheinende, viel ge— lesene Deutsche Moden-Zeitung einen höchst interessanten Beleg. In einem in Nr. 10 und 11 des gena uten Blattes unter der Rubrik: „Haus wirtschaftliches“ erschienenen Aufsatz, der Leutetisch, wird nämlich eine Reihe von Koch— rezepten empfohlen, die es einem herrschaftlischen (J Haushalt ermöglichen, bei der Beköstigung der Dienstmädchen Ersparnisse zu erzielen. Da es, wie es so schön gesagt wird, bei den meisten der jungen, stark arbeitenden und viel essenden Personen weniger auf die Güte als auf die Meuge ankommt, so wird zunächst der Grund⸗ satz aufgestellt, den Dienstboten möglichst solche Gerichte vorzusetzen, die um ihrer stopfenden Eigenschaften willen gern von der arbeitenden Klasse genossen werden. Also die arbeitende Hädchen heiße Rübe leichtere veldig, all lachen. A Hülhenfrüc se voller Fleschspel slecke oder Pfennigen eier Esi sogar als Diese! der Sache Mattes iht sichts solch Hieber die: Vcgahllich kalten? — Uir gl Nat ken gute „ie bas ff genüge be un apa hulsterde in schei er auf laden. Heaner 0 Eat Spe ———— gab e le seine che 1 gte er, en, oh e Nett ar zen!“ , fiel e nich Da be. nicht Warum Kaffe!“ var die!“ leben, Gelde S9 der kamten, erlangt kwatibe eit. Prese t, daß Ustrielle ins für wegll⸗g b. 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Nach diesen einleitenden Worten, die, wenn nicht den haar⸗ sträubensten Klassenegoismus, so wenigstens die bodenlose Beschränktheit der bürgerlichen Frauen— welt offenbaren, wird nun zunächst eine Reihe solcher stopfenden Gerichte angeführt, unter denen die mit den einfachsten Zuthaten versehenen, derben Kloßarten und ebenso primitiv zubereitete sogenannte Puddings(nicht zu verwechseln etwa mit dem teueren Plumpudding, wie ausdrücklich betont wird) eine hervorragende Rolle spielen. Stets willkommen sollen auch Kartoffeln sein, zu denen man frische Wurst, Hering und Butter oder statt letzterer auch Leinöl mit Essig und Zwiebeln giebt. Was die Suppen, und zwar als Grundlagen des Gerichts, betrifft, so können bei einem hungrigen, viel essenden Dienstmädchen klare Bouillonsuppen nicht in Frage kommen. Statt dessen werden empfohlen: Kartoffelsuppe, die sich von Wasser„fast“— dieses fast ist köstlich— fast so gut herstellen läßt wie von Fleischbrühe; oder Bauerschokolade: d. h. Braunmehl in Milch gekocht, mit etwas Zucker und Zimt. Ganz vortrefflich ist auch das fast vergessene Biermüschen, zu dem man harte Brot⸗ rinden in einfachem Bier aufweicht und nach einem Zusatz von Kümmel, Salz und Zucker kocht. Von Gemüsen läßt wohl jede sparsame Hausfrau die feinsten Sorten für das Dienst⸗ mädchen ausfallen. Kohlrüben, Mohrrüben, weiße Rüben genügen auch. Nur ist es, um leichtere Sättigung zu erzielen, not⸗ wendig, alle Gemüse stark zu fetten und dick zu kochen. Wurzelgrüne oder Blattgemütze und Hülsenfrüchte aber sind stark einzubrennen, damit sie voller und kräftiger erscheinen. Als Fleischspeise endlich giebt man Kuheuter, Rinds⸗ flecke oder Kochwildbret, das Pfund zu 25 Pfennigen. Letzeres, das man acht Tage in einer Essigbeize aufhebt und dann brät, wird sogar als ein Leckerbissen bezeichnet. Diese und ähnliche Ratschläge erteilt eine in der Sache erfahrene Leserin des obengenannten Blattes ihren jüngeren Mitschwesteru. Und ange—⸗ sichts solcher Zustände wagt man es, wie jüngst wieder die„Deutsche Tageszeitung“, sich über die Begehrlichkeit und Genußsucht der Dienstboten zu entrüsten? Ist das Heuchelei oder Frechheit? — Wir glauben beides zugleich. Fromme Fresser. Nicht nur die Kirche hat, wie Göthe sagt, einen guten Magen, sondern auch ihre Söhne, wie das feiste Aussehen manches Pfäffleins zur Genüge beweist. Am 30. April d. J. war bei den Kapuzinern in Untermais bei Meran eine Priesterweihe, bei der es hoch hergegangen zu sein scheint. Wie bei allen Festen war auch hier auf das Essen das Hauptgewicht gelegt worden. Das geistliche Mahl wies nach der Meraner Ztg. folgende Kleinigkeiten auf: Weiße Hühnersuppe. Forellen in Mayonnaise. Gedämpftes Rindsstück garniert. Tirolerknödel. Blätterteig⸗Pastetchen mit Haché. Gespickter Kalbsbraten. Blumenkohl. Salat. Hühner in Fricassé⸗Sauce. Reis. Englischer Plum⸗Pudding mit Punschersme. Kaiserfleisch mit Kraut. Indian mit Kompots. Grüne Erbsen mit Frikandellen. Gebackenes Lamm. Gemischter Salat. Wein⸗Gallerte mit Vanillen⸗Sauce. Pökelzunge mit Meerrettig. Filet à la Wellington. Madeira-Sauce. Créme Nesselrode. Gebäck. Spielhohn und Birkhahn mit Preiselbeeren. Apfelkompot. Salat. Düten mit Obersschaum. Torten. Verschiedenes Backwerk. Schwarzer Kaffee. Uff! Diese 29 Gänge wurden mit etlichen Flaschen feurigen Traminers heruntergespült. Daß nach solchen Leistungen schwarzer Kaffee den Schluß bildete, ist erklärlich; zugleich wollte man wohl auch sehr sinnig mit der Schwärze des Kaffees den Uebergang zur alltäglichen asketischen Lebensweise andeuten. Die Kapuziner sind bekanntlich ein Bettelorden; es ist hübsch von der ob dieses„fürstlichen Mahles“ begeisterten frommen„Meraner Zeitung“, daß sie den Tyroler Bauern in ihrer Naivetät ver⸗ räth, wozu die frommen Brüder Kapuziner die 5,5 Kreuzer praktisch ver⸗ wenden. Hilfeleistung des Kaisers. Der„Vorwärts“ schreibt: Als der Kaiser am Mittwoch Vormittag in Begleitung zweier Offiziere im Tiergarten spazieren ging, bemerkte in der Gegend der Regentenstraße ein des Weges daherfahrender Droschkenkutscher den Monarchen. Die Augen auf die promenierende Majestät ge⸗ heftet, ward der Rosselenker zu seinem Unglück nicht gewahr, daß sein Pferd sich bedenklich einem anderen Gefährt näherte. Ehe der un⸗ achtsame Kutscher sich dessen versah, war seine Droschke in heftigem Anprall mit dem Wagen zusammengestoßen, und im weiten Bogen schleu— derte der bedauernswerte Mann vom Bock auf das Straßenplaster hinab. Ein Redakteur des„Vorwärts“, der in diesem Augenblick zufällig an der Unglücksstelle vorbeiradelte und den Vorgang gesehen hatte, sprang schnell vom Rade, um dem Verunglückten die erste Hilfe zu leisten. Auch der Kaiser trat sosort hinzu und hob gemeinsam mit unserm(leider schon einmal wegen Majestätsbeleidigung bestraften) Kollegen den Verunglückten auf. Der Monarch fragte unsern Kollegen, wie der Unfall eigent⸗ lich entstanden sei, worauf ihm dieser die Ur⸗ sache mitteilte. Nach einigen bedauernden Be— merkungen ging der Kaiser hierauf grüßend davou. Der Kutscher konnte, wie wir nach⸗ träglich erfahren haben, nach seiner Wohnung gebracht werden, da seine Verletzungen an⸗ scheinend nicht schwer waren. Ein Mann Gottes. Das Strafgericht in Basel verurtheilte den Prediger J. Hohl wegen Meineids zu einer Zuchthausstrafe von 1½ Jahren. Er war beschuldigt, der Veführer eines in Oberwyl wohnhaften Mädchens zu sein und wurde an⸗ gehalten, die gesetzlichen Alimente zu zahlen. Hohl bestritt, mit dem Mädchen Umgang gehabt zu haben und leistete den vorgeschriebenen Eid. Darauf wurde Hohl vom Ehe- und Waisengericht freigesprochen, dagegen von den Eltern der Tochter des Meineids strafrechtlich angeklagt. Das Strafgericht kam zur Ueberzeugung, daß ein Meineid vorliege und verhängte diese schwere Strafe. Ein Briefträgerstreik in Paris hat unmittelbar vor Pfingsten ganz Frankreich in Aufregung versetzt. Seit vielen Jahren ver⸗ langten die französischen Postunterbeamten ver⸗ geblich Aufbesserung ihrer Lage. Endlich hatte die Deputiertenkammer das Postbudget um 2 Millionen Franken zu ihren Gunsten erhöht, aber der Senat verweigerte seine Zustimmung. Da traten die Pariser Briefträger ganz spontan in einen Streik, der natürlich große Verwirrung beranlaßte und auch in der Kammer zu erregten Debatten führte. Schon nach 24 Stunden war aber mit Hilfe von Soldaten und privaten Aushelfern der Postverkehr wieder ziemlich in Ordnung gebracht und den Streikenden blieb nichts übrig, als bedingungslos den Dienst wieder aufzunehmen.— Mit Hilfe von Soldaten! Also Schutz gegen den„inneren Feind“. Erlaubte Falschheit. In Cincinnati ist ein merkwürdiger Ehe— scheidungsprozeß, den ein gewisser Charles Kraus gegen seine Frau angestrengt hatte, entschieden worden. Kraus gab an, daß seine Gattin ein, Glasauge und ein künstliches Bein habe Unvollkommenheiten, die erst nach der Hochzeit zu seiner Kenntnis gelangten, und er behauptete, daß diese Täuschung, deren Opfer er gewesen, ihn zu einer Ehescheidung berechtige. Der Rich— ter entschied zu Gunsten der Frau und wies die Klage ab. In seinem Urteile führte er aus, die Frau sei vor der Hochzeit nicht gefregt worden, ob sie irgend welche körperliche Mängel habe; folglich könne von einer Täuschung nicht die Rede sein. Es sei nicht ungesetzlich für Frauen Männer anzuziehen, indem sie sich mit Reizen umgäben, die ihnen die Natur versagte. Sonst könnten ja falsches Haar, falsche Zähne ꝛc. zu einem Scheidungsgrund gemacht werden. Letzte Nachrichten. Paris. Die Revisionsverhandlung in Sa⸗ chen Dreyfus ist auf den 29. Mai anberaumt worden. Sämtliche Räte des Kassationshofes wurden am Sonnabend hiervon benachrichtigt.— Briefkasten der Expedition. Beschwerd en wegen unregel⸗ mäßiger Zu⸗ stellung der„M. S.⸗Ztg.“ bitten wir an die Expedition, Sonnenstraße 25, Buchhandlung) zu richten. In Gießen mug die„M. S.⸗Ztg.“ bis spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag Nachmittag erfolgt. Quittungen. B. Bdkpf. 5.—. e, lee e , e Sg. Hchst. 2.40. N. Fr. 1.80. Kch. Kfd. R. Esch. 13.—. B. Dbg. 3.40. Mdl. Klch. 6.60. L. Glbg. 6.20. M. Bgn. 2.80. M. G. 50.30. Stm. Hchh. Ins. 6.—. Hzl. Ob.—.70. Hchstdt. K. 3.—. M. Obsch. 5.—. M. Gbch. 7.—. Schm. Hchhm. 27.—. B. Rdgn. 4.60. W. Lbch. 6.—. H. Kfd.—.40. Kch. Nfstdt. 13.20. H. Stzr. 1.—. E. Ab. W. 1.—. E. Ab. H. 1.— Altb. Ins. 3.50. Rhrg. Ins. 2.—. Hfm. Grßl. 2.—. Ins. Ebch. 1.20. Rch. Ob. 1.60. Schmpf. All. 2.—. Der Fall Küchler. * Unser armes Hessenländchen scheint gar nicht aus den Skandalen herauskommen zu sollen. Noch ist in aller Gedächtnis der Mainzer Gasanstaltsskandal, dem der Offen⸗ bacher Krakehl Oberbürgermeister Brink contra Beigeordneter Wolff folgte. Dann hörte man von dem Disciplinarverfahren gegen den Land⸗ gerichtsdirektor Küchler in Darmstadt und es folgte der unerhörte Schulskandal Dettweiler⸗ Ahlheim. Als dann nach all diesen traurigen Fällen der Gießener Schlachthaus-Tyrann Möhl zur Freude der gesamten ehrsamen Metzgerzunft verduftete, da tröstete man sich bereits mit den vorangegangenen unange⸗ nehmen„Fällen“ und meinte: Ende gut, Alles gut! Leider scheint jedoch das Ende der„Fälle“ noch nicht erreicht zu sein. Wenigstens kündigt die„Frankf. Zeitung“ in einer Axt und Weise, die darauf schließen läßt, daß sie gut informiert ist, an, daß der Fall Küchler noch einmal und zwar gründlich aufgerollt werden müsse. Der betreffende Artikel ist in außer⸗ ordentlich scharfer Tonart verfaßt und muß in Darmstadt kolossal verschnupft haben, denn die amtliche Dementierspritze wurde sofort in Thätig⸗ keit gesetzt. Im hessischen Ministerorgan ist zu lesen: „Die Nummer 140 der„Frankf. Zeitung“ vom 21. d. M. bringt unter der Ueberschrift „Neues zum Fall Küchler“ einen Artikel, in welchem ebenso wahrheitswidrige als ehrver⸗ letzende Anschuldigungen gegen die Regierung, insbesondere das Ministerium der Justiz, und gegen die der Stiatsanwaltschaft am Land⸗ gericht der Provinz Starkenburg vorgesetzten Beamten erhoben worden. Von amtlicher Stelle wird uns mitgeteilt, daß seitens des Ministeriums der Justiz Antrag auf straf⸗ rechtliche Verfolgung gegen den verant⸗ wortlichen Redakteur der„Frankf. Zeitung“ sowie gegen den mutmaßlichen Verfasser des Artikels gestellt ist.“ Anstatt zum Richter zu laufen, sollte die hessische Regierung der Presse dankbar sein, wenn diese das ihrige dazu beiträgt„Affairen“ zu klären, die im Volke als nicht ganz„er⸗ ledigt“ angesehen werden. Bekannt ist doch, daß der Landgerichtsdirektor Küchler diszipli⸗ narisch mit einem Verweis und einer Geld⸗ strafe belegt wurde. Daß es auch sehr unge⸗ wöhnlich ist, wenn ein höherer Richter mit einem — — 1 fr Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 22. Korkstopfenfabrikanten private Geschäfte macht, wird niemand bestreiten wollen. Der betreffende Fabrikant Rapp ist bankerott und hat sich demnächst wegen Vergehen gegen§ 211 der Konkursordnung zu verantworten. Zur Beurteilung des Verhältnisses zwischen dem Landgerichtsdirektor Küchler und dem Korkstopfenfabrikanten dürften zwei Urkunden von Interesse sein, welche von der„Wormser Volls⸗Zeitung“ wiedergegeben werden und lauten: J. Bescheinigung. Herr H. P. Rapp bescheinige ich hiermit, daß mir derselbe durch rechtsgültigen Kaufvertrag und sofortige Besitzübertragung sämtliche in seiner Wohnung befind⸗ lichen Juventarstücke, wie sie unter 1—99 des Kauf⸗ vertrags einzeln aufgeführt sind, zu Eigentum über⸗ tragen hat und der Kaufpreis(von 4000 Mark) bezahlt und quittiert worden ist. Jeder Zugriff durch Pfändung und dergleichen ist daher ausgeschlossen, indem H. P. Rapp's Eheleute nur noch in meinem Namen als meine Stellvertreter besitzen. Darmstadt, 16. Mai 1898. Siegel des Großh. Land⸗ Der Käufer: 1 C. Küchler, Landgerichtsdirektor. Diese Urkunde ist auf einen halben Bogen Papier in Aktenformat geschrieben, auf dessen Rückseite steht: Von der Gerichtsschreiberei Kgl. Landgerichts 1 a Es wird hiermit von uns nach getroffener Ver⸗ einbarung bescheinigt, daß der seit 1. Juli 1898 ge⸗ fährte Geschäftsbetrieb des mitunterzeichneten H. P. Rapp lehiglich für Rechnung des Großh. Landgerichtsdirektors C. Küchler geht, der ihm das Betriebskapital vorschoß, sodaß alle Erwerbungen, Ausstände, lediglich für letzt⸗ genannten gemacht wurden und H. P. Rapp nur als Geschäftsführer erscheint. Darmstadt, 2. Juli 1898. C. Küchler. H. P. Rapp. Gedanken sind zollfrei! Das wurde dieser Tage erst wieder in einem Prozeß gegen unseren Parteigenossen Dr. Quark in Frank⸗ furt a. M. sogar gerichtlich anerkannt. Partei ⸗Nach richten. Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 27. Mai: Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bei Orbig. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Ed. Krumm über: Die Marxsche Theorie. 2. Vortrag des Gen. Ph. Scheidem ann ü ber: Ed. Bernsteins Kritik des Marxismus. 3. Diskusion.— Die beiden Vorträge mußten von der Tagesordnung der letzten Versammlung abgesetzt werden wegen Behinderung des Gen. Krumm. Es ist dringend erforderlich, daß die Genossen in dieser und den weiter folgenden Versammlungen zahlreich zur Stelle sind. Dienstag, den 30. Mai: Cartellsitzung bei Orbig Abends pünktlich 9 Uhr. F Marktbericht. Gießen, 20. Mai.(Marktbericht). Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfb. 1.10 bis 1.30 Mk., Hühnereier p. St. 0—0, 2 St. 10— 11 Pfg., Enteneier 2 St. 11— 12 Pfg., Gän seeier p. St. 11 bis 12 Pfg., Käse 1 St. 5— 8 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. Ltr. 22 Pfg., Lin sen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.80— 1.00, Hühner per Stück Mk. 1.10— 1.40, Hahnen per Stück Mk. 1.50— 2.00, Enten per Stück Mk. 2.00— 2.50, Gänse per Pfund Mk. 0.00— 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68— 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62— 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60—72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50— 70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00- 6.50, Weißkraut per St. 00— 00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.50- 00.00, Milch per Liter 16 Pfg. Grünberg, im Mai. Am Markttage, 20. Mai, wurden auf dem hiesigen Fruchtmarkte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 0 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 00,00 M., 0 D.⸗Z. Korn zu 00,00 Mark, 00 D.⸗Z Gerste zu 00,00 Mark, 4 D.⸗Z. Hafer zu 14,50 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Samen zu 00.00 Mark, 100 D.⸗Z. Kartoffeln zu 5,00 Mark. 0. 2 e 2 dd 5 eee Unterhaltungs⸗Teil. 5 Die Spinnerin. Nur diesen letzten Rocken Noch spinnt der Mädchenfleiß, Dann schmiegt euch, meine Locken Dem grünen Myrthenreiß! Ich habe lang' gesponnen Und lange mich gefreut; Sum Bleichen an der Sonnen Liegt meine Jugendzeit. Hat er wohl auch das Seine Mit treuem Mut gethan Betreten schon die Eine Des Mannes Ehrenbahnꝰ Hat innig er begriffen Die Arbeit seiner Seit? Hat er sein Schwert geschliffen, Zum letzten Kampf bereit p weh ihm, wenn er nicht rechten Für uns're Freiheit will! weh ihm, wenn er nicht fechten Für sein Gewissen will! Dann mag mein Liebster minnen Nur auf und ab im Land,— Und dies mein bräutlich Linnen Wird dann ein Grabgewand. Gottfried Keller. r vom Stamm gerissen. 211 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Schluß.) Als Kurt am folgenden Vormittage, aus der Pension Champuis kommend, in Beau Rivage nachfragte, erfuhr er, daß die Damen wirklich fort seien, die Zimmer aber noch belegt hätten. Erleichtert atmete er auf, indessen wich die Be⸗ klommenheit nur halb, denn- was konnte bei der Ruhelosigkeit und dem Wankelmute der schönen Frau nicht alles geschehen? Sein Vallon, sein Paradies, das nun täglich schöner sich entfaltete, wollte ihm keine Freude mehr machen. Die Einsamkeit drückte und beängstigte ihn. Schon sann er ernstlich darüber nach, ob er nicht nach Genf fahren sollte, als er einen 160 von dort erhielt. Er war von Frau dalm: Lieber, bester Herr Oettinger! Es ist schauderhaft hier. Ich halte es keine Stunde länger aus. Wir kommen. Aber in das Hotel will ich nicht zurück. Ich habe das Parlieren satt. Erbarmen Sie sich und sehen Sie sich nach einer Villa für uns um. Aber machen Sie nur auf einen Monat ab, man kann nicht wissen, ob man länger bleibt. Alles übrige lege ich in Ihre Hände. Auf Wiedersehen morgen Abend. Viele schöne Grüße von der Kleinen. Ganz die Ihrige Adeline Malm.“ Herr Gott, war er diesmal glücklich über den Wankelmut und die Ratlosigkeit Adelinens. Er lachte laut für sich ganz allein. Eine Villa brauchte er nicht erst zu suchen. Er wußte von einer, die, obgleich ganz eingerichtet, verlassen stand. Sie gehörte einem jungen Gelehrten, dessen Bekanntschaft er in den ersten Tagen seines Hierseins gemacht und der gleich darauf nach Paris übergesiedelt war. Das Häuschen mit der konvolvulus⸗, jasmin⸗ und rosenüber⸗ sponnenen Veranda, von der sich Weingelände bis ans Seeufer hinabsenkten, war ihm immer wie ein kleines Eden erschienen, das sein eigen zu nennen nur einem Sonntagskinde bescheert sein könnte. Sogleich ging er zu dem Notar, der Villa und Weinberg verwaltete, und brachte die Sache mit ihm ins Reine. Am nächsten Abend konnte er der reizenden Villa ihre neuen Bewohnerinnen zuführen. Frau Malm war natürlich von allem ent⸗ zückt, am meisten von der Stille. Ach, wie himmlisch still und ruhig es hier war! Sie sei der Ruhe so sehr bedürftig. Nur nicht dieses lärmende Genf! Sie möchte sich am liebsten ganz von der Welt zurückziehen, nur still für sich und dem Andenken ihres lieben Alten leben! Indessen sollte Herr Oettinger dies nur ja nicht so wörtlich nehmen, sondern sie fleißig besuchen. Alle Tage wünschte sie ihn zu sehen. Das sollte ein reizendes Leben zu dreien werden. Und das wurde es denn auch. Fast jeden Abend stellte sich Oettinger ein und bot seine ganze Unterhaltungskunst auf, um Frau Adeline zu zerstreuen und von Aufbruchsgedanken fern zu halten. Die Vorstellung, daß sie fortgehen und Tussy entführen könnte, war ihm unerträglich. Inzwischen war es Ende Mai geworden. Der Wein blühte, Jasmin und Rosen rankten sich bis unter das Dach der Villa und lugten in Tussys Mansardenfenster hinein, an dem sie, wenn Oettinger sich entfernt und Frau Malm sie entlassen hatte, sehr oft, die Hände auf die Brust gepreßt, stand und auf den im Mondlicht glitzernden See und die dämmernden Alpen schaute. Was war es, das die Seele des Mädchens träumend und sinnend machte? War es die Vergangenheit, war es die Zukunft? An einem wunderschönen Sonntagmorgen, wo die ganze Natur im Festgewand strahlte, die Berghäupter wie Edelgesteine funkelten und blitzten, während der See noch in tiefem Schatten lag, kam Oettinger schon von Ouchy, wo er ein Frühbad im See genommen hatte, herauf⸗ gestiegen. Statt nach dem Vallon, schlug er fast mechanisch den Weg nach der Villa Solitaire ein. Je näher er derselben kam, je zögernder wurde jedoch sein Schritt. Es war noch sehr früh, kaum sieben Uhr. Er nahm Anstand, die Damen schon jetzt zu überfallen. Indessen besann er sich, daß er, ohne das Haus zu be⸗ treten, nach der Laube am Ende des Weinbergs gehen und dort eine spätere Stunde abwarten könnte. Im Haus und Garten herrschte die tiefste Stille. Auf der Veranda war der Tisch zum Frühstück noch nicht gedeckt, nur eine hand⸗ voll taufeuchter Rosen lag darauf. Das Man⸗ sardenfenster, welches er sehen konnte, war geschlossen und verhängt. Leise schritt er vor⸗ über und den Weinbergweg hinab. Als er in die Oeffnung der Laube eintrat, wurde ihm der reizendste Anblick zuteil. Im weißen Piquet⸗ Morgenröckchen, das bläulich-schwarze Haar aufgelöst, saß Tussy, von dem grün⸗goldenen Licht, das durch das Weinlaub siel, übergossen. Auf der Fußspitze wiegte sie ein zierliches Pau⸗ töffelchen, während sie sinnend zurückgelehnt den Stengel einer Rose zwischen den Fingern drehte. Vor ihr auf dem Tische lag ein Skizzenbuch und ein Stift. Bei der unerwarteten Begegnung waren beide im ersten Moment ein wenig be⸗ treten. Tussy tanzte es wie Feuerfliegen vor den Augen. Sie strich sich mit beiden Händen das Haar über die Ohren, schlüpfte in das Pantöffelchen und zog das lose anschließende Morgenkleid zu recht. Dann erst legte sie ihre Hand in die seine, die er ihr mit Ent⸗ schuldigungen über sein frühes Erscheinen reichte. Sie wagte ihn dabei kaum anzusehen, und ihre ersten Worte bildeten einen fast komischen Gegensatz zu ihrer Verwirrung. Oettinger mußte wider Willen lachen, als sie begann: „Auch ich bin sehr froh, daß Sie so früh kommen. Nun kann ich es Ihnen doch allein mitteilen. Frau Malm will fort, sie hat keine Ruhe mehr. Abend nicht hier waren. Sie langweilte sich und da war plötzlich nichts mehr gut, die Berge zu hoch, der See zu groß, der Garten zu klein, das Haus erbärmlich unkomfortabel— kurz, wir müssen scheiden, lieber Freund!“ Ach, das klang so unsäglich traurig:„Wir müssen scheiden, lieber Freund!“ Oettinger war ganz blaß geworden. „Vielleicht besinnt sich Frau Malm noch Das macht nur, daß Sie gestern men.— U. pol ein Per shicten. „Mein, ei Zush, liebe kn Salt fache. Ele unte Ver. ill vie lei ud uns be uten Toter Ledig, oll Lush das Gescht Kopf, er 30 Augenblick Plöhraunen in selner E fer an sic A, ehr als sch ih— liebe „Er sagt Eunme. 2 Auen, und lube, nur lten, 7 9— „ in Ln lau Adeli chen. „n, 14 raf ea, Und ant ich 9 Un. An bange 00 it i Fuat I Was ban S, 85 el N Khan his fand h 1 babohf 0 elwas 0 Ehre 9 i die; 1% herr 0 2 t pan ie b beet eb! . die lla 0 anders. Das ist so ein augenblicklicher Ein⸗ fall“, sagte er. „O, da kennen Sie sie nicht. So wankel⸗ mütig sie ist, so energisch kann sie sein, wenn Nr. 22. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Seite 7. 1 Tussy war ihrem Kurt, den sie schon geliebt, als sie noch ein halbes Kind gewesen, nicht nur eine treue, hingebende Gattin, sie hatte auch Verständnis für seine Ideen und nahm den lebhaftesten Anteil an seinen Arbeiten. Als die Partei, der er angehörte, später ein größeres Organ in der Schweiz gründete, übernahm Oettinger die Chefredaktion und siedelte mit seiner Frau und zwei prächtigen Buben nach Zürich über. Die Liebe unseres Paares bewahrte etwas von dem zarten Duft der Weinberge, unter welchen ihr Bund geschlossen worden. Ein An⸗ denken weihte und heiligte ihn. Obgleich keiner je den Namen Valeskas aussprach, in ihren Herzen lebte sie fort, ihr Schutzengel in guten und bösen Tagen. Aus der Gesellschaft. Was ein Abendessen kostet. In einer der kleinen, von rotsamtener Portiere einge— schlossenen Nischen nahmen sie ganz allein die obere Hälfte des Tisches ein, dessen Serviette unter dem Schein des Lustres in blendender Weise strahlte. Sie waren zu viert heute: Herr Buchhändler Müller nebst Fräulein Tochter, Herr Fabrikant Meier nebst Frau Gemahlin, und hatten soeben das Souper beendet, das sie an den Donnerstagsabenden nach Schluß des Gewandhauskonzerts stets in einem der besseren Weinrestaurants einzunehmen pflegten. Die Stimmung war äußerst animiert, und während die Damen sich mit dem neuesten Stadtklatsch beschäftigten, waren die Herren stark in eine politische Diskussion verwickelt. „Giebt es nicht, giebt es bei uns nicht,“ schrie jetzt Herr Meier, indem er sein noch halb volles Glas zum sechstenmal mit weißem Chablis füllte.„Keinen Pfennig zahle ich mehr, Herr Müller, keinen Pfennig. Die Leute haben voll— ständig ihr gutes Auskommen, und ihr ganzes Gerede ist nur die Folge dieser vorfluchten sozialdemokratischen Hetzer.“ „Emil!“ „Was?“ „Entschuldige, daß ich Euch unterbreche. Aber wir sind eben wieder einmal bei der Toni ihrem armen Ingenieur, und Fräulein Paul — Paula glaubt mir ebensowenig wie ihre Freundin, daß man unter 6000 Mark heute nicht daran denken kann, zu heiraten und gar eine Familie zu erhalten. Sag' ihr's einmal, was Du darüber denkst, Emil.“ Herr Meier lächelte freundlich überlegen: „Nee, nee, mein liebes Fräulein. 6000 Mark? In unseren Kreisen? Na, aber ein audermal“ und dann wendete er sich wieder Herrn Buch— händler Müller zu, der für die ihm längst be⸗ kannte Naivität seiner Tochter auch nur ein stilles Lächeln übrig hatte. „Na also, Herr Müller...“ „Aber Emil, wir möchten dann auch bald gehen.“ „Ja, ja, ja.— Also—.“ Er tipple, während er den verlorenen Faden ihrer Unter— haltung sucht, auf die silberne Klingel, um den Kellner zu rufen. „Ja, sehen Sie, da behauptet diese Bande, daß sie mit einem Wocheulohn, Wochenlohn sage ich, von 21 Mark eine Familie— sagen wir vier Leute— nicht anständig erhalten könnte. Rechnen wir es doch einmal aus. Nehmen wir an, sie brauchen für Miete und anderen Kram— na— 7 Mark die Woche. Dann bleiben noch 14 Mark übrig. Pro Tag zwei Mark. Nu, früh, Vesper u. s. w. 50 Pfg., mittags: eins fünfzig, und da kann man sehr gut essen(schaltete Herr Meier ein). Und abends— also— also Abeudessen 50 Pfg.—“ „Die Herschaften wünschen?“ flüsterte devot der Kellner, der soeben in der Spalte des Vor— hanges erschienen war. „Zahlen!“ rief Herr Meier, dessen weinge⸗ rötetes Gesicht von seinem rednerischen Triumph noch mehr erhitzt war.„Also viermal Abend— essen!“ Herr Müller suchte zu protestieren. Aber es half ihm nichts. Diesmal hatte ihn Herr Meier ausdrücklich eingeladen und begann auch ö N sie sich einmal in den Kopf gesetzt hat, daß es — hr irgendwo nicht mehr gefällt. Dann ist kein ell. Halten mehr. Sie haben es mit Genf erlebt. be Nein, sie geht; nach Interlaken, Ischl, was Ste weiß ich, wohin? Aber ich lasse mich nicht nich länger so herumschleppen, wie ein willenloses an Ding, wie eine Puppe, eine Sklavin“, brach ur Tussys Unwillen rückhaltlos hervor, indem sich leben ihre Wangen mit Purpur färbten.„Da ziehe ünger ich doch das Leben beim Vater und das Unter- den richten an der Schule vor.“ e ihn Beide saßen eine Weile stumm da. Tussy zy drehte wieder an ihrer Rose, Oettinger spielte mit dem Bleistift auf dem Tisch. Endlich hob jeden er den Blick und sah Tussy an. Das feine tine Profil des Mädchens zeichnete sich leicht auf deine, der grünen Laubwand ab, an ihrer dunkeln fern Wimper brach sich ein Sonnenstrahl und machte eine Tauperle, die dort hing, in allen Farben Tuss spielen. Oettinger warf den Stift hin und griff rden. nach ihrer Hand. mlten„Tussy“, sagte er mit bewegter Stimme, gn„wir sind zwei verwaiste, einsame Menschen, ist,— sollte es nicht möglich sein, daß wir zu— nan sammen—— f. f die Er stockte. Sie sah ihn erwartungsvoll an. Nicht„Ein Pensionat gründen?“ fragte Tussy Apen] schüchern. 3 f g dez„Nein, einen häuslichen Herd“, rief er. Wat Tussy, liebe Tussy, erschrecken Sie nicht. Es t ist kein Sakrileg, welches ich mit diesem Wort orgen, begehe. Sie sind mir immer als ein heiliges, hlt, teures Vermächtnis erschienen. Sie stehen so und gut wie allein in der Welt, auch ich stehe allein hatten und uns verbindet die Liebe zu ihr, unserer bor teuren Toten.— O Tussy, habe ich Sie be⸗ erauf⸗ leidigt, soll ich gehen?“ 10 ei Tussy hatte ihm die Hand entzogen und tune das Gesicht bedeckt. Sie schüttelte leise den 1100 Kopf, er zog ihr die Hand vom Gesicht. Einen 9 sch Augenblick sah sie ihm unsicher in die treuen, 9. 80 goldbraunen Augen, dann verbarg sie die ihrigen desen an seiner Schulter. Er drückte ihr Köpfchen 11 fester an sich und küßte ihr Haar. bers T Tussy“, flüsterte er,„können Sie mir etwas baren mehr als schwesterliche Liebe schenken? Ich— ede. ich— liebe Sie von ganzer Seele.“ Lich Er sagte es leise, mit tiefer, bebender sand⸗ Stimme. Da stahl sich ihr Arm um seinen lan Nacken, und stille, ganz stille ward's in der br Laube, nur die Insekten summten in den Wein⸗ 1- blüten. u e ihm J ͤ ͤ(cr ziquet⸗ 1 1 Hat Im Laufe der nächsten Tage erfuhr nuch (denen 98 Adeline, was in der Sonntagsfrühe ge— ssen. chen. 11 i„Nun, Kinder, das habe ich ja kommen ft den sehen“, rief sie,„das konnte ja garnicht anders vreht. sein. Und ich hoffe, Ihr macht bald Hochzeit, erbt damit ich dabei sein und Euch zusammengeben 5 kann. An die Aussteuer gehen wir sofort, die 10 be übernehme ich. Und wißt Ihr was?— Ach, en un das ist ein reizender Gedanke! Ich miete die händen Villa auf ein Jahr und Ihr bleibt hier wohnen. 1 d Nun, was sagen Sie, lieber Oettinger, was zende sagen Sie, Kleine?“ 1 se Wer war glücklicher und dankbarer, als 0 1 unser Brautpaar. Materielle Bedenken standen nuit. der Verbindung nicht entgegen. Oettinger hatte 5 in eine hübsche Einnahme von dem Pensionat, und ichn es stand bei ihm, sie durch Privatstunden 15 zu verdoppeln. Auch seine Schriften trugen Au ihm etwas ein. Im Notfall konnte Tussy h durch Sprachunterricht zum Erwerb beitragen, 0 115 kurz, die Zukunft des Paares schien gesichert. le Herr Stern war anfaugs sehr überrascht, i Em fast piquiert, sand es aber doch natürlich und 00 0 gab bereitwilligst seinen Segen. 1„So kommt man doch wenigstens einmal lei, in die Gegend, wo die Rousseausche Heloise l, spielt“, dachte er. Aber zur Hochzeit reiste er 8 doch nicht hin. Frau Malm war seine Stell⸗ 10 bertreterin und sie entledigte sich dieses Amtes 0 mit großer Würde. Nach der einfachen Feier nahm sie Abschied von dem jungen Eaar, um 109 statt seiner eine Reise anzutreten. Sie begab 0 bin, sich nach dem Salzkammergut. ll 1 1 3 2 schon mit der Aufzählung der Speisen, deren Preise der Kellner sich auf einem Kärtchen zu notieren beeilte. „Einmal Lende.“ „Eine Mark.“ „Zweimal Seezunge.“ „Eins fünfzig. Drei Mark.“ „Ein Rebhuhn.— Macht?“ „Einen Augenblick.— Macht sechs Mark fünfzig.“ „Und nun: ein Chablis, zwei Volnay.“ „Zehn— fünf, zwei, drei, eins, sechs— sechzehn Mark fünfzig, wenn ich bitten darf—.“ „Hier.— Na, hat's Euch geschmeckt?“ „Hm— ja, danke sehr.“ „Na— dann wollen wir—.“ Kodak in der Opz. Vztg. N Gemeinnüßiges. Gegen Heiserkeit ist der Gebrauch des kalten Wassers innerlich und äußerlich sehr zu empfehlen. Der Patient trinkt des Morgens während des Ankleidens ein Glas frischen klaren Wassers, aber nicht auf einmal; auch muß den ganzen Tag hindurch fortwährend eine kleine Quantität frischen Wassers getrunken werden. Des Abends vor dem Schlafengehen nimmt der Kranke eine Serviette, taucht sie in kaltes Wasser, drückt dieselbl aus, faltet sie zusammen wie ein Hals⸗ tuch und legt sie sich um den Hals; eine trockene Serviete wird ebenfalls zusammengefaltet, über die erste gelegt und befestigt. Alsdann lege sich der Patient ins Bett und decke sich recht warm zu, um eine neue Erkältung zu verhüten. Diese Kaltwasserkur, etwa 8 Tage fortgesetzt, wird das Uebel sicherlich beseitigen. Aus unserer Bammelmappe. Die Gesellschaft der Gewalthaber glaubt wirklich an die ewige Dauer ihrer Gewalt, wenn auch die Annalen der Welthistorie und das feurige Menetekel der Tagesblätter und sogar die laute Volksstimme auf der Straße ihre Warnungen aussprechen. Heinrich Heine. * Die berühmtesten Namen der Welt sind Würger des Menschengeschlechts, gekrönte oder noch Kronen ringende Henker gewesen. Nicht Humanität, sondern Leidenschaften haben sich der Erde bemächtigt und ihre Völker wie wilde Tiere zusammen- und gegeneinander getrieben. * Kehre den Satz, der Mensch sei ein Tier, der eines Herrn bedürfe, um: der Mensch, der einen Herrn nötig hat, ist ein Tier; sobald er Mensch wird, hat er keinen eigentlichen Herrn mehr nötig. Die Natur hat unserem Geschlecht keinen Herrn bezeichnet. Im Begriff des Menschen liegt der Begriff eines ihm nötigen Despoten, der auch Mensch sei, nicht. Johann Gottfried Herder. ——— Humoristisches. Uhland und der Dorfpfarrer. Auf einer Sonntagsstreiferei durch sein geliebtes heimisches Württem⸗ berg kam der bekannte Dichter Ludwig Uhland zu einer Dorfkirche und trat ein. Der korpulente Seelenhirt trug seinen Kirchgenossen gerade mit mächtiger Stimme eine sehr gehaltlose Predigt vor. Uhland hörte eine Weile zu, ging dann hinaus und schrieb an die Kirchenthür mit festem Stifte folgenden originellen Spruch: „Gar mächtig ist des guten Pfarrers Zunge; Die Brust ist stark, der Geist ist schwach— Nimm, Herr, ihm etwas von der Lunge Und hilf dafür dem Geiste nach.“ *. Ganz derselben Meinung. Lieutenant: Veilchenthal, warum soll der Soldat nicht mit der Putzjacke über die Straße geh'n?— Veilchenthal: Recht haben Se, Herr Lieutenant: Warum soll er nich?! (Jugend.) DD Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor. Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffent⸗ lichen Lebens. Stuttgart. Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. Heft 34.— Die„Neue Zeit“ erscheint wöchent⸗ lich einmal und ist durch alle Buchhandlungen zum Preise von 3.25 Mk. pro Quartal zu beziehen. Das einzelne Heft kostet 25 Pfg.— Die„Neue Zeit“ ist eine der besten Wochenschriften und für jeden, der sich über politische und litterarische Zeit- und Streitfragen auf dem laufenden halten will, unentbehrlich. eee 5 — Seite 8. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 5 Nr. 22. Aan cröffuel kröffnet! 12 Lindenplatz 12. Zweig⸗ Jsweig⸗Geschaft der Coͤlner Consum⸗ Nnstalt C. F. Hackenberg Gutes und billiges Kauf haus für Lebensmittel. 4 1 Re erötfnet!— 95 Sonntag, d. 4. Juni Grosses Waldies! der Gewerkschaften im Gießener Stadtwald, Licherstraße, erste Schueise rechts. Abmarsch Punkt 2 Uhr von der Licher Straße aus. Zu zahlreicher Teilnahme ladet freund— lichst ein Entree 20 Pfg. Das Komitee. bh Ottmann s Dluc (Sell& Heppeler) 5. bel E empfiehlt sich bei billigster Preisberechnung zur Herstellung Sämtlicher Druckarbeiten unter Zusicherung geschmackvollster Ausführung. 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